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Samstag, 22. August 2026

Fatland, Erika "Die Grenze"

Fatland, Erika "Die Grenze. Eine Reise um Russland" (Norwegisch: Grensen: En reise rundt Russland gjennom Nord-Korea, Kina, Mongolia, Kasakhstan, Aserbajdsjan, Georgia, Ukraina, Hviterussland, Litauen, Polen, Latvia, Estland, Finland og Norge samt Nordøstpassasjen) - The Border: A Journey Around Russia Through North Korea, China, Mongolia, Kazakhstan, Azerbaijan, Georgia, Ukraine, Belarus, Lithuania, Poland, Latvia, Estonia, Finland, Norway, and the Northeast Passage - 2017

Die Autorin ist eine norwegische Journalistin, die eine Reise entlang der gesamten russischen Grenze unternommen hat. Sie besuchte jedes einzelne Land – auch solche, die international nicht anerkannt sind, wie die de facto souveränen Gebiete im Kaukasus: Abchasien, Südossetien, Adscharien, Bergkarabach und Donezk. Die Einreise in einige dieser Gebiete war nicht einfach. Um nach Bergkarabach zu gelangen, musste sie über Armenien reisen, da eine Einreise von Aserbaidschan aus – zu dem das Gebiet offiziell noch immer gehört – nicht möglich ist.

Sie bereiste all diese Gebiete unter schwierigen Bedingungen und sprach mit den Menschen vor Ort über die jüngere und ältere Geschichte; dabei erfährt man viel über diesen Teil der Welt. Ich halte es für wichtig, mehr über das größte, sehr mächtige und wohl gefährlichste Land der Welt zu wissen.

Es handelt sich um ein großartiges, hervorragend geschriebenes Buch, bei dem man das Gefühl hat, gemeinsam mit der Autorin zu reisen und mit ihr die Länder, die dort lebenden Menschen und deren Geschichte zu entdecken. Fantastisch.

Dies ist das zweite Buch über Russland und seine Geschichte, das Erika Fatland verfasst hat. Ihr erstes Werk, "Sowjetistan. Eine Reise durch Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan" (Sovietistan: Travels in Turkmenistan, Kazakhstan, Tajikistan, Kyrgyzstan, and Uzbekistan), habe ich nach diesem gelesen. Daraus habe ich ebenso viel gelernt wie aus diesem Buch.

Buchbeschreibung:

"Die Journalistin Erika Fatland reist entlang der schier endlosen Grenze Russlands. Von Nordkorea über den Kaukasus, das Kaspische und das Schwarze Meer. Durch die Ukraine und die Staaten Osteuropas geht es bis zur russisch-norwegischen Grenze – nach 14 Staaten und über 20 000 Kilometern stößt sie auf die Arktis. Doch hier endet die Reise nicht etwa.

Von der tschuktschischen Hauptstadt Anadyr aus macht sich Erika Fatland im 'Arktischen Sommer' auf die Reise entlang der Nordostpassage, vorbei an Franz-Josef-Land und Sewernaja Semlja bis nach Kirkenes – und hat damit das flächenmäßig größte Land der Welt einmal umrundet.

Erika Fatland, Autorin des Bestsellers Sowjetistan, reist entlang der über 20 000 Kilometer langen russischen Grenze durch 14 Länder und begegnet dort den unterschiedlichsten Menschen – Taxifahrern, Geschichtsprofessoren, Rentierhirten und anderen. Sie hört zu, stellt Fragen, sammelt Geschichten. So entstehen schillernde Porträts dieser eigenwilligen Menschen und Länder. Aber auch ein Porträt des weltpolitischen Giganten – aus der Sicht seiner Nachbarn."

Donnerstag, 9. April 2026

Gaarder, Jostein "Sophies Welt"

Gaarder, Jostein "Sophies Welt" (Norwegisch: Sofies verden) - Sophie's World - 1991

Dieses Buch möchte man nicht in ein paar Tagen lesen. Es enthält viele Informationen. Man könnte es als Philosophiekurs bezeichnen. Zugegeben, es ist für junge Leute geschrieben. Aber auch für uns Ältere ist einiges darin enthalten.

Sophie ist ein 14-jähriges Mädchen, das mysteriöse Briefe von einem ihr unbekannten Philosophen erhält. Er erzählt ihr von einem Philosophen nach dem anderen. Selbst wenn man das Buch nur deshalb liest, ist es eine beachtliche Leistung. Wir erfahren viel über viele Philosophen und ihre Philosophien, ihre Sprache und die Entwicklung unserer heutigen (westlichen) Weltsicht. Und Sophie heißt nicht zufällig Sophie, denn Philosophie bedeutet "Liebe zur Weisheit".

Die Geschichte um Sophie selbst ist ebenso philosophisch. Wer sind wir wirklich? Und was passiert mit den Figuren in den Büchern, die wir lesen? Jostein Gaarder hat vielleicht nicht die großartigste Geschichte aller Zeiten geschrieben, aber er hat uns auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt.

Buchbeschreibung:

"Ein Roman über zwei ungleiche Mädchen und einen geheimnisvollen Briefeschreiber, ein Kriminal- und Abenteuerroman des Denkens, ein gescheites, geistreiches, witziges Buch, ein großes Lesevergnügen - und zu allem eine Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart."

Montag, 16. Februar 2026

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar"

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar" (Norwegisch: Absalons Haar) - Absalom's Hair - 1894

Ich lese ja immer mal wieder gerne Bücher von Nobelpreisträgern. Als ich auf diesen Roman stieß, musste ich ihn daher begutachten. Es handelt sich hier um eine Novelle, also nicht sehr lang. Etwas mehr Handlung hätte der Erzählung sicher nicht geschadet. Ich war nicht sonderlich begeistert. Die Geschichte hüpfte hin und her, die Protagonisten hatten nichts an sich, was einen faszinieren konnte. Es ist eben ein sehr altes Buch, das die Zeichen der Zeit nicht überstanden hat.

