Ein weiteres Buch, das mir eine Freundin geliehen hat. Ich hätte es wahrscheinlich nie in die Hand genommen, es wirkt mir zu kindisch. Aber: Es ist ein brillantes Buch. Herzzerreißend und wunderschön zugleich. Eine alkoholkranke Mutter ist so verzweifelt, dass sie ihren Teenager-Sohn und seinen sechsjährigen Bruder allein zurücklässt. Keine Adresse, niemand, der sich um sie kümmern könnte, kein Geld, nichts.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Mutter oder den kleinen Bruder mögen könnte. Laurence, der arme Kerl, muss sich sowohl um die alkoholkranke Mutter als auch um seinen kleinen Bruder kümmern, der alles andere als pflegeleicht ist. Als die Mutter verschwindet, will er nicht, dass die Kinder in verschiedenen Heimen landen, also tut er so, als wäre alles in Ordnung.
Wie gesagt, Menschen wie die Mutter machen mich wütend! Sie hat zwei Kinder und kümmert sich nicht um sie. Egal welche Ausrede man hat, egal wie verzweifelt man ist, man lässt seine Kinder nicht im Stich. Was wäre, wenn Laurence auch so ein Kind wäre, das keine Verantwortung übernehmen kann? Bei so einer Mutter ist das durchaus nachvollziehbar. Zum Glück ist er es nicht. Er und all die anderen Kinder in ähnlichen Situationen tun mir wirklich leid. Die Mutter hat sie nicht verdient. Das ist meine Meinung, und dabei bleibe ich.
Es gab einige lustige Szenen im Buch, die es zeitweise erträglich machten. Nur mal so als Beispiel: Im Tagebuch werden die Wochentage folgendermaßen aufgelistet (keine Ahnung, ob sie in dem Buch so übersetzt wurden, die englischen Originalwörter stehen unter meiner Übersetzung):
"Wie weit kann man gehen, um die eigene Familie zusammenzuhalten? Laurence, 15 Jahre alt, geht jedenfalls ziemlich weit und manövriert sich dabei in eine Reihe grotesk-komischer Situationen – nicht zuletzt, weil sein kleiner Bruder fest davon überzeugt ist, ein bissiger Hund zu sein … Laurence Roach wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, doch das ist schwer, wenn die Mutter eine depressive Alkoholikerin ist. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er täuscht vor, seine Mutter sei noch da, zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen. Abend für Abend schleicht er zudem in die Telefonzelle und gibt sich in der Live-Sendung des lokalen Radiosenders für seinen verstorbenen Vater aus, um seinen geheimen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Wochen, in denen sich die beiden Brüder mit einem Minimum an Geld und Essen durchschlagen, entdeckt Laurence endlich eine Spur von seiner Mutter. Aber jetzt fangen die Schwierigkeiten erst richtig an."
Den englischen Titel "Eleanor Oliphant is Completely Fine" könnte man mit "Eleanor Oliphant geht es allerbestens" übersetzen. Eleanor Oliphant geht es definitiv nicht gut und schon gar nicht bestens. Zu sagen, dass sie Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten hat, wie es in der Beschreibung heißt, ist eine gewaltige Untertreibung. Ich bin mir sicher, dass sie an einer psychischen Erkrankung leidet oder ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit verarbeitet.
Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte oder in Eleanor hineinzukommen. Ich bin sehr gesellig, umgebe mich gern mit vielen Menschen und kann mich mit jedem unterhalten, der nur ein bisschen Interesse zeigt. Ich bin mir sicher, Eleanor würde das nicht schätzen. Und ich möchte nicht aufdringlich sein, also würde ich wohl nur einen Satz mit ihr wechseln, und das war's. Tut mir leid, aber so ist es nun mal. Sie will eigentlich mit niemandem reden, oder?
Die Geschichte an sich war allerdings recht interessant, wie sie diesen Kollegen kennenlernt, der ihr hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Auch der Schreibstil war nicht schlecht. Trotzdem konnte ich mich mit der Geschichte nicht anfreunden. Zwei Zitate, denen ich voll und ganz zustimme:
"… die Eingangstür des Krankenhauses … eine Frau im Rollstuhl – sie hatte ihren Tropf auf Rädern mitgebracht, um ihre Gesundheit zu ruinieren, während Steuergelder für ihre Genesung ausgegeben wurden."
Ich werde immer wütend, wenn ich Leute vor einem Krankenhaus rauchen sehe, besonders direkt davor, wo alle vorbeigehen müssen, Kranke, Besucher … Krankenhäuser und ihre Umgebung sollten rauchfreie Zonen sein.
und
"Sport ist mir ein Rätsel. In der Grundschule war der Sporttag der einzige Tag im Jahr, an dem die leistungsschwächeren Schüler triumphieren konnten. Sie gewannen Preise für das schnellste Sackhüpfen oder dafür, schneller von A nach B zu rennen als ihre Klassenkameraden. Wie stolz sie am nächsten Tag auf diese Abzeichen an ihren Jacken waren! Als wäre eine Silbermedaille beim Eierlauf eine Art Entschädigung dafür, dass sie nicht wussten, wie man einen Apostroph setzt."
... oder ihr Einmaleins bescherrschen oder irgendetwas tun, was sie im Leben weiterbringt!
"Unser Lesekreis hatte eine sehr positive Diskussion über das Buch. Die meisten Mitglieder bewerteten es sehr positiv, und eine der häufigsten Reaktionen war, wie sehr sich unsere Sicht auf Eleanor im Laufe der Geschichte veränderte. Anfangs mag sie steif, sozial unbeholfen, übermäßig förmlich oder emotional distanziert wirken, doch am Ende empfanden wir echte Zuneigung für sie, fieberten mit ihr mit und wünschten ihr von Herzen alles Gute.
Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um Eleanors neurodiverse Merkmale und deren Darstellung. Aufgrund der Zusammensetzung unserer Gruppe war dieser Aspekt ihres Charakters sofort erkennbar und nicht spekulativ. Ihr wörtliches Denken, ihre Gewohnheit, Routinen zu pflegen, ihre Schwierigkeiten, unausgesprochene soziale Normen zu verstehen, und ihr ungewöhnlicher Kommunikationsstil wirkten auf viele Leser authentisch. Uns interessierte vor allem, wie diese Merkmale mit Trauma, Einsamkeit und jahrelanger Isolation zusammenhingen. Der Roman wurde dafür gelobt, diese Komplexität zuzulassen, ohne sie auf ein einziges Etikett zu reduzieren.
Einsamkeit war ein weiteres zentrales Thema der Diskussion. Viele Leser empfanden das Buch als besonders eindrücklich und zeitgemäß. Eine Art Isolation: Jemand, der intelligent, berufstätig, kompetent und nach außen hin funktionsfähig ist, aber dennoch tiefgreifend von anderen Menschen abgeschnitten ist. Eleanor ist nicht im offensichtlichen Sinne von der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern scheint neben ihr zu existieren, unfähig, sich voll einzubringen. Diese subtile Darstellung von Einsamkeit fand großen Anklang in der Gruppe.
Wir sprachen auch ausführlich über Trauma, Sucht und Bewältigungsstrategien. Eleanors Alkoholkonsum wurde im Allgemeinen nicht als Leichtsinn, sondern als eine Form der Selbstmedikation und emotionalen Betäubung betrachtet. Ihre Routinen, ihre Distanzierung und ihre enge Lebensstruktur wirkten weniger wie zufällige Funktionsstörungen, sondern eher wie Überlebensstrategien, die sich im Laufe der Zeit verfestigt hatten. Mehrere Teilnehmer hoben hervor, wie realistisch der Roman zeigt, wie sich Schmerz in alltägliche Gewohnheiten einprägt.
Spoiler:
Die Enthüllung der verstorbenen Mutter führte zu einem der intensivsten Momente der Diskussion. Leserinnen und Leser sahen darin eine eindringliche Darstellung, wie Missbrauch auch nach dem Tod des Täters noch lange nachwirken kann. Die Stimme der Mutter bleibt durch Kritik, Scham und Kontrollsucht präsent und prägt Eleanors Leben selbst im Tod. Viele empfanden dies als eine der stärksten psychologischen Erkenntnisse des Romans.
* * *
Beziehungen waren ein weiteres wichtiges Thema. Wir schätzten es, dass die Geschichte auf ein simples romantisches Rettungsmuster verzichtet. Raymond wurde besonders hervorgehoben, da seine alltägliche Freundlichkeit, Geduld und Beständigkeit Eleanor ein Vorbild für sichere menschliche Beziehungen bieten. Anstatt sie dramatisch zu 'retten', schafft er die Voraussetzungen dafür, dass sie sich langsam aus ihrer Isolation befreien und wieder am Leben teilhaben kann. Viele Leser empfanden diese zurückhaltende Darstellung von Freundschaft als eine der größten Stärken des Buches. (Dem stimme ich zu.)
Sprache und Übersetzung wurden ebenfalls zu einem besonders interessanten Teil der Diskussion. Einige Teilnehmer lasen den Roman auf Englisch, andere auf Finnisch und einer auf Russisch, was einen direkten Vergleich ermöglichte. Eleanors Charakter wird stark durch die Erzählweise geprägt: ihre formale Diktion, ihr direkter Wörtlichkeitssinn, ihre ungewöhnlichen Formulierungen und ihre emotionale Zurückhaltung. Wir erörterten, wie jede Übersetzung unweigerlich die Wahrnehmung der Leser beeinflusst. Die Darstellung der Mutter war hier besonders interessant, da sich Tonfall, Grausamkeit, Manipulation und emotionaler Druck je nach Sprache subtil verändern können.
Wir diskutierten auch die Balance zwischen Humor und Schmerz im Roman. Eleanors Stimme erzeugt oft Komik durch Präzision, Direktheit und soziale Unvereinbarkeit, doch unter diesem Humor verbirgt sich echtes emotionales Leid. Viele Leser empfanden den Kontrast im Buch als gekonnt umgesetzt, sodass Wärme und Traurigkeit nebeneinander existieren können, ohne dass eines von beiden aufgesetzt wirkt.
Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass 'Ich, Eleanor Oliphant' ein intelligenter, menschlicher und emotional einfühlsamer Roman ist. Er überzeugt nicht nur als Geschichte über Trauma und Genesung, sondern auch als Erinnerung daran, dass Menschen, die lediglich schwierig, seltsam oder distanziert erscheinen, oft viel komplexer sind, als andere ahnen. Dass wir Eleanor am Ende als eine Person ins Herz geschlossen haben, war für viele von uns das deutlichste Zeichen für den Erfolg des Buches."
Buchbeschreibung:
"Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen.
Mit ihrem Debüt 'Ich, Eleanor Oliphant' ist Gail Honeyman ein anrührender Roman mit einer unvergesslichen Hauptfigur gelungen. Ihre erfrischend schräge Sicht auf die Dinge zeigt uns, was im Leben wirklich zählt. Liebe. Hoffung. Ehrlichkeit. Und vor allen Dingen die Freundschaft. "
Dieses Buch wurde von unserem örtlichen Lesekreis einstimmig für unsere Diskussion im März 2026 ausgewählt. Es ist eine interessante Geschichte über zwei Mädchen, die einen Serienmörder jagen. Ihre Hauptbemühungen bestehen darin, die Menschen in ihrem Umfeld zu "untersuchen", sprich: herumzuschnüffeln. Wie man sich denken kann, richten sie damit mehr Schaden als Nutzen an.
Ich hätte dieses Buch im Buchladen wahrscheinlich nie entdeckt; es wirkte eher wie kitschige "Frauenliteratur". Und dass es ein Sunday-Times-Bestseller ist, spricht auch nicht gerade dafür. Aber das Mitglied, das es vorgeschlagen hat, hatte es gelesen und fand es gut. Und ich weiß, dass sie einen guten Geschmack hat.
