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Mittwoch, 16. September 2026

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger"

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger" (Englisch: Less) - 2017

Bislang habe ich noch nie einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman gelesen, der nicht interessant gewesen wäre. Irgendwann musste ich wohl auf einen solchen stoßen. Hier war's so weit.

Hätte der Autor die Angst des Protagonisten vor dem Älterwerden – oder auch die Angst, seit der Hochzeit seines Freundes allein dazustehen – stärker vertieft, hätte daraus eine gute Geschichte werden können. Oder hätte er sich auf die verschiedenen Veranstaltungen konzentriert, die der Protagonist in unterschiedlichen Ländern besucht, wäre es vielleicht eine gute 'Urlaubsgeschichte' oder Sommerlektüre gewesen. So aber war es schlichtweg nichts. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her; und obwohl ich das normalerweise mag, möchte ich doch wissen, wo ich mich gerade befinde.

Laut dem Klappentext soll das Buch lustig, ja sogar urkomisch sein. Ich habe kein einziges Mal gelacht.

Der einzige Unterschied zwischen diesem Buch und "Chick-Lit"? Es ist nicht ständig die Rede von Schuhen.

Buchbeschreibung:

"Mister Weniger ist eine schreiend komische Liebeskomödie, die sich nicht um Konventionen schert, ein Wundermittel gegen Liebeskummer und Trost für alle, die schon gemerkt haben, dass die Liebe manchmal seltsame Wege geht.

Der Schriftsteller Arthur Weniger hat von allem ein bisschen zu wenig. Wo anderen ein dickes Fell gewachsen ist, schmückt ihn bloß die zarte Schale eines Butterkrebses. Um sich vor der Hochzeit seiner Langzeitaffäre Freddy zu drücken, führt der arglose Weniger tapfer sein geschundenes Herz spazieren – New York, Berlin, Mexico City, Kyoto –, Hauptsache weg. Überall begegnet er der Liebe und nirgends läuft sie, wie sie soll. Doch erst die totale Schieflage rückt wieder alles ins Lot.

Eine erfrischend andere Liebeskomödie."

Andrew Sean Greer erhielt 2018 den Pulitzerpreis für "Less".

Mittwoch, 26. August 2026

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin"

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin" (Englisch: The Correspondent) - 2025

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang Briefe, hatte Brieffreunde auf der ganzen Welt, und als ich anfing, Esperanto zu lernen, wurden es noch mehr. Daher hatte ich erwartet, dass dieses Buch perfekt für mich sein würde.

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es eine Weile dauert, bis man sich in Sybils Leben eingelesen hat, und dem kann ich nur zustimmen. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt hat.

Allerdings war ich nie eine so organisierte Briefschreiberin wie Sybil. Ich setze mich nicht jeden Morgen hin; ich beantworte erhaltene Briefe immer dann, wenn mir gerade danach ist. Ich glaube, der Empfänger bekommt so eine bessere Antwort, als wenn ich nur schreiben würde, weil ich gerade "muss". Und ich habe noch nie einem Autor geschrieben – vielleicht sollte ich das eines Tages mal tun.

Ich vernachlässige jedoch nicht die Menschen in meiner Umgebung; ich versuche, sie so oft wie möglich zu treffen. Sybil scheint eher der Typ Mensch zu sein, der nur Briefe schreibt. Was hätte ich meinen weit entfernt wohnenden Freunden zu erzählen, wenn ich kein "richtiges Leben" hätte?

Letztendlich hat mir das Buch zwar gefallen, aber nicht auf die Art, wie ich es erwartet hatte.

Wir hatten eine schöne Diskussion über diesen Roman. Wir sind alle Senioren und dachten, das sei wahrscheinlich einer der Gründe, warum uns das Buch so gut gefallen hat. Eine unserer Teilnehmerinnen erwähnte, dass ihre Tochter keinen Zugang zu dem Buch gefunden habe. Vielleicht ist da etwas dran.

Auf jeden Fall waren wir uns alle einig, dass wir etwas Zeit brauchten, um mit all den Charakteren warm zu werden. Und ja, es sind eine ganze Menge. Die deutsche Ausgabe enthielt am Ende eine Liste all ihrer Briefpartner – ein kleines "Who’s Who?". In unserer englischen Ausgabe fehlte diese Liste. Ich frage mich, warum? Wie ihr alle wisst, liebe ich Listen.

Ich habe allerdings online eine @ The Book Companion gefunden.

Und @ SuperSummary:

Und während ich danach suchte, entdeckte ich, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda in der Rolle der Sybil Van Antwerp geplant ist.

In dem Roman werden unzählige Bücher erwähnt. Ich führe hier nur diejenigen auf, die ich selbst gelesen habe; die übrigen sind auf hier auf Goodreads zu finden.

Austen, Jane (deutsche Einträge) "Pride & Prejudice" (Stolz & Vorurteil) - 1813 (The Motherhood and Jane Austen
Brontë, Emily (deutsch) "Wuthering Heights" (Sturmhöhe) - 1887
Du Maurier, Daphne "
Rebecca" (Rebecca) - 1938
Gabaldon, Diana "Outlander" (UK: Cross Stich) (Feuer und Stein) - 1991
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road" (84 Charing Cross Road) - 1970
Ishiguro, Kazuo "The Remains of the Day" (Was vom Tage übrigblieb) - 1989
Johnson, Adam "The Orphan Master's Son" (Das geraubte Leben des Waisen Jun Do) - 2012
Joyce, James "Ulysses" (Ulysses) - 1922
Rushdie, Salman (deutsche Beiträge"The Satanic Verses" (Die Satanischen Verse) - 1988
Steinbeck, John (deutsche Einträge) "Travels with Charley" (Die Reise mit Charley) - 1962
Woolf, Virginia "To the Lighthouse" (Zum Leuchtturm) - 1927

Also, elf von vierzig Büchern. Aber vielleicht lese ich in Zukunft noch mehr.

Und ein Zitat, dem ich voll und ganz zustimme:

"… Ich mag Präsident Obama. Er ist ein hervorragender Redner, ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er das Telefonbuch vorliest."

Buchbeschreibung:

"Adoptivtochter und Starjuristin, Gartenliebhaberin und Ehefrau, Mutter und mütterliche Freundin – die 73jährige Sybil van Antwerp hatte schon viele Rollen inne in ihrem bewegten Leben. Eines hat sie dabei stets begleitet: ihre Leidenschaft fürs Briefeschreiben. Jeden Tag greift sie zu Füller und Papier und schreibt darüber, was sie bewegt und stört, was sie begeistert und betrauert. Voller geistreichem Humor und mitunter etwas ruppiger Herzlichkeit berichtet sie von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten, von Liebe und Triumph. Doch jenseits dieser Seiten hat Sybil die Menschen, die ihr etwas bedeuten, stets auf Abstand gehalten. Bis ein anonymes Schreiben sie zwingt, sich mit ihren eigenen Fehlern auseinanderzusetzen – und sich dem einen großen Geheimnis zu stellen, das ihr Leben geprägt hat. Denn für ein Postscriptum ist es nie zu spät.

Ein ebenso bewegender wie tiefgründiger Briefroman mit einer etwas kratzbürstigen Heldin und großen Themen – für alle Fans von Elizabeth Strouts unnachahmlicher Protagonistin Olive Kitteridge.

Ein Juwel von einem Roman über die Kraft, Trost in der Literatur zu finden und eine Verbindung zu Menschen zu knüpfen, denen wir vielleicht nie persönlich begegnen."

Dienstag, 28. Juli 2026

Plath, Sylvia "Die Glasglocke"

Plath, Sylvia "Die Glasglocke" (Englisch: The Bell Jar) - 1963

Was für eine interessante Lektüre! Ich bin keine große Lyrikleserin, daher kannte ich Sylvia Plath zwar, hatte aber noch nie etwas von ihr gelesen. Umso erfreuter war ich, als ein Mitglied unseres Lesekreises dieses Buch als nächstes vorschlug.

Und was für ein Buch! Ich finde, jeder, der Depressionen nicht als Krankheit ansieht und meint, man solle sich einfach "zusammenreißen", "sich mehr beschäftigen, damit man nicht so viel nachdenkt" usw., sollte dieses Buch lesen. Wobei ich bezweifle, dass das jemals passieren wird.

Sylvia Plath gelingt es, uns die Gedankenwelt eines jungen Mädchens zu zeigen, das von einer ganz normalen Schülerin, die Schriftstellerin werden will, zu einer von einer dunklen, quälenden Depression besessenen Person wird.

