Mittwoch, 30. September 2026

Ghosh, Amitav "Hunger der Gezeiten"

Ghosh, Amitav "Hunger der Gezeiten" (Englisch: The Hungry Tide) - 2004

Ich habe schon einige Bücher von Amitav Ghosh gelesen (siehe hier) und war von allen begeistert. Daher habe ich mich auch auf dieses Buch gefreut. Es ist ebenfalls großartig, nur eben nicht ganz so gut wie die anderen.

Vielleicht enthielt das Buch für meinen Geschmack etwas zu viel Biologie.

Die Geschichte der Siedler am Golf von Bengalen und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatten, haben mir gut gefallen – ebenso wie das Krankenhaus, das von einem Einwanderer gegründet wurde. Auf die ganze Delfin-Geschichte hätte ich hingegen gut verzichten können.

Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, ein weiteres Buch von Amitav Ghosh zu lesen. Falls ihr einen Favoriten habt, lasst es mich bitte wissen.

Gut fand ich auch, dass es eine Karte im Buch gab. Allerdings waren darauf nur die realen Orte verzeichnet; ich hätte mir gewünscht, dass auch die fiktiven Orte erwähnt worden wären.

Buchbeschreibung:

"Die Sundarbans in der Bucht von Bengalen – der gigantische Archipel wird nur geboren, wenn das Wasser fällt: ein unbesiedelbares Land der Ebbe, zusammengehalten von den graugrünen Wurzeln der Mangroven, beherrscht von Bengalischen Königstigern. Schon seit Jahrzehnten setzen sich westliche Tierschutzorganisationen für den Erhalt der gefährlichen Raubkatzen ein und haben deshalb in den Sundarbans das 'Projekt Tiger' ins Leben gerufen. Auf Kosten der Menschen – so sehen das zumindest die Bewohner der Inselwelt, die jährlich rund hundert von Tigern gerissene Opfer zu beklagen haben. Für sie ist jeder, der eine Großkatze erlegt, ein Held.

Die amerikanische Meeresbiologin Piya ist in diesen gefährlichen Archipel gekommen, um Delfine zu erforschen. Der Fischer Fokir beeindruckt sie tief durch sein Gespür für das Wasser, denn er kann sie zu den nur schwer auffindbaren Delfingründen rudern. Während er seine Krebsnetze auswirft, beobachtet sie die stahlgrauen Tiere – und dabei finden die beiden zueinander, ohne Worte, denn sie sprechen keine gemeinsame Sprache.

Vor der prachtvollen Kulisse des undurchdringlichen Mangrovendschungels in den Sundarbans, einer unwirtlichen, nur von Ebbe und Flut beherrschten Inselwelt im Osten Indiens, entfaltet der begnadete Geschichtenerzähler Amitav Ghosh ein spannungsreiches Dreiecksdrama, in dem alle Farben der Liebe aufscheinen – ihre Schönheit, ihre Abgründe, ihre Macht."

Dienstag, 29. September 2026

Tschukovskaya, Lydia "Untertauchen"

Tschukovskaya, Lydia (Чуковская, Лидия Корнеевна) "Untertauchen" (Russisch: Спуск под воду/Spusk pod vodu) - Going Under - 1972

Ich entdeckte die Übersetzung dieses Buches in einer deutschen Buchhandlung. Der Grund, warum ich es zuerst in die Hand nahm, war das Bild auf dem Cover: ein Birkenwald im Winter). Ich liebe Birken, sie haben etwas Besonderes.

Und da ich russische Literatur liebe, war ich neugierig auf diese mir völlig unbekannte Autorin.

"Untertauchen" spielt in einem russischen Sanatorium. Die Ich-Erzählerin hat ihren Mann durch das Sowjetregime verloren und versucht herauszufinden, was mit ihm geschehen ist.

Die Autorin muss sehr mutig gewesen sein. Als unerschrockene Kritikerin des Regimes konnte sie ihr autobiografisches Buch in der UdSSR nicht veröffentlichen, doch Jahre später erschien es in einem New Yorker Verlag. Dies führte zu einem Berufsverbot. Sehr  tapfer.

Wenn ihr euch für Geschichte, Russland, das Stalin-Regime und die UdSSR interessiert, dies ist eine Geschichte, die authentisch wirkt.

Buchbeschreibung:

"Nina Sergejewna verbringt winterliche Wochen im Jahr 1949 in einem Sanatorium für Künstler auf dem Lande. Hier ist alles auf Vergessen gestimmt. Doch sie will mehr über die Vergangenheit, über ihr eigenes Leid und das ihrer Mitmenschen erfahren.

Als sie Bilibin kennenlernt, der im gleichen Arbeitslager wie ihr Mann war, sucht sie seine Nähe. Es entspinnt sich eine zarte Zuneigung, doch enttäuscht wendet sie sich ab, als auch Bilibin nicht die Wahrheit, sondern das Verdrängen und Vergessen sucht."

