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Donnerstag, 2. Juli 2026

Perry, Anne "Der Weihnachtsverdacht"

Perry, Anne "Der Weihnachtsverdacht" (Englisch: A Christmas Odyssey) - 2010

Ich habe keine Ahnung, warum ich dieses Buch in die Hand genommen habe. Wahrscheinlich dachte ich, es wäre eine nette Weihnachtsgeschichte. Tja, da lag ich aber sowas von falsch. Eher ein viktorianischer Krimi. Nicht uninteressant, aber auch nicht mein Genre. Überhaupt nicht. Und schon gar nicht, wenn man sich eine schöne Weihnachtslektüre erhofft, sowas lese ich so gut wie nie, ich mag es lieber anspruchsvoll. Dieses Buch war weder schön noch anspruchsvoll. Wahrscheinlich eher was "für den Strand", wie manche es nennen würden.

Das war mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Buch von Anne Perry. Ich glaube, sie versucht, Dickens zu kopieren. Nicht mein Fall. Ich bevorzuge das Original.

Buchbeschreibung:

"Lucien ist in der Dunkelheit der Londoner Unterwelt verschwunden und seit Monaten nicht mehr gesehen worden. Man munkelt, dass er seiner verruchten Geliebten, der schönen Sadie, ins Verderben gefolgt sei. Auf Bitten seines Vaters macht sich der Arzt Henry Rathbone auf, den verlorenen Sohn zurückzuholen. Doch als Henry in die Londoner Abgründe eindringt, findet er sich schon bald inmitten einer gefährlichen Verschwörung wieder."

Dienstag, 16. Juni 2026

Roberts, Gregory David "Shantaram"

Roberts, Gregory David "Shantaram" (Englisch: Shantaram) - 2003

Ein hochinteressantes Buch, das mir von mehreren Freunden empfohlen wurde.

Dieser Roman basiert auf dem Leben des Australiers Gregory David Roberts, der wegen bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis saß und anschließend nach Indien floh, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sein Leben verlief danach alles andere als geradlinig, sondern äußerst abwechslungsreich. Wir begleiten ihn im Kampf gegen die Mudschaheddin oder in den Slums, wo er ein Krankenhaus leitet. In jedem Fall ist in "Shantarams" Leben (diesen Namen gaben ihm seine indischen Freunde) immer etwas los. Die Geschichte ist packend, äußerst provokant und zeigt die Höhen und Tiefen eines Lebens. Sie handelt von allem: Liebe und Hass, Verbrechen und Strafe, Arm und Reich, Korruption und Ehrlichkeit, dem Sinn des Lebens und seinen Banalitäten. Über 900 spannende Seiten, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zumindest ging es mir so.

Dieses Buch wird mich mein Leben lang begleiten, da bin ich mir fanz sicher.

Eines meiner Lieblingszitate:
"Die Welt wird von einer Million böser Männer, zehn Millionen dummer Männer und hundert Millionen Feiglingen regiert."
und:
"Nichts ist so deprimierend wie ein guter Rat."

Und noch etwas: Ich fand es toll, wie leicht der Protagonist Sprachen lernt.

Buchbeschreibung:

"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay in Bombay strandet, hat er zwei Jahre Gefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Zu seinem großen Glück begegnet er dem jungen Inder Prabaker, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische Metropole schließen die beiden eine innige Freundschaft, und Lindsay lernt nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen: Er wird zu 'Shantaram', einem 'Mann des Friedens', und kämpft für die Ärmsten der Armen. Doch dann verfällt Lindsay einer Deutsch-Amerikanerin mit dubiosen Kontakten zur Unterwelt."

Mittwoch, 4. März 2026

Kerouac, Jack "Unterwegs"

Kerouac, Jack "Unterwegs" (Englisch: On the Road) - 1951 

Vor Jahren habe ich "Der Fänger im Roggen" (The Catcher in the Rye) gelesen und es hat mir nicht gefallen. Ich dachte, das läge daran, dass ich vielleicht zu jung war, um es wirklich zu verstehen.

Warum beginne ich eine Rezension über ein Buch mit einem anderen? Nun, dieses Buch erinnerte mich in vielerlei Hinsicht an J. D. Salinger. Kurz gesagt: Mir hat es auch nicht gefallen.

In diesem Buch geht es nicht um das Geschwafel eines verwöhnten Bengels, sondern um jemanden, der gerne einer wäre. Jemand, der glaubt, die Welt liege ihm zu Füßen, aber nicht in dem Sinne, wie sie einem bietet, wenn man nur hart genug arbeitet, sondern wie sie einem bietet, wenn man gar nicht arbeitet. Es ist alles "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" ohne den Spaß. Dieses Buch ist so öde, so langweilig, dass man am liebsten Sal und seine Freunde mit den Köpfen zusammenschlagen würde. Wer auch immer sie als Vorbild genommen hat, lebt heute bestenfalls vom Mindestlohn, ist aber wahrscheinlicher im Gefängnis gelandet.

