Posts mit dem Label Nobelpreis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nobelpreis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 26. Oktober 2026

Solschenizyn, Alexander "Der erste Kreis der Hölle"

Solschenizyn, Alexander (Aleksandr Solzhenitsyn) "Der erste Kreis der Hölle" oder "Im ersten Kreis"(RUS: В круге первом/V krugue pervom) - In the First Circle - 1955

Die Buchbeschreibung erzählt, dass es sich hier um ein umfang- und inhaltsreiches Werk handelt. Absolut richtig. Fast 800 Seiten, in denen es um das Leben in der Sovjetunion kurz nach dem zweiten Weltkreig geht. Allerdings nicht für jedermann. Hier wird das Leben der politischen Gefangengen und deren Angehörigen beschrieben. 

Wenn man erst einmal in einer sogenannten "Scharaschka", einem Arbeitslager für Wissenschaftler und Ingenieure, oder in der Lubjanka, dem berüchtigten Moskauer Gefängnis für politische Gefangene gelandet war, konnte man mit dem Leben abschließen, die meisten kamen nicht wieder in die Freiheit. Auch wenn diese Gefangenen ein paar Erleichterungen gegenüber den anderen hatten, waren sie dennoch gefangen und mussten auch noch für das verhasste Regime arbeiten.

So wird das Leben der verschiedenen Insassen beschrieben, vor der Inhaftierung und danach. Und auch die Frauen, die Familien, sie wurden gleich mitbestraft.

Für alle Beteiligten war dies das Ende des Lebens wie sie es kannten und, wie im letzten Kapitel benannt: der erste Kreis der Hölle.

Außer Alexander Solschenizyn war auch Ossip Mandelstam einer der Dichter, die über ihr "Leben" in diesem Regime geschrieben haben. Gut, dass es solche Menschen gab/gibt, die uns über solche Zustände aufklären.

Ein hochinteressantes Buch, sicher neben Iwan Denissowitsch eine der besten, die über dieses Thema geschrieben wurden.

Hier noch ein Zitat, dass besonders alle Leseratten interessieren dürfte:

"In der Welt gab es so unermesslich viele, unentbehrliche, erstklassige Bücher, und die Begierde, sie alle zu lesen, hinderte Rubin daran, jemals ein eigenes Buch zu schreiben. Jetzt hatte er sich darauf vorbereitet, bis weit über Mitternacht hinaus, ohne Rücksicht auf den morgigen Arbeitstag, zu lesen. Aber abends erwachte stets sein Geist und seine Diskutierfreude, und sein Witz wurde besonders scharf- da bedurfte es nur wenig, um ihn für die Unterhaltung der Allgemeinheit zu gewinnen. ..." 

Buchbeschreibung:

"Die Handlung des umfang- und inhaltsreichen Werkes ist mit ein paar Tagen im letzten Dezemberdrittel 1949 begrenzt und stellt eigentlich einen Kriminalroman vor, der mit der Tat beginnt, ... jedoch mit der Verhaftung und genauen Bekanntgabe, wie es in der berüchtigten Lubjanka zugeht, nicht endet: Die Story von dem Staatsrat zweiter Klasse Innokentij Wolodin, der in einer plötzlichen Anwandlung von einer öffentlichen Telephonzelle aus die amerikanische Botschaft in Moskau anruft und einem Attache verrät, daß drüben ein Ehepaar Rosenberg in den nächsten Tagen die Geheimnisse der Atombomben-Herstellung einem sowjetischen Agenten weitergeben werde - dieser aufregende Anfang ist bloß Aufhänger für alles andere.  Alles‹ ist wörtlich gerneint: vom Sonderlager Marfino in der Nähe der Hauptstadt, vom Leben der Angehörigen ›draußen‹, von den einfachen Aufsehern, von Politfunktionären im Offiziersrang und dem zuständigen Minister bis zu IHM, vor dem sie alle zittern, Stalin, wie er mitten in der Nacht die ihm gegenüber ohnmächtigen Machthaber zu sich zitiert. Ein historisch-soziologisches Panorama also, zwei Jahrzehnte, gesammelt im Brennpunkt jener halben Woche, gegen Ende 1949."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

Ich wirke an dieser Seite mit:
Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden. 

Montag, 19. Oktober 2026

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende"

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende" (Arabisch: داية ونهاية/Bidaya wa Nihaya) - The Beginning and the End - 1949

Wir lernen eine Familie in Kairo kennen. Die Geschichte spielt in den späten 1930er Jahren. Die Familie hat vier Kinder: einen erwachsenen Sohn, eine erwachsene Tochter und zwei Jungen im Schulalter. Der Vater stirbt plötzlich und hinterlässt die Familie in bitterer Armut. Der älteste Sohn war nie dazu bestimmt, die Familie erfolgreich zu versorgen, daher übernimmt der zweite Sohn diese Rolle. Alle Familienmitglieder haben jedoch mit der plötzlichen Notlage zu kämpfen, und niemandem gelingt es wirklich, sich daraus zu befreien – mit Ausnahme des zweiten Sohnes, der auf einem vielversprechenden Weg zu sein scheint. Die anderen hingegen sehen sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ein Happy End gibt es für sie nicht.

Dieses Buch ist nach wie vor ein Meisterwerk.

Buchdschreibung:

"Eines Morgens werden die beiden Söhne aus der Schule geholt. Der Vater ist tot, mitten aus dem Leben gerissen. Sein plötzlicher Tod bringt die Familie an den Rand des Abgrunds. Etwas Geld im Portemonnaie, ein paar Möbel, einen untadeligen Ruf und eine lächerliche Pension – mehr hat er ihnen nicht hinterlassen. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Mit Energie und Entschiedenheit nimmt sie die Zügel in die Hand. Doch jedes geht seinen eigenen Weg. Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet und die Tochter mit einem Liebhaber in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt für die ganze Familie der Schein ehrbaren Lebens in Trümmern."

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 9. Oktober 2026

Gordimer, Nadine "Burgers Tochter"

Gordimer, Nadine "Burgers Tochter" (Englisch: Burger's Daughter) - 1979

Ich wollte schon lange ein Buch von Nadine Gordimer lesen. Sie ist eine produktive Autorin aus Südafrika, schreibt über Politik, ist eine Frau und hat den Nobelpreis für Literatur erhalten – es gibt also viele Gründe, warum sie auf meiner Liste stehen sollte.

Als "leichte Lektüre" würde ich dieses Buch definitiv nicht bezeichnen. Der Stil der Autorin ist nicht sehr einladend, und vom Lesefluss kann man kaum sprechen – es gibt eigentlich gar keinen. Die Dialoge sind wenig klar; oft hat man den Eindruck, dass man gar nicht wissen soll, wer gerade spricht oder wessen Gedanken man folgt. Die Geschichte springt von einer Person zur nächsten.

Das Thema des Romans ist jedoch sehr gut. Die Handlung basiert lose auf dem Leben von Bram Fischer und seiner Familie, insbesondere seiner Tochter. Bram Fischer war ein südafrikanischer Anwalt, der für seinen Kampf gegen die Apartheid bekannt war. Die größte Bekanntheit erlangte er als Verteidiger von Nelson Mandela.

