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Donnerstag, 17. September 2026

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug"

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug" (Englisch: A State of Freedom) - 2017

Ich mag Geschichten, die in Indien spielen, und bisher bin ich noch auf keine gestoßen, die mir nicht gefallen hätte. Nun, diesmal ist es wohl doch passiert. Was ich nicht wusste – und was im Buch nirgendwo erwähnt wird –, ist, dass es sich eigentlich um eine Sammlung von Kurzgeschichten handelt; das merkt man erst, als die erste Geschichte plötzlich endet (auf Seite 22).

Die beiden längeren Geschichten scheinen zusammenzugehören, hätten aber ebenso gut von völlig unterschiedlichen Personen handeln können, da man erst gegen Ende bemerkt, dass es sich um dieselbe Person handelt, von der in der anderen Geschichte die Rede ist. Das waren auch die einzigen Geschichten, die mich wirklich fesseln konnten. Bei den anderen drei fand ich keinen rechten Zugang zu den Figuren, geschweige denn zur Handlung selbst. Die zweite und die vierte Geschichte handeln von einem wohlhabenden Inder, der alle zwei Jahre in seine Heimat zurückkehrt, um seine Familie zu besuchen; die vierte Geschichte beleuchtet dabei stärker das Leben des Hauspersonals, das seine Familie beschäftigt. Diese hat mir am besten gefallen.

Auch die erste, dritte und fünfte Geschichte sollen miteinander verknüpft sein, doch der Zusammenhang ist weitaus weniger offensichtlich und bereichert die einzelnen Geschichten nicht wirklich.

Wie gesagt: Obwohl ich Geschichten aus Indien eigentlich mag, war dieses Buch nichts für mich. Ich werde mich künftig wieder Autoren wie Amitav Ghosh, Jhumpa Lahiri, Rohinton Mistry, V.S. Naipaul, Vikram Seth und anderen zuwenden, auf die ich hoffentlich noch stoßen werde.

Eine Empfehlung an den Verlag: Bezeichnet Kurzgeschichten nicht als Roman; das führt zu schlechten Rezensionen von Lesern, die einen Roman erwarten, während Leser, die Kurzgeschichten mögen, das Buch gar nicht erst zur Hand nehmen.

Buchbeschreibung:

"Was geschieht, wenn wir versuchen, das Leben, in dem wir zu Hause sind, für etwas Besseres zu verlassen? In fünf Schicksalen entfaltet sich in diesem Roman ein grandioses Panorama der modernen indischen Gesellschaft.

Neel Mukherjee erzählt in
Das Leben in einem Atemzug von Menschen, die aufbrechen, ihr Zuhause verlassen, um für sich und ihre Familien ein besseres Leben zu erlangen. Da ist die Köchin in Mumbai, die in sechs Haushalten kocht; da ist der Mann, der mit seinem Tanzbär von Ort zu Ort zieht, da ist das Mädchen, das vor den Terroristen, die ihr Dorf bedrohen, in die Stadt flieht – sie alle erleben, was es bedeutet, nicht mehr im eigenen, vertrauten Umfeld zu sein. Ihre Schicksale erzählen von den Frösten der Freiheit, vom Fremd- und Alleinsein, von Armut und Arbeit. Aber auch von der Hoffnung und Glück. Ein atmosphärisch dichter Roman aus dem heutigen Indien, einer modernen Gesellschaft, in der die Schatten einer anderen noch deutlich spürbar sind. Leidenschaftlich und voller Empathie entfaltet sich in einem Reigen von Geschichten das unstillbare menschliche Streben nach einem anderen, besseren Leben."

Dienstag, 15. September 2026

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm"

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm … weil's den andern auch so geht" [Actually, it's not that bad... because others are in the same boat] - 1989

Wie ich schon in ihrem anderen Buch, "Nehmt die Männer wie sie sind. Es gibt keine anderen" gesagt habe, war Heilweg von der Mehden DIE Brigitte Kolumnistin vor Elke Heidenreich. Beide Autorinnen haben mir viele amüsante Stunden beschert.

Also konnte ich an diesem gebrauchten Buch nicht vorbeigehen. Hier geht es um all die kleinen und großen Ärgernisse im Leben und wie man sie mit Humor nimmt. Da geht es ums Fernsehen und Elternschaft, um Autofahrer und Vierbeiner, um Arztbesuche und Reisen, um Geld und Moderne Zeiten, und vieles mehr, was uns den Alltag oft so schwer macht.

Aber mit den Artikeln dieser schon 1997 verstorbenen, großartigen Kolumnistin ist es alles wirklich nur noch halb so schlimm.

Mal sehen, ob ich noch mehr von ihren Büchern auftreiben kann.

Buchbeschreibung:

"Wenn Heilwig von der Mehden Anlässe zum Verdruß behandelt, spürt man sofort die Wirkung ihrer wohltuenden 'Medizin', einer klug dosierten, fein abgestimmten Mischung von Schafsinn, Humor und Lebensklugheit, dargeboten in dem funkelnden Gefäß einer brillanten Sprache.

Wenn man will, kann man sich ja ununterbrochen ärgern. Es soll sogar Menschen geben, die ihren 'Frust tragen' wie andere einen schicken Blouson. Aber vergnüglich ist das nicht. Heilwig von der Mehden weiß ein einfaches Rezept, mit Mißhelligkeiten fertig zu werden: 'Unsere Großmutter kannte das schon: Halb so schlimm, sagte sie lächelnd, wenn wir sie als Kinder mit unseren kleinen Katastrophen vertraut machten. Und so war es denn auch meistens, hinterher betrachtet. Wenn wir das doch schon vorher gewußt hätten!'

Daß diese Regel auch für Erwachsene gilt, hat Heilwig von der Mehden, die beliebte 'Brigtte'-Kolumnistin, in vielen ihrer Geschichten humorvoll und spritzig nachgewiesen, so auch in diesem Band."

Freitag, 4. September 2026

Bandi "Denunziation"

Bandi (반디) "Denunziation" (Koreanisch: 고발/Gobal) - The Accusation: Forbidden Stories from Inside North Korea - 2014

Sieben Kurzgeschichten erzählen uns vom Leben in Nordkorea. Sieben individuelle Geschichten über sieben Menschen und ihre Familien. Wir können uns vorstellen, dass das Leben in einer derart abgeschotteten Diktatur nicht einfach sein kann; doch der Autor gewährt uns einen tiefen Einblick in das Leben von Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen. Und die Verhältnisse sind für alle schlichtweg entsetzlich.

Ein sehr beeindruckendes Buch. Ein äußerst wichtiges Buch. Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Kurzgeschichten, doch dieses Werk ist definitiv lesenswert. Sowohl der Autor als auch die Person, die die Aufzeichnungen außer Landes schmuggelte, riskierten ihr Leben, um uns diese Geschichten zugänglich zu machen – wir sollten sie nicht enttäuschen.

Buchbeschreibung:

"Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunziger Jahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. Denunziation ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur."

Freitag, 28. August 2026

Hanks, Tom "Schräge Typen"

Hanks, Tom "Schräge Typen" (Englisch: Uncommon Type. Some Stories) - 2017

Manchmal weiß ich gar nicht, warum ich das eigentlich noch tue. Ich bin kein allzu großer Fan von Kurzgeschichten. Mir sind sie meistens zu kurz. Aber diesem Buch konnte ich einfach nicht widerstehen. Tom Hanks als Autor? Und dann noch Geschichten über Schreibmaschinen? Das musste einfach gut sein.

Und das war es auch. Ein paar wirklich schöne Geschichten, aus denen man mühelos einen ganzen Roman hätte machen können – vielleicht sehen wir sie eines Tages ja sogar als Film; es würde mich jedenfalls nicht überraschen ...

Wie dem auch sei: All diese Geschichten haben etwas gemeinsam. In jeder einzelnen von ihnen taucht eine Schreibmaschine auf – meist ein älteres Modell; keine elektrische, kein Computer – nein, eine dieser schönen, alten mechanischen Maschinen.

Dabei muss ich unweigerlich an Tom Hanks in dem Film "You've got mail" (E-m@il für Dich) denken, wo er einen ganzen Absatz Buchstabe für Buchstabe wieder löscht. Und allein dieser Gedanke bringt mich schon zum Lachen.