Und wenn es als Satire gedacht war, hätte ich etwas Humor etwartet.

Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (Ja, wir lieben dieses Land)

Da auf meiner Ausgabe nur steht, dass der Verlag "zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur" gedruckt wurde, ich auch keine deutsche Buchbeschreibung finden konnte  und auch der englische Klappentext nicht viel hergab (siehe mein englischer Eintrag), habe ich mal KI befragt. Das war gar nicht mal so schlecht:

"Absaloms Haar von Bjørnstjerne Bjørnson ist eine satirische Erzählung, die Eitelkeit, Selbstüberschätzung und menschliche Natur thematisiert. Die Geschichte nutzt das biblische Motiv von Absalom, dessen üppiges Haar symbolisch für Hochmut steht, um eine allegorische Erzählung über die Gefahren übermäßigen Stolzes zu verweben. 

Inhaltliche Schwerpunkte: Die Erzählung behandelt die Obsession einer Figur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und die daraus resultierenden Konsequenzen, ähnlich dem biblischen Absalom, der durch sein Haar zu Fall kam.

Charakter: Absalom wird als gutaussehend, aber ehrgeizig dargestellt, wobei sein Haar als Symbol für Eitelkeit dient.

Es handelt sich um eine psychologische Charakterstudie, die oft als Allegorie interpretiert wird."

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als einen Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 16. Januar 2026

Sturluson, Snorri "Egils Saga"

Sturluson, Snorri "Egils Saga" (Isländisch: Egils saga Skallagrímssonar) - Egil's Saga - 1240 

Dies ist sicherlich eines der ältesten Bücher, die ich je gelesen habe (mit Ausnahme von "Die Odyssee/Odyssey"). Und es hat mir viel Freude bereitet. Ich habe viel über die Wikinger und über Geschichte gelernt. Ich bin mir nicht sicher, wie genau die historischen Ereignisse wiedergegeben sind, aber einige kamen mir bekannt vor.

Es ist erstaunlich, wie lange eine solche Geschichte überlebt hat. Sie wurde vor fast 900 Jahren geschrieben und kann immer noch gelesen werden. Dies ist ein authentischer historischer Bericht darüber, was die Menschen damals taten und was sie darüber dachten. Sie zeigt uns unsere Vergangenheit, aber ich denke, sie zeigt uns auch unsere Zukunft. Denn wenn wir eines aus der Geschichte lernen, dann ist es, dass die Menschen nichts daraus lernen. Sie kämpfen immer noch um Ruhm und Ehre, selbst wenn sie behaupten, andere Gründe zu haben.

Egil war ein großer Dichter, aber auch ein großer Krieger, ein Mann, der sehr schnell wütend wurde, und seine Gegner kamen meist nicht lebend aus ihren Auseinandersetzungen mit ihm heraus. Eine ausgezeichnete, einzigartige Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Im Mittelpunkt dieser berühmten Saga steht der Skalde Egil Skalla-Grimson, der im 10. Jahrhundert gelebt hat. Wie kaum eine andere Figur der mittelalterlichen Literatur ist er voller Widersprüchlichkeit, ein unberechenbarer Wikinger mit berserkerhaften Zügen, jedoch ein großer Runenkundiger und Dichter. Die gegen Anfang des 13. Jahrhunderts aufgezeichnete Saga vereint Abenteuergeschichte und Historie, sujektive Charakterzeichnung und objektive Darstellung."

Montag, 1. Dezember 2025

Shreve, Anita "Das Gewicht des Wassers"

Shreve, Anita "Das Gewicht des Wassers" (Englisch: The Weight of Water) - 1997

Ich habe diesen Roman vor Ewigkeiten gelesen und musste wirklich darüber nachdenken, worum es eigentlich geht. Die Beschreibung auf der Rückseite "Fesselnd und wunderschön geschrieben usw. usw." half mir nicht wirklich weiter. Aber ein Blick ins Buch half mir ein wenig.

Wenn ich mich an einen Roman nicht erinnere, bedeutet das meistens, dass er keinen großen Eindruck auf mich gemacht hat.

Ich erinnere mich an zwei verschiedene Geschichten, eine aus dem 19. Jahrhundert, die andere aus der heutigen Zeit. Ein Mord, der sich im ersten Zeitrahmen ereignete, und ein Journalist, der alles ein Jahrhundert später aufdeckte. Normalerweise nicht so mein Geschmack, und da es keinen großen Eindruck auf mich machte, war diese hier keine Ausnahme.

Buchbeschreibung:

"Der Segeltörn der Fotoreporterin Jean mit ihrer Familie, ihrem Schwager und dessen Freundin sollte eigentlich der Recherche eines über 100 Jahre zurückliegenden Mordes an zwei jungen Norwegerinnen dienen. Doch schon bald entsteht an Bord des Bootes eine Atmosphäre von erotischer Spannung und Eifersucht, die unweigerlich in einer dramatischen Katastrophe endet …"

Mittwoch, 2. Juli 2025

Bjørnstad, Ketil "Villa Europa"

Bjørnstad, Ketil "Villa Europa" (Norwegisch: Villa Europa) - Villa Europa - 1992

Eine epische Saga über eine norwegische Familie im 20. Jahrhundert. Die verschiedenen Mitglieder reisen durch Europa, kehren aber immer wieder in die Villa ihrer Großmutter zurück. Die Menschen sind sehr unterschiedlich, genau wie die Zimmer im Haus, die alle nach einem bestimmten Land benannt sind. Dies ist nicht nur eine historische Lektüre, sondern berührt viele weitere Themen, zum Beispiel die unterschiedlichen Lebensweisen von Männern und Frauen und ihr Zusammenleben.

Ein sehr interessanter Roman.

