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Freitag, 6. November 2026

Patchett, Ann "Das Holländerhaus"

Patchett, Ann "Das Holländerhaus" (Englisch: The Dutch House) - 2019

Dieses Buch wirkte ziemlich vielversprechend. Es vereint alle Zutaten eines Bestsellers. Und ein Bestseller ist es tatsächlich. Normalerweise mache ich einen Bogen um Bücher, um die ein riesiger Hype veranstaltet wird; da ich jedoch in Deutschland lebe und unsere kleinen Buchhandlungen kaum englische Titel führen, sind genau diese dort oft vorrätig – und ich neige dazu, sie dann auch zu kaufen. LOL

Der Guardian schrieb in seiner Rezension: "Patchett führt uns zu einer Wahrheit, die sich eher wie das echte Leben anfühlt als wie Literatur." Das stimmt absolut. Genau das mag jedoch der Grund sein, warum ich mit dem Buch nicht warm geworden bin. Die Stiefmutter war mir einfach unsympathisch. Sicherlich war es auch so beabsichtigt, dass man sie nicht mag. Aber – oh Mann – wie oft hätte ich sie am liebsten getreten! Immerhin erfahren wir, welch großen Einfluss ein Erwachsener auf das Leben eines Kindes hat – und dass dieser Einfluss ein Leben lang nachwirkt.

Nein, das Buch hat mir nicht wirklich gefallen, aber ich verstehe durchaus, warum es so viel Aufmerksamkeit bekommt. Es ist nicht schlecht geschrieben oder Ähnliches, aber – es war einfach nichts für mich.

Zitat:

"Wie Schwalben, wie Lachse waren wir hilflose Gefangene unserer Wanderinstinkte. Wir taten so, als hätten wir das Haus verloren – nicht unsere Mutter, nicht unseren Vater. Wir taten so, als wäre uns das Verlorene von der Person genommen worden, die noch immer darin wohnte …"

Buchbeschreibung:

"Eine Villa zu besitzen – für Cyril steht das für ein besseres Leben. Doch als er von seinem hart erarbeiteten, ersten kleinen Vermögen das hinreißende Holländerhaus kauft, zerbricht seine Welt: Seine Frau erträgt den Luxus nicht und geht. Ein Schock für die beiden Kinder, und Tochter Maeve muss die Mutterrolle für ihren jüngeren Bruder Dave übernehmen. Die Geschwister werden unzertrennlich und sind eigentlich glücklich - bis Cyril wieder heiratet. Die Neue hat zwei eigene kleine Mädchen, denen sie, ganz böse Stiefmutter, das Erbe sichern will, vor allem aber das Holländerhaus ..."

Für "The Dutch House" stand Ann Patchett 2019 in der Endauswahl für den Pulitzer-Preis.

Dienstag, 6. Oktober 2026

Doyle, Roddy "Paddy Clarke Ha Ha Ha"

Doyle, Roddy "Paddy Clarke Ha Ha Ha" (Englisch: Paddy Clarke ha ha ha) - 1993

Das Buch war hochgelobt worden und klang auch sonst interessant; als also eine Freundin es mir bei ihrem Umzug überließ, dachte ich mir: "Super, das lese ich."

Dennoch dauerte es einige Jahre, bis ich tatsächlich damit anfing. Und jetzt weiß ich auch, warum. Es war einfach nicht meine Geschichte. Für mich war es keine wirklich große Erzählung. Ein Mann erinnert sich an das, was er als kleiner Junge erlebt hat. Nichts Spektakuläres, eben das, was kleine Jungs so treiben. Ich habe nichts gegen solche Rückblicke, aber diese hier waren weder lustig noch irgendwie interessant.

Interessanterweise hat jemand das Buch mit "Der Fänger im Roggen" (The Catcher in the Rye) und "Unterwegs" (On the Road) verglichen – und zwar nicht im positiven Sinne. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

Roddy Doyle gewann 1993 den Booker Prize für "Paddy Clarke Ha Ha Ha".

Buchbeschreibung:

"Dublin, 1968. Patrick 'Paddy' Clarke ist zehn Jahre alt. Tagsüber langweilt er sich in der Schule oder vertreibt sich die Zeit mit seinen Freunden, zieht durch die Straßen, treibt Unfug. Abends sitzt er vor dem Fernseher und knabbert Chips. Lesen tut er am liebsten mit Taschenlampe unter der Bettdecke - so macht es einfach mehr Spaß. Seinen kleinen Bruder Francis, genannt Sinbad, ärgert er unablässig, oft gemeinsam mit Kevin, seinem besten Freund, mit dem er Fußball und Verbrechen spielt. Doch Paddys Welt ist alles andere als heil: Sein Vater trinkt zu viel und streitet immer häufiger mit seiner Mutter, wird sogar handgreiflich. Paddy versucht mehr und mehr, den Frieden zu Hause zu wahren, die Eskalation abzuwenden, doch es gelingt ihm nicht. Niemand schreibt so gut über Dublin wie Roddy Doyle! Ohne Psychologisierungen und nüchtern, in typischer Doyle-Manier, wird authentisch und mitreißend aus einem Jahr im Leben eines Jungen erzählt, der aus dem Paradies der Kindheit vertrieben wird. Unfug, Raufereien und Langeweile: Ein einfühlsames, stilsicheres Porträt eines Zehnjährigen und seiner Welt. Paddy Clarke Ha Ha Ha ist eine Wiederentdeckung eines großartigen Romans in fabelhafter Neuübersetzung und auch heute aktueller denn je. Ausgezeichnet mit dem Booker Prize!"

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Trollope, Joanna "Die nächsten Verwandten"

Trollope, Joanna "Die nächsten Verwandten" (Englisch: Next of Kin) - 1996

Ich dachte, ich hätte schon mal etwas von Joanna Trollope gelesen, aber es stellte sich heraus, dass es von einer anderen Autorin war. Ich bezweifle, dass ich dieses Buch sonst in die Hand genommen hätte.

Es war ganz okay, nicht schlecht geschrieben, aber ich konnte mich nicht mit den Figuren identifizieren. Es war alles etwas zu oberflächlich und nicht tiefgründig genug für das, was der Buchumschlag versprach.

Ich würde es der Kategorie "Frauenliteratur" zuordnen.

Buchbeschreibung:

"Eine Farmersfamilie in den englischen Midlands: Nach dem Tod Caros, der amerikanischen Ehefrau eines der Farmerssöhne, gerät die scheinbar so geordnete und bodenständige Welt der Meredith' ins Wanken. Nicht nur Joe, der Witwer, und seine Adoptivtochter Roby stehen vor einem Wendepunkt, auch die anderen Familienangehörigen werden von den Launen des Schicksals nicht verschont. Einzig Zoe, die rothaarige unkonventionelle Fotografin aus der Stadt, bringt ein paar bunte Augenblicke in das Leben der verunsicherten Familie."

Samstag, 19. September 2026

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano"

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano" (Spanisch: La maldición de los Palmisano) - The Last Son's Secret - 2015

Ich mag spanische Autoren im Allgemeinen sehr und freue mich immer, wenn ich einen weiteren für meine Liste entdecke. Der Autor wird mit dem Satz vorgestellt: "Rafel Nadel kann besser schreiben als Tennis spielen." Ein guter Spruch! Ich habe keine Ahnung, wie gut er (der Autor) Tennis spielt, aber ich kann versichern: Er schreibt hervorragend.

