Posts mit dem Label Favorit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Favorit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra!"

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra! Glücklich wie die Dänen" (Englisch: The Year of Living Danishly: My Twelve Months Unearthing the Secrets of the World's Happiest Country) - 2015

Als ich mit dem Buch begann, dachte ich: "Oh nein, nicht schon wieder eines dieser Reisebücher, in denen ein naiver Ausländer im Ausland lebt und alles falsch macht." Denn genau so wirkte es in den ersten Kapiteln. Doch Helen Russell findet den Dreh und beschreibt auf sehr humorvolle Weise, wie wunderbar dieses kleine skandinavische Land tatsächlich ist.

Während sie sich mit ihrem "Lego-Mann" in ihrem kleinen Haus in "Sticksville-on-Sea" einlebt – mit gelegentlichen Ausflügen in die "Großstadt" –, versucht sie herauszufinden, was die Dänen so glücklich macht. Besonders im Hinblick auf die Steuern, die sie zahlen. Doch das Geheimnis liegt womöglich darin, dass die Skandinavier einen Weg gefunden haben, für mehr Gleichheit zu sorgen und jedem ein sicheres Leben zu ermöglichen. Sie müssen sich keine Sorgen um Krankenversicherung, die Bildung ihrer Kinder oder die Altersvorsorge machen; darum kümmern sich der Staat und die gezahlten Steuern. Ein glücklicher Sozialismus, wenn man so will.

Sie freundet sich mit einigen Nachbarn an – was bisweilen schwierig sein kann, zumal sie im Januar ankommen, wenn sich alle in den Winterschlaf zurückgezogen haben – und lernt das dänische Leben durch Gespräche mit Experten sowie mit "Otto Normalverbraucher" kennen. Dabei bemerkt sie, wie viel ruhiger das Leben auf dem dänischen Land im Vergleich zum hektischen London ist. Etwas, das ich ihr auch schon vorher hätte sagen können. LOL

Obwohl sie versucht, ihren Aufenthaltsort nicht allzu direkt zu verraten – etwa indem sie Ortsnamen durch Spitznamen ersetzt –, lässt sich leicht erraten, wovon sie spricht, besonders wenn man schon einmal in Dänemark war und auch das Legoland besucht hat. Vielleicht wart ihr auch schon dort.

Ich habe skandinavische Freunde, und auch wenn viele von ihnen eher zu einer gewissen Zurückhaltung neigen – wie von der Autorin beschrieben –, wirken die meisten auf mich sehr zufrieden und glücklich. Ich glaube also, dass an diesem beschriebenen "Hygge"-Gefühl durchaus etwas dran ist. Das Buch hat mir gut gefallen, und ich werde versuchen, weitere Werke von ihr zu lesen. Denn obwohl sie ursprünglich nur ein Jahr bleiben wollte, ist sie auch nach fast einem Jahrzehnt noch dort. Das spricht für sich. Oh, und es gibt noch eine amüsante Anekdote, als sie Weihnachten mit ihren Nachbarn feiert:

Man versichert ihr, dass sich "die meisten Weihnachtsfeiern darauf beschränken, um Mitternacht vom Sofa zu springen, nach draußen zu gehen, um sich das Feuerwerk anzusehen, und dann einen Schwarz-Weiß-Film zu schauen, in dem einer alten Dame das Essen von ihrem Butler serviert wird." Detuschen braucht man diesen Film nicht zu erklären, aber ich lasse die Beschreibung trotzdem mal hier drin. Der Film dauert nur 18 Minuten und basiert auf einem Theaterstück von Lauri Wylie. Er trägt den Titel "Dinner for One". Es gibt nur zwei Figuren: Miss Sophie und ihren Butler, dargestellt von den britischen Komikern May Warden und Freddie Frinton. 1962 sah der deutsche Entertainer Peter Frankenfeld den Sketch in Blackpool und überredete die beiden, nach Deutschland zu kommen und ihn dort zu verfilmen. Seitdem läuft er an jedem Silvesterabend im deutschen Fernsehen. Von dort aus verbreitete er sich in Skandinavien und vielen anderen europäischen Ländern – allerdings nicht im Vereinigten Königreich. Und, wie ihre Nachbarn so eifrig betonten: Es ist Tradition!

Für alle, die es einmal außerhalb von Silvester sehen wollen, hier kann man es sich ansehen:

Und falls ihr noch nicht in Dänemark wart: Setzt es unbedingt auf eure Wunschliste.

Buchbeschreibung:

"Die Kunst, einfach glücklich zu sein

Dänemark ist das glücklichste Land der Welt. Die britische Journalistin Helen Russell ist dennoch höchst skeptisch, als ihr Mann einen Job bei Lego annimmt - und sie als überzeugte Großstädterin aus London mit ihm in die dänische Einöde ziehen soll.

Doch in Jütland angekommen, findet Helen Schritt für Schritt heraus, was hinter dem geheimnisvollen Wohlfühlkonzept 'Hygge' steckt, das die Dänen den langen Wintern, der Kälte und Dunkelheit trotzen lässt. Und welche Geheimrezepte (und damit sind nicht nur die dänischen Zimtschnecken gemeint) für so viel Glück sorgen, dass manchmal sogar die Kühe auf der Wiese tanzen."

Montag, 5. Oktober 2026

Powers, Richard "Die Wurzeln des Lebens"

Powers, Richard "Die Wurzeln des Lebens" (Englisch: The Overstory) - 2018

Nach einer schlechten Wahl im letzten Jahr ("Mister Weniger/Less" von Andrew Sean Greer) hat sich das Pulitzer-Preis-Komitee rehabilitiert.

Und was für ein Buch das war! Richard Powers hat so viel in diesen Roman über Umweltschützer hineingelegt: Man lernt jede einzelne Figur sehr gut kennen und kann die Beweggründe für ihren Protest nachvollziehen. Ich hätte sie ohnehin verstanden, aber ich glaube, auch Menschen, denen die Umwelt oder der Kampf für sie sonst eher gleichgültig ist, werden verstehen, warum manche Leute dafür kämpfen – selbst wenn sie dabei zu illegalen Mitteln greifen müssen.

Wir begegnen unterschiedlichsten Menschen: erfolgreichen Wissenschaftlern ebenso wie solchen, die ihren Platz in der Gesellschaft nicht finden können. Wir erhalten Einblick in ihre Wünsche und Hoffnungen, ihre Ziele und Ambitionen.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an – über die Bäume und was aus ihnen wird, über die Menschen, die mit diesen Bäumen leben, und über jene, die sie zerstören. Wir müssen über die Zukunft unseres Planeten nachdenken; dazu gehört auch der Schutz von Tieren, Pflanzen und Bäumen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie verschwinden – das wäre unser aller Ende.

Eine sehr leidenschaftliche Geschichte.

Mein Lieblingszitat:
"… wenn man einen Baum fällt, sollte das, was man daraus macht, mindestens so wunderbar sein wie das, was man gefällt hat."

Ich hatte zuvor noch nie ein Buch von Richard Powers gelesen, aber ich denke, ich werde weitere seiner Romane lesen. Ein sehr interessanter Autor.

Die Geschichte erinnert mich an Bücher von Barbara Kingsolver, eine meiner amerikanischen Lieblingsautorinnen.

Buchbeschreibung:

"Die Wurzeln des Lebens ist ein großer epischer Roman, der unseren Platz in der Welt neu vermisst.
In Richard Powers Erzählwelt ist alles miteinander verknüpft. Die Menschen sind miteinander verwurzelt wie ein Wald. Sie bilden eine Familie aus Freunden, die sich zum Schutz der Bäume zusammenfinden: der Sohn von Siedlern, die unter dem letzten der ausgestorbenen Kastanienbäume Amerikas lebten; eine junge Frau, deren Vater aus China eine Maulbeere mitbrachte; ein Soldat, der im freien Fall von einem Feigenbaum aufgefangen wurde; und die unvergessliche Patricia Westerford, die als Botanikerin die Kommunikation der Bäume entdeckte. Sie alle tun sich zusammen, um die ältesten Mammutbäume zu retten – und geraten in eine Spirale von Politik und Gewalt, die nicht nur ihr Leben, sondern auch unsere Welt bedroht.
"

Richard Powers erhielt 2019 den Pulitzer Prize für "The Overstory".

