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Montag, 21. September 2026

Spufford, Francis "Neu-York"

Spufford, Francis "Neu-York" (Englisch: Golden Hill: A Novel of Old New York) - 2016

Ich habe dieses Buch zuerst in einer deutschen Buchhandlung als Übersetzung gesehen. Der Titel gefiel mir: "Neu-York". Die Bilder wirkten auf mich eher niederländisch; kein Wunder, denn die wichtigsten Siedler zur Zeit des Romans stammten aus den Niederlanden.

Wie dem auch sei, ich wurde neugierig, also beschloss ich, mir das Original zu besorgen und es zu lesen.

Eine fesselnde Geschichte. Manhattan im 18. Jahrhundert – geprägt vom niederländischen Einfluss. Ein junger Mann reist aus den Niederlanden an, um eine beträchtliche Summe für ein Projekt einzufordern, über das er niemandem etwas verraten will. Er muss zahlreiche Hürden und Schwierigkeiten überwinden, ehe er seinen Plan schließlich enthüllen kann. Und dieser Plan ist wirklich gut!

Der Roman steckt voller Überraschungen; sowohl der Schreibstil als auch der Schauplatz sind interessant. Es ist eine leicht zugängliche, aber keineswegs langweilige Lektüre – ein gelungener historischer Roman, der sowohl humorvoll als auch informativ ist.

Buchbeschreibung:

"1746 in einer kleinen englischen Kolonialstadt an der Spitze der Insel Manhattan: Neu-York wirkt auch Jahrzehnte nach der Eroberung durch die Briten immer noch recht holländisch; die alteingesessenen Familien reden Englisch mit Akzent, am Hafen weht der Union Jack über schmalen Fachwerkhäusern, am anderen Ende der Stadt ist der Broad Way (vorher Breede Weg) auf Höhe der Wall Street durch ein Tor versperrt. Draußen hängen Skalps: Verbündete Indianerstämme haben sie französischen Soldaten abgenommen.

Eines Tages steigt ein Brite namens Smith im Regen von einem aus London kommenden Segler. Der junge Mann scheint über Geld zu verfügen, er trägt den Wechsel einer Londoner Bank mit sich. Schnell findet er Zugang zur Gesellschaft, wird er zu einer Berühmtheit in der Stadt. Leider auch bei den Falschen: Smith wird überfallen und ausgeraubt. Niemand darf von der prekären neuen Lage erfahren, das Schuldgefängnis droht. Und dann kommt Smiths Affäre mit der Frau eines hohen Offiziers ans Licht. Ein Duell ist unumgänglich, und ausgerechnet sein bester Freund fordert ihn, ein exzellenter Fechter. Doch dann nimmt das Schicksal unseres Helden eine weitere überraschende Wendung – es wird nicht die letzte sein in diesem phantastischen, geistreichen, spannenden Wunderwerk von einem Roman."

Samstag, 11. Juli 2026

McKinley, Tamara "Träume jenseits des Meeres"

McKinley, Tamara "Träume jenseits des Meeres" (Englisch: Lands Beyond the Sea) - 2007

Ich würde diesen Roman unter "Catherine Cookson mit einem Hauch Australien" einordnen. Mir ist da einfach zu viel "Herr liebt arme Frau, arme Frau liebt Herrn, aber sie können nicht zusammenkommen". Die Geschichten der Sträflinge wurden in anderen Büchern (Capricornia - Capricornia, Englische PassagiereEnglish Passengers, Das Freudenschiff - The Floating Brothel, LebenslänglichFor the Term of His Natural Life, Der verborgene Fluss - The Secret River) viel besser erzählt.

Die Geschichte über die Sträflinge hätte gut sein können, wenn da nicht all diese Klischees der "Frauenliteratur" drin gewesen wären. Und ich hätte das Buch vielleicht genossen, wenn es nicht so eine seichte Lektüre gewesen wäre. Nicht mein Fall, muss ich leider sagen.

Ich habe gelesen, dass dies der erste Band einer Reihe ist. Ich bezweifle, dass ich die folgenden Bände lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1768 nimmt James Cook Kurs auf Tahiti, begleitet von dem jungen Lord Jonathan, der seine Liebste Susan in Cornwall mit einem Eheversprechen zurücklässt. Da das Schiff in Seenot gerät, landet die Mannschaft in Australien, wo sie nur mit Hilfe der Aborigines überlebt. Als Jonathan nach einer abenteuerlichen Reise endlich heimkehrt, hat er bereits einen Sohn mit einer Eingeborenen. Aber auch Susan hat das Treuegelübde gebrochen und aus Not einen anderen geheiratet. Noch ahnt sie nicht, dass diese verlorene Liebe auch sie über das Meer führen und sie und ihre Familie dramatisch verändern wird. Fesselnd erzählt Tamara McKinley von Menschen aus verschiedenen Kulturen, die Neues wagen und ihre Träume nicht aufgeben möchten. Sie zieht uns hinein in die Mythen und Riten geheimnisvoller Welten und lässt die Epoche der Entdecker in persönlichen Schicksalen lebendig werden."

Herbert, Xavier "Capricornia"

Herbert, Xavier "Capricornia. Die paradiesische Hölle" (Englisch: Capricornia) - 1938

Dieses Buch wurde mir von meinen australischen Freunden als Klassiker ihres Landes empfohlen. Es war zwar keine leichte Lektüre, aber ich war nicht enttäuscht. Der Autor beschreibt darin das Leben im australischen Norden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er erzählt vom Leben der weißen Siedler und der Aborigines, die schon seit Urzeiten auf diesem Kontinent lebten, vom neuen Leben, das durch die Vermischung beider Gruppen entstand – den "Mischlingen", den sogenannten "Yeller Fellers" (gelbe Typen) und den "Quadroons" – und den Problemen, die sich aus dieser Vermischung ergaben. Ich habe nie verstanden, wie man eine Rasse für besser als die andere halten und gleichzeitig diejenigen, die beide Rassen in sich tragen, in verschiedene Kategorien einteilen kann. Wenn man beispielsweise einen asiatischen Elternteil zwischen den "weißen" und "schwarzen" Eltern hat, ist man besser als diejenigen mit mehr "schwarzen" Vorfahren, aber immer noch schlechter als diejenigen mit mehr "weißen" Vorfahren usw. Das erscheint mir unglaublich, und ich will es gar nicht verstehen.

Ein großartiger Einblick in einen Kontinent, den ich heute kaum kenne, geschweige denn vor hundert Jahren. Ich habe ein paar Freunde in Australien, und mein Sohn hat sechs Monate dort verbracht, aber das hat mir nicht viel über deren Geschichte beigebracht. Dieses Buch hingegen schon. Eine informative, fesselnde und berührende Geschichte.

Es muss ein ziemlich schockierendes Buch gewesen sein, als es 1938 erschien, so nah an den Ereignissen. Ich schätze, viele dachten damals noch so. Der Autor wurde sogar zum "Beschützer der Aborigines" ernannt – das sagt wohl alles.

Viele Bücher, die ich über Australien gelesen habe, handelten eher von den Sträflingen, die zur Einwanderung nach Australien gezwungen wurden. Dieses Buch spielt später und erzählt daher die Fortsetzung dieser Geschichte.

Ach ja, und ich fand auch die Namen der Figuren toll, fast wie bei Charles Dickens. Viele sind nach ihrem Beruf oder einer ihrer Charakterschwächen benannt. Der Bestatter heißt Joe Crowe, Mr. Bigtit ist ein wichtiger Anwalt, O'Crimnell und O'Theef sind Polizisten usw. Ziemlich witzig. Das zeigt, dass der Roman auch voller Humor ist.

Eine lohnende Lektüre. Wer sich für Australien interessiert, sollte ihn unbedingt lesen. Er inspirierte Baz Luhrmann offenbar zu seinem Film "Australia", den ich ebenfalls sehr empfehlen kann, obwohl die Geschichte einen völlig anderen Hintergrund hat und zeitlich etwas später spielt.

