Mittwoch, 28. Oktober 2026

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra!"

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra! Glücklich wie die Dänen" (Englisch: The Year of Living Danishly: My Twelve Months Unearthing the Secrets of the World's Happiest Country) - 2015

Als ich mit dem Buch begann, dachte ich: "Oh nein, nicht schon wieder eines dieser Reisebücher, in denen ein naiver Ausländer im Ausland lebt und alles falsch macht." Denn genau so wirkte es in den ersten Kapiteln. Doch Helen Russell findet den Dreh und beschreibt auf sehr humorvolle Weise, wie wunderbar dieses kleine skandinavische Land tatsächlich ist.

Während sie sich mit ihrem "Lego-Mann" in ihrem kleinen Haus in "Sticksville-on-Sea" einlebt – mit gelegentlichen Ausflügen in die "Großstadt" –, versucht sie herauszufinden, was die Dänen so glücklich macht. Besonders im Hinblick auf die Steuern, die sie zahlen. Doch das Geheimnis liegt womöglich darin, dass die Skandinavier einen Weg gefunden haben, für mehr Gleichheit zu sorgen und jedem ein sicheres Leben zu ermöglichen. Sie müssen sich keine Sorgen um Krankenversicherung, die Bildung ihrer Kinder oder die Altersvorsorge machen; darum kümmern sich der Staat und die gezahlten Steuern. Ein glücklicher Sozialismus, wenn man so will.

Sie freundet sich mit einigen Nachbarn an – was bisweilen schwierig sein kann, zumal sie im Januar ankommen, wenn sich alle in den Winterschlaf zurückgezogen haben – und lernt das dänische Leben durch Gespräche mit Experten sowie mit "Otto Normalverbraucher" kennen. Dabei bemerkt sie, wie viel ruhiger das Leben auf dem dänischen Land im Vergleich zum hektischen London ist. Etwas, das ich ihr auch schon vorher hätte sagen können. LOL

Obwohl sie versucht, ihren Aufenthaltsort nicht allzu direkt zu verraten – etwa indem sie Ortsnamen durch Spitznamen ersetzt –, lässt sich leicht erraten, wovon sie spricht, besonders wenn man schon einmal in Dänemark war und auch das Legoland besucht hat. Vielleicht wart ihr auch schon dort.

Ich habe skandinavische Freunde, und auch wenn viele von ihnen eher zu einer gewissen Zurückhaltung neigen – wie von der Autorin beschrieben –, wirken die meisten auf mich sehr zufrieden und glücklich. Ich glaube also, dass an diesem beschriebenen "Hygge"-Gefühl durchaus etwas dran ist. Das Buch hat mir gut gefallen, und ich werde versuchen, weitere Werke von ihr zu lesen. Denn obwohl sie ursprünglich nur ein Jahr bleiben wollte, ist sie auch nach fast einem Jahrzehnt noch dort. Das spricht für sich. Oh, und es gibt noch eine amüsante Anekdote, als sie Weihnachten mit ihren Nachbarn feiert:

Man versichert ihr, dass sich "die meisten Weihnachtsfeiern darauf beschränken, um Mitternacht vom Sofa zu springen, nach draußen zu gehen, um sich das Feuerwerk anzusehen, und dann einen Schwarz-Weiß-Film zu schauen, in dem einer alten Dame das Essen von ihrem Butler serviert wird." Detuschen braucht man diesen Film nicht zu erklären, aber ich lasse die Beschreibung trotzdem mal hier drin. Der Film dauert nur 18 Minuten und basiert auf einem Theaterstück von Lauri Wylie. Er trägt den Titel "Dinner for One". Es gibt nur zwei Figuren: Miss Sophie und ihren Butler, dargestellt von den britischen Komikern May Warden und Freddie Frinton. 1962 sah der deutsche Entertainer Peter Frankenfeld den Sketch in Blackpool und überredete die beiden, nach Deutschland zu kommen und ihn dort zu verfilmen. Seitdem läuft er an jedem Silvesterabend im deutschen Fernsehen. Von dort aus verbreitete er sich in Skandinavien und vielen anderen europäischen Ländern – allerdings nicht im Vereinigten Königreich. Und, wie ihre Nachbarn so eifrig betonten: Es ist Tradition!

Für alle, die es einmal außerhalb von Silvester sehen wollen, hier kann man es sich ansehen:

Und falls ihr noch nicht in Dänemark wart: Setzt es unbedingt auf eure Wunschliste.

