Posts mit dem Label Esperanto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Esperanto werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. Mai 2026

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch"

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch" (Esperanto: Kroata Milita Noktlibro) - Croatian War Nocturnal - 1993

Dies ist nicht einfach nur das Tagebuch eines Mädchens, das in Esperanto über ihr Leben während der Balkankriege, ihr eigenes Leben und das ihrer Familie und Freunde und oft auch über deren Tod schreibt. Es ist ein Einblick in das Leben in Kriegszeiten. Bruchstücke aus dem Leben vieler Betroffener ergeben zusammen ein großes Bild.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil es in Esperanto geschrieben ist, aber es gibt mehrere Übersetzungen, unter anderem ins Englische. Der Titel ist ein Wortspiel. "Taglibro" ist das Esperanto-Wort für Tagebuch (wie in vielen anderen Sprachen), aber da sie es hauptsächlich nachts schrieb, nennt sie es ihr Nachtbuch. Sie musste es im Badezimmer tippen, weil es der einzige Raum im Haus ohne Fenster war, in dem sie nachts Licht hatte – wenn sie denn welches hatten.

Ich bezweifle, dass dieses Buch in einer normalen Buchhandlung erhältlich ist, aber wenn ihr es findet, ist es absolut lesenswert. * Es ist eine Geschichte darüber, wie Liebe von einer Minute auf die andere in Hass umschlagen kann, wie einem quasi ein Feind "zugesteckt" wird. Nachbarn und Freunde wenden sich plötzlich gegeneinander, nur weil man nicht derselben Gruppe angehört. Was für ein Albtraum! Und wisst ihr was? Ich sehe das ständig und ich befürchte, wenn jemand die Chance dazu bekommt, wird er es den Politikern im ehemaligen Jugoslawien gleichtun und einen Bürgerkrieg oder gar einen noch größeren anzetteln. Wir müssen alle zusammenhalten, denn letztendlich sind wir alle gleich. Niemand von uns ist besser oder schlechter als ein anderer, nur weil er woanders herkommt.

Ich hoffe daher, dass sich alle die Worte einer der Witwen in dieser Geschichte zu Herzen nehmen, deren Rede bei der Beerdigung ihres Mannes auf der Rückseite abgedruckt ist:

"Freunde, Verwandte, Nachbarn, Kollegen – jetzt ist es an der Zeit, den Hass zu beenden. Es spielt keine Rolle, wer angefangen hat und wie oft. Ich hege keinen Groll gegen irgendjemanden, weil mein Mann getötet wurde. Aber haltet inne! Um des Andenkens an meinen Mann willen bitte ich euch: Vergebt und vergesst alle offenen Rechnungen! Lasst uns nach vorn blicken. Lasst nicht zu, dass unsere Kinder und Enkelkinder sich jemals wieder bekämpfen. Ob das geschieht, liegt an uns. Lasst uns tun, was in unserer Macht steht. Lasst uns der Anfang des Friedens sein, von dem alle sprechen."

Bücher, die sie erwähnt:
Krleža, Miroslav "Der Kroatische Gott Mars" (Hrvatski bog Mars) - 1922
Zamenhof, Ludwig L. "Nach dem großen Krieg – Appell an die Diplomaten" (Post la granda milito - Alvoko al Diplomatoj) - 1915
Auld, William "The Infant Race" [Die Kinderrasse] (La infana raso) - 1956

Samstag, 13. Dezember 2025

Tolstoi, Aleksei "Fürst Serebriany"

Tolstoi, Aleksei Konstantinowitsch "Fürst Serebriany. Roman aus der Zeit Iwans des IV." oder "Iwan der Schreckliche" (Russisch: Князь Серебряный/Knjaz' Sserebrjanyi) - Prince Serebrenni: An Historical Novel of the Times of Ivan the Terrible and of the Conquest of Siberia  (aka The Silver Knight or The Silver Prince) - 1882

Ich glaube, ich wäre diesem Roman nie begegnet, wenn es nicht einen neuen Lesekreis gegeben hätte, der von einer begeisterten Leserin gegründet worden war, die sich über Esperanto-Literatur austauschen wollte. Aber ab und zu möchte man auch eine Übersetzung lesen, die nicht so bekannt ist.

Ich hatte nicht nur noch nie von dem Buch gehört (obwohl es ins Englische und Deutsche übersetzt wurde), ich wusste auch nichts über den Autor. Offenbar war er ein Cousin zweiten Grades von Leo Tolstoi, einem Autor, den ich sehr bewundere.