Buchbeschreibung:

"Eine fesselnde Erzählung über die Herausforderungen des Lebens in Capricornia, Australien, durch die Linse von Imperialismus und kolonialer Geschichte"

Freitag, 20. März 2026

Mankell, Henning "Die rote Antilope"

Mankell, Henning "Die rote Antilope" (Schwedisch: Vindens son) - Daniel - 2000

Ein Roman, der kein Krimi ist, von einem Krimiautor – na ja, fast ein Krimi. Aber einer, der sich nicht auf das Verbrechen konzentriert.

Dies ist die Geschichte des südafrikanischen Jungen Molo, der im späten 19. Jahrhundert lebt. Als seine Eltern getötet werden (natürlich von Weißen), gibt ihm ein schwedischer Biologe den Namen Daniel, nimmt ihn mit nach Hause und versucht, ihn zu "adoptieren". In seinem Fall bedeutet das, dass er ihn zu Ausstellungen mitnimmt und andere Wissenschaftler ihn vermessen, zeichnen und für ihre Neugier benutzen lässt.

Der Junge hat großes Heimweh. Niemand kümmert sich wirklich um ihn, und er versucht, nach Hause zurückzukehren.

Keine schlechte Geschichte, aber ich hatte erwartet, dass sie mehr von Afrika als von Europa handelt. Doch die Geschichte fesselt einen, der Junge wird so beschrieben, dass man seine Wünsche nicht ignorieren kann. Es ist leicht zu verstehen, warum er sich in diesem kalten Land, in dem alles verboten ist, was in seinem alten Leben normal war, nicht zu Hause fühlt. Eine düstere Geschichte, aber es war auch sehr interessant zu sehen, wie die Menschen im Schweden des 19. Jahrhunderts lebten. Hoffen wir, dass wir uns alle davon weiterentwickelt haben.

Die verschiedenen Übersetzer schienen sich, wie so oft, nicht über den Titel einig zu sein. Während die französische, italienische, spanische, niederländische und finnische Version den Originaltitel (Sohn des Windes) beibehält, nennen die Portugiesen es einfach "Die Antilopen", die Deutschen und Russen wählen "Die rote Antilope", die Engländer wählten den Titel "Daniel".

Buchbeschreibung:

"Ende des 19. Jahrhunderts reist ein junger Mann aus Schweden nach Südafrika. Der gescheiterte Student und Abenteurer Hans Bengler hofft, mit einem unbekannten Insekt zurückzukommen, das ihn berühmt machen soll. Stattdessen entdeckt er bei einem Großwildjäger am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Buschmannjungen und beschließt, ihn nach Europa mitzunehmen.

Obwohl Daniel, wie Bengler ihn nennt, die schwedische Sprache bald leidlich versteht, wird er sich auf dem weißen Kontinent nie richtig heimisch fühlen. Er muss Schuhe tragen, an Türen anklopfen und sich pausenlos anstarren lassen, denn die meisten Schweden haben noch nie einen Schwarzen gesehen. Er wird wissenschaftlich untersucht und von seinem neuen Vater wie von einem Schausteller dem Publikum vorgeführt...

In seinen Träumen aber sieht er die rote Antilope, die sein leiblicher Vater in den afrikanischen Felsen geritzt hat. Wie sie will er zum Sprung ansetzen, weit zurück über das Meer, und nachts probiert er heimlich, ob es nicht möglich ist, mit bloßen Füßen über das Wasser zu gehen.

Wer war dieser kleine schwarze Junge, der auf einem Friedhof in Schonen begraben liegt? Welches Drama hat sich in seinem kurzen Leben abgespielt? Und was geschah zwischen ihm und dem weißen Mädchen, das eines Tages aus seinem Elternhaus verschwand und einem Mord zum Opfer fiel?
"

Dienstag, 24. Februar 2026

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus"

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus" Serie (Englisch: Magic Tree House, Series) - 1992 ff.

Jack und Anne sind zwei ganz normale Kinder, die einfach nur ihr Baumhaus betreten müssen und mit Hilfe magischer Bücher in die Vergangenheit reisen können. In den verschiedenen Büchern lernen sie alles über Geschichte, aber auch viel über Naturwissenschaften. Eine sehr interessante Art, Kindern wichtige Themen näherzubringen.

Meine Söhne hatten viel Spaß mit diesen Büchern.

Dies sind alle Bücher, die es in deutsch gibt (amerikanische/britische Titel in Klammern).
[Forschungsleitfäden in Klammern]


Band 1: Im Tal der Dinosaurier (Dinosaurs Before Dark/Valley of the Dinosaurs) [RG1: Dinosaurs]
Band 2: Der geheimnisvolle Ritter (The Knight at Dawn/Castle of Mystery) [RG2: Knights and Castles] (Goodreads)
Band 3: Das Geheimnis der Mumie" (Mummies in the Morning /Secret of the Pyramid) [RG3: Mummies and Pyramids]
Band 4: Der Schatz der Piraten (Pirates Past Noon/Pirates' Treasure) [RG4: Pirates]
Band 5: Im Land der Samurai (Night of the Ninjas)
Band 6: Gefahr am Amazonas (Afternoon on the Amazon/Adventure on the Amazon) [RG5: Rain Forests]
Band 7: Im Reich der Mammuts (Sunset of the Sabertooth/Mammoth to the Rescue) [RG12: Sabertooths and the Ice Age]
Band 8: Abenteuer auf dem Mond (Midnight on the Moon/Moon Mission) [RG6: Space]
Band 9: Der Ruf der Delfine (Dolphins at Daybreak/Diving with Dolphins) [RG9: Dolphins and Sharks]
Band 10: Das Rätsel der Geisterstadt (Ghost Town at Sundown/A Wild West Ride)
Band 11: Im Tal der Löwen (Lions at Lunchtime/Lions on the Loose)
Band 12:  Auf den Spuren der Eisbären (Polar Bears Past Bedtime Icy Escape) [RG 16: Polar Bears and the Arctic]
Band 13: Im Schatten des Vulkans(Vacation Under the Volcano/Racing with Gladiators) [RG14: Ancient Rome and Pompeii]
Band 14: Im Land der Drachen (Day of the Dragon King) (Palace of the Dragon King)
Band 15: Insel der Wikinger (Viking Ships at Sunrise) (Voyage of the Vikings)
Band 16: Auf der Fährte der Indianer (Buffalo Before Breakfast)
Band 17: Im Reich des Tigers (Tigers at Twilight)
Band 18: Rettung in der Wildnis (Dingoes at Dinnertime)
Band 19: Abenteuer in Olympia (Hour of the Olympics/Olympic Challenge!) [RG10: Ancient Greece and the Olympics]
Band 20: Im Auge des Wirbelsturms. (Twister on Tuesday) [RG8: Twisters and Other Terrible Storms]
Band 21: Gefahr in der Feuerstadt. (Earthquake In the Early Morning)
Band 22: Verschollen auf hoher See. (Tonight on the Titanic) [RG7: Titanic]
Band 21: (Civil War on Sunday)
Band 22: (Revolutionary War on Wednesday) [RG11: American Revolution]
Band 23: Das Geheimnis des alten Theater. (Stage Fright on a Summer Night)
Band 24: Den Gorillas auf der Spur (Good Morning, Gorillas)
Band 25: Im Land der ersten Siedler (Thanksgiving on Thursday) [RG13: Pilgrims]
Band 26: Abenteuer in der Südsee (High Tide in Hawaii) [RG15: Tsunamis and Other Natural Disasters]
Band 27: Im Auftrag des Roten Ritters (Christmas in Camelot)
Band 28: Das verzauberte Spukschloss (Haunted Castle on Hallows Eve)
Band 29: Das mächtige Zauberschwert (Summer of the Sea Serpent)
Band 30: Im Bann des Eiszauberers (Winter of the Ice Wizard)
Band 31: Sturmflut vor Venedig(Carnival at Candlelight)
Band 32: Der gestohlene Wüstenschatz (Season of the Sandstorms)
Band 33: Geheimauftrag in Paris (Night of the New Magicians)
Band 34: Das verwunschene Einhorn. (Blizzard of the Blue Moon)
Band 35: Angriff des Wolkendrachen .(Dragon of the Red Dawn)
Band 36: Der geheime Flug des Leonardo (Monday with a Mad Genius) [RG19: Leonardo da Vinci]
Band 37: Das Ungeheuer vom Meeresgrund (Dark Day in the Deep Sea) [RG17: Sea Monsters]
and 38: Das verborgene Reich der Pinguine (Eve of the Emperor Penguin )[RG18: Penguins and Antarctica]
Band 39: Die geheime Macht der Zauberflöte.  (Moonlight on the Magic Flute)
Band 40: Piratenspuk am Mississippi. (A Good Night for Ghosts) [RG20: Ghosts]
Band 41: Gefangen im Elfenwald  (Leprechaun in Late Winter) [RG21: Leprechauns and Irish Folklore]
Band 42: Geister in der Nebelnacht (A Ghost Tale for Christmas Time) [RG22: Rags and Riches: Kids in the Time of Charles Dickens] (Goodreads)
Band 43: Das Gift der Königskobra (A Crazy Day with Cobras) [RG23: Snakes and Other Reptiles]
Band 44: Lawinenhunde im Schneesturm. (Dogs in the Dead of Night) [RG24: Dog Heroes]
Band 45: Die Feder der Macht (Abe Lincoln at Last!) [RG25: Abraham Lincoln]
Band 46: Pandas in großer Gefahr (A Perfect Time for Pandas) [RG26: Pandas and Other Endangered Species] (Goodreads)
Band 47: Im Bann des schwarzen Hengstes (Stallion by Starlight) [RG27: Horse Heroes]
Band 48: Das Geheimnis des Zauberkünstlers (Hurry Up, Houdini!) [RG 28: Magic Tricks from the Tree House #28]
Band 49: Abenteuer im Tal der Könige (High Time for Heroes)
Band 50: Das beste Fußballspiel aller Zeiten (Soccer on Sunday)
Band 51: Der König der Mayas (Shadows of the Dark)
Band 52: Wettlauf der Schlittenhunde (Balto of the Blue Dawn)
Band 53: Das Tor zur Dracheninsel (Night of the Ninth Dragon)
Band 54: Das große Spiel (A Big Day for Baseball)
Band 55: Helden im Hurrikan (Hurricane Heroes in Texas)
Band 56: Der römische Spion (Warriors in Winter)
Band 57: Narwal in großer Gefahr (Narwhal on a Sunny Night)
Band 58: Das verborgene Reich der Inka (Late Lunch with Llamas)
Band 59: Rettungsmission im Naturpark (Camp Time in California)
Band 60: Die Spur des Schneeleoparden (Sunlight on the Snow Leopard)
Band 61: Das Geheimnis der Nashörner (Rhinos at Recess)
Band 62: Notfall auf der Schildkröteninsel (Afternoon on the Amazon)