Buchbeschreibung:

"Die Kunst, einfach glücklich zu sein

Dänemark ist das glücklichste Land der Welt. Die britische Journalistin Helen Russell ist dennoch höchst skeptisch, als ihr Mann einen Job bei Lego annimmt - und sie als überzeugte Großstädterin aus London mit ihm in die dänische Einöde ziehen soll.

Doch in Jütland angekommen, findet Helen Schritt für Schritt heraus, was hinter dem geheimnisvollen Wohlfühlkonzept 'Hygge' steckt, das die Dänen den langen Wintern, der Kälte und Dunkelheit trotzen lässt. Und welche Geheimrezepte (und damit sind nicht nur die dänischen Zimtschnecken gemeint) für so viel Glück sorgen, dass manchmal sogar die Kühe auf der Wiese tanzen."

Dienstag, 27. Oktober 2026

Hustvedt, Siri "Der Sommer ohne Männer"

Hustvedt, Siri "Der Sommer ohne Männer" (Englisch: The Summer without Men) - 2011

Ich weiß nicht mehr, wann und warum ich dieses Buch gekauft habe; ich weiß nur noch, dass ich eine Liste mit Büchern hatte, die "Sommer" im Titel tragen, und dieses hier darauf auftauchte. Da ich es noch nicht kannte und der Sommer vor der Tür stand, beschloss ich, es als Nächstes zu lesen.

Es hat bei mir allerdings keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Ich würde es nicht gerade als schwer zu lesen bezeichnen, eher als etwas wirr. Bisweilen fühlte ich mich an Sylvia Plath oder Virginia Woolf erinnert – aber nicht im positiven Sinne. Es war zwar philosophisch angehaucht, aber oft konnte man ihrem Gedankengang nicht folgen; sie schweifte einfach ab.

Die Handlung ist eigentlich recht simpel: Mia wird von ihrem Mann verlassen – zumindest vorübergehend –, fällt in ein tiefes Loch, muss eine Zeit lang in eine psychiatrische Klinik und verbringt dann den Sommer bei ihrer Mutter. Auch die Freundinnen ihrer Mutter scheinen alle Probleme zu haben. Sie unterrichtet junge Mädchen in einem Sommerkurs für Literatur – und natürlich gibt es auch dort Probleme. Ach ja, und dann ist da noch die Nachbarin, die Schwierigkeiten mit ihrem Mann hat. Gibt es überhaupt irgendein Problem, das eine Frau haben kann und das in diesem Buch nicht thematisiert wird? Das größte Manko war für mich, dass ich keinen rechten Draht zu der Geschichte fand; die Figuren wirkten nicht lebendig. Es wirkte einfach wie eine Aneinanderreihung von Problemen, ohne dass diesen wirklich Tiefe verliehen wurde.

Außerdem enthielt der Roman für meinen Geschmack zu viel Lyrik.

Ich weiß, dass Siri Hustvedt eine renommierte Autorin ist. Vielleicht gehört dieses Buch zu ihren schwächeren Werken. Oder aber – sie trifft einfach nicht meinen Geschmack. Ich habe noch "Die Leiden eines Amerikaners" (The Sorrows of an American) auf meinem SUB liegen, weiß aber nicht, ob ich mich in nächster Zeit daran wagen werde.

Der Original-Buchumschlag hat mir allerdings gut gefallen.

Buchbeschreibung:

"Die New Yorker Dichterin Mia hat eine Krise und verbringt den Sommer in der Nähe ihrer 90-jährigen Mutter, die im Heim lebt. Mia schreibt sich ihre Wut über ihren untreuen Ehemann und auch sonst eine Menge vom Herzen und allmählich entdeckt sie sich wieder neu."

In diesem Roman ist viel von Büchern die Rede, doch nur eines wird namentlich genannt: "Überredung" (Persuasion) von Jane Austen – ein Buch, das von der Mutter der Protagonistin und ihrem Lesekreis "The Rolling Meadows" (Sanfte hügelige Wiesen) gelesen wird.

