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Donnerstag, 10. September 2026

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise"

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise" (Estnisch: Professor Martensi ärasõit) - Professor Martens' Departure - 1984

Ich hatte mir vorgenommen, für mein Projekt "Die Welt durch Bücher bereisen" (Travel the World Through Books) ein Buch über Estland zu lesen.

Dabei stieß ich auf ein Buch über Estland, das die Geschichte anhand des Lebens von Friedrich Fromhold Martens erzählt – einem estnischen Diplomaten im Dienste des russischen Zaren. Es steckt voller Geschichte. Professor Martens verfasste zahlreiche Werke zum Völkerrecht und war maßgeblich an der Etablierung dessen beteiligt, was wir heute als Völkerrecht bezeichnen. Er gehörte zu den Politikern, die nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges verhandelten; es kursierte sogar die (falsche) Meldung, er habe den Friedensnobelpreis erhalten – eine Auszeichnung, die er zweifellos verdient hätte. Dennoch wurde er mit diversen anderen Preisen und Ehrentiteln geehrt. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Gründung des Weltgerichtshofs in Den Haag.

Obwohl das Werk als Roman deklariert ist, liest es sich wie eine Biografie – und es ist wahrscheinlich historisch akkurater als viele Bücher, die diesen Anspruch tatsächlich erheben. Schon nach kurzer Lektüre verspürt man den Wunsch, mehr über diese Persönlichkeit zu erfahren und zu wissen, ob er tatsächlich so war, wie er im Buch geschildert wird. Das Internet ist voll von Artikeln über ihn. Auch das Buch selbst ist reich an Details und erzählt die faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes aus einer Region, über die wir noch immer viel zu wenig wissen.

Buchbeschreibung:

"Estland zu Beginn dieses Jahrhunderts: Professor Martens fährt nach Petersburg. Unterwegs läßt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen. Es ist, von außen gesehen, eine steile Karriere, vom Sohn eines Flickschneiders zum international angesehenen Diplomaten. Doch als er auf den inneren Konflikt zwischen politischem Opportunismus und persönlicher Integrität stößt, weicht sein Stolz der Todesangst. In diesem historischen Roman voller politischer Brisanz stellt Jaan Kross die Frage nach der Mittäterschaft unter einem autoritären Regime."

Montag, 24. August 2026

Williams, John "Augustus"

Williams, John "Augustus" (Englisch: Augustus) - 1972

Ich sage immer, dass ich mein Wissen über die Römerzeit größtenteils aus den Astérix-Comics beziehe – und die sind tatsächlich gar nicht schlecht, wenn man sonst keine Ahnung davon hat, was zu Zeiten Julius Cäsars vor sich ging.

Dieses Buch handelt von dessen Nachfolger; erzählt wird die Geschichte von ihm selbst, seiner Tochter sowie vielen, vielen seiner Freunde und Feinde. Es ist äußerst fesselnd zu lesen, welche Intrigen gesponnen wurden und was sich hinter den Kulissen abspielte.

Ich hätte mir am Ende des Buches eine Liste gewünscht, die die Namen der Personen sowie ihre jeweiligen Beziehungen zueinander aufführt. Zum Glück gibt es heutzutage Google; andernfalls hätte ich wohl völlig den Faden verloren – so, wie mir vorstelle, dass es den Lesern in den 1970er-Jahren ergangen sein muss, als sie das Buch erstmals in den Händen hielten.

Dennoch ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn man etwas über die Römer lernen möchte. Befolgt einfach meinen Rat: Erstellt euch eine Liste, um den Überblick darüber zu behalten, wer wer ist und in welcher Beziehung die einzelnen Personen zu Augustus standen.

Augustus war zweifellos ein äußerst beeindruckender Kaiser – ein Mann, der schon in jungen Jahren in eine Machtposition katapultiert wurde und die Verantwortung für ein riesiges Reich übernehmen musste. Seine Herrschaft währte 40 Jahre und ging als "Pax Romana" – der Römische Frieden – in die Geschichte ein; denn genau das war sein Verdienst: Er brachte den Großteil seines Reiches zur Ruhe – oft um einen hohen Preis, aber nichtsdestotrotz mit großem Erfolg.

Offenbar hat der Autor insgesamt nur drei Bücher verfasst: das vorliegende Werk, den Campus-Roman "Stoner" (Stoner) sowie den Western "Butchers Crossing" (Butcher's Crossing). Vielleicht werde ich mich eines Tages auch an eines seiner anderen Bücher wagen.

Buchbeschreibung:

"Octavius, Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar, später Kaiser Augustus: Williams schildert das Wirken und Leben dieses außergewöhnlichen Mannes so plastisch, so mitreißend, als würden sich die Geschehnisse in unseren Tagen ereignen. Fiktive Briefe und Notizen, Erinnerungen und Senatsprotokolle lassen die Person eines Herrschers lebendig werden, dem das Schicksal Macht und Reichtum in vorher ungekanntem Ausmaß zuspielte. Aber er, der sich zum Gott erheben ließ, sieht am Ende, von Frau und Tochter entfremdet, dem Tod so ungeschützt entgegen wie jeder Mensch – als das 'arme Geschöpf, das er nun einmal ist'."

Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."

Montag, 20. Juli 2026

Nguyen, Viet Thanh "Der Sympathisant"

Nguyen, Viet Thanh (Việt Thanh Nguyễn) "Der Sympathisant" (Englisch: The Sympathizer) - 2015

Nicht mein erstes Buch über den Vietnamkrieg. Nicht mein erster mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman. Aber sicherlich auch nicht mein letztes. Eine großartige Schilderung eines vielversprechenden Autors; ich bin sicher, wir werden noch mehr von diesem talentierten Mann lesen.

Beim Lesen der "Geständnisse" in "Der Sympathisant" wird einem bewusst, wie schwer es ist, in einem Krieg einer Seite treu zu bleiben. Und dass es keine verschiedenen Arten von Kriegen gibt. Kriege sind furchtbar. Für alle Beteiligten. Kriege töten nicht nur Menschen, Kriege zerstören Kulturen, Kriege zerstören das Gute im Menschen. Việt Thanh Nguyễn gelingt es, dies auf eine Weise darzustellen, wie es bisher nur wenigen gelungen ist.

Es sollte in uns allen den Wunsch nach einer besseren Welt wecken, den Wunsch nach dem Ende aller Kriege – falls wir diesen Wunsch nicht schon haben. Und es sollte uns gewiss dazu bringen, Flüchtlinge mit anderen Augen zu sehen. Es sind nicht Menschen, die nur kommen, weil wir in reicheren Ländern leben; sie kommen, weil ihre einzige Wahl darin besteht, in ein anderes Land zu gehen und dort wie Dreck behandelt zu werden oder Tod, Demütigung und Terror für sich und ihre Familien zu erleiden.

Es überrascht mich nicht, dass das Buch den Pulitzer-Preis erhalten hat. Absolut verdient.

Einige meiner Lieblingszitate:

"Egal wie schlecht es dir geht, tröste dich mit dem Gedanken, dass es jemanden gibt, dem es noch viel schlechter geht." (No matter how badly you might feel, take comfort in knowing there's someone who feels much worse.)

"Alle Kriege werden zweimal geführt: das erste Mal auf dem Schlachtfeld, das zweite Mal in der Erinnerung." (All wars are fought twice, the first time on the battlefield, the second time in memory.)

