Samstag, 14. März 2026

Stoker, Bram "Dracula"

Stoker, Bram "Dracula" (Englisch: Dracula) - 1897

Ich bin weder ein Fan von Fantasy noch von Horror. Aber das Thema unserer Xanadu-Lese-Challenge im November lautete: "Klassiker: Ein Klassiker für Erwachsene oder Kinder aus jedem Genre, das du noch nie gelesen hast." Es gibt eigentlich keine Genres, die ich noch nie gelesen habe; ich habe schon alles Mögliche ausprobiert, manche gefallen mir viel besser als andere. Deshalb wählte ich ein Buch, das ich selten lese. Mein Sohn hatte "Dracula" noch zu Hause, also dachte ich, das wäre der beste Zeitpunkt, es endlich zu lesen.

Natürlich kannte ich die Dracula-Geschichte, obwohl ich nie auch nur einen Ausschnitt aus einem der vielen Filme gesehen hatte, die auf diesem Klassiker basieren. Die Geschichte war also keine Überraschung. Ich war auch nicht schockiert oder verängstigt, das ist aber nicht der Grund, warum ich keine Horrorgeschichten lese – sie langweilen mich meistens einfach.

Ich bin froh, dass ich den Roman gelesen habe, weil immer so viel darüber gesprochen wird. Aber ich glaube nicht an Vampire und die Geschichte hat mich auch nicht sonderlich begeistert. Da es sich aber um einen Klassiker handelt, war es selbst für einen Wahrheitsliebhaber wie mich eine durchaus lesenswerte Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Der Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker reist nach Transsilvanien. Er soll dort den Grafen Dracula beraten, der nach England auswandern will und zu diesem Zweck ein Grundstück in London erwirbt.

Während seiner Reise trifft Harker auf sehr misstrauische und abergläubische Gestalten, die ihn vor dem Grafen warnen. Im Schloss des Grafen verlaufen die Tage zunächst ruhig, da sich der Gastgeber selbst bei Tage nicht blicken lässt.

Aber dann schöpft Harker Verdacht, denn der Graf hat kein Spiegelbild. Bald schon ahnt der junge Engländer von der unheimlichen Macht seines Gegners. Und er weiß, dass er die Mauern des Schlosses nie lebend verlassen wird, wenn er nicht flieht.

In London wartet ein Heer von ahnungslosen Opfern auf den Vampir.

Bram Stoker hat in diesem Roman Tod und Erotik auf faszinierende Art zusammengeführt. Dieses Buch gehört zur anerkannten Weltliteratur, es lässt sich auf verschiedenste Art interpretieren und lesen, als viktorianisches Sittengemälde, als spannender Abenteuerroman und als Schauerroman."

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein"

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein" (Englisch: Frankenstein: or, The Modern Prometheus) - 1818

Ich wollte dieses Buch schon immer mal lesen. Es ist ein Klassiker, der zwar nicht so recht in mein übliches Genre passt, aber definitiv ein Klassiker ist. Angeblich einer der allerersten Science-Fiction-Romane. Mary Wollstonecraft verbrachte einige Zeit in der Schweiz mit ihrem späteren Ehemann Percy B. Shelley und Lord Byron, als sie beschlossen, einen Wettstreit auszutragen: Wer würde die beste Horrorgeschichte schreiben? Ich habe von den beiden anderen Autoren nichts gelesen, aber ich bin mir sicher, dass Mary gewonnen hat.

Wie gesagt, nicht mein übliches Genre, aber unser Lesekreis wählte es als Alternative zu den Lockdown-Maßnahmen, die viele von uns daran hinderten, unsere gewohnte Bibliothek zu nutzen. Wir brauchten also etwas, das wir online finden konnten. Zum Glück hatte mein Sohn noch einige seiner Bücher zu Hause, sodass ich das Buch sogar hatte.

