Donnerstag, 22. Oktober 2026

Stendhal "Rot und Schwarz"

Stendhal "Rot und Schwarz" (Französisch: Le Rouge et le Noir) - The Read and the Black - 1830

Ich wollte diesen Roman schon seit Ewigkeiten lesen. Dann entdeckte ich ihn in einem dieser Büchertauschregale, die ich so gerne aufsuche.

Der Autor, Henri-Marie Beyle, wählte das Pseudonym Stendhal nach der deutschen Stadt Stendal bei Braunschweig, wo er eine Zeit lang gelebt hatte.

Natürlich bin ich es nicht so gewohnt, französische Bücher zu lesen wie deutsche oder englische; daher habe ich etwas länger gebraucht, um es zu Ende zu lesen.

Auch wenn ich mit keiner der Figuren in der Geschichte so recht warm werden konnte, ist die zugrundeliegende Idee großartig. Das Buch beleuchtet Frankreich zur Zeit der Napoleonischen Kriege und in der darauffolgenden Ära sowie den gesellschaftlichen Wandel. Das "Rot" steht für Politik, die Welt und die Soldaten, das "Schwarz" für das Gegenteil: Religion, Weltabkehr und Priestertum. Wahrscheinlich ist es gerade dieser Kontrast – und das daneben verlaufende Alltagsleben –, der das Buch zu einem Klassiker gemacht hat.

Julien Sorel, der Protagonist, ist zu klug für sein eigenes Wohl. Er wuchs in einer Zeit auf, in der Intelligenz allein nicht ausreichte, wenn man keine Eltern hatte, die einen an einer Stelle unterbringen konnten, wo diese Intelligenz gefragt war. Das war wohl sein größtes Problem. Er wollte Soldat werden, doch für einen Eintritt in Napoleons Armee war es bereits zu spät. Auch seine Entscheidung, Priester zu werden, passte nicht wirklich zu seiner Weltsicht. Nun, solche Situationen gibt es auch heute noch, und es ist stets schwierig, sich aus dem gesellschaftlichen Milieu, in das man hineingeboren wurde, emporzuarbeiten – für Frauen vermutlich noch mehr als für Männer. Doch hier sehen wir einen jungen Mann, der es dennoch versucht.

Wer sich für Klassiker interessiert und mehr über diese Epoche erfahren möchte, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Der soziale Aufstieg und Fall des begabten, ehrgeizigen Bauernsohns Julien Sorel ist das Thema dieses Romans. Zwei Frauen ebnen dem aufstrebenden Jüngling den Weg in das Großbürgertum. Doch am Ende steht sein Verderben. Rot und Schwarz zählt zu den wichtigsten Klassikern der europäischen Literatur. "

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt - Kurioses aus dem Urlaub" [Sorry, your hotel burned down - Curious things from vacation] - 2011

Im Internet findet man ja heutzutage oft Erzählungen von Hotelbediensteten über Beschwerden der Gäste, dass nachts das Wasser an der Nordsee verschwindet oder warum man denn nicht jede Nacht den Mond sehen kann … ja, wenn man das alles geballt auf einen Blick haben will, kann ich nur dieses Buch empfehlen. Nach "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt", ist auch dieses Buch des Autorenteams Orth/Blinda einfach köstlich. 

Zum Glück kommt hier nicht nur das Personal zu Wort, auch die Gäste haben einiges hinzuzufügen. Allerdings muss ich sagen, am meisten regen mich die Leute auf, die nur nach Fehlern suchen. Ich hatte mal so einen Kollegen, der schaute sich von vor dem Urlaub eingehend die Prospekte durch, worauf er achten musste, damit er nachher einen Nachlass bekommen würde. Macht so Urlaub Spaß? Und warum muss man sich den Teller beim Buffet dreimal volladen und dann jedesmal 90% wegwerfen? Solche Urlaube habe ich nie gemacht, sonst wäre ich wahrscheinlich ausgerastet.

Auch die Geschichten aus der Bahn sind leider nicht besser geworden. Wir benutzen sie schon lange nicht mehr, weil wir von uns aus keine öffentliche Verbindung zum nächsten Bahnhof haben und fast jeder Zug, der sowieso nur einmal die Stunde in jeweils eine Richtugn fährt, Verspätung hat, so dass man meistens den Anschluß nicht bekommt. Und sehr viele Züge fallen auch aus. Unsere Söhne, die in Großstädten wohnen, müssen leider den Zug nehmen, wenn sie uns besuchen kommen. Zwanzig Stunden unterwegs statt fünf ist ja keine Kleinigkeit. Wäre schön, wenn das mal besser werden würde.