Ich habe mich gerne mit der Geschichte befasst, auch wenn mir das Lesen des Buches selbst nicht allzu viel Freude bereitet hat. Das Buch vermittelt Wissen über Südafrika, dessen Geschichte und das Apartheid-System sowie über die Menschen, die dagegen gekämpft haben – auch wenn es durchaus mehr hätten sein können.

Buchbeschreibung:

"Rosa Burger wächst als Tochter des angesehenen Arztes Lionel Burger in Johannesburg in einem hochpolitischen Umfeld auf. Ihre Eltern engagieren sich in der Kommunistischen Partei Südafrikas gegen das Regime der Rassentrennung. Als sie im Gefängnis landen, muss Rosa mit 14 Jahren den Haushalt allein organisieren. Mit 18 verlobt sie sich zum Schein mit einem Regimegegner, zu dem politische Kontakte aufrecht erhalten werden sollen. Mit 20 Jahren ist sie als Tochter ihres zu lebenslanger Haft verurteilten Vaters politisch abgestempelt und als Bürgerin ohne Reisepass. Nach dem Tod ihrer Eltern fühlt sich die 25-jährige Rosa zunächst verpflichtet, deren Arbeit fortzusetzen. Doch dann weigert sie sich zum ersten Mal, die erwartete Rolle zu übernehmen. Nachdem sie endlich ihren Pass erhalten hat, reist sie nach Europa. In Frankreich lernt sie Katya, die erste Frau ihres Vaters, kennen und den linksgerichteten Intellektuellen Bernard lieben. In London trifft sie ihren im Exil lebenden schwarzen Ziehbruder Baasie wieder, der sie als Weisse zurückweist. Inmitten des kultiviert-dekadenten Lebens in Europa erkennt Rosa, wo sie hingehört. Sie kehrt zurück nach Südafrika und nimmt den Kampf gegen die Apartheid wieder auf."

Wir haben dieses Buch im Juni 2019 in unserem internationalen online Lesekreis besprochen.

Nadine Gordimer erhielt 1991 den Nobelpreis für Literatur "für ihre epische Dichtung, die der Menschheit einen großen Nutzen erwiesen hat und durch die tiefen Einblicke in das historische Geschehen dazu beiträgt, dieses Geschehen zu formen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 29. August 2026

Han, Kang "Die Vegetarierin"

 
Han, Kang "Die Vegetarierin" (Koreanisch: 채식주의자/Ch'angbi) - The Vegetarian - 2007

Als ich dieses Buch fand, dachte ich, es ginge vielleicht um eine Frau, die Vegetarierin wird. Und das tat es auch. Aber irgendwie auch nicht. Das Buch wurde als düster beschrieben, und das trifft es genau. Aber es ist auch seltsam. Es fällt mir schwer, den Gedanken der Protagonisten zu folgen. Ich versuche immer, mich in ihre Probleme hineinzuversetzen, aber in diesem Fall fiel es mir schwer.

Die Geschichte handelt von zwei Schwestern und ihren Ehemännern, von Liebe und Begierde. Es gibt drei Erzählstränge über Yeong-hye, die Vegetarierin, deren Leben eine unerwartete Wendung nimmt und nach der das Leben von niemandem mehr so ​​sein wird wie zuvor. Der erste Erzählstrang wird von ihrem Ehemann, der zweite von ihrem Schwager und der dritte und letzte von ihrer Schwester erzählt.

Ich hätte dieses Buch gern gemocht. Aber ehrlich gesagt, war das nicht der Fall. Ich habe es gelesen, bevor der Autorin der Nobelpreis verliehen wurde.

Buchbeschreibung:

"Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

'Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.'

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. 'Ich hatte einen Traum', so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet."

Kang Han erhielt 2016 den Booker International Prize für "The Vegetarian".

Kang Han erhielt den Nobelpreis für Literatur 2024 "für ihre intensive poetische Prosa, die historische Traumata anspricht und die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens aufzeigt".

Ich wirke an dieser Seite mit: 
Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 21. August 2026

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten"

Lagerlöf, Selma "Sancta Lucia. Weihnachtliche Geschichten" (Schwedisch: Kristuslegender) [Christmas Stories] - 1893-1917

Ich hatte noch nie eine Geschichte von Selma Lagerlöf gelesen – der ersten Frau überhaupt, die den Nobelpreis für Literatur erhielt. Und da sie auch einige Weihnachtsgeschichten verfasst hat, fand ich, es sei höchste Zeit dafür.

Natürlich kannte ich die Zeichentrickserie "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen", die auf ihrem Buch basiert; doch abgesehen davon wusste ich nicht viel über Selma Lagerlöf. Nun, das hat sich geändert, und ich werde sicherlich noch einen ihrer Romane lesen – vielleicht "Gösta Berling".

Dies sind die Geschichten, die in genau dieser Ausgabe enthalten sind:

Die Heilige Nacht (Schwedisch: Den heliga natten, 1904) - The Holy Night
Die Legende vom Luciatag (Schwedisch: Luciadagens legend, 1917) - The Lucia Day Legend
Die Legende von der Christrose (Schwedisch: Legenden om julrosorna, 1908) The Legend of the Christmas Rose 
Gottesfriede (Schwedisch: Gudsfreden, 1898) - God's Peace
Ein Weihnachtsgast (Schwedisch: En julgäst, 1893) - A Christmas Guest 
Einige davon kann man sogar kostenlos herunterladen!

Jedenfalls waren die Geschichten schön zu lesen – besonders zur Weihnachtszeit. Sie verraten uns viel über das Leben in Schweden vor etwa einem Jahrhundert, und ein Blick darauf lohnt sich immer. Manche der Geschichten erinnern eher an Märchen, während andere vom einfachen Volk und dessen Alltag erzählen.

Buchbeschreibung:

"'Am 13. Dezember, in früher Morgenstunde, wenn Kälte und Dunkelheit auf Värmland lastet, kam noch in meiner Kindheit die heilige Lucia von Syrakus in alle Häuser. Sie ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt, sie ist die Legende, die das Vergessen überwindet, sie ist die Herzenswärme …'

Fünf der schönsten Geschichten und Legenden, die Selma Lagerlöf rund um das Weihnachtsfest erzählt hat (und die sich auch gut zum Vorlesen eignen!) sind in diesem Band vereint, allesamt neu übersetzt:
Die heilige Nacht, Die Legende vom Luciatag, Die Legende von der Christrose, Gottesfriede, Ein Weihnachtsgast. In ihnen zeigt sich die Vielseitigkeit der großen Erzählerin, die schlichten, ernsthaften Anspruch, der Religion wie dem Sozialen gegenüber, mit reicher Fabulierlust verbindet."

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf erhielt den Nobel Prize fürLiterature 1909 "auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 13. August 2026

Dylan, Bob "Chronicles"

Dylan, Bob "Chronicles" (Englisch: Chronicles. Volume One) - 2004

Ein überraschender Träger des Literaturnobelpreises. Ich brauche sein Buch nicht, um zu wissen, dass er ihn absolut verdient hat; doch er erzählt darin von seinem Leben – und das ist durchaus interessant.