Montag, 28. September 2026

Marshall, Tim "Abschottung"

Marshall, Tim "Abschottung: Die neue Macht der Mauern" (Englisch: Divided: Why We're Living in an Age of Walls/auch: The Age of Walls. How Barriers Between Nations Are Changing Our World) - 2018

Brücken bauen – keine Mauern. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Es verbindet meine Hauptinteressen: Geografie, Geschichte und Politik. Ich bin in einem Land aufgewachsen, das durch eine Mauer geteilt war, und obwohl ich auf der "freien" Seite dieser Mauer lebte, hatte sie enorme Auswirkungen auf unser aller Leben. Natürlich bin ich gegen all die Mauern, die in diesem Buch beschrieben werden.

Zugegeben, der Autor schildert viele der weltweiten Probleme auf rund 300 Seiten. Ich bezweifle, dass er ein vollständiges Bild mit allen Einzelheiten vermitteln will. Doch wer keine Ahnung von all den Mauern hat, die weltweit errichtet werden, und glaubt, die Mauer im eigenen Land sei die einzige, kann hier viel lernen.

Wie die Berliner Mauer gehen auch viele dieser Grenzbefestigungen auf ausländische Eingriffe zurück – sei es durch Kolonialherrschaft oder andere politische Umbrüche. Wir alle kennen die Chinesische Mauer, die Berliner Mauer, die Mauer zwischen den USA und Mexiko sowie die zwischen Israel und Palästina. Doch wie viele von uns haben schon von anderen Mauern im Nahen Osten oder in Afrika gehört? Oder davon, dass es in Afrika noch immer Mauern gibt? In Marokko zum Beispiel? Warum ist die Westsahara kein eigenständiger Staat? Warum gibt es in Belfast immer noch Mauern?

Tim Marshall zitiert zudem David Goodhart, der in seinem Buch "The Road to Somewhere" erklärt, dass sich die Menschen heute in "Anywheres" (Überall-Zuhause-Menschen) und "Somewheres" (Verwurzelte) unterteilen lassen. Während die "Anywheres" meist ihren Heimatort verlassen haben und nicht nur die Welt bereist, sondern auch im Ausland gelebt haben, wohnen die "Somewheres" in der Nähe ihres Geburtsortes und stehen Veränderungen weniger offen gegenüber. Ein interessantes Konzept. Da ich selbst schon in vier verschiedenen Ländern gelebt habe, gehöre ich definitiv zur ersten Gruppe.

Jedem Kapitel sind ein Zitat über Freiheit und das Bild einer Mauer vorangestellt.

Hier sind meine beiden Lieblingszitate:
"Wähle eine Führungspersönlichkeit, die in den Bau von Brücken investiert, nicht von Mauern. In Bücher, nicht in Waffen. In Moral, nicht in Korruption." (Choose a leader who will invest in building bridges, not walls. Books, not weapons. Morality, not corruption.) Rise Up and Salute the Sun: The Writings of Suzy Kassem

"Die Kräfte, die uns vereinen, sind uns innewohnend und stärker als die von außen auferlegten Einflüsse, die uns trennen." (The forces that unite us are intrinsic and greater than the superimposed influences that keep us apart.) Kwame Nkrumah

Zudem finden sich in den Kapiteln zahlreiche Karten, die die Standorte der Mauern veranschaulichen.

Dies ist also ein großartiges Buch, das uns hilft, die Spaltungen in der heutigen Welt zu verstehen.

Buchbeschreibung:

"Das Zeitalter der Mauern hat eben erst begonnen – der neue Bestseller von Tim Marshall

Wir leben in einem neuen Zeitalter des Isolationismus und Nationalismus, in dem Mauern wieder Konjunktur haben, von der amerikanischen Mauer an der Grenze zu Mexiko bis hin zu der Firewall, mit der China sich gegen den Westen abschottet. Europa errichtet Zäune gegen Flüchtlinge, Mauern und Zäune ziehen sich durch den Nahen Osten, den Sudan, Korea, Indien. Mindestens 65 Länder der Welt, mehr als je zuvor, haben stark befestigte Grenzen. Es gibt viele Gründe dafür: Reichtum und Armut, Rasse, Religion, Politik, Angst. Tim Marshall zeigt in seiner fesselnden und scharfsinnigen Analyse, wie Abschottung unsere Gegenwart prägt. Sie steht für ein Versagen von Politik und ist eine Gefahr für die Zukunft."