Das ist eine sehr egozentrische Geschichte, die mich zu keinem Zeitpunkt fesseln konnte. Der Schreibstil ist monoton und repetitiv. Die Charaktere sind so fehlerhaft, dass man hofft, sie existieren im wirklichen Leben nicht.

Ja, mit Sicherheit das schlechteste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Warum es auf so vielen "Muss ich gelesen haben"-Listen steht, ist mir ein Rätsel.

Buchbeschreibung:

"Dies ist das literarische Statement einer Jugend, die inmitten der 'schlechtesten der Welten' ein leidenschaftliches Bekenntnis zum 'glückseligen Leben' ablegte. Tempo, Jazz, Marihuana, Sex und Freiheit waren die Zauberwörter der Beat Generation, die ständig auf der Suche nach einem intensiven, rauscherfüllten Dasein war. Ihre Trampfahrten durch die ungeheuren Weiten des Landes ließen sie ein Amerika entdecken, das die bürgerliche Erfolgsmoral nicht kannte."
Eine Karte von Kerouacs Überlandreise 1947–1948 im Kerouac ROMnibus findet ihr hier.

Dienstag, 14. Oktober 2025

Keyes, Marian "Rachel im Wunderland"

Keyes, Marian "Rachel im Wunderland" (Englisch: Rachel's Holiday) - 1998

Marian Keyes ist nicht unbedingt die Autorin, die ich lesen würde, aber ich habe ein paar dieser Chick Lits gelesen, als ich anfing, auf Englisch zu lesen. Irgendwie dachte ich, sie wären vielleicht einfacher, aber nach den ersten Bänden waren sie so langweilig … Trotzdem hatte ich dieses Buch noch herumliegen und habe es vor ein paar Jahren im Urlaub gelesen.

Ich war positiv überrascht. Ein gutes Buch über Rehabilitation und wie eine Alkoholikerin ständig die Wahrheit leugnet. Rachel macht gerade einen Entzug in einer entsprechenden Klinik, glaubt aber, dass sie einen tollen Urlaub haben wird. Gut beschrieben, man kann ihre Argumentation nachvollziehen, ihren Umgang mit der Situation – oder eben nicht. Interessant.

Buchbeschreibung:

"Rachel ist begeistert - vom Partyleben ihrer Traumstadt New York und von Luke, ihrem neuen Freund. Bis zu der einen Nacht, in der alles schief läuft. Rachel erkennt, dass sie ein ernstes Problem lösen muss, um glücklich zu werden."

Samstag, 31. Mai 2025

Allende, Isabel "Mayas Tagebuch"

Allende, Isabel "Mayas Tagebuch" (Spanisch: El Cuaderno de Maya) - Maya's Notebook - 2011 

Wäre sie nicht schon darauf gewesen, hätte es Isabel Allende mit diesem Buch auf meine Lieblingsautorenliste geschafft. Ich habe dieses Buch absolut geliebt.

Maya ist ein Mädchen mit einer unglaublichen Geschichte. Sie hat einen chilenischen Vater und eine dänische Mutter und wächst bei ihrer chilenischen Großmutter und deren zweiten Ehemann, einem Afroamerikaner, auf. Kann es noch internationaler werden? Kann ein Mädchen, das von einer Großmutter geliebt und so liebevoll umsorgt wird, in Schwierigkeiten geraten?

Ja, das kann sie, wenn sie das Gefühl hat, dass weder ihre Mutter, die sie als Baby einfach verlassen hat, noch ihr Vater, der ständig auf Geschäftsreise ist, sie in ihrem Leben haben wollen, dass sie unerwünscht ist.

Und genau das passiert Maya: Sie gerät in all die Probleme, vor denen uns unsere Eltern warnen. Sex, Drugs and Rock'n Roll – nun ja, leider weniger Rock'n Roll und mehr Drogen. Sie gerät in so große Schwierigkeiten, dass die ganze Welt hinter ihr her zu sein scheint.

Aber ihre Großmutter hat wie immer eine Lösung. Sie schickt Maya einfach zu einer alten Freundin, die auf einer chilenischen Insel mit nur wenigen Dörfern lebt. Niemand weiß, wo sie ist, und das ist auch gut so.

Hier hat sie alle Zeit der Welt, um wieder auf die Beine zu kommen und herauszufinden, wer sie wirklich ist.

