3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
Dienstag, 18. August 2026
Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"
3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
Freitag, 14. August 2026
Koch, Herman "Angerichtet"
- Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
- Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen.
- Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
- Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
- Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
- Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
- Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
- Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
- Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
- Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
- Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
- Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion.
Buchbeschreibung:
"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."
Montag, 27. Juli 2026
Lehane, Dennis "Shutter Island"
Ich hatte nicht erwartet, dass mir dieses Buch gefallen würde, da ich kein großer Fan von Kriminalgeschichten bin. Umso positiver war ich überrascht festzustellen, dass es sich hier nicht um die übliche Thriller- oder Actionfilm-Handlung handelt – sprich: Es gibt hier tatsächlich eine echte Handlung.
Eine packende Geschichte, die mit dem Verstand spielt. Und die Wendung am Ende hat mich völlig sprachlos zurückgelassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, hatte ich den Film nicht gesehen.
Allerdings halte ich es – wie die meisten Geschichten dieser Art – nicht für besonders geeignet für einen Lesekreis; worüber sollen wir schon diskutieren? Sicher, man kann über psychische Erkrankungen, PTBS, Klinikaufenthalte usw. sprechen. Aber das führt alles vom eigentlichen Geschehen weg.
Dennoch: lesenswert.
Ein Zitat von Seite 279 meiner Ausgabe – etwas, das ich mich selbst oft frage:
"Gott schickt uns Erdbeben, Wirbelstürme, Tornados. Er gibt uns Berge, die Feuer auf unsere Häupter speien. Ozeane, die Schiffe verschlingen. Er gibt uns die Natur, und die Natur ist eine lächelnde Mörderin. Er schickt uns Krankheiten, damit wir im Angesicht des Todes glauben. Er gab uns Büros, nur damit wir spüren konnten, wie unser Leben darin aus uns herausblutet. Er gab uns Lust und Wut und Gier und unsere schmutzigen Herzen. Damit wir in seinem Namen Gewalt ausüben konnten. Es gibt keine moralische Ordnung, die so rein ist wie dieser Sturm, den wir gerade erlebt haben. Es gibt überhaupt keine moralische Ordnung. Es gibt nur eines: Kann meine Gewalt deine besiegen?" (übersetzt von mir)
Kommentare vom Lesekreis:
- "Das Buch kam in der Gruppe sehr gut an; alle bewerteten es mit 4 oder 5 von 5 Punkten.
- Viele von uns hatten das Buch zuvor noch nicht gelesen, doch eine große Anzahl kannte bereits die Verfilmung von Martin Scorsese. Dies führte zu einer interessanten Situation, da viele Leser die entscheidende Wendung schon kannten, bevor sie das Buch überhaupt aufschlugen. Dennoch herrschte Einigkeit darüber, dass der Roman äußerst fesselnd blieb. Mehrere Mitglieder bemerkten, dass es durch das Wissen um das Ende leichter fiel, Hinweise und Details im Verlauf der Geschichte wahrzunehmen – wenngleich sich einige fragten, ob das Buch ohne dieses Vorwissen vielleicht noch besser oder aber weniger wirkungsvoll gewesen wäre.
- Einer der am häufigsten gelobten Aspekte des Romans war Lehanes Schreibstil. Die Mitglieder hoben immer wieder die bildhafte Sprache und die Atmosphäre hervor, die er im gesamten Buch schafft. Die Insel, das Wetter und die Klinik wirkten überzeugend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Zudem wurde gelobt, wie hervorragend es Lehane gelingt, den Leser in die 1950er-Jahre zu versetzen. Sprache, Dialoge und die Haltung der Figuren vermitteln ein starkes Gefühl für Zeit und Ort.
- Ein Großteil unserer Diskussion drehte sich um den Aufbau des Romans. Wir sprachen über die unzuverlässige Erzählweise, die in der Geschichte verstreuten Hinweise und die Art und Weise, wie Lehane den Leser zu bestimmten Annahmen verleitet. Auch einzelne Figuren und ihre Rollen in der Geschichte wurden erörtert – insbesondere, wie unterschiedlich man sie betrachtet, sobald man die Wahrheit hinter dem Rätsel kennt.