Ich würde nicht behaupten, dass alle Geschichten lustig sind. Oder dass alle Geschichten tiefsinnig sind. Oder dass alle Geschichten ... nun ja, ihr versteht schon: Die Geschichten sind allesamt recht unterschiedlich. Aber ich habe sie alle sehr genossen.

Buchbeschreibung:

"Ob ein Junge wie Forrest Gump, ein einsamer Schiffbrüchiger oder ein Lehrer, der an Aids erkrankt - der Schauspieler Tom Hanks interessiert sich für besondere Menschen und verkörpert sie auf mitreißende Weise. Eigensinnige, phantasievolle Typen begegnen uns auch in ersten literarischen Stories von Tom Hanks: Eine von ihnen ist Steve Wong, den die Natur mit dem feinsten Ballgefühl der Welt ausgestattet hat, keinesfalls aber über eine Bowlingkarriere nachdenken will. Oder die vier Freunde, die sich eine gebrauchte Raumkapsel besorgen, um mit ihr einmal den Mond zu umrunden. Hobbyastronauten, Heimwerker, Schauspielanfänger und andere Figuren bevölkern Tom Hanks' erstes Buch. Sein genauer Blick und seine große Gabe zu erzählen machen die Lektüre zu einem eben solchen Vergnügen wie seine Filme."

Freitag, 21. August 2026

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten"

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten" (Schwedisch: Kristuslegender) [Christmas Stories] - 1893-1917

Ich hatte noch nie eine Geschichte von Selma Lagerlöf gelesen – der ersten Frau überhaupt, die den Nobelpreis für Literatur erhielt. Und da sie auch einige Weihnachtsgeschichten verfasst hat, fand ich, es sei höchste Zeit dafür.

Natürlich kannte ich die Zeichentrickserie "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen", die auf ihrem Buch basiert; doch abgesehen davon wusste ich nicht viel über Selma Lagerlöf. Nun, das hat sich geändert, und ich werde sicherlich noch einen ihrer Romane lesen – vielleicht "Gösta Berling".

Dies sind die Geschichten, die in genau dieser Ausgabe enthalten sind:

Die Heilige Nacht (Schwedisch: Den heliga natten, 1904) - The Holy Night
Die Legende vom Luciatag (Schwedisch: Luciadagens legend, 1917) - The Lucia Day Legend
Die Legende von der Christrose (Schwedisch: Legenden om julrosorna, 1908) The Legend of the Christmas Rose 
Gottesfriede (Schwedisch: Gudsfreden, 1898) - God's Peace
Ein Weihnachtsgast (Schwedisch: En julgäst, 1893) - A Christmas Guest 
Einige davon kann man sogar kostenlos herunterladen!

Jedenfalls waren die Geschichten schön zu lesen – besonders zur Weihnachtszeit. Sie verraten uns viel über das Leben in Schweden vor etwa einem Jahrhundert, und ein Blick darauf lohnt sich immer. Manche der Geschichten erinnern eher an Märchen, während andere vom einfachen Volk und dessen Alltag erzählen.

Buchbeschreibung:

"'Am 13. Dezember, in früher Morgenstunde, wenn Kälte und Dunkelheit auf Värmland lastet, kam noch in meiner Kindheit die heilige Lucia von Syrakus in alle Häuser. Sie ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt, sie ist die Legende, die das Vergessen überwindet, sie ist die Herzenswärme …'

Fünf der schönsten Geschichten und Legenden, die Selma Lagerlöf rund um das Weihnachtsfest erzählt hat (und die sich auch gut zum Vorlesen eignen!) sind in diesem Band vereint, allesamt neu übersetzt:
Die heilige Nacht, Die Legende vom Luciatag, Die Legende von der Christrose, Gottesfriede, Ein Weihnachtsgast. In ihnen zeigt sich die Vielseitigkeit der großen Erzählerin, die schlichten, ernsthaften Anspruch, der Religion wie dem Sozialen gegenüber, mit reicher Fabulierlust verbindet."

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf erhielt den Nobel Prize fürLiterature 1909 "auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 18. August 2026

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer" (Englisch: Cardiff by the Sea) - 2020

Vor einiger Zeit startete eine meiner Blogger-Freundinnen (Lisa von Captivated Reader) eine gemeinsame Leseaktion (zu Daddy Love von Joyce Carol Oates). Ich stieß zwar etwas verspätet dazu, konnte mich aber dennoch an der Unterhaltung beteiligen. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen, ein weiteres Buch derselben Autorin gemeinsam zu lesen – einer unserer Lieblingsautorinnen (ich habe bisher 18 ihrer Bücher gelesen, mit diesem hier sind es 19; siehe hier).

Da Lisa dieses Buch bereits auf ihrem SUB hatte, fiel uns die Entscheidung leicht, und wir begaben uns gemeinsam auf diese Lektüre-Reise.

Wie die meisten Bücher von JCO ist auch dieses düster und traurig, aber absolut empfehlenswert.

Bevor ich mit meiner eigenen Rezension beginne, möchte ich euch auf Lisas Beitrag hinweisen. Ich möchte nicht alles wiederholen, was sie bereits geschrieben hat; wer also einen umfassenden Einblick erhalten möchte, sollte einen Blick auf ihre Seite werfen. Solltet ihr eine Übersetzung benötigen, sagt mir bitte Bescheid.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer anderen Bücher handelt es sich hierbei nicht um einen einzelnen Roman, sondern um vier Kurzgeschichten, die ich nacheinander vorstellen werde:

1. Cardiff am Meer (Cardiff, by the Sea)
Lisa meinte, das sei ein hervorragender Text, und ich stimme ihr voll und ganz zu. Die erste Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. JCO versteht es, alles so spannend zu gestalten, dass man den Protagonisten wirklich nahekommt.
Clare ist ein Adoptivkind und erfährt Dinge über ihre Vergangenheit, die sie zutiefst schockieren und verwirren. Ich wäre unglaublich wütend gewesen, wenn man mir so etwas vorenthalten hätte.
Ich finde es gut, dass die Autorin keine Erklärungen zu den Figuren liefert, sondern uns selbst unsere eigenen Schlüsse ziehen lässt.
Was die Figuren angeht: Oh Gott, es gab da zwei Tanten, denen ich am liebsten eine geknallt hätte. Wäre ich an Clares Stelle gewesen, hätte ich tatsächlich kehrtgemacht – wenn nicht gleich am ersten Tag, dann spätestens, als ich mehr erfahren hatte.
Ich bin eigentlich kein großer Fan von mehrdeutigen oder offenen Enden. Oder vielleicht doch, denn ich liebe JCO einfach zu sehr. Ein etwas klareres Ende hätte mir allerdings besser gefallen. Gab es Gespräche zwischen Clare und ihren Adoptiveltern? Wie viel wussten sie?

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Gerard der Mörder war, und hätte mir gewünscht, dass das am Ende aufgeklärt wird – aber … es ist eben JCO.


Der Erklärung einer Figur zum Thema Gott stimme ich allerdings zu. Nein, ich kann nicht glauben, dass er voller Liebe ist. Auch wenn es so in der Bibel steht (die ich schon oft gelesen habe), gibt es dort doch viele Stellen, die genau das Gegenteil behaupten. Dennoch glaube ich, dass wir gut zueinander sein und versuchen sollten, unseren Mitmenschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Religion macht das manchmal unmöglich, indem sie uns einredet, unsere Belohnung erhielten wir erst im Himmel.
Ein Mensch wie Clare hat kaum Hoffnung, der düsteren Anziehungskraft dieser Familie zu entkommen. Das Beste, was sie tun kann, ist zu gehen und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Eine weitere Frage, die aufkam, lautete: "… warum hat ein liebender Gott zugelassen, dass unschuldigen Menschen in diesem Haus solche Schrecken widerfahren?" Nicht nur in diesem Haus. Das frage ich mich ständig. Kriege werden geführt, Kinder und Unschuldige getötet – und vieles davon im Namen Gottes‽ Das kann nicht richtig sein.
Ich glaube, JCO teilt diese Gedanken.

