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Donnerstag, 23. Juli 2026

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen"

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen" [You can also fall upwards] - 2024

Nachdem wir letzten Monat "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" in unserem deutschen Lesekreis gelesen hatten, wollten einige unserer Lesekreismitglieder gerne noch ein Buch von diesem Autor lesen und haben dieses Buch vorgeschlagen. So war dies unser Juli-Buch.

Ich war ja schon nicht der größte Fan letzten Monat, aber irgendwie hat mir dieses Buch fast noch weniger gefallen. Der Mann würde mich verrückt machen, so unselbständig. 

Irgend jemand hat sich darüber beschwert, dass es keinen Plot gibt. Stimmt. Aber das fand ich nicht am Schlimmsten. Vieles wirkte zu aufgesetzt und übertrieben.

Das einzig Interessante war für mich die Erzählung vom Gorki-Theater und den ganzen Schauspielern, die schon zu DDR-Zeiten dort waren. Besonders fand ich die Datscha interessant, die mit lauter Kulissen ausstaffiert wurde.

Ach ja, und die Mutter, die hat mir auch gefallen. Die einzige Person in der ganzen Sippschaft.

War sicher mein letzter "Roman" von Meyerhoff.

Ich muss allerdings sagen, dass beide Bücher den anderen Mitgliedern gut gefallen haben. Sie meinten, er schreibt gut und unterhaltsam. Lt. NDR findet er allerdings seine eigene Geschichte "seltsam". Da sind wir wenigstense einer Meinung.

Klappentext:

"Zu Hause ist da, wo sie dich reinlassen müssen, wenn du klopfst.

Mit Mitte fünfzig zieht der Erzähler zu seiner Mitte achtzigjährigen Mutter aufs Land, um dort an einem Roman zu schreiben. Es werden ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet.

Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer. Der Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter nach Norddeutschland, die auf einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen, aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt zu schreiben und findet allmählich heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" [Oh, this gap, this terrible gap] (Alle Toten fliegen hoch. No. 3) - 2015

Unser Lesekreisbuch. für Mai 2026. Obwohl es der dritte Teil einer Serie ist, wurde beschlossen, dieses Buch zu lesen, da man die Romane auch in unterschiedlicher Folge lesen kann. Ich weiß nicht, ob es ein guter Entschluss war und ob es nicht besser gewesen wäre, von vorne anzufangen. Vielleicht lese ich die anderen auch noch. Auf jeden Fall werde ich den letzten Band lesen, da das unser nächstes Buch ist.

Es wird zwar viel auf den Humor in dem Buch hingewiesen, aber ich fand nicht, dass dies die Hauptsache war, es waren schon recht viele traurige Begebenheiten in dem Band.

Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich freue mich, nicht auf eine Schauspielschule gegangen zu sein. Ich habe jede Schule geliebt, aber das war mir dann doch ein wenig verrückt.

Der Schreibstil hat mir schon gefallen, auch einige seiner Wortspielereien (z.B. Turnvater-Jahn-Gedächtnis-Choreografie). Auch die Situationskomik, wie eine unserer Leserinnen es so treffend beschrieb. Als Nicht-Alkohol-Trinkerin haben mir die Großeltern allerdings zu viel gesoffen.

"Mit zwanzig wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: 'Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.'

Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe 'Alle Toten fliegen hoch' nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken."

Freitag, 27. März 2026

Ionesco, Eugène "Die Nashörner"

Ionesco, Eugène "Die Nashörner" (Französisch: Rhinocéros) - Rhinoceros - 1957

Ich habe Stücke von Ionesco gesehen, zum Beispiel "Die kahle Sängerin", aber nie ein Buch gelesen. Normalerweise lese ich nicht gerne Theaterstücke, ich sage immer, man sollte sie lieber anschauen als lesen.

Aber dann bin ich auf dieses hier gestoßen und hatte schon ewig nichts Französisches mehr gelesen. Also habe ich angefangen, es zu lesen, und es hat mir großen Spaß gemacht.

Die Geschichte beginnt mit zwei Männern, die in einem Café sitzen und ein Nashorn vorbeilaufen sehen. Ich möchte die Handlung nicht verraten, daher ist das so ziemlich alles, was ich dazu sagen werde.

Nur so viel: Das ganze Stück ist fantastisch, voller absurder Themen, die zum Nachdenken anregend, sowohl philosophische als auch humorvolle Gedanken. Und wenn man sieht, wann es geschrieben wurde, versteht man auch den Hintergrund, den Grund für die Frage: "Muss ich mich anpassen oder nicht?"

Besonders gefreut habe ich mich, darüber, dass dies ein französisches Buch war, das mir gefallen hat.

Buchbeschreibung:

"In diesem Meisterwerk des absurden Theaters verwandeln sich die Bewohner einer ganzen Stadt - von einer Ausnahme abgesehen - in eine Horde schnaubender, mörderischer Nashörner. Ionescos Stück über die Verwandlung der Menschen in dickhäutige Herdentiere ist einer der eindringlichsten Parabeln der modernen Literatur: Sie beschreibt die Ausbreitung von Fanatismus und Barbarei als alltäglichen Prozess, bei dem am Ende alles Menschliche als 'abnorm' gilt."

Samstag, 3. Januar 2026

Robinson, Barbara "Hilfe, die Herdmanns kommen"

Robinson, Barbara "Hilfe, die Herdmanns kommen" (Englisch: The Best Christmas Pageant Ever) (oder "The Worst Kids in the World") - 1972

Ich habe dieses Buch kennengelernt, als mein Sohn in einem Schultheaterstück Charlie Bradley spielte. Da wir eine große Bücherfamilie sind, kauften wir uns das Buch zum Lesen. Es war genauso fantastisch. Ich finde, jedes Kind sollte diese Geschichte lesen.

In diesem Stück erfährt man, worum es an Weihnachten geht und was es wirklich bedeutet. Nicht darum, wer den höchsten Weihnachtsbaum und die meisten Geschenke hat, wer die besten Noten und das größte Haus hat. Sondern darum, dass vor über 2.000 Jahren ein kleines Kind geboren wurde und die Leute immer noch darüber reden.