- Auch die Themen Trauma, Schuld, Erinnerung und Selbsttäuschung regten zu Diskussionen an. Wir debattierten über die Klinik selbst, ihre Methoden und die ethischen Fragen, die sich aus der Behandlung der Patienten ergeben. Natürlich war auch das Ende ein zentrales Thema; dabei gab es unterschiedliche Ansichten zu Teddys finaler Entscheidung und deren Interpretation.
- Wie bei unseren Diskussionen üblich, suchten wir nach Verbindungen zu anderen Büchern, die wir bereits gelesen hatten. Diesmal kamen Fight Club und der finnische Roman Rikosetsivien vapaapäivä zur Sprache, da beide Werke den Leser dazu anregen, frühere Ereignisse neu zu bewerten und das eigene Verständnis des Geschehens zu hinterfragen.
- Schließlich kam auch Dennis Lehane als Autor allgemein zur Sprache. Mehrere Mitglieder merkten an, dass etliche seiner Romane verfilmt und hochgelobt wurden und Shutter Island nicht das einzige Beispiel für eine gelungene Adaption seiner Werke für die Leinwand ist. Das Buch inspirierte zudem einige Mitglieder dazu, weitere Werke von Lehane auf ihre Leselisten zu setzen.
"Shutter Island war eine herrlich gruselige Lektüre, die gerade während der unangenehmen jüngsten Hitzewelle in Ontario, Kanada, genau das Richtige war. Ein Täuschungsmanöver folgte auf das nächste. Mir gefiel das vielschichtige Zusammenspiel von Umständen, Persönlichkeiten, Hinweisen und Interpretationen. Das unterscheidet sich stark von meiner sonst eher sanften Lektüre, und ich bin dankbar für diese bereichernde neue Erfahrung."
Nochmals vielen Dank an unsere Leiterin Karin, die einen großartigen Rückblick zusammengestellt hat.
Wir haben dies im Juli 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.
Buchbeschreibung:
"Im Sommer des Jahres 1954 nehmen die US-Marshals Edward Daniels und Chuck Aule Ermittlungen im Ashecliffe Hospital auf, einer Klinik für psychisch kranke Schwerverbrecher, untergebracht auf einer Insel vor der Küste von Massachusetts: Shutter Island. Rachel Solando, eine Kindsmörderin, ist spurlos aus ihrer verschlossenen Zelle verschwunden. Als ein Hurrikan aufzieht, sind die beiden Marshals auf der Insel gefangen. Doch ist die Jagd nach Rachel Solando wirklich der einzige Grund, aus dem Edward Daniels nach Shutter Island gekommen ist?"
Donnerstag, 30. April 2026
Eco, Umberto "Der Name der Rose"
Ich glaube, ich wollte dieses Buch lesen, seit ich das erste Mal von dem Film gehört habe. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Nun, endlich habe ich es geschafft. Aber ich weiß immer noch nicht, warum es "Der Name der Rose" heißt, aber vielleicht bleibt das für immer ein Rätsel.
Das Buch selbst ist definitiv ein Kriminalroman. Ein Kloster im 14. Jahrhundert. Ein Tod folgt dem anderen, manche erscheinen sehr verdächtig, doch bei den meisten ist klar, dass ein anderer Mensch den Tod verursacht hat. Mit anderen Worten: Ein Massenmörder treibt sein Unwesen. Zwei Mönche, die das Kloster besuchen, beginnen zu ermitteln und stoßen auf viele Verbindungen, manche schlüssig, andere eindeutig falsch.
Aber das ist nicht der spannendste Teil der Geschichte, zumindest nicht für mich. Ich bin nicht der größte Fan von Krimis. Was mich aber fasziniert, ist die Bibliothek und das Labyrinth, das sie umgibt, um zu verhindern, dass Unbefugte Bücher lesen. Wenn ihr euch für mittelalterliche Gebäude, Labyrinthe und insbesondere Bibliotheken interessiert, ist dies das ideale Buch für euch. Außerdem gibt es viele bekannte Namen und zahlreiche Anspielungen auf reale und fiktive Personen (Bruder Wilhelm von Baskerville, auch bekannt als Sherlock Holmes, der blinde Mönch Jorge von Burgos, eine Hommage an Jorge Luis Borges).
Es finden sich viele biblische Bezüge, beispielsweise die sieben Posaunen der biblischen Apokalypse, die das Ende der Welt ankündigen. Diese dienen nicht nur als Erzählstruktur, der Roman ist auch in sieben Tage unterteilt.