Montag, 26. Oktober 2026

Solschenizyn, Alexander "Der erste Kreis der Hölle"

Solschenizyn, Alexander (Aleksandr Solzhenitsyn) "Der erste Kreis der Hölle" oder "Im ersten Kreis"(RUS: В круге первом/V krugue pervom) - In the First Circle - 1955

Die Buchbeschreibung erzählt, dass es sich hier um ein umfang- und inhaltsreiches Werk handelt. Absolut richtig. Fast 800 Seiten, in denen es um das Leben in der Sovjetunion kurz nach dem zweiten Weltkreig geht. Allerdings nicht für jedermann. Hier wird das Leben der politischen Gefangengen und deren Angehörigen beschrieben. 

Wenn man erst einmal in einer sogenannten "Scharaschka", einem Arbeitslager für Wissenschaftler und Ingenieure, oder in der Lubjanka, dem berüchtigten Moskauer Gefängnis für politische Gefangene gelandet war, konnte man mit dem Leben abschließen, die meisten kamen nicht wieder in die Freiheit. Auch wenn diese Gefangenen ein paar Erleichterungen gegenüber den anderen hatten, waren sie dennoch gefangen und mussten auch noch für das verhasste Regime arbeiten.

So wird das Leben der verschiedenen Insassen beschrieben, vor der Inhaftierung und danach. Und auch die Frauen, die Familien, sie wurden gleich mitbestraft.

Für alle Beteiligten war dies das Ende des Lebens wie sie es kannten und, wie im letzten Kapitel benannt: der erste Kreis der Hölle.

Außer Alexander Solschenizyn war auch Ossip Mandelstam einer der Dichter, die über ihr "Leben" in diesem Regime geschrieben haben. Gut, dass es solche Menschen gab/gibt, die uns über solche Zustände aufklären.

Ein hochinteressantes Buch, sicher neben Iwan Denissowitsch eine der besten, die über dieses Thema geschrieben wurden.

Hier noch ein Zitat, dass besonders alle Leseratten interessieren dürfte:

"In der Welt gab es so unermesslich viele, unentbehrliche, erstklassige Bücher, und die Begierde, sie alle zu lesen, hinderte Rubin daran, jemals ein eigenes Buch zu schreiben. Jetzt hatte er sich darauf vorbereitet, bis weit über Mitternacht hinaus, ohne Rücksicht auf den morgigen Arbeitstag, zu lesen. Aber abends erwachte stets sein Geist und seine Diskutierfreude, und sein Witz wurde besonders scharf- da bedurfte es nur wenig, um ihn für die Unterhaltung der Allgemeinheit zu gewinnen. ..." 

Buchbeschreibung:

"Die Handlung des umfang- und inhaltsreichen Werkes ist mit ein paar Tagen im letzten Dezemberdrittel 1949 begrenzt und stellt eigentlich einen Kriminalroman vor, der mit der Tat beginnt, ... jedoch mit der Verhaftung und genauen Bekanntgabe, wie es in der berüchtigten Lubjanka zugeht, nicht endet: Die Story von dem Staatsrat zweiter Klasse Innokentij Wolodin, der in einer plötzlichen Anwandlung von einer öffentlichen Telephonzelle aus die amerikanische Botschaft in Moskau anruft und einem Attache verrät, daß drüben ein Ehepaar Rosenberg in den nächsten Tagen die Geheimnisse der Atombomben-Herstellung einem sowjetischen Agenten weitergeben werde - dieser aufregende Anfang ist bloß Aufhänger für alles andere.  Alles‹ ist wörtlich gerneint: vom Sonderlager Marfino in der Nähe der Hauptstadt, vom Leben der Angehörigen ›draußen‹, von den einfachen Aufsehern, von Politfunktionären im Offiziersrang und dem zuständigen Minister bis zu IHM, vor dem sie alle zittern, Stalin, wie er mitten in der Nacht die ihm gegenüber ohnmächtigen Machthaber zu sich zitiert. Ein historisch-soziologisches Panorama also, zwei Jahrzehnte, gesammelt im Brennpunkt jener halben Woche, gegen Ende 1949."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

Ich wirke an dieser Seite mit:
Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden. 

Samstag, 24. Oktober 2026

Deary, Terry "Wahnsinns-Wissen"

Deary, Terry "Wahnsinns-Wissen" auch "Grässliche Geschichte" (Englisch: Horrible Histories) - 1993ff.
  