Wie ich bereits in meinem Beitrag "Literaturnobelpreis 2016" schrieb, fiebere ich immer dem Tag entgegen, an dem der neueste Gewinner des Literaturnobelpreises bekannt gegeben wird – und gemeinsam mit dem Rest der Welt war ich über dieseVerkündung zutiefst erstaunt. Völlig unerwartet, aber wohlverdient, wurde Bob Dylan im Jahr 2016 diese Ehre zuteil.

Bob Dylan, der Held meiner Jugend, hat so viele brillante Lieder mit wunderbaren Texten geschrieben; ich könnte wohl ewig so weitermachen und über jedes einzelne seiner Lieder schreiben, deren Texte ich auswendig kenne. Doch – da dies ein Buchblog ist – habe ich stattdessen seine Biografie gelesen. Die 75-jährige Rocklegende schreibt darin über sein Leben. Oder tut er das wirklich? Ich habe etliche Kommentare gelesen, denen zufolge das Buch gar nicht von ihm selbst verfasst wurde, sondern im Wesentlichen eine Zusammenstellung dessen darstellt, was andere über ihn geschrieben haben.

Dennoch habe ich es sehr genossen, mehr über sein Leben zu erfahren. Ich bin kein Leser von Klatschmagazinen; daher weiß ich so gut wie nie, ob meine Lieblingssänger oder -schauspieler Single, verheiratet, geschieden oder homosexuell sind, ob sie Kinder haben und so weiter. Manchmal erfahre ich solche Dinge über Wikipedia – meist jedoch nur am Rande, wenn ich eigentlich nach einem ihrer Filme oder Lieder suche.

Ich möchte es noch einmal betonen: Ich liebe Bob Dylans Werk. Seine Texte sind heute genauso bedeutend wie vor siebzig Jahren. Damals war die Zeit reif für den Wandel – und es ist an der Zeit, dass sie sich erneut wandelt. Lasst uns alle seinen Liedern lauschen und gemeinsam dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Buchbeschreibung:

"Bob Dylan räumt auf mit den Mythen und Legenden, die sich um sein Leben und Werk ranken, und erzählt seine Geschichte selbst. Wie er Anfang der sechziger Jahre nach New York kam, wo seine Karriere in den Folkclubs begann. Wie er zur Zeit der großen Unruhen in Amerika um seine künstlerische Identität kämpfen und seine Familie vor der Öffentlichkeit schützen musste. Wie ihm ein alter Jazzsänger 1987 half, eine große musikalische Krise zu überwinden. Er blickt auf seine Kindheit zurück und schreibt leidenschaftlich über seine Musik, auch über die Einflüsse, die ihn geprägt haben."

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition" und den Pulitzerpreis für all seine Werke im Jahr 2004.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 22. Juni 2026

Cela, Camilo José "Der Bienenkorb"

Cela, Camilo José "Der Bienenkorb" (Spanisch: La colmena) - The Hive - 1951

Für den "Classics Spin #44" fiel die Wahl auf Nummer 9 unserer Liste. Großartig, dachte ich: ein Nobelpreisträger. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Oft entdecke ich einen neuen Lieblingsautor, wenn ich ein Werk eines Nobelpreisträgers lese. War das diesmal auch so? Ich glaube nicht. Das Buch war ganz in Ordnung, aber nichts Besonderes. Dabei galt es angeblich als sein bestes, sein wichtigstes Werk.

Für meinen Geschmack war es ein ziemliches Durcheinander – oder, wie wir im Deutschen sagen: ein Kuddelmuddel. Es gab zu viele Kurzgeschichten, die zwar irgendwie miteinander verknüpft waren, aber die Sprünge zwischen den einzelnen Erzählungen waren so groß, dass man oft gar nicht mehr wusste, von wem gerade die Rede war. Ja, er wollte zeigen, wie sehr das Leben in Spanien während der Franco-Diktatur einem Bienenstock glich. Leider ist ihm das nur allzu gut gelungen.

Witzigerweise erwähnt er ein Buch, das bei F. Sempere & Co. in Valencia erschienen ist. Ich glaube zwar nicht, dass es eine Verbindung zu dem Verlag aus Carlos Ruiz Zafóns Reihe "Der Friedhof der Vergessenen Bücher" gibt, aber ich habe mich doch gefragt, ob das nun Zufall ist oder nicht. Ruiz Zafón war übrigens ein großartiger spanischer Autor – einer meiner Lieblinge.

Wie dem auch sei: Die Erzählweise war zerfahren, die Figuren wenig sympathisch, und das ganze Buch bot keinen wirklichen Einblick in das Leben der Charaktere. Wirklich schade.

Dies steht auf meinem Buchumschlag.

"Ganz allmählich steigt der Morgen herauf. Er krabbelt wie eine Raupe über die Herzen der Männer und Frauen der Stadt. Beihnach schmeichlerisch klopft er gegen halb erwachte Blicke, gegen Blicke, die niemals neue Horizonte entdecken oder neue Landschaften, neue Dekorationen. Der Morgen, dieser sich ewig wiederholende Morgen spielt ein wenig um das Gesicht der Stadt zu änder. Ein Grab ist sei, ein Klettermast, ein Bienenkorb."

Und das ist die Beschreibung, die im Internet steht.

"In diesem Roman entfaltet Literaturnobelpreisträger Camilo José Cela das Panoptikum des Allzumenschlichen - die Liebe, die Eifersucht, der Ehebruch vor dem Hintergrund des Franco Regimes.

Der Bienenkorb - das ist Madrid im Zweiten Weltkrieg, das ist das Cafe der Dona Rosa. Spiegel eines durch den Bürgerkrieg entwurzelten Kleinbürgertums und Drehpunkt vieler Lebensgeschichten. Von hier führen die Fäden in die Hinterhöfe, Parkanlagen und Absteigen Madrids, zu den Szenen von Liebe, Ehebruch und Eifersucht. So wird dieser beste Roman des Nobelpreisträgers zu einem eindrucksvollen Panoptikum aus dem Alltag einer faschistischen Gesellschaft.

Der nach diesem Roman gedrehte Film von Mario Camus gewann 1983 den 'Goldenen Bären' bei der Berlinale."

Camilo José Cela erhielt 1989 den Nobelpreis für Literatur "für seine reiche und eindringliche Prosakunst, die mit verhaltenem Mitgefühl eine herausfordernde Vision menschlichen Ausgesetztseins gestaltet."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Modiano, Patrick "Place de l'Étoile"

Modiano, Patrick "Place de l'Étoile" (Französisch: La Place de l'Étoile) - La Place de l'Étoile - 1968

Ein interessantes, gewiss herausforderndes Buch. Der Autor war noch sehr jung, erst 23 Jahre alt, als er dieses erste Buch schrieb, das ihm schließlich den Nobelpreis für Literatur einbrachte.

Patrick Modiano beginnt mit einer kleinen Geschichte, die man für einen Witz halten könnte, wäre sie nicht so traurig:
"Im Juni 1942 spricht ein deutscher Offizier einen jungen Mann an und fragt: Entschuldigen Sie, Monsieur, wo ist der Place de l’Étoile?' Der junge Mann deutet auf seine linke Brustseite. – Eine jüdische Geschichte." Der junge Mann meint damit natürlich den Davidstern, den alle Juden tragen mussten, und nicht den berühmten Platz in Paris.