Donnerstag, 6. November 2025

Conrad, Joseph "Herz der Finsternis"

Conrad, Joseph "Herz der Finsternis" (Englisch: Heart of Darkness) - 1902

Ich stieß auf dieses Buch, als ich Jane Smileys "13 Ways of Looking at the Novel" las. Es klang interessant, und ich fand es beim nächsten Besuch in der Bibliothek wieder.

Der Autor, ein polnischer Romanautor, der auf Englisch schrieb, erzählt die Geschichte eines englischen Kapitäns, der für einen Auftrag nach Afrika reist. Sein Schiff wird vor seiner Ankunft zerstört, und er ist gezwungen, den schwarzen Kontinent zu bereisen. Er schildert seine Erlebnisse und Begegnungen mit den Bewohnern, sowohl den Einheimischen als auch den Kolonisten.

Obwohl es sich um eine Novelle mit nur 110 Seiten handelt, also nicht sehr lang, steckt so viel Information in der Geschichte, dass man keinen einzigen Satz überspringen kann, ohne den Faden zu verlieren. Er hat einen besonderen Schreibstil, wahrscheinlich weil Englisch nicht seine Muttersprache ist, und er dennoch den Fluss seiner Muttersprache bewahrt, wie wir es wahrscheinlich alle irgendwie tun.

Auf jeden Fall gibt er uns einen interessanten Einblick in die Kolonialisierung und ihre Auswirkungen auf die Menschen in Afrika und auch auf die Europäer, die dorthin gingen. Es ist eine hochinteressante Studie über einen Teil der Geschichte, der unser Leben bis heute beeinflusst.

Mein Lieblingszitat:

"Die Eroberung der Erde, die meist bedeutet, sie denen wegzunehmen, die eine andere Hautfarbe oder eine etwas flachere Nase haben als wir selbst, ist bei genauerem Hinsehen keine schöne Sache. Was sie rettet, ist allein die Idee. Eine Idee dahinter; kein sentimentaler Vorwand, sondern eine Idee; und ein selbstloser Glaube an diese Idee – etwas, das man aufbauen, vor dem man sich verneigen und dem man ein Opfer darbringen kann ..."

Buchbeschreibung:

"In den Abenteuerbüchern Joseph Conrads ist der Dschungel still. Im Herz der Finsternis (1899) etwa schlängelt sich der Kongo lautlos durch die 'erhabene Stille des Urwalds': Die Geschichte von Kapitän Marlowe, der sich auf die Suche nach dem rätselhaften und grausamen Elfenbeinhändler Kurtz ins dunkle Afrika aufmacht, spielt sich vorwiegend in der 'schweigenden Wildnis' ab. Erst als Marlowe Kurtz zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, durchbricht ein schriller Schrei die Lautlosigkeit. Zunächst nur 'ein Wort' in den Erzählungen der Eingeborenen, stellt sich der dämonische Redner nun 'als eine Stimme dar'. Und als Kurtz mit dem flüsternden Ausruf 'Das Grauen! Das Grauen!' sein Leben schließlich aushaucht, wird die Wahrheit dieser Einschätzung offenbar: 'Er war kaum mehr gewesen als eine Stimme'."

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Le Clézio, Jean-Marie Gustave "Der Afrikaner"

Le Clézio, Jean-Marie Gustave "Der Afrikaner" (Französisch: L'Africain) - The African - 2004

Der französische Nobelpreisträger schrieb diesen autobiografischen Aufsatz hauptsächlich über seine Kindheit in Afrika, wo er seinen Vater kennenlernte, der den Großteil seines Lebens dort verbrachte. Eine treffende Beschreibung der afrikanischen Landschaft und nicht nur eine Autobiografie über den Autor, sondern auch über seinen Vater, den er als Fremden kennenlernte.

Mit diesem Buch scheint er seinem Vater näherkommen zu wollen, den er in seiner Jugend nie richtig kennenlernen konnte. Sein Weg zu ihm führt über sein geliebtes Afrika, einen Kontinent, der seine Kindheit geprägt hat. Am besten drückt er dies in diesem Zitat aus: "Ich sehne mich immer danach, nach Afrika zurückzukehren, zu meinen Kindheitserinnerungen. Zum Ursprung meiner Gefühle, zu dem, was meinen Charakter geprägt hat."

Wunderbar geschrieben! Es überrascht mich nicht, dass er Nobelpreisträger wurde. Ein Autor, der diese Anerkennung wirklich verdient.

Dies wird nicht das letzte Buch sein, das ich von J.M.G. Le Clézio gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"Eine Afrikareise in der Kindheit wurde für Le Clézio, einem der bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller, zur Initiation. Hier lernte er eine Welt kennen, die ihn mit ihren fremden Lebensformen, den exotischen Gerüchen und Farben in ihren Bann schlug und nie wieder loslassen sollte. Und so erzählt er von der Reise, die ihn 1948 nach Afrika führte und wo er zum ersten Mal seinem Vater begegnete. Einem Tropenarzt, der in Nigeria Lepra und Sumpffieber kurierte, den Kolonialismus hasste, mit einer Piroge das Landesinnere erkundete und Landschaften und Menschen fotografierte. Und er erzählt die Liebesgeschichte seiner Eltern, die in Kamerun, vor seiner Geburt, spielt, als der Traum eines von Krankheit und Fremdherrschaft befreiten Afrika noch realisierbar schien."

Jean-Marie Gustave Le Clézio, "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation", erhielt den Nobelpreis für Literatur 2008.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 19. September 2025

Rhys, Jean "Die weite Sargassosee"

Rhys, Jean "Die weite Sargassosee oder Sargassomeer" (Englisch: Wide Sargasso Sea) - 1966

Genau wie "Becoming Jane Eyre" von Sheila Kohler, das leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich dies gelesen, als unser Lesekreis beschloss, "Jane Eyre" (Jane Eyre) von Charlotte Brontë zu lesen, nachdem ich es einige Monate zuvor noch einmal gelesen hatte.