Meine Jungs waren noch recht klein, als die ersten "Horrible Histories"-Bücher (wie "The Terrible Tudors" und "The Awesome Egyptians") erschienen. Das war großartig, denn so waren bereits einige Exemplare vorhanden, als sie anfingen zu lesen, und sie konnten im Laufe ihres Heranwachsens viele davon verschlingen. Beide lieben Geschichte, und ich glaube, das liegt zum Teil an diesen Büchern.

Der Untertitel der meisten dieser Bücher lautet: "Geschichte – inklusive der ekligen Details!" Jungs – besonders Jungs – lieben ein bisschen Grusel und Blutvergießen in Büchern; und da die Geschichte meist beides zu bieten hat, lassen sie sich damit leicht begeistern.

Die Sprache ist genau richtig für Kinder. Im Buch "The Awful Egyptians" zum Beispiel wird im Kapitel "Phunny Pharaohs" (ja, auch mit Wortspielen wird hier fantastisch gearbeitet) erwähnt, dass die Ägypter im Land am Nil lebten: "Jedes Jahr trat der Fluss über die Ufer und hinterließ herrlich matschigen Schlamm auf den Feldern ... herrlich matschigen Schlamm, der sich hervorragend für den Ackerbau eignete ..." Die Kinder können sich bei der Vorstellung des matschigen Schlamms nicht nur herrlich schütteln, sondern lernen auch gleich, wozu dieser Schlamm gut ist.

Es gibt eine Vielzahl von Büchern zu den unterschiedlichsten Epochen und Themen – von den Ägyptern bis zu den Azteken, vom Mittelalter bis zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts, von Königen und Königinnen bis zur Geschichte der USA; da ist für jeden etwas dabei. Aber Vorsicht: Sobald die Kinder erst einmal ein Buch gelesen haben, werden sie süchtig danach und hören nicht mehr auf zu lesen, bis sie alle Bände kennen.

Leider habe ich nicht viele Übersetzungen gefunden. Ich hoffe, dass diese irgendwann erscheinen werden. Hier ist die Auswahl.

Kolossal, die Römer
Sagenhaft, die Griechen
Unverwüstlich, die Ägypter
Das grosse Buch der Geister-, Horror-, Monster-Geschichten

Dies ist eine Liste der englischen Geschichtsbücher. Inzwischen gibt es auch Bücher zu Naturwissenschaften (Horrible Science), Geografie (Horrible Geography) und Mathematik (Murderous Maths).

Angry Aztecs
Awesome Egyptians
Awful Egyptians
Barmy British Empire
Blitzed Brits
Bloody Scotland
Cruel Crime and Painful Punishment
Cruel Kings and Mean Queens (The Kings and Queens of England, Britain, and the United Kingdom)
Cut Throat Celts
Dark Knights and Dingy Castles (The History of Knights and Castles)
Dublin
Frightful First World War
Edinburgh
England
France
Gorgeous Georgians
Groovy Greeks
Horrible History of Britain and Ireland
Horrible History of the World
Incredible Incas
Ireland
Loathsome London
Measly Middle Ages
Oxford
Pirates
Rotten Romans
Rotten Rulers
Rowdy Revolutions
Ruthless Romans
Savage Stone Age
Slimy Stuarts
Smashing Saxons
Spies
Stormin' Normans
Stratford Upon-Avon
Terrible Tudors
Terrifying Tudors
The Twentieth Century
Trenches
USA
Vicious Vikings
Vile Victorians
Villainous Victorians
Villains
Wales
Wicked Words (History of the English language)
Wild Warriors (Vikings, Celts, Huns and Samurai)
Woeful Second World War
York

Buchbeschreibung:

"Unverwüstlich, die Ägypter!" (eines von vielen Beispielen):

"Geschichte ist staubtrocken? Keine Spur! Denn bei 'Wahnsinns Wissen' erfährt man, wie man
- eine Mumie herstellt,
- seinen eigenen Eingeweidekrug bastelt,
- den Schatz von Cheops' Mutti findet!

Diese und andere unglaubliche Einzelheiten aus dem Alltag der alten Ägypter, Privates aus dem Leben der Pharaonen, Wahrheiten über das Geheimnis der Pyramiden und die ägyptischen Götter zeigen eine spannende Welt auf. So werden die alten Ägypter wieder lebendig!"