(Aus: "Nothing Ever Dies: Vietnam and the Memory of War", Vieth Thanh Nguyen)

Buchbeschreibung:

"Im April 1975 wird eine Gruppe südvietnamesischer Offiziere unter dramatischen Bedingungen aus Saigon in die USA geflogen. Darunter ein als Adjutant getarnter kommunistischer Spion. In Los Angeles soll er weiterhin ein Auge auf die politischen Gegner haben, ringt jedoch immer mehr mit seinem Doppelleben, den Absurditäten des Spionagewesens, der Konsumgesellschaft und seiner eigenen Identität: 'Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da ist es vielleicht kein Wunder, dass ich auch ein Mann mit zwei Seelen bin.'

Ein literarischer Polit-Thriller über den Vietnamkrieg und seine Folgen, eine meisterhafte Aufarbeitung über die Missverständnisse zwischen Kapitalismus und Kommunismus, ein schillerndes Werk über das Scheitern von Idealen, ein bravouröser Roman über die universelle Erfahrung von Verlust, Flucht und Vertreibung.
"

Việt Thanh Nguyễn erhielt 2016 den Pulitzerpreis für "The Sympathizer".

Samstag, 13. Juni 2026

Talshir, Anat "Über uns die Nacht"

Talshir, Anat "Über uns die Nacht" (Hebräisch: אם אשכך ירושלים/Im Eshkahekh) - About the Night oder If I Forget Thee- 2010

Eine wunderschöne Geschichte über eine Liebe, die alle Hindernisse überwindet, obwohl dennoch viele Schwierigkeiten auftreten. Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Lila und Elias, sondern auch die Geschichte Israels, die Geschichte der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung und die schwierige Vergangenheit dieses Landes. Ich habe schon viele Bücher über diesen Teil der Welt gelesen und finde es immer faszinierend, aber dieses Buch hat mich sehr berührt.

Natürlich kann es vor diesem Hintergrund nur eine traurige Liebesgeschichte sein, aber sie ist trotzdem wunderschön.

Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt Nomi, ein junges Nachbarmädchen, das die neue Generation repräsentiert. Wir erfahren auch viel über das Leben im heutigen Israel.

Anat Talshir ist Journalistin und wurde für ihre investigativen Dokumentarfilme mehrfach ausgezeichnet. Dies ist ihr erster Roman, und ich hoffe, sie wird weitere schreiben, denn ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?"

Samstag, 9. Mai 2026

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch"

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch" (Esperanto: Kroata Milita Noktlibro) - Croatian War Nocturnal - 1993

Dies ist nicht einfach nur das Tagebuch eines Mädchens, das in Esperanto über ihr Leben während der Balkankriege, ihr eigenes Leben und das ihrer Familie und Freunde und oft auch über deren Tod schreibt. Es ist ein Einblick in das Leben in Kriegszeiten. Bruchstücke aus dem Leben vieler Betroffener ergeben zusammen ein großes Bild.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil es in Esperanto geschrieben ist, aber es gibt mehrere Übersetzungen, unter anderem ins Englische. Der Titel ist ein Wortspiel. "Taglibro" ist das Esperanto-Wort für Tagebuch (wie in vielen anderen Sprachen), aber da sie es hauptsächlich nachts schrieb, nennt sie es ihr Nachtbuch. Sie musste es im Badezimmer tippen, weil es der einzige Raum im Haus ohne Fenster war, in dem sie nachts Licht hatte – wenn sie denn welches hatten.

Ich bezweifle, dass dieses Buch in einer normalen Buchhandlung erhältlich ist, aber wenn ihr es findet, ist es absolut lesenswert. * Es ist eine Geschichte darüber, wie Liebe von einer Minute auf die andere in Hass umschlagen kann, wie einem quasi ein Feind "zugesteckt" wird. Nachbarn und Freunde wenden sich plötzlich gegeneinander, nur weil man nicht derselben Gruppe angehört. Was für ein Albtraum! Und wisst ihr was? Ich sehe das ständig und ich befürchte, wenn jemand die Chance dazu bekommt, wird er es den Politikern im ehemaligen Jugoslawien gleichtun und einen Bürgerkrieg oder gar einen noch größeren anzetteln. Wir müssen alle zusammenhalten, denn letztendlich sind wir alle gleich. Niemand von uns ist besser oder schlechter als ein anderer, nur weil er woanders herkommt.

Ich hoffe daher, dass sich alle die Worte einer der Witwen in dieser Geschichte zu Herzen nehmen, deren Rede bei der Beerdigung ihres Mannes auf der Rückseite abgedruckt ist:

"Freunde, Verwandte, Nachbarn, Kollegen – jetzt ist es an der Zeit, den Hass zu beenden. Es spielt keine Rolle, wer angefangen hat und wie oft. Ich hege keinen Groll gegen irgendjemanden, weil mein Mann getötet wurde. Aber haltet inne! Um des Andenkens an meinen Mann willen bitte ich euch: Vergebt und vergesst alle offenen Rechnungen! Lasst uns nach vorn blicken. Lasst nicht zu, dass unsere Kinder und Enkelkinder sich jemals wieder bekämpfen. Ob das geschieht, liegt an uns. Lasst uns tun, was in unserer Macht steht. Lasst uns der Anfang des Friedens sein, von dem alle sprechen."

Bücher, die sie erwähnt:
Krleža, Miroslav "Der Kroatische Gott Mars" (Hrvatski bog Mars) - 1922
Zamenhof, Ludwig L. "Nach dem großen Krieg – Appell an die Diplomaten" (Post la granda milito - Alvoko al Diplomatoj) - 1915
Auld, William "The Infant Race" [Die Kinderrasse] (La infana raso) - 1956

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Mittwoch, 29. April 2026

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise"

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise" oder "Absurdistan" (Englisch: Absurdistan) - 2006

Ein wirklich witziges Buch. Ziemlich schräg sogar. Ein Roman über Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll – angesiedelt in der heutigen Zeit. Allerdings in einem Land, das wohl noch in den Sechzigern feststeckt. Absurdistan, ein fiktives Land am Kaspischen Meer. Mischa, der Sohn eines reichen Russen, der seinen Titel als 1237. reichster Mann Russlands unter undurchsichtigen und sicherlich nicht ganz legalen Umständen erworben hat, musste nie arbeiten und ist nun nicht nur Waise, sondern auch obdachlos. Die USA, wo er vor dem Tod seines Vaters lebte, wollen ihn nicht einreisen lassen, er will nicht in Russland bleiben, also ist Absurdistan vielleicht die Lösung.

Wenn ihr euch nicht an Kraftausdrücken stört, könnte euch der Roman gefallen. Wenn doch, ist er nichts für euch.

Ich bin mir sicher, dass der Autor Gary Shteyngart, der viel mit seinem Protagonisten gemeinsam hat, dieses Buch als Satire konzipiert hat, und ich finde, das ihm gut gelungen ist. Ziel erreicht.

Buchbeschreibung:

"Mischa 'Snack Daddy' Vainberg, ein unverbesserlicher Fettsack, ist der Sohn des 1238streichsten Mannes in Russland, dem leider in St. Petersburg von der Konkurrenz der Kopf weggesprengt wird. Verzweifelt versucht die Waise, sich in den schützenden Westen durchzuschlagen, zurück nach New York, zu seiner untreuen Angebeteten in der Bronx und seinem Analytiker an der Park Avenue. Es ist eine Reise voller Irrungen und Wirrungen, internationaler Verwicklungen und privater Verstrickungen, die schon durch Mischas barocke Gestalt zu schauriger Akrobatik werden. Wie geschmacklos und unappetitlich ist das alles. Aber doch so wahr! Und sie muss erzählt werden, die Geschichte dieses Weltreisenden. Mischa besichtigt für uns ein Zeitalter, so gewalttätig, kaltherzig und liebeshungrig, dass nur eine groteske Erscheinung wie er es uns richtig vorführen kann. Es ist unser Zeitalter. Einen tumben Tor wie Mischa Vainberg hat es in der Literatur lange nicht mehr gegeben. Simplicissimus, Don Quichotte und Oblomow sind seine nächsten Verwandten. Unsere ganze globalisierte Welt lagert sich in seinen Fettpolstern ab, und schrecklich erkennen wir sie in diesem grotesken Geschwabbel wieder. Snack Daddy ist verloren, und wir sind es wohl mit ihm! Brächte Gary Shteyngart uns nicht immer wieder auf so unvergleichliche Weise zum Lachen, unsere Tränen würden noch lange fließen. Eine furiose Tour de Force, die man nicht mehr vergisst."