Frankenstein ist nicht das Monster, wie viele glauben. Er ist der Schöpfer. Obwohl er vielleicht doch etwas Monsterhaftes an sich hat, da es ihm egal ist, was aus seiner Schöpfung wird. Er ist so hässlich, dass er keine sozialen Kontakte knüpfen kann und deshalb zum Monster wird.

Dieses Buch ist nicht nur eine Horrorgeschichte, sondern birgt auch viel Psychologie in sich. Wir erhalten Einblicke in die Gedankenwelt der Menschen, ihre Träume und Ambitionen.

Was mir am Science-Fiction-Teil besonders gefiel, war, dass es keine abwegigen Erklärungen zur Entstehung des Wesens gibt. Man sieht das so oft in Filmen: Da wird etwas absolut Unmögliches auf eine Weise dargestellt, von der man weiß, dass sie nicht funktionieren kann. Hier hingegen gibt es nichts, was man als Fehler bezeichnen könnte. Wir müssen uns einfach vorstellen, dass es so geschehen ist.

Und bevor ich es vergesse: Es ist großartig geschrieben. Nicht nur die Handlung, auch Stil und Technik sind wunderbar. Ein wunderschöner Klassiker.

Dies war unser internationaler Online-Lesekreis-Roman im Juni 2020.

Buchbeschreibung:

"Der Roman über den jungen Schweizer Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft, ist ein seltenes Glanzstück der romantischen Schauerliteratur: Das grandiose erzählerische Geschick, mit dem die englische Autorin ihr Thema zu einer bis heute ungebrochen populären Geschichte verarbeitete, lässt ihren 'Frankenstein'-Roman weit über die meisten vergleichbaren Romane seiner Epoche hinausragen.

Freitag, 13. März 2026

Johnson, Adam "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do"

Johnson, Adam "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" (Englisch: The Orphan Master's Son) - 2012 

Ein schwer zu lesendes Buch. Und das nicht nur wegen des Themas. Adam Johnson wechselt die Erzähler. Nicht so wie Wilkie Collins, er wechselt sogar die Charaktere. Sie werden zu völlig anderen Menschen und sind dann wieder sie selbst. Man weiß nie, wer wer ist.

Trotzdem lohnt es sich, das Buch zu lesen. Die Einblicke, die es in das nordkoreanische Leben gewährt, sind immens. Und der Grund, warum das Buch so verwirrend ist, liegt wahrscheinlich darin, dass diese Art von Leben genauso ist. Pak Jun Do wächst in einem Waisenhaus auf, obwohl er noch seinen Vater hat, der aber der Waisenmeister ist. Jun Do (auf Koreanisch "John Doe", soviel wie Otto Normalverbraucher oder Max Mustermann auf deutsch) tritt dem Militär bei, und von da an ist sein Weg so seltsam wie das ganze Buch. Er wird auf Entführungsmissionen nach Japan und auf diplomatische Reisen nach Texas geschickt, dann übernimmt er den Platz eines wichtigen Politikers und wird mit dessen Frau verheiratet.

Je weiter man im Buch voranschreitet, desto mehr wird einem bewusst, wie verstörend das Leben in einer Diktatur sein kann. Ich erinnere mich an einen Ausflug zu einem Schloss in meiner Schulzeit, wo uns die Folterkammern gezeigt wurden, mit der Bemerkung, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Nun, wenn man dieses Buch (oder andere Bücher über ähnliche Länder) liest, ist man erstaunt, wie viele Möglichkeiten Menschen finden, andere Menschen zu misshandeln und zu foltern. Es ist unglaublich.

Also kein Buch für Leichtsinnige und kein Buch, das man in ein oder zwei Tagen lesen möchte. Kaum eine Seite, die nicht den Glauben an das Gute im Menschen erweckt, kaum eine Seite, die einem Hoffnung für die armen Seelen gibt, die unter diesen Umständen leben müssen.