Freitag, 23. Oktober 2026

Northup, Solomon "Zwölf Jahre als Sklave"

https://www.goodreads.com/book/show/30126160-twelve-years-a-slave
Northup, Solomon "Zwölf Jahre als Sklave" (Englisch: Twelve Years a Slave. Narrative of Solomon Northup, a citizen of New-York, kidnapped in Washington city in 1841, and rescued in 1853, from a cotton plantation near the Red River in Louisiana) - 1853

Auf der Rückseite des Originals heißt es, dies sei womöglich das am besten geschriebene aller Sklavenerzählungen. Dem muss ich zustimmen. Wahrscheinlich, weil es von einem Sklaven verfasst wurde, der selbst eine gute Bildung genossen hatte. Wer könnte wohl besser von den schrecklichen Taten berichten, die diesen armen Menschen angetan wurden, als jemand, der all das am eigenen Leib erfahren musste?

Solomon Northup wurde im Bundesstaat New York geboren. Er war ein freier Mann und konnte als solcher zur Schule gehen, arbeiten, heiraten und Kinder haben – all das, ohne befürchten zu müssen, dass ihm dieses Leben eines Tages genommen würde. Doch genau das geschah. Er wurde entführt und in die Sklaverei verkauft. Er war zwar frei, aber auch schwarz; daher war es ein Leichtes, ihn irgendwo im tiefen Süden verschwinden zu lassen – auf einer jener Plantagen, die kaum je ein Außenstehender betrat. Er landete in Louisiana und musste ein Leben führen, dessen Unmenschlichkeit sich kaum jemand von uns auch nur vorstellen kann. Er wurde schlechter behandelt, als man es mit einem Tier tun würde.

Dank seiner Bildung gelang es ihm, Informationen nach außen zu bringen, und nach zwölf Jahren der Folter – zwölf Jahren in der Hölle – kam er wieder frei. Wie er das überlebt hat, ist mir ein Rätsel. Doch er schildert all das in diesem Buch, das absolut lesenswert ist – gerade angesichts der schockierenden, abscheulichen, entsetzlichen, widerwärtigen, empörenden und grausamen Nachrichten, die wir täglich hören. Wie können Menschen auch in der heutigen Zeit noch auf andere herabsehen? Das ist für mich völlig unbegreiflich.

Vor einiger Zeit habe ich eine Liste mit Büchern gegen Rassismus veröffentlicht. Wenn du auf der Suche nach weiteren Büchern aus diesem Bereich bist, schau doch mal hier vorbei.

Buchbeschreibung:

"Solomon Northup wurde als freier Mann im Staate New York geboren. Im Alter von 33 Jahren wurde er in Washington D.C. entführt und per Schiff nach New Orleans gebracht, wo er in die Sklaverei verkauft wurde. Die nächsten 12 Jahre verbrachte er als Zimmermann, Fahrer und Baumwollpflücker. Diese Erzählung deckt auf, wie Northup die rauen Bedingungen der Sklaverei überleben konnte, einschließlich Pocken, Auspeitschungen und einem Versuch ihn zu hängen. Solomon Northup gehörte zu den wenigen Auserwählten, die aus der Sklaverei befreit wurden. Sein Bericht beschreibt das tägliche Leben eines Sklaven in Louisiana, die Ernährung und die Lebensbedingungen und wie Sklavenfänger entflohene Sklaven einzufangen pflegten. Northups Erzählung, die 1853 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, war innerhalb der nationalen Debatte zur Sklaverei eine dramatische Geschichte. Neun Jahre später führte diese Debatte zum Amerikanischen Bürgerkrieg."

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Stendhal "Rot und Schwarz"

Stendhal "Rot und Schwarz" (Französisch: Le Rouge et le Noir) - The Red and the Black - 1830

Ich wollte diesen Roman schon seit Ewigkeiten lesen. Dann entdeckte ich ihn in einem dieser Büchertauschregale, die ich so gerne aufsuche.

Der Autor, Henri-Marie Beyle, wählte das Pseudonym Stendhal nach der deutschen Stadt Stendal bei Braunschweig, wo er eine Zeit lang gelebt hatte.

Natürlich bin ich es nicht so gewohnt, französische Bücher zu lesen wie deutsche oder englische; daher habe ich etwas länger gebraucht, um es zu Ende zu lesen.

Auch wenn ich mit keiner der Figuren in der Geschichte so recht warm werden konnte, ist die zugrundeliegende Idee großartig. Das Buch beleuchtet Frankreich zur Zeit der Napoleonischen Kriege und in der darauffolgenden Ära sowie den gesellschaftlichen Wandel. Das "Rot" steht für Politik, die Welt und die Soldaten, das "Schwarz" für das Gegenteil: Religion, Weltabkehr und Priestertum. Wahrscheinlich ist es gerade dieser Kontrast – und das daneben verlaufende Alltagsleben –, der das Buch zu einem Klassiker gemacht hat.

