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Mittwoch, 21. Oktober 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt - Kurioses aus dem Urlaub" [Sorry, your hotel burned down - Curious things from vacation] - 2011

Im Internet findet man ja heutzutage oft Erzählungen von Hotelbediensteten über Beschwerden der Gäste, dass nachts das Wasser an der Nordsee verschwindet oder warum man denn nicht jede Nacht den Mond sehen kann … ja, wenn man das alles geballt auf einen Blick haben will, kann ich nur dieses Buch empfehlen. Nach "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt", ist auch dieses Buch des Autorenteams Orth/Blinda einfach köstlich. 

Zum Glück kommt hier nicht nur das Personal zu Wort, auch die Gäste haben einiges hinzuzufügen. Allerdings muss ich sagen, am meisten regen mich die Leute auf, die nur nach Fehlern suchen. Ich hatte mal so einen Kollegen, der schaute sich von vor dem Urlaub eingehend die Prospekte durch, worauf er achten musste, damit er nachher einen Nachlass bekommen würde. Macht so Urlaub Spaß? Und warum muss man sich den Teller beim Buffet dreimal volladen und dann jedesmal 90% wegwerfen? Solche Urlaube habe ich nie gemacht, sonst wäre ich wahrscheinlich ausgerastet.

Auch die Geschichten aus der Bahn sind leider nicht besser geworden. Wir benutzen sie schon lange nicht mehr, weil wir von uns aus keine öffentliche Verbindung zum nächsten Bahnhof haben und fast jeder Zug, der sowieso nur einmal die Stunde in jeweils eine Richtugn fährt, Verspätung hat, so dass man meistens den Anschluß nicht bekommt. Und sehr viele Züge fallen auch aus. Unsere Söhne, die in Großstädten wohnen, müssen leider den Zug nehmen, wenn sie uns besuchen kommen. Zwanzig Stunden unterwegs statt fünf ist ja keine Kleinigkeit. Wäre schön, wenn das mal besser werden würde.

Ich bin ja sowieso ein Stephan Orth-Fan und hoffe, er besucht bald mal selbst wieder ein Land, ob mit Zelt oder auf der Couch, Hauptsache, er schreibe ein Buch darüber. 

Buchbeschreibung:

"Hotelzimmer aus der Hölle, verwechselte Zielorte, unglaubliche Abzockertricks: Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko geraten. Mit diesem Reiseführer der lustigsten Pannen sind Sie gegen die Tücken des Urlaubsalltags gewappnet – hier erfahren Sie, was Sie niemals im Katalog lesen werden, und können aus den amüsanten Erlebnissen von SPIEGEL-ONLINE-Lesern lernen. Denn wer nackt zum Begrüßungsdinner geht, sollte sicher sein, auch tatsächlich ein FKK-Resort gebucht zu haben."

Samstag, 17. Oktober 2026

Weiler, Jan "Munk"

Weiler, Jan "Munk" [Munk] - 2024

Ich bin ja ein großer Jan Weiler-Fan und habe bisher alle seine Bücher genossen. Nach dem Markisenmann war ich schon sehr gespannt auf sein nächstes Buch.

Nun, was soll ich sagen. Der Markisenmann hat mir zwar besser gefallen, aber Jan Weiler ist nun mal einfach hervorragend. 

Ich konnte allerdings mit Peter Munk als Typen nicht viel anfangen. Kein Wunder, dass er es nicht geschafft hat, nicht mal eine von den vielen Frauen (Judith, Nicole, Ana, Maja, Heike, Andrea, Claudia, Anja, Harper, Penelope, Karin, Fanny, Nadja) zu halten. Aber beschrieben wurde er hervorragend

Wir hatten allerdings ein sehr interessantes Treffen. Es gab niemandem, der das Buch nicht mochte. Und es fielen viele Bemerkungen sowohl zur Hauptperson als auch zu den Frauen. Und zum Vater, der unserer Ansicht nach viel zu den Problemen Munks beigetragen hat.

Auch fanden wir es interessant, dass Munk bei den Personen, die ihn am meisten beeinflusst haben, zuerst an die vielen Freundinnen gedacht hat, nicht aber an seinen Vater.

Aber im Großen und Ganzen, ein tolles Buch von einem hervorragenden Schriftsteller, von dem wir immer gerne wieder lesen werden.

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Wir haben dies im September 2026 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbschreibung:

"Erfolgreich und allein – so steht der Architekt Peter Munk mit 51 Jahren da. Beziehungsweise liegt da, mit einem Herzinfarkt auf der Rolltreppe in der dritten Etage eines Kaufhauses. Er überlebt, doch es gibt niemanden, den er vom Krankenhaus aus benachrichtigen möchte. In der Rehaklinik trägt sein Therapeut ihm auf, in seiner Selbsterforschung bei den Menschen zu beginnen, die ihn zu dem Mann gemacht haben, der er ist. Und so blickt Peter Munk erstmals auf die dreizehn Frauen seines Lebens und auf die Lektion, die er von jeder einzelnen gelernt hat. Mit überraschendem Ausgang."

Mittwoch, 16. September 2026

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger"

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger" (Englisch: Less) - 2017

Bislang habe ich noch nie einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman gelesen, der nicht interessant gewesen wäre. Irgendwann musste ich wohl auf einen solchen stoßen. Hier war's so weit.

Hätte der Autor die Angst des Protagonisten vor dem Älterwerden – oder auch die Angst, seit der Hochzeit seines Freundes allein dazustehen – stärker vertieft, hätte daraus eine gute Geschichte werden können. Oder hätte er sich auf die verschiedenen Veranstaltungen konzentriert, die der Protagonist in unterschiedlichen Ländern besucht, wäre es vielleicht eine gute 'Urlaubsgeschichte' oder Sommerlektüre gewesen. So aber war es schlichtweg nichts. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her; und obwohl ich das normalerweise mag, möchte ich doch wissen, wo ich mich gerade befinde.

