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Samstag, 15. August 2026

Jones, Edward P. "Die bekannte Welt"

Jones, Edward P. "Die bekannte Welt" (Englisch: The Known World) - 2004

Die Geschichte über einen schwarzen Farmer und Sklavenhalter zur Zeit des Bürgerkriegs.

Eines der wenigen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Bücher, die mir nicht sonderlich gut gefallen haben. Nicht etwa, weil ich das Thema an sich ablehnen würde – ganz im Gegenteil: Ich bin der Überzeugung, dass wir so viel wie möglich darüber wissen müssen. Ich habe bereits viele Bücher über Sklaven, Sklavenhalter und Ähnliches gelesen, und die meisten davon waren äußerst interessant. Doch dieses Buch ist kein Roman; es ist aber auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinne – es besteht vielmehr aus willkürlich zusammengewürfelten Sachbuch-Fragmenten (die zudem kaum Neues bieten), die lediglich so arrangiert wurden, dass sie den Anschein eines Romans erwecken.

Es liest sich eher wie ein Geschichtsbuch, in dem man sich eine Vielzahl von Jahreszahlen einprägen muss, die in keinem erkennbaren Zusammenhang zueinander stehen.

Ich würde es definitiv niemandem empfehlen, der auf der Suche nach einer "leichten Lektüre" ist.

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum dieses Buch mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Vielleicht war es einfach wieder einmal "an der Zeit" für einen schwarzen Autor, und so fiel die Wahl eben auf dieses Werk. Wer jedoch ein wirklich gutes und einzigartiges Buch über die Sklaverei sucht, sollte den Pulitzer-Preisträger von 2017 lesen: Colson Whitehead. "Underground Railroad"(Underground Railroad)  ist zweifellos das bessere Buch. Um einiges besser sogar.

Buchbeschreibung:

"Henry Townsend gehört zu den Schwarzen, die es geschafft haben. Als junger Mann von seinem Vater freigekauft, ist er mit dreißig Jahren Besitzer einer eigenen Plantage mit dazugehörigen Sklaven. Ein Paradox, das nicht denkbar wäre ohne die tätige Unterstützung seines einstigen weißen Herrn, dem mächtigsten Mann in Manchester County, und dessen Preis, wie sich zeigt, er mit dem Leben bezahlen wird.

Henry arrangiert sich schnell damit, nunmehr auf der Seite derjenigen zu stehen, für die sich der Wert eines Schwarzen lediglich in seiner Arbeitskraft bemißt, er genießt den Zuwachs an Ansehen, das ihm jeder weitere Sklave beschert. Doch als Schwarzer das Leben eines Weißen zu führen, kommt einem Fluch gleich, so scheint es. Am siebten Tag einer scheinbar harmlosen Krankheit stirbt er. Sein plötzlicher Tod stellt seine Witwe vor ungeheure Probleme, die in jenes Chaos münden, das den Anfang vom Ende der Sklaverei markiert."

Edward P. Jones erhielt den Pulitzerpreis für "The Known World" in 2004.

Montag, 15. Juni 2026

Jeffers, Honorée Fanonne " Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois"

Jeffers, Honorée Fanonne " Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois" (Englisch: The Love Songs of W.E.B. Du Bois) - 2021

Das ist so ein wunderschönes Buch. Lasst euch von den über 800 Seiten nicht abschrecken, es lohnt sich absolut. Barack Obama hat es auf seiner Leseliste. Es ist ein Oprah-Buch und wurde auch von verschiedenen anderen Leselisten empfohlen und ausgezeichnet. Eine klare Empfehlung in jeder Hinsicht.

W.E.B. Du Bois, der Mann im Titel, war ein US-amerikanischer Soziologe, Schriftsteller, Historiker und panafrikanischer Bürgerrechtler (1868–1963) und der erste Afroamerikaner, der an der Harvard University promovierte. In diesem Buch wird er häufig erwähnt. Ich habe sein Buch "Die Seelen der Schwarzen" (The Souls of Black Folk) gelesen, eine sehr umfassende Studie über die schwarze Kultur in den Vereinigten Staaten. Dieser Roman trägt zu diesem Thema bei.

Die Geschichte dreht sich um Ailey Pearl Garfield, ein schwarzes Mädchen, geboren 1973, und ihre Vorfahren, deren Ursprünge bis in die 1740er Jahre zurückreichen. Sie hat sowohl schwarze als auch indigene Vorfahren, und deren Geschichte wird ausführlich beleuchtet. Sie muss sich mit den Problemen auseinandersetzen, mit denen viele Frauen, insbesondere schwarze Frauen, zu kämpfen haben. Sie ist eine starke Frau, doch ihr werden viele Hindernisse in den Weg gelegt. Und wir erfahren, wie ihre Vorfahren, vor allem die Frauen, diese Herausforderungen gemeistert haben.

Meine einzige Kritik betrifft nicht die Geschichte oder das Buch selbst. Am Anfang gibt es zwar einen Stammbaum, aber dieser ist mitunter recht verwirrend. Ein Diagramm oder eine Nummerierung der Verwandtschaftsverhältnisse wären hilfreich gewesen. So wie es präsentiert wird, muss man viel suchen, um mehr zu erfahren. Falls ihr es noch lesen wollt: Ein Diagramm steht auf Wikipedia.

Abgesehen davon war das Buch einfach fantastisch, episch.

Buchbeschreibung:

"Jeden Sommer reist Ailey Pearl Garfield nach Chicasetta, einem Provinzort in Georgia, wo die Familie ihrer Mutter seit über 200 Jahren lebt. Dank ihres Onkels Root kommt sie nach Routledge, einem historisch Schwarzen College, setzt sich mit dem großen Denker W.E.B. Du Bois auseinander, sucht ihren Platz in der Welt. Dazu muss Ailey die Geschichte ihrer Familie verstehen, vom Sklavenhandel in Westafrika bis zu den Rassenunruhen ihrer Zeit. Denn als Nachfahrin von Schwarzen, Indigenen und Weißen trägt sie das Erbe von Unterdrückung und Widerstand, Gefangenschaft und Selbstermächtigung in sich."

Samstag, 16. Mai 2026

Whitehead, Colson "Underground Railroad"

Whitehead, Colson "Underground Railroad" (Englisch: The Underground Railroad) - 2016

Ich habe schon einige Bücher über die Underground Railroad, das Leben von Sklaven und ihren Besitzern gelesen, aber keines hat das Leben einer Flüchtling so eindrücklich geschildert wie dieses.

Mir haben alle Pulitzerpreisträger der letzten Jahre gefallen, und dieses Buch bildet da keine Ausnahme. Eine großartige Geschichte – Cora, eine Sklavin, versucht, ihrem gewalttätigen "Herrn" zu entkommen. Die Beschreibungen aller Beteiligten sind brillant: der Sklaven, ihrer Helfer, der einfachen Menschen, die es einfach nicht richtig finden, andere Menschen zu besitzen – und ihrer Feinde: der Sklavenhalter, der Sklavenfänger und all jener, die sich aufgrund ihrer helleren Hautfarbe für etwas Besseres halten. Was kann einen denn schon dazu bringen, zu glauben, die Hautfarbe sage etwas über einen aus, außer dass man  viel leichter einen Sonnenbrand bekommt je heller die Haut ist?

