Posts mit dem Label Armut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Armut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."

Dienstag, 7. Juli 2026

Swarup, Vikas "Rupien! Rupien!"

Swarup, Vikas "Rupien! Rupien!" (Englisch: Q & A) - 2005

Dieses Buch beweist es wieder einmal: Man sollte ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen. Genauso wenig wie den Film. Oder die Filmbeschreibung. Nach dem ganzen Wirbel um den Film (Slumdog Millionaire/Slumdog Millionär) dachte ich, es handele sich nur um einen weiteren seichten Frauenroman. Er wurde als leichte Lektüre, als Strandlektüre beschrieben – wie auch immer man es nennen mag, wenn man behauptet, es sei nichts wirklich Bemerkenswertes darin.

Ich hatte also etwas ganz anderes erwartet. Ja, ein kleiner indischer Kellner gewinnt eine riesige Summe Geld und landet dafür im Gefängnis. Doch die Geschichte ist so viel mehr. Zu jeder richtigen Antwort gibt es eine Erklärung, warum der Junge sie wusste, obwohl er in den Slums aufgewachsen ist. So erfahren wir nach und nach mehr über das Leben, nicht nur des jungen Ram Mohammad Thomas, sondern auch vieler anderer Menschen in Indien, insbesondere der Armen.

Ein Buch, das sich wirklich zu lesen lohnt. Ja, es liest sich leicht, ist aber inhaltlich sehr gehaltvoll, humorvoll und tragisch zugleich, berührend und herzzerreißend.

Buchbeschreibung: 

"'Sind Sie absolut und hundertprozentig sicher?'

Ein Roman aus dem modernen Indien

Warum sitzt ein armer Kellner im Gefängnis? 

Er hat
a) zu viel Whisky getrunken
b) Geld aus der Kasse geklaut
c) sich mit einem Kunden geprügelt
d) in einer Quizshow gewonnen

Ram Mohammed Thomas wurde verhaftet. Und das, weil er zwölf Fragen in der Quizshow
Wer wird Milliardär? richtig beantwortete. Keiner kann sich vorstellen, dass ein Waise, der nie in seinem Leben eine Schule besucht oder eine Zeitung gelesen hat, weiß, wie der kleinste Planet unseres Sonnensystems heißt oder welche Stücke aus der Feder Shakespeares stammen. Er muss also ein Betrüger sein.

Gemeinsam mit einer Anwältin, die wie die gute Fee aus dem Märchen im Gefängnis erscheint und Ram helfen will, schaut er sich die Videoaufzeichnung der Quizshow an, und Ram erzählt ihr und dem Leser aus seinem unglaublichen Leben. Nach und nach wird klar, warum er die richtigen Antworten wusste. Als Baby aus einer Mülltonne gerettet, von einer Pflegefamilie und dann von einem Priester aufgenommen, später Diener bei einem australischen Colonel, Kellner und phantasiebegabter Touristenführer am Taj Mahal – Rams unerschütterlicher Überlebensinstinkt zeigt sich im Leben wie im Quiz."

Samstag, 4. Juli 2026

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler"

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler" (Italienisch: L'uomo dei tulipani) - The Man of the Tulips - 2002

Eine interessante Geschichte über einen Blumenmaler im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Die Geschichte selbst ist eine Liebesgeschichte, erzählt aber auch viel über das Leben in den Niederlanden jener Zeit, die Liebe und den Tulpenwahn, über die ich bereits in Deborah Moggachs "Tulpenfieber" (Tulip Fever), Anna Pavords "Die Tulpe" (The Tulip) und Mike Dashs "Tulpenwahn" (Tulipomania: The Story of the World’s Most Coveted Flower and the Extraordinary Passions It Aroused) außergewöhnlichen Leidenschaften, die sie entfachte“ gelesen habe.

Zugegeben, diese Bücher bieten mehr Informationen, aber wer ein Buch sucht, das sich nicht ausschließlich auf Tulpen und den Tulpenwahn konzentriert, sondern auch das Leben im Amsterdam jener Zeit beleuchtet, ist dieses Buch vielleicht etwas leichter zu lesen als die beiden letztgenannten. "Tulpenfieber" ist übrigens auch ein Roman.

Buchbeschreibung:

"In Holland im 17. Jahrhundert kreuzen einander verschiedene Lebenswege. Der Maler Napilut (der Name ist ein Anagramm von Tulipan, die Tulpe) malt ausschließlich Tulpen. Sein Modell dafür ist Absentia. Seine Gemälde werden von allen bewundert. Vielleicht vor allem deswegen, weil sie ein Mysterium umgibt - die Bilder strömen einen verführerischen Duft aus. Alle denken, die Bilder würden nach Tulpen riechen. In Wirklichkeit riechen sie nach Liebe. Denn Napilut ist nach tiefer Liebe zu Absentia entbrannt. Zur selben Zeit schreibt Doktor Claudius sein großes Standardwerk zur Kategorisierung der Wolken. Und sein Freund Van der Kalm ist der langsamste Mensch der Welt und arbeitet an einem Projekt, die Zeit zu verlangsamen. Der Uhrmacher Van der Clock indessen bereitet die wichtigste Verabredung seines Lebens vor. Schließlich kommt noch der Venezianer Marco de Ros dazu, der sich auf das Malen von Rosen spezialisiert hat. Die Schicksale all dieser Menschen verbinden sich auf die wundersamste Weise. Die Geschichte spitzt sich zu, die Ereignisse überstürzen sich .."

Freitag, 3. Juli 2026

Anonym "Lazarillo de Tormes"

Anonymous "Lazarillo de Tormes" (Spanisch: La vida de Lazarillo de Tormes y de sus fortunas y adversidades) - Lazarillo de Tormes - 1554

Ich stieß auf den Titel dieses Buches in Jane Smileys "13 Ways of Looking at the Novel" und dachte, es wäre interessant, es zu lesen.

Und so war es auch. Ich habe dieses fast 500 Jahre alte Buch sehr genossen – ein großartiger Klassiker, den man dank seiner Kürze recht schnell lesen kann, obwohl er voller Spannung ist. Der junge, arme Lazarillo muss sich selbst durchschlagen, hat mehrere Herren und erzählt uns in diesem Roman/dieser Novelle seine Geschichten mit ihnen.