Man merkt, dass die Autorin aus eigener Erfahrung spricht. Sie litt selbst unter Depressionen und nahm sich schließlich das Leben. Man kann ihren Weg, ihre zermürbende Krankheit, ihre Kämpfe, ihre Tragödie wirklich nachvollziehen. Es tut mir leid, dass sie nur diesen einen Roman geschrieben hat; sie hätte der Welt so viel mehr geben können.

Wer sich für dieses Thema interessiert, selbst an Depressionen leidet oder jemanden kennt, der betroffen ist, sollte sich dieses Video der Weltgesundheitsorganisation anschauen. "Ich hatte einen schwarzen Hund, sein Name war Depression." (I had a black dog, his name was depression.) Und zögert nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wir haben dies im Januar 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Die Amerikanerin Sylvia Plath (1932–1963), 'die beste, aufregendste und maßgeblich rücksichtsloseste Dichterin ihrer Generation' (John Updike), hat mit ihrem einzigen Roman, der im Jahr ihres Selbstmordes erschien, ein Jahrhundertbuch geschrieben, das auch heute nichts von seiner beklemmenden Faszination verloren hat.

1963 Jahren erschien die amerikanische Erstausgabe der Glasglocke, Sylvia Plaths einzigem Roman – vier Wochen später nahm Plath sich das Leben. Ihr Roman avancierte bald zum Kult, beschrieb er doch wie kein Buch zuvor die Stimmungslage junger Frauen, ihre Zerrissenheit angesichts gesellschaftlicher Anforderungen. 'Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich wollte': Die neunzehnjährige Esther gewinnt eine vierwöchige Hospitanz bei einem Modemagazin in New York, garniert mit Partyeinladungen und Werbegeschenken. Doch Esther, bisher strebsame Studentin, kann sich weder in den Arbeitsalltag so recht einfinden noch die Verlockungen der Stadt genießen. Sie fühlt sich, als lebte sie unter einer Glasglocke, die sie mehr und mehr von allem trennt …"

1982 gewann Sylvia Plath posthum den Pulitzer-Preis für "Die gesammelten Gedichte".

Montag, 15. Juni 2026

Jeffers, Honorée Fanonne " Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois"

Jeffers, Honorée Fanonne " Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois" (Englisch: The Love Songs of W.E.B. Du Bois) - 2021

Das ist so ein wunderschönes Buch. Lasst euch von den über 800 Seiten nicht abschrecken, es lohnt sich absolut. Barack Obama hat es auf seiner Leseliste. Es ist ein Oprah-Buch und wurde auch von verschiedenen anderen Leselisten empfohlen und ausgezeichnet. Eine klare Empfehlung in jeder Hinsicht.

W.E.B. Du Bois, der Mann im Titel, war ein US-amerikanischer Soziologe, Schriftsteller, Historiker und panafrikanischer Bürgerrechtler (1868–1963) und der erste Afroamerikaner, der an der Harvard University promovierte. In diesem Buch wird er häufig erwähnt. Ich habe sein Buch "Die Seelen der Schwarzen" (The Souls of Black Folk) gelesen, eine sehr umfassende Studie über die schwarze Kultur in den Vereinigten Staaten. Dieser Roman trägt zu diesem Thema bei.

Die Geschichte dreht sich um Ailey Pearl Garfield, ein schwarzes Mädchen, geboren 1973, und ihre Vorfahren, deren Ursprünge bis in die 1740er Jahre zurückreichen. Sie hat sowohl schwarze als auch indigene Vorfahren, und deren Geschichte wird ausführlich beleuchtet. Sie muss sich mit den Problemen auseinandersetzen, mit denen viele Frauen, insbesondere schwarze Frauen, zu kämpfen haben. Sie ist eine starke Frau, doch ihr werden viele Hindernisse in den Weg gelegt. Und wir erfahren, wie ihre Vorfahren, vor allem die Frauen, diese Herausforderungen gemeistert haben.

Meine einzige Kritik betrifft nicht die Geschichte oder das Buch selbst. Am Anfang gibt es zwar einen Stammbaum, aber dieser ist mitunter recht verwirrend. Ein Diagramm oder eine Nummerierung der Verwandtschaftsverhältnisse wären hilfreich gewesen. So wie es präsentiert wird, muss man viel suchen, um mehr zu erfahren. Falls ihr es noch lesen wollt: Ein Diagramm steht auf Wikipedia.

Abgesehen davon war das Buch einfach fantastisch, episch.

Buchbeschreibung:

"Jeden Sommer reist Ailey Pearl Garfield nach Chicasetta, einem Provinzort in Georgia, wo die Familie ihrer Mutter seit über 200 Jahren lebt. Dank ihres Onkels Root kommt sie nach Routledge, einem historisch Schwarzen College, setzt sich mit dem großen Denker W.E.B. Du Bois auseinander, sucht ihren Platz in der Welt. Dazu muss Ailey die Geschichte ihrer Familie verstehen, vom Sklavenhandel in Westafrika bis zu den Rassenunruhen ihrer Zeit. Denn als Nachfahrin von Schwarzen, Indigenen und Weißen trägt sie das Erbe von Unterdrückung und Widerstand, Gefangenschaft und Selbstermächtigung in sich."

Freitag, 12. Juni 2026

Modick, Klaus "Bestseller"

Modick, Klaus "Bestseller" [Bestseller] - 2006

Der Autor Lukas Domcik (natürlich erfunden vom Autor Klaus Modick) gibt sich als Esperanto-Übersetzer aus, damit er nicht dauernd auf seine Schriftstellerei angesprochen wird. Gut, dass ihm kein Esperanto-Sprecher begegnet ist. Wir brauchen nämlich keine Übersetzer, und wenn wir etwas für Nicht-Esperanto-Sprecher zu übersetzen haben, machen wir das selbst. Davon kann man nicht leben.

Zwischendrin erzählt er davon, dass heute doch jeder "Klotzkopf Englisch kann … die deutsche Sprache wird sowieso täglich englischer, und mir fiel mein alter Latein- und Griechischlehrer vom Gymnasium ein, der apodiktisch behauptet hatte, Englisch müsse ein Norddeutscher mit Lateinkenntnissen gar nicht lernen, weil Englisch lediglich eine Mischung aus Vulgärlatein und Plattdeutsch sei. Heute ist Englisch zu einer Mischung aus Vulgärlatein allen Sprachen der Welt verkommen - nur das Plattdeutsche ist dabei irgendwie auf der Strecke geblieben." Da soll Herr Modick sich mal ins Hinterland von Oldenburg begeben, da wird er sehr viele Leute finden (auch jüngere), die zwar Plattdeutsch, aber immer noch kein Englisch sprechen. Moin.

Noch ein Zitat! "Umberto Eco, unter allen postmodernen Schlaumeiern der ungekrönte König, ist einmal der Frage nachgegangen, was eigentlich selbst für intellektuell und ästhetisch belastbare Leute das Faszinierende an einem ästhetisch maximal mediokren Film wie Casablanca sei". Hier handelt es sich um den Essay "Casablanca oder die Klischees tanzen", 1958. Eco behauptet, "Die wilde, scheinbar unlogische Vermischung aller möglichen Klischees und Archetypen macht den Film zu einer Art Collage der westlichen Mythologie."

Warum erwähne ich das? Nun, ich versuche immer noch herauszufinden, wie mir das Buch gefallen hat. Der Anfang war reichlich lahm. Zur Mitte hin wird es dann interessanter bis zum Schluss der Protagonist bekommt, was er verdient. Das hat mir gefallen. 

Buchbeschreibung:

"Klaus Modick erzählt die Geschichte des Schriftstellers Lukas Domcik, der aus einem Manuskriptfund Kapital schlagen will.

Tante Theas Erinnerungen an ihre Jugend in den Dreißiger- und Vierzigerjahren verpackt er als Roman und gibt Rachel, eine junge, fernsehtaugliche und von ihm begehrte Maskenbildnerin, als Autorin aus. Mit dieser unschlagbaren Kombination spekuliert er auf einen Weltbestseller. Doch im Rausch seiner Amour fou verliert Domcik schon bald die Übersicht - und die Fäden seiner attraktiven Marionette aus den Händen …

Eine pointierte Literaturbetriebssatire - und ein grandioses Lesevergnügen!"

Montag, 27. April 2026

Heidenreich, Elke "Hier geht’s lang!"

Heidenreich, Elke "Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben" [This way! Through life with books by women] - 2021

Elke Heidenreich habe ich ja immer schon gerne gelesen. Und ein Buch von Elke Heidenreich über Bücher?? Und über sich selbst??? Das musste ich einfach lesen.

