Freitag, 12. Juni 2026

Modick, Klaus "Bestseller"

Modick, Klaus "Bestseller" [Bestseller] - 2006

Der Autor Lukas Domcik (natürlich erfunden vom Autor Klaus Modick) gibt sich als Esperanto-Übersetzer aus, damit er nicht dauernd auf seine Schriftstellerei angesprochen wird. Gut, dass ihm kein Esperanto-Sprecher begegnet ist. Wir brauchen nämlich keine Übersetzer, und wenn wir etwas für Nicht-Esperanto-Sprecher zu übersetzen haben, machen wir das selbst. Davon kann man nicht leben.

Zwischendrin erzählt er davon, dass heute doch jeder "Klotzkopf Englisch kann … die deutsche Sprache wird sowieso täglich englischer, und mir fiel mein alter Latein- und Griechischlehrer vom Gymnasium ein, der apodiktisch behauptet hatte, Englisch müsse ein Norddeutscher mit Lateinkenntnissen gar nicht lernen, weil Englisch lediglich eine Mischung aus Vulgärlatein und Plattdeutsch sei. Heute ist Englisch zu einer Mischung aus Vulgärlatein allen Sprachen der Welt verkommen - nur das Plattdeutsche ist dabei irgendwie auf der Strecke geblieben." Da soll Herr Modick sich mal ins Hinterland von Oldenburg begeben, da wird er sehr viele Leute finden (auch jüngere), die zwar Plattdeutsch, aber immer noch kein Englisch sprechen. Moin.

Noch ein Zitat! "Umberto Eco, unter allen postmodernen Schlaumeiern der ungekrönte König, ist einmal der Frage nachgegangen, was eigentlich selbst für intellektuell und ästhetisch belastbare Leute das Faszinierende an einem ästhetisch maximal mediokren Film wie Casablanca sei". Hier handelt es sich um den Essay "Casablanca oder die Klischees tanzen", 1958. Eco behauptet, "Die wilde, scheinbar unlogische Vermischung aller möglichen Klischees und Archetypen macht den Film zu einer Art Collage der westlichen Mythologie."

Warum erwähne ich das? Nun, ich versuche immer noch herauszufinden, wie mir das Buch gefallen hat. Der Anfang war reichlich lahm. Zur Mitte hin wird es dann interessanter bis zum Schluss der Protagonist bekommt, was er verdient. Das hat mir gefallen. 

Buchbeschreibung:

"Klaus Modick erzählt die Geschichte des Schriftstellers Lukas Domcik, der aus einem Manuskriptfund Kapital schlagen will.

Tante Theas Erinnerungen an ihre Jugend in den Dreißiger- und Vierzigerjahren verpackt er als Roman und gibt Rachel, eine junge, fernsehtaugliche und von ihm begehrte Maskenbildnerin, als Autorin aus. Mit dieser unschlagbaren Kombination spekuliert er auf einen Weltbestseller. Doch im Rausch seiner Amour fou verliert Domcik schon bald die Übersicht - und die Fäden seiner attraktiven Marionette aus den Händen …

Eine pointierte Literaturbetriebssatire - und ein grandioses Lesevergnügen!"

Donnerstag, 11. Juni 2026

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal"

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal" (Englisch: Every Day) - 2012

Ein interessantes Buch. Nicht unbedingt mein Genre. Ich würde es nicht einmal Fantasy nennen, denn für mich bedeutet Fantasy Trolle, Zwerge, Riesen und all diese Wesen, die Menschen ähneln, nur ein bisschen anders sind und die es eigentlich gar nicht gibt. Science-Fiction würde ich auch nicht nennen, denn das bedeutet für mich Zukunftstechnologie und Außerirdische. Vielleicht ist es dystopisch, aber es ist keine andere Welt, zumindest nicht für die meisten Figuren.

