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Donnerstag, 6. August 2026

Wolf, Naomi "Der Mythos Schönheit"

Wolf, Naomi "Der Mythos Schönheit" (Englisch: The Beauty Myth: How Images of Beauty are used against Women) - 1990

Das nächste Buch, das im Emma Watson Lesekreis – Emma Watson Book Club - Our Shared Shelf – vorgestellt wird.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieses Buch so gut gefallen würde, wie es letztlich der Fall war. Ich hätte nicht erwartet, dass es sich als so aktuell erweisen würde. Schließlich wurde dieses Buch bereits 1990 verfasst und handelt davon, wie Frauen dem "Gott der Schönheit" "gehorchen". Wenn ich mich so umblicke, hat sich seither – obwohl mehr als drei Jahrzehnte vergangen sind – nichts geändert.

Was lässt sich dagegen tun? Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass dieses Buch von jedem gelesen werden sollte – nicht nur von Frauen. Es enthält so viele Ideen und Gedanken, die jeder Frau helfen sollten, mit ihrem eigenen Körper zufrieden zu sein, anstatt einem bloßen Fantasiebild hinterherzujagen.

Wir alle sollten uns bewusst machen, dass uns das Bild der "schönen Frau" von außen aufgezwungen wird; dass uns kaum jemand tatsächlich so beurteilt, wie wir es annehmen; und dass Frauen – wenn wir nur zusammenhalten – in der Arbeitswelt nicht anders betrachtet werden sollten als Männer.

Ich erinnere mich an die vielen Artikel, die ich über Angela Merkel – unsere damalige Bundeskanzlerin – und ihre Kleidung gelesen habe. Artikel, die über ihre männlichen Kollegen niemals verfasst worden wären. Und ich habe mich stets gefragt: Was hat das bitte mit ihrer Fähigkeit zu tun, ein Land zu regieren? Gar nichts. Sie kleidet sich anständig, und das genügt mir vollkommen. Und genau das sollte für jede berufstätige Frau – ganz gleich, in welchem ​​Bereich sie arbeitet – ebenfalls vollkommen ausreichen.

Ich hatte selbst nie größere Probleme mit meinem Aussehen. Ich würde mich zwar nicht als "hübsch" bezeichnen – und nach der Geburt zweier Kinder habe ich sicherlich auch keine "Topfigur" mehr –, doch ich habe mir stets gesagt: Wer mich so, wie ich bin, nicht mag, kann mir einfach aus dem Weg gehen. Ich weiß jedoch, wie viele Frauen tatsächlich unter solchen Problemen leiden; sie hangeln sich von einer Diät zur nächsten und fühlen sich anschließend oft noch schlechter als zuvor. Wenn sie doch nur alle dieses Buch lesen würden!

Dennoch habe ich aus diesem Buch einiges gelernt. Ich weiß nun zum Beispiel, warum ich Frauenzeitschriften nicht mag.

Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr dieses Buch sofort in die Hand drücken. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch meine Söhne es lesen sollten – damit sie ihren zukünftigen Partnerinnen später einmal eine Stütze sein können.

Buchbeschreibung:

"Die Hälfte aller Frauen im Westen glaubt, zu dick zu sein;, viele hungern sich dünn, Millionen leiden an Eßstörungen. Das Vergnügen an Sex und die Überzeugung, begehrenswert zu sein, sind bei Frauen in westlichen Gesellschaften empfindlich gestört. Die Ängste der Frauen schaffen Märkte für neue Industrien. Diätprodukte, immer neue Kosmetika und teure Schönheitschirurgie sind die kommerziellen Opfer, die wir dem Mythos Schönheit bringen."

Donnerstag, 30. Juli 2026

Pinkola Estés, Clarissa "Die Wolfsfrau"

Pinkola Estés, Clarissa "Die Wolfsfrau: Die Kraft der weiblichen Urinstinkte" (Englisch: Women Who Run With the Wolves: Myths and Stories of the Wild Woman Archetype) - 1992

Wieder mal ein Buch, das Emma Watson aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf" empfohlen hat. Meiner Meinung nach gab es in dieser Gruppe schon gute und schlechte Bücher. Dieses hier gehört zu den besseren. Dr. Pinkola Estés spricht über Mythen der Wilden Frau, erzählt Märchen, Sagen und alles, was mit selbstbewussten Frauen zu tun hat, die sich und ihre Kinder verteidigen, und erklärt die dahinterliegende Symbolik. Sehr interessant.

Die Autorin erklärt so viel über den Menschen, dass dieses Buch nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, die Frauen besser verstehen möchten, eine hervorragende Lektüre ist. Man merkt, dass es von einer Expertin geschrieben wurde, die sich bestens mit der menschlichen Psyche auskennt, sie lange studiert hat und stets versucht, jeden Aspekt jeder Geschichte zu beleuchten. Dr. Pinkola Estés ist Jungsche Analytikerin, und selbst wenn man noch nie von Jung gehört hat, erklärt sie alles so detailliert, dass jeder ihren Erzählungen und Analysen folgen kann.

Ich habe schon viele Märchen gelesen und einige Geschichten kannte ich bereits in ähnlicher Form. Doch jede Geschichte, die die Autorin nacherzählte, war für mich wie neu, so wie sie sie erklärte.

Ich habe mir dieses Buch aus der Bibliothek ausgeliehen, werde es mir aber kaufen, um es später noch einmal zu lesen. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein inspirierendes Buch, das uns viel über uns selbst lehrt.

Buchbeschreibung:

"Clarissa Pinkola Estes glaubt, dass eine Frau nur stark, gesund, kreativ und glücklich sein kann, wenn sie zu den Wurzeln ihrer instinktiven Natur zurückfindet - zur 'Wolfsfrau', der wilden, ungezähmten Urfrau in ihr.Rund zwanzig Mythen, Märchen und Geschichten aus den verschiedenen Kulturkreisen dieser Welt erzählt und analysiert die Autorin, damit Frauen wieder zu ihren instinkthaften Eigenschaften finden."

Dienstag, 28. Juli 2026

Plath, Sylvia "Die Glasglocke"

Plath, Sylvia "Die Glasglocke" (Englisch: The Bell Jar) - 1963

Was für eine interessante Lektüre! Ich bin keine große Lyrikleserin, daher kannte ich Sylvia Plath zwar, hatte aber noch nie etwas von ihr gelesen. Umso erfreuter war ich, als ein Mitglied unseres Lesekreises dieses Buch als nächstes vorschlug.

