Posts mit dem Label England werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label England werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Trollope, Anthony "Wie wir jetzt leben"

Trollope, Anthony "Wie wir jetzt leben: Gesellschaftssatire über Finanzskandal, Börsenspekulation und moralische Korruption im viktorianischen London" oder "Umwälzungen" (Englisch: The Way We Live Now) - 1875

Klassiker gehören zu meiner Lieblingslektüre. Ich habe alle "Chroniken von Barchester" (Barchester Chronicles) von Anthony Trollope gelesen und war begeistert. Nun ist dies mein nächstes Werk dieses großartigen Klassiker-Autors – ein sehr umfangreiches Buch, genau die Art von Wälzer, die ich liebe.

Im Mittelpunkt des Romans steht ein wohlhabender Mann, dessen Geldquelle niemand kennt. Er möchte seine Tochter standesgemäß verheiraten, doch sie liebt einen anderen – einen Mann, der es wiederum nur auf ihr Geld abgesehen hat. Nun, das ist die Geschichte in aller Kürze, doch es gibt noch viele weitere Figuren und zahlreiche Handlungsstränge, die sich um sie alle ranken. Und Anthony Trollope versteht es meisterhaft, all dies zu schildern; sein Schreibstil grenzt an Poesie.

Ein wunderbares Buch. Wenn ihr Jane Austen, Charles Dickens, Klassiker und "dicke Wälzer" mögt, kann ich euch dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen.

Buchbeschreibung:

"Wie wir jetzt leben ist ein meisterhaft konstruierter Gesellschaftsroman von Anthony Trollope, in dem die Komplexität der viktorianischen Moral, der sozialen Mobilität und der Geschlechterrollen eindringlich thematisiert wird. Mit scharfer Beobachtungsgabe und ironischem Unterton erzählt Trollope die Geschichte von Lady Glencora und Plantagenet Palliser, deren Ehe und politisches Wirken im Spiegel ehrgeiziger Nebenfiguren und gesellschaftlicher Umbrüche beleuchtet wird. Die nuancierte Charakterzeichnung und die subtile Kritik an politischen wie auch privaten Intrigen verbinden sich zu einem herausragenden Zeitporträt im Stil des Realismus. Trollope, einer der produktivsten und einflussreichsten englischen Romanciers des 19. Jahrhunderts, schöpfte seine Themen aus der eigenen Erfahrung als Beamter und aufmerksamer Zeitgenosse der gesellschaftlichen Umwälzungen der Ära. Besonders die Intrigen um Macht, Einfluss und gesellschaftliche Anerkennung reflektieren Trollopes Faszination für die psychologischen und strukturellen Aspekte britischer Institutionen. Sein humanistischer Blick auf menschliche Schwächen und Stärken prägt sein literarisches Schaffen und macht seine Romane zu nachhaltigen Analysen der Moderne. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die tiefgründige Einblicke in die viktorianische Gesellschaft suchen und zugleich literarische Raffinesse schätzen. Trollopes Werk bietet nicht nur ein scharfsinniges Bild einer vergangenen Epoche, sondern beeindruckt auch durch zeitlose Themen und eine moderne Erzählhaltung, die das Buch zu einer lohnenden Lektüre für Literatur- und Geschichtsinteressierte macht."

Trollope, Joanna "Die nächsten Verwandten"

Trollope, Joanna "Die nächsten Verwandten" (Englisch: Next of Kin) - 1996

Ich dachte, ich hätte schon mal etwas von Joanna Trollope gelesen, aber es stellte sich heraus, dass es von einer anderen Autorin war. Ich bezweifle, dass ich dieses Buch sonst in die Hand genommen hätte.

Es war ganz okay, nicht schlecht geschrieben, aber ich konnte mich nicht mit den Figuren identifizieren. Es war alles etwas zu oberflächlich und nicht tiefgründig genug für das, was der Buchumschlag versprach.

Ich würde es der Kategorie "Frauenliteratur" zuordnen.

Buchbeschreibung:

"Eine Farmersfamilie in den englischen Midlands: Nach dem Tod Caros, der amerikanischen Ehefrau eines der Farmerssöhne, gerät die scheinbar so geordnete und bodenständige Welt der Meredith' ins Wanken. Nicht nur Joe, der Witwer, und seine Adoptivtochter Roby stehen vor einem Wendepunkt, auch die anderen Familienangehörigen werden von den Launen des Schicksals nicht verschont. Einzig Zoe, die rothaarige unkonventionelle Fotografin aus der Stadt, bringt ein paar bunte Augenblicke in das Leben der verunsicherten Familie."

Mittwoch, 23. September 2026

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes"

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes" (Englisch: The History of Tom Jones, a Foundling) - 1749

Dieses Buch stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Es stammt von einem der britischen Klassiker-Autoren, denen ich bisher noch nicht begegnet war, und gilt zudem als der erste echte Roman, der je geschrieben wurde.

Eigentlich hätte man daraus auch zwei Bücher machen können: Einerseits den Roman mit der Geschichte von Tom Jones und seinem Leben, und andererseits die philosophischen Betrachtungen, die Henry Fielding jedem Kapitel voranstellt.

Obwohl ich mich normalerweise gerne mit philosophischen Themen befasse, empfand ich diese Einschübe hier eher als störend denn als Bereicherung für die Geschichte. Ich hätte gut darauf verzichten können; sie trugen zur eigentlichen Handlung nichts bei. Auch den Humor, der dem Buch zugeschrieben wird, konnte ich nicht entdecken. Dabei liebe ich britischen Humor – doch dieser hier muss wohl von einer ganz anderen Art gewesen sein als jener, den wir gewöhnlich schätzen. Das Einzige, wobei mir das bisher ebenfalls so erging, war "Teatime mit Kuh" (Cold Comfort Farm) von Stella Gibbons.

Das bedeutet jedoch nicht, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die Geschichte an sich war sehr interessant und bot einen hervorragenden Einblick in die damalige Gesellschaft: was als schicklich galt und was nicht, und wie es um die Rechte von Frauen – oder auch von Männern ohne wohlhabende Herkunft – bestellt war.