Laut dem Klappentext soll das Buch lustig, ja sogar urkomisch sein. Ich habe kein einziges Mal gelacht.

Der einzige Unterschied zwischen diesem Buch und "Chick-Lit"? Es ist nicht ständig die Rede von Schuhen.

Buchbeschreibung:

"Mister Weniger ist eine schreiend komische Liebeskomödie, die sich nicht um Konventionen schert, ein Wundermittel gegen Liebeskummer und Trost für alle, die schon gemerkt haben, dass die Liebe manchmal seltsame Wege geht.

Der Schriftsteller Arthur Weniger hat von allem ein bisschen zu wenig. Wo anderen ein dickes Fell gewachsen ist, schmückt ihn bloß die zarte Schale eines Butterkrebses. Um sich vor der Hochzeit seiner Langzeitaffäre Freddy zu drücken, führt der arglose Weniger tapfer sein geschundenes Herz spazieren – New York, Berlin, Mexico City, Kyoto –, Hauptsache weg. Überall begegnet er der Liebe und nirgends läuft sie, wie sie soll. Doch erst die totale Schieflage rückt wieder alles ins Lot.

Eine erfrischend andere Liebeskomödie."

Andrew Sean Greer erhielt 2018 den Pulitzerpreis für "Less".

Dienstag, 15. September 2026

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm"

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm … weil's den andern auch so geht" [Actually, it's not that bad... because others are in the same boat] - 1989

Wie ich schon in ihrem anderen Buch, "Nehmt die Männer wie sie sind. Es gibt keine anderen" gesagt habe, war Heilweg von der Mehden DIE Brigitte Kolumnistin vor Elke Heidenreich. Beide Autorinnen haben mir viele amüsante Stunden beschert.

Also konnte ich an diesem gebrauchten Buch nicht vorbeigehen. Hier geht es um all die kleinen und großen Ärgernisse im Leben und wie man sie mit Humor nimmt. Da geht es ums Fernsehen und Elternschaft, um Autofahrer und Vierbeiner, um Arztbesuche und Reisen, um Geld und Moderne Zeiten, und vieles mehr, was uns den Alltag oft so schwer macht.

Aber mit den Artikeln dieser schon 1997 verstorbenen, großartigen Kolumnistin ist es alles wirklich nur noch halb so schlimm.

Mal sehen, ob ich noch mehr von ihren Büchern auftreiben kann.

Buchbeschreibung:

"Wenn Heilwig von der Mehden Anlässe zum Verdruß behandelt, spürt man sofort die Wirkung ihrer wohltuenden 'Medizin', einer klug dosierten, fein abgestimmten Mischung von Schafsinn, Humor und Lebensklugheit, dargeboten in dem funkelnden Gefäß einer brillanten Sprache.

Wenn man will, kann man sich ja ununterbrochen ärgern. Es soll sogar Menschen geben, die ihren 'Frust tragen' wie andere einen schicken Blouson. Aber vergnüglich ist das nicht. Heilwig von der Mehden weiß ein einfaches Rezept, mit Mißhelligkeiten fertig zu werden: 'Unsere Großmutter kannte das schon: Halb so schlimm, sagte sie lächelnd, wenn wir sie als Kinder mit unseren kleinen Katastrophen vertraut machten. Und so war es denn auch meistens, hinterher betrachtet. Wenn wir das doch schon vorher gewußt hätten!'

Daß diese Regel auch für Erwachsene gilt, hat Heilwig von der Mehden, die beliebte 'Brigtte'-Kolumnistin, in vielen ihrer Geschichten humorvoll und spritzig nachgewiesen, so auch in diesem Band."

Donnerstag, 10. September 2026

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise"

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise" (Estnisch: Professor Martensi ärasõit) - Professor Martens' Departure - 1984

Ich hatte mir vorgenommen, für mein Projekt "Die Welt durch Bücher bereisen" (Travel the World Through Books) ein Buch über Estland zu lesen.

Dabei stieß ich auf ein Buch über Estland, das die Geschichte anhand des Lebens von Friedrich Fromhold Martens erzählt – einem estnischen Diplomaten im Dienste des russischen Zaren. Es steckt voller Geschichte. Professor Martens verfasste zahlreiche Werke zum Völkerrecht und war maßgeblich an der Etablierung dessen beteiligt, was wir heute als Völkerrecht bezeichnen. Er gehörte zu den Politikern, die nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges verhandelten; es kursierte sogar die (falsche) Meldung, er habe den Friedensnobelpreis erhalten – eine Auszeichnung, die er zweifellos verdient hätte. Dennoch wurde er mit diversen anderen Preisen und Ehrentiteln geehrt. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Gründung des Weltgerichtshofs in Den Haag.

Obwohl das Werk als Roman deklariert ist, liest es sich wie eine Biografie – und es ist wahrscheinlich historisch akkurater als viele Bücher, die diesen Anspruch tatsächlich erheben. Schon nach kurzer Lektüre verspürt man den Wunsch, mehr über diese Persönlichkeit zu erfahren und zu wissen, ob er tatsächlich so war, wie er im Buch geschildert wird. Das Internet ist voll von Artikeln über ihn. Auch das Buch selbst ist reich an Details und erzählt die faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes aus einer Region, über die wir noch immer viel zu wenig wissen.

Buchbeschreibung:

"Estland zu Beginn dieses Jahrhunderts: Professor Martens fährt nach Petersburg. Unterwegs läßt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen. Es ist, von außen gesehen, eine steile Karriere, vom Sohn eines Flickschneiders zum international angesehenen Diplomaten. Doch als er auf den inneren Konflikt zwischen politischem Opportunismus und persönlicher Integrität stößt, weicht sein Stolz der Todesangst. In diesem historischen Roman voller politischer Brisanz stellt Jaan Kross die Frage nach der Mittäterschaft unter einem autoritären Regime."