Die Geschichte führt uns nach Italien. Ein Besucher bemerkt, dass ein Dorf im Ersten Weltkrieg 42 Söhne verloren hat und dass die Hälfte von ihnen den Nachnamen Palmisano trägt. Im Zweiten Weltkrieg hingegen gibt es keinen Einzigen mit diesem Namen, dafür aber wieder eine Familie, die die Hälfte der Liste ausmacht: die Familie Convertini. In diesem Buch lernen wir beide Familien sowie das Geheimnis kennen, das sie hüten.

Eine sehr interessante Geschichte, gut geschrieben, mit sympathischen – und natürlich auch einigen unsympathischen – Charakteren. Wir erhalten Einblick in das Leben der Italiener während der Kriege, sowohl bei den Anhängern der bösen Mächte als auch bei jenen, die sich den Partisanen anschließen; wir schließen die Menschen ins Herz und verstehen ihre Beweggründe. Die Verknüpfung von Fiktion und historischen Fakten ist sehr gut gelungen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, und ich glaube, dass diese Geschichte auch für diejenigen viel zu bieten hat, die eigentlich nicht gerne über den Krieg lesen.

Buchbeschreibung:

"Ein Dorf in Süditalien wird zum Schauplatz eines halben Jahrhunderts europäischer Geschichte - eine großartige Familiensaga.

Einundzwanzig Tote, alle im Ersten Weltkrieg gefallen. Das ist die traurige Bilanz der Familie Palmisano, die seitdem als verflucht gilt. Als die Witwe Donata Palmisano kurz nach Kriegsende einen Sohn zur Welt bringt, fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie gibt Vitantonio als Sohn ihrer Cousine aus, um ihn zu schützen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ist Vitantonio ein kräftiger junger Mann, der in die Schlacht ziehen soll - genau wie seine Vorfahren. Kann er sein Schicksal besiegen und dem Fluch der Familie entrinnen?"

Samstag, 5. September 2026

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn"

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn" (Englisch: A Tree Grows in Brooklyn) - 1943

Viele meiner Freunde haben mir von diesem Buch erzählt, und es stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen – und ich bin froh darüber. Ein junges Mädchen, das in Armut aufwächst, liebt das Lesen. Das hätte auch meine Geschichte sein können, auch wenn wir nie so arm waren wie die Familie Nolan. Wahrscheinlich lag das daran, dass mein Vater nicht trank und seinen Lohn aus seiner Arbeit nach Hause brachte. Aber ich kann mich sehr gut in Francie hineinversetzen: wie sie die Liebe zu Büchern entdeckte und wie diese manchmal zu ihren einzigen Freunden wurden. Bücher sind immer für einen da.

Ich konnte auch Francies Mutter Katie verstehen und nachvollziehen, wie sie versuchte, jeden Cent zu sparen, um Essen auf den Tisch zu bringen. Das muss unglaublich schwer für sie gewesen sein.

Francie lebte vor hundert Jahren, doch ihre Botschaft lebt weiter und ist heute noch genauso gültig wie damals: Mit Bildung können wir uns aus dem tiefsten Loch befreien.

Das Buch ist hervorragend geschrieben – aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens, aber mit einer sehr reifen, erwachsenen Sichtweise. Es regt dazu an, über das Leben und seinen Sinn nachzudenken.

Auf jeden Fall konnte ich mich so gut mit Francie identifizieren, dass ich dieses Buch einfach lieben musste. Ich hätte es sehr gerne schon in meiner Jugend gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin, eine Süßigkeiten-Connaisseuse, eine genaue Beobachterin der menschlichen Natur – und sie hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der in dem bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten, jeden Tag wird von dem hart verdienten Geld das Essen zusammengeklaubt, Kinder strömen samstags durch die Straßen, um für ihren gesammelten Trödel einige Pennies für Süßes zu ergattern. Doch wenn Francie auf der Feuertreppe in der Sonne sitzt und liest, kann sie sich keinen schöneren Ort vorstellen. Und wenn sie auch gegen so manche Widrigkeit anschreiben muss, trägt sie doch eines in sich: dass es sich immer lohnt, nach dem puren Leben zu streben."

Mittwoch, 26. August 2026

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin"

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin" (Englisch: The Correspondent) - 2025

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang Briefe, hatte Brieffreunde auf der ganzen Welt, und als ich anfing, Esperanto zu lernen, wurden es noch mehr. Daher hatte ich erwartet, dass dieses Buch perfekt für mich sein würde.

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es eine Weile dauert, bis man sich in Sybils Leben eingelesen hat, und dem kann ich nur zustimmen. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt hat.

Allerdings war ich nie eine so organisierte Briefschreiberin wie Sybil. Ich setze mich nicht jeden Morgen hin; ich beantworte erhaltene Briefe immer dann, wenn mir gerade danach ist. Ich glaube, der Empfänger bekommt so eine bessere Antwort, als wenn ich nur schreiben würde, weil ich gerade "muss". Und ich habe noch nie einem Autor geschrieben – vielleicht sollte ich das eines Tages mal tun.

Ich vernachlässige jedoch nicht die Menschen in meiner Umgebung; ich versuche, sie so oft wie möglich zu treffen. Sybil scheint eher der Typ Mensch zu sein, der nur Briefe schreibt. Was hätte ich meinen weit entfernt wohnenden Freunden zu erzählen, wenn ich kein "richtiges Leben" hätte?

Letztendlich hat mir das Buch zwar gefallen, aber nicht auf die Art, wie ich es erwartet hatte.

Wir hatten eine schöne Diskussion über diesen Roman. Wir sind alle Senioren und dachten, das sei wahrscheinlich einer der Gründe, warum uns das Buch so gut gefallen hat. Eine unserer Teilnehmerinnen erwähnte, dass ihre Tochter keinen Zugang zu dem Buch gefunden habe. Vielleicht ist da etwas dran.

Auf jeden Fall waren wir uns alle einig, dass wir etwas Zeit brauchten, um mit all den Charakteren warm zu werden. Und ja, es sind eine ganze Menge. Die deutsche Ausgabe enthielt am Ende eine Liste all ihrer Briefpartner – ein kleines "Who’s Who?". In unserer englischen Ausgabe fehlte diese Liste. Ich frage mich, warum? Wie ihr alle wisst, liebe ich Listen.

Ich habe allerdings online eine @ The Book Companion gefunden.

Und @ SuperSummary:

Und während ich danach suchte, entdeckte ich, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda in der Rolle der Sybil Van Antwerp geplant ist.

In dem Roman werden unzählige Bücher erwähnt. Ich führe hier nur diejenigen auf, die ich selbst gelesen habe; die übrigen sind auf hier auf Goodreads zu finden.

Austen, Jane (deutsche Einträge) "Pride & Prejudice" (Stolz & Vorurteil) - 1813 (The Motherhood and Jane Austen) 
Brontë, Emily (deutsch) "Wuthering Heights" (Sturmhöhe) - 1887
Du Maurier, Daphne "
Rebecca" (Rebecca) - 1938
Gabaldon, Diana "Outlander" (UK: Cross Stich) (Feuer und Stein) - 1991
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road" (84 Charing Cross Road) - 1970
Ishiguro, Kazuo "The Remains of the Day" (Was vom Tage übrigblieb) - 1989
Johnson, Adam "The Orphan Master's Son" (Das geraubte Leben des Waisen Jun Do) - 2012
Joyce, James "Ulysses" (Ulysses) - 1922
Rushdie, Salman (deutsche Beiträge) "The Satanic Verses" (Die Satanischen Verse) - 1988
Steinbeck, John (deutsche Einträge) "Travels with Charley" (Die Reise mit Charley) - 1962
Woolf, Virginia "To the Lighthouse" (Zum Leuchtturm) - 1927

Also, elf von vierzig Büchern. Aber vielleicht lese ich in Zukunft noch mehr.