Es geht um jemanden, von dem wir wissen, dass er nicht existieren kann, aber die Idee ist einfach zu faszinierend, um sie nicht weiterzuverfolgen. Was wäre, wenn es körperlose Wesen gäbe, die von einem Menschen zum nächsten wechseln und dessen Leben nur einen Tag lang leben würden? Ein solches Wesen ist A, das zu Beginn des Buches 5994 Tage und am Ende 6034 Tage gelebt hat. Das heißt, wir begleiten es/sie/ihn vierzig Tage lang durch ein sehr kompliziertes Leben. Als Junge verliebt es/er sich in das Mädchen Rhiannon und versucht, sie wiederzusehen. Das verändert so manches Leben, das Leben der Teenager, in deren Körper er oder sie für diese Tage schlüpft. Wir lernen gemeinsam mit A viele verschiedene Menschen kennen und erleben, wie es/sie/er diese versteht, wie es/sie/er zwar nur für kurze Zeit in ihren Körpern lebt, aber sich dennoch so in sie hineinversetzen kann, als wäre er schon immer da gewesen.

Wie gesagt, ein interessantes Konzept, gut geschrieben, und es hat definitiv das Zeug zum Bestseller, besonders für die Zielgruppe der "jungen Erwachsenen", für die es geschrieben wurde, denn es wirft so viele Fragen auf, die sich jeder Teenager stellt. Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Warum bin ich nicht jemand anderes? Was wäre, wenn ich ein Junge oder ein Mädchen wäre? Was wäre, wenn ich adoptiert wäre? Was wäre, wenn ich einen Tag lang im Körper eines anderen leben könnte?

Mir wurde dieses Buch von einer viel jüngeren Person empfohlen. Sie behauptete, es sei ihr absolutes Lieblingsbuch. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann sie durchaus verstehen.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?

Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?"

Offensichtlich gibt es dazu eine "Fortsetzung" mit dem Titel "Another Day" (Letztendlich geht es nur um dich), die auch "The Story of Rhiannon" genannt werden könnte, und eine "Vorgeschichte" mit dem Titel "Six Earlier Days" [keine deutsche Übersetzung], das von sechs früheren Tagen des Protagonisten A handelt.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" [Oh, this gap, this terrible gap] (Alle Toten fliegen hoch. No. 3) - 2015

Unser Lesekreisbuch. für Mai 2026. Obwohl es der dritte Teil einer Serie ist, wurde beschlossen, dieses Buch zu lesen, da man die Romane auch in unterschiedlicher Folge lesen kann. Ich weiß nicht, ob es ein guter Entschluss war und ob es nicht besser gewesen wäre, von vorne anzufangen. Vielleicht lese ich die anderen auch noch. Auf jeden Fall werde ich den letzten Band lesen, da das unser nächstes Buch ist.

Es wird zwar viel auf den Humor in dem Buch hingewiesen, aber ich fand nicht, dass dies die Hauptsache war, es waren schon recht viele traurige Begebenheiten in dem Band.

Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich freue mich, nicht auf eine Schauspielschule gegangen zu sein. Ich habe jede Schule geliebt, aber das war mir dann doch ein wenig verrückt.

Der Schreibstil hat mir schon gefallen, auch einige seiner Wortspielereien (z.B. Turnvater-Jahn-Gedächtnis-Choreografie). Auch die Situationskomik, wie eine unserer Leserinnen es so treffend beschrieb. Als Nicht-Alkohol-Trinkerin haben mir die Großeltern allerdings zu viel gesoffen.

"Mit zwanzig wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: 'Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.'

Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe 'Alle Toten fliegen hoch' nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken."

Dienstag, 9. Juni 2026

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin"

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin" (Englisch: Kiss of the Fur Queen) - 1998

Nach ein paar Seiten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dieses Buch am liebsten wegwerfen zu wollen. Doch es war ein Buch für unseren internationalen online Lesekreis, und ich hoffte, es würde  besser werden. Das wurde es nicht.

