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Freitag, 18. September 2026

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus"

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus" (Spanisch: La Casa del Papel) - The House of Paper - 2007

Ein interessantes Buch über eine Frau, die beim Lesen stirbt, einen Mann, der ein Haus aus Büchern baut, und einen weiteren Mann, der versucht, die Verbindung zwischen ihnen zu finden. Für meinen Geschmack etwas zu kurz (nur 96 Seiten): Man lernt die Figuren nicht lange kennen – gerade erst eingelesen, ist die Geschichte schon vorbei.

Dennoch war es eine durchaus angenehme Lektüre. Als Bonus gibt es vorne im Buch eine schöne Karte, die den Weg der Hauptfigur nach Südamerika zeigt. Sie erinnert an alte Karten auf Pergament – ​​ein Detail, das auch jedem Bücherliebhaber gefallen dürfte. Eine wunderbare kleine Geschichte über Menschen, die Bücher lieben.

Buchbeschreibung:

"Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden."

In diesem Roman werden viele Bücher erwähnt. Das wichtigste ist
"Die Schattenlinie" (The Shadow-Line) von Joseph Conrad.

Andere:
Burckhardt, Jacob "Die Cultur der Renaissance in Italien"
Cervantes, Miguel de "Don Quixote von der Mancha" (SPAN: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha/Don Quixote)
Dickinson, Emily "Gedichte" (Poems)
Dostoevskij, Fyodor "Die Brüder Karamasow" (RUS: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy/The Brothers Karamazov)
Faulkner, William "Absalom! Absalom!" (Absalom! Absalom!)
Hesse, Hermann "Siddhartha" (Siddhartha: An Indian Poem)
Hemingway, Ernest "In einem anderen Land" (A Farewell to Arms)
Salgari, Emilio "Sandokan, der Tiger von Malesia" (IT: I Tigri di Momprasem)

Dienstag, 18. August 2026

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer" (Englisch: Cardiff by the Sea) - 2020

Vor einiger Zeit startete eine meiner Blogger-Freundinnen (Lisa von Captivated Reader) eine gemeinsame Leseaktion (zu Daddy Love von Joyce Carol Oates). Ich stieß zwar etwas verspätet dazu, konnte mich aber dennoch an der Unterhaltung beteiligen. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen, ein weiteres Buch derselben Autorin gemeinsam zu lesen – einer unserer Lieblingsautorinnen (ich habe bisher 18 ihrer Bücher gelesen, mit diesem hier sind es 19; siehe hier).

Da Lisa dieses Buch bereits auf ihrem SUB hatte, fiel uns die Entscheidung leicht, und wir begaben uns gemeinsam auf diese Lektüre-Reise.

Wie die meisten Bücher von JCO ist auch dieses düster und traurig, aber absolut empfehlenswert.

Bevor ich mit meiner eigenen Rezension beginne, möchte ich euch auf Lisas Beitrag hinweisen. Ich möchte nicht alles wiederholen, was sie bereits geschrieben hat; wer also einen umfassenden Einblick erhalten möchte, sollte einen Blick auf ihre Seite werfen. Solltet ihr eine Übersetzung benötigen, sagt mir bitte Bescheid.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer anderen Bücher handelt es sich hierbei nicht um einen einzelnen Roman, sondern um vier Kurzgeschichten, die ich nacheinander vorstellen werde:

1. Cardiff am Meer (Cardiff, by the Sea)
Lisa meinte, das sei ein hervorragender Text, und ich stimme ihr voll und ganz zu. Die erste Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. JCO versteht es, alles so spannend zu gestalten, dass man den Protagonisten wirklich nahekommt.
Clare ist ein Adoptivkind und erfährt Dinge über ihre Vergangenheit, die sie zutiefst schockieren und verwirren. Ich wäre unglaublich wütend gewesen, wenn man mir so etwas vorenthalten hätte.
Ich finde es gut, dass die Autorin keine Erklärungen zu den Figuren liefert, sondern uns selbst unsere eigenen Schlüsse ziehen lässt.
Was die Figuren angeht: Oh Gott, es gab da zwei Tanten, denen ich am liebsten eine geknallt hätte. Wäre ich an Clares Stelle gewesen, hätte ich tatsächlich kehrtgemacht – wenn nicht gleich am ersten Tag, dann spätestens, als ich mehr erfahren hatte.
Ich bin eigentlich kein großer Fan von mehrdeutigen oder offenen Enden. Oder vielleicht doch, denn ich liebe JCO einfach zu sehr. Ein etwas klareres Ende hätte mir allerdings besser gefallen. Gab es Gespräche zwischen Clare und ihren Adoptiveltern? Wie viel wussten sie?

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Gerard der Mörder war, und hätte mir gewünscht, dass das am Ende aufgeklärt wird – aber … es ist eben JCO.


Der Erklärung einer Figur zum Thema Gott stimme ich allerdings zu. Nein, ich kann nicht glauben, dass er voller Liebe ist. Auch wenn es so in der Bibel steht (die ich schon oft gelesen habe), gibt es dort doch viele Stellen, die genau das Gegenteil behaupten. Dennoch glaube ich, dass wir gut zueinander sein und versuchen sollten, unseren Mitmenschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Religion macht das manchmal unmöglich, indem sie uns einredet, unsere Belohnung erhielten wir erst im Himmel.
Ein Mensch wie Clare hat kaum Hoffnung, der düsteren Anziehungskraft dieser Familie zu entkommen. Das Beste, was sie tun kann, ist zu gehen und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Eine weitere Frage, die aufkam, lautete: "… warum hat ein liebender Gott zugelassen, dass unschuldigen Menschen in diesem Haus solche Schrecken widerfahren?" Nicht nur in diesem Haus. Das frage ich mich ständig. Kriege werden geführt, Kinder und Unschuldige getötet – und vieles davon im Namen Gottes‽ Das kann nicht richtig sein.
Ich glaube, JCO teilt diese Gedanken.

2. Miao Dao (Miao Dao)
Wieder eine absolut interessante Geschichte. Mia ist elf Jahre alt und ihre Eltern sind geschieden. Lisa beschreibt das am besten, daher zitiere ich sie: "Es ist ein beunruhigender Blick darauf, wie junge Mädchen gezwungen sind, sich viel zu früh in beängstigenden Umgebungen zurechtzufinden." (It’s an unsettling look at how young girls are forced to navigate terrifying environments far too early.)
Uns hat das Wortspiel mit "Meow" und "Mia" sehr gut gefallen.
Ich habe auch ein YouTube-Interview mit JCO gefunden, bin aber noch nicht dazu gekommen, es mir anzuhören.
Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei "Miao Dao" um einen traditionellen chinesischen Zweihandsäbel handelt.
Diese Geschichte endete eher so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe dem Bösewicht von Anfang an nicht getraut; bestimmte Bemerkungen verrieten mir genau, was passieren würde.

Ich hätte allerdings nicht unbedingt gedacht, dass er getötet würde.

Aber wie immer sehr spannend zu lesen.

Ich habe erfahren, dass diese Geschichte eine von sieben Erzählungen in der Sammlung "Dark Corners" ist, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Ich habe eine Liste gefunden:
1. Hannah-Beast (2018) Stephen Graham Jones
2. The Sleep Tight Motel (2018) Lisa Unger
3. There's a Giant Trapdoor Spider Under Your Bed (2018) Edgar Cantero
4. Miao Dao (2018) Joyce Carol Oates
5. The Tangled Woods (2018) Emily Raboteau
6. The Remedy (2018) Adam Hasler
7. Oak Avenue (2018) Brandi Reeds
Als ich jedoch nach den deutschen Titeln für diesen Eintragt googelte, stellte ich fest, dass nur "Miao Dao" von JCO stammt. Die anderen Autoren habe ich erst später hinzugefügt.
Auch ist keine außer Miao Dao auf deutsch erschienen.

