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Donnerstag, 20. August 2026

Michaels, Anne "Fluchtstücke"

Michaels, Anne "Fluchtstücke" (Englisch: Fugitive Pieces) - 1996

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Es entspricht absolut meinem Genre und wurde viel gelobt. Zwar würde ich es nicht als schwer zu lesende Lektüre bezeichnen, dennoch konnte ich keine wirkliche Nähe zu den Charakteren aufbauen. Es geschah offensichtlich eine ganze Menge, doch es schien weder echte Handlung noch einen roten Faden zu geben.

Vielmehr waren es flüchtige, fragmentierte Gedanken – lose Bruchstücke, die wahllos zusammengewürfelt wirkten. Als würde jemand versuchen, seine Gedanken zu ordnen, dabei jedoch wenig Erfolg haben. Wie schade! Dies hätte ein großartiges Buch werden können; die Geschichte ist äußerst vielversprechend.

Am meisten störte mich, dass man kaum erkennen kann, wer gerade spricht – es sei denn, man liest die Einleitung. Liest man jedoch die Einleitung, erhält man Spoiler, die einem die gesamte Geschichte verderben können. Ich lese so gut wie nie Einleitungen, bemerkte aber etwa auf der Hälfte des Buches, dass dies hier notwendig war, um überhaupt zu verstehen, worum es eigentlich ging.

Ich vermute, viele Leser schätzen das Buch wegen seines poetischen Schreibstils; dann sollte es jedoch nicht als Roman klassifiziert werden.

Definitiv nicht mein Buch.

Einige Zitate haben mir allerdings gut gefallen – insbesondere der Schlusssatz unter der Rubrik "Anne Michaels' Lieblingsbücher":

"Als ich jung war, empfand ich es als ein Geheimnis, dass das Wort 'read' (lesen/gelesen) eigentlich zwei Wörter sind – zugleich Vergangenheits- und Gegenwartsform. Diese Zeitreise ist eine der Möglichkeiten, wie wir unser Leben in unseren eigenen Händen halten."

sowie ein weiteres Zitat – ein hebräisches Sprichwort:
"Hältst du ein Buch in der Hand, so bist du ein Pilger vor den Toren einer neuen Stadt."

Buchbeschreibung:

"Der siebenjährige Jakob Beer, der einzige Überlebende einer jüdischen Familie, irrt - man schreibt das Jahr 1942 - allein durch die polnischen Wälder und versteckt sich in einer Ausgrabungsstätte. Dort findet ihn der griechische Archäologe Athos, der ihn rettet und nach Griechenland schmuggelt. Von ihm lernt Jakob alles: die Geologie, die Geschichte, die Dichtkunst und die Bedeutung der Liebe. Die Liebe ist für Jakob mehr als eine tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen, sie ist in einer unendlich grausamen Welt das einzige Überlebensprinzip."

Dienstag, 21. Juli 2026

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch"

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch oder Ein Israeli auf Reisen" (Hebräisch: Sefer ha'masot/ספר המסעות) - The Seasick Whale: An Israeli Abroad: Book of Travels - 1995

Ephraim Kishon ist es immer wert, zur Hand genommen zu werden. In diesem Band spricht er von seinen Reisen in verschiedene europäische Länder und in die Vereinigten Staaten. Er schafft es, wie kaum ein anderer, die Eingenheiten der Bewohner so darzustellen, dass selbst sie darüber lachen müssen. Und eigentlich lobt er sie ja auch alle mit seinen Bemerkungen.

Also, wer wissen möchte, wie man in der Schweiz eine Bananenschale loswird, warum man in Venedig nie eine Gondel nehmen solte und warum es anzuraten ist, Las Vegas nicht zu besuchen, wenn man nicht schon vorher seine Rückreise gebucht und bezahlt hat, für den ist dieses Buch Gold wert.

Buchbeschreibung:

"'Wenn du deinem Paßbild ähnlich zu sehen beginnst, ist es höchste Zeit, wegzufahren.'

Bissig-humorvolle Satiren über die Eigenheiten von Touristen und Einheimischen. Als der Herr zum Walfisch sprach,speite er Jonah ans Land. Niemals hatte der Wal in den vielen Jahren seiner Seefahrt die geringsten Magenbeschwerden gehabt, doch einen Reisenden wie diesen Propheten hielt sein Bauch wahrlich nicht aus. Das war der biblische Anfang des Tourismus ... 

Mit Kishon auf Reisen, um am Ende festzustellen, dass es zu Hause doch am schönsten ist."

Dienstag, 31. März 2026

Karystiani, Ionna "Die Frauen von Andros"

Karystiani, Ionna (Ιωάννα Καρυστιάνη) "Die Frauen von Andros" (Griechisch: Μικρά Αγγλία/Mikra Anglia) - The Jasmine Isle - 1997 

Dies ist eines der Beispiele, bei denen man für dasselbe Buch mehrere verschiedene Titel findet und sich fragt, warum. Der Originaltitel "Μικρά Αγγλία" (Mikra Anglia) bedeutet "Klein-England", so heißt die Insel in der Geschichte. Die Spanier haben ihn wörtlich mit "Pequeña Inglaterra" übersetzt. Dann der deutsche Titel "Die Frauen von Andros", was der Name der Insel ist, auf der die Frauen leben, während die Italiener und Briten sie "The Jasmin Isle" bzw. "L'isola dei gelsomini" (Die Jasmininsel) nennen. Warum? Ich bezweifle, dass selbst die Verantwortlichen den wahren Grund kennen.

Mir gefiel die Geschichte über die griechischen Seefahrer vor und während des Zweiten Weltkriegs und die Frauen, die sie auf ihrer kleinen Insel zurücklassen. Es ist definitiv (wie der deutsche Titel schon sagt) die Geschichte der Frauen. Ioanna Karystiani beschreibt die Protagonistinnen so gut, dass sie sowohl Charaktere als auch Ereignisse auf interessante Weise vorstellt. Ich mag ihren Stil, auch wenn er manchmal etwas verwirrend wirkt. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass es eine gute Erinnerung an das damalige Leben auf den Inseln ist. Das kann ich mir gut vorstellen, denn die Autorin selbst wurde auf Kreta geboren, größer als Andros, aber dennoch eine griechische Insel. Als ich die Insel Anfang der 2000er besuchte, schien sie noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts steckengeblieben zu sein. Sehr verlockend, sehr charmant, aber dennoch war das Leben nicht so modern, wie ich es aus meinem Teil Europas kenne, daher kann ich mir vorstellen, dass diese Geschichte der Realität nahe kommt.