Und ein Zitat, dem ich voll und ganz zustimme:

"… Ich mag Präsident Obama. Er ist ein hervorragender Redner, ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er das Telefonbuch vorliest."

Buchbeschreibung:

"Adoptivtochter und Starjuristin, Gartenliebhaberin und Ehefrau, Mutter und mütterliche Freundin – die 73jährige Sybil van Antwerp hatte schon viele Rollen inne in ihrem bewegten Leben. Eines hat sie dabei stets begleitet: ihre Leidenschaft fürs Briefeschreiben. Jeden Tag greift sie zu Füller und Papier und schreibt darüber, was sie bewegt und stört, was sie begeistert und betrauert. Voller geistreichem Humor und mitunter etwas ruppiger Herzlichkeit berichtet sie von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten, von Liebe und Triumph. Doch jenseits dieser Seiten hat Sybil die Menschen, die ihr etwas bedeuten, stets auf Abstand gehalten. Bis ein anonymes Schreiben sie zwingt, sich mit ihren eigenen Fehlern auseinanderzusetzen – und sich dem einen großen Geheimnis zu stellen, das ihr Leben geprägt hat. Denn für ein Postscriptum ist es nie zu spät.

Ein ebenso bewegender wie tiefgründiger Briefroman mit einer etwas kratzbürstigen Heldin und großen Themen – für alle Fans von Elizabeth Strouts unnachahmlicher Protagonistin Olive Kitteridge.

Ein Juwel von einem Roman über die Kraft, Trost in der Literatur zu finden und eine Verbindung zu Menschen zu knüpfen, denen wir vielleicht nie persönlich begegnen."

Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Dienstag, 11. August 2026

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle"

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle" (Englisch: The Story of Edgar Sawtelle) - 2008

Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, dachte ich, es handele sich ausschließlich um einen Jungen, der ohne Stimme geboren wurde, und/oder um Hunde. Denn genau diesen Eindruck gewinnt man zunächst. Doch je länger ich weiterlas, desto vertrauter erschien mir die Geschichte. Hätte ich mir die Namen etwas genauer angesehen, hätte ich vielleicht sofort erraten, dass es sich hierbei um eine moderne Nacherzählung des Hamlet (Hamlet) handelt.

Eine interessante Geschichte – und genauso spannend wie das Original. Ich bin kein großer Tierliebhaber; ich habe zwar nichts gegen Tiere, gerate aber auch nicht gleich in helle Begeisterung, wenn ich eines sehe – weshalb diese Geschichte meiner Meinung nach auch ohne all die Hunde hätte erzählt werden können.

Wie dem auch sei: Ich ziehe Jane Smileys moderne "König Lear"-Adaption (Tausend Morgen/A Thousand Acres) diesem Buch hier vor; doch alles in allem ist es nicht schlecht.

Buchbeschreibung:

"Immer schon hat Edgar eine besonders enge Beziehung zu den Hunden gehabt, die seine Eltern auf ihrer Farm züchten. Nun ist er auf die Hilfe der Tiere angewiesen, als er eines Tages gezwungen ist, zu fliehen – vor seinem finsteren Onkel Claude. Edgar ist überzeugt davon, dass Claude seinen Vater ermordet hat …

Eine mitreißende Familiengeschichte und ein Abenteuerroman, der den dramatischen Kampf eines Jungen ums Überleben in der Wildnis vor einer atemberaubenden Landschaftskulisse schildert.

Edgar wächst auf einer abgelegenen Farm in Wisconsin auf, wo seine Eltern Gar und Trudy eine Hundezucht betreiben. Den hochsensiblen 14-Jährigen, der stumm zur Welt kam, verbindet eine enge Freundschaft mit den Tieren; die Hündin Almondine, seine treueste Kameradin, versteht sogar seine Zeichensprache. Eines Tages jedoch hat der Frieden ein Ende: Edgars Onkel Claude taucht auf und gerät wegen Erbstreitigkeiten mit Gar aneinander. Kurz darauf kommt Gar auf mysteriöse Weise ums Leben. Edgar ist überzeugt, dass Claude seinen Vater umgebracht hat, und flieht – nur begleitet von drei jungen Hunden, mit deren Hilfe er lernen muss, in der Wildnis zu überleben."

Donnerstag, 9. Juli 2026

Cousins, Dave "Fünfzehn kopflose Tage"

Cousins, Dave "Fünfzehn kopflose Tage" (Englisch: 15 Days without a Head) - 2012

Ein weiteres Buch, das mir eine Freundin geliehen hat. Ich hätte es wahrscheinlich nie in die Hand genommen, es wirkt mir zu kindisch. Aber: Es ist ein brillantes Buch. Herzzerreißend und wunderschön zugleich. Eine alkoholkranke Mutter ist so verzweifelt, dass sie ihren Teenager-Sohn und seinen sechsjährigen Bruder allein zurücklässt. Keine Adresse, niemand, der sich um sie kümmern könnte, kein Geld, nichts.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Mutter oder den kleinen Bruder mögen könnte. Laurence, der arme Kerl, muss sich sowohl um die alkoholkranke Mutter als auch um seinen kleinen Bruder kümmern, der alles andere als pflegeleicht ist. Als die Mutter verschwindet, will er nicht, dass die Kinder in verschiedenen Heimen landen, also tut er so, als wäre alles in Ordnung.

Wie gesagt, Menschen wie die Mutter machen mich wütend! Sie hat zwei Kinder und kümmert sich nicht um sie. Egal welche Ausrede man hat, egal wie verzweifelt man ist, man lässt seine Kinder nicht im Stich. Was wäre, wenn Laurence auch so ein Kind wäre, das keine Verantwortung übernehmen kann? Bei so einer Mutter ist das durchaus nachvollziehbar. Zum Glück ist er es nicht. Er und all die anderen Kinder in ähnlichen Situationen tun mir wirklich leid. Die Mutter hat sie nicht verdient. Das ist meine Meinung, und dabei bleibe ich.

Es gab einige lustige Szenen im Buch, die es zeitweise erträglich machten. Nur mal so als Beispiel: Im Tagebuch werden die Wochentage folgendermaßen aufgelistet (keine Ahnung, ob sie in dem Buch so übersetzt wurden, die englischen Originalwörter stehen unter meiner Übersetzung):

Dienstag, Wanntag, Trübtag, Lügentag, Da-lang, Irgendwann, Zwischentag, Fälligkeitstag, Endtag, Dieser Tag, Schreckenstag, Fetzentag, Elendstag, Nichttag, Weltuntergangstag, Wahnsinnstag, Heute
(Tuesday, Whensday, Blursday, Lieday, Thataway, Someday, Meanday, Duesday, Endsday, Thisday, Frightday, Tattersday, Slumday, Noneday, Doomsday, Madnesday, Today)

Buchbeschreibung:

"Wie weit kann man gehen, um die eigene Familie zusammenzuhalten? Laurence, 15 Jahre alt, geht jedenfalls ziemlich weit und manövriert sich dabei in eine Reihe grotesk-komischer Situationen – nicht zuletzt, weil sein kleiner Bruder fest davon überzeugt ist, ein bissiger Hund zu sein … Laurence Roach wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, doch das ist schwer, wenn die Mutter eine depressive Alkoholikerin ist. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er täuscht vor, seine Mutter sei noch da, zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen. Abend für Abend schleicht er zudem in die Telefonzelle und gibt sich in der Live-Sendung des lokalen Radiosenders für seinen verstorbenen Vater aus, um seinen geheimen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Wochen, in denen sich die beiden Brüder mit einem Minimum an Geld und Essen durchschlagen, entdeckt Laurence endlich eine Spur von seiner Mutter. Aber jetzt fangen die Schwierigkeiten erst richtig an."