"Die weite Sargassosee" (Wide Sargasso Sea) gilt als Prequel zu "Jane Eyre". Was geschah mit Mr. Rochester in seiner ersten Ehe in der Karibik, wie kam es zu dieser Ehe und wie endete sie so schrecklich?

Jean Rhys wurde in Dominica geboren und weiß daher einiges über das Leben in Westindien. Ich habe es sehr genossen, etwas über das damalige Leben der Menschen dort zu erfahren. Auch wenn man weiß, wohin das alles führt (wenn man "Jane Eyre" gelesen hat), ist es dennoch eine sehr spannende Geschichte über Liebe und verlorene Liebe und das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen – sehr empfehlenswert.

Buchbeschreibung:

"Jamaika, Anfang des 19. Jahrhunderts: In einem alten Herrenhaus wächst Antoinette Cosway in einer Zwischenwelt heran. Auf der einen Seite die schwarzen Dienstboten, ihre Lieder und Rituale, auf der anderen Seite die weißen Plantagenbesitzer. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Sklaverei wurde gerade abgeschafft, die schwarze Bevölkerung begehrt erstmals gegen die ehemaligen Herren auf. Antoinette heiratet einen jungen Engländer, den Mr Rochester aus Charlotte Brontës Klassiker JANE EYRE, doch die Beziehung wird durch Gerüchte über den Wahnsinn in ihrer Familie, durch seine hohen Ansprüche und ihre innere Zerrissenheit überschattet. Schließlich zwingt ihr Mann sie, die Insel zu verlassen und mit ihm nach England zu gehen. Dort lebt Antoinette als Gefangene in seinem großen Herrenhaus und verliert zunehmend den Verstand. Sie wird zu der verrückten Frau auf dem Dachboden. Jean Rhys' DIE WEITE SARGASSOSEE ist eine außergewöhnliche Studie über Leidenschaft und Eifersucht und ein Meisterwerk der modernen Literatur."  

Samstag, 2. August 2025

Forster, E. M. "Auf der Suche nach Indien"

Forster, E. M. (Edward Morgan) "Auf der Suche nach Indien" (Englisch: A Passage to India) - 1924

Dieser Roman entführt uns in eine andere Zeit und in eine andere Region: Indien in den 1920er Jahren. Natürlich sind die Protagonisten Briten, die zur Zeit der indischen Unabhängigkeitsbewegung leben, doch die Hauptfigur ist ein junger Inder, der allein durch die Nachlässigkeit der Engländer in Schwierigkeiten gerät. Das Buch handelt von Freundschaft, Kolonialismus und dem Wunsch aller Menschen nach Unabhängigkeit.

Da ich klassische britische Literatur liebe, war es keine Überraschung, dass mir dieses Buch so gut gefiel. Ich liebe die Sprache von E.M. Forster, die Art und Weise, wie er sowohl die Figuren als auch die Szenen beschreibt. Er entführt uns an einen weit entfernten Ort, der fast magisch wirkt und dennoch sehr realistisch und verletzlich ist.

Eine tolle Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Eine junge Britin reist in den 1920er Jahren zu ihrem Verlobten nach Indien und taucht ein in eine ihr gänzlich fremde Welt. Englisches Kolonialdenken trifft hier auf indisches Unabhängigkeitsstreben – ein Zwischenfall entlarvt schließlich die Verlogenheit und Brutalität der britischen Herrschaft."

Montag, 28. Juli 2025

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht"

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" (Englisch: Out of Darkness, Shining Light) - 2019

Natürlich kennen wir alle David Livingstones Suche nach der Quelle des Nils. Es ist auch allgemein bekannt, dass sein Herz in Afrika und sein Körper in Europa begraben wurde. Dies ist die Geschichte, erzählt von zwei Sklaven, wie der Körper von der Mitte Afrikas ans Meer gelangte, um nach Großbritannien überführt zu werden.

Zwei verschiedene Personen erzählen die Geschichte: eine Frau, die als Köchin arbeitet. Ihre Geschichte ist sehr afrikanisch, sie verwendet viel zu viele Wörter, die der durchschnittliche Europäer nicht versteht. Zugegeben, es gibt einen kleinen Anhang mit Erklärungen, aber die muss man viel zu oft verwenden, und das verdirbt den Spaß an jeder Geschichte. Dann gibt es da noch einen Mann, der Priester werden will. Er predigt bereits. Ständig. Fast jeder zweite Satz beginnt oder endet mit "der Liebe Gott" oder etwas Ähnlichem. Er wirkt wie ein religiöser Fanatiker. Bibellesen ist weltlicher.

Habt ihr es schon erraten? Mir hat das Buch nicht gefallen.

Es gab nur einen einzigen Satz, der mich zum Schmunzeln brachte. Als jemand den anderen Sklaven von dem Treffen zwischen Henry Morton Stanley und David Livingstone erzählte, übersetzte er den ersten Satz (Dr. Livingstone, nehme ich an?) wie folgt: "Es kann nur sein, dass du Bwana Daudi bist."

Wir haben dies im Juli 2025 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Kommentare der Mitglieder:

  • Der Anfang des Buches wirkte zäh, und die Geschichte hat mich erst richtig in ihren Bann gezogen, als der Mordplan aufgedeckt wurde. Es war jedoch eine sehr interessante Lektüre, was Geschichte und Kultur angeht. Die Diskussion führte zu Gesprächen und Überlegungen über afrikanische Geschichte, Sklaverei, imperialistische Einflüsse, Totenriten … Die Charaktere in der Geschichte waren zudem sehr eigenständig. Ich fühle mich durch die Lektüre etwas klüger in Bezug auf afrikanische Geschichte.

  • Viele im Lesekreis waren sich einig, dass die Sprache, insbesondere der religiöse Ton und die afrikanischen Dialekte, den Anfang schwer verständlich machten. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Handlung jedoch spannender, insbesondere durch den Fokus auf die afrikanischen Sklaven, die Livingstones Leichnam trugen. Ihre Reise ist zentral für das Buch, und der Kontrast zwischen ihrem Leben und Livingstones europäischem Erbe eröffnet wichtige Diskussionen über Kolonialismus und die Auslöschung afrikanischer Stimmen in der Geschichte. Einige empfanden die religiösen Elemente als repetitiv, doch sie wurden als wesentlich für das Verständnis der damaligen Mentalität angesehen. Trotz des langsamen Anfangs und des anspruchsvollen Stils fanden viele die Auseinandersetzung mit historischen und kulturellen Themen des Romans zum Nachdenken anregend.
  • Insgesamt war es ein wirklich gutes Diskussionsbuch. Da wir bereits einige Bücher über afrikanische Geschichte und von afrikanischen Autoren gelesen haben, ist es immer interessant, die Bücher, die wir gelesen haben, zu betrachten und zu sehen, wie die neuen Bücher dazu passen. In diesem Sinne schien dies ein gutes Buch für die Liste zu sein.

Buchbeschreibung:

"Ein großer Roman über ein unbekanntes Stück afrikanischer Kolonialgeschichte, fiktionalisiert zu einer spannenden Abenteuerreise - erzählt von einer der aufregendsten Stimmen unserer Gegenwart.

Seit ihrer Jugend ist Petina Gappah von der Geschichte um David Livingstone besessen – dem berühmten schottischen Missionar und Afrikaforscher, der sich des großen geografischen Rätsels seiner Zeit verschrieben hatte, der Entdeckung der Nilquellen. Aus Faszination wurde ein Roman: Als Livingstone 1873 auf der Suche stirbt, will seine treue Gefolgschaft seinen Leichnam in seine Heimat zurückbringen. So machen sich 69 Gefährten auf den wagemutigen Weg, ihn quer durch Afrika zu tragen, angeführt von einer jungen Frau – Halima, Livingstones scharfzüngiger Köchin.

Es ist eine abenteuerliche und lebensbedrohliche Reise über 1.000 Meilen, auf der ihnen Hunger, Krankheit und Tod begegnen – und immer wieder die Frage: Wie weit sind wir bereit für unsere Freiheit zu gehen?"