Die Geschichte ist ungewöhnlich, ja unkonventionell und gleichzeitig urkomisch. Eine schöne Handlung mit Happy End. Eine schöne Weihnachtsgeschichte.

Buchbeschreibung:

"Der ganze Stadtteil ist sich einig: Die Herdmann-Kinder sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie lügen, klauen, rauchen Zigarren (auch die Mädchen), bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer halb wilden Katze in der Rekordzeit von drei Minuten völlig leer fegen. Jetzt haben sie es sogar geschafft, sämtliche Hauptrollen in dem Krippenspiel zu bekommen, das zu Weihnachten aufgeführt werden soll. Natürlich erwartet jeder das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten..."

Montag, 22. Dezember 2025

O'Farrell, Maggie "Judith und Hamnet"

O'Farrell, Maggie "Judith und Hamnet" (Englisch: Hamnet) - 2020

Es war schön, über einen weniger bekannten Teil von Shakespeares Leben zu lesen. Wir wissen, dass sein Sohn jung starb. Dass er Hamnet hieß und dass sein Vater ein Theaterstück namens Hamlet schrieb. Laut dem Buch ist die Schreibweise des Namens austauschbar, also ist es mehr oder weniger derselbe. Ich meine, Shakespeare selbst hatte ungefähr 27 Varianten seines Nachnamens. Oder so.

Die Autorin erwähnt, dass es sich um ein fiktives Werk handelt, das nur auf den wenigen oben genannten Fakten basiert. Sie lässt uns also an ihrer Fantasie teilhaben, und wir können diese ergänzen.

Aber ich habe trotzdem etwas über Shakespeare und insbesondere über seine Frau Anne Hathaway gelernt, die im Roman Agnes heißt. Denn ich suche gerne nach weiteren Informationen, wenn ich ein Buch lese. Manchmal braucht man dafür einen kleinen Schubser.

Besonders gelungen war auch die Schilderung der Trauer, die Eltern beim Verlust eines Kindes durchmachen. Das war herzzerreißend.

Maggie O'Farrell erhielt für dieses Buch mehrere Preise, darunter den Women's Prize for Fiction 2020.

Wir haben dieses Buch im April 2026 in unserem örtlichen Lesekreis besprochen.

Ein paar Bemerkungen unserer Lesekreismitglieder:

  • Shakespeares Leben in London wurde nicht genug erwähnt.
  • Wie kommt es, dass so eine starke Frau so sehr unter dem Tod ihres Kindes leidet?
  • Uns gefiel die Art, wie die Übertragung der Pest beschrieben wurde.

Buchbeschreibung:

"Agnes sieht ihn und weiß: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Lateinlehrer aus Stratford-upon-Avon noch nicht einmal achtzehn. Egal, besser, sie küsst ihn schnell. Besser, sie erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Vierzehn Jahre später sind es drei Kinder geworden. Doch wie sollen sie auskommen, solange ihr Mann wer weiß was mit diesen Theaterstücken treibt? Er ist in London, als der elfjährige Hamnet die Beulen am Hals seiner Zwillingsschwester Judith ertastet. Als Agnes im Blick ihres Sohnes den Schwarzen Tod erkennt.

Maggie O'Farrell entdeckt den bedeutendsten aller Dramatiker neu, als Liebenden und als Vater. Vor allem aber erzählt sie zum ersten Mal die unvergessliche Geschichte seiner eigensinnigen, zärtlich kühnen Frau: Agnes."

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Beckett, Samuel "Warten auf Godot"

Beckett, Samuel "Warten auf Godot" (Französisch: En attendant Godot) - Waiting for Godot - 1952

Theaterstücke lese ich nicht besonders gern, aber "Warten auf Godot" fand ich immer interessant. Meine erste Überraschung war, dass der irische Autor Samuel Beckett das Buch auf Französisch geschrieben hatte. Davon hatte ich noch nie gehört, aber als ich mir ein Exemplar in der Bibliothek bestellte, war es in beiden Sprachen verfasst.

Auf jeden Fall eine interessante Geschichte. Es stimmt, wie Estragon, eine der beiden Hauptfiguren, sagt: "Nichts passiert, niemand kommt", passiert nicht viel. Es gibt zwei Männer, Estragon und Wladimir, die auf diesen anderen Mann, Godot, warten. Das ist so ungefähr der Kern der Geschichte. Aber die Art und Weise, wie sie warten, ist das Interessante. Der Schreibstil ist so gut gelungen, dass die Spannung, obwohl man weiß, dass nichts passiert und höchstwahrscheinlich auch nichts passieren wird, da ist.

Buchbeschreibung:

"Ein Autor (Samuel Beckett). Ein Drama (Warten auf Godot). Zwei Akte.

Zweimal zwei Personen: Wladimir (Didi) und Estragon (Gogo), Pozzo und Lucky (Herr und Sklave) sowie ein Junge.

Landstraße. Ein Baum. Abend.

Man wartet. Auf Godot. Ganze zwei Akte lang. Doch Godot kommt nicht.

Es passiert nichts. Nichts von Belang. Man wartet und langweilt sich. Man tauscht Banalitäten aus, Weisheiten... Man nervt sich. Man könnte sich umbringen, dann würde endlich mal was passieren! Man verzichtet darauf. Godot kommt nicht. Man wartet. Vielleicht morgen...
Absurd!

So eine karge Bühne, so eine karge Handlung und so eine karge Sprache! Was der irische Dramatiker Anfang der 50er Jahre auf die Bühne brachte, war eine schallende Ohrfeige für ein Publikum, das gewohnt war, im Theater vor allem eins zu Gesicht zu bekommen: Stücke mit Sinn.

Das hier hatte keinen, und so rauschte man, ohne den zweiten Akt abzuwarten, in der Pause empört aus dem Theater.

Aber die Gemüter beruhigten sich im Laufe der Zeit. Becketts Drama ist längst ein moderner Klassiker, und sein Autor einer der wichtigsten Autoren des absurden Theaters sowie des 20. Jahrhunderts überhaupt.

Es gibt unzählige Deutungsversuche. Eine Warnung vor der Atombombe. Die Darstellung zweier Fellachen, die auf die Bodenreform warten. Die Frage nach Gott. Die Interpretationen sagen stets mehr über den Interpretierenden selbst aus, als über das Drama. Die Antwort des Autors ist karg wie sein Stück: 'Wenn ich es wüßte, würde ich es sagen.'

Fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung können wir die Empörung, die das Drama einst auslöste, kaum nachvollziehen. Heutzutage ist doch nichts mehr absurd. Oder?

Als eine englische Theatergruppe das Stück 1998 mit einer Besetzung, die nur aus Frauen bestand, inszenieren wollte, wurde es ihr mit der Begründung, das entstelle zu sehr den Sinn, untersagt. Vielleicht morgen..."

Samuel Beckett erhielt den Nobelpreis für Literatur 1996 "für eine Dichtung, die in neuen Formen des Romans und des Dramas die künstlerische Aufrichtung des Menschen aus seiner Verlassenheit erreicht". 

Ich wirke an dieser Seite mit: 
Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden. 

Montag, 8. Dezember 2025

Goethe, Johann Wolfgang von "Faust"

Goethe, Johann Wolfgang von "Urfaust. Faust: Erster und zweiter Teil" - Faust I + II - 1772-1808

Nachdem ich "Schall und Wahn" (The Sound and the Fury) für unsere Klassiker-Challenge gelesen hatte, dachte ich, ich würde es nie schaffen, Faust rechtzeitig zu lesen, falls das ausgewählt wird. Also fing ich sofort damit an.

Die Geschichte gilt als das größte Werk der deutschen Literatur, und ich kann das wohl glauben. 250 Jahre sind seitdem vergangen, aber ich glaube nicht, dass es ein anderes Buch gibt, das weltweit so bekannt ist.

Obwohl meine Ausgabe über tausend Seiten hatte, kam ich schneller durch als gedacht. Ich habe es schon oft erwähnt: Ich lese nicht gern Theaterstücke, es ist nicht so einfach, der Handlung zu folgen. Dieses hier fand ich aber gar nicht so anstrengend. Vielleicht, weil ich in Deutschland aufgewachsen bin und schon Beschreibungen und Bruchstücke der Geschichte kannte. Und ich entdeckte viele Aphorismen, Metaphern, Symbole und Redewendungen, die wir im Deutschen oft, sehr oft verwenden. Goethe ist unser Shakespeare, er hat die Sprache wie kein anderer geprägt.

Die Geschichte selbst – nun ja, was soll ich sagen? Es zeigt die damalige Sicht auf Frauen, Religion und den Glauben der Menschen. Die Moral der Zeit wird ebenso treffend dargestellt wie die inneren Konflikte der Hauptfigur. Und selbst für Nichtdeutsche bietet das Stück so viel über die Menschen, was überall Gültigkeit hätte.

Meine Ausgabe enthielt nicht nur den Faust, den wir heute kennen, sondern auch den Urfaust, sein Frühwerk. Alle Fassungen sind parallel dargestellt, was es erleichtert, die Änderungen und Ergänzungen zu erkennen. Absolut faszinierend.

Ich kann gern glauben, dass Goethe etwa sechzig Jahre brauchte, um die gesamte Geschichte zu schreiben, beginnend mit der Geschichte um Gretchen und dann weiter mit Helena. Der erste Teil wurde zuerst unter dem Titel "Faust. Eine Tragödie" veröffentlicht.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass ich es endlich gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"'Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust'

Wer kennt es nicht, das dramatische Schicksal und Handeln des Faust! Es gibt wohl kaum einen Schüler, der ihm nicht einmal in seiner Schulzeit begegnet wäre, für den Bildungsbürger gehört er sowieso zum Kanon. Zurecht! Denn was Johann Wolfgang von Goethe in 60-jähriger Schaffenszeit mit dem Faust zuwege gebracht hat, sucht in der deutschen Dichtung seinesgleichen, lässt sich nur mit dem Begriff der Weltliteratur angemessen fassen und steht auf einer Ebene mit dem 'Don Quijote' oder der 'Göttlichen Kommödie'.

Der Universalgelehrte Faust befindet sich in einer tiefen Krise bei seiner Suche nach dem, 'was die Welt im Innersten zusammenhält'. Eingesperrt in seine Gelehrtenstube drängt es ihn schließlich bis nahe an den Selbstmord. Nur die Osterglocken retten ihn. Beim berühmten Osterspaziergang wird ihm bewusst, dass er sich nach umfassendem Weltwissen gleichermaßen wie nach irdischer Weltlust sehnt. Da er sich aber von allen irdischen Lebenswerten abgeschnitten sieht, verflucht er das Leben. Hier nun wittert der Teufel in Gestalt des Mephisto seine Chance und bietet Faust einen Pakt an: Würde dieser auch nur einen Augenblick das Leben genießen und dabei verweilen wollen, wäre Fausts Seele auf immer verloren.

Faust lässt sich auf den Handel ein und wird von Mephisto nun mit derbsten Sinnesgenüssen überschüttet: Aber sowohl die Studentenrunde in Auerbachs Keller als auch den Spuk in der Hexenküche erträgt Faust nur widerwillig. Erst die Begegnung mit dem nur 14-jährigen Gretchen erweckt in Faust irdisches Verlangen. Nun nimmt das Drama seinen Lauf ...

Bei aller Individualität des Schicksals von Faust, der uns hier in einer Charaktertragödie entgegentritt, verweist das Stück klar über das Einzelschicksal hinaus auf ein allgemeines Menschheitsdrama. Dies macht den Faust zu einem zeitlosen Lese- und Theatererlebnis bis in unsere Zeit."

Samstag, 29. November 2025

Shakespeare, William "Macbeth"

Shakespeare, William "Macbeth" (Englisch: Macbeth aka "The Scottish Play") - 1599/1606

Nachdem ich "Romeo und Julia" (Romeo and Juliet) und "Hamlet" (Hamlet) gelesen hatte, dachte ich, ich sollte mich auch an "Das schottische Stück" wagen. Es ist eines dieser Theaterstücke, die immer wieder erwähnt werden und von denen man weiß, worum es geht, aber da ich es weder gesehen noch gelesen hatte, fehlte immer etwas.

Ich bin immer noch der Meinung, dass Theaterstücke gesehen und nicht gelesen werden sollten, aber da ich den Globe gerade nicht in der Nähe habe, muss das vorerst reichen.