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Trollope, Anthony "Wie wir jetzt leben"

Trollope, Anthony "Wie wir jetzt leben: Gesellschaftssatire über Finanzskandal, Börsenspekulation und moralische Korruption im viktorianischen London" oder "Umwälzungen" (Englisch: The Way We Live Now) - 1875

Klassiker gehören zu meiner Lieblingslektüre. Ich habe alle "Chroniken von Barchester" (Barchester Chronicles) von Anthony Trollope gelesen und war begeistert. Nun ist dies mein nächstes Werk dieses großartigen Klassiker-Autors – ein sehr umfangreiches Buch, genau die Art von Wälzer, die ich liebe.

Im Mittelpunkt des Romans steht ein wohlhabender Mann, dessen Geldquelle niemand kennt. Er möchte seine Tochter standesgemäß verheiraten, doch sie liebt einen anderen – einen Mann, der es wiederum nur auf ihr Geld abgesehen hat. Nun, das ist die Geschichte in aller Kürze, doch es gibt noch viele weitere Figuren und zahlreiche Handlungsstränge, die sich um sie alle ranken. Und Anthony Trollope versteht es meisterhaft, all dies zu schildern; sein Schreibstil grenzt an Poesie.

Ein wunderbares Buch. Wenn ihr Jane Austen, Charles Dickens, Klassiker und "dicke Wälzer" mögt, kann ich euch dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen.

Buchbeschreibung:

"Wie wir jetzt leben ist ein meisterhaft konstruierter Gesellschaftsroman von Anthony Trollope, in dem die Komplexität der viktorianischen Moral, der sozialen Mobilität und der Geschlechterrollen eindringlich thematisiert wird. Mit scharfer Beobachtungsgabe und ironischem Unterton erzählt Trollope die Geschichte von Lady Glencora und Plantagenet Palliser, deren Ehe und politisches Wirken im Spiegel ehrgeiziger Nebenfiguren und gesellschaftlicher Umbrüche beleuchtet wird. Die nuancierte Charakterzeichnung und die subtile Kritik an politischen wie auch privaten Intrigen verbinden sich zu einem herausragenden Zeitporträt im Stil des Realismus. Trollope, einer der produktivsten und einflussreichsten englischen Romanciers des 19. Jahrhunderts, schöpfte seine Themen aus der eigenen Erfahrung als Beamter und aufmerksamer Zeitgenosse der gesellschaftlichen Umwälzungen der Ära. Besonders die Intrigen um Macht, Einfluss und gesellschaftliche Anerkennung reflektieren Trollopes Faszination für die psychologischen und strukturellen Aspekte britischer Institutionen. Sein humanistischer Blick auf menschliche Schwächen und Stärken prägt sein literarisches Schaffen und macht seine Romane zu nachhaltigen Analysen der Moderne. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die tiefgründige Einblicke in die viktorianische Gesellschaft suchen und zugleich literarische Raffinesse schätzen. Trollopes Werk bietet nicht nur ein scharfsinniges Bild einer vergangenen Epoche, sondern beeindruckt auch durch zeitlose Themen und eine moderne Erzählhaltung, die das Buch zu einer lohnenden Lektüre für Literatur- und Geschichtsinteressierte macht."

Samstag, 5. September 2026

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn"

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn" (Englisch: A Tree Grows in Brooklyn) - 1943

Viele meiner Freunde haben mir von diesem Buch erzählt, und es stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen – und ich bin froh darüber. Ein junges Mädchen, das in Armut aufwächst, liebt das Lesen. Das hätte auch meine Geschichte sein können, auch wenn wir nie so arm waren wie die Familie Nolan. Wahrscheinlich lag das daran, dass mein Vater nicht trank und seinen Lohn aus seiner Arbeit nach Hause brachte. Aber ich kann mich sehr gut in Francie hineinversetzen: wie sie die Liebe zu Büchern entdeckte und wie diese manchmal zu ihren einzigen Freunden wurden. Bücher sind immer für einen da.

Ich konnte auch Francies Mutter Katie verstehen und nachvollziehen, wie sie versuchte, jeden Cent zu sparen, um Essen auf den Tisch zu bringen. Das muss unglaublich schwer für sie gewesen sein.

Francie lebte vor hundert Jahren, doch ihre Botschaft lebt weiter und ist heute noch genauso gültig wie damals: Mit Bildung können wir uns aus dem tiefsten Loch befreien.

Das Buch ist hervorragend geschrieben – aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens, aber mit einer sehr reifen, erwachsenen Sichtweise. Es regt dazu an, über das Leben und seinen Sinn nachzudenken.

Auf jeden Fall konnte ich mich so gut mit Francie identifizieren, dass ich dieses Buch einfach lieben musste. Ich hätte es sehr gerne schon in meiner Jugend gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin, eine Süßigkeiten-Connaisseuse, eine genaue Beobachterin der menschlichen Natur – und sie hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der in dem bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten, jeden Tag wird von dem hart verdienten Geld das Essen zusammengeklaubt, Kinder strömen samstags durch die Straßen, um für ihren gesammelten Trödel einige Pennies für Süßes zu ergattern. Doch wenn Francie auf der Feuertreppe in der Sonne sitzt und liest, kann sie sich keinen schöneren Ort vorstellen. Und wenn sie auch gegen so manche Widrigkeit anschreiben muss, trägt sie doch eines in sich: dass es sich immer lohnt, nach dem puren Leben zu streben."

Dienstag, 1. September 2026

MacGregor, Neil "Deutschland"

MacGregor, Neil "Deutschland. Erinnerungen einer Nation" (Englisch: Germany. Memories of a Nation) - 2014

Früher habe ich Geschichte in der Schule gehasst. Es drehte sich alles nur um Fragen wie: "Wo fand diese Schlacht statt?" oder "Wann war dieser Krieg?" – und das meist ohne viele Details. Deshalb bin ich heute dankbar für all die wunderbaren Bücher, die ich lesen kann und die mir so viele Informationen liefern und alles so viel interessanter machen.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Bücher über Weltgeschichte, europäische Geschichte, britische Geschichte, die beiden Weltkriege und auch einzelne Aspekte der deutschen Geschichte gelesen. Allerdings gibt es kaum Bücher, die die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit behandeln – wohl deshalb, weil das Deutschland, wie es heute existiert, noch gar nicht so lange in dieser Form besteht. Und dabei spreche ich nicht nur von der Wiedervereinigung, die nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Zufällig bin ich auf ein Buch von Neil MacGregor gestoßen – einem britischen Historiker, der all jene Faktoren zusammengetragen hat, die unsere heutige Nation geformt haben.

Wer noch nicht viel über Deutschland weiß (abgesehen davon, dass es hier Nazis gab – das weiß schließlich jeder), für den ist dies das ideale Buch. Ich selbst wusste nie so viel über mein eigenes Land und bin dem Autor unglaublich dankbar dafür, dass er all diese Zusammenhänge aufgearbeitet hat. Es hat mich ziemlich stolz gemacht – wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben.

Er zeigt auf, was in Deutschland vor jenem dunklen Kapitel der Geschichte geschah und wohin der Weg danach führte: die Herausforderungen und die Errungenschaften, Kultur und Kunst, Wissenschaft und Industrie, die Vergangenheit und die Zukunft. Ihm zufolge scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich an die Schattenseiten seiner Geschichte erinnert – und nicht bloß an die Siege in bestimmten Kriegen.