Montag, 26. Mai 2025

Multatuli "Max Havelaar"

Multatuli (Eduard Douwes Dekker) "Max Havelaar oder Die Kaffeeversteigerungen der Niederländischen Handelsgesellschaft" (Niederländisch: Max Havelaar of de koffiveilingen der Nederlandsche Handelmaatschappy) - Max Havelaar, or the Coffee Auctions of the Dutch Trading Company - 1859 

Eduard Douwes Dekker alias Multatuli sollte man wohl als den niederländischen Charles Dickens bezeichnen. Zumindest stammt er aus derselben Zeit und ist in den Niederlanden genauso beliebt wie Dickens in Großbritannien.

Sein Buch schien vielen Niederländern damals die Augen für die wahre Bedeutung von Kolonialismus geöffnet zu haben. "Max Havelaar" wird auch "das Buch, das den Kolonialismus tötete" genannt und wurde 2002 zum wichtigsten Buch der niederländischen Literatur gewählt.

Es gibt mittlerweile andere Listen, auf denen es immer noch auf Platz drei steht, hinter "Die Entdeckung des Himmels" (The Discovery of Heaven/De ontdekking van de hemel) von Harry Mulisch und "Das Haus der Moschee" (The House of the Mosque/Het huis van de moskee) von Kader Abdolah, zwei sehr einflussreichen und wichtigen Werken, die ich wärmstens empfehle.

Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt, aber ich habe es im niederländischen Original gelesen. Ich denke jedenfalls, dass es auch heute noch eine Botschaft für uns hat und genauso wichtig ist wie damals. Der Untertitel "Oder die Kaffeeversteigerungen der Niederländischen Handelsgesellschaft“ sagt eigentlich nicht viel mehr über das Buch aus als der bloße Titel, denn es geht viel mehr um das Leben in Indonesien – sowohl der Einheimischen als auch der Kolonialisten damals – als um den Handel selbst. Es ist ein Werk über die Unterdrückung anderer Nationen durch die Europäer, vergleichbar mit dem, was wir in Afrika erlebt haben, oder sogar mit der Sklaverei. Die Einheimischen hatten keinerlei Rechte und arbeiteten nur, um ihr eigenes Leben zu erhalten und so mehr Geld für ihre "Herren" zu erwirtschaften. Das klingt alles sehr vertraut.

Der Autor regte seine Zeitgenossen zum Nachdenken über die wahre Bedeutung von Kolonialismus an. Und er hat auch heute noch eine Stimme. Gut gemacht. Definitiv ein lesenswertes Buch.

Buchbeschreibung:

"Max Havelaar erzählt von einem Amsterdamer Kaufmann namens Droogstoppel, der von der Kaffeebörse lebt und genau so dröge ist, wie sein Name verheißt. Aber dann dringt ein ehemaliger und mittlerweile mittelloser Bekannter in sein Leben ein und bittet um seine Hilfe bei der Veröffentlichung eines Manuskripts. Dieses Manuskript erzählt seine eigene Entstehungsgeschichte und handelt von der Karriere des Kolonialbeamten Max Havelaar auf Java in Niederländisch-Indien."

Freitag, 16. Mai 2025

Naipaul, V.S. "An der Biegung des großen Flusses"

Naipaul, V.S. "An der Biegung des großen Flusses" (Englisch: A Bend in the River: His Great Novel of Africa) - 1979

Salim, ein Afrikaner indischer Abstammung, lässt sich als Ladenbesitzer in einer namenlosen Stadt an der Flussbiegung nieder. Mit seinen "fremden" Augen sehen wir einen Teil der afrikanischen Geschichte nach dem Abzug der Kolonisten: die Veränderungen in Politik und Gesellschaft, die wirtschaftlichen Probleme, die kriegsähnlichen Zustände. Die Veränderungen für die lokale Gemeinschaft ebenso wie für Außenseiter wie Salim, die nie wirklich dazugehören. Als Auswanderer kann ich die Probleme, mit denen er konfrontiert wird, voll und ganz nachvollziehen, auch wenn sie von Land zu Land unterschiedlich sind.

Ein weiterer hochinteressanter Roman dieses Autors, der den Nobelpreis wirklich verdient hat.

Buchbeschreibung:

"Naipauls legendärer Afrikaroman führt mitten ins Herz des schwarzen Kontinents, in ein Land, aus dem die Kolonialmacht gerade abgezogen ist. Der junge Salim, Sohn einer angesehenen indischen Händlerfamilie, die seit Generationen an der afrikanischen Ostküste lebt, übernimmt in einer Provinzstadt am großen Fluss einen kleinen Laden. Konsequent und virtuos erzählt Naipaul von der unendlichen Einsamkeit eines Grenzgängers aus einer anderen Kultur in einer Zeit des radikalen politischen Umbruchs."

V.S. Naipaul erhielt den Nobelpreis für Literatur 2001 "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Naipaul, V.S. "Ein Haus für Mr. Biswas"

Naipaul, V.S. "Ein Haus für Mr. Biswas" (Englisch: A House for Mr. Biswas) - 1961

"'Ein Haus für Mr. Biswas' porträtiert anhand einer Reihe seiner Häuser und seines relativ kurzen Lebens den armen indischen Journalisten, der in Port of Spain, Trinidad, in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beamten wurde."

 Ich liebe V.S. Naipaul. Er ist ein wunderbarer Schriftsteller. Er erzählt uns nicht nur von einem Leben, in das wir nie hineinsehen könnten, sondern tut dies auch auf so hervorragende Weise.

Ein Mann hat einen Traum und arbeitet dafür. Nicht immer einfach. Viele Kämpfe. Je mehr er versucht, seine Ziele zu erreichen, desto weiter scheint er sich davon zu entfernen.

Eine Geschichte über Enttäuschungen im Leben und zerplatzte Träume, exquisit geschrieben. Ich habe dieses Buch geliebt.

Offensichtlich ein Roman mit einem großen autobiografischen Hintergrund. Die Hauptfigur, Mr. Biswas, der auf dem Vater des Autors basiert, ist kein besonders sympathischer Charakter, er ist eingebildet und hält viel von sich selbst und nicht viel von anderen. Doch dank V.S. Naipauls wunderbarer Sprache ist die Geschichte so schön, als würde er von einer schönen Prinzessin erzählen. Und obwohl der Protagonist nicht sympathisch ist, können wir nur Mitleid mit denen haben, die in ein bestimmtes Leben hineingeboren wurden und dem ihnen lange zuvor sie überhaupt hier auf der Erde waren beschriebenen Weg folgen müssen. Man fragt sich allerdings, wie gut die Beziehung zwischen V.S. Naipaul und seinem Vater war.

Wenn wir Herrn Biswas folgen, erhalten wir Einblicke in den Kolonialismus und den Kampf der Ureinwohner, ihm zu entkommen. Wir leben auch mit der Familie zusammen und lernen ihren Alltag kennen und wie viele Menschen versuchen, auf engstem Raum miteinander auszukommen.

Eine sehr komplexe Geschichte mit vielen Nebenhandlungen und Nebenfiguren, die ihr eine besondere Tiefe verleihen. Sie hat das Zeug zu einem echten Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Dieser Familien- und Entwicklungsroman spielt in Trinidad, im indischen Milieu dieser Insel, dem Naipaul entstammt. Mr. Biswas ist von Geburt an Außenseiter: Er wird 'falsch herum' geboren, mit sechs Fingern an einer Hand - Unglückszeichen, die ihm von vornherein eine Sonderstellung innerhalb der Familie verschaffen. Als Abkömmling indischer Einwanderer und Sohn eines armen Landarbeiters, der früh stirbt, bleibt Biswas auch am Rande der Gesellschaft von Trinidad. Dies ist Fluch und Chance zugleich. Mr. Biswas entwickelt eine Reizbarkeit und Fantasie, die den Zusammenstoß mit dem Familienklan, dem er durch seine Frau angehört, zu einem Kampf auf Leben und Tod werden lassen."