Ich bin eigentlich kein großer Fan all dieser mystischen Geschichten, dachte aber, diese hier könnte interessant sein. War es nicht. Und das Schlimmste daran: Der Autor hatte einen furchtbaren Schreibstil; er sprang ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang von einem Abschnitt zum nächsten. Zudem bin ich keineswegs prüde, hätte aber gut auf die detaillierten Beschreibungen von sexuellem Missbrauch, Gewalt und homosexuellen Handlungen verzichten können.

Doch anscheinend war ich die Einzige, die so heftig auf das Buch reagierte. Hier sind einige Anmerkungen aus der Gruppe:

  • Kuss der Pelzkönigin gilt als halbautobiografischer Roman. In seinen Memoiren Permanent Astonishment aus dem Jahr 2021 schildert Tomson Highway die frühen Jahre seines Lebens gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rene Highway (1954–1990).
  • Kommentar: Das ergibt absolut Sinn. Ich hatte es zwar nicht nachgeschlagen, spürte aber bereits beim Lesen, dass hinter einem Großteil der Handlung eine wahre Geschichte steckt – und dass diese hervorragend recherchiert ist, wenn nicht sogar auf rein persönlichen Erlebnissen beruht.
  • Ich hatte gemischte Gefühle bezüglich Kuss der Pelzkönigin, bin aber insgesamt froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichte begleitet zwei Brüder vom Volk der Cree aus dem Norden Kanadas – von etwa den 1950er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre hinein. Anhand ihrer Lebenswege veranschaulicht das Buch die Auswirkungen des kanadischen Internatssystems sowie den immensen Druck, der auf den indigenen Völkern lastete, ihre Sprache, Kultur und Traditionen aufzugeben.
  • Am meisten interessierte mich der Einblick in die Kultur, Mythologie und die überlieferten Erzählungen der Cree. Ich lese sehr gerne über verschiedene Kulturen und Legenden; dies war ein Themengebiet, über das ich vor der Lektüre des Buches nur sehr wenig wusste. Die geheimnisvolle Gestalt der Pelzkönigin und die mythologischen Elemente verliehen der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig schätzte ich die tiefergehenden Themen des Romans: Identität, Glaube, Kultur und die Frage, wie Menschen mit Traumata umgehen. Die beiden Brüder sind hin- und hergerissen zwischen den Traditionen der Cree und dem Christentum – ein Konflikt, den der Roman meiner Meinung nach auf äußerst eindrucksvolle Weise beleuchtet.
  • Der Schreibstil ist oft von großer Schönheit, insbesondere in den Beschreibungen der Natur, der Traumwelten und der traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr düsteren Roman. Ein Großteil der Geschichte befasst sich mit Missbrauch, Gewalt, Verlust und den langanhaltenden Folgen von Traumata. Es gab Passagen, die ich nur schwer lesen konnte. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Elemente lediglich um des Schockeffekts willen eingefügt wurden. Sie stehen in Verbindung zu realen historischen Erfahrungen, was sie für die Geschichte unverzichtbar macht – selbst dort, wo sie unbequem sind.
  • Dies ist kein leichtes Buch, und ich kann gut nachvollziehen, warum es manchen Lesern aufgrund seiner schwierigen Thematik missfallen mag. An manchen Stellen empfand ich die Konzentration auf das Leid als erdrückend. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass der Roman eine wichtige Perspektive eröffnet, über die viele von uns außerhalb Kanadas womöglich nur wenig wissen. Für mich war es eine lohnende Lektüre, da sie Geschichte, Kultur, Mythologie und persönliche Schicksale auf unvergessliche Weise miteinander verknüpfte.

Nun, da haben wir es: Manche waren froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich war es nicht.