Dann erzählt er weiter von seinem Protagonisten Raphaël Schlemilowitsch und dessen Überleben – oder Nicht-Überleben – im Holocaust. Ich brauchte eine Weile, um zu begreifen, worauf er hinauswollte. Er lebt das Leben vieler Menschen und beschreibt dies mit einem fast magisch realistischen, aber zweifellos ungemein sarkastischen Stil. In seinen Erzählungen begegnen wir vielen berühmten Juden und Nichtjuden, die Geschichte geschrieben haben – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Ich weiß nicht, ob dies das Hauptwerk ist, für das der Autor den Literaturnobelpreis erhielt, und ob es ein typischer Roman von ihm ist, aber ich würde es sicherlich nicht als leichte Lektüre bezeichnen. Wer sich jedoch für Geschichte interessiert, könnte Gefallen daran finden.

Buchbeschreibung:

"Der Held Raphaël Schlemilovitch führt viele schillernde Leben, als Kollaborationsjude«, als Geliebter von Eva Braun, als jüdischer Mädchenhändler. Er kommt mehrfach zu Tode und reist durch Zeiten und Länder. Bis er schließlich auf der Couch von Dr. Freud im Wien der sechziger Jahre erwacht.Ein so unterhaltsamer wie provokanter Parforceritt – und ein literarischer Befreiungsschlag von antisemitischen Zuschreibungen."

Patrick Modiano erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für die Kunst des Erinnerns, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt während der (deutschen) Besatzung sichtbar gemacht hat".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 25. April 2026

Obama, Barack "Hoffnung wagen"

Obama, Barack "Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream" (Englisch: The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream) - 2006

Ich denke, spätestens seit meiner Rezension von "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum) (oder Hillary Clintons "Living History" - Gelebte Geschichte) weiß jeder, welche Partei ich unterstützen würde, wenn ich in den USA leben würde. Ich fand das Buch großartig und wollte mehr über Barack Obama erfahren, also habe ich sein nächstes gelesen.

Ich bin oft schockiert, wenn ich höre, wie manche Leute über diesen Präsidenten reden, als wäre er ein Bösewicht und würde nur das Schlimmste für sein Land wollen, obwohl er so viel für sie getan hat und versucht, jedem zu helfen. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten müssen, ihn und seine Partei nicht unterstützen, wenn diese versucht, die Steuervorteile für Reiche zu kürzen und das Leben des "kleinen Mannes" etwas leichter zu machen. Wer wünscht sich denn keine Krankenversicherung? Ich lebe in einem Land, in dem Krankenversicherung und Unterstützung bei Arbeitslosigkeit selbstverständlich sind. Wir glauben daran, dass niemand zurückgelassen wird. Vielleicht hat Barack Obama deshalb hier so viele Anhänger – er verfolgt dieselben Ziele wie wir.

Aber zurück zum Buch. Während der Autor in "Dreams from My Father" (Ein amerikanischer Traum), über seine Kindheit und seine ersten Schritte ins Erwachsenenleben berichtet, schildert er nun seine Anfänge als Politiker. Ich fand es äußerst interessant, einen Blick hinter die Kulissen eines ehemaligen Senators zu werfen, der alle Facetten der Politik sowie ihre Vor- und Nachteile kennt. Sehr lesenswert, ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen.

Er zitiert Daniel Patrick Moynihan: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten." (Everyone is entitled to his own opinion, but not to his own fact.) Ich denke, das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Buchbeschreibung:

"Persönlich, glaubwürdig, visionär – Ansichten und Standpunkte des politischen Hoffnungsträgers der USA vor seiner Wahl 2008

Wie US-Senator Barack Obama im Wahljahr 2008 Millionen Menschen für sich gewann, ist Legende. Zu seinem schnell aufsteigenden Stern in hohem Maße beigetragen hat sein zuvor erschienenes Buch 'Hoffnung wagen'('The Audacity of Hope'). Hier präsentierte Obama sich als Mann der Integration, als Liberaler im positiven Sinn mit klaren Positionen. Uns allen machte er Hoffnung auf eine Renaissance des 'besseren Amerika'. Nicht wenige wünschen sich Barack Obama heute sehnsüchtig zurück ins Weiße Haus."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum"

Obama, Barack "Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie" (Englisch: Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance) - 1995

Ich wollte dieses Buch schon ewig lesen, aber so ist das eben mit Büchern: Man kauft sie, leiht sich immer mehr aus der Bibliothek oder bekommt welche von Freunden, und der Stapel ungelesener Bücher wird immer länger …

Aber vor zehn Jahren habe ich es endlich geschafft und bin froh, es gelesen zu haben, bevor ein großartiger Präsident sein Amt niederlegte. Ich habe anschließend auch "The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream" (Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream) und "A Promised Land" (Ein verheißenes Land) gelesen, sowie die Bücher seiner Frau Michelle gelesen, alles fantastische Bücher von einem wundervollen Paar.

Mir wurde auf Facebook gesagt, dass dieses Buch voller Lügen sei, aber meine Recherchen haben ergeben, dass dies nur von rechten Zeitungen behauptet wird. Falls also jemand eine verlässliche Quelle findet, kann ich die Kommentare gerne hier hinterlassen, aber ich werde alle beleidigenden und beschimpfenden Beiträge löschen. Dies ist kein politischer Blog, ich schreibe hier nur über die Bücher, die ich lese. Wer Barack Obama hasst, dem empfehle ich, jetzt aufzuhören zu lesen und für das nächste Buch, das ich rezensiere, wiederzukommen. Oder auch nicht.

Eines sollte man beim Lesen dieses Buches bedenken: Diese Memoiren wurden nicht von einem Präsidenten geschrieben. Es wurde nicht einmal von einem Präsidentschaftskandidaten geschrieben. Es stammt aus dem Jahr 1995, es ist also schon lange her. Er hatte gerade sein Jurastudium abgeschlossen und begann seine politische Karriere. Ich glaube, er wollte ein wirklich authentisches Buch über sein Erbe schreiben.

Eines ist sicher: Obama ist ein großartiger Autor. Seine Worte fließen förmlich über die Seiten, man fühlt sich direkt in seine Geschichte hineinversetzt. Ich hoffe, er wird in Zukunft weitere Bücher schreiben. Ich denke, wir können viel von ihm lernen. Er weiß so viel über Rasse, Politik und Kultur in den USA, seine Erfahrungen werden sicherlich noch viele weitere Veröffentlichungen wert sein. Ich fand es äußerst interessant zu lesen, wie es sich anfühlt, als "schwarzer" Mensch behandelt zu werden. Persönlich, als Europäer, bin ich immer wieder überrascht, dass jemand, der einen schwarzen Großelternteil oder sogar Ururgroßelternteil hat, immer noch als schwarz gilt. Das erinnert mich zu sehr an die dunklen Zeiten meines Landes, als wir die Menschen in Halbjuden, Vierteljuden usw. einteilten und keiner von ihnen als vollwertiger Mensch galt. Und ich glaube, das steckt hier dahinter: Man ist nur dann ein Mensch zweiter Klasse, wenn man schwarz ist. So traurig.