2. Miao Dao (Miao Dao)
Wieder eine absolut interessante Geschichte. Mia ist elf Jahre alt und ihre Eltern sind geschieden. Lisa beschreibt das am besten, daher zitiere ich sie: "Es ist ein beunruhigender Blick darauf, wie junge Mädchen gezwungen sind, sich viel zu früh in beängstigenden Umgebungen zurechtzufinden." (It’s an unsettling look at how young girls are forced to navigate terrifying environments far too early.)
Uns hat das Wortspiel mit "Meow" und "Mia" sehr gut gefallen.
Ich habe auch ein YouTube-Interview mit JCO gefunden, bin aber noch nicht dazu gekommen, es mir anzuhören.
Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei "Miao Dao" um einen traditionellen chinesischen Zweihandsäbel handelt.
Diese Geschichte endete eher so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe dem Bösewicht von Anfang an nicht getraut; bestimmte Bemerkungen verrieten mir genau, was passieren würde.

Ich hätte allerdings nicht unbedingt gedacht, dass er getötet würde.

Aber wie immer sehr spannend zu lesen.

Ich habe erfahren, dass diese Geschichte eine von sieben Erzählungen in der Sammlung "Dark Corners" ist, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Ich habe eine Liste gefunden:
1. Hannah-Beast (2018) Stephen Graham Jones
2. The Sleep Tight Motel (2018) Lisa Unger
3. There's a Giant Trapdoor Spider Under Your Bed (2018) Edgar Cantero
4. Miao Dao (2018) Joyce Carol Oates
5. The Tangled Woods (2018) Emily Raboteau
6. The Remedy (2018) Adam Hasler
7. Oak Avenue (2018) Brandi Reeds
Als ich jedoch nach den deutschen Titeln für diesen Eintragt googelte, stellte ich fest, dass nur "Miao Dao" von JCO stammt. Die anderen Autoren habe ich erst später hinzugefügt.
Auch ist keine außer Miao Dao auf deutsch erschienen.

3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
In dieser Geschichte geht es um Alyce, eine schüchterne junge Studentin, die von ihren Tutoren missbraucht und anschließend schwanger wird.
Wir haben ihre Situation oft mit unserer eigenen verglichen: das Älterwerden und das Feststecken in einem Körper, der nicht mehr so ​​gehorcht wie früher – irgendwie wie das Gefängnis, in dem Alyce sitzt. Wir müssen uns mit dem abfinden, was uns gegeben ist. Unsere missliche Lage rührt allerdings daher, dass wir älter werden, und nicht daher, dass wir missbraucht wurden und schwanger geworden sind.
Dennoch sind wir an den Körper gebunden, den wir haben. Wir können nur begrenzt etwas tun, um ihn zu verbessern. Zumindest können wir versuchen, ihn selbst zu kontrollieren.
Ich bin kein großer Fan von "Alice im Wunderland" (Alice in Wonderland), weder des Zeichentrickfilms noch des Buches. Daher kannte ich den Begriff "phantom-wise" (im Sinne von "wie ein Phantom") nicht. Er ist jedoch sehr treffend.
Ich habe ja die "Pro-Life"-Einstellung (Lebensrechts-Bewegung) erwähnt. Früher war ich sehr aktiv auf Facebook, aber etliche Leute haben mich gelöscht, nachdem ich den Amerikanern zu ihrem damaligen neuen Präsidenten (Barack Obama) gratuliert hatte. Manche erzählten mir auch von den schrecklichen Demokraten, die Babys töteten (womit sie Abtreibungen meinten). Ich entgegnete, dass auch ich Abtreibungen nicht gut finde, aber solange wir schwangeren Frauen nicht helfen, wird es Abtreibungen geben – und illegale Abtreibungen sind sehr gefährlich. Statt für die ungeborenen Babys zu beten, sollte man lieber für deren Mütter beten, für die eine Abtreibung der letzte Ausweg war. Und für die Kinder, die aufgrund der Waffengesetze in Schulen und auf der Straße getötet werden. Bessere Bildung für Kinder, Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, Hilfe für alleinerziehende Mütter, damit sie nicht in völlige Armut abrutschen – das sind Dinge, die Abtreibungen verhindern; sie zu verbieten, macht die Lage nur schlimmer. In den USA gibt es dreimal so viele Abtreibungen wie in Deutschland (und sicherlich auch in anderen Ländern). Zudem weisen sie eine der höchsten Raten an Teenager-Schwangerschaften und -Geburten in entwickelten Regionen auf. Eine Haltung, die nur die Geburt befürwortet, aber nicht das Leben an sich (also "Pro-Birth" - für Geburt statt "Pro-Life" - für Leben), führt zu mehr Abtreibungen. Betet also für die armen Mädchen, die in eine Situation gedrängt werden, in der sie nur einen Ausweg sehen, und für diejenigen, die ihr Kind bekommen und dadurch in Armut geraten. Und betet auch dafür, dass die Gesetzgeber die Bedingungen für schwangere Mädchen verbessern, die sich nicht selbst helfen können. Hoffen wir also, dass sich die Lage wieder bessert.
Diese Novelle war sehr kurz, aber ich war froh, dass sie nicht länger war. Ich glaube nicht, dass ich es viel länger ausgehalten hätte. Ich bin nicht gerade zartbesaitet, aber diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen. Die arme Alyce. Die armen Mädchen.
Das Ende habe ich besser verstanden als zum Beispiel bei "Cardiff". Es gab einen Abschluss. Kein gutes Ende, aber ein Ende. Niemand schreibt so wie JCO.

4. Das Überlebende Kind (The Surviving Child)
Ich kann verstehen, warum Lisa diese Geschichte am wenigsten mochte. Ich wüsste gar nicht, in welcher Reihenfolge ich sie einordnen würde, denn sie waren alle gleichermaßen fantastisch wie traumatisch. Meine Güte, was Frauen alles durchmachen müssen!
Was mir an der Geschichte gefiel: Sie entwickelte sich langsam. Zunächst ist es nur eine Frau, die einen Witwer kennenlernt. Das kommt oft vor und führt häufig zu einer guten Beziehung.
Alle Protagonistinnen machen eine schwere Zeit durch – einen Albtraum oder Ähnliches –, verursacht durch die Männer in ihrem Leben.
Hätte ich mir das alles gefallen lassen? Vielleicht nicht. Aber ich bin stark; ich bin mit drei jüngeren Brüdern aufgewachsen und habe schon früh gelernt, mich zu verteidigen.
Beim Lesen des letzten Romans musste ich an Sylvia Plath denken, einfach weil sie eine zutiefst gequälte Autorin war – genau wie die erste Frau des Protagonisten Alexander. Ich konnte gut verstehen, dass Elizabeth, seine zweite Frau, die Schriften ihrer Vorgängerin lesen wollte; an ihrer Stelle hätte ich das sicher auch gewollt. Mir gefällt die Beschreibung Alexanders als "Oatesian Villain" (Oates-typischer Bösewicht). Ich hatte noch nie gehört, dass JCOs Name als Adjektiv verwendet wird, aber sie hat es absolut verdient. Und ja, auch wenn Alexander seine Familie nicht körperlich misshandelt, ist er einer der schlimmsten Tyrannen, die man sich vorstellen kann. Der arme Stefan, der mit ihm aufgewachsen ist, hat dem nichts entgegenzusetzen.
In Märchen lesen wir oft von grausamen Stiefmüttern. Das liegt daran, dass es sie damals so häufig gab. Viele Frauen starben im Kindbett, und die Männer mussten erneut heiraten, um jemanden für die Erziehung der bereits vorhandenen Kinder zu haben. Mit der neuen Frau bekamen sie weitere Kinder, die sie dann mehr mochten. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Stiefmütter nicht gerade nett waren. Elisabeth ist da anders – so wie, wie ich glaube (und hoffe), die meisten Stiefmütter heute.
Ich hoffe, dass Elisabeth einen Weg findet, Alexanders Fängen zu entkommen. Und Stefan mitnimmt. Zumindest besteht am Ende diese Hoffnung.
Auf der Suche nach Antworten stieß Lisa im Internet auf folgende Frage:
Hat Joyce Carol Oates jemals eine wirklich glückliche, unbeschwerte Szene geschrieben?
Das kann ich nicht sagen, aber das ist auch nicht der Grund, warum ich ihre Bücher lese. Ich glaube auch nicht, dass dies ihr Beweggrund für das Schreiben ist. Sie möchte die Probleme dieser Welt hervorheben – sei es, indem sie auf wahre oder annähernd wahre Geschichten hinweist, oder indem sie sich Geschichten ausdenkt.