Buchbeschreibung:

"'Tomson Highway schreibt in Englisch, aber er träumt in Cree', schrieb ein Rezensent über den autobiografischen Erstlingsroman des bekannten kanadischen Dramatikers. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Brüder Oimasis. Herausgerissen aus einem naturnahen Lebne in indianischer Tradition, werden sie ine eine von rigidem Katholizismus, Alkohol, sexueller Gewalt und Rassismus geprägte fremde Welt geworfen. Die Suche nach einer neuen, beide Welten vereinenden Identität beginnt."

Montag, 8. Juni 2026

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft"

Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft" (Englisch: Interpreter of Maladies) - 1999 

Ich habe dieses Buch im Jahr 2015 gelesen. Das war mein damaliger Kommentar:

"Wie die meisten meiner Freunde wissen, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten. Ich habe jedoch "Der Namensvetter" (The Namesake) von derselben Autorin gelesen und war wirklich begeistert. Und mehrere meiner Freunde hatten mir 'Melancholie der Ankunft' empfohlen, eine hatte mir sogar ein Exemplar hinterlassen, als sie umzog, ich musste es einfach lesen.

Ich war angenehm überrascht. Was für eine schöne Sammlung von Kurzgeschichten, einige davon sind sogar miteinander verknüpft, sodass es nicht so scheint, als wären es hundert kleine Geschichten, die man sofort vergisst. Im Gegenteil, Jhumpa Lahiri hat einige wundervolle Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Sie bezieht alle möglichen Probleme mit ein, mit denen jeder konfrontiert werden kann, der in einer anderen Kultur lebt als der, in der er oder seine Eltern aufgewachsen sind. Sie beschreibt einige nette Menschen (und einige nicht so nette), die alle mit einem Leben in zwei verschiedenen Teilen dieser Welt konfrontiert sind. Da die Autorin selbst Inderin ist und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, ist dies der Hintergrund für fast alle ihre Geschichten. Da ich selbst fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt habe (allerdings nicht in einer so anderen Kultur wie die Charaktere im Buch), kann ich mich mit einigen von ihnen durchaus identifizieren.

Jhumpa Lahiri hat einen guten, eleganten Stil, ihre Geschichten fließen einfach, ich werde sicherlich noch mehr von ihren Werken lesen."

Vor einiger Zeit bin ich einer Online-Gruppe namens Literary Wives beigetreten, und dies war das nächste Buch auf unserer Liste. Also habe ich das Buch noch einmal gelesen – denn die erste Lektüre lag schon eine Weile zurück –, diesmal jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt: Was sagt die Autorin über die Ehefrauen in ihrem Buch?

Die meisten dieser Geschichten spielen in Indien und/oder drehen sich um indische Paare.

Eine vorübergehende Sache * (A Temporary Matter)

Wir erleben das Ende einer Ehe. Ein Paar leidet unter dem Verlust eines totgeborenen Babys. Trotz aller Bemühungen haben sie nichts mehr miteinander zu sagen.

Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam * (When Mr. Pirzada Came to Dine)

In dieser Geschichte erinnert sich eine Frau an einen Mann aus Ostpakistan/Bangladesch, der ihre indische Familie in den USA besuchte, während seine Familie in der Heimat war. Es ist mehr die Geschichte des Mannes als die der Frau, aber sie gibt uns dennoch einen Einblick in das Leben indischer Ehefrauen in den USA.

Dolmetscher kleiner Unpässlichkeiten * (Interpreter of Maladies)

Diese Geschichte handelt von einer indisch-amerikanischen Familie, die das Land ihrer Herkunft besucht. Wir erfahren mehr über das Leben einer solchen Frau; sie ist sehr einsam. Ich kann das gut nachvollziehen, denn als nicht berufstätige Ehefrau im Ausland hat man nicht das soziale Leben, das Mann und Kinder haben, und es ist schwer, seinen Platz zu finden.

Ein richtiger Durwan * (A Real Durwan) (Türsteher/Pförtner)

Diese Geschichte handelt von einer älteren Frau, die Treppenfegerin ist und auf dem Dach des Gebäudes lebt, in dem sie arbeitet.