Donnerstag, 19. März 2026

Mathis, Ayana "Zwölf Leben"

Mathis, Ayana "Zwölf Leben" (Englisch: The Twelve Tribes of Hattie) - 2013

Ein weiteres Buch, das ich mir geholt habe und das auch eine Oprah-Wahl war.

Mir gefiel der Schreibstil, sehr interessante Geschichten, das Leben der Kinder wird fesselnd beschrieben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, mehr über die verschiedenen Charaktere zu erfahren. Das ganze Buch ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten, und von den meisten Charakteren hört man nach dem Kapitelende nie wieder etwas.

Keine der Figuren war besonders sympathisch. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie alle ein hartes Leben hatten, in eines hineingeboren wurden, in dem sie keine Chance hatten, es zu verbessern, und das wussten sie auch. Ich weiß nicht, wie wir reagieren würden, wenn uns ein solches Leben beschert würde. Aber selbst wenn sie nicht besonders sympathisch wären, sind ihre Geschichten herzzerreißend, und ich denke, sie wären vielleicht nettere, bessere Menschen geworden, wenn man ihnen eine Chance gegeben hätte.

Alles in allem nicht mein Lieblingsbuch, aber eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung: 

"Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die 'Wiege der Freiheit', den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.

Doch diese Saga um eine außergewöhnliche Frau und ihre zwölf Kinder, die als Geschichte der Great Migration beginnt und sich zum Tableau mit zwölf Einzelporträts über das ganze zwanzigste Jahrhundert weitet, ist trotz Scheitern und Enttäuschung ein vitales Epos – voller Lebenskraft und verhaltener Zärtlichkeit, voller Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen Bitterkeit."

Donnerstag, 26. Februar 2026

Chevalier, Tracy "Das Geheimnis der Glasmacherin"

Chevalier, Tracy "Das Geheimnis der Glasmacherin. Venedig gestern, heute und für alle Zeiten" (Englisch: The Glassmaker) - 2024

Ich habe schon einige Romane von Tracy Chevalier gelesen, und sie waren alle sehr interessant. Sie handelten stets von unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Gegenden und zu verschiedenen Zeiten.

Aber dieses Buch war etwas Besonderes. Nach den Beschreibungen dachte ich zunächst, es ähnele den Geschichten von Edward Rutherfurd, der uns durch die Jahrhunderte führt, indem er uns verschiedene Personen aus verschiedenen Familien vorstellt. Nun, dieses Buch war etwas anders. Die Geschichte beginnt 1494. Orsola Rossa, die Protagonistin, lebt mit ihrer Familie, die Glasmacher sind, in Murano. 500 Jahre später ist sie in ihren Sechzigern und hat eine Pestepidemie, mehrere Kriege und viele Veränderungen im Leben der Menschen, insbesondere der Frauen, miterlebt.

Obwohl ich anfangs etwas skeptisch gegenüber dieser Erzählweise war, habe ich die Menschen in Murano und Venedig sehr ins Herz geschlossen. Nicht alle, aber die meisten. Und die Geschichte der Familie und wie sie all die Umbrüche überstanden hat, war ebenfalls fantastisch.

Man merkt, dass Tracy Chevalier viel Zeit und Mühe in die Recherche investiert hat. Ich fand es besonders spannend, all die Details der Glasherstellung kennenzulernen. Großartig!

Ich werde Venedig wohl nie besuchen, aber das ist ein guter Ersatz.

Buchbeschreibung:

"Venedig, 1468. Auf Murano, Wiege der Glaskunst, fließt die Zeit sanft wie das Wasser in den Kanälen. Doch der tragische Tod des Glasvirtuosen Lorenzo Rosso bringt die Welt zum Stillstand. In ihrer Verzweiflung nimmt Tochter Orsola das Schicksal der Familie in die Hand. Mutig kämpft sie gegen alle Konventionen und erlernt im Verborgenen das Handwerk des Vaters. Ihr gläsernes Geheimnis, zart wie die Perlen, die sie formt, trägt sie durch die Zeiten und das Leben der jungen Frau verschmilzt mit den Geheimnissen der Stadt. Orsolas Geschichte ist die Geschichte einer Frau, für die der Glaube an die Liebe und das Vertrauen auf sich selbst alles überdauern, und zugleich eine Liebeserklärung an eine der romantischsten Städte der Welt."

Dienstag, 24. Februar 2026

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus"

Pope Osborne, Mary "Das Magische Baumhaus" Serie (Englisch: Magic Tree House, Series) - 1992 ff.

Jack und Anne sind zwei ganz normale Kinder, die einfach nur ihr Baumhaus betreten müssen und mit Hilfe magischer Bücher in die Vergangenheit reisen können. In den verschiedenen Büchern lernen sie alles über Geschichte, aber auch viel über Naturwissenschaften. Eine sehr interessante Art, Kindern wichtige Themen näherzubringen.

Meine Söhne hatten viel Spaß mit diesen Büchern.

Dies sind alle Bücher, die es in deutsch gibt (amerikanische/britische Titel in Klammern).
[Forschungsleitfäden in Klammern]