Alles in allem also eine interessante Lektüre, auch wenn das Buch nicht auf meiner Liste der Werke landet, die ich noch einmal lesen würde.

Buchbeschreibung:

"Gutsherr Allworthy findet einen Säugling und zieht den Jungen an Sohnes Statt auf. Der Findling – Tom Jones – wächst und gedeiht prächtig, in den Augen seines Ziehvaters mitunter sogar etwas zu prächtig. Als sich Tom in die Nachbarstochter verliebt, die Allworthys Neffen versprochen ist, verweist der Gutsherr Tom des Hauses. Der junge Mann macht sich auf nach London, wobei ihn seine Reise quer durchs Land und auch durch sämtliche Schichten der vorviktorianischen Gesellschaft führt. Auf Toms Suche nach sich selbst, seiner Herkunft und vor allem nach der großen Liebe erschließt sich ein wahres Panoptikum des 18. Jahrhunderts.

In seinem breit angelegten Gesellschaftepos entlarvt Fielding gesellschaftliche Mißstände ebenso schonungslos wie die charakterlichen Schwächen seiner Helden. Allen voran erobert der liebenswerte, ungestüme, keineswegs untadelige, aber unerhört sympathische Tom Jones bis heute spielend das Herz eines jeden Lesers."

Samstag, 12. September 2026

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain"

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain. Liebe in der Provence" (Englisch: The Olive Series) - 2001

Ich habe nur die ersten drei Bände der Reihe gelesen, aber sie haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht bin ich zufällig auf den ersten gestoßen, weil mir die Autorin bekannt vorkam. Ja, sie ist Helen Herriot, James Herriots Frau in der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (All Creatures Great and Small). Sie hat ein arbeitsreiches Leben als Schauspielerin, aber das schien ihr nicht genug zu sein. Sie heiratete Michel, einen französischen Fernsehproduzenten, und gemeinsam kauften sie eine Olivenfarm in der Provence. Viele Nordeuropäer und US-Amerikaner haben das schon getan und darüber geschrieben. Besonders gut gefiel mir Chris Stewarts Geschichte "Unter den Zitronenbäumen" (Driving over Lemons), aber Helen Stevensons "Instruction for Vistors" oder Frances Mayes' "Unter der Sonne der Toskana" (Under the Tuscan Sun) haben mich nicht so sehr beeindruckt.

Dies ist jedoch eine wunderschöne Geschichte, in der Carol Drinkwater über ihre Liebe zu ihrem Mann und ihre gemeinsame Liebe zur Olivenfarm spricht, über die Arbeit, die ein solches Abenteuer mit sich bringt, und über die Vorteile. Sie beschreibt wunderbar sowohl die Landschaft und ihre Menschen als auch die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es überrascht mich nicht, dass sie inzwischen sieben Bände der Reihe veröffentlicht hat. Die Lektüre ihres Buches kommt mir vor wie ein Urlaub in Südfrankreich. Ich fand es toll.

Buchbeschreibung:

"Carol Drinkwater erzählt uns von den zwei großen Leidenschaften ihres Lebens: Von Michel, dem französischen Filmproduzenten, und von 'Apassionata', einer verlassenen Olivenfarm, in die sich Carol und Michel unter dem weiten Himmel Frankreichs verlieben."

Hier sind die Titel der englischen Serie, von denen leider nur dieses übersetzt wurde:
The Olive Farm: A Memoir of Life, Love and Olive Oil in the South of France - 2001
The Olive Season: Amour, a New Life and Olives Too - 2003
The Olive Harvest: A Memoir of Love, Life and Olives in the South of France - 2004
The Illustrated Olive Farm - 2005
The Olive Route: A Personal Journey to the Heart of the Mediterranean - 2007
The Olive Tree: A Personal Journey Through Mediterranean Olive Groves - 2008
Return To the Olive Farm - 2010

Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Montag, 17. August 2026

Cogman, Genevieve "Die unsichtbare Bibliothek"

Cogman, Genevieve "Die unsichtbare Bibliothek" (The Invisible Library #1) (Englisch: The Invisible Library) - 2015

Ich bin wegen seines Titels auf dieses Buch gestoßen. Mir war sofort klar, dass es eigentlich nicht ganz meiner Art von Literatur entspricht – es handelt schließlich von Spionen und dergleichen. Doch schon bald musste ich feststellen, dass es sogar noch schlimmer war: Es handelt sich eher um ein Buch aus dem Bereich Fantasy oder Science-Fiction. Zudem ist es sehr leicht zu lesen – wirklich kinderleicht. Wenn ihr also diese Art von Genre mögt, könnte dies genau das richtige Buch für euch sein. Für mich war es das jedoch nicht, und ich werde auch die Folgetitel der Reihe nicht lesen.

Ich versuche stets, objektiv zu bleiben, wenn ein Buch nicht meinem bevorzugten Genre entspricht; dennoch bezweifle ich, dass es sich hierbei um eines der großartigsten Bücher aller Zeiten handelt – selbst wenn man dieses Genre mag. Die Handlung fließt nicht wirklich flüssig dahin; "Fakten" werden zwischendurch einfach eingestreut, ohne jeglichen Bezug zur eigentlichen Geschichte. Von einem Buch, dessen Titel genau dies verspricht, hätte ich mir zudem mehr Inhalte über Bücher und Bibliotheken erwartet. Meiner Meinung nach gibt es hier zu viele Drachen – und zu wenige Bücher ...

Die Lektion ist gelernt: Wenn ich das nächste Mal auf einem Buch das Wort "mysteriös" entdecke, muss ich genau prüfen, ob es wirklich ein Buch für mich ist. Die Antwort lautet dann wahrscheinlich: NEIN.