Buchbeschreibung:

"In diesem Band mit vier bisher unveröffentlichten großen Erzählungen der bekannten Autorin werdendie Leser wieder einmal in eine Welt schaurig-spannender, psychologisch reizvoller Beziehungen befördert. Auslöser sind Vorfälle, die jedem von uns geläufig sind, sei es aus persönlicher Erfahrung oder durch Medienberichte. Da ist der Telefonanruf eines Fremden – soll ich den Anruf annehmen oder besser nicht? –, eine zugelaufene, herumstreunende Katze – kann sie die Rettung sein? –, die Beziehung einer jungen Studentin zu ihrem Mentor oder ein ungeklärter Selbstmord. In jeder dieser Erzählungen entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein psychologisches Geflecht, das Vergangenheit und Gegenwart, Gedanken und Handlungen miteinander verflicht. Im Zentrum stehen bei Oates die bedrohlichen Erlebnisse junger Frauen, die sich in der Gegenwart mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Mit dieser Zusammenstellung ist es dem US-Verleger in einem geschickten Schachzug gelungen, Oates' Herzensanliegen – nämlich aufzuzeigen, wie Frauen in einer häufig psychisch und körperlich brutalen Männerwelt bestehen – in einem kompakten, inhaltlich stringenten Erzählband auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen sind spannend, überraschend, bemerkenswert. Die roten Fäden, die sich vom ersten Satz bis zur endgültigen Auflösung auf der letzten Seite durch die Geschichten ziehen, sind sprachlich fein durchdacht und auf höchstem literarischen Niveau."

Wir haben vor, im Oktober/November "Die Verfluchten" (Goodreads) (The Accursed) (Goodreads) zu lesen. Gebt uns Bescheid, wenn ihr mitmachen möchtet.

Dienstag, 21. Juli 2026

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch"

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch oder Ein Israeli auf Reisen" (Hebräisch: Sefer ha'masot/ספר המסעות) - The Seasick Whale: An Israeli Abroad: Book of Travels - 1995

Ephraim Kishon ist es immer wert, zur Hand genommen zu werden. In diesem Band spricht er von seinen Reisen in verschiedene europäische Länder und in die Vereinigten Staaten. Er schafft es, wie kaum ein anderer, die Eingenheiten der Bewohner so darzustellen, dass selbst sie darüber lachen müssen. Und eigentlich lobt er sie ja auch alle mit seinen Bemerkungen.

Also, wer wissen möchte, wie man in der Schweiz eine Bananenschale loswird, warum man in Venedig nie eine Gondel nehmen solte und warum es anzuraten ist, Las Vegas nicht zu besuchen, wenn man nicht schon vorher seine Rückreise gebucht und bezahlt hat, für den ist dieses Buch Gold wert.

Buchbeschreibung:

"'Wenn du deinem Paßbild ähnlich zu sehen beginnst, ist es höchste Zeit, wegzufahren.'

Bissig-humorvolle Satiren über die Eigenheiten von Touristen und Einheimischen. Als der Herr zum Walfisch sprach,speite er Jonah ans Land. Niemals hatte der Wal in den vielen Jahren seiner Seefahrt die geringsten Magenbeschwerden gehabt, doch einen Reisenden wie diesen Propheten hielt sein Bauch wahrlich nicht aus. Das war der biblische Anfang des Tourismus ... 

Mit Kishon auf Reisen, um am Ende festzustellen, dass es zu Hause doch am schönsten ist."

Montag, 13. Juli 2026

Mitchell, David "Wolkenatlas"

Mitchell, David "Wolkenatlas" (Englisch: Cloud Atlas) - 2004

Ein interessantes Buch. Ganz anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Eine Mischung aus einigen Genres, die ich mag, und anderen, die mir weniger zusagen. Stellt euch vor, Robert Louis Stevenson, Daniel Defoe, die Brontë-Schwestern, George Eliot, Michael Crighton, Graham Greene, Aldous Huxley, Ray Bradbury, H.G. Wells, George Orwell, Douglas Adams und Margaret Atwood hätten sich zusammengetan, um eine einzige, durchgehende Geschichte zu schreiben, die von einer ihrer Epochen und Genres in die nächste springt. So ungefähr sähe das Ergebnis aus. Wirklich sehr interessant und schwer zu beschreiben.

Es ist fast wie mehrere Kurzgeschichten in einem Buch, nur dass sie zusammengehören. Das ähnlichste Buch, das ich je gelesen habe, ist wohl "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino, obwohl es doch eine ganz andere Geschichte ist.

Man muss schon dystopische Literatur mögen, sonst ist dieses Buch vielleicht nichts für einen. Davon abgesehen ist der Schreibstil aber wirklich fesselnd. Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, man lernt die Protagonisten und ihre Schicksale kennen, bewegt sich in die Zukunft und kehrt dann zurück, um das Ende der verschiedenen Handlungsstränge zu erleben. Kurz gesagt: absolut faszinierend.

Buchbeschreibung:

"Sechs Lebenswege, die sich unmöglich kreuzen können: darunter ein amerikanischer Anwalt, der um 1850 Ozeanien erforscht, ein britischer Komponist, der 1931 vor seinen Gläubigern nach Belgien flieht, und ein koreanischer Klon, der in der Zukunft wegen des Verbrechens angeklagt wird, ein Mensch sein zu wollen. Und dennoch sind diese Geschichten miteinander verwoben. Mitchells originelle Menschheitsgeschichte katapultiert den Leser durch Räume, Zeiten, Genres und Erzählstile und liest sich dabei so leicht und fesselnd wie ein Abenteuerroman."

Montag, 8. Juni 2026

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft"

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft" (Englisch: Interpreter of Maladies) - 1999 

Ich habe dieses Buch im Jahr 2015 gelesen. Das war mein damaliger Kommentar:

"Wie die meisten meiner Freunde wissen, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten. Ich habe jedoch "Der Namensvetter" (The Namesake) von derselben Autorin gelesen und war wirklich begeistert. Und mehrere meiner Freunde hatten mir 'Melancholie der Ankunft' empfohlen, eine hatte mir sogar ein Exemplar hinterlassen, als sie umzog, ich musste es einfach lesen.

Ich war angenehm überrascht. Was für eine schöne Sammlung von Kurzgeschichten, einige davon sind sogar miteinander verknüpft, sodass es nicht so scheint, als wären es hundert kleine Geschichten, die man sofort vergisst. Im Gegenteil, Jhumpa Lahiri hat einige wundervolle Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Sie bezieht alle möglichen Probleme mit ein, mit denen jeder konfrontiert werden kann, der in einer anderen Kultur lebt als der, in der er oder seine Eltern aufgewachsen sind. Sie beschreibt einige nette Menschen (und einige nicht so nette), die alle mit einem Leben in zwei verschiedenen Teilen dieser Welt konfrontiert sind. Da die Autorin selbst Inderin ist und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, ist dies der Hintergrund für fast alle ihre Geschichten. Da ich selbst fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt habe (allerdings nicht in einer so anderen Kultur wie die Charaktere im Buch), kann ich mich mit einigen von ihnen durchaus identifizieren.

Jhumpa Lahiri hat einen guten, eleganten Stil, ihre Geschichten fließen einfach, ich werde sicherlich noch mehr von ihren Werken lesen."

Vor einiger Zeit bin ich einer Online-Gruppe namens Literary Wives beigetreten, und dies war das nächste Buch auf unserer Liste. Also habe ich das Buch noch einmal gelesen – denn die erste Lektüre lag schon eine Weile zurück –, diesmal jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt: Was sagt die Autorin über die Ehefrauen in ihrem Buch?

Die meisten dieser Geschichten spielen in Indien und/oder drehen sich um indische Paare.

Eine vorübergehende Sache * (A Temporary Matter)

Wir erleben das Ende einer Ehe. Ein Paar leidet unter dem Verlust eines totgeborenen Babys. Trotz aller Bemühungen haben sie nichts mehr miteinander zu sagen.

Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam * (When Mr. Pirzada Came to Dine)

In dieser Geschichte erinnert sich eine Frau an einen Mann aus Ostpakistan/Bangladesch, der ihre indische Familie in den USA besuchte, während seine Familie in der Heimat war. Es ist mehr die Geschichte des Mannes als die der Frau, aber sie gibt uns dennoch einen Einblick in das Leben indischer Ehefrauen in den USA.