Neben der Geschichte des "Yorkshire Rippers" behandelt das Buch viele verschiedene Themen: Erwachsenwerden, erste Liebe, psychische Erkrankungen, Rassismus – fast alles, was einem dazu einfällt.
Obwohl mir das Buch insgesamt gut gefallen hat, war ich vom Ende nicht so begeistert. Vielleicht wollte die Autorin etwas Abwechslung, aber es hätte anders sein können. Es hätte anders sein sollen.
Wir hatten ein wundervolles Gespräch über dieses Buch. Es wurden ja so viele Schicksale angesprochen.
Wir fanden außerdem heraus, dass "das Titelbild einen Raben zeigt, der die Themen Neugier, Intelligenz und die bedrohliche Atmosphäre symbolisiert, und die Milchflasche das britische Schulleben jener Zeit repräsentiert. Der Vogel steht für das dunkle, gefährliche Eindringen der Außenwelt und spiegelt die Angst wider, die in Yorkshire zur Zeit der Morde herrschte." (KI)
Buchbeschreibung:
"Miv und ihre beste Freundin Sharon sind unzertrennlich. Als Mivs Vater mit der Familie wegziehen möchte, bricht für sie eine Welt zusammen. Eine brutale Mordserie hält Yorkshire in Atem, doch ihr Zuhause und Sharon hinter sich zu lassen, kann Miv sich trotzdem nicht vorstellen. Egal, wie seltsam es dort auch geworden ist, seitdem ihre Mutter aufgehört hat zu sprechen und Tante Jean sich nun um alles kümmert. Was wäre, wenn der Mörder gefasst würde? Könnte Miv dann bleiben? Also beginnen die beiden Mädchen, auf eigene Faust die Menschen in ihrer Nachbarschaft zu beobachten – und setzen dabei Dinge in Gang, die alles verändern werden.
Einfühlsam und klug erzählt Jennie Godfrey von Familie, Freundschaft und Zusammenhalt und eröffnet ein weites Gesellschaftspanorama, voll ergreifender Schicksale und liebenswerter Figuren."
Für den "Classics Spin #42" erhielten wir Buch Nr. 17, und das war mein Roman. Als ich das den anderen Bloggern erzählte, bekam ich viele Kommentare, dass ihnen das Buch überhaupt nicht gefiel. Aber ich war fest entschlossen, es zu mögen. Schließlich hatte ich "Licht im August" (Light in August) vom selben Autor geliebt.
Allerdings ist dieses Buch nicht mit dem ersten seiner Werke vergleichbar, das ich gelesen habe. Ich denke, ich stimme den meisten anderen Lesern zu.
Aber kommen wir zum Buch.
In einer Rezension (siehe hier) las ich: "Ich schätzte das Können des Autors viel mehr, als dass mir das Lesen des Romans Spaß gemacht hat." Ich finde, das trifft den Nagel auf den Kopf. Eine andere Rezension verglich es mit "Schau heimwärts, Engel" (Look Homeward, Angel), dem ich ebenfalls zustimmen kann. Ein weiterer Autor aus dem Süden der USA, dem man vielleicht nur folgen sollte, wenn man selbst aus dem Süden kommt.
Ich bin sicher, ihr habt es erraten: Dies war nicht mein Lieblingsbuch des Jahres. Aber ich habe es trotzdem gerne gelesen.
In der englischen Beschreibung wird "Ulysses" (Ulysses) erwähnt. Wie ihr seht, habe ich das gelesen und damals gesagt: "Das ist das schwierigste Buch, das ich je gelesen habe." Es gehört immer noch auf diese Liste, aber ich habe es damals besser verstanden als dieses hier. Ich sagte auch: "Je mehr Abstand ich zu diesem Roman gewinne, desto verständlicher wird er und desto stärker wirkt er auf mich." Ich bezweifle, dass das hier jemals der Fall sein wird, aber man darf ja hoffen.
Ich habe die Handlungen im Buch zwar verstanden, mochte aber keine einzige Figur und konnte keine ihrer Entscheidungen nachvollziehen.
In der englischen Beschreibung steht außerdem: "… in den nächsten beiden Abschnitten … beginnt sich der Roman zu enthüllen."
Nein, nicht wirklich, es war immer noch genauso verwirrend wie vorher. Wenn ihr keine großen Fans von Büchern im Bewusstseinsstrom-Stil seid, würde ich es nicht empfehlen.
Buchbeschreibung:
"Benjamin Compson, schwachsinniger Sohn von Jason III und Caroline Compson, wird 33 Jahre alt. Er beschreibt, was er von seinem Geburtstag wahrnimmt und erinnert sich an bedeutende Ereignisse in der Geschichte der Familie. Am Beispiel der Compsons aus Jefferson, Mississippi, erzählt Faulkner vom Niedergang des alten amerikanischen Südens."
Kostova, Elizabeth "Die Schwanendiebe" (Englisch: The Swan Thieves) - 2010
Ich habe Elizabeth Kostavas erstes Buch "Der Historiker" (The Historian) vor ein paar Jahren gelesen und es sehr genossen. Als ich dann auf diesen Roman stieß, musste ich ihn einfach lesen.
Obwohl dieses Buch völlig anders war als ihr erstes, wurde ich nicht enttäuscht. Wie in ihrem vorherigen Buch bringt sie Geschichte und Kunst in ihren Roman ein. Eine meiner Lieblingsepochen der Kunstgeschichte, der französische Impressionismus. Béatrice de Clerval, die in der Geschichte vorkommt, war keine reale Person, viele der erwähnten Maler jedoch schon. Allein ihre Namen aufzuzählen, fühlt sich an, als würde man durch eines der großen Pariser Museen gehen: Manet, Morisot, Monet, Sisley, Pissarro.
Mir hat dieser Roman genauso gut gefallen wie ihr erster, und ich freue mich schon auf weitere.