3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
In dieser Geschichte geht es um Alyce, eine schüchterne junge Studentin, die von ihren Tutoren missbraucht und anschließend schwanger wird.
Wir haben ihre Situation oft mit unserer eigenen verglichen: das Älterwerden und das Feststecken in einem Körper, der nicht mehr so ​​gehorcht wie früher – irgendwie wie das Gefängnis, in dem Alyce sitzt. Wir müssen uns mit dem abfinden, was uns gegeben ist. Unsere missliche Lage rührt allerdings daher, dass wir älter werden, und nicht daher, dass wir missbraucht wurden und schwanger geworden sind.
Dennoch sind wir an den Körper gebunden, den wir haben. Wir können nur begrenzt etwas tun, um ihn zu verbessern. Zumindest können wir versuchen, ihn selbst zu kontrollieren.
Ich bin kein großer Fan von "Alice im Wunderland" (Alice in Wonderland), weder des Zeichentrickfilms noch des Buches. Daher kannte ich den Begriff "phantom-wise" (im Sinne von "wie ein Phantom") nicht. Er ist jedoch sehr treffend.
Ich habe ja die "Pro-Life"-Einstellung (Lebensrechts-Bewegung) erwähnt. Früher war ich sehr aktiv auf Facebook, aber etliche Leute haben mich gelöscht, nachdem ich den Amerikanern zu ihrem damaligen neuen Präsidenten (Barack Obama) gratuliert hatte. Manche erzählten mir auch von den schrecklichen Demokraten, die Babys töteten (womit sie Abtreibungen meinten). Ich entgegnete, dass auch ich Abtreibungen nicht gut finde, aber solange wir schwangeren Frauen nicht helfen, wird es Abtreibungen geben – und illegale Abtreibungen sind sehr gefährlich. Statt für die ungeborenen Babys zu beten, sollte man lieber für deren Mütter beten, für die eine Abtreibung der letzte Ausweg war. Und für die Kinder, die aufgrund der Waffengesetze in Schulen und auf der Straße getötet werden. Bessere Bildung für Kinder, Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, Hilfe für alleinerziehende Mütter, damit sie nicht in völlige Armut abrutschen – das sind Dinge, die Abtreibungen verhindern; sie zu verbieten, macht die Lage nur schlimmer. In den USA gibt es dreimal so viele Abtreibungen wie in Deutschland (und sicherlich auch in anderen Ländern). Zudem weisen sie eine der höchsten Raten an Teenager-Schwangerschaften und -Geburten in entwickelten Regionen auf. Eine Haltung, die nur die Geburt befürwortet, aber nicht das Leben an sich (also "Pro-Birth" - für Geburt statt "Pro-Life" - für Leben), führt zu mehr Abtreibungen. Betet also für die armen Mädchen, die in eine Situation gedrängt werden, in der sie nur einen Ausweg sehen, und für diejenigen, die ihr Kind bekommen und dadurch in Armut geraten. Und betet auch dafür, dass die Gesetzgeber die Bedingungen für schwangere Mädchen verbessern, die sich nicht selbst helfen können. Hoffen wir also, dass sich die Lage wieder bessert.
Diese Novelle war sehr kurz, aber ich war froh, dass sie nicht länger war. Ich glaube nicht, dass ich es viel länger ausgehalten hätte. Ich bin nicht gerade zartbesaitet, aber diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen. Die arme Alyce. Die armen Mädchen.
Das Ende habe ich besser verstanden als zum Beispiel bei "Cardiff". Es gab einen Abschluss. Kein gutes Ende, aber ein Ende. Niemand schreibt so wie JCO.

4. Das Überlebende Kind (The Surviving Child)
Ich kann verstehen, warum Lisa diese Geschichte am wenigsten mochte. Ich wüsste gar nicht, in welcher Reihenfolge ich sie einordnen würde, denn sie waren alle gleichermaßen fantastisch wie traumatisch. Meine Güte, was Frauen alles durchmachen müssen!
Was mir an der Geschichte gefiel: Sie entwickelte sich langsam. Zunächst ist es nur eine Frau, die einen Witwer kennenlernt. Das kommt oft vor und führt häufig zu einer guten Beziehung.
Alle Protagonistinnen machen eine schwere Zeit durch – einen Albtraum oder Ähnliches –, verursacht durch die Männer in ihrem Leben.
Hätte ich mir das alles gefallen lassen? Vielleicht nicht. Aber ich bin stark; ich bin mit drei jüngeren Brüdern aufgewachsen und habe schon früh gelernt, mich zu verteidigen.
Beim Lesen des letzten Romans musste ich an Sylvia Plath denken, einfach weil sie eine zutiefst gequälte Autorin war – genau wie die erste Frau des Protagonisten Alexander. Ich konnte gut verstehen, dass Elizabeth, seine zweite Frau, die Schriften ihrer Vorgängerin lesen wollte; an ihrer Stelle hätte ich das sicher auch gewollt. Mir gefällt die Beschreibung Alexanders als "Oatesian Villain" (Oates-typischer Bösewicht). Ich hatte noch nie gehört, dass JCOs Name als Adjektiv verwendet wird, aber sie hat es absolut verdient. Und ja, auch wenn Alexander seine Familie nicht körperlich misshandelt, ist er einer der schlimmsten Tyrannen, die man sich vorstellen kann. Der arme Stefan, der mit ihm aufgewachsen ist, hat dem nichts entgegenzusetzen.
In Märchen lesen wir oft von grausamen Stiefmüttern. Das liegt daran, dass es sie damals so häufig gab. Viele Frauen starben im Kindbett, und die Männer mussten erneut heiraten, um jemanden für die Erziehung der bereits vorhandenen Kinder zu haben. Mit der neuen Frau bekamen sie weitere Kinder, die sie dann mehr mochten. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Stiefmütter nicht gerade nett waren. Elisabeth ist da anders – so wie, wie ich glaube (und hoffe), die meisten Stiefmütter heute.
Ich hoffe, dass Elisabeth einen Weg findet, Alexanders Fängen zu entkommen. Und Stefan mitnimmt. Zumindest besteht am Ende diese Hoffnung.
Auf der Suche nach Antworten stieß Lisa im Internet auf folgende Frage:
Hat Joyce Carol Oates jemals eine wirklich glückliche, unbeschwerte Szene geschrieben?
Das kann ich nicht sagen, aber das ist auch nicht der Grund, warum ich ihre Bücher lese. Ich glaube auch nicht, dass dies ihr Beweggrund für das Schreiben ist. Sie möchte die Probleme dieser Welt hervorheben – sei es, indem sie auf wahre oder annähernd wahre Geschichten hinweist, oder indem sie sich Geschichten ausdenkt.

Buchbeschreibung:

"In diesem Band mit vier bisher unveröffentlichten großen Erzählungen der bekannten Autorin werdendie Leser wieder einmal in eine Welt schaurig-spannender, psychologisch reizvoller Beziehungen befördert. Auslöser sind Vorfälle, die jedem von uns geläufig sind, sei es aus persönlicher Erfahrung oder durch Medienberichte. Da ist der Telefonanruf eines Fremden – soll ich den Anruf annehmen oder besser nicht? –, eine zugelaufene, herumstreunende Katze – kann sie die Rettung sein? –, die Beziehung einer jungen Studentin zu ihrem Mentor oder ein ungeklärter Selbstmord. In jeder dieser Erzählungen entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein psychologisches Geflecht, das Vergangenheit und Gegenwart, Gedanken und Handlungen miteinander verflicht. Im Zentrum stehen bei Oates die bedrohlichen Erlebnisse junger Frauen, die sich in der Gegenwart mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Mit dieser Zusammenstellung ist es dem US-Verleger in einem geschickten Schachzug gelungen, Oates' Herzensanliegen – nämlich aufzuzeigen, wie Frauen in einer häufig psychisch und körperlich brutalen Männerwelt bestehen – in einem kompakten, inhaltlich stringenten Erzählband auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen sind spannend, überraschend, bemerkenswert. Die roten Fäden, die sich vom ersten Satz bis zur endgültigen Auflösung auf der letzten Seite durch die Geschichten ziehen, sind sprachlich fein durchdacht und auf höchstem literarischen Niveau."

Wir haben vor, im Oktober/November "Die Verfluchten" (Goodreads) (The Accursed) (Goodreads) zu lesen. Gebt uns Bescheid, wenn ihr mitmachen möchtet.

Dienstag, 28. April 2026

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte"

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte" (Englisch: The Thirteenth Tale) - 2006

Margaret Lea ist Sachbuchautorin und hat bereits mehrere Biografien über verstorbene Persönlichkeiten verfasst. Nun erhält sie das Angebot, das Leben einer der berühmtesten, aber auch geheimnisvollsten Autorinnen Englands, Vida Winter, aufzuschreiben. Sie hat zwölf Geschichten über ihr Leben geschrieben, die allesamt fiktiver sind als ihre eigenen, die ich vermutlich nicht lesen möchte. Die Titel klingen zwar nach seichter Unterhaltungsliteratur, aber man muss die Geschichten nicht kennen, um "Die dreizehnte Geschichte" zu verstehen.