Obwohl es hier weniger um die Situation einer Ehefrau geht, erzählt sie von Armut und davon, wie man noch ärmer sein kann als alle anderen um sich herum.

Sexy (Sexy)

Wir sind zurück in den USA. Auch hier geht es nicht um die Ehefrau, sondern um die Geliebte – und um einen Ehemann, der seine Frau verlässt. Eine gelungene Betrachtung dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven: die der Ehefrau und die der Geliebten.

Bei Mrs. Sen * (Mrs. Sen's)

Hier haben wir die Geschichte einer indischen Frau, die in den USA lebt, keinen Führerschein besitzt und keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Sie kümmert sich nach der Schule um einen elfjährigen Jungen und bringt ihm ihre Küche näher. Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich habe sehr mit der Frau mitgefühlt.

Ein gesegnetes Haus * (This Blessed House)

Ein junges indisches Ehepaar in Connecticut zieht in sein neues Haus und findet dort viele christliche Reliquien. Die Frau stellt sie auf den Kaminsims. Eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, was man behalten und was man annehmen sollte. Und wie sehr die Ehe davon profitieren kann.

Bibi Haldars Therapie * (The Treatment of Bibi Haldar)

Eine Frau leidet unter Anfällen, und ein Arzt empfiehlt, sie zu verheiraten. Doch eine Heirat kostet Geld, und man muss erst einmal einen Heiratskandidaten finden. Also lassen ihre Verwandten sie stattdessen auf dem Dach wohnen. Diese Geschichte befasst sich mit dem Umgang mit Krankheit und Vorurteilen.

Der dritte und letzte Kontinent * (The Third and Final Continent)

Ein Mann zieht von Indien nach London und schließlich in die USA, wo er ein Zimmer bei einer 103-jährigen Dame mietet. Die beiden bauen eine gute Beziehung zueinander auf, bis er heiratet und auszieht. Wir verfolgen das Leben des Mannes und seiner Frau sowie die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben.

Wie ich bei den Geschichten bereits angemerkt habe, drehen sich nicht alle um die Ehefrauen; bei einigen spielt deren Status überhaupt keine Rolle – sie sind einfach nur da. Doch wo sie erwähnt werden, erfahren wir viel über die Unterschiede zwischen indischen und (hauptsächlich) amerikanischen Ehefrauen sowie über deren Rechte und Pflichten.

Ich glaube, das hilft auch zu verstehen, warum Einwanderer so oft unter sich bleiben. Es liegt nicht nur an der Sprache – auch wenn es natürlich nicht hilft, wenn ihnen niemand die Sprache des Gastlandes beibringt –, sondern vielmehr an der Kultur und dem gegenseitigen Verständnis. Besonders die Ehefrauen sind unsichtbar; sie gehen in der Menge unter. Gerade bei arrangierten Ehen versteht der Ehemann seine Frau oft nicht.

Buchbeschreibung:

"Pulitzer-Preis 2000 für Belletristik MELANCHOLIE DER ANKUNFT - wohl jeder Leser bedauert es, wenn er wieder am Ende einer dieser elegant geschriebenen, dabei aber überaus gefühlvollen Geschichten angelangt ist. Und durchweg sind es Lahiris Figuren, die so seltsam berühren und den besonderen Zauber dieser Geschichten ausmachen. Menschen zwischen den Welten: Da ist der Ich-Erzähler aus Der dritte und letzte Kontinent, der, ironisch und anrührend zugleich, seinen langen Weg über drei Kontinente, von Kalkutta über England bis in die amerikanische Universitätsstadt Cambridge, schildert; da ist die Inderin Mrs. Sen, die ihre ganze Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in der Freundschaft mit einem kleinen amerikanischen Jungen zu kompensieren sucht. Und da sind Shoba und Shukumar, das junge Ehepaar aus der vielleicht schönsten Geschichte der Sammlung, Eine vorübergehende Angelegenheit. Seit Shoba durch eine Fehlgeburt ihr lang ersehntes Baby verloren hat, ist ihre Ehe mit Shukumar aus dem Lot geraten. Während einer fünftägigen abendlichen Stromsperre beschließen die beiden, die Zeit im Dunkeln zu überbrücken, in dem sie sich abwechselnd etwas aus ihrem Leben erzählen - und zwar etwas, das sie dem anderen bislang verschwiegen haben. Ein gefährliches Unterfangen, wie sich am letzten Tag des Stromausfalls zeigt: Shukumar erzählt seiner Frau, was damals, in den ersten Stunden nach der Fehlgeburt, wirklich geschah."