V.S. Naipaul erhielt den Nobelpreis für Literatur 2001 "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 13. Mai 2025

Paton, Alan "Denn sie sollen getröstet werden"

Paton, Alan "Denn sie sollen getröstet werden" (Englisch: Cry, The Beloved Country: A Story of Comfort in Desolation) - 1948

Alan Paton war ein südafrikanischer Autor und Anti-Apartheid-Aktivist. Sein Roman erzählt die Geschichte von Menschen, die in einer Gesellschaft leben müssen, die von Ungerechtigkeit geprägt ist, die später zur Apartheid führen sollte. Man kann nicht anders, als Mitleid mit allen Charakteren der Geschichte zu haben, egal was sie tun, wie sehr sie sich auch bemühen, sie kommen nicht weiter.

Eine dramatische Lektüre, eine fantastische Lektüre. Geschichte, ja, aber wenn man sich umschaut, gibt es diese Art von Problemen immer noch überall.

Buchbeschreibung:

"Südafrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gewalt zwischen Schwarzen und Weißen regiert und zerstört das Land. Der Sohn des schwarzen Pfarrers Stephe
n Kumalo, Absalom, ist, wie viele junge Männer, nach Johannesburg gegangen und nicht wiedergekommen. Wer dorthin geht, kommt nie wieder zurück. Dann kommt ein Brief. Stephen Kumalo, der schwarze Pfarrer, macht sich auf den Weg in die große, unbekannte Stadt. Er findet seinen Sohn im Gefängnis. Absalom hat bei einem Einbruch in Panik einen jungen Weißen erschossen. Gerade dieser Mann aber hatte sich sehr für die Rechte der Schwarzen eingesetzt. In einem Land, in dem Schwarze keine Rechte haben und im Elend leben, scheint Absaloms Schicksal besiegelt. Die Versöhnung zwischen den Vätern des Opfers und des Täters, zwischen weiß und schwarz, erscheint als Zeichen der Verheißung für eine bessere Zukunft. Neuausgabe des Welterfolgs, der 1948 erstmals erschienen.
"

Mittwoch, 16. April 2025

Collins, Wilkie "Der Mondstein"

Collins, Wilkie "Der Mondstein" (Englisch: The Moonstone) - 1868

"Der Mondstein" gilt als die erste englische Detektivgeschichte. Ich bin kein großer Fan von Krimis, aber ich liebe klassische englische Briefromane, und dieser hier ist ein herausragender. Seine Methode der "Mehrfacherzählung", die Art und Weise, wie alle verschiedenen Charaktere ihren Teil der Geschichte erzählen, ist einfach faszinierend. Auf diese Weise erzählt er uns jeden Aspekt der Geschichte, ohne alles zu verraten.

Ein großartiger Stil, eine fesselnde Art, den Blick auf den Ball, ähm, den Diamanten zu richten.

Ich konnte es nicht weglegen.

Buchbeschreibung:

"Spannung auf höchstem Niveau erwartet den geneigten Leser bei dieser Lektüre: Wilkie Collins ist mit der Geschichte vom Verschwinden des Mondsteins und von der verwickelten Suche nach dem Täter ein Meisterstück gelungen.

Ein großer, gelb schimmernder Diamant, der die Statue des indischen Mondgottes geschmückt hat, ist auf höchst merkwürdige Weise in den Besitz der schönen Rachel Verinder gelangt. Doch nach wenigen Stunden ist der kostbare Stein unauffindbar. Der Verdacht fällt auf drei Inder, die in der Gegend aufgetaucht sind, um den Edelstein um jeden Preis zurückzuholen. Aber auch die bucklige Dienerin Rosanne ist nicht unverdächtig.

Franklin Blake, der um Rachels Hand anhält, schaltet Scotland Yard ein. Inspektor Cuff sammelt Indizien, aber die Lösung des Falles scheint aussichtslos.

Familiäre Verwicklungen im englischen Adel und orientalische Fremde, Liebe, Intrige und religiöser Eifer, Standesprobleme und Dienstbotentreue sind das vielseitige Instrumentarium, mit dem Wilkie Collins, der Erfinder des Detektivromans, sein Handlungslabyrinth entwirft. Jeder weiß ein bisschen, jeder weiß etwas anderes, keiner weiß die ganze Wahrheit. Und doch gibt es des Rätsels Lösung.
"

Auch die anderen Bücher von Wilkie Collins sind absolut lesenswert: "Die Frau in Weiß" (The Woman in White) und "Der Mondstein" (The Moonstone).

Freitag, 21. März 2025

Fuller, Alexandra "Unter afrikanischer Sonne"

Fuller, Alexandra "Unter afrikanischer Sonne. Meine Kindheit in Simbabwe" (Englisch: Don't Let's Go to the Dogs Tonight) - 2002

Eine weitere Lesekreislektüre, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Eine britische Familie verbringt ihr Leben in Afrika, Rhodesien, heute Simbabwe, mitten in einem Bürgerkrieg. Sie sind nicht nur arm, sondern mittellos, verlieren dort Kinder, sie geraten einfach von einem Elend ins nächste, eine alkoholkranke Mutter, müssen mit einer Waffe schlafen, bringen ihren Kindern bei, nachts nicht in ihr Bett zu kommen, weil sie versehentlich erschossen werden könnten, und dazu all die Gewalt um viele gefährliche Tiere überall. Ich verstand nicht, warum sie nicht nach Hause zurückkehrten. Sie wären vielleicht auch in England arm gewesen, aber sie wären sicher gewesen. Ich hätte es besser verstanden, wenn ihnen ihr Leben in Afrika gefallen hätte, aber das tat es nicht, sie hassten alles daran.

Irgendwo habe ich eine Rezension gelesen: "...  ist eine mutige Autobiografie über komplizierte Zeiten und eine ebenso komplizierte Familie. Man möchte sie vielleicht nicht kennenlernen, verachtet sie manchmal sogar, aber man zweifelt nie daran, dass sie real sind." Dem stimme ich zu. Wenn das jemand als Fiktion geschrieben hätte, würden die Leute sagen: "zu viel Fantasie".

Wir haben das in unserem internationalen Lesekreis im Mai 2003 besprochen.

Buchbeschreibung:

"Alexandra Fuller ist zwei Jahre alt, als ihre Eltern zu Beginn der Siebzigerjahre beschließen, England zu verlassen und nach Rhodesien, das heutige Simbabwe, auszuwandern. Es ist ein hartes Leben, das die Fullers auf ihrer Farm erwartet, und bereits als kleines Mädchen muss Alexandra viele tragische Schicksalsschläge hinnehmen. Dennoch empfindet sie eine tiefe Verbundenheit mit diesem exotischen Land, das ihr immer auch ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit zu geben vermag..."

Montag, 24. Februar 2025

Soueif, Ahdaf "Die Landkarte der Liebe"

Soueif, Ahdaf "Die Landkarte der Liebe" (Englisch: The Map of Love) - 1999

Ich habe dieses Buch jetzt schon ein paar Mal gelesen, zuerst mit meinem früheren niederländischen Lesekreis, dann habe ich es dem internationalen vorgeschlagen.

Die Geschichte informiert über die Geschichte Ägyptens, ist eine Familiensaga und eine Liebesgeschichte, nun ja, eigentlich ein paar Liebesgeschichten. Eine Amerikanerin entdeckt alte Dokumente ihrer Familie, sowohl auf Englisch als auch auf Arabisch. Durch einen Freund wird sie an eine Ägypterin verwiesen und die beiden gehen die Dokumente und ihre gemeinsame Geschichte durch. Die meisten Dokumente beziehen sich auf die Liebe zwischen einer englischen Dame und einem ägyptischen Nationalisten im Jahr 1900. Die beiden Frauen finden eine Verbindung zwischen ihren beiden Familien.

Dieses Buch beschreibt den britischen Kolonialismus, den ägyptischen Nationalismus und den Unterschied zwischen den beiden Völkern sowohl vor hundert Jahren als auch heute.

Der Roman enthält alles: Drama, Geschichte, moderne Zeiten, Liebesgeschichte, Politik, was immer man will. Ich fand ihn toll. Er ist heute vielleicht noch wichtiger als bei seinem Entstehen.

Wir haben das in unserem internationalen Lesekreis im September 2002 und in unserem niederländischen International Women's Lesekreis 2000/2001 besprochen.