Buchbeschreibung:
"Der Psychiater Andrew Marlow liebt seinen Beruf, seine gelegentliche Malerei und sein unabhängiges Leben. Als der berühmte Maler Robert Oliver sein Patient wird, ist es damit vorläufig vorbei. Der Künstler hatte versucht, ein Gemälde in der National Gallery of Art in Washington mit einem Messer zu attackieren. Béatrice de Clerval ist eine begabte junge Malerin in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Paris. Ihr Mentor Olivier Vignot veranlasst, dass eines ihrer Gemälde unter Pseudonym in einer Salon-Ausstellung der Impressionisten gezeigt wird. Was hat das Schicksal dieser Künstlerin, deren Briefe an ihren Malerfreund sich im Besitz des genialen Künstlers Robert Oliver befinden, mit dessen zerstörerischem Wahn zu tun? Mit großer psychologischer Einfühlung beschreibt Elizabeth Kostova in ihrem spannenden neuen Roman die Geschichte einer Obsession, einer großen Liebe - und wie die Liebe zur Kunst die Seelen der Menschen bewegt."
Ein interessantes Buch. Ja, es führt uns in den Existentialismus ein. Es gibt uns Denkanstöße für unser Leben. Aber es ist kein richtiger Roman, es passiert nicht viel. Am Anfang war ich ziemlich gelangweilt. Es nimmt etwas Fahrt auf, aber es packt einen nicht.
Ich habe gehört, Sartre werde mit Camus verglichen. Ich liebe Camus. Sartre kommt nicht so gut rüber, die Geschichte ist keine richtige Geschichte. Man weiß nicht, wohin sie führt. Sein Schreibstil hat keinen Fluss.
Am Anfang, als der Protagonist über seine Übelkeit spricht, erinnerte mich das an Depressionen, den großen schwarzen Hund, wie man es auch nennt. Ich dachte, es könnte in diese Richtung gehen. Aber das tat es nicht.
Alles in allem kein spannendes Buch. Ich hätte mehr erwartet. Vielleicht habe ich es zu spät gelesen.
Kommentare anderer Mitglieder:
"Es wurde sehr treffend mit dem lustigen finnischen Wort 'pitkäpiimäinen' beschrieben – wie gummiartige, saure Milch, langatmig, langweilig.
Wir fanden es war eher ein komplettes Philosophielehrbuch wie eine Geschichte.
Es war eine sehr beunruhigende Geschichte über einen depressiven und einsamen Menschen.
Sie erinnerte uns an viele ähnliche Geschichten, die wir im Laufe der Jahre über Einsamkeit und psychische Erkrankungen gelesen haben, zum Beispiel: Der Steppenwolf, Der Fremde und viele weitere, alle mit ihren eigenen Variationen zu diesem Thema."
Buchbeschreibung:
"Für Antoine Roquentin, Einzelgänger und Außenseiter in einer Provinzstadt, verliert das Leben plötzlich seine Selbstverständlichkeit. Unnachsichtig um Selbsterforschung bemüht, versucht er seinem immer stärkeren Ekel vor Dingen und Menschen auf den Grund zu gehen. Die Erfahrungen, Empfindungen und Visionen des Helden dieses ersten und bedeutendsten Romans des Existentialismus gaben Anstöße zu einer neuen Lebensphilosophie, die bis heute nichts von ihrer Brisanz eingebüßt hat."
Jean-Paul Sartre erhielt den Nobelpreis für Literatur 1964 "in Anerkennung seines schöpferischen schriftstellerischen Schaffens, dessen freiheitlicher Geist und dessen Suche nach Wahrheit einen weitreichenden Einfluss auf unser Zeitalter ausgeübt hat". Der Preis wurde ihm verliehen, obwohl er ihn abgelehnt hat.
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.
Joanne Greenberg hat diesen halb-autobiografischen Roman unter dem Pseudonym Hannah Green geschrieben.
Was für ein faszinierendes Buch. Ein Teenager, der an Schizophrenie leidet. Was geht in so einer Person vor?
Hannah Green versucht, diese psychische Krankheit aus der Sicht verschiedener Menschen zu erklären, vor allem der Betroffenen selbst, ihrer Zeit vor, im und nach dem Krankenhaus, ihrer Eltern, Familie, Freunde, Ärzte, Therapeuten.
Ich denke, dieses Buch ist für jeden hilfreich, der psychische Krankheiten verstehen möchte und was sie für alle Beteiligten bedeuten können.
Buchbeschreibung:
"Die Flucht vor der Realität, vor Krankheit und familiärer Isolation endet für die sechzehnjährige Deborah in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Befund: Schizophrenie. Unter dem Pseudonym Hannah Green schildert die Autorin in diesem ermutigenden autobiographischen Roman den mühsamen Kampf des Mädchens um ihre Heilung. Sie gewährt einen Blick in die Alptraumwelt psychotischen Fühlens, in die fragmentarischen Beziehungen, aber auch in die Solidarität unter den Kranken. Sicher wägt sie die Argumente für ein Leben in unserer unvollkommenen Realität ab gegen die Argumente für einen Rückzug in die Sicherheit der Krankheit. Die Heilung schließlich ist überzeugend. Mit ihr wird die Krankheit nicht zu einem Stück abgelehnter Vergangenheit, sondern nachträglich akzeptierter persönlicher Geschichte. Deborah ist gesund, als sie wieder bereit ist, den Herausforderungen der Realität standzuhalten."
Dies war eines unserer meistdiskutierten Bücher – wegen seines Inhalts. Wir waren uns alle einig, dass uns das Buch gefiel, es war gut geschrieben, die Stiltechnik war sehr gut, man konnte wirklich mit ihnen mitfühlen, verstand das Problem jetzt, einige vergossen am Ende eine Träne. Der Autor versucht, diese autistische Figur/das autistische Gefühl hervorzuheben und schafft das sehr gut. Das Buch war sehr diskret geschrieben, man konnte merken, dass er mit Kindern arbeitete.
Man hätte meinen können, Mark Haddon hätte selbst das Syndrom. Jemand hat es zweimal gelesen und andere Dinge bemerkt als beim ersten Mal.