Und das Buch hat gehalten, was der Titel versprochen hat. Natürlich! Was hätte ich auch sonst erwarten können.

Die Autorin erzählt nicht nur, wie sie zum Lesen kam, was sie alles gelesen hat (alles, was man sich nur vorstellen kann), welche Autorinnen sie empfiehlt. Nein, sie erzählt auch ovn ihrem Leben, von ihrer armen Kindheit (die hatte ich auch und mit viel weniger Büchern), von ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit, sowohl von ihrer Arbeit mit Büchern als auch von ihrem Privatleben.

Einfach ein tolles Buch.

Nur eine Beschwerde: Ich hätte mir ein Inhaltsverzeichnis gewünscht mit all den von ihr erwähnten Büchern. Leider ist das nicht im Buch. Und auch nirgendwo im Internet. Ich habe nur diesen KI-Eintrag gefunden:

Jugend/Klassiker: Trotzkopf, Nesthäkchen, Bücher von Enid Blyton, Christine, der Zopf muss ab.

Prägende Literatur: Selma Lagerlöf, Françoise Sagan, Virginia Woolf.

Moderne/Spätere Wegbegleiter: Susan Sontag, Joan Didion, Annie Ernaux, Eva Menasse, Ruth Klüger, Ilija Trojanow (ausgenommen, da männlich, aber erwähnt) (der ist ja auch klasse!)

Schade, denn es wäre ein sehr gutes Nachschlagewerk für lesehungrige Leser*innen.

Buchbeschreibung:

"Mit Büchern von Frauen durchs Leben!

Es waren Bücher von Frauen, die Elke Heidenreich geprägt haben, von frühester Jugend an. Später machte sie das Reden und Schreiben über Bücher zu ihrem Beruf. Und wurde, wie sie heute ist, durch Bücher: Denn Lektüre und Persönlichkeitsentfaltung bedingen einander, das Lesen durchdringt das Leben. Bücher von Frauen gaben ihr das Rüstzeug für alles, was sie heute macht, für die lebenslange Freude an Auseinandersetzungen, schwierigen Lektüren, am immer Weitermachen. Lesen macht glücklich und ist der rote Faden im Leben der Elke Heidenreich. Sie schreibt dieses Buch, um nachzuvollziehen, wie Bücher von Frauen uns zu dem machen, was wir sind, um zu verstehen, was Literatur bedeutet, und um ihren Leserinnen Anregungen zum eigenen Lesen und Leben zu geben."

Samstag, 21. Februar 2026

Roth, Philip "Zuckermanns Befreiung"

Roth, Philip "Zuckermanns Befreiung" (Englisch: Zuckerman Unbound) - 1981

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit Zuckermans erste Geschichte "Der Ghostwriter" (The Ghost Writer) gelesen und fand die Geschichte faszinierend. Teils autobiografisch, teils alternative Geschichte, Liebe und Krieg – eine perfekte Kombination all dieser Themen und eine sehr anspruchsvolle, aber auch unterhaltsame Lektüre.

Deshalb musste ich unbedingt lesen, wie es mit unserem Freund Zuckerman weitergeht. Ich war etwas enttäuscht. Nicht vom Schreibstil, nicht von der Geschichte an sich, sondern davon, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Band so viel Zeit vergangen war. Nicht nur viele Jahre, dem dem Protagonisten ist auch viel in dieser Zeit passiert. Der Autor erzählt uns zwar die wichtigsten Geschehnisse, aber man hat trotzdem das Gefühl, dass etwas fehlt. Als ob man einen alten Schulfreund nach Jahrzehnten wiedertrifft und nicht mehr so ​​recht weiß, wer er ist.

Trotzdem ist die Geschichte genauso interessant und offen wie die erste. Nathan Zuckerman hat sich mehr oder weniger zu dem Schriftsteller entwickelt, den wir von ihm erwartet hatten, und sein Privatleben lässt keine Wünsche offen.

Buchbeschreibung:

"Nathan Zuckerman, inzwischen Mitte dreißig, würde trotz seines neuen Ruhms als Bestsellerautor gern ein zurückgezogenes Leben führen, doch als er im letzten der turbulenten sechziger Jahre durch die Straßen von Manhattan geht, trifft er überall auf selbst ernannte Berater, Mahner und Amateurkritiker. Angesichts der Morde an Robert Kennedy und Martin Luther King beginnt Zuckerman sich zu fragen, ob das Wort 'Zielscheibe' vielleicht nicht bloß eine Metapher ist."

Philip Roth erhielt 2011 den International Booker Prize.

Roth, Philip "Der Ghostwriter"

Roth, Philip "Der Ghostwriter" (Englisch: The Ghost Writer) - 1979

Warum ich vorher noch keine Bücher dieses außergewöhnlichen Autors gelesen hatte, ist mir ein Rätsel.

Was soll ich sagen, ich war von dem Buch wirklich begeistert. Ich fragte mich, ob es teilweise autobiografisch ist, denn es hatte auf jeden Fall Tendenzen, die danach klangen. Mir gefiel der alternative Geschichtsteil, ein Genre, das ich sehr schätze.

Ein junger Autor trifft einen älteren Autoren, sein schriftstellerisches Vorbild. Und dort begegnet er einem interessanten jungen Mädchen mit einer faszinierenden Vergangenheit. Das ist die Grundgeschichte. Doch es ist die Art und Weise, wie Philip Roth die Geschichte erzählt, die sie interessant macht. Sie weckt den Wunsch, alles über Nathan Zuckerman, den jungen Autor, und sein Leben zu erfahren und die ganze Reihe lesen zu wollen.

Auf nur 180 Seiten gelingt es Philip Roth, einen Überblick über die jüdische Geschichte, den Holocaust, Anne Franks Tagebuch und das Leben in den Vereinigten Staaten der 1950er Jahre zu geben, insbesondere über die Situation der Juden damals.

Wenn euch die ersten Sätze gefallen (Übersetzung von mir): "Es war die letzte Stunde Tageslicht an einem Dezembernachmittag vor über zwanzig Jahren – ich war dreiundzwanzig, schrieb und veröffentlichte meine ersten Kurzgeschichten und dachte, wie so mancher Bildungsroman-Held vor mir, bereits über meinen eigenen umfangreichen Bildungsroman nach –, als ich in seinem Versteck ankam, um den großen Mann zu treffen. Das Schindelbauernhaus lag am Ende einer unbefestigten Straße, 350 Meter hoch in den Berkshires, doch die Gestalt, die aus dem Arbeitszimmer kam, um mich feierlich zu begrüßen, trug einen Gabardineanzug, eine gestrickte blaue Krawatte, die mit einer schlichten silbernen Spange an einem weißen Hemd befestigt war, und gut gebürstete schwarze Ministerschuhe, die mich eher an einen Schuhputzstand als an den Hochaltar der Kunst denken ließen", dann wird euch das ganze Buch gefallen. Sein Schreibstil ist wunderschön.

Buchbeschreibung:

"Die Anfänge einer großen Schriftsteller-Karriere

In
Der Ghost Writer lernen wir in den fünfziger Jahren Nathan Zuckerman kennen, einen hoffnungsvollen jungen Autor mit einer Leidenschaft für bedeutende Bücher, der in einem abgelegenen Winkel Neuenglands, als Gast im Haus seines literarischen Idols E. I. Lonoff, die gegensätzlichen Ansprüche von Literatur und Erfahrung entdeckt."

Philip Roth erhielt 2011 den Booker International Prize und war 1980 Finalist für den Pulitzer-Preis.

Mittwoch, 19. November 2025

Pasternak, Boris "Doktor Schiwago"

Pasternak, Boris "Doktor Schiwago" (Russian: Доктор Живаго = Doktor Živago) - Doctor Zhivago - 1957

Wer kennt den Film "Doktor Schiwago" nicht? Ich glaube kaum jemand. Aber wer hat den Roman gelesen? Ich kenne nicht viele. Da mir die Geschichte des Films aber sehr gut gefällt, der Autor einen Literaturnobelpreis erhalten hat und ich Literatur von Nobelpreisträgern liebe, musste ich ihn einfach eines Tages lesen.

Ich bin froh, dass ich es getan habe. Boris Pasternak versteht es, eine "sehr einfache Geschichte" zu erzählen, wie er selbst sagte. Ganz so einfach ist sie aber nicht: Das Leben unseres Helden Juri Andrejewitsch Schiwago, eines Arztes und Dichters, ist voller Komplikationen. Er hat im Laufe seines Lebens viele Gedichte geschrieben, einige davon sind am Ende des Buches hinzugefügt. Wie so oft, wenn ich eine Übersetzung lese, wünschte ich, ich könnte die Originalsprache sprechen. Ich bin kein großer Lyrikfan, aber übersetzte Gedichte sind noch schlimmer als die Originale; sie können nie die wahre Bedeutung dessen vermitteln, was der Dichter wirklich meinte.