Ich bin ja sowieso ein Stephan Orth-Fan und hoffe, er besucht bald mal selbst wieder ein Land, ob mit Zelt oder auf der Couch, Hauptsache, er schreibe ein Buch darüber. 

Buchbeschreibung:

"Hotelzimmer aus der Hölle, verwechselte Zielorte, unglaubliche Abzockertricks: Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko geraten. Mit diesem Reiseführer der lustigsten Pannen sind Sie gegen die Tücken des Urlaubsalltags gewappnet – hier erfahren Sie, was Sie niemals im Katalog lesen werden, und können aus den amüsanten Erlebnissen von SPIEGEL-ONLINE-Lesern lernen. Denn wer nackt zum Begrüßungsdinner geht, sollte sicher sein, auch tatsächlich ein FKK-Resort gebucht zu haben."

Dienstag, 20. Oktober 2026

Saki "Sämtliche Erzählungen"

Saki (H.H. Munro) "Sämtliche Erzählungen" (Englisch: The Complete Short Stories of Saki) - 1909-24

Unser Lesekreis hatte beschlossen, das Buch "The Open Window and other short stories" (Das offene Fenster und andere Kurzgeschichten) von Hector Hugh Munro – besser bekannt unter dem Namen Saki – zu lesen. Da ich das Buch nicht finden konnte, kaufte ich einen Band, der all seine Kurzgeschichten enthielt. Dies sind die Geschichten, die wir besprechen wollten:

aus der Sammlung:
"Reginald":
- Reginald on Besetting Sins: The woman who told the truth (1904)
"Reginald in Russia" (Reginal in Russland):
- Gabriel-Ernest (1910)
- The Soul of Laploshka (1910)
"The Chronicles of Clovis" (Die Clovis-Chroniken):
- Tobermory (1911)
- Sredni Vashtar (1911)
- The Music on the Hill (1911)
- Ministers of Grace (1911)
"Beasts and Super-Beasts" (Biester und Superbiester):
- Laura (1914)
- The Open Window (1914)
- The Story-Teller (1914)
"The Toys of Peace and other Papers" (Die Friedensspielzeuge und andere Papier):
- The Wolves of Cernogratz (1919)
- The Hedgehog (1919)
"The Square Egg" (Das quadratische Ei):
- The Infernal Parliament (1924)
Die Übersetzungen der Titel stammen von mir, die Titel der Geschichten könnten in deutsch ganz anders heißen, falls diese übersetzt wurden.

Ich habe es schon oft erwähnt: Kurzgeschichten sind eigentlich nicht mein Fall. Zwar gab es Bücher, in denen ich sie mochte, aber hier war es mir etwas zu viel des Guten. Manche der Kurzgeschichten waren zwar großartig, aber sie waren im Nu vorbei. Ich fand einfach nicht schnell genug hinein, um sie wirklich genießen zu können.

Es gab Geschichten, die mir gefielen, und andere, die mir etwas zu überzogen waren – zu sehr Slapstick, wenn ihr versteht, was ich meine.

Eine meiner Lieblingsgeschichten war jene, die im Titel des Buches genannt wird, das wir lesen sollten: "The Open Window" (Das offene Fenster; allerdings heißt der deutsche Titel wohl "Die offene Tür"). Es gibt ein kurzes Video dazu auf YouTube, da könnt ihr sehen, was ich meine.

Offenbar wurde der Autor von Oscar Wilde, Lewis Carroll und Rudyard Kipling beeinflusst, während er seinerseits Einfluss auf A. A. Milne, Noël Coward und P.G. Wodehouse ausübte. Den Vergleich mit P. G. Wodehouse – dessen Sammlung "Dann eben nicht, Jeeves" (Right Ho, Jeeves) ich bereits gelesen hatte – kann ich absolut nachvollziehen. Ich sehe zwar die Ähnlichkeit, aber Wodehouses Humor ist weitaus besser; deshalb haben mir seine Geschichten auch viel mehr gefallen.

Beim Lesen der Geschichten kam ich zu dem Schluss, dass Saki sowohl Frauen (insbesondere Suffragetten) als auch Kinder nicht mochte. Als ich recherchierte, ob er verheiratet war, fand ich heraus, dass er schwul war. Das hat mich ein wenig überrascht, denn er wirkte wie ein ziemlicher Frauenfeind.