Aber zurück zum Buch. Die Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt, wir lernen sogar die Gegenspieler recht gut kennen, was sie uns aber nicht unbedingt sympathischer macht. Keine der Erzählungen ist in der Ich-Perspektive verfasst. So identifizieren wir uns mit keiner der Figuren, wie es vielleicht der Fall gewesen wäre, wenn die Geschichte so geschrieben worden wäre. Trotzdem konnte ich mich viel besser mit Cora und den anderen Sklaven und Opfern identifizieren als mit der Gegenseite. Ich stehe immer auf der Seite der Schwächeren.

Vor der Lektüre dieses Buches hatte ich die Underground Railroad nie wirklich als unterirdische Eisenbahn betrachtet, buchstäblich unter der Erde. Aber es bildet einen schönen Hintergrund für die Geschichte.

Auf jeden Fall ein brillantes Buch. Ich würde gerne mehr von diesem großartigen Autor lesen.

Buchbeschreibung:

"Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben und Kopfgeldjägern, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?

Underground Railroad ist ein Manifest über die Menschlichkeit und zugleich eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, in Amerika schwarz zu sein.

Ausgezeichnet mit dem National Book Award und Pulitzer Prize und ein Jahr ununterbrochen auf der New York Times-Bestsellerliste."

Colson Whitehead erhielt den Pulitzer Preis for "Underground Railroad" in 2017.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Butler, Octavia E. "Verbunden"

Butler, Octavia E. "Verbunden" oder "Vom gleichen Blut" (Englisch: Kindred) - 1979

Ich bin kein Fan von pseudowissenschaftlichem Hokuspokus. Ich glaube nicht an Zeitreisen, egal wie Autoren sie gerne erklären und in ihre Geschichten einweben.

Mir gefiel jedoch der Teil, in dem Dana, die Hauptfigur, in die Zeit vor dem Bürgerkrieg zurückreist. Die Beschreibung dieser Zeit fand ich gelungen. Hätte sich Octavia E. Butler auf diese Zeit beschränkt, wäre es ein brillantes Buch geworden. Sie versteht es zu schreiben, sie versteht es, eine Geschichte zu erzählen – darauf hätte sie sich konzentrieren sollen.

Buchbeschreibung:

"USA, 1976. Die junge Schwarze Schriftstellerin Dana zieht mit ihrem weißen Ehemann Kevin in eine neue Wohnung. Doch schon beim Einzug wird sie urplötzlich und gegen ihren Willen ins Jahr 1815 versetzt – auf eine Plantage in den US-amerikanischen Südstaaten. Dort rettet sie Rufus, dem Sohn des Sklavenhalters, das Leben. Rufus hat die Fähigkeit, sie durch Raum und Zeit herbeizurufen, wenn er in Gefahr ist. Dana muss das Trauma ihrer Vorfahren durchleben – und um ihre Freiheit in Vergangenheit und Gegenwart kämpfen."

Dienstag, 6. Januar 2026

Stowe, Harriet Beecher "Onkel Toms Hütte"

Stowe, Harriet Beecher "Onkel Toms Hütte" (Englisch: Uncle Tom’s Cabin) - 1852

Dies ist eine der tragischsten Geschichten, die ich je gelesen habe, und ich glaube, ich habe schon so einige Tragödien gelesen. Ich habe Bücher über Kriege, Konzentrationslager und Sklaverei gelesen, um nur einige zu nennen. Wie bei anderen klassischen Geschichten hatte ich vom Inhalt gehört, ich wusste, was mit Onkel Tom geschehen würde, ich wusste, was mit Sklaven geschah, wie sie verkauft und gefoltert wurden, wie man ihre Ehepartner und Kinder von ihren Familien weg verkaufte. Aber es ist jedes Mal aufs Neue tragisch, besonders wenn man den beteiligten Personen Namen gibt, wenn sie so beschrieben werden, dass sie auf dem Papier lebendig werden.

Harriet Beecher Stowe ist genau das gelungen: Sie erweckt all die armen Menschen zum Leben, die keinerlei Rechte hatten und keine Hoffnung, dass sich ihr Leben jemals verbessern würde, dass sie und ihre Lieben einem Schicksal entgehen würden, das schlimmer wäre als der Tod.

Da ist Onkel Tom, ein treuer Diener eines guten "Herrn", der ihn niemals verkaufen würde. Oder doch? Mehrere andere Figuren im Roman erfahren, dass mit Geld alles möglich ist, egal ob der Besitzer seinen "Besitz" verkaufen will oder nicht. Dann ist da seine Familie, die sich von ihrem Mann und Vater verabschieden muss, wohl wissend, dass sie ihn nie wiedersehen werden. Und dann sind da noch all die anderen armen Seelen, die alle ein Kreuz zu tragen haben; eine Geschichte scheint unerträglicher als die andere. Erstaunlich, wie sie trotzdem weitermachen und sogar Mitgefühl zeigen können. Aber sie tun es.

Ich habe gelesen, dass "Onkel Toms Hütte" wegen der damals herrschenden rassistischen Vorurteile, die die Autorin mehrfach wiederholt, nicht mehr in der Schule gelesen wird. Ich glaube nicht, dass das ein Grund ist, es nicht mehr zu lesen, im Gegenteil. Das wäre dasselbe, als würde man nichts mehr über Konzentrationslager und die Nazis lesen. Nein, ich denke, solange wir diese Geschichten lesen und uns der damaligen Vorurteile bewusst sind, können wir die noch bestehenden bekämpfen. Je mehr wir darüber erfahren, desto lächerlicher erscheinen sie und desto eher werden sie beseitigt.

Ich habe es total genossen, diese Geschichte zu lesen, obwohl mir diese Art, eine Geschichte mit diesem Inhalt zu beschreiben, nie gefallen hat.

Buchbeschreibung:

"Dieser zeitlose historische Romanklassiker mit christlicher Botschaft verdient es, immer wieder gelesen zu werden. Die bewegende Geschichte über das Schicksal der Sklaven in Nordamerika: Als Onkel Tom von seinem gütigen Herrn verkauft werden muss, beginnt für ihn eine Odyssee, die seinen Glauben auf eine harte Probe stellt. Wird er jemals die langersehnte Freiheit erlangen?"

Donnerstag, 13. November 2025

Bristow, Gwen "Die Louisiana-Triologie"

 
Bristow, Gwen "Die Louisiana-Trilogie" (Englisch: Plantation Triology)
"Tiefer Süden" (Englisch: Deep Summer) - 1937
"Die noble Straße" (Englisch: The Handsome Road) - 1938
"Am Ufer des Ruhms" (Englisch: This Side of Glory) - 1940

Eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten über den tiefen Süden. Diese Trilogie begleitet uns von den ersten Siedlern im 18. Jahrhundert bis in die frühen Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie folgen den Spuren der Protagonisten und sehen, wie ihre Nachkommen den Wandel der Zeit miterleben – eine großartige epische Geschichte.

So viele verschiedene Charaktere, Anführer und Gefolgsleute, Schwarze und Weiße und all die anderen Farben, die diesen Kontinent prägen, "Herren" und Sklaven, 812 Seiten, die die Entstehung dieser Staaten beschreiben. Die Serie wird immer erfolgreicher, ein Buch scheint besser zu sein als das letzte, wenn das überhaupt möglich ist.

Ich glaube, der Grund, warum dieses Buch nie so beliebt war, liegt darin, dass es etwa zeitgleich mit "Vom Winde verweht" (Gone with the Wind) erschien und zwar denselben Handlungsraum, aber einen viel größeren Zeitraum abdeckt. Wenn man nach etwas sucht, das über "Vom Winde verweht" hinausgeht, dann geht dieses Buch weit darüber hinaus. Es war eines meiner Lieblingsbücher als Teenager und ich habe es auch als Erwachsene noch geliebt. Tolle Geschichte!

