Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Donnerstag, 13. August 2026

Dylan, Bob "Chronicles"

Dylan, Bob "Chronicles" (Englisch: Chronicles. Volume One) - 2004

Ein überraschender Träger des Literaturnobelpreises. Ich brauche sein Buch nicht, um zu wissen, dass er ihn absolut verdient hat; doch er erzählt darin von seinem Leben – und das ist durchaus interessant.

Wie ich bereits in meinem Beitrag "Literaturnobelpreis 2016" schrieb, fiebere ich immer dem Tag entgegen, an dem der neueste Gewinner des Literaturnobelpreises bekannt gegeben wird – und gemeinsam mit dem Rest der Welt war ich über dieseVerkündung zutiefst erstaunt. Völlig unerwartet, aber wohlverdient, wurde Bob Dylan im Jahr 2016 diese Ehre zuteil.

Bob Dylan, der Held meiner Jugend, hat so viele brillante Lieder mit wunderbaren Texten geschrieben; ich könnte wohl ewig so weitermachen und über jedes einzelne seiner Lieder schreiben, deren Texte ich auswendig kenne. Doch – da dies ein Buchblog ist – habe ich stattdessen seine Biografie gelesen. Die 75-jährige Rocklegende schreibt darin über sein Leben. Oder tut er das wirklich? Ich habe etliche Kommentare gelesen, denen zufolge das Buch gar nicht von ihm selbst verfasst wurde, sondern im Wesentlichen eine Zusammenstellung dessen darstellt, was andere über ihn geschrieben haben.

Dennoch habe ich es sehr genossen, mehr über sein Leben zu erfahren. Ich bin kein Leser von Klatschmagazinen; daher weiß ich so gut wie nie, ob meine Lieblingssänger oder -schauspieler Single, verheiratet, geschieden oder homosexuell sind, ob sie Kinder haben und so weiter. Manchmal erfahre ich solche Dinge über Wikipedia – meist jedoch nur am Rande, wenn ich eigentlich nach einem ihrer Filme oder Lieder suche.

Ich möchte es noch einmal betonen: Ich liebe Bob Dylans Werk. Seine Texte sind heute genauso bedeutend wie vor siebzig Jahren. Damals war die Zeit reif für den Wandel – und es ist an der Zeit, dass sie sich erneut wandelt. Lasst uns alle seinen Liedern lauschen und gemeinsam dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Buchbeschreibung:

"Bob Dylan räumt auf mit den Mythen und Legenden, die sich um sein Leben und Werk ranken, und erzählt seine Geschichte selbst. Wie er Anfang der sechziger Jahre nach New York kam, wo seine Karriere in den Folkclubs begann. Wie er zur Zeit der großen Unruhen in Amerika um seine künstlerische Identität kämpfen und seine Familie vor der Öffentlichkeit schützen musste. Wie ihm ein alter Jazzsänger 1987 half, eine große musikalische Krise zu überwinden. Er blickt auf seine Kindheit zurück und schreibt leidenschaftlich über seine Musik, auch über die Einflüsse, die ihn geprägt haben."

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition" und den Pulitzerpreis für all seine Werke im Jahr 2004.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 12. August 2026

Bunyan, John "Pilgerreise zur seligen Ewigkeit"

Bunyan, John "Pilgerreise zur seligen Ewigkeit" (Englisch: The Pilgrim's Progress from This World to That Which Is to Come) - 1678

Ein Klassiker, den ich schon seit einiger Zeit lesen wollte. Generell liebe ich Klassiker und genieße sie meist sehr. Mit diesem hier hatte ich jedoch meine Schwierigkeiten; er liest sich eher wie ein Theaterstück als wie ein Roman – und ich bin nicht gerade der größte Fan davon, Theaterstücke zu lesen. Zuweilen hatte ich das Gefühl, ich sei genau wie unser Pilger auf eine Reise durch dieses Buch aufgebrochen, und ich fragte mich, ob ich jemals die Erlösung – sprich: das Ende – erreichen würde.

Ich habe es schließlich geschafft, und auch wenn ich froh bin, das Buch beendet zu haben, halte ich es doch für einen Klassiker, der besser in seiner Zeit verblieben wäre. Ich bin sicher, dass er damals weitaus mehr geschätzt wurde, heute jedoch ein wenig veraltet wirkt. Und dies sage ich aus der Perspektive einer Christin, die ihre Bibel gelesen hat und gut kennt.