Die Beschreibung aller Charaktere, ob aus Mayas früherem oder ihrem neuen Leben, ist einfach fantastisch. Wir können uns sehr gut vorstellen, Teil einer der Gemeinschaften zu sein, in die Maya katapultiert wird. Sie lernt, worum es im Leben geht und dass es viel mehr zu bieten hat, als ein schneller "Schub" ihr bieten kann. Isabel Allendes Stimme ist großartig, und ihre Erzählung ist fantastisch. Sie baut Spannung auf, indem sie von Mayas Leben vor bis zu dem nach ihrer Ankunft in Chile wechselt. Ihr Schreibstil ist poetisch und klingt doch so wahr. Man möchte glauben, dass dies eine wahre Geschichte ist.

Ein paar großartige Zitate (aus dem Englischen übersetzt von mir):
"Auf einem Fundament aus Lügen und Auslassungen kann nichts Starkes aufgebaut werden."
"Unsere Dämonen verlieren ihre Macht, wenn wir sie aus ihren Tiefen ziehen und ihnen am helllichten Tag ins Gesicht sehen."
"Glück ist glitschig, es gleitet einem zwischen den Fingern hindurch, aber Probleme sind etwas, an dem man sich festhalten kann, sie haben Griffe und sie sind rau und hart."

Buchbeschreibung:

"Die neunzehnjährige Maya ist auf der Flucht. Vor ihrem trostlosen Leben in Las Vegas, der Prostitution, den Drogen, der Polizei, einer brutalen Verbrecherbande. Mit Hilfe ihrer geliebten Großmutter gelangt sie auf eine abgelegene Insel im Süden Chiles. An diesem einfachen Ort mit seinen bodenständigen Bewohnern nimmt sie Quartier bei Manuel, einem kauzigen alten Anthropologen und Freund der Familie. Nach und nach kommt sie Manuel und den verstörenden Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur, die mit der jüngeren Geschichte des Landes eng verbunden sind. Dabei begibt Maya sich auf ihr bislang größtes Abenteuer: die Entdeckung ihrer eigenen Seele. Doch als plötzlich Gestalten aus ihrem früheren Leben auftauchen, gerät alles ins Wanken. 'Mayas Tagebuch' erzählt von einer gezeichneten jungen Frau, die die unermesslichen Schönheiten des Lebens neu entdeckt und wieder zu verlieren droht. Ein unverwechselbarer Allende-Roman: bewegend, spannend und mit warmherzigem Humor geschrieben."

Ich muss mein Spanisch wirklich verbessern, diese Autorin ist eine der Besten.

Freitag, 17. Januar 2025

Urquhart, Jane "Übermalungen"

Urquhart, Jane "Übermalungen" (Englisch: The Underpainter) - 1997

Wir hatten "Die Bildhauer" (The Stone Carvers) in unserem Lesekreis gelesen und es hat mir ziemlich gut gefallen. Ich freute mich auf einen weiteren interessanten historischen Roman dieser Autorsin. Leider wurde ich ein wenig enttäuscht.

Die Geschichte beginnt sehr langsam. Lange Zeit hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendetwas auf den Seiten mit dem Rest des Buches zusammenhängt. Erst langsam lernen wir den Protagonisten kennen und bekommen eine Ahnung, wovon er faselt.

Ich habe bessere Berichte über Menschen gelesen, die einen Krieg überlebt haben, und ich habe viele davon gelesen. Dieser hier, nun, zunächst einmal wird das Buch aus der Perspektive von jemandem erzählt, der nicht daran teilgenommen hat. Ich auch nicht, also sollte ich mich mit ihm identifizieren, oder?

Aber das tue ich nicht. Selbst als die Geschichte sich entwickelt, wirkt der Maler Austin Fraser, der die Geschichte erzählt, nicht gerade sympathisch, ich habe mich einfach nicht an ihn gewöhnen können und mochte ihn überhaupt nicht. Er ist ein egoistischer Frauenfeind, ein verwöhnter, reicher Bengel, der nie erwachsen wurde und sich um nichts auf der Welt Sorgen machen musste.

Leider war dieser Roman einer der unbefriedigendsten, die ich seit einiger Zeit gelesen habe. Er hinterlässt eine Leere, die nicht gefüllt werden konnte. Selbst der Versuch, das Ganze am Ende zusammenzufassen, hat es nicht zu einem guten Buch gemacht. Vielleicht war dies nicht nur das zweite, sondern auch das letzte Buch, das ich von Jane Urquhart gelesen habe.