Und das Beste daran: Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Er versucht zu verstehen, wie sich alles ereignen konnte, und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein Anhänger der Nazis war – und dass gerade für diese Menschen jene Zeit besonders schwer war.

Zweifellos eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Es war jede Minute wert. Ich würde sehr gerne auch eines seiner anderen Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind." 

Samstag, 18. Juli 2026

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (Englisch: 21 Lessons for the 21st Century) - 2018

Eine brillante Fortsetzung von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens) und "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus). Dies ist ein weiteres Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Der Autor zeigt uns auf, was die Zukunft für uns bereithalten könnte und wie wir uns darauf vorbereiten sollten. Dabei geht es mir nicht um die Angst vor Kriegen oder Naturkatastrophen infolge des Klimawandels, sondern um den Alltag. Was sollten wir studieren oder lernen, um einen vernünftigen Job zu bekommen? Und noch wichtiger: Was sollten unsere Kinder lernen, um im Leben zu bestehen? Meine Eltern und Großeltern verließen die Schule mit 14 oder 15 Jahren, absolvierten eine Ausbildung, und viele von ihnen arbeiteten ihr Leben lang im selben Unternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung konnten sie das Gelernte jahrzehntelang anwenden, ohne sich neues Wissen aneignen zu müssen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das galt weder für meine Generation noch für die heutige Generation, und es wird ganz sicher auch nicht für die übernächste Generation gelten.

Wir brauchen also kluge Köpfe wie Yuval Harari, die uns sagen, was geschehen könnte und was wir tun können, um keine Angst vor der Zukunft zu haben. Genau das tut er. Seine Empfehlungen sind sinnvoll und fundiert; er erläutert jede seiner Aussagen ausführlich. Was noch besser ist: Er erklärt die Dinge so verständlich, dass auch Menschen ohne großes wissenschaftliches Vorwissen (wie ich) seinen Ausführungen folgen können, sei es zu Themen wie Politik, Weltwirtschaft oder anderen Bereichen, die uns betreffen und unser Leben beeinflussen.

Ich kann dieses Buch sowie seine anderen Werke wärmstens empfehlen. Sie sind einfach fantastisch. Ich hoffe, er schreibt noch mehr davon.

Buchbeschreibung:

"Yuval Noah Harari ist der Weltstar unter den Historikern. In 'Eine kurze Geschichte der Menschheit"'erzählte er vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt. In 'Homo Deus' ging es um die Zukunft unserer Spezies. Sein neues Buch schaut auf das Hier und Jetzt und konfrontiert uns mit den drängenden Fragen unserer Zeit.

Wie unterscheiden wir Wahrheit und Fiktion im Zeitalter der Fake News? Was sollen wir unseren Kindern beibringen? Wie können wir in unserer unübersichtlichen Welt moralisch handeln? Wie bewahren wir Freiheit und Gleichheit im 21. Jahrhundert?

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit über den Fragen gebrütet, wer wir sind und was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Doch jetzt setzen uns die heraufziehende ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Bald schon wird irgendjemand darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten.

Dieses Buch will möglichst viele Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen, damit die Antworten nicht von den blinden Kräften des Marktes gegeben werden."

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen"

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Englisch: Homo Deus. A Brief History of Tomorrow)- 2016

Nach der Lektüre von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens. A Brief History of Mankind) wusste ich, dass ich auch die weiteren Bücher dieses brillanten Wissenschaftlers und Autors lesen musste.

Nachdem er zu erklären versucht hat, wie wir an den heutigen Punkt gelangt sind, nimmt uns Yuval Noah Harari nun mit auf eine Expedition in die Zukunft. Fast wie bei Charles Dickens in "Eine Weihnachtsgeschichte" (A Christmas Carol) haben wir uns mit dem "Geist der vergangenen Weihnacht" befasst und kennen den "Geist der gegenwärtigen Weihnacht", doch wir haben keine Ahnung, was uns der "Geist der zukünftigen Weihnacht" bringen wird. Der Autor zeigt uns verschiedene Möglichkeiten auf: Er schildert, was geschehen könnte, wenn wir uns nicht ändern, aber auch, was möglich ist, wenn wir es doch tun. Ich muss dazu sagen: Vieles davon war mir nicht neu, doch er eröffnet so viele unterschiedliche Perspektiven, dass es spannend ist zu sehen, wohin die Reise noch gehen könnte.

Dieses überaus fesselnde Buch macht uns bewusst, wer und wo wir heute sind, was getan werden muss und was wir selbst tun können. Wir alle wissen, dass Maschinen und Computer einen riesigen Teil unserer einstigen Welt übernommen haben – doch sind wir auch für den nächsten Schritt bereit?

Freut euch schon mal auf sein nächstes Buch, in dem er sich mit der Gegenwart befasst: "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (21 Lessons for the 21st Century).

Meiner Meinung nach sollten all seine Bücher in jeden Lehrplan aufgenommen werden.

Buchbeschreibung:

"EINE GESCHICHTE VON MORGEN

In seinem Kultbuch Eine kurze Geschichte der Menschheit erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In 'Homo Deus' stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind."

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Hebrew: קיצור תולדות האנושות/Ḳizur Toldot Ha-Enoshut) - Sapiens. A Brief History of Mankind - 2014

Dieses Buch gehört zu den interessantesten, die ich jemals gelesen habe. Es ist ein Werk, das zu erklären versucht, wie wir zu den Wesen wurden, die wir heute sind – und was in der Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten menschenähnlichen Formen auf der Erde und der Gegenwart geschehen ist. Es liefert Antworten auf viele Fragen, die man sich vielleicht noch nie gestellt hat, es aber eigentlich schon immer hätte tun sollen.

Warum hat der Homo sapiens überlebt und nicht der Neandertaler? Warum wandelten wir uns von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern? Hat uns das gutgetan? Waren die Menschen im Mittelalter unglücklicher als wir heute? Welchen Vorteil bieten globale Gemeinschaften? Und wohin führt diese Entwicklung? Wie stark beeinflusst die Biologie die Geschichte? Was genau sind kulturelle Unterschiede?

Wer sich solche Fragen stellt, findet die Antwort wahrscheinlich in diesem Buch. Oder aber – die Frage lässt sich schlicht nicht beantworten.

Ein brillantes Buch eines großen Denkers: eines Geschichtsprofessors, der sich intensiv mit seinen Mitmenschen auseinandergesetzt hat.

Buchbeschreibung:

"Wie haben wir, Homo Sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder, betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht?

Vor 100 000 Jahren war Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen. Vor 70 000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, die ihn zum Herren des Planeten und zum Schrecken des Ökosystems werden ließ. Bis heute hat sich diese Vorherrschaft stetig zugespitzt: Der Mensch hat die Fähigkeit zu schöpferischem und zu zerstörerischem Handeln wie kein anderes Lebewesen. Und die Menschheit steht jetzt an einem Punkt, an dem sie entscheiden muss, welchen Weg sie von hier aus gehen will."
 
Inzwischen habe ich auch "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus) gelesen. Genauso großartig.

Dienstag, 16. Juni 2026

Roberts, Gregory David "Shantaram"

Roberts, Gregory David "Shantaram" (Englisch: Shantaram) - 2003

Ein hochinteressantes Buch, das mir von mehreren Freunden empfohlen wurde.

Dieser Roman basiert auf dem Leben des Australiers Gregory David Roberts, der wegen bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis saß und anschließend nach Indien floh, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sein Leben verlief danach alles andere als geradlinig, sondern äußerst abwechslungsreich. Wir begleiten ihn im Kampf gegen die Mudschaheddin oder in den Slums, wo er ein Krankenhaus leitet. In jedem Fall ist in "Shantarams" Leben (diesen Namen gaben ihm seine indischen Freunde) immer etwas los. Die Geschichte ist packend, äußerst provokant und zeigt die Höhen und Tiefen eines Lebens. Sie handelt von allem: Liebe und Hass, Verbrechen und Strafe, Arm und Reich, Korruption und Ehrlichkeit, dem Sinn des Lebens und seinen Banalitäten. Über 900 spannende Seiten, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zumindest ging es mir so.

