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Donnerstag, 14. November 2024

Falcones, Ildefonso "Die Pfeiler des Glaubens"

Falcones, Ildefonso "Die Pfeiler des Glaubens" (Spanisch: La mano de Fátima) - The Hand of Fatima - 2009

Nachdem ich "Die Kathedrale des Meeres" (Cathedral of the Sea) gelesen und geliebt hatte, musste ich mir einfach den nächsten Roman dieses Autors besorgen. Ich liebe historische Romane, besonders wenn sie mir etwas über eine Zeit beibringen, über die ich nichts oder kaum etwas weiß. Ich wusste, dass die Alhambra von den Mauren erbaut wurde und dass es in Spanien viele Muslime gab, aber das war es auch schon.

1564 vereint Hernando Ruiz, ein uneheliches Kind einer muslimischen Frau, die von einem katholischen Priester vergewaltigt wurde, beide Kulturen, wird aber von keiner akzeptiert. Er verbringt sein ganzes Leben damit, die beiden Religionen zusammenzubringen und opfert dabei fast alles. Vom Aufstand der Morisken (zum Christentum konvertierte ehemalige Muslime) in Granada bis zur Vertreibung aller Muslime aus Spanien.

Aber der Autor liefert auch einen wunderbaren Bericht über Liebe und Hingabe, Entscheidungen, die getroffen werden müssen, Macht und deren Verlust, die Weitergabe des eigenen Erbes, die Themen sind endlos. Manche würden sagen "Genau wie dieses Buch." Ich war traurig, mich nach 972 Seiten davon verabschieden zu müssen.

Ein Zitat muss ich hinzufügen: "Wir Menschen sind es, die sich voneinander trennen, die interpretieren, die wählen. Gott bleibt derselbe; ich glaube, das bestreitet niemand."

Da mein Spanisch nicht "so gut" ist, habe ich die englische Übersetzung gelesen. Entgegen dem Gefühl, das ich oft habe, fühlt es sich nicht wirklich wie eine Übersetzung an, auch wenn ich die Originalsprache nicht spreche.

Dies ist ein MUSS für alle, die lange Bücher und/oder historische Romane lieben.

Buchbeschreibung:

"Andalusien 1568. Nach Jahren der Unterdrückung erheben sich die Mauren gegen ihre christlichen Peiniger. Unter den Aufständischen ist auch Hernando Ruiz, ein junger Mann mit auffallend blauen Augen, gezeugt bei der brutalen Vergewaltigung einer Muslimin durch einen Priester. Von Geburt an als Außenseiter gezeichnet, führt Hernando einen einsamen Kampf, bis die Liebe zu einer Frau ihm Hoffnung auf ein neues Leben schenkt, aber auch eine schreckliche Entscheidung abverlangt ..."

Mittwoch, 3. Mai 2023

Pamuk, Orhan "Rot ist mein Name"

 

Pamuk, Orhan "Rot ist mein Name" (Türkisch: Benim Adim Kirmizi) - My Name is Red - 1998

Jedes Jahr, wenn die neuen Nobelpreisträger bekannt gegeben werden, warte ich gespannt auf den Empfänger des Preises für Literatur. Selten wurde ich von ihren Büchern enttäuscht. Dieses Jahr war keine Ausnahme, im Gegenteil.

Orhan Pamuk ist einer jener seltenen Autoren, die die Kunst des Schreibens neu erfunden zu haben scheinen. Sein Stil ist ziemlich einzigartig. Obwohl er seine Geschichte im 13. Jahrhundert ansiedelt, bezieht sie sich auf aktuelle Probleme und Fakten, wie es sonst niemand zu können scheint. Ich habe seitdem einige seiner Bücher gelesen, er ist absolut fabelhaft.

Der Erzähler des Romans wechselt in jedem Kapitel, was uns einen unvergleichlichen Einblick in die ganze Geschichte gibt.
Man bekommt nicht nur den Blick auf etliche Charaktere (darunter die Person, die gleich zu Beginn der Geschichte ermordet wird), sondern auch auf Tiere und das Gemälde, um das sich die Geschichte dreht. Dieser Roman gibt nicht nur einen Einblick in Islam und Kunst, einen Rundgang durch Istanbul und das Leben vor 700 Jahren, er ist Ausdruck der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Ein wunderbarer Autor.
Einer meiner Favoriten.

Und hier ist eine kurze Zusammenfassung unserer Diskussion im Lesekreis (Jahre nachdem ich das zum ersten Mal gelesen habe). Es sind ein paar kleine Spoiler drin, also nicht für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben. Also, nicht öffnen!

Spoiler:


Buchbeschreibung:

"Man schreibt das Jahr 1591, Istanbul ist vom Schnee bedeckt. Ein Toter spricht zu uns aus der Tiefe eines Brunnens. Er kennt seinen Mörder, und er kennt auch die Ursache für den Mord: ein Komplott gegen das gesamte Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur, seine Tradition. Darin verwickelt sind die Miniaturenmaler, die beauftragt sind, für den Sultan zehn Buchblätter zu malen, ein Liebender und der Mörder, der den Leser bis zum Schluß zum Narren hält. Ein spannender Roman, der, als historischer Krimi verkleidet, immer wieder auch auf die gegenwärtige Spannung zwischen Orient und Okzident verweist."

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im Februar 2013 und in unserem internationalen Online-Lesekreis im Dezember 2019 diskutiert.