Die Autorin und ihre Biografin entdecken eine Gemeinsamkeit: Beide sind Zwillinge, und Margarets Mutter hat den Verlust ihrer Zwillingsschwester nur schwer verkraftet.

Während Margaret Vidas Lebensgeschichte lauscht, lernt sie nicht nur die Zwillinge Emmeline und Adeline und alle anderen Bewohner von Angelfield House kennen, sondern entdeckt auch viel über sich selbst und über die Geheimnisse, die Vida für sich behält. Am Ende wartet eine große Überraschung.

Das ist eine recht interessante Geschichte, auch wenn ich sie nicht als große Literatur bezeichnen würde. Aber sie liest sich gut.

Da beide Protagonisten gerne lesen, insbesondere Klassiker, werden viele davon erwähnt (deutsche Titel, wenn eine Übersetzung vorhanden ist):

Ainsworth, William Harrison "The Spectre Bride" (Die Geisterbraut" - in "Das Horrorkabinett/Ghost Stories: Erstübersetzung Band I")
Austen, Jane (deutsche Einträge) "Emma" (Emma) - 1816 (The Motherhood and Jane Austen)
- "Sense & Sensibility" (Verstand & Gefühl/Sinn & Sinnlichkeit) - 1811 (The Motherhood and Jane Austen) 
Braddon, Mary Elizabeth "Lady Audley's Secret" (Lady Audleys Geheimnis) - 1862
Brontë, Charlotte "Jane Eyre" (Jane Eyre) - 1847
Conan Doyle, Sir Arthur "The Case-book of Sherlock Holmes" (Sherlock Holmes’ Buch der Fälle) - 1921-27
James, Henry "The Turn of the Screw" (as Durchdrehen der Schraube) - 1898
Kingsley, Charles "The Water Babies" (Die Wasserkinder) - 1862-63
Stevenson, Robert Louis "Dr. Jekyll and Mr. Hide" (Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) - 1850-94
Trollope, Anthony "The Eustace Diamonds" - 1873
Walpole, Horace "The Castle of Otranto" (Das Schloss von Otranto) - 1764

Auch wenn ich nicht alle gelesen habe, würde ich die übrigen Bücher lieber lesen als jedes der Bücher, die (laut Coverbild) von Vida Winter "geschrieben" wurden:
Das Puppentheater (The Puppet Show)
Regeln des Leidens (Rules of Affliction)
Das Geburtstagskind (The Birthday Girl)
(13) Geschichten von Wandel und Verzweiflung (Tales of Change and Desperation)
Spuk (Hauntings)
Zweimal ist für immer (Twice is Forever)
Zwischen den Welten (Betwixt and Between)
Aus dem Bogen (Out of the Arc)
(Ich habe keine deutschen Titel im Internet gefunden, daher sind die deutschen Titel von mir übersetzt.)

Buchbeschreibung:

"Sie gilt als Englands beliebteste Schriftstellerin, und doch weiß keiner, wer Vida Winter wirklich ist. Ihr ganzes Leben lang hat sie Stillschweigen darüber bewahrt, was damals, in jener Nacht vor rund sechzig Jahren, wirklich geschah, als der Familiensitz der Angelfields bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Nun, dem Tode nah, erleichtert Vida Winter erstmals ihr Gewissen und gesteht die schockie-rende Wahrheit über sich und ihre Zwillingsschwester.
"

Als Margaret Miss Winter in ihrem Schlafzimmer besucht, entdeckt sie ein Bild, über das sie sprechen. Es heißt "Dickens' Dream" (Dickens' Traum) und wurde von Robert W. Buss gemalt.
Weitere (englische) Informationen findet ihr auf diesen Seiten:
Dickens' Picture by Robert W. Buss
"Dickens' Dream"
Robert Williams Buss 

Montag, 19. Januar 2026

Tucker, Helen "Horch, die Stimmen des Sommers"

Tucker, Helen "Horch, die Stimmen des Sommers" (Englisch: The Sound of Summer Voices) - 1969

Was würdest du denken, wenn du mit elf Jahren herausfändest, dass deine Tante deine Mutter ist und deine Mutter nie existiert hat? Genau vor diesem Problem steht Patrick, doch niemand will ihm die Wahrheit sagen. Also muss er seine ganze Familie ausspionieren, um mehr Details herauszufinden.

Eine sehr interessante Geschichte über das Erwachsenwerden und die Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, an der man nicht beteiligt war. Ich habe diesen Roman vor Jahren gelesen, würde ihn aber gerne noch einmal lesen, wenn ich nur ein Exemplar hätte …

Buchbeschreibung:

"Über das Aufwachsen eines von den Großeltern streng erzogenen Jungen in den Südstaaten der USA der beginnt, die Aussagen und Lügen der Erwachsenen nicht mehr zu glauben und sich auf dei Suche nach Wahrheiten macht."

Samstag, 12. Juli 2025

Kostova, Elizabeth "Die Schwanendiebe"

Kostova, Elizabeth "Die Schwanendiebe" (Englisch: The Swan Thieves) - 2010

Ich habe Elizabeth Kostavas erstes Buch "Der Historiker" (The Historian) vor ein paar Jahren gelesen und es sehr genossen. Als ich dann auf diesen Roman stieß, musste ich ihn einfach lesen.

Obwohl dieses Buch völlig anders war als ihr erstes, wurde ich nicht enttäuscht. Wie in ihrem vorherigen Buch bringt sie Geschichte und Kunst in ihren Roman ein. Eine meiner Lieblingsepochen der Kunstgeschichte, der französische Impressionismus. Béatrice de Clerval, die in der Geschichte vorkommt, war keine reale Person, viele der erwähnten Maler jedoch schon. Allein ihre Namen aufzuzählen, fühlt sich an, als würde man durch eines der großen Pariser Museen gehen: Manet, Morisot, Monet, Sisley, Pissarro.

Mir hat dieser Roman genauso gut gefallen wie ihr erster, und ich freue mich schon auf weitere.

Buchbeschreibung:

"Der Psychiater Andrew Marlow liebt seinen Beruf, seine gelegentliche Malerei und sein unabhängiges Leben. Als der berühmte Maler Robert Oliver sein Patient wird, ist es damit vorläufig vorbei. Der Künstler hatte versucht, ein Gemälde in der National Gallery of Art in Washington mit einem Messer zu attackieren. Béatrice de Clerval ist eine begabte junge Malerin in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris. Ihr Mentor Olivier Vignot veranlasst, dass eines ihrer Gemälde unter Pseudonym in einer Salon-Ausstellung der Impressionisten gezeigt wird. Was hat das Schicksal dieser Künstlerin, deren Briefe an ihren Malerfreund sich im Besitz des genialen Künstlers Robert Oliver befinden, mit dessen zerstörerischem Wahn zu tun? Mit großer psychologischer Einfühlung beschreibt Elizabeth Kostova in ihrem spannenden neuen Roman die Geschichte einer Obsession, einer großen Liebe - und wie die Liebe zur Kunst die Seelen der Menschen bewegt."

Mittwoch, 23. April 2025

Pamuk, Orhan "Das schwarze Buch"

Pamuk, Orhan "Das schwarze Buch" (Türkisch: Kara Kitap) - The Black Book - 1990 

Ein Mann sucht seine verschwundene Frau. Er streift durch die Straßen Istanbuls, um einen Blick zurück auf ihre Vergangenheit zu werfen. Dabei verlässt er sich vor allem auf die Hilfe zweier Kolumnisten. Das ist auch schon die Handlung dieser Geschichte. Aber es steckt so viel dahinter, so viele "Begegnungen", Gegenwart trifft auf Vergangenheit, Ost auf West, Religion auf Säkularismus.

Orhan Pamuk schafft es, seine Heimatstadt so zu beschreiben, dass man sie unbedingt (wieder) besuchen möchte, er macht sie so interessant, den Wechsel der Menschen und Kulturen. Dieses Buch ist nicht nur ein Roman, es sind viele Kurzgeschichten, die miteinander verwoben sind, verschiedene Personen erzählen die Geschichte, ein Teil davon wurde von den beiden Kolumnisten geschrieben, sodass man im ganzen Roman verschiedene Stimmen hört.