Und was für ein Buch! Ich finde, jeder, der Depressionen nicht als Krankheit ansieht und meint, man solle sich einfach "zusammenreißen", "sich mehr beschäftigen, damit man nicht so viel nachdenkt" usw., sollte dieses Buch lesen. Wobei ich bezweifle, dass das jemals passieren wird.

Sylvia Plath gelingt es, uns die Gedankenwelt eines jungen Mädchens zu zeigen, das von einer ganz normalen Schülerin, die Schriftstellerin werden will, zu einer von einer dunklen, quälenden Depression besessenen Person wird.

Man merkt, dass die Autorin aus eigener Erfahrung spricht. Sie litt selbst unter Depressionen und nahm sich schließlich das Leben. Man kann ihren Weg, ihre zermürbende Krankheit, ihre Kämpfe, ihre Tragödie wirklich nachvollziehen. Es tut mir leid, dass sie nur diesen einen Roman geschrieben hat; sie hätte der Welt so viel mehr geben können.

Wer sich für dieses Thema interessiert, selbst an Depressionen leidet oder jemanden kennt, der betroffen ist, sollte sich dieses Video der Weltgesundheitsorganisation anschauen. "Ich hatte einen schwarzen Hund, sein Name war Depression." (I had a black dog, his name was depression.) Und zögert nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wir haben dies im Januar 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Die Amerikanerin Sylvia Plath (1932–1963), 'die beste, aufregendste und maßgeblich rücksichtsloseste Dichterin ihrer Generation' (John Updike), hat mit ihrem einzigen Roman, der im Jahr ihres Selbstmordes erschien, ein Jahrhundertbuch geschrieben, das auch heute nichts von seiner beklemmenden Faszination verloren hat.

1963 Jahren erschien die amerikanische Erstausgabe der Glasglocke, Sylvia Plaths einzigem Roman – vier Wochen später nahm Plath sich das Leben. Ihr Roman avancierte bald zum Kult, beschrieb er doch wie kein Buch zuvor die Stimmungslage junger Frauen, ihre Zerrissenheit angesichts gesellschaftlicher Anforderungen. 'Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wusste, was ich in New York eigentlich wollte': Die neunzehnjährige Esther gewinnt eine vierwöchige Hospitanz bei einem Modemagazin in New York, garniert mit Partyeinladungen und Werbegeschenken. Doch Esther, bisher strebsame Studentin, kann sich weder in den Arbeitsalltag so recht einfinden noch die Verlockungen der Stadt genießen. Sie fühlt sich, als lebte sie unter einer Glasglocke, die sie mehr und mehr von allem trennt …"

1982 gewann Sylvia Plath posthum den Pulitzer-Preis für "Die gesammelten Gedichte".

Mittwoch, 22. Juli 2026

Hennig, Bettina "Der frühe Vogel kann mich mal!"

Hennig, Bettina "Der frühe Vogel kann mich mal! Ein Lob der Langschläfer" [The early bird can go to hell! A Praise of the Late Risers] - 2011

Um gleich die erste Frage auf dem Klappentext zu beantworten: Ja, ich bin eine absolute Eule. Vor ein/zwei Uhr nachts schlafe ich nicht ein. Mit dem Ergebnis, dass ich dann eben nicht morgens um sechs Uhr aus dem Bett springen kann. War immer ein großes Problem, aber jetzt sind wir ja in Rente und ich kann machen was ich will. Tue ich auch. Früh aufstehen geht nur, wenn ich einen dringenden Termin habe. Aber auch da versuche ich immer, die so spät wie möglich zu legen.

Bettina Hennig hat jede Menge Untersuchungen angestellt oder auch nachgelesen, warum das ist. Nein, Eulen sind nicht faul, sie sind nur zu einer anderen Zeit munter. Sie können bis spät in die Nacht hinein arbeiten, wenn die Lerchen längst im Bett liegen. Aber die müssen sich dann von uns nicht anhören, wie schlimm das ist.

So schreibt sie z.B.

"Langschläfer haben es in einer von Frühaufstehern dominierten Welt oft schwer. Ihr biologischer Rhythmus (Chronotyp) ist genetisch festgelegt, weshalb sie späterMmelatonin ausschütten und morgens schwerer in die Gänge kommen. Die sogenannte "Diktatur des frühen Vogels" führt im Alltag zu diversen Herausforderungen."

Stimmt. Und wer das nicht einsehen kann, sollte unbedingt dieses Buch lesen.

Im ganzen Buch geht es darum, wie wenig kompatibel Frühaufsteher und Langschläfer sind und wie letzteren die Lebensweise ersterer aufgedrückt wird. Wie schlecht es für Schüler bestellt ist, die gerade im Teenager-Alter erst gegen Mittag so richtig wach sind und die dann zwecks schlechterer Konzentration nicht so gut sind wie diejenigen, die morgens schnell aus dem Bett springen können.

Auf jeden Fall ist klar, wir haben nur andere Arbeitszeiten, Wachzeiten. Das macht uns nicht besser oder schlechter, auch wenn viele Lerchen das gerne glauben wollen.

Ich wollte, ich hätte das Buch früher gelesen, dann wäre ich nie ins Büro gegangen. Wobei das heute mit Arbeit von zu Hause auch einfacher ist als zu meiner Zeit.

So oder so, das Buch ist hochinteressant. 

Buchbeschreibung:

"Drehen Sie sich morgens gern noch mal im Bett um, statt jauchzend unter die Dusche zu springen? Laufen Sie erst nachmittags zur Höchstform auf? Dann gehören Sie zu den 'Eulen' – den Langschläfern, die seit jeher von den frühaktiven 'Lerchen' tyrannisiert werden: mit morgendlichen Sprech- und Arbeitszeiten, grausam-fröhlichen Frühstückssendungen und Prüfungen in aller Herrgottsfrüh. Es reicht! Bettina Hennig zeigt, warum Eulen die besseren und netteren, da ausgeschlafeneren Menschen sind und man so lange im Bett bleiben sollte, wie man will!"