Buchbeschreibung:

"ALLES BEGINNT MIT EINEM BUCH ... Die unsichtbare Bibliothek - ein Ort jenseits von Raum und Zeit und ein Tor zu den unterschiedlichsten Welten. Hier werden einzigartige Bücher gesammelt und erforscht, nachdem Bibliothekare im Außendienst sie beschafft haben. Irene Winters ist eine von ihnen. Ihr aktueller Auftrag führt sie in ein viktorianisches London, wo eine seltene Version der Grimm’schen Märchen aufgetaucht ist. Doch was als einfacher Einsatz beginnt, wird nur allzu schnell ein tödliches Abenteuer, denn Irene ist nicht die Einzige, die hinter dem Buch her ist. Und die anderen Interessenten gehen über Leichen, um zu bekommen, was sie wollen ..."

Montag, 10. August 2026

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser"

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser" (Englisch: The Children of Men) - 1992

Ich liebe dystopische Romane und bin überrascht, dass ich diesem hier noch nie zuvor begegnet war. Was für eine Lektüre!

Wir schreiben das Jahr 2020, und alle Männer sind unfruchtbar. Ich glaube, jede Generation hat ihre eigenen Ängste davor, was in der Zukunft geschehen könnte; dieses Buch entstand im Nachgang der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Ein solches Szenario erschien (und erscheint noch immer) als durchaus denkbar.

Was würden wir wohl wirklich tun, wenn es keine Zukunft gäbe? Würden wir uns gegenseitig ausnutzen und versuchen, uns ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern, bevor wir alle tot und vergessen sind? Wir wissen es nicht. Ich nehme an – wie in jeder Situation –, dass es Menschen geben würde, die sich weiterhin gegenseitig helfen, und andere, die die Lage skrupellos ausnutzen.

Die Lektüre dieses Romans regt dazu an, über all diese Möglichkeiten nachzudenken. Eigentlich lese ich keine Kriminalromane, doch nun verspüre ich die Lust, es einmal mit einem Buch von P.D. James zu versuchen. Sie scheint eine äußerst interessante und kluge Persönlichkeit zu sein, die über jedes beliebige Thema schreiben könnte.

Buchbeschreibung:

"Ein Polit-Thriller, der im England des Jahres 2021 spielt. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. Wie überall auf der Welt haben die Menschen ihre Fortpflanzungsfähigkeit verloren. Unter der Regierungsherrschaft eines Despoten scheint Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei. Bespitzelungen und Einweisungen in Straflager gehören zum Alltag. Aber es existiert eine kleine Dissidentengruppe, die sich gegen das brutale Regime auflehnt ..."

Dienstag, 14. Juli 2026

Waters, Sarah "Die Frauen von London"

Waters, Sarah "Die Frauen von London" (Englisch: The Night Watch) - 2006

Obwohl mir die Idee, die Geschichte rückwärts zu erzählen, gefiel, fehlte immer etwas. Nachdem der erste Teil 1947 endete, springt die Geschichte ohne richtigen Abschluss zurück ins Jahr 1944. Dasselbe passiert dann zwischen 1944 und 1941. Ich hatte am Ende ein richtiges "Ende" erwartet, einen Abschlss, aber nein, über die Zukunft der Protagonisten erfährt man nichts. Ja, es gibt eine Geschichte, deren Lösung man gerne wüsste, ein Mysterium, das alle Figuren zu betreffen scheint und sich gegen Ende aufklärt, aber man weiß nicht, was danach passiert. Das Ende von 1947 markiert das Ende der Geschichte von Kay, Helen, Viv und Duncan, ohne dass wir erfahren, was danach mit ihnen geschieht. Es wirkt fast so, als gäbe es gar keine Geschichte, was das Lesen etwas langweilig macht.

Warum also hat die Autorin diese Erzählweise gewählt? Wollte sie die Geschichte vielleicht interessanter gestalten, etwas Neues ausprobieren? Mir hat es nicht gefallen. Die Figuren blieben gesichtslos, die Geschichten fade. Ich bezweifle, dass ich so schnell wieder ein Buch von Sarah Waters lesen werde.

Buchbeschreibung:

"London 1947: Viv und Helen arbeiten in einer Partnervermittlungsagentur. Julia kann sich wieder dem Bücherschreiben widmen. Auch Vivs Bruder Duncan, der während des Krieges im Gefängnis saß, scheint seinen Platz im Leben zu finden. Nur Kay, die in den Bombennächten einen Krankenwagen fuhr und bewundernswerten Mut bewies, hat mit ihrer Liebe auch ihre Aufgabe verloren. Der Alltag der fünf jungen Londoner war bestimmt von der täglichen Angst ums Überleben. So ließen sie sich auf verbotene Liaisons und sexuelle Abenteuer ein. Liebe, Leidenschaft und Verrat von damals wirken fort bis in ihre Gegenwart. hinten: Wir lieben nie die Personen, die wir lieben sollten

Sarah Waters, Senkrechtstarterin der englischen Literaturszene und Bestsellerautorin, schildert das Schicksal von vier selbstbewußten Frauen und einem jungen Mann im London des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren danach. In einer Zeit, in der das Leben durcheinandergeriet, war ihr Alltag geprägt von verbotenen Liaisons und sexuellen Abenteuern, die sie bis heute auf geheimnisvolle Weise verbinden. 'Die Frauen von London' stand auf der Shortlist für den Bookerprize." 

Mittwoch, 24. Juni 2026

Hawkins, Paula "Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"

Hawkins, Paula "Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich" (Englisch: The Girl on the Train) - 2015

Bevor ich dieses Buch zu lesen anfing, war ich mir nicht sicher, ob es mir gefallen würde. Hätte ich raten müssen, hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass es mir nicht gefallen würde.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es mir sehr gut gefiel. Ich bin eigentlich kein Fan von Krimis, Thrillern, Krimis oder Frauenromanen, und dieses Buch hat von allem etwas. Das Mädchen im Zug beobachtet die Leute in den Gärten, während sie an ihnen vorbeifährt. Es ist interessant zu sehen, wie viel sie aus den kurzen Blicken herauslesen kann. Man fragt sich, ob man aus jedem flüchtigen Blick auf das Leben eines anderen eine Geschichte spinnen kann.