Ich würde es nicht unbedingt mit Cervantes’ "Don Quixote von der Mancha" vergleichen, obwohl beide Werke nur etwa hundert Jahre auseinanderliegen und aus derselben Gegend stammen. Dennoch gibt es einige Ähnlichkeiten. Ich liebte den Humor in diesem Buch, jenen Humor, den man oft bei Menschen findet, die weniger Glück haben als andere, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und keine Hoffnung auf Besserung haben. Lazarillo ist so ein Mensch, und sein Humor verlässt ihn nie, egal wie schwer die Zeiten auch sein mögen.

Dem Autor gelang es, ein sehr realistisch wirkendes Bild des Lebens im 16. Jahrhundert zu zeichnen. Er war witzig und intelligent, genau wie sein Protagonist Lazarillo. Ich gehe davon aus, dass der Autor ein Mann war, denn damals schrieben nur wenige Frauen, und ihre Erfahrungen wären vermutlich ganz anders gewesen.

Ein wunderbares Buch, das uns in das Genre des Schelmenromans einführt – Romane, die die Abenteuer junger Burschen aus den unteren Gesellschaftsschichten beschreiben. Weitere Bücher dieses Genres sind größtenteils aus dem Fernsehen bekannt, falls man die Romane nicht gelesen hat:

Berger, Thomas "Little Big Man" (Little Big Man)
Böll, Heinrich "The Clown" (Ansichten eines Clowns)
Cervantes, Miguel de "Don Quixote" (Don Quixote von der Mancha)
Defoe, Daniel "The Fortunes and Misfortunes of the Famous  Moll Flanders" (Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders)
Eco, Umberto "Baudolino" (Baudolino)
Fielding, Henry "Tom Jones" (Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes)
Grass, Günter "The Tin Drum" (Die Blechtrommel)
Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von "Simplicius Simplicissimus" (Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch)
Guareschi, Giovanni "Don Camillo and Peppone" (Don Camillo und Peppone)
Hašek, Jaroslov "The Good Soldier Švejk" (Der brave Soldat Schwejk)
Ilf, Ilja; Petrow, Jewgeni "The Twelve Chairs" (Zwölf Stühle)
Jonasson, Jonas "The Hundred-Year-Old Man Who Climbed Out the Window and Disappeared" (Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand)
Mann, Thomas "Confessions of Felix Krull" (Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull)

Ich glaube, ich muss sie alle auf meine Wunschliste setzen.

Schade, dass der Autor unbekannt ist und es nicht mehr bekannte Romane von ihm gibt.

Buchbeschreibung:

"Gleich dem deutschen Till Eulenspiegel erzählt dieser klassische spanische Schelmenroman die Geschichte des jungen Lázaro, der zur Zeit des Siglo de Oro in der Universitätsstadt Salamanca lebt. Aus ärmsten Verhältnissen arbeitet er sich mit allen Raffinessen zum städtischen Ausrufer in der damaligen Hauptstadt Toledo hoch.."

Donnerstag, 23. April 2026

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin"

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen" (Englisch: The Boys in the Boat: Nine Americans and Their Epic Quest for Gold at the 1936 Berlin Olympics) - 2013

Ich habe das Buch im Februar 2015 mit meinem internationalen Lesekreis gelesen. Es ist sehr interessant, wenn man Sachbücher und Geschichten aus dem wahren Leben mag, selbst wenn man – wie ich – kein Sportfan ist. Es geht darin um Menschlichkeit, Durchhaltevermögen, Geschichte …

Die Welt im Jahr 1936. Die Nazis sind die "Gastgeber" der Olympischen Spiele. Hitler will der Welt zeigen, wie brillant sein Land (und seine Partei und seine Rasse) sind. Er würde es vorziehen, wenn keine jüdischen oder farbigen Athleten teilnehmen könnten, aber das widerspricht dem olympischen Geist (obwohl es ihm gelingt, viele von ihnen fernzuhalten). Daher würde er sie lieber besiegt sehen. Was, wie wir alle wissen, nicht immer gelingt. Wer erinnert sich nicht an Jesse Owen, der vier Goldmedaillen im Sprint und Weitsprung gewann?

Eine seiner Hoffnungen ruhte auf dem Ruderwettbewerb, insbesondere auf dem Achter der Männer. "Seine" Mannschaft holte nur Bronze.

Aber es galt nicht nur, die Nazis zu besiegen. Acht Jungen aus den ärmsten Verhältnissen schafften es in ein Ruderteam, das bis dahin ausschließlich aus reichen Studenten von Eliteuniversitäten bestanden hatte. Diese Jungen mussten nicht nur gut rudern, sondern auch gut studieren und arbeiten, um nicht nur sich selbst, sondern in vielen Fällen auch ihre Familien, Geschwister und Eltern zu unterstützen.

Und das ist ihre Geschichte. Einem Mann gelang es, niederzuschreiben, was diese jungen Männer damals durchmachen mussten, wie sie ihren Traum verwirklichten und in einem scheinbar unmöglichen Rennen Gold gewannen.

Daniel James Brown interviewte für dieses außergewöhnliche Buch hauptsächlich Joe Rantz, ein Mitglied des Teams. Rantz musste sich schon früh selbst versorgen, da seine Mutter starb, als er noch klein war, und sein Vater ihn einige Jahre später verließ. Wie er es danach schaffte, einer der erfolgreichsten Sportler zu werden, ist eine lange Geschichte, die sich unbedingt zu lesen lohnt.

Inzwischen gibt es auch einen Film dazu: "The Boys in the Boat".

Buchbeschreibung:

"Sie haben Hitler die Show gestohlen

Berlin, 1936. In einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte ereignete sich im Herzen von Hitlers Stadt ein Wunder: Neun Jungen aus der amerikanischen Provinz gewannen die Olympiade im Rudern und stahlen den Nazis die wohlgeplante Propaganda-Show. Daniel James Brown erzählt in diesem Buch die unglaubliche wahre Geschichte eines der Jungen: Joe Rantz, als Teenager von seiner Familie verlassen und ohne Perspektive im Amerika zur Zeit der großen Depression, schließt sich einem Ruderteam an. Im harten Training zusammen mit acht anderen Jungen, Söhnen von Holzfällern und Bauern, lernt er, anderen und sich selbst wieder zu vertrauen. Doch das Ziel, das die Jungen und ihr Coach sich stecken, ist hoch: sich vor den laufenden Kameras Leni Riefenstahls den deutschen und italienischen Ruderteams zu stellen ..."