Aber mal abgesehen davon: Wenn ich ihn vorher nicht gemocht hätte, würde ich ihn nach der Lektüre dieses Buches ganz sicher mögen. Er wirkt sehr sympathisch, obwohl er seine Fehler nicht verheimlicht und auch mal zugibt, im Unrecht gewesen zu sein. Natürlich ist es eine Autobiografie, und jeder, der so etwas schreibt, möchte gemocht werden. Aber ich bezweifle, dass er sich das alles ausgedacht hat, nur um eines Tages Präsident zu werden. Er wirkt in seinen Schriften sehr ehrlich. Und es ist eine großartige Möglichkeit, jemanden besser kennenzulernen, der ständig in der Öffentlichkeit steht und täglich von so vielen verschiedenen Leuten dargestellt und verunglimpft wird.

Ich wünsche ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Ich habe größten Respekt vor ihnen allen.

Buchbeschreibung:

"Seit Barack Obama für das Amt des US-Präsidenten kandidiert hat, begeistert er die Menschen: Er verkörpert die weltweite Sehnsucht nach einer Politik des Friedens und der Menschlichkeit. Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen in Hawaii und Indonesien, musste Barack nach seiner Rückkehr in die USA erleben, wie er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Dies weckte seinen Ehrgeiz, der ihm zunächst eine glänzende juristische Laufbahn eröffnete und dann seinen furiosen Aufstieg als Politiker der Demokraten begründete. Wer nun seine Familiengeschichte liest, spürt, dass in ihm auch ein begnadeter Erzähler steckt.

Der Präsident und sein amerikanischer Traum

In diesen großartig erzählten, unsentimentalen Erinnerungen sucht der Sohn eines schwarzen afrikanischen Vaters und einer weißen amerikanischen Mutter nach der Bedeutung seines Lebens als farbiger Amerikaner. Es beginnt in New York, als Barack Obama erfährt, dass sein Vater - für ihn mehr ein Mythos als ein Mensch - bei einem Autounfall ums Leben kam. Dieser plötzliche Tod löst eine Odyssee der Gefühle aus. Sie führt zuerst in eine kleine Stadt in Kansas, von wo aus er den Spuren der Familie seiner Mutter auf der Wanderung nach Hawaii folgt. Dann nach Kenia, wo er dem afrikanischen Teil seiner Familie begegnet und mit der bitteren Wahrheit über das Leben seines Vaters konfrontiert wird. Am Ende führt sie zu einer Versöhnung mit seinem geteilten Erbe."

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 18. April 2026

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley"

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika" (Englisch: Travels with Charley. In Search of America) - 1962

Ich habe die Bücher von John Steinbeck schon immer geliebt. Bis ich "Die Straße der Ölsardinen" (Cannery Row) las. Das hielt mich aber nicht davon ab, weitere Bücher von ihm zu lesen. Als unser 1961er-Club hochkam und ich ein Buch von ihm entdeckte, griff ich sofort zu. Leider hatte ich es gerade beendet, als ich herausfand, dass es erst 1962 erschienen war (obwohl es wahrscheinlich 1961 geschrieben wurde). Nun ja, ich konnte nicht in ein oder zwei Tagen ein weiteres Buch lesen, daher muss dies mein Beitrag zu dieser Herausforderung sein (ich werde aber später noch ein weiteres lesen und hier einen Link einfügen).

Ich bin aber sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn es hat mir John Steinbeck und meine Liebe zu seiner Literatur wieder in Erinnerung gerufen.

Obwohl ich kein großer Fan von Wohnmobilen oder Camping im Allgemeinen bin, habe ich es genossen, den Autoren und seinen Hund Charley durch die Vereinigten Staaten zu begleiten. Ich bezweifle, dass ich jemals dorthin reisen werde, aber irgendwie habe ich jetzt das Gefühl ich hätte das getan. Er selbst sagt gegen Ende: "… Ich hatte nicht die Absicht, irgendeine Art von Querschnitt darzustellen, und ich glaube auch nicht, dass ich das getan habe, sodass ein Leser sagen könnte: 'Er glaubt, er habe ein zutreffendes Bild gezeichnet…' Das glaube ich nicht. Ich habe nur wiedergegeben, was mir einige Leute erzählt und was ich gesehen habe. Ich weiß nicht, ob das typisch war oder ob man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen kann." Ich denke, das ist das Beste, was man versuchen kann, und ich bin froh, dass wir ihn auf dieser Reise begleiten konnten.

Er erwähnt auch: "Ich mag Wetter lieber als Klima." Das ist ein großartiges Zitat, dem ich voll und ganz zustimme.

Ich habe das Buch sehr genossen.

Und falls ihr bessere Bücher über Reisen durch die USA kennt, lasst es mich bitte wissen.

Buchbeschreibung:

"Amerika - was für ein Land!

Von den großen Seen bis zu den Rocky Mountains, von den Metropolen der Ostküste bis zu den Wüsten Nevadas stößt man kulturell wie landschaftlich auf eine ungeahnte Vielfalt.

Im Jahre 1960 ist es, als der spätere Literaturnobelpreisträger John Steinbeck sich mit 58 Jahren noch einmal auf die Reise durch sein eigenes Land macht. Teil des Plans sind Pudel Charley und der 'Rosinante' getaufte Dreivierteltoner mit Bootskajüte auf der Ladefläche. Auf diesem Weg besucht Steinbeck 34 Bundesstaaten in elf Wochen und erlebt dabei so einiges..."

John Steinbeck erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1962 "für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn".
 
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 13. April 2026

Krasznahorkai, László "Satanstango"

Krasznahorkai, László "Satanstango" (Ungarisch: Sátántangó) - Satantango - 1985

Wer mich kennt, weiß, dass ich Nobelpreisträger bewundere und versuche, mindestens ein Buch jedes neuen Preisträgers zu lesen (und noch ein paar mehr von einigen früheren).

Dieses Jahr war es ein ungarischer Autor, von dem ich noch nie gehört hatte. Aber das kommt häufig vor. Es war sein erster Roman, für den er viel Lob erhielt. Einige seiner Bücher (darunter auch dieses) wurden verfilmt.

Wie gesagt, er war mir völlig unbekannt, wie wahrscheinlich den meisten Westlern. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Die Geschichte handelt von einem fast verlassenen Dorf mitten im Nirgendwo. Die Menschen haben jede Hoffnung verloren, dass ihnen jemals wieder etwas Gutes widerfahren wird.

Wir lernen sie nach und nach kennen. Zuerst hat man den Eindruck, es seien Kurzgeschichten, die nichts miteinander zu tun haben. Doch allmählich fügen sich die Puzzleteile zusammen und wir verstehen das ganze Dilemma.

Die Geschichte liest sich fast wie eine Dystopie. Man muss sich aber vor Augen halten, dass dies für viele Menschen hinter dem Eisernen Vorhang die Realität war. Und dass es dort immer noch Menschen gibt, die wollen, dass sie dorthin zurückkehren. Sie sollten dieses Buch lesen und sehen, wohin das alles führt.