Es gab ein Zitat in dem Buch, das mir sehr gefiel, weil es eine großartige Inspiration zum Nachdenken ist. Auf Seite 186:
"Ich habe keinen Streit mit den Deutschen [sic] … wir steckten alle im selben Boot, wir waren eigentlich nur Vandalen, die darauf aus waren, die westliche Kultur zu zerstören. Schließlich kam es mir so vor, als wäre Europa ein riesiges Museum, dessen Schätze von angeheuerten Schlägern zerstört wurden. Wir schrieben keine Geschichte, wir zerstörten sie … beseitigten sie …" (übersetzt von mir)

Ein gutes Argument gegen jeden Krieg, denn dieses Zitat bezieht sich nicht nur auf den Ersten Weltkrieg, sondern auf alle diese sinnlosen Schlachten, in denen junge Menschen für die Macht und das Geld anderer getötet werden.

Buchbeschreibung:

"Der erfolgreiche, aber einsame Maler Austin Frazer blickt auf sein Leben zurück: Fünfzehn Sommer hindurch, von 1920 bis 1935, hat er Sara, die Frau, die er heimlich liebt, besucht und gemalt. Austins einziger Freund George lebt in einem fragilen Gleichgewicht mit seiner Frau Augusta. In seiner gedankenlosen Kälte zerstört Austin diese Balance und treibt beide in den Selbstmord..."

Mittwoch, 15. Januar 2025

Ghosh, Amitav "Die Flut des Feuers"

Ghosh, Amitav "Die Flut des Feuers" (Englisch: Flood of Fire) (Ibis Trilogy #3) - 2015

Nachdem ich zwei Jahre vorher "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) gelesen hatte, war ich froh, dass das zweite Buch "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) bereits erschienen war und ich einfach weiterlesen konnte. Dann war ich so enttäuscht, dass das dritte Buch noch nicht einmal geschrieben war.

Nun, das Warten hat sich gelohnt. Wahrscheinlich hätte ich zuerst die ersten beiden noch einmal lesen und dann mit dem letzten weitermachen sollen, aber ich konnte einfach nicht warten. Charaktere, Szenen, Ereignisse kamen zwar wieder, aber in einigen Fällen hätte ich mir etwas mehr Wiedereinführung gewünscht. Ich war auch froh zu sehen, was mit einigen der Charaktere aus "Das mohnrote Meer" (Sea of ​​Poppies) passierte, die in "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) kaum oder gar nicht erwähnt wurden, sodass alles wieder zusammenkam. Ich war nicht froh zu erfahren, dass der Autor den Gedanken aufgegeben hat, die Geschichte nach dem zweiten Buch wie beabsichtigt fortzusetzen. Wie schade. Ich hoffe jedoch, dass er mehr schreiben wird, denn ich liebe seinen Stil, den ich bereits in "Der Glaspalast" (The Glass Palace) bewundert habe.

Es ist einfach eine fantastische Lektüre. Faszinierend, fesselnd. So viel mehr Geschichte aus einem Teil der Welt, über den ich nicht viel weiß. Ich glaube nicht, dass wir im Unterricht sehr ins Detail über den Opiumkrieg gegangen sind, weil ich mich bestimmt nicht daran erinnern konnte, aber heute weiß ich viel darüber.

Wer sich wirklich für die Geschichte dieses Teils der Welt interessiert oder einfach nur eine gute Abenteuergeschichte lesen möchte oder eine fesselnde Geschichte über viele Menschen mag, für den ist diese Trilogie genau das Richtige. Viel Spaß.

Buchbeschreibung: 

"Nachdem China den vornehmlich von den Briten und deren Kolonien betriebenen Handel mit Opium nicht mehr dulden will, erklärt ihm Großbritannien den Krieg.

Die Hind ist eines der Schiffe, die bei dem Angriff zum Einsatz kommen sollen und segelt zu diesem Zweck von Bengalen nach China. An Bord sind unter anderem Kesri Singh, ein Kommandant der britisch-ostindischen Armee, der eine Kompanie Soldaten befehligt; außerdem Zachary Reid, ein verarmter junger Seemann, der auf der Suche ist nach seiner verlorenen Liebe ist, und Shireen Modi, die in China die Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes, eines erfolgreichen Opiumhändlers, an sich nehmen will. Sie alle geraten schon bald in die Wirren der Opiumkriege, die in Chinas verheerender Niederlage und in der Annektierung Hong Kongs durch Großbritannien enden werden.

Eine vor Atmosphäre und Detailfreude flirrende, turbulente, spannende und berührende Geschichte vor der Kulisse Bengalens und Hongkongs, mit der Amitav Ghosh sein großes historisches Panorama über die Opium Kriege, die eine frühe Ära der Globalisierung markieren, fulminant vollendet."