Buchbeschreibungen:

Tiefer Süden

"Der erste Teil der Louisiana-Trilogie beginnt mit dem Schicksal von Judith Sheramy und Philip Larne im Jahre 1772. Judiths Vater wurde für seine Verdienste im Kolonialkrieg ein Stück Land im 'tiefen Süden', in Louisiana, zugeteilt und die Sheramys wollen hier ein neues Leben beginnen. Auf der Überfahrt trifft Judith auf Philip Larne, einen jungen Abenteurer aus Süd- Carolina und verliebt sich in ihn.

Gegen den Willen ihrer Eltern heiratet Judith den jungen Mann und folgt ihm als seine Frau auf eine Indigopflanzung. Für beide beginnt nun der Kampf gegen die Natur, das unerbittliche Tropenklima und die Armut.

In unmittelbarer Nachbarschaft hingegen bauen sich Judiths Eltern und ihr Bruder Caleb ihr Gut Silberwald auf und bringen es zu Wohlstand und Ruhm.

Fortan kreuzen sich die Wege der beiden Familien stetig und die gesellschaftliche Kluft wird immer größer ..."

Die noble Straße

"Die Gegensätze zwischen ihr und Ann Sheramy könnten nicht größer sein und Corrie verbittert zusehends angesichts des Reichtums der Larnes.

Aber im ganzen Land vertieft sich die Kluft zwischen arm und reich, schwarz und weiß: Der Sezessionskrieg bricht aus ..."

Am Ufer des Ruhms

"Der dritte Teil der Louisianna-Trilogie beginnt kurz vor dem ersten Weltkrieg. Fred Upjohn hat es mittlerweile zu einem erfolgreichen Deichbauunternehmer geschafft und seine Tochter Eleanor ist zu einer pflichtbewussten, sparsamen Frau herangewachsen.

Kester Larne, Erbe der Ardeith-Plantage ist hingegen das genaue Gegenteil von Eleonor und doch erobert er ihr Herz im Sturm.

Nach der Hochzeit erfolgt jedoch der Schreck: Kester ist hoffnungslos verschuldet und Eleanor setzt alles daran, die einst so glorreiche Plantage zu retten, während Kester sich dem leichten Leben hingibt.

Als dann auch noch der erste Weltkrieg ausbricht wird Eleanor klar, dass sie eine Entscheidung treffen muss - für oder gegen ihr Leben mit Kester ..."

Goodreads:

Dienstag, 11. November 2025

Jacobs, Harriet Ann "Sklavenmädchen"

Jacobs, Harriet Ann (Linda Brent) "Sklavenmädchen. Die Geschichte meiner Befreiung" (Englisch: Incidents in the Life of a Slave Girl) - 1861

Ich habe nie verstanden, wie sich jemand damit wohlfühlen kann, einen anderen Menschen zu "besitzen". Man sollte meinen, wir wüssten es inzwischen besser, aber so etwas passiert immer noch in dieser Welt, und wir haben uns kaum verändert. Selbst wenn jemand keine Sklaven hält, ist die Art und Weise, wie wir andere behandeln, oft nicht viel weiter davon entfernt.

In dieser Geschichte, geschrieben von einer echten Sklavin aus dem 19. Jahrhundert, erfahren wir alle Nachteile des Sklavenseins. Die Mädchen, die von ihren Herren vergewaltigt werden, die Jungen (und Mädchen), die gefoltert werden, die Kinder, die ihren Eltern weggenommen und getrennt verkauft werden, um ihre Familien nie wiederzusehen. Schrecklich, furchtbar, unglaublich. Harriet Jacobs (die dieses Buch zuerst unter dem Namen Linda Brent veröffentlichte) hat all das durchlebt, entweder selbst oder ihre Familie. Wie wir sehen, kann das selbst mit einer "guten" Herrin (was auch immer das bedeutet, sie besaß eine Sklavin und kümmerte sich nicht einmal darum, dass sie nach ihrem Tod freigelassen wurde, ich weiß nicht, was daran gut sein soll) von einem Tag auf den anderen vorbei sein.

Da der Norden den Sklaven nicht wirklich half und sie sogar zu ihren "rechtmäßigen" Besitzern zurückschickte, wenn sie sie erwischten, wurde dieses Buch vor allem geschrieben, um ihnen die Augen zu öffnen. Hat es geholfen? Ich bezweifle es. Vielleicht haben einige daraus gelernt, aber viele, viel zu viele … haben bis heute nichts gelernt.

Ein brillantes Buch, geschrieben mit so viel Verständnis und Kraft. Es sollte von jedem schon in jungen Jahren gelesen werden, damit wir hoffentlich auch heute noch daraus lernen.

Buchbeschreibung:

"Autobiographie einer Sklavin, der die gefahrvolle Flucht von ihrem Master gelang und die sich dann für die Befreiung der Sklaven einsetzte.

Dieses Buch beleuchtet einen weithin ignorierten Aspekt der Sklaverei in den USA: die systematische sexuelle Ausbeutung junger Mädchen, die ab der Pubertät - oder früher - zum Zielobjekt ihrer Besitzer wurden. Die Beiläufigkeit, mit der Harriet Jacobs in ihrem Buch davon berichtet, spricht dafür, wie enorm verbreitet es war, dass Master mit Sklavinnen Kinder zeugten. Da die Kinder rechtlich dem Stand der Mutter folgten, waren diese Nachkommen ebenfalls Sklaven, die der Vater und Besitzer jederzeit völlig legal verkaufen konnte. Oder er behielt sich eine Tochter, und konnte diese - Jahre später - ebenfalls wieder zu seiner Geliebten machen. Ein gesetzlich legitimierter Kreislauf des Horrors. In dieser Zeit, an diesem Ort sind das keine Verbrechen, keine Skandale, nicht einmal etwas Schockierendes. Nein, es ist die blanke Normalität, die Banalität des Bösen..
"

Meine anderen Rezensionen zum Thema Antirassismus sind hier.

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Smucker, Barbara "Folge dem Nordstern"

Smucker, Barbara "Folge dem Nordstern" (Englisch: Underground to Canada) - 1977

Barbara Smucker ist eine bekannte kanadische Autorin. Warum ist ihr Buch gerade für europäische Kinder interessant? Der Roman erzählt die Geschichte zweier Sklavinnen, die von einer Plantage nahe Vicksburg, Mississippi, fliehen und sich mit der Underground Railroad nach Kanada schleichen. Die Beschreibung ist für Kinder jeden Alters sehr verständlich, insbesondere für Geschichtsinteressierte.

Buchbeschreibung:

"Barbara Smucker erzählt die erschütternde Geschichte von Julilly, einem jungen Mädchen, das von einem gnadenlosen Sklavenhändler von ihrer Mutter getrennt wird. Fest entschlossen, in die Freiheit zu gelangen, erträgt Julilly die Qualen des Lebens auf einer brutalen Plantage, während ihr Herz nach einem Land sehnt, in dem Freiheit existiert. Zusammen mit ihrer Freundin Liza ergreift sie die Chance zur Flucht, als sie von Agenten der Underground Railroad angesprochen werden. Auf ihrem gefährlichen Weg in die Freiheit droht ständig Gefahr durch die unerbittliche Verfolgung von Sklavenjägern und ihren Hunden, was die Mädchen zwingt, um ihr Leben und ihre Träume zu kämpfen."