Buchbeschreibung:

"Ein nahezu verlassenes Dorf, nur wenige Menschen sind geblieben. Armut und Perspektivlosigkeit liegen schwer über den Einwohnern. Die Gemeinschaft ist zersetzt von Hass und Misstrauen. Irimias, ein früherer Dorfbewohner, kehrt zurück und verspricht Geld und Hoffnung. Das Dorf lässt sich auf ihn ein, nichtsahnend, dass er ein Polizeispitzel ist, der die Menschen durch die Androhung der Gefängnisstrafe erpresst. Krasznahorkai erzählt atmosphärisch dicht von verrotteten Charakteren in einem verfehlten Staat. Sein ›Satanstango‹ ist überwältigend.

Ein Fremder, ein verrottendes Dorf, ein übermächtiges System - László Krasznahorkai, ein Meister der Apokalypse."

László Krasznahorkai erhielt den Nobelpreis für Literatur 2025 "für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Macht der Kunst bekräftigt."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 3. April 2026

Sienkiewicz, Henryk "Quo Vadis?"

Sienkiewicz, Henryk "Quo Vadis?" (Polnisch: Quo Vadis. Powieść z czasów Nerona) - Quo Vadis: A Narrative of the Time of Nero - 1895 

"Wohin gehst du?", eine Frage aus dem Neuen Testament (Johannes 13,36), die in der lateinischen Übersetzung als Buchtitel verwendet wird, ist sehr ermutigend. Sie vermittelt ein Gefühl von Geheimnis.

Dieses Buch stand schon fast mein ganzes Leben lang auf meiner Wunschliste. Warum habe ich es nie zuvor in Angriff genommen? Nun, vielleicht dachte ich, es wäre eher eine Herausforderung. Tatsächlich ist es überraschend leicht zu lesen, mit einer erstaunlichen Geschichte und viel historischem Hintergrund. Ich habe andere Bücher über die frühen Christen in Rom gelesen und war schon immer von ihnen fasziniert. Warum gibt jemand sein Leben und das seiner Lieben für eine neue Religion auf? Was steckt hinter diesen Märtyrern, was sind ihre Motive, ihre Wünsche?

Dieses Buch gibt viele Antworten auf diese Fragen. Es ist ein Buch über Geschichte und gleichzeitig ein Buch über Religion und Philosophie, über Sklaverei, Macht und Armut. Wir erfahren, wie das antike Rom regiert wurde, wie die Reichen und wie die Armen lebten. Wir erleben Liebe und Krieg, Vertrauen und Verrat, Gebete und Kämpfe - die ganze Welt scheint sich auf diesen Seiten zu versammeln.

Zugegeben, es ist ein dickes Buch (über 700 Seiten), aber es lohnt sich. Wir begegnen sogar dem Heiligen Petrus und dem Heiligen Paulus; ersterer wird immer als erster Papst genannt. Wir sehen, wie seine Anhänger ihn sehen, ihn lieben und durch ihn Kraft finden. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum dieses Buch "Quo Vadis?" heißt?

Lygia ist eine junge griechische Sklavin, und der römische Patrizier Marcus verliebt sich in sie. Anfangs weiß er nicht, dass sie Christin ist, aber er versucht alle möglichen Tricks, um sie zu erobern. Daran hat sich nicht viel geändert, aber er hat andere Taktiken auf Lager. Er zieht seinen Onkel Gaius Petronius (eine der vielen realen historischen Figuren in diesem Roman) zu Hilfe.

Die Handlung ist nicht der atemberaubendste Teil des Romans, obwohl sie ziemlich gut ist. Aber der Schreibstil ist ebenso kraftvoll, die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben, ebenso wie die Szenen. Die sehr realistische Beschreibung jedes noch so kleinen Details lässt einen glauben, man wäre mitten im Buch, mittendrin im Geschehen.

Es überrascht mich nicht, dass der Autor den Nobelpreis erhalten hat, er war ein fantastischer Schriftsteller. Ich werde versuchen, mehr von seinen Büchern zu lesen, dieses hier war großartig.

Buchbeschreibung:

"Der römische Patrizier Vinicius liebt die Königstochter Lygia, die dem neuen christlichen Glauben anhängt. Ungeschickt umwirbt er sie, und sie gelangt an Neros Hof gerade in dem Moment, als der dekadente Kaiser Rom anzünden lässt. Die Tat lastet er den Christen an. Lygia und ihrem Diener, dem bärenstarken Ursus, droht der Tod bei blutigen Zirkusspielen. Doch Vinicius, mittlerweile ebenfalls Christ, setzt alles daran, seine Geliebte zu retten. - Gründlich im Detail und mit sprachlicher Wucht hat Sienkiewicz in 'Quo vadis?' eine Liebe im antiken Rom geschildert. Für seinen Roman erhielt er 1905 den Nobelpreis für Literatur."

Henryk Sienkiewicz erhielt 1905 den Nobelpreis für Literatur "auf Grund seiner großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 26. März 2026

Fo, Dario "Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu"

Fo, Dario "Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu" (Italienisch: Il Paese dei Mezaràt: I miei primi sette anni (e qualcuno in più)) - My first seven years (plus a few more) - 2004

Ich weiß, dass dies nicht zu den Büchern gehört, für die Dario Fo seinen Nobelpreis erhielt, denn er schrieb es erst sieben Jahre später.

Doch man kann an diesem Buch erkennen, wie sich der Schriftsteller Dario Fo vom kleinen Kind zum Nobelpreisträger entwickelte. Und er ist nicht nur ein berühmter Schriftsteller, sondern auch Schauspieler und Komiker. Und schon allein das Hören seiner Geschichten lässt einen glauben, dass er ein sehr guter Mensch ist. Er ist der kleine Junge, der immer alle zum Lachen bringt, besonders in den schweren Kriegszeiten.

Titel und Handlung des Buches stammen von einem Zitat von Bruno Bettelheim: "Ich bitte dich nur darum, mir die ersten sieben Jahre im Leben eines Mannes zu geben. Es ist alles da; den Rest kannst du behalten." (wobei ich das nirgendwo im Internet gefunden habe) Zum Glück geht Dario Fo hier etwas weiter, sodass wir auch einen Blick auf den italienischen Widerstand gegen den Faschismus werfen können.

Einige der Geschichten sind recht witzig, und das ganze Buch ist recht leicht zu lesen. Ich bin gespannt, mehr von diesem Autor zu lesen.

Ein Zitat, das mir besonders gut gefallen hat:
"Wenn ein Bauer stirbt, der das Land und die Geschichte der Menschen kennt, die es bearbeiten, wenn ein weiser Mann stirbt, der Mond und Sonne, Wind und Vogelflug zu lesen weiß, ... stirbt nicht nur ein Mann. Es stirbt eine ganze Bibliothek."

Buchbeschreibung:

"Der Nobelpreisträger Dario Fo, einer der bekanntesten und international erfolgreichsten Dramatiker, erinnert sich an seine Kindheit und Jugend. Mit einem scharfen Auge für die komischen Seiten des Lebens in allen Situationen beschreibt er sein Elternhaus am Ufer des Lago Maggiore, seine Begegnung mit der Malerei und der Literatur und erzählt von kleinen Schurkereien und großen Taten in bewegten Zeiten.

