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Dienstag, 18. August 2026

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer" (Englisch: Cardiff by the Sea) - 2020

Vor einiger Zeit startete eine meiner Blogger-Freundinnen (Lisa von Captivated Reader) eine gemeinsame Leseaktion (zu Daddy Love von Joyce Carol Oates). Ich stieß zwar etwas verspätet dazu, konnte mich aber dennoch an der Unterhaltung beteiligen. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen, ein weiteres Buch derselben Autorin gemeinsam zu lesen – einer unserer Lieblingsautorinnen (ich habe bisher 18 ihrer Bücher gelesen, mit diesem hier sind es 19; siehe hier).

Da Lisa dieses Buch bereits auf ihrem SUB hatte, fiel uns die Entscheidung leicht, und wir begaben uns gemeinsam auf diese Lektüre-Reise.

Wie die meisten Bücher von JCO ist auch dieses düster und traurig, aber absolut empfehlenswert.

Bevor ich mit meiner eigenen Rezension beginne, möchte ich euch auf Lisas Beitrag hinweisen. Ich möchte nicht alles wiederholen, was sie bereits geschrieben hat; wer also einen umfassenden Einblick erhalten möchte, sollte einen Blick auf ihre Seite werfen. Solltet ihr eine Übersetzung benötigen, sagt mir bitte Bescheid.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer anderen Bücher handelt es sich hierbei nicht um einen einzelnen Roman, sondern um vier Kurzgeschichten, die ich nacheinander vorstellen werde:

1. Cardiff am Meer (Cardiff, by the Sea)
Lisa meinte, das sei ein hervorragender Text, und ich stimme ihr voll und ganz zu. Die erste Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. JCO versteht es, alles so spannend zu gestalten, dass man den Protagonisten wirklich nahekommt.
Clare ist ein Adoptivkind und erfährt Dinge über ihre Vergangenheit, die sie zutiefst schockieren und verwirren. Ich wäre unglaublich wütend gewesen, wenn man mir so etwas vorenthalten hätte.
Ich finde es gut, dass die Autorin keine Erklärungen zu den Figuren liefert, sondern uns selbst unsere eigenen Schlüsse ziehen lässt.
Was die Figuren angeht: Oh Gott, es gab da zwei Tanten, denen ich am liebsten eine geknallt hätte. Wäre ich an Clares Stelle gewesen, hätte ich tatsächlich kehrtgemacht – wenn nicht gleich am ersten Tag, dann spätestens, als ich mehr erfahren hatte.
Ich bin eigentlich kein großer Fan von mehrdeutigen oder offenen Enden. Oder vielleicht doch, denn ich liebe JCO einfach zu sehr. Ein etwas klareres Ende hätte mir allerdings besser gefallen. Gab es Gespräche zwischen Clare und ihren Adoptiveltern? Wie viel wussten sie?

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Gerard der Mörder war, und hätte mir gewünscht, dass das am Ende aufgeklärt wird – aber … es ist eben JCO.


Der Erklärung einer Figur zum Thema Gott stimme ich allerdings zu. Nein, ich kann nicht glauben, dass er voller Liebe ist. Auch wenn es so in der Bibel steht (die ich schon oft gelesen habe), gibt es dort doch viele Stellen, die genau das Gegenteil behaupten. Dennoch glaube ich, dass wir gut zueinander sein und versuchen sollten, unseren Mitmenschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Religion macht das manchmal unmöglich, indem sie uns einredet, unsere Belohnung erhielten wir erst im Himmel.
Ein Mensch wie Clare hat kaum Hoffnung, der düsteren Anziehungskraft dieser Familie zu entkommen. Das Beste, was sie tun kann, ist zu gehen und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Eine weitere Frage, die aufkam, lautete: "… warum hat ein liebender Gott zugelassen, dass unschuldigen Menschen in diesem Haus solche Schrecken widerfahren?" Nicht nur in diesem Haus. Das frage ich mich ständig. Kriege werden geführt, Kinder und Unschuldige getötet – und vieles davon im Namen Gottes‽ Das kann nicht richtig sein.
Ich glaube, JCO teilt diese Gedanken.

2. Miao Dao (Miao Dao)
Wieder eine absolut interessante Geschichte. Mia ist elf Jahre alt und ihre Eltern sind geschieden. Lisa beschreibt das am besten, daher zitiere ich sie: "Es ist ein beunruhigender Blick darauf, wie junge Mädchen gezwungen sind, sich viel zu früh in beängstigenden Umgebungen zurechtzufinden." (It’s an unsettling look at how young girls are forced to navigate terrifying environments far too early.)
Uns hat das Wortspiel mit "Meow" und "Mia" sehr gut gefallen.
Ich habe auch ein YouTube-Interview mit JCO gefunden, bin aber noch nicht dazu gekommen, es mir anzuhören.
Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei "Miao Dao" um einen traditionellen chinesischen Zweihandsäbel handelt.
Diese Geschichte endete eher so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe dem Bösewicht von Anfang an nicht getraut; bestimmte Bemerkungen verrieten mir genau, was passieren würde.

Ich hätte allerdings nicht unbedingt gedacht, dass er getötet würde.

Aber wie immer sehr spannend zu lesen.

Ich habe erfahren, dass diese Geschichte eine von sieben Erzählungen in der Sammlung "Dark Corners" ist, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Ich habe eine Liste gefunden:
1. Hannah-Beast (2018) Stephen Graham Jones
2. The Sleep Tight Motel (2018) Lisa Unger
3. There's a Giant Trapdoor Spider Under Your Bed (2018) Edgar Cantero
4. Miao Dao (2018) Joyce Carol Oates
5. The Tangled Woods (2018) Emily Raboteau
6. The Remedy (2018) Adam Hasler
7. Oak Avenue (2018) Brandi Reeds
Als ich jedoch nach den deutschen Titeln für diesen Eintragt googelte, stellte ich fest, dass nur "Miao Dao" von JCO stammt. Die anderen Autoren habe ich erst später hinzugefügt.
Auch ist keine außer Miao Dao auf deutsch erschienen.