Jhumpa Lahiri erhielt im Jahr 2000 den Pulitzerpreis for "Melancholie der Ankunft".

Und hier sind die Rezensionen der anderen Literary Wives:

Becky aus Sydney von Aidanvale

Kate aus Melbourne von booksaremyfavoriteandbest

Rebecca aus Maryland, USA von Bookish Beck

Kay aus Washington State von What? Me Read?

* Die Übersetzungen der einzelnen Kapitel habe ich Wikipedia entnommen. Ich hoffe, es sind diejenigen, die man auch in der deutschen Übersetzung benutzt hat, obwohl das bei einigen mehr als fragwürdig ist.

Freitag, 5. Juni 2026

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung"

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung" - The Post Office Girl ~1930/1982

Nachdem ich "Die Welt von Gestern" gelesen habe, wollte ich schon lange einmal ein weiteres Buch von Stefan Zweig lesen, und da es diesen Monat das Starterbuch für "Six Degrees of Separation" war, habe ich es mir vorgenommen.

Stefan Zweig schrieb dieses Buch in den 1930er Jahren, also vor fast hundert Jahren. Aber veröffentlicht wurde es erst 1982, nachdem es aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Der Verleger überarbeitete das Fragment und ergänzte es mit Notizen des Autoren.

Das Buch spielt kurz nach dem 1. Weltkrieg in Österreich. Es hätte tatsächlich in allen Nachkriegsländern spielen können. Viele Männer sind nicht aus dem Krieg heimgekehrt, die meisten Leute haben kaum Arbeit, sie fristen ein sehr ärmliches Leben.

Da kommt eine Einladung von reichen Verwandten, die die junge Postangestellte Christine in ein Hotel einladen. Sie wird in eine vollkommen fremde Welt katapultiert, die allerdings nicht lange anhält.

Nach diesem Urlaub lernt sie den Kriegsheimkehrer Ferdinand kennen, dem es genauso schlecht geht wie ihr.

Eine traurige Geschichte, eine düstere Geschichte. Stefan Zweig selbst hatte kein glückliches Leben, das spiegelt sich auch hier wider. Aber er versteht es wie kaum ein anderer, in die Seele der Menschen zu sehen und sie uns zugänglich zu machen.

Ich muss mir unbedingt noch ein anderes Buch dieses großartigen Schriftstellers vornehmen. Habt ihr Vorschläge?

Buchbeschreibung:

"Sommer 1926. Christine Hoflehner hat eine bescheidene Anstellung als Postassistentin gefunden. Die Sorgen der Nachkriegszeit sind überwunden, doch vor ihr liegt ein freudloses, ärmliches Leben. Ein Telegramm reißt sie völlig unerwartet aus der Monotonie ihres Daseins: Amerikanische Verwandte laden sie zu einem Urlaub ins Engadin ein. Zuerst verschüchtert, gerät sie rasch in den Sog dieser 'Welt ohne Arbeit, ohne Armut, die sie nie geahnt'. Doch ihr Rausch der Verwandlung ist nicht von Dauer. Als sie Ferdinand kennenlernt, einen 'mit dem Geist der Revolte geladenen Menschen', durch Krieg und Gefangenschaft um seine Jugend und die Möglichkeit einer gesicherten Existenz betrogen, fasst er einen anarchischen Plan – und sie sagt laut und leidenschaftlich ja dazu."