Mittwoch, 9. September 2026

Boom, Corrie ten "Die Zuflucht

Boom, Corrie ten with Sherrill, John and Elizabeth "Die Zuflucht: Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945" (Niederländisch: De Schuilplaats) - The Hiding Place. The Triumphant Story of Corrie Ten Boom - 1972

Wenn ihr Anne Franks "Tagebuch" gelesen haben, solltet ihr auch dieses Buch lesen. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschen wie die Familie Frank versteckte, und schildert, was ihnen widerfuhr.

Wie jemand diese Gräueltaten mitansehen kann – sei es aufseiten des Feindes oder im eigenen Volk – und dabei dennoch so positiv bleibt und an einen Sinn hinter all dem glaubt ... das ist für mich unfassbar. Ich bin dankbar, dass es solche Menschen gibt, und hoffe, dass ich genauso reagieren würde, wenn ich vor dieser Entscheidung stünde.

Die Familie ten Boom gehörte jedenfalls zum niederländischen Widerstand. Sie versteckten jeden, der Hilfe brauchte – vor allem Juden – und verhalfen ihnen zur Flucht aus dem Land.

Besonders gut gefiel mir der Vater, der seiner Familie ein echtes Vorbild war. Hier ist ein Zitat, das dies wunderbar veranschaulicht:
"Vater hielt das Baby fest an sich; sein weißer Bart streifte dessen Wange, während er in das kleine Gesicht blickte – mit Augen, die so blau und unschuldig waren wie die des Kindes selbst. Schließlich sah er zu dem Pastor auf.'‚Sie sagen, wir könnten für dieses Kind unser Leben verlieren. Ich würde das als die größte Ehre betrachten, die meiner Familie zuteilwerden könnte.'"

Ein weiteres Zitat, auf das ich eingehen möchte:
"Seltsamerweise fiel es den Menschen nicht am schwersten, den Deutschen oder Japanern zu verzeihen; vielmehr waren es die eigenen Landsleute, die sich auf die Seite des Feindes geschlagen hatten."
Das kann ich gut verstehen. Viele Deutsche oder Japaner hatten keine Wahl, doch diese Leute hatten ihre eigenen Landsleute verraten. Allerdings muss ich – nachdem fast zwanzig Jahre in den Niederlanden lebe – widersprechen, dass man den Deutschen so bereitwillig verzieh; es gibt hier viele Menschen, die es bis heute nicht vergessen haben.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Versteck errichteten und wie es ihnen gelang, ein zusätzliches Zimmer in das Haus einzubauen, ohne dass es jemand bemerkte.

Zugegeben, das Buch ist stark religiös geprägt; Corrie ten Boom und ihre Familie waren Kalvinisten und gehörten der Niederländisch-Reformierten Kirche an, die sehr streng und konservativ war. Doch genau das war ein Beweggrund für ihr Handeln. Auf jeden Fall ist das Buch absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Corrie ten Boom, die niederländische Autorin wurde vor allem mit ihrem Buch 'Die Zuflucht' berühmt, in dem sie erzählt, wie ihre Familie während des Dritten Reichs Juden in ihrem Haus versteckte und dabei schwere Opfer bringen mußte. In ihren Werken spiegeln sich die ungewöhnliche Tiefe und Kraft ihres Glaubens und ihre warmherzige Art auf bewegende Weise wider.

Der internationale Bestseller berichtet über die entscheidenden Jahre im Leben Corrie ten Booms. Mit ihrer ganze Familie bietet sie Verfolgten Schutz und wird selbst zu einer Verfolgten: 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen.

Trotz alldem wird sie eine Botschafterin des Themas "Vergebung" und predigt nach dem Krieg in über 60 Ländern.
"

Dienstag, 1. September 2026

MacGregor, Neil "Deutschland"

MacGregor, Neil "Deutschland. Erinnerungen einer Nation" (Englisch: Germany. Memories of a Nation) - 2014

Früher habe ich Geschichte in der Schule gehasst. Es drehte sich alles nur um Fragen wie: "Wo fand diese Schlacht statt?" oder "Wann war dieser Krieg?" – und das meist ohne viele Details. Deshalb bin ich heute dankbar für all die wunderbaren Bücher, die ich lesen kann und die mir so viele Informationen liefern und alles so viel interessanter machen.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Bücher über Weltgeschichte, europäische Geschichte, britische Geschichte, die beiden Weltkriege und auch einzelne Aspekte der deutschen Geschichte gelesen. Allerdings gibt es kaum Bücher, die die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit behandeln – wohl deshalb, weil das Deutschland, wie es heute existiert, noch gar nicht so lange in dieser Form besteht. Und dabei spreche ich nicht nur von der Wiedervereinigung, die nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Zufällig bin ich auf ein Buch von Neil MacGregor gestoßen – einem britischen Historiker, der all jene Faktoren zusammengetragen hat, die unsere heutige Nation geformt haben.

Wer noch nicht viel über Deutschland weiß (abgesehen davon, dass es hier Nazis gab – das weiß schließlich jeder), für den ist dies das ideale Buch. Ich selbst wusste nie so viel über mein eigenes Land und bin dem Autor unglaublich dankbar dafür, dass er all diese Zusammenhänge aufgearbeitet hat. Es hat mich ziemlich stolz gemacht – wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben.

Er zeigt auf, was in Deutschland vor jenem dunklen Kapitel der Geschichte geschah und wohin der Weg danach führte: die Herausforderungen und die Errungenschaften, Kultur und Kunst, Wissenschaft und Industrie, die Vergangenheit und die Zukunft. Ihm zufolge scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich an die Schattenseiten seiner Geschichte erinnert – und nicht bloß an die Siege in bestimmten Kriegen.

Und das Beste daran: Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Er versucht zu verstehen, wie sich alles ereignen konnte, und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein Anhänger der Nazis war – und dass gerade für diese Menschen jene Zeit besonders schwer war.