Definitiv ein Bewusstseinsstrom-Roman (Stream of Consciousness), lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Andros in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts: Seit alters her ist die Kykladeninsel Heimat bedeutender Reederfamilien. Die Männer beherrschen als Seefahrer die Weltmeere, und die "ewige Liebe zum Meer" zieht sie immer wieder hinaus. An Land zurück bleiben die Frauen mit ihren Erinnerungen und Sehnsüchten. Sie müssen die traditionelle Rolle der Männer übernehmen, tragen die Verantwortung für Familie und Haus - und können nur davon träumen, selbst einmal die Insel zu verlassen. Ioanna Karystiani erzählt die Schicksale und Geschichten all dieser Frauen; sie erzählt von deren Erinnerungen und Sehnsüchten, von zerbrochenen Ehen, unerfüllter Liebe und den Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. "Ist es möglich, dem Schicksal zu entrinnen?" - diese Frage stellen sich vor allem die jüngeren Frauen und versuchen, aus den Lebensformen der Mütter und Großmütter auszubrechen. Bis die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auch diese Welt überschatten. Im Mittelpunkt dieser Gemeinschaft steh en die Kapitänsfrau Mina und ihre Töchter Orsa und Moska - und die unglückliche Liebe zwischen dem jungen Kapitän Spiros und Orsa, die von der Mutter und eisernen Gesetzen der Familientradition dazu verdammt ist, einen ungeliebten Mann zu heiraten, um dann Spiros als Ehemann ihrer jüngeren Schwester zu sehen."

Samstag, 10. Januar 2026

Homer "Die Odyssee"

Homer "Die Odyssee" (Altgriechisch: Ομήρου Οδύσσεια, Odýsseia) - Odyssey - 800-600 BC

Dies ist eine epische Geschichte. Jeder kennt die "Odyssee", und ich liebe Klassiker, deshalb wollte ich sie schon immer lesen.

Ich bin kein großer Lyriker, aber man kann dies fast wie einen Roman lesen. Die Sprache ist sehr flüssig, eine Zeile folgt der nächsten ohne die üblichen Unterbrechungen. Manche Sätze können allerdings ziemlich lang werden.

Trotzdem ist es interessant, Odysseus auf seiner Reise durch diese und die nächste Welt zu begleiten, um zu seiner Frau und seinem Sohn nach Hause zu gelangen. Er begegnet Göttern und Helden, Hexen, Feinden und schwierigen, lebensbedrohlichen Situationen, aber er überlebt sie alle. Selbst als er nach Hause kommt, sind die Probleme noch nicht vorbei.

Diese Geschichte ist über 2.000 Jahre alt und fesselt uns noch heute. Absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Odysseus – göttlicher Dulder, listenreicher Trojabezwinger, Abenteurer und treuer Ehemann, zugleich Freund schöner Frauen – ist durch Homers Dichtung unsterblich. Wolfgang Schadewaldt schmiegt seine Prosaübersetzung mit solcher Genauigkeit und Erfindungskraft in den Rhythmus der griechischen Redefiguren und Sprachbilder der griechischen Verserzählung, dass moderne Leser dem Zauber epischer Spannung ebenso erliegen wie die alten Hellenen dem Gesang ihres Rhapsoden vor 3000 Jahren."

Montag, 14. Juli 2025

Aristophanes "Lysistrata"

Aristophanes "Lysistrata" (Griechisch: Lysistrátē/Λυσιστράτη) - Lysistrata and Other Plays - 411 BC

Ich hatte dieses Buch vor einiger Zeit bei einem Flohmarkt für gebrauchte Bücher. Dafür bin ich dankbar, denn so habe ich nur 1 € bezahlt.

Meine Ausgabe enthielt nicht nur "Lysistrata", sondern auch "Die Acharner" (Acharnes) und "Die Wolken" (Nephelai).

In der englischen Beschreibung wird der "zotige Humor" des Autors gelobt. Zottig war es in der Tat, aber ich konnte darin keinen Humor finden, es war viel zu derb, grob und vulgär. Wahrscheinlich war es die Zeit. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Buch in den USA auf der Liste der verbotenen Bücher stünde.

Aber die Geschichten selbst waren auch nicht besonders interessant. Ich denke, man muss es sehen und nicht lesen. Jemand sagte mir, das Stück sei wirklich urkomisch und die Kostüme würden viel dazu beitragen. Nun ja, Aristophanes hat das nicht erklärt. LOL

Buchbeschreibung:

"Lysistrata ist das wohl bekannteste und am häufigsten aufgeführte Werk des griechischen Komödienschreibers Aristophanes. Es wurde im Jahr 411 v. Chr. uraufgeführt und ist eines von drei Stücken des Autors, die den Krieg als Leitthema haben. In diesem Stück verschwören sich die Frauen aus Athen und Sparta, um ihre Männer zum Frieden zu zwingen. Unter Führung von Lysistrata besetzen sie die Akropolis und verweigern ihren Gatten Sex. Nach dem Prinzip 'Make Love, not War', soll dieser Liebesentzug die Krieger zum Aufgeben zwingen. Doch bald versuchen auch liebestolle Frauen wieder zu ihren Männern zu gelangen."

Donnerstag, 6. März 2025

Fry, Stephen "Mythos: Was uns die Götter heute sagen"

Fry, Stephen "Mythos: Was uns die Götter heute sagen" (Englisch: Mythos: The Greek Myths Retold) - 2017

Ich war noch nie ein großer Fan dieser ganzen griechischen Götter und ihrer Mythen und dachte immer, das liege daran, dass ich nicht genug über sie wüsste. Als ich dann dieses Buch von Stephen Fry fand, den ich wirklich bewundere, dachte ich, okay, ich versuche es noch einmal.