Band 1: Im Tal der Dinosaurier (Dinosaurs Before Dark/Valley of the Dinosaurs) [RG1: Dinosaurs]
Band 2: Der geheimnisvolle Ritter (The Knight at Dawn/Castle of Mystery) [RG2: Knights and Castles] (Goodreads)
Band 3: Das Geheimnis der Mumie" (Mummies in the Morning /Secret of the Pyramid) [RG3: Mummies and Pyramids]
Band 4: Der Schatz der Piraten (Pirates Past Noon/Pirates' Treasure) [RG4: Pirates]
Band 5: Im Land der Samurai (Night of the Ninjas)
Band 6: Gefahr am Amazonas (Afternoon on the Amazon/Adventure on the Amazon) [RG5: Rain Forests]
Band 7: Im Reich der Mammuts (Sunset of the Sabertooth/Mammoth to the Rescue) [RG12: Sabertooths and the Ice Age]
Band 8: Abenteuer auf dem Mond (Midnight on the Moon/Moon Mission) [RG6: Space]
Band 9: Der Ruf der Delfine (Dolphins at Daybreak/Diving with Dolphins) [RG9: Dolphins and Sharks]
Band 10: Das Rätsel der Geisterstadt (Ghost Town at Sundown/A Wild West Ride)
Band 11: Im Tal der Löwen (Lions at Lunchtime/Lions on the Loose)
Band 12:  Auf den Spuren der Eisbären (Polar Bears Past Bedtime Icy Escape) [RG 16: Polar Bears and the Arctic]
Band 13: Im Schatten des Vulkans(Vacation Under the Volcano/Racing with Gladiators) [RG14: Ancient Rome and Pompeii]
Band 14: Im Land der Drachen (Day of the Dragon King) (Palace of the Dragon King)
Band 15: Insel der Wikinger (Viking Ships at Sunrise) (Voyage of the Vikings)
Band 16: Auf der Fährte der Indianer (Buffalo Before Breakfast)
Band 17: Im Reich des Tigers (Tigers at Twilight)
Band 18: Rettung in der Wildnis (Dingoes at Dinnertime)
Band 19: Abenteuer in Olympia (Hour of the Olympics/Olympic Challenge!) [RG10: Ancient Greece and the Olympics]
Band 20: Im Auge des Wirbelsturms. (Twister on Tuesday) [RG8: Twisters and Other Terrible Storms]
Band 21: Gefahr in der Feuerstadt. (Earthquake In the Early Morning)
Band 22: Verschollen auf hoher See. (Tonight on the Titanic) [RG7: Titanic]
Band 21: (Civil War on Sunday)
Band 22: (Revolutionary War on Wednesday) [RG11: American Revolution]
Band 23: Das Geheimnis des alten Theater. (Stage Fright on a Summer Night)
Band 24: Den Gorillas auf der Spur (Good Morning, Gorillas)
Band 25: Im Land der ersten Siedler (Thanksgiving on Thursday) [RG13: Pilgrims]
Band 26: Abenteuer in der Südsee (High Tide in Hawaii) [RG15: Tsunamis and Other Natural Disasters]
Band 27: Im Auftrag des Roten Ritters (Christmas in Camelot)
Band 28: Das verzauberte Spukschloss (Haunted Castle on Hallows Eve)
Band 29: Das mächtige Zauberschwert (Summer of the Sea Serpent)
Band 30: Im Bann des Eiszauberers (Winter of the Ice Wizard)
Band 31: Sturmflut vor Venedig(Carnival at Candlelight)
Band 32: Der gestohlene Wüstenschatz (Season of the Sandstorms)
Band 33: Geheimauftrag in Paris (Night of the New Magicians)
Band 34: Das verwunschene Einhorn. (Blizzard of the Blue Moon)
Band 35: Angriff des Wolkendrachen .(Dragon of the Red Dawn)
Band 36: Der geheime Flug des Leonardo (Monday with a Mad Genius) [RG19: Leonardo da Vinci]
Band 37: Das Ungeheuer vom Meeresgrund (Dark Day in the Deep Sea) [RG17: Sea Monsters]
and 38: Das verborgene Reich der Pinguine (Eve of the Emperor Penguin )[RG18: Penguins and Antarctica]
Band 39: Die geheime Macht der Zauberflöte.  (Moonlight on the Magic Flute)
Band 40: Piratenspuk am Mississippi. (A Good Night for Ghosts) [RG20: Ghosts]
Band 41: Gefangen im Elfenwald  (Leprechaun in Late Winter) [RG21: Leprechauns and Irish Folklore]
Band 42: Geister in der Nebelnacht (A Ghost Tale for Christmas Time) [RG22: Rags and Riches: Kids in the Time of Charles Dickens] (Goodreads)
Band 43: Das Gift der Königskobra (A Crazy Day with Cobras) [RG23: Snakes and Other Reptiles]
Band 44: Lawinenhunde im Schneesturm. (Dogs in the Dead of Night) [RG24: Dog Heroes]
Band 45: Die Feder der Macht (Abe Lincoln at Last!) [RG25: Abraham Lincoln]
Band 46: Pandas in großer Gefahr (A Perfect Time for Pandas) [RG26: Pandas and Other Endangered Species] (Goodreads)
Band 47: Im Bann des schwarzen Hengstes (Stallion by Starlight) [RG27: Horse Heroes]
Band 48: Das Geheimnis des Zauberkünstlers (Hurry Up, Houdini!) [RG 28: Magic Tricks from the Tree House #28]
Band 49: Abenteuer im Tal der Könige (High Time for Heroes)
Band 50: Das beste Fußballspiel aller Zeiten (Soccer on Sunday)
Band 51: Der König der Mayas (Shadows of the Dark)
Band 52: Wettlauf der Schlittenhunde (Balto of the Blue Dawn)
Band 53: Das Tor zur Dracheninsel (Night of the Ninth Dragon)
Band 54: Das große Spiel (A Big Day for Baseball)
Band 55: Helden im Hurrikan (Hurricane Heroes in Texas)
Band 56: Der römische Spion (Warriors in Winter)
Band 57: Narwal in großer Gefahr (Narwhal on a Sunny Night)
Band 58: Das verborgene Reich der Inka (Late Lunch with Llamas)
Band 59: Rettungsmission im Naturpark (Camp Time in California)
Band 60: Die Spur des Schneeleoparden (Sunlight on the Snow Leopard)
Band 61: Das Geheimnis der Nashörner (Rhinos at Recess)
Band 62: Notfall auf der Schildkröteninsel (Afternoon on the Amazon)

Mittwoch, 4. Februar 2026

O'Brian, Patrick "Kurs auf Spaniens Küste"

O'Brian, Patrick "Kurs auf Spaniens Küste" (Englisch: Master & Commander) - 1969

Das scheint nicht meine übliche Lektüre zu sein, aber es hat mir damals (noch vor dem Film) sehr gut gefallen. Es erinnerte mich sehr an meine Lieblingsklassiker wie Jane Austen oder George Eliot, möglicherweise, weil es in derselben Zeit spielt. Die Geschichte ist voller Action und enthält viele Informationen über die Napoleonischen Kriege und das Leben der "Helden der See". Ich mochte die Charaktere, insbesondere die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren. Die Reihe umfasst zwanzig Bände, und ich wollte immer noch mehr davon lesen.

Was den Film betrifft, habe ich ihn mir einmal angesehen, obwohl ich von Anfang an mit der Besetzung von Russell Crowe als Jack Aubrey nicht einverstanden war; ich hatte ihn mir nie so vorgestellt. Paul Bettany, der den Chirurgen spielte, wäre für diese Rolle viel besser gewesen.

Buchbeschreibung:

"Obwohl Captain Jack Aubrey bei seinem ersten eigenen Kommando seine Slup Sophie verliert, steigt sein Ruhm kometenartig zum Navy-Himmel: Kein anderer segelt derart taktisch gewitzt und stört so erfolgreich die feindliche Handelsschifffahrt, keiner erbeutet auch nur halb so viele Prisen wie er. Doch statt der Beförderung folgt ein Kriegsgerichtsverfahren, hat er doch dem falschen Mann zu große Hörner aufgesetzt ... Der Auftaktband zu der weltweit erfolgreichen Serie um den Seehelden Jack Aubrey und seinen Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin."

Montag, 12. Januar 2026

Mo, Yan "Das rote Kornfeld"

Mo, Yan "Das rote Kornfeld" (Chinesisch: 红高粱家族 Hóng gāoliang jiāzú) - Red Sorghum. A Novel of China - 1987

Jedes Jahr warte ich gespannt auf die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers. Ich habe die brillantesten Schriftsteller unter ihnen entdeckt und entscheide mich immer für einen ihrer Romane. Bisher wurde ich nicht enttäuscht, und 2012 war keine Ausnahme.

Ich hatte noch nie von dem chinesischen Autor Mo Yan gehört und war überrascht, dass er die chinesische Antwort auf Franz Kafka oder Joseph Heller sei.

Die Geschichte spielt während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges zwischen 1937 und 1945, also ungefähr zu der Zeit, als sich die ganze Welt im Krieg befand. Der Erzähler berichtet die Geschichte seiner Vorfahren, hauptsächlich die seines Vaters, der damals ein Teenager war, sowie seines Großvaters und seiner Großmutter. Wie in den meisten Kriegsgeschichten ist das Buch von großer Brutalität geprägt, und der Autor beschreibt die Gräueltaten beider Seiten sehr anschaulich. Aber er spricht nicht nur über den Krieg, wir erfahren auch, wie die Menschen damals im Osten Chinas lebten.