Jedenfalls war die Geschichte gut geschrieben und voller Spannung (obwohl man leicht erraten kann, was passiert, aber man ist sich nie hundertprozentig sicher). Rachel, die Protagonistin, führt ein trauriges Leben; sie ist arbeitslos und Alkoholikerin. Die Art, wie ihr Leben beschrieben wird, lässt einen erkennen, wie leer so ein Leben sein kann.

Ich würde nicht sagen, dass dies das beste Buch war, das ich in dem Jahr gelesen habe, aber es hatte definitiv etwas.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von Jess. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse..."

Samstag, 2. Mai 2026

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern"

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern" (Englisch: The Weird Sisters) - 2011

"Die Shakespeare-Schwestern" (Original-Titel "Die seltsamen Schwestern") – ein weiteres Buch, das ich wahrscheinlich nie aufgeschlagen hätte, wenn es nicht der Online-Lesekreis meiner Freundin gewesen wäre. Aber genau wie "The Wednesday Sisters" (Die Mittwochsschwestern) entpuppte es sich als eine wirklich interessante Lektüre. Zunächst einmal: Die "seltsamen Schwestern" heißen gar nicht Seltsam. Ihr Nachname ist Andreas, und ihr Vater ist Professor für englische Literatur. Der Titel stammt von den drei Hexen aus "Macbeth" (Macbeth). Die Mädchen sind nach verschiedenen Figuren aus anderen Shakespeare-Stücken benannt: Rosalind aus "Wie es euch gefällt" (As you like it), Bianca aus "Der Widerspenstigen Zähmung" (The Taming of the Shrew) und Cordelia aus "König Lear" (King Lear). Ich habe keines dieser Stücke gelesen (ich bin keine große Theaterleserin), kenne aber den Inhalt von  einigen.

Die Mädchen sind so unterschiedlich wie die Figuren in den Stücken selbst. Jede hat ihre eigene Art, Dinge anzugehen, ihre eigenen Träume und ihre eigenen Probleme. Nach vielen Jahren der Trennung treffen sie wieder aufeinander, um ihrer an Krebs erkrankten Mutter beizustehen.

Die Geschichte wird auf ungewöhnliche Weise erzählt, in der Wir-Perspektive, Plural. Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch so gelesen. Die Mädchen erzählen die Geschichte gemeinsam, alle gleichzeitig. Dadurch erhält man zu jedem Thema drei verschiedene Sichtweisen, egal ob es um die Mädchen selbst, andere Personen oder Situationen geht. Das ist ein interessanter Ansatz.

Was mir an dem Buch am besten gefallen hat – und was wahrscheinlich jeder Leser am meisten liebt – ist, dass es ein Roman über Leser und das Lesen ist. Die ganze Familie liest ständig, egal was passiert, sie haben immer ein Buch dabei. An einer Stelle fragt eine Freundin Bianca, wie sie es bloß schafft, so viele Bücher zu lesen. Bianca überlegt, was sie antworten soll – dass sie immer ein Buch dabei hat, dass sie keine Zeit mit anderen Dingen verschwendet –, aber alles, was sie sagt, ist: "Ich weiß es nicht." Wahrscheinlich ist es so am einfachsten. Nur wer das schon kennt, wird es wirklich verstehen.

Jedenfalls hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, hat aber viel Tiefgang.

Buchbeschreibung:

"Rosalind, Bianca und Cordelia: Die drei eigenwilligen Schwestern – von ihrem exzentrischen Vater liebevoll nach Shakespeare-Figuren benannt – verbindet die Liebe zum Lesen. Darüber hinaus könnten sie jedoch unterschiedlicher nicht sein. Eines Sommers kehren die drei nach Hause zurück, in die kleine Universitätsstadt im Mittleren Westen. Die anfängliche Freude über das Wiedersehen währt nur kurz, denn die temperamentvollen jungen Frauen und ihre gut gehüteten Geheimnisse stellen die familiäre Harmonie auf eine harte Probe … 'Die Shakespeare-Schwestern' ist eine ebenso mitreißende wie tiefgründige, spritzige wie humorvolle Geschichte über das Los und den Segen lebenslanger Schwesternbande, die – so sehr man sich bemüht, sie zu lösen – doch allen Stürmen des Lebens standhalten."

Dienstag, 28. April 2026

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte"

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte" (Englisch: The Thirteenth Tale) - 2006

Margaret Lea ist Sachbuchautorin und hat bereits mehrere Biografien über verstorbene Persönlichkeiten verfasst. Nun erhält sie das Angebot, das Leben einer der berühmtesten, aber auch geheimnisvollsten Autorinnen Englands, Vida Winter, aufzuschreiben. Sie hat zwölf Geschichten über ihr Leben geschrieben, die allesamt fiktiver sind als ihre eigenen, die ich vermutlich nicht lesen möchte. Die Titel klingen zwar nach seichter Unterhaltungsliteratur, aber man muss die Geschichten nicht kennen, um "Die dreizehnte Geschichte" zu verstehen.

Die Autorin und ihre Biografin entdecken eine Gemeinsamkeit: Beide sind Zwillinge, und Margarets Mutter hat den Verlust ihrer Zwillingsschwester nur schwer verkraftet.

Während Margaret Vidas Lebensgeschichte lauscht, lernt sie nicht nur die Zwillinge Emmeline und Adeline und alle anderen Bewohner von Angelfield House kennen, sondern entdeckt auch viel über sich selbst und über die Geheimnisse, die Vida für sich behält. Am Ende wartet eine große Überraschung.

Das ist eine recht interessante Geschichte, auch wenn ich sie nicht als große Literatur bezeichnen würde. Aber sie liest sich gut.