Donnerstag, 18. Juni 2026

Schimmel, Betty "Werden wir uns wiedersehen"

 
Schimmel, Betty mit Gabriel, Joyce "Werden wir uns wiedersehen. Eine Liebe in den Zeiten des Krieges" (Englisch: To See You Again. A True Story of Love in a Time of War) - 1999

Viele meiner Freunde werden sagen: "Nicht schon wieder eine Holocaust-Überlebensgeschichte!" Und wenn das nicht euer Geschmack ist, lasst es lieber. Doch dies ist ein bemerkenswerter Bericht über eine starke Frau – genauer gesagt, über mehrere starke Frauen –, die die schrecklichste Tortur überlebt haben, die man sich vorstellen kann, und dadurch gestärkt hervorgegangen sind. Ich weiß, dass Betty Schimmel dieses Buch nicht allein geschrieben hat; sie hatte eine Helferin. Aber das ändert nichts an der Geschichte, die sie erzählt. Sie ist herzzerreißend.

Wir alle können von Menschen wie Betty Schimmel lernen, nicht aufzugeben, selbst wenn alles hoffnungslos erscheint. Eine fesselnde Lektüre. Fast wie "Das Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl), nur mit einem glücklicheren Ende.

Kenneth Branagh soll geplant haben, diese Geschichte zu verfilmen. Das wäre bestimmt ein Erfolg geworden, aber ich glaube, dieser Plan wurde nicht verwirklicht.

Buchbeschreibung:

"Als Betty Schimmel (geboren 1929) 9 Jahre alt ist, endet ihre behütete Kindheit. Ihre jüdische Familie lebt auf der Flucht vor der Naziverfolgung, zuletzt in Budapest, wo sie 1944 mit dem Einmarsch der Deutschen ihr letztes Zuhause verliert. Am Leben hält sie trotz Krankheit und Entkräftung die Hoffnung, ihre Jugendliebe wiederzusehen. Doch die Hoffnung bleibt unerfüllt, der Geliebte verschollen. Mit gemischten Gefühlen geht sie eine Ehe ein, emigriert nach Amerika, wird 3fache Mutter und fühlt sich doch immer innerlich leer. Über 30 Jahre später findet sie den Langgesuchten in Budapest, doch auch er ist verheiratet und hat 3 Kinder."

Montag, 8. Juni 2026

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft"

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft" (Englisch: Interpreter of Maladies) - 1999 

Ich habe dieses Buch im Jahr 2015 gelesen. Das war mein damaliger Kommentar:

"Wie die meisten meiner Freunde wissen, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten. Ich habe jedoch "Der Namensvetter" (The Namesake) von derselben Autorin gelesen und war wirklich begeistert. Und mehrere meiner Freunde hatten mir 'Melancholie der Ankunft' empfohlen, eine hatte mir sogar ein Exemplar hinterlassen, als sie umzog, ich musste es einfach lesen.

Ich war angenehm überrascht. Was für eine schöne Sammlung von Kurzgeschichten, einige davon sind sogar miteinander verknüpft, sodass es nicht so scheint, als wären es hundert kleine Geschichten, die man sofort vergisst. Im Gegenteil, Jhumpa Lahiri hat einige wundervolle Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Sie bezieht alle möglichen Probleme mit ein, mit denen jeder konfrontiert werden kann, der in einer anderen Kultur lebt als der, in der er oder seine Eltern aufgewachsen sind. Sie beschreibt einige nette Menschen (und einige nicht so nette), die alle mit einem Leben in zwei verschiedenen Teilen dieser Welt konfrontiert sind. Da die Autorin selbst Inderin ist und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, ist dies der Hintergrund für fast alle ihre Geschichten. Da ich selbst fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt habe (allerdings nicht in einer so anderen Kultur wie die Charaktere im Buch), kann ich mich mit einigen von ihnen durchaus identifizieren.

Jhumpa Lahiri hat einen guten, eleganten Stil, ihre Geschichten fließen einfach, ich werde sicherlich noch mehr von ihren Werken lesen."

Vor einiger Zeit bin ich einer Online-Gruppe namens Literary Wives beigetreten, und dies war das nächste Buch auf unserer Liste. Also habe ich das Buch noch einmal gelesen – denn die erste Lektüre lag schon eine Weile zurück –, diesmal jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt: Was sagt die Autorin über die Ehefrauen in ihrem Buch?

Die meisten dieser Geschichten spielen in Indien und/oder drehen sich um indische Paare.

Eine vorübergehende Sache * (A Temporary Matter)

Wir erleben das Ende einer Ehe. Ein Paar leidet unter dem Verlust eines totgeborenen Babys. Trotz aller Bemühungen haben sie nichts mehr miteinander zu sagen.

Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam * (When Mr. Pirzada Came to Dine)

In dieser Geschichte erinnert sich eine Frau an einen Mann aus Ostpakistan/Bangladesch, der ihre indische Familie in den USA besuchte, während seine Familie in der Heimat war. Es ist mehr die Geschichte des Mannes als die der Frau, aber sie gibt uns dennoch einen Einblick in das Leben indischer Ehefrauen in den USA.

Dolmetscher kleiner Unpässlichkeiten * (Interpreter of Maladies)

Diese Geschichte handelt von einer indisch-amerikanischen Familie, die das Land ihrer Herkunft besucht. Wir erfahren mehr über das Leben einer solchen Frau; sie ist sehr einsam. Ich kann das gut nachvollziehen, denn als nicht berufstätige Ehefrau im Ausland hat man nicht das soziale Leben, das Mann und Kinder haben, und es ist schwer, seinen Platz zu finden.

Ein richtiger Durwan * (A Real Durwan) (Türsteher/Pförtner)

Diese Geschichte handelt von einer älteren Frau, die Treppenfegerin ist und auf dem Dach des Gebäudes lebt, in dem sie arbeitet.

Obwohl es hier weniger um die Situation einer Ehefrau geht, erzählt sie von Armut und davon, wie man noch ärmer sein kann als alle anderen um sich herum.

Sexy (Sexy)

Wir sind zurück in den USA. Auch hier geht es nicht um die Ehefrau, sondern um die Geliebte – und um einen Ehemann, der seine Frau verlässt. Eine gelungene Betrachtung dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven: die der Ehefrau und die der Geliebten.

Bei Mrs. Sen * (Mrs. Sen's)

Hier haben wir die Geschichte einer indischen Frau, die in den USA lebt, keinen Führerschein besitzt und keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Sie kümmert sich nach der Schule um einen elfjährigen Jungen und bringt ihm ihre Küche näher. Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich habe sehr mit der Frau mitgefühlt.

Ein gesegnetes Haus * (This Blessed House)

Ein junges indisches Ehepaar in Connecticut zieht in sein neues Haus und findet dort viele christliche Reliquien. Die Frau stellt sie auf den Kaminsims. Eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, was man behalten und was man annehmen sollte. Und wie sehr die Ehe davon profitieren kann.

Bibi Haldars Therapie * (The Treatment of Bibi Haldar)

Eine Frau leidet unter Anfällen, und ein Arzt empfiehlt, sie zu verheiraten. Doch eine Heirat kostet Geld, und man muss erst einmal einen Heiratskandidaten finden. Also lassen ihre Verwandten sie stattdessen auf dem Dach wohnen. Diese Geschichte befasst sich mit dem Umgang mit Krankheit und Vorurteilen.