3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
In dieser Geschichte geht es um Alyce, eine schüchterne junge Studentin, die von ihren Tutoren missbraucht und anschließend schwanger wird.
Wir haben ihre Situation oft mit unserer eigenen verglichen: das Älterwerden und das Feststecken in einem Körper, der nicht mehr so ​​gehorcht wie früher – irgendwie wie das Gefängnis, in dem Alyce sitzt. Wir müssen uns mit dem abfinden, was uns gegeben ist. Unsere missliche Lage rührt allerdings daher, dass wir älter werden, und nicht daher, dass wir missbraucht wurden und schwanger geworden sind.
Dennoch sind wir an den Körper gebunden, den wir haben. Wir können nur begrenzt etwas tun, um ihn zu verbessern. Zumindest können wir versuchen, ihn selbst zu kontrollieren.
Ich bin kein großer Fan von "Alice im Wunderland" (Alice in Wonderland), weder des Zeichentrickfilms noch des Buches. Daher kannte ich den Begriff "phantom-wise" (im Sinne von "wie ein Phantom") nicht. Er ist jedoch sehr treffend.
Ich habe ja die "Pro-Life"-Einstellung (Lebensrechts-Bewegung) erwähnt. Früher war ich sehr aktiv auf Facebook, aber etliche Leute haben mich gelöscht, nachdem ich den Amerikanern zu ihrem damaligen neuen Präsidenten (Barack Obama) gratuliert hatte. Manche erzählten mir auch von den schrecklichen Demokraten, die Babys töteten (womit sie Abtreibungen meinten). Ich entgegnete, dass auch ich Abtreibungen nicht gut finde, aber solange wir schwangeren Frauen nicht helfen, wird es Abtreibungen geben – und illegale Abtreibungen sind sehr gefährlich. Statt für die ungeborenen Babys zu beten, sollte man lieber für deren Mütter beten, für die eine Abtreibung der letzte Ausweg war. Und für die Kinder, die aufgrund der Waffengesetze in Schulen und auf der Straße getötet werden. Bessere Bildung für Kinder, Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, Hilfe für alleinerziehende Mütter, damit sie nicht in völlige Armut abrutschen – das sind Dinge, die Abtreibungen verhindern; sie zu verbieten, macht die Lage nur schlimmer. In den USA gibt es dreimal so viele Abtreibungen wie in Deutschland (und sicherlich auch in anderen Ländern). Zudem weisen sie eine der höchsten Raten an Teenager-Schwangerschaften und -Geburten in entwickelten Regionen auf. Eine Haltung, die nur die Geburt befürwortet, aber nicht das Leben an sich (also "Pro-Birth" - für Geburt statt "Pro-Life" - für Leben), führt zu mehr Abtreibungen. Betet also für die armen Mädchen, die in eine Situation gedrängt werden, in der sie nur einen Ausweg sehen, und für diejenigen, die ihr Kind bekommen und dadurch in Armut geraten. Und betet auch dafür, dass die Gesetzgeber die Bedingungen für schwangere Mädchen verbessern, die sich nicht selbst helfen können. Hoffen wir also, dass sich die Lage wieder bessert.
Diese Novelle war sehr kurz, aber ich war froh, dass sie nicht länger war. Ich glaube nicht, dass ich es viel länger ausgehalten hätte. Ich bin nicht gerade zartbesaitet, aber diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen. Die arme Alyce. Die armen Mädchen.
Das Ende habe ich besser verstanden als zum Beispiel bei "Cardiff". Es gab einen Abschluss. Kein gutes Ende, aber ein Ende. Niemand schreibt so wie JCO.

4. Das Überlebende Kind (The Surviving Child)
Ich kann verstehen, warum Lisa diese Geschichte am wenigsten mochte. Ich wüsste gar nicht, in welcher Reihenfolge ich sie einordnen würde, denn sie waren alle gleichermaßen fantastisch wie traumatisch. Meine Güte, was Frauen alles durchmachen müssen!
Was mir an der Geschichte gefiel: Sie entwickelte sich langsam. Zunächst ist es nur eine Frau, die einen Witwer kennenlernt. Das kommt oft vor und führt häufig zu einer guten Beziehung.
Alle Protagonistinnen machen eine schwere Zeit durch – einen Albtraum oder Ähnliches –, verursacht durch die Männer in ihrem Leben.
Hätte ich mir das alles gefallen lassen? Vielleicht nicht. Aber ich bin stark; ich bin mit drei jüngeren Brüdern aufgewachsen und habe schon früh gelernt, mich zu verteidigen.
Beim Lesen des letzten Romans musste ich an Sylvia Plath denken, einfach weil sie eine zutiefst gequälte Autorin war – genau wie die erste Frau des Protagonisten Alexander. Ich konnte gut verstehen, dass Elizabeth, seine zweite Frau, die Schriften ihrer Vorgängerin lesen wollte; an ihrer Stelle hätte ich das sicher auch gewollt. Mir gefällt die Beschreibung Alexanders als "Oatesian Villain" (Oates-typischer Bösewicht). Ich hatte noch nie gehört, dass JCOs Name als Adjektiv verwendet wird, aber sie hat es absolut verdient. Und ja, auch wenn Alexander seine Familie nicht körperlich misshandelt, ist er einer der schlimmsten Tyrannen, die man sich vorstellen kann. Der arme Stefan, der mit ihm aufgewachsen ist, hat dem nichts entgegenzusetzen.
In Märchen lesen wir oft von grausamen Stiefmüttern. Das liegt daran, dass es sie damals so häufig gab. Viele Frauen starben im Kindbett, und die Männer mussten erneut heiraten, um jemanden für die Erziehung der bereits vorhandenen Kinder zu haben. Mit der neuen Frau bekamen sie weitere Kinder, die sie dann mehr mochten. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Stiefmütter nicht gerade nett waren. Elisabeth ist da anders – so wie, wie ich glaube (und hoffe), die meisten Stiefmütter heute.
Ich hoffe, dass Elisabeth einen Weg findet, Alexanders Fängen zu entkommen. Und Stefan mitnimmt. Zumindest besteht am Ende diese Hoffnung.
Auf der Suche nach Antworten stieß Lisa im Internet auf folgende Frage:
Hat Joyce Carol Oates jemals eine wirklich glückliche, unbeschwerte Szene geschrieben?
Das kann ich nicht sagen, aber das ist auch nicht der Grund, warum ich ihre Bücher lese. Ich glaube auch nicht, dass dies ihr Beweggrund für das Schreiben ist. Sie möchte die Probleme dieser Welt hervorheben – sei es, indem sie auf wahre oder annähernd wahre Geschichten hinweist, oder indem sie sich Geschichten ausdenkt.