Weiß ich mehr über die Götter, Titanen und all die anderen Fabelwesen? Nun, ja. Werde ich mich daran erinnern, wer wer ist und in welchen Geschichten sie auftauchen? Mmmmh … wahrscheinlich nicht. Und das hat nichts mit der Genialität zu tun, mit der Stephen Fry diese Mythen erzählt. Nein, er ist so großartig wie eh und je. Aber ich habe beschlossen, dass diese Geschichten nichts für mich sind. Es gibt ein paar Geschichten, die nicht allzu schlecht sind, aber insgesamt interessieren sie mich nicht wirklich. Nicht einmal, wenn sie von jemandem so Fantastischem wie Stephen Fry erzählt werden. Es klingt wahrscheinlich zu sehr nach Fantasy für mich.

Buchbeschreibung:

"Stephen Fry hat sich die griechischen Göttersagen vorgeknöpft: Grandios und umwerfend komisch! Zügellosigkeit, Lebenslust, Mord und Totschlag, Triumph und Tragödie: Die griechischen Göttersagen sind wilder und wüster als das Leben selbst und bieten damit alles, was sich Leser wünschen. Die alten Griechen inspirierten unter anderen Shakespeare, Michelangelo, James Joyce und Walt Disney. In Stephen Frys brillanter Nacherzählung erwachen die alten Sagen zu neuem Leben. Wir verlieben uns mit Zeus, sehen die Geburt der Athene, nehmen mit Kronos und Gaia Rache an Uranos, wir weinen mit König Midas und jagen mit der wunderschönen und furchtlosen Artemis. Meisterhaft und in bester Tradition des britischen Humors zeigt uns Stephen Fry die Bedeutung der griechischen Sagen für die Geburt der Literatur."

Dienstag, 18. Februar 2025

Schnoy, Sebastian "Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt"

Schnoy, Sebastian "Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt" [Learn from Napoleon how to avoid doing the dishes] - 2013

Von Sebastian Schnoy habe ich ja schon zwei Bücher gelesen ("Smørrebrød in Napoli" und "Das bisschen Frieden"), die mir sehr gut gefallen haben. Und auch dieses war hervorragend. Wenn man bedenkt, dass er es bereits 2013 geschrieben hat, so hat er vieles vorhergesagt. Warum hören wir nicht mehr auf Historiker?

Wir hören viel von unseren Vorfahren und denen der anderen Europäer, ihren Errungenschaften und ihren Niederlagen. Anders als im normalen Geschichtsunterricht, geht es hier jedoch weniger um die Kriege, die wir miteinander verbrochen haben, sondern um die ganz normalen Leute und wie sie lebten.

Und, wie in seinen anderen Büchern, kommt auch hier der Humor absolut nicht zu kurz. Sehr zu empfehlen

Ein paar wichtige Worte des Autors:

"Wie bei jeder Obsession gewinnen die Obsessivsten die Show."

"Briten grüßen einen selbst an Orten, an denen man es nicht erwarten würde, u.a. wenn sie in einen Pool steigen. Auch wenn man sich im Zug neben jemanden setzt, sagt man hallo zu seinem Sitznachbarn."

Das gibt es bei uns auch. Jeder, der einem begnet, wird mit Moin begrüßt. Als ich nicht in der Gegend wohnte, haben mich Menschen of sehr seltsam angesehen, wenn ich sie gegrüßt habe, obwohl ich sie nicht persönlich kannte (z.B. Nachbarn, denen man ständig auf der Straße begegnete). Ich musste mich erst daran gewöhnen. Das hat mir in England auch so gut gefallen, Menschen sind freundlicher zueinander.

"Jean-Claude Juncker gehört zu den Engagierten für ein einiges Europe. Er ist ein Freund klarer Worte: 'Wer an Europa zweigelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen. Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander am schlimmsten bewirken kann.'"

Als meine Kinder klein waren, haben sie sich mit den Pfadfindern immer um Soldatengräber gekümmert. Ich finde, sie haben eine Menge daraus gelernt. Sollte überall Pflicht sein.

Hier nun noch ein paar Zitate, die entweder von wichtigen Personen der Geschichte stammen oder etwas Wichtiges zum Verständnis der Geschichte beitragen:

"Glaube nie jenen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben." André Gide

"Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen." Karl Marx

"Engländer sind das diplomatischste Volk der Welt. Wer sonst würde einem mit so freundlichem Lächeln so einen Kaffee vorsetzen?" Bob Hope

Als ich in England wohnte, fragte man mich einmal, was ich denn von ihrem Kaffee halten würde. Über meine Antwort haben alle herzlich gelacht: "Na ja, man gewöhnt sich an alles."

"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt." Mahatma Gandhi

"Also, jetzt mal abgeschehen von den offenen Grenzen, dem stärksten Binnenmarkt der Welt und dem Euro, hat uns die EU irgendwas ..." - "Den längsten Frieden, den es bei uns jemals gab."

"Viel zu spät begreifen viele
Die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit, die Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum Mensch sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist's! Reise, reise, reise!
"
Wilhelm Busch

Dazu fällt mir ein Spruch ein, der letztens auf einer Geburtstagsfeier die Runde machte:
"Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben."

Buchbeschreibung:

"Konsumsüchtige Italiener, betrunkene Iren, bauwahnsinnige Spanier und Griechen, die siechen - ist das die Wahrheit? Sebastian Schnoy, Deutschlands unterhaltsamster Historiker, blickt zurück und entdeckt zahlreiche Sternstunden in der Geschichte unserer europäischen Nachbarn: Ob Fußbodenheizungen und Kurzparkzonen im alten Rom, Blind Dates und Bildbearbeitung im englischen Mittelalter oder Kreuzfahrtschiffe im antiken Griechenland - jede Nation hat Dinge vorzuweisen, von denen wir heute noch profitieren. Auch Deutsche kamen immer wieder auf geniale Ideen: So erfand ein Berliner um 1900 einen Wecker, der einen nur weckt, wenn draußen schönes Wetter ist.

Sebastian Schnoy entdeckt die besten Momente der europäischen Geschichte und macht so Finanzkrisen, Schuldenlöcher und Euro-Rettungsschirme vergessen."