Dieses Buch wird mich mein Leben lang begleiten, da bin ich mir fanz sicher.

Eines meiner Lieblingszitate:
"Die Welt wird von einer Million böser Männer, zehn Millionen dummer Männer und hundert Millionen Feiglingen regiert."
und:
"Nichts ist so deprimierend wie ein guter Rat."

Und noch etwas: Ich fand es toll, wie leicht der Protagonist Sprachen lernt.

Buchbeschreibung:

"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay in Bombay strandet, hat er zwei Jahre Gefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Zu seinem großen Glück begegnet er dem jungen Inder Prabaker, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische Metropole schließen die beiden eine innige Freundschaft, und Lindsay lernt nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen: Er wird zu 'Shantaram', einem 'Mann des Friedens', und kämpft für die Ärmsten der Armen. Doch dann verfällt Lindsay einer Deutsch-Amerikanerin mit dubiosen Kontakten zur Unterwelt."

Samstag, 13. Juni 2026

Talshir, Anat "Über uns die Nacht"

Talshir, Anat "Über uns die Nacht" (Hebräisch: אם אשכך ירושלים/Im Eshkahekh) - About the Night oder If I Forget Thee- 2010

Eine wunderschöne Geschichte über eine Liebe, die alle Hindernisse überwindet, obwohl dennoch viele Schwierigkeiten auftreten. Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Lila und Elias, sondern auch die Geschichte Israels, die Geschichte der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung und die schwierige Vergangenheit dieses Landes. Ich habe schon viele Bücher über diesen Teil der Welt gelesen und finde es immer faszinierend, aber dieses Buch hat mich sehr berührt.

Natürlich kann es vor diesem Hintergrund nur eine traurige Liebesgeschichte sein, aber sie ist trotzdem wunderschön.

Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt Nomi, ein junges Nachbarmädchen, das die neue Generation repräsentiert. Wir erfahren auch viel über das Leben im heutigen Israel.

Anat Talshir ist Journalistin und wurde für ihre investigativen Dokumentarfilme mehrfach ausgezeichnet. Dies ist ihr erster Roman, und ich hoffe, sie wird weitere schreiben, denn ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?"

Montag, 8. Juni 2026

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft"

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft" (Englisch: Interpreter of Maladies) - 1999 

Ich habe dieses Buch im Jahr 2015 gelesen. Das war mein damaliger Kommentar:

"Wie die meisten meiner Freunde wissen, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten. Ich habe jedoch "Der Namensvetter" (The Namesake) von derselben Autorin gelesen und war wirklich begeistert. Und mehrere meiner Freunde hatten mir 'Melancholie der Ankunft' empfohlen, eine hatte mir sogar ein Exemplar hinterlassen, als sie umzog, ich musste es einfach lesen.

Ich war angenehm überrascht. Was für eine schöne Sammlung von Kurzgeschichten, einige davon sind sogar miteinander verknüpft, sodass es nicht so scheint, als wären es hundert kleine Geschichten, die man sofort vergisst. Im Gegenteil, Jhumpa Lahiri hat einige wundervolle Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Sie bezieht alle möglichen Probleme mit ein, mit denen jeder konfrontiert werden kann, der in einer anderen Kultur lebt als der, in der er oder seine Eltern aufgewachsen sind. Sie beschreibt einige nette Menschen (und einige nicht so nette), die alle mit einem Leben in zwei verschiedenen Teilen dieser Welt konfrontiert sind. Da die Autorin selbst Inderin ist und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, ist dies der Hintergrund für fast alle ihre Geschichten. Da ich selbst fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt habe (allerdings nicht in einer so anderen Kultur wie die Charaktere im Buch), kann ich mich mit einigen von ihnen durchaus identifizieren.

Jhumpa Lahiri hat einen guten, eleganten Stil, ihre Geschichten fließen einfach, ich werde sicherlich noch mehr von ihren Werken lesen."

Vor einiger Zeit bin ich einer Online-Gruppe namens Literary Wives beigetreten, und dies war das nächste Buch auf unserer Liste. Also habe ich das Buch noch einmal gelesen – denn die erste Lektüre lag schon eine Weile zurück –, diesmal jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt: Was sagt die Autorin über die Ehefrauen in ihrem Buch?

Die meisten dieser Geschichten spielen in Indien und/oder drehen sich um indische Paare.

Eine vorübergehende Sache * (A Temporary Matter)

Wir erleben das Ende einer Ehe. Ein Paar leidet unter dem Verlust eines totgeborenen Babys. Trotz aller Bemühungen haben sie nichts mehr miteinander zu sagen.

Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam * (When Mr. Pirzada Came to Dine)

In dieser Geschichte erinnert sich eine Frau an einen Mann aus Ostpakistan/Bangladesch, der ihre indische Familie in den USA besuchte, während seine Familie in der Heimat war. Es ist mehr die Geschichte des Mannes als die der Frau, aber sie gibt uns dennoch einen Einblick in das Leben indischer Ehefrauen in den USA.

Dolmetscher kleiner Unpässlichkeiten * (Interpreter of Maladies)

Diese Geschichte handelt von einer indisch-amerikanischen Familie, die das Land ihrer Herkunft besucht. Wir erfahren mehr über das Leben einer solchen Frau; sie ist sehr einsam. Ich kann das gut nachvollziehen, denn als nicht berufstätige Ehefrau im Ausland hat man nicht das soziale Leben, das Mann und Kinder haben, und es ist schwer, seinen Platz zu finden.

Ein richtiger Durwan * (A Real Durwan) (Türsteher/Pförtner)

Diese Geschichte handelt von einer älteren Frau, die Treppenfegerin ist und auf dem Dach des Gebäudes lebt, in dem sie arbeitet.

Obwohl es hier weniger um die Situation einer Ehefrau geht, erzählt sie von Armut und davon, wie man noch ärmer sein kann als alle anderen um sich herum.

Sexy (Sexy)

Wir sind zurück in den USA. Auch hier geht es nicht um die Ehefrau, sondern um die Geliebte – und um einen Ehemann, der seine Frau verlässt. Eine gelungene Betrachtung dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven: die der Ehefrau und die der Geliebten.

Bei Mrs. Sen * (Mrs. Sen's)

Hier haben wir die Geschichte einer indischen Frau, die in den USA lebt, keinen Führerschein besitzt und keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Sie kümmert sich nach der Schule um einen elfjährigen Jungen und bringt ihm ihre Küche näher. Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich habe sehr mit der Frau mitgefühlt.

Ein gesegnetes Haus * (This Blessed House)

Ein junges indisches Ehepaar in Connecticut zieht in sein neues Haus und findet dort viele christliche Reliquien. Die Frau stellt sie auf den Kaminsims. Eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, was man behalten und was man annehmen sollte. Und wie sehr die Ehe davon profitieren kann.

Bibi Haldars Therapie * (The Treatment of Bibi Haldar)

Eine Frau leidet unter Anfällen, und ein Arzt empfiehlt, sie zu verheiraten. Doch eine Heirat kostet Geld, und man muss erst einmal einen Heiratskandidaten finden. Also lassen ihre Verwandten sie stattdessen auf dem Dach wohnen. Diese Geschichte befasst sich mit dem Umgang mit Krankheit und Vorurteilen.

Der dritte und letzte Kontinent * (The Third and Final Continent)

Ein Mann zieht von Indien nach London und schließlich in die USA, wo er ein Zimmer bei einer 103-jährigen Dame mietet. Die beiden bauen eine gute Beziehung zueinander auf, bis er heiratet und auszieht. Wir verfolgen das Leben des Mannes und seiner Frau sowie die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben.

