Garmus, Bonnie "Eine Frage der Chemie" (Englisch: Lessons in Chemistry) - 2022
Ein Mitglied meines deutschen Lesekreises hatte dieses Buch vorgeschlagen, und obwohl zunächst alle einverstanden waren, wurde es letztendlich nicht ausgewählt. Da ich es aber bereits bestellt hatte, wollte ich es unbedingt lesen.
Es wäre sicherlich eine gute Wahl für eine Diskussion gewesen. Ich bezweifle, dass ich es ausgewählt hätte, wenn ich nur das Titelbild gesehen hätte. Andererseits könnten Leserinnen und Leser, die romantische Frauenliteratur suchen, enttäuscht sein.
Es ist schwer, dieses Buch zu beschreiben. Ich würde es wohl als Frauenliteratur einstufen, obwohl es tiefere Bedeutungen hat. Ich mochte die Protagonistin sehr. Ich wünschte, ich hätte in meiner Jugend eine Elizabeth Zott gehabt. Obwohl ich gut zehn Jahre jünger bin als sie, gab es all die Hindernisse, die Frauen im Weg standen, schon damals. Und es gab niemanden, absolut niemanden, der mich in meiner Ausbildung unterstützte, weder meine Eltern noch meine Lehrer (außer dem Grundschullehrer, der später aber nicht mehr da war). Im Gegenteil, alles, was ich hörte, war: "Du wirst heiraten und brauchst keinen Job." Und mein Chef hat einen externen Kandidaten eingestellt, anstatt mich zu befördern. Aus demselben Grund.
Genau wie Elizabeth hatte ich mein ganzes Leben lang das Gefühl, für Männer zu arbeiten, die weniger intelligent waren als ich.
Das Buch wird als humorvoll beschrieben, und es enthält auch einige humorvolle Elemente, aber insgesamt überwiegt die Traurigkeit und bleibt uns stärker im Gedächtnis.
Vielleicht spricht diese Geschichte eher ein jüngeres Publikum an; sie hat bei mir einfach zu viele schlechte Erinnerungen geweckt. (Wobei das ja auch für das Buch spricht.) Ich würde nicht sagen, dass mir das Buch völlig missfallen hat, aber es hat mich in eine Zeit zurückversetzt, die ich lieber vergessen würde. Ich hätte es gern mit meinem Lesekreis besprochen und die Meinungen der anderen Frauen dazu gehört.
Und zu guter Letzt: Manches hat sich verändert, aber nicht genug. Was meinst du?
Buchbeschreibung:
"Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Doch es ist 1961, und die Frauen tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden. Außer Calvin Evans, dem einsamen, brillanten Nobelpreiskandidaten, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber auch 1961 geht das Leben eigene Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show 'Essen um sechs' wieder. Doch für sie ist Kochen Chemie. Und Chemie bedeutet Veränderung der Zustände..."
"Eine Frage der Chemie" wurde 2022 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt.