Da beide Protagonisten gerne lesen, insbesondere Klassiker, werden viele davon erwähnt (deutsche Titel, wenn eine Übersetzung vorhanden ist):

Ainsworth, William Harrison "The Spectre Bride" (Die Geisterbraut" - in "Das Horrorkabinett/Ghost Stories: Erstübersetzung Band I")
Austen, Jane (deutsche Einträge) "Emma" (Emma) - 1816 (The Motherhood and Jane Austen)
- "Sense & Sensibility" (Verstand & Gefühl/Sinn & Sinnlichkeit) - 1811 (The Motherhood and Jane Austen) 
Braddon, Mary Elizabeth "Lady Audley's Secret" (Lady Audleys Geheimnis) - 1862
Brontë, Charlotte "Jane Eyre" (Jane Eyre) - 1847
Conan Doyle, Sir Arthur "The Case-book of Sherlock Holmes" (Sherlock Holmes’ Buch der Fälle) - 1921-27
James, Henry "The Turn of the Screw" (as Durchdrehen der Schraube) - 1898
Kingsley, Charles "The Water Babies" (Die Wasserkinder) - 1862-63
Stevenson, Robert Louis "Dr. Jekyll and Mr. Hide" (Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) - 1850-94
Trollope, Anthony "The Eustace Diamonds" - 1873
Walpole, Horace "The Castle of Otranto" (Das Schloss von Otranto) - 1764

Auch wenn ich nicht alle gelesen habe, würde ich die übrigen Bücher lieber lesen als jedes der Bücher, die (laut Coverbild) von Vida Winter "geschrieben" wurden:
Das Puppentheater (The Puppet Show)
Regeln des Leidens (Rules of Affliction)
Das Geburtstagskind (The Birthday Girl)
(13) Geschichten von Wandel und Verzweiflung (Tales of Change and Desperation)
Spuk (Hauntings)
Zweimal ist für immer (Twice is Forever)
Zwischen den Welten (Betwixt and Between)
Aus dem Bogen (Out of the Arc)
(Ich habe keine deutschen Titel im Internet gefunden, daher sind die deutschen Titel von mir übersetzt.)

Buchbeschreibung:

"Sie gilt als Englands beliebteste Schriftstellerin, und doch weiß keiner, wer Vida Winter wirklich ist. Ihr ganzes Leben lang hat sie Stillschweigen darüber bewahrt, was damals, in jener Nacht vor rund sechzig Jahren, wirklich geschah, als der Familiensitz der Angelfields bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Nun, dem Tode nah, erleichtert Vida Winter erstmals ihr Gewissen und gesteht die schockie-rende Wahrheit über sich und ihre Zwillingsschwester.
"

Als Margaret Miss Winter in ihrem Schlafzimmer besucht, entdeckt sie ein Bild, über das sie sprechen. Es heißt "Dickens' Dream" (Dickens' Traum) und wurde von Robert W. Buss gemalt.
Weitere (englische) Informationen findet ihr auf diesen Seiten:
Dickens' Picture by Robert W. Buss
"Dickens' Dream"
Robert Williams Buss 

Mittwoch, 1. April 2026

Thackeray, William Makepeace "Jahrmarkt der Eitelkeit"

Thackeray, William Makepeace "Jahrmarkt der Eitelkeit" (Englisch: Vanity Fair, or, A Novel without a Hero) - 1848

Okay, William Makepeace Thackeray ist nicht Jane Austen. Aber das hatte ich auch nicht erwartet. Er ist auch kein Charles Dickens. Dennoch ist er ein wertvoller britischer Klassiker, jemand, der sich einen Namen gemacht hat und zu Recht zu den großen Autoren gehört. Wenn ich ihn mit klassischen Schriftstellern vergleichen müsste, würde ich sagen, Oscar Wilde kommt ihm ziemlich nahe.

Selten habe ich eine solche Satire auf das aristokratische England und seine Umgebung gesehen. Der Autor versucht, die alte Frage zu beantworten, wie wichtig Rang und Geld wirklich sind. Die Protagonistin dieses Romans, Miss Rebecca Sharp, genannt Becky, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in nicht gerade günstigen Verhältnissen geboren. Der Autor beschreibt, wie sie versucht, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, ihre Erfolge und ihre Niederlagen. Doch es gibt nicht nur Rebecca Sharp, selbst sie hätte nicht tausend Seiten eines Buches füllen können. Da ist ihre Freundin Amelia Sedley, die ebenfalls ihren Anteil an den Problemen einer jungen Dame dieser Zeit hat. Und dann sind da noch die unzähligen Männer, die unsere beiden – nennen wir sie Heldinnen – umgeben. W.M. Thackeray nannte seinen Roman "Jahrmarkt der Eitelkeit, oder, Ein Roman ohne Held" (Vanity fair, or, A Novel without a Hero), was nicht heißt, dass er keine Heldin haben kann. Für mich sind es zwei. Damals war eine Frau ohne Mann nichts. Und unsere beiden Mädchen haben mit oder ohne die Hilfe ihrer Mitmenschen eine Menge zu bewältigen.

Eine interessante Geschichte, teils humorvoll, teils traurig, aber insgesamt gut geschrieben.

Zitat:
"Wer von uns ist auf dieser Welt glücklich? Wer von uns hat, was er wünscht, oder ist, wenn er es hat, zufrieden?"

Buchbeschreibung: 
 
"Das Leben der oberen Zehntausend war seit jeher faszinierend, amüsant und ein Pandämonium des Allzumenschlichen. In Thackerays großem Gesellschaftsroman von 1847/48 ist jedes Mitglied der Upper Class der "vanity" verfallen, ob nun aus Bosheit, Dummheit oder Ehrgeiz. Die Schärfe der Kritik wird jedoch gebrochen durch Ironie, Satire und Situationskomik und die Lektüre dieses Klassikers so zum reinen Vergnügen - nicht zuletzt wegen der Figur der Becky Sharp, einer der wunderbarsten Frauengestalten der englischen Literatur."