Buchbeschreibung:

"Erik Ulven und seine Frau gehören zur wohlhabenden Osloer Gesellschaft. Doch das Leben der Reichen beginnt Erik zu langweilen. So verschwindet er eines Tages, ohne Abschied, um anderswo sein Glück zu machen. In sieben Jahren durchquert er Europa, erleidet einen finanziellen Verlust nach dem anderen und lebt von dem Geld, das seine Frau ihm schickt. In der Zwischenzeit richtet diese die Zimmer des Hauses in der Art der Länder ein, die ihr Mann bereist.In einem rasanten Erzähltempo zieht Bjoernstad den Leser mit durch das gesamte 20. Auch die Söhne, Töchter und Enkel der Familie verlassen, in den folgen Jahrzehnten, ihr Land, freiwillig oder unfreiwillig, und doch kehren fast alle in das Haus über dem Fjord zurück, das in Kriegs- und Nachkriegswirren auch Flüchtlinge aus aller Welt beherbergt und das sie 'Villa Europa' nennen. Vor allem von den Frauen der Familie bewahrt, wird es mehr und mehr zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen den Generationen und den Geschlechtern. - 'Das ist die Geschichte der Villa Manche versteckten sich. Manche warteten darauf, daß andere anriefen. Manche lebten einfach nur ihr Leben.'"

Samstag, 7. Juni 2025

Undset, Sigrid "Kristin Lavranstochter"

Undset, Sigrid "Kristin Lavranstochter" (Norwegisch: Kristin Lavransdatter) - Kristin Lavransdatter - 1920-22

Ich habe dieses Buch über mehrere Monate hinweg gelesen. Nicht, weil es so langweilig war, sondern weil es einfach ziemlich lang war und ich immer mehrere Bücher (mindestens fünf) gleichzeitig las.

Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich es als in drei Bänden lesen sollte. Schließlich wurde es so geschrieben und zuerst veröffentlicht.

Der Kranz (Kransen) – 1920
Die Frau (auch bekannt als: Die Frau/Husfrue) – 1921
Das Kreuz (Korset) – 1922

Aber dann konnte ich es nicht mehr weglegen, nachdem ich den ersten Teil beendet hatte, und war froh, ein Exemplar mit allen drei Ausgaben zu haben:

Der Kranz handelt von der jungen Kristin, der Tochter des reichen Gutsbesitzers Lavrans. Wie es im 13./14. Jahrhundert üblich war, war sie einem Mann versprochen, verliebte sich aber in einen anderen.

Es war interessant zu sehen, wie sie und ihr Geliebter versuchten, ihr Ziel, zusammenzukommen, zu erreichen, und was der Rest der Gesellschaft dazu zu sagen hatte. Es war auch interessant zu sehen, wie sie damals lebten, welche Bräuche sie hatten und was davon bis heute geblieben ist und was nicht.

The Frau (auch bekannt als: Die Ehefrau) erzählt uns von Kristins Leben als Ehefrau und Mutter, ihren Schwierigkeiten mit der Familie, den Gewohnheiten und der Politik ihres Mannes. Es war ein hartes Leben für eine Frau, sie hatte viele Aufgaben und wurde ständig beobachtet, sie konnte so viele Fehler machen, die ihr Schande bereiteten. Wenn ich so darüber nachdenke, hat sich seitdem allerdings nicht viel geändert.

Das Kreuz erzählt uns von Kristins letzten Jahren. Ihre Kinder werden erwachsen, und sie muss sich entscheiden, was sie ohne eine richtige Aufgabe im Haus tun möchte.

So erfahren wir etwas über das gesamte Leben einer Frau damals, von der Kindheit bis ins hohe Alter. Und es ist erstaunlich, wie sehr es heute noch nachhallt, wie wir in ihre Fußstapfen treten und sagen können: Okay, manches hat sich geändert, aber im Großen und Ganzen gibt es noch viel, was wir durchmachen, obwohl wir es inzwischen besser wissen sollten.

Brillant, gut geschrieben, gut durchdacht. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen, es sei denn, man hat Angst vor Büchern mit über tausend Seiten.

Ich würde es definitiv als Epos bezeichnen.

Buchbeschreibung:

"Die Kristin Lavranstochter-Trilogie ist ein historischer Roman der norwegischen Autorin Sigrid Undset, der in deutscher Übersetzung in drei Bänden erschienen ist: Der Kranz, Die Frau und Das Kreuz. Die Handlung spielt im Mittelalter im Norwegen des 14. Jahrhunderts und erzählt das Leben der jungen Kristin Lavransdatter. Die Trilogie wurde für Undsets präzise Darstellung der nordischen Lebensweise im Mittelalter gelobt und trug maßgeblich zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur an sie im Jahr 1928 bei."

Sigrid Undset erhielt den Nobelpreis für Literatur 1928 "vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter".

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Dienstag, 27. Mai 2025

Petterson, Per "Pferde stehlen"

Petterson, Per "Pferde stehlen" (Norwegisch: Ut og stjæle hester) - Out Stealing Horses - 2003

"Eine bewegende Geschichte über Gefühle der Isolation, den schmerzlichen Verlust der Unschuld und das Ende traditioneller Lebensweisen."

Eine interessante Geschichte. Ein Mann blickt auf sein Leben zurück. Der Roman beginnt in Norwegens Wäldern und endet dort. Doch er hätte überall spielen können. Nach dem Tod seiner Frau kehrt ein Mann an einen Ort zurück, an dem er in seiner Jugend einen Sommer verbracht hat. Er verarbeitet so viele Ereignisse seines Lebens: Tod, Scheidung, Tragödien, Erwachsenwerden, Älterwerden.

Wie so viele andere skandinavische Schriftsteller ist auch dieses Buch langsam, aber keineswegs langweilig. Es ist ein Buch, das man immer wieder lesen möchte und das einen lange begleiten wird. Ich freue mich auf weitere Bücher dieses Autoren.

Buchbeschreibung:

"Norwegen im Sommer 1948: Der fünfzehnjährige Trond verbringt die Ferien in einer Hütte nahe der schwedischen Grenze. Als in der Nachbarsfamilie ein schreckliches Unglück geschieht, entdeckt der Junge das wohlgehütete Lebensgeheimnis seines Vaters. In den Kriegsjahren hatte dieser zusammen mit der Nachbarin politisch Verfolgte über den Fluss gebracht. Und sich dabei für immer in diese Frau verliebt. Noch ahnt Trond nicht, dass er seinen Vater nach diesem gemeinsamen Sommer nie wiedersehen wird."