Würde ich weitere Kurzgeschichten von ihm lesen, wenn er mehr geschrieben hätte? Wahrscheinlich nicht. Würde ich einen Roman von ihm lesen? Ich glaube schon.

Some favourites from those we discussed:
The Open Window
The Story-Teller
The Wolves of Cernogratz

Wie mir erging es auch den anderen: Nicht alle Geschichten gefielen jedem. Aber bei denen, die wir mochten, waren die überraschenden Wendungen am Ende besonders urkomisch.

Einige Favoriten aus unserer Auswahl:
The Open Window
The Story-Teller (Der Geschichtenerzähler)
The Wolves of Cernogratz (Die Wölfe von Cernogratz)

Neben "The Open Window" war "The Mouse" (Die Maus) (aus "Reginald in Russia") mein zweiter Favorit. Genau diese Art von Humor liebe ich.

Wir haben diese Geschichten im April 2020 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Hector Hugh Munro (1870–1916) war ein britischer Schriftsteller, der durch seine geistreichen, die Gesellschaft und Kultur der Edwardischen Ära satirisch beleuchtenden Werke als Meister der Kurzgeschichte bekannt wurde. Munro, der vor allem unter dem Pseudonym Saki bekannt ist, schuf Erzählungen, in denen die Konventionen und die Heuchelei des edwardischen Englands dem unkomplizierten und bisweilen grausamen Naturzustand gegenübergestellt werden – ein Konflikt, aus dem Letzterer meist als Sieger hervorgeht. Diese Gesamtausgabe seiner Kurzgeschichten besticht durch wunderbar vielschichtige Charaktere, ausgeprägte politische Satire und einen exquisiten Erzählstil. Das Buch beginnt mit Sakis ersten Werken, den Reginald-Geschichten – einer kleinen Reihe von Vignetten, die sich um den gesellschaftsorientierten und zynischen jungen Reginald drehen. Ebenfalls enthalten sind Sakis spätere und populärere Sammlungen: Reginald in Russia, die bisweilen makabren Erzählungen aus The Chronicles of Clovis, sein bekanntestes Werk Beasts and Super-Beasts sowie The Toys of Peace und The Square Egg." 

Montag, 19. Oktober 2026

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende"

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende" (Arabisch: داية ونهاية/Bidaya wa Nihaya) - The Beginning and the End - 1949

Wir lernen eine Familie in Kairo kennen. Die Geschichte spielt in den späten 1930er Jahren. Die Familie hat vier Kinder: einen erwachsenen Sohn, eine erwachsene Tochter und zwei Jungen im Schulalter. Der Vater stirbt plötzlich und hinterlässt die Familie in bitterer Armut. Der älteste Sohn war nie dazu bestimmt, die Familie erfolgreich zu versorgen, daher übernimmt der zweite Sohn diese Rolle. Alle Familienmitglieder haben jedoch mit der plötzlichen Notlage zu kämpfen, und niemandem gelingt es wirklich, sich daraus zu befreien – mit Ausnahme des zweiten Sohnes, der auf einem vielversprechenden Weg zu sein scheint. Die anderen hingegen sehen sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ein Happy End gibt es für sie nicht.

Dieses Buch ist nach wie vor ein Meisterwerk.

Buchdschreibung:

"Eines Morgens werden die beiden Söhne aus der Schule geholt. Der Vater ist tot, mitten aus dem Leben gerissen. Sein plötzlicher Tod bringt die Familie an den Rand des Abgrunds. Etwas Geld im Portemonnaie, ein paar Möbel, einen untadeligen Ruf und eine lächerliche Pension – mehr hat er ihnen nicht hinterlassen. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Mit Energie und Entschiedenheit nimmt sie die Zügel in die Hand. Doch jedes geht seinen eigenen Weg. Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet und die Tochter mit einem Liebhaber in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt für die ganze Familie der Schein ehrbaren Lebens in Trümmern."

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 17. Oktober 2026

Weiler, Jan "Munk"

Weiler, Jan "Munk" [Munk] - 2024

Ich bin ja ein großer Jan Weiler-Fan und habe bisher alle seine Bücher genossen. Nach dem Markisenmann war ich schon sehr gespannt auf sein nächstes Buch.

Nun, was soll ich sagen. Der Markisenmann hat mir zwar besser gefallen, aber Jan Weiler ist nun mal einfach hervorragend. 