Freitag, 19. September 2025

Rhys, Jean "Die weite Sargassosee"

Rhys, Jean "Die weite Sargassosee oder Sargassomeer" (Englisch: Wide Sargasso Sea) - 1966

Genau wie "Becoming Jane Eyre" von Sheila Kohler, das leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde, habe ich dies gelesen, als unser Lesekreis beschloss, "Jane Eyre" (Jane Eyre) von Charlotte Brontë zu lesen, nachdem ich es einige Monate zuvor noch einmal gelesen hatte.

"Die weite Sargassosee" (Wide Sargasso Sea) gilt als Prequel zu "Jane Eyre". Was geschah mit Mr. Rochester in seiner ersten Ehe in der Karibik, wie kam es zu dieser Ehe und wie endete sie so schrecklich?

Jean Rhys wurde in Dominica geboren und weiß daher einiges über das Leben in Westindien. Ich habe es sehr genossen, etwas über das damalige Leben der Menschen dort zu erfahren. Auch wenn man weiß, wohin das alles führt (wenn man "Jane Eyre" gelesen hat), ist es dennoch eine sehr spannende Geschichte über Liebe und verlorene Liebe und das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen – sehr empfehlenswert.

Buchbeschreibung:

"Jamaika, Anfang des 19. Jahrhunderts: In einem alten Herrenhaus wächst Antoinette Cosway in einer Zwischenwelt heran. Auf der einen Seite die schwarzen Dienstboten, ihre Lieder und Rituale, auf der anderen Seite die weißen Plantagenbesitzer. Es ist eine Zeit des Umbruchs, die Sklaverei wurde gerade abgeschafft, die schwarze Bevölkerung begehrt erstmals gegen die ehemaligen Herren auf. Antoinette heiratet einen jungen Engländer, den Mr Rochester aus Charlotte Brontës Klassiker JANE EYRE, doch die Beziehung wird durch Gerüchte über den Wahnsinn in ihrer Familie, durch seine hohen Ansprüche und ihre innere Zerrissenheit überschattet. Schließlich zwingt ihr Mann sie, die Insel zu verlassen und mit ihm nach England zu gehen. Dort lebt Antoinette als Gefangene in seinem großen Herrenhaus und verliert zunehmend den Verstand. Sie wird zu der verrückten Frau auf dem Dachboden. Jean Rhys' DIE WEITE SARGASSOSEE ist eine außergewöhnliche Studie über Leidenschaft und Eifersucht und ein Meisterwerk der modernen Literatur."  

Mittwoch, 20. August 2025

Denuzière, Maurice "Louisiana"

 
Denuzière, Maurice "Louisiana. Trilogie" (Französisch: Louisiane. Trilogie) - Louisiana. Trilogy - 1977

Ich habe das vor Ewigkeiten gelesen. Aber ich weiß noch, dass ich es geliebt habe. Die Beschreibung des Lebens in Louisiana zur Zeit der Flussdampfer und Plantagen war fabelhaft. Ich erinnere mich noch an viele Details und Charaktere.

Buchbeschreibung: 

"1830-1864. Ein altes Gerücht erzählt, die Tregans seien unter einem bösen Stern geboren. Im Jahr 1830 reist die junge Waise Virginie Tregan, die letzte ihrer Familie, von Paris in das aufblühende New Orleans. Bei ihrem Patenonkel, dem Marquis von Damvillier, findet sie ein neues Heim auf der Plantage Bagatelle. Dort sind bald alle verzaubert von ihrem liebenswerten Temperament..und ihrer aparten Schönheit. Einzig der junge Aufseher Clarence Dandrige, dessen leidenschaftslose Skepsis ein Geheimnis zu verbergen scheint, hat Bedenken. Zu sorglos beschwört Virginie Duelle und Eifersuchtsdramen herauf-ein lebenshungriges Raubtier scheint in ihr zu schlummern. Der Marquis ist dem verführerischen Mädchen bald leidenschaftlich verfallen. Doch was führt Virginie im Schilde? An den Nachkommen der Damvilliers scheint sich der Fluch der Tregans zu vollenden enuzieres Südstaaten-Symphonie beschwört eindrucksvoll den Charme Louisianas mit seinen strahlenden Festen, seinen eleganten Damen und stolzen Kavalieren. Weit in die Bürgerkriegs-Epoche hinein erstreckt sich eine atemberaubende Geschichte schicksalhaft miteinander verknüpfter Menschen.

Ein großer Familien- und Liebesroman, der im Herzen von Louisiana spielt. Die Geschichte der jungen Virginie, die auf der Baumwollfarm Bagatelle ein neues Leben beginnt, erzählt von Liebe, Härte und den Herausforderungen des Lebens im 19. Jahrhundert."

#2 - In der großen Stadt New Orleans (Französisch: Fausse-Rivière) - 1979:

Dieses Buch war genauso toll wie das erste. Ein wunderbarer zweiter Teil einer großartigen Geschichte.

Buchbeschreibung:

"1865-1892 in Louisiana. Die Geschichte eines Gutes, der riesigen Baumwollplantage Bagatelle am Ufer des Mississippi und ihrer Besitzerin, der eigenwilligen, attraktiven Virginie, die sich nach den Sezessionskriegen, durch die Ereignisse reifer geworden, zahlreichen Herausforderungen stellt: Sie rettet das bedrohte Gut vor den freigelassenen Sklaven; kühn stellt sie die Ordnung wieder her. Aber es ist nicht mehr die gleiche Ordnung, in New Orleans is das Unterste zuoberst gekehrt …

Ein fesselnder Gesellschaftsroman.
"

#3 Am grossen Fluss Mississippi (Bagatelle) - 1981:

Die dritte Geschichte dieser Louisiana-Trilogie beendet die großartige Geschichte über das Leben der ursprünglich französischen Familien, die sich in den Bayous von Louisiana niederließen.

Buchbeschreibung:

"Her name was Caroline. Her beauty was exceptional, her passions and ambitions unquenchable. Her resolve: to become mistress of the great southern plantation named Bagatelle, located not far from old New Orleans. His name was Clarence Dandridge. He was a bachelor, slender, handsome, a man of probity, the catch of Louisiana. He was also a man with a terrible secret that prevented him from loving and marrying any woman, a man who desired but could not possess the most desirable woman of the antebellum South, Caroline. So begins this international best seller written in the grand tradition of the great romantic southern novels. It is a story filled with danger and death, war and pestilence, a story of an unforgettable heroine, Caroline, and hero, Clarence, and their successful struggle to overcome personal and historical adversity."

Inzwischen sind drei weitere französische Bücher erschienen, die jedoch nicht übersetzt wurden:
Les trois chênes - 1985
L'adieu au sud. - 1987
Les années Louisiane. - 1987

Montag, 28. Juli 2025

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht"

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" (Englisch: Out of Darkness, Shining Light) - 2019

Natürlich kennen wir alle David Livingstones Suche nach der Quelle des Nils. Es ist auch allgemein bekannt, dass sein Herz in Afrika und sein Körper in Europa begraben wurde. Dies ist die Geschichte, erzählt von zwei Sklaven, wie der Körper von der Mitte Afrikas ans Meer gelangte, um nach Großbritannien überführt zu werden.