Ich habe das Buch dann auch gerne gelesen, obwohl "genießen" nicht wirklich das Richtige ist, wenn es um Mord und Gemetzel geht, oder?

Abgesehen davon sind die Charaktere in diesem Stück großartig. Es gibt eine starke Frau, die ihren Mann und damit die Geschichte beeinflusst. Interessant, wie das schon vor einem halben Jahrtausend (wahrscheinlich sogar noch länger) funktioniert hat.

Wenn ihr gerne Klassiker lest, ist dies auf jeden Fall ein Muss. Wenn ihr keine Klassiker lest, solltet ihr es trotzdem mal mit diesem versuchen, vielleicht ändert ihr eure Meinung.

Buchbeschreibung:

"So Macbeth im letzten Stadium des Überdrusses, kurz vor seiner Ermordung, die ihm willkommen ist wie eine Befreiung. Vorausgegangen ist ein beispielloses Spektakel von Machtgier, Verführung und Mord; Shakespeares kürzeste, konzentrierteste, eingängigste Tragödie.

Drei Hexen prophezeien
Macbeth, er werde einst König sein. Sogleich steigen Mordgedanken in ihm auf, die er vergeblich zu unterdrücken sucht. Bestärkt durch den blutigen Ehrgeiz seiner Frau Lady Macbeth, bringt er schließlich den amtierenden König Duncan im Schlaf um. Macbeth wird König, fürchtet aber weiterhin um seinen Rang. Nun muß der Feldherr Banquo dran glauben, dessen Geist bald darauf während eines Festmahles erscheint und Macbeth vollends verunsichert. Ein weiteres Mal sucht er die Hexen auf, die ihn in trügerischer Sicherheit wiegen: 'Keiner, den ein Weib gebar', wird ihm je schaden. Doch das Unglaubliche geschieht: als Rächer tritt Macduff auf, der einst 'vor der Zeit aus dem Mutterleib geschnitten' ward. Macbeth, der nie die Anteilnahme des Zuschauers verloren hat, weil ihm seine Taten zu sehr auf der Seele lasten, geht unter, ebenso wie Lady Macbeth, die zuvor schon dem Wahnsinn verfallen war."

Shakespeare, William "Hamlet"

Shakespeare, William "Hamlet" (Englisch: Hamlet) - 1599-1602

Ich bin kein großer Fan von Theaterstücken. Ich finde, man sollte sie sehen, nicht lesen. Am liebsten im Theater. Da wir aber nicht immer ein gutes in der Nähe hatten und schon gar keines, das Klassiker auf Englisch spielt, bin ich fest entschlossen, einige der Klassiker zu lesen, die ich wirklich gerne kennen würde.

"Hamlet" ist einer davon. Man hört immer vom dänischen Prinzen, dem Totenkopf, "Sein oder Nichtsein", Helsingør, Ophelia, Rosenkrantz & Güldenstern usw. usw. Aber man kennt die ganze Geschichte erst, wenn man das Stück gesehen oder die Geschichte gelesen hat.

Tja, ich habe es geschafft. Eine faszinierende Geschichte. Ziemlich komplex. Ich bin sicher, ich werde sie noch einmal lesen müssen, um sie vollständig zu verstehen. Und noch einmal. Und hoffentlich kann ich sie mir eines Tages ansehen.

Buchbeschreibung:

"Dieses Drama um den dänischen Königssohn Hamlet gehört wohl zu den bekanntesten Dramen überhaupt. Hamlet ist zum Prototyp des Zauderers geworden, 'dem der Intellekt die Tat zersetzt'.

Hamlet ist ein Schauspiel von William Shakespeare. Claudius, der Bruder von König Hamlet, ermordet den Herrscher, reißt die Krone an sich und heiratet Gertrude, die Witwe des Königs. Prinz Hamlet strebt danach, seinen Vater zu rächen und stürzt dabei alle Beteiligten ins Unglück. Der Stoff des Stückes geht auf eine mittelalterliche nordische Erzählung zurück."

Shakespeare, William "Viel Lärm um nichts"

Shakespeare, William "Viel Lärm um nichts" (Englisch: Much Ado About Nothing) - 1598/99

Wie viele von euch vielleicht wissen, bin ich kein großer Fan von Theaterstücken. Ich liebe es, sie im Theater oder sogar im Fernsehen zu sehen, und ich sage immer, dafür wurden sie geschrieben. Ab und zu möchte ich jedoch unbedingt ein Shakespeare-Stück lesen, und dieses habe ich zur Zeit der Covid-Pandemie gelesen, wo es ja fast unmöglich war, Theaterstücke zu sehen.

Eine meiner Lieblingsserien im Fernsehen ist "Viel Lärm um nichts" (Much Ado About Nothing) von und mit dem großartigen Kenneth Brannagh als Benedick und seiner damaligen Frau Emma Thompson (von der ich auch ein großer Fan bin) als Beatrice.

Vor einiger Zeit stieß ich auf die Leseversion des Stücks in der Auflage "No Fear" (Keine Angst) und dachte: "Das klingt interessant." Das Schöne daran ist, dass man nicht nur eine moderne Version des Stücks bekommt, sondern den Originaltext direkt daneben, links, und den neuen rechts. Dazu Erklärungen zu alten Ausdrücken usw. Genial. Besonders für Leute, die es nicht gewohnt sind, Klassiker zu lesen.

Natürlich hat es mir sehr geholfen, das Stück zu verstehen, um was es ging. Aber ich werde vielleicht versuchen, noch mehr von dem Dichter aus Stratford-upon-Avon bei diesem Verlag zu lesen.

Inzwischen habe ich auch eine Theaterversion sehen können. Einfach fantastisch.

Buchbeschreibung:

"Zwei Paare, so manche Intrige, zahlreiche Verwicklungen und ein strahlendes Happy End - dies sind die Zutaten, die Shakespeare Ende des 16. Jahrhunderts in seiner herrlich flirrenden Komödie Viel Lärm um nichts verarbeitete. Während der tapfere Kriegsheld Claudio das Herz der schönen Hero zu gewinnen sucht, spinnt der böswillige Don Juan eine finstere Intrige, um das Glück der beiden Liebenden zu zerstören. Beatrice und Benedikt hingegen, beide überaus scharfzüngig und um keine spitze Bemerkung verlegen, sind sich derweil zunächst alles andere als zugetan, doch schon bald fassen ihre Freunde den Entschluss, ihrem Glück ein wenig auf die Sprünge zu helfen ..."