Julien Sorel, der Protagonist, ist zu klug für sein eigenes Wohl. Er wuchs in einer Zeit auf, in der Intelligenz allein nicht ausreichte, wenn man keine Eltern hatte, die einen an einer Stelle unterbringen konnten, wo diese Intelligenz gefragt war. Das war wohl sein größtes Problem. Er wollte Soldat werden, doch für einen Eintritt in Napoleons Armee war es bereits zu spät. Auch seine Entscheidung, Priester zu werden, passte nicht wirklich zu seiner Weltsicht. Nun, solche Situationen gibt es auch heute noch, und es ist stets schwierig, sich aus dem gesellschaftlichen Milieu, in das man hineingeboren wurde, emporzuarbeiten – für Frauen vermutlich noch mehr als für Männer. Doch hier sehen wir einen jungen Mann, der es dennoch versucht.

Wer sich für Klassiker interessiert und mehr über diese Epoche erfahren möchte, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Der soziale Aufstieg und Fall des begabten, ehrgeizigen Bauernsohns Julien Sorel ist das Thema dieses Romans. Zwei Frauen ebnen dem aufstrebenden Jüngling den Weg in das Großbürgertum. Doch am Ende steht sein Verderben. Rot und Schwarz zählt zu den wichtigsten Klassikern der europäischen Literatur."

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt - Kurioses aus dem Urlaub" [Sorry, your hotel burned down - Curious things from vacation] - 2011

Im Internet findet man ja heutzutage oft Erzählungen von Hotelbediensteten über Beschwerden der Gäste, dass nachts das Wasser an der Nordsee verschwindet oder warum man denn nicht jede Nacht den Mond sehen kann … ja, wenn man das alles geballt auf einen Blick haben will, kann ich nur dieses Buch empfehlen. Nach "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt", ist auch dieses Buch des Autorenteams Orth/Blinda einfach köstlich. 

Zum Glück kommt hier nicht nur das Personal zu Wort, auch die Gäste haben einiges hinzuzufügen. Allerdings muss ich sagen, am meisten regen mich die Leute auf, die nur nach Fehlern suchen. Ich hatte mal so einen Kollegen, der schaute sich von vor dem Urlaub eingehend die Prospekte durch, worauf er achten musste, damit er nachher einen Nachlass bekommen würde. Macht so Urlaub Spaß? Und warum muss man sich den Teller beim Buffet dreimal volladen und dann jedesmal 90% wegwerfen? Solche Urlaube habe ich nie gemacht, sonst wäre ich wahrscheinlich ausgerastet.

Auch die Geschichten aus der Bahn sind leider nicht besser geworden. Wir benutzen sie schon lange nicht mehr, weil wir von uns aus keine öffentliche Verbindung zum nächsten Bahnhof haben und fast jeder Zug, der sowieso nur einmal die Stunde in jeweils eine Richtugn fährt, Verspätung hat, so dass man meistens den Anschluß nicht bekommt. Und sehr viele Züge fallen auch aus. Unsere Söhne, die in Großstädten wohnen, müssen leider den Zug nehmen, wenn sie uns besuchen kommen. Zwanzig Stunden unterwegs statt fünf ist ja keine Kleinigkeit. Wäre schön, wenn das mal besser werden würde.

Ich bin ja sowieso ein Stephan Orth-Fan und hoffe, er besucht bald mal selbst wieder ein Land, ob mit Zelt oder auf der Couch, Hauptsache, er schreibe ein Buch darüber. 

Buchbeschreibung:

"Hotelzimmer aus der Hölle, verwechselte Zielorte, unglaubliche Abzockertricks: Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko geraten. Mit diesem Reiseführer der lustigsten Pannen sind Sie gegen die Tücken des Urlaubsalltags gewappnet – hier erfahren Sie, was Sie niemals im Katalog lesen werden, und können aus den amüsanten Erlebnissen von SPIEGEL-ONLINE-Lesern lernen. Denn wer nackt zum Begrüßungsdinner geht, sollte sicher sein, auch tatsächlich ein FKK-Resort gebucht zu haben."