Freitag, 15. November 2024

Ibsen, Henrik "Peer Gynt"

Ibsen, Henrik "Peer Gynt" (Norwegian: Peer Gynt) - Peer Gynt - 1867

Ich habe die Musik "Peer Gynt" von Edvard Grieg immer geliebt und daher klang allein der Titel dieses Stücks für mich gleichzeitig geheimnisvoll und bezaubernd.

Ich habe es schon einmal erwähnt, ein Stück zu lesen ist nur die halbe Freude und ich würde mir viel lieber ein Stück ansehen, aber das ist nicht immer möglich. Also habe ich mich nach langem Überlegen endlich an dieses hier gewagt. Ich finde es noch schwieriger zu lesen, wenn es – wie hier – in Gedichtform geschrieben ist.

In diesem Stück gibt es Trolle, aber auch Reisen nach Nordafrika (Marokko und Ägypten), wir werden Zeugen einer Entführung und eines Mordes, Liebe und Verrat, Leben und Tod, diese Geschichte hat alles. Sie ist sowohl satirisch als auch mystisch.

Peer Gynt ist jedoch nicht die Art von Charakter, die man gerne hätte. Warum sogar seine Mutter ihn mag, weiß niemand. Er ist überhaupt nicht sympathisch, er ist zu niemandem nett, wir alle wären ohne ihn besser dran.

Sicherlich nicht mein Lieblingsbuch des Jahres, aber ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe.

Und inzwischen habe ich auch eien (sehr moderne) Aufführung des Stücks im Theater gesehen. Einfach sagenhaft!

Buchbeschreibung:

"'Peer, du lügst!', lässt Henrik Ibsen zu Beginn seines glanzvollen 'dramatischen Gedichts' Peer Gynts Mutter Aase ausrufen und ein Lügner ist ihr Sohn in der Tat: ein Prahlhans, ein Fabulierer, der sehnsüchtig alles Fantastische über die nüchterne, elende Wirklichkeit stellt. Zusehends verschwimmen die Grenzen zwischen Träumerei und Realität, und schon bald gerät der abenteuerhungrige Bauernsohn auf der Suche nach Ansehen und Wohlstand in das dämonisch-mythische Reich der Trolle ... Ibsens 'Peer Gynt', 1876 uraufgeführt, wurde zu Recht oft mit 'Don Quijote' und 'Faust' verglichen. "

Montag, 29. Juli 2024

Fosse, Jon "Morgen und Abend"

Fosse, Jon "Morgen und Abend" (Norwegisch: Morgon og kveld) - Morning and Evening - 2001

Dies war unsere internationale Lesekreisgeschichte für Juli 2024.

Ich hatte sie gefunden, nachdem Jon Fosse den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte, und sie dann dem Lesekreis vorgeschlagen. Da wir alle gerne Bücher von Nobelpreisträgern lesen, wurde es als eines unserer Bücher ausgewählt.

Ich habe Nobelpreisträger schon immer geliebt; es gibt kaum einen Autor unter ihnen, den ich nicht mag. Und bei diesem letzten ist es genauso. Eine faszinierende Geschichte über das Leben und den Tod eines Mannes. Eine einfache Geschichte über den Tod eines alten, hart arbeitenden Fischers mit einem bescheidenen Leben. Keine Ausschmückungen nötig, eine schlichte Reflexion über ein gewöhnliches Leben.

Jon Fosse beschreibt all dies so wunderbar, sein Schreibstil ist fantastisch. Ein wohlverdienter Gewinner dieses renommierten Preises.

Dies ist nur eine Novelle, selbst die deutsche Übersetzung hat nur etwa 120 Seiten, aber sie ist so groß wie viele große Bücher mit 500 Seiten oder mehr (meine Lieblingsgeschichten).

Auch andere Leser waren zufrieden. Hier sind einige Kommentare:

"Zuerst war der Schreibstil sehr abstoßend, da ich zu wörtlich bin, um Poesie und die umständliche Art des Schreibens zu mögen. Aber nach der Hälfte des Buches begann ich es zu verstehen und genoss es wirklich, wie viel Gefühl man aus dem minimalistischen Text herausholen konnte."

"Das Ende war einfach umwerfend."

"Anfangs hat mich der Schreibstil genervt ... der Gedankenfluss, keine Zeichensetzung ... aber dann, etwa nach der Hälfte, war ich einfach nur noch beeindruckt von der geschickten und stimmungsvollen Art, mit der die Geschichte erzählt wurde."

"Die Übersetzung ins Schwedische war allerdings etwas speziell, der Übersetzer hatte viele Wörter im Buch gelassen, die heute als Teil des Altschwedischen gelten und nicht mehr normal verwendet werden."

Um ehrlich zu sein, war mir das erst klar, als ich diesen Kommentar hörte. Ja, einige Formulierungen schienen sogar auf Deutsch altmodisch, aber ich hielt das einfach für die "skandinavische Art".

Buchbeschreibung:

"In 'Morgen und Abend' erzählt Jon Fosse von einem großen Thema, dem Tod. Die Geschichte, in deren Mittelpunkt ein einfacher norwegischer Fischer steht, dessen Leben hart und erfüllt war, öffnet den Blick auf das, wovon heute kaum jemand spricht. Eine kunstvoll rhythmisierte, ganz schlichte Erzählung, die bezaubert und berührt."

Jon Fosse erhielt den Nobelpreis für Literatur 2023 "für seine innovativen Theaterstücke und Prosa, die dem Unsagbaren eine Stimme verleihen".