Montag, 6. Januar 2025

Kaminer, Wladimir "Die Kreuzfahrer"

Kaminer, Wladimir "Die Kreuzfahrer" [The Crusaders] - 2018

Ich habe ja immer mal von einer Ostseekreuzfahrt geträumt, Start in Lübeck oder Kiel, dann nach Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, St. Petersburg, über Tallinn, Riga, Klaipėda, Gdańsk, vielleicht Szczecin, Stralsund, aber auf jeden Fall Rostock zurück zum Starthafen. Hört sich toll an. Man bezieht in Lübeck sein Zimmer und braucht nichts wieder einzupacken, man kann all diese Städte mit einem Landgang besuchen.

Nach der Lektüre dieses Buches bin ich mir nicht so sicher, dass diese Art des Reisens etwas für mich ist. Dass man mich nicht falsch versteht, das Buch ist fabelhaft, wie alles von diesem Autoren. Aber: ich habe mich nie zu Urlauben auf irgendwelchen spanischen oder griechischen Inseln "all inclusive mit Kinderbelustigung" hinreißen lassen, wir haben mit unseren Kindern in Jugendherbergen übernachtet oder uns ein Häuschen gemietet, ich mag diese Touristenbespaßung nicht. Ich möchte Städte besuchen, Museen, alles, was die Menschen in anderen Ländern ausmacht kennenlernen. Ich habe das Gefühl, das ist auf diesen Kreuzfahrtschiffen nicht so. Erinnert mich mehr an diese Kaffeefahrten mit einem Reisebus, an denen meine Eltern früher teilgenommen haben.

Ich glaube aber, Wladimir Kaminer hat die Art der Kreuzfahrten schon ganz gut beschrieben, vielleicht zu gut für meinen Geschmack. Es kommt einem so vor, als ob die Reisenden von der Bar auf dem Schiff in die nächste Bar an Land gehen. Für jemanden wie mich, der keinen Alkohol mag, nicht unbedingt erstrebenswert.

Vielleicht kann mich ja jemand überzeugen, der schon öfter eine solche Fahrt mitgemacht hat, dass es sich doch lohnt …

Buchbeschreibung:

"Ein Kreuzfahrtschiff ist eine ganz eigene Welt. Der Reisende betritt man eine schwimmende des Glücks mit Bar, Tanzabenden und dem reibungslosen Übergang von einer Mahlzeit in die nächste. Und natürlich mit jeder Menge neuer Bekanntschaften. Aber auch an Land gibt es viel zu entdecken: von Putin-Schokolade in St. Petersburg, über falsche Götter auf der Akropolis bis zu verrückten karibischen Taxifahrern. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft?"

Mittwoch, 1. Januar 2025

Bernières, Louis de "Traum aus Stein und Federn"

Bernières, Louis de "Traum aus Stein und Federn" (Englisch: Birds without Wings) - 2004

Vor Jahren war Louis de Bernières' erster Roman "Corellis Mandoline" (Captain Corelli's Mandolin) das erste Buch, das ich mit einem Lesekreis gelesen habe. Wir waren unterschiedlicher Meinung darüber und selbst ich war mir nicht sicher, ob ich es nicht unbedingt auf meine Liste der Lieblingsbücher setzen würde.

Also dauerte es eine Weile, bis ich mich an ein weiteres Buch dieses Autors heranwagte. Was für ein Fehler. Ich war absolut begeistert von diesem Roman. Griechenland und die Türkei zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit vielen Informationen über ihre Geschichte, eine großartige Ergänzung zu Victoria Hislops "Eine Geschichte von Liebe und Feuer" (The Thread), den ich kurz zuvor gelesen hatte.

Wie in dem Roman leben Türken und Griechen friedlich nebeneinander, Christen, Muslime und Juden. Sie haben keine Probleme mit ihren Nachbarn, stimmen sogar zu, wenn ihre Kinder einander heiraten oder bitten zum Beispiel jemanden des anderen Glaubens, zu ihren Heiligen zu beten. Bis zum Fall des Osmanischen Reiches, als alle Christen nach Griechenland und alle Muslime in die neu gegründete Türkei umgesiedelt werden. Wir erfahren auch etwas über die Kindheit und die frühen Jahre von Mustafa Kemal, der im Rest der Welt besser als Atatürk bekannt ist.

Ein Zitat, das so viel über die Stimmung hinter diesem Buch aussagt: "Es lässt sich nicht abschätzen, wie viele Armenier bei den Gewaltmärschen starben. Im Jahr 1915 sprach man von 300 000, eine Zahl, die seither unter den Bemühungen wütender Propagandisten immer weiter nach oben korrigiert worden ist. Aber es ist müßig und grausam darüber zu streiten, ob 300 000 oder zwei Millionen Menschen umgekommen sind, denn beide Zahlen sind entsetzlich, und das Leid der einzelnen Opfer auf ihrem Weg in den Tod ist in jedem Fall unermesslich."

Ich habe das immer gesagt über die Todesopfer in jedem Krieg, aber besonders im 2. Weltkrieg, Leute beginnen darüber zu diskutieren, wieviele Juden  tatsächlich getötet wurden. Selbst wenn wir die genaue Zahl wüssten, wüssten wir nie, wie viel Trauer hinter dieser Zahl steckt. Jede Zahl ist zu viel, selbst eine Person, die durch einen Krieg getötet wird, ist nicht das wert, wofür die Menschen, die den Krieg begonnen haben, ihn zu haben glauben. Und es stimmt, ob es nun tausend oder eine Million sind, es bedeutet nur, dass mehr Menschen um ihre Lieben trauern. In jedem Fall zu viele.

In "Traum aus Stein und Federn" bekommen viele dieser Zahlen Gesichter. Und das ist es, was ich am meisten daran liebe, solche Romane zu lesen, es ist so viel einfacher, sich vorzustellen, was die Menschen erlitten haben, wenn man von Einzelfällen hört. Man kann es sich nie wirklich vorstellen, bevor man nicht die Geschichte von jemandem gehört hat.

Stalin soll gesagt haben: "Ein Toter ist eine Tragödie; 1000 Tote sind eine Statistik." Egal, wer es war, es stimmt leider.

Die Charaktere sind absolut bemerkenswert, die meisten von ihnen sind sehr liebenswert. Wir erfahren von wunderbaren Freundschaften und Liebe, die ewig währt. Wir erfahren von Heldentum und sinnlosem Kämpfen. Wir hören von den guten und schlechten Seiten der Menschen. Und wir können auch heute noch viel von ihnen lernen.