Ich würde diesen Roman nicht mit denen von Leo Tolstoi vergleichen; sie scheinen fast aus einer anderen Generation zu stammen, obwohl sie nur elf Jahre auseinander geboren wurden. Genau wie sein Cousin diente auch dieser Tolstoi im Krimkrieg.

Wahrscheinlich war es ein Glück, dass Iwan der Schreckliche bereits tot war, als dieses Buch veröffentlicht wurde; ich bezweifle, dass der Autor es überlebt hätte. Der Hauptgrund, warum es überhaupt veröffentlicht werden konnte, war wahrscheinlich, dass die Menschen zu seiner Zeit ein größeres Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit hatten.

Nicht unbedingt eine leichte Lektüre, aber äußerst interessant. Ich lese sehr gern über Russland und seine bewegte Geschichte, aber diese Epoche war mir bisher unbekannt.

Zar Iwan IV. Wassiljewitsch, auch bekannt als "Iwan der Schreckliche", "Iwan der Furchteinflößende" oder "Iwan der Furchtbare", der 28 Jahre lang über Russland herrschte, war offenbar nicht so schrecklich, wie er oft dargestellt wird. Er war hochintelligent und religiös, aber auch psychisch labil. In diesem Roman sehen wir jedoch hauptsächlich seine Schattenseiten, da der Autor den Herrscher bewusst nicht positiv darstellen wollte.

Das Leben am Hof ​​und das der armen Bevölkerung werden ausführlich geschildert, ihre Kämpfe und wie sie versuchen, diese zu bestehen. Wie bereits erwähnt, ein äußerst interessanter Roman.

Buchbeschreibung:

"Der Roman beginnt im Jahr 1565, während der Herrschaft Iwans des Schrecklichen. Der Zar hatte gerade die gefürchtete Opritschnina, eine Art Polizeitruppe aus Emporkömmlingen, ins Leben gerufen, die Iwans persönlichen Krieg gegen die alten Bojarenfamilien des russischen Adels führten. Der Held dieser Geschichte, Fürst Serebriany (was übersetzt 'Silber' bedeutet), kehrt nach fünf Jahren Krieg an der litauischen Front nach Russland zurück und findet die Welt völlig verändert vor. Iwans Paranoia bildet einen perfekten Kontrast zu Fürst Serebrianys moralischer Integrität; niemals zweifelt er an der Autorität des Zaren, niemals verstößt er gegen seinen Ehrenkodex, während Iwan irrational Massenhinrichtungen anordnet und jeden zum Tode verurteilt, über den ihm seine Berater zuflüstern. Nach einem Konflikt mit der Opritschnina, in Ungnade gefallen, flieht der Fürst aus Moskau und wird zum Anführer einer Bande von Geächteten gewählt.

Der Silberne Fürst war Alexej Konstantinowitsch (allgemein bekannt als A. K.) Tolstois erster Roman. Tolstoi (1817–1875), der vor allem als Dichter und Dramatiker bekannt ist, war ein Romantiker inmitten der dominanten realistischen Bewegung. Das Lesepublikum im Russland des 19. Jahrhunderts – und bis heute – liebte den Roman für seine dramatischen Szenen aus dem Leben der Geächteten und des Hofes, in denen Gier und Tugend aufeinanderprallen. Zeitgenössische Schriftsteller hingegen, die den Grundsätzen der realistischen Literatur verhaftet waren, lehnten ebendiese Romantik ab, die das Publikum so schätzte. Als enger Vertrauter der Kaiserin Maria Alexandrowna, die sein Interesse an Mystik teilte, las Tolstoi ihr während des Schreibens Teile des Romans vor; es ist das einzige Prosawerk, das er ihr widmete.

Die erste englische Übersetzung erschien 1892 unter dem Titel "Prince Serebrenni", später, 1927, unter dem Titel "Prince of Outlaws". Diese Übersetzung entstand aus purer Liebe zur Geschichte und ihren lebendigen Beschreibungen."