Wir bewunderten auch die Fähigkeit der Briten, diese Familien zu nehmen und in die richtige Perspektive zu rücken, eine dysfunktionale Familie manchmal lustig erscheinen zu lassen und sie so "normal" aussehen zu lassen. Der Autor machte es mit seiner komischen Seite leichter, über diese Probleme zu lesen.
Es war interessant, dies mit Leuten zu diskutieren, die die Situation von so vielen verschiedenen Ebenen aus betrachteten, Mitgliedern mit oder ohne Erfahrung mit Autismus, Sozialarbeitern, Krankenschwestern und Mitgliedern, die nie mit Kindern gearbeitet hatten. Eines unserer Mitglieder hat frühkindliche Bildung studiert und konnte uns viel erklären.
Einige von uns waren überrascht, dass es uns gefiel, weil wir das nicht erwartet hatten. Jemand sagte, sie sei nicht darauf vorbereitet gewesen, dass es ihr gefallen würde. Aber uns allen hat es gefallen.
Wir waren uns einig, dass jedes Kind einzigartig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Es ist bereichernd, wenn sie einem vertrauen, und so beunruhigend, wenn sie einem nicht nahe kommen können. Wenn es eine Lösung zur Heilung von Autismus gäbe, sollten wir sie nutzen? Diese Menschen sehen die Welt mit anderen Augen und können viel beitragen, wenn wir sie lassen.
"Christopher Boone ist fünfzehn Jahre, drei Monate und zwei Tage alt. Er kennt alle Länder und deren Hauptstädte sowie sämtliche Primzahlen bis 7507. Er liebt die Farbe Rot, hasst hingegen Gelb und Braun. Unordnung, Überraschungen und fremde Menschen versetzen ihn in Panik, denn Christopher leidet an einer leichten Form von Autismus. Als aber der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird, beginnt Christopher, aus seiner fest gefügten, kleinen Welt auszubrechen: Mutig stellt er den schändlichen Verbrecher und erfährt außerdem, was es heißt, in der Welt der Erwachsenen zu leben …"
Das ist ein sehr bewegendes Buch, wunderbar und schrecklich zugleich. Es ist unglaublich, wie viel ein Mensch ertragen kann, wenn er muss. Dominick muss mit so vielen Problemen fertig werden und es gibt niemanden, der ihm helfen kann, außer sich selbst. Der Autor hat eine sehr talentierte Art, Menschen in jeder Art von Verzweiflung zu beschreiben. Seine Schilderungen sind sehr einfühlsam, man kann die Charaktere wirklich verstehen. Ich fand das toll.
Buchbeschreibung:
"Seit seiner Kindheit kümmert sich Dominick Birdsey um seinen Zwillingsbruder Thomas, der unter Schizophrenie leidet. Unterdessen ist sein eigenes Leben in die Brüche gegangen: Seine Frau hat ihn verlassen, er hat seinen Job verloren und seine Mutter ist gestorben, ohne ihm mitgeteilt zu haben, wer sein leiblicher Vater ist. Als Thomas nun die endgültige Verbannung in eine geschlossene Anstalt droht, unternimmt Dominick den verzweifelten Versuch, ihn davor zu bewahren."
Es fällt mir schwer, diese Rezension zu schreiben. Ich liebe Bücher von Joyce Carol Oates, ich finde, sie verdient den Nobelpreis. Die Figur Marilyn Monroe fasziniert mich, ich habe vor Ewigkeiten das Buch "Marilyn Monroe" (Marilyn) (Goodreads) von Norman Mailer gelesen. Ich glaube, ich habe etwas in dieser Richtung erwartet.
Was ich bekam, war die Beschreibung eines Kindes, das keine Chance in der Welt hatte. Wie sie zu einer der größten Ikonen der Filmindustrie wurde? Das war ein langer und mühsamer Weg und er hat ihr keine Freude bereitet.
Ich musste mich oft daran erinnern, dass dies nur ein Buch war, das auf der wahren Lebensgeschichte des Filmstars basierte, obwohl viele Fakten wahr waren.
Es war eine lange und schwere Lektüre. Hat es mir genauso gut gefallen wie die anderen JCO-Bücher? Ich bin mir nicht sicher, aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe.
Buchbeschreibung:
"Joyce Carol Oates' Blond ist ein Monumentalgemälde, ein Roman in Cinemascope, der das Leben der Marilyn Monroe als amerikanisches Epos des 20. Jahrhunderts erzählt. Geleitet von der Frage, wie sich die Schauspielerin selbst sah, bietet uns Joyce Carol Oates eine intime Nahaufnahme von Norma Jeane Baker. Die Mutter, die statt des sonntäglichen Kirchgangs mit ihr die Villen der Hollywoodstars abfährt, der Sohn des politisch geächteten Charles Chaplin, schließlich der 'Stückeschreiber' Arthur Miller oder Präsident Kennedy: Im Reigen der Bekanntschaften und Berühmtheiten geht es Joyce Carol Oates um die fragile Mitte des Menschen, der zur Ikone aufgeladen wurde, bis er zerbrach. In Blond zieht Joyce Carol Oates alle Register ihrer Kunst: In realistischen Tableaus zeigt sie Szenen aus einem heim-gesuchten Leben, in rhythmischen Passagen bildet ihre Sprache die ekstatische Atmosphäre einer Epoche nach. 'Einmal sah ich eine Fotografie der siebzehnjährigen Norma Jeane Baker, auf der sie ganz anders wirkt als die Marilyn Monroe, die zur Ikone wurde. Ich sah in ihr eines der Mädchen aus meiner Nachbarschaft, und ich hatte das Gefühl, daß sie keine Ahnung davon hatte, was das Leben für sie bereithalten sollte. Das stellte ich mir unter einem amerikanischen Epos vor. Ich wollte nicht unbedingt über den Mythos Marilyn Monroe schreiben, aber zeigen, wie sie innen war.' Joyce Carol Oates"
Westover, Tara "Befreit. Wie Bildung mir die Welt erschloss" - Educated - 2018
Dieses Buch steht
schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. Aber wie ihr alle wisst,
zu viele Bücher, zu wenig Zeit. Aber ein Lesekreismitglied hat es in
letzter Zeit mehrmals empfohlen und so musste ich einfach zugreifen.