"Rotes Sorghum", der Originaltitel des Buches, bedeutet den Chinesen so viel. Es ist nicht nur ein Nahrungsmittel, es repräsentiert ihr Land.

Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen gelesen. Der Schreibstil ist zwar stellenweise etwas verwirrend, aber dennoch sehr fesselnd; der Autor beschreibt die Welt mit seinen eigenen Worten. Ich habe mich schon immer sehr für China interessiert, angefangen mit den Büchern einer anderen Nobelpreisträgerin, Pearl S. Buck, die viel über China geschrieben hat. Mo Yan berichtet aus einer anderen Perspektive und aus einer anderen Zeit. Absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Die endlosen Felder sind der Glanz und der Reichtum des chinesischen Dorfes Gaomi. In mächtigen roten Wellen erstrecken sie sich bis zum Horizont. Rot sind auch die Vorhänge der Sänfte, in der die schöne Dai Fenglian zu ihrem zukünftigen Ehemann Shan getragen wird. Aber als der Sänftenträger Yu Zhan'ao und Dai Fenglian sich sehen, entbrennen sie in Liebe zueinander.

Als opulente Familiensaga zeichnet der Roman das Schicksal eines Dorfes vor dem Hintergrund des chinesisch-japanischen Krieges nach. Vierzig Jahre später erinnert sich der Enkel an den süßen Duft des frisch gebrannten Schnapses und an die vielen Geschichten und losen Scherze. Die Geister seiner Vorfahren fordern ihn auf, die Tradition des Dorfes und seiner Familie fortzuführen, Vergangenheit und Gegenwart zu versöhnen."

Mo Yan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2012 "weil er mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 10. Januar 2026

Vergil "Aeneis"

Vergil "Aeneis" (Latin: Aeneis) - The Aeneid - 29-19 BC 

Ich bin kein großer Freund von Gedichten, und dies ist ein besonders bedeutendes Beispiel dafür, eines der frühesten. Ich fand es schwer verständlich, da ich lieber flüssige Geschichten in Prosa lese.

Dennoch verstehe ich, warum so viele Geschichten daraus zu erfolgreichen Filmen verarbeitet wurden. Es sind die Geschichten vom Beginn des Römischen Reiches, vom Beginn unseres heutigen Lebens. Viele von uns haben in der Schule die Geschichte Trojas und viele der anderen Geschichten, die in diesem Gedicht erzählt werden, gelernt.

Wie gesagt, keine leichte Lektüre, aber ich bin sehr froh, dass ich mich durchgekämpft habe, und es wird mir immer in Erinnerung bleiben, genau wie die "Die Odyssee" (Odyssey), ein weiteres Epos.

Buchbeschreibung:

"Vergils sagenhaftes Epos über die Flucht des Aeneas aus seiner brennenden Vaterstadt Troja, seine abenteuerlichen Irrfahrten, seinen Abstieg in die Unterwelt und seine Ankunft in der neuen Heimat Italien gehört seit über zweitausend Jahren zu den wichtigsten und einflussreichsten Werken der Weltliteratur."

Homer "Die Odyssee"

Homer "Die Odyssee" (Altgriechisch: Ομήρου Οδύσσεια, Odýsseia) - Odyssey - 800-600 BC

Dies ist eine epische Geschichte. Jeder kennt die "Odyssee", und ich liebe Klassiker, deshalb wollte ich sie schon immer lesen.

Ich bin kein großer Lyriker, aber man kann dies fast wie einen Roman lesen. Die Sprache ist sehr flüssig, eine Zeile folgt der nächsten ohne die üblichen Unterbrechungen. Manche Sätze können allerdings ziemlich lang werden.

Trotzdem ist es interessant, Odysseus auf seiner Reise durch diese und die nächste Welt zu begleiten, um zu seiner Frau und seinem Sohn nach Hause zu gelangen. Er begegnet Göttern und Helden, Hexen, Feinden und schwierigen, lebensbedrohlichen Situationen, aber er überlebt sie alle. Selbst als er nach Hause kommt, sind die Probleme noch nicht vorbei.

Diese Geschichte ist über 2.000 Jahre alt und fesselt uns noch heute. Absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Odysseus – göttlicher Dulder, listenreicher Trojabezwinger, Abenteurer und treuer Ehemann, zugleich Freund schöner Frauen – ist durch Homers Dichtung unsterblich. Wolfgang Schadewaldt schmiegt seine Prosaübersetzung mit solcher Genauigkeit und Erfindungskraft in den Rhythmus der griechischen Redefiguren und Sprachbilder der griechischen Verserzählung, dass moderne Leser dem Zauber epischer Spannung ebenso erliegen wie die alten Hellenen dem Gesang ihres Rhapsoden vor 3000 Jahren."

Samstag, 13. Dezember 2025

Tolstoi, Aleksei "Fürst Serebriany"

Tolstoi, Aleksei Konstantinowitsch "Fürst Serebriany. Roman aus der Zeit Iwans des IV." oder "Iwan der Schreckliche" (Russisch: Князь Серебряный/Knjaz' Sserebrjanyi) - Prince Serebrenni: An Historical Novel of the Times of Ivan the Terrible and of the Conquest of Siberia  (aka The Silver Knight or The Silver Prince) - 1882

Ich glaube, ich wäre diesem Roman nie begegnet, wenn es nicht einen neuen Lesekreis gegeben hätte, der von einer begeisterten Leserin gegründet worden war, die sich über Esperanto-Literatur austauschen wollte. Aber ab und zu möchte man auch eine Übersetzung lesen, die nicht so bekannt ist.

Ich hatte nicht nur noch nie von dem Buch gehört (obwohl es ins Englische und Deutsche übersetzt wurde), ich wusste auch nichts über den Autor. Offenbar war er ein Cousin zweiten Grades von Leo Tolstoi, einem Autor, den ich sehr bewundere.

Ich würde diesen Roman nicht mit denen von Leo Tolstoi vergleichen; sie scheinen fast aus einer anderen Generation zu stammen, obwohl sie nur elf Jahre auseinander geboren wurden. Genau wie sein Cousin diente auch dieser Tolstoi im Krimkrieg.

Wahrscheinlich war es ein Glück, dass Iwan der Schreckliche bereits tot war, als dieses Buch veröffentlicht wurde; ich bezweifle, dass der Autor es überlebt hätte. Der Hauptgrund, warum es überhaupt veröffentlicht werden konnte, war wahrscheinlich, dass die Menschen zu seiner Zeit ein größeres Bewusstsein für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit hatten.

Nicht unbedingt eine leichte Lektüre, aber äußerst interessant. Ich lese sehr gern über Russland und seine bewegte Geschichte, aber diese Epoche war mir bisher unbekannt.

Zar Iwan IV. Wassiljewitsch, auch bekannt als "Iwan der Schreckliche", "Iwan der Furchteinflößende" oder "Iwan der Furchtbare", der 28 Jahre lang über Russland herrschte, war offenbar nicht so schrecklich, wie er oft dargestellt wird. Er war hochintelligent und religiös, aber auch psychisch labil. In diesem Roman sehen wir jedoch hauptsächlich seine Schattenseiten, da der Autor den Herrscher bewusst nicht positiv darstellen wollte.

Das Leben am Hof ​​und das der armen Bevölkerung werden ausführlich geschildert, ihre Kämpfe und wie sie versuchen, diese zu bestehen. Wie bereits erwähnt, ein äußerst interessanter Roman.