Dienstag, 17. März 2026

Sterne, Laurence " Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman"

Sterne, Laurence " Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" (Englisch: The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman) - 1759-67

Warum ich dieses Buch bis zum Ende gelesen habe, werde ich wohl nie verstehen. Ich liebe Klassiker. Wirklich. Sie sind meine Favoriten. Nur dieser nicht.

Laurence Sterne versucht, die ganze Welt in diesen Roman zu packen und sie am Beispiel eines Gentleman namens "Tristram Shandy" zu erklären. Er möchte, dass die Geschichte sowohl philosophisch als auch unterhaltsam ist. Sie ist weder das eine noch das andere. Die meisten Charaktere sind so flach, sie sind alle hoffnungslos nutzlos, und es gibt keine wirkliche Handlung, die Geschichte springt von einem Ende zum anderen, ohne Sinn zu ergeben. Er beginnt Hunderte von Kurzgeschichten, ohne irgendwohin zu kommen, ohne sie zu beenden oder später wieder aufzuarbeiten. Ich fragte mich immer wieder, ob ich den Sinn des Ganzen herausfinden würde. Ich habe es nicht getan. Der Autor überzeugt mich nicht.

Wenn jemand einer Geschichte philosophische Gedanken hinzufügen möchte, sollte er sie wenigstens erzählen. Oder sie einfach ganz weglassen. Was in diesem Fall besser gewesen wäre.

Der Roman soll humorvoll sein, ich konnte das nicht finden, ich habe kein einziges Mal gelacht. Und ich liebe britischen Humor. Das war KEIN britischer Humor. Das einzig Lustige sind die Namen, wie Hafen Slawkenbergius. Die haben mir gefallen.

Buchbeschreibung: 

"Laurence Sterne's Auch 250 Jahre nach seinem Entstehen ist Tristram Shandy ein Wunderwerk, eine verrückte, helle Lesefreude. Den Titelhelden lernt der Leser auf einer Abfolge von Umwegen kennen und wird dabei höchst unterhaltsam mit Abschweifungen, Reflexionen und Anzüglichkeiten jeder Art eingedeckt angefangen mit der Geschichte, wie Tristrams Nase von der Geburtszange eingedrückt wurde. Laurence Sterne erprobt hier alles, was Sprache und Einfallsreichtum vermögen. Damit wurde er zu einem Begründer der modernen Literatur und sein Roman zu einem Meisterwerk der Fabulierlust."

Die englische Beschreibung sagt zum Schluss:
"Tristram Shandy ist eine freudige Hommage an die unendlichen Möglichkeiten der Belletristik und zugleich eine ironische Demonstration ihrer Grenzen." ( A joyful celebration of the endless possibilities of the art of fiction, Tristram Shandy is also a wry demonstration of 'Tristram Shandy')

Ich denke, dieser letzte Satz der Inhaltsangabe sagt alles.

Samstag, 28. Februar 2026

McCullough, Colleen "Dornenvögel"

McCullough, Colleen "Dornenvögel" (Englisch: The Thorn Birds) - 1977

Ich habe dieses Buch vor Jahren gelesen, kurz nachdem die Miniserie 1983 herauskam. Ich bin mir allerdings sicher, dass ich es damals auf Deutsch gelesen habe, weil ich damals nicht so leicht an englische Bücher herankam. Oder überhaupt nicht.

Ich wollte den Roman schon ewig noch einmal lesen und habe es inzwischen geschafft.

Ich denke, man kann dieses Buch getrost als epische Saga bezeichnen. Die Geschichte der Familie Cleary über zwei Generationen erzählt die Geschichte, wie sie Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts von Neuseeland nach Australien kommt und auch nach London und Rom zieht. Die Haupthandlung spielt jedoch in Neuseeland: Wie sich eine Familie in einem fremden Land niederlässt und alle nur erdenklichen Härten durchlebt.

Die Geschichte berührt fast jedes Thema. Nun ja, sie hat über 700 Seiten und bietet daher viel Raum für Drama. Sie ist so gut geschrieben. Die Charaktere werden so lebendig, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen. Man fürchtet mit ihnen, man freut sich mit ihnen. Man hat Mitleid mit ihnen, wenn etwas Schlimmes passiert. Einer solchen Familie kann viel Schlimmes widerfahren, aber es gibt auch einige unerwartete Seiten, unerwartete Wege, die diese Geschichte einschlägt.

Mir hat es besonders gefallen, weil es die Strapazen zeigt, die Menschen bei der Besiedlung eines neuen Kontinents durchmachen mussten. Auch wenn die Clearys nicht die ersten Siedler waren, gab es sowohl in Neuseeland als auch in Australien viel zu überwinden. Manche Dinge sollten wir heute nicht vergessen, wo all diese Länder über alle erdenklichen modernen Einrichtungen verfügen.

Wie auch immer, wenn ihr dicke Bücher liebt und gerne über Australien lesen möchtet, ist dies ein wunderbares Buch, egal ob ihr die Serie gesehen habt oder nicht. Lest es. Ihr werdet es nicht bereuen. Vielleicht ist es auch an der Zeit, die DVD wieder herauszuholen.

Buchbeschreibung: 

"Nach einer Legende singt der Dornenvogel nur dann sein wunderschönes Lied, wenn es zum Sterben geht. Denn, so heißt es, das lebendige Wesen vermag erst dann höchste Vollendung zu erreichen, wenn es das Liebste - sein Leben - opfert.

Die stürmisch-romantische Saga einer außergewöhnlichen Familie, der Clearys. Die Geschichte beginnt zu Anfang unseres Jahrhunderts, als Paddy Cleary mit Frau und sieben Kindern von Neuseeland nach Australien auswandert, um dort auf einer der großen Farmen im weiten Grasland von Neusüdwales für seine ältere Schwester zu arbeiten. Die Saga endet mehr als ein halbes Jahrhundert später, als in der dritten Generation die letzte der Clearys, die brilliante Schauspielerin Justine, die Wurzeln ihres Geschicks nach Europa verpflanzt."