Wie ich bei den Geschichten bereits angemerkt habe, drehen sich nicht alle um die Ehefrauen; bei einigen spielt deren Status überhaupt keine Rolle – sie sind einfach nur da. Doch wo sie erwähnt werden, erfahren wir viel über die Unterschiede zwischen indischen und (hauptsächlich) amerikanischen Ehefrauen sowie über deren Rechte und Pflichten.

Ich glaube, das hilft auch zu verstehen, warum Einwanderer so oft unter sich bleiben. Es liegt nicht nur an der Sprache – auch wenn es natürlich nicht hilft, wenn ihnen niemand die Sprache des Gastlandes beibringt –, sondern vielmehr an der Kultur und dem gegenseitigen Verständnis. Besonders die Ehefrauen sind unsichtbar; sie gehen in der Menge unter. Gerade bei arrangierten Ehen versteht der Ehemann seine Frau oft nicht.

Buchbeschreibung:

"Pulitzer-Preis 2000 für Belletristik MELANCHOLIE DER ANKUNFT - wohl jeder Leser bedauert es, wenn er wieder am Ende einer dieser elegant geschriebenen, dabei aber überaus gefühlvollen Geschichten angelangt ist. Und durchweg sind es Lahiris Figuren, die so seltsam berühren und den besonderen Zauber dieser Geschichten ausmachen. Menschen zwischen den Welten: Da ist der Ich-Erzähler aus Der dritte und letzte Kontinent, der, ironisch und anrührend zugleich, seinen langen Weg über drei Kontinente, von Kalkutta über England bis in die amerikanische Universitätsstadt Cambridge, schildert; da ist die Inderin Mrs. Sen, die ihre ganze Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in der Freundschaft mit einem kleinen amerikanischen Jungen zu kompensieren sucht. Und da sind Shoba und Shukumar, das junge Ehepaar aus der vielleicht schönsten Geschichte der Sammlung, Eine vorübergehende Angelegenheit. Seit Shoba durch eine Fehlgeburt ihr lang ersehntes Baby verloren hat, ist ihre Ehe mit Shukumar aus dem Lot geraten. Während einer fünftägigen abendlichen Stromsperre beschließen die beiden, die Zeit im Dunkeln zu überbrücken, in dem sie sich abwechselnd etwas aus ihrem Leben erzählen - und zwar etwas, das sie dem anderen bislang verschwiegen haben. Ein gefährliches Unterfangen, wie sich am letzten Tag des Stromausfalls zeigt: Shukumar erzählt seiner Frau, was damals, in den ersten Stunden nach der Fehlgeburt, wirklich geschah."

Jhumpa Lahiri erhielt im Jahr 2000 den Pulitzerpreis für "Melancholie der Ankunft".

Und hier sind die Rezensionen der anderen Literary Wives:

Becky aus Sydney von Aidanvale

Kate aus Melbourne von booksaremyfavoriteandbest

Rebecca aus Maryland, USA von Bookish Beck

Kay aus Washington State von What? Me Read?

* Die Übersetzungen der einzelnen Kapitel habe ich Wikipedia entnommen. Ich hoffe, es sind diejenigen, die man auch in der deutschen Übersetzung benutzt hat, obwohl das bei einigen mehr als fragwürdig ist.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen"

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen" (Englisch: All the Light We Cannot See) - 2014

In den letzten Jahren habe ich die jeweils neuesten Pulitzerpreisträger (deutsche Beschreibungen hier) gelesen und war meist sehr angetan. Deshalb musste ich auch dieses Buch lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Anthony Doerr ist es gelungen, eine ganz besondere Kriegsgeschichte zu schreiben – eine Geschichte über die einfachen Leute auf beiden Seiten des Krieges, über diejenigen, die kaum etwas zu sagen hatten zu dem, was ihnen widerfuhr, und die den höchsten Preis zahlten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Waisenjungen und eines blinden französischen Mädchens, die beide unter den Folgen des Krieges leiden, die wahrscheinlich noch nicht einmal zur Schule gingen, als die Wahl in Deutschland über ihr Schicksal entschied, und die den höchsten Preis dafür zahlen mussten.

Die Geschichte ist fesselnd, der Schreibstil sorgfältig und zugleich wunderschön, die Charaktere werden liebevoll beschrieben. Dies ist eines jener Bücher, die man am liebsten langsam lesen möchte, weil man hofft, dass es nie endet. Denn obwohl man auf ein gutes Ende hofft, fürchtet man gleichzeitig ein schlechtes.

Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses, denn sie könnten den Menschen von heute vermitteln, wie es gewesen sein mag, damals in Deutschland zu leben, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass selbst diejenigen, die es waren, oft keine Wahl hatten.

Ein brillantes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.

Buchbeschreibung:

"Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am 'Muséum National d’Histoire Naturelle' arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell der Hauptstadt, das er in Saint-Malo gebaut hat, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen."

Anthony Doerr erhielt 2016 den Pulitzer-Preis für "All the Light We Cannot See".

Es wurden auch einige Bücher erwähnt/gelesen.

Darwin, Charles "The Voyage of the 'Beagle'" - Die Fahrt der 'Beagle'
Hertz, Heinrich "The Principles of Mechanics" - Die Prinzipien der Mechanik
Verne, Jules "Around the World in Eighty Days" - Reise um die Welt in 80 Tagen
Verne, Jules "Twenty Thousand Leagues Under the Sea" - 20.000 Meilen under dem Meer

Samstag, 16. Mai 2026

Whitehead, Colson "Die Nickel Boys"

Whitehead, Colson "Die Nickel Boys" (Englisch: The Nickel Boys) - 2019

Nachdem ich seinen ersten Pulitzerpreis-gekrönten Roman "The Underground Railroad" (Underground Railroad) gelesen hatte, war ich begeistert zu hören, dass Colson Whitehead diese Auszeichnung zum zweiten Mal erhalten hat. Völlig verdient, absolut verdient.

Da mir sein letztes Buch so gut gefallen hatte, wusste ich, dass ich auch dieses lesen musste. Und es hat sich absolut gelohnt. Es ist nicht einfach nur die Geschichte eines jungen schwarzen Jungen, der in den Sechzigerjahren aufwächst, oder ein Buch darüber, was mit jungen Straftätern passiert, wenn sie erwischt werden. Nein, es ist die Geschichte davon, wie man im Leben keine Chance hat, wenn man mit der "falschen" Hautfarbe geboren wird. Man wird für etwas verurteilt, das man nicht getan hat, und von da an geht es bergab. Und niemand hilft einem, wieder aufzustehen.

Ich habe viele Bücher über Rassismus (siehe meine Liste "Anti-Racism") und Vorurteile gelesen, und oft kann man nachempfinden, was die Verurteilten erleiden. Aber Colin Whitehead hat es viel deutlicher gemacht, fast so, als wäre man selbst in Elwood Curtis' Lage. Die Details sind so gut geschrieben, dass man sich mit dem Protagonisten verbunden fühlt.

Die Jury nannte den Roman "eine schlichte und erschütternde Auseinandersetzung mit dem Missbrauch in einer Besserungsanstalt im Florida der Jim-Crow-Ära, die letztlich eine kraftvolle Geschichte von menschlicher Beharrlichkeit, Würde und Erlösung erzählt." (übersetzt von: a spare and devastating exploration of abuse at a reform school in Jim Crow-era Florida that is ultimately a powerful tale of human perseverance, dignity and redemption) Treffend formuliert, sehr präzise. Ein so schmerzhafter Bericht über das Leben, das so viele Menschen noch immer ertragen müssen.

Eine tiefgründige Geschichte, die jeden Leser nicht loslässt.

Colson Whitehead erhielt 2020 den Pulitzer-Preis für "The Nickel Boys". Er ist einer von nur vier Preisträgern, denen diese Auszeichnung zweimal verliehen wurde.

Buchbeschreibung:

"Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im Schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit."