Samstag, 23. Mai 2026

Fowler, Karen Joy "Der Jane Austen Club"

Fowler, Karen Joy "Der Jane Austen Club" (Englisch: The Jane Austen Book Club) - 2004

Ich lese dieses Buch gerade mit einem spontan gegründeten Online-Lesekreis, in dem wir dieses und Jane Austens Bücher lesen. Da ich sie alle erst kürzlich wieder gelesen habe, verweise ich euch hier auf den Link zu meinen Rezensionen.

Leider wird dieses Buch Jane Austen nicht gerecht. Der Lesekreis ähnelt vielen anderen, von denen mir Freunde erzählt haben – ich war selbst mal kurz Mitglied, bin aber recht schnell wieder ausgetreten, da ich mich lieber über die gelesenen Bücher unterhalten möchte, anstatt über alles Mögliche zu tratschen. Der Aufkleber "Richard & Judys Buchclub" auf dem Titelbild hätte mir eigentlich zu denken geben sollen. Das wird mir eine Warnung sein.

Sprechen sie überhaupt über die Bücher? Hat Karen Joy Fowler überhaupt eines davon gelesen? Falls ja, hat sie keine Ahnung, wie man über Bücher spricht, denn ich habe den Eindruck, sie hat noch nicht einmal einen dieser fantastischen Romane aufgeschlagen. Warum sonst sollte sie eine Geschichte um Jane Austen herum konstruieren, ohne sich überhaupt mit ihren Werken auseinanderzusetzen?

Eine enttäuschende Lektüre. Ich habe es nur zu Ende gelesen, damit wir in unserer kleinen Gruppe darüber sprechen konnten.

Buchbeschreibung:

"Fünf Frauen und ein Mann, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schließen sich zu einem Leseclub zusammen, um über die Romane von Jane Austen zu diskutieren. Sechs Monate lang lassen Jocelyn, Sylvia, Allegra, Bernadette, Prudie und Grigg die Figuren, Gedanken und den Witz Jane Austens in ihr Leben - und das nicht ohne Folgen. Was bei ihren Treffen ans Licht kommt, sind allerdings weniger die verschiedenen Aspekte von 'Stolz und Vorurteil' als die Wünsche und Sehnsüchte der Teilnehmer. Nebenbei bewegt natürlich alle Frauen die Frage, warum Jocelyn einen Mann in die Runde eingeladen hat, wo doch jeder weiß, dass Männer kaum lesen - geschweige denn Jane Austen. Während der Club zusammenkommt, werden Familiengeschichten ans Tageslicht gebracht, Ehen getestet, zarte Bande gesponnen und Tragödien gemeistert. Und am Ende hat nicht nur Grigg, der einzige männliche Teilnehmer, die Liebe und das große Glück gefunden."

Abgesehen von allen Romanen von Jane Austen wurden in dem Buch jedoch noch einige andere Bücher erwähnt (größtenteils Science Fiction oder Fantasy):
Henlein, Robert A. "Stranger in a Strange Land" - Fremder in einer fremden Welt
Junger, Sebastian "The Perfect Storm" - Der Sturm – die letzte Fahrt der Andrea Gail
LeGuin, Urusla K. "The Left Hand of Darkness" - Winterplanet/Die linke Hand der Dunkelheit
LeGuin, Ursula K "The Lathe of Heaven" - Die Geißel des Himmels
LeGuin, Urusla K. "Searoad" - Die Regenfrau
Radcliffe, Ann "The Mysteries of Udolpho" - Udolphos Geheimnisse
Rand, Ayn "The Fountainhead" - Der Ursprung/Der ewige Quell
Tolkien, J.R.R. "The Lord of the Rings" - Der Herr der Ringe