Dolmetscher kleiner Unpässlichkeiten * (Interpreter of Maladies)

Diese Geschichte handelt von einer indisch-amerikanischen Familie, die das Land ihrer Herkunft besucht. Wir erfahren mehr über das Leben einer solchen Frau; sie ist sehr einsam. Ich kann das gut nachvollziehen, denn als nicht berufstätige Ehefrau im Ausland hat man nicht das soziale Leben, das Mann und Kinder haben, und es ist schwer, seinen Platz zu finden.

Ein richtiger Durwan * (A Real Durwan) (Türsteher/Pförtner)

Diese Geschichte handelt von einer älteren Frau, die Treppenfegerin ist und auf dem Dach des Gebäudes lebt, in dem sie arbeitet.

Obwohl es hier weniger um die Situation einer Ehefrau geht, erzählt sie von Armut und davon, wie man noch ärmer sein kann als alle anderen um sich herum.

Sexy (Sexy)

Wir sind zurück in den USA. Auch hier geht es nicht um die Ehefrau, sondern um die Geliebte – und um einen Ehemann, der seine Frau verlässt. Eine gelungene Betrachtung dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven: die der Ehefrau und die der Geliebten.

Bei Mrs. Sen * (Mrs. Sen's)

Hier haben wir die Geschichte einer indischen Frau, die in den USA lebt, keinen Führerschein besitzt und keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Sie kümmert sich nach der Schule um einen elfjährigen Jungen und bringt ihm ihre Küche näher. Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich habe sehr mit der Frau mitgefühlt.

Ein gesegnetes Haus * (This Blessed House)

Ein junges indisches Ehepaar in Connecticut zieht in sein neues Haus und findet dort viele christliche Reliquien. Die Frau stellt sie auf den Kaminsims. Eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, was man behalten und was man annehmen sollte. Und wie sehr die Ehe davon profitieren kann.

Bibi Haldars Therapie * (The Treatment of Bibi Haldar)

Eine Frau leidet unter Anfällen, und ein Arzt empfiehlt, sie zu verheiraten. Doch eine Heirat kostet Geld, und man muss erst einmal einen Heiratskandidaten finden. Also lassen ihre Verwandten sie stattdessen auf dem Dach wohnen. Diese Geschichte befasst sich mit dem Umgang mit Krankheit und Vorurteilen.

Der dritte und letzte Kontinent * (The Third and Final Continent)

Ein Mann zieht von Indien nach London und schließlich in die USA, wo er ein Zimmer bei einer 103-jährigen Dame mietet. Die beiden bauen eine gute Beziehung zueinander auf, bis er heiratet und auszieht. Wir verfolgen das Leben des Mannes und seiner Frau sowie die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben.

Wie ich bei den Geschichten bereits angemerkt habe, drehen sich nicht alle um die Ehefrauen; bei einigen spielt deren Status überhaupt keine Rolle – sie sind einfach nur da. Doch wo sie erwähnt werden, erfahren wir viel über die Unterschiede zwischen indischen und (hauptsächlich) amerikanischen Ehefrauen sowie über deren Rechte und Pflichten.

Ich glaube, das hilft auch zu verstehen, warum Einwanderer so oft unter sich bleiben. Es liegt nicht nur an der Sprache – auch wenn es natürlich nicht hilft, wenn ihnen niemand die Sprache des Gastlandes beibringt –, sondern vielmehr an der Kultur und dem gegenseitigen Verständnis. Besonders die Ehefrauen sind unsichtbar; sie gehen in der Menge unter. Gerade bei arrangierten Ehen versteht der Ehemann seine Frau oft nicht.

Buchbeschreibung:

"Pulitzer-Preis 2000 für Belletristik MELANCHOLIE DER ANKUNFT - wohl jeder Leser bedauert es, wenn er wieder am Ende einer dieser elegant geschriebenen, dabei aber überaus gefühlvollen Geschichten angelangt ist. Und durchweg sind es Lahiris Figuren, die so seltsam berühren und den besonderen Zauber dieser Geschichten ausmachen. Menschen zwischen den Welten: Da ist der Ich-Erzähler aus Der dritte und letzte Kontinent, der, ironisch und anrührend zugleich, seinen langen Weg über drei Kontinente, von Kalkutta über England bis in die amerikanische Universitätsstadt Cambridge, schildert; da ist die Inderin Mrs. Sen, die ihre ganze Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in der Freundschaft mit einem kleinen amerikanischen Jungen zu kompensieren sucht. Und da sind Shoba und Shukumar, das junge Ehepaar aus der vielleicht schönsten Geschichte der Sammlung, Eine vorübergehende Angelegenheit. Seit Shoba durch eine Fehlgeburt ihr lang ersehntes Baby verloren hat, ist ihre Ehe mit Shukumar aus dem Lot geraten. Während einer fünftägigen abendlichen Stromsperre beschließen die beiden, die Zeit im Dunkeln zu überbrücken, in dem sie sich abwechselnd etwas aus ihrem Leben erzählen - und zwar etwas, das sie dem anderen bislang verschwiegen haben. Ein gefährliches Unterfangen, wie sich am letzten Tag des Stromausfalls zeigt: Shukumar erzählt seiner Frau, was damals, in den ersten Stunden nach der Fehlgeburt, wirklich geschah."

Jhumpa Lahiri erhielt im Jahr 2000 den Pulitzerpreis für "Melancholie der Ankunft".

Und hier sind die Rezensionen der anderen Literary Wives:

Becky aus Sydney von Aidanvale

Kate aus Melbourne von booksaremyfavoriteandbest

Rebecca aus Maryland, USA von Bookish Beck

Kay aus Washington State von What? Me Read?

* Die Übersetzungen der einzelnen Kapitel habe ich Wikipedia entnommen. Ich hoffe, es sind diejenigen, die man auch in der deutschen Übersetzung benutzt hat, obwohl das bei einigen mehr als fragwürdig ist.

Donnerstag, 2. April 2026

NDiaye, Marie "Drei starke Frauen"

NDiaye, Marie "Drei starke Frauen" (Französisch: Trois femmes puissantes) - Three strong women - 2009

Wie ich bereits in meiner Rezension zu dem Buch "Rosie Carpe" (Rosie Carpe) der Autorin erwähnte, lese ich ab und zu gerne französische Bücher, um mein Französisch anzuwenden und zu verbessern. Leider gefallen sie mir selten, weil sie meistens so seltsam sind. Auch dieses Buch war keine Ausnahme.

Mir gefiel die Beschreibung des Romans – oder besser gesagt, dessen, was ich für einen Roman über drei Frauen hielt, die sich kannten. Beim Lesen musste ich jedoch feststellen, dass es sich um drei völlig unterschiedliche Geschichten handelt, die nichts miteinander zu tun haben (außer dass eine von ihnen eine entfernte Verwandte der anderen ist, aber die Geschichten sich nicht überschneiden). Da ich kein großer Fan von Kurzgeschichten bin, war ich ziemlich enttäuscht, als die erste Geschichte mitten im Buch und auch in der Handlung abrupt endete. Keine der Geschichten hat wirklich ein Ende, nun ja, die letzte vielleicht ein bisschen. Keine der Figuren war mir sympathisch; sie alle hatten seltsame Eigenarten, mit denen ich nichts anfangen konnte.

Die Geschichten waren unangenehm und endeten abrupt. Die Figuren schienen nicht einmal den Wunsch zu haben, ihr Leben zum Besseren zu verändern. Das ist immer das Schlimmste an solchen Geschichten.

Nein, nicht mein Fall. Ich muss mir merken, nicht noch einmal in diese Falle zu tappen und ein weiteres Buch dieser Autorin zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Die vierzigjährige Norah gibt dem Drängen ihres Vaters nach und besucht ihn in Dakar: Die Juristin soll ihren Bruder aus dem Gefängnis holen. Das schwierige Treffen mit dem Vater führt die Frau an den Rand des Wahnsinns. Fanta hat im Unterschied zu Norah Dakar verlassen, um ihrem Ehemann Rudy in die französische Provinz zu folgen. Sie gibt sich dort vor Langeweile auf, so meint Rudy, durch dessen Perspektive wir von Fanta erfahren - doch ihm entgeht Entscheidendes. Von Afrika aus betrachtet erscheint ihre Existenz geradezu luxuriös und begehrenswert, weshalb Khady, die junge Afrikanerin, illegal nach Frankreich einzuwandern sich bemüht - doch sie endet, tot, an Grenzen. Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen, indem sie sich im entscheidenden Moment weigern, so zu handeln, wie es die Umgebung verlangt: drei Frauen, die selbst in extremster Situation ihre Würde verteidigen."