Buchbeschreibung: 
 
"Ahdaf Soueif gibt uns das volle Abenteuer-Programm: ein Koffer, gefüllt mit Geheimnissen, Tagebücher in verblichener Tinte, gekidnappte Frauen in Männerkleidern, romantische Liebesgeschichten zwischen Europäerinnen und Arabern, Revolte gegen die Kolonialmacht, geheimnisvolle Geistererscheinungen. Doch die ägyptische Autorin ist nicht Karl May: Sie weiß, wovon sie schreibt. Ihre Erzählerin Amal, eine emanzipierte Ägypterin, spürt dem Schicksal von Anna Winterbourne nach. Annas Urenkelin Isabel hat deren Tagebücher in einem Koffer gefunden, und sie liebt Amals Bruder, den Stardirigenten Omar al-Ghamrawi. Isabel lernt durch Amal das moderne Ägypten kennen, erkennt ihre Vorurteile gegenüber Palästinensern und Islamisten und wird mit Kritik an der Politik ihrer Heimat, den USA, konfrontiert. Parallel führt die Spurensuche nach Anna zurück ins 19. Jahrhundert, zu den Wurzeln der zeitgenössischen Konflikte. Das Buch wird so zu einer Art politisch korrekter, episch erzählter und hoch spannender Neuauflage von Karl Mays Durch die Wüste - ein Karawanen- und Harems-Abenteuer aus globalisierungskritischer Sicht."

Ahdaf Soueif stand 1999 für "The Map of Love" auf der Shortlist für den Booker Prize.


Ich habe auch "Aischa" (Aisha) gelesen, eine Sammlung von Kurzgeschichten. Ich bin kein großer Fan von Kurzgeschichten, aber diese sind sehr gut. Man könnte sagen, dass ich ein Fan von Ahdaf Soueifs Werk bin.

Mittwoch, 15. Januar 2025

Ghosh, Amitav "Die Flut des Feuers"

Ghosh, Amitav "Die Flut des Feuers" (Englisch: Flood of Fire) (Ibis Trilogy #3) - 2015

Nachdem ich zwei Jahre vorher "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) gelesen hatte, war ich froh, dass das zweite Buch "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) bereits erschienen war und ich einfach weiterlesen konnte. Dann war ich so enttäuscht, dass das dritte Buch noch nicht einmal geschrieben war.

Nun, das Warten hat sich gelohnt. Wahrscheinlich hätte ich zuerst die ersten beiden noch einmal lesen und dann mit dem letzten weitermachen sollen, aber ich konnte einfach nicht warten. Charaktere, Szenen, Ereignisse kamen zwar wieder, aber in einigen Fällen hätte ich mir etwas mehr Wiedereinführung gewünscht. Ich war auch froh zu sehen, was mit einigen der Charaktere aus "Das mohnrote Meer" (Sea of ​​Poppies) passierte, die in "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) kaum oder gar nicht erwähnt wurden, sodass alles wieder zusammenkam. Ich war nicht froh zu erfahren, dass der Autor den Gedanken aufgegeben hat, die Geschichte nach dem zweiten Buch wie beabsichtigt fortzusetzen. Wie schade. Ich hoffe jedoch, dass er mehr schreiben wird, denn ich liebe seinen Stil, den ich bereits in "Der Glaspalast" (The Glass Palace) bewundert habe.

Es ist einfach eine fantastische Lektüre. Faszinierend, fesselnd. So viel mehr Geschichte aus einem Teil der Welt, über den ich nicht viel weiß. Ich glaube nicht, dass wir im Unterricht sehr ins Detail über den Opiumkrieg gegangen sind, weil ich mich bestimmt nicht daran erinnern konnte, aber heute weiß ich viel darüber.

Wer sich wirklich für die Geschichte dieses Teils der Welt interessiert oder einfach nur eine gute Abenteuergeschichte lesen möchte oder eine fesselnde Geschichte über viele Menschen mag, für den ist diese Trilogie genau das Richtige. Viel Spaß.

Buchbeschreibung: 

"Nachdem China den vornehmlich von den Briten und deren Kolonien betriebenen Handel mit Opium nicht mehr dulden will, erklärt ihm Großbritannien den Krieg.

Die Hind ist eines der Schiffe, die bei dem Angriff zum Einsatz kommen sollen und segelt zu diesem Zweck von Bengalen nach China. An Bord sind unter anderem Kesri Singh, ein Kommandant der britisch-ostindischen Armee, der eine Kompanie Soldaten befehligt; außerdem Zachary Reid, ein verarmter junger Seemann, der auf der Suche ist nach seiner verlorenen Liebe ist, und Shireen Modi, die in China die Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes, eines erfolgreichen Opiumhändlers, an sich nehmen will. Sie alle geraten schon bald in die Wirren der Opiumkriege, die in Chinas verheerender Niederlage und in der Annektierung Hong Kongs durch Großbritannien enden werden.

Eine vor Atmosphäre und Detailfreude flirrende, turbulente, spannende und berührende Geschichte vor der Kulisse Bengalens und Hongkongs, mit der Amitav Ghosh sein großes historisches Panorama über die Opium Kriege, die eine frühe Ära der Globalisierung markieren, fulminant vollendet."

Dies ist auch ein Buch über Bücher. Viele davon werden erwähnt, entweder weil die Charaktere sie lesen oder weil sie daraus zitieren.

Defoe, Daniel "Robinson Crusoe" (Robinson Crusoe)
Goldsmith, Oliver "Der Pfarrer von Wakefield" (The Vicar of Wakefield)
Haywood, Eliza "Love in Excess"
Richardson, Samuel "Pamela oder die belohnte Tugend" (Pamela)
Sterne, Laurence "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" (The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman)
Voltaire "Zadig" (Zadig ou la Destinée)

Ghosh, Amitav "Der rauchblaue Fluss"

Ghosh, Amitav "Der rauchblaue Fluss" (Englisch: River of Smoke) (Ibis Trilogy #2) - 2011

Dieser Roman ist Teil 2 der "Ibis-Trilogie". Ich war froh, dass er bereits geschrieben war, als ich "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) beendet hatte, denn so konnte ich gleich mit der Geschichte weitermachen.

Selten war ich so gespannt darauf, mit dem nächsten Buch einer Reihe anzufangen wie mit diesem. Das mag zum Teil daran liegen, dass das erste Buch kein richtiges Ende zu haben schien und einen einfach dazu einlud, mit diesem weiterzumachen, aber es liegt sicherlich auch an dem fantastischen Talent dieses Autors, einem eine Geschichte zu erzählen.

Wie ich bereits in meiner Rezension zu "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies) geschrieben habe, gelingt es Amitav Ghosh, alles so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein. Er ist ein so realistischer Autor, es ist unglaublich. Es fühlt sich an, als ob man eine Zeitreise gemacht hätte und sich im Indien oder China des 19. Jahrhunderts befände.

Wer wie ich das erste Buch der Reihe gelesen hat, konnte es sicher kaum erwarten zu erfahren, was mit den Charakteren dieser Geschichte passiert. Und wir werden nicht enttäuscht. Obwohl er jedoch andere Personen einführt, die im ersten Buch nicht auftauchen, braucht er eine ganze Weile, um mit dem Schicksal einiger unserer Helden aus dem Ibis klarzukommen. Wer sehr ungeduldig ist, könnte sich ein wenig über den Erzähler ärgern.

In diesem Teil werden viele neue Themen eingeführt, obwohl sie im ersten Roman bereits kurz angesprochen wurden. Eines davon ist die Moral und der Unterschied zwischen Hinduismus und Christentum.

Ich möchte nicht alles wiederholen, was ich über die erste Episode der Geschichte gesagt habe, also verweise ich Sie einfach auf meine Rezension von "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies). Ich habe jetzt auch den dritten Teil der Reihe gelesen: "Die Flut des Feuers" (Flood of Fire).

Angeblich sagte der Autor in einem Interview: "Ich weiß nicht, ob ich bei drei aufhören kann". Nun, ich fände es toll, wenn er mehr als drei davon schreiben würde, aber ich hätte wirklich gern, dass er sich mit dem nächsten beeilt.