Montag, 16. Februar 2026

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar"

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar" (Norwegisch: Absalons Haar) - Absalom's Hair - 1894

Ich lese ja immer mal wieder gerne Bücher von Nobelpreisträgern. Als ich auf diesen Roman stieß, musste ich ihn daher begutachten. Es handelt sich hier um eine Novelle, also nicht sehr lang. Etwas mehr Handlung hätte der Erzählung sicher nicht geschadet. Ich war nicht sonderlich begeistert. Die Geschichte hüpfte hin und her, die Protagonisten hatten nichts an sich, was einen faszinieren konnte. Es ist eben ein sehr altes Buch, das die Zeichen der Zeit nicht überstanden hat.

Und wenn es als Satire gedacht war, hätte ich etwas Humor etwartet.

Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (Ja, wir lieben dieses Land)

Da auf meiner Ausgabe nur steht, dass der Verlag "zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur" gedruckt wurde, ich auch keine deutsche Buchbeschreibung finden konnte  und auch der englische Klappentext nicht viel hergab (siehe mein englischer Eintrag), habe ich mal KI befragt. Das war gar nicht mal so schlecht:

"Absaloms Haar von Bjørnstjerne Bjørnson ist eine satirische Erzählung, die Eitelkeit, Selbstüberschätzung und menschliche Natur thematisiert. Die Geschichte nutzt das biblische Motiv von Absalom, dessen üppiges Haar symbolisch für Hochmut steht, um eine allegorische Erzählung über die Gefahren übermäßigen Stolzes zu verweben. 

Inhaltliche Schwerpunkte: Die Erzählung behandelt die Obsession einer Figur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und die daraus resultierenden Konsequenzen, ähnlich dem biblischen Absalom, der durch sein Haar zu Fall kam.

Charakter: Absalom wird als gutaussehend, aber ehrgeizig dargestellt, wobei sein Haar als Symbol für Eitelkeit dient.

Es handelt sich um eine psychologische Charakterstudie, die oft als Allegorie interpretiert wird."

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als einen Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 14. Februar 2026

Defoe, Daniel "Die Pest zu London"

Defoe, Daniel "Die Pest zu London" (Englisch: A Journal of the Plague Year) - 1722

Was für eine Geschichte! Daniel Defoe zeigt uns, wie das Leben zur Zeit der Pest war, wie die Menschen mit der Todesdrohung umgingen (oder auch nicht).

Ich habe viele Bücher gelesen, die während verschiedener Seuchen an unterschiedlichen Orten spielen, aber dieses war das aufschlussreichste und eindringlichste. Es gibt viele unterschiedliche Zahlen darüber, wie viele Menschen tatsächlich starben, aber Tatsache ist, dass diese Katastrophe mehr Todesopfer forderte als jede andere Naturkatastrophe in England. Man spricht immer vom Großen Brand von London zehn Jahre später, aber nur sehr wenige Menschen kamen dabei ums Leben.

Daniel Defoe macht dies greifbar, wir haben das Gefühl, fast dabei gewesen zu sein. Das ist großartiges Schreiben. Allerdings ist es keine leichte Lektüre, es ist eher ein Artikel als ein Roman. Und wir müssen bedenken, dass Romane, wie wir sie heute kennen, gerade erst erfunden wurden, unter anderem von Daniel Defoe, dessen größter Roman "Robinson Crusoe" (Robinson Crusoe) zu den frühesten gehört. Aber ich bin froh, dass ich dies gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"'Bringt eure Toten raus!' Dieser von Glockenläuten begleitete Ruf der in den Straßen umherfahrenden Leichensammler hat Leser über die Jahrhunderte mit kaltem Grauen erfüllt. Daniel Defoe, der bekannte Schriftsteller und Autor von 'Robinson Crusoe', war zur Zeit der in den Jahren 1664/65 grassierenden Pest gerade einmal fünf Jahre alt, griff jedoch 1722 die Erinnerungen der Überlebenden auf, um diese realistische Chronik der Epidemie und ihrer Opfer zu erstellen. Der fiktive Erlebnisbericht folgt Defoes Erzähler, der den verheerenden Fortschritt der Seuche durch die Straßen von London hautnah miterlebt. London wird bald zur Geisterstadt. Einige Straßen sind nahezu ausgestorben, aus den noch bewohnten Häusern sind die Töne menschlichen Leidens zu vernehmen. Derweil nutzen Quacksalber und Beutelschneider die Gunst der Stunde, um die Not der Menschen in klingende Münze zu verwandeln. Jeder Bürger hat seine eigene schreckliche Geschichte zu erzählen und versucht, den Wahnsinn irgendwie zu überleben - und doch werden viele von ihnen sich am Ende trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in die Liste der beinahe hunderttausend Pestopfer einreihen ..."

Dienstag, 10. Februar 2026

Austen, Jane "Die Geschichte Englands"

Austen, Jane "Die Geschichte Englands" (Englisch: The History of England: By a Partial, Prejudiced and Ignorant Historian) - 1791

Dies war meine letzte Jane-Austen-Lektüre im Jahr 2025, im Rahmen des Projekts #ReadingAusten. 

Das Büchlein hat 55 Seiten, sehr kleine Seiten. Doch nur 18 davon behandeln die Geschichte Englands; der Rest besteht aus dem Briefwechsel (hauptsächlich) zweier Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und einer Kurzgeschichte namens "Lesley Castle".

Mir hat der erste Teil sehr gut gefallen. Es war interessant zu lesen, wie die Könige und Königinnen Englands von einer einseitigen und voreingenommenen Person wahrgenommen wurden. Jane mochte die Yorks und hasste die Lancasters, daher betrachtete sie alles, was sie taten, durch ihre rosarote oder schwarze Brille. Urkomisch, und man sollte es nicht unbedingt ernst nehmen.

Auch der zweite Teil hat seine urkomischen Momente. Zum Beispiel, wenn Frauen nach ihrer Größe beurteilt werden und groß zu sein als Makel gilt. Lest es einfach, es dauert nicht lange.