Zweifellos eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Es war jede Minute wert. Ich würde sehr gerne auch eines seiner anderen Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind." 

Donnerstag, 23. Juli 2026

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen"

Meyerhoff, Joachim "Man kann auch in die Höhe fallen" [You can also fall upwards] - 2024

Nachdem wir letzten Monat "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" in unserem deutschen Lesekreis gelesen hatten, wollten einige unserer Lesekreismitglieder gerne noch ein Buch von diesem Autor lesen und haben dieses Buch vorgeschlagen. So war dies unser Juli-Buch.

Ich war ja schon nicht der größte Fan letzten Monat, aber irgendwie hat mir dieses Buch fast noch weniger gefallen. Der Mann würde mich verrückt machen, so unselbständig. 

Irgend jemand hat sich darüber beschwert, dass es keinen Plot gibt. Stimmt. Aber das fand ich nicht am Schlimmsten. Vieles wirkte zu aufgesetzt und übertrieben.

Das einzig Interessante war für mich die Erzählung vom Gorki-Theater und den ganzen Schauspielern, die schon zu DDR-Zeiten dort waren. Besonders fand ich die Datscha interessant, die mit lauter Kulissen ausstaffiert wurde.

Ach ja, und die Mutter, die hat mir auch gefallen. Die einzige Person in der ganzen Sippschaft.

War sicher mein letzter "Roman" von Meyerhoff.

Ich muss allerdings sagen, dass beide Bücher den anderen Mitgliedern gut gefallen haben. Sie meinten, er schreibt gut und unterhaltsam. Lt. NDR findet er allerdings seine eigene Geschichte "seltsam". Da sind wir wenigstense einer Meinung.

Klappentext:

"Zu Hause ist da, wo sie dich reinlassen müssen, wenn du klopfst.

Mit Mitte fünfzig zieht der Erzähler zu seiner Mitte achtzigjährigen Mutter aufs Land, um dort an einem Roman zu schreiben. Es werden ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet.

Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer. Der Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter nach Norddeutschland, die auf einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen, aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt zu schreiben und findet allmählich heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben." 

Freitag, 12. Juni 2026

Modick, Klaus "Bestseller"

Modick, Klaus "Bestseller" [Bestseller] - 2006

Der Autor Lukas Domcik (natürlich erfunden vom Autor Klaus Modick) gibt sich als Esperanto-Übersetzer aus, damit er nicht dauernd auf seine Schriftstellerei angesprochen wird. Gut, dass ihm kein Esperanto-Sprecher begegnet ist. Wir brauchen nämlich keine Übersetzer, und wenn wir etwas für Nicht-Esperanto-Sprecher zu übersetzen haben, machen wir das selbst. Davon kann man nicht leben.

Zwischendrin erzählt er davon, dass heute doch jeder "Klotzkopf Englisch kann … die deutsche Sprache wird sowieso täglich englischer, und mir fiel mein alter Latein- und Griechischlehrer vom Gymnasium ein, der apodiktisch behauptet hatte, Englisch müsse ein Norddeutscher mit Lateinkenntnissen gar nicht lernen, weil Englisch lediglich eine Mischung aus Vulgärlatein und Plattdeutsch sei. Heute ist Englisch zu einer Mischung aus Vulgärlatein allen Sprachen der Welt verkommen - nur das Plattdeutsche ist dabei irgendwie auf der Strecke geblieben." Da soll Herr Modick sich mal ins Hinterland von Oldenburg begeben, da wird er sehr viele Leute finden (auch jüngere), die zwar Plattdeutsch, aber immer noch kein Englisch sprechen. Moin.

Noch ein Zitat! "Umberto Eco, unter allen postmodernen Schlaumeiern der ungekrönte König, ist einmal der Frage nachgegangen, was eigentlich selbst für intellektuell und ästhetisch belastbare Leute das Faszinierende an einem ästhetisch maximal mediokren Film wie Casablanca sei". Hier handelt es sich um den Essay "Casablanca oder die Klischees tanzen", 1958. Eco behauptet, "Die wilde, scheinbar unlogische Vermischung aller möglichen Klischees und Archetypen macht den Film zu einer Art Collage der westlichen Mythologie."

Warum erwähne ich das? Nun, ich versuche immer noch herauszufinden, wie mir das Buch gefallen hat. Der Anfang war reichlich lahm. Zur Mitte hin wird es dann interessanter bis zum Schluss der Protagonist bekommt, was er verdient. Das hat mir gefallen. 

Buchbeschreibung:

"Klaus Modick erzählt die Geschichte des Schriftstellers Lukas Domcik, der aus einem Manuskriptfund Kapital schlagen will.

Tante Theas Erinnerungen an ihre Jugend in den Dreißiger- und Vierzigerjahren verpackt er als Roman und gibt Rachel, eine junge, fernsehtaugliche und von ihm begehrte Maskenbildnerin, als Autorin aus. Mit dieser unschlagbaren Kombination spekuliert er auf einen Weltbestseller. Doch im Rausch seiner Amour fou verliert Domcik schon bald die Übersicht - und die Fäden seiner attraktiven Marionette aus den Händen …

Eine pointierte Literaturbetriebssatire - und ein grandioses Lesevergnügen!"

Mittwoch, 10. Juni 2026

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" [Oh, this gap, this terrible gap] (Alle Toten fliegen hoch. No. 3) - 2015

Unser Lesekreisbuch. für Mai 2026. Obwohl es der dritte Teil einer Serie ist, wurde beschlossen, dieses Buch zu lesen, da man die Romane auch in unterschiedlicher Folge lesen kann. Ich weiß nicht, ob es ein guter Entschluss war und ob es nicht besser gewesen wäre, von vorne anzufangen. Vielleicht lese ich die anderen auch noch. Auf jeden Fall werde ich den letzten Band lesen, da das unser nächstes Buch ist.