Buchbeschreibung:

"In diesem Band mit vier bisher unveröffentlichten großen Erzählungen der bekannten Autorin werdendie Leser wieder einmal in eine Welt schaurig-spannender, psychologisch reizvoller Beziehungen befördert. Auslöser sind Vorfälle, die jedem von uns geläufig sind, sei es aus persönlicher Erfahrung oder durch Medienberichte. Da ist der Telefonanruf eines Fremden – soll ich den Anruf annehmen oder besser nicht? –, eine zugelaufene, herumstreunende Katze – kann sie die Rettung sein? –, die Beziehung einer jungen Studentin zu ihrem Mentor oder ein ungeklärter Selbstmord. In jeder dieser Erzählungen entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein psychologisches Geflecht, das Vergangenheit und Gegenwart, Gedanken und Handlungen miteinander verflicht. Im Zentrum stehen bei Oates die bedrohlichen Erlebnisse junger Frauen, die sich in der Gegenwart mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Mit dieser Zusammenstellung ist es dem US-Verleger in einem geschickten Schachzug gelungen, Oates' Herzensanliegen – nämlich aufzuzeigen, wie Frauen in einer häufig psychisch und körperlich brutalen Männerwelt bestehen – in einem kompakten, inhaltlich stringenten Erzählband auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen sind spannend, überraschend, bemerkenswert. Die roten Fäden, die sich vom ersten Satz bis zur endgültigen Auflösung auf der letzten Seite durch die Geschichten ziehen, sind sprachlich fein durchdacht und auf höchstem literarischen Niveau."

Wir haben vor, im Oktober/November "Die Verfluchten" (Goodreads) (The Accursed) (Goodreads) zu lesen. Gebt uns Bescheid, wenn ihr mitmachen möchtet.

Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Montag, 27. Juli 2026

Lehane, Dennis "Shutter Island"

Lehane, Dennis "Shutter Island" (Englisch: Shutter Island) - 2003

Ich hatte nicht erwartet, dass mir dieses Buch gefallen würde, da ich kein großer Fan von Kriminalgeschichten bin. Umso positiver war ich überrascht festzustellen, dass es sich hier nicht um die übliche Thriller- oder Actionfilm-Handlung handelt – sprich: Es gibt hier tatsächlich eine echte Handlung.

Eine packende Geschichte, die mit dem Verstand spielt. Und die Wendung am Ende hat mich völlig sprachlos zurückgelassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, hatte ich den Film nicht gesehen.

Allerdings halte ich es – wie die meisten Geschichten dieser Art – nicht für besonders geeignet für einen Lesekreis; worüber sollen wir schon diskutieren? Sicher, man kann über psychische Erkrankungen, PTBS, Klinikaufenthalte usw. sprechen. Aber das führt alles vom eigentlichen Geschehen weg.

Dennoch: lesenswert.

Ein Zitat von Seite 279 meiner Ausgabe – etwas, das ich mich selbst oft frage:

"Gott schickt uns Erdbeben, Wirbelstürme, Tornados. Er gibt uns Berge, die Feuer auf unsere Häupter speien. Ozeane, die Schiffe verschlingen. Er gibt uns die Natur, und die Natur ist eine lächelnde Mörderin. Er schickt uns Krankheiten, damit wir im Angesicht des Todes glauben. Er gab uns Büros, nur damit wir spüren konnten, wie unser Leben darin aus uns herausblutet. Er gab uns Lust und Wut und Gier und unsere schmutzigen Herzen. Damit wir in seinem Namen Gewalt ausüben konnten. Es gibt keine moralische Ordnung, die so rein ist wie dieser Sturm, den wir gerade erlebt haben. Es gibt überhaupt keine moralische Ordnung. Es gibt nur eines: Kann meine Gewalt deine besiegen?" (übersetzt von mir)

Kommentare vom Lesekreis:

  • "Das Buch kam in der Gruppe sehr gut an; alle bewerteten es mit 4 oder 5 von 5 Punkten.
  • Viele von uns hatten das Buch zuvor noch nicht gelesen, doch eine große Anzahl kannte bereits die Verfilmung von Martin Scorsese. Dies führte zu einer interessanten Situation, da viele Leser die entscheidende Wendung schon kannten, bevor sie das Buch überhaupt aufschlugen. Dennoch herrschte Einigkeit darüber, dass der Roman äußerst fesselnd blieb. Mehrere Mitglieder bemerkten, dass es durch das Wissen um das Ende leichter fiel, Hinweise und Details im Verlauf der Geschichte wahrzunehmen – wenngleich sich einige fragten, ob das Buch ohne dieses Vorwissen vielleicht noch besser oder aber weniger wirkungsvoll gewesen wäre.
  • Einer der am häufigsten gelobten Aspekte des Romans war Lehanes Schreibstil. Die Mitglieder hoben immer wieder die bildhafte Sprache und die Atmosphäre hervor, die er im gesamten Buch schafft. Die Insel, das Wetter und die Klinik wirkten überzeugend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Zudem wurde gelobt, wie hervorragend es Lehane gelingt, den Leser in die 1950er-Jahre zu versetzen. Sprache, Dialoge und die Haltung der Figuren vermitteln ein starkes Gefühl für Zeit und Ort.
  • Ein Großteil unserer Diskussion drehte sich um den Aufbau des Romans. Wir sprachen über die unzuverlässige Erzählweise, die in der Geschichte verstreuten Hinweise und die Art und Weise, wie Lehane den Leser zu bestimmten Annahmen verleitet. Auch einzelne Figuren und ihre Rollen in der Geschichte wurden erörtert – insbesondere, wie unterschiedlich man sie betrachtet, sobald man die Wahrheit hinter dem Rätsel kennt.
  • Auch die Themen Trauma, Schuld, Erinnerung und Selbsttäuschung regten zu Diskussionen an. Wir debattierten über die Klinik selbst, ihre Methoden und die ethischen Fragen, die sich aus der Behandlung der Patienten ergeben. Natürlich war auch das Ende ein zentrales Thema; dabei gab es unterschiedliche Ansichten zu Teddys finaler Entscheidung und deren Interpretation.
  • Wie bei unseren Diskussionen üblich, suchten wir nach Verbindungen zu anderen Büchern, die wir bereits gelesen hatten. Diesmal kamen Fight Club und der finnische Roman Rikosetsivien vapaapäivä zur Sprache, da beide Werke den Leser dazu anregen, frühere Ereignisse neu zu bewerten und das eigene Verständnis des Geschehens zu hinterfragen.
  • Schließlich kam auch Dennis Lehane als Autor allgemein zur Sprache. Mehrere Mitglieder merkten an, dass etliche seiner Romane verfilmt und hochgelobt wurden und Shutter Island nicht das einzige Beispiel für eine gelungene Adaption seiner Werke für die Leinwand ist. Das Buch inspirierte zudem einige Mitglieder dazu, weitere Werke von Lehane auf ihre Leselisten zu setzen.

"Shutter Island war eine herrlich gruselige Lektüre, die gerade während der unangenehmen jüngsten Hitzewelle in Ontario, Kanada, genau das Richtige war. Ein Täuschungsmanöver folgte auf das nächste. Mir gefiel das vielschichtige Zusammenspiel von Umständen, Persönlichkeiten, Hinweisen und Interpretationen. Das unterscheidet sich stark von meiner sonst eher sanften Lektüre, und ich bin dankbar für diese bereichernde neue Erfahrung."