Ich möchte unbedingt auch die beiden anderen Bücher seiner Reihe "Politics of Place" (svw: Politik der Orte) lesen (sowie alle weiteren, die er zu diesen Themen künftig noch schreiben sollte):

"Die Macht der Geographie. Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt" (Prisoners of Geography: Ten Maps That Tell You Everything You Need to Know About Global Politics)

"Im Namen der Flagge. Die Macht politischer Symbole" (Worth Dying For: The Power and Politics of Flags)

Samstag, 26. September 2026

Cognetti, Paolo "Acht Berge"

 
Cognetti, Paolo "Acht Berge" (Italienisch: Le otto montagne) - The Eight Mountains - 2016

Pietro und Bruno sind seit ihrer Kindheit befreundet – seit dem Sommer, als Pietros Mutter beschloss, die Ferien nicht in Mailand, sondern in den Bergen zu verbringen, und sein Vater ihn dort, in den Dolomiten, zum Klettern mitnahm.

Es ist ein Buch, das sich viel Zeit lässt. Nicht langweilig, sondern genau so, wie man sich die Zeit in den Bergen vorstellt. Eine Geschichte über die Beziehung zwischen Vater und Sohn und die Entwicklung einer Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Jungen. Selbst wenn man sich nicht für Berge oder Natur interessiert, ist es eine wunderbare Erzählung über Menschen, die sich nach einem einfachen Leben sehnen – einem Leben, das heutzutage kaum noch möglich ist, zumindest nicht in der westlichen Welt. Eine leise Geschichte, erzählt aus der Sicht des Protagonisten, der nichts beschönigt.

Eine wunderschöne Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Eine unerschütterliche Freundschaft. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Heimat.

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?

Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod." 

Freitag, 25. September 2026

Biden, Joe "Versprich es mir"

Biden, Joe "Versprich es mir. Über Hoffnung am Rande des Abgrunds" (Englisch: Promise Me, Dad. A year of hope, hardship, and purpose) - 2017

Joe Biden ist ein bewundernswerter Mann. Zunächst zog er zwei Kinder allein groß, nachdem diese ihre Mutter und ihre kleine Schwester verloren hatten, und fand die Kraft, in die Politik zu gehen – nicht um bewundert zu werden, sondern um anderen wirklich zu dienen. Das sagt eigentlich schon alles. Dann übernahm er eines der mächtigsten und stressigsten Ämter und musste mitansehen, wie sein Sohn langsam, aber sicher sein Leben verlor. Dennoch blieb er stark und erfüllte seine Pflicht. Was für ein Mann! Es überrascht mich nicht, dass einer der größten Präsidenten aller Zeiten ihn als seinen Vizepräsidenten auswählte.

Wie schon in Michelle Obamas Buch "Becoming - Meine Geschichte" (Becoming) verfolgen wir hier die Beziehung zwischen den Familien Biden und Obama und erleben die besondere Verbundenheit, die zwischen ihnen herrscht. Beide sind anständige Familien, die ihre Kinder lieben und sich wünschen, dass diese in einer besseren Gesellschaft aufwachsen.

Die Krankheit von Beau Biden wurde auf sehr einfühlsame Weise geschildert; sein Vater bewunderte ihn für alles, was er tat, und für die Stärke, die er während dieser schweren Prüfung bewies. Es war traurig und herzzerreißend, doch man sah auch die Kraft, die ihnen diese Erfahrung verlieh – wie sie dadurch noch enger zusammenwuchsen und voneinander lernten. Was für eine wunderbare Familie, was für ein wunderbarer Mann.

Wie schade, dass er auf die Präsidentschaftskandidatur verzichtet hat. Er wäre ein großartiger Präsident gewesen!

Ich freue mich auf weitere Bücher von Joe Biden – vielleicht noch eines über seine Beziehung zu Barack Obama?

Buchbeschreibung:

"Im November 2014 versammelten sich die Bidens in Nantucket, um gemeinsam Thanksgiving zu feiern - eine Familientradition seit vierzig Jahren. Aber diesmal fühlte sich alles ganz anders an. Bei Beau, dem ältesten Sohn von Joe Biden, war zuvor ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden, und sein Überleben war ungewiss. 'Versprich es mir', bat der kranke Sohn seinen Vater. 'Versprich mir, dass du klarkommst, ganz egal, was passiert.' Joe Biden gab ihm sein Wort. Das darauffolgende Jahr stellte ihn auf eine schwere Probe. Der damalige Vizepräsident reiste mehr als hunderttausend Meilen quer durch die Welt und befasste sich mit schwierigen Krisen in der Ukraine, in Mittelamerika und im Irak. Während sein Sohn zu Hause um sein Leben kämpfte, das er schließlich verlor, musste Joe Biden sowohl der Verantwortung für sein Land als auch seinen familiären Pflichten gerecht werden. Bidens Memoir ist das Buch eines Politikers, aber mehr noch eines Vaters, Großvaters, Freundes und Ehemanns. Es ist eine Geschichte der Hoffnung am Rande des Abgrunds."