Am Ende sehen wir sogar eine Verbindung zu seinem früheren Buch "Corellis Mandoline".

Ein wunderbares Buch, eines meiner Lieblingsbücher.

Und das bedeutet der Originaltitel: "Der Mensch ist ein Vogel ohne Flügel, [...] und ein Vogel ist ein Mann ohne Sorgen."

Buchbeschreibung:

"In einem atemberaubenden epischen Roman macht Louis de Bernières eine vergessene Stadt im Südwesten Anatoliens zur Mitte der Welt. Mit schillernden Farben erschafft er einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren Türken und Griechen, Christen und Muslime in Frieden nebeneinander lebten. Louis de Bernières lässt Iskander den Töpfer auftreten, dessen skurrilen Sprichworte als weise gelten, Georgio den Händler, der sein Glück sucht und einen Brunnen stiftet, Rustem Bey, der osmanische Landbesitzer, der eine Frau verliert und in Istanbul eine Mätresse findet, und schließlich die schöne Philotei, an deren Liebe zu Ibrahim sich die Stadt entzweit.

An ihrer Leidenschaft zerreißt das fragile Gewebe aus gemeinsamer Not und karger Freundschaft, aus kleinen Betrügereien und großen Heldentaten. Hatte man bis vor kurzem noch Türkisch mit griechischen Buchstaben notiert, stirbt die Toleranz über Nacht und werden Nachbarn zu Mördern, bis im Untergang des Osmanischen Reiches ganze Völker ihr Land verlieren. Die Stadt wird zerstört und schließlich leben nur noch Eidechsen in den Ruinen."

Mittwoch, 25. September 2024

Hislop, Victoria "Eine Geschichte von Liebe und Feuer"

Hislop, Victoria "Eine Geschichte von Liebe und Feuer" (Englisch: The Thread) - 2011

Dies war mein drittes Buch von Victoria Hislop und es war auch nicht das letzte. Ich habe jede einzelne Zeile davon geliebt.

Während ein junger Mann seine Großeltern in Griechenland besucht, erzählen sie ihm die Geschichte ihres Lebens und gleichzeitig die Geschichte ihrer Stadt und ihres Landes. Thessaloniki hat viel Aufruhr durchgemacht und seine Bewohner auch.

Wir lernen erfolgreiche Männer und unglückliche Frauen kennen, entschlossene Männer, die ihr Land retten wollen, sowie Menschen, die alle Hoffnung aufgegeben haben. Wir gehen durch die deutsche Besatzung und folgen den Widerstandskämpfern in die Berge. Wir treffen eine junge Schneiderin, die entschlossen ist, hart zu arbeiten, um durchs Leben zu kommen. Ihre Liebe zu dem Mann, in den sie sich nicht verlieben sollte, muss viele Hindernisse überwinden, aber da wir sie am Anfang als Großeltern des jungen Mannes kennenlernen, wissen wir bereits, dass sie am Ende ein Happy End haben werden.

Dies ist eine Geschichte über die Liebe und eine Geschichte über das Überleben. Wie überstehen Menschen, insbesondere Frauen, turbulente Zeiten? Sogar in Kriegszeiten scheinen manche Menschen zu versuchen, ein Klassensystem aufrechtzuerhalten, während es für andere einfach unwichtig geworden zu sein scheint. Wir erfahren, wie Familien in schwierigen Situationen unterschiedlich reagieren, wie Beziehungen entstehen - oder nicht - und wie verschiedene Ehen funktionieren - oder nicht.

Dieses Buch enthält so viel Geschichte, so viele Details, die Geschichte sogar für Leute interessant machen, die sich überhaupt nicht für Geschichte interessieren. Victoria Hislop hat sich ihren Platz auf meiner Liste der Lieblingsautoren verdient. Sie beginnt normalerweise mit einem Prolog, der in der heutigen Zeit spielt, und geht dann zurück in die Geschichte, um schließlich in ihrem Epilog in die moderne Zeit zurückzukehren. Besonders gut gefiel mir der Originaltitel dieses Buches, eine leichte Anspielung auf den Beruf einer Näherin sowie auf all die verschiedenen Menschen in der Geschichte, deren Leben miteinander verknüpft sind. Der deutsche Titel ist mal wieder nicht zu gebrauchen.

Buchbeschreibung:

"Thessaloniki 2007: Der junge, in England aufgewachsene Mitsos erfährt zum ersten Mal etwas über die Vergangenheit seiner Großeltern. Das Leben von Katerina und Dimitri ist untrennbar mit der wechselhaften Geschichte ihrer Heimatstadt verbunden – nur dank ihrer Liebe verloren sie nie die Hoffnung. Mitsos erkennt, dass hier auch seine Wurzeln liegen, und er spürt, dass er eine Entscheidung für sein Leben treffen muss.

Nachdem 1917 ein großer Brand weite Teile von Thessaloniki verwüstet hat, wächst Dimitri, Sohn eines reichen Tuchhändlers, bei seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Dennoch verbringt er eine glückliche Kindheit. Besonders eng befreundet ist er mit Katerina, die auf der Flucht aus Smyrna ihre Mutter verlor. Dann aber trennen sich die Wege der Kinder, und erst als Erwachsene treffen sie sich wieder. Sie erkennen, dass sie sich lieben, doch Dimitri zieht schon bald in den Zweiten Weltkrieg und kämpft danach noch viele Jahre im Widerstand. Die Nachricht seines Todes lässt Katerina zutiefst verzweifeln. Als der Besitzer der Schneiderei, in der sie arbeitet, ihr einen Heiratsantrag macht, willigt sie ein. Dann steht eines Tages Dimitri wieder vor ihr: voller Sehnsucht, gejagt von seinen Feinden …"

Andere Bücher von Victoria Hislop sind hier und hier (englisch). 

Dienstag, 17. September 2024

Hosseini, Khaled "Traumsammler"

Hosseini, Khaled "Traumsammler" (Englisch: And the Mountains Echoed) - 2013

Bisher habe ich drei Bücher von Khaled Hosseini gelesen, die drei Bücher, die er bisher geschrieben hat. "Drachenläufer" (The Kite Runner) hat mir gefallen, "Tausend strahlende Sonnen" (A Thousand Splendid Suns) hat mir sehr gut gefallen und ich fand, dass dies eines der besten Bücher ist, die ich seit langem gelesen habe (und ich lese viel). Ein Beweis dafür, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, ist, dass ich es sogar gelesen habe, bevor es als Taschenbuch herauskam. Ich bevorzuge diese Ausgaben, sie sind leichter zu halten und mitzunehmen.