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Montag, 27. Mai 2024

Hamsun, Knut "Segen der Erde"

Hamsun, Knut "Segen der Erde" (Norwegisch: Markens Grøde) - Growth of the Soil - 1917

Bisher habe ich nur ein Buch von Knut Hamsun gelesen, "Pan" (Pan). Das war Teil unseres internationalen Lesekreises. Eines unserer Mitglieder kam aus Norwegen und Knut Hamsun war ihr Lieblingsautor. Mir gefiel "Pan", es ist ein großartiger Roman und wahrscheinlich ein guter Roman für einen Lesekreis, da er nicht zu lang ist.

"Segen der Erde" war genauso toll. Dies brachte ihm offenbar den Nobelpreis für Literatur ein. Man merkt, dass der Autor die Natur liebt und was sie für uns tut. In diesem Fall kommt Isak, der Protagonist, in ein Gebiet, in dem niemand lebt und das scheinbar schwer zu bewirtschaften ist. Er macht etwas daraus und wird einer der reichsten Männer der Gegend, nachdem einige andere ihm folgen.

Es ist nicht nur die Geschichte, es ist die Art und Weise, wie die Menschen beschrieben werden, ihre harte Arbeit, ihre Liebe zur Natur, ihr Wille, mehr zu werden, und auch über diejenigen, die mit diesem Lebensstil nicht zurechtkommen.

Es ist eine ruhige Geschichte, eine beruhigende Geschichte. Eine epische Geschichte über eine längst vergangene Zeit.

Buchbeschreibung:

"Mit diesem Hymnus auf das bäuerliche Leben erlangte sein Dichter Weltruhm: 1920 wurde dem Norweger Knut Hamsun der Nobelpreis für den Roman 'Segen der Erde' verliehen. 

Unter Verwendung autobiographischer Elemente erzählt Hamsun die Geschichte Isaks, des Bauern, der in der Einsamkeit des Nordlandes dem Moor ein Stück Erde abringt, es urbar und zu einer fruchtbaren, weithin angesehenen Oase des Lebens für viele macht. 

In seiner einfachen, manchmal biblisch anmutenden Sprache ist der Roman weder nur Heimat- noch nur realistisch erzählter Bauernroman. Mit dem Lob auf das Landleben, dem 'Zurück zur Natur', weist der Dichter dem Zivilisationsmenschen vielmehr einen Weg zu sich selbst. Das in dem Roman vertretene Menschenbild, im Dritten Reich emphatisch begrüßt und durch die Ereignisse dieser Zeit in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert, hat dennoch nichts von seiner Überzeitlichkeit eingebüßt. 'Segen der Erde' ist deshalb den bleibenden Werken - und Werten - der Weltliteratur zuzurechnen.

Knut Hamsun erhielt den Nobelpreis für Literatur 1920 "für sein monumentales Werk 'Segen der Erde'". 

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Freitag, 17. Mai 2024

Lind, Stefanie "Reise nach Norwegen"

Lind, Stefanie (Hrsg.) "Reise nach Norwegen: Kulturkompass fürs Handgepäck" [Trip To Norway: Cultural Compass For Hand Luggage] - 2010

Angeblich gibt es zwei Sorten Menschen, Norweger und diejenigen, die es gerne wären.

Egal, ob man Norwegen kennt, dies ist ein ein interessantes Buch über unseren nördlichsten Nachbarn. In verschiedenen Geschichten werden Land und Leute beschrieben, und zwar so, dass man am liebsten gleich losfahren würde. Die Sagen dürfen natürlich auch nicht zu kurz kommen, denn wer kann schon an Skandinavien denken, ohne dass Trolle erscheinen.

Aber es kommen nicht nur lustige Geschichten vor, so werden z.B. die deutschen Soldatenkinder und deren Behandlung nach dem zweiten Weltkrieg beschrieben. Kleiner Spoiler, auch nicht besser als anderswo.

Aber das macht dieses Buch gerade so interessant, es ist nicht einfach nur ein Loblied auf das ach so wunderbare Land, in dem jeder gerne leben würde, es beschreibt viele Seiten dieses Landes. Und das ist auch gut so.

Buchbeschreibung:

"Ein Land voller Gegensätze, bereist im Schein der Mitternachtssonne und unter dem flackernden Tanz des Nordlichts

Norwegen, das lang gestreckte Land im äußersten Norden Europas, bezaubert durch seine atemberaubende Natur: tiefe Fjorde, schneebedeckte Gipfel und unendliche Weiten. Einheimische Autoren und Norwegenliebhaber beschreiben die Naturschönheiten, besuchen die Wiege des Skisports, trotzen mit dem Postschiff den Herbststürmen und berichten aus der Heimat unerschrockener Polarforscher.

Per Gynt führt Trolle an der Nase herum - Truls Lynne Hansen erliegt der Magie des Nordlichts - Hans Magnus Enzensberger bevorzugt die versteckten Winkel Oslos - Tor Obrestad schildert den Alltag auf einer Bohrplattform - Knut Hamsun beschreibt die fetten Heringsjahre - Marilyn Stern sticht auf einem Walfänger in See - Fridtjof Nansen bezwingt das Meer auf dem Weg zum Norpol - Christiane Ritter sieht den Eisbären ins Auge - Veslemøy Kjendsli bricht das Tabu der deutschen Soldatenkinder - Eva Maagerø begeistert für die Vielfalt von Schriftsprachen und Dialekten - Tilmann Bünz besucht am Eismeer eine Chorprobe bei Minusgraden - Sophus Tromholt fühlt sich auf seiner Hurtigrutenfahrt wie ein König - Nils-Aslak Valkeapää singt das Hohelied auf die Berge der Finnmark - Siri Matti kennt jedes einzelne seiner Rentiere - Egon Theiner und Chris Karl feiern das Nationalheiligtum Skisport - Astri Riddervold, Torkjell Berulfsen und Bent Stiansen erklären die heilsame Wirkung von Kräuterschnaps - Dies und vieles mehr über Norwegen ...
"

Donnerstag, 15. Februar 2024

Uusma, Bea "Die Expedition"

Uusma, Bea "Die Expedition. Eine Liebesgeschichte: Wie ich das Rätsel einer Polartragödie löste" (Schwedisch: Expeditionen: min kärlekshistoria) - The Expedition: a Love Story: Solving the Mystery of a Polar Tragedy - 2013

Wir haben dies im Januar 2024 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Da wir in unserem Online-Lesekreis nicht viele Sachbücher lesen, war das mal eine Umstellung. Und eine gute.