Donnerstag, 2. April 2026

NDiaye, Marie "Drei starke Frauen"

NDiaye, Marie "Drei starke Frauen" (Französisch: Trois femmes puissantes) - Three strong women - 2009

Wie ich bereits in meiner Rezension zu dem Buch "Rosie Carpe" (Rosie Carpe) der Autorin erwähnte, lese ich ab und zu gerne französische Bücher, um mein Französisch anzuwenden und zu verbessern. Leider gefallen sie mir selten, weil sie meistens so seltsam sind. Auch dieses Buch war keine Ausnahme.

Mir gefiel die Beschreibung des Romans – oder besser gesagt, dessen, was ich für einen Roman über drei Frauen hielt, die sich kannten. Beim Lesen musste ich jedoch feststellen, dass es sich um drei völlig unterschiedliche Geschichten handelt, die nichts miteinander zu tun haben (außer dass eine von ihnen eine entfernte Verwandte der anderen ist, aber die Geschichten sich nicht überschneiden). Da ich kein großer Fan von Kurzgeschichten bin, war ich ziemlich enttäuscht, als die erste Geschichte mitten im Buch und auch in der Handlung abrupt endete. Keine der Geschichten hat wirklich ein Ende, nun ja, die letzte vielleicht ein bisschen. Keine der Figuren war mir sympathisch; sie alle hatten seltsame Eigenarten, mit denen ich nichts anfangen konnte.

Die Geschichten waren unangenehm und endeten abrupt. Die Figuren schienen nicht einmal den Wunsch zu haben, ihr Leben zum Besseren zu verändern. Das ist immer das Schlimmste an solchen Geschichten.

Nein, nicht mein Fall. Ich muss mir merken, nicht noch einmal in diese Falle zu tappen und ein weiteres Buch dieser Autorin zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Die vierzigjährige Norah gibt dem Drängen ihres Vaters nach und besucht ihn in Dakar: Die Juristin soll ihren Bruder aus dem Gefängnis holen. Das schwierige Treffen mit dem Vater führt die Frau an den Rand des Wahnsinns. Fanta hat im Unterschied zu Norah Dakar verlassen, um ihrem Ehemann Rudy in die französische Provinz zu folgen. Sie gibt sich dort vor Langeweile auf, so meint Rudy, durch dessen Perspektive wir von Fanta erfahren - doch ihm entgeht Entscheidendes. Von Afrika aus betrachtet erscheint ihre Existenz geradezu luxuriös und begehrenswert, weshalb Khady, die junge Afrikanerin, illegal nach Frankreich einzuwandern sich bemüht - doch sie endet, tot, an Grenzen. Drei Lebensläufe, drei starke Frauen, die ihre Würde verteidigen, indem sie sich im entscheidenden Moment weigern, so zu handeln, wie es die Umgebung verlangt: drei Frauen, die selbst in extremster Situation ihre Würde verteidigen."

Donnerstag, 19. März 2026

Mathis, Ayana "Zwölf Leben"

Mathis, Ayana "Zwölf Leben" (Englisch: The Twelve Tribes of Hattie) - 2013

Ein weiteres Buch, das ich mir geholt habe und das auch eine Oprah-Wahl war.

Mir gefiel der Schreibstil, sehr interessante Geschichten, das Leben der Kinder wird fesselnd beschrieben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, mehr über die verschiedenen Charaktere zu erfahren. Das ganze Buch ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten, und von den meisten Charakteren hört man nach dem Kapitelende nie wieder etwas.

Keine der Figuren war besonders sympathisch. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie alle ein hartes Leben hatten, in eines hineingeboren wurden, in dem sie keine Chance hatten, es zu verbessern, und das wussten sie auch. Ich weiß nicht, wie wir reagieren würden, wenn uns ein solches Leben beschert würde. Aber selbst wenn sie nicht besonders sympathisch wären, sind ihre Geschichten herzzerreißend, und ich denke, sie wären vielleicht nettere, bessere Menschen geworden, wenn man ihnen eine Chance gegeben hätte.

Alles in allem nicht mein Lieblingsbuch, aber eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung: 

"Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die 'Wiege der Freiheit', den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.

Doch diese Saga um eine außergewöhnliche Frau und ihre zwölf Kinder, die als Geschichte der Great Migration beginnt und sich zum Tableau mit zwölf Einzelporträts über das ganze zwanzigste Jahrhundert weitet, ist trotz Scheitern und Enttäuschung ein vitales Epos – voller Lebenskraft und verhaltener Zärtlichkeit, voller Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen Bitterkeit."

Samstag, 25. Oktober 2025

Dickens, Charles "Klein Dorrit"

Dickens, Charles "Klein Dorrit" (Englisch: Little Dorrit) - 1857

Ich hoffe, eines Tages alle Bücher von Charles Dickens gelesen zu haben. Das war der nächste Schritt. Und ich bin froh, dass ich es gelesen habe. Was für ein wunderschönes Buch, was für eine wunderschöne Geschichte, erzählt in der typischen Dickens-Manier, in der er selbst das kleinste Detail beschreibt. Ich liebe es. Man fühlt sich, als wäre man dabei gewesen.

Anscheinend verbrachte Dickens' Vater einige Jahre im Gefängnis von Marshalsea, das er als Hauptschauplatz für seinen Roman nutzte. Ich denke, diese Tatsache und auch, dass er schon in sehr jungen Jahren gezwungen war, für die Familie zu arbeiten, haben den Autor stark geprägt, und wir alle können uns an den Folgen dieser vielen großartigen Bücher erfreuen. Sicherlich fließen viele seiner eigenen Erfahrungen darin ein.

Wir lernen Arthur Clennam und Amy Dorrit kennen, eine hingebungsvolle Tochter, die ihren Vater im Gefängnis unterstützt. Aber diese beiden sind bei weitem nicht die einzigen Hauptfiguren des Buches. Es gibt viele verschiedene Nebenhandlungen, und die Geschichte reicht von China über Frankreich nach England, dann nach Italien und wieder zurück nach England. Eine ziemliche Strecke für die damalige Zeit.