Natürlich hat der Autor nie in Nordkorea gelebt, sondern es nur einmal besucht, und das war wahrscheinlich kein Besuch, bei dem er sich frei bewegen und mit jedem sprechen konnte. Daher müssen wir uns wohl auf seine anderweitigen Recherchen verlassen. Ich glaube nach wie vor, dass dies keine reine Fiktion ist.

Buchbeschreibung:

"Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des 'Geliebten Führers' Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.
"

Adam Johnson erhielt 2013 den Pulitzerpreis für diesen Roman. 

Donnerstag, 12. März 2026

Fischer, Penny "222 Anzeichen, dass du Bücher liebst"

Fischer, Penny "222 Anzeichen, dass du Bücher liebst" [222 signs that you love books] - 2025

Ein komisches Buch. Die Beschreibung sagt mehr als der Inhalt. Mir gefiel der Titel und die Zeichnung. Ich dachte, das sei eins dieser Bücher, bei denen man herzlich lachen kann.

Na ja, manchmal vertut man sich. Die Zeichnungen im Buch waren genauso nett wie das Cover. Wer diese allerdings gezeichnet hat, bleibt genauso rätselfhaft wie irgendwelche Informationen zu der Autorin zu erhalten. Der Name steht auch nur ganz klein hinten auf der letzten Seite. Aber immerhin.

Viele Ausdrücke sind wirklich nicht allgemeinverständlich. Daher dachte ich zunächst, die Autorin sei Österreicherin. Ist natürlich immer noch möglich, aber ich glaube es nicht.

Nur ein paar Beispiele, es gibt hunderte davon.

Ständig wird von Buchmarken gesprochen. Erst habe ich aufgrund des Kontextes gedacht, sie meint Lesezeichen, bis dann irgendwann doch dieses Wort vorkommt und ich darauf gekommen bin, dass sie wohl von Exlibris spricht.

Das Kapitel "E-Book oder Hardcover?" gibt zum Beispiel nur die Alternativen elektronisches und gebundenes Buch. Hat die Autorin noch nie von Taschenbüchern gehört???

Die Grammatik lässt auch arg zu wünschen übrig. Google Autokorrektur reicht eben doch nicht für ein fehlerfreies Buch. Vielleicht hätte ein Redakteur oder Lektor mal drüberschauen sollen.

Das Schlimmste war jedoch, dass ganze Absätze doppelt sind, andere dann fehlen. Auch das hätte ein zweites Paar Augen erkennen können.

Alles in allem, eines der schlechtesten Bücher, die ich seit langem in der Hand gehabt habe.

Buchbeschreibung:

"Das ideale Geschenk für alle, die Bücher nicht nur lesen – sondern leben!

Dieses Buch ist alles – nur nicht leise und literarisch ernst! Hier geht’s nicht um Goethe-Analysen, perfekte Leselisten oder tiefenpsychologische Charakterstudien, sondern um das wunderbar schräge, witzige und herrlich übertriebene Alltagsleben von echten Bücherliebhabern.

222 Anzeichen, dass du Bücher liebst ist eine humorvolle Hommage an alle, die sich zwischen SUB-Kollaps, Buchkaufrausch, literarischen Crushes und dem Duft von alten Seiten einfach pudelwohl fühlen. Vollgepackt mit ironisch-liebevollen Beobachtungen, skurrilen Wahrheiten und charmantem Leserhumor – ein Muss für alle, die sich lieber in Büchern verlieren als in Gesprächen über Wetter.

Wenn du weißt, wie es ist, nur kurz in die Buchhandlung zu gehen und mit drei neuen Romanen, einem Lesezeichen und schlechtem Gewissen (aber großer Freude!) wieder rauszukommen – dann ist dieses Buch für dich. Und keine Sorge: Wenn du auf der Suche nach tiefschürfender Literaturkritik bist, bist du hier falsch. Dieses Buch ist für alle, die das Chaos, den Wahn und die Liebe zum Lesen mit einem fetten Augenzwinkern feiern.