Nochmals vielen Dank an unsere Leiterin Karin, die einen großartigen Rückblick zusammengestellt hat.

Wir haben dies im Juli 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer des Jahres 1954 nehmen die US-Marshals Edward Daniels und Chuck Aule Ermittlungen im Ashecliffe Hospital auf, einer Klinik für psychisch kranke Schwerverbrecher, untergebracht auf einer Insel vor der Küste von Massachusetts: Shutter Island. Rachel Solando, eine Kindsmörderin, ist spurlos aus ihrer verschlossenen Zelle verschwunden. Als ein Hurrikan aufzieht, sind die beiden Marshals auf der Insel gefangen. Doch ist die Jagd nach Rachel Solando wirklich der einzige Grund, aus dem Edward Daniels nach Shutter Island gekommen ist?"

Donnerstag, 30. April 2026

Eco, Umberto "Der Name der Rose"

Eco, Umberto "Der Name der Rose" (Italienisch: Il nome della rosa) - The Name of the Rose - 1980

Ich glaube, ich wollte dieses Buch lesen, seit ich das erste Mal von dem Film gehört habe. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Nun, endlich habe ich es geschafft. Aber ich weiß immer noch nicht, warum es "Der Name der Rose" heißt, aber vielleicht bleibt das für immer ein Rätsel.

Das Buch selbst ist definitiv ein Kriminalroman. Ein Kloster im 14. Jahrhundert. Ein Tod folgt dem anderen, manche erscheinen sehr verdächtig, doch bei den meisten ist klar, dass ein anderer Mensch den Tod verursacht hat. Mit anderen Worten: Ein Massenmörder treibt sein Unwesen. Zwei Mönche, die das Kloster besuchen, beginnen zu ermitteln und stoßen auf viele Verbindungen, manche schlüssig, andere eindeutig falsch.

Aber das ist nicht der spannendste Teil der Geschichte, zumindest nicht für mich. Ich bin nicht der größte Fan von Krimis. Was mich aber fasziniert, ist die Bibliothek und das Labyrinth, das sie umgibt, um zu verhindern, dass Unbefugte Bücher lesen. Wenn ihr euch für mittelalterliche Gebäude, Labyrinthe und insbesondere Bibliotheken interessiert, ist dies das ideale Buch für euch. Außerdem gibt es viele bekannte Namen und zahlreiche Anspielungen auf reale und fiktive Personen (Bruder Wilhelm von Baskerville, auch bekannt als Sherlock Holmes, der blinde Mönch Jorge von Burgos, eine Hommage an Jorge Luis Borges).

Es finden sich viele biblische Bezüge, beispielsweise die sieben Posaunen der biblischen Apokalypse, die das Ende der Welt ankündigen. Diese dienen nicht nur als Erzählstruktur, der Roman ist auch in sieben Tage unterteilt.

Die Ausführungen über die Franziskaner fand ich ebenfalls interessant. Da ich in einem Dorf mit einem Franziskanerkloster aufgewachsen bin und mein Leben lang Franziskanermönche kannte, war es mir neu, dass sie anfangs als Ketzer galten.

Ich hätte diese Abtei sehr gerne besucht und die Bibliothek wie die Protagonisten erkundet. Da mir dies aber nicht möglich ist, werde ich das Buch wohl noch einmal lesen müssen. Was ich ganz sicher eines Tages tun werde.

Wer sich für das Mittelalter, für Bücher, für Kriminalromane oder für Klassiker interessiert, sollte es auch lesen.

Buchbeschreibung:

"Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs. Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Jorge von Burgos wacht."

Montag, 30. März 2026

Dickey, James "Flussfahrt"

Dickey, James "Flussfahrt" (Englisch: Deliverance) - 1970

Offenbar ist dies eines der wichtigsten Bücher des letzten Jahrhunderts. Ich habe das irgendwo gelesen, finde die Stelle aber nicht mehr. Auf jeden Fall scheint es ein großer Erfolg gewesen zu sein.

Als ich die Beschreibung zum ersten Mal las, befürchtete ich, dass es nichts für mich sei und mir das Buch nicht gefallen würde. Die Beschreibung weicht jedoch etwas vom Inhalt ab. Die Geschichte handelt weniger von den Einheimischen, sondern vielmehr von Kriminellen im Wald.

Dennoch ist das Buch absolut fesselnd. Und spannend. Es passiert so viel, und die Reise der vier Männer gehört zu den schrecklichsten Geschichten, die ich je gelesen habe.

Danke an Karin für das Protokoll, das ich eigentlich als Spoiler einfügen wollte, aber Blogger macht da nicht mit. Deshalb schreibe ich das ans Ende:

Fazit:
"Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass 'Flussfahrt' ein ausgewogener, gut geschriebener Roman ist, der Spannung mit psychologischer Tiefe verbindet. Auch wenn er stilistisch nicht jedermanns Geschmack traf, hinterließ er einen starken und bleibenden Eindruck und erwies sich als ausgezeichnete Wahl für Diskussionen – ein Buch, das auch lange nach dem Lesen noch zum Nachdenken anregt."

Wir haben dieses Buch im März 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Bevor der wilde Cahulawassee River einem Staudammprojekt zum Opfer fällt und endgültig gezähmt wird, planen vier Großstädter, den unberechenbaren Fluss noch einmal mit dem Kanu zu bezwingen.

Was als harmloser Wochenendausflug amerikanischer Wohlstandsbürger beginnt, die ein wenig Abenteuer suchen, entwickelt sich zusehends zum Überlebenskampf und endet in einem Alptraum.

Flussfahrt ist eine düstere Parabel über das Eindringen der Zivilisation in die Natur, die sich schließlich gewaltsam zur Wehr setzt.

Flussfahrt gilt als einer der besten und einflussreichsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Der Roman war die Vorlage für den Filmklassiker 'Beim Sterben ist jeder der erste'. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten ist Flussfahrt endlich wieder auf deutsch erhältlich."

Achtung, ab hier kommt der Spoiler!

"Der Lesekreis hatte eine sehr positive Diskussion über 'Flussfahrt'. Fast alle bewerteten den Roman mit 4 von 5 Sternen oder höher, und einige Leser hielten ihn sogar für fast ein Fünf-Sterne-Buch. Besonders gelobt wurde die Übersetzung, die nach Ansicht vieler den Ton, die Spannung und die Atmosphäre außergewöhnlich gut einfing.

Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um den effizienten Aufbau des Romans. Verglichen mit vielen umfangreichen zeitgenössischen Romanen – in denen Hunderte von Seiten mit Hintergrundinformationen gefüllt sind – gelingt es, 'Flussfahrt', seine Charaktere, Themen und emotionalen Konflikte auf etwa fünfzig Seiten zu etablieren. Die Leser schätzten die straffe Struktur der Geschichte: zuerst die Vorbereitung auf die Reise, dann die intensiven drei Tage auf dem Fluss und schließlich die Folgen. Diese klare Struktur verlieh der Geschichte eine fokussierte und eindringliche Wirkung.

Die Charaktere wurden allgemein als glaubwürdig und lebendig gezeichnet wahrgenommen. Wir sprachen viel darüber, wie unterschiedlich Menschen in Krisensituationen reagieren: Der eine erstarrt, der andere findet unerwartet Stärke, und selbst schwere Verletzungen halten jemanden nicht unbedingt vom Handeln ab. Der Roman wirkte realistisch, weil die Charaktere fehlerhafte und manchmal törichte Entscheidungen auf nachvollziehbar menschliche Weise treffen. Ihre Reise beginnt teilweise aus Langeweile und dem Wunsch, dem Alltag zu entfliehen, was das Folgende umso beunruhigender macht. 

Die Diskussion berührte auch das Thema Trauma und seine Folgen. Anstatt einfach erklärt zu werden, wirken die Erlebnisse der Charaktere auf vieldeutige Weise nach – in der Erinnerung, im Körper und sogar im Schlaf. Diese subtile psychologische Wirkung empfanden viele Leser als besonders eindrücklich. Mehrere Teilnehmer bemerkten, wie unstrukturiert und schwer artikuliert das Trauma wirkt, was widerspiegelt, wie reale Erlebnisse oft ungelöst bleiben, anstatt klar verstanden zu werden.

Moralische Fragen lösten eine lebhafte Debatte aus. War es notwendig, dass die Figuren das Geschehene verheimlichten? Hätten sie überlebt, wenn sie den Behörden vertraut hätten? Wäre ihnen Gerechtigkeit widerfahren? Die Mehrdeutigkeit des Romans – was genau geschah, wer die Verantwortung trug und wie die Ereignisse zu interpretieren sind – hielt die Diskussion offen und fesselnd.

Mehrere Leser bemerkten den gezielten Einsatz von Vorahnungen und „Tschechows Gewehr“, bei dem früh eingeführte Details später an Bedeutung gewinnen. Das straffe Tempo und die Kapitelstruktur wurden als Stärken hervorgehoben: Nichts wirkt überflüssig, und dennoch sind die Figuren und die Welt vollkommen ausgearbeitet.

Wir diskutierten auch übergreifende Themen wie menschliches Verhalten unter Druck, die fließende Grenze zwischen Zivilisation und Überleben, Begegnungen mit der Wildnis und die Darstellung ländlicher Stereotype. Viele waren sich einig, dass das Buch einen tief berührt – selbst Leser, die dieses Genre normalerweise nicht wählen würden.

Anmerkungen zur Verfilmung

Einige Mitglieder hatten die Verfilmung (Beim Sterben ist jeder der Erste) gesehen und empfahlen sie zusammen mit dem Buch. Der Film wurde als sehr wirkungsvoll in der Darstellung der physischen Gefahren und der Spannung der Flussreise beschrieben. Während sich der Roman mehr auf die inneren Gedanken und die moralische Unsicherheit der Figuren konzentriert, betont der Film Action und Atmosphäre, wobei die Schauspieler sogar ihre gefährlichen Stunts selbst ausführten. Die Gruppe fand, dass die beiden Versionen gut zusammenpassen: Das Buch bietet psychologische Tiefe, und der Film fügt ein starkes visuelles und emotionales Erlebnis hinzu.".

Montag, 23. März 2026

Swindells, Robert "Mauern aus Schweigen"

Swindells, Robert "Mauern aus Schweigen" (Englisch: Abomination) - 1998

Eine Freundin erzählte mir von diesem Buch und lieh es mir. Sie hatte es in der Schule unterrichtet und war sich sicher, dass es mir gefallen würde. Und so war es auch. Was für eine Geschichte!

Marthas Geschichte ist herzzerreißend. Sie hat keine Freiheit, sie wird zu Hause wie eine Gefangene gehalten. Sie kann keine Freunde finden. In der Schule wird sie gemobbt. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn ich hatte dasselbe Problem in der Schule. Meine Eltern hatten nicht viel Geld, und meine Mutter nähte immer meine Kleidung. Es waren schöne Kleider, aber ich wurde deswegen ständig gemobbt. Und ich fühlte mich nirgendwo zugehörig.

Zum Glück waren meine Eltern ganz normale Katholiken, und sie beschwerten sich immer über Leute, die die Religion über ihre eigene Familie stellten. Denn genau das tun Marthas Eltern.

Ich kann die Geschichte nicht erzählen, ohne zu verraten, was passiert ist und warum die Familie sich so verhalten hat. Nur so viel: Martha findet einen Freund, und er hilft ihr, sich selbst zu finden.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Eine düstere Geschichte über beschämende Geheimnisse, religiöse Intoleranz und den Kampf eines Mädchens gegen die emotionalen Fesseln eines gewalttätigen Elternhauses. Martha ist zwölf – und ganz anders als andere Kinder, dank ihrer Eltern. Als strenge Mitglieder einer religiösen Gruppe – der Gerechten – bestimmen deren Regeln Marthas Leben. Und eine Regel ist die wichtigste: Sie darf niemals jemanden mit nach Hause einladen. Denn sonst könnte ihr beschämendes Geheimnis – die 'Abscheulichkeit' (Abomination) – ans Licht kommen. Doch als Martha in Scott, einem neuen Jungen in der Schule, ihren ersten richtigen Freund findet, kommen ihr Zweifel. Tut sie das Richtige, wenn sie hilft, die Abscheulichkeit geheim zu halten? Und wie weit werden ihre Eltern gehen, um die Wahrheit zu verbergen?"

Montag, 16. Juni 2025

Osman, Richard "Wir finden Mörder"

Osman, Richard "Wir finden Mörder" (Englisch: We Solve Murders) - 2024

Ich war von Richard Osmans ersten Büchern absolut begeistert, weil ich ihn als Menschen liebe und auch als Autor lieben gelernt habe. Deshalb habe ich mich riesig gefreut, als mein Sohn mir dieses Buch zu Weihnachten geschenkt hat.

Wäre das ein Film, wäre es eher ein Action-Thriller als ein Krimi. Ich schaue mir gerne Krimis an (obwohl ich nicht viele lese), aber Actionfilme mag ich überhaupt nicht. Viel zu laut für mich.