Doch selbst in den übersetzten Gedichten spürt man Pasternaks Wunsch, einen "einfachen Roman" zu schreiben, der das wahre Leben von Menschen zeigt, die sich durch schwierige Zeiten kämpfen und dennoch versuchen, ein menschliches Leben zu führen. Die Gedichte handeln vom Alltag, von der Liebe und der Bibel.

Schiwago selbst wird als hochintellektueller und sensibler Mensch dargestellt; jede andere Figur ergänzt ihn, jeder Einzelne ist komplex und dennoch leicht verständlich.

Das einzige Problem, das Nicht-Russen mit diesem Roman haben könnten, sind die Namen. Wer jedoch andere russische Romane gelesen hat, weiß, dass jeder Mensch drei Namen hat: den Vornamen, den Familiennamen und den zweiten Vornamen, den Vatersnamen. Wenn man bedenkt, dass man Personen oft mit dem Vornamen und dem Vatersnamen und nur gelegentlich mit dem Vor- und Nachnamen angesprochen wird, kommt man mit den verschiedenen Namen nicht zu Verwechslungen.

Ich habe das Lesen dieses Buches genauso genossen wie das wiederholte Ansehen des Films. Das Buch enthält viel mehr, als jemals auf die Leinwand gebracht werden kann. Wenn euch die Geschichte gefällt, solltet ihr also den Roman lesen.

Buchbeschreibung:

"Im russischen Zarenreich aufgewachsen, erlebt der Moskauer Arzt Shiwago den Ausbruch der Revolution. Alle Hoffnungen auf eine glänzende Karriere werden mit der neuen Ordnung zerstört, und Shiwago beschließt, mit seiner Familie auf ein Landgut reicher Verwandter zu ziehen. Die Familienidylle gerät ins Wanken, als Shiwago Lara wieder trifft, die er in einem Lazarett kennenlernte … Sein halbes Leben lang arbeitete Boris Pasternak an diesem Roman, der in der Sowjetunion nicht publiziert werden durfte. In der Verfilmung mit Omar Sharif wurde er zum Klassiker."

Boris Pasternak erhielt 1958 den Nobelpreis für Literatur "für seine bedeutende Leistung sowohl in der zeitgenössischen Lyrik als auch auf dem Gebiet der großen russischen Erzähltradition".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 1. November 2025

Ephron, Nora "Ich kann mir alles merken"

Ephron, Nora "Ich kann mir alles merken. Nur nicht mehr so lange" (Englisch: I Remember Nothing. And other reflections) - 2010

Nora Ephron, möge sie in Frieden ruhen, fand immer die richtigen Worte. Sie sagte bereits: "Ich fühle mich schlecht wegen meines Halses" (Der Hals lügt nie/I Feel Bad About My Neck), jetzt gesteht sie: "Ich erinnere mich an nichts." Gedanken über das Älterwerden, den Verlust der Gesundheit, den Verlust von Freunden – die ganze Welt verändert sich."

In so einer Situation bleibt einem manchmal nur der Humor. Und Nora Ephron hilft dabei. Sie spricht über das Erwachsenwerden, ihre Eltern und ihre drei Schwestern, über ihre Ehen, Beziehungen, ihre Karriere als Journalistin. Alles sehr interessant und unglaublich witzig.

Man merkt dem Buch an, dass Nora Ephron wusste, dass sie nicht mehr lange leben würde, aber sie nahm es trotzdem mit ihrem gewohnten Humor. Ich liebe ihre Texte. "Harry und Sally" (When Harry Met Sally) ist definitiv einer meiner Lieblingsfilme überhaupt, und ich werde mir noch mehr von ihren Filmen ansehen und weitere Bücher lesen. Danke, Nora Ephron. Du hast mir viel gegeben.

Am Ende des Buches fügt Nora Ephron zwei Listen hinzu: "Dinge, die ich nicht vermissen werde" und "Dinge, die ich vermissen werde". Ich finde es toll, dass sie "Stolz und Vorurteil" (Pride & Prejudice) in die zweite Liste aufgenommen hat.

Buchbeschreibung:

"Dieses Buch geht uns alle an!

Wenn man jung ist, lacht man darüber, dass man in die Küche gegangen ist und sich nicht mehr daran erinnert, was man dort wollte. Oder dass man sorgfältig eine Einkaufsliste geschrieben und sie dann aber vergessen hat. Und dann wird man älter …

Früher drohten die vielen Erinnerungen ihre 'geistige Festplatte' zu sprengen; beim Älterwerden spürt Nora Ephron, dass die Speicher sich zu leeren beginnen. Und diese Erfahrung machen wir irgendwann alle. Mit viel Wortwitz zeigt Hollywoods erfolgreichste Drehbuchautorin einmal mehr, wie gut sie es versteht, die Gedanken und Wünsche von Frauen in Worte zu fassen. Mit unnachahmlicher Selbstironie schreibt sie über gestern, heute und morgen, über Familie und Beruf, Vertrauen und Enttäuschung, Erfolg und Desaster. Der Hals lügt immer noch nie. Und Nora Ephron lügt uns nicht an: Altwerden ist nicht einfach, aber einfach schön verrückt!

Herzenswärme und hintergründiger Humor von Hollywoods Kultautorin. Nora Ephron weiß, was Frauen wollen!
"

Ephron, Nora "Der Hals lügt nie"

Ephron, Nora "Der Hals lügt nie. Mein Leben als Frau in den besten Jahren" (Englisch: I Feel Bad About My Neck And Other Thoughts on Being a Woman) - 2006 

Nora Ephron. Ich habe sie während ihrer gesamten Schaffenszeit geliebt und bewundert. "Harry und Sally" (When Harry Met Sally) ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich liebe ihren Humor, aber ich hatte noch nie ein Buch von ihr gelesen. Als sie Anfang des Jahres leider verstarb, dachte ich, es wäre an der Zeit, diese unglaubliche Lücke zu schließen. "I Feel Bad About My Neck" (Ich fühle mich schlecht wegen meines Halses) – der Titel allein ist schon vielversprechend.

Da sind so viele großartige Gedanken in diesem Buch. Besonders beeindruckt hat mich, als Nora Ephron fragte, ob jemand noch "Das goldene Notizbuch" (The Golden Notebook) lese. Nun, wir haben es im Januar 2009 in unserem internationalen Lesekreis gelesen, und die meisten unserer jüngeren Mitglieder mochten das Buch nicht besonders. Wir hatten das Gefühl, dass die jüngeren Leser die Gründe für das Buch nicht wirklich nachvollziehen konnten.

Ihr Buch ist außerdem voller Zitate. Wer einen kleinen Vorgeschmack möchte, sollte sich diese (englischen) Links anschauen:


Einer meiner Lieblingssprüche (aus diesem Buch):
"Lesen ist eine meiner Hauptbeschäftigungen. Lesen ist alles. Lesen gibt mir das Gefühl, etwas erreicht, etwas gelernt und mich zu einem besseren Menschen entwickelt zu haben. Lesen macht mich klüger."

Aber es ist so viel schöner, das ganze Buch zu lesen. Tolle Gedanken, toller Humor, eine schöne Erinnerung an eine wunderbare Frau.

Buchbeschreibung:

"Mein Leben als Frau in den besten Jahren

Wenn frau plötzlich eine Vorliebe für Stehkragen, Schals und Rollkragenpullover entwickelt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass sie in die 'besten Jahre' gerät. Der Hals beginnt sich in Falten zu legen, und nicht mal die Kosmetikindustrie kann etwas dagegen tun. Entwaffnend offen, sehr persönlich und in ihrem einzigartigen, umwerfend witzigen Stil, schreibt Nora Ephron über das Älterwerden. Über verlegte Lesebrillen, erhöhte Aufwendungen für die 'Instandhaltung' und blödsinnige Ratgeber, in denen behauptet wird, wie großartig es sei, alt zu werden ...