Auch die anderen Bücher von Orhan Pamuk haben mir sehr gut gefallen.

Orhan Pamuk "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2006.

Orhan Pamuk hat 2005 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 6. September 2022

Schami, Rafik "Das Geheimnis des Kalligraphen"

Schami, Rafik "Das Geheimnis des Kalligraphen" - The Calligrapher’s Secret - 2008

Wir hatten in unserem Lesekreis mal wieder ein deutsches Buch gelesen, geschrieben vom syrischen Autor Rafik Schami. Er kam mit 25 nach Deutschland und begann ein paar Jahre später, auf Deutsch zu schreiben. Sein ursprünglicher Name ist Suhail Fāḍil, sein Pseudonym bedeutet "Freund von Damaskus".

Einige von uns hatten das Buch im deutschen Original gelesen, andere in der Übersetzung ins Englische. Wir glauben, dass dies unsere Einstellung zum Buch beeinflusst haben könnte.

Ich finde es hervorragend. Es enthält viel Geschichte zur Kalligrafie und das war hochinteressant. Der Autor baut gerne Vorfreude auf, indem er vorher etwas verrät, was am Anfang nicht mein Ding war, aber es hat sehr gut funktioniert. Viele Details, man konnte sich die Szenen lebhaft vorstellen.

Obwohl die Geschichte interessant war und ich sie gerne gelesen habe, ist der "Anhang" über die Kalligraphie und die Geschichte mein Lieblingsteil. (Leider fehlte das in der englischen Version komplett!!!) Die Diskussion, ob die arabische Sprache Gottes Sprache ist und ihr nichts hinzuzufügen ist, ist durchaus ein Thema.

In Bezug auf die englische Version lautet der deutsche Buchumschlag: "Die bewegende Geschichte des Damaszener Kalligraphen Hamid Farsi, der den großen Traum einer Reform der arabischen Schrift verwirklichen will und nicht merkt, in welcher Gefahr er sich begibt." Der englische Buchumschlag beschreibt jedoch: "Even as a young man, Hamid Farsi is acclaimed as a master of the art of calligraphy. But as time goes by, he sees that weaknesses in the Arabic language and its script limit its uses in the modern world. In a secret society, he works out schemes for radical reform, never guessing what risks he is running. His beautiful wife, Noura, is ignorant of the great plans on her husband’s mind. She knows only his cold, avaricious side and so it is no wonder she feels flattered by the attentions of his amusing, lively young apprentice. And so begins a passionate love story of a Muslim woman and a Christian man." ("Als junger Mann gilt Hamid Farsi als Meister der Kalligrafiekunst, doch mit der Zeit erkennt er, dass die Schwächen der arabischen Sprache und ihrer Schrift ihre Verwendung in der modernen Welt einschränken, und arbeitet in einer Geheimgesellschaft Pläne für radikale Reformen aus, ohne zu ahnen, welche Risiken er eingeht. Seine schöne Frau Noura weiß nichts von den großen Plänen ihres Mannes. Sie kennt nur seine kalte, habgierige Seite, und so ist es kein Wunder, dass sie sich von den Aufmerksamkeiten seines amüsanten, lebhaften jungen Lehrlings geschmeichelt fühlt. Und so beginnt eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen einer muslimischen Frau und einem christlichen Mann.") Ein ziemlicher Unterschied, finden ihr nicht auch?

Das Problem dürfte, wie so oft, die Übersetzung sein. Während die deutschen Leser wussten, was auf sie zukam, warteten die englischen Leser darauf, dass die leidenschaftliche Liebesgeschichte einer muslimischen Frau und eines christlichen Mannes beginnt (was aber eher eine Nebengeschichte ist).

Aber selbst in der englischen Version konnte man die Poesie, die Schönheit der Worte erkennen. Aber es wirkte eher wie ein Reiseführer von Damaskus, eine Geschichte über die nächste gestapelt, zu viele Nebenhandlungen.

Wir glauben, dass die Geschichte eine Metapher für die Unmöglichkeit einer traditionellen islamischen Gesellschaft ist, in dieser heutigen Welt zu leben. Der Autor verwendet Kalligrafie, um den Fundamentalismus zu zeigen, um zu zeigen, dass dies im 20. Jahrhundert nicht funktionieren wird. Ein anderer Autor, der dies wunderbar macht, ist Orhan Pamuk, der 2006 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Eines meiner Lieblingsbücher von ihm ist "Rot ist mein Name" (
My Name is Red). Er hat ebenfalls eine sehr interessante Autobiografie geschrieben, die auch eine Ode an seine Heimatstadt ist: "Istanbul" (Istanbul. Memories and the City). Wir nehmen an, dass die Türken solche Probleme mit der Sprache vermieden haben, indem sie die lateinische Schreibweise eingeführt haben.

Einige Zitate, die ich sehr mochte:

"Gott hat die Gesichter erschaffen, damit wir sie sehen und erkennen. Das Herz macht fromm -, nicht der Schleier."

"Oft stand zur Tarnung über den erotischen Versen ein leicht lesbarer religiöser Spruch."

"Die Erde ist eine Hölle für Wissende, das Fegefeuer für Halbwissende und das Paradies nur für die Unwissenden."

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im April 2012 besprochen.

Buchumschlag:

"Die bewegende Geschichte des Damaszener Kalligraphen Hamid Farsi, der den großen Traum einer Reform der arabischen Schrift verwirklichen will und nicht merkt, in welcher Gefahr er sich begibt."