Donnerstag, 24. September 2026

Sparks, Nicholas "Wie ein einziger Tag"

Sparks, Nicholas "Wie ein einziger Tag" (Englisch: The Notebook) - 2004

Dieses Buch lag schon eine ganze Weile auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) – eigentlich seit es für unseren Lesekreis vorgeschlagen und mir von einem Mitglied überlassen wurde, das den Club verließ und das Buch nicht mitnehmen wollte. Es sind also mehr als zehn Jahre. Ich muss zugeben, dass ich zögerte, es zu lesen, da es für mich sehr nach typischer Frauenunterhaltungsliteratur (Chick Lit) klang. Es wurde auch verfilmt – aber auch diesen Film habe ich mir nicht angesehen.

Insgesamt war es eine ganz passable Geschichte: nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht viel besser. Eine Liebesgeschichte – armer Junge liebt reiches Mädchen –, mit all den Hindernissen, die in solchen Romanen vorkommen und von denen man ohnehin weiß, dass sie überwunden werden. Am Ende gibt es zwar eine unerwartete Wendung, aber das entschädigt nicht wirklich für den Schreibstil, der eher auf Leserinnen und Leser zugeschnitten ist, die sehr leichte Unterhaltung suchen.

Höchstwahrscheinlich ist dies das einzige Buch von Nicholas Sparks, das ich je lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Sie sind siebzehn und verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Einen wunderschönen, scheinbar endlosen Sommer haben Allie und Noah gemeinsam. Dann muss Allie mit ihrer Familie den verträumten Urlaubsort verlassen - und verschwindet aus Noahs Leben. Vierzehn Jahre lang hört er nichts mehr von ihr. Und obwohl er sie verloren geben muss, kann er sich doch nie mehr neu binden. Bis Ally eines Tages plötzlich wieder vor ihm steht: Sie ist mit einem erfolgreichen Anwalt verlobt, aber bevor es zur Hochzeit kommt, will sie noch einmal den Mann sehen, den sie nie vergessen konnte ..."

Mittwoch, 23. September 2026

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes"

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes" (Englisch: The History of Tom Jones, a Foundling) - 1749

Dieses Buch stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Es stammt von einem der britischen Klassiker-Autoren, denen ich bisher noch nicht begegnet war, und gilt zudem als der erste echte Roman, der je geschrieben wurde.

Eigentlich hätte man daraus auch zwei Bücher machen können: Einerseits den Roman mit der Geschichte von Tom Jones und seinem Leben, und andererseits die philosophischen Betrachtungen, die Henry Fielding jedem Kapitel voranstellt.

Obwohl ich mich normalerweise gerne mit philosophischen Themen befasse, empfand ich diese Einschübe hier eher als störend denn als Bereicherung für die Geschichte. Ich hätte gut darauf verzichten können; sie trugen zur eigentlichen Handlung nichts bei. Auch den Humor, der dem Buch zugeschrieben wird, konnte ich nicht entdecken. Dabei liebe ich britischen Humor – doch dieser hier muss wohl von einer ganz anderen Art gewesen sein als jener, den wir gewöhnlich schätzen. Das Einzige, wobei mir das bisher ebenfalls so erging, war "Teatime mit Kuh" (Cold Comfort Farm) von Stella Gibbons.

Das bedeutet jedoch nicht, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die Geschichte an sich war sehr interessant und bot einen hervorragenden Einblick in die damalige Gesellschaft: was als schicklich galt und was nicht, und wie es um die Rechte von Frauen – oder auch von Männern ohne wohlhabende Herkunft – bestellt war.

Alles in allem also eine interessante Lektüre, auch wenn das Buch nicht auf meiner Liste der Werke landet, die ich noch einmal lesen würde.

Buchbeschreibung:

"Gutsherr Allworthy findet einen Säugling und zieht den Jungen an Sohnes Statt auf. Der Findling – Tom Jones – wächst und gedeiht prächtig, in den Augen seines Ziehvaters mitunter sogar etwas zu prächtig. Als sich Tom in die Nachbarstochter verliebt, die Allworthys Neffen versprochen ist, verweist der Gutsherr Tom des Hauses. Der junge Mann macht sich auf nach London, wobei ihn seine Reise quer durchs Land und auch durch sämtliche Schichten der vorviktorianischen Gesellschaft führt. Auf Toms Suche nach sich selbst, seiner Herkunft und vor allem nach der großen Liebe erschließt sich ein wahres Panoptikum des 18. Jahrhunderts.

In seinem breit angelegten Gesellschaftepos entlarvt Fielding gesellschaftliche Mißstände ebenso schonungslos wie die charakterlichen Schwächen seiner Helden. Allen voran erobert der liebenswerte, ungestüme, keineswegs untadelige, aber unerhört sympathische Tom Jones bis heute spielend das Herz eines jeden Lesers."