Zwei verschiedene Personen erzählen die Geschichte: eine Frau, die als Köchin arbeitet. Ihre Geschichte ist sehr afrikanisch, sie verwendet viel zu viele Wörter, die der durchschnittliche Europäer nicht versteht. Zugegeben, es gibt einen kleinen Anhang mit Erklärungen, aber die muss man viel zu oft verwenden, und das verdirbt den Spaß an jeder Geschichte. Dann gibt es da noch einen Mann, der Priester werden will. Er predigt bereits. Ständig. Fast jeder zweite Satz beginnt oder endet mit "der Liebe Gott" oder etwas Ähnlichem. Er wirkt wie ein religiöser Fanatiker. Bibellesen ist weltlicher.

Habt ihr es schon erraten? Mir hat das Buch nicht gefallen.

Es gab nur einen einzigen Satz, der mich zum Schmunzeln brachte. Als jemand den anderen Sklaven von dem Treffen zwischen Henry Morton Stanley und David Livingstone erzählte, übersetzte er den ersten Satz (Dr. Livingstone, nehme ich an?) wie folgt: "Es kann nur sein, dass du Bwana Daudi bist."

Wir haben dies im Juli 2025 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Kommentare der Mitglieder:

  • Der Anfang des Buches wirkte zäh, und die Geschichte hat mich erst richtig in ihren Bann gezogen, als der Mordplan aufgedeckt wurde. Es war jedoch eine sehr interessante Lektüre, was Geschichte und Kultur angeht. Die Diskussion führte zu Gesprächen und Überlegungen über afrikanische Geschichte, Sklaverei, imperialistische Einflüsse, Totenriten … Die Charaktere in der Geschichte waren zudem sehr eigenständig. Ich fühle mich durch die Lektüre etwas klüger in Bezug auf afrikanische Geschichte.

  • Viele im Lesekreis waren sich einig, dass die Sprache, insbesondere der religiöse Ton und die afrikanischen Dialekte, den Anfang schwer verständlich machten. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Handlung jedoch spannender, insbesondere durch den Fokus auf die afrikanischen Sklaven, die Livingstones Leichnam trugen. Ihre Reise ist zentral für das Buch, und der Kontrast zwischen ihrem Leben und Livingstones europäischem Erbe eröffnet wichtige Diskussionen über Kolonialismus und die Auslöschung afrikanischer Stimmen in der Geschichte. Einige empfanden die religiösen Elemente als repetitiv, doch sie wurden als wesentlich für das Verständnis der damaligen Mentalität angesehen. Trotz des langsamen Anfangs und des anspruchsvollen Stils fanden viele die Auseinandersetzung mit historischen und kulturellen Themen des Romans zum Nachdenken anregend.
  • Insgesamt war es ein wirklich gutes Diskussionsbuch. Da wir bereits einige Bücher über afrikanische Geschichte und von afrikanischen Autoren gelesen haben, ist es immer interessant, die Bücher, die wir gelesen haben, zu betrachten und zu sehen, wie die neuen Bücher dazu passen. In diesem Sinne schien dies ein gutes Buch für die Liste zu sein.

Buchbeschreibung:

"Ein großer Roman über ein unbekanntes Stück afrikanischer Kolonialgeschichte, fiktionalisiert zu einer spannenden Abenteuerreise - erzählt von einer der aufregendsten Stimmen unserer Gegenwart.

Seit ihrer Jugend ist Petina Gappah von der Geschichte um David Livingstone besessen – dem berühmten schottischen Missionar und Afrikaforscher, der sich des großen geografischen Rätsels seiner Zeit verschrieben hatte, der Entdeckung der Nilquellen. Aus Faszination wurde ein Roman: Als Livingstone 1873 auf der Suche stirbt, will seine treue Gefolgschaft seinen Leichnam in seine Heimat zurückbringen. So machen sich 69 Gefährten auf den wagemutigen Weg, ihn quer durch Afrika zu tragen, angeführt von einer jungen Frau – Halima, Livingstones scharfzüngiger Köchin.

Es ist eine abenteuerliche und lebensbedrohliche Reise über 1.000 Meilen, auf der ihnen Hunger, Krankheit und Tod begegnen – und immer wieder die Frage: Wie weit sind wir bereit für unsere Freiheit zu gehen?"

Samstag, 28. Juni 2025

Pamuk, Orhan "Die weiße Festung"

Pamuk, Orhan "Die weiße Festung" (Türkisch: Beyaz Kale) - The White Castle - 1985 

Orhan Pamuk gehört zu meinen Lieblingsautoren. Ich habe die meisten seiner Bücher gelesen.

Dieser Roman ist ebenso faszinierend wie "Rot ist mein Name" (My Name is Red), der erste Roman, den ich von Pamuk gelesen habe und bei dem ich mich in seinen Schreibstil verliebt habe.

Der Autor entführt uns zurück in das Venedig und Istanbul/Konstantinopel des 17. Jahrhunderts. Seine Geschichte handelt von zwei Männern, die so unterschiedlich und sich doch so ähnlich sind wie nur eben möglich und aus zwei verschiedenen Teilen der Welt stammen. Wir erfahren etwas über die Unterschiede zwischen Orient und Okzident damals, aber auch über ihre gemeinsamen Ziele, über die Ziele der Menschen im Laufe der Zeit.

Die Geschichte handelt von einem Venezianer, der gefangen genommen und in die Türkei verschleppt wird, wo er zum Sklaven eines Mannes wird, der sein eineiiger Zwilling sein könnte.

Wir erfahren viel über die unterschiedlichen Charaktere der beiden Männer sowie über die unterschiedlichen Charaktere der Menschen, die in den beiden Ländern ihr Leben führen. Die Charaktere verändern nicht nur Wissen, sondern auch Erinnerungen und Ideen. Gemeinsam kämpfen sie für die Zukunft.

Dieser Roman ein Muss für alle, die sich für die Türkei und ihren osmanischen Hintergrund interessieren. Wer gerne unterhaltsame Geschichten liest, für den ist dies eine der besten, die ihr seit langem lesen werdet. Dieser Roman wurde lange vor "Rot ist mein Name" (My Name is Red) geschrieben, und es gibt Ähnlichkeiten zwischen beiden. Wer diesen gelesen hat, sollte auch den anderen lesen.

Was mir an Pamuks Werken am besten gefällt, ist, dass er uns nicht nur von seinem Teil der Welt erzählt, sondern uns auch zum Nachdenken über uns selbst und unsere Ziele und unseren Lebenssinn anregt. Vielleicht ist es genau das, was mich an der Literatur dieses Meisters am meisten fasziniert.

Buchbeschreibung:

"Ein junger Venezianer gerät bei einem Seegefecht in die Hände der Türken und wird in Istanbul als Sklave an einen Gelehrten verkauft. Doch der islamische Hodscha und der westliche Wissenschaftler ähneln sich auf verblüffende Weise. Um die Gunst des Sultans zu gewinnen, konstruieren sie gemeinsam die absonderlichsten Modelle - einen Zahnradmechanismus für eine Gebetsuhr, ein Himmelsmodell mit Glöckchen - und belagern die geheimnisvolle Weiße Festung. Ein raffiniertes Vexierspiel von Herr und Knecht, Ost und West."

Orhan Pamuk "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2006.

Orhan Pamuk hat 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden. 