Buchbeschreibung:

"Der Roman beginnt im Jahr 1565, während der Herrschaft Iwans des Schrecklichen. Der Zar hatte gerade die gefürchtete Opritschnina, eine Art Polizeitruppe aus Emporkömmlingen, ins Leben gerufen, die Iwans persönlichen Krieg gegen die alten Bojarenfamilien des russischen Adels führten. Der Held dieser Geschichte, Fürst Serebriany (was übersetzt 'Silber' bedeutet), kehrt nach fünf Jahren Krieg an der litauischen Front nach Russland zurück und findet die Welt völlig verändert vor. Iwans Paranoia bildet einen perfekten Kontrast zu Fürst Serebrianys moralischer Integrität; niemals zweifelt er an der Autorität des Zaren, niemals verstößt er gegen seinen Ehrenkodex, während Iwan irrational Massenhinrichtungen anordnet und jeden zum Tode verurteilt, über den ihm seine Berater zuflüstern. Nach einem Konflikt mit der Opritschnina, in Ungnade gefallen, flieht der Fürst aus Moskau und wird zum Anführer einer Bande von Geächteten gewählt.

Der Silberne Fürst war Alexej Konstantinowitsch (allgemein bekannt als A. K.) Tolstois erster Roman. Tolstoi (1817–1875), der vor allem als Dichter und Dramatiker bekannt ist, war ein Romantiker inmitten der dominanten realistischen Bewegung. Das Lesepublikum im Russland des 19. Jahrhunderts – und bis heute – liebte den Roman für seine dramatischen Szenen aus dem Leben der Geächteten und des Hofes, in denen Gier und Tugend aufeinanderprallen. Zeitgenössische Schriftsteller hingegen, die den Grundsätzen der realistischen Literatur verhaftet waren, lehnten ebendiese Romantik ab, die das Publikum so schätzte. Als enger Vertrauter der Kaiserin Maria Alexandrowna, die sein Interesse an Mystik teilte, las Tolstoi ihr während des Schreibens Teile des Romans vor; es ist das einzige Prosawerk, das er ihr widmete.

Die erste englische Übersetzung erschien 1892 unter dem Titel "Prince Serebrenni", später, 1927, unter dem Titel "Prince of Outlaws". Diese Übersetzung entstand aus purer Liebe zur Geschichte und ihren lebendigen Beschreibungen."

Samstag, 30. August 2025

Alexievich, Svetlana "Secondhand-Zeit"

Alexievich, Svetlana "Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus" (Russisch: Время секонд хэнд/Vremja sekond khend) - Second Hand Time. The Last of the Sovjets - 2013

"In der UdSSR geboren - das ist eine Diagnose." Das sagte eine der von der Autorin interviewten Personen, und es wäre auch ein toller Titel für dieses Buch gewesen.

Ich entdeckte Swetlana Alexijewitsch, als sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, und beschloss daraufhin, "Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft" (Voices from Chernobyl: The Oral History of a Nuclear Disaster) zu lesen. Nachdem zwei Jahre später den Literaturnobelpreis erhalten hatte, entdeckte ich viele weitere ihrer Bücher, und "Secondhand-Zeit" klang nach einer großartigen Lektüre. Die Autorin hat ihre Interviews mit ehemaligen Bürgern der Sowjetunion niedergeschrieben – mit Menschen, die das neue System mochten, mit Menschen, die es nicht mochten, mit Menschen, die es liebten, mit Menschen, die es hassten. Sie hat ihre Lebensgeschichten niedergeschrieben, und man kann jeden Einzelnen von ihnen verstehen. Das macht Politik so schwierig: Es ist unmöglich, es allen recht zu machen, es gibt immer jemanden, der mit einer bestimmten Entscheidung nicht einverstanden ist.

Ich liebe ihr Verständnis für alle, wie sie es schafft, ihre Gefühle und Geschichten so zu erzählen, als wären wir mit den Erzählern dabei. Ich konnte mich auch mit vielen Geschichten identifizieren. Da wir in einer anderen Zeit aufgewachsen sind, haben wir wahrscheinlich viel von dem durchgemacht, was die ehemaligen Sowjets nach dem Zerfall ihres Staates durchmachen mussten. Nicht genau dasselbe, aber unser Leben war dem doch näher als das unserer Kinder heute. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich russische Literatur immer geliebt habe.

Und dann sind da noch die Geschichten, die sie erzählt, die uns ihren Interviewpartnern näherbringen. Mir gefiel, wie sie sagten: "Für uns ist die Küche nicht nur ein Ort zum Kochen, sie ist ein Esszimmer, ein Gästezimmer, ein Büro, eine Rednerbühne." und "Wir unterhalten uns gerne in der Küche, lesen ein Buch. 'Leser' ist unsere Hauptbeschäftigung." Oder ihre Witze über Politik – die besten Witze stammen immer von Unterdrückten. "Wie erkennt man einen Kommunisten? An jemandem, der Marx liest. Und wie erkennt man einen Antikommunisten? An jemandem, der ihn versteht." Aber einer meiner Lieblingssätze ist: "In fünf Jahren kann sich in Russland alles ändern, in zweihundert Jahren gar nichts."

Die Autorin hat mit ihrem Werk eine lebendige Geschichte der UdSSR zusammengestellt, ihre Misserfolge und ihre positiven Seiten. Ja, es gab viele Menschen, die in ihrer Unterdrückung etwas Positives sahen, und teilweise verstehe ich sie sogar. Abgesehen vom obigen Witz ist der Kommunismus eine gute Idee, wenn er nur für andere Spezies als den Menschen erfunden worden wäre. Weil der Mensch gierig ist, wird er niemals teilen wollen, und Karl Marx träumte davon, dass dies möglich sein könnte. Er teilte diesen Traum mit so vielen Menschen, genauso wie viele Menschen noch immer an den amerikanischen Traum glauben und daran, eines Tages Millionäre zu sein.

Svetlana Alexijewitsch bringt uns dazu, wie Russen zu denken, ihr tragisches Leben zu verfolgen und uns vorzustellen, dass wir es hätten sein können. Ich habe irgendwo gelesen, ihr Thema sei die "Geschichte der russisch-sowjetischen Seele". Keine schlechte Beschreibung. Ich habe noch nie eine so gute und prägnante Beschreibung des Lebens anderer Menschen gelesen. Sie fragte ihre Mitbürger, was sie unter "Freiheit" verstehen, und erhielt unterschiedliche Antworten von denen, die sich an die UdSSR erinnerten, und denen, die sich nicht an sie erinnerten. Sie sind in verschiedenen Ländern aufgewachsen. Ich kann das insofern nachvollziehen, als unser Land in Ost und West geteilt war, wahrscheinlich so, wie die UdSSR/Russen in Vorher und Nachher geteilt sind. Wir sprechen dieselbe Sprache, haben aber viele unterschiedliche Erinnerungen.

Die Autorin tut, was Tolstoi (Tolstoy) und Dostojewskij (Dostoevsky) vor anderthalb Jahrhunderten taten: Sie bringt Russland wieder auf die literarische Landkarte.

Dieses Buch hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Tragödien, die diese Menschen durchlebt haben und immer noch durchleben, sollten der ganzen Welt bekannt sein. Die Lektüre dieses Buches ist der erste Schritt.