Der dritte und letzte Kontinent * (The Third and Final Continent)

Ein Mann zieht von Indien nach London und schließlich in die USA, wo er ein Zimmer bei einer 103-jährigen Dame mietet. Die beiden bauen eine gute Beziehung zueinander auf, bis er heiratet und auszieht. Wir verfolgen das Leben des Mannes und seiner Frau sowie die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben.

Wie ich bei den Geschichten bereits angemerkt habe, drehen sich nicht alle um die Ehefrauen; bei einigen spielt deren Status überhaupt keine Rolle – sie sind einfach nur da. Doch wo sie erwähnt werden, erfahren wir viel über die Unterschiede zwischen indischen und (hauptsächlich) amerikanischen Ehefrauen sowie über deren Rechte und Pflichten.

Ich glaube, das hilft auch zu verstehen, warum Einwanderer so oft unter sich bleiben. Es liegt nicht nur an der Sprache – auch wenn es natürlich nicht hilft, wenn ihnen niemand die Sprache des Gastlandes beibringt –, sondern vielmehr an der Kultur und dem gegenseitigen Verständnis. Besonders die Ehefrauen sind unsichtbar; sie gehen in der Menge unter. Gerade bei arrangierten Ehen versteht der Ehemann seine Frau oft nicht.

Buchbeschreibung:

"Pulitzer-Preis 2000 für Belletristik MELANCHOLIE DER ANKUNFT - wohl jeder Leser bedauert es, wenn er wieder am Ende einer dieser elegant geschriebenen, dabei aber überaus gefühlvollen Geschichten angelangt ist. Und durchweg sind es Lahiris Figuren, die so seltsam berühren und den besonderen Zauber dieser Geschichten ausmachen. Menschen zwischen den Welten: Da ist der Ich-Erzähler aus Der dritte und letzte Kontinent, der, ironisch und anrührend zugleich, seinen langen Weg über drei Kontinente, von Kalkutta über England bis in die amerikanische Universitätsstadt Cambridge, schildert; da ist die Inderin Mrs. Sen, die ihre ganze Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in der Freundschaft mit einem kleinen amerikanischen Jungen zu kompensieren sucht. Und da sind Shoba und Shukumar, das junge Ehepaar aus der vielleicht schönsten Geschichte der Sammlung, Eine vorübergehende Angelegenheit. Seit Shoba durch eine Fehlgeburt ihr lang ersehntes Baby verloren hat, ist ihre Ehe mit Shukumar aus dem Lot geraten. Während einer fünftägigen abendlichen Stromsperre beschließen die beiden, die Zeit im Dunkeln zu überbrücken, in dem sie sich abwechselnd etwas aus ihrem Leben erzählen - und zwar etwas, das sie dem anderen bislang verschwiegen haben. Ein gefährliches Unterfangen, wie sich am letzten Tag des Stromausfalls zeigt: Shukumar erzählt seiner Frau, was damals, in den ersten Stunden nach der Fehlgeburt, wirklich geschah."

Jhumpa Lahiri erhielt im Jahr 2000 den Pulitzerpreis für "Melancholie der Ankunft".

Und hier sind die Rezensionen der anderen Literary Wives:

Becky aus Sydney von Aidanvale

Kate aus Melbourne von booksaremyfavoriteandbest

Rebecca aus Maryland, USA von Bookish Beck

Kay aus Washington State von What? Me Read?

* Die Übersetzungen der einzelnen Kapitel habe ich Wikipedia entnommen. Ich hoffe, es sind diejenigen, die man auch in der deutschen Übersetzung benutzt hat, obwohl das bei einigen mehr als fragwürdig ist.

Montag, 4. Mai 2026

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge"

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge" (Englisch: The Miniaturist) - 2014

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Wer an Magie glaubt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch wer nicht an Magie glaubt, aber historische Romane mag, sollte es unbedingt lesen. Es vereint beides auf wunderbare Weise.

Der Roman erzählt die Geschichte einer reichen Amsterdamer Familie im 17. Jahrhundert und eines armen Mädchens vom Land, das in diese Familie einheiratet. Da ich selbst in einem Dorf aufgewachsen bin, kenne ich Frauen wie Nella. Die Ehefrau hat im Haus nichts zu sagen; zuerst kommt die Mutter, dann die Schwester, und wenn diese vor der Ehefrau sterben, sind es die Kinder.

Doch das ist nicht der Hauptteil der Geschichte. Das Buch ist voller Geheimnisse. Das erste Geheimnis habe ich recht früh erraten und wusste, dass noch weitere folgen würden, noch bevor das erste gelüftet wurde. Es dauerte jedoch etwas länger, bis ich erraten konnte, was als Nächstes passieren würde.

Die Autorin ließ sich vom Puppenhaus der realen Petronella Oortman inspirieren, das im Rijksmuseum in Amsterdam besichtigt werden kann. Hier ist eine Ansicht des Hauses.

Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit unserer Protagonistin: der Name und die Tatsache, dass sie ein Puppenhaus besaß.

Und genau das – das Puppenhaus – hat mich an dem Buch fasziniert. Ich sah das Cover, las den Klappentext (den ich immer für sehr wichtig halte) und meine Entscheidung war gefallen. Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen.

Wir begegnen in der Geschichte vielen interessanten Charakteren, die alle sehr lebendig dargestellt sind. Die Autorin hat ein großes Talent dafür, die Menschen darin und außerhalb des Hauses zu beschreiben. Man fühlt sich fast, als wäre man selbst unter ihnen; man kann sich die Straßen Amsterdams so vorstellen, wie sie vor über 300 Jahren ausgesehen haben müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, ist aber dennoch sehr informativ; es ist ein Krimi mit einem großartigen historischen Hintergrund.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Geschichte hätte auf Niederländisch geschrieben sein sollen; ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich die Sätze auf Niederländisch umgedeutet habe. Das ist mir noch nie passiert, was wohl ein Zeichen dafür ist, wie gut es der Autorin gelungen ist, mich in die Geschichte hineinzuziehen.

Dies ist Jessie Burtons erster Roman. Ich bin sicher, dass ich ihren nächsten lesen werde, sollte sie sich entscheiden, weiterzuschreiben. Ich hoffe es und wünsche ihr viel Glück.

Wir haben das Buch im März 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"'Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen...'

1686 zieht die achtzehnjährige Nella nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Ehemann Johannes Brandt, einem schwerreichen Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, zusammenleben wird. Damit wird ihr größter Traum wahr, doch von Anfang an verläuft die Ehe anders, als Nella gehofft hat: Am Tag, als sie in ihrem zukünftigen Zuhause ankommt, ist Johannes nicht da, um sie u´zu begrüßen. Stattdessen wird sie von seiner Schwester Marin, einer kühlen, frommen Dame, dem vorlauten Dienstmädchen Cornelia und dem afrikanischen Diener Otto in Empfang genommen. Als ihr Ehemann spätabends eintrifft, empfindet Nella ihn als einschüchternd und sehr distanziert. Ihr einziger Trost ist das Hochzeitsgeschenk, das sie von Johannes erhält: ein Puppenhaus, das eine originalgetreue Kopie ihres neuen Zuhauses ist. Da Marin, Cornelia und sogar die Hunde auf das Häuschen verstört reagieren, wird es in Nellas Schlafzimmer aufgestellt. Nachdem sie bei einem Kunsthandwerker Einrichtungsgegenstände für das Puppenhaus in Auftrag gegeben hat, werden jedoch nicht nur die bestellten Figuren geliefert, sondern auch mysteriöse Miniaturen ihrer neuen Familienmitglieder. Bald wird Nella klar, dass nicht nur die abweisende Marin etwas verbirgt, sondern auch ihr eigener Ehemann ein dunkles Geheimnis zu haben scheint..."