Die Ausführungen über die Franziskaner fand ich ebenfalls interessant. Da ich in einem Dorf mit einem Franziskanerkloster aufgewachsen bin und mein Leben lang Franziskanermönche kannte, war es mir neu, dass sie anfangs als Ketzer galten.
Ich hätte diese Abtei sehr gerne besucht und die Bibliothek wie die Protagonisten erkundet. Da mir dies aber nicht möglich ist, werde ich das Buch wohl noch einmal lesen müssen. Was ich ganz sicher eines Tages tun werde.
Wer sich für das Mittelalter, für Bücher, für Kriminalromane oder für Klassiker interessiert, sollte es auch lesen.
Buchbeschreibung:
"Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs. Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Jorge von Burgos wacht."
Montag, 30. März 2026
Dickey, James "Flussfahrt"
Offenbar ist dies eines der wichtigsten Bücher des letzten Jahrhunderts. Ich habe das irgendwo gelesen, finde die Stelle aber nicht mehr. Auf jeden Fall scheint es ein großer Erfolg gewesen zu sein.
Als ich die Beschreibung zum ersten Mal las, befürchtete ich, dass es nichts für mich sei und mir das Buch nicht gefallen würde. Die Beschreibung weicht jedoch etwas vom Inhalt ab. Die Geschichte handelt weniger von den Einheimischen, sondern vielmehr von Kriminellen im Wald.
Dennoch ist das Buch absolut fesselnd. Und spannend. Es passiert so viel, und die Reise der vier Männer gehört zu den schrecklichsten Geschichten, die ich je gelesen habe.
Danke an Karin für das Protokoll, das ich eigentlich als Spoiler einfügen wollte, aber Blogger macht da nicht mit. Deshalb schreibe ich das ans Ende:Fazit:
"Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass 'Flussfahrt' ein ausgewogener, gut geschriebener Roman ist, der Spannung mit psychologischer Tiefe verbindet. Auch wenn er stilistisch nicht jedermanns Geschmack traf, hinterließ er einen starken und bleibenden Eindruck und erwies sich als ausgezeichnete Wahl für Diskussionen – ein Buch, das auch lange nach dem Lesen noch zum Nachdenken anregt."
Buchbeschreibung:
"Bevor der wilde Cahulawassee River einem Staudammprojekt zum Opfer fällt und endgültig gezähmt wird, planen vier Großstädter, den unberechenbaren Fluss noch einmal mit dem Kanu zu bezwingen.
Was als harmloser Wochenendausflug amerikanischer Wohlstandsbürger beginnt, die ein wenig Abenteuer suchen, entwickelt sich zusehends zum Überlebenskampf und endet in einem Alptraum.
Flussfahrt ist eine düstere Parabel über das Eindringen der Zivilisation in die Natur, die sich schließlich gewaltsam zur Wehr setzt.
Flussfahrt gilt als einer der besten und einflussreichsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Der Roman war die Vorlage für den Filmklassiker 'Beim Sterben ist jeder der erste'. Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten ist Flussfahrt endlich wieder auf deutsch erhältlich."
Achtung, ab hier kommt der Spoiler!
Moralische Fragen lösten eine lebhafte Debatte aus. War es notwendig, dass die Figuren das Geschehene verheimlichten? Hätten sie überlebt, wenn sie den Behörden vertraut hätten? Wäre ihnen Gerechtigkeit widerfahren? Die Mehrdeutigkeit des Romans – was genau geschah, wer die Verantwortung trug und wie die Ereignisse zu interpretieren sind – hielt die Diskussion offen und fesselnd.
Mehrere Leser bemerkten den gezielten Einsatz von Vorahnungen und „Tschechows Gewehr“, bei dem früh eingeführte Details später an Bedeutung gewinnen. Das straffe Tempo und die Kapitelstruktur wurden als Stärken hervorgehoben: Nichts wirkt überflüssig, und dennoch sind die Figuren und die Welt vollkommen ausgearbeitet.
Wir diskutierten auch übergreifende Themen wie menschliches Verhalten unter Druck, die fließende Grenze zwischen Zivilisation und Überleben, Begegnungen mit der Wildnis und die Darstellung ländlicher Stereotype. Viele waren sich einig, dass das Buch einen tief berührt – selbst Leser, die dieses Genre normalerweise nicht wählen würden.