Und falls ich es noch nicht wusste: Die Russen sind ein Volk von Lesern. Die Anzahl der erwähnten Autoren und Bücher ist enorm. Hier sind nur einige davon:

Autoren:
Belov, Vasily Ivanovich (Васи́лий Ива́нович Бело́в)
Berdyaev, Nikolai Alexandrovich (Никола́й Алекса́ндрович Бердя́ев
Chernyshevsky, Nikolay Gavrilovich (Никола́й Гаври́лович Черныше́вский)
Dobrolyubov, Nikolay Alexandrovich (Никола́й Алекса́ндрович Добролю́бов)
Dovlatov-Mechik, Sergei Donatovich (Серге́й Дона́тович Довла́тов)
Fyodorov, Nikolai Fyodorovich (икола́й Фёдорович Фёдоров)
Galaktionovich, Vladimir (Влади́мир Галактио́нович Короле́нк)
Grinevsky, Aleksandr Stepanovich (better known by his pen name, Aleksandr Grin, Александр Грин)
Grossman, Vasily Semyonovich (Васи́лий Семёнович Гро́ссман)
Herzen, Aleksandr Ivanovich (Алекса́ндр Ива́нович Ге́рцен)
Iskander, Fazil Abdulovich (Фази́ль Абду́лович Исканде́р)
Kollontai, Alexandra Mikhailovna (Алекса́ндра Миха́йловна Коллонта́й - née Korolenko, Domontovich, Домонто́вич)
Lermontov, Mikhail Yuryevich (Михаи́л Ю́рьевич Ле́рмонтов)
Nekrassow, Nikolai Alexejewitsch (Николай Алексеевич Некрасов)
Ogarev, Nikolay Platonovich (Никола́й Плато́нович Огарёв)
Okudzhava, Bulat Shalvovich (Була́т Ша́лвович Окуджа́ва)
Platonov, Andrei (Андре́й Плато́нов)
Pushkin, Alexander Sergeyevich (Алекса́ндр Серге́евич Пу́шкин)
Rasputin, Grigori Jefimowitsch (Григорий Ефимович Распутин)
Saltykov-Shchedrin, Mikhail Yevgrafovich (Михаи́л Евгра́фович Салтыко́в-Щедри́н)
Shalamov, Varlam Tikhonovich (Варла́м Ти́хонович Шала́мов)
Uspensky, Gleb Ivanovich (Глеб Ива́нович Успе́нский)

Bücher:
Belyaev, Alexander Romanovich (Беляев, Александр Романович) "Человек-амфибия=Chelovek-Amfibiya" (Amphibian Man/Der Amphibienmensch) - 1927
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Малая земля=Malaja semlja" (Little Land/Das kleine Land) - 1978
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Возрождение=Vozrozhdenie" (Rebirth/Wiedergeburt) - 1978
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Целина=Celina" (The Virgin Lands/Neuland) - 1979
Bulgakov, Mikhail (Булгаков, Михаил Афанасьевич) "Ма́стер и Маргари́та=Master i Margarita"  (The Master and Margarita/Der Meister und Margarita) - 1967
Bunin, Ivan Alekseyevich (Бунин, Иван Алексеевич) "Okajannyje dni=Окаянные дни" (Cursed Days/Verfluchte Tage) (Nobel) - 1926
Chekhov, Anton Pavlovich (Чехов, Антон Павлович) "Сапожник и нечистая сила= Sapozhnik i nechistaja sila" (The Cobbler and the Devil aka The Shoemaker and the Devil/Der Schuster und das Böse) - 1888
Chernyshevsky, Nikolay Gavrilovich (Чернышевский, Николай Гаврилович) "Что делать?=Chto delat?" (What is to be done?/Was tun?) - 1863
Dostojevskij, Fyodor Mikhailovich (Фёдор Миха́йлович Достое́вский) "Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy" (The Brothers Karamazov/Die Brüder Karamasow) - 1879-80
Fadejew, Alexander Alexandrowitsch (Александр Александрович Фадеев) "Molodaia gvardia=Молодая гвардия" (The Young Guard/Die junge Garde) - 1946
Gogol, Nikolai Vasilievich (Никола́й Васи́льевич Го́голь) "Шинель=Shinel" (The Overcoat/Der Mantel) - 1842
Marx, Karl "Das Kapital" (Capital: Critique of Political Economy) - 1867
Ostrovsky, Nikolai Alexeevich (Николай Алексеевич Островский) "Как закалялась сталь=Kak zakalyalas' sta" (How the Steel Was Temperered/Wie der Stahl gehärtet wurde) - 1832-34
Pasternak, Boris Leonidovich (Пастернак, Борис Леонидович) "Доктор Живаго=Doktor Živago" (Doctor Zhivago/Doktor Schiwago) - 1957
Polevoy, Boris Nikolaewich (Борис Николаевич Полевой) "Повесть о настоящем человеке= Povest' o nastojashhem cheloveke" (The Story of a Real Man/Der wahre Mensch) - 1947
Rybakov, Anatoly Naumovich (Рыбаков, Анатолий Наумович) "Дети Арбата=Deti Arbata" (Children of the Arbat/Kinder des Arbat) - 1987
Sholokhov, Mikhail Aleksandrovich (Шолохов, Михаил Александрович) "Они сражались за Родину=Oni srazhalis' za Rodinu" (They Fought for Their Country/Sie kämpften für ihre Heimat) - 1959 Nobel Prize
Solschenizyn, Alexander Aleksandr Isayevich (Солженицын, Александр Исаевич) "Архипелаг ГУЛАГ=Archipelag GULAG" (The Gulag Archipelago/Der Archipel Gulag) - 1973
Solzhenitsyn, Aleksandr Isayevich (Солженицын, Александр Исаевич) дин день Ивана Денисовича=Odin den' Ivana Denisovicha" (One Day in the Life of Ivan Denisovich/Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch) - 1962
Tolstoy, Lew Nikolajewitsch (Толстой, Лев Николаевич) "Война и мир=Woina I Mir" (War and Peace/Krieg und Frieden) - 1868/69
Turgenev, Ivan Sergeyevich (Тургенев, Иван Сергеевич) "Zapiski Okhotnika=Записки охотника" (A Sportsman's Sketches aka The Hunting Sketches/Aufzeichnungen eines Jägers) - 1852

Buchbeschreibung:

"Gut zwanzig Jahre sind vergangen seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die Russen entdeckten die Welt, und die Welt entdeckte die Russen. Inzwischen aber gilt Stalin wieder als großer Staatsmann, die sozialistische Vergangenheit wird immer öfter, vor allem von jungen Menschen, nostalgisch verklärt. Russland, so Swetlana Alexijewitsch, lebt in einer Zeit des 'Second-hand', der gebrauchten Ideen und Worte. Die Reporterin befragt Menschen, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt, betrogen fühlen. Sie spricht mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, Gulag-Häftlingen, Stalinisten. 'Historiker sehen nur die Fakten, die Gefühle bleiben draußen …, ich aber sehe die Welt mit den Augen der Menschforscherin.' Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Swetlana Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen, die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche."

Die Staaten Russlands, der UdSSR und der ehemaligen UdSSR hatten einige Nobelpreisträger für Literatur. Swetlana Alexijewitsch ist bisher die letzte.

Nobelpreisgewinner für Literatur:
Ivan Bunin - 1933
Boris Pasternak - 1958
Michail Sholokhov - 1965
Aleksandr Solzhenitsyn - 1970
Joseph Brodsky - 1987
Alexievich, Svetlana - 2015 (Weißrussland aber geboren in der UdSSR)

Svetlana Alexievich  erhielt den Nobelpreis für Literatur  2015 "für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt" und den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2013.

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Montag, 25. August 2025

Rushdie, Salman "Mitternachtskinder"

Rushdie, Salman "Mitternachtskinder" (Englisch: Midnight's Children) - 1981

Ich liebe es, Bücher zu lesen, die mein Gehirn fordern. Dieses hier fand ich jedoch extrem schwer verständlich. Angeblich wurde dieses Buch zum "Booker der Booker" nominiert und gilt als der beste Booker-Preisträger der ersten 25 Jahre.