Buchbeschreibung:

"Ein monumentaler Roman über Ruhm und Leid in einer frühen Ära der Globalisierung

Kanton 1838. Über den sagenumwobenen Perlfluss gelangen Glückssucher und Abenteurer aus aller Welt in die chinesische Hafenstadt: Für den jungen Maler Robin Chinnery ist die pulsierende Metropole der ideale Zufluchtsort, um den Heiratsplänen, die seine Mutter für ihn hat, zu entkommen. Der britische Botaniker Fitcher Penrose ist in Begleitung seiner jungen Assistentin Paulette unterwegs nach Kanton, um dort nach einer geheimnisvollen Kamelienart zu suchen, der wahre Zauberkräfte zugesprochen werden. Und der indische Kaufmann Bahram Modi erhofft sich mit der größten Ladung Opium, die er je von Kalkutta nach Kanton transportiert hat, das Geschäft seines Lebens. Es sieht so aus, als würden die Dinge gut für ihn anlaufen, denn man beruft ihn in die Kantoner Handelskammer. Doch dann beginnen die autoritätseinflößenden Mandarine den ausländischen Kaufleuten auf den Leib zu rücken, denn der chinesische Kaiser will den Handel mit Opium verbieten. Und plötzlich stehen alle Zeichen auf Krieg ...

Ein schillerndes Epos, ein entlarvender Blick auf die Ursprünge unseres Wirtschaftssystems und eine Verbeugung vor der chinesischen Kulturgeschichte, betörend und spannend zugleich.
"

Es gibt eine gute (englischsprachige) Webseite über "Die Ibis-Trilogie" (The Ibis Trilogy).

Ghosh, Amitav "Das mohnrote Meer"

Ghosh, Amitav "Das mohnrote Meer" (Englisch: Sea of Poppies) (Ibis Trilogy #1) - 2008

Dieser Roman ist Teil 1 der "Ibis Trilogie".

Von diesem Autor habe ich bisher nur "Der Glaspalast" (The Glass Palace) gelesen. Es war ein Buch meines Lesekreises und ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt. Ich möchte nicht zu viel in der ersten Zeile verraten, aber dieser Roman wird in mein Lieblingsbuchregal aufgenommen.

In diesem Buch ist alles enthalten: Geschichte, Liebe und Krieg, Menschen aus verschiedenen Ländern. Amitav Ghosh schafft es, uns in diese Welt einzuladen. Ich liebe es, wenn man das Gefühl hat, dort zu sein. Man kann die Farben sehen, die Geräusche hören, die Gerüche riechen, es ist so lebensecht.

Dieser Roman beschreibt das Schicksal eines Schiffes und seiner Passagiere. Zu Beginn lernen wir die Seeleute kennen, dann die verschiedenen Menschen, die später Passagiere werden, alle aus unterschiedlichen Lebensbereichen.

Amitav Ghosh gelingt es, alle Bevölkerungsschichten so gut zu beschreiben, die verschiedenen Kasten in Indien, die Briten und andere Ausländer, alle ordentlich in ihre jeweiligen Schubladen gesteckt. Die Frauen gehören in eine andere Rolle, sie haben nichts zu sagen, sie werden verheiratet, müssen einen Erben produzieren. Jeder wird aus sozialen und politischen Gründen in eine bestimmte Rolle gedrängt. Und doch versucht jeder auf seine eigene Weise mit seinem Schicksal zu leben, einige sind unterwürfig, andere rebellisch. Einige bauen eine Bindung zu Menschen aus den anderen Gruppen auf, andere versuchen verzweifelt, diese unsichtbare Mauer zwischen ihnen aufrechtzuerhalten.

Auf jeden Fall lehrt uns dieses Buch so viel über das Leben in Indien zu dieser Zeit, über den Opiumkrieg. Wir erfahren etwas über das Schicksal der Bauern, die von den Kolonialisten gezwungen werden, Opium anzubauen, das sie wiederum nach China importieren, um sich den Handel mit diesem Land leisten zu können. So viele Leben werden beeinträchtigt und zerstört, weil einige Europäer chinesische Produkte wollen. Außerdem ist es für die Besatzer viel einfacher, das Leben aller Menschen zu zerstören, die ursprünglich im Land lebten, als umgekehrt. Wir sehen, dass eine falsche Anschuldigung einem Menschen Reichtum und Ehre nehmen kann.

Ich hätte gerne eine Art Ende für diesen Teil des Buches gehabt, aber weil ich spät damit angefangen habe, war "Der rauchblaue Fluss" (River of Smoke) schon erschienen, und ich habe sofort damit weitergemacht.

Ich habe dann auch den dritten Teil der Reihe gelesen: "Die Flut des Feuers" (Flood of Fire).

In einem Interview sagte der Autor, dass "Öl das Opium von heute ist". Ich denke, er hat absolut recht und es könnte helfen, darüber nachzudenken, was wir den Menschen in anderen Teilen der Welt heute antun.

Ich schätze, einige Leute könnten ein Problem damit haben, das zu lesen, da viele verschiedene Versionen des Englischen verwendet werden, das der Seeleute ist anders als das der Inder, das der Briten anders als das der anderen Ausländer, es gibt viele verschiedene Dialekte und Eigenheiten. Es scheint am Anfang irritierend, aber ich kann nur jeden ermutigen, weiterzumachen, es lohnt sich auf jeden Fall. Wir erfahren auch, dass viele Wörter auf diese Weise aus den Kolonien in die englische Sprache gelangt sind. Eine interessante Beobachtung, wenn man Sprache mag. (Ich weiß leider nicht, wie dies ins Deutsche übersetzt wurde.)

Diese Geschichte ist wie "Tausendundeine Nacht", so viele verschiedene Geschichten, so viele verschiedene Leben. Und alles in einem weit entfernten Land und vor langer Zeit. Faszinierend. Bezaubernd.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der Lese-Challenge "Chunky Books" gelesen. Ich liebe diese Gruppe und freue mich darauf, noch viele weitere Bücher mit dieser Gruppe zu lesen und zu diskutieren.

Buchbeschreibung:

"Das neue große Epos voller Geschichten und Geschichte vom Autor des Weltbestsellers 'Der Glaspalast'

1838: Am Oberlauf des Ganges schuften die Menschen für die britische Opiumindustrie. Verfolgung, Intrigen und Not vereinen eine Gruppe von Flüchtlingen als Schicksalsgemeinschaft auf der 'Ibis', einem ehemaligen Sklavenschiff. Die 'Ibis' ist Hoffnung und Strafe, Zukunft und Endstation zugleich. Und hinter der Mündung des Ganges wartet die Ungewissheit. Unterdrückung und Kolonialismus, das Aufeinanderprallen von Kulturen, Liebe und Hass sind die großen Themen bei Ghosh. Spannendes soziales Drama und literarischer Abenteuerroman zugleich.

Die junge Diti lebt und arbeitet mit ihrer 6-jährigen Tochter Kabutri und ihrem Mann Hukam Singh auf einer Mohnfarm. Diti hat Tagträume, Visionen, in denen sie ein Schiff unter Segeln sieht, das den Fluss herauf kommt. Noch nie war sie am Meer, am 'Schwarzen Wasser', und kann sich die Vision nicht erklären. Doch sie ahnt, dass sie vor einer großen Veränderung in ihrem Leben stehen könnte.
Bis zum Tag der arrangierten Hochzeit mit Diti hat Hukam seine Opiumsucht verschwiegen, die ihn längst zeugungsunfähig gemacht hat. Diti erfährt, dass sie in der Hochzeitsnacht unter Drogen gesetzt und von ihrem Schwager vergewaltigt wurde. Als Hukam nach einem Unfall in der Fabrik stirbt, will Diti sich deshalb lieber verbrennen lassen, als mit ihrem Schwager zusammenzuleben. In letzter Sekunde wird sie von dem Unberührbaren Kalua gerettet und die beiden fliehen auf dem Ganges stromabwärts nach Kalkutta. Als sie nach einer abenteuerlichen Reise dort ankommt, erblickt sie das Schiff aus ihren Visionen und versteht endlich, dass sie als Teil einer Schicksalsgemeinschaft das Land und ihr bisheriges Leben hinter sich lassen wird.

Historienepos, Gesellschafts- und Abenteuerroman zugleich."

Es gibt eine gute (englischsprachige) Webseite über "Die Ibis-Trilogie" (The Ibis Trilogy) und "Das mohnrote Meer" (Sea of Poppies).

Amitav Ghosh stand 2008 für "Sea of Poppies" auf der Shortlist für den Booker Prize.