Ich mag, dass Dickens' Romane so vielschichtig sind. Er beschreibt Orte genauso gut wie Emotionen, er versteht viel von Psychologie, und das findet man in all seinen Büchern.

Das wird sicherlich zu meinen Lieblingsbüchern von Charles Dickens gehören – falls ich jemals welche als Nicht-Lieblingsbücher aussortieren kann. Lest es, auch wenn es rund tausend Seiten hat, ihr werdet es nicht bereuen. Versprochen.

Buchbeschreibung:

"Hauptfigur dieses 1857 von Charles Dickens veröffentlichten Romans ist die 20jährige Amy Dorrit, wegen ihrer zierlichen Erscheinung Klein Dorrit genannt. Nachdem ein Spekulant das Familienvermögen mit unlauteren Tricks an sich gebracht hat, kämpft sie mit dem jungen Arthur Clennam gegen die rücksichtslose Ausbeutergesellschaft der Epoche, verkörpert in dem ebenso grotesken wie krakenhaften 'Circumlocation Office', dessen einziges Ziel es ist, sich jedwedem sozialen Fortschritt in den Weg zu stellen."

Dickens, Charles "Harte Zeiten"

Dickens, Charles "Harte Zeiten" (Englisch: Hard Times) - 1854

Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass ich Dickens liebe. Als nächsten Roman stieß ich auf "Harte Zeiten". Mein erster Gedanke war, das könnte der Titel aller seiner Romane sein. Und ich glaube immer noch, dass ich damit Recht hatte.

Wie dem auch sei, Charles Dickens ist einer der besten Autoren aller Zeiten. Er schafft es, Menschen, ihre Charaktereigenschaften, ihre Interaktionen, ihr Schicksal zu beschreiben – all das gelingt ihm wunderbar, und trotzdem klingt es, als wäre es das Normalste der Welt. Wie die meisten meiner Freunde wissen, bevorzuge ich dicke Wälzer. Dieses hier war zwar nicht so groß, aber es hatte alle nötigen Komponenten und erzählte eine großartige Geschichte. Wieder eine Geschichte darüber, wie unterschiedlich das Leben für Reiche und Arme war, wie schwer es war, durchs Leben zu kommen, wenn man nicht gerade auf der glücklichen Seite des Lebens geboren wurde. Und trotzdem steckt so viel Humor in dieser Geschichte. Die Charaktere sind alle brillant. Jeder einzelne von ihnen ist so speziell, manche sehr warmherzig, andere weniger.

Ich habe die Lektüre dieser Geschichte wirklich genossen und würde sie jedem empfehlen, der klassische Romane mag, und vielleicht sogar als Einstiegsroman für diejenigen, die so tun, als ob sie ihnen keine Freude machen würden.

Buchbeschreibung:

"Harte Zeiten schildert die Ausbeutung der englischen Fabrikarbeiter durch den ungebremsten Kapitalismus. Der Roman zählt noch heute zu den eindrucksvollsten sozialkritischen Romanen in der europäischen Literatur."

Dickens, Charles "Der Raritätenladen"

Dickens, Charles "Der Raritätenladen" (Englisch: The Old Curiosity Shop) - 1840

Als ich einem anderen Blogger erzählte, dass ich dieses Buch gerade lese, meinte er, es sei "… nicht eines meiner Lieblingsbücher von Dickens, aber das ist schon eine hohe Messlatte, ich habe es trotzdem genossen." Jetzt, wo ich es gerade beendet habe, kann ich sagen, er hat meine Gedanken in Worte gefasst. Es ist definitiv nicht mein Lieblingsbuch, das bleibt "David Copperfield" (David Copperfield), aber ich habe noch kein Buch von Charles Dickens gelesen, das mir nicht gefallen hat.

Mein Lesevergnügen wurde durch das Exemplar, das ich hatte, nicht gerade gesteigert – ein billiger Nachdruck im A4-Format (im USA Letter-Format). Nun ja, es ließ sich nicht ändern. Es hat mich gelehrt, beim Online-Bestellen von Büchern auf die Größe der Ausgabe zu achten.

Witzigerweise soll dies das beliebteste Buch von Dickens zu seinen Lebzeiten gewesen sein. Wie es auf dem Cover heißt, stürmten Leser in New York sogar das Schiff, das den letzten Teil brachte. Erinnert mich an "Harry Potter" (Harry Potter) heute. Wow! Nicht alle Geschichten überdauern die Zeit gleich gut.

Doch wie in allen Büchern von Dickens beobachtete er seine Umgebung so gut und konnte sie so beschreiben, dass man in seine Welt eintaucht, dass es sich definitiv lohnt, es zu lesen. Besonders, wenn man Klassiker mag. Und dicke Bücher.

Ich habe noch ein paar übrig und freue mich darauf, sie in die Hände zu bekommen.

Buchbeschreibung:

"Die kleine Nelly lebt bei ihrem Großvater, der in London einen Raritätenladen besitzt. Um die schwierigen Finanzen aufzubessern und den Lebensunterhalt für die kleine Nelly zu sichern, leiht er sich heimlich Geld vom Wucherer Quilp – das er beim Spielen jedoch wieder verliert. Als er seine Schulden nicht begleichen kann, müssen Nelly und ihr Großvater fliehen – und ohne Rücklagen und Sicherheiten versuchen, ihr Glück neu zu finden … Das ergreifende und turbulente Leben eines kleinen Mädchens, das plötzlich erwachsen werden muß, um in einer Welt voller Gefahren und Unsicherheiten zu bestehen."

Samstag, 20. September 2025

Mistry, Rohinton "So eine lange Reise"

Mistry, Rohinton "So eine lange Reise" (Englisch: Such a Long Journey) - 1991

Dies ist nach "Das Gleichgewicht der Welt" (A Fine Balance) und "Die Quadratur des Glücks" (Family Matters) mein drittes Buch von Rohinton Mistry.