Das Leben schreibt noch immer die besten Geschichten. Und Dario Fo erzählt in komödiantischer Meisterschaft die skurrile Geschichte seines Lebens. Geboren zwischen Eisenbahnwaggons - sein Vater ist der geachtete Stationsvorsteher Felice - wächst er an den Ufern des Lago Maggiore auf. Ein zauberhafter Ort, der allerdings seinen Bewohnern harte körperliche Arbeit und Entbehrungen abverlangt. Das Leben in Armut und inmitten kleiner Gaunereien wird spätestens bei Kriegsausbruch zum Kampf ums Überleben. Zunächst aus der Perspektive des kleinen Jungen erzählt, der fest davon überzeugt ist, dass die Dächer in der nahe gelegenen Schweiz aus Schokolade sind, berichtet Fo über erste Begegnungen mit der Malerei und dem Volkstheater. Schon früh zeigt sich eine klare politische Haltung, die später im Widerstand gipfelt. Doch der Lebenskünstler Fo sieht immer auch die komische Seite, ob polnische und englische Kriegsgefangene ihrem Schicksal entkommen, weil sie in die Verkleidung einer Varietégruppe schlüpfen, oder ob er sich in einem Nonnenkloster vor der Einberufung versteckt.

Fos Autobiographie ist ein Muss für die Fans seiner Theaterstücke, doch auch alle anderen Leser werden sich dem Charme dieser italienischen Kindheit und Jugend nicht entziehen können."

Dario Fo "der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wiederaufrichtet" erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1997.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 17. Februar 2026

Golding, William "Herr der Fliegen"

Golding, William "Herr der Fliegen" (Englisch: Lord of the Flies) - 1954

Ein sehr verstörender dystopischer Roman, wahrscheinlich weil er Kinder betrifft und uns Menschen noch unmenschlicher erscheinen lässt als einige andere, die ich gelesen habe. (Meine Liste dystopischer Romane findet ihr hier und in englisch hier.)

Was bringt Menschen dazu, sich unmenschlich zu verhalten? In diesem Fall werden Kinder nach einem Flugzeugabsturz sich selbst überlassen. Schon zu Beginn ist klar, dass es zwei verschiedene Arten gibt: Die einen sehen das Endziel, sie wollen gerettet werden und dafür arbeiten, die anderen wollen nur sofortige Befriedigung, d. h. Essen, und sind bereit, dafür zu kämpfen.

Ich kann verstehen, warum dieser Roman so erfolgreich ist. Es liegt nicht nur an der erzählten Geschichte, sondern auch an den dahinterliegenden verborgenen Bedeutungen. Überall finden sich Hinweise. Der Junge mit der Brille (Piggy) zum Beispiel repräsentiert die erste Gruppe, die rational Denkenden.

Wie in den meisten anderen dystopischen Romanen ist der Hintergrund des Romans leicht zu erkennen. 1954, der Zweite Weltkrieg war seit fast einem Jahrzehnt zu Ende. Waren die Menschen wieder menschlich und behandelten sich entsprechend? Ich glaube nicht, dass William Golding das so sah. Im Gegenteil, er befürchtete, dass sich die Hölle, die alle gerade durchlebt hatten, wiederholen könnte. Er hatte selbst in der Marine gekämpft und hatte daher sicherlich viele schlechte Erinnerungen. Er hatte gesehen, dass Menschen nicht zur Friedfertigkeit geboren sind, dass die Zivilisation nur ein schmaler Grat ist, von dem man jeden Moment abfallen kann.

Das ist der Hauptgrund, warum ich dystopische Romane liebe: Sie sind eine andere Art, mit Geschichte umzugehen und zu versuchen, ihre Wiederholung zu vermeiden. Es ist eine weitere Hoffnung, dass es eines Tages eine friedliche Zeit geben könnte.

Ein großartiges Buch, das auf jeder Leseliste stehen sollte.

Buchbeschreibung:

"Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Ralph läßt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der auch Mord nicht ausschließt. Das Beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, daß diese Jungen keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Jungenklasse der Welt zu finden."

William Golding erhielt den Nobelpreis für Literatur 1983 "für seine Romane, die mit der Anschaulichkeit realistischer Erzählkunst und der vieldeutigen Allgemeingültigkeit des Mythos menschliche Bedingungen in der heutigen Welt beleuchten".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 16. Februar 2026

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar"

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar" (Norwegisch: Absalons Haar) - Absalom's Hair - 1894

Ich lese ja immer mal wieder gerne Bücher von Nobelpreisträgern. Als ich auf diesen Roman stieß, musste ich ihn daher begutachten. Es handelt sich hier um eine Novelle, also nicht sehr lang. Etwas mehr Handlung hätte der Erzählung sicher nicht geschadet. Ich war nicht sonderlich begeistert. Die Geschichte hüpfte hin und her, die Protagonisten hatten nichts an sich, was einen faszinieren konnte. Es ist eben ein sehr altes Buch, das die Zeichen der Zeit nicht überstanden hat.

Und wenn es als Satire gedacht war, hätte ich etwas Humor etwartet.

Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (Ja, wir lieben dieses Land)

Da auf meiner Ausgabe nur steht, dass der Verlag "zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur" gedruckt wurde, ich auch keine deutsche Buchbeschreibung finden konnte  und auch der englische Klappentext nicht viel hergab (siehe mein englischer Eintrag), habe ich mal KI befragt. Das war gar nicht mal so schlecht:

"Absaloms Haar von Bjørnstjerne Bjørnson ist eine satirische Erzählung, die Eitelkeit, Selbstüberschätzung und menschliche Natur thematisiert. Die Geschichte nutzt das biblische Motiv von Absalom, dessen üppiges Haar symbolisch für Hochmut steht, um eine allegorische Erzählung über die Gefahren übermäßigen Stolzes zu verweben. 

Inhaltliche Schwerpunkte: Die Erzählung behandelt die Obsession einer Figur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und die daraus resultierenden Konsequenzen, ähnlich dem biblischen Absalom, der durch sein Haar zu Fall kam.

Charakter: Absalom wird als gutaussehend, aber ehrgeizig dargestellt, wobei sein Haar als Symbol für Eitelkeit dient.

Es handelt sich um eine psychologische Charakterstudie, die oft als Allegorie interpretiert wird."

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als einen Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Die Stadt der Blinden"

 
Saramago, José "Die Stadt der Blinden" (Portugiesisch: O Ensaio sobre a Cegueira) - Blindness - 1995

Dies ist mein zweites Buch dieses wunderbaren Autors. Genau wie "Kain" (Cain) ist auch dieses Buch absolut fesselnd.

Wir erfahren nichts über die Stadt oder gar das Land, in dem es spielt. Es handelt sich jedoch um einen dystopischen Roman, und dies könnten überall stattfinden. Wir wissen nie, was passiert, wenn uns eine Katastrophe – oder in diesem Fall eine Epidemie – trifft (Merke, das Buch wurde vor Corona geschrieben).

In diesem Buch verlieren die Menschen den Verstand. Jeder erblindet nacheinander und hat Angst. Das heißt aber nicht, dass sie alle gleich reagieren. Es gibt diejenigen, die zusammenhalten und anderen helfen, und andere, die nach dem Motto "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" leben. Es wäre nicht einmal fair gegenüber den Tieren, zu behaupten, sie würden sich wie sie verhalten, denn Tiere nehmen sich zumindest nur, was sie brauchen.