Shakespeare, William "Romeo und Julia"

Shakespeare, William "Romeo und Julia" (Englisch: Romeo and Juliet) - 1597

Es ist immer seltsam, einen bekannten Klassiker zum ersten Mal zu lesen. So ging es mir mit "Romeo und Julia". Wir alle wachsen mit der Geschichte auf, sie wird immer wieder in anderen Büchern, Theaterstücken und Filmen nacherzählt. Und da ich nicht besonders gerne Theaterstücke lese, die meiner Meinung nach eher aufgeführt als gelesen werden sollten, hatte ich die ganze Geschichte nie gelesen.

Also habe ich es mir besorgt. 126 Seiten, kein großer Aufwand, kann man in ein oder zwei Tagen lesen, also selbst wenn mir das Buch nicht gefällt, ist es kein Problem.

War es die Mühe wert? Absolut. Shakespeares Schreibstil macht es lohnenswert, seine Stücke zu lesen, auch wenn es nicht immer leicht ist, diese alten englischen Wörter zu verstehen. Oh, so schreiben zu können! Wie wunderbar wäre das. Aber ihn zu lesen ist die beste Alternative.

Buchbeschreibung:

"Julia liebt Romeo und Romeo liebt Julia. Doch die Liebe darf nicht sein, denn zwischen den Familien des Paares herrscht seit Generationen bittere Feindschaft. Beim ersten Ton der Lerche muss Romeo aus Verona fliehen. Um die erzwungene Hochzeit mit dem adeligen Paris zu verhindern, nimmt Julia einen Schlaftrunk. Alle halten sie für tot - auch Romeo, der daraufhin eine schicksalhafte Entscheidung trifft.

Die Sehnsucht nach Liebe, nach einem friedlichen Zusammenleben bleibt aktuell - auch in unserer Gegenwart.
"

Samstag, 1. November 2025

Ephron, Nora "Harry und Sally"

Ephron, Nora "Harry und Sally" (Englisch: When Harry Met Sally ...) - 1990

Norah Ephron ist eine meiner Lieblingsautorinnen und Rob Reiner einer meiner Lieblingsregisseure. Kein Wunder, dass "Harry und Sally" zu meinen Lieblingsfilmen gehört.

Als ich das Buch mit dem Drehbuch fand, musste ich es einfach auf meine Liste setzen. Es ist fast so, als würde man den Film sehen, besonders wenn man ihn schon hundertmal gesehen hat und mehr oder weniger auswendig kennt.

Natürlich hat es auch in mir die Lust geweckt, den Film noch einmal zu sehen. Jedenfalls bin ich froh, das Drehbuch zu haben, und kann immer wieder zu meiner Lieblingsszene zurückkehren. Nein, es ist nicht die, an die man denkt und die mit "genau das, was sie hatte" endet (Platz 33 der 100 besten Filmzitate aus US-Filmen aller Zeiten), sondern diese:

Kellnerin: Was darf ich bringen?
Harry. Ich nehme die Numemr drei.
Sally: Ich hätte gerne den Chefsalat, aber Essig und Öl servieren Sie extra und den Apfelkuchen 
à la Mode.
Kellnerin: Chef und Apfel à la Mode.
Sally : Aber den Kuchen bitte warm, wenn's geht. Und ich will das Eis nicht obendrauf, ich will es daneben und ich hätte gerne Erdbeer- statt Vanilleeis, falls vorhanden. Wenn nicht, kein Eis… nur Schlagsahne… aber nur frische. Wenn Sie aus der Dose kommt, gar nichts.
Kellnerin: Nicht mal Kuchen?
Sally: Dooch, in dem Fall nur den Kuchen, aber nicht heiß.
Kellnerin: Ah.

Ich habe einmal ein Interview mit Norah Ephron gesehen, in dem sie davon sprach, im Flugzeug eine Bestellung nach ihren Wünschen zu ändern. Die Flugbegleiterin fragte sie: "Haben Sie jemals ‚Harry und Sally‘ gesehen?" Wie dem auch sei, es erinnert mich ein wenig an mich selbst, vielleicht gefällt mir die Geschichte deshalb so gut.

Buchbeschreibung:

"Rob Reiners unglaublich witziges und bewegendes 'Harry und Sally' … – eine romantische Komödie über die schwierige, frustrierende, schreckliche und zugleich komische Suche nach Glück in einer amerikanischen Stadt, in der unerwiderte Liebe das vorherrschende Gefühl ist – begeistert Zuschauer weltweit. Nun ist das vollständige Drehbuch veröffentlicht. Geschrieben von Nora Ephron – Autorin der Drehbücher für 'Silkwood' und 'Sodbrennen/Heartburn' (nach ihrem eigenen Bestseller-Roman) – ist 'Harry und Sally' … sowohl auf dem Papier als auch auf der Leinwand urkomisch. Das Buch enthält eine Einleitung der Autorin."

Donnerstag, 21. August 2025

Alighieri, Dante "Die Göttliche Komödie"

Alighieri, Dante "Die Göttliche Komödie"  (Italienisch: Divina Commedia) - The Divine Comedy - 1308-20

Ich liebe Klassiker. Ich liebe dicke Bücher. Das wären also zwei Pluspunkte für dieses Buch.
Ich lese nicht gerne Theaterstücke. Ich lese nicht gerne Gedichte. Das sind zwei Minuspunkte für dieses Buch.
Wer gewinnt? Schwer zu sagen. Wenn man etwas nicht gerne liest, wird es auch nicht besser, wenn es länger wird. Die Länge sprach also gegen die Lektüre.

Ich fand das Buch auch nicht besonders lustig, nicht dass ich etwas dagegen hätte, aber wenn der Titel "Komödie" lautet, sollte man zumindest ab und zu schmunzeln. Hmmm, ist nicht passiert. Vielleicht nicht mein Humor (obwohl das normalerweise Slapstick ist und das hier definitiv auch nicht).