Anmerkungen zur Verfilmung
Einige Mitglieder hatten die Verfilmung (Beim Sterben ist jeder der Erste) gesehen und empfahlen sie zusammen mit dem Buch. Der Film wurde als sehr wirkungsvoll in der Darstellung der physischen Gefahren und der Spannung der Flussreise beschrieben. Während sich der Roman mehr auf die inneren Gedanken und die moralische Unsicherheit der Figuren konzentriert, betont der Film Action und Atmosphäre, wobei die Schauspieler sogar ihre gefährlichen Stunts selbst ausführten. Die Gruppe fand, dass die beiden Versionen gut zusammenpassen: Das Buch bietet psychologische Tiefe, und der Film fügt ein starkes visuelles und emotionales Erlebnis hinzu.".
Montag, 23. März 2026
Swindells, Robert "Mauern aus Schweigen"
Eine Freundin erzählte mir von diesem Buch und lieh es mir. Sie hatte es in der Schule unterrichtet und war sich sicher, dass es mir gefallen würde. Und so war es auch. Was für eine Geschichte!
Marthas Geschichte ist herzzerreißend. Sie hat keine Freiheit, sie wird zu Hause wie eine Gefangene gehalten. Sie kann keine Freunde finden. In der Schule wird sie gemobbt. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn ich hatte dasselbe Problem in der Schule. Meine Eltern hatten nicht viel Geld, und meine Mutter nähte immer meine Kleidung. Es waren schöne Kleider, aber ich wurde deswegen ständig gemobbt. Und ich fühlte mich nirgendwo zugehörig.
Zum Glück waren meine Eltern ganz normale Katholiken, und sie beschwerten sich immer über Leute, die die Religion über ihre eigene Familie stellten. Denn genau das tun Marthas Eltern.
Ich kann die Geschichte nicht erzählen, ohne zu verraten, was passiert ist und warum die Familie sich so verhalten hat. Nur so viel: Martha findet einen Freund, und er hilft ihr, sich selbst zu finden.
Buchbeschreibung (übersetzt):
"Eine düstere Geschichte über beschämende Geheimnisse, religiöse Intoleranz und den Kampf eines Mädchens gegen die emotionalen Fesseln eines gewalttätigen Elternhauses. Martha ist zwölf – und ganz anders als andere Kinder, dank ihrer Eltern. Als strenge Mitglieder einer religiösen Gruppe – der Gerechten – bestimmen deren Regeln Marthas Leben. Und eine Regel ist die wichtigste: Sie darf niemals jemanden mit nach Hause einladen. Denn sonst könnte ihr beschämendes Geheimnis – die 'Abscheulichkeit' (Abomination) – ans Licht kommen. Doch als Martha in Scott, einem neuen Jungen in der Schule, ihren ersten richtigen Freund findet, kommen ihr Zweifel. Tut sie das Richtige, wenn sie hilft, die Abscheulichkeit geheim zu halten? Und wie weit werden ihre Eltern gehen, um die Wahrheit zu verbergen?"
Montag, 16. Juni 2025
Osman, Richard "Wir finden Mörder"
Ich war von Richard Osmans ersten Büchern absolut begeistert, weil ich ihn als Menschen liebe und auch als Autor lieben gelernt habe. Deshalb habe ich mich riesig gefreut, als mein Sohn mir dieses Buch zu Weihnachten geschenkt hat.
Wäre das ein Film, wäre es eher ein Action-Thriller als ein Krimi. Ich schaue mir gerne Krimis an (obwohl ich nicht viele lese), aber Actionfilme mag ich überhaupt nicht. Viel zu laut für mich.
Ich muss sagen, bei diesem Buch war es fast genauso. Ich habe Leute über seine ersten Bücher klagen hören, dass es zu viele Charaktere gäbe und man verwirrt sei. Nun, wenn man bei den ersten Büchern verwirrt war, wird dieses Buch sicher nichts für einen sein. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um überhaupt zu verstehen, wer wer war und was sie vorhatten. Mein Buch hat 464 Seiten, und ich glaube, ich bin ungefähr bei Seite 200 in die Geschichte eingestiegen. Viel zu spät, und bei einem anderen Autor hätte ich aufgegeben.