Ich konnte allerdings mit Peter Munk als Typen nicht viel anfangen. Kein Wunder, dass er es nicht geschafft hat, nicht mal eine von den vielen Frauen (Judith, Nicole, Ana, Maja, Heike, Andrea, Claudia, Anja, Harper, Penelope, Karin, Fanny, Nadja) zu halten. Aber beschrieben wurde er hervorragend

Wir hatten allerdings ein sehr interessantes Treffen. Es gab niemandem, der das Buch nicht mochte. Und es fielen viele Bemerkungen sowohl zur Hauptperson als auch zu den Frauen. Und zum Vater, der unserer Ansicht nach viel zu den Problemen Munks beigetragen hat.

Auch fanden wir es interessant, dass Munk bei den Personen, die ihn am meisten beeinflusst haben, zuerst an die vielen Freundinnen gedacht hat, nicht aber an seinen Vater.

Aber im Großen und Ganzen, ein tolles Buch von einem hervorragenden Schriftsteller, von dem wir immer gerne wieder lesen werden.

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Wir haben dies im September 2026 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbschreibung:

"Erfolgreich und allein – so steht der Architekt Peter Munk mit 51 Jahren da. Beziehungsweise liegt da, mit einem Herzinfarkt auf der Rolltreppe in der dritten Etage eines Kaufhauses. Er überlebt, doch es gibt niemanden, den er vom Krankenhaus aus benachrichtigen möchte. In der Rehaklinik trägt sein Therapeut ihm auf, in seiner Selbsterforschung bei den Menschen zu beginnen, die ihn zu dem Mann gemacht haben, der er ist. Und so blickt Peter Munk erstmals auf die dreizehn Frauen seines Lebens und auf die Lektion, die er von jeder einzelnen gelernt hat. Mit überraschendem Ausgang."

Freitag, 16. Oktober 2026

Rand, Ayn "Ungebeugt und ungebrochen"

Rand, Ayn "Ungebeugt und ungebrochen" aka "Vom Leben unbesiegt" (Englisch: We the Living) - 1936

Ich habe dieses Buch in einem dieser Regale gefunden, in denen man Bücher hinterlassen kann, die man nicht mehr braucht, und wo andere eine Spende für einen guten Zweck geben können. Ich mochte russische Autoren schon immer, war mir aber nicht bewusst, dass Ayn Rand eine von ihnen war. Hätte sie ihren richtigen Namen, Alisa Sinowjewna Rosenbaum, verwendet, wäre ich vielleicht schon früher darauf gekommen.

Nach ihren eigenen Worten kommt "We the Living" (dt. "Wir, die Lebenden") einer Autobiografie so nahe, wie sie es jemals tun würde. Ich kann gut nachvollziehen, wie sie viele Hintergrundinformationen aus ihren eigenen Erfahrungen geschöpft hat. Natürlich hat sie es in die USA geschafft – was schon darauf hindeutet, dass es sich nicht um eine Biografie handelt. Aber es muss für sie viel einfacher gewesen sein, diesen Roman zu schreiben, nachdem sie Russland (oder wie auch immer das Land damals hieß – zunächst Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, dann UdSSR oder Sowjetunion) verlassen hatte.

Dieses Buch ist großartig und sehr aufschlussreich. Es schildert Russland in der frühen Zeit nach der Revolution, als es viele enthusiastische junge Menschen gab, die glaubten, die Welt zu einem besseren Ort für alle machen zu können. Ich kann ihre Träume verstehen; wahrscheinlich hätte ich selbst zu dieser Gruppe gehört, da ich immer der Meinung war, dass jeder die gleichen Chancen haben sollte. Das denke ich auch heute noch. Und ich bewundere Länder, die zumindest ein wenig davon erreicht haben – etwa ähnliche Löhne, Krankenversicherung für alle usw.

Aber zurück zu Russland zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Sie bekamen sicherlich nicht das, was sie sich erhofft hatten, und für viele der enthusiastischen neuen Kommunisten zerplatzten die Träume recht schnell. Ayn Rand beschreibt sehr gut, wie sie sich fühlten und was mit den Übrigen geschah. Wer vor der Revolution Eigentum besaß oder zur wohlhabenderen Bevölkerungsschicht gehörte, hatte keinerlei Rechte mehr; man konnte nicht studieren oder arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Verhältnisse wurden einfach umgekehrt, und diejenigen, die zuvor Fabriken oder große Landwirtschaftsbetriebe geleitet hatten, standen plötzlich vor dem Nichts. Keine wirklich gute Idee.