Es wird zwar viel auf den Humor in dem Buch hingewiesen, aber ich fand nicht, dass dies die Hauptsache war, es waren schon recht viele traurige Begebenheiten in dem Band.

Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich freue mich, nicht auf eine Schauspielschule gegangen zu sein. Ich habe jede Schule geliebt, aber das war mir dann doch ein wenig verrückt.

Der Schreibstil hat mir schon gefallen, auch einige seiner Wortspielereien (z.B. Turnvater-Jahn-Gedächtnis-Choreografie). Auch die Situationskomik, wie eine unserer Leserinnen es so treffend beschrieb. Als Nicht-Alkohol-Trinkerin haben mir die Großeltern allerdings zu viel gesoffen.

"Mit zwanzig wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: 'Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.'

Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe 'Alle Toten fliegen hoch' nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken."

Mittwoch, 20. Mai 2026

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen"

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen" (Englisch: All the Light We Cannot See) - 2014

In den letzten Jahren habe ich die jeweils neuesten Pulitzerpreisträger (deutsche Beschreibungen hier) gelesen und war meist sehr angetan. Deshalb musste ich auch dieses Buch lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Anthony Doerr ist es gelungen, eine ganz besondere Kriegsgeschichte zu schreiben – eine Geschichte über die einfachen Leute auf beiden Seiten des Krieges, über diejenigen, die kaum etwas zu sagen hatten zu dem, was ihnen widerfuhr, und die den höchsten Preis zahlten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Waisenjungen und eines blinden französischen Mädchens, die beide unter den Folgen des Krieges leiden, die wahrscheinlich noch nicht einmal zur Schule gingen, als die Wahl in Deutschland über ihr Schicksal entschied, und die den höchsten Preis dafür zahlen mussten.

Die Geschichte ist fesselnd, der Schreibstil sorgfältig und zugleich wunderschön, die Charaktere werden liebevoll beschrieben. Dies ist eines jener Bücher, die man am liebsten langsam lesen möchte, weil man hofft, dass es nie endet. Denn obwohl man auf ein gutes Ende hofft, fürchtet man gleichzeitig ein schlechtes.

Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses, denn sie könnten den Menschen von heute vermitteln, wie es gewesen sein mag, damals in Deutschland zu leben, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass selbst diejenigen, die es waren, oft keine Wahl hatten.

Ein brillantes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.

Buchbeschreibung:

"Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am 'Muséum National d’Histoire Naturelle' arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell der Hauptstadt, das er in Saint-Malo gebaut hat, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen."

Anthony Doerr erhielt 2016 den Pulitzer-Preis für "All the Light We Cannot See".

Es wurden auch einige Bücher erwähnt/gelesen.

Darwin, Charles "The Voyage of the 'Beagle'" - Die Fahrt der 'Beagle'
Hertz, Heinrich "The Principles of Mechanics" - Die Prinzipien der Mechanik
Verne, Jules "Around the World in Eighty Days" - Reise um die Welt in 80 Tagen
Verne, Jules "Twenty Thousand Leagues Under the Sea" - 20.000 Meilen under dem Meer

Mittwoch, 13. Mai 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt - Kurioses aus dem Cockpit" [Sorry, we missed the runway - Curious things from the cockpit] - 2010 

Ich bin ja ein großer Stephan Orth-Fan. Leider hat er schon eine Weile kein neues Buch mehr geschrieben, aber vor kurzem fand ich diese Zusammenstellung, die er mit der Journalistin Antje Blinda gemacht hat, bevor er auf seine Couchsurfing-Reisen ging.

Also dachte ich, das muss es mal tun für den Moment.

Und das tat es auch. Der Spiegel hatte seine Leser aufgefordert, besonders lustige Ereignisse bekanntzugeben, die sie auf ihren Flügen erlebt haben. Und die beiden Journalisten haben das zusammengestellt und ihren Kommentar dazu abgegeben, der zum einen genauso lustig ist und zum anderen Informationen über Flüge und den Flugverkehr gibt.

Lustig und unterhaltsam.

Buchbeschreibung:

"Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko werden.

Angefangen mit 'Sie brauchen nicht nervös zu sein, der Kapitän ist es auch nicht - und er macht den Anflug zum ersten Mal!', treibt solch eine Durchsage aus dem Cockpit selbst erfahrenen Passagieren die Schweißperlen auf die Stirn.

Die SPIEGEL ONLINE Redaktion hat ihre Leser aufgefordert, Anekdotenund verrückte Erlebnisse aus der Flugzeugkabine und dem Urlaub einzusenden. Herausgekommen ist dieser Bestseller.

Vergessene Triebwerke, Piloten ohne Orientierung, Kühe auf der Landebahn: So manche Durchsage an Bord eines Flugzeugs treibt selbst erfahrenen Passagieren die Schweißperlen auf die Stirn. Hunderte von Lesern haben ihre Erlebnisse aus dem Cockpit an Spiegel Online geschickt die besten und lustigsten Zitate und Anekdoten sind in diesem Buch versammelt. Also schnallen Sie sich an, klappen Sie die Tische hoch, und stellen Sie die Sitzlehnen aufrecht. "

Montag, 11. Mai 2026

McEwan, Ian "Lektionen"

McEwan, Ian "Lektionen" (Englisch: Lessons) - 2022

Dies ist mein zweites Buch, das ich von Ian McEwan angefangen habe. Das erste habe ich zwar zu Ende gelesen, aber es hat mir überhaupt nicht gefallen. Dieses habe ich nach einem Drittel (150 Seiten) aufgehört, es war einfach zu langweilig, aufgeblasen, ausschweifend, langatmig, ich finde einfach nicht das richtige Wort, um auszudrücken, wie mich das Buch angeödet hat.

An und für sich hätte das ein gutes Buch werden können. Aber der Autor schafft es einfach nicht, den Leser mitzureißen. Der Schreibstil ist total steif, die ganze Art total fade und veraltet. Das Leben des Protagonisten nicht nur langweilig, man möchte ihn schütteln. Das ewig Opfer, was haben andere mir immer angetan …

Und dies soll sein Meisterwerk sein?