Ich muss gleich sagen: Es hat mich nicht so sehr gefesselt wie die anderen. Ich würde nicht sagen, dass es zu düster, zu politisch (obwohl ich das toll fand) oder dass es zu wenig Material über Indien enthielt. Ich würde auch nicht sagen, dass es nicht genauso gut geschrieben war wie die anderen. Vielleicht lag es einfach an den Charakteren. Ich glaube, ich mochte keinen einzigen von ihnen. Außer dem Maler auf der Straße, der Bilder von all den verschiedenen Göttern aller Religionen malt. Das war nett.

Mir gefiel, wie selbst unschuldige Menschen in einen politischen Umbruch verwickelt werden können. Aber insgesamt missfiel mir, dass es zu viele Geschichten und Charaktere gab, von denen keiner eine wirklich große Rolle spielte, nicht einmal die Hauptfiguren.

Der Autor wollte wohl die Hoffnungslosigkeit dieser Menschen darstellen. Das ist ihm gelungen, aber es hat mich nicht so berührt, wie es hätte sein sollen. Schwer zu beschreiben, aber so ist es nun einmal.

Ich glaube, das Buch war mir zu langatmig. Da es aber sein erstes Buch war, weiß ich, dass er mit der Zeit besser wird. Es hat mich nicht davon abgehalten, weitere Romane dieses Autors zu lesen. Und ich habe etwas über die damalige Politik gelernt. Das hat sich gelohnt.

Buchbeschreibung:

"Lebendig, einfühlsam und humorvoll schildert Mistry das Leben einer indischen Durchschnittsfamilie. Den Hintergrund zu dieser 'langen Reise' bildet das Indien der 70er Jahre, als Indira Gandhi regierte und der Krieg zwischen Bengalen und Westpakistan tobte. Der Roman-Debütant Mistry verknüpft das Schicksal der Familie so geschickt mit den politischen und sozialen Problemen des Subkontinents, daß ein eindrückliches und witziges Porträt der zeitgenössischen indischen Gesellschaft entsteht mit allen ihren Facetten und Widersprüchen."

Mittwoch, 10. September 2025

Dickens, Charles "Oliver Twist"

Dickens, Charles "Oliver Twist" (Englisch: Oliver Twist) - 1838

Einer der vielen Klassiker von Charles Dickens, die ich noch nicht gelesen hatte.

Charles Dickens ist zweifellos einer der besten klassischen Autoren überhaupt. Seine Liebe zum Detail, seine Art, jedes einzelne Ereignis zu erzählen und jede Person zu beschreiben, erwecken seine Ära zum Leben.

Ich glaube, die meisten kennen den Film "Oliver", ein gutes Musical. Das Buch ist jedoch - wie immer - viel besser, die Charaktere sind lebendiger, die Szenen wirken authentischer.

Dies ist zweifellos einer seiner besten Romane - obwohl ich bisher noch keinen gefunden habe, den ich nicht geliebt habe.

Buchbeschreibung:

"Oliver Twist, Sohn unbekannter Eltern, wächst im Armenhaus einer Kleinstadt unter dem harten Regiment des selbstgefälligen Mr. Bumble auf. Er kommt zu einem Leichenbestatter in die Lehre, flieht ohne einen Pfennig nach London und gerät in die Fänge des Hehlers Fagin, der eine Bande jugendlicher Taschendiebe anführt. Und es gibt jemanden, der ein ganz spezielles Interesse daran hat, Oliver in Verbrechen zu verwickeln und dadurch zu vernichten."

Dickens, Charles "Leben und Abenteuer des Martin Chuszlewit"

Dickens, Charles "Leben und Abenteuer des Martin Chuszlewit" (Englisch: Martin Chuzzlewit. The Life and Adventures of Martin Chuzzlewit) - 1843-44 

Ich bin ja ein großer Fan von Charles Dickens und bin auch froh, diesen Roman gelesen zu haben. Aber ich würde ihn nicht empfehlen, wenn man noch nichts anderes von ihm gelesen hat. Für mich war dies eines der schlechtesten Romane von ihm.

Zu viele Figuren, auch wenn er dadurch mal wieder viele interessante Namen unterbringen konnte. Dadurch ging auch einiges unter, z.B. die Hauptliebesgeschichte, um die sich ja eigentlich alles dreht. Aber sie wird kaum dargestellt. Wir sehen das Paar kaum zusammen. Aus sonst. Zu viel Durcheinander, ein Chaos, eine Katastrophe nach der anderen.

Irgendwo habe ich gelesen, dies sei Dickens am meisten unterschätztes Buch. Kann ich nicht behaupten, ich denke, es ist genau da gelandet, wo es hingehört, irgendwo ganz unten unter all seinen fantastisschen Büchern.

Ich empfehle für den Anfang "David Copperfield" (David Copperfield).

Buchbeschreibung:

"The Life and Adventures of Martin Chuzzlewit (Leben und Abenteuer des Martin Chuszlewit), bekannter als Martin Chuzzlewit, gilt als der letzte von Charles Dickens Schelmenromane. Der Roman erschien in mehreren Fortsetzungen zwischen 1843 und 1844. Der Verkaufserfolg der ersten Fortsetzungen waren im Vergleich zu früheren Werken Charles Dickens' enttäuschend. Als Reaktion darauf änderte Dickens die Handlung und ließ den Titelheld nach Amerika reisen. Dies gab Dickens die Möglichkeit, die Vereinigten Staaten, die er 1842 besucht hatte, satirisch als Wildnis darzustellen, in deren wenigen zivilisierteren Orten überwiegend betrügerische Profitmacher lebten. Das Hauptthema des Romans ist, nach dem von Dickens verfassten Vorwort, die satirische Darstellung von Eigennutz, ein Charakterzug, der alle Mitglieder der Chuzzlewit-Familie kennzeichnet."

Dienstag, 5. August 2025

Ashworth, Andrea "Als unser Haus in Flammen stand"

Ashworth, Andrea "Als unser Haus in Flammen stand" (Englisch: Once in a House on Fire) - 1999

Ich habe dieses Buch absolut geliebt. Der Schreibstil ist einfach wunderbar. Man kann sich vorstellen, dabei gewesen zu sein – das ist das beste Lob, das ich einer Autorin geben kann.