Ich weiß, wie oft dieses Werk als hochintelligent, als größtes Kunstwerk usw. gepriesen wird, aber ich konnte mich damit nicht wirklich identifizieren. Sagen wir es so: Für Klassikliebhaber, ist das wahrscheinlich ein Muss, und ich bin froh, es zu Ende gelesen zu haben.

Dies war unsere Lektüre in unserem internationalen Online-Lesekreis im Oktober 2025. Hier sind einige Kommentare aus der Gruppe:
  • Wir hatten eine lebhafte und spannende Diskussion. Einige von uns waren beeindruckt, wie lebendig und kraftvoll der Schreibstil auch nach 700 Jahren noch wirkt. Die schwedische Übersetzung von 1983 wurde als ausgezeichnet empfunden, während die ältere finnische Version schwerer zu verstehen schien.
    Wir bewerteten das Buch mit 4 bis 5 von 5 Sternen. Die vielen Ebenen der Hölle führten zu zahlreichen Diskussionen – ob Dantes Reise real, traumhaft oder symbolisch war. Diejenigen mit mehr Hintergrundwissen in antiker Literatur und Geschichte konnten den Verweisen leichter folgen, während andere von der Flut griechischer und römischer Namen und Orte überwältigt waren. Ein Mitglied bemerkte, dass Dante sogar einige seiner realen Feinde in die Hölle geschickt hatte, was der Geschichte eine persönliche und politische Dimension verlieh. Ein Exemplar enthielt ein Vorwort eines Übersetzers, in dem es hieß, der Autor selbst habe das Buch lediglich "Komödie" genannt, angeblich weil es schließlich ein Happy End habe, sodass der göttliche Teil erst Hunderte von Jahren später von der Geschichte hinzugefügt worden sei.
  • Wir haben uns auch von Inferno inspirierte Kunst angeschaut, von Gemälden bis zu Illustrationen. Ein Mitglied besaß eine Ausgabe mit auffallend düsteren und lebendigen Bildern, die das Erlebnis noch verstärkten.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass Inferno die Zeit bemerkenswert gut überstanden hat, obwohl moderne Übersetzungen es heute deutlich zugänglicher machen. Die nächsten Teile, Fegefeuer und Paradiso, hatte noch keiner der anderen Mitglieder gelesen.

  • Wie mein Englischlehrer in der 11. Klasse sagte: "Es ist ein Wahnsinnsbuch." (It's a helluva book.)

  • Dantes außergewöhnlicher Intellekt und seine Vorstellungskraft verwoben italienische Geschichte, Kirchengeschichte, Philosophie, Theologie und sein eigenes Leben auf verblüffende Weise. "The Figure of Beatrice" [Die Gestalt der Beatrice] (Goodreads) von Charles Williams bietet wertvolle Einblicke. Ich war sehr bewegt, Dantes Grab in Ravenna zu besuchen (er starb dort noch im Exil aus Florenz an Malaria).
Buchbeschreibung:

"Die Göttliche Komödie ist eines der bedeutendsten Werke der abendländischen Literatur. Wie seine antiken Vorbilder epischer Dichtung erzählt Dante phantasievoll, bildreich und detailgenau. Der Erzähler durchschreitet die drei jenseitigen Reiche der christlichen Weltordnung: Hölle, Fegefeuer und Paradies. An der Seite Vergils und der schönen Beatrice begegnet er während seiner einwöchigen Reise Sündern und Seligen und erkennt am Ende nicht weniger als den Sinn des Lebens."

Dienstag, 19. August 2025

Miller, Arthur "Tod eines Handlungsreisenden"

Miller, Arthur "Tod eines Handlungsreisenden" (Englisch: Death of a Salesman) - 1949

Theaterstücke sind neben Kurzgeschichten eine weitere Literaturform, die nicht zu meinen Favoriten gehört. Ich sehe sie lieber so, wie sie gedacht waren - aufgeführt.

Nun, "Tod eines Handlungsreisenden", eine interessante Geschichte. Ein Handlungsreisender am Ende seiner Karriere. Was wird er tun, wie soll er seine Frau ernähren, den Haushalt führen usw.? Es gibt erwachsene Kinder und die üblichen Probleme, die man in den meisten dieser Geschichten hat. Die Kinder werden nie zu normalen Menschen mit einem Job.

Das hat mich an diesem Buch wahrscheinlich am meisten gestört. Zu viel war vorhersehbar, es gab kaum Überraschungen. Zugegeben, der Stil war gut, aber die Geschichte wirkte langweilig. Nicht meine Lieblingslektüre.

Buchbeschreibung:

"Tod eines Handlungsreisenden, uraufgeführt am 10.2.1949 in New York, erlebt eine Renaissance. Die erfolgreiche Inszenierung des Stücks 1984 am Broadway mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle diente Volker Schlöndorff als Grundlage für seine Verfilmung. Das Scheitern des Handelsvertreters Willy Loman an einem inhumanen Wirtschaftssystem sowie an seiner persönlichen Lebenslüge steht heute für das Scheitern einer Gesellschaftsordnung. Die Orientierungslosigkeit einer ganzen Kultur, die ihres Glaubens an einen ewigen Fortschritt beraubt ist und der es verwehrt bleibt, an Traditionen und Lebensmodelle früherer Zeiten anzuknüpfen, spiegelt sich im Schicksal Willy Lomans und seiner Familie. Die Absurdität des Selbstmordes von Loman, der den Schein eines Glücks zu retten versucht, und ein einziges Mal zu sich selbst findet, indem er sich auslöscht, ist zu verstehen als Appell an den einzelnen und die Gesellschaft, sinnvolle Wertordnungen und humane Lebensformen zu entwickeln."

Arthur Miller erhielt den Pulitzerpreis für Drama für dieses Theaterstück in 1949.

Samstag, 9. August 2025

Atwood, Margaret "Hexensaat"

Atwood, Margaret "Hexensaat" (Englisch: Hag-Seed. The Tempest Retold) - 2016

Bevor ich die Niederlande verließ, schenkte mir eine Freundin dieses Buch. Sie hatte es geschenkt bekommen und konnte sich nicht richtig dafür begeistern. Sie erinnerte sich daran, dass ich Margaret Atwood mochte. Das stimmt, deshalb habe ich mich gefreut, dieses Buch von ihr zu lesen. Es unterscheidet sich etwas von ihren anderen Geschichten, da sie Shakespeares "Der Sturm" (The Tempest) in einer modernen Fassung neu erzählt. Sehr interessant.