Dies wird auf jeden Fall mein letzes Buch von Ian McEwan sein. Ganz egal, was andere mir erzählen, ich fasse keins mehr an. Es gibt so viele gute Bücher und hervorrangede Schriftsteller.

Buchbeschreibung:

"Roland Baines ist noch ein Kind, als er 1958 im Internat der Person begegnet, die sein Leben aus der Bahn werfen wird: der Klavierlehrerin Miriam Cornell. Roland ist junger Vater, als seine deutsche Frau Alissa ihn und das vier Monate alte Baby verlässt. Es ist das Jahr 1986. Während die Welt sich wegen Tschernobyl sorgt, beginnt Roland, nach Antworten zu suchen, zu seiner Herkunft, seinem rastlosen Leben und all dem, was Alissa von ihm fortgetrieben hat."

Donnerstag, 23. April 2026

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin"

Brown, Daniel James "Das Wunder von Berlin: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen" (Englisch: The Boys in the Boat: Nine Americans and Their Epic Quest for Gold at the 1936 Berlin Olympics) - 2013

Ich habe das Buch im Februar 2015 mit meinem internationalen Lesekreis gelesen. Es ist sehr interessant, wenn man Sachbücher und Geschichten aus dem wahren Leben mag, selbst wenn man – wie ich – kein Sportfan ist. Es geht darin um Menschlichkeit, Durchhaltevermögen, Geschichte …

Die Welt im Jahr 1936. Die Nazis sind die "Gastgeber" der Olympischen Spiele. Hitler will der Welt zeigen, wie brillant sein Land (und seine Partei und seine Rasse) sind. Er würde es vorziehen, wenn keine jüdischen oder farbigen Athleten teilnehmen könnten, aber das widerspricht dem olympischen Geist (obwohl es ihm gelingt, viele von ihnen fernzuhalten). Daher würde er sie lieber besiegt sehen. Was, wie wir alle wissen, nicht immer gelingt. Wer erinnert sich nicht an Jesse Owen, der vier Goldmedaillen im Sprint und Weitsprung gewann?

Eine seiner Hoffnungen ruhte auf dem Ruderwettbewerb, insbesondere auf dem Achter der Männer. "Seine" Mannschaft holte nur Bronze.

Aber es galt nicht nur, die Nazis zu besiegen. Acht Jungen aus den ärmsten Verhältnissen schafften es in ein Ruderteam, das bis dahin ausschließlich aus reichen Studenten von Eliteuniversitäten bestanden hatte. Diese Jungen mussten nicht nur gut rudern, sondern auch gut studieren und arbeiten, um nicht nur sich selbst, sondern in vielen Fällen auch ihre Familien, Geschwister und Eltern zu unterstützen.

Und das ist ihre Geschichte. Einem Mann gelang es, niederzuschreiben, was diese jungen Männer damals durchmachen mussten, wie sie ihren Traum verwirklichten und in einem scheinbar unmöglichen Rennen Gold gewannen.

Daniel James Brown interviewte für dieses außergewöhnliche Buch hauptsächlich Joe Rantz, ein Mitglied des Teams. Rantz musste sich schon früh selbst versorgen, da seine Mutter starb, als er noch klein war, und sein Vater ihn einige Jahre später verließ. Wie er es danach schaffte, einer der erfolgreichsten Sportler zu werden, ist eine lange Geschichte, die sich unbedingt zu lesen lohnt.

Inzwischen gibt es auch einen Film dazu: "The Boys in the Boat".

Buchbeschreibung:

"Sie haben Hitler die Show gestohlen

Berlin, 1936. In einer der dunkelsten Zeiten der Geschichte ereignete sich im Herzen von Hitlers Stadt ein Wunder: Neun Jungen aus der amerikanischen Provinz gewannen die Olympiade im Rudern und stahlen den Nazis die wohlgeplante Propaganda-Show. Daniel James Brown erzählt in diesem Buch die unglaubliche wahre Geschichte eines der Jungen: Joe Rantz, als Teenager von seiner Familie verlassen und ohne Perspektive im Amerika zur Zeit der großen Depression, schließt sich einem Ruderteam an. Im harten Training zusammen mit acht anderen Jungen, Söhnen von Holzfällern und Bauern, lernt er, anderen und sich selbst wieder zu vertrauen. Doch das Ziel, das die Jungen und ihr Coach sich stecken, ist hoch: sich vor den laufenden Kameras Leni Riefenstahls den deutschen und italienischen Ruderteams zu stellen ..."

Dienstag, 21. April 2026

Vermes, Timur "Er ist wieder da"

Vermes, Timur "Er ist wieder da" - Look who's back - 2012

Ich habe mich immer gefragt, was meine Großmutter, die 1982 gestorben ist, wohl denken würde, wenn sie heute wiedergeboren würde. Was würde sie wohl dazu sagen, dass die Leute in der Stadt herumlaufen und offensichtlich Selbstgespräche führen? Was würde sie denken, wenn sie einen Internetshop sähe? Was für Waren werden dort verkauft? Und was sind diese seltsamen kleinen schwarzen oder manchmal bunten Kästchen, die alle ständig anstarren?

Timur Vermes ging noch einen Schritt weiter. Er holte den schlimmsten Menschen aller Zeiten zurück: Adolf Hitler. Was würde er wohl heute denken? Hoffentlich wäre er enttäuscht, dass sein Traum nicht in Erfüllung gegangen ist, dass niemand mehr an seine "Werte" glaubt. Der Autor beschreibt das auf eine etwas humorvolle, satirische Weise, und obwohl mir die Idee gefällt, hat mich das Lesen doch irgendwie erschaudern lassen, ein seltsames Gefühl ausgelöst.