Samstag, 2. Mai 2026

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern"

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern" (Englisch: The Weird Sisters) - 2011

"Die Shakespeare-Schwestern" (Original-Titel "Die seltsamen Schwestern") – ein weiteres Buch, das ich wahrscheinlich nie aufgeschlagen hätte, wenn es nicht der Online-Lesekreis meiner Freundin gewesen wäre. Aber genau wie "The Wednesday Sisters" (Die Mittwochsschwestern) entpuppte es sich als eine wirklich interessante Lektüre. Zunächst einmal: Die "seltsamen Schwestern" heißen gar nicht Seltsam. Ihr Nachname ist Andreas, und ihr Vater ist Professor für englische Literatur. Der Titel stammt von den drei Hexen aus "Macbeth" (Macbeth). Die Mädchen sind nach verschiedenen Figuren aus anderen Shakespeare-Stücken benannt: Rosalind aus "Wie es euch gefällt" (As you like it), Bianca aus "Der Widerspenstigen Zähmung" (The Taming of the Shrew) und Cordelia aus "König Lear" (King Lear). Ich habe keines dieser Stücke gelesen (ich bin keine große Theaterleserin), kenne aber den Inhalt von  einigen.

Die Mädchen sind so unterschiedlich wie die Figuren in den Stücken selbst. Jede hat ihre eigene Art, Dinge anzugehen, ihre eigenen Träume und ihre eigenen Probleme. Nach vielen Jahren der Trennung treffen sie wieder aufeinander, um ihrer an Krebs erkrankten Mutter beizustehen.

Die Geschichte wird auf ungewöhnliche Weise erzählt, in der Wir-Perspektive, Plural. Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch so gelesen. Die Mädchen erzählen die Geschichte gemeinsam, alle gleichzeitig. Dadurch erhält man zu jedem Thema drei verschiedene Sichtweisen, egal ob es um die Mädchen selbst, andere Personen oder Situationen geht. Das ist ein interessanter Ansatz.

Was mir an dem Buch am besten gefallen hat – und was wahrscheinlich jeder Leser am meisten liebt – ist, dass es ein Roman über Leser und das Lesen ist. Die ganze Familie liest ständig, egal was passiert, sie haben immer ein Buch dabei. An einer Stelle fragt eine Freundin Bianca, wie sie es bloß schafft, so viele Bücher zu lesen. Bianca überlegt, was sie antworten soll – dass sie immer ein Buch dabei hat, dass sie keine Zeit mit anderen Dingen verschwendet –, aber alles, was sie sagt, ist: "Ich weiß es nicht." Wahrscheinlich ist es so am einfachsten. Nur wer das schon kennt, wird es wirklich verstehen.

Jedenfalls hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, hat aber viel Tiefgang.

Buchbeschreibung:

"Rosalind, Bianca und Cordelia: Die drei eigenwilligen Schwestern – von ihrem exzentrischen Vater liebevoll nach Shakespeare-Figuren benannt – verbindet die Liebe zum Lesen. Darüber hinaus könnten sie jedoch unterschiedlicher nicht sein. Eines Sommers kehren die drei nach Hause zurück, in die kleine Universitätsstadt im Mittleren Westen. Die anfängliche Freude über das Wiedersehen währt nur kurz, denn die temperamentvollen jungen Frauen und ihre gut gehüteten Geheimnisse stellen die familiäre Harmonie auf eine harte Probe … 'Die Shakespeare-Schwestern' ist eine ebenso mitreißende wie tiefgründige, spritzige wie humorvolle Geschichte über das Los und den Segen lebenslanger Schwesternbande, die – so sehr man sich bemüht, sie zu lösen – doch allen Stürmen des Lebens standhalten."

Freitag, 1. Mai 2026

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" und "Sarah singt wie eine Lerche"

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" (Englisch: Sarah, Plain & Tall Series)

"Ein Meer für Sarah (Sarah, Plain & Tall) - 1986
"Sarah singt wie eine Lerche" (Skylark) - 1997
"Caleb's Story" - 2001
"More Perfect Than The Moon" - 2004
Leider wurden nur die beiden ersten Bücher ins Deutsche übersetzt.

Patricia MacLachlan hat eine schöne Geschichte über eine Familie im späten 19. Jahrhundert geschrieben. Sie müssen sich mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die das Leben in der amerikanischen Prärie zu jener Zeit mit sich bringt. Nachdem Annas Mutter bei ihrer Geburt stirbt, wachsen sie und ihr Bruder Caleb bei ihrem Vater in Kansas auf. Dieser schreibt an eine Heiratsvermittlung, und Sarah aus Maine antwortet. Sie kommt – zunächst auf Probe – zu ihnen.

Mir haben alle vier Bücher gefallen, und ich finde, sie sind schöne Lektüre. Sie sind zwar für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren gedacht, aber ich denke, sie eignen sich besonders für kleine Mädchen.

Die Geschichte wurde auch mit Glenn Close und Christopher Walken in den Hauptrollen verfilmt – eine wirklich gute Besetzung.

Buchbeschreibungen:

"Nachdem sie auf eine Heiratsanzeige geantwortet hat, zieht Sarah nach Kansas, um dort mit dem jungen Wittwer und dessen Kinder probeweise zu leben. Es fällt ihr nicht leicht, das Meer an der Ostküste zu verlassen, aber trotzdem möchte sie versuchen, den Kindern Anna und Caleb ein neues Zuhause zu geben. Nach zähem Ringen gewinnt sie langsam das Vertrauen der Kinder. Auch Jakob, der sich nach dem Tod seiner Frau stark zurückgezogen hat, öffnet sich langsam der neuen Beziehung zu Sarah."
(Ein Meer für Sarah)

"Aus Liebe zu ihrem Mann und seinen Kindern hat Sarah ihre geliebte Heimat verlassen. Aber als die große Dürre kommt, wird der Zusammenhalt der Familie auf eine harte Probe gestellt. Aber er erweist sich als stärker als die schlimmste Dürre."
(Sarah singt wie eine Lerche)

Dienstag, 7. April 2026

Green, John "Das Schicksal ist ein mieser Verräter"

Green, John "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (Englisch: The Fault in Our Stars) - 2012

Normalerweise stehe ich nicht auf rührselige Chick-Lit-Geschichten. Und obwohl dieses Buch von einem Mann geschrieben wurde, hatte es einen sehr Chick-Lit-artigen Touch – die Farbe des Titelbildes, die Beschreibung. Und wie wir wissen, das Cover lügt nie.

Auch in diesem Fall nicht. Ich habe jedoch so viele Zitate von John Green gelesen, dass ich ihn sehr bewundere, deshalb wollte ich seinem Buch eine Chance geben. Und ich bin froh, dass ich es getan habe. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist eine schöne Geschichte über ein Mädchen, das an Krebs erkrankt. Natürlich erwarten wir alle, dass sie am Ende stirbt, aber wie in vielen dieser Geschichten gibt es am Ende eine Wendung, und wir wissen nicht wirklich, was auf lange Sicht mit ihr passiert.

In diesem Buch geht es nicht in erster Linie um Krebs. Oder um Liebe. Oder um Teenager. Es ist eine gute Mischung aus all dem. Man muss jedoch bedenken, dass dies eine Geschichte für junge Erwachsene ist und nicht in erster Linie für Erwachsene geschrieben wurde. Wenn man das beachtet, wird man den Roman genießen.

Buchbeschreibung:

"'Krebsbücher sind doof', sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod."

Donnerstag, 19. März 2026

Mathis, Ayana "Zwölf Leben"

Mathis, Ayana "Zwölf Leben" (Englisch: The Twelve Tribes of Hattie) - 2013

Ein weiteres Buch, das ich mir geholt habe und das auch eine Oprah-Wahl war.