Sie
hatte recht,es war ein hochinteressantes Buch. Die Autorin stammt aus
einem Mormonenhaushalt und wurde zu Hause unterrichtet – oder besser
gesagt nicht unterrichtet. Ich bin kein großer Fan von Heimunterricht,
da ich zu viele negative Beispiele gesehen habe. Dies hier ist eines der
Schlimmsten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch ein paar gute
Beispiele kenne, aber sie überzeugen mich immer noch nicht davon, dass
es eine gute Idee ist. In diesen Fällen waren die Eltern selbst sehr
gebildet und konnten dies sehr gut weitergeben. Ich habe vielen Kindern
geholfen, in der Schule in Sprachen und Mathematik aufzuholen, aber ich
hätte meine Kinder bemitleidet, wenn ich ihnen irgendein
naturwissenschaftliches Fach hätte beibringen müssen.
Wie auch
immer, Tara ist in einer Familie mit vielen Problemen aufgewachsen. Sie
glaubt, dass ihr Vater bipolar war, und ich glaube, sie hatte Recht. Ihr
Bruder war gewalttätigt, er missbrauchte seine jüngeren Geschwister
sowohl körperlich als auch geistig, er behandelte niemanden gut, was sie
erst erfuhren, als sie erwachsen waren.
Tara schaffte es, eine
Ausbildung zu machen, sie besuchte sogar die Universität. Ganz alleine.
Das zeigt, was für ein starker Charakter sie war, denn die meisten ihrer
Geschwister kamen nicht weit. Und ich bin mir sicher, dass die meisten
Menschen das auch nicht geschafft hätten. Dafür kann ich ihr nur
applaudieren und sie bewundern. Und ich hoffe, dass einige Leute nach
der Lektüre Hilfe bekommen. Auf jeden Fall ist es ein sehr lesenswertes
Buch.
Buchbeschreibung:
"Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal
eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende
akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika,
befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und
Gewalt geprägten Welt durch - Bildung, durch die Aneignung von Wissen,
das ihr so lange vorenthalten worden war. Die Berge Idahos sind Taras
Heimat, sie lebt als Kind im Einklang mit der grandiosen Natur, mit dem
Wechsel der Jahreszeiten - und mit den Gesetzen, die ihr Vater
aufstellt. Er ist ein fundamentalistischer Mormone, vom baldigen Ende
der Welt überzeugt und voller Misstrauen gegenüber dem Staat, von dem er
sich verfolgt sieht. Tara und ihre Geschwister gehen nicht zur Schule,
sie haben keine Geburtsurkunden, und ein Arzt wird selbst bei
fürchterlichsten Verletzungen nicht gerufen. Und die kommen häufig vor,
denn die Kinder müssen bei der schweren Arbeit auf Vaters Schrottplatz
helfen, um über die Runden zu kommen. Taras Mutter, die einzige Hebamme
in der Gegend, heilt die Wunden mit ihren Kräutern. Nichts ist dieser
Welt ferner als Bildung. Und doch findet Tara die Kraft, sich auf die
Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, auch wenn sie quasi bei null
anfangen muss … Wie Tara Westover sich aus dieser Welt befreit,
überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt, um den
schmerzhaften Abnabelungsprozess von ihrer Familie bewältigen zu
können, das beschreibt sie in diesem ergreifenden und wunderbar
poetischen Buch."
Welch ein Buch! Hat es mir gefallen? Hm, schwer zu sagen. Es wird als grotesk, obskur, seltsam usw. beschrieben. Und seltsam ist es auch.
Das Buch erzählt die Geschichte von Peter Kien, einem Sinologen und Philologen, der mit seinen Büchern sehr zurückgezogen in seiner Wohnung lebt. Er heiratet seine Haushälterin, gerät aber immer mehr in den Wahnsinn.
Peters Bruder Georg ist ein berühmter Psychologe in Paris.Von einem Bekannten Peters alarmiert, kommt er nach Wien, um zu helfen, bleibt aber leider erfolglos.
Dies ist ein sehr komplexes Buch, das unmöglich in ein paar Worten erklärt werden kann.Es ist ein Buch voller Besessenheit und Kritik an der damaligen Gesellschaft, aber auch eine Warnung vor dem, was kommen würde.Schließlich war dies zwei Jahre nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland und viele Menschen, wie der Autor, fürchteten um die Zukunft.Und sie hatten recht, wie sich herausstellte.
Die Bedeutung des englischen Titels wird in Wikipedia erklärt: Autodafé (spanisch auto de fe, portugiesisch auto de fé, von lateinisch actus fidei, "Urteil über den Glauben") bezeichnet die feierliche, meist öffentliche Verkündung der Urteile der Prozesse der Spanischen Inquisition oder der Portugiesischen Inquisition. Die Vollstreckung der Urteile, insbesondere das Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, fand nicht im Verlauf der eigentlichen Autodafés statt, sondern später an einem anderen Ort.
Das Buch wurde erstmals in englischer Sprache unter dem Titel "The Tower of Babel" veröffentlicht. Der Aussage in der deutschen Buchbeschreibung: "... 'Die Blendung' [ist] eine kraftvolle Metapher für die Konfrontation des einsamen, nachdenklichen Geistes mit der Realität" kann ich nur zustimmen.
Buchbeschreibung:
"Kien, ein bedeutender Sinologe, führt in seiner 25.000 Bände umfassenden Bibliothek ein groteskes Höhlenleben. Seine Welt ist im Kopf, aber sein Kopf ist ohne Sinn für die Welt. Als er, von seiner Haushälterin zur Ehe verführt, mit dem ganz 'normalen' Leben konfrontiert wird, kann er sich nur noch in den Wahnsinn 'retten'. Dieser Roman, 1935 in Wien zum ersten Mal veröffentlicht, nimmt in der Literatur des 20. Jahrhunderts einen zentralen Platz ein. Wie Joyces 'Ulysses' ist 'Die Blendung' eine mächtige Metapher für die Auseinandersetzung des einsam reflektierenden Geistes mit der Wirklichkeit."