Wie auch seine anderen Bücher hat mir das Buch dieses herausragenden Autors sehr gut gefallen.

Buchbeschreibung:

"Der Held dieses türkischen Romans - ein etwas windiger Anwalt namens Galip - entdeckt eines Tages, daß seine Frau und sein Cousin verschwunden sind. Er macht sich auf die Suche und glaubt zuweilen, ihnen näherzukommen, aber Istanbul wird ihm immer mehr zu einem Labyrinth geheimer Hinweise, in dem er nicht nur die beiden, sondern auch sich selbst verliert. Der eigentliche Protagonist dieses Romans ist die Stadt Istanbul. Orhan Pamuk ergründet für uns ihre Tiefen, ihre Verborgenheiten und ihre sich überlagernden Schichten, er taucht hinab in die unterirdischen Gänge, auf denen die moderne Großstadt sich erhebt - Byzantion, Byzos, Nova Roma, Konstantinopolis - die vielen Gesichter einer Hauptstadt, die am Schnittpunkt zwischen Europa und dem Nahen Osten liegt, zwischen Geschichtsträchtigkeit und moderner Urbanität."

Weitere fantastische Bücher: "Rot ist mein Name"/"My Name is Red" and "Istanbul"/"Istanbul - Memories of a City"

Orhan Pamuk "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2006.

Orhan Pamuk hat 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 16. April 2025

Collins, Wilkie "Der rote Schal"

Collins, Wilkie "Der rote Schal" (Englisch: Armadale) - 1866

Meine Lieblingsliteratur sind englische Klassiker. Ich habe die beiden berühmtesten Bücher von Wilkie Collins gelesen, "Die Frau in Weiß" (The Woman in White) und "Der Mondstein" (The Moonstone), dieser Roman wurde zwischen diesen beiden geschrieben.

Wie in seinen anderen Büchern lässt der Autor seine Charaktere teilweise seine verschiedenen Charaktere die Geschichte erzählen, entweder durch ihre Briefe oder ihre Tagebücher. Es führt uns vom Sterbebett eines alten Mannes in Deutschland an verschiedene andere Orte in Europa, ist aber definitiv durch und durch ein englischer Roman.

Auch wenn die Einleitung etwas langsam erscheinen mag, baut Collins seine Charaktere und seine Geschichte sorgfältig auf, er gibt uns alle Aspekte, damit wir der Geschichte gründlich folgen können. Das liebe ich. Sein Schreibstil ist fantastisch, jeder Satz ist sowohl spannend als auch beschreibend, seine Geschichte ist sensationell, voller Betrug, Verrat und Rache. Seine Charaktere sind lebendig und einprägsam. Die Tatsache, dass es in der Geschichte vier Allan Armadales gibt, ist leicht zu erklären, verleiht einer eher düsteren Geschichte aber einen komischen Effekt.

Wilkie Collins wird oft mit Charles Dickens (deutsche Übersetzungen) verglichen, er gilt als der Dickens des armen Mannes. Ich habe irgendwo gelesen, er sei "Dickens ohne die übertriebenen Charaktere und lächerlichen Namen". Ich liebe diesen Vergleich, obwohl ich beide mag.

Definitiv ein Buch für jeden, der viktorianische Literatur mag. Es wäre eine gute Lektüre für einen kalten Winterabend.

Buchbeschreibung:

"Zwei Freunde, die beide den verhängnisvollen Namen Allan Armadale tragen, stehen unter dem Fluch ihrer Väter, Rivalen bis zum Mord. Die Szene ist Wildbad, das Jahr1832, und die Stadthonoratioren warten in festlichem Aufzug auf die ersten Kurgäste der Saison. Unter ihnen befindet sich der reiche, sterbenskranke Plantagenbesitzer Allan Armadale, dessen einziger Wunsch es ist, noch vor seinem Tod einen Brief für seinen Sohn zu beenden, in dem er die verhängnisvolle Geschichte seiner Familie erzählt und vor dem Namensvetter warnt: 'Lege Gebirge und Meere zwischen Dich und jenen anderen Armadale. Nie dürfen sich die beiden auf dieser Welt begegnen - nie, nie, nie!' Doch ehe der Inhalt des Briefes dem Sohn enthüllt wird, kreuzen sich die Wege der beiden Armadales, und die schöne Unbekannte mit dem roten Schal löst eine Kette mysteriöser Verwicklungen aus, in die die Namensvettern bald verstrickt sind.

Wilkie Collins hat nicht nur eine spannende, glänzend konstruierte Handlung erfunden, der Roman fasziniert auch durch seine gekonnte Milieuschilderung und die meisterhafte Personendarstellung: der grüblerische, sensible Midwinter, der fröhliche, optimistische Allan, die Intrigantin Lydia, die hübsche, verliebte Majorstochter, die es auf unschuldig-raffinierte Art versteht, Allan den Kopf zu verdrehen. Aber auch die Nebenfiguren - der schrullige Major, die alte Gaunerin Mutter Oldershaw, die Jammerfigur des alten Bashwood, die gewitzten Anwälte Pedgift und Sohn, die Witwe Pentecost und ihr geistlicher Sohn Sammy - sind mit sicherer Hand ausgeführt.

Viele Spannungs- und Gruseleffekte, Liebe und Verstrickungen durchziehen die Handlung bis zur Lösung des Rätsels. Der rote Schal erschien 1866, lange erwartet, sechs Jahre nach Die Frau in Weiß und wurde, ebenso wie jener, ein Erfolgsroman."

Collins, Wilkie "Die Frau in Weiß"

Collins, Wilkie "Die Frau in Weiß" (Englisch: The Woman in White) - 1859

Nachdem ich "Der Mondstein" (The Moonstone) gelesen hatte (was mir sehr gut gefallen hat), musste ich dieses Buch einfach lesen. Ich könnte nicht sagen, welches mir besser gefallen hat, sie sind beide wunderbar.

Erstens gefällt es mir, dass Wilkie Collins die Geschichte mit so vielen Stimmen erzählt, sie durchgehend in einer "Ich"-Version erzählt und uns trotzdem die beste Sicht auf jede Szene bietet. Das mag ich an seinen Geschichten.

Dann hat mir auch die Geschichte selbst gefallen, die Charaktere, sie wurden wirklich zum Leben erweckt. Ich konnte mir einfach vorstellen, wie sie aussahen. Die Beschreibung sowohl der Charaktere als auch der Landschaft usw. war einfach großartig.

Was für ein fabelhafter Autor!

Buchbeschreibung:

"Wilkie Collins veröffentlichte seinen berühmtesten Roman 1860, mit dem er das zwischen Kriminalgeschichte und Phantastik changierende Genre des 'Mystery Thrillers' begründete: Im Zentrum des umfangreichen Romans steht eine geheimnisvolle, stets in Weiß gekleidete Frau ohne Namen und Vergangenheit. Wie aus dem Nichts taucht sie immer wieder auf, wobei sich bei jedem neuen Erscheinen Schritt für Schritt die Geschichte einer dramatischen Verwandtschafts-, Ehe- und Erbschaftsintrige enthüllt."

"... Der Roman um die geheimnisvolle Frau in Weiß gilt als der erste moderne Detektivroman der Weltliteratur. Noch ermittelt kein Profi, aber der junge Zeichenlehrer Walter Hartright setzt seine scharfe Beobachtungsgabe, sein psychologisches Gespür und seine kombinatorischen Fähigkeiten ein, um die verbrecherischen Vorgänge aufklären und das Rätsel der weißen Dame lösen zu können.

Mit Begeisterung haben sich seit 1860 unzählige Leser auf die Folter spannen lassen, denn durch eine raffinierte Verflechtung der Handlungsfäden lenkt der englische Schriftsteller Wilkie Collins den Leser immer wieder auf falsche Fährten. Wer dieses kriminalistische Meisterwerk noch nicht verschlungen hat, sollte nicht länger säumen."

Samstag, 22. März 2025

Mosse, Kate "Das verlorene Labyrinth"

Mosse, Kate "Das verlorene Labyrinth" (Englisch: Labyrinth) - 2005

Eine Geschichte über Geschichte und Architektur, eine Geschichte, die sich über 800 Jahre erstreckt. Es werden historische Ereignisse aus dem 13. Jahrhundert beschrieben.