Samstag, 18. Juli 2026

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (Englisch: 21 Lessons for the 21st Century) - 2018

Eine brillante Fortsetzung von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens) und "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus). Dies ist ein weiteres Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Der Autor zeigt uns auf, was die Zukunft für uns bereithalten könnte und wie wir uns darauf vorbereiten sollten. Dabei geht es mir nicht um die Angst vor Kriegen oder Naturkatastrophen infolge des Klimawandels, sondern um den Alltag. Was sollten wir studieren oder lernen, um einen vernünftigen Job zu bekommen? Und noch wichtiger: Was sollten unsere Kinder lernen, um im Leben zu bestehen? Meine Eltern und Großeltern verließen die Schule mit 14 oder 15 Jahren, absolvierten eine Ausbildung, und viele von ihnen arbeiteten ihr Leben lang im selben Unternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung konnten sie das Gelernte jahrzehntelang anwenden, ohne sich neues Wissen aneignen zu müssen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das galt weder für meine Generation noch für die heutige Generation, und es wird ganz sicher auch nicht für die übernächste Generation gelten.

Wir brauchen also kluge Köpfe wie Yuval Harari, die uns sagen, was geschehen könnte und was wir tun können, um keine Angst vor der Zukunft zu haben. Genau das tut er. Seine Empfehlungen sind sinnvoll und fundiert; er erläutert jede seiner Aussagen ausführlich. Was noch besser ist: Er erklärt die Dinge so verständlich, dass auch Menschen ohne großes wissenschaftliches Vorwissen (wie ich) seinen Ausführungen folgen können, sei es zu Themen wie Politik, Weltwirtschaft oder anderen Bereichen, die uns betreffen und unser Leben beeinflussen.

Ich kann dieses Buch sowie seine anderen Werke wärmstens empfehlen. Sie sind einfach fantastisch. Ich hoffe, er schreibt noch mehr davon.

Buchbeschreibung:

"Yuval Noah Harari ist der Weltstar unter den Historikern. In 'Eine kurze Geschichte der Menschheit"'erzählte er vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt. In 'Homo Deus' ging es um die Zukunft unserer Spezies. Sein neues Buch schaut auf das Hier und Jetzt und konfrontiert uns mit den drängenden Fragen unserer Zeit.

Wie unterscheiden wir Wahrheit und Fiktion im Zeitalter der Fake News? Was sollen wir unseren Kindern beibringen? Wie können wir in unserer unübersichtlichen Welt moralisch handeln? Wie bewahren wir Freiheit und Gleichheit im 21. Jahrhundert?

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit über den Fragen gebrütet, wer wir sind und was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Doch jetzt setzen uns die heraufziehende ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Bald schon wird irgendjemand darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten.

Dieses Buch will möglichst viele Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen, damit die Antworten nicht von den blinden Kräften des Marktes gegeben werden."

Montag, 9. Februar 2026

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden"

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden" (Englisch: We need to talk about Kevin) - 2003

Was geht einem Massenmörder durch den Kopf? Was geht seiner Mutter durch den Kopf? Dieses Buch versucht, diese Frage zu beantworten.

Eva schreibt Briefe. Briefe, in denen sie ihrem Mann erklärt, warum sie nie eine enge Bindung zu ihrem Sohn aufgebaut hat. Eine interessante Herangehensweise an das Problem.

Da ich selbst Mutter zweier Söhne bin, fiel mir die Lektüre dieses Buches sehr schwer, und dennoch konnte ich es nicht weglegen. Ich persönlich habe noch nie ein solches Kind getroffen. Ich kann es kaum glauben. Und wenn es ihn wirklich gab, warum bekam sie dann überhaupt keine Hilfe, warum bemerkte niemand, dass sie es nicht alleine schaffte?

Die Ehe der beiden schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und wir alle wissen, dass es die schlechteste Idee ist, in einer solchen Situation ein Kind zu bekommen. Ein Kind, jedes Kind, wird das Leben seiner Eltern verändern, und sie müssen zusammenhalten, um das durchzustehen. Selbst ein unkompliziertes Kind hat schlaflose Nächte, selbst das langsamste Kind versucht, seine Eltern zu "erziehen", und wenn man keine gemeinsamen Regeln aufstellt, merkt das Kind das sofort und spielt die beiden gegeneinander aus.

Ich glaube nicht, dass Eva Schuld daran hat, dass ihr Sohn so geworden ist, wie er geworden ist. Ich glaube auch nicht, dass der Vater Schuld hat, aber mit etwas mehr Verständnis wäre es vielleicht anders gekommen. Natürlich sieht er es wahrscheinlich ganz anders, und wir würden mehr erfahren, wenn er auch seinen Teil der Geschichte hätte erzählen können.

Wie dem auch sei, Lionel Shriver hat es geschafft, sowohl der Mutter als auch dem Sohn unter die Haut zu gehen. Ich kann nicht glauben, dass sie selbst keine Kinder hat, sie hat alles so gut beschrieben.

Obwohl das Buch selbst schon ein Schock war, ist das Ende noch schockierender. Ich will hier nichts verraten für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber ich hätte nicht gedacht, dass das passieren würde. Und trotz allem, was passiert ist, stimmt es sehr hoffnungsvoll, dass Eva Kevin im Gefängnis besucht und sich sogar wünscht, dass er nach Verbüßung seiner Strafe zu ihr zurückkommt.

Ein Buch, das jeder lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Evas Sohn Kevin hat eine furchtbare Gewalttat begangen: In der Schule hat er mehrere Menschen getötet. Von allen verurteilt und von jetzt an auf sich selbst gestellt, findet Eva den Mut, sich in aller Offenheit den quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Hätte sie ihre Ehe retten können? Stilistisch brillant und mit erschütternder Klarheit lotet dieser Roman die Tiefen und Untiefen der modernen Gesellschaft aus. Lionel Shriver erzählt aus der Sicht einer Mutter, die sich auf schmerzhafte und ehrliche Weise mit Schuld und Verantwortung auseinandersetzt."

Donnerstag, 18. September 2025

Dorrestein, Renate "Ein Herz von Stein"

Dorrestein, Renate "Ein Herz von Stein" (Niederländisch: Een hart van steen) - A Heart of Stone - 1998

Ellen erzählt die Geschichte ihrer Familie. Sie wächst als eines von fünf Kindern auf und kauft mit Ende dreißig und selbst schwanger das Haus ihrer Eltern. Anhand alter Familienalben versucht sie, die Tragödie zu verstehen, die ihrer Familie vor Jahren widerfahren ist.