Elias Canetti erhielt den Nobelpreis für Literatur 1981 "für sein schriftstellerisches Werk, geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft".
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier
finden.
Arenz, Ewald "Der grosse Sommer" [The Big Summer] - 2019
Unser Lesekreisbuch für den Monat Mai. Ein sehr netter Roman, der auch viele Fragen aufwirft. Man kann es als Grundlage zu Diskussionen zum Thema Erziehung, Familie, Freundschaft, Liebe im Wandel der Zeit, und und und.
Mich selbst hat dieses Buch auch in die Zeit versetzt, als meine Kinder noch zur Schule gingen. Frieder wird ja zu seinem Großvater geschickt, um für seine Nachprüfungen zu büffeln. Ich habe nämlich auch lange Zeit Schüler unterstützt, deren Versetzung gefährdet war und die für das ein oder andere Fach nachlernen mussten, z.B. Französisch. Hat auch immer geklappt, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe.
Zurück zum Buch. Frieder und seine Freunde machen so manches durch in diesem Sommer, aber die Geschichte wird zu keiner Zeit kitschig.
Ewald Arenz hat schon einige Bücher geschrieben und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen.
Buchbeschreibung:
"Die Zeichen auf einen entspannten Sommer stehen schlecht für Frieder: Nachprüfungen in Mathe und Latein. Damit fällt der Familienurlaub für ihn aus. Ausgerechnet beim gestrengen Großvater muss er lernen. Doch zum Glück gibt es Alma, Johann - und Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. Frieder begegnet alles in dieser Zeit: die Liebe und der Tod, Freundschaft und Angst, Respekt und Vertrauen. Ein großer Sommer, der sein ganzes Leben prägen wird."
Der Roman war 2021 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen das "Lieblingsbuch der Unabhängigen". Es ist somit das vierte der ausgezeichneten Veröffentlichungen, das unser Lesekreis gelesen hat. Sie sind es aber auch wirklich Wert.
Ich bemühe mich, jedes Jahr den neuesten Literaturnobelpreisträger und mindestens einen ehemaligen zu lesen.Dies war mein vierter seit der letzte Preisträger bekannt gegeben wurde.Ich muss mir noch vor der nächsten Verkündung im Oktober ein Exemplar von einem von Abdulrazak Gurnahs Büchern besorgen.
Anscheinend hat dieses Buch nicht nur den Pulitzerpreis bekommen, es soll Saul Bellow auch den Nobelpreis eingebracht haben.In seiner Dankesrede forderte er die Schriftsteller auf, Leuchttürme der Zivilisation zu sein und sie aus der intellektuellen Erstarrung zu erwecken.
Ein intensives Buch, es erzählt so viel.Die Beziehung zwischen Charlie Citrine, unserem Protagonisten, und seinem Freund Von Humboldt Fleisher, einem renommierten Autor, der Charlie unter seine Fittiche nimmt.Obwohl er zuerst nur am Anfang seiner Karriere steht, erzählt er uns diese Geschichte aus der Sicht, als sie mehr oder weniger zu Ende ist.
Als ich dieses Buch las, habee ich mich gefragt, ob es eine Biografie oder zumindest teilweise eine Biografie gewesen sein könnte. Ich habe dann herausgefunden, dass dies ein "Roman à clef" (Französisch für Schlüsselroman) ist, ein Roman über reale Ereignisse, der mit einer Fassade aus Fiktion überlagert ist. Die fiktiven Namen im Roman stellen echte Menschen dar, und der "Schlüssel" ist die Beziehung zwischen dem Sachbuch und der Fiktion. Aha! In diesem Fall geht es um die Freundschaft des Autors mit dem Dichter Delmore Schwartz, wobei Bellow Citrine ist. Nun, ich hatte noch nie von Delmore Schwartz gehört und jetzt habe ich viel über ihn gelernt (nicht nur aus dem Buch, ich habe ihn auch auf Google und Wikipedia nachgeschlagen.) Sehr interessant, es lohnt sich, die Informationen in den Links zu lesen.
Während dies wahrscheinlich eine gute Darstellung der Beziehung zwischen Bellow und Schwartz ist, versucht das Buch auch, sich mit den ständigen Veränderungen in der Welt, insbesondere in der Kultur, auseinanderzusetzen. Der Unterschied zwischen der idealen und der realen Welt ist ein großes Thema in diesem Buch, das eigentlich nur eine Kurzgeschichte werden sollte, dann aber fast 500 Seiten umfasste.
Brillantes Geschichtenerzählen,das viele Bereiche abdeckt: Literatur, Kultur, Scheidung, Beziehungen, Elternschaft, Alkoholismus, Wahnsinn … und auch alle Arten von Charakteren aus allen sozialen Schichten, einschließlich eines Mafia-Bosses.Oh, und es gibt auch ziemlich viel Humor in der Geschichte.
Die Times erwähnt, dass "Bellows einer der begabtesten Chronisten der westlichen Welt ist, die heute leben."Abgesehen davon, dass er inzwischen verstorben ist, stimme ich ihm voll und ganz zu.Also, wer Lust auf eine großartige Lektüre habt, es lohnt sich, hier zuzugreifen.
Buchbeschreibung:
"Saul Bellow ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur und wurde 1976 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Für Philip Roth ist 'Humboldts Vermächtnis' die frechste von Bellows Komödien: Zwei Schriftsteller - zwei Schicksale. Der junge Charlie Citrine fährt Ende der 1930er Jahre von Chicago nach New York, um dort den großen und von ihm unendlich bewunderten Poeten Humboldt Fleisher kennenzulernen. Dieser führt ihn in die Literatenkreise ein. Eine tiefe Freundschaft beginnt, die aber schon bald zerbricht: Denn der egozentrische Humboldt verliert mehr und mehr an Ruhm, wohingegen Citrines Stern aufzusteigen beginnt. Lange nach Humboldts Tod taucht aus dem Nachlass ein Vermächtnis für Citrine auf…"
Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.