Was dieses Buch ausmacht:

📚 Literaturwahnsinn zum Schmunzeln:

Wusstest du, dass manche Buchliebhaber ihren SUB benennen wie ein Haustier? Oder dass du laut Statistik keine 400 Jahre alt wirst, um all deine ungelesenen Bücher zu schaffen?

😂 Alltagsnaher Humor für Leseratten:

Erkenne dich wieder beim 'Nur noch ein Kapitel'-Versprechen, das in eine durchlesene Nacht eskaliert – inklusive Lesekater am nächsten Morgen.

🎁 Perfekt zum Verschenken (oder Selbstbehalten):

Egal ob zum Geburtstag, für die beste Freundin oder den Kollegen mit dem Buchabo – dieses Buch bringt Vielleser zum Lachen, Nicken und Weiterblättern.

Dieses Buch ist für dich, wenn…
… du dein Bücherregal öfter neu sortierst als deinen Kleiderschrank.
… du schon mal ein Buch doppelt gekauft hast – aus Versehen.
… du Zitate aus Romanen im Alltag verwendest, als wären sie Lebensweisheiten.
… du das perfekte Geschenk für eine Leseratte suchst, die sich zwischen Kaffee, Leselampe und Lesezeichen am wohlsten fühlt.

Das perfekte Geschenk für alle Buchverrückten!

Ob zum Geburtstag, Weihnachten oder einfach als kleine literarische Aufmerksamkeit – dieses Buch sorgt für lautes Lachen, überraschende Aha-Momente und das warme Gefühl: Ich bin nicht allein mit meinem Bücherwahn. Keine trockene Theorie, sondern 222 liebevoll-ironische Anzeichen, dass du dem schönsten Hobby der Welt verfallen bist."

Mittwoch, 11. März 2026

Turgenjew, Iwan Sergejewitsch "Väter und Söhne"

Turgenjew, Iwan Sergejewitsch "Väter und Söhne" (Russisch: Отцы и дети/Otzy i deti) - Fathers and Sons - 1862

Ich liebe russische Autoren, wie alle meine Freunde wissen. Aber ich hatte noch nie ein Buch von Turgenjew gelesen. 

War es so gut wie die meisten anderen russischen Autoren, die ich gelesen habe? Ja, absolut. Ich fand es hervorragend, über das Leben in Russland Mitte des 19. Jahrhunderts zu lesen, als sich die Zeiten zu ändern begannen, die Bauern mehr Freiheiten erlangten, die Leibeigenschaft langsam abgeschafft und die gesamte Gesellschaftsordnung in Frage gestellt wurde.

Fast alle Arten von Charakteren wurden in diesem Buch beschrieben: verschiedene Altersgruppen, unterschiedlicher sozialer Status, unterschiedliche Bildung, verschiedene Haushalte, Stadt und Land, Studenten und Bauern, Eltern und Kinder, Frauen und Männer (was in solchen Büchern nicht oft vorkommt).

Laut Wikipedia gilt dies als der erste moderne russische Roman. Das kann ich gut nachvollziehen. Der Wandel stand bevor, und dem Autor gelang es, diese Situation zu Papier zu bringen.

Auf jeden Fall kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Und zwar nicht nur allen, die Klassiker und/oder russische Literatur lieben.

Buchbeschreibung:

"Russland im Jahr 1859. Der Zar geht auf gesellschaftliche Änderungen ein und schafft die Leibeigenschaft ab. Doch die junge Generation will weiterreichende Reformen. Iwan Turgenjew zeigt im Roman 'Väter und Söhne' den Kampf um die 'richtige' Gesellschaftsform für Russland anhand eines zeittypischen Generationskonflikts auf.