Eine sehr interessante Geschichte über Erinnerung und Verständnis - ein Psychothriller. Renate Dorrestein ist in den Niederlanden recht bekannt. Und zum Glück wurden einige ihrer Bücher auch ins Deutsche übersetzt. Sie wurde mehrfach für renommierte niederländische Literaturpreise nominiert. Das überrascht mich nicht.

Ich habe es im niederländischen Original gelesen.

Buchbeschreibung:

"Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung Ellen ist siebenunddreißig und schwanger, als sie kurz entschlossen das leer stehende Haus ihrer Eltern kauft. Damit tastet sie sich zum ersten Mal an die Bruchstücke ihrer schmerzhaften Kindheitserinnerungen heran. Anhand eines Fotoalbums versucht sie zu verstehen, wie der so glückliche Familienalltag in einer Tragödie enden konnte. Drei Geschwister und Ellens Eltern wurden dabei getötet. Warum hat gerade sie überlebt? Und kann es hinter der tiefen Trauer und Verzweiflung irgendwann eine Form von Vergebung geben?

Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung erzählt Renate Dorrestein von einer Frau, die nach langer Zeit die Kraft findet, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
"

Mittwoch, 30. Juli 2025

Johnson, Dr. Spencer "Die Mäuse-Strategie für Manager"

Johnson, Dr. Spencer "Die Mäuse-Strategie für Manager: Veränderungen erfolgreich begegnen" (Englisch: Who moved my cheese?) - 1998

Ich habe dieses Buch vor Ewigkeiten gelesen und fand es sehr gut. Es ist eine Parabel über zwei Mäuse und zwei Männer, die in einem Labyrinth leben. Sie alle wollen den Käse, aber jeder geht die Aufgabe anders an. Wir können aus ihren Fehlern lernen und erkennen, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben. Und flexibel zu sein, das ist sehr wichtig!

Ich würde nicht sagen, dass es mir geholfen hat, mich zu organisieren, aber ich habe viel darüber nachgedacht, wer ich sein würde, wer andere sein würden usw. Es gibt auch eine Kinderversion. Mein Sohn (der damals viel jünger war) hat sie sich aus der Bibliothek ausgeliehen. Sie ist einfacher und mit Bildern, aber das gleiche Konzept und ganz nett für Kinder gemacht.

Buchbeschreibung:

"Die Lektüre der Mäusestrategie für Manager hat das Leben von Millionen Menschen verändert. US-Erfolgsautor Spencer Johnson zeigt darin in einfachen und einprägsamen Bildern, wie man Veränderungen im Leben erfolgreich begegnet und sie sogar als Chance begreift. Die Parabel von den Mäusen und ihrer Suche nach dem Käse lehrt, mutig und gelassen auf Veränderungen zu reagieren."

Freitag, 6. Juni 2025

Guterson, David "Der Andere"

 
Guterson, David "Der Andere" (Englisch: The Other) - 2008

Die Geschichte des Prinzen und des Bettelknabens, die Geschichte zweier Jungen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen, und was ihnen in ihrem Leben widerfährt: dem wohlhabenden, elitären John und dem Arbeitersohn Neil.

Ein weiteres sehr interessantes Buch von David Guterson nach "Schnee, der auf Zedern fällt" (Snow Falling on Cedars) und "Östlich der Berge" (East of the Mountains).  Großartig geschrieben, ein weiterer, fast philosophischer Versuch zu erklären, wie unsere Vergangenheit unsere Zukunft prägen kann, unsere Gegenwart sie aber noch stärker prägt. Fantastisch.

Ich freue mich schon auf seine nächste Geschichte, es ist schon eine Weile her.

Buchbeschreibung:

"Vom Autor des Bestsellers Schnee, der auf Zedern fällt ein brillanter Roman über Freundschaft, über Jugend und Idealismus und die Kompromisse, die das Leben jedem abverlangt. Als Jugendliche eint sie die Sehnsucht nach einem freien Leben in den riesigen Wäldern des amerikanischen Nordwestens, als Erwachsene trennen sie unterschiedliche Lebensentwürfe. Während Neil den amerikanischen Traum von Haus, Familie, Job lebt, kehrt John William der Gesellschaft den Rücken und sucht ein freies Leben in der Wildnis. Dabei zieht er Neil, auf dessen Unterstützung er angewiesen ist, in ein Gespinst aus Lügen und Geheimnissen. Seattle 1972: Bei einem 800-Meter-Lauf treffen sich Neil und John William zum ersten Mal, zwei Teenager aus ganz unterschiedlichen Familien, und es beginnt eine außerordentliche Freundschaft. Während Neil eine Universitätskarriere anstrebt, schlägt der sensible und hochintelligente John radikale Wege ein: Er geht in die Wälder und bricht alle Kontakte ab - für ihn der einzige Weg, ein authentisches Leben zu führen. Aber er braucht Neil, um seinen Traum zu leben, der bald schon zum Alptraum wird - für beide Freunde."

Montag, 5. Mai 2025

Sartre, Jean-Paul "Der Ekel"

Sartre, Jean-Paul "Der Ekel" (Französisch: La nausée) - Nausea - 1938

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen online Lesekreis im April 2025 besprochen.

Ein interessantes Buch. Ja, es führt uns in den Existentialismus ein. Es gibt uns Denkanstöße für unser Leben. Aber es ist kein richtiger Roman, es passiert nicht viel. Am Anfang war ich ziemlich gelangweilt. Es nimmt etwas Fahrt auf, aber es packt einen nicht.

Ich habe gehört, Sartre werde mit Camus verglichen. Ich liebe Camus. Sartre kommt nicht so gut rüber, die Geschichte ist keine richtige Geschichte. Man weiß nicht, wohin sie führt. Sein Schreibstil hat keinen Fluss.

Am Anfang, als der Protagonist über seine Übelkeit spricht, erinnerte mich das an Depressionen, den großen schwarzen Hund, wie man es auch nennt. Ich dachte, es könnte in diese Richtung gehen. Aber das tat es nicht.

