Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen" (Englisch: All the Light We Cannot See) - 2014In den letzten Jahren habe ich die jeweils neuesten Pulitzerpreisträger (deutsche Beschreibungen hier) gelesen und war meist sehr angetan. Deshalb musste ich auch dieses Buch lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Anthony Doerr ist es gelungen, eine ganz besondere Kriegsgeschichte zu schreiben – eine Geschichte über die einfachen Leute auf beiden Seiten des Krieges, über diejenigen, die kaum etwas zu sagen hatten zu dem, was ihnen widerfuhr, und die den höchsten Preis zahlten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Waisenjungen und eines blinden französischen Mädchens, die beide unter den Folgen des Krieges leiden, die wahrscheinlich noch nicht einmal zur Schule gingen, als die Wahl in Deutschland über ihr Schicksal entschied, und die den höchsten Preis dafür zahlen mussten.
Die Geschichte ist fesselnd, der Schreibstil sorgfältig und zugleich wunderschön, die Charaktere werden liebevoll beschrieben. Dies ist eines jener Bücher, die man am liebsten langsam lesen möchte, weil man hofft, dass es nie endet. Denn obwohl man auf ein gutes Ende hofft, fürchtet man gleichzeitig ein schlechtes.
Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses, denn sie könnten den Menschen von heute vermitteln, wie es gewesen sein mag, damals in Deutschland zu leben, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass selbst diejenigen, die es waren, oft keine Wahl hatten.
Ein brillantes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.
Buchbeschreibung:
"Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am 'Muséum National d’Histoire Naturelle' arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell der Hauptstadt, das er in Saint-Malo gebaut hat, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.
Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …
Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen."
Anthony Doerr erhielt 2016 den Pulitzer-Preis für "All the Light We Cannot See".
Es wurden auch einige Bücher erwähnt/gelesen.
Darwin, Charles "The Voyage of the 'Beagle'" - Die Fahrt der 'Beagle'
Hertz, Heinrich "The Principles of Mechanics" - Die Prinzipien der Mechanik
Verne, Jules "Around the World in Eighty Days" - Reise um die Welt in 80 Tagen
Verne, Jules "Twenty Thousand Leagues Under the Sea" - 20.000 Meilen under dem Meer