Mittwoch, 20. November 2024

Gao, Xingjian "Der Berg der Seele"

Gao, Xingjian "Der Berg der Seele" (Chinesisch: 灵山, língshān) - Soul Mountain - 1989

Ein außergewöhnliches Buch. Eine Biografie, eine Suche nach der Seele eines Menschen in einer Welt, in der das Individuum nichts bedeutet. Eine Sammlung von Geschichten aus der Gegenwart und der Vergangenheit, die hin und her springen, aber nach einer Weile hat man den Dreh raus. Eine Einführung in die Charaktere, die "ich" und "du", "er" und "sie" sind, aber sie scheinen sich alle zu vermischen. Eine Geschichte über einen Reisenden, der sein eigenes Land entdeckt und dabei sich selbst entdeckt. Und nebenbei führt er den Leser in viel chinesische Kultur, Religion, Politik und Geschichte sowie in seine eigene Geschichte ein, die Geschichte seines Vaters, seiner Vorfahren.

Mir gefiel auch seine Einsicht in viele Probleme, die nicht die seinen sind, man könnte meinen, er hätte andere eigene Probleme, über die er nachdenken muss, aber nein, er liefert Zitate wie "... wenn Menschen die Natur angreifen, rächt sich die Natur unweigerlich." oder "... nicht die Natur ist furchteinflößend, es sind die Menschen, die furchteinflößend sind!"

Eine meiner Lieblingspassagen: "Ich suche ständig nach Sinn, aber was ist Sinn eigentlich? Kann ich die Menschen davon abhalten, diesen großen Damm als Grabinschrift für die Vernichtung ihres Selbst zu bauen? Ich kann nur nach dem Selbst des Ich suchen, das klein und unbedeutend ist wie ein Sandkorn. Ich könnte genauso gut ein Buch über das menschliche Selbst schreiben, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob es veröffentlicht wird. Aber welche Konsequenzen hat es dann, ob ein Buch mehr oder ein Buch weniger geschrieben wird? Ist nicht schon genug Kultur zerstört worden? Braucht die Menschheit so viel Kultur? Und außerdem, was ist Kultur?"

Und dann liebe ich es, als Esperanto-Sprecherin, wenn ich meine Sprache in einem Buch finde: "Er hatte eine tiefe Stimme und konnte Die Internationale auf Esperanto singen."

Dies ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre, nichts, was man nebenbei liest, um eine "nette Geschichte" zu hören. Der Autor fordert uns auf, seine Lebensweise und die Lebensweise seiner Kultur zu verstehen. Und indem wir ihn auf seiner Suche nach dem Berg der Seele an der Quelle des Jangtse begleiten, können wirauch viel über uns selbst erfahren.

Buchbeschreibung:

"Der Berg der Seele ist der große autobiographische Roman des Nobelpreisträgers Gao Xingjian. Den Fluss Yangtze hinab von der Quelle bis ans Meer führt ihn eine epische Reise in das Herz eines unbekannten China. 1983 diagnostiziert ein Arzt bei Gao Lungenkrebs und gibt ihm nur noch wenige Monate. Dies stellt sich bald als falsch heraus und mit dem Gefühl, dem Tod durch Finger geschlüpft zu sein, beschließt er, der sich abzeichnenden politischen Repression in der Hauptstadt zu entgehen. Lingshan, der von Legenden umwobene Berg der Seele, wird zum Fluchtpunkt einer Reise, auf der er die leuchtenden Farben einer vom offiziellen Peking an den Rand gedrängten Welt entdeckt. Unterwegs wie Bruce Chatwin in Australien ist er auf der Spur einer anderen, einer sinnlichen Geschichte, begegnet er weisen Frauen, skurilen Helden und den letzten Schamanen."

Xingjian Gao erhielt den Nobelpreis für Literatur in 2000 "für sein Werk von universaler Güte, bitterer Einsicht und sprachlichem Sinnreichtum".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels, und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 1. März 2023

Ondaatje, Michael "Kriegslicht"

 

Ondaatje, Michael "Kriegslicht" (Englisch: Warlight) - 2018

"Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns der Obhut zweier Männern zurück, die möglicherweise kriminell waren."

So beginnt der Roman. Am Anfang hatte ich keine Ahnung, ob es mir überhaupt gefallen würde und wie ich mich dabei fühlen würde, es gibt noch ein Zitat, das meiner Meinung nach zu dem Gefühl passt, das ich dabei hatte:

"Gustav Mahler schrieb das Wort 'schwer' an manchen Stellen in seine Partituren. Bedeutet schwierig. Schwer."
Ich denke, das war die Absicht des Autors, er wollte, dass wir genauso verwirrt sind wie die Protagonisten.