Alles in allem kein spannendes Buch. Ich hätte mehr erwartet. Vielleicht habe ich es zu spät gelesen.

Kommentare anderer Mitglieder:

"Es wurde sehr treffend mit dem lustigen finnischen Wort 'pitkäpiimäinen' beschrieben – wie gummiartige, saure Milch, langatmig, langweilig.

Wir fanden es war eher ein komplettes Philosophielehrbuch wie eine Geschichte.

Es war eine sehr beunruhigende Geschichte über einen depressiven und einsamen Menschen.

Sie erinnerte uns an viele ähnliche Geschichten, die wir im Laufe der Jahre über Einsamkeit und psychische Erkrankungen gelesen haben, zum Beispiel: Der Steppenwolf, Der Fremde und viele weitere, alle mit ihren eigenen Variationen zu diesem Thema."

Buchbeschreibung:

"Für Antoine Roquentin, Einzelgänger und Außenseiter in einer Provinzstadt, verliert das Leben plötzlich seine Selbstverständlichkeit. Unnachsichtig um Selbsterforschung bemüht, versucht er seinem immer stärkeren Ekel vor Dingen und Menschen auf den Grund zu gehen. Die Erfahrungen, Empfindungen und Visionen des Helden dieses ersten und bedeutendsten Romans des Existentialismus gaben Anstöße zu einer neuen Lebensphilosophie, die bis heute nichts von ihrer Brisanz eingebüßt hat."

Jean-Paul Sartre erhielt den Nobelpreis für Literatur 1964 "in Anerkennung seines schöpferischen schriftstellerischen Schaffens, dessen freiheitlicher Geist und dessen Suche nach Wahrheit einen weitreichenden Einfluss auf unser Zeitalter ausgeübt hat". Der Preis wurde ihm verliehen, obwohl er ihn abgelehnt hat.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 17. April 2025

Mandino, Og "Der beste Verkäufer der Welt"

Mandino, Og "Der beste Verkäufer der Welt: Die Erfolgsgeschichte des Kaufmanns Hafid" (Englisch: The Greatest Salesman In The World) - 1968

Eine Freundin hat mir dieses Buch geliehen und gesagt, es sei ein großartiges Buch, das unser Leben verändern könne.

Nun, es war nicht schlecht, aber es war auch nicht eines der großartigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Mir gefielen die Bezüge zur Bibel und die Botschaft, aber ich glaube nicht, dass es mein Leben verändert hat.

Buchbeschreibung:

"10 Stufen zu mehr persönlichem und beruflichem Erfolg!

Superbestseller 'Der beste Verkäufer der Welt' - ein echter Verkaufshit! Hier ist eines der am besten anregenden, motivierenden und inspirierenden Bücher aller Zeiten.

Über 50 Millionen Bücher von Og Mandino wurden bereits verkauft und in mehr als 25 Sprachen übersetzt. 'Der beste Verkäufer der Welt - ist eine hervorragende Verkaufsanleitung, die sowohl für Anfänger als auch für die erfahrenen Verkäufer nützlich und interessant sein wird! Interessanter Inhalt, einfache Sprache und erstaunlich aktuelle Informationen – das ist, was dieses Buch so populär gemacht hat. Og Mandino – eine außergewöhnliche Persönlichkeit, ein begabter Verkäufer, einer der meist gelesenen Autoren der Welt. Er hat Millionen von Menschen geholfen, an die eigenen Kräfte zu glauben, hat gelehrt, wie man Schwierigkeiten überwindet, zum Erfolg kommt und Wohlstand erreicht. Hören Sie zu und entwickeln sich!

Og Mandino erzählt die Geschichte von Hafid, einem armen Kamelhirten, der zu Reichtum und Wohlstand gelangt. Das Buch dient als Anleitung zu einer Philosophie des Verkaufens und des Erfolgs.

Das Werk ist in 10 sog. Schriftrollen unterteilt, die von Hafid, der Hauptfigur des Buchs gelesen werden.

Jede Schriftrolle ist so geschrieben, dass alle Tipps leicht verinnerlicht werden können, wenn die Schriftrolle nur oft genug gelesen wird. Die Schriftrollen enden immer mit den wichtigsten Hinweisen, wie zum Beispiel 'I will win. I will persist. I will win.' (zu Deutsch 'Ich werde gewinnen. Ich werde ausharren. Ich werde gewinnen.').

In den Schriftrollen finden sich nicht nur Tipps zum Verkauf. Mandino gibt hier Weisheiten weiter, die jeder – egal ob Verkäufer oder nicht – im eigenen Leben verwenden kann und sollte."

Dienstag, 15. April 2025

Green, Hannah "Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen"

Green, Hannah (Joanne Greenberg) "Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen" (Englisch: I Never Promised you a Rose Garden) - 1964

Joanne Greenberg hat diesen halb-autobiografischen Roman unter dem Pseudonym Hannah Green geschrieben.

Was für ein faszinierendes Buch. Ein Teenager, der an Schizophrenie leidet. Was geht in so einer Person vor?

Hannah Green versucht, diese psychische Krankheit aus der Sicht verschiedener Menschen zu erklären, vor allem der Betroffenen selbst, ihrer Zeit vor, im und nach dem Krankenhaus, ihrer Eltern, Familie, Freunde, Ärzte, Therapeuten.

Ich denke, dieses Buch ist für jeden hilfreich, der psychische Krankheiten verstehen möchte und was sie für alle Beteiligten bedeuten können.

Buchbeschreibung:

"Die Flucht vor der Realität, vor Krankheit und familiärer Isolation endet für die sechzehnjährige Deborah in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Befund: Schizophrenie. Unter dem Pseudonym Hannah Green schildert die Autorin in diesem ermutigenden autobiographischen Roman den mühsamen Kampf des Mädchens um ihre Heilung. Sie gewährt einen Blick in die Alptraumwelt psychotischen Fühlens, in die fragmentarischen Beziehungen, aber auch in die Solidarität unter den Kranken. Sicher wägt sie die Argumente für ein Leben in unserer unvollkommenen Realität ab gegen die Argumente für einen Rückzug in die Sicherheit der Krankheit. Die Heilung schließlich ist überzeugend. Mit ihr wird die Krankheit nicht zu einem Stück abgelehnter Vergangenheit, sondern nachträglich akzeptierter persönlicher Geschichte. Deborah ist gesund, als sie wieder bereit ist, den Herausforderungen der Realität standzuhalten."