Die Geschichte ist sehr alt. Es begann Ende des 19. Jahrhunderts, als drei Schweden mit einem Ballon zum Nordpol fliegen wollten.

Leider haben sie es nicht geschafft. 33 Jahre lang hörte niemand davon oder wusste, was passiert war. Bis einige Fischer ihre Leichen fanden.

Aber was wirklich passiert sein könnte, war immer noch ein großes Rätsel. Bis Bea Uusma, eine schwedische Autorin, Illustratorin und Ärztin, zufällig auf die Geschichte stieß und neugierig wurde. Sie fand viele Beweise und stellte die Geschichte so zusammen, wie sie höchstwahrscheinlich passiert sein könnte.

Eine recht interessante Geschichte, auch wenn einige Teile des Rätsels nie gelöst werden können. Ich fand es schön, der Autorin auf ihrer Suche nach dem Schlüssel zum Rätsel zu folgen.

Viele Bilder und Illustrationen runden den Bericht über die Suche ab.

Buchbeschreibung:

"Die Geschichte einer Obsession – und eines großen Rätsels im ewigen Eis. 

'Über fünfzehn Jahre lang hat mich die Andrée-Expedition nicht losgelassen: drei Männer aus Stockholm, die mit einem Heißluftballon auf dem Weg zum Nordpol verschwanden. Die Reste ihres Lagers wurden 33 Jahre später gefunden, eingefroren auf einer unbewohnten Insel mitten im Eismeer. Ich versuchte, ein ernstes Wörtchen mit mir selbst zu reden, aber ich war wie ein Vampir, der zum ersten Mal Menschenblut gewittert hat. Dies wurde zu meiner Expedition.'"

Freitag, 13. Oktober 2023

Hamsun, Knut "Pan"

 

Hamsun, Knut "Pan" (Norwegisch: Pan) - Pan - 1894

Wir hatten das Glück, ein norwegisches Mitglied zu haben, die ein großer Fan dieser Autorin ist. Sie war die richtige Vermittlerin zwischen uns und der Welt, in die Knut Hamsun uns führt.

Es fiel ihr schwer, das Lieblingsbuch ihres Lieblingsautors auszuwählen, die anderen ihrer Meinung nach guten: "Victoria" (Victoria. En kjærlighedshistorie), "Hunger" (Sult), "Segen der Erde" (Markens Grøde).
Das hat sie in der Schule gelesen.


Es ist faszinierend, wie der Autor die Natur beschreibt und erlebbar macht. Er riecht den Wald, malt ein Bild, erinnert uns an unsere Jugend, Liebe, Kultur, Natur, Zivilisation. Für einige von uns ist es ein Echo der Kindheit und Jugend, die innere Seele des Menschen, er liebte es, das zu erforschen. Es gibt einen Kampf zwischen Gegensätzen, Männer und Frauen, Natur und Stadt, die Liebesgeschichte ist herausragend, es gibt Hindernisse, Stolz, Eifersucht.

Uns gefielen die Symbolik und die Metaphern, z.B.
die wechselnden Jahreszeiten.


Die Mythologie spielt in dem Roman eine große Rolle, auch die Trennung zwischen seiner Liebe zur Natur und den Menschen. Wir waren von seiner Liebe zur Natur fasziniert.

Die Beschreibungen sowohl der Natur als auch der Charaktere sind wunderschön.
Es gab viele interaktive Beschreibungen sowie psychologische Analogien und Vergleiche.


Jemand näherte sich dem Buch sehr zögerlich, aber sie konnte sich dennoch damit identifizieren.

Fazit: Diese Geschichte verrät uns etwas über den Traum und die Sehnsucht, besser als das Leben selbst.


Und auch wenn nicht alle von uns von der Geschichte mitgerissen wurden, waren wir uns einig, dass es eine sehr interessante Lektüre war.

Es stellte sich die Frage, ob seine Charaktere in anderen Romanen auch dysfunktional sind?
Die Antwort darauf: absolut. Er erforscht den Geist. Seine Liebe zur Natur ist enorm, die Natur oberhalb des Polarkreises ist extrem.


Knut Hamsum war und ist einer der Lieblingsautoren vieler seiner Kollegen, sogar anderer Nobelpreisträger wie Thomas MannHermann Hesse und Ernest Hemingway. Er hat alle Arten von Literatur beeinflusst und nicht nur seine eigene geschrieben. Er hat seinen Nobelpreis auf jeden Fall verdient.

Buchbeschreibung:

"Eine Romanze im Nordlandsommer

Der junge Lieutenant Glan erinnert sich eines zwei Jahre zurückliegenden Nordlandsommers. Dort lebte er inmitten der Natur in einer Hütte, fern aller Menschen - gleich Pan, dem Gott der Wälder. Eines Tages begegnete ihm Edvarda, fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, mit einem braunen Gesicht, langen, dunklen Händen und einem großen Mund, der leuchtete. Liebestrunken leben sie dahin, bis der Herbst kommt.

'
Pan' spiegelt die tiefe Naturverbundenheit des berühmten norwegischen Erzählers und seine Vorliebe für exzentrisches, individualistisches Dasein am Rande der Zivilisation
."

Wir haben dies im März 2011 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Knut Hamsun erhielt den Nobelpreis für Literatur 1920 "für sein monumentales Werk 'Segen der ErdeSegen der Erde'". 