Humorvolle Einsichten in das Älterwerden – von einer der erfolgreichsten Frauen Hollywoods (Harry und Sally/When Harry Met Sally)"

Ephron, Nora "Sodbrennen"

Ephron, Nora "Sodbrennen" oder "Quetschkartoffeln gegen Trübsinn" (Englisch: Heartburn) - 1983

Die meisten meiner Freunde wissen, was für ein großer Fan ich von Nora Ephron bin. Ich liebe ihre Filme und alles, was ich von ihr gelesen habe. Zum Glück habe ich noch nicht alles gelesen. Einer der Romane, die ich noch lesen wollte, war dieser. Eine Geschichte, die sie aus ihrer eigenen Scheidung von ihrem zweiten Ehemann gemacht hat. Nur Nora Ephron schafft es, aus diesem Desaster eine witzige Geschichte zu machen. Ein Ehemann, der seine Frau im siebten Monat für eine andere (verheiratete) Frau verlässt?!?! Was für ein … okay, ich kann im Internet keines der Worte finden, mit denen ich ihn gerne beschreiben würde, aber ich denke, die meisten Leute werden mir zustimmen, also überlasse ich es eurer Fantasie.

Aber nur Nora Ephron schafft es, aus einer Tragödie eine Komödie zu machen. Ich musste beim Lesen dieses Buches so lachen, obwohl ich ihren Mann am liebsten sonstwo getreten hätte. Der Schreibstil macht es extrem lebensecht, es wirkt fast so, als hätte es eine Frau am Ende ihrer Schwangerschaft ohne jegliche Unterstützung geschrieben. Aber dennoch klug und witzig, genau wie die Autorin.

Der Roman beginnt mit einer Einleitung, in der Nora Ephron erzählt, ihr Mann sei wütend auf sie gewesen, weil sie darüber geschrieben habe. Doch – wie sie sagt – sie habe zuvor über ihr Leben, sein Leben, ihr gemeinsames Leben geschrieben. Was habe er wohl gedacht? Dass sie plötzlich ein Schweigegelübde abgelegt habe?

Ich liebe Nora Ephron und ihre Geschichten. Ich liebe auch Meryl Streep und Jack Nicholson. Warum habe ich diesen Film noch nie gesehen? Ich habe keine Ahnung, aber ich bin sicher, er ist großartig, und ich werde ihn mir ansehen.

Buchbeschreibung:

"Was macht eine Frau mit Kleinkind, wenn sie - achtundreißig Jahre alt, im siebenten Monat schwanger - feststellen muss, dass ihr zweiter Mann ein Verhältnis mit einer anderen hat? Nicht einmal einen neuen Verehrer kann sie sich zulegen - in ihrem Zustand!

So sinniert Rachel, nachdem sie ihrem Mann auf die Schliche gekommen ist. Mögen sie auch Weinkrämpfe schütteln, ihren Sinn für Witz und Humor verliert sie nicht.

Locker und unverkrampft beschreibt die Ich-Erzählerin Rachel Samstat ihre Beziehungen zur Umwelt, zu ihren Eltern, ihren Freundinnen, ihrerer Therapeutin sowie die missglückte Verbindung mit ihrem ersten Mann. Als dann Mark, ein Kolumnenschreiber, der 'Washington Post', in ihr Leben trat, wurden ihre Knie weich wie nie zuvor, und sie ging ein zweites Mal das Wagnis der Ehe ein. Doch Mark lässt sie nun trotz gegenteiliger Beteuerungen schnöde im Sich, und ihre Berühmtheit als vom Fernsehen her bekannte Kochbuchautorin ist ihr dabei auch kein großer Trost. Gegen die Angst vor dem Verlust einer Liebe und vor der Einsamkeit ist kein Kraut gewachsen.

Dies ist ganz und gar keine gefühlstriefende, sentimentale Geschichte - im Gegenteil: Die Autorin versteht es, das dramatische Geschehen als Komödie darzustellen. Die Dialoge und Beobachtungen sind so lebendig und komisch, dass man nur ins Gelächter mit einstimmen kann."

Übrigens, bei dem Mann handelt es sich um Carl Bernstein, ja, genau, der von der Watergate-Enthüllung (siehe All the President's Men/Die Watergate-Affäre).

Freitag, 17. Oktober 2025

Köhlmeier, Michael "Abendland"

Köhlmeier, Michael "Abendland" [Occident] - 2007

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich dieses Buch gefunden habe. Auf jeden Fall war es eine schlechte Idee, das Lesen so lange aufzuschieben. Was kann ich sagen? Mein SUB ist einfach zu groß.

Dieses Buch ist einfach sagenhaft. Ein Mann, geboren im Jahr 1900. Er war fast so alt wie mein Großvater mütterlicherseits (geboren 1899, meine Großmutter 1901), so dass ich es allein deshalb schon spannend fand. Leider sind meine Großeltern nicht so alt geworden wie Carl Jacob Candoris, aber einen Teil der Geschichte sind sie schon zusammen gegangen.

Das Buch behandelt so viele Themen, von der Musik zu Beginn des letzten Jahrhunderts, insbesondere vom Jazz, über die zwei Weltkriege, die in Europa wütenden, bis zu der Geschichte Portugals und Brasiliens. Es geht um das Leben einiger weniger Personen, und nicht alle haben das ganze Jahrhundert erlebt. Aber das macht es gerade so interessant. Man kann sich vorstellen, was eine Person erlebt hat, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren wurde, wie meine Großeltern.

Ich habe ja schon einige "Jahrhundertsagas" gelesen, u.a. von Günter Grass (Mein Jahrhundert), Ken Follett und Geert Mak (Das Jahrhundert meines Vaters) oder auch die Geschichten von Edward Rutherfurd, die ja immer über mehrere Jahrhunderte gehen. Sie sind alle immer wieder hochinteressant, da wir sehen können, wie sich bestimmte Situationen im Laufe der Zeit entwickeln. Auch hier ist das der Fall.

Was ich auch gut fand, die Protagonisten sind Österreicher und es war sehr interessant, die Sicht unserer Nachbarn zu sehen, besonders zum 2. Weltkrieg und zum "Anschluss".

Das Buch gibt uns viele Denkanstösse. Zum Beispiel bei dieser Bemerkung:

"Wissen Sie, Candoris, was das angenehmste an unserer Wissenschaft ist? Daß bei den Objekten der Mathematik Schein und Sein zusammenfallen. 181 ist eine Primzahl, nicht weil man sie zu einer solchen erklärt hat, sondern weil es so ist. Beruhgit Sie das nicht auch? Mich hat es jedenfalls beruhigt."
Natürlich hat er recht. Aber erklär das mal jemand den Aluhüten oder den Trägern von diesen roten Baseball-Kappen.

Es handelt sich hier um einen ziemlich dicken Wälzer von mehr als 750 Seiten, aber jede einzelne davon ist es wert, gelesen zu werden.

Buchbeschreibung:

"Ein Panorama des 20. Jahrhunderts.

Die Lebensgeschichte des exzentrischen Mathematikers, Weltbürgers und Jazz-Fans Carl Jacob Candoris und seines Biographen Sebastian Lukasser. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht das vielschichtige Porträt einer ganzen Epoche.

Carl Jacob Candoris - Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan - ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der in Wien einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb; von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebt und die Größen der Naturwissenschaft kennenlernt; und vom Wien der Nachkriegszeit - wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zieht. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit."

Samstag, 26. Juli 2025

Coetzee, J.M. "Der Meister von Petersburg"

Coetzee, J.M. "Der Meister von Petersburg" (Englisch: The Master of Petersburg) - 1994

Ich liebe russische Autoren und ich liebe Nobelpreisträger, also war das eine Win-Win-Situation. Ein Buch eines Nobelpreisträgers über das Leben eines russischen Autors muss doch gut sein, oder?

Das war es auch, aber es war schwer zu lesen, obwohl es nur etwa 250 Seiten lang war. Man musste sich ständig daran erinnern, dass es sich um ein fiktives Werk handelt, obwohl viele Ereignisse aus der Realität stammen. Man erkennt den Autoren Dostojewskij und all seine Lebenskämpfe wieder, man sieht Teile der Probleme Russlands dieser Zeit, einige reale Personen. Entweder weiß man nichts über Dostojewskij und akzeptiert das Buch einfach als Geschichte, oder man muss ständig vergessen, dass es kein Sachbuch ist.

Dostojewskij wurde jedoch wunderbar dargestellt, es war ein großartiges Buch über Russland, das mehrere internationale Preise erhielt, unter anderem den Commonwealth Writers' Prize.