Ich muss sagen, bei diesem Buch war es fast genauso. Ich habe Leute über seine ersten Bücher klagen hören, dass es zu viele Charaktere gäbe und man verwirrt sei. Nun, wenn man bei den ersten Büchern verwirrt war, wird dieses Buch sicher nichts für einen sein. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um überhaupt zu verstehen, wer wer war und was sie vorhatten. Mein Buch hat 464 Seiten, und ich glaube, ich bin ungefähr bei Seite 200 in die Geschichte eingestiegen. Viel zu spät, und bei einem anderen Autor hätte ich aufgegeben.

Das Buch ist zwar teilweise humorvoll, aber es ist nicht der Humor, den ich von Richard Osman gewohnt bin. So schade.

Buchbeschreibung

"Wer anderer Leute Leben schützt, ist selbst schnell tot.

Amy Wheeler ist es als Bodyguard gewohnt, ihr Leben zu riskieren. Aber dass sie selbst ins Visier gerät, ist auch für Amy neu. Zumal sie nicht weiß, warum da plötzlich jemand wie verrückt auf sie schießt, während sie in South Carolina auf eine unfassbar reiche und erfolgreiche Thrillerautorin aufpasst. Ob es mit den Morden an Influencern zusammenhängt, die allesamt von ihrer Agentur betreut wurden?

Zu Hause in England genießt ihr Schwiegervater, der Ex-Kriminalkommissar Steve Wheeler, derweil die Freuden der Pensionierung: ein Pub, ein Pint, ein Quiz – und die Ruhe des Waldes.

Mit der jedoch ist’s vorbei, als seine Schwiegertochter anruft und ihn zu sich zitiert. Um mit ihm die Morde aufzuklären. Und so die Hintermänner zu finden, die ihr nach dem Leben trachten."

Freitag, 25. April 2025

Christie, Agatha "Und dann gabs keines mehr"

Christie, Agatha "Und dann gabs keines mehr" (Englisch: And then there were none - früher: Ten Little Niggers) - 1939

Ich liebe Agatha Christie. Aber normalerweise sehe ich sie nur im Fernsehen, da ich nicht viele Krimis lese.

Bei diesem Buch war es anders. Unser Online-Lesekreis beschloss, die Auswahl der Bücher zu verschieben und stattdessen online verfügbare Bücher zu lesen. Eine der Auswahlmöglichkeiten war "Und dann gab's keines mehr". Ich erinnere mich, dass ich den Film in einem örtlichen Theater gesehen habe und die Hälfte der Laienschauspieler persönlich kannte. Ich weiß noch, dass es großartig war, aber ich konnte mich nicht an das Ende erinnern. Komisch, denn so etwas passiert mir sehr selten. Allerdings wurde auch von anderen berichtet, dass sie es vergessen hatten – vielleicht eine weitere tolle Wendung der Autorin?

Wie auch immer, wie bei den Fernsehadaptionen hat mir diese Geschichte sehr gut gefallen. Sie war sehr spannend, die Charaktere waren gut geschrieben und man begann sie wirklich zu mögen. Ich konnte mir keinen von ihnen als den "Bösewicht" (oder die "Bösewichtin") vorstellen, sie wirkten alle so nett und hatten einen guten Grund für die Tat, der sie beschuldigt wurden. Ja, alle hatten angeblich jemanden getötet und wurden deshalb auf die Insel gelockt, um getötet zu werden.

Ich denke, wir alle kennen den Kinderreim, nach dem das Buch ursprünglich benannt wurde (es gab sogar eine deutsche Version und wahrscheinlich noch mehr in anderen Sprachen, manchmal mit anderem Titel/anderen Charakteren):

"Zehn kleine Negerlein, die fuhren übern Rhein;
Das eine ist in's Wasser gefall'n, da waren's nur noch neun.

Neun kleine Negerlein, die gingen auf die Jagd,
Das eine wurde totgeschossen, da waren's nur noch acht

Acht kleine Negerlein, die gingen in die Rüb'n,
Das eine hat sich totgegessen, da waren's nur noch sieb'n.

Sieben kleine Negerlein, die gingen zu 'ner Hex',
Das eine hat sie totgehext, da waren's nur noch sechs.

Sechs kleine Negerlein, gerieten in die Sümf,
Das eine ist d'rin stecken geblieb'n,da waren's nur noch fünf.

Fünf kleine Negerlein, die gingen mal zum Bier,
Das eine hat sich totgetrunken, da waren's nur noch vier.

Vier kleine Negerlein, die aßen heißen Brei,
Das eine hat zuviel gegessen, da waren's nur noch drei.

Drei kleine Negerlein, die fuhr'n in die Türkei,
Den einen traf der Sonnenstich, da waren's nur noch zwei.

Zwei kleine Negerlein, die fingen an zu weinen,
Der eine hat sich totgeweint, da gab es nur noch einen.

Ein kleines Negerlein, das fuhr mal in der Kutsch,
Da ist es unten durchgerutscht, da war'n sie alle futsch."

Im amerikanischen Originallied, waren es erst Indianer, dann Soldatenjungen, und zuletzt die Negerlein. Aber zum Glück wird das Lied so nicht mehr gesungen. Viele Übersetzungen verwenden immer noch den alten Titel, was ich, besonders heutzutage, völlig inakzeptabel finde. (Hätte damals schon so sein sollen, aber wir wissen ja, wie es war. Leider.)

Es war sehr schön, diese Geschichte zu lesen. Wie immer bei Agatha Christies Büchern ist das Ende völlig überraschend. Es gibt Krimis, bei denen man versuchen kann zu erraten, wer der Verbrecher ist. Bei Agatha ist das selten der Fall. Ich war immer genervt, wenn am Ende ein Detail auftaucht, das die ganze Geschichte verändert. Das kann man unmöglich wissen.

Allerdings habe ich mir inzwischen alle Miss Marple- und Monsieur Poirot-Geschichten (und einige andere) im Fernsehen angesehen und sollte wahrscheinlich ein paar ihrer Bücher lesen. Zumindest dieses hier war sehr gut. Ein toller Krimi.

In der Diskussion wurde über die Handlung gesprochen und darüber, wie der Leser in die Geschichte hineingezogen wurde. Geschichte, Charaktere und ihre Verbrechen, Motivationen, Archetypen. Es scheint auch einige Verfilmungen und Serienadaptionen der Geschichte zu geben, wobei die neue BBC-Adaption offenbar deutlich härter und grausamer ist. Das muss ich mir genauer ansehen.

Wir haben dies im Mai 2020 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Eine kleine Insel vor der Küste Devons, ein geheimnisvoller Gastgeber und ein gnadenloses Unwetter - sobald das Meer sich beruhigt, werden vom Festland Boote und Menschen kommen. Und sie werden zehn Tote und ein ungelöstes Problem auf der Insel finden..."