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Mittwoch, 5. Juli 2023

Tau, Max "Ein Flüchtling findet sein Land"

Tau, Max "Ein Flüchtling findet sein Land" (Norwegisch: En flyktning finner sitt land*) [A refugee finds his country] - 1964

Es stimmt, was auf dem Bucheinschlag steht, Max Tau legt ein Zeugnis ab für das Gute, für die Menschlichkeit. Unglaublich, wenn man sieht, was ihm widerfahren ist. Andererseits, er hat auch viel Gutes erlebt, Menschen, die sich für ihn eingesetzt haben, die ihr Leben für ihn aufs Spiel gesetzt haben.

In "Das Land, das ich verlassen musste", erzählt er von seinem Leben im Vorkriegsdeutschland und wie seine Freunde ihn letztendlich nach Norwegen gerettet haben. Hier hören wir, wie es ihm dort ergangen ist und wie seine norwegischen Freunde ihn nach Schweden schmuggeln.

Und auch Max Tau setzt sich ein. Er ist nach dem Krieg einer der ersten, der sich für die Verständigung mit Deutschland einsetzt und ihm wird dafür u.a. als erstem der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.

Eine hervorragende Erzählung über ein Leben, wie wir es hoffentlich nicht noch einmal erleben müssen, über eine Zeit, über die bereits sehr viel und dennoch immer noch nicht genug geschrieben ist. Wir können nicht aufhören, darüber zu berichten. Eine solche Zeit darf sich einfach nicht wiederholen.

Buchbeschreibung:

"Ein Zeugnis für das Gute, für Menschlichkeit, in der Zeit des Unmenschen ist auch dieses Buch, in dem Max Tau, der erste Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, seinen mit dem Bande "Das Land, das ich verlassen musste", begonnenen Lebensbericht fortsetzt. Erst im Jahre 1938 hatten Freunde - deutsche und norwegische Freunde, unter ihnen Sigrid Undset, Olva Duun und Knut Hamsun - dem Lektor des Berliner Verlages Bruno Cassirer zur Flucht nach Norwegen verholfen. Und mit der Situation des Flüchtlings in fremdem Land, zwischen alltäglicher Unsicherheit und tieferer Angst, setzt die Schilderung ein; Freundeshilfe - der norwegische Rechtsanwalt Eilif Moe verschaffte dem Emigranten Arbeit, stellte ihm eine Schreibkraft - behob zwar die kleinen Nöte des Alltags, nichts aber behob die große Not der Angst. Der berechtigten Angst: denn bald holte das Regime des Terrors den Flüchtling ein. Er musste sich verstecken; der norwegische Verleger Johan Grundt Tanum brachte ihn in nächtlicher Fahrt über die schwedische Grenze. Und wieder gab es Freunde, die ihm in Stockhlm die Rückkehr in seinen Beruf ermöglichten: zuerst als Lektor im Ljus-Verlag, später als Leiter der deutschen Abteilung - des Neuen Verlags - im Esselte-Konzern. Doch sein Herz gehörte Norwegen, dem Land, das den Flüchtling zuerst aufgenommen hatte, das ihm noch wärend des Krieges seine Staatsbürgerschaft verlieh, und in das er nach dem Krieg zurückkehrte. Dieses Buch berichtet vor allem über Begegnungen von Mensch zu Mensch; es ist damit zugleich eine Dokumentation jener menschlichen Güte, die auch der Terror nicht niederzwingt, und an die Max Tau niemals aufhören wird zu glauben."

Max Tau hat 1950 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

* Dies ist eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Norwegische.

Montag, 27. Februar 2023

Gulbranssen, Trygve - Björndal-Trilogie (Bjørndaltrilogien)

Gulbranssen, Trygve "Und ewig singen die Wälder" (Norwegisch: Og bakom synger skogene) - Beyond Sing the Woods - 1933
Gulbranssen, Trygve "Das Erbe von Björndal/Heimkehr nach Björndal" (Norwegisch: Det blåser fra Dauingfjell/Ingen vei går utenom) - The Wind from the Mountains
- 1934/35

Diese Bücher gehörten zu den wenigen gebundenen Ausgaben, die meine Eltern besaßen und waren daher auch unter den ersten, die ich gelesen habe. Das ist jetzt schon mehr als ein halbes Jahrhundert her. Als meine Eltern starben und wir ihr Haus auflösten, entscheiden meine Brüder, dass die Bücher mir gehören sollten. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn sie sind ein schönes Andenken an meine Eltern und meine Liebe zum Lesen, die ich schon früh entdeckte.

Die Romane gelten als ein Entwicklungs-, Bauern-, Generationen- und Schauerroman. Sagen wir, es könnte als Tragödie durchgehen.

Wir haben uns auch gerne die Filme angesehen, wenn sie im Fernsehen kamen.

Buchbeschreibung:

Gulbranssen, Trygve "Und ewig singen die Wälder" (Norwegisch: Og bakom synger skogene) - 1933
- "Das Erbe von Björndal" (Norwegisch: Det blåser fra Dauingfjell - 1934
- "Heimkehr nach Björndal" (Norwegisch: Ingen vei går utenom) - 1935

"Eine eindrucksvolle Familiensaga in der dramatischen Landschaft Norwegens.

Auf dem norwegischen Hof Björndal lebt ein mächtiges Geschlecht, dessen Leben durch die Verbundenheit mit der Natur geprägt ist. Im Mittelpunkt steht der eigenwillige Dag, der erst im Verlauf seines Lebens lernt, dass mit der großen wirtschaftlichen Macht auch eine große Verantwortung verbunden ist und dass der Mensch gut daran tut, seine Feinde zu lieben und Barmherzigkeit walten zu lassen.

Die reichen Bauern Björndal und die benachbarte Adelsfamilie von Gall sind tief verfeindet. Als Tore, der Sohn des alten Björndal, bei einem Duell um die Nachbarstochter stirbt, beschwört der unversöhnliche Hass des Alten eine Tragödie herauf ...

Der Roman
Und ewig singen die Wälder des norwegischen Schriftstellers Trygve Gulbranssen (* 15. Juni 1894 in Kristiania; † 10. Oktober 1962 in Eidsberg) erschien erstmals im Jahr 1935 und gilt als einer der großen Klassiker des Heimatromans."