Buchbeschreibung:

"J. M. Coetzee konstruiert in seinem Roman eine literarische Fiktion um Fjodor Dostojewsky: Ein alternder Schriftsteller namens Fjodor Michailowitsch reist 1869 von Dresden nach Petersburg, um die näheren Umstände des Todes seines Stiefsohns Pawel zu erfahren. Ist Pawel von der zaristischen Polizei getötet worden, handelt es sich um Selbstmord, oder sind gar die Anarchisten um Sergej Netschajew für Pawels Tod verantwortlich? Der zwischen Trauer und Schuldgefühlen hin- und hergerissene Fjodor verstrickt sich zusehends in die Petersburger Verhältnisse, die die seines Sohnes waren und nun seine eigenen werden: Er zieht in Pawels ehemaliges Zimmer, schlüpt in dessen Anzug, stellt Pawels Wirtin, der sinnlichen Anna Sergejewna, nach und verbringt einige wilde, verzweifelte Nächte mit ihr. Coetzee schildert Euphorie und Albdruck, die einem epileptischen Anfall vorausgehen, mit ebenso großem psychologischem Einfühlungsvermögen wie Fjodors vergebliche Versuche, den Tod des Sohnes zu verwinden. Die wahre Trauerarbeit leistet Dostojewskij schließlich schreibend: An Pawels Schreibtisch beginnt er, die ersten Seiten der Dämonen zu skizzieren."

J.M. Coetzee, "der in zahlreichen Gestaltungen das erstaunliche Wirken von Außenseitern darstellt", erhielt den Nobelpreis für Literatur 2003.

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Freitag, 11. Juli 2025

Snider, Grant "Dein Bücherregal verrät dich"

Snider, Grant "Dein Bücherregal verrät dich" (Englisch: I Will Judge You by Your Bookshelf) - 2020

Hin und wieder brauchen wir alle ein Bilderbuch. Ich finde oft niedliche kleine Comics im Internet, und wenn sie vom Lesen handeln, stammen sie meistens von Grant Snider. Daher habe ich mich sehr gefreut, dieses Buch zu finden.

Vor ein paar Jahren habe ich bereits in meinem Blogbeitrag "Judge a reader by his books" (Beurteile einen Leser nach seinen Büchern) darüber geschrieben. Daher habe ich mich gefreut, hier jemanden zu finden, der der gleichen Meinung ist.

Es gibt hier einige wunderbare Seiten, wie zum Beispiel die "Buchmesse", auf der wir all die kleinen Stände finden, die es gibt, nur mit anderen Titeln (z. B. frisch gepresste Liebesromane, frittierte Memoiren, eiskalte Geschichten von wahren Verbrechen oder Ratgeber am Stiel für die Essensstände). Einfach süß. Oder "Das Porträt lesender Eltern". Oder "Hinter jedem großen Romanautor steckt ein …". Und dann gibt es noch einen Leitfaden zur "Nationalen Abteilung für Poesie". Es ist schwer, die besten Stellen zu finden, dies sind nur einige kurze Beispiele, die mir beim Durchblättern des Buches aufgefallen sind.

Aber das Beste an dem Buch ist: Man kann es immer wieder hervorholen und sich wunderbar amüsieren, es bringt einen immer zum Lachen. Es ist witzig, kreativ und zeigt uns auf wunderbare Weise, wie wir sind. Leser aller Länder, vereinigt euch! Und lest Grant Snider!

Buchbeschreibung:

"DAS Geschenk für Buchliebhaber*innen jeden Alters

Ist es unhöflich, mitten im Gespräch ein Buch zu zücken und die Nase hineinzustecken? Nimmt man im Sommer eine scheckige Bräune in Kauf, um den Urlaub mit Lesen verbringen zu können? Was erfahren Besucher*innen beim Blick in unser Bücherregal? Diese Sammlung ist eine Hommage in Bildern an unser aller Lieblingsobjekt - das Buch. Die Cartoons des beliebten New-York-Times-Zeichners Grant Snider sind Kult: Jeder One-Page-Comic ein Blick in die bisweilen exzentrische Welt der Buchverrückten. Mit ihrem leisen Witz, ihrer Detailverliebtheit und ihrer Einladung zum Um-die-Ecke-Denken das perfekte Geschenk zum Schmökern, Schwelgen, Schmunzeln und Sich-selber-Wiederfinden.."

Dienstag, 10. Juni 2025

Hornby, Gill "Miss Austen"

Hornby, Gill "Miss Austen" (Englisch: Miss Austen) - 2020

Wie bereits erwähnt, hat der Classics Club im Rahmen der Feierlichkeiten zu Jane Austens 250. Geburtstag das #Reading-Austen-Projekt gestartet. Wir lesen jeden zweiten Monat ein Buch von ihr, und ich möchte zwischendurch immer mal wieder etwas Austen-Bezogenes von ihr lesen.

Im April habe ich ein deutsches Buch von Catherine Bell gelesen: "Jane Austen und die Kunst der Worte". Ich war nicht beeindruckt. Wahrscheinlich hatte ich vorher schon zu viel über Jane Austen gelesen, und dieses Buch hätte jeder Jane-Austen-Fan ohne weitere Recherche schreiben können. Schade eigentlich.

Allerdings war "Miss Austen" auch nicht viel besser, nur ein bisschen. Die im Titel erwähnte Miss Austen ist nicht Jane, sondern ihre Schwester Cassandra. Wir erfahren von ihrer letzten selbst gestellten Aufgabe: der Absicht, die Briefe ihrer Schwester zu vernichten, die etwas enthielten, das Cassandra niemanden wissen lassen wollte, da es dem Vermächtnis ihrer Schwester schaden würde. Da diese Briefe jedoch vernichtet wurden, wissen wir nicht, was sie enthielten; die Autorin hat sie einfach erfunden.

Ich mag es nicht, wenn Leute eine Fortsetzung zu einem Buch schreiben, dessen Autor gestorben ist. Ich habe es nie gemocht und bezweifle, dass ich es jemals mögen werde. Daher wird mein nächstes Buch über Jane Austen (im August) wohl wieder ein Sachbuch sein.

Das Buch ist in Deutsch noch nicht herausgegeben, es erscheint am 15.09.2025.

Buchbeschreibung:

"Entdecke die fantastische Welt der Austen-Schwestern!

Einfühlsamer historischer Roman über die Austen-Schwestern

Aufwendig gestaltete Extras, die die Regency-Ära zum Leben erwecken

Erstübersetzung des britischen Bestsellers zum 250. Jubiläum von Jane Austen

Vorlage der hochkarätig besetzten BBC-Serie (2025)

'Ihr ganzes Leben lang waren jene Augenblicke, die Cassandra in der Gegenwart herausragender Frauen verbracht hatte, die glücklichsten gewesen.'

England im Jahr 1840. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Cassandra Austen von ihrer geliebten Schwester Jane Abschied nehmen musste, und noch immer vergeht kein Tag, an dem sie sich nicht um das Andenken der berühmten Schriftstellerin sorgt.

Als sie das Haus ihrer gemeinsamen Freundin Eliza Fowle besucht, stößt sie auf einen verborgenen Schatz: Janes Briefe. Um den wachsamen Augen des Dienstmädchens zu entgehen, beginnt Cassandra im Schutz der Nacht die Worte ihrer Schwester zu lesen. Doch in diesen Zeilen schlummern Geheimnisse, die nicht nur Janes Leben in einem neuen Licht erscheinen lassen, sondern auch Cassandras eigene Geschichte enthüllen.

Eine wundervolle Hommage an das Werk der beliebten Autorin

Mit tiefem Einfühlungsvermögen und feinem Witz erzählt Gill Hornby von der besonderen Beziehung zweier Schwestern, der Chance auf die große Liebe und dem Mut, das eigene Vermächtnis zu gestalten.

Diese prachtvolle Schmuckausgabe mit Goldfolienveredelung ist ein Muss für jeden Jane-Austen-Fan! Dank zehn zwischen die Seiten gelegten Extras wie Briefen, Postkarten und einem zeitgenössischen Stadtplan von Kintbury bietet dieses Buch ein einmaliges Leseerlebnis und lässt die Leserinnen und Leser tief in die Zeit des Romans eintauchen."

Donnerstag, 29. Mai 2025

Oz, Amos "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis"

Oz, Amos "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" (Hebräisch: סיפור על אהבה וחושך, Sipur) - A Tale of Love and Darkness - 2002

Amos Oz, ein israelischer Schriftsteller und Journalist, geboren 1939 in Jerusalem, wuchs in den Anfängen des neuen Staates in einer sehr akademisch geprägten Familie aus Litauen auf – eine der vielen Familien, die am Vorabend des schrecklichsten Krieges aller Zeiten aus Europa fliehen mussten.