Whitehead, Colson "Underground Railroad"

Whitehead, Colson "Underground Railroad" (Englisch: The Underground Railroad) - 2016

Ich habe schon einige Bücher über die Underground Railroad, das Leben von Sklaven und ihren Besitzern gelesen, aber keines hat das Leben einer Flüchtling so eindrücklich geschildert wie dieses.

Mir haben alle Pulitzerpreisträger der letzten Jahre gefallen, und dieses Buch bildet da keine Ausnahme. Eine großartige Geschichte – Cora, eine Sklavin, versucht, ihrem gewalttätigen "Herrn" zu entkommen. Die Beschreibungen aller Beteiligten sind brillant: der Sklaven, ihrer Helfer, der einfachen Menschen, die es einfach nicht richtig finden, andere Menschen zu besitzen – und ihrer Feinde: der Sklavenhalter, der Sklavenfänger und all jener, die sich aufgrund ihrer helleren Hautfarbe für etwas Besseres halten. Was kann einen denn schon dazu bringen, zu glauben, die Hautfarbe sage etwas über einen aus, außer dass man  viel leichter einen Sonnenbrand bekommt je heller die Haut ist?

Aber zurück zum Buch. Die Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt, wir lernen sogar die Gegenspieler recht gut kennen, was sie uns aber nicht unbedingt sympathischer macht. Keine der Erzählungen ist in der Ich-Perspektive verfasst. So identifizieren wir uns mit keiner der Figuren, wie es vielleicht der Fall gewesen wäre, wenn die Geschichte so geschrieben worden wäre. Trotzdem konnte ich mich viel besser mit Cora und den anderen Sklaven und Opfern identifizieren als mit der Gegenseite. Ich stehe immer auf der Seite der Schwächeren.

Vor der Lektüre dieses Buches hatte ich die Underground Railroad nie wirklich als unterirdische Eisenbahn betrachtet, buchstäblich unter der Erde. Aber es bildet einen schönen Hintergrund für die Geschichte.

Auf jeden Fall ein brillantes Buch. Ich würde gerne mehr von diesem großartigen Autor lesen.

Buchbeschreibung:

"Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben und Kopfgeldjägern, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?

Underground Railroad ist ein Manifest über die Menschlichkeit und zugleich eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, in Amerika schwarz zu sein.

Ausgezeichnet mit dem National Book Award und Pulitzer Prize und ein Jahr ununterbrochen auf der New York Times-Bestsellerliste."

Colson Whitehead erhielt den Pulitzer Preis for "Underground Railroad" in 2017.

Montag, 4. Mai 2026

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge"

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge" (Englisch: The Miniaturist) - 2014

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Wer an Magie glaubt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch wer nicht an Magie glaubt, aber historische Romane mag, sollte es unbedingt lesen. Es vereint beides auf wunderbare Weise.

Der Roman erzählt die Geschichte einer reichen Amsterdamer Familie im 17. Jahrhundert und eines armen Mädchens vom Land, das in diese Familie einheiratet. Da ich selbst in einem Dorf aufgewachsen bin, kenne ich Frauen wie Nella. Die Ehefrau hat im Haus nichts zu sagen; zuerst kommt die Mutter, dann die Schwester, und wenn diese vor der Ehefrau sterben, sind es die Kinder.

Doch das ist nicht der Hauptteil der Geschichte. Das Buch ist voller Geheimnisse. Das erste Geheimnis habe ich recht früh erraten und wusste, dass noch weitere folgen würden, noch bevor das erste gelüftet wurde. Es dauerte jedoch etwas länger, bis ich erraten konnte, was als Nächstes passieren würde.

Die Autorin ließ sich vom Puppenhaus der realen Petronella Oortman inspirieren, das im Rijksmuseum in Amsterdam besichtigt werden kann. Hier ist eine Ansicht des Hauses.

Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit unserer Protagonistin: der Name und die Tatsache, dass sie ein Puppenhaus besaß.

Und genau das – das Puppenhaus – hat mich an dem Buch fasziniert. Ich sah das Cover, las den Klappentext (den ich immer für sehr wichtig halte) und meine Entscheidung war gefallen. Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen.

Wir begegnen in der Geschichte vielen interessanten Charakteren, die alle sehr lebendig dargestellt sind. Die Autorin hat ein großes Talent dafür, die Menschen darin und außerhalb des Hauses zu beschreiben. Man fühlt sich fast, als wäre man selbst unter ihnen; man kann sich die Straßen Amsterdams so vorstellen, wie sie vor über 300 Jahren ausgesehen haben müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, ist aber dennoch sehr informativ; es ist ein Krimi mit einem großartigen historischen Hintergrund.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Geschichte hätte auf Niederländisch geschrieben sein sollen; ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich die Sätze auf Niederländisch umgedeutet habe. Das ist mir noch nie passiert, was wohl ein Zeichen dafür ist, wie gut es der Autorin gelungen ist, mich in die Geschichte hineinzuziehen.

Dies ist Jessie Burtons erster Roman. Ich bin sicher, dass ich ihren nächsten lesen werde, sollte sie sich entscheiden, weiterzuschreiben. Ich hoffe es und wünsche ihr viel Glück.

Wir haben das Buch im März 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"'Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen...'

1686 zieht die achtzehnjährige Nella nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Ehemann Johannes Brandt, einem schwerreichen Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, zusammenleben wird. Damit wird ihr größter Traum wahr, doch von Anfang an verläuft die Ehe anders, als Nella gehofft hat: Am Tag, als sie in ihrem zukünftigen Zuhause ankommt, ist Johannes nicht da, um sie u´zu begrüßen. Stattdessen wird sie von seiner Schwester Marin, einer kühlen, frommen Dame, dem vorlauten Dienstmädchen Cornelia und dem afrikanischen Diener Otto in Empfang genommen. Als ihr Ehemann spätabends eintrifft, empfindet Nella ihn als einschüchternd und sehr distanziert. Ihr einziger Trost ist das Hochzeitsgeschenk, das sie von Johannes erhält: ein Puppenhaus, das eine originalgetreue Kopie ihres neuen Zuhauses ist. Da Marin, Cornelia und sogar die Hunde auf das Häuschen verstört reagieren, wird es in Nellas Schlafzimmer aufgestellt. Nachdem sie bei einem Kunsthandwerker Einrichtungsgegenstände für das Puppenhaus in Auftrag gegeben hat, werden jedoch nicht nur die bestellten Figuren geliefert, sondern auch mysteriöse Miniaturen ihrer neuen Familienmitglieder. Bald wird Nella klar, dass nicht nur die abweisende Marin etwas verbirgt, sondern auch ihr eigener Ehemann ein dunkles Geheimnis zu haben scheint..."

Donnerstag, 30. April 2026

Eco, Umberto "Der Name der Rose"

Eco, Umberto "Der Name der Rose" (Italienisch: Il nome della rosa) - The Name of the Rose - 1980

Ich glaube, ich wollte dieses Buch lesen, seit ich das erste Mal von dem Film gehört habe. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Nun, endlich habe ich es geschafft. Aber ich weiß immer noch nicht, warum es "Der Name der Rose" heißt, aber vielleicht bleibt das für immer ein Rätsel.

Das Buch selbst ist definitiv ein Kriminalroman. Ein Kloster im 14. Jahrhundert. Ein Tod folgt dem anderen, manche erscheinen sehr verdächtig, doch bei den meisten ist klar, dass ein anderer Mensch den Tod verursacht hat. Mit anderen Worten: Ein Massenmörder treibt sein Unwesen. Zwei Mönche, die das Kloster besuchen, beginnen zu ermitteln und stoßen auf viele Verbindungen, manche schlüssig, andere eindeutig falsch.