Khaled Hosseini ist ein wunderbarer Autor. So ein schöner Schreibstil, so ein Talent, die Geschichte seines vom Krieg zerrütteten Heimatlandes zu erzählen. Er ist ein Autor, bei dem man nicht glaubt, dass so bald wieder ein so großartiges Buch wie dieses erscheinen wird. Sein Buch hinterlässt bei einem das Gefühl, dass es noch nicht zu Ende sein kann, warum hat es nur 400 Seiten?

"Also, dann. Ihr wollt eine Geschichte hören? Gut, ich erzähle euch eine. Aber nur eine.  …" So beginnt die Geschichte. Abdullahs und Paris Vater Saboor liebt es, Geschichten zu erzählen und die Kinder hören ihm gerne zu. Was sie nicht wissen, sind seine Geschichten, die oft Parabeln sind, die auf ihr eigenes Leben hinweisen, im Guten wie im Schlechten. Der Roman erzählt uns vom Stadt- und Dorfleben in Afghanistan, aber auch vom Leben afghanischer Auswanderer in Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie von dem der in Afghanistan lebenden Ausländer. Er erwähnt sie alle. Wir treffen reiche und arme Menschen, gute und böse. Wir erfahren etwas über Geschwister, Geschwisterrivalität und Geschwisterliebe. Über Freundschaft, Ehe, Krankheit und Gesundheit, dieser Roman handelt von allem. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Generationen und mehr als ein halbes Jahrhundert, beginnt in den 40er Jahren in Afghanistan und endet zu Beginn dieses Jahrhunderts in Kalifornien. Ich möchte nicht zu viel verraten, und das müsste ich tun, wenn ich tiefer in die Geschichte eintauchen würde. Ich möchte nur hinzufügen, dass dieses Buch so viele Fragen darüber aufwirft, warum und wie wir leben, welche Entscheidungen die Menschen treffen und welche Auswirkungen dies auf das Leben so vieler Menschen hat. Ich würde sagen, es ist in dieser Hinsicht ziemlich philosophisch, erzählt aber auch eine packende Geschichte, die man nicht weglegen möchte, bis man fertig ist.

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist, dass es sofort losgeht, keine lange Einführung, um sich an die Charaktere zu gewöhnen, keine Beschreibung dessen, was vorher war (das kommt später), ich liebe es, wie es mit einem Paukenschlag beginnt. Man muss nicht etwa fünfzig Seiten lesen, um zu wissen, ob einem dieses Buch gefallen wird. Man wird es von Anfang an mögen.

Wenn ihr dieses Jahr nur ein Buch lest, sollte es "Traumsammler" (And the Mountains Echoed) sein!

Die einzige Enttäuschung: Nachdem ich sein neuestes Buch so schnell gelesen habe, werde ich noch länger auf das nächste warten müssen.

Buchbeschreibung:

"In 'Traumsammler' erzählt Khaled Hosseini die bewegende Geschichte zweier Geschwister aus einem kleinen afghanischen Dorf. Pari ist drei Jahre alt, ihr Bruder Abdullah zehn, als der Vater sie auf einem Fußmarsch quer durch die Wüste nach Kabul bringt. Doch am Ende der Reise wartet nicht das Paradies, sondern die herzzerreißende Trennung der beiden Geschwister, die ihr Leben für immer verändern wird."

Mittwoch, 12. Juni 2024

Frisch, Max "Homo Faber"

Frisch, Max "Homo Faber" - Homo Faber - 1957

Ich habe keine Ahnung, warum ich dieses Werk nie gelesen habe. Vielleicht, weil die meisten Schüler in Deutschland jede Art klassischer Literatur hassten, wobei klassisch bedeutet, dass sie etwa zehn Jahre vor unserer Schulzeit geschrieben wurde.

So viele Themen sind in diesem Buch. Max Faber ist Schweizer und arbeitet weltweit als Ingenieur. Seine Kollegen nennen ihn Homo Faber, was so viel heißt wie "der Mann, der Dinge herstellt", eine direkte Übersetzung aus dem Lateinischen.

Man merkt, dass er ein logischer Denker ist, aber seine Welt ist alles andere als logisch. Seine Gedanken wandern vom Zweiten Weltkrieg zur Liebe seiner Jugend oder vielleicht sogar zur Liebe seines Lebens. Seine Reise nach Mexiko endet in einer Vielzahl von Zufällen, die wir, wenn sie uns im wirklichen Leben passieren würden, niemals glauben würden. Max auch nicht. Und das macht ihn blind und lässt ihn das Offensichtliche ignorieren.

Wie auch immer, dieses Buch ist ein philosophisches, ein Denkerbuch. Wir reisen mit Walter durch Zeit und Raum, begleiten ihn aber auch auf seinem Weg zur Weisheit, in den "der, der sehen kann"-Teil seines Lebens.

Eine interessante Geschichte, eine gute Lektüre, ein toller Schreibstil.

Buchbeschreibung:

"Max Frischs Homo faber ist eines der wichtigsten und meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts: Der Ingenieur Walter Faber glaubt an sein rationales Weltbild, das aber durch eine 'Liebesgeschichte' nachhaltig zerbricht. Kein anderer zeitgenössischer Roman stellt derart ehrlich wie hintergründig die Frage nach der Identität des modernen Menschen."

Max Frisch hat 1976 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich habe ebenfalls "Biedermann und die Brandstifter" (The Arsonists) vom gleichen Autor gelesen.

Montag, 30. Januar 2023

Janson, Stefan "Griechenland. Reise-Lesebuch"

Janson, Stefan (Hrsg.) "Griechenland. Reise-Lesebuch" [Greece. Travel Reader] - 2002

Hier ist mal wieder ein Buch, das mehr verspricht, als es hält. Ich habe vor kurzem ein ähnliches Buch über die Transsibirische Eisenbahn gelesen: "Transsib-Lesebuch: Reiseerlebnisse auf der längsten Bahnstrecke der Welt" und hatte etwas ähnliches hier erwartet.