Ein viel diskutiertes Buch, einige unserer Leser waren begeistert, andere nicht. Sie konnten sich entweder nicht darauf einlassen oder sie mochten die Mischung aus Fakten und Fiktion nicht oder fanden, dass es zu viel Gewalt gab, die Details zu beschreibend. Der Kontrast war zu groß, alles war schwarz und weiß.

Die Leute, denen es gefiel, meinten , dass der Autor ein guter Geschichtenerzähler ist, dass unsere Erinnerung an die Geschichte aufgefrischt wurde, dass die Nebenthemen wie Reinkarnation, genetisches Gedächtnis und die Tatsache, dass mehrere Charaktere achthundert Jahre später wieder auftauchten, interessant waren.

Ziemlich viele von uns haben historische Romane schon immer geliebt. Wir fanden, dass das Leben der einfachen Leute sehr gut beschrieben wurde. Die Handlung schien logisch (wenn auch nicht immer glaubwürdig), was bei diesen halb-fantastischen Romanen nicht immer der Fall ist. Obwohl einige von uns fanden, dass die Geschichte langsam begann, gefiel uns die Geschichte sehr gut, insbesondere die Charaktere in der Vergangenheit. Wir dachten auch, dass die turbulenten Zeiten, die die Katharer durchlebten, berücksichtigt werden sollten.

Einige unserer Mitglieder waren bereits in dieser Gegend Frankreichs gewesen, und Carcassonne ist besonders sehenswert, aber auch die Kirche Notre Dame von Chartres, in der sich das Labyrinth befindet. Kate Mosse hat viel recherchiert und das sehr gut gemacht.

Wir haben auch kurz über das "Sakrileg" (Da Vinci Code) gesprochen. Einige von uns hatten diesen Roman gelesen und da es um ein ähnliches Thema geht, war der Vergleich da. Uns gefiel die ganze Aufregung nicht, die um dieses Buch gemacht wurde. Einige haben die Geschichte überhaupt nicht verstanden. Außerdem vermischt der Autor Fakten, um eine Geschichte zu erschaffen. Dann erwähnt er am Anfang einige Fakten und versucht, die Leser davon zu überzeugen, dass alles in seinem Buch wahr ist.

Jedenfalls hat uns "Das verlorene Labyrinth" viel besser gefallen. Man hat das Buch inzwischen verfilmt, ich glaube, es könnte sehr gut sein.

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im August 2006 besprochen.

Buchbeschreibung:

"Rasche Schnittfolge: Im Juli 2005 entdeckt Dr. Alice Tanner bei Ausgrabungen in Südfrankreich einen versteckten Höhleneingang. Darinnen, zwei Skelette, ein Ring mit eingraviertem Labyrinth. Dann wirds zappenduster und sehr mystisch! Einige Kilometer weiter in Carcasonne sieht ein alter Mann die Lösung eines uralten Rätsels gekommen. Ein geheimes Tunnelsystem unter den Gassen der mittelalterlichen Stadt Chartres. Glöckchen bimmeln, Mönche brummen. In einem unheimlichen Ritual mit Kapuzenmännern und einer Hohepriesterin werden wir Zeugen der Hinrichtung eines Verräters. Ein Stein mit eingraviertem Labyrinth rollt zu Boden!

Alice, inzwischen auf dem Weg ins Wunderland, wird durch Raum und Zeit geschleudert wie weiland Dorothy im Lande Oz. Ein dünnes, jenseitiges Stimmchen ertönt: Alaïs ... Alaïs! -- Ende der Fahrt! Alles aussteigen! Wir sind in Carcassona angekommen, man schreibt den Juli 1209! Nach diesem furiosen Vorspiel bremst Kate Mosse ihre labyrinthische Gral-Saga abrupt ab. Geschichtsstunde: Die 'Chevaliers' aus Carcassona und Umgebung sind beunruhigt. Eine riesige Kreuzritterarmee hat sich im Norden formiert, bereit, auf Geheiß Papst Innozenz III. das Languedoc von den Katharern zu befreien, einer christlichen Sekte, die der katholischen Kirche ein Dorn im Auge ist. Alaïs, eine junge Heilerin und Pflanzensammlerin, gerät ins Zentrum des Geschehens, als sie in den Besitz des 'Buchs der Wörter', gerät, dem Schlüssel zum Verständnis des Heiligen Grals.
"

Dienstag, 18. März 2025

Ishiguro, Kazuo "Als wir Waisen waren"

Ishiguro, Kazuo "Als wir Waisen waren" (Englisch: When We Were Orphans) - 2000

Ein berühmter britischer Detektiv begibt sich auf die Suche nach dem Grund, warum seine Eltern in Shanghai auf mysteriöse Weise verschwunden sind, als er noch jung war.

Ich habe dieses Buch mit meinem Lesekreis gelesen und es hat mir überhaupt nicht gefallen. Normalerweise mag ich keine Kriminalgeschichten, aber das hier war einfach ein seltsamer Versuch, eine zu schreiben, zu verworren und verwirrend. Wenn es nicht eine Lektüre für den Lesekreis gewesen wäre, hätte ich es nicht zu Ende gelesen und ich hatte geschworen, nie wieder ein Buch von Ishiguro zu lesen. Einige meiner Freunde meinten, dies sei nicht sein bestes Buch. Ich sollte es mal mit "Was vom Tage übrig blieb" (The Remains of the Day) versuchen, aber solange ich einen riesigen Stapel mit Büchern habe, die ich noch lesen muss, werde ich das wohl nicht so bald versuchen.

Buchbeschreibung:

"England in den Dreißigerjahren: Ganz London schwärmt von Christopher Banks und seinen Erfolgen. Es gibt nur einen Fall, den der Meisterdetektiv bisher nicht aufklären konnte: Das mysteriöse Verschwinden seiner Eltern in Shanghai, der Stadt seiner Kindheit. Beide waren in den Opiumhandel verstrickt: der Vater als Profiteur, die Mutter als erklärte Gegnerin. Als die Erinnerungen an die Zeit, als er Waise wurde, Banks immer häufiger quälen, beschließt er, sich auf den Weg nach Shanghai zu machen, um endlich das größte Rätsel seines Lebens zu lösen."

Kazuo Ishiguro stand 2000 auf der Shortlist für den Booker Prize.

Wir haben dies im Mai 2002 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Kazuo Ishiguro "der in Romanen von starker emotionaler Wirkung den Abgrund in unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt aufgedeckt hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur in 2017.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

"Was vom Tage übrig blieb" (The Remains of the Day) habe ich inzwischen gelesen. Es war zwar etwas besser, aber einer meiner Lieblingsautoren wird Kazuo Ishiguro sicher nicht werden.

Mittwoch, 12. März 2025

Haddon, Mark "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone"

Haddon, Mark "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" (Englisch: The Curious Incident of the Dog in the Night-time) - 2003

Dies war eines unserer meistdiskutierten Bücher – wegen seines Inhalts. Wir waren uns alle einig, dass uns das Buch gefiel, es war gut geschrieben, die Stiltechnik war sehr gut, man konnte wirklich mit ihnen mitfühlen, verstand das Problem jetzt, einige vergossen am Ende eine Träne. Der Autor versucht, diese autistische Figur/das autistische Gefühl hervorzuheben und schafft das sehr gut. Das Buch war sehr diskret geschrieben, man konnte merken, dass er mit Kindern arbeitete.

Man hätte meinen können, Mark Haddon hätte selbst das Syndrom. Jemand hat es zweimal gelesen und andere Dinge bemerkt als beim ersten Mal.

Wir bewunderten auch die Fähigkeit der Briten, diese Familien zu nehmen und in die richtige Perspektive zu rücken, eine dysfunktionale Familie manchmal lustig erscheinen zu lassen und sie so "normal" aussehen zu lassen. Der Autor machte es mit seiner komischen Seite leichter, über diese Probleme zu lesen.

Es war interessant, dies mit Leuten zu diskutieren, die die Situation von so vielen verschiedenen Ebenen aus betrachteten, Mitgliedern mit oder ohne Erfahrung mit Autismus, Sozialarbeitern, Krankenschwestern und Mitgliedern, die nie mit Kindern gearbeitet hatten. Eines unserer Mitglieder hat frühkindliche Bildung studiert und konnte uns viel erklären.