Donnerstag, 19. März 2026

Mathis, Ayana "Zwölf Leben"

Mathis, Ayana "Zwölf Leben" (Englisch: The Twelve Tribes of Hattie) - 2013

Ein weiteres Buch, das ich mir geholt habe und das auch eine Oprah-Wahl war.

Mir gefiel der Schreibstil, sehr interessante Geschichten, das Leben der Kinder wird fesselnd beschrieben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, mehr über die verschiedenen Charaktere zu erfahren. Das ganze Buch ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten, und von den meisten Charakteren hört man nach dem Kapitelende nie wieder etwas.

Keine der Figuren war besonders sympathisch. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie alle ein hartes Leben hatten, in eines hineingeboren wurden, in dem sie keine Chance hatten, es zu verbessern, und das wussten sie auch. Ich weiß nicht, wie wir reagieren würden, wenn uns ein solches Leben beschert würde. Aber selbst wenn sie nicht besonders sympathisch wären, sind ihre Geschichten herzzerreißend, und ich denke, sie wären vielleicht nettere, bessere Menschen geworden, wenn man ihnen eine Chance gegeben hätte.

Alles in allem nicht mein Lieblingsbuch, aber eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung: 

"Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die 'Wiege der Freiheit', den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.

Doch diese Saga um eine außergewöhnliche Frau und ihre zwölf Kinder, die als Geschichte der Great Migration beginnt und sich zum Tableau mit zwölf Einzelporträts über das ganze zwanzigste Jahrhundert weitet, ist trotz Scheitern und Enttäuschung ein vitales Epos – voller Lebenskraft und verhaltener Zärtlichkeit, voller Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen Bitterkeit."

Montag, 23. Februar 2026

Navarre, Marguerite de "Das Heptameron"

Navarre, Marguerite de "Das Heptameron" (Französisch: Heptaméron) - The Heptameron - 1578

Ich habe den Titel dieses Buches in Jane Smileys "13 Ways of Looking at the Novel" [13 Sichtweisen auf den Roman] gefunden. Es war eines der älteren Bücher auf der Liste, und da ich Klassiker liebe und "Das Decameron" (The Decameron) (ebenfalls auf ihrer Liste) sehr mag, habe ich es auf meine Leseliste gesetzt.

Die Autorin war offenbar Marguerite de Navarre, die Schwester von Franz I., König von Frankreich. Sie schien "Das Decameron" ebenfalls gelesen zu haben. Es war vermutlich einer der Bestseller der damaligen Zeit, und sie ließ sich davon zu ihren eigenen Geschichten inspirieren. Allerdings hatte sie erst sieben Tage an diesem Buch geschrieben, als sie starb, es gibt also weniger Geschichten, daher nur das "Heptaméron".

Im Gegensatz zu "Das Decameron" war dies eine Kurzgeschichtensammlung, die mir nicht besonders gefiel. Als ich in meiner vorherigen Rezension sagte, die Geschichten in der italienischen Sammlung seien ziemlich gewagt, haben sie es hier völlig übertrieben. Einige der Geschichten sollen wahr sein. Wenn das der Fall ist, sollte man die "Gute alte Zeit" nicht als Vorbild für gläubige Menschen nehmen. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, eine der Geschichten später in einem anderen Kontext gelesen zu haben. Sie dürfte also für andere Autoren keine so große Inspiration gewesen sein wie "Das Decameron".

Es gibt zwar auch eine Diskussion am Ende des Tages, aber sie wirkt sehr künstlich, nichts klingt glaubwürdig, und man kann sich mit keiner der Figuren wirklich anfreunden, obwohl die Autorin sie aus ihrem wirklichen Leben übernommen zu haben scheint.

Normalerweise lerne ich gerne etwas über verschiedene Epochen, indem ich Romane aus dieser Zeit lese, aber ich hatte nicht das Gefühl, viel aus diesem hier gelernt zu haben. Jede Geschichte war nur ein paar Seiten lang und wirkte auf mich eher wie eine Beschreibung einer Geschichte als wie eine echte Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Margarete von Navarra, auch Margarete von Angoulême (1492-1549) war Königin von Navarra und Schwester des französischen Königs Franz I. Sie war auch Schriftstellerin, das Heptameron ist ihr bekanntestes Werk. Reproduktion des Originals in neuer Rechtschreibung."

Samstag, 24. Januar 2026

Bradbury, Ray "Die Mars-Chroniken"

Bradbury, Ray "Die Mars-Chroniken" (Englisch: The Martian Chronicles) - 1950

"Die Mars-Chroniken", ein hochinteressanter Roman über die menschliche Invasion auf einem anderen Planeten. Ein dystopischer Roman, der sich nichts Besseres vorstellen könnte. Oder Schlimmeres.

Die ganze Geschichte ist in mehrere Kurzgeschichten unterteilt, die man zwar einzeln lesen könnte, aber erst zusammen ergeben sie ein umfassendes Bild davon, wozu die Menschheit fähig ist. Das heißt aber nicht, dass sie es unbedingt tun sollte.

Ich denke, die Mars-Chroniken sollten, wie jede dystopische Literatur, als Warnung an uns verstanden werden. Der Autor spricht nicht unbedingt darüber, was wir dem Planeten Mars antun könnten, sondern auch darüber, was wir unserem eigenen Planeten antun. Wenn wir nicht aufhören, werden wir wie die Marsianer enden: nicht existent. Wir sollten dieses Buch als Parabel sehen und daraus lernen.

Ich habe Ray Bradburys "Fahrenheit 451" (Fahrenheit 451) geliebt, aber ich glaube, "Die Mars-Chroniken" gefielen mir noch besser. Sein Stil ist angenehm, leicht verständlich und doch voller Anspielungen und Nebenbemerkungen. Wer dieses Genre mag, sollte seine Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Aus Angst vor dem großen Krieg auf der Erde fliehen die Menschen massenhaft zum Mars und treten dort wie Eroberer auf. Aber die Marsbewohner wissen sich zu wehren: Sie hätten viel zu verlieren, wenn die Menschen auf dem roten Planeten irdische Verhältnisse einführten."

Ray Bradbury erhielt 2007 eine besondere Auszeichnung für sein Lebenswerk mit dem Pulitzer-Preis für "seine herausragende, produktive und einflussreiche Karriere als unübertroffener Autor von Science-Fiction und Fantasy".

Samstag, 13. Dezember 2025

Gogol, Nikolai "Gogols Mantel. Erzählungen aus Russland"

 

Gogol, Nikolai (Никола́й Васи́льевич Го́голь, Nikolay Vasilyevich Gogol) "Gogols Mantel. Erzählungen aus Russland" (Russisch: Шинел/Shinyeliь) - The Overcoat. Stories from Russia - 1842 et al.

Dies ist eine Sammlung russischer Kurzgeschichten, beginnend mit "Der Mantel" von Nikolai Gogol. 

Ich lese sehr gerne russische Romane. Auch diese Kurzgeschichten waren fantastisch. Lustigerweise war meine Lieblingsgeschichte die wohl fantastischste von allen: "Pkchenz" von Andrei Sinjawski, der unter dem Pseudonym Abram Tertz schrieb. Das half ihm allerdings nicht viel, denn der KGB fand heraus, wer sich hinter diesem Namen verbarg, und deportierte ihn in ein Arbeitslager.

Als ich das Buch fand, dachte ich, es enthielte mehrere Geschichten von Gogol. Dem war aber nicht so; es enthielt nur "Der Mantel". Die anderen Geschichten sind jedoch ebenfalls fantastisch. Sogar ein Nobelpreisträger war dabei: Iwan Bunin, der als erster Russe diese prestigeträchtige Auszeichnung erhielt.

"Der Mantel" wurde im Oktober 2018 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Gogol, Nikolai (Никола́й Васи́льевич Го́голь, Nikolay Vasilyevich Gogol) "Der Mantel" (RussischШинель/Shinel) - The Overcoat - 1842
Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob euch russische Literatur gefällt, ist dies ein perfektes Beispiel. Eine einfache Geschichte über einen Mann, der sich einen Mantel kauft, und doch steckt so viel darin über Russland und seine Seele. Unglaublich. Eine Geschichte, die ich wohl immer wieder lesen werde.
Berühmtes Zitat von Dostojewski: "Wir alle stammen aus Gogols 'Mantel'." Treffend formuliert. Klappentext: "Ein aufrichtiger junger Angestellter bringt große Opfer, um einen Mantel von unschätzbarem Wert und großer Macht zu erlangen."