Samstag, 31. Mai 2025

Allende, Isabel "Die Insel unter dem Meer"


Allende, Isabel "Die Insel unter dem Meer" (Spanisch: La isla bajo el mar) - Island Beneath the Sea - 2010

Ein weiterer wunderschöner Allende-Roman. Ich liebe alles von ihr, ihre Trilogie "Das Geisterhaus" (The House of the Spirits), "Fortunas Tochter" (Daughter of Fortune) und "Porträt in Sepia" (Portrait in Sepia) ist fantastisch. Wenn euch diese Romane gefallen haben, werdet ihr auch diesen lieben.

Das Setting erinnerte mich an "Das Sargassomeer" (Wide Sargasso Sea), sogar ein Teil der Handlung (zumindest am Anfang), aber nicht zu sehr, um es seltsam zu machen. Eine großartige Beschreibung des Lebens auf einer Plantage, zuerst in der Karibik, später in Louisiana, das Leben der Sklaven und der Freien, viel Geschichte, ein unglaublich gehaltvoller Bericht über das Leben der Menschen. Wie jedes Buch über die Sklaverei hat mich auch dieses manchmal sehr wütend gemacht. Ich mag die Wörter "Mulatte", "Quadroon" usw. nicht. Klingt sehr nach Nazi, wie "Halbjude". Es ist eigentlich egal, wo auf der Skala zwischen "Neger" und "Jude" diese Menschen stehen, sie sind sowieso verdammt.

Ich mochte die Hauptfigur Zarité alias Tété sehr, aber es gab auch viele andere liebenswerte Charaktere in dem Buch. Und einige weniger liebenswerte. Isabel Allende schafft es immer, sie so lebendig zu beschreiben.

Normalerweise habe ich ein kleines Problem mit dem magisch-realistischen Aspekt solcher Geschichten, obwohl ich magisch-realistische Romane sehr mag. Dieses Mal hatte ich jedoch keine Bedenken und konnte den Voodooismus und Tétés Glauben an Erzulie, die Mutter Loa, und ihr Z'étoile sehr gut akzeptieren. Es passte einfach rundum, eine stimmige Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Die Mulattin Zarité, genannt Tété, ist erst neun Jahre alt, als der junge Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain sie als Dienstmagd für seine lebensuntüchtige Frau kauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung als die der willfährigen Sklavin. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kind entreißt und ihr Geliebter sie verläßt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschließen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, und Tété muß eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn und ihrer Tochter aus der brennenden Stadt Le Cap nach Kuba und weiter nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird."

Freitag, 23. Mai 2025

Mitchell, Margaret "Vom Winde verweht"

Mitchell, Margaret "Vom Winde verweht" (Englisch: Gone With the Wind) - 1936

Ich habe dieses Buch vor Ewigkeiten gelesen – ungefähr zur selben Zeit, als ich es zum ersten Mal im Kino sah. Ich liebe diese Geschichte, das Buch und den Film, beide sind großartig. Ich habe diesen Film mindestens ein Dutzend Mal im Kino gesehen (vor der Video-Zeit). Es war auch der erste Film, den ich je auf Englisch gesehen habe. 

Ich habe das Buch dann wieder gelesen und muss sagen, es hat mir genauso gut gefallen wie als Teenager, auch wenn sich meine Ansichten zu einigen Teilen geändert haben. Das mag daran liegen, dass in meiner Jugend in kleineren Dörfern noch bestimmte Werte aus dem tiefen Süden vorherrschten. Ich habe diese Art des Lebens hinter mir gelassen, bin mir aber fast sicher, dass sich auch sie geändert haben.

Ich habe es genossen, über das "Leben" im Krieg zu lesen, die Vorfreude, wie ihn sich jeder aus irgendeinem Grund wünscht, wie sie sich in die Kämpfe stürzten und besiegt und hoffnungslos zurückkehrten. Das macht Krieg mit jedem Volk. Rhett Butler sagt: "Wenn die Menschen, die Kriege begannen, sie nicht heilig machten, wer wäre dann töricht genug zu kämpfen? Doch egal, welche Parolen die Redner den kämpfenden Idioten auftischen, egal, welche edlen Ziele sie Kriegen zuschreiben, es gibt immer nur einen Grund für einen Krieg. Und das ist Geld. Alle Kriege sind in Wirklichkeit Geldstreitigkeiten. Aber so wenige Menschen erkennen das."

Ich bewundere Rhett heute mehr als vor Jahren. Wie er Scarlett und ihre Launen ertragen hat. Aber ich verstehe Scarlett auch besser und kann die Anziehungskraft zwischen den beiden erkennen.

Ein weiterer sehr wichtiger Teil des Buches ist die Liebe zum Land. Als Scarlett aus Atlanta nach Hause zurückkehrt, fragt sie sich: "… Steht Tara noch? Oder ist Tara auch vom Winde verweht, der durch Georgia fegte?" Es überrascht mich nicht, dass dieser Satz als Titel des Buches verwendet wurde.
Und dann die Entschlossenheit, der Wille, den Scarlett dort zeigte, wo die meisten Menschen das Ende fürchten.

"So wahr mir Gott helfe, so wahr mir Gott helfe, die Yankees werden mich nicht besiegen. Ich werde das durchstehen, und wenn es vorbei ist, werde ich nie wieder Hunger leiden. Nein, auch keiner meiner Leute. Wenn ich stehlen oder töten muss – so wahr mir Gott helfe, werde ich nie wieder Hunger leiden.

Das ist noch eindringlicher als der immer (fälschlicherweise) zitierte letzte Satz des Films: "Meine Liebe, das ist mir scheißegal." Das korrekte Ende sowohl des Films als auch des Buches lautet natürlich: "Morgen ist auch noch ein Tag." Scarlett lebt nach dieser Philosophie, aber sie ist nicht immer zu ihrem Vorteil.

Ich habe den Nachfolger "Scarlett" von Alexandra Ripley nicht gelesen und weigere mich auch, ihn zu lesen. Ich finde, die Geschichte hätte von Margaret Mitchell geschrieben werden sollen oder gar nicht (schließlich hat sie die Figuren erfunden). Ich lese nicht gerne Fortsetzungen, die nicht vom Originalautor geschrieben wurden. Ich könnte mir jedoch überlegen, "Rhett" (Rhett Butler's People) von Donald McCaig zu lesen, weil ich nichts dagegen hätte, zu lesen, was Rhett Butlers Familie durchmacht, während "Vom Winde verweht" spielt.

Margaret Mitchell erhielt den Pulitzerpreis for "Gone With the Wind" 1937.

Buchbeschreibung:

"Vom Wind verweht ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, eine abenteuerliche Liebesgeschichte, vor allem aber das große Epos des amerikanischen Bürgerkriegs, ein Pendant zu Krieg und Frieden

Die Südstaatlerin Scarlett O'Hara ist jung und vom Leben verwöhnt. Als Tochter eines Plantagenbesitzers lebt sie im Luxus auf dem Familiengut Tara, und es mangelt ihr nicht an Verehrern. Doch der Ausbruch des Bürgerkriegs verändert mit einem Schlag alles. Plötzlich muss Scarlett mit aller Kraft um die Erhaltung ihres Familienbesitzes kämpfen. Ein Mann taucht immer wieder in ihrem Leben auf und steht ihr in den Wirren der Nachkriegszeit bei: der skrupellose Kriegsgewinnler Rhett Butler. Zwischen ihm und Scarlett entwickelt sich eine große Liebe, doch beide sind auch viel zu stolz und eigensinnig, um diese Liebe zu leben...