Einige von uns waren überrascht, dass es uns gefiel, weil wir das nicht erwartet hatten. Jemand sagte, sie sei nicht darauf vorbereitet gewesen, dass es ihr gefallen würde. Aber uns allen hat es gefallen.

Wir waren uns einig, dass jedes Kind einzigartig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Es ist bereichernd, wenn sie einem vertrauen, und so beunruhigend, wenn sie einem nicht nahe kommen können. Wenn es eine Lösung zur Heilung von Autismus gäbe, sollten wir sie nutzen? Diese Menschen sehen die Welt mit anderen Augen und können viel beitragen, wenn wir sie lassen.

Wir haben dies im Mai 2008 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

From the back cover:
 
"Christopher Boone ist fünfzehn Jahre, drei Monate und zwei Tage alt. Er kennt alle Länder und deren Hauptstädte sowie sämtliche Primzahlen bis 7507. Er liebt die Farbe Rot, hasst hingegen Gelb und Braun. Unordnung, Überraschungen und fremde Menschen versetzen ihn in Panik, denn Christopher leidet an einer leichten Form von Autismus. Als aber der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird, beginnt Christopher, aus seiner fest gefügten, kleinen Welt auszubrechen: Mutig stellt er den schändlichen Verbrecher und erfährt außerdem, was es heißt, in der Welt der Erwachsenen zu leben …"

Montag, 3. März 2025

Byatt, A.S. "Besessen"

Byatt, A.S. "Besessen" (Englisch: Possession) - 1990

Besessen/Possession ist ein großartiges Buch. Ich liebe es. Es spielen sich zwei Geschichten gleichzeitig ab. Roland Mitchell, ein amerikanischer Forscher an einer Londoner Universität, versucht, Informationen über den fiktiven viktorianischen Dichter Randolph Henry Ash zu finden. Dies führt ihn zu Maud Bailey, einer Professorin an der Lincoln University, die eine Expertin für eine andere fiktive viktorianische Dichterin, Christabel LaMotte, ist. Während sie eine gemeinsame Vergangenheit der beiden Dichter entdecken und ein Geheimnis lüften, beginnen ihre Leben eine parallele Wendung zu nehmen zu dem der beiden Dichter.

Die verschiedenen Kapitel beginnen immer mit einem Gedicht, das von einem der beiden Dichter geschrieben wurde. Als ich das Buch zum ersten Mal las, ließ ich sie einfach weg, ich bin kein großer Lyrikliebhaber. Als ich es jedoch erneut las, konzentrierte ich mich auf sie, weil sie viel zur Geschichte beitragen.

Ich liebe klassische Romane und obwohl dies keiner ist, liest er sich wie einer. Außerdem ist da die Zeit, in der die beiden Dichter lebten, die einem das Gefühl gibt, in einem klassischen Buch zu sein. Habe ich schon gesagt, dass ich es liebe?

Es gibt auch einen Film mit Gwyneth Paltrow und Aaron Eckhart als zeitgenössische und Jennifer Ehle und Jeremy Northam als viktorianische Charaktere (siehe hier). Ich bin oft enttäuscht über Filme, die auf der Grundlage meiner Lieblingsbücher gedreht werden, aber dieser ist genauso interessant wie der Roman.

Ich habe dieses Buch ungefähr ein halbes Dutzend Mal gelesen und mein Taschenbuch fällt auseinander. Also habe ich beschlossen, dass ich ein weiteres Exemplar brauche – etwas, was bei mir äußerst selten der Fall ist.

A.S. Byatt gewann 1990 den Booker Prize für "Possession".

Buchbeschreibung:

"Ein großer Roman, dicht und voller intellektueller Spannung. 'Mit höchstem, bewundernswertem Kunstverstand entworfen; der Roman läßt sich auf vielen Ebenen lesen, und auf jeder Ebene hält er seine ästhetischen Belohnungen bereit. Mehr kann man von einem heutigen Buch wohl kaum verlangen', schrieb Sigrid Löffler nach Erscheinen der Originalausgabe. Der junge Literaturwissenschaftler Roland Michell gerät in den Besitz eines bislang unbekannten Dokuments: den Entwurf eines Briefes, den der berühmte viktorianische Dichter Randolph Henry Ash an eine Dame zu schreiben beabsichtigte. Roland beginnt Nachforschungen anzustellen. Es gelingt ihm, herauszufinden, wer die geheimnisvolle Adressatin war, nämlich die Lyrikerin Christabel LaMotte, und so sieht er sich gezwungen, die Wissenschaftlerin Maud Bailey, die deren Nachlaß betreut, in sein Geheimnis einzuweihen. Gemeinsam machen sie eine aufsehenerregende Entdeckung: Im Sterbezimmer der Chris tabel LaMotte finden sie ein Bündel Liebesbriefe - Briefe, die beweisen, daß R. H. Ash, der weltgewandte Literat und vorbildliche Ehemann, und die exzentrische Dichterin, die als alte Jungfer starb, eine leidenschaftliche Beziehung unterhalten haben, aber nicht nur das ..."

Ich habe auch "Ragnarök. Das Schicksalder Götter" (Ragnarok. The End of the Gods) von A.S. Byatt gelesen. Das hat mir allerdings nicht so gut gefallen wie dieses hier.

Freitag, 3. Januar 2025

Zusak, Markus "Der Joker"

Zusak, Markus "Der Joker" (Englisch: The Messenger/US: I am the Messenger) - 2002

Vor ein paar Jahren habe ich mit meinem Lesekreis "Die Bücherdiebin" (The Book Thief) gelesen und war total begeistert. Nicht nur ich, auch die anderen Mitglieder des Buchclubs waren voll des Lobes. Ich dachte immer, das sei das erste Buch des Autors, aber das ist nicht der Fall und als ich das herausfand, musste ich mindestens noch ein weiteres seiner Bücher lesen. Und das wird wahrscheinlich auch nicht mein letztes sein. Denn dieses hier hat mir noch besser gefallen.

Wir lernen Ed Kennedy und seine Freunde kennen, allesamt mehr oder weniger "Verlierer", die keine glänzende Zukunft in ihrem Leben haben. Eds Geschwister haben studiert, er ist Taxifahrer ohne formale Ausbildung. Seine Freunde sind in ähnlichen Situationen. Da wird Ed zum "Boten"

Ich fand alle seine Botschaften toll, sie waren mitfühlend und zeigten viel Empathie. Und so lernte ich auch, Ed lieb zu haben. Was für ein wunderbarer junger Mann. Und die meisten Empfänger der Botschaften sind auch wunderbar. Wir lernen, dass wir anderen helfen können, indem wir einfach da sind, ihnen zuhören, ihnen ein Eis kaufen … Es braucht nicht viel, um der Held im Leben eines anderen zu sein, und wir brauchen dafür auch nicht immer eine Belohnung. Das Buch selbst enthält eine großartige Botschaft.

Spoiler:

Es ist unnötig zu sagen, dass ich seinen Schreibstil liebe.

Buchbeschreibung:

"In Eds Briefkasten liegt - eine Spielkarte. Ein Karo-Ass. Darauf stehen drei Adressen. Die Neugier treibt ihn hin zu diesen Orten, doch was er dort sieht, bestürzt ihn zutiefst: drei unerträglich schwere Schicksale, Menschen, die sich nicht selbst aus ihrem Elend befreien können. Etwas in Ed schreit: 'Du musst handeln! Tu endlich was!' Dreimal fasst er sich ein Herz, dreimal verändert er Leben. Da flattert ihm die nächste Karte ins Haus. Wieder und wieder ergreift Ed die Initiative - doch wer ihn auf diese eigenartige Mission geschickt hat, ist ihm völlig schleierhaft.

Eine Geschichte über Zivilcourage, ungeheuer spannend und mit viel Situationskomik erzählt."

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Tokarczuk, Olga "Der Gesang der Fledermäuse"

Tokarczuk, Olga "Der Gesang der Fledermäuse" (Polnisch: Prowadź swój pług przez kości umarłych) - Drive Your Plow Over the Bones of the Dead - 2009

Ich habe ein Buch von Olga Tokarczuk (Ur und andere Zeiten/Primeval and Other Times) gelesen, als sie ihren Nobelpreis für Literatur erhielt. Und seitdem wollte ich mehr von ihr lesen. Ein Mitglied unseres Lesekreises hat mir jetzt eines geliehen und ich habe es mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen, es ist so spannend. Janina Duszejko ist so eine interessante Figur. Und die Geschichte beginnt so leise, dass man am Anfang gar nicht merkt, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, welche nicht meine Favoriten sind.