Dostoevskij, Fjodor "Die Sanfte" (RussischКроткая/Krotkaja) - A Gentle Creature (aka The Gentle Spirit) - 1876
Dostojewski ist einer meiner Lieblingsautoren aus Russland, und diese Kurzgeschichte steht seinen großen Romanen in nichts nach. Darin schildert er Anfang und Ende einer Beziehung und wie es dazu kam. Unglaublich, wie viel er auf so wenigen Seiten ausdrücken kann.
Klappentext: "In dieser packenden Studie über Verzweiflung, die auf einem wahren Ereignis beruht, trauert ein Pfandleiher um seine Frau, ein stilles, sanftes junges Mädchen. Warum hat sie sich das Leben genommen? Hätte er es verhindern können? Diese Fragen quälen den Pfandleiher, während er vergangene Ereignisse und kleine Begebenheiten, Stimmungsschwankungen und flüchtige Blicke zusammensetzt, auf der Suche nach einer Antwort, die seinen Schmerz lindern kann. In dieser Kurzgeschichte schildert Dostojewski meisterhaft Verzweiflung, Gier, Manipulation und Selbstmord."

Tolstoi, Leo (Толстой, Лев Николаевич) "Der Tod des Iwan Iljitsch" (RussischСмерть Ивана Ильича/Smert' Ivána Ilyichá) - The Death of Ivan Ilyich - 1886

Ich habe dies schon einmal gelesen, da es in Tolstois "Gesammelten Werken" enthalten war. Wieder einmal ein sehr russisches Werk. Eine Betrachtung über den Tod und seine Auswirkungen nicht nur auf den Sterbenden, sondern auch auf seine Angehörigen. Es gibt Menschen, die versuchen, das Leben so gut wie möglich zu genießen, es in vollen Zügen auszukosten, andere, die aufgeben und nichts mehr haben.
Wenn ihr russische Literatur in ihrer schönsten Form erleben möchtet, aber keine langen Geschichten mögt, versucht es mit diesem. Es ist ein großartiges Werk dieses brillanten Autors.
Klappentext: "Tolstois berühmteste Novelle ist eine intensive und bewegende Auseinandersetzung mit dem Tod und der Möglichkeit der Erlösung. Iwan Iljitsch ist ein Mann mittleren Alters, der sein Leben seiner Karriere als Beamter gewidmet und sich emotional von seiner Frau und seinen Kindern distanziert hat. Nach einem Unfall steht er am Rande eines vorzeitigen Todes, den er als schreckliche Ungerechtigkeit empfindet. Angesichts seiner Sterblichkeit beginnt Iwan, alles, was er über den Sinn des Lebens zu glauben glaubte, infrage zu stellen. Der Tod des Iwan Iljitsch ist ein Meisterwerk psychologischen Realismus und philosophischer Tiefe, das Generationen von Lesern inspiriert hat."

Chekhov, Anton Pavlovich (Антон Павлович Чехов) "Die Dame mit dem Hündchen" (RussischДма с собачкой/Dama s sobachkoy) - The Lady with the Dog - 1899
Ach, die Probleme der Oberschicht (heute würden wir wohl sagen: Luxusprobleme), die nichts von den Problemen des kleinen Mannes wissen, der sich abrackern muss, damit seine Familie nicht verhungert. Oft liest man über Letzteres, aber dies ist eine Geschichte über Ersteres. Großartig geschrieben.
Ich habe diese Geschichte schon einmal in der Sammlung "In der Sommerfrische" (Summer Holidays)  gelesen.
Klappentext: "Diese Kurzgeschichte beschreibt eine außereheliche Affäre zwischen einem unglücklich verheirateten Moskauer Bankier und einer jungen verheirateten Frau, die beginnt, als beide allein Urlaub in Jalta machen. Sie ist eine von Tschechows berühmtesten Kurzgeschichten, und Wladimir Nabokow hielt sie für eine der größten Kurzgeschichten aller Zeiten."

Babel, Isaak Emmanuilowitsch (Исаак Эммануилович Бабель) "Die Reiterarmee" (RussischКонармия/Konarmiya) - Red Cavalry - 1926
Isaak Babel, ein Augenzeuge des Bürgerkriegs, als die Kosakenkavallerie nach dem Ersten Weltkrieg in Polen einmarschierte, beschreibt den Angriff auf einen Zug und die darauffolgende Tötung von neun Gefangenen. Dies ist nur eine der Geschichten aus dieser Sammlung, die allesamt großartig sein müssen.
Klappentext: "Basierend auf Babels Tagebüchern aus dem Russisch-Polnischen Krieg von 1920 ist 'Die Reiterarmee' eine lyrische, schonungslose und oft erschreckend ironische Schilderung der Gewalt und des Schreckens des Krieges. Als Klassiker der modernen Literatur sind die Kurzgeschichten heute noch genauso kraftvoll wie vor fast einem Jahrhundert, als sie die russische Literaturlandschaft eroberten. Der Erzähler, ein russisch-jüdischer Intellektueller, ringt mit den Spannungen seiner doppelten Identität: Realität und Fiktion verschmelzen; die derbe Sprache der Soldaten trifft auf einen gehobenen literarischen Stil; Kulturen, Religionen und unterschiedliche Gesellschaftsschichten prallen aufeinander. Schockierend, bewegend und innovativ – 'Rote Kavallerie' ist eines der Meisterwerke der russischen Literatur."

Charms/Kharms, Daniil (Дании́л Ива́нович Хармс) "Interruption" (Russisch: помеха/Pomeha)
Samlung: Russian Absurd und Даниил Хармс. В двух томах. Том 1/Daniil Kharms. V dvukh tomakh. Tom 1
Artikel: Three New Decrees (Авиация превращений/Aviacija prevrashhenij) (original: Собрание сочинений в 3 томах/Sobraniye sochineniy v 3 tomakh)
Eine weitere Kurzgeschichte aus einer Sammlung. Sehr futuristisch.
Es ist nur eine sehr kurze Geschichte, drei Seiten lang. Ich habe einige Kurzgeschichtensammlungen von Daniil Charms gefunden und hoffe, dass sie in einer davon enthalten ist.
Meiner Meinung nach war sie viel zu kurz; ich hätte gern mehr gelesen.
Klappentext: "Daniil Charms, ein Schriftsteller, der sich jeder Kategorisierung entzieht, gilt heute als einer der wichtigsten Künstler der modernen Avantgarde. Sein Werk, das Performance-, Erzähl-, Gedicht- und visuelle Elemente vereint, wurde zu seinen Lebzeiten weitgehend unterdrückt. Er starb während der Leningrader Blockade in einer psychiatrischen Klinik an Hunger. Sein Werk, das größtenteils in Notizbüchern erhalten ist, zählt heute zu den Säulen der absurden Literatur, die in den 1920er und 30er Jahren in der Sowjetunion am deutlichsten durch die Gruppe OBERIU zum Ausdruck kam. Diese führte das Erbe des russischen Futurismus von Dichtern wie Wladimir Majakowski und Welimir Chlebnikow fort. Diese Auswahl an Prosa und Lyrik bietet das bisher umfassendste Porträt des Schriftstellers in englischer Übersetzung, zeichnet den Verlauf seiner Karriere nach und enthält eine besonders großzügige Auswahl seiner späteren Werke."