Saul Bellow erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1976 "für das menschliche Verständnis und die subtile Kulturanalyse, die in seinem Werk vereinigt sind" und den Pulitzerpreis für "Humboldts Vermächtnis" ebenso in 1976. Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier
finden.
Ich mag Hesse.Allerdings fiel es mir schwer, durch diesen hindurchzukommen.Anscheinend durchlebte Hesse eine sehr schwere Zeit in seinem Leben.Und man merkt es.Es ist nicht das Schreiben, das es schwer macht, es ist der Inhalt.Der Versuch, dem Leben dieses Typen zu folgen, ist schwer und sollte wahrscheinlich nicht versucht werden, wenn man sich selbst gerade in einer schwierigen Zeit seines Lebens befindet.
Ist es überhaupt möglich, jemanden in einem solchen Geisteszustand zu verstehen, wenn man nicht in demselben ist (oder noch nie war)?Oder ist es besser, es zu lesen, wenn man nicht in diesem Zustand ist?Denn ich kann mir vorstellen, dass es nicht gerade besser wird, wenn man selbst gerade niedergeschlagen ist.
"Der Steppenwolf ist die Geschichte von Harry Haller, der sich im Zustand völliger Entfremdung von seiner bürgerlichen Welt 'eine geniale, eine unbegrenzte furchtbare Leidensfähigkeit herangebildet' hat. Die innere Zerrissenheit Hallers spiegelt die Erscheinungen der modernen Massen- und Industriegesellschaft wider und reflektiert kultur- und zivilisationskritische Strömungen des 20. Jahrhunderts."
Hermann Hesse erhielt 1964 den Nobelpreis für Literatur "für seine inspirierte Verfasserschaft, die in ihrer Entwicklung neben Kühnheit und Tiefe zugleich klassische Humanitätsideale und hohe Stilwerte vertritt".
Uthaug, Maren "Hannahs Lied" (Dänisch: Hvor der er fugle) [Where there are birds] - 2017
"Sodom und Gomorra im Leuchtturm…" Das ist eine der Beschreibungen, die ich zu diesem Roman gesehen habe. Und irgendwie passt es. Es sind mehrere Liebesgeschichten, und nicht nur das. In den 50er Jahren galten noch andere Gesetze als heute, vor allem ungeschriebene, aber einiges, was in diesem Roman vorkommt, ist auch heute noch verboten. Und das ist auch gut so.
Es geht hier auch weniger um "Johan und Hannah", es geht um das damalige Leben insgesamt. Drei unterschiedliche Menschen erzählen die Geschichte, nacheinander und doch nebeneinander. Johan, die Tochter Darling und zum Schluss Marie. Das Leben wird von drei Seiten her betrachtet, eine gute Vorgehensweise, insbesondere für solch einen Roman, in dem allerhand passiert, obwohl das Leben auf so einem Leuchtturm mehr als eintönig ist.
Ich finde Leuchttürme einfach faszinierend, genau wie Windmühlen. Als ich jünger war, wollte ich gerne auf dem ein oder in der anderen leben, hat irgendwie nie geklappt. Und das ist sicher auch gut so.
Eine brillante Geschichte, eine besondere Erzählung, tragisch und einfühlsam, düster und schwermütig. Aber sehr lesenswert.
Buchbeschreibung:
"Johan liebt Hannah, muss aber Marie heiraten, um seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten. Sie lassen sich auf dem Leuchtturm von Kjeungskjær nieder, Norwegens einzigem achteckigen Leuchtturm. Mancmal reichen die Wellen bis zur Dachspitze - dort sitzt Johan und fühlt sich vom Leben betrogen. Wenn er die Augen schließt, denkt er an Hannah und weiß, dass er niemals aufhören wird, sie zu lieben …"
Agus, Milena "Die Frau im Mond" (Italienisch: Mal di pietre) - From the Land of the Moon or: The House in Via Manno - 2006
Eine interessante Erzählung über das Leben einer Frau, die aus dem ihr vorgeschriebenen Weg nicht ausbrechen kann. Man möchte gleich nach Sardininen aufbrechen. Oder wenigstens nach Mailand. Auf jeden Fall nach Italien.
Dies ist eine kurze aber sehr eindringliche Geschichte über Familiengeschichte, erzählt von der Enkelin der beschriebenen Frau.
Der Originaltitel lautet "Nierensteine". Die namenlose verheiratete Frau wird weggeschickt, damit ihre Nierensteine behandelt werden können, und dann trifft sie die Liebe ihres Lebens. Sie haben inzwischen einen Film aus der Geschichte gemacht, wie man hier sehen kann.
Buchrücken:
"Sie ist von nur einer Sehnsucht erfüllt: die große Liebe zu erfahren. Wie schwer das ist, ahnt die Bauerntochter, als sie ihre Verehrer mit glühenden Liebesgedichten vertreibt ... Milena Agus erzählt von einer außergewöhnlichen Frau auf Sardinien, die sich mit Leib und Seele ihrem Traum verschreibt. Mit dreißig Jahren gilt eine unverheiratete Frau auf Sardinien längst nicht mehr als gute Partie. Die schöne Bauerntochter versteht nicht, warum ihre zahlreichen Bewerber immer so plötzlich Reißaus nehmen. Ihre Familie hält die gefühlvolle junge Frau für verrückt, eine Schande für das Haus. Im Jahr 1943 naht die Rettung in Gestalt eines besitzlosen Witwers aus Cagliari, der sich zu einer Vernunftheirat bereit erklärt. Die Eheleute schwören jedoch, sich im Bett niemals anzurühren. So muss die sehnsüchtige Frau noch einige Jahre auf die große Liebe warten - bis zu einer Thermalkur auf dem italienischen Festland ..."