Christie, Agatha "Mord im Orient-Express"

Christie, Agatha "Mord im Orient-Express" (Englisch: Murder on the Orient Express) (Hercule Poirot #10) - 1934

Wer kennt "Mord im Orient-Express" nicht? Ich weiß, ich habe das schon hundertmal gesehen. Zuerst mit Albert Finney als Monsieur Poirot, dann mit Alfred Molina, dann mit DEM Hercule Poirot, David Suchet und nicht zuletzt mit dem großartigen Kenneth Branagh.

Also dachte ich, es wäre an der Zeit, das Buch zu lesen. Alle Filme, die ich gesehen habe, unterscheiden sich ein wenig, und ich habe mich immer gefragt, welcher dem Buch am nächsten kommt. Nun ja, alle haben etwas ausgelassen oder geändert, wer was gesagt hat oder sogar wer wer war. Aber sie bleiben alle nah am Buch. Agatha Christie hatte eine enorme Fantasie, und dieser Roman zeigt uns wieder einmal, wie wunderbar ihre Geschichten sind.

Buchbeschreibung:

"Eigentlich wollte Hercule Poirot die Fahrt in dem weltberühmten Luxuszug genießen, aber seine Mitreisenden verderben ihm das Vergnügen gründlich. Allerdings wird er bald entschädigt, denn eine Leiche wird entdeckt. Ein Toter und ein Zug voller Verdächtiger: ein gefundenes Fressen für den Meisterdetektiv."

Samstag, 8. Februar 2025

Oates, Joyce Carol "Pik Bube"

Oates, Joyce Carol "Pik Bube" (Englisch: Jack of Spades. A Tale of Suspense) - 2015

Joyce Carol Oates ist definitiv eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Ihre Romane sind immer voller Spannung, voller psychologischer Bedeutungen, voller zwischenmenschlicher Beziehungen. Dieser Roman ist all das und unterscheidet sich dennoch ziemlich von ihren anderen Romanen. Ich bezweifle, dass ich diese Art von Buch gelesen hätte, wenn es von einem anderen Autor gewesen wäre, ich bezweifle, dass es mich angezogen hätte.

Dieser Roman ist wie immer clever. Er scheint ziemlich kurz zu sein, und ich bin normalerweise kein Fan von Kurzgeschichten, aber diese hier hatte genau die richtige Größe. Die Geschichte hat Wendungen und man kann es kaum erwarten, bis alles zusammenkommt, kann das Ende kaum erwarten.

Ich habe es wirklich genossen, Joyce Carol Oates ist einfach eine fantastische Schriftstellerin. Wie in einer Buchbesprechung der New York Times zu einem anderen ihrer Romane erwähnt: "Nach all diesen Jahren kann mir JCO immer noch Gänsehaut einjagen." Gut gesagt.

Buchbeschreibung:

"Genie und Wahnsinn: ein Thriller auf höchstem Niveau von Amerikas Literatur-Ikone Joyce Carol Oates

Unter dem Pseudonym '
Pik-Bube' verfasst der renommierte Schriftsteller Andrew Rush düster-verstörende Thriller. So leicht ihm das Schreiben dieser rauschhaften Gewaltfantasien weit nach Mitternacht von der Hand geht, so verschwommen ist später seine Erinnerung an den Inhalt. Als ein Plagiatsvorwurf Rushs guten Ruf – und damit seine Existenz und seine Familie – bedroht, ist plötzlich 'Pik-Bubemit hinterhältigen Ratschlägen zur Stelle. Und fast gegen seinen Willen beginnt Rush ihnen zu folgen ...."

Montag, 13. Januar 2025

Tartt, Donna "Die geheime Geschichte"

Tartt, Donna "Die geheime Geschichte" (Englisch: The Secret History) - 1992

"Die geheime Geschichte" (The Secret History) steht auf meiner Wunschliste, seit ich "Der Distelfink" (The Goldfinch) gelesen habe. Und dieses Jahr bin ich endlich dazu gekommen.

Und es ist eine sehr beeindruckende Geschichte. Aber es ist schwierig, ins Detail zu gehen, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel. Eine Gruppe von Studenten tut etwas wirklich Schlimmes und kann nur dadurch davonkommen, dass sie etwas noch Schlimmeres tut. Die Charaktere sind nicht wirklich sympathisch, aber sie gehen einem unter die Haut. Man kann ihren Handlungen nicht folgen, aber irgendwie geht es doch.

Ein anspruchsvolles Buch, das mich wahrscheinlich ewig begleiten wird.

Zitate:

über Migräne:

"Henry, flach auf dem Rücken in einem dunklen Raum, Eisbeutel auf dem Kopf und ein Taschentuch über den Augen.
'Ich habe sie nicht mehr so ​​oft wie früher. Als ich dreizehn oder vierzehn war, hatte ich sie ständig. Aber jetzt, wenn sie kommen – manchmal nur einmal im Jahr –, sind sie anscheinend viel schlimmer. …'"

über den Tod:
"Ist der Tod wirklich so schrecklich? Er kommt euch schrecklich vor, weil ihr jung seid… Es ist nicht gut, sich vor Dingen zu fürchten, von denen man nichts weiß …'"

Buchbeschreibung:

"Richard Papen stammt aus einfachen Verhältnissen. Als er aufgrund eines Stipendiums das College besuchen kann, ist er gleich fasziniert von der ihm fremden Welt. Besonders zieht ihn eine Gruppe junger Studenten in den Bann, mit denen er nicht nur Griechisch lernt, sondern auch ausgelassen feiert. Doch bald spürt er, dass unter der Oberfläche unerschütterlicher Freundschaft Spannungen lauern und dass ein furchtbares Geheimnis seine Freunde belastet – ein Geheimnis, das auch ihn mehr und mehr in seinen dunklen, mörderischen Sog zieht."

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Tokarczuk, Olga "Der Gesang der Fledermäuse"

Tokarczuk, Olga "Der Gesang der Fledermäuse" (Polnisch: Prowadź swój pług przez kości umarłych) - Drive Your Plow Over the Bones of the Dead - 2009

Ich habe ein Buch von Olga Tokarczuk (Ur und andere Zeiten/Primeval and Other Times) gelesen, als sie ihren Nobelpreis für Literatur erhielt. Und seitdem wollte ich mehr von ihr lesen. Ein Mitglied unseres Lesekreises hat mir jetzt eines geliehen und ich habe es mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen, es ist so spannend. Janina Duszejko ist so eine interessante Figur. Und die Geschichte beginnt so leise, dass man am Anfang gar nicht merkt, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, welche nicht meine Favoriten sind.