Andrea Ashworth beschreibt ihre Jugend in einem mittellosen Haushalt voller Gewalt und anderer Probleme. Ihre depressive Mutter schickt die Familie durch eine Reihe von Stiefvätern, von denen keiner als "normales" Familienmitglied bezeichnet werden kann.

Ich bewundere Andrea einfach für das, was sie trotz all ihrer Probleme erreicht hat und was sie als Ausrede hätte benutzen können, um in das gleiche Muster wie ihre Mutter zu verfallen. Manchmal tat mir die Mutter leid, manchmal war ich wütend auf andere, aber dann tat sie mir wieder leid, weil ich verstehen kann, wie man so endet wie sie. Sie hatte einfach keine Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte, wenn sie sich änderte.

Auf jeden Fall kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Und nein, ich möchte nichts hören, was meine Bewunderung für das Buch und die Autorin trüben würde.

Buchbeschreibung:

"Die Gespenster der Vergangenheit verbannen, das wollte Andrea Ashworth mit ihrem Buch. Es erzählt die mitreißende, bestürzende Geschichte ihrer Kindheit in Manchester Anfang der siebziger Jahre: unvergeßliche Bilder von Leid und Armut, aber auch Solidarität, Zuneigung und unbeugsamen Überlebenswillen."

Mittwoch, 28. Mai 2025

Eliot, George "Silas Marner"

Eliot, George "Silas Marner: Der Weber von Raveloe" (Englisch: Silas Marner) - 1861

Ich habe mehrere Romane von George Eliot gelesen und mochte sie alle. Daher war es keine Überraschung, dass mir auch Silas Marner und sein Leben sehr gefielen. Es gibt viele Bücher, die an diesem Ort und in dieser Zeit spielen (englische Midlands, französische Kriege des frühen 19. Jahrhunderts), und ich vergleiche diesen Autor immer mit Charles Dickens, der zur gleichen Zeit lebte und ähnliche Leben beschrieb.

Man merkt jedoch, dass eine Frau dieses Buch geschrieben hat. Sie macht andere Beobachtungen – ich möchte nicht sagen, sie sind tiefer oder besser, nur anders. Und dadurch trägt sie viel zum Verständnis der Menschen dieser Zeit bei.

Man könnte sagen, dieses Buch handelt von Karma. Wie Oscar Wilde sagte: "Die Guten endeten glücklich und die Bösen unglücklich. Deshalb heißt es ja Dichtung." Geschichten wie diese bestätigen dies.

Ich werde unbedingt noch mehr Bücher von George Eliot (Pseudonym von Mary Ann Evans) lesen müssen.

Buchbeschreibung:

"Silas Marner, ein junger Weber, verliert alles durch eine Intrige seines besten Freundes. Gezwungen, Heimat und Gemeinde zu verlassen, siedelt er sich im Dorf Raveloe an, wo auf wundersame Weise ein Findelkind in sein Leben tritt und ihm die Augen für die Schönheit der Welt öffnet. Doch auch dieses Glück gerät bald erneut in Gefahr."

Montag, 20. Januar 2025

Joyce, James "Porträt des Künstlers als junger Mann"

Joyce, James "Porträt des Künstlers als junger Mann" (Englisch: A Portrait of the Artist as a Young Man) - 1916

Die Geschichte eines jungen Mannes, der versucht, sich selbst zu finden, eine Geschichte über James Joyce selbst, seine Figur Stephen Dedalus ist teilweise autobiografisch. Stephen stammt aus einer armen irischen Familie und besucht ein religiöses Internat, das er aus finanziellen Gründen verlassen muss. Dann wechselt er in eine andere religiöse Schule, wo man ihn davon zu überzeugen versucht, Priester zu werden. Diese Frage ist dem Autor sehr wichtig und er versucht, sich selbst als Priester vorzustellen. Aber er entscheidet, dass das Leben, wie es ist, für ihn viel interessanter ist und dass er es in Freiheit leben möchte. Zwischen all dem geht er von allen möglichen religiösen und sozialen Fragen zum Sinn des Lebens und seinen ersten Versuchen, Schriftsteller zu werden.

Das Buch selbst ist sehr philosophisch und man könnte ein ganz neues Buch über Stephen Dedalus schreiben ... nun, James Joyce hat es getan. "Ulysses" (Ulysses) war zunächst nur als Kurzgeschichte für die Sammlung "Dubliner" (Dubliners) gedacht, wurde dann aber als Fortsetzung von "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" geschrieben.

Buchbeschreibung:

"James Joyce' erster Roman ist deutlich zugänglicher als seine späteren Werke 'Ulysses' (1922) und 'Finnegans Wake' (1939), verrät aber bereits die Meisterschaft seines avantgardistischen Erzählstils.

In diesem Bildungsroman wird alles aus der Perspektive des Protagonisten geschildert; der Text bietet so dem Leser einen subjektiven Blick auf die Welt."

Mittwoch, 1. Januar 2025

Bernières, Louis de "Traum aus Stein und Federn"

Bernières, Louis de "Traum aus Stein und Federn" (Englisch: Birds without Wings) - 2004

Vor Jahren war Louis de Bernières' erster Roman "Corellis Mandoline" (Captain Corelli's Mandolin) das erste Buch, das ich mit einem Lesekreis gelesen habe. Wir waren unterschiedlicher Meinung darüber und selbst ich war mir nicht sicher, ob ich es nicht unbedingt auf meine Liste der Lieblingsbücher setzen würde.

Also dauerte es eine Weile, bis ich mich an ein weiteres Buch dieses Autors heranwagte. Was für ein Fehler. Ich war absolut begeistert von diesem Roman. Griechenland und die Türkei zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit vielen Informationen über ihre Geschichte, eine großartige Ergänzung zu Victoria Hislops "Eine Geschichte von Liebe und Feuer" (The Thread), den ich kurz zuvor gelesen hatte.

Wie in dem Roman leben Türken und Griechen friedlich nebeneinander, Christen, Muslime und Juden. Sie haben keine Probleme mit ihren Nachbarn, stimmen sogar zu, wenn ihre Kinder einander heiraten oder bitten zum Beispiel jemanden des anderen Glaubens, zu ihren Heiligen zu beten. Bis zum Fall des Osmanischen Reiches, als alle Christen nach Griechenland und alle Muslime in die neu gegründete Türkei umgesiedelt werden. Wir erfahren auch etwas über die Kindheit und die frühen Jahre von Mustafa Kemal, der im Rest der Welt besser als Atatürk bekannt ist.