Das Buch ist zwar teilweise humorvoll, aber es ist nicht der Humor, den ich von Richard Osman gewohnt bin. So schade.
Buchbeschreibung
"Wer anderer Leute Leben schützt, ist selbst schnell tot.
Amy Wheeler ist es als Bodyguard gewohnt, ihr Leben zu riskieren. Aber dass sie selbst ins Visier gerät, ist auch für Amy neu. Zumal sie nicht weiß, warum da plötzlich jemand wie verrückt auf sie schießt, während sie in South Carolina auf eine unfassbar reiche und erfolgreiche Thrillerautorin aufpasst. Ob es mit den Morden an Influencern zusammenhängt, die allesamt von ihrer Agentur betreut wurden?
Zu Hause in England genießt ihr Schwiegervater, der Ex-Kriminalkommissar Steve Wheeler, derweil die Freuden der Pensionierung: ein Pub, ein Pint, ein Quiz – und die Ruhe des Waldes.
Mit der jedoch ist’s vorbei, als seine Schwiegertochter anruft und ihn zu sich zitiert. Um mit ihm die Morde aufzuklären. Und so die Hintermänner zu finden, die ihr nach dem Leben trachten."
Freitag, 25. April 2025
Christie, Agatha "Und dann gabs keines mehr"
"Zehn kleine Negerlein, die fuhren übern Rhein;
Im amerikanischen Originallied, waren es erst Indianer, dann Soldatenjungen, und zuletzt die Negerlein. Aber zum Glück wird das Lied so nicht mehr gesungen. Viele Übersetzungen verwenden immer noch den alten Titel, was ich, besonders heutzutage, völlig inakzeptabel finde. (Hätte damals schon so sein sollen, aber wir wissen ja, wie es war. Leider.)
Buchbeschreibung:
"Eine kleine Insel vor der Küste Devons, ein geheimnisvoller Gastgeber und ein gnadenloses Unwetter - sobald das Meer sich beruhigt, werden vom Festland Boote und Menschen kommen. Und sie werden zehn Tote und ein ungelöstes Problem auf der Insel finden..."
Christie, Agatha "Mord im Orient-Express"
Buchbeschreibung:
"Eigentlich wollte Hercule Poirot die Fahrt in dem weltberühmten Luxuszug genießen, aber seine Mitreisenden verderben ihm das Vergnügen gründlich. Allerdings wird er bald entschädigt, denn eine Leiche wird entdeckt. Ein Toter und ein Zug voller Verdächtiger: ein gefundenes Fressen für den Meisterdetektiv."
Samstag, 8. Februar 2025
Oates, Joyce Carol "Pik Bube"
Buchbeschreibung:
"Genie und Wahnsinn: ein Thriller auf höchstem Niveau von Amerikas Literatur-Ikone Joyce Carol Oates
Unter dem Pseudonym 'Pik-Bube' verfasst der renommierte Schriftsteller Andrew Rush düster-verstörende Thriller. So leicht ihm das Schreiben dieser rauschhaften Gewaltfantasien weit nach Mitternacht von der Hand geht, so verschwommen ist später seine Erinnerung an den Inhalt. Als ein Plagiatsvorwurf Rushs guten Ruf – und damit seine Existenz und seine Familie – bedroht, ist plötzlich 'Pik-Bube' mit hinterhältigen Ratschlägen zur Stelle. Und fast gegen seinen Willen beginnt Rush ihnen zu folgen ...."
Montag, 13. Januar 2025
Tartt, Donna "Die geheime Geschichte"
"Die geheime Geschichte" (The Secret History) steht auf meiner Wunschliste, seit ich "Der Distelfink" (The Goldfinch) gelesen habe. Und dieses Jahr bin ich endlich dazu gekommen.
Und es ist eine sehr beeindruckende Geschichte. Aber es ist schwierig, ins Detail zu gehen, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel. Eine Gruppe von Studenten tut etwas wirklich Schlimmes und kann nur dadurch davonkommen, dass sie etwas noch Schlimmeres tut. Die Charaktere sind nicht wirklich sympathisch, aber sie gehen einem unter die Haut. Man kann ihren Handlungen nicht folgen, aber irgendwie geht es doch.
Ein anspruchsvolles Buch, das mich wahrscheinlich ewig begleiten wird.