Bunin, Ivan Alekseyevich (Иван Алексеевич Бунин) "In Paris" (Russisch: в Париже/v Parizhe) - 1943
Sammlung: Dunkle Alleen/Dark Avenues (oder Dark Alleys) (RUS: Тёмные аллеи/Tyomnyie alleyi)
Ivan Bunin war Emigrant und kannte die russische Kultur daher aus der Ferne. "In Paris" erzählt die Geschichte russischer Emigranten – genau – in Paris, wo er lange lebte.
Da ich selbst lange im Ausland gelebt habe, konnte ich viele seiner Anspielungen nachvollziehen. Diese Kurzgeschichte ist sehr interessant, und ich würde gerne mehr von diesem Autor lesen.
Klappentext: "'Dunkle Alleen' eines der größten Werke der russischen Emigrantenliteratur des 20. Jahrhunderts, führte Bunins poetische Sprachbeherrschung zu neuen Höhen. Die zwischen 1938 und 1944 entstandene und vor dem Hintergrund der russischen Kultur- und Geschichtskrisen der vorangegangenen Jahrzehnte angesiedelte Kurzgeschichtensammlung kreist um düstere, erotische Beziehungen. Die Liebe – in ihren vielfältigen Formen – ist das verbindende Motiv in einer reichen Bandbreite von Erzählungen, die sich durch die eindringliche, elegische und elegante Prosa auszeichnen, für die Bunin berühmt ist."
Iwan Alexejewitsch Bunin erhielt 1933 den Nobelpreis für Literatur "für die strenge Kunstfertigkeit, mit der er die klassischen russischen Traditionen im Prosaschreiben fortgeführt hat". Er war der erste russische Autor, dem diese Ehre zuteil wurde.

Terz, Abram (Абрам Терц), Andrei Donatowitsch Sinjawski (Андрей Донатович Синявский) "Pchenz" (RussischПхенц/Pkhenz) - 1959
Sammlung: Fantastic Stories 
Eine Science-Fiction-Geschichte. Normalerweise nicht so mein Genre, obwohl ich schon einige gelesen habe, die mir wirklich gut gefallen haben. So wie diese hier. Wahrscheinlich die Geschichte, die jedem Leser dieser Sammlung am längsten im Gedächtnis bleiben wird.

Ich kann den Vergleich mit Kafka nachvollziehen, obwohl mir diese hier deutlich besser gefällt. Klappentext: "Abram Terz ist das Pseudonym von Andrei Sinjawski, dem sowjetischen Dissidenten im Exil, dessen Werke mit denen von Fabulierern wie Kafka und Borges verglichen wurden. Terz’ Schauplätze sind exotisch und doch vertraut und ebenso fesselnd wie die von Wahnsinnigen und Mystikern. Diese Ausgabe enthält die alptraumhafte Geschichte 'Pchenz', die in der ersten englischen Ausgabe fehlte."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Solschenizyn, Alexander "Große Erzählungen"

Solschenizyn, Alexander (Александр Исаевич Солженицын/Aleksandr Solzhenitsyn) "Große Erzählungen: Iwan Denissowitsch; Zum Nutzen der Sache; Matrjonas Hof; Zwischenfall auf dem Bahnhof Kretschetowka" (Russisch: Оди́н день Ива́на Дени́совича/Odin den' Ivana Denisovicha; Для пользы дела/ lja pol'zy dela; Матрёнин двор/Matrjonin dvor; Случай на станции Кречетовка/Sluchaj na stancii Krechetovka) - His Great Stories: One Day in the Life of Ivan Denisovich - 1962; For the Good of the Cause - 1963; Matryona's House - 1963; An Incident at Krechetovka Station - 1963 - 1962/63

Ich bin ja kein großer Fan von Kurzgeschichten, wollte aber schon immer mal etwas von Solschenizyn lesen. Als ich dann dieses Buch fand, das mit einer seiner größten Erzählungen, "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch", beginnt, dachte ich, ich versuche es einfach mal.

Buchbeschreibung:

"Die hier neu veröffentlichten Erzählungen begründeten den Ruhm des modernen russischen Klassikers und Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn."

Aber auch die anderen Geschichten sind hervorragend, deshalb beschreibe ich sie hier alle, aber keine Angst, es sind nur vier.
"Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" (Russisch: Оди́н день Ива́на Дени́совича Odin den' Ivana Denisovicha) - 1962 

Wir hören immer wieder vom Gulag, von den Gefangenen, die nach Sibirien deportiert wurden und dort arbeiten mussten usw. Aber wir wissen nie wirklich, was dort vor sich geht, wie die Arbeit aussieht, wie die Gefangenen gehalten werden.

Es sei denn, wir lesen über einen Tag im Leben von Iwan Denissowitsch Schuchow, vom Moment des Aufwachens bis zum Schlafengehen.

Und wenn wir das gelesen haben, verstehen wir, warum dieser Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur erhielt. Selbst wenn er nichts anderes geschrieben hätte, wäre er einer der größten Autoren der Welt. Beim Lesen fühlt man sich an Iwans Seite, leidet mit ihm, begleitet ihn. Er scheint ein geborener Überlebenskünstler zu sein, jemand, der vieles ertragen kann und sich die extra Portion der schrecklichen Suppe sichert, nach der sich alle sehnen.

Dies ist ein sehr bewegender Roman von jemandem, der den Gulag selbst erlebt hat. Er verbrachte acht Jahre dort und wurde dann lebenslang nach Kasachstan verbannt.

Eine fantastische Geschichte, brillant geschrieben.

Buchbeschreibung:

"'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch' über den Alltag in einem stalinistischen Arbeitslager war das aufsehenerregendste Buch, das nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion veröffentlicht wurde. Die in seiner Folge entstandenen und in diesem Band neu vorgelegten Erzählungen begründeten den Ruhm des russischen Nobelpreisträgers."

"Zum Nutzen der Sache" (Russisch: Для пользы дела/Dlja pol'zy dela) - 1963

Eine weitere großartige Geschichte über die Schattenseiten der Sowjetunion. Eine Geschichte über Bürokraten, die über das Ziel hinausschießen. Die nicht das Wohl des Volkes im Sinn haben, sondern nur ihren eigenen Vorteil.

Es handelt sich um eine kurze Novelle mit weniger als hundert Seiten, und ich möchte nicht zu viel verraten, aber die Sprache ist genauso brillant wie in "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch", und die Charaktere sind genauso treffend beschrieben.

Einzeln habe ich diese Geschichte allerdings nur in Englisch gefunden.

Buchbeschreibung:

"In 'Zum Nutzen der Sache' zeichnet Solschenizyn ein bemerkenswertes Bild des sowjetischen Lebens. Er schildert die gesamte Bandbreite, von einfachen Schülern, Arbeitern und Lehrern bis hin zu den allmächtigen Beamten in Moskau, deren gesichtslose, kafkaeske Anonymität Furcht einflößt. Wie seine weltberühmten Romane 'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch', 'Der erste Kreis' und 'Die Krebsstation' ist auch 'Zum Nutzen der Sache', an einer neuen Provinzschule angesiedelt, eine vernichtende Anklage gegen die Unterdrückung einfacher, anständiger Menschen durch karriereorientierte sowjetische Bürokraten. Solschenizyn präsentiert die Konflikte zwischen Recht und Unrecht, zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Härte des Systems mit absoluter Aufrichtigkeit und Überzeugung."
"Matrjonas Hof" (Russisch: Матрёнин двор/Matrjonin dvor) - 1963

Eine weitere großartige Geschichte, in der wir den "kleinen Mann" – oder in diesem Fall die "kleine Frau" – kennenlernen, der mit dem auskommen musste, was ihm gegeben oder erlaubt war. Diese Geschichte basiert auf Solschenizyns eigenen Erfahrungen als Lehrer nach seiner Entlassung aus dem Gulag.

Buchbeschreibung:

"1956, nachdem er seine Qualen im Gulag hinter sich gelassen hatte, wollte Alexander Solschenizyn in einem ruhigen Winkel der UdSSR untertauchen und bewarb sich als Mathematiklehrer. Auf der Suche nach einer Unterkunft in der Stadt, in die er versetzt worden war, sah er die Hütte von Matrona, einer älteren Witwe, die dort mit einer lahmen Katze und einer Ziege lebte, und beschloss, dort zu bleiben.

'
Matrjonas Haus' ist die Geschichte einer alten Bäuerin, deren zäher Kampf gegen Kälte, Hunger und gierige Verwandte von einem jungen Mann beschrieben wird, der sie erst nach ihrem Tod versteht."
"Zwischenfall auf dem Bahnhof Kretschetowka" (Russisch: Случай на станции Кречетовка/Sluchaj na stancii Krechetovka) - 1963

Offenbar basiert diese Geschichte auf wahren Begebenheiten, genauer gesagt auf einem Unfall im Zweiten Weltkrieg. Ich kann mich nur wiederholen: Der Autor ist ein großartiger Erzähler.

Buchbeschreibung:

"In 'Ein Zwischenfall am Bahnhof Krechetowka' trifft ein Leutnant der Roten Armee auf einen verstörenden Nachzügler und muss entscheiden, was er mit ihm anfangen soll."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.