Mir gefiel der Schreibstil, sehr interessante Geschichten, das Leben der Kinder wird fesselnd beschrieben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, mehr über die verschiedenen Charaktere zu erfahren. Das ganze Buch ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten, und von den meisten Charakteren hört man nach dem Kapitelende nie wieder etwas.

Keine der Figuren war besonders sympathisch. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie alle ein hartes Leben hatten, in eines hineingeboren wurden, in dem sie keine Chance hatten, es zu verbessern, und das wussten sie auch. Ich weiß nicht, wie wir reagieren würden, wenn uns ein solches Leben beschert würde. Aber selbst wenn sie nicht besonders sympathisch wären, sind ihre Geschichten herzzerreißend, und ich denke, sie wären vielleicht nettere, bessere Menschen geworden, wenn man ihnen eine Chance gegeben hätte.

Alles in allem nicht mein Lieblingsbuch, aber eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung: 

"Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die 'Wiege der Freiheit', den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.

Doch diese Saga um eine außergewöhnliche Frau und ihre zwölf Kinder, die als Geschichte der Great Migration beginnt und sich zum Tableau mit zwölf Einzelporträts über das ganze zwanzigste Jahrhundert weitet, ist trotz Scheitern und Enttäuschung ein vitales Epos – voller Lebenskraft und verhaltener Zärtlichkeit, voller Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen Bitterkeit."

Samstag, 7. März 2026

See, Lisa "Der Seidenfächer"

See, Lisa "Der Seidenfächer" (Englisch: Snow Flower and the Secret Fan) - 2005

Lily und ihre Freundin Schneerose wurden beide am "fünften Tag des sechsten Monats im dritten Jahr der Herrschaft des Daoguang-Kaisers" geboren, was dem 5. Juni 1824 in unserem Kalender entspricht. Aufgrund dessen und einiger anderer Gemeinsamkeiten sind sie dazu bestimmt, "Laotong" zu sein – wir würden heute wohl sagen: beste Freundinnen für immer (BFF). Doch genau wie ihre Ehemänner wählen sie ihre Partner nicht selbst, sondern die Sterne bestimmen es.

Ich habe bereits ein anderes Buch von Lisa See gelesen, "Eine himmlische Liebe" (Peony in Love), in dem sie hauptsächlich über die chinesische Kultur im Umgang mit dem Tod und die Ahnenverehrung schreibt. Dieses Buch hier handelt mehr vom Leben der Menschen, insbesondere der Frauen, und wie Frauen im China des 19. Jahrhunderts lebten. Sie waren nicht nur weitgehend auf die Frauengemächer (und die Küche) des Hauses beschränkt, sondern mussten auch das Füßebinden ertragen. Dieser schreckliche Brauch wird in diesem Buch sehr gut beschrieben, und obwohl ich viele Bücher über China (Original-Bücher hier) gelesen habe (meine ersten waren von Pearl S. Buck - Originalbücher -, als ich noch ein Teenager war), kann ich mich nicht erinnern, dass er jemals so anschaulich geschildert wurde. Es ist auch interessant zu sehen, wie wichtig kleine Füße waren: Je kleiner, desto begehrter war ein junges Mädchen für eine Heirat und desto höher war ihr späterer Lebensstandard.

Heute können wir uns kaum vorstellen, wie Eltern ihren Kindern so etwas antun konnten. Und wie Frauen im Allgemeinen behandelt wurden. Wie konnte eine Mutter ihrer Tochter so etwas antun? Nun, zunächst einmal wird ihnen ihr Leben lang eingetrichtert, dass Frauen nichts wert sind und dass sie ihre Töchter für eine andere Familie erziehen. Aber sie wollen, dass ihre Töchter ein angenehmes oder zumindest halbwegs anständiges Leben führen. Und die Kultur schrieb vor, dass Frauen kleine Füße haben mussten. Je kleiner die Füße, desto besser die Heirat. Ich bezweifle, dass ich das heute noch gekonnt hätte, aber aus unserer Sicht ist es leicht, so zu urteilen. Wir können uns entscheiden, nicht zu heiraten oder unseren Ehemann selbst zu wählen, ohne große Probleme. Aber damals war es überlebenswichtig.

Wir lasen aber auch über Nü Shu, eine geheime Lautschrift, die von Frauen verwendet wurde und mich von Anfang an faszinierte. Und über den Brauch, dass eine Frau erst nach der Geburt ihres ersten Kindes mit ihrem Mann (und seiner Familie) zusammenlebte. Bis dahin lebte sie bei ihren Eltern und kehrte nur an bestimmten Tagen im Jahr zu ihnen zurück, wenn alle anderen dasselbe taten.

Im Buch blickt Lily aus der Perspektive einer 80-jährigen Frau auf ihr Leben zurück. Sie erzählt uns von ihrem Leben in ihrer Heimatfamilie, ihrer Ehe, ihrer Freundschaft und der Trennung von Schneerose, ihren Erlebnissen während des Taiping-Aufstands (Wikipedia) und ihren Rollen als Tochter, Ehefrau, Mutter und Freundin. Sie lässt nichts aus.

Ich fand es auch interessant, wie wichtig Horoskope waren. Lily und Schneerose waren im Zeichen des Pferdes geboren, was bedeutete, dass sie freiheitsliebend und unabhängig, aber auch fleißig waren.

Die Sprache des Buches ist wunderschön und lädt zum Weiterlesen ein.

Ein sehr interessanter Roman für alle, die sich für Geschichte, China oder das Leben von Frauen im Allgemeinen interessieren.

Buchbeschreibung:

"Fremd, exotisch, geheimnisvoll - Eine große Frauenfreundschaft im China des 19. Jahrhunderts

Lilie und Schneerose wachsen in einer Welt auf, in der Mädchen als Last gelten und in der mit dem BInden der Füße auch das Herz gefesselt werden soll. Mit siebzehn Jahren werden beide verheiratet. Nur dank einer über 1000 Jahre alten Geheimschrift, Nushu, zu der nur Frauen Zugang haben, gelingt es den beiden Freundinnen, in Kontakt zu bleiben. Doch die Sehnsucht nach Liebe, Glück und Freiheit kann ihnen niemand nehmen.."

Donnerstag, 5. März 2026

Palacio, Raquel J. "Wunder"

Palacio, Raquel J. "Wunder" (Englisch: Wonder) - 2012

Die Geschichte eines einzigartigen Kindes mit einer seltenen genetischen Störung, die es für andere Kinder wie ein Monster aussehen lässt. Wir lernen jedoch vor allem, sein Inneres zu sehen. Und das ist das Schöne an diesem Buch: Falls wir es noch nicht wussten: Beurteile niemanden nach seinem Aussehen. Jeder hat die gleichen Gefühle, die gleichen Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Probleme. Nur: Wenn wir nur das Äußere eines Menschen betrachten, lernen wir sein wahres Ich nie kennen.

August ist in der fünften Klasse und geht zum ersten Mal in seinem Leben zur Schule. Seine Mutter unterrichtet ihn bisher zu Hause. "Schon gut, ich weiß, ich sehe komisch aus. Schaut mal, ich beiße nicht."

Das ist also die Realität, mit der er jeden Tag konfrontiert wird: Alle Kinder starren ihn an, niemand will neben ihm sitzen oder ihn auch nur berühren.

Er hat großartige Lehrer. Mr. Brown, der Englischlehrer, gibt ihnen für jeden Monat eine Regel. Die erste: "Wenn du die Wahl hast, Recht zu haben oder nett zu sein, entscheide dich für nett." Die ganze Geschichte dreht sich wirklich um den Kampf gegen Mobbing. Kein Kind sollte gemobbt werden, vor allem nicht, wenn es sowieso schon so viel leidet. Und doch sind es meist die Hilflosen, die unsere Unterstützung brauchen, die gemobbt werden.