Ein Zitat, das so viel über die Stimmung hinter diesem Buch aussagt: "Es lässt sich nicht abschätzen, wie viele Armenier bei den Gewaltmärschen starben. Im Jahr 1915 sprach man von 300 000, eine Zahl, die seither unter den Bemühungen wütender Propagandisten immer weiter nach oben korrigiert worden ist. Aber es ist müßig und grausam darüber zu streiten, ob 300 000 oder zwei Millionen Menschen umgekommen sind, denn beide Zahlen sind entsetzlich, und das Leid der einzelnen Opfer auf ihrem Weg in den Tod ist in jedem Fall unermesslich."

Ich habe das immer gesagt über die Todesopfer in jedem Krieg, aber besonders im 2. Weltkrieg, Leute beginnen darüber zu diskutieren, wieviele Juden  tatsächlich getötet wurden. Selbst wenn wir die genaue Zahl wüssten, wüssten wir nie, wie viel Trauer hinter dieser Zahl steckt. Jede Zahl ist zu viel, selbst eine Person, die durch einen Krieg getötet wird, ist nicht das wert, wofür die Menschen, die den Krieg begonnen haben, ihn zu haben glauben. Und es stimmt, ob es nun tausend oder eine Million sind, es bedeutet nur, dass mehr Menschen um ihre Lieben trauern. In jedem Fall zu viele.

In "Traum aus Stein und Federn" bekommen viele dieser Zahlen Gesichter. Und das ist es, was ich am meisten daran liebe, solche Romane zu lesen, es ist so viel einfacher, sich vorzustellen, was die Menschen erlitten haben, wenn man von Einzelfällen hört. Man kann es sich nie wirklich vorstellen, bevor man nicht die Geschichte von jemandem gehört hat.

Stalin soll gesagt haben: "Ein Toter ist eine Tragödie; 1000 Tote sind eine Statistik." Egal, wer es war, es stimmt leider.

Die Charaktere sind absolut bemerkenswert, die meisten von ihnen sind sehr liebenswert. Wir erfahren von wunderbaren Freundschaften und Liebe, die ewig währt. Wir erfahren von Heldentum und sinnlosem Kämpfen. Wir hören von den guten und schlechten Seiten der Menschen. Und wir können auch heute noch viel von ihnen lernen.

Am Ende sehen wir sogar eine Verbindung zu seinem früheren Buch "Corellis Mandoline".

Ein wunderbares Buch, eines meiner Lieblingsbücher.

Und das bedeutet der Originaltitel: "Der Mensch ist ein Vogel ohne Flügel, [...] und ein Vogel ist ein Mann ohne Sorgen."

Buchbeschreibung:

"In einem atemberaubenden epischen Roman macht Louis de Bernières eine vergessene Stadt im Südwesten Anatoliens zur Mitte der Welt. Mit schillernden Farben erschafft er einen Kosmos, in dem vor 100 Jahren Türken und Griechen, Christen und Muslime in Frieden nebeneinander lebten. Louis de Bernières lässt Iskander den Töpfer auftreten, dessen skurrilen Sprichworte als weise gelten, Georgio den Händler, der sein Glück sucht und einen Brunnen stiftet, Rustem Bey, der osmanische Landbesitzer, der eine Frau verliert und in Istanbul eine Mätresse findet, und schließlich die schöne Philotei, an deren Liebe zu Ibrahim sich die Stadt entzweit.

An ihrer Leidenschaft zerreißt das fragile Gewebe aus gemeinsamer Not und karger Freundschaft, aus kleinen Betrügereien und großen Heldentaten. Hatte man bis vor kurzem noch Türkisch mit griechischen Buchstaben notiert, stirbt die Toleranz über Nacht und werden Nachbarn zu Mördern, bis im Untergang des Osmanischen Reiches ganze Völker ihr Land verlieren. Die Stadt wird zerstört und schließlich leben nur noch Eidechsen in den Ruinen."

Dienstag, 3. Dezember 2024

Dickens, Charles "Nicholas Nickleby"


Dickens, Charles "Nicholas Nickleby" (Englisch: Nicholas Nickleby. The Life and Adventures of Nicholas Nickleby) - 1838/39

Ich habe mittlerweile die meisten Bücher von Charles Dickens gelesen, aber es sind noch ein paar übrig. Daher war ich froh, dass ich dieses Buch in unserer Classic Challenge bekam. Hier war also die Chance, noch eins seiner fabelhaften Bücher zu verschlingen.

Und fabelhaft war es. Es hatte alles, was ein Roman von Dickens braucht: Bösewichte und Tugendhafte, Schurken und gute Menschen, eine Helikoptermutter aus der georgianischen Ära, einfach ein Kaleidoskop von Menschen aus seiner Zeit mit vielen Intrigen. Nicht zu vergessen die tollen Namen, die er seinen Charakteren gibt: The Cheerybles, The Crummles, Sir Mulberry Hawk, Newman Noggs, Peg Sliderskew, Wackford Squeers, einer davon witziger als der andere.

Natürlich passiert in der Geschichte eine Menge, vieles davon steht bereits in der Inhaltsangabe, daher möchte ich nichts hinzufügen, um den Erstlesern nicht die Spannung zu verderben. Darum schließe ich mit einem Zitat von Oscar Wilde (aus "Bunbury oder die Bedeutung, Ernst zu sein/The Importance of Being Earnest"): "Das Gute endete glücklich, das Schlechte unglücklich. Das ist es, was Fiktion bedeutet."

Buchbeschreibung:

"Ralph Nickleby, ein hartherziger Wucherer, soll sich um die Kinder seines verstorbenen Bruders kümmern. Diese Aufgabe erschöpft sich jedoch für ihn darin, dessen Kinder zu demütigenden Tätigkeiten zu zwingen. So wird Nikolaus Hilfslehrer in einem Internat, in dem die Kinder mißhandelt werden und zu Tode hungern. In seiner Empörung prügelt Nikolaus den Leiter des Heims und muß sich fortan als Hauslehrer und Schmierenkomödiant durchbringen."