Dies ist auch ein Buch über Bücher. Viele davon werden erwähnt, entweder weil die Charaktere sie lesen oder weil sie daraus zitieren.

Defoe, Daniel "Robinson Crusoe" (Robinson Crusoe)
Goldsmith, Oliver "Der Pfarrer von Wakefield" (The Vicar of Wakefield)
Haywood, Eliza "Love in Excess"
Richardson, Samuel "Pamela oder die belohnte Tugend" (Pamela)
Sterne, Laurence "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" (The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman)
Voltaire "Zadig" (Zadig ou la Destinée)

Ghosh, Amitav "Der rauchblaue Fluss"

Ghosh, Amitav "Der rauchblaue Fluss" (Englisch: River of Smoke) (Ibis Trilogy #2) - 2011

Dieser Roman ist Teil 2 der "Ibis-Trilogie". Ich war froh, dass er bereits geschrieben war, als ich "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) beendet hatte, denn so konnte ich gleich mit der Geschichte weitermachen.

Selten war ich so gespannt darauf, mit dem nächsten Buch einer Reihe anzufangen wie mit diesem. Das mag zum Teil daran liegen, dass das erste Buch kein richtiges Ende zu haben schien und einen einfach dazu einlud, mit diesem weiterzumachen, aber es liegt sicherlich auch an dem fantastischen Talent dieses Autors, einem eine Geschichte zu erzählen.

Wie ich bereits in meiner Rezension zu "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) geschrieben habe, gelingt es Amitav Ghosh, alles so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein. Er ist ein so realistischer Autor, es ist unglaublich. Es fühlt sich an, als ob man eine Zeitreise gemacht hätte und sich im Indien oder China des 19. Jahrhunderts befände.

Wer wie ich das erste Buch der Reihe gelesen hat, konnte es sicher kaum erwarten zu erfahren, was mit den Charakteren dieser Geschichte passiert. Und wir werden nicht enttäuscht. Obwohl er jedoch andere Personen einführt, die im ersten Buch nicht auftauchen, braucht er eine ganze Weile, um mit dem Schicksal einiger unserer Helden aus dem Ibis klarzukommen. Wer sehr ungeduldig ist, könnte sich ein wenig über den Erzähler ärgern.

In diesem Teil werden viele neue Themen eingeführt, obwohl sie im ersten Roman bereits kurz angesprochen wurden. Eines davon ist die Moral und der Unterschied zwischen Hinduismus und Christentum.

Ich möchte nicht alles wiederholen, was ich über die erste Episode der Geschichte gesagt habe, also verweise ich Sie einfach auf meine Rezension von "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies). Ich habe jetzt auch den dritten Teil der Reihe gelesen: "Die Flut des Feuers" (Flood of Fire).

Angeblich sagte der Autor in einem Interview: "Ich weiß nicht, ob ich bei drei aufhören kann". Nun, ich fände es toll, wenn er mehr als drei davon schreiben würde, aber ich hätte wirklich gern, dass er sich mit dem nächsten beeilt.

Buchbeschreibung:

"Ein monumentaler Roman über Ruhm und Leid in einer frühen Ära der Globalisierung

Kanton 1838. Über den sagenumwobenen Perlfluss gelangen Glückssucher und Abenteurer aus aller Welt in die chinesische Hafenstadt: Für den jungen Maler Robin Chinnery ist die pulsierende Metropole der ideale Zufluchtsort, um den Heiratsplänen, die seine Mutter für ihn hat, zu entkommen. Der britische Botaniker Fitcher Penrose ist in Begleitung seiner jungen Assistentin Paulette unterwegs nach Kanton, um dort nach einer geheimnisvollen Kamelienart zu suchen, der wahre Zauberkräfte zugesprochen werden. Und der indische Kaufmann Bahram Modi erhofft sich mit der größten Ladung Opium, die er je von Kalkutta nach Kanton transportiert hat, das Geschäft seines Lebens. Es sieht so aus, als würden die Dinge gut für ihn anlaufen, denn man beruft ihn in die Kantoner Handelskammer. Doch dann beginnen die autoritätseinflößenden Mandarine den ausländischen Kaufleuten auf den Leib zu rücken, denn der chinesische Kaiser will den Handel mit Opium verbieten. Und plötzlich stehen alle Zeichen auf Krieg ...

Ein schillerndes Epos, ein entlarvender Blick auf die Ursprünge unseres Wirtschaftssystems und eine Verbeugung vor der chinesischen Kulturgeschichte, betörend und spannend zugleich.
"

Es gibt eine gute (englischsprachige) Webseite über "Die Ibis-Trilogie" (The Ibis Trilogy).