Ich muss gestehen, ich habe "Der Sturm" (The Tempest) weder gelesen noch gesehen, obwohl ich das Musical "Return to the Forbidden Planet" gesehen habe, das ebenfalls eine Neuinterpretation von Shakespeares Werk in einer futuristischen Fassung war und 1989 und 1990 den Olivier Award für das beste neue Musical gewann. Es ist schon lange her, dass ich es gesehen habe, aber ich erinnere mich an brillante Schauspieler, eine interessante Geschichte und großartige Musik.

Ich mochte dieses Buch sehr. Es zeigt zwei Dinge. Erstens, dass Shakespeare ein brillanter Schriftsteller war, dessen Geschichten auch heute noch sehr lebendig sind. Und zweitens ist Margaret Atwood ebenso brillant, weil sie diesen zeitlosen Klassiker den heutigen Lesern näherbringt. Fantastisch.

Ich hoffe, die Autorin wird sich noch mehr mit dem Dichter aus Stratford-upon-Avon befassen.

Buchbeschreibung:

"Rache ist zeitlos: Der neue Roman der großen Autorin.

Felix ist ein begnadeter Theatermacher, ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares
Der Sturm auf die Bühne bringen. Dies soll ihn noch berühmter machen – und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die perfekte Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt ..."

Margaret Atwood hat 2017 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Samstag, 21. Juni 2025

Wilde, Oscar "Bunbury oder Ernst sein ist alles"

Wilde, Oscar "Bunbury oder Ernst sein ist alles" (Englisch: The Importance of Being Earnest) - 1895

Was für ein wunderbares, humorvolles Stück. Eine urkomische Satire. Jack gibt vor, Ernest zu heißen, um in der Stadt anonym zu bleiben. Daraus ergeben sich allerlei Verwechslungen, eine lustige Szene folgt der anderen. Ich liebe es!

Buchbeschreibung:

"Die zwei englischen Gentlemen Algernon und Jack sind Lebemänner und geben sich in ihrer Freizeit dem Vergnügen hin. Um diese Leidenschaft mit ihrem gesellschaftlichen Rang zu vereinen, haben beide eine Ausrede erfunden: Algernon erfindet einen kranken Freund namens Bunbury, um ab und zu auf das Land fahren zu können, und Jack gibt vor, sich um seinen liederlichen Bruder Ernest (in der deutschen Übersetzung Ernst) kümmern zu müssen, um ab und zu in die Stadt kommen zu können.

Jack, der sich in der Stadt immer als sein Bruder Ernest ausgibt, verliebt sich in Algernons Cousine Gwendolen und macht ihr einen Heiratsantrag. Diese bezeichnet es als ihr Lebensziel, jemanden zu heiraten, der Ernest heißt. Algernon besucht das Landhaus von Jack unter der falschen Behauptung, Jacks Bruder Ernest zu sein. Dabei verliebt er sich in Jacks Mündel Cecily. Auch sie hält den Namen Ernest für eine unbedingt notwendige Voraussetzung für ihren zukünftigen Mann..."

Wilde, Oscar "Eine Frau ohne Bedeutung"

Wilde, Oscar "Eine Frau ohne Bedeutung" (Englisch: A Woman of No Importance) - 1893

Oscar Wilde hat einen seltsam komischen, sarkastischen Humor. Man kann nur bewundern, wie er mit jeder Situation auf diese seltsam komische Art umgeht. Nicht mein erster Oscar Wilde, sicher auch nicht mein letzter. :-D

"Eine Frau ohne Bedeutung" - der Titel allein ist schon so vielversprechend. Wir sehen Oscar Wildes zeitgenössische Oberschicht, wie sie ihre Zeit vertreibt. Sie spielen, gehen schießen, tanzen und tratschen über andere. Sie haben nichts zu tun, also erfinden sie wichtige Dinge. Die Figuren sind "wie man sie erwartet", ihre Beziehungen sind dieselben. Ich habe den Sarkasmus in diesem Stück sehr genossen.

Buchrückseite:

"GERALD. Hallo, Mutter, wem gehört der Handschuh? Du hast Besuch gehabt? Wer war es?
MRS. ARBUTHNOT. OH! Niemand. Niemand Besonderes. - Ein Mann ohne Bedeutung.

'Eine Frau ohne Bedeutung' war ein weiterer Versuch, Sittenkomödie mit hohem Melodrama zu verbinden. Gerald Arbuthnot ist ein junger Mann auf der Jagd nach einer amerikanischen Erbin und dem Posten des Sekretärs des brillanten, aber liederlichen Lord Illingworth in greifbarer Nähe. Als er seine Mutter einlädt, mit ihnen zu feiern, stellt sich heraus, dass Illingworth Geralds Vater ist, der seine Mutter zwanzig Jahre zuvor verführt und verlassen hatte. Loyalität wiegt schwerer als Ehrgeiz, und Gerald lehnt die Verbindung mit Illingworth ab. Der Dramatiker lotete hier die Rivalität zwischen einem älteren Mann und einer älteren Frau um die Zuneigung eines schönen jungen Mannes weiter aus."

Ein weiteres großartiges Stück von Oscar Wilde ist "Bunbury oder die Bedeutung, Ernst zu sein" (The Importance of Being Earnest) und die interessante Biografie über seine Frau "Constance: The Tragic and Scandalous Life of Mrs. Oscar Wilde" (leider keine deutsche Übersetzung vorhanden).

Mittwoch, 14. Mai 2025

Dahl, Roald "Charlie und die Schokoladenfabrik"

Dahl, Roald "Charlie und die Schokoladenfabrik" (Englisch: Charlie and the Chocolate Factory) - 1964

Ich bin nicht mit Roald Dahl aufgewachsen, ich habe ihn erst als Erwachsene kennengelernt. Zuerst habe ich seine Kriminalgeschichten gelesen. Lange Zeit wusste ich gar nicht, dass er Kinderbuchautor ist. Dann zog ich nach England, wo wir uns in "Dahl County" niederließen, und ich las seine Bücher mit meinen Kindern.