Mittwoch, 13. November 2024

Adiga, Aravind "Der weisse Tiger"

Adiga, Aravind "Der weisse Tiger" (Englisch: The White Tiger) - 2008

Obwohl dieses Buch viele Informationen über das Leben eines durchschnittlichen Inders enthält, der in Armut lebt, war es nicht mein Lieblingsbuch über Indien. Bei weitem nicht, vielleicht sogar das, das mir am wenigsten gefallen hat.

War es der Stil? Vielleicht. Hatte ich den Protagonisten nicht gemocht? Natürlich nicht. Konnte ich mich mit einem der anderen anfreunden? Sicherlich nicht.

Dennoch bin ich sicher, dass es ein Bild des wahren Indiens ist, zumindest eines Teils davon. Aber selbst in der schlimmsten Gesellschaft gibt es normalerweise jemanden, der gutherzig ist, es gibt Menschen, die nicht nur selbstsüchtig und egoistisch sind. Ich konnte in der ganzen Geschichte keinen solchen finden. Und ich kenne viele wirklich nette Inder. Keiner von ihnen taucht in diesem Buch auf.

Alles in allem konnte ich den Charakteren nicht wirklich "glauben", sie hatten keine Stimme, sie hatten keine Seele.

Ich habe versucht, den Grund herauszufinden, warum dieses Buch den Booker-Preis gewonnen hat. Angeblich ist "Balrams Reise aus der Dunkelheit des Dorflebens ins Licht des unternehmerischen Erfolgs völlig amoralisch, brillant respektlos, zutiefst liebenswert und insgesamt unvergesslich."

Vielleicht ist es unvergesslich, aber nicht, weil es so ein großartiges Buch ist. Zumindest nicht in meinen Augen. Dies ist nicht der erste Booker-Preisträger, den ich nicht mochte. Vielleicht sollte ich mich in Zukunft von ihnen fernhalten. Wohlgemerkt, es gibt einige, die ich mag, aber sie sind eher die Ausnahme als die Regel.

Dies war unsere Lektüre im internationalen Online-Lesekreis im April 2021.

Kommentare aus der Diskussion:

  • Mir gefällt die Art sehr, wie er schreibt und die Geschichte erzählt. Ich stimme jedoch zu, dass es eine schreckliche, negative Geschichte ist, die hoffentlich keine Grundlage in der realen Welt hat.
  • Vielleicht kenne ich nur Leute aus dem "leichten Indien"?
  • So oder so erweitert es auf jeden Fall meinen Horizont und meine Lektüre.
  • Ich habe dieses Buch sehr genossen. Besonders gefiel mir das Gefühl, das Undenkbare zu tun, um sich von Zwängen zu befreien und seinem Leben einen Sinn zu geben. Ich fühlte mich beim Lesen dieses Buches befreit.

Übrigens spricht der Protagonist immer über die vier größten persischen Dichter und erwähnt "Rumi, Iqbal, Mirza Ghalib und einen anderen Kerl, dessen Namen er vergessen hat". Ich frage mich immer wieder, wer der vierte sein soll.

Buchbeschreibung:

"Balram - der 'weiße Tiger' - kommt aus einem Dorf mitten in Indien. Seine düsteren Zukunftsaussichten hellen sich auf, als er, der klügste Junge im Dorf, als Fahrer für den reichsten Mann am Ort engagiert wird und mit ihm nach Delhi kommt. Vom Steuer eines Honda City aus entdeckt Balram eine neue Welt. Alkohol, Geld, Mädchen und Macht - das Indien der Kakerlaken und Callcenter, der Prostituierten und Gläubigen, der alten Traditionen und der Internetcafés, der Wasserbüffel und des mysteriösen 'weißen Tigers', der vom Diener zum Philosophen, Unternehmer und schließlich zum Mörder wird."

Aravind Adiga hat 2008 den Booker Prize für "Der weisse Tiger" gewonnen.

Montag, 19. August 2024

Steinbeck, John "Die Straße der Ölsardinen"

Steinbeck, John "Die Straße der Ölsardinen" (Englisch: Cannery Row) - 1945

Ich habe einige Romane John Steinbeck gelesen und sie alle geliebt. Bei diesem hier erwartete ich etwas in der Art von "Früchte des Zorns" (The Grapes of Wrath), eine Geschichte über die Menschen, die während der Großen Depression lebten und wie sie damit zurechtkamen. Stattdessen las ich über eine Gruppe widerspenstiger Menschen, die mir absolut egal waren.

Ich habt sicher auch schon Romane gelesen, bei denen eure Gedanken nicht bei der Handlung blieben. Bei denen ihr zurückblättern und ganze Absätze immer und immer wieder lesen musstet. Bei dieser Geschichte war das so, nun, ich würde sie nicht einmal als Geschichte bezeichnen. Es war eine Ansammlung von Charakteren, die nicht eine vernünftige Idee zusammenbringen konnten.

Ich habe mehrfach gehört, dass dies ein lustiger Roman ist. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich konnte keinen Humor darin erkennen. Tut mir leid.

Buchbeschreibung:

"Gelegenheitsarbeiter, Taugenichtse, Dirnen und Sonderlinge bevölkern die Cannery Row im kalifornischen Fischerstädtchen Monterey. Sie leben in alten Lagerhallen wie Mack und seine vier Kumpane, denen jede geregelte Arbeit verhasst ist; sie hausen in ausrangierten Dampfkesseln und verrosteten Röhren auf dem 'leeren Platz', der alles andere als leer ist oder wie Henri, der Maler, in einem Boot Marke Eigenbau, an dem er seit zwanzig Jahren herumbastelt und in dem es keine seiner Frauen und Freundinnen lange aushält. Sie treffen sich im unerschöpflichen Kramladen des Chinesen Lee Chong, um auf Pump einzukaufen, in den Kneipen rund um die Fischkonservenfabriken, in Doras Etablissement und im Laboratorium des einsiedlerisch lebenden Meeresbiologen 'Doc', den sie eines Tages mit einer grandiosen Party überraschen. Und das alles spielt sich unter den misstrauischen Blicken der ordentlichen Bürger von Monterey ab ..."

John Steinbeck erhielt den Nobelpreis für Literatur in 1962 "für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn".
 
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.