Leider war das nicht der Fall. Die ein oder andere Kurzgeschichte war in Ordnung, aber mir fehlte die Beschreibung der Menschen in Griechenland, des Lebens, auch der Landschaft. Stattdessen gibt es viel über die griechischen Götter, für die ich mich noch nie so richtig begeistern konnte.

Zum Ende hin waren ein paar Geschichten dabei, aus denen man entnehmen konnte, dass der Autor selbst in Griechenland war und mit Land und Leuten Bekanntschaft gemacht hat.

Ich habe auch eine bessere Zeitangabe vermisst. In einem Hinweis steht: "Die Beiträge sind chronologisch geordnet. Vorrangig ist das Jahr des betreffenden Aufenthaltes in Griechenland, andernfalls das Datum des Erstdrucks eines Textes. Ansonsten richtet sich die Chronologie an den Lebensdaten des Autoren aus." Ja, was denn nun? Aufenthalt, Erstdruck, Leben des Autoren? Man wird auch nicht schlauer, wenn man das Buch liest. Eine Liste am Ende mit ein oder zwei Zeilen zu den jeweiligen Autoren, wie in dem Transsib-Lesebuch, wäre sehr hilfreich gewesen.

Schade, ich war vor vielen Jahren in Kreta und habe das Land und die Leute lieben gelernt. Und ich habe schon ein paar sehr gute Bücher über Griechenland (Greece) gelesen.

Zwei Zitate will ich aber noch erwähnen und damit meinen Bericht beenden:

"Die Griechen sind ein sehr altes Volk. Sie haben viel, allzu viel in ihrer Geschichte erlebt. Der bärtige Alte meinte, Vergessenkönnen sei eine weise Kunst." Peter Bamm
"Nirgendwo sonst wird so augenfällig wie auf Kreta, dass der Begriff Geschichte wortwörtlich zu nehmen ist - Als geschichtetes Geschehen, besser noch: als geschichtete Zeit. Lage um Lage lässt sich hier die Vergangenheit abheben." Theo Sommer.

Buchbeschreibung:

"Wie ein Kaleidoskop funktioniert dieses Lesebuch mit Texten berühmter Reisender verschiedener Epochen: Je nachdem, wie der Leser es dreht und wendet, formt es immer wieder andere überraschende Ansichten und Bilder. Historische Momentaufnahmen von Leuten, Landschaften und Monumenten laden ein zum Vergleich mit modernen Schilderungen derselben oder ähnlicher Szenerien. Berichte vom Essen und Trinken, von Badefreuden und Sommerhäusern fordern zu genießender Nachahmung in Phantasie oder Wirklichkeit auf. Darüber hinaus erzählen die Text aber auch eine kleine Geschichte des europäischen Tourismus und des fremden Blickes auf Griechenland: Sehnsüchte und Erwartungen der Reisenden werden ebenso sichtbar wie Eigen- und Gewohnheiten, ihre Vorurteile und Ansprüche. Mit Wolfgang Hildesheimer Eulen nach Athen zu tragen, mit Virginia Woolf auf dem Eselsrücken zu reiten, sich mit Alfred Kerr an geharzten Wein bzw. 'Möbelpolitur' zu gewöhnen - das sind die ungewöhnlichen Reise-Lesevergnügungen, die es mit dem Buch zu erleben gibt."

Inhalt
Apostelgeschichte: Paulus in Athen
Friedrich Hölderlin: Hyperion
Edward John Trelawny: Mit Lord Byron unterwegs
Gustav Schwab: Der Triumph der Elektra
Hans Christian Andersen: Erlebnisse in Athen
Gustave Flaubert: Rhodos
Victor Hehn: Vom Wein
Ernst Curtius: Athens Klima
Jacob Burckhardt: Das Symposion
Ferdinand Gregorovius: Athenisches Land - Römische Campagna
Ferdinand Gregorovius: Athens Niedergang im Mittelalter
Alexander von Warsberg: Die Gärten des Alkinoos
Friedrich Nietzsche: Kleine Mysterienlehre der griechischen Tragödie
Bernhard von Bülow: In diplomatischem Auftrag
Joseph Maria von Radowitz: Ausgrabungen in Olympia
Karl Friedrich von Duhn: Bei der Auffindung des Hermes von Olympia
Peter Altenberg: Olympische Spiele!
Virginia Woolf: Besteigung des Pentelikon bei Athen
Gerhart Hauptmann: Auf der Akropolis
Hugo von Hofmannsthal: Die Statuen
Harry Graf Kessler: Schönheit und Religion
Andre Gide: Der Faden der Ariadne
Ludwig Curtius: Licht, Luft, Fels und Meer
Egon Friedell: Der "klassische" Grieche?
Rudolf Alexander Schröder: Odyssee und Ilias
Alfred Kerr: Kerkyra
Alfred Kerr: Gang nach Sunion
Helene von Nostiz: Nächtliches Büffet vor dem Parthenon
Hans Licht: Geselligkeit und Gasthausleben in der Antike
Julius Meier-Graefe: Griechenland-Diskurs mit Richard Strauss
Wilhelm Hausenstein: Delphi
Richard Seewald: In der Sissi-Villa
Henry Miller: Der Koloß von Maroussi
Walter Benjamin: In der Sonne
Ernst Jünger: Frühling auf Rhodos
Eberhard Rondholz: Beispiel: 10. Juni 1944
Peter Bamm: Abenteuer auf dem Weg nach Athos
Alexander Lernet-Holenia: Das Orakel von Delphi
Eckart Peterich: Im starken Licht des Himmels
Marie Luise Kaschnitz: In Aegina und Athen
Josef Mühlberger: Der Wagenlenker von Delphi
Marguerite Yourcenar: Antigone oder Die Wahl
Erhart Kästner: Ankunft in Aigina
Wolfgang Koeppen: In Athen
Hilde Spiel: Begegnungen in Griechenland
Lawrence Durrell: Gespräche auf Korfu
Rudolf Hagelstange: Ein Tag auf Mykonos
Max Frisch: Sonnenaufgang am Meer von Korinth
Wolfgang Hildesheimer: Ich trage eine Eule nach Athen
Walter Jens: Blüte im Angesicht der Nacht
Zbigniew Herbert: Die heilenden Götter
Christa Wolf: Vom Mutterrecht oder Nachdenkliches im Palast von Knossos
Theo Sommer: In einem Garten am Meer
Carl Schneider: Von Früchten, Honig, Wein und Wasser
Sten Nadolny: Hot Spot Santorin
Essay: Griechenland und wir