Margaret Mitchells Klassiker wurde sofort nach Erscheinen im Jahre 1936 zum Bestseller und hat seitdem Millionen Leser auf der ganzen Welt begeistert. Die legendäre Verfilmung drei Jahre später machte Vivien Leigh als Scarlett und Clark Gable als Rhett zum berühmtesten Liebespaar der Filmgeschichte."

Montag, 21. April 2025

Brooks, Geraldine "Auf freiem Feld"

Brooks, Geraldine "Auf freiem Feld" (Englisch: March. A Love Story in a Time of War) - 2006

Wer hat "Eine glückliche Zeit/Betty und ihre Schwestern" (Little Women) noch nicht gelesen und würde gerne mehr über die Familie March erfahren? Hier ist eure Chance!

Ich bin kein großer Fan von Fortsetzungen, die von anderen als der Autorin selbst geschrieben wurden, vor allem nicht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später. Geraldine Brooks bildet jedoch eine Ausnahme; sie schreibt ihre Romane eher wie Biografien. So auch in diesem Fall. Der Protagonist ihrer Geschichte ist John March, der Vater von Meg, Jo, Beth und Amy, Marmees geliebtem Ehemann. Vieles von seinem Werk wird in "Little Women" im Hintergrund erzählt; hier sehen wir ihn selbst, seine Ideale, seine politische Einstellung. Er war ein Abolitionist und ein Verfechter der Frauenrechte, ein Träumer von einer besseren Welt. So wie Louisa May Alcott die Geschichte ihrer Familie erzählt hat, ist dies die Geschichte ihres Vaters, Amos Bronson Alcott. Er war ein bemerkenswerter Mann, seiner Zeit weit voraus, und seine Geschichte ist lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Eine kraftvolle Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.

Als Mr. March, liebender Gatte und Familienvater, im Krieg lebensgefährlich verwundet wird, scheint das Band zwischen ihm und seiner Frau zerrissen. Er verliebt sich in eine andere und stürzt damit nicht nur sich selbst ins Unglück, sondern auch noch seine Familie und die Geliebte. Ein Roman über die Leidenschaft zwischen einem Mann und einer Frau, über die Liebe zwischen Eltern und Kindern und die lebensgestaltende Kraft des Glaubens."

Geraldine Brooks erhielt 2006 den Pulitzerpreis für "March" (Auf freiem Feld).

Freitag, 18. April 2025

Smiley, Jane "Lidie Newton. Oder die wahre Geschichte eines abenteuerlichen Frauenlebens"

Smiley, Jane "Lidie Newton. Oder ein abenteuerliches Frauenleben" (Englisch: The All-true Travels and Adventures of Lidie Newton) - 1998 

Nachdem ich "Tausend Morgen" (A Thousand Acres) gelesen hatte, musste ich einfach einen weiteren ihrer Romane lesen. Dieser hier handelt von einem völlig anderen Thema und war genauso gut wie ihr preisgekrönter Roman. Ich mochte die Hauptfigur, alles, was sie durchmacht, wird so explizit und mit so viel Gefühl erzählt. Wer amerikanische Geschichte mag, wird fasziniert sein. Wer bisher kein Interesse hatte, bei dem könnte dieses Buch das Interesse wecken. Probiert es aus!

Buchbeschreibung:

"Lidie wächst in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts in Illinois heran. Von Kindheit an sperrt sie sich gegen die traditionelle Frauenrolle und lernt statt der typisch weiblichen Fertigkeiten Reiten und Schiessen, wie die Jungen ihres Alters, beschäftigt sich mit Büchern und entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Schwimmerin.

Als 20jährige nutzt sie die Gelegenheit, der als erstickend empfundenen Familienatmosphäre bei ihren älteren Schwestern zu entfliehen, und heiratet einen durchreisenden Neuengländer, Thomas Newton, der als künftiger Siedler unterwegs nach Kansas ist. Sie geht mit ihm in die neugegründete Stadt Lawrence, um dort ein Stückchen Land urbar zu machen und sich eine kleine Farm aufzubauen.

Beide sind Gegner der besonders in den Südstaaten propagierten Sklavenhaltung; Thomas ist sogar aktiv am Kampf beteiligt und versorgt die Anti-Sklaverei-Partei insgeheim mit Waffen. Als sich die Feindseligkeiten zwischen den Parteiungen zuspitzen, gerät Thomas in einen Hinterhalt marodierender Südstaatenfreischärler und wird erschossen.

Lidie macht sich in Männerkleidern auf, die Mörder zu finden und ihren Mann zu rächen. Dieser Weg ist mühselig, abenteuerlich und gefährlich, und er führt zu einem anderen Ziel, als sie gedacht hatte. Unter anderem auch zu der Erkenntnis, dass eine solche Rache, die weiteres Töten nach sich zieht, doch nur wieder eine Lösung der Männerwelt wäre, wie sie Lidie auf ihrem 'Feldzug' in Männerkleidern kennengelernt hat, und dass der Kampf um Menschlichkeit subtilere Mittel verlangt.

Jane Smiley hat einen grossen Frauenroman geschrieben. Sie datiert ihn in der amerikanischen Geschichte zurück bis in eine Zeit erbittertster ideologischer Auseinandersetzungen, um die Frage nach der historischen Wahrheit neu zu beantworten."

Samstag, 5. April 2025

Du Bois, W. E. B. "Die Seelen der Schwarzen"

Du Bois, W. E. B. "Die Seelen der Schwarzen" (Englisch: The Souls of Black Folk) - 1903

"Das Problem des 20. Jahrhunderts ist das Problem der Rassentrennung."

Dieses Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen, die es für ihr Studium gelesen hat. Eine sehr gründliche und interessante Studie der schwarzen Kultur in den Vereinigten Staaten, der Errungenschaften und Probleme der afroamerikanischen Gesellschaft. Sehr empfehlenswert, selbst sich jemand auch nur ansatzweise für diese Art von Thema interessiert.

Buchbeschreibung:

"Die Seelen der Schwarzen ist das erste Manifest der Bürgerrechtsbewegung, eine kritische Bestandsaufnahme der Situation der Schwarzen in den USA nach dem Bürgerkrieg, der die Sklaverei abschaffte und durch eine neue Form der ökonomischen Abhängigkeit und ein System der Apartheid ersetzte. Du Bois schildert in 15 Kapiteln seine persönlichen Erfahrungen im Süden der USA, formuliert politische Ziele und entwickelt nebenbei eine moderne empirische Soziologie, von der Max Weber über alle Maßen begeistert war. Nach 100 Jahren ist dieses Buch von ungebrochener Aktualität, sowohl was die Form, eine moderne Mischung aus theoretischen und erzählerischen Texten, angeht, als auch in Hinsicht auf seine zentrale Fragestellung: Wo verlaufen die Demarkationslinien der Kulturen? 'Das Problem des 20. Jahrhunderts ist das Problem der Hautfarbe.' W.E.B. Du Bois"

Samstag, 15. März 2025

Kidd, Sue Monk "Die Erfindung der Flügel"

Kidd, Sue Monk "Die Erfindung der Flügel" (Englisch: The Invention of Wings) - 2014

Bisher habe ich nur "Die Bienenhüterin" (The Secret Life of Bees) von Sue Monk Kidd gelesen. Das war eine Lesekreis-Lektüre und ich habe es sehr genossen.