Aber das ist nicht der spannendste Teil der Geschichte, zumindest nicht für mich. Ich bin nicht der größte Fan von Krimis. Was mich aber fasziniert, ist die Bibliothek und das Labyrinth, das sie umgibt, um zu verhindern, dass Unbefugte Bücher lesen. Wenn ihr euch für mittelalterliche Gebäude, Labyrinthe und insbesondere Bibliotheken interessiert, ist dies das ideale Buch für euch. Außerdem gibt es viele bekannte Namen und zahlreiche Anspielungen auf reale und fiktive Personen (Bruder Wilhelm von Baskerville, auch bekannt als Sherlock Holmes, der blinde Mönch Jorge von Burgos, eine Hommage an Jorge Luis Borges).

Es finden sich viele biblische Bezüge, beispielsweise die sieben Posaunen der biblischen Apokalypse, die das Ende der Welt ankündigen. Diese dienen nicht nur als Erzählstruktur, der Roman ist auch in sieben Tage unterteilt.

Die Ausführungen über die Franziskaner fand ich ebenfalls interessant. Da ich in einem Dorf mit einem Franziskanerkloster aufgewachsen bin und mein Leben lang Franziskanermönche kannte, war es mir neu, dass sie anfangs als Ketzer galten.

Ich hätte diese Abtei sehr gerne besucht und die Bibliothek wie die Protagonisten erkundet. Da mir dies aber nicht möglich ist, werde ich das Buch wohl noch einmal lesen müssen. Was ich ganz sicher eines Tages tun werde.

Wer sich für das Mittelalter, für Bücher, für Kriminalromane oder für Klassiker interessiert, sollte es auch lesen.

Buchbeschreibung:

"Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs. Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Jorge von Burgos wacht."

Samstag, 25. April 2026

Obama, Barack "Ein verheißenes Land"

Obama, Barack "Ein verheißenes Land" (Englisch: A Promised Land) - 2020

Es gibt Bücher, die sich leicht beschreiben lassen. Ich mochte das Buch, ich mochte das Buch nicht. Es war leicht zu lesen, es war schwer zu lesen … Manchmal muss man seinen Lesern seine Meinung zu einem bestimmten Thema mitteilen.

Ich bezweifle, dass ich das muss. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich laut einem Facebook-Test "sehr liberal bin, so weit links wie möglich, bevor man sich in Stalins Hinterhof begibt". Das ist mindestens zehn Jahre her, aber nichts hat sich geändert.

Obwohl viele Präsident Obama als Sozialisten bezeichnen, haben diese Leute keine Ahnung, was ein Sozialist ist. Er hat jedoch das Wohl seines Volkes im Sinn, das wusste ich schon vor der Lektüre des Buches. Leider können wir nichts tun oder sagen, um die Leute davon zu überzeugen, dass er ein guter Mensch ist. Was ich wahrscheinlich am meisten an ihm schätze, ist, dass er seine Fehler eingesteht und nicht fehlerlos ist (im Gegensatz zu einem anderen, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte).

Ich habe dieses Buch so sehr geliebt, dass ich es gar nicht zu Ende lesen wollte. Barack Obama hat eine so angenehme Art, mit dem Leser zu sprechen, dass es sich wirklich anfühlt, als säße man einem Freund gegenüber. Man erfährt nicht nur etwas über sein Leben, sondern auch über Präsidenten im Allgemeinen, welche Aufgaben sie haben und wie schwierig es manchmal ist, diese zu erfüllen. Es war ungemein interessant, so viele Einblicke hinter die Kulissen zu bekommen.

Ich habe alles, was ich von Barack Obama gelesen habe, sehr genossen. Er ist ein so kluger, anständiger und netter Mann, und ich freue mich schon auf den zweiten Teil seiner Memoiren.

Das Zitat, das ich am meisten liebe:

"Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich an Schicksal geglaubt. Ich befürchte, es fördert Resignation bei den Bedürftigen und Selbstgefälligkeit bei den Mächtigen. Ich vermute, Gottes Plan, wie auch immer er aussehen mag, wirkt auf einer Ebene, die unsere irdischen Leiden übersteigt; dass in einem einzigen Leben Zufälle und glückliche Umstände mehr bestimmen, als wir wahrhaben wollen; und dass wir am besten versuchen, uns an dem auszurichten, was wir für richtig halten, und unserem Chaos einen Sinn zu geben, und in jedem Augenblick mit Anmut und Mut das Beste aus unserem Schicksal zu machen."

Buchbeschreibung:

"Ein fesselnder und zutiefst persönlicher Bericht darüber, wie Geschichte geschrieben wird – von dem US-Präsidenten, der uns inspirierte, an die Kraft der Demokratie zu glauben

In diesem mit Spannung erwarteten ersten Band seiner Präsidentschaftserinnerungen erzählt Barack Obama die Geschichte seiner unwahrscheinlichen Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der freien Welt. In erstaunlich persönlichen Worten beschreibt er seinen politischen Werdegang wie auch die wegweisenden Momente der ersten Amtszeit seiner historischen Präsidentschaft – einer Zeit dramatischer Veränderungen und Turbulenzen.

Obama nimmt die Leser und Leserinnen mit auf eine faszinierende Reise von seinem frühesten politischen Erwachen über den ausschlaggebenden Sieg in den Vorwahlen von Iowa, der die Kraft basisdemokratischer Bewegungen verdeutlichte, hin zur entscheidenden Nacht des 4. Novembers 2008, als er zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde und als erster Afroamerikaner das höchste Staatsamt antreten sollte.

Sein Rückblick auf seine Präsidentschaft bietet eine einzigartige Reflexion über Ausmaß und Grenzen präsidialer Macht und liefert zugleich außergewöhnliche Einblicke in die Dynamik US-amerikanischer Politik und internationaler Diplomatie. Wir begleiten Obama ins Oval Office und in den Situation Room des Weißen Hauses sowie nach Moskau, Kairo, Peking und an viele Orte mehr. Er teilt seine Gedanken über seine Regierungsbildung, das Ringen mit der globalen Finanzkrise, seine Bemühungen, Wladimir Putin einzuschätzen, die Bewältigung scheinbar unüberwindlicher Hindernisse auf dem Weg zur Verabschiedung einer Gesundheitsreform. Er beschreibt, wie er mit US-Generälen über die amerikanische Strategie in Afghanistan aneinandergerät, die Wall Street reformiert, wie er auf das verheerende Leck der Bohrplattform Deepwater Horizon reagiert und die Operation 'Neptune’s Spear' autorisiert, die zum Tode Osama bin Ladens führt.

'Ein verheißenes Land' ist ungewöhnlich intim und introspektiv – die Geschichte eines einzelnen Mannes, der eine Wette mit der Geschichte eingeht, eines community organizer, dessen Ideale auf der Weltbühne auf die Probe gestellt werden. Obama berichtet offen vom Balanceakt, als Schwarzer Amerikaner für das Amt zu kandidieren und damit die Erwartungen einer Generation zu schultern, die Mut aus der Botschaft von 'Hoffnung wagen' gewinnt, und was es bedeutet, die moralische Herausforderung anzunehmen, Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen. Er spricht freimütig über die Kräfte, die sich ihm im In- und Ausland entgegenstellten, gibt ehrlich Auskunft darüber, wie das Leben im Weißen Haus seine Frau und seine Töchter prägte, und scheut sich nicht, Selbstzweifel und Enttäuschungen offenzulegen. Und doch verliert er nie den Glauben daran, dass innerhalb des großen, andauernden amerikanischen Experiments Fortschritt stets möglich ist.

In diesem wunderbar geschriebenen und eindrücklichen Buch bringt Barack Obama seine Überzeugung zum Ausdruck, dass Demokratie kein Geschenk des Himmels ist, sondern auf Empathie und gegenseitigem Verständnis gründet und Tag für Tag gemeinsam geschaffen werden muss."

Ich habe einige Rezensionen des Buches gelesen, und alle waren positiv. Ich nehme an, wer den Autor nicht mag, wird seine Biografie ohnehin nicht lesen. Eine Bloggerfreundin von mir hat diese Art von Nicht-Rezension mit vielen weiteren Zitaten geschrieben (in Englisch). Schau mal rein, es lohnt sich.