Ich hoffe, er sähe ein Deutschland, in dem Ausländer jeder Nationalität, Religion und Hautfarbe willkommen sind. Wo Schwule und Lesben genauso behandelt werden wie alle anderen. Wo niemand etwas gegen Roma oder Sinti hat. Oder gegen Menschen mit anderen politischen Ansichten. Denn die Nazis diskriminierten alle, die einer dieser Gruppen angehörten. Und vielen anderen. Mein eigener Großvater wurde als Kommunist beschimpft und verfolgt, nur weil er kein Nazi war und das auch ganz offen gesagt hatte.

Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren darüber nachdachte, als unsere neue Regierung aus einer geschiedenen und wiederverheirateten Bundeskanzlerin (sie ersetzte einen, der viermal verheiratet gewesen war), einem homosexuellen Vizepräsidenten und Außenminister, einem in Asien geborenen Finanzminister, einem behinderten Finanzminister und mehreren Frauen bestand. Hitler hätte keine von ihnen gutgeheißen, und ich bin froh, dass seine "Werte" heute keine Rolle mehr spielen, dass ihr Wissen und ihre Expertise uns mehr bedeuten als ihr Privatleben. Leider passiert auch viel im Moment, das darauf hinzeigt, dass ähnliche Zeiten wieder kommen könnten. Um Himmels willen, nicht!

Ich lese normalerweise gerne Bücher über alternative Geschichte; schließlich sind meine Lieblingsbücher "The Children's War" [Der Kinderkrieg] und "A Change of Regime" [Ein Regimewechsel] von J.N. Stroyar, in denen wir einfach davon ausgehen, dass die Nazis den Krieg gewonnen haben. Aber in jener Geschichte erfahren wir alle, wie schlimm das für alle gewesen wäre.

Trotzdem ist dieser Roman gut geschrieben und spannend. Ich bin aber immer noch nicht ganz zufrieden damit.

Buchbeschreibungcover:

"Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und 'Gefällt mir!'-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte."

Samstag, 11. April 2026

Twain, Mark "Bummel durch Europa"

Twain, Mark "Bummel durch Europa" (Englisch: A Tramp Abroad) - 1880

Ich habe schon oft erwähnt, wie sehr ich Bill Bryson (deutsche Bücher hier) liebe, insbesondere seine Reisebücher. Mir wurde von einigen Leuten empfohlen, die Reiseberichte von Mark Twain über seine Europareisen zu lesen. Also tat ich das. Zuerst las ich "Die Arglosen im Ausland" (The Innocents Abroad) und fand es nicht nur unglaublich langweilig, sondern auch ziemlich rassistisch. Mir wurde dann gesagt, "Bummel durch Europa" sei viel besser. Okay, ich gab ihm noch eine Chance.

Vielleicht missfiel mir seine Einschätzung Europas, aber noch viel mehr, glaube ich, missfiel mir seine Darstellung des amerikanischen Touristen. Und wieder einmal konnte ich in seinen Büchern keinen Humor finden.

Ich fand dieses Buch nicht ganz so rassistisch wie sein erstes (was aber immer noch keine Entschuldigung für einige der Tiraden ist), aber er redete immer noch endlos und meistens über Belangloses. Langweilig, langweilig, langweilig. Ich nehme an, dies wird mein letztes Buch von Mark Twain sein, es sei denn, ich werde "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn" eines Tages mit meinen Enkelkindern noch einmal lesen, falls ich jemals welche haben sollte.

Buchbeschreibung:

"'Bummel durch Europa' (Original: 'A Tramp Abroad') ist ein halb-fiktiver, satirischer Reisebericht des amerikanischen Autors Mark Twain, der erstmals 1880 erschien.

Das Buch beschreibt eine Reise von zwei Freunden durch Deutschland, die Alpen und Italien im Jahr 1878. Der Ich-Erzähler ist Mark Twain selbst, der Reisebegleiter seinem Freund Joseph Twichell nachgebildet. Beide Reisenden hatten sich eigentlich vorgenommen, den größten Teil des Weges zu Fuß zurückzulegen, finden dann aber doch ständig andere Möglichkeiten der Fortbewegung. Twain spielt auf dieser Reise den typischen amerikanischen Touristen jener Zeit, der angeblich alles sofort versteht, was er sieht, in Wahrheit aber häufig daneben liegt."

Samstag, 14. März 2026

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein"

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein" (Englisch: Frankenstein: or, The Modern Prometheus) - 1818

Ich wollte dieses Buch schon immer mal lesen. Es ist ein Klassiker, der zwar nicht so recht in mein übliches Genre passt, aber definitiv ein Klassiker ist. Angeblich einer der allerersten Science-Fiction-Romane. Mary Wollstonecraft verbrachte einige Zeit in der Schweiz mit ihrem späteren Ehemann Percy B. Shelley und Lord Byron, als sie beschlossen, einen Wettstreit auszutragen: Wer würde die beste Horrorgeschichte schreiben? Ich habe von den beiden anderen Autoren nichts gelesen, aber ich bin mir sicher, dass Mary gewonnen hat.

Wie gesagt, nicht mein übliches Genre, aber unser Lesekreis wählte es als Alternative zu den Lockdown-Maßnahmen, die viele von uns daran hinderten, unsere gewohnte Bibliothek zu nutzen. Wir brauchten also etwas, das wir online finden konnten. Zum Glück hatte mein Sohn noch einige seiner Bücher zu Hause, sodass ich das Buch sogar hatte.

Frankenstein ist nicht das Monster, wie viele glauben. Er ist der Schöpfer. Obwohl er vielleicht doch etwas Monsterhaftes an sich hat, da es ihm egal ist, was aus seiner Schöpfung wird. Er ist so hässlich, dass er keine sozialen Kontakte knüpfen kann und deshalb zum Monster wird.

Dieses Buch ist nicht nur eine Horrorgeschichte, sondern birgt auch viel Psychologie in sich. Wir erhalten Einblicke in die Gedankenwelt der Menschen, ihre Träume und Ambitionen.