Allerdings hat mir dieses Buch noch besser gefallen. Die Geschichte basiert auf dem wahren Leben zweier Schwestern, die Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur für die Abschaffung der Sklaverei, sondern auch für die Gleichberechtigung der Frauen kämpften. Ich hatte noch nie von ihnen gehört, war aber sehr beeindruckt von ihrer Arbeit.

Sarah und Nina/Angelina Grimké wuchsen im Haus von Sklavenbesitzern auf, wuchsen mit Sklaven auf und verabscheuten die Art und Weise, wie die Sklaven behandelt wurden. Sie landen beide im Norden und ihre Geschichte ist sehr eindringlich. Darüber hinaus hat die Autorin die Geschichte von Charlotte und Hetty "Handful", einer Sklavin und ihrer Tochter, hinzugefügt und so alle Geschichten von der anderen Seite her eingeflochten. Tolle Kombination. Abwechselnd erzählen Sarah und Handful über ihr Leben. Es unterscheidet sich sehr von dem Leben, das wir heute führen, obwohl wir wissen, dass es immer noch viele Frauen gibt, die nicht die Freiheit und Bildung haben, die wir haben.

Sarah bringt beispielsweise Handful das Lesen bei. Das ist auch im wirklichen Leben passiert. Sie werden beide schwer bestraft.

Leute, die immer noch glauben, dass die Farbe unserer Haut der Hauptfaktor ist, der uns definiert, sollten das unbedingt lesen.

Es überrascht mich nicht, dass Oprah das für ihren Book Club ausgewählt hat. Es repräsentiert alles, wofür sie steht.

Einfach ein brillanter Roman.

Buchbeschreibung:

" Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty 'Handful', die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …"

Samstag, 11. Januar 2025

Walker, Alice "Im Tempel meines Herzens"

Walker, Alice "Im Tempel meines Herzens" (Englisch: The Temple of My Familiar) - 1989

Wie alles, was Alice Walker geschrieben hat, ist dieser Roman absolut brillant. Eine Mischung aus magischem Realismus, historischer Fiktion, Frauenbefreiung, eben Alice Walker, schätze ich. ;-)

Eine Geschichte über ein paar Menschen, deren Leben miteinander verwoben sind. Mehrere Charaktere aus "Die Farbe Lila" (The Color Purple) tauchen auf, man könnte sagen, es ist eine Art Fortsetzung davon. Oder – man könnte sagen, es ist eine Geschichte über Hunderte von Menschen im Laufe der Jahrhunderte. Alle möglichen Menschen tauchen auf, jede Hautfarbe, jeder Staat, Sklaven, Sklavenhalter, Reiche und Arme.

Ich liebe die Autorin, ich liebe ihren Ehrgeiz, ihre Entschlossenheit, ihre Ansichten, ihren Stil. Dies ist einfach ein weiteres brillantes Werk von ihr.

Ich mochte auch ihren Kommentar "Wir müssen eine Weltsprache haben … bevor wir Weltfrieden haben können." Ich spreche seit fast 50 Jahren Esperanto und weiß, dass sie Recht hat. Nur haben wir diese Sprache bereits.

Offensichtlich ist "Sie hüten das Geheimnis des Glücks" (Possessing the Secret of Joy) auch ein Roman mit Charakteren aus "Die Farbe Lila". Auf jeden Fall auf meiner Wunschliste.

Buchbeschreibung:

"Alice Walker, Autorin des Bestsellers 'Die Farbe Lila', legt einen neuen Roman vor. Im Mittelpunkt stehen zwei Paare, die befreundet sind, obwohl sie unterschiedlich denken und fühlen. Sie leiden an ihrer Herkunft, denn in ihren Adern fließt afrikanisches und indianisches Blut. Die jahrhundertelange Unterdrückung ihrer Völker durch die Weißen hat sie unfrei gemacht. Erst durch die Freundschaft mit der alten weisen Lissie finden sie Zugang zum Erbe ihrer Völker und damit zu sich selbst. ."

Donnerstag, 12. Dezember 2024

Chevalier, Tracy "Die englische Freundin"

Chevalier, Tracy "Die englische Freundin" (Englisch: The Last Runaway) - 2013

Ich mag Tracy Chevalier seit meinem ersten Roman von ihr, "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (Girl with a Pearl Earring). Seitdem habe ich mehr von ihren Büchern gelesen, aber anscheinend immer noch nicht genug.

Ihre Geschichte über ein englisches Quäkermädchen, das Mitte des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten auswandert, ist absolut fantastisch. Ich denke, vor dem heutigen Hintergrund können wir alle die Gefühle und Gedanken von Honor Bright nachvollziehen und mit ihren Taten mitfühlen. Sie war ziemlich mutig, ihr Heimatland zu verlassen, um ihre Schwester zu begleiten, die dort heiraten sollte. Selbst mit der ganzen Familie hätten das viele nicht getan, wenn sie die Wahl gehabt hätten.

Ich denke, die Autorin hat den Hintergrund ziemlich gut recherchiert. Keiner von uns hat damals gelebt, aber ich habe ziemlich viele Bücher über Sklaverei, die Underground Railroad (die die Sklaven in Sicherheit gebracht haben), und Quäker gelesen, alles wichtige Themen in diesem Buch. Wir bekommen eine lange Liste von Büchern, die Tracy Chevalier als Hintergrundinformationen verwendet hat, was mich glauben lässt, dass wir darauf vertrauen können, dass das, was sie in ihrer Geschichte schreibt, wahr ist. Dies ist definitiv ein gut geschriebenes und glaubwürdiges Buch.

Ich mochte Honor Bright, aber ich mochte Belle Mills und Mrs. Reed genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr. Ich könnte sogar einigen der anderen Charaktere verzeihen, was sie getan haben. Heute wäre das inakzeptabel, aber damals war es so.

Ich fand es auch toll, dass sie eine Karte eingefügt haben. Ich meine, ich weiß, wo Ohio liegt, aber ich hätte nicht gewusst, wo die erwähnten Städte liegen sollen.

Am Ende des Buches erwähnt Tracy Chevalier, dass es uns immer noch Hoffnung gibt, dass wir auch unter extremen Umständen immer noch das Richtige tun würden. Ja, hoffen wir das, zumindest für uns, denn wir können jeden Tag sehen, dass viele, viele Menschen nicht das Richtige tun, und oft wird auch denen applaudiert, die es nicht tun.

Am Ende des Romans gibt die Autorin einige Empfehlungen für weitere Lektüre. Ich habe zwei der vier erwähnten Bücher gelesen und kann diese Meinung nur bestätigen.

Über den amerikanischen Bürgerkrieg:
Frazier, Charles "Cold Mountain" (Unterwegs nach Cold Mountain) - 1997
Jiles, Paulette "Enemy Women" - 2002
Olmstead, Robert "Coal Black Horse" - 2007

Über die Auswirkungen der Sklaverei:
Morrison, Toni "Beloved" (Menschenkind)

Buchbeschreibung:

"Als die Sklavenfrage Amerika entzweite – ein großer Frauenroman von Bestsellerautorin Tracy Chevalier

Die junge Quäkerin Honor verlässt 1850 aus Liebeskummer ihre Heimat, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie von einer harten Realität eingeholt, die Frage der Sklaverei spaltet die Nation. Zu ihrer einzigen Vertrauten wird die temperamentvolle Hutmacherin Belle. Dass sich ausgerechnet der Sklavenjäger Donovan für Honor interessiert, bringt sie in eine schwierige Lage, und sie muss sich zwischen schönen Worten und mutigem Handeln entscheiden."