In diesem Buch erzählt er nicht nur von den Anfängen des neuen jüdischen Staates und seiner Kindheit, sondern erinnert sich auch an die Vergangenheit jüdischer Kultur, Literatur, Sprache und, noch wichtiger, an die Depression und den Selbstmord seiner Mutter. Auf erstaunliche, sehr einfühlsame Weise beschreibt er nicht nur seine eigenen Probleme als Kind und junger Mann, die ihn schließlich in einen Kibbuz führten, wo er mehr als dreißig Jahre seines Lebens verbrachte, sondern auch die Kämpfe aller Erwachsenen in dieser Zeit. Viele von ihnen fanden keine Arbeit in ihrem Fachgebiet und verloren ihr Leben, wie sie es kannten.

Dies ist nicht nur die Geschichte eines jungen Mannes und seiner Familie, es ist eine Saga über das gesamte jüdische Volk von Europa bis Israel. Trotz aller Schwierigkeiten, die sie durchgemacht haben, ist dies eine sehr liebevolle Geschichte, die mit viel Gefühl über einige sehr bewegende Themen erzählt wird.

Buchbeschreibung:

"Die Geschichte des Jungen Amos, der im Jerusalem der vierziger Jahre aufwächst - eine große Familien-Saga, ein Epos vom Leben und Überleben, ein Buch der Enttäuschungen und der Hoffnung.

Sein Buch gebe ein altes Rätsel auf, hat der 65-jährige israelische Schriftsteller Amos Oz über den Inhalt seines stark autobiografisch gefärbten Roman Eine Geschichte von Liebe und Finsternis geschrieben: 'Wie können zwei gute Menschen eine schreckliche Katastrophe herbeiführen? Wie kann es kommen, dass die Heirat zweier Menschen, die einander wollen und einander gutes Wünschen, in einer Tragödie endet?'

Die zwei Menschen, von denen Oz hier spricht, das ist zum einen sein Vater: '
ein sentimentaler und enthusiastischer Mann', der siebzehn Sprachen lesen und elf sprechen kann (alle mit russischem Akzent), ein Universalgelehrter voll mit Magie und Mystik, und doch nach Ansicht der Mutter 'rational sogar noch im Schlaf'. Die andere Person ist die Mutter des Schriftstellers, Fania Klausner, die am Ende der Geschichte von Liebe und Finsternis verzweifelt den Freitod wählt -- und von der der Ich-Erzähler behauptet, 'bis zum Schreiben dieser Seiten' nie über sie gesprochen zu haben. Ihre tragische Geschichte erzählt das Buch -- und die Geschichte der Überlebenden ihrer Familien, die, dem Holocaust entronnen, in den vierziger Jahren ins gelobte Land nach Palästina ziehen, und die doch auch in der ersehnten Fremde nicht recht glücklich wurden."

Amos Oz hat 1992 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Donnerstag, 22. Mai 2025

Pamuk, Orhan "Der naive und der sentimentalische Romancier"

Pamuk, Orhan "Der naive und der sentimentalische Romancier" (Türkisch: Saf ve Düşünceli Romancı) - The Naïve and the Sentimental Novelist- 2011

Einer meiner absoluten Lieblingsautoren spricht über eines meiner Lieblingsthemen: Bücher. Was könnte da schiefgehen?

Nichts. Orhan Pamuk spricht über seine Sicht des Schreibens, seine Herangehensweise an Literatur, und zwar auf die gleiche bezaubernde Art und Weise, wie er die Figuren in seinen Romanen beschreibt. Er geht auf verschiedene Schreibformen ein und gibt dafür gute Beispiele aus der bekannten Literatur (siehe Liste unten). Er verwendet viel russische Literatur, insbesondere "Anna Karenina".

Dies ist eine Einführung in die Literatur, wie man sie versteht und was man daraus machen kann. Es wäre wahrscheinlich ein großartiges Buch für Lernende jeder Sprache, aber ganz besonders für Literaturstudenten. Ich habe noch kein Buch dieses großartigen Autors gefunden, aus dem ich nicht zumindest etwas gelernt habe. Hier habe ich viel gelernt.

Hätte er ihn nicht schon erhalten, hätte ich ihn schon oft für den Nobelpreis vorgeschlagen, aber ganz sicher besonders nach diesem Buch.

Buchbeschreibung:

"Orhan Pamuk ist nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit, Pamuk ist auch ein großer Leser. Wie wirken Romane auf ihre Leser? Muss der Schriftsteller alles erlebt haben, wovon seine Romane erzählen? Warum wird ein Roman erst durch die Mischung aus Phantasie und Wirklichkeit glaubhaft? Um zu wissen, wie Schreiben geht, was alles möglich ist, muss man lesen. Orhan Pamuk, der die Weltliteratur wie kaum ein anderer kennt, erzählt uns in seinem bezauberndem Band Der naive und der sentimentalische Romancier, was das wahre Lesevergnügen ausmacht."

Orhan Pamuk "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2006.

