Posts mit dem Label Juli Zeh werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Juli Zeh werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Zeh, Juli "Corpus Delicti. Ein Prozess"

  

Zeh, Juli "Corpus Delicti. Ein Prozess" - The Method - 2009

Ich habe ein paar Bücher der deutschen Autorin Juli Zeh gelesen, sie haben mir alle gefallen und ich war überrascht, dass sie auch ein dystopisches Buch geschrieben hat.

In diesem futuristischen Roman gehen wir davon aus, dass es keine Krankheiten mehr gibt, sondern dass der Staat alles übernommen hat, etwas, an das viele Konservative glauben, die Kommunisten hätten das bereits getan, aber das hier geht noch viel weiter.

Gesund zu sein ist etwas, was man sein muss, man darf nicht einmal ein bisschen deprimiert sein und man sollte auf keinen Fall etwas tun, was einen krank machen könnte. Wenn man das nicht tut, gilt das als Verrat. Die größte Frage ist jedoch: Macht uns vollkommene Gesundheit glücklich?

Zitat: "Gesundheit ist ein Zustand des vollkommenen körperliche, geistigen und sozialen Wahlbefindens – und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit."

Ich könnte nicht mehr zustimmen.

Ich habe interessantere dystopische Romane gelesen, aber dieser hier regt definitiv zum Nachdenken an.

Buchbeschreibung:

"Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht dies aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert, in der Gesundheit zur höchsten Bürgerpflicht geworden ist."

Dienstag, 14. Februar 2023

Zeh, Juli "Über Menschen"

Zeh, Juli "Über Menschen" [About People] - 2021

Ich habe schon einige Bücher von Juli Zeh gelesen, und sie sind alle sehr unterhaltsam. Nach "Unterleuten" wurde dann die Fortsetzung angekündigt. Und jetzt gibt es sie endlich als Taschenbuch.

Bracken, der Ort des Geschehens, hat zwar mit Unterleuten nicht viel zu tun, außer, dass es beide kleine Käffer im Osten unseres Landes sind, und auch die Menschen sind natürlich andere, dennoch ist das Thema gleich. Ein "Wessi", in diesem Fall Dora mit Hund, kauft sich ein verlassenes Haus und zieht in den Osten. Dass man im Dorf mehr mit den Nachbarn zu tun hat als in Berlin, stellt sie schnell fest. Ein besonderer Punkt: "… Mit einer Naivität, die an Idiotie grenzt, ist sie davon ausgegangen, dass für die Rückfahrt andere Regeln gelten als für die Hinfahrt. Aber der nächste Bus kommt erst um 17:35 Uhr. Jetzt ist es kurz vor drei. Dora beginnt zu begreifen, warum manche Ideen für die Klimawende nicht bei allen Menschen im Land gut ankommen." Ja, vor allem auf dem Land, wo man eben keinen richtigen öffentlichen Nachverkehr hat. Eine Bekannte von mir war von einer deutschen Großstadt aufs Land gezogen und wunderte sich, dass die Nachbarn alle zwei Autos hatten. Da ihr Mann, wie alle anderen Männer, ihr Auto brauchten, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, blieb sie mit den beiden Kleinkindern zu Hause. Als sie feststellte, dass ein Bushalteschild in der Kleinstadt nicht das Gleiche ist wie in der Großstadt und sie fast einen ganzen Tag brauchte, um mit ihrem kranken Säugling und seinem zwei Jahre älteren Bruder zum Arzt hin- und zurückzukommen, bekam auch ihre Familie ein zweites Auto, keine drei Monate nach ihrem Umzug.

Ich sage immer, jeder sollte nach Schulabschluss ein halbes Jahr in eine Dorf ziehen müssen und auf der anderen Seite des Kreises arbeiten. Mal sehen, wie schnell die noch davon sprechen, dass man doch den ÖPNV nutzen sollte. Würden wir auch gerne, wenn es den denn gäbe.

Ja, so ähnlich geht es auch Dora. Selbst mit dem Fahrrad ist die nächste Einkaufsgelegenheit viel zu weit entfernt. Und die Nachbarn "kümmern" sich zwar mehr, als ihr manchmal lieb ist, aber sie versteht auch, dass es ohne kaum geht. Immerhin ist die Dorfgemeinschaft der Neuen einigermaßen freundlich gesinnt, was auch nicht immer der Fall ist. Meine Eltern blieben 60 Jahre lang die "Zugezogenen", obwohl sie nur ein paar Dörfer weiter aufgewachsen waren.

Hier stoßen Welten aufeinander, nicht nur Dorf und Großstadt, Osten und Westen, auch politisch stehen die Bewohner auf einer ganz anderen Seite. Und dann ist da noch Corona und Doras Freund Robert, der bei dem Thema total abdreht.

Viele Konflikte werden in diesem Roman beschrieben, Konflikte, die wir alle gut nachvollziehen können, das ist wohl das Allerbeste an dieser Geschichte. Witz fehlt auch nicht in dem Buch, das ist umso erstaunlicher, als es sonst nicht viel zu lachen gibt, weder in Doras Leben noch in dem der Nachbarn.