Diese Geschichte handelt, wie der Titel schon vermuten lässt, von dem kleinen Jungen Charlie, der eine Führung durch die fabelhafte Fabrik von Willy Wonka gewinnt, wo Wonkas "Whipple-Scrumptious Fudgermallow Delights" (eine Art Schokoriegel) hergestellt werden. Die Geschichte ist voller fantastischer Namen, es gibt Charaktere namens Veruca Salt und Augustus Gloop - ziemlich fantasievoll. Die Sprache macht dieses Buch sowohl für Kinder als auch für Erwachsene lesbar.

Buchbeschreibung:

"Charlies wunderbare Erlebnisse im Willy-Wonka-Schokoladenland beweisen es: Es gibt ein Schlaraffenland! Köstlich ist die Schokolade, die in dieser Fabrik hergestellt wird, Könige und Kinder aus aller Welt sind hier Kunden. Aber Willy Wonka ist auch ein großer Erfinder er erfindet lauter süße Sachen, von denen Kinder sonst nur träumen: Leuchtlutscher für die Nacht, Erdbeersaft-Wasserpistolen, Karamellen für Zahnlöcher oder Zungenleim für geschwätzige Eltern."

Wenn ihr gerne ein Buch dieses Autors für Erwachsene lesen möchtet, schaut euch meinen Beitrag für "Alle Küßchen" (The Best of Roald Dahl) an.

Freitag, 25. April 2025

Christie, Agatha "Die Mausefalle"

Christie, Agatha "Die Mausefalle" (Englisch: The Mousetrap) - 1952

Mein Mann und ich sind große Agatha-Christie-Fans. Ich habe zwar nicht alle ihre Bücher gelesen, aber wir haben bestimmt jede Verfilmung gesehen, die es gibt. Die einzige Geschichte, die wir nicht kennen, ist "Die Mausefalle", und ich wusste gar nicht, dass man davon ein Buch kaufen kann. Als der Read the Year Club beschloss, dieses Mal ein Buch aus dem Jahr 1952 zu lesen, bin ich zufällig auf diese Geschichte gestoßen. Ich habe mich riesig gefreut, denn ich glaube nicht, dass wir so schnell nach London kommen, und wer weiß, ob es dann überhaupt möglich ist, das Stück zu sehen.

Wie auch immer, die Geschichte ist typisch Agatha Christie. Viele Verdächtige, jeder könnte der Mörder sein. Und alles ist so rätselhaft und verwirrend. Genau wie jede andere Agatha-Christie-Geschichte.

Also, wer die Möglichkeit hat, sich das Stück anzusehen, sollte das unbedingt tun. Und wer die Möglichekit nicht hat, sollte es lesen. Ich bin lese eigentlich nicht gerne Theaterstücke, aber dieses hier war wirklich leicht zu lesen. Und unterhaltsam.

Buchbeschreibung:

"Auf was für ein Wagnis sich Molly und Giles Davis einlassen, als sie beschließen, Monkswell Manor in eine Fremdenpension zu verwandeln, können sie nicht ahnen. Die Unruhe, mit der sie ihre Gäste empfangen, ist zuerst nur Lampenfieber. Doch als ein Schneesturm das einsame Haus völlig von der Umwelt abschneidet, verwandelt sich ihre Nervosität in beklemmende Furcht. Denn einer ihrer Gäste ist ein Mörder."

Dienstag, 11. März 2025

Bryson, Bill "Shakespeare - Wie ich ihn sehe"

Bryson, Bill "Shakespeare - Wie ich ihn sehe" (Englisch: Shakespeare: The World as a Stage) - 2007

Bill Bryson gehört zu meinen Lieblingsautoren. Ich begann ihn zunächst für seine urkomischen Reisegeschichten zu lieben, bewunderte ihn dann für sein Wissen über die englische Sprache und respektiere ihn schließlich für seine gründliche Recherche aller Arten von Wissen.

Er hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Ich wusste, dass wir nicht viel über Shakespeares Leben wussten, aber ich wusste nie, dass wir so wenig wussten. Aber aus dem wenigen, was bekannt ist, ein ganzes Buch zu machen und ein gutes Bild über eine der wichtigsten Personen der Geschichte zu zeichnen, das erfordert ziemlich viel Talent und ich kann mir keinen besseren Autor dafür vorstellen als Bill Bryson.

Er führt uns in die Welt der Dramatiker, quasi in die Anfänge des Theaters, wie wir es kennen. Wir besuchen das England von Elisabeth I. mit all seinem Ruhm und Schrecken, wir sehen, wie die Menschen lebten und starben. Und das alles durch die Beschreibung eines Mannes, über den wenig bekannt ist. Aber was für ein Mann! Er hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf diese Welt, sogar auf die heutige Gesellschaft. Sein Beitrag zur englischen Sprache ist enorm und jeder, der sie lernt, begegnet ihm früher oder später. Allerdings wurden seine Stücke, auch wenn die Leute die englische Sprache nicht lernen, in alle wichtigen Sprachen übersetzt und von mehr Menschen gesehen als die Stücke jedes anderen lebenden oder verstorbenen Autors.

Und wie ich bereits sagte, glaube ich, dass nur Bill Bryson diese enorme Aufgabe bewältigen könnte, über jemanden zu schreiben, der seit fast 400 Jahren tot ist und kaum etwas hinterlassen hat außer seinen Stücken.

Buchbeschreibung:

"Typisch Bill Bryson: eine humorvolle und leicht verständliche Einführung in Shakespeares Leben, seine Werke und seine Zeit

Mensch oder Mythos – wer war William Shakespeare wirklich, der geistige Vater von
Romeo und Julia [Romeo and Juliet], von Hamlet und Macbeth? Gab es den Menschen Shakespeare überhaupt? Ist der Name womöglich das Pseudonym eines Unbekannten, der seine Identität verschleiern wollte? Bill Bryson schließt die Wissenslücken um den bekanntesten und rätselhaftesten Autor der Welt. Dabei lädt er seine Leser ein zu einer vergnüglichen Reise durch das elisabethanische England. Ein echter Bill Bryson: eloquent, klug und mit einem Augenzwinkern geschrieben."