Ihr Hauptargument:

"War Präsident Obama perfekt? Nein. Glaube ich aber, dass er in seinen acht Amtsjahren das Wohl unserer Nation im Blick hatte und seine Aufgaben hervorragend erfüllt hat? Zweifellos ja."

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

Barack Obama erhielt 2009 den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Wir warten immer noch auf den zweiten Teil.

Mittwoch, 22. April 2026

Morton, Kate "Die Tochter des Uhrmachers"

Morton, Kate "Die Tochter des Uhrmachers" (Englisch: The Clockmaker's Daughter)  - 2018

Als ich mein Watergate-Buch ("Die Watergate-Affäre" - "All the President's Men" - von Carl Bernstein und Bob Woodward) aus der Bibliothek abholte, stieß ich zufällig auf dieses Buch der australischen Autorin Kate Morton. Der Titel klang verlockend und das Cover sah interessant aus, also lieh ich es mir aus.

Was für ein interessantes Buch! Wir erleben fast zwei Jahrhunderte Leben in einem Haus, das wie verzaubert wirkt. Wir begegnen seinen Bewohnern im Laufe der Zeit und erleben zwei Weltkriege mit. Es gibt Verbindungen zwischen ihnen allen – dem Erzähler, der Uhrmachertochter selbst –, obwohl die Menschen scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch das Haus selbst ist allgegenwärtig. Ich würde es so gerne einmal sehen. Es muss atemberaubend sein.

Mir gefiel besonders, wie die Geschichten all dieser Charaktere parallel erzählt wurden und sich im Laufe der Zeit immer mehr Teile des Geheimnisses enthüllten. Ein brillanter Stil.

Ich habe dieses Buch sehr genossen und würde gerne mehr von dieser Autorin lesen.

Buchbeschreibung:

"Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie – eine Frau verschwindet, eine andere stirbt …

Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben?"

Samstag, 18. April 2026

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley"

Steinbeck, John "Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika" (Englisch: Travels with Charley. In Search of America) - 1962

Ich habe die Bücher von John Steinbeck schon immer geliebt. Bis ich "Die Straße der Ölsardinen" (Cannery Row) las. Das hielt mich aber nicht davon ab, weitere Bücher von ihm zu lesen. Als unser 1961er-Club hochkam und ich ein Buch von ihm entdeckte, griff ich sofort zu. Leider hatte ich es gerade beendet, als ich herausfand, dass es erst 1962 erschienen war (obwohl es wahrscheinlich 1961 geschrieben wurde). Nun ja, ich konnte nicht in ein oder zwei Tagen ein weiteres Buch lesen, daher muss dies mein Beitrag zu dieser Herausforderung sein (ich werde aber später noch ein weiteres lesen und hier einen Link einfügen).

Ich bin aber sehr froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn es hat mir John Steinbeck und meine Liebe zu seiner Literatur wieder in Erinnerung gerufen.

Obwohl ich kein großer Fan von Wohnmobilen oder Camping im Allgemeinen bin, habe ich es genossen, den Autoren und seinen Hund Charley durch die Vereinigten Staaten zu begleiten. Ich bezweifle, dass ich jemals dorthin reisen werde, aber irgendwie habe ich jetzt das Gefühl ich hätte das getan. Er selbst sagt gegen Ende: "… Ich hatte nicht die Absicht, irgendeine Art von Querschnitt darzustellen, und ich glaube auch nicht, dass ich das getan habe, sodass ein Leser sagen könnte: 'Er glaubt, er habe ein zutreffendes Bild gezeichnet…' Das glaube ich nicht. Ich habe nur wiedergegeben, was mir einige Leute erzählt und was ich gesehen habe. Ich weiß nicht, ob das typisch war oder ob man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen kann." Ich denke, das ist das Beste, was man versuchen kann, und ich bin froh, dass wir ihn auf dieser Reise begleiten konnten.

Er erwähnt auch: "Ich mag Wetter lieber als Klima." Das ist ein großartiges Zitat, dem ich voll und ganz zustimme.

Ich habe das Buch sehr genossen.

Und falls ihr bessere Bücher über Reisen durch die USA kennt, lasst es mich bitte wissen.

Buchbeschreibung:

"Amerika - was für ein Land!

Von den großen Seen bis zu den Rocky Mountains, von den Metropolen der Ostküste bis zu den Wüsten Nevadas stößt man kulturell wie landschaftlich auf eine ungeahnte Vielfalt.

Im Jahre 1960 ist es, als der spätere Literaturnobelpreisträger John Steinbeck sich mit 58 Jahren noch einmal auf die Reise durch sein eigenes Land macht. Teil des Plans sind Pudel Charley und der 'Rosinante' getaufte Dreivierteltoner mit Bootskajüte auf der Ladefläche. Auf diesem Weg besucht Steinbeck 34 Bundesstaaten in elf Wochen und erlebt dabei so einiges..."

John Steinbeck erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1962 "für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn".
 
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 8. April 2026

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge"

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge" (Englisch: The List of Suspicious Things) - 2024

Dieses Buch wurde von unserem örtlichen Lesekreis einstimmig für unsere Diskussion im März 2026 ausgewählt. Es ist eine interessante Geschichte über zwei Mädchen, die einen Serienmörder jagen. Ihre Hauptbemühungen bestehen darin, die Menschen in ihrem Umfeld zu "untersuchen", sprich: herumzuschnüffeln. Wie man sich denken kann, richten sie damit mehr Schaden als Nutzen an.

Ich hätte dieses Buch im Buchladen wahrscheinlich nie entdeckt; es wirkte eher wie kitschige "Frauenliteratur". Und dass es ein Sunday-Times-Bestseller ist, spricht auch nicht gerade dafür. Aber das Mitglied, das es vorgeschlagen hat, hatte es gelesen und fand es gut. Und ich weiß, dass sie einen guten Geschmack hat.

Neben der Geschichte des "Yorkshire Rippers" behandelt das Buch viele verschiedene Themen: Erwachsenwerden, erste Liebe, psychische Erkrankungen, Rassismus – fast alles, was einem dazu einfällt.

Obwohl mir das Buch insgesamt gut gefallen hat, war ich vom Ende nicht so begeistert. Vielleicht wollte die Autorin etwas Abwechslung, aber es hätte anders sein können. Es hätte anders sein sollen.

Wir hatten ein wundervolles Gespräch über dieses Buch. Es wurden ja so viele Schicksale angesprochen.

Wir fanden außerdem heraus, dass "das Titelbild einen Raben zeigt, der die Themen Neugier, Intelligenz und die bedrohliche Atmosphäre symbolisiert, und die Milchflasche das britische Schulleben jener Zeit repräsentiert. Der Vogel steht für das dunkle, gefährliche Eindringen der Außenwelt und spiegelt die Angst wider, die in Yorkshire zur Zeit der Morde herrschte." (KI)

Buchbeschreibung:

"Miv und ihre beste Freundin Sharon sind unzertrennlich. Als Mivs Vater mit der Familie wegziehen möchte, bricht für sie eine Welt zusammen. Eine brutale Mordserie hält Yorkshire in Atem, doch ihr Zuhause und Sharon hinter sich zu lassen, kann Miv sich trotzdem nicht vorstellen. Egal, wie seltsam es dort auch geworden ist, seitdem ihre Mutter aufgehört hat zu sprechen und Tante Jean sich nun um alles kümmert. Was wäre, wenn der Mörder gefasst würde? Könnte Miv dann bleiben? Also beginnen die beiden Mädchen, auf eigene Faust die Menschen in ihrer Nachbarschaft zu beobachten – und setzen dabei Dinge in Gang, die alles verändern werden.

Einfühlsam und klug erzählt Jennie Godfrey von Familie, Freundschaft und Zusammenhalt und eröffnet ein weites Gesellschaftspanorama, voll ergreifender Schicksale und liebenswerter Figuren."