Orhan Pamuk hat 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

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Liste der erwähnten Bücher und/oder Autoren:
Abū Nuwās (al-Ḥasan ibn Hānī al-Ḥakamī) (~756-814)
Albrecht, Michael von (1933-)
Alighieri, Dante (1265-1321)
Allston, Washington (1779-1843)
Aristoteles "Physik" (Φυσικὴ ἀκρόασις/Phusike akroasis) ~4th century
Auden, W.H. "Der Schild des Achilles" - 1952
Austen, Jane (1775-1817)
Bakhtin, Michail (1895-1975)
Balzac, Honorée de "Vater Goriot" (Le Père Goriot) - 1835
- "Die menschliche Komödie" (La Comédie humaine) - 1829–48
Barnes, Julian "Eine Geschichte der Welt in 10½ Kapiteln" (A History of the World in 10½ Chapters) - 1989
Beaudelaire, Charles (1821-67)
Beauvoir, Simone de (1908-86)
Benjamin, Walter (1892-1940)
Bhabha, Homi K. (1949-)
Borges, Jorge Luis (1899-1986)
Bourdieu, Pierre (1930-2002)
Broch, Hermann (1886-1951)
Brod, Max (1884-1968)
Bulgakov, Michail "Der Meister und Margarita" (Мастер и Маргарита/Master I Margarita) - 1866-67
Butor, Michel (1926-2016)
Cabrera Infante, Guillermo "Drei traurige Tiger" (Tres tristes tigres) - 1967
Calvino, Italo "Die unsichtbaren Städte" (Le città invisibili) - 1972
- "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" (Se una notte d’inverno un viaggiatore) - 1979
Çelebi, Evliya (1611-83)
Cervantes, Miguel de "Don Quijiote von der Mancha" (El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha) - 1605-1615
Christie, Agatha "Mord im Orient-Express" (Murder on the Orient Express) - 1934
Coetze, J.M. (1940-)
Coleridge, Samuel Taylor "Biographia Literaria" (Biographia Literaria or Biographical Sketches of My Literary Life and Opinions" - 1817
- "Der alte Seefahrer" (The Rhyme of the Anicent Mariner) - 1798
Conrad, Joseph (1857-1924)
Cortázar, Julio "Rayuela. Himmel und Hölle" (Rayuela) - 1963
Defoe, Daniel "Robinson Crusoe" (Robinson Crusoe) - 1719
Desai, Kiran (1971-)
Dick, Philip K. (1928-82)
Dickens, Charles "David Copperfield" (David Copperfield) - 1850
- "Oliver Twist" (Oliver Twist) - 1838
Diderot, Denis (1713-84)
Dikbaş, Nazim (1973-)
Dostoevskij, Fjodor "Die Brüder Karamasow" (Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy) - 1879-80
- "Die Dämonen" (Бесы/Bésy) - 1871´-72
Eco, Umberto (1932-2016)
Ekrem, Recaizade Mahmut "Araba Sevdazi" - 1896
Eliot, George (1819-80)
Eliot, T.S. "Hamlet und seine Probleme" (Hamlet and his Problems) - 1919
Faulkner, William "Als ich im Sterben lag" (As I lay dying) - 1930
- "Schall und Wahn" (The Sound and the Fury) - 1929
- "Wilde Palmen und der Strom" (The Wild Palms/The Old Man or If I Forget Thee Jerusalem) - 1939
Fielding, Henry "Tom Jones. Die Geschichte eines Findelkindes" (The History of Tom Jones, a Foundling) - 1749
Firdausi, Abu l-Qasem-e (940-1020)
Flaubert, Gustave "Madame Bovary" - 1857
- "Die Erziehung der Gefühle" (L’Éducation sentimentale) - 1869
Forster, E.M. "Ansichten des Romans" (Aspects of the Novel) - 1927
Foucault, Michel "Was ist ein Autor?" (Qu’est-ce qu’un auteur?) - 1969
Frank, Joseph "Dostoevsky: The Miraculous Years" - 1995
García Márquez, Gabriel (1927-2014)
Gautier, Théophile (1811-72)
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Greenblatt, Stephen (1943-)
Habermas, Jürgen (1929-)
Hakmen, Roza (1956-)
Handke, Peter (1942-)
Hedayat, Sadegh "Die blinde Eule" (بوف کور/Boof-e koor) - 1936
Heidegger, Martin (1889-1976)
Highsmith, Patricia (1921-95)
Homer "Ilias" (Ἰλιάς, Iliás)
- "Die Odyssee" (Odyssey") (Ομήρου Οδύσσεια, Odýsseia) - 800-600 BC
Horaz "Ars Poetica" (Ars Poetica) ~19 BC
Huyssen, Andreas (1942-)
Iser, Wolfgang (1926-2007)
James, Henry "Die Goldene Schale" (The Golden Bowl) - 1904
Joyce, James "Finnegans Wake" (Finnegans Wake) - 1939
- "Ulysses" (Ulysses) - 1922
Kafka, Franz "Die Verwandlung" - 1912
Kundera, Milan "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (Nesnesitelná lehkost bytí) - 1984
Le Carré (1931-2020)
Lem, Stanisław (1921-2006)
Leskow, Nikolai "Die Lady Macbeth von Mzensk" (Леди Макбет Мценского уезда Ledi Makbet Mtsenskovo uyezda) - 1865
Lessing, Gotthold Ephraim "Lakoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie" - 1766
Lukács, György "Theorie des Romans" -1974
Mann, Thomas "Buddenbrooks" - 1901
- "Der Zauberberg" - 1924
Manzoni, Alessandro "Die Brautleute" (I Promessi Sposi) - 1827
Melville, Herman "Bartleby, der Schreiber" (Bartleby, the Scrivener) - 1853
-  "Moby-Dick" (Moby Dick or The Whale) - 1851
Molière "Der Geizige" (L'avare) - 1668
Montaigne, Michel de (1533-1592)
Murasaki, Lady Shikibu "Geschichten des Prinzen Genji" (源氏物語/Genji Monogatari) - frühes 11. Jahrhundert
Nabokov, Vladimir Vladimirovich "Lolita" (Lolita) - 1955
- "Fahles Feuer" (Pale Fire) - 1962
Naipaul, V.S. "Finding the Centre" - 1984
- "In a Free State" - 1971
Nerval, Gérard de "Sylvie. Erinnerungen ans Valois" (Sylvie) - 1853
Nietzsche, Friedrich (1844-1900)
Ortega y Gasset, José - 1883-1955
Pamuk, Orhan "Das schwarze Buch" (Kara Kitap) - 1990
- "Cevdet und seine Söhne" (Cevdet Bey ve Oğulları) - 1982
- "Istanbul" (İstanbul: Hatıralar ve Şehir) - 2003
- "Das Museum der Unschuld" (Masumiyet Müzesi) - 2008
- "Rot ist mein Name" (Benim Adim Kirmizi) - 1998
- "Das stille Haus" (Sessiz Ev) - 1983
- "Schnee" (Kar) - 2002
- "Die weiße Festung" (Beyaz Kale) - 1985
Perec, Georges "Das Leben Gebrauchsanweisung" (La vie mode d'emploi) - 1978
Poe, Edgar Allen "Die Philosophie der Komposition" (The Philosophy of Composition) - 1846
 - "Der Rabe" (The Raven) - 1845
Proust, Marcel "Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit" (À la recherche du temps perdu) - 1913-27
- "Swanns Welt" (Du côté de chez Swann) - 1913
Rabelais, François (~1483-94-1553)
Robbe-Grillet, Alain (1922-2008)
Rousseau, Jean-Jacques "Die Bekenntnisse" (Les Confessions) - 1782
- "Julie oder die neue Heloise" (Julie ou la Nouvelle Héloïse) - 1761
Rumi "Geistige Zweizeiler" (Masnavi-ye-Ma'navi/مثنوی معنوی‎) ~1273
Sartre, Jean-Paul "Die Wörter" (Les Mots) - 1964
Schiller, Friedrich "Über naive und sentimentalische Dichtung" - 1795
Shakespeare, William "Macbeth" (Macbeth) - 1606
Shklovsky, Viktor (1893-1984)
Şoray, Türkan (1945-)
Stendhal "Die Kartause von Parma" (La Chartreuse de Parme) - 1839
- "Rot und Schwarz" (Le Rouge et le Noir) - 1830
Sterne, Laurence "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" (The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman) - 1759-67
- "Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien" (Sentimental Journey through France and Italy) - 1768
Strindberg, August "Der Sohn einer Magd" (Tjänstekvinnans son) - 1886
Sue, Eugène (1804-57)
Tanizaki, Jun'ichirō "Naomi oder Eine Unersättliche Liebe" (痴人の愛/Chijin no Ai) - 1925
Tanpınar, Ahmet Hamdi "Das Uhrenstellinstitut" (Saatleri Ayarlama Enstitüsü) - 1961
Thomas, Bernard "Alte Meister" - 1895
Tolstoi, Leo "Anna Karenina" (Анна Каренина/Anna Karenina) - 1877
- "Krieg und Frieden" (Война и мир/Woina I Mir) - 1868/69
Vargas Llosa, Mario "Tante Julia und der Kunstschreiber" (La tía Julia y el escribidor) - 1977
Woolf, Virginia "Mrs. Dalloway" (Mrs. Dalloway) - 1925
- "Die Wellen" (The Waves) - 1931
Wordsworth, William (1770-1850)
Yourcenar, Marguerite "Die schwarze Flamme" (L'Œuvre au noir) - 1968
- "Ich zähmte die Wölfin. Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian" (Mémoires d'Hadrien) - 1951
- "Die Zeit, die große Bildnerin. Essays über Mythen, Geschichte und Literatur" (Aufsatz "Ton et langage dans le roman historique" aus "Le Temps, ce grand sculpteur") - 1983
Zola, Émile "Nana" (Nana) - 1880

Pamuk, Orhan "Der Koffer meines Vaters"

Pamuk, Orhan "Der Koffer meines Vaters: Aus dem Leben eines Schriftstellers" (Türkisch: Babamın Bavulu) - My Father's Suitcase - 2007

Der Titel dieser Sammlung bezieht sich auf die erste Geschichte des Buches, den Vortrag, den Orhan Pamuk in Stockholm anlässlich der Entgegennahme des Literaturnobelpreises hielt. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, die nicht nur den Zusatz "Aus dem Leben eines Autors" trägt, sondern auch 344 Seiten umfasst – die englische Version hat nur 28 Seiten. Die deutsche Ausgabe enthält deutlich mehr Geschichten. Er hat sie in Unterkategorien zusammengefasst: "Leben", "Istanbul", "Amerika", "Lesen und Bücher", "Meine Bücher sind mein Leben", "Bilder und Texte", "Politik und Staatsbürgerschaft" und "Paris Review", wo er sein Interview für die Paris Review veröffentlicht.

Die Teile dieses Buches ähneln eher Artikeln als Kurzgeschichten. Ich habe viel über einen meiner Lieblingsautoren gelernt. Ich hatte das Gefühl, Orhan Pamuk, dem Schriftsteller, aber auch Orhan Pamuk, dem Privatmann, näher gekommen zu sein. Er spricht mit uns über die Türkei, ihre Geschichte und ihre aktuelle Politik. Istanbul ist, wie immer, da wo Orhan Pamuk ist, nicht weit entfernt. Wir können aber auch erfahren, was er über das Schreiben denkt und wie es ist, ein Schriftsteller zu sein.

Ein großartiges Buch. Ich freue mich, dass es ins Deutsche übersetzt wurde. Auch wenn es nie vollständig ins Englische übersetzt wird, sollte man zumindest "Der Koffer meines Vaters" lesen - es ist eine wunderbare Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Orhan Pamuk ist ein Augenmensch. Die Bilder eines Bellini faszinieren den in der Türkei lebenden Autor ebenso wie persische Miniaturen. In dieser Sammlung von Essays staunt der Nobelpreisträger für Literatur über die alltäglichen Wunder in New York, huldigt seinen Vorbildern der Literaturgeschichte und gibt Betrachtungen zu Politik und Zeitgeschichte preis. Vielleicht am schönsten sind seine Schilderungen aus dem Alltagsleben - der Tod einer Möwe oder die kindliche Melancholie der kleinen Tochter. Pamuks Essayband ist ein ganzer Kosmos, witzig, verspielt, manchmal provozierend, eine Fundgrube für alle Leser dieses großen Autors."

Orhan Pamuk "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2006.

Orhan Pamuk hat 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

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