Also werden diese beiden Teenager, Nathaniel und Rachel, in der Obhut eines Fremden zurückgelassen, jemand, der für kurze Zeit als Untermieter in ihrem Haus lebte. Ihre Eltern gehen nach Asien. Aber es ist alles ein bisschen seltsam, sie trauen dem Typen nicht, sie trauen den Leuten nicht, die er in sein Haus bringt, sie haben ein komisches Gefühl.

Dem Autoren gelingt es, dem Leser dieses seltsame Gefühl zu vermitteln, was an sich schon eine gute Leistung ist. Und sein Schreibstil ist hervorragend.

Auf den nächsten hundert Seiten beginnt man, den Protagonisten sowie die anderen Charaktere zu mögen und man interessiert sich immer mehr für das, was vor sich geht.

Am Ende wird alles enthüllt und es ist eine hochinteressante Geschichte. Ein außergewöhnliches Buch.

Ich habe auch schon
"Anil's Ghost" (Anils Geist) von Michael Ondaatje gelesen. Eine ganz andere Geschichte, aber ein genauso tolles Buch.

Noch ein Zitat aus dem Buch, das ich kommentieren muss:
"Er sprach Französisch und andere Sprachen, obwohl er sich nie auf diese Fähigkeit bezog. Vielleicht nahm er an, man würde ihn verspotten. Es gab sogar das Gerücht, oder war es ein Scherz, dass er Esperanto kannte, die vermeintliche Weltsprache, die niemand sprach." Erstens, warum sollte jemand jemanden verspotten, weil er mehrere Sprachen spricht? Ich habe dafür immer nur Bewunderung geerntet.

Zweitens gab es schon vor und während des Zweiten Weltkriegs eine große Anzahl von Menschen, die Esperanto sprachen. Sowohl Stalin als auch Hitler gefiel das nicht sehr, da es mehr Menschen ermöglicht, mit Ausländern zu sprechen. Sie verbaten es nicht nur, sondern mehrere der Sprecher landeten in Konzentrationslagern und/oder wurden anderweitig getötet. Das führte nach dem Krieg zu einem Rückgang der Sprecherzahl, die inzwischen aber wieder gewachsen ist. Ich kenne Tausende von Menschen, die es sprechen, mich eingeschlossen. Aber natürlich gibt es wahrscheinlich immer noch Leute, die glauben, dass es niemand kennt und dass es für nichts gut ist, während es in Wirklichkeit eine großartige Sprache ist, die es einem ermöglicht, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren, jetzt mehr denn je.

Buchbeschreibung:

"Nach Kriegsende wird der vierzehnjährige Nathaniel mit seiner Schwester Rachel von den Eltern in London zurückgelassen. Der geheimnisvolle 'Falter', der sie in Obhut genommen hat, und dessen exzentrische Freunde kümmern sich fürsorglich um sie. Wer aber sind diese Menschen wirklich? Und was hat es zu bedeuten, dass die Mutter nach langem Schweigen aus dem Nichts wieder zurückkehrt? 'Meine Sünden sind vielfältig', wiederholt sie, mehr gibt sie nicht preis. Als er erwachsen ist, beginnt Nathaniel die geheime Vergangenheit seiner Mutter als Spionin im Kalten Krieg aufzuspüren."

Einige der Zitate wurden von mir aus dem Originaltext übersetzt, sie sind vielleicht anders in der deutschen Übersetzung.

Freitag, 11. März 2022

Orth, Stephan "Couchsurfing in Russland"

 

Orth, Stephan "Couchsurfing in Russland. Wie ich fast zum Putin-Versteher wurde" - Couchsurfing in Russia: Friendships and Misadventures Behind Putin’s Curtain - 2017

Ich habe (bisher) drei Bücher von Stephan Orth gelesen. Dieses war das erste. Nach "Couchsurfing in China" "Couchsurfing im Iran" bin ich mittlerweile beim vierten angelangt, "Couchsurfing in Saudi-Arabien".

Gerade hat der Autor bekanntgegeben, dass "der Untertitel [...] aus heutiger Sicht nicht mehr richtig ... klingt. Zu salopp, zu augenzwinkernd, zu lässig in Anbetracht der Gräueltaten dieses Regimes." Er hat zwar recht, aber 2017 ist schon lange her und sein Buch zeigt auch kein Verständnis für diesen Diktator.

Die Herausgeber hatten sich damals entschieden, dem Buch einen anderen englischen Titel zu geben: "Behind Putin's Curtain: Friendships and Misadventures Inside Russia", was wohl bedeutet, dass eine Neuauflage des Buches wahrscheinlich: "Hinter Putins Vorhang: Freundschaften und Missgeschicke in Russland" heißen wird.