Wie auch die anderen Bücher der Autorin hat mir dieses ausgesprochen gut gefallen und ich werde sicher noch mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbarsten Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein.
"

Mittwoch, 21. September 2022

Zeh, Juli "Die Stille ist ein Geräusch"

Zeh, Juli "Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien" [The Silence is a Sound] - 2002

Nachdem ich "Unterleuten" gelesen hatte, habe ich mir vorgenommen, weitere Bücher von Juli Zeh zu lesen. Dieses war ein ganz anderes Buch als ihr letzter Roman, aber trotzdem sehr informativ. Wie die Autorin über Bosnien berichtet, ist einmalig. Dies ist nicht ein einfacher Reisebericht, ein einfaches Tagebuch, eine Kriegs- (oder auch Nachkriegs-)berichterstattung, es ist auch eine wunderschön geschriebene Erzählung, die in einer sehr bildhaften Sprache zum Nachdenken anregt.

Buchbeschreibung:

"Juli Zeh fährt im Sommer 2001 nach Bosnien: allein, nur ihr Hund als Begleitung. Sie fährt durch ein zerstörtes Land, einen Kriegsschauplatz, bis heute durch zahllose Minenfelder das gefährlichste Terrain Europas. Die Reise führt unter anderem nach Jajce, Sarajevo, Mostar, Sanski Most, Tuzla, Srebrenica, Banja Luka, Bihac: Kriegs-Orte im nunmehr friedlichen Bosnien, verwundete Landschaften, noch immer traumhaft schöne Städte und Plätze voller Geschichte und Geschichten.

Entstanden ist eine der eindringlichsten Reiseschilderungen, geschrieben von einer Autorin, die zeigt, 'dass die Darstellung der Wahrheit immer noch eine lohnende Sache sein kann'.
"

Schön fand ich auch folgende Bemerkung der Autorin:
"Beim Lesen im Reiseführer über Mostar merke ich, dass ich auch fließend Holländisch kann. Eine andere Sprache war nicht vorrätig." Ja, manchmal muss man sich nur auf eine andere Sprache einlassen. Auch wenn Niederländisch dem Deutschen recht ähnlich ist, erfordert es schon eine gewisse Neugier, so etwas in Angriff zu nehmen. Oder eben Notwendigkeit, wie in diesem Fall.

Montag, 25. April 2022

Zeh, Juli "Unterleuten"

Zeh, Juli "Unterleuten" - 2016

Mich hat dieses Buch fasziniert. Ich hatte von der Autorin bereits "Corpus Delicti. Ein Prozess" (The Method) und "Die Stille ist ein Geräusch. Eine Fahrt durch Bosnien" gelesen, beides hervorragende Bücher.

Aber "Unterleuten" geht weiter. Es handelt sich hier um ein Dorf in Brandenburg, in das viele Berliner ziehen, sicher zum Teil, weil es billiger ist, aber auch, um sich zu verwirklichen, um "in der Natur" zu wohnen. Was die Alteingesessenen davon halten, ist ihnen eigentlich egal, sie wollen das Dorf so, wie sie es sich immer vorstellen. Man lernt die Menschen kennen, so wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten mit ihren Wünschen und Träumen, mit ihren Enttäuschungen, mit ihren Kämpfen.

Ein Städter bedenkt nicht, was er den Landbewohnern mit seinem Umzug auf das Land und seinem Bedürfnis, dort alles auf den Kopf zu stellen, anrichtet. Und wir im Westen haben auch oft zu wenig Verständnis für unsere "neuen" Mitbürger (ist ja auch immerhin schon mehr als dreißig Jahre her). Ich glaube, Juli Zeh hat einen guten Beitrag dazu geleistet, dass man dieses besser versteht.

Es gibt auch eine ganze Webseite über das Dorf und seine Bewohner, mit Stadtplan, Geschichte usw. Einfach gut.

Da ich Listen liebe, habe ich während des Lesens eine von den Dorfbewohnern, neu und alt, angelegt. Die findet man zwar auch auf der oben genannten Webseite, aber hier ist sie noch einmal zum Mitdenken.

Fließ, Gerhard + Jule Weiland + Sophie
Franzen, Linda + Frederik Wachs
Meiler, Konrad + Mizzie + Friedrich, Johannes, Philip
Schaller, Bodo + Miriam
Gombrowski, Rudolf + Elea Niehaus + Verena
Kessler, Hilde (+Erik) + Betty
Kron, + Katharina Hübschke
Seidel, Arne (+Barbara)
Finkbeiner, Lucy

Der Verlag sagt: "Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben." Da kann ich ihm nur recht geben.

Jetzt warte ich darauf, dass die Fortsetzung "Über Menschen" endlich als Taschenbuch herauskommt. Wäre schön, wenn die deutschen Verleger endlich mal Mitleid mit uns älteren oder auch gebrechlichen Menschen hätte, die einen dicken Wälzer als gebundenes Buch nicht mehr halten und die auch mit einem E-Reader nichts anfangen können.

Buchbeschreibung:

"Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf
'Unterleuten' irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

Mit
'Unterleuten' hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?"

Andere Dorfromane:
Stockmann, Nis-Momme "Der Fuchs"
Schroeder, Bernd "Auf Amerika"
Hansen, Dörte "Altes Land" (This House is Mine)
Stanišić, Saša "Vor dem Fest"