Obwohl sie die Protagonistin des Romans ist, sieht man sie am Anfang nicht als solche. Janina ist eine etwas seltsame Frau mittleren Alters, die in den Bergen an der polnisch-tschechischen Grenze, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, lebt, wo sie sich um die Sommerhäuser einiger reicher Leute kümmert. Sie arbeitet mit Astrologie und übersetzt Gedichte von William Blake. Sie liebt Tiere und ist Naturschützerin. Eine bemerkenswerte Frau.

Wohin diese Geschichte führt, weiß ich nicht. Aber ich empfehle dieses Buch jedem, der sich für großartige Literatur interessiert.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter fliehen die allermeisten Einwohner den windumtosten Ort. An den langen dunklen Tagen widmet sich Janina Duszejko der Astrologie und der Lyrik des von ihr verehrten William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für ver- rückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Janinas Nachbar Bigfoot ist grausam erstickt: In seiner Kehle steckt der Knochen eines Rehs. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust. Kriminalfall, philosophischer Essay, Fabel, literarisches Spiel – auf ebenso komische wie ergreifende Weise zei- gen Olga Tokarczuk und ihre hinreißende Heldin, wie sehr es unserer Gesellschaft an Respekt mangelt, ob der Natur und den Tieren gegenüber oder jenen Menschen, die am Rande stehen."

Und warum die deutsche Übersetzung "Der Gesang der Fledermäuse" heißt, ist mir immer noch ein Rätsel.

Olka Tokarczuk erhielt den Nobelpreis für Literatur 2018 "für ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht".

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Donnerstag, 5. September 2024

Palma, Félix J. "Die Landkarte der Zeit"

Palma, Félix J. "Die Landkarte der Zeit" (Spanisch: El mapa del tiempo) - The Map of Time - 2008

Ich fand dieses Buch einfach fabelhaft. Es ist das erste Mal, dass mir ein Buch über Zeitreisen wirklich gefallen hat, normalerweise ist das nicht mein Ding. Einige Gründe könnten die Zeit und der Ort sein, an dem es passiert, ich liebe das viktorianische und vorviktorianische England, die Tatsache, dass es einen Buchhintergrund gibt ... oder vielleicht, weil ich das Gefühl hatte, dass der Autor auch nicht wirklich an Zeitreisen glaubt, aber viel Spaß beim Schreiben dieser Geschichte hatte. Ich habe es genossen, all die verschiedenen Arten von Erklärungen durchzugehen, die es gibt, dass Zeitreisen möglich sein könnten, und würde gerne alle Argumente auseinandernehmen.

Es gibt mehrere verschiedene Geschichten in dem Buch. Ich denke, die erste war die beste, jemand, der in der Zeit zurückreisen wollte, um jemandem das Leben zu retten, und jemand anderes, der alles Mögliche tut, um das Leben dieser Person erneut zu retten (oder eher einige andere, die zusammenarbeiten). Einfach nett.

Ich fand, es war ein guter Anfang für die Geschichte, es wäre nicht so spannend gewesen, wenn der Autor mit einem anderen Kapitel begonnen hätte.

Ich hatte "Die Zeitmaschine" (The Time Machine), die mehr oder weniger die Grundlage für diese Geschichte bildet, vorher nicht gelesen, sondern nur den klassischen Film gesehen. Aber das habe ich inzwischen nachgeholt.

Ich glaube, dass jeder dystopische Roman (und dieser hier ist aus der Sicht der Protagonisten) die Zeit widerspiegelt, in der er geschrieben wurde, er offenbart sozusagen die Angst der Zeit. Die Menschen des späten 19. Jahrhunderts hatten Angst, dass die Technologie die Oberhand gewinnen würde, und das hat sie, sogar mehr, als sie sich je hätten vorstellen können. So wie ich glaube, dass 1984 heute wahr geworden ist, glaube ich, dass die in diesem Buch beschriebene Vision heute wahr geworden ist, auch wenn London noch immer steht. Und dafür bin ich mehr als dankbar, es ist eine meiner Lieblingsstädte.

Letztendlich glaube ich, dass Zeitreisen möglich sind, und wir alle tun es jeden Tag, wenn wir unsere Bücher zur Hand nehmen und uns an Orte und in Zeiten versetzen lassen, die wir nie gesehen haben und wahrscheinlich nie sehen werden, aber wir leben mit jeder neuen Geschichte ein neues Leben.

Ich hoffe, das ist der Beginn einer langen Diskussion ...

Dies ist eines der Bücher vom Chunky Book Club (Club der dicken Wälzer). Wer dicke Bücher lesen möchte, sollte sich ihm anschließen. Es ist eine tolle Gruppe.

Buchbeschreibung:

"Eine Reise durch Jahrhunderte. Eine Liebe ohne Grenzen. Eine Geschichte voller Phantasie.

London, 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikantensohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wieder zugewinnen. Die junge Claire macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, den sie in der Zukunft lieben lernte, in ihrer Zeit wieder. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden. Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit.

Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser Jack the Ripper begegnet und H.G. Wells, den Erfinder der Zeitmaschine, in einer völlig überraschenden Rolle kennenlernt."

Ich habe auch die Fortsetzungen gelesen, "Die Landkarte des Himmels" (The Map of the Sky) und "Die Landkarte des Chaos" (The Map of Chaos). Beides großartige Romane.

Palma, Félix J. "Die Landkarte des Himmels"

Palma, Félix J. "Die Landkarte des Himmels" (Spanisch: El mapa del cielo) - The Map of the Sky - 2012

Fantasy und/oder Science-Fiction ist nicht wirklich mein Lieblingsgenre, und das ist noch milde ausgedrückt. Irgendwann bin ich jedoch in der chunky book group (Club der dicken Wälzer) auf "Die Landkarte der Zeit" (The Map of Time) gestoßen, und es hat mir sehr gut gefallen. Wahrscheinlich, weil es ein Spin-off von "Die Zeitmaschine" (The Time Machine) war, dessen Film mir gefallen hat (die alte Version, das heißt, ich habe die neue nie gesehen). Aber vielleicht auch, weil der Autor ein guter Schriftsteller ist. Und sehr kreativ. Nichts ist ihm unmöglich.

Wie in seinem ersten Roman nimmt Félix J. Palma einen Roman von H.G. Wells auf, diesmal war es "Der Krieg der Welten" (The War of the Worlds). Aber er bezieht auch andere Romane wie "Die Zeitmaschine", "Alice im Wunderland" und "Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde" mit ein, und wir sehen viele berühmte Leute, allen voran natürlich H.G. Wells selbst, dann Christoph Kolumbus, Galileo, Karl Gauss, Marco Polo, Robert Louis Stevenson, Jules Verne, um nur die berühmtesten zu nennen.

In diesem Roman müssen wir viele Abenteuer bestehen. Wir stecken auf einem Schiff in der gefrorenen Nordsee fest und müssen gegen außerirdische Maschinen kämpfen, die die ganze Welt erobern wollen. An diesem Punkt gelangen wir in eine dystopische Umgebung. Es gibt kaum ein Genre oder Thema, das in diesem Roman nicht angesprochen wird. Es ist für jeden etwas dabei. Der Autor schafft es sogar, eine Liebesgeschichte einzubauen.

Obwohl dies auch eine brillante Geschichte ist, mochte ich den ersten dieser beiden Romane lieber, freue mich aber trotzdem auf das dritte und letzte Buch dieser viktorianischen Trilogie, das sich anscheinend um die Themen von "Der Unsichtbare" (The Invisible Man) drehen wird. Ich denke, ich sollte in der Zwischenzeit anfangen, H.G. Wells zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Fremde Welten, gefährliche Abenteuer und eine große Liebe

Gibt es eine Zivilisation im All, die intelligenter und glücklicher ist als wir Menschen?

Eine Expedition in die Antarktis trifft im Jahr 1829 auf ein Wesen von einem anderen Stern. Sechzig Jahre später will der Millionär Montgomery Gilmore für die Frau, die er liebt, im viktorianischen London eine Invasion von Außerirdischen als Überraschung inszenieren. Doch die Show wird zur Wirklichkeit. Was tun, wenn Wünsche in Erfüllung gehen und 
zu Albträumen werden?