Freitag, 16. Dezember 2022

Brandt, Rut "Freundesland"

Brandt, Rut "Freundesland. Erinnerungen" [Friends' Country] - 1992

Rut Brandt wurde in Norwegen geboren und war die erste Frau unseres vierten Bundeskanzlers, Willi Brandt.

Auch wenn dieses Buch inzwischen 30 Jahre alt ist, ist es dennoch aktuell wie eh und je. Rut Brandt hat hier nicht nur über ihr Leben, ihre Flucht nach Schweden, ihre Heirat, Ehe mit und Trennung von Willi Brandt berichtet, sondern auch hinter die politischen Kulissen geschaut. Und die Geschichte kommt auch nicht zu kurz.

Buchbeschreibung:

"1942 flüchtet die norwegische Widerstandskämpferin vor der Gestapo nach Schweden, wo sie 1944 ihren späteren Mann, Willy Brandt, kennenlernt. Nach dem Krieg siedelt das Paar nach Deutschland über, zuerst nach Berlin, 1966 nach Bonn. Mit Wärme und Anteilnahme schildert Rut Brandt die bewegten Jahre als Frau des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und des Bonner Außenministers und Bundeskanzlers."

Mittwoch, 1. Juni 2022

Uthaug, Maren "Hannahs Lied"

Uthaug, Maren "Hannahs Lied" (Dänisch: Hvor der er fugle) [Where there are birds] - 2017

"Sodom und Gomorra im Leuchtturm…" Das ist eine der Beschreibungen, die ich zu diesem Roman gesehen habe. Und irgendwie passt es. Es sind mehrere Liebesgeschichten, und nicht nur das. In den 50er Jahren galten noch andere Gesetze als heute, vor allem ungeschriebene, aber einiges, was in diesem Roman vorkommt, ist auch heute noch verboten. Und das ist auch gut so.

Es geht hier auch weniger um "Johan und Hannah", es geht um das damalige Leben insgesamt. Drei unterschiedliche Menschen erzählen die Geschichte, nacheinander und doch nebeneinander. Johan, die Tochter Darling und zum Schluss Marie. Das Leben wird von drei Seiten her betrachtet, eine gute Vorgehensweise, insbesondere für solch einen Roman, in dem allerhand passiert, obwohl das Leben auf so einem Leuchtturm mehr als eintönig ist.

Ich finde Leuchttürme einfach faszinierend, genau wie Windmühlen. Als ich jünger war, wollte ich gerne auf dem ein oder in der anderen leben, hat irgendwie nie geklappt. Und das ist sicher auch gut so.

Eine brillante Geschichte, eine besondere Erzählung, tragisch und einfühlsam, düster und schwermütig. Aber sehr lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Johan liebt Hannah, muss aber Marie heiraten, um seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten. Sie lassen sich auf dem Leuchtturm von Kjeungskjær nieder, Norwegens einzigem achteckigen Leuchtturm. Mancmal reichen die Wellen bis zur Dachspitze - dort sitzt Johan und fühlt sich vom Leben betrogen. Wenn er die Augen schließt, denkt er an Hannah und weiß, dass er niemals aufhören wird, sie zu lieben …"

Dienstag, 22. Juni 2021

Tau, Max "Das Land, das ich verlassen mußte"

Tau, Max "Das Land, das ich verlassen mußte" [The Country I Had to Leave] - 1961

Der erste Empfänger des Deutschen Friedenspreises in 1950 (englische Liste hier).

Nach dem letzten Buch von Carolin Emcke (Gegen den Hass/Against Hate) hatte ich mir vorgenommen, mehr Friendenspreisträger zu lesen. So begann ich mit dem ersten. Max Tau, ein Deutscher, der vor den Nazis flüchten musste. Ein sehr gutes Buch, in dem er beschreibt, wie sein Leben vor den Nazis aussah und wie er es letztendlich schaffte, vor ihnen zu fliehen.

Der Autor beschreibt sein Leben, angefangen mit seiner Kindheit und Jugend, von seinem Beruf und von den Menschen, die ihm geholfen haben. Ein Buch, das Mut macht, dass man hofft, man gehört zu den "Guten" in einer schlimmen Zeit.

"Dies sind die Memoiren des Mannes, der als erster mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Max Tau schildert seinen Werdegang und sein Leben, ein unerhört erfülltes und reiches Leben; er schildert zugleich seine Zeit, die zwanziger Jahre, und ihre geistigen und literarischen Ereignisse. Als enger Mitarbeiter bedeutender literarischer Verlage, der sich mit heißem Herzen und mitreißender Begeisterung für das Schaffen vieler junger Autoren einsetzt, ist er ein Wegbereiter und legitimer Sprecher dieser Epoche.

Die erregten Diskussionen im Hause Bruno Cassirers in Berlin spiegeln das Bild eines lebendigen, geistigen Mittelpunktes dieser Jahre, mit deren führenden Persönlichkeiten er zusammentraf - mit Schriftstellern, Malern, Schauspielern, Kritikern und nicht zuletzt Verlegern, die seine Freunde wurden. All das wurde ausgelöscht mit dem Beginn des Judenboykotts 1933, wenn es viele zunächst auch noch nicht wahrhaben wollten. '
Heute haben wir mehr verloren als 1914 in der Marne-Schlacht', rief zornig Gerhard Pohl an jenem 1. April

'
In jedem Jahrhundert gibt es Zeiten, wo die Menschen ihr Antlitz verhüllen; sie vermögen nicht zu begreifen, was die Menschen gegen die Menschen taten. Aber wir dürfen die Jugend nicht mit der Vergangenheit belasten. wir müssen ihr etwas vom Licht der Zukunft zeigen.' Dieses persönliche Bekenntnis Max Taus ist zugleich das Leitmotiv seines Lebens: etwas vom Licht der Zukunft leuchtete für ihn - selbst in den dunklen Jahren - auch über dem Land, das er verlassen mußte."

Max Tau hat 1950 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.