Der Sohn eines Gutsbesitzers kommt gemeinsam mit einem guten Freund und vielen neuen Ideen von der Universität zurück auf den Gutshof seines Vaters. Der Gutsbesitzer gehört der zwar freiheitlich beeinflussten, im Kern aber traditionsorientierten älteren Generation an. Er ist an der Einhaltung guter Sitten und der Achtung von Autoritäten orientiert. Auch einen Hang zur Romantik teilt er mit vielen Älteren. Die revolutionäre Jugend lehnt Tradition, Wohlverhalten und Romantik kategorisch ab. Es kommt zu heftigen Diskussionen.

Iwan Turgenjew greift in 'Väter und Söhne' mit feiner Beobachtungsgabe jenen Zeitgeist auf, der wenige Jahrzehnte später zur russischen Revolution führen sollte. Die Diskussion um 'Väter und Söhne' verlief schon kurz nach der Veröffentlichung so heftig, dass Iwan Turgenjew Russland verließ."

Dienstag, 10. März 2026

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich"

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich" (Französisch: HHhH) - HHhH - 2010

"HHhH", der französische Titel ist identisch mit dem englischen, der deutsche hat einen Zusatz, der die seltsamen Buchstaben erklärt: "Himmlers Hirn heißt Heydrich".

Die Geschichte handelt nicht von Hitler oder Himmler, sondern von Reinhard Heydrich, einem hochrangigen deutschen Nazi-Offizier, und Jozef Gabčík, einem slowakischen Soldaten, sowie Jan Kubiš, einem tschechischen Soldaten, und ihrer "Operation Anthropoid", deren Ziel die Ermordung Heydrichs war.

Heydrich war Mitglied des SD (Sicherheitsdienst, Teil der SS). Der unbekanntesten und unheilvollsten aller Nazi-Organisationen. Einschließlich der Gestapo. Er erfand nicht nur den gelben Stern, der von allen Juden getragen werden sollte, sondern entwarf auch die Gaskammern. Unnötig zu erwähnen, dass er als der gefährlichste Mann im Dritten Reich galt; man nannte ihn den "Henker von Prag", den "Schlächter" und das "Blonde Biest". Nicht gerade ein Titel, den sich ein vernünftiger Mensch wünschen würde.

Laurent Binet hat eine einzigartige Möglichkeit gefunden, die Erzählung einer Sachgeschichte mit einem Teil einer Autobiografie zu verbinden und daraus einen Roman zu machen. Er nennt es angeblich den Infraroman. Eine interessante Art, das Thema zu behandeln, und eine großartige Möglichkeit, den Leser an die Charaktere des Buches zu gewöhnen. Es mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, dass er von der ersten zur dritten Person springt, aber ich mag seinen Stil wirklich.

Auch wenn ihr nichts mehr über den Zweiten Weltkrieg oder die Nazis lesen möchtet, solltet ihr dieses Buch lesen. Es steckt viel Herz darin und ist gleichzeitig sehr informativ.

Er beginnt mit: "Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Eine wahre Geschichte. Eine Geschichte, die du vielleicht kennst, aber nur flüchtig." und so macht er weiter und spricht mit dem Leser, als wäre er im selben Raum.

Und ich schließe mit einem weiteren Zitat:
"Erinnerung nützt nichts den Erinnerten, sondern nur denen, die sich erinnern." Erinnern wir uns also.

Buchbeschreibung:

"HHhH
HIMMLERS HIRN HEISST HEYDRICH

Die NS-Geschichte pointiert als Groteske. Wie ein Detektiv verfolgt Binet die vielen Spuren, die zu dem Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag führen. Immer wieder kommt er dabei auf seine Rolle als Erzähler zurück. Gibt es überhaupt eine historische Wahrheit, und wie kann man über sie schreiben?

Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt du Premier Roman

Beim Spaziergang durch Prag entdeckt der Autor an der Krypta eine Gedenktafel für tschechische Widerstandskämpfer. Sie versteckten sich dort nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich – bis deutsche Soldaten, nachdem sie auf der Suche nach ihnen schon ganz Prag auf den Kopf gestellt hatten, die Krypta fluten ließen.