Wer sich für diese Epoche interessiert, dem kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen. Ich werde sicherlich noch weitere Bücher von ihr lesen.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Ayn Rands erster veröffentlichter Roman – eine zeitlose Geschichte über den Kampf des Einzelnen gegen den Staat im Sowjetrussland.

Das erstmals 1936 erschienene Werk We the Living (dt.: Wir, die Lebenden) schildert die Auswirkungen der Russischen Revolution auf drei Menschen, die das Recht einfordern, ihr eigenes Leben zu führen und ihr eigenes Glück zu suchen. Es erzählt von der leidenschaftlichen Liebe einer jungen Frau, die wie eine Festung dem zersetzenden Übel eines totalitären Staates trotzt.

We the Living ist keine politische Geschichte, sondern eine Erzählung über die Menschen, die hinter roten Fahnen und Parolen um ihre Existenz ringen müssen. Das Buch zeigt auf, welche Auswirkungen diese Parolen auf den Einzelnen haben. Was geschieht mit den Aufbegehrenden? Was widerfährt jenen, die nachgeben?

Vor dem eindringlichen Panorama aus politischer Revolution und persönlichem Aufbegehren veranschaulicht Ayn Rand, was die Theorie des Sozialismus in der Praxis bedeutet."

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Giordano, Paolo "Die Einsamkeit der Primzahlen"

Giordano, Paolo "Die Einsamkeit der Primzahlen" (Italienisch: La solitudine dei numeri primi) - The Solitude of Prime Numbers - 2008

Als ich den Titel dieses Buches sah, dachte ich, es handele sich um ein Buch über Mathematik – oder zumindest um einen Roman, in dem Mathematik eine zentrale Rolle spielt. Nun, es ist ein Roman über einen Mathematiker. Das ist zwar nicht ganz dasselbe, aber die Geschichte war sehr interessant, und ich kann gut verstehen, warum der Autor für diesen Debütroman die renommierten Preise Premio Strega und Premio Campiello erhalten hat. Das Buch wurde sogar verfilmt, und ich kann mir vorstellen, dass es ein breites Publikum erreicht.

Es ist schwer, dieses Buch zu beschreiben – und genau das macht es wohl so interessant. In der Geschichte kommen Zwillinge vor sowie Menschen, die Zwillingen sehr ähneln. Es ist nicht wirklich eine Liebesgeschichte, und doch spielt Liebe eine Rolle. Es ist keine Geschichte über (psychische) Krankheit oder Tod, und dennoch sind auch diese Themen präsent. Die Handlung springt in der Zeit hin und her, indem sie die Geschichten von Mattia und Alice erzählt.

Der Titel spielt darauf an, dass Primzahlen natürliche Zahlen sind, die nur durch die Zahl 1 und sich selbst teilbar sind. Sie stehen nie direkt nebeneinander, sondern sind stets durch mindestens eine (gerade) Zahl voneinander getrennt – sie sind also immer allein.

Ein brillanter Debütroman, der Lust auf die weiteren Werke des Autors macht.

Buchbeschreibung:

"Ein einziger Tag in ihrer Kindheit, so scheint es, hat über ihr ganzes Leben entschieden. An einem solchen Tag verlor Alice für immer ihre Unbeschwertheit und das Vertrauen zu ihrem halsstarrigen Vater. Mattia hingegen verlor mit sechs Jahren seine Schwester, deren Hilfsbedürftigkeit er ein einziges Mal, für wenige Stunden, missachtet hatte. Seither quälen ihn Schuldgefühle, die er niemandem offenbart.

Sieben Jahre später lernen Mattia und Alice sich auf dem Gymnasium kennen. Die Anziehungskraft zwischen den beiden scheint unwiderstehlich. Jeder erkennt im anderen die eigene Einsamkeit. Alice ist der einzige Mensch, dem Mattia wenigstens einmal seinen Schmerz zu offenbaren wagt. Und umgekehrt würde sie nie einen anderen als ihn bitten, das Tattoo von ihrer Haut zu entfernen, mit dem sie ihre inneren Wunden gleichsam übermalen wollte. Doch mit den Jahren werden die Hindernisse, die die beiden einander unbewusst in den Weg legen, höher und höher. Bis sie sich entscheiden müssen.
"