Buchbeschreibung:

"Jane Austen litt als Schülerin offensichtlich arg unter dem Unterricht in englischer Geschichte. Als 16-jährige nahm sie schließlich Rache und schrieb eine eigene höchst vergnügliche Geschichte der Könige und Königinnen von England. Dieses ungemein unzuverlässige Geschichtsbuch besteht aus 13 bitterbösen Porträts englischer Royals."

Freitag, 16. Januar 2026

Sturluson, Snorri "Egils Saga"

Sturluson, Snorri "Egils Saga" (Isländisch: Egils saga Skallagrímssonar) - Egil's Saga - 1240 

Dies ist sicherlich eines der ältesten Bücher, die ich je gelesen habe (mit Ausnahme von "Die Odyssee/Odyssey"). Und es hat mir viel Freude bereitet. Ich habe viel über die Wikinger und über Geschichte gelernt. Ich bin mir nicht sicher, wie genau die historischen Ereignisse wiedergegeben sind, aber einige kamen mir bekannt vor.

Es ist erstaunlich, wie lange eine solche Geschichte überlebt hat. Sie wurde vor fast 900 Jahren geschrieben und kann immer noch gelesen werden. Dies ist ein authentischer historischer Bericht darüber, was die Menschen damals taten und was sie darüber dachten. Sie zeigt uns unsere Vergangenheit, aber ich denke, sie zeigt uns auch unsere Zukunft. Denn wenn wir eines aus der Geschichte lernen, dann ist es, dass die Menschen nichts daraus lernen. Sie kämpfen immer noch um Ruhm und Ehre, selbst wenn sie behaupten, andere Gründe zu haben.

Egil war ein großer Dichter, aber auch ein großer Krieger, ein Mann, der sehr schnell wütend wurde, und seine Gegner kamen meist nicht lebend aus ihren Auseinandersetzungen mit ihm heraus. Eine ausgezeichnete, einzigartige Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Im Mittelpunkt dieser berühmten Saga steht der Skalde Egil Skalla-Grimson, der im 10. Jahrhundert gelebt hat. Wie kaum eine andere Figur der mittelalterlichen Literatur ist er voller Widersprüchlichkeit, ein unberechenbarer Wikinger mit berserkerhaften Zügen, jedoch ein großer Runenkundiger und Dichter. Die gegen Anfang des 13. Jahrhunderts aufgezeichnete Saga vereint Abenteuergeschichte und Historie, sujektive Charakterzeichnung und objektive Darstellung."

Mittwoch, 14. Januar 2026

Faulks, Sebastian "Gesang vom großen Feuer"

Faulks, Sebastian "Gesang vom großen Feuer" (Englisch: Birdsong. A Novel of Love and War) - 1993

Der Roman beginnt mit einem Zitat: Rabindranath Tagore sagt in "Gitanjali": "Wenn ich von hier gehe, soll dies mein Abschiedswort sein: Was ich gesehen habe, ist unübertrefflich."

Dem Autor ist es gelungen, etwas Unübertreffliches zu beschreiben, etwas so erstaunlich Unvorstellbares, dass ich mir zwei Fragen stelle: Warum habe ich es nicht früher gelesen? Und warum ist dieses Buch nicht bekannter? Es sollte Pflichtlektüre für jeden Teenager sein, der darüber nachdenkt, zur Armee zu gehen, und für jeden Politiker, der auch nur im Entferntesten daran denkt, einen Krieg zu beginnen.

Heute werden Kriege anders geführt. Zumindest will man uns das glauben machen. Doch wer "Birdsong" liest, wird erkennen, dass die Tragödie des Verlusts von Freunden und Angehörigen im Krieg nicht zu ändern ist. Sie bleibt dieselbe, egal wie sie getötet werden.

Es gibt nur wenige Kriegsbücher, die die Gefühle der Soldaten im Kampf so gut beschreiben wie dieses. Ein absolutes MUSS.

Buchbeschreibung:

"Der Roman schildert das Schicksal des Engländers Stephen Wraysford während des Ersten Weltkriegs. Er ist Leutnant und liegt mit seiner Einheit in Frankreich an der Somme, wo er eine der größten Schlachten dieses Krieges miterlebt. Unvermutet wechselt dann der Schauplatz der Handlung von den Schlachtfeldern Flanderns in das England des Jahres 1978. Aus Anlaß des 60. Jahrestags des Waffenstillstands beginnt eine junge Frau, Nachforschungen über ihren Großvater Stephen anzustellen, der an dem schrecklichen Kriegsgeschehen beteiligt war."

Dienstag, 23. Dezember 2025

Bradley, Alan "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet"

Bradley, Alan "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet" (Englisch: The Sweetness at the Bottom of the Pie) (Flavia De Luce Mystery)  – 2009

England 1950. Ein kleines Mädchen lebt mit ihrem Vater und ihren Schwestern in einem englischen Dorf. Als eine Leiche in ihrem Garten auftaucht, geht sie auf Entdeckungsreise.

Ich bin kein großer Fan von Kriminalgeschichten. Noch weniger mag ich Geschichten, in denen kleine Kinder die großen Helden sind, indem sie alles vermasseln und am Ende alles gut wird. Die "Fünf Freunde" habe ich deshalb selbst als Kind nie wirklich gemocht, und ich mag diese Art von Geschichten heute noch weniger als damals.

Wie ihr euch vorstellen könnt, hat mir die "Flavia De Luce Mystery" Nr. 1 jedenfalls nicht besonders gefallen, deshalb werde ich die folgenden gar nicht erst lesen. Ich kann verstehen, dass jemand, der solche Geschichten mag, diese hier mag; die Kulisse ist schön, aber ich lese lieber über England und sein Land- und Dorfleben bei Jane Austen, Charles Dickens oder, wenn ihr nach zeitgenössischeren Autoren sucht, Bill Bryson, der zum Beispiel wunderbare Bücher über Großbritannien geschrieben hat, etwas Gehaltvolleres.

Buchbeschreibung:

"Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist ..."