Obwohl sie die Protagonistin des Romans ist, sieht man sie am Anfang nicht als solche. Janina ist eine etwas seltsame Frau mittleren Alters, die in den Bergen an der polnisch-tschechischen Grenze, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, lebt, wo sie sich um die Sommerhäuser einiger reicher Leute kümmert. Sie arbeitet mit Astrologie und übersetzt Gedichte von William Blake. Sie liebt Tiere und ist Naturschützerin. Eine bemerkenswerte Frau.

Wohin diese Geschichte führt, weiß ich nicht. Aber ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für großartige Literatur interessiert.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter fliehen die allermeisten Einwohner den windumtosten Ort. An den langen dunklen Tagen widmet sich Janina Duszejko der Astrologie und der Lyrik des von ihr verehrten William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für ver- rückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Janinas Nachbar Bigfoot ist grausam erstickt: In seiner Kehle steckt der Knochen eines Rehs. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust. Kriminalfall, philosophischer Essay, Fabel, literarisches Spiel – auf ebenso komische wie ergreifende Weise zei- gen Olga Tokarczuk und ihre hinreißende Heldin, wie sehr es unserer Gesellschaft an Respekt mangelt, ob der Natur und den Tieren gegenüber oder jenen Menschen, die am Rande stehen."

Und warum die deutsche Übersetzung "Der Gesang der Fledermäuse" heißt, ist mir immer noch ein Rätsel.

Olka Tokarczuk erhielt den Nobelpreis für Literatur 2018 "für ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 14. Dezember 2024

Ruiz Zafón, Carlos "Das Labyrinth der Lichter"

Ruiz Zafón, Carlos "Das Labyrinth der Lichter" (Spanisch: El laberinto de los espíritus) - The Labyrinth of the Spirits - 2016 
(Der Friedhof der vergessenen Bücher/El cementerio de los libros olvidados #4) 

Es war ein Glückstag im Jahr 2001, als ich zum ersten Mal über mein erstes Buch von Carlos Ruiz Zafón stolperte. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich darauf gewartet habe, dass endlich der vierte Band der Reihe "Der Friedhof der vergessenen Bücher" veröffentlicht und war als Taschenbuch in Übersetzung erhältlich wurde.

Und ich wurde nicht enttäuscht. Der vierte Roman war genauso spannend wie die ersten drei, die ursprünglich als Trilogie bezeichnet worden waren, aber der Autor entschied sich glücklicherweise, daraus eine Tetralogie zu machen. Und dann schrieb er noch einen fünften (Der Friedhof der vergessenen Bücher/The City of Mist), den ich natürlich auch lesen musste.

Wir haben viel über die Familie Sempere und die Autoren erfahren, die sie gelesen haben, ihre Freunde und ihr Leben, insbesondere das Leben der Menschen in Katalonien während des Franco-Regimes. Es muss schrecklich gewesen sein. Aber der Autor schafft es, alle Vorfälle akribisch zu beschreiben, mit so vielen Details, dass man sich vorstellen kann, selbst dabei gewesen zu sein.

In diesem Roman blickt er hinter die Kulissen eines Ministers und seiner bösen Taten. Die Familie Sempere gehört wieder dazu, und wir hören auch von einigen der Charaktere aus den vorherigen Episoden. Man kann die Reihe in beliebiger Reihenfolge lesen, es gibt immer einige Informationen aus den anderen Büchern. Ich habe vor, alle Bücher bald noch einmal zu lesen.

Dies sind die ersten Bücher in der Serie:
- "Der Schatten des Windes" (The Shadow of the Wind) (La Sombra del Viento)
- "Das Spiel des Engels" (The Angel’s Game) (El Juego del Ángel)
- "Der Gefangene des Himmels" (The Prisoner of Heaven) (El Prisionero del Cielo)

Buchbeschreibung:

"Packend, rasant und voller Magie - der neue Zafón!

Carlos Ruiz Zafón, Autor des Weltbestsellers 'Der Schatten des Windes', ist zurück! Mit seinen Romanen rund um den Friedhof der Vergessenen Bücher schuf der spanische Bestsellerautor eine der faszinierendsten Erzählwelten aller Zeiten. Die Verheißung, die mit 'Der Schatten des Windes' begann, findet mit seinem neuen großen Roman 'Das Labyrinth der Lichter' ihre Vollendung.

Spanien in den dunklen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie 'Das Labyrinth der Lichter', das Alicia auf schmerzliche Weise an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt."

Dienstag, 10. September 2024

Eschbach, Andreas "Eine Billion Dollar"

  

Eschbach, Andreas "Eine Billion Dollar" - One Trillion Dollars - 2001

Dies war ein weiteres Buch aus meinem Stapel Ungelesener Bücher, das ich noch lesen musste, und das vor Ewigkeiten für unseren Lesekreis vorgeschlagen wurde.

Die Geschichte regt zum Nachdenken darüber an, was man tun könnte, wenn man alles Geld der Welt hätte. Was würde man tun, um die Welt zu retten? Das ist eine schwierige Frage, und wenn es eine Antwort darauf gibt, zeigt dieses Buch, wie schwer es ist, eine Antwort zu finden.

Obwohl mir die Idee des Buches und die Geschichte als solche gefallen, war mir der Roman nicht wirklich mein Ding. Es gab keine sympathischen Charaktere und der Schreibstil selbst war nicht mein Fall. Und ich kann nicht einmal einem Übersetzer die Schuld geben, da ich es im deutschen Original gelesen habe.

Jedenfalls nicht uninteressant, aber es verleitet mich auch nicht dazu, weitere Bücher dieses Autoren zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Ein hübsches Gedankenspiel: Hätte einer unserer Urahnen vor 500 Jahren ein paar Florin angelegt, könnten wir heute dank Zins und Zinseszins ein Vermögen einstreichen, das für mehr als ein sorgenfreies Leben ausreichen würde. Für John Fontanelli, den armen Schustersohn aus New York, wird dieser Traum Wirklichkeit: Am 23. April 1995 erfährt er, dass sein Vorfahre Giacomo Fontanelli ihm, dem derzeit jüngsten Fontanelli-Spross, über Eine Billion Dollar hinterlassen hat. Gestern fuhr John noch Pizza aus, heute ist er reicher als die zweihundert reichsten Menschen der Welt zusammen. Und trotzdem nicht glücklich.

Denn die Sache hat -- wie kann es anders sein -- einen Haken. In seinem Testament berichtet Giacomo Fontanelli von einer Vision. Sein Erbe soll dank des Vermögens den Menschen ihre verlorene Zukunft zurückgeben. Für John eine drückende Verantwortung : Er, ein Ex-Pizzalieferant, als Retter der Menschheit? Da meldet sich ein mysteriöser Fremder und behauptet zu wissen, wie die Prophezeiung erfüllt werden kann."