Was mir besonders gut gefiel, war, dass das Leben unseres Protagonisten das Leben Indiens seit seiner Unabhängigkeit widerspiegelte. Obwohl ich schon mehrere Bücher über Indien und seine Geschichte gelesen habe, enthielt es dennoch viele Informationen, von denen ich noch nie gehört hatte. Das Buch ist eine sehr eigentümliche Mischung aus historischer Fiktion und magischem Realismus, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe.

Es ist sicherlich lesenswert, aber man muss sich Zeit nehmen, alles aufzunehmen. Vielleicht versteht man dann dieses Zitat ganz: "Wer oder was bin ich? Meine Antwort: Ich bin die Summe all dessen, was vor mir geschah, all dessen, was unter meinen Augen getan wurde, all dessen, was mir angetan wurde. Ich bin jeder Mensch und jedes Ding, dessen Dasein das meine beeinflusste oder von meinem beeinflusst wurde. Ich bin alles, was geschieht, nachdem ich nicht mehr bin, und was nicht geschähe, wenn ich nicht gekommen wäre."

Ich denke auch, man muss auf dieses Buch vorbereitet sein. Es ist sehr intensiv und berührt so viele Themen, so viele Aspekte über sich selbst, dass man es nicht zwischendurch lesen kann. Normalerweise lese ich vier oder fünf Bücher gleichzeitig, bei diesem hier war das nicht möglich, und selbst danach konnte ich eine Zeit lang nicht lesen.

Ein schwieriges Buch – aber sehr spannend, es lohnt sich auf jeden Fall, es in die Hand zu nehmen.

Buchbeschreibung: 
 
"15. August 1947, Mitternacht: Indien wird unabhängig – und zwei Kinder werden geboren, deren Schicksal untrennbar mit dem ihres Landes verbunden ist. Saleem Sinai, Erbe einer reichen muslimischen Familie und Shiva, Sohn besitzloser Hindus. Eine gutmeinende Krankenschwester vertauscht die beiden ..."

Salman Rushdie hat 2023 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Samstag, 9. August 2025

Atwood, Margaret "Der Report der Magd"

Atwood, Margaret "Der Report der Magd" (Englisch: The Handmaid's Tale) - 1985

Der Report der Magd. Eine junge Frau namens Offred erzählt uns die Geschichte von Gilead, einem Land in der Zukunft, das in einem Teil der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika liegt. Katastrophen müssen zu diesem Zustand geführt haben, sicherlich eine ökologische Katastrophe, aber auch eine Revolution, die die Situation verursacht hat, in der die Menschen des Romans sich befinden. In gewisser Weise herrscht eine Diktatur wie in mosaischen Zeiten. Die fruchtbaren jungen Mädchen werden zu einem älteren Mann geschickt, dessen Frau keine Kinder bekommen kann, wie Hagar, die Magd, die Sarahs Mann Abraham gebracht wurde, um ihm Kinder zu gebären. Viele Abschnitte ihres Lebens sind nach biblischen Figuren oder Ereignissen benannt.

Wir erfahren nie den Namen der Erzählerin; sie möchte einfach nicht, dass ihn jemand erfährt, so dass sie an ein anderes Leben glauben kan, an einen anderen Ort, an den sie zurückkehren kann, nachdem all der Schrecken ihres Lebens vorüber ist. Ich wunderte mich über den seltsamen Namen, den die Autorin unserer Protagonistin gab, bis ich auf die nächsten Damen stieß, die alle einen ähnlichen Namen trugen. Offred = Of Fred (Von Fred). Klingt wie ein Männertraum, in dem alle Frauen ihren Namen tragen, als wären sie ihr Eigentum …

Ich weiß gar nicht mehr, was ich dachte, worum es sich in diesem Buch handeln sollte. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass es ein dystopischer Roman sein könnte. Ich mag solche Geschichten lieber als die utopischen. Ich kann nicht an eine glorreiche Zukunft glauben, in der alle friedlich sind und niemand leiden muss. Geschichten über Welten, die aus den Fugen geraten sind, wirken viel realistischer, besonders heutzutage.

Der Teil mit der Zucht erinnerte mich an Hitlers Geburtsanstalten "Lebensborn", in denen er "reine" Arier züchten wollte. Hier wollen sie nur menschliche Wesen züchten, die offenbar zum Problem geworden sind. Sie wissen auch, was mit Menschen zu tun ist, die sich nicht fügen oder anderweitig nutzlos sind. Ihre Konzentrationslager werden "Kolonien" genannt, und die Menschen werden dorthin geschickt, um in verseuchten Gebieten zu arbeiten, wo sie langsam, aber sicher sterben werden.

Der biblische Teil hat mich schon vor mehr als einem Jahrzehnt eher an die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten erinnert. Interessant, wie Margaret Atwood das vor vierzig Jahren schon vorhersehen konnte. Jedes Gesetz, jede Regel, alles muss der Bibel entsprechen, alles, was nicht der Bibel entspricht, ist böse. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Falle einer großen Katastrophe solche Leute versuchen werden, die Macht zu übernehmen, und dass sich daraus eine Diktatur entwickeln könnte, die der beschriebenen nicht unähnlich ist.

Was mir an dem Roman außerdem sehr gut gefallen hat: Auch wenn er verlockend sein mag und Offred tatsächlich von einer besseren Welt träumt, hegt sie keine unrealistischen Hoffnungen, dass diese jemals Wirklichkeit wird. Nichts ist durch eine rosarote Brille geschrieben.

Ja, eine wundervolle Geschichte, gut erzählt, mit einem Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, einem interessanten, aber nicht vorhersehbaren Schluss. Ich war begeistert vom Stil. Ich habe die Geschichte geliebt und inzwischen auch mehr von Margaret Atwood gelesen.

Mein Lieblingszitat: "Vielleicht bin ich verrückt und das ist eine neue Art von Therapie. Ich wünschte, es wäre wahr, dann könnte es mir besser gehen und das hier würde verschwinden."

Ich habe diesen Roman 2018 mit unserem internationalen Lesekreis erneut gelesen. Meine neue Rezension ist hier:

Ich habe dieses Buch vor ein paar Jahren gelesen, es ist eines meiner Lieblingsbücher. Seit es letztes Jahr als Fernsehserie erschienen ist, ist es überall zu finden, und mein Lesekreis hat es als unsere nächste Lektüre ausgewählt. Außerdem hat Margaret Atwood gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Ich habe dieses Buch beim ersten Mal wahrscheinlich noch mehr genossen als dieses Mal. Ich denke, viele der Ängste, die Margaret Atwood in ihrem Buch schilderte, waren einige Jahre später noch wahrer als damals (und heute noch mehr). Sind wir nicht von Menschen umgeben, die glauben, dass nur "wahre" Christen, die die Bibel "genau nach Vorschrift" befolgen, ein gutes Leben verdienen? Zumindest scheinen die meisten Nachrichten, die ich heutzutage aus den Vereinigten Staaten höre, das zu suggerieren. Das Problem ist: Je lauter sie schreien, desto weniger christlich sind sie.

Buchbeschreibung:

"'Mit Der Report der Magd hat sich Margaret Atwood in die Nachfolge von Aldous Huxley und George Orwell hineingeschrieben.' Der Spiegel

Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Dienerin Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ... Margaret Atwoods Report der Magd wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation und von Volker Schlöndorff unter dem Titel Die Geschichte der Dienerin verfilmt." (Anmerkung: Es gibt auch eine amerikanische TV Serie)

Für "The Handmaid's Tale" stand Margaret Atwood 1986 auf der Shortlist für den Booker Prize.

Margaret Atwood hat 2017 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.