Donnerstag, 18. August 2022

Bernières, Louis de "Corellis Mandoline"

Bernières, Louis de "Corellis Mandoline" (Englisch: Captain Corelli's Mandolin) - 1994

Dies war das erste Buch, das ich jemals mit einem Lesekreis gelesen habe. Während ich es las, hätte ich nicht gesagt, dass es mir schwergefallen ist, es zu verstehen, aber ich könnte wahrscheinlich sagen, dass es mir schwergefallen ist, es zu begreifen. Nachdem ich darüber gesprochen hatte, sah ich den Roman mit anderen Augen. Deshalb bin ich seitdem Mitglied in einem Lesekreis.

Ich denke, diese Geschichte verdient mehr als einen Hollywood-Film, es gibt so viele Themen im Buch selbst, so viele Fragen, die auftauchen. Es ist sicherlich eines dieser Bücher, die man öfter als einmal lesen kann.

Das Einzige was mir nicht gefallen hat, ist das Ende.
Es war auf eine Weise zu lang, auf eine andere zu kurz. Wer es gelesen habt, weiß sicher, was ich meine.

Wir haben dieses Buch im Mai 1999 in unserem
britischen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Wo weiße Felsen das Meer vom Himmel trennen, erscheint alles idyllisch: Die Männer schwimmen mit den Delphinen, der Landarzt weiß über alles und jeden Bescheid, und dessen schöne eigenwillige Tochter Pelagia ist mit einem jungen Fischer verlobt. Doch dann greift die Historie nach der kleinen Insel und Mussolini marschiert ein: Krieg und Verrat bedrohen Liebe und Freundschaft. Die jungen Männer schließen sich den Partisanen an, die Deutschen kommen, und alle Versuche des italienischen Offiziers Antonio Corelli, den militärischen Drill mit Musik und Arien zu beantworten, schlagen fehl. Er gewinnt zwar die Herzen, aber keine Schlacht."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Dienstag, 9. August 2022

Goethe, Johann Wolfgang von "Iphigenie auf Tauris"

 
Goethe, Johann Wolfgang von "Iphigenie auf Tauris" - Iphigenia in Tauris - 1787

Ein Theaterstück von Goethe, eines der Bücher, die man im deutschen Gymnasium lesen muss. Iphigenie ist die Tochter von Agamemnon, die sie der Göttin Artemis anbietet. Obwohl die Göttin Iphigenie rettet und sie auf die Insel Tauris bringt, führt dies zu vielen Konsequenzen.

Ich bin kein großer Fan von Theaterstücken, ich schaue sie mir lieber an. Dies ist jedoch eine sehr interessante Geschichte, die viel über die griechische Mythologie lehrt.

Buchbeschreibung:

"Das Werk knüpft an die alte Sage von Orest an, der den Gattenmord an seiner eigenen Mutter rächen muß. Von den Erinnerungen verfolgt, wird er ruhelos umhergetrieben. Seine Schwester Iphigenie vermag durch reine 'Menschlichkeit' ihrem Bruder zu helfen. Die Seelengröße der lphigenie verhilft der Tragödie zu Formenschönheit und Vollkommenheit, die sie zur klassischen Dichtung macht.
Das Nachwort gibt Aufschluß über das Entstehen des Werkes. 5 Seiten Anmerkungen helfen dem Schüler.
"

Dienstag, 8. März 2022

Hislop, Victoria "Insel der Vergessenen"

 

Hislop, Victoria "Insel der Vergessenen" oder "Die Insel" (Englisch: The Island) - 2005

Ein interessantes Buch über einen wunderbaren Teil dieser Welt mit einer erschütternden Vergangenheit. Als ich Kreta besuchte, nahmen wir auch ein Boot zur unbesetzten Insel Spinalonga. Wir konnten auf der Insel herumlaufen und uns umsehen, während wir der Geschichte dieses schönen kleinen Stückchens Land lauschten. Das Spannendste: Es wurde von 1903 bis 1957 als Leprakolonie genutzt. Menschen, die dorthin verbannt wurden, kehrten nicht ins normale Leben zurück, bis ein Heilmittel gefunden wurde.

Dieses Buch reflektiert das Leben der Menschen auf dieser Insel, wie sie dorthin kamen, wie ihr Alltag war, wie sich das Leben für die Zurückgebliebenen änderte, wie die Menschen in dem kleinen Dorf direkt gegenüber der Insel lebten. Die Autorin hat es geschafft, all dies durch eine Familie zu veranschaulichen, die an der ganzen Geschichte beteiligt war. Es gibt einige starke Charaktere in dieser verheerenden Familiensaga.


Buchrücken:

"Alexis Fielding sehnt sich danach, mehr über die Herkunft ihrer griechischen Mutter zu erfahren. Doch Sofia schweigt. Erst als Alexis kurz entschlossen nach Kreta aufbricht, gibt ihr Sofia einen Brief mit. Er sei, verspricht sie, der Schlüssel zur Vergangenheit. Bei ihrer Ankunft entdeckt Alexis nur einen Steinwurf von Plaka entfernt die Insel Spinalonga, bis 1957 Griechenlands Leprakolonie.

Endlich erfährt sie, welche Rolle diese '
Insel der Vergessenen' über Generationen im Leben ihrer Familie gespielt hat. Doch sie ahnt nicht, wie stark das Geflecht aus Intrigen, Verrat und enttäuschter Liebe bis heute ihr eigenes Leben bestimmt ..."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Victoria Hislop at in der Zwischenzeit nicht nur fantastische andere Romane geschrieben, sondern auch eine Fortsetzung, "One August Night", die allerdings noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Das dürfte aber nicht allzu lange dauern. Wem "Die Insel der Vergessenen" diese gefallen hat, dem empfehle ich dringend, auch diese zu lesen.

Meine anderen internationalen Beschreibungen der Bücher von Victoria Hislop sind hier.