Was mir an dem Buch auch besonders gut gefallen hat, ist, dass jeder zu Wort kommt – seine Schwester, seine Freunde, seine "Feinde". Wir sehen August von allen Seiten und lernen ihn so gut kennen, wie man nur jemanden kennenlernen kann.

Diese Geschichte macht traurig und glücklich zugleich. Traurig zu sehen, wie sehr August kämpfen muss, wie viel härter sein Leben ist als das jedes anderen Fünftklässlers. Zum Beispiel braucht er Hörgeräte, die nicht so angepasst werden können, wie sie normalerweise passen, weil seine Ohren ganz anders sind und nichts halten können.

Und eine wichtige Lektion, wie Augusts Mutter es ausdrückt: "Es wird immer Idioten auf der Welt geben, Auggie."

Ich denke, dieses Buch sollte jeder Fünftklässler lesen (und alle anderen, die es bis dahin nicht geschafft haben). Es vermittelt ihnen genug Wissen für die wichtige Zeit in der Schule, in der sie Freunde fürs Leben finden und ihre ersten Schritte in die Welt machen.

Die Autorin hat eine Website, auf der sie erklärt, wie sie auf die Idee zu diesem Buch kam. Hier geht’s zur Webseite.

Buchbeschreibung:

"August ist anders. Dennoch wünscht er sich, wie alle Jungen in seinem Alter, kein Außenseiter zu sein. Weil er seit seiner Geburt so oft am Gesicht operiert werden musste, ist er noch nie auf eine richtige Schule gegangen. Aber jetzt soll er in die fünfte Klasse kommen. Er weiß, dass die meisten Kinder nicht absichtlich gemein zu ihm sind. Am liebsten würde er gar nicht auffallen. Doch nicht aufzufallen ist nicht leicht, wenn man so viel Mut und Kraft besitzt, so witzig, klug und großzügig ist - wie August."

Samstag, 28. Februar 2026

McCullough, Colleen "Die Ladies von Missalonghi"

McCullough, Colleen "Die Ladies von Missalonghi" (Englisch: The Ladies of Missalonghi) - 1987

Ich habe bereits in meiner Rezension zu "Fly Away Peter" (leider keine deutsche Übersetzung) von David Malouf erwähnt, dass eine meiner Blogger-Freundinnen, Brona aus Australien, vor einiger Zeit eine Liste australischer Novellen veröffentlicht hat. Ich fragte sie, welche sie empfehlen würde, und sie sagte "Ladies of Missalonghi" von Colleen McCullough.

Da wären wir also. Wie die meisten Mädchen meiner Generation habe ich "The Thorn Birds" (Die Dornenvögel) gelesen, daher war mir der Name der Autorin nicht unbekannt.

Der Schauplatz ist die Kleinstadt Byron in den Blue Mountains in Australien, und die Geschichte spielt kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Wie viele Kleinstädte wird sie von wenigen Menschen dominiert, in diesem Fall hauptsächlich von den Männern einer großen Familie. Die Frauen sind die Verlierer, vor allem die unverheirateten.

Da ich in einem kleinen Dorf geboren wurde, in dem meine Eltern nicht aufgewachsen sind, und dort keine Familie hatten, weiß ich genau, wovon Colleen McCullough spricht. Sie hat das Leben in einer solchen Umgebung sehr treffend nacherzählt.

Alles in allem war es eine gute Lektüre, manchmal etwas leicht, aber darum geht es bei dieser Art von Buch. Ich würde es jedem empfehlen, egal, was ihr bevorzugt.

Spoiler:

Offenbar wurde die Autorin des Plagiats beschuldigt, da der Roman Ähnlichkeiten mit "Das Schloss in den Wolken" (The Blue Castle) von L.M. Montgomery aufweist. Das habe ich nicht gelesen. Sollte ich?

Hier ist Bronas Rezension.

Buchbeschreibung (übersetzt aus dem Englischen):

"Die Familie Hurlingford beherrscht seit Generationen das kleine Städtchen Byron in den Blue Mountains. Reich, mächtig und grausam – sie bekommen immer, was sie wollen.

Missy Wrights Mutter, eine geborene Hurlingford, wird von ihrer Familie verstoßen, seit sie aus Liebe und nicht aus Geldgier geheiratet hat. Nun verwitwet, leben die Frauen zurückgezogen in bescheidener, vornehmer Armut. Schlicht, dünn und unverzeihlich alleinstehend, scheint Missys Leben zu einem tristen Dasein verdammt.

Doch dann kommt eine Fremde in die Stadt. Eine Geschiedene aus Sydney. Und sie öffnet Missy die Augen für die Möglichkeit eines Happy Ends.

Dies ist eine herzerwärmende Geschichte voller Witz, Herzlichkeit und Romantik von der Bestsellerautorin von 'Die Dornenvögel'."

Donnerstag, 26. Februar 2026

Chevalier, Tracy "Das Geheimnis der Glasmacherin"

Chevalier, Tracy "Das Geheimnis der Glasmacherin. Venedig gestern, heute und für alle Zeiten" (Englisch: The Glassmaker) - 2024

Ich habe schon einige Romane von Tracy Chevalier gelesen, und sie waren alle sehr interessant. Sie handelten stets von unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Gegenden und zu verschiedenen Zeiten.

Aber dieses Buch war etwas Besonderes. Nach den Beschreibungen dachte ich zunächst, es ähnele den Geschichten von Edward Rutherfurd, der uns durch die Jahrhunderte führt, indem er uns verschiedene Personen aus verschiedenen Familien vorstellt. Nun, dieses Buch war etwas anders. Die Geschichte beginnt 1494. Orsola Rossa, die Protagonistin, lebt mit ihrer Familie, die Glasmacher sind, in Murano. 500 Jahre später ist sie in ihren Sechzigern und hat eine Pestepidemie, mehrere Kriege und viele Veränderungen im Leben der Menschen, insbesondere der Frauen, miterlebt.

Obwohl ich anfangs etwas skeptisch gegenüber dieser Erzählweise war, habe ich die Menschen in Murano und Venedig sehr ins Herz geschlossen. Nicht alle, aber die meisten. Und die Geschichte der Familie und wie sie all die Umbrüche überstanden hat, war ebenfalls fantastisch.

Man merkt, dass Tracy Chevalier viel Zeit und Mühe in die Recherche investiert hat. Ich fand es besonders spannend, all die Details der Glasherstellung kennenzulernen. Großartig!

Ich werde Venedig wohl nie besuchen, aber das ist ein guter Ersatz.

Buchbeschreibung:

"Venedig, 1468. Auf Murano, Wiege der Glaskunst, fließt die Zeit sanft wie das Wasser in den Kanälen. Doch der tragische Tod des Glasvirtuosen Lorenzo Rosso bringt die Welt zum Stillstand. In ihrer Verzweiflung nimmt Tochter Orsola das Schicksal der Familie in die Hand. Mutig kämpft sie gegen alle Konventionen und erlernt im Verborgenen das Handwerk des Vaters. Ihr gläsernes Geheimnis, zart wie die Perlen, die sie formt, trägt sie durch die Zeiten und das Leben der jungen Frau verschmilzt mit den Geheimnissen der Stadt. Orsolas Geschichte ist die Geschichte einer Frau, für die der Glaube an die Liebe und das Vertrauen auf sich selbst alles überdauern, und zugleich eine Liebeserklärung an eine der romantischsten Städte der Welt."