Samstag, 12. April 2025

Guterson, David "Östlich der Berge"

Guterson, David "Östlich der Berge" (Englisch: East of the Mountains) - 1999

Mein erster Guterson. NICHT mein letzter. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber das steht auf der Buchbeschreibung. Was tut ein Chirurg, der an einer unheilbaren Krankheit leidet und weiß, was ihm bevorsteht? Dr. Ben Givens beschließt, sein Leben dort zu beenden, wo es beginnt, und er geht vom Staat Washington zurück in den Osten in die Berge seiner Kindheit.

Eine wunderbare Geschichte, eigentlich ziemlich philosophisch. Ich liebe Gutersons Stil, seine Schreibweise ist sehr bezeichnend, er will nicht unbedingt immer gefallen, aber das ist das Schöne daran. Mit diesem Buch hat es David Guterson definitiv auf meine Liste der Lieblingsautoren geschafft.

Seitdem habe ich etliche andere Bücher von ihm gelesen, alle mit einem völlig anderen Thema und genauso großartig wie dieses.

Buchbeschreibung:

"Ben Givens, pensionierter Herzchirurg aus Seattle, ist an Krebs erkrankt. Allein fährt er in die Wälder des östlichen Washington an der Pazifikküste. Dort, in der vertrauten Landschaft seiner Kindheit, will er ein letztes Mal auf die Jagd gehen – und sich in der Einsamkeit der Natur das Leben nehmen. Unterwegs lenken ihn jedoch unvorhergesehene Geschehnisse und Begegnungen ab. Ben wird in eine ganz andere Reise als die eigentlich geplante hineingezogen – eine Reise, die ihn seine Lebenslust wiederentdecken lässt."

Mittwoch, 12. März 2025

Haddon, Mark "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone"

Haddon, Mark "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" (Englisch: The Curious Incident of the Dog in the Night-time) - 2003

Dies war eines unserer meistdiskutierten Bücher – wegen seines Inhalts. Wir waren uns alle einig, dass uns das Buch gefiel, es war gut geschrieben, die Stiltechnik war sehr gut, man konnte wirklich mit ihnen mitfühlen, verstand das Problem jetzt, einige vergossen am Ende eine Träne. Der Autor versucht, diese autistische Figur/das autistische Gefühl hervorzuheben und schafft das sehr gut. Das Buch war sehr diskret geschrieben, man konnte merken, dass er mit Kindern arbeitete.

Man hätte meinen können, Mark Haddon hätte selbst das Syndrom. Jemand hat es zweimal gelesen und andere Dinge bemerkt als beim ersten Mal.

Wir bewunderten auch die Fähigkeit der Briten, diese Familien zu nehmen und in die richtige Perspektive zu rücken, eine dysfunktionale Familie manchmal lustig erscheinen zu lassen und sie so "normal" aussehen zu lassen. Der Autor machte es mit seiner komischen Seite leichter, über diese Probleme zu lesen.

Es war interessant, dies mit Leuten zu diskutieren, die die Situation von so vielen verschiedenen Ebenen aus betrachteten, Mitgliedern mit oder ohne Erfahrung mit Autismus, Sozialarbeitern, Krankenschwestern und Mitgliedern, die nie mit Kindern gearbeitet hatten. Eines unserer Mitglieder hat frühkindliche Bildung studiert und konnte uns viel erklären.

Einige von uns waren überrascht, dass es uns gefiel, weil wir das nicht erwartet hatten. Jemand sagte, sie sei nicht darauf vorbereitet gewesen, dass es ihr gefallen würde. Aber uns allen hat es gefallen.

Wir waren uns einig, dass jedes Kind einzigartig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Es ist bereichernd, wenn sie einem vertrauen, und so beunruhigend, wenn sie einem nicht nahe kommen können. Wenn es eine Lösung zur Heilung von Autismus gäbe, sollten wir sie nutzen? Diese Menschen sehen die Welt mit anderen Augen und können viel beitragen, wenn wir sie lassen.

Wir haben dies im Mai 2008 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

From the back cover:
 
"Christopher Boone ist fünfzehn Jahre, drei Monate und zwei Tage alt. Er kennt alle Länder und deren Hauptstädte sowie sämtliche Primzahlen bis 7507. Er liebt die Farbe Rot, hasst hingegen Gelb und Braun. Unordnung, Überraschungen und fremde Menschen versetzen ihn in Panik, denn Christopher leidet an einer leichten Form von Autismus. Als aber der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird, beginnt Christopher, aus seiner fest gefügten, kleinen Welt auszubrechen: Mutig stellt er den schändlichen Verbrecher und erfährt außerdem, was es heißt, in der Welt der Erwachsenen zu leben …"

Freitag, 28. Februar 2025

Pollock, David C. & Van Reken, Ruth "Third Culture Kids"

Pollock, David C. & Van Reken, Ruth "Third Culture Kids. Aufwachsen in mehrere Kulturen" (Englisch: Third Culture Kids: The Experience of Growing Up Among Worlds) - 2001

"In dieser Veröffentlichung erforschen die Autoren die Erfahrungen derjenigen, die als 'Third Culture Kids' (TCKs) bekannt geworden sind – Kinder, die im Ausland aufwachsen oder einen erheblichen Teil ihrer Kindheit dort verbringen."

Dies ist das richtige Buch für alle, die mit ihren Kindern nur ein paar Jahre im Ausland gelebt haben oder in verschiedenen Ländern oder in einem anderen Land als ihre Eltern aufgewachsen sind. Die Autoren untersuchen die Auswirkungen auf Kinder, die von ihrem Heimatland (1. Kultur) in ein anderes Land (2. Kultur) ziehen und eine 3. Kultur hervorbringen. Sie betrachten die Herausforderungen sowohl des Übergangs in die neue Kultur als auch der Rückkehr in die alte. Wir fanden das Buch aufschlussreich und hilfreich, und es gab einige praktische Ratschläge, wie man mit einigen der Herausforderungen umgehen kann.