Ghosh, Amitav "Das mohnrote Meer"

Ghosh, Amitav "Das mohnrote Meer" (Englisch: Sea of Poppies) (Ibis Trilogy #1) - 2008

Dieser Roman ist Teil 1 der "Ibis Trilogie".

Von diesem Autor habe ich bisher nur "Der Glaspalast" (The Glass Palace) gelesen. Es war ein Buch meines Lesekreises und ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Ich möchte nicht zu viel in der ersten Zeile verraten, aber dieser Roman wird in mein Lieblingsbuchregal aufgenommen.

In diesem Buch ist alles enthalten: Geschichte, Liebe und Krieg, Menschen aus verschiedenen Ländern. Amitav Ghosh schafft es, uns in diese Welt einzuladen. Ich liebe es, wenn man das Gefühl hat, dort zu sein. Man kann die Farben sehen, die Geräusche hören, die Gerüche riechen, es ist so lebensecht.

Dieser Roman beschreibt das Schicksal eines Schiffes und seiner Passagiere. Zu Beginn lernen wir die Seeleute kennen, dann die verschiedenen Menschen, die später Passagiere werden, alle aus unterschiedlichen Lebensbereichen.

Amitav Ghosh gelingt es, alle Bevölkerungsschichten so gut zu beschreiben, die verschiedenen Kasten in Indien, die Briten und andere Ausländer, alle ordentlich in ihre jeweiligen Schubladen gesteckt. Die Frauen gehören in eine andere Rolle, sie haben nichts zu sagen, sie werden verheiratet, müssen einen Erben produzieren. Jeder wird aus sozialen und politischen Gründen in eine bestimmte Rolle gedrängt. Und doch versucht jeder auf seine eigene Weise mit seinem Schicksal zu leben, einige sind unterwürfig, andere rebellisch. Einige bauen eine Bindung zu Menschen aus den anderen Gruppen auf, andere versuchen verzweifelt, diese unsichtbare Mauer zwischen ihnen aufrechtzuerhalten.

Auf jeden Fall lehrt uns dieses Buch so viel über das Leben in Indien zu dieser Zeit, über den Opiumkrieg. Wir erfahren etwas über das Schicksal der Bauern, die von den Kolonialisten gezwungen werden, Opium anzubauen, das sie wiederum nach China importieren, um sich den Handel mit diesem Land leisten zu können. So viele Leben werden beeinträchtigt und zerstört, weil einige Europäer chinesische Produkte wollen. Außerdem ist es für die Besatzer viel einfacher, das Leben aller Menschen zu zerstören, die ursprünglich im Land lebten, als umgekehrt. Wir sehen, dass eine falsche Anschuldigung einem Menschen Reichtum und Ehre nehmen kann.

Ich hätte gerne eine Art Ende für diesen Teil des Buches gehabt, aber weil ich spät damit angefangen habe, war "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) schon erschienen, und ich habe sofort damit weitergemacht.

Ich habe dann auch den dritten Teil der Reihe gelesen: "Die Flut des Feuers" (Flood of Fire).

In einem Interview sagte der Autor, dass "Öl das Opium von heute ist". Ich denke, er hat absolut recht und es könnte helfen, darüber nachzudenken, was wir den Menschen in anderen Teilen der Welt heute antun.

Ich schätze, einige Leute könnten ein Problem damit haben, das zu lesen, da viele verschiedene Versionen des Englischen verwendet werden, das der Seeleute ist anders als das der Inder, das der Briten anders als das der anderen Ausländer, es gibt viele verschiedene Dialekte und Eigenheiten. Es scheint am Anfang irritierend, aber ich kann nur jeden ermutigen, weiterzumachen, es lohnt sich auf jeden Fall. Wir erfahren auch, dass viele Wörter auf diese Weise aus den Kolonien in die englische Sprache gelangt sind. Eine interessante Beobachtung, wenn man Sprache mag. (Ich weiß leider nicht, wie dies ins Deutsche übersetzt wurde.)

Diese Geschichte ist wie "Tausendundeine Nacht", so viele verschiedene Geschichten, so viele verschiedene Leben. Und alles in einem weit entfernten Land und vor langer Zeit. Faszinierend. Bezaubernd.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der Lese-Challenge "Chunky Books" gelesen. Ich liebe diese Gruppe und freue mich darauf, noch viele weitere Bücher mit dieser Gruppe zu lesen und zu diskutieren.

Buchbeschreibung:

"Das neue große Epos voller Geschichten und Geschichte vom Autor des Weltbestsellers 'Der Glaspalast'

1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der 'Ibis', einem ehemaligen Sklavenschiff. Die 'Ibis' ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich.

Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am 'Schwarzen Wasser', und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte.
Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

Historienepos, Gesellschafts- und Abenteuerroman zugleich."

Es gibt eine gute (englischsprachige) Webseite über "Die Ibis-Trilogie" (The Ibis Trilogy) und "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies).

Amitav Ghosh stand 2008 für "Sea of Poppies" auf der Shortlist für den Booker Prize.

Montag, 13. Januar 2025

Tartt, Donna "Der Distelfink"

Tartt, Donna "Der Distelfink" (Englisch: The Goldfinch) - 2013

Ich hatte noch keines von Donna Tartts Büchern gelesen, obwohl ich ihren Namen kannte und ihre Bücher auf verschiedenen Listen auftauchten, die mir gefallen. So viele Bücher, so wenig Zeit, das ist meine einzige Entschuldigung.

Deshalb war ich froh, als mein Online-Pulitzer-Preis-Lesekreis beschloss, den neuesten Preisträger zu lesen, nämlich "Der Distelfink".

Die Autorin hat angeblich sieben Jahre gebraucht, um dieses riesige Buch zu schreiben, das in der gebundenen Ausgabe 770 Seiten und in der Taschenbuchausgabe 880 Seiten umfasst (in der deutschen sogar 1.024). Für jemanden wie mich, die dicke Bücher liebt, ist das genau die richtige Größe. Die Geschichte erstreckt sich über zwei Kontinente und mehr als ein Jahrzehnt und beschreibt die Sorgen und Nöte eines Jungen, der unter außergewöhnlichen Bedingungen aufwächst. Der Protagonist dieses Buches ist nicht nur der dreizehnjährige Theo Decker, sondern auch ein Gemälde von Carel Fabritius, einem Schüler von Rembrandt und Lehrer von Vermeer, eine ziemliche Biografie. Dies macht es auch zu einem großartigen Buch über Kunst und wie man sie verstehen kann, aber das ist nur eine Nebenwirkung. Eine von vielen.

Das Buch ist eine wunderbare Darstellung von Freundschaft und Durchhaltevermögen. Aber es ist kein "fröhliches" Buch, in Theos Leben treten viele Schwierigkeiten auf. Es ist sowohl ein düsteres als auch ein erhebendes Buch. Wie immer versuche ich, nicht zu viel über den Inhalt des Romans zu verraten, möchte aber jeden ermutigen, sich dieses Buch zu holen und es zu lesen. Es lohnt sich.

Es ist wunderschön geschrieben, die Sprache hat mir sehr gefallen, es ist eine brillante Geschichte mit unvergesslichen Charakteren, jeder einzelne von ihnen hätte der Held der Geschichte sein können und jeder einzelne von ihnen hat einen ziemlichen Einfluss auf Theo.

Wir haben auch fast jedes Thema in diesem Roman, Familie, Freundschaft, Liebe, Hass, Leben, Tod, Gefühle, Reue, Schuld, Erlösung, was auch immer, es ist wahrscheinlich darin. Was mir besonders gefallen hat, war die philosophische Seite, das Nachdenken über den Sinn des Lebens. Ich glaube, das hat mich am meisten beeindruckt.