Sowohl die Sätze als auch die Absätze in diesem Buch sind sehr lang, man findet kaum eine Stelle zum Anhalten. Aber das macht es noch fesselnder; man hat das Gefühl, im Buch gefangen zu sein, genau wie die Blinden in ihrem Schicksal gefangen sind. Eine gute Art, die Situation zu verdeutlichen.

Keine der Figuren hat einen Namen. Sie werden nur "der erste Blinde", "die Frau des Arztes" oder "das Mädchen mit der dunklen Brille" genannt. Das macht es uns wohl leichter, uns mit ihnen zu identifizieren. Jeder könnte einer der Jungs oder eines der Mädchen sein.

Er macht es uns definitiv leicht, uns vorzustellen, dass so etwas tatsächlich passieren könnte. Wir können versuchen, uns vorzustellen, wie es ist, wenn man erblindet. Und wir können mit den Menschen mitfühlen, die nicht nur erblinden, sondern auch ihr bisheriges Leben verlieren.

Ein großartiger Roman. Wie viele dystopische Bücher bietet er einen Einblick in die Menschlichkeit oder deren Fehlen.

Buchbeschreibung:

"Saramagos Antwort auf Die Pest von Albert Camus.

Ein Mann steht an einer Ampel. Von einer Sekunde auf die nächste, ohne erklärbaren Grund, erblindet er. Wie ihm ergeht es immer mehr Menschen in seiner Heimatstadt. Wie eine Seuche greift die Blindheit um sich. Die Regierenden wissen sich nicht anders zu helfen, als die Betroffenen in einer verlassenen Irrenanstalt einzuquartieren – unter der Bewachung von Soldaten, die auf jeden schießen, der fliehen will. Je mehr Blinde dort zusammengepfercht werden, desto schlimmer, desto unmenschlicher wird die Situation. Inmitten dieses grausamen Chaos befindet sich ein Augenarzt mit seiner Frau – die als Einzige noch sehen kann …"

Wir haben dieses Buch im April 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar macht" erhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar macht" erhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 13. Januar 2026

Mann, Thomas "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Mann, Thomas "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" - Confessions of Felix Krull - 1954

Thomas Mann, einer meiner Lieblingsschriftsteller, wurde 150, und da ich das Jahr nicht beenden wollte, ohne wenigstens einen neuen Roman von ihm zu lesen, ging ich auf die Suche. Ich hatte dieses Buch auf meinem SUB, also war die Entscheidung klar.

Ich muss gestehen, ich hatte keine Ahnung, dass dieses Buch unvollendet ist. Inzwischen weiß ich, dass Mann lange an diesem Buch gearbeitet hat und sicher immer wieder Notizen über die Handlung machte, aber nur den ersten Teil vollendete und dann vor der Erstellung des zweiten starb.

Schade, der Anfang ist schon mal gut. Der zweite Teil wäre bestimmt genauso hervorragend gewesen, wie alles von Thomas Mann.

Auf jeden Fall enthält das Buch viel Augenzwinkern. Und wenn auch Felix Krull es schafft, viele Menschen auszutricksen, kann man ihn nur ob seiner List bewundern.

Das Buch liest sich sehr gut, ich habe es wirklich genossen.

Buchbeschreibung:

"Thomas Manns charmanter Hochstapler hat die Leser im Sturm erobert: Felix Krull, der eine Schwäche für Luxus und Eleganz hat. In rasanter Geschwindigkeit steigt er in einem Pariser Grandhotel vom Liftboy zum Oberkellner auf und erobert vor allem die Herzen der weiblichen Gäste. Als er eines Tages den unglücklich verliebten Marquis de Venosta trifft und mit ihm die Rollen tauscht, scheint seinem Glück nichts mehr im Wege zu stehen. Er begibt sich auf eine Weltreise und beweist mehr als einmal, dass ihm in Sachen Schwindeleien und Irreführung, niemand so schnell das Wasser reichen kann … Eine humorvolle Hommage an den schönen Schein!"

Thomas Mann erhielt den Nobelpreis für Literatur 1929 "vornehmlich für seinen großen Roman 'Buddenbrooks', der im Laufe der Jahre eine immer mehr sich festigende Anerkennung als ein klassisches Werk der zeitgenössischen Literatur gewonnen hat".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Montag, 12. Januar 2026

Mo, Yan "Das rote Kornfeld"

Mo, Yan "Das rote Kornfeld" (Chinesisch: 红高粱家族 Hóng gāoliang jiāzú) - Red Sorghum. A Novel of China - 1987

Jedes Jahr warte ich gespannt auf die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers. Ich habe die brillantesten Schriftsteller unter ihnen entdeckt und entscheide mich immer für einen ihrer Romane. Bisher wurde ich nicht enttäuscht, und 2012 war keine Ausnahme.

Ich hatte noch nie von dem chinesischen Autor Mo Yan gehört und war überrascht, dass er die chinesische Antwort auf Franz Kafka oder Joseph Heller sei.

Die Geschichte spielt während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges zwischen 1937 und 1945, also ungefähr zu der Zeit, als sich die ganze Welt im Krieg befand. Der Erzähler berichtet die Geschichte seiner Vorfahren, hauptsächlich die seines Vaters, der damals ein Teenager war, sowie seines Großvaters und seiner Großmutter. Wie in den meisten Kriegsgeschichten ist das Buch von großer Brutalität geprägt, und der Autor beschreibt die Gräueltaten beider Seiten sehr anschaulich. Aber er spricht nicht nur über den Krieg, wir erfahren auch, wie die Menschen damals im Osten Chinas lebten.

"Rotes Sorghum", der Originaltitel des Buches, bedeutet den Chinesen so viel. Es ist nicht nur ein Nahrungsmittel, es repräsentiert ihr Land.

Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen. Der Schreibstil ist zwar stellenweise etwas verwirrend, aber dennoch sehr fesselnd; der Autor beschreibt die Welt mit seinen eigenen Worten. Ich habe mich schon immer sehr für China interessiert, angefangen mit den Büchern einer anderen Nobelpreisträgerin, Pearl S. Buck, die viel über China geschrieben hat. Mo Yan berichtet aus einer anderen Perspektive und aus einer anderen Zeit. Absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Die endlosen Felder sind der Glanz und der Reichtum des chinesischen Dorfes Gaomi. In mächtigen roten Wellen erstrecken sie sich bis zum Horizont. Rot sind auch die Vorhänge der Sänfte, in der die schöne Dai Fenglian zu ihrem zukünftigen Ehemann Shan getragen wird. Aber als der Sänftenträger Yu Zhan'ao und Dai Fenglian sich sehen, entbrennen sie in Liebe zueinander.

Als opulente Familiensaga zeichnet der Roman das Schicksal eines Dorfes vor dem Hintergrund des chinesisch-japanischen Krieges nach. Vierzig Jahre später erinnert sich der Enkel an den süßen Duft des frisch gebrannten Schnapses und an die vielen Geschichten und losen Scherze. Die Geister seiner Vorfahren fordern ihn auf, die Tradition des Dorfes und seiner Familie fortzuführen, Vergangenheit und Gegenwart zu versöhnen."

Mo Yan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2012 "weil er mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.