Zitate:
über Migräne:
"Henry, flach auf dem Rücken in einem dunklen Raum, Eisbeutel auf dem Kopf und ein Taschentuch über den Augen.
'Ich habe sie nicht mehr so oft wie früher. Als ich dreizehn oder vierzehn war, hatte ich sie ständig. Aber jetzt, wenn sie kommen – manchmal nur einmal im Jahr –, sind sie anscheinend viel schlimmer. …'"
über den Tod:
"Ist der Tod wirklich so schrecklich? Er kommt euch schrecklich vor, weil ihr jung seid… Es ist nicht gut, sich vor Dingen zu fürchten, von denen man nichts weiß …'"
Buchbeschreibung:
"Richard Papen stammt aus einfachen Verhältnissen. Als er aufgrund eines Stipendiums das College besuchen kann, ist er gleich fasziniert von der ihm fremden Welt. Besonders zieht ihn eine Gruppe junger Studenten in den Bann, mit denen er nicht nur Griechisch lernt, sondern auch ausgelassen feiert. Doch bald spürt er, dass unter der Oberfläche unerschütterlicher Freundschaft Spannungen lauern und dass ein furchtbares Geheimnis seine Freunde belastet – ein Geheimnis, das auch ihn mehr und mehr in seinen dunklen, mörderischen Sog zieht."
Mittwoch, 18. Dezember 2024
Tokarczuk, Olga "Der Gesang der Fledermäuse"
Ich habe ein Buch von Olga Tokarczuk (Ur und andere Zeiten/Primeval and Other Times) gelesen, als sie ihren Nobelpreis für Literatur erhielt. Und seitdem wollte ich mehr von ihr lesen. Ein Mitglied unseres Lesekreises hat mir jetzt eines geliehen und ich habe es mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen, es ist so spannend. Janina Duszejko ist so eine interessante Figur. Und die Geschichte beginnt so leise, dass man am Anfang gar nicht merkt, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, welche nicht meine Favoriten sind.
Obwohl sie die Protagonistin des Romans ist, sieht man sie am Anfang nicht als solche. Janina ist eine etwas seltsame Frau mittleren Alters, die in den Bergen an der polnisch-tschechischen Grenze, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, lebt, wo sie sich um die Sommerhäuser einiger reicher Leute kümmert. Sie arbeitet mit Astrologie und übersetzt Gedichte von William Blake. Sie liebt Tiere und ist Naturschützerin. Eine bemerkenswerte Frau.
Wohin diese Geschichte führt, weiß ich nicht. Aber ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für großartige Literatur interessiert.
Buchbeschreibung:
"Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter fliehen die allermeisten Einwohner den windumtosten Ort. An den langen dunklen Tagen widmet sich Janina Duszejko der Astrologie und der Lyrik des von ihr verehrten William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für ver- rückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Janinas Nachbar Bigfoot ist grausam erstickt: In seiner Kehle steckt der Knochen eines Rehs. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust. Kriminalfall, philosophischer Essay, Fabel, literarisches Spiel – auf ebenso komische wie ergreifende Weise zei- gen Olga Tokarczuk und ihre hinreißende Heldin, wie sehr es unserer Gesellschaft an Respekt mangelt, ob der Natur und den Tieren gegenüber oder jenen Menschen, die am Rande stehen."
Und warum die deutsche Übersetzung "Der Gesang der Fledermäuse" heißt, ist mir immer noch ein Rätsel.
Olka Tokarczuk erhielt den Nobelpreis für Literatur 2018 "für ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht".
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.
Samstag, 14. Dezember 2024
Ruiz Zafón, Carlos "Das Labyrinth der Lichter"
(Der Friedhof der vergessenen Bücher/El cementerio de los libros olvidados #4)
Dies sind die ersten Bücher in der Serie:
- "Der Schatten des Windes" (The Shadow of the Wind) (La Sombra del Viento)
- "Das Spiel des Engels" (The Angel’s Game) (El Juego del Ángel)
- "Der Gefangene des Himmels" (The Prisoner of Heaven) (El Prisionero del Cielo)
Buchbeschreibung:
"Packend, rasant und voller Magie - der neue Zafón!
Dienstag, 10. September 2024
Eschbach, Andreas "Eine Billion Dollar"
Buchbeschreibung:


