Im zweiten Teil der Trilogie jagt uns Félix J. Palma wieder durch ungeheuerliche Parallelwelten. Ein neuer Tornado der Fantasie kommt auf uns zu. Staunen und Schrecken garantiert!
"

Dienstag, 23. Januar 2024

Gaiman, Neil "Coraline"

Gaiman, Neil "Coraline" (Englisch: Coraline) - 2002

Coraline ist nur eine kurze Novelle. Es war eine gute Lektüre, wenn auch nichts Spektakuläres. Ich hätte es wahrscheinlich gerne mit meinen Jungs gelesen.

Ich war noch nie ein Fan von Büchern, in denen Kinder Helden sind, und das fällt in diese Kategorie. Aber ich kann die Attraktion erkennen.

Ich fand die Bilder von Chris Riddell sehr gut. Er ist ein wunderbarer Illustrator und macht jedes Buch besser, auch die großartigen.

Und diese Zitate gefielen mir:
"Märchen sind mehr als wahr: nicht weil sie uns sagen, dass es Drachen gibt, sondern weil sie uns sagen, dass man Drachen besiegen kann."
"Wenn man Angst vor etwas hat, es aber trotzdem tut - das ist mutig."

Glücklicherweise gibt es in einem Lesekreis immer mehrere Leute, die eine andere Meinung haben, also hier:

• Ich habe Coraline absolut geliebt. Ich habe es mir als Hörbuch angehört, das von Neil Gaiman selbst gesprochen wurde. Seine Erzählweise passte perfekt zur Geschichte.
• Die Geschichte hatte alles, was ich von einem Buch erwarte: Sie war geheimnisvoll, ein wenig gruselig, spannend, hatte zum Nachdenken anregende Schichten und interessante, lebendige Details. Ganz zu schweigen von einer lieben Protagonistin, sehr interessanten verschiedenen Nebencharakteren, insbesondere die KATZE, und einem wirklich interessanten Antagonisten.
• Schöne Wendungen in der Handlung, bei den Spielen mit der anderen Mutter, und wo am Ende alles wieder gut wird.
• Ich denke lieber nicht darüber nach, was das über mich und mein Gehirn aussagt, aber das war die gehirnstimulierendste und herzerwärmendste Geschichte, die ich das ganze Jahr über gelesen/gehört habe. ♥

Wir haben dies im Dezember 2023 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Coraline ist mit ihren Eltern in ein düsteres altes Haus gezogen. Die Nachbarn sind reichlich merkwürdig: Der verrückte Herr mit Schnurrbart erzählt von seinem Mäusezirkus, die schrulligen Schauspielerinnen warnen sie vor dem tiefen Brunnen im Garten. Eines Tages stößt sie im Haus auf eine zugemauerte Tür. Und sieht dort dunkle Schatten verschwinden. Was verbirgt sich dahinter?"

Mittwoch, 4. Oktober 2023

Poe, Edgar Allan "Der Doppelmord in der Rue Morgue"

Poe, Edgar Allan "Der Doppelmord in der Rue Morgue und andere Verbrechergeschichten" (Englisch: The Murders in the Rue Morgue and other stories) - 1841

Unser Buch im internationalen Online Lesekreis im August 2023.

Düster, grausig, schaurig, abgründig, das habe ich irgendwo über die Werke von Edgar Allan Poe gelesen. Ja, dem kann ich nur zustimmen. Ich kenne Leute, die diese Art des Schreibens lieben, aber nicht ich. Ich hatte Angst, dass es mir nicht gefallen würde, habe aber mein Bestes gegeben, um etwas zu entdecken, das mich dazu verleiten könnte, mehr von diesem Autor zu lesen. Leider sollte das nicht so sein. Diesmal war es gut, dass das Buch nicht so dick war. Oder vielleicht trug das zu meiner Unzufriedenheit bei.

Mein größtes Problem bei Geschichten wie diesen ist, dass man daraus nichts lernen kann. Absolut gar nichts. Und das ist mein Hauptgrund zum Lesen. Unser Lesekreis hatte sich für eine Sammlung von Kurzgeschichten entschieden. Das Problem dabei ist immer, dass es in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Zusammenstellungen gibt. Dies waren die Geschichten der finnischen Mitglieder:
Das verräterische Herz (1843)
Der Kobold des Perversen (1845)
Der Doppelmord in der Rue Morgue (1841)
Das Geheimnis der Marie Rogêt (1843)
Der entwendete Brief (1844)
Du bist der Mann (1844)

Und diese waren in der englischen Ausgabe:
Das ovale Porträt
Ligeia
Eleonora
Morella
Berenice
Der Untergang des Hauses Usher
Die Maske des roten Todes
Hopp-Frosch
Die Grube und das Pendel
Das Fass von Amontillado
Der Goldkäfer
Der Doppelmord in der Rue Morgue
Das Geheimnis der Marie Rogêt
Der entwendete Brief

Die Gruppe hatte eine andere Meinung. Es gab eine wirklich gute Diskussion über Poes Werke und Leben. Einige hatten einige der grausamen und schrecklichen Werke gelesen, aber die meisten von uns hatten eine Auswahl einiger verschiedener Arten gelesen, von denen einige wirklich klug und intelligent sind, und man kann deutlich sehen, wie er ein Genre geschaffen hat, das die Literatur für Hunderte von Jahre beeinflusste.

Buchbeschreibung:

"Der Doppelmord in der Rue Morgue. Weitere schaurig-spannende Erzählungen vom Meister des Grauens und der bizarren Verbrechen. Edgar Allan Poes Geschichten gehen unter die Haut und halten einen bis zum letzten Wort in Atem.

Der amerikanische Schriftsteller und Dichter E. A. Poe (1809-1849) gilt als Erfinder des fantastischen Kriminalromans. In seinen grausamen, tragischen und spannenden Werken spürt man sehr deutlich den Einfluss der englischen und deutschen Romantik, besonders den von G. G. Byron und E. T. A. Hoffmann. Die Eigenart des Stils von E. A. Poe fand keine Nachfolger in seiner Heimat, sondern im Ausdruck des Schaffens von Charles Baudelaire und im Symbolismus und in der Dekadenzdichtung.
"

Montag, 23. Mai 2022

Precht, Georg Jonathan & Richard David "Die Instrumente des Herrn Jørgensen"

Precht, Georg Jonathan & Richard David "Die Instrumente des Herrn Jørgensen" (oder: Das Schiff im Noor) [Mr. Jørgensen's Instruments or The Ship in the Noor] - 1999 

Von Richard David Precht habe ich schon mehrere Bücher gelesen (Wer bin ich und wenn ja, wie viele? - Who Am I and If So, How Many?; Die Kunst, kein Egoist zu sein; Anna, die Schule und der liebe Gott. Der Verrat des Bildungssystems an unsere Kinder). Er ist einer der größten Philosophen unserer Zeit und erklärt dies auch sehr verständlich für alle Nicht-Laien. Die Lehrer meiner Söhne haben ihn auch für ihren Philosophieunterricht in Anspruch genommen.

Mit seinem Bruder zusammen hat er sich auch in andere Gewässer begeben, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie entführen uns nicht nur auf eine kleine dänische Insel sondern auch in die mysterische Welt der Kriminalität, wie man einen Mordfall mit Hilfe von Naturwissenschaft aufdeckt und auch die Philosophie darf natürlich in einem Precht-Roman nicht fehlen.

Wir haben dieses Buch im September 2009 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Ein Buch über die Ordnung der Welt, die Macht der Phantasie und die Tragikomik des Lebens

Lilleø, eine kleine dänische Insel in der Ostsee: Für einen Sommer ist Kriminalassistent Ansgar Jørgensen auf das idyllische Eiland versetzt worden, um die Provinz kennenzulernen. Doch bereits am Tag seiner Ankunft wird er mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert - und der ist nicht das einzige Rätsel, das die malerische Kulisse verbirgt. Je tiefer Jørgensen in die dunkle Geschichte der Insel eindringt, desto verstörender ist das, was er entdeckt …

Ursprünglich unter dem Titel '
Das Schiff im Noor' erschienen, jetzt in überarbeiteter Neuausgabe."