Buchbeschreibung:

"'Die Pilgerreise zur seligen Ewigkeit' ist eine christliche Allegorie aus dem Jahr 1678 und gilt als eines der bedeutendsten theologischen Werke in der Literatur und als Vorläufer des erzählerischen Aspekts christlichen Medien. Der unwiderstehliche Reiz des Buches, das die Vorstellungskraft des Lesers mit der Handlung und der Szenerie eines Märchens beglückt, das seinen Einfallsreichtum anregt, indem es ihn dazu bringt, eine Vielzahl kurioser Analogien zu entdecken, das seine Gefühle für die Menschen interessiert, die verwundbarer sind als er selbst und mit Versuchungen von innen und außen kämpfen, das ihm jeden Augenblick ein Lächeln entlockt durch manchmal wunderliche und doch einfache Annehmlichkeite, und das dennoch in seinem Geist ein Gefühl der Ehrfurcht vor Gott und des Mitgefühls für den Menschen hinterläßt, wird bei jedem Leser seine Wirkung entfalten. Der vorliegende Text folgt der 1859 herausgegebenen Edition der Wuppertaler Traktatgesellschaft, wurde aber in den wichtigsten Worten und Begriffen soweit überarbeitet, dass diese der aktuell gültigen Rechtschreibung entsprechen. Darüber hinaus bietet das Buch über 500 erklärende Fußnoten."

Dienstag, 11. August 2026

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle"

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle" (Englisch: The Story of Edgar Sawtelle) - 2008

Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, dachte ich, es handele sich ausschließlich um einen Jungen, der ohne Stimme geboren wurde, und/oder um Hunde. Denn genau diesen Eindruck gewinnt man zunächst. Doch je länger ich weiterlas, desto vertrauter erschien mir die Geschichte. Hätte ich mir die Namen etwas genauer angesehen, hätte ich vielleicht sofort erraten, dass es sich hierbei um eine moderne Nacherzählung des Hamlet (Hamlet) handelt.

Eine interessante Geschichte – und genauso spannend wie das Original. Ich bin kein großer Tierliebhaber; ich habe zwar nichts gegen Tiere, gerate aber auch nicht gleich in helle Begeisterung, wenn ich eines sehe – weshalb diese Geschichte meiner Meinung nach auch ohne all die Hunde hätte erzählt werden können.

Wie dem auch sei: Ich ziehe Jane Smileys moderne "König Lear"-Adaption (Tausend Morgen/A Thousand Acres) diesem Buch hier vor; doch alles in allem ist es nicht schlecht.

Buchbeschreibung:

"Immer schon hat Edgar eine besonders enge Beziehung zu den Hunden gehabt, die seine Eltern auf ihrer Farm züchten. Nun ist er auf die Hilfe der Tiere angewiesen, als er eines Tages gezwungen ist, zu fliehen – vor seinem finsteren Onkel Claude. Edgar ist überzeugt davon, dass Claude seinen Vater ermordet hat …

Eine mitreißende Familiengeschichte und ein Abenteuerroman, der den dramatischen Kampf eines Jungen ums Überleben in der Wildnis vor einer atemberaubenden Landschaftskulisse schildert.

Edgar wächst auf einer abgelegenen Farm in Wisconsin auf, wo seine Eltern Gar und Trudy eine Hundezucht betreiben. Den hochsensiblen 14-Jährigen, der stumm zur Welt kam, verbindet eine enge Freundschaft mit den Tieren; die Hündin Almondine, seine treueste Kameradin, versteht sogar seine Zeichensprache. Eines Tages jedoch hat der Frieden ein Ende: Edgars Onkel Claude taucht auf und gerät wegen Erbstreitigkeiten mit Gar aneinander. Kurz darauf kommt Gar auf mysteriöse Weise ums Leben. Edgar ist überzeugt, dass Claude seinen Vater umgebracht hat, und flieht – nur begleitet von drei jungen Hunden, mit deren Hilfe er lernen muss, in der Wildnis zu überleben."

Montag, 10. August 2026

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser"

James, P.D. "Im Land der leeren Häuser" (Englisch: The Children of Men) - 1992

Ich liebe dystopische Romane und bin überrascht, dass ich diesem hier noch nie zuvor begegnet war. Was für eine Lektüre!