Alles in diesem Buch trifft auf die Kinder unserer internationalen Lesekreismitglieder zu. Vielleicht ist der Kulturschock nicht so groß, als wenn sie von Asien oder Afrika nach Europa oder Amerika ziehen würden. Oder ist er größer, weil man keinen großen Unterschied zwischen beispielsweise Deutschland und England oder England und den Niederlanden erwartet? Wir waren uns einig, dass unsere Kinder definitiv unabhängiger und besser für ein Leben auf eigene Faust gerüstet sind.

Wir haben dies im September 2007 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbesprechung:

"Ob in der Auslands-Niederlassung einer Firma, einer Missionsstation oder einer diplomatischen Vertretung – jährlich steigt die Zahl der Kinder, die in unterschiedlichen Kulturkreisen aufwachsen. Authentisch und sorgfältig recherchiert beschreibt dieses Buch, was das Leben dieser sogenannten 'Third Culture Kids' ausmacht, welchen besonderen Problemen sie begegnen und welche speziellen Chancen sich ihnen eröffnen. Denn unmittelbarer als ihre Altersgenossen lernen diese Kinder sowohl die Freuden des Entdeckens als auch die Erfahrungen schmerzhaften Verlustes kennen. Es gelten andere Gesetze für ihren Reifungsprozess, sie gehen andere Wege auf der Suche nach ihrer Identität und sie sind herausgefordert, jenseits aller Ortswechsel eine Heimat zu finden. In Interviews, Gedichten und Berichten lassen Pollock und Van Reken die TCKs zu Wort kommen. Aus ihren Zeugnissen arbeiten sie die charakterlichen und emotionalen Grundstrukturen heraus, die Kinder mit diesem Hintergrund in der Mehrzahl entwickeln.

Für weitere Informationen haben die Autoren eine Website eingerichtet (in Englisch):
TCKWorld: The Official Home of Third Culture Kids (TCKs) 
Und ein interessanter Blog (auch in Englisch): Language on the Move

Samstag, 8. Februar 2025

Oates, Joyce Carol "Der Mann ohne Schatten"

Oates, Joyce Carol "Der Mann ohne Schatten" (Englisch: The Man Without a Shadow) - 2016

Ich bin einer der größten Joyce Carol Oates-Fans. Ich habe noch nicht alle ihre Bücher gelesen, aber wenn ich ein neues Buch von ihr finde, muss ich es einfach lesen. Daher war ich froh, dieses hier damals im "Neu"-Regal meiner Bibliothek zu finden und musste es mir sofort ausleihen.

Wie alle ihre anderen Geschichten ist auch diese eine hochinteressante, faszinierende Geschichte, die einen von der ersten Seite an fesselt und erst nach der letzten Seite wieder loslässt. Wir lernen die Charaktere alle so gut kennen, ihre Gedanken, ihre Hoffnungen, ihre Ambitionen, ihre Wünsche für die Zukunft. Nur, dass es für einen von ihnen in diesem Roman keine wirkliche Zukunft gibt, er endet immer nach sieben Minuten. Eine der beiden Hauptcharaktere leidet an Amnesie, die andere ist eine Wissenschaftlerin, die das Gehirn des Ersteren im Besonderen untersucht und dadurch hofft, mehr Erkenntnisse über das menschliche Gehirn im Allgemeinen zu gewinnen.

Alle Romane von JCO haben eine eindeutige Besonderheit, sie wiederholt ihr Thema nie, jedes Buch kann für sich stehen und gibt so viele Einblicke in das Gebiet. Die Wörter in ihren Geschichten fließen auf natürliche Weise zusammen, selbst ihre wissenschaftlichen Teile ergeben für jemanden wie mich, die absolute keine Wissenschaftlerin ist, Sinn. Ihre Charaktere sind komplex, nicht einfach, überhaupt nicht fehlerlos, einfach interessant zu beobachten. Während wir die Geschichten von Margot und Elihu verfolgen, können wir versuchen zu verstehen, was Erinnerung bedeutet, warum wir uns an bestimmte Teile unseres Lebens erinnern und an andere nicht und was es bedeuten würde, wenn uns all das genommen würde.

Nach der Lektüre dieses Buches habe ich nur eine Frage, die gleiche, die ich mir jedes Mal stelle, wenn ich einen von JCOs Romanen lese: Wann wird sie endlich den Nobelpreis für Literatur erhalten?

Buchbeschreibung:

"Für ihn ist immer alles Gegenwart: 1965 lernt die junge Neurowissenschaftlerin Margot an der Universität von Darven Park den charismatischen Patienten Eli kennen. Er leidet an Gedächtnisverlust und kann sich nur an Dinge erinnern, die nicht länger als siebzig Sekunden zurückliegen. Margot beginnt, Elis Erinnerungsvermögen mit einer Reihe von Tests zu untersuchen, und kommt dem ungewöhnlichen Patienten im Laufe der Zeit erstaunlich nahe. Eine unmögliche Beziehung, denn er vergisst immer wieder, wer sie ist. Joyce Carol Oates hat einen Roman über Liebe und Erinnerung, über Einsamkeit und imaginierte Nähe geschrieben – luzide, feinsinnig, funkelnd."

Im Roman werden zwei Bücher erwähnt, die dasselbe Thema behandeln:
Luria, Alexander R. "The Man with a Shattered World. The History of a Brain Wound" (Goodreads)
Luria, Alexander "The Mind of a Mnenomist. A Little Book About a Vast Memory" (Der Mann, Dessen Welt In Scherben Ging: Zwei Neurologische Geschichten) (Goodreads)

Freitag, 20. Dezember 2024

Leky, Mariana "Kummer aller Art"

Leky, Mariana "Kummer aller Art" [Sorrow of all kinds] - 2022

Ein nettes, Buch, nicht zu vergleichen mit "Was man von hier aus sehen kann", aber auch gut geschrieben. Ich bin ja kein Fan von Kurzgeschichten und eigentlich sind sie auch miteinander verbunden, trotzdem sind es irgendwie Kurzgeschichten, da nicht eine Geschichte weitergeht, sondern immer wieder die gleichen Personen vorkommen. Wie in einer Kolumne, und dafür wurden die Geschichtchen ja auch zuerst geschrieben.

Aber ich kann mir vorstellen, dass dies vor allem ein schönes Buch ist für Leser, die von langen Büchern abgeschreckt sind.

Buchbeschreibung:

"Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa, denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen.

Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann.