Zitate aus dem Buch:
"Aber Depression war nicht das richtige Wort. Dies war ein Absturz, der Trauer und Abscheu weit über das Persönliche hinaus umfasste: eine kranke, durchdringende Übelkeit vor allem Menschlichen und menschlichen Bemühen seit Anbeginn der Zeit. Die sich windende Abscheulichkeit der biologischen Ordnung. Alter, Krankheit, Tod. Kein Entkommen für irgendjemanden. Sogar die Schönen waren wie weiche Früchte, die kurz vor dem Verderben standen. Und trotzdem vögelten und züchteten die Leute irgendwie weiter und brachten neues Futter für das Grab hervor, produzierten immer mehr neue Wesen, die leiden mussten, als wäre dies eine Art erlösende oder gute oder sogar irgendwie moralisch bewundernswerte Sache: mehr unschuldige Geschöpfe in das Spiel zu ziehen, bei dem alle verlieren. Zappelnde Babys und trottelnde, selbstgefällige, hormongestillte Mütter. Oh, ist er nicht süß? Awww. Kinder, die auf dem Spielplatz schreien und schlittern, ohne zu wissen, welche Höllen sie in Zukunft erwarteten: langweilige Jobs und ruinöse Hypotheken und schlechte Ehen und Haarausfall und Hüftoperationen und einsame Tassen Kaffee in einem leeren Haus und ein Kolostomiebeutel im Krankenhaus. Die meisten Leute schienen mit der dünnen dekorativen Glasur und der kunstvollen Bühnenbeleuchtung zufrieden zu sein, die die grundlegende Grausamkeit der menschlichen Lage manchmal etwas mysteriöser oder weniger abscheulich erscheinen ließ …"
und
"... Es ist mir egal, was jemand sagt oder wie oft oder gewinnend er es sagt: Niemand wird mich jemals davon überzeugen können, dass das Leben ein großartiges, lohnendes Vergnügen ist. Denn die Wahrheit ist: Das Leben ist eine Katastrophe. Die grundlegende Tatsache der Existenz – herumzulaufen und zu versuchen, uns zu ernähren und Freunde zu finden und was auch immer wir sonst tun – ist eine Katastrophe. Vergessen Sie all diesen lächerlichen 'Our Town'-Unsinn, von dem alle reden: das Wunder eines neugeborenen Babys, die Freude einer einfachen Blüte, das Leben, das du zu wunderbar bist, um es zu begreifen, usw. Für mich – und ich werde es hartnäckig wiederholen, bis ich sterbe, bis ich auf mein undankbares nihilistisches Gesicht falle und zu schwach bin, es auszusprechen – ist es besser, nie geboren zu werden, als in dieser Kloake geboren zu werden. Ein Sumpf aus Krankenhausbetten, Särgen und gebrochenen Herzen. Keine Erlösung, kein Appell, keine 'Neuanfänge', um eine beliebte Phrase von Xandra zu verwenden, kein Weg vorwärts außer Alter und Verlust und kein Ausweg außer Tod. ..."

Buchbeschreibung:

"Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt..."

Donna Tartt erhielt den Pulitzerpreis für "The Goldfinch" in 2014.

Donnerstag, 21. November 2024

Faulkner, William "Licht im August"

Faulkner, William "Licht im August" (Englisch: Light in August) - 1932

Was für ein Buch. Das könnte siebzig Jahre später eine Fortsetzung von "Vom Winde verweht" (Gone With the Wind) sein. Ein Buch über den tiefen Süden, über das Landleben, Familien, harte Arbeit, Rassismus, Kriminalität, Religion, Moral, alles, was eine Geschichte über diese Region und Zeit haben sollte.

Faulkner hat eine brillante Art zu schreiben, ich mag seinen Stil, auch wenn er von Zeit zu Zeit hin und her springt, folgt er immer noch seinem Weg und man kann ihm gut folgen, ohne dass es zu Verwirrungen kommt. Es gibt ein paar Hauptgeschichten mit mehreren Nebenhandlungen, aber William Faulkner schafft es, sie alle auf eine Weise zu erzählen, dass es nicht schwer ist, ihnen zu folgen. Eine zugängliche Geschichte mit sowohl sympathischen als auch unsympathischen Charakteren.

Es überrascht mich nicht, dass er den Pulitzer-Preis für zwei seiner Werke erhielt, "Eine Legende" (A Fable) und "Die Spitzbuben" (The Reivers), die beide auf meiner Wunschliste stehen.

Buchbeschreibung:

"Mit sinnlicher Leidenschaft entrollt Faulkner in diesem Klassiker der Literatur des 20. Jahrhunderts drei Lebenswege in der weiten Landschaft des Mississippi: Lena Grove, eine junge Schwangere auf einer fremden Landstraße, sucht ihren Geliebten. Am Ende hat sich ihr Schicksal in der Begegnung mit einem anderen Mann erfüllt, aber das Chaos sündhafter Verstrickung entlässt sie wieder fast unberührt. Joe Christmas, ein Wanderarbeiter, der sich seiner Rassenzugehörigkeit nicht sicher ist, findet hingegen keinen anderen Ausweg aus seinem Dilemma, als selbst zum Mörder zu werden. Der Geistliche Gail Hightower durchschaut das Gewebe aus religiösem und rassischem Fanatismus, kann sich aber nicht aus seiner Verklärung der 'glorreichen' Südstaatenvergangenheit befreien ...

Faulkners zwingende Modernität, sein multiperspektivischer, psychologischer Stil machten '
Licht im August', 1932 geschrieben, bereits 1935 bei Rowohlt veröffentlicht, zu einem der wirkungsmächtigsten Romane des 20. Jahrhunderts - hierzulande vor allem nach dem Krieg, als er in einer rororo-Zeitungsausgabe einem breiten Publikum zugänglich wurde."

William Faulkner erhielt den Nobelpreis für Literatur 1949 "für seine kraftvolle und künstlerisch selbständige Leistung in Amerikas Romanliteratur."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels, und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.