Wir schreiben das Jahr 2020, und alle Männer sind unfruchtbar. Ich glaube, jede Generation hat ihre eigenen Ängste davor, was in der Zukunft geschehen könnte; dieses Buch entstand im Nachgang der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Ein solches Szenario erschien (und erscheint noch immer) als durchaus denkbar.

Was würden wir wohl wirklich tun, wenn es keine Zukunft gäbe? Würden wir uns gegenseitig ausnutzen und versuchen, uns ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu sichern, bevor wir alle tot und vergessen sind? Wir wissen es nicht. Ich nehme an – wie in jeder Situation –, dass es Menschen geben würde, die sich weiterhin gegenseitig helfen, und andere, die die Lage skrupellos ausnutzen.

Die Lektüre dieses Romans regt dazu an, über all diese Möglichkeiten nachzudenken. Eigentlich lese ich keine Kriminalromane, doch nun verspüre ich die Lust, es einmal mit einem Buch von P.D. James zu versuchen. Sie scheint eine äußerst interessante und kluge Persönlichkeit zu sein, die über jedes beliebige Thema schreiben könnte.

Buchbeschreibung:

"Ein Polit-Thriller, der im England des Jahres 2021 spielt. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. Wie überall auf der Welt haben die Menschen ihre Fortpflanzungsfähigkeit verloren. Unter der Regierungsherrschaft eines Despoten scheint Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei. Bespitzelungen und Einweisungen in Straflager gehören zum Alltag. Aber es existiert eine kleine Dissidentengruppe, die sich gegen das brutale Regime auflehnt ..."

Samstag, 8. August 2026

Bivald, Katarina "Ein Buchladen zum Verlieben"

Bivald, Katarina "Ein Buchladen zum Verlieben" (Schwedisch: Läsarna i Broken Wheel rekommenderar) - The Readers of Broken Wheel Recommend - 2013

Ich würde dieses Buch nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern zählen, da die Handlung doch ziemlich "Chick-Lit"-lastig ist. Sara ist Schwedin und arbeitet in einer Buchhandlung. Amy ist Amerikanerin und lebt in einem abgelegenen Dorf. Sie tauschen Bücher und Gedanken über Bücher aus.

Und genau das hat mich gefesselt: Es werden zahlreiche skandinavische Autoren erwähnt. Daher habe ich eine Liste all jener Bücher und Autoren erstellt, über die sich die beiden unterhalten haben. Darunter finden sich viele interessante Titel – wenngleich einige davon für meinen Geschmack etwas zu sehr in Richtung "Frauenliteratur" tendieren; und da ich kein großer Fan von Kriminalromanen bin, würden es einige dieser Bücher wohl nicht auf meine Leseliste schaffen.