Der Autor tat, was Tausende junger Menschen jedes Jahr tun (oder taten, bevor Covid fast allem ein Ende setzte), er bereiste die Welt durch CouchSurfing. Es gibt den Menschen die Möglichkeit, in anderen Privathäusern zu wohnen und die Menschen auf dem Land viel besser kennenzulernen, als wenn sie in ein Hotel gehen würden. Und natürlich ist es viel billiger. Auch der Gastgeber bekommt seine Belohnung, er kann andere Länder kennenlernen, ohne reisen zu müssen. Ich kenne dieses Konzept seit den 1970er Jahren, als ich anfing, Esperanto zu lernen. Wir nennen es "Pasporta Servo" (Passdienst). Auf diese Weise habe ich viele Leute aus verschiedenen Ländern beherbergt. Es macht immer viel Spaß.

Jedenfalls reist
Stephan Orth durch Länder, in denen es nicht einfach ist, alleine und/oder privat zu reisen, meist beides. In diesem Buch ist er durch Russland gereist, aber er war auch in China und im Iran.
"Couchsurfing im Iran: Meine Reise hinter verschlossenen Türen" (Couchsurfing in Iran: Revealing a Hidden World/Couchsurfing in Iran: My journey behind closed doors) - 2015
"Couchsurfing in China. Durch die Wohnzimmer der neuen Supermacht" (Couchsurfing in China. Through the living rooms of the new super power) - 2019

Dies ist ein brillantes Buch. Es ist nicht das übliche Reisebuch, in dem jemand alle Sehenswürdigkeiten auflistet, die ein Land zu bieten hat. Nein, es tut viel mehr, es zeigt uns, wie die einfachen Menschen in diesen Ländern leben, wie sie studieren, ihr Geld verdienen, leben. Wir lernen ihr Leben und ihre Bräuche kennen. Er besucht nicht nur die großen Städte, von denen alle reden, er geht ins "Hinterland", er besucht ungewöhnliche Orte, die immer noch sehr interessant sind, auch wenn (oder gerade weil) sie nicht Millionen von Menschen anziehen. Er hat einen tollen Schreibstil. Humorvoll, witzig, informativ. Es ist schön, ihm auf seiner forschenden und unvoreingenommenen Art durch das Land zu folgen und dabei mehr über dieses große Land zu erfahren als in vielen Geschichts- oder Politikbüchern.

Buchumschlag:

"Das erste Russland-Buch ohne Bären und Balalaikas!

Was ist Propaganda, was ist echt? Über keinen Teil der Erde ist die Informationslage verwirrender als über Russland. Da hilft nur: hinfahren und sich sein eigenes Bild machen. Zehn Wochen lang sucht Bestsellerautor Stephan Orth zwischen Moskau und Wladiwostok nach kleinen und großen Wahrheiten. Und entdeckt auf seiner Reise von Couch zu Couch ein Land, in dem sich hinter einer schroffen Fassade unendliche Herzlichkeit verbirgt.

'
Stephan Orth versteht es hervorragend, Land und Leute für den Leser lebendig werden zu lassen.' Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Eine Diamantenmine in Jakutien, eine Datscha mitten in der Großstadt, das Dorf einer Weltuntergangssekte in Sibirien: Es sind Orte wie diese, an denen Stephan Orth nach dem wahren Russland sucht. Zwischen Moskau und Grosny, zwischen Sankt Petersburg und Wladiwostok lebt er zu Hause bei Einheimischen, diskutiert mit ihnen über Politik, Propaganda und Pelmeni und lässt sich von ihnen ihre Welt zeigen.

Dabei trifft er nicht nur Putin-Versteher, Wodkatrinker und Waffennarren, sondern auch herzliche Musiker, einen intellektuellen Pedanten und die schönste Frau des Landes. Er erfährt, was Pfannkuchen mit dem Gefühlsleben der Russen zu tun haben, wie grüne Männchen auf der Krim landeten - und entdeckt sogar das Geheimversteck der sagenumwobenen russischen Seele. Von Gastgeber zu Gastgeber ergibt sich ein persönliches Bild dieses riesigen Landes, das derzeit ein zweifelhaftes Comeback auf der weltpolitischen Bühne feiert. Und gleichzeitig auf der Suche nach sich selbst ist.
"