Die in Kummer aller Art versammelten Texte erschienen erstmals als Kolumnen in PSYCHOLOGIE HEUTE."

Donnerstag, 19. Dezember 2024

Lamb, Wally "Früh am Morgen beginnt die Nacht"

Lamb, Wally "Früh am Morgen beginnt die Nacht" (Englisch: I know this much is true) - 1998

Mein zweites Wally Lamb-Buch (von vielen), nach "Die Musik der Wale" (She's Come Undone).

Das ist ein sehr bewegendes Buch, wunderbar und schrecklich zugleich. Es ist unglaublich, wie viel ein Mensch ertragen kann, wenn er muss. Dominick muss mit so vielen Problemen fertig werden und es gibt niemanden, der ihm helfen kann, außer sich selbst. Der Autor hat eine sehr talentierte Art, Menschen in jeder Art von Verzweiflung zu beschreiben. Seine Schilderungen sind sehr einfühlsam, man kann die Charaktere wirklich verstehen. Ich fand das toll.

Buchbeschreibung:

"Seit seiner Kindheit kümmert sich Dominick Birdsey um seinen Zwillingsbruder Thomas, der unter Schizophrenie leidet. Unterdessen ist sein eigenes Leben in die Brüche gegangen: Seine Frau hat ihn verlassen, er hat seinen Job verloren und seine Mutter ist gestorben, ohne ihm mitgeteilt zu haben, wer sein leiblicher Vater ist. Als Thomas nun die endgültige Verbannung in eine geschlossene Anstalt droht, unternimmt Dominick den verzweifelten Versuch, ihn davor zu bewahren."

Freitag, 13. Dezember 2024

Dostojewskij, Fjodor "Die Brüder Karamazow"

Dostojewskij, Fjodor "Die Brüder Karamazow" (Russisch: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy) - The Brothers Karamazov - 1879-80

Ich habe schon immer gern russische Autoren gelesen. Dostojewskij ist da keine Ausnahme. Und dieser Roman hatte mehr als 1.200 Seiten, also das richtige Buch für mich.

Dies ist nicht das erste Buch, das ich von diesem Autor lese, und er hat mich bisher nicht enttäuscht. Brillant geschrieben, das Setting ist immer außergewöhnlich, die Art und Weise, wie sich die Geschichte entfaltet, die vielen verschiedenen Charaktere, die er detailliert beschreibt. Alles ist so gut gemacht. Man ist von der ersten Seite an gefesselt, bis man fertig ist. Was für ein Buch!

Und das Buch ist vollgepackt mit philosophischen und religiösen Fragen, Fragen zur menschlichen Existenz. Die drei Brüder Karamasow vertreten alle eine andere Seite, alle haben unterschiedliche Antworten. Dmitri oder Mitja ähnelt am meisten dem älteren Fjodor. Er ist Soldat und führt ein zügelloses Leben. Ivan hat die Universität besucht und ist ein eher aufgeklärter, geistig orientierter, atheistischer Intellektueller. Alexei oder Aljoscha, der Protagonist, ist ein religiöser Mann, er ist Novize in einem Kloster.

Dann gibt es noch einen vierten, unehelichen Bruder, der als Diener im Haus des Vaters arbeitet.

Wir entdecken die russische Gesellschaft durch diese verschiedenen Männer und ihr Leid. Die Geschichte ist fesselnd, nicht die einfachste Lektüre, aber sicherlich eine der lohnendsten. Es ist sowohl ein philosophisches als auch ein spirituelles Drama, ein Bericht über ein Land, das im Begriff ist, sich in die Moderne zu verwandeln, und was das mit seinen Bewohnern macht. Eine Geschichte, die uns noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

Nach "Schuld und Sühne" (Crime and Punishment), "Der Spieler" (The Gambler") and "Der Jüngling" (The Adolescent) ist dies mein vierter Roman dieses fantastischen Autors. Ich bin sicher, es wird nicht der letzte sein.

Buchbeschreibung:

"'Die Brüder Karamasow',das letzte große Werk von Fjodor Dostojewskij, ist nicht nur eine dramatische Familiengeschichte aus dem Russland des 19. Jahrhunderts und eine unerbittliche moralische Erkundung im Gewand eines Kriminalromans, sondern auch ein gewaltiger Spiegel der gesamten dichterischen Welt Dostojewskijs."

Dostojewskij, Fjodor "Schuld und Sühne"

Dostojewskij, Fjodor "Schuld und Sühne" (Russisch: Преступление и наказание = Prestupleniye i nakazaniye) - Crime and Punishment - 1866

Ich kann es nicht oft genug erwähnen. Ich liebe klassische Romane und ich liebe russische Autoren. Die Art, wie sie jede Situation, jedes kleine Detail beschreiben, ist unbezahlbar und einzigartig.

In "Schuld und Sühne" gelingt es Dostojewski, so viele verschiedene Themen einzubringen. Es ist ein klassischer Kriminalroman, aber auch ein historischer Roman und auch ein psychologisches und philosophisches Werk. Kein Wunder, dass er rund 800 Seiten braucht, um ein Verbrechen und seine Sühne zu beschreiben.

Man fühlt sich immer wie der Protagonist oder eine der anderen Figuren im Roman, man kann so denken wie sie. Der Autor ist einfach so großartig. Diese Geschichte wirft viele Fragen über den Sinn des Lebens, über die Gesellschaft und darüber auf, wie wir alle miteinander umgehen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Antworten, da bin ich mir sicher, aber jeder muss seine eigenen Lösungen, seine eigenen Antworten finden.

Buchbeschreibung:

"Unter den fünf meisterhaften Romanen des großen russischen Dichters ist 'Schuld und Sühne' neben 'Die Brüder Karamasow' der wohl berühmteste und wirkungsmächtigste. In berauschender Sprache und ergreifenden Bildern erzählt der 'größte Kriminalroman aller Zeiten' (Thomas Mann) die atemberaubende Geschichte des mittellosen Studenten Raskolnikow, der in fortschrittsgläubiger Verblendung einen Doppelmord begeht - und daran zerbricht. Er, der Verbrecher, sehnt sich fortan nach Strafe, um seine Untat zu sühnen, doch wahrhafte Rettung verspricht ihm allein seine Liebe zu der Prostituierten Sonja."