Alcott, L.M. "An Old Fashioned Girl"; "Little Women" * Eine glückliche Zeit
Austen, Jane "Pride & Prejudice" (zweite Rezension); Sanditon * Stolz und VorurteilSanditon
Auster, Paul
Bondeson, Euthanasia - Krimis
Brontë sisters 
Brontë, Charlotte "Jane Eyre"; "Villette" * Jane Eyre; Villette
Brown, Dan (The Da Vinci Code * Sakrileg)
Bulgakov, Mikhail
Child, Lee - Jack Reacher Serie
Christie, Agatha - Krimis
Connelly, Michael - Krimis
Coupland, Douglas "All Families are Narcotic"
DeMille, Nelson "The General's Daughter"; "Word of Honor"
Dickens, Charles 
Dostoevsky, Fyodor (Crime and PunishmentThe AdolescentThe Gambler * Schuld und Sühne; Der Jüngling; Der Spieler)
Evans, Nicholas "The Horse Whisperer
Fielding, Helen - Bridget Jones Series; "Olivia Joules and the Overactive Imagination" * Bridget Jones
Fitzgerald, F. Scott "Tender Is the Night" * Zärtlich ist die Nacht 
Flagg, Fannie "Fried Green Tomatoes";"A Redbird Christmas"
García Márquez, Gabriel (One Hundred Years of SolitudeLove in the time of ColeraThe General in his Labyrinth) * Hundert Jahre Einsamkeit; Liebe in den Zeiten der Cholera; Der General in seinem Labyrinth 
Goethe, Johann Wolfgang von "The Sorrows of Young Werther" * Die Leiden des jungen Werther 
Grisham, John "A Time to Kill"; "The Rainmaker"
Guillou, Jan - Carl Hamilton Serie
Guareschi, Giovannino - Don Camillo Serie
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road"; "The Duchess of Bloomsbury Street" * 84 Charing Cross Road; Die Herzogin von Bloomsbury Street 
Heller, Joseph "Catch-22" * Catch-22
Hemingway, Ernest (The Old Man and the SeaFor Whom the Bell Tolls) * Der alte Mann und das Meer; Wem die Stunde schlägt 
Highsmith, Patricia "The Price of Salt
Joyce, James "Ulysses" * Ulysses 
Keyes, Marian (Rachel's Holiday * Rachel im Wunderland)
Kinsella, Sophie - Shopaholic Serie
Läckberg, Camilla
Larsson, Stieg - Millenium Trilogie
Lee, Harper "To Kill a Mockingbird" * Wer die Nachtigal stört 
Lindquist, Ulla Carin "Rowing Without Oars: A Memoir of Living and Dying" (Ro utan åror: En bok om livet och döden)
Marklund, Liza - Krimis
Malraux, Phil
Martinson, Moa
Montgomery, L. M. "Anne of Green Gables" * Anne auf Green Gables 
Morgan, Jude "The Taste of Sorrow" (über die Brontë-Schwestern)
Morrison, Toni "Beloved" * Menschenkind 
Murdoch, Iris "The Sea, The Sea"
Oates, Joyce Carol (Die Figuren – und ich nehme an, in diesem Fall stimmt auch die Autorin dieses Buches mit mir überein – sind der Meinung, dass sie den Literaturnobelpreis schon vor langer, langer Zeit hätte erhalten sollen.)
Paolini, Christopher - Eragon Serie
Pratchett, Terry
Proulx, Annie "The Shipping News" * Schiffsmeldungen 
Proust, Marcel "In Search of Lost Time" aka "Remembrance of Things Past (À la recherche du temps perdu)
Roth, Philip (Zuckerman UnboundThe Ghost Writer) * Zuckermans Befreiung; Der Ghostwriter 
Rowling, J.K. - Harry Potter Serie * Harry Potter und der Stein des Weisen 
Shaffer, Mary Ann & Barrows, Annie "The Guernsey Literary & Potato Peel Society" * Deine Juliet 
Shakespeare, William (HamletMacbethRomeo and Juliet * Hamlet; Macbeth; Romeo und Julia)
Sparks, Nicholas "A Walk to Remember"
Stein, Gertrude "Geography and Plays"
Steinbeck, John "Grapes of Wrath"; "Of Mice and Men" * Früchte des Zorns; Von Mäusen und Menschen 
Stockett, Kathryn "The Help" * Gute Geister 
Stowe, Harriet Beecher "Uncle Tom’s Cabin" * Onkel Toms Hütte 
Thomas, Dylan 
Thoreau, Henry David "Walden" * Hüttenleben im Walden 
Twain, Mark "The Adventures of Huckleberry Finn"; "Pudd'nhead Wilson. Those extraordinary twins"
Waller, Robert James "The Bridges of Madison County"
Wilde, Oscar 
Witter, Bret; Myron, Vicki  "Dewey: The Small-Town Library Cat Who Touched the World"
Young, Elizabeth "Asking for Trouble"
The Bible * Die Bibel

* Deutsche Titel, soweit ich diese gelesen habe.

Sie erwähnen auch eine Liste, die interessant zu sein scheint:
Mr. Rothberg's Best American Authors List

Buchbeschreibung:

"Wie eine Buchhandlung einen verschlafenen Ort wieder zum Leben erweckt.

Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: '
Die verlässlichsten Autoren', 'Keine unnötigen Wörter', 'Für Freitagabende', 'Gemütliche Sonntage im Bett'. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy …"

Freitag, 7. August 2026

Sitch, Rob: Cilauro, Santo: Tom Gleisner, Tom "Molwanîen - Das Land des schadhaften Lächelns"

Sitch, Rob: Cilauro, Santo: Tom Gleisner, Tom "Molwanîen - Das Land des schadhaften Lächelns" (Englisch: Molvanîa. A Land Untouched By Modern Dentistry) - 2003

Molwanîen ist ein kleines Land irgendwo in Mitteleuropa – mit eigenartigen Menschen, seltsamen Bräuchen und einer noch seltsameren Sprache. Eines meiner Lieblingszitate lautet: "Molwanîsch ist eine schwer zu sprechende Sprache – geschweige denn zu meisternde. Es gibt vier grammatische Geschlechter: männlich, weiblich, sächlich und das Sammelwort für Käsesorten, das im Nominativ eine ganz eigene Unterkategorie bildet."

Die Hauptstadt heißt Lutenblag, und das Land ist in vier Provinzen unterteilt: das Große Zentraltal, die Molwanîschen Alpen, die Östlichen Steppen und das Westliche Hochplateau. Angeblich grenzt es an Deutschland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Slowakei und Slowenien. Bekannt ist es als "weltweit führender Produzent von Roter Bete und als Geburtsort des Keuchhustens".

Macht euch keine Sorgen, wenn ihr noch nie von Molwanîen gehört habt – das Land ist nämlich komplett erfunden.

Wobei in diesem Fall jegliche Ähnlichkeit mit fiktiven Ereignissen, Personen oder Orten wohl kaum rein zufällig sein dürfte.

Ich kann mich immer noch nicht entscheiden, ob dieses "parodistische" Reisebuch lediglich die Menschen aufs Korn nimmt, die in jener Region leben, in der Molwanîen sich angeblich befindet; doch da ich gehört habe, dass diese es selbst durchaus amüsant finden, war ich vielleicht bisweilen ein klein wenig überempfindlich. Ich glaube, wir alle können uns gut vorstellen, woher die Ideen für die Bewohner und Bräuche dieses skurrilen Landes stammen. Dennoch ist das Buch stellenweise wirklich witzig – es ist der einzige Reiseführer, den ich je von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen habe; und dabei besitze ich eigentlich eine ganze Menge davon und nutze sie auch regelmäßig.

Wenn ihr also Molwanîen einmal besuchen möchten, solltet ihr "Aeromolv" in Betracht ziehen – die einzige Fluggesellschaft, die pro Flug und pro ausgefallenem Triebwerk einen Rabatt von 10 % gewährt.

Buchbeschreibung:

"Molwanîer lachen gerne – vor allem auf Kosten anderer

Traumziel Molwanîen: Da müssen Sie hin. Da kommen Sie nie hin. Molwanîen gibt’s nämlich gar nicht. Aber den ersten umfassenden Reiseführer dazu. Und der erfindet ein ganzes Land – komplett mit Sprache, Geschichte, Restauranttipps und Kleidergrößen. Die brillante Idee reist um den Globus und wird zum Bestseller von Australien bis Italien, denn Molwanîen ist überall.

Unsere Welt ist klein geworden: Eine halbe Tagesreise führt um die halbe Welt; bumsvolle Touristenflieger landen in den entlegensten Winkeln der Erde, und auch die kleinste Fallafelbude in Damaskus ist längst kein Geheimtipp mehr. Wohin also soll sich der rastlose menschliche Entdeckergeist wenden? Vielleicht an einen Ort in unserer Fantasie, vielleicht an das bislang vom Tourismus sträflich vernachlässigte, sagenumwobene Kleinod Osteuropas: Molwanîen. Ein gastfreundliches Land, in dem schon zum Frühstück ein Glas 'Zeerstum' gereicht wird, der traditionelle Knoblauchschnaps, den man allerdings niemals innerlich anwenden sollte. Eine Pilgerstätte für Ornithologen auf der Suche nach der seltenen Molwanîschen Drossel, die jeden Herbst in eindrucksvollem Formationsflug in ihr 2,5 Kilometer entferntes Winterquartier zieht, wobei Tausende sich verirren und vor Erschöpfung verenden. Eine Oase für Liebhaber unberührter Natur, die zu sich selbst finden wollen in Molwanîens 'Großen Ebenen', einer Landschaft, die wegen ihrer unvergleichlichen Ödnis und Langeweile von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Da wollen Sie nicht hin? Da können Sie gar nicht hin, aber Sie werden Ihren Freunden davon erzählen."