Der Ich-Erzähler Binet ist so elektrisiert von dieser Geschichte, dass er beschließt, von Paris nach Prag zu ziehen und ihr nachzugehen.

Er verfolgt die sich kreuzenden Spuren der Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer im Frühsommer 1942 in Prag. Der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich soll von dem Tschechen Josef Gabčik, der an den braven Soldaten Schwejk erinnert, auf offener Straße erschossen werden. Doch als der Mercedes mit Heydrich naht, klemmt der Abzug ...

Ein freches und mutiges Buch, das man lachend und weinend zugleich liest."

Einige der Bücher, die der Autor erwähnt:
Burgess, Alan "Seven Men at Daybreak" [Sieben Mann bei Sonnenaufgang]
Flaubert, Gustave "Salammbô" (Salambo)
Harris, Robert "Fatherland" (Vaterland) - 1992
Sand, George "Jean Zizka" [Jan Žižka]
Schmitt, Éric-Emmanuel "La Part de l'autre" (Adolf H. Zwei Leben)
Vollmann, William T. "Europe Central" (Europe Central)

Montag, 9. März 2026

Jacobsen, Roy "Das Dorf der Wunder"

Jacobsen, Roy "Das Dorf der Wunder" (Norwegisch: Hoggerne) - The Burnt-Out Town of Miracles - 2005

In der Beschreibung heißt es: "'Die ausgebrannte Stadt der Wunder' ist kein Roman über den Krieg, sondern über das Leben einfacher Menschen, die in den Krieg hineingezogen werden." Stimmt. Ich denke, das macht diesen Roman so interessant. Ich weiß wenig über Finnland während des Krieges. Ich schätze, dies gilt für die meisten Nicht-Finnen. Wir wissen von der Besetzung Norwegens und Dänemarks, von der Invasion Polens, von den Kämpfen zwischen Deutschen und Russen, von den baltischen Staaten, aber über Finnland während des Krieges wird sehr wenig gesprochen, obwohl es zwei große Kämpfe mit den Russen hatte, im Winterkrieg 1939/40 und im Fortsetzungskrieg 1941/44, also mehr oder weniger während des größten Teils des Weltkrieges. Wahrscheinlich, weil über Finnland im Allgemeinen sehr wenig gesprochen wird.

Timo ist ein Holzfäller, der in Suomussalmi im Nordosten Finnlands lebt und 1939 zusammen mit den anderen Einwohnern aufgefordert wird, sein Dorf zu verlassen. Aber er widersetzt sich. Er ist der Einzige, der nicht gehorcht, er brennt sein Haus nicht nieder und bleibt.

Als die sowjetischen Soldaten eintreffen, ist er der Einzige, der ihnen zeigen kann, wie man den harten Winter überlebt.

Obwohl Timo, gelinde gesagt, nicht gerade für seine Intelligenz bekannt ist (im Gegenteil, er gilt als Dorftrottel), ist er ein mutiger Charakter, jemand, der zum Überleben geboren wurde. Er erzählt die Geschichte, man spürt seine Entschlossenheit, nicht nachzugeben, nicht dem finnischen Befehl, nicht den Sowjets. Er ist Timo, und er ist der Einzige, der ihm Befehle gibt. Er ist einer dieser kleinen Helden, von denen wir nichts hören, ohne die die Menschheit aber nicht überleben würde.

Ein gutes Buch, das viel zum Nachdenken anregt.

Buchbeschreibung:

"Das Dorf der Wunder ist eine anrührende Parabel über die ehrliche Macht des Einfachen.

In seiner Heimat Norwegen gilt der Bestsellerautor Roy Jacobsen als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. 

Dem Autor gelingt ein feinfühliger und lakonischer Roman über einen Sonderling, der zufällig zum Helden wird. Eine wunderschöne Erzählung über wärmende Mitmenschlichkeit in der klirrenden Kälte Finnlands."