Was mir am Science-Fiction-Teil besonders gefiel, war, dass es keine abwegigen Erklärungen zur Entstehung des Wesens gibt. Man sieht das so oft in Filmen: Da wird etwas absolut Unmögliches auf eine Weise dargestellt, von der man weiß, dass sie nicht funktionieren kann. Hier hingegen gibt es nichts, was man als Fehler bezeichnen könnte. Wir müssen uns einfach vorstellen, dass es so geschehen ist.

Und bevor ich es vergesse: Es ist großartig geschrieben. Nicht nur die Handlung, auch Stil und Technik sind wunderbar. Ein wunderschöner Klassiker.

Dies war unser internationaler Online-Lesekreis-Roman im Juni 2020.

Buchbeschreibung:

"Der Roman über den jungen Schweizer Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft, ist ein seltenes Glanzstück der romantischen Schauerliteratur: Das grandiose erzählerische Geschick, mit dem die englische Autorin ihr Thema zu einer bis heute ungebrochen populären Geschichte verarbeitete, lässt ihren 'Frankenstein'-Roman weit über die meisten vergleichbaren Romane seiner Epoche hinausragen.

Dienstag, 10. März 2026

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich"

Binet, Laurent "HHhH: Himmlers Hirn heißt Heydrich" (Französisch: HHhH) - HHhH - 2010

"HHhH", der französische Titel ist identisch mit dem englischen, der deutsche hat einen Zusatz, der die seltsamen Buchstaben erklärt: "Himmlers Hirn heißt Heydrich".

Die Geschichte handelt nicht von Hitler oder Himmler, sondern von Reinhard Heydrich, einem hochrangigen deutschen Nazi-Offizier, und Jozef Gabčík, einem slowakischen Soldaten, sowie Jan Kubiš, einem tschechischen Soldaten, und ihrer "Operation Anthropoid", deren Ziel die Ermordung Heydrichs war.

Heydrich war Mitglied des SD (Sicherheitsdienst, Teil der SS). Der unbekanntesten und unheilvollsten aller Nazi-Organisationen. Einschließlich der Gestapo. Er erfand nicht nur den gelben Stern, der von allen Juden getragen werden sollte, sondern entwarf auch die Gaskammern. Unnötig zu erwähnen, dass er als der gefährlichste Mann im Dritten Reich galt; man nannte ihn den "Henker von Prag", den "Schlächter" und das "Blonde Biest". Nicht gerade ein Titel, den sich ein vernünftiger Mensch wünschen würde.

Laurent Binet hat eine einzigartige Möglichkeit gefunden, die Erzählung einer Sachgeschichte mit einem Teil einer Autobiografie zu verbinden und daraus einen Roman zu machen. Er nennt es angeblich den Infraroman. Eine interessante Art, das Thema zu behandeln, und eine großartige Möglichkeit, den Leser an die Charaktere des Buches zu gewöhnen. Es mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, dass er von der ersten zur dritten Person springt, aber ich mag seinen Stil wirklich.

Auch wenn ihr nichts mehr über den Zweiten Weltkrieg oder die Nazis lesen möchtet, solltet ihr dieses Buch lesen. Es steckt viel Herz darin und ist gleichzeitig sehr informativ.

Er beginnt mit: "Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Eine wahre Geschichte. Eine Geschichte, die du vielleicht kennst, aber nur flüchtig." und so macht er weiter und spricht mit dem Leser, als wäre er im selben Raum.

Und ich schließe mit einem weiteren Zitat:
"Erinnerung nützt nichts den Erinnerten, sondern nur denen, die sich erinnern." Erinnern wir uns also.

Buchbeschreibung:

"HHhH
HIMMLERS HIRN HEISST HEYDRICH

Die NS-Geschichte pointiert als Groteske. Wie ein Detektiv verfolgt Binet die vielen Spuren, die zu dem Attentat auf Reinhard Heydrich in Prag führen. Immer wieder kommt er dabei auf seine Rolle als Erzähler zurück. Gibt es überhaupt eine historische Wahrheit, und wie kann man über sie schreiben?

Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt du Premier Roman

Beim Spaziergang durch Prag entdeckt der Autor an der Krypta eine Gedenktafel für tschechische Widerstandskämpfer. Sie versteckten sich dort nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich – bis deutsche Soldaten, nachdem sie auf der Suche nach ihnen schon ganz Prag auf den Kopf gestellt hatten, die Krypta fluten ließen.

Der Ich-Erzähler Binet ist so elektrisiert von dieser Geschichte, dass er beschließt, von Paris nach Prag zu ziehen und ihr nachzugehen.

Er verfolgt die sich kreuzenden Spuren der Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer im Frühsommer 1942 in Prag. Der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich soll von dem Tschechen Josef Gabčik, der an den braven Soldaten Schwejk erinnert, auf offener Straße erschossen werden. Doch als der Mercedes mit Heydrich naht, klemmt der Abzug ...

Ein freches und mutiges Buch, das man lachend und weinend zugleich liest."

Einige der Bücher, die der Autor erwähnt:
Burgess, Alan "Seven Men at Daybreak" [Sieben Mann bei Sonnenaufgang]
Flaubert, Gustave "Salammbô" (Salambo)
Harris, Robert "Fatherland" (Vaterland) - 1992
Sand, George "Jean Zizka" [Jan Žižka]
Schmitt, Éric-Emmanuel "La Part de l'autre" (Adolf H. Zwei Leben)
Vollmann, William T. "Europe Central" (Europe Central)

Donnerstag, 19. Februar 2026

Kaminer, Wladimir "Ich bin kein Berliner"

Kaminer, Wladimir "Ich bin kein Berliner. Ein Reiseführer für faule Touristen" [I'm not a Berliner. A travel guide for lazy tourists] - 2007

Wladimir Kaminer ist immer einen Lacher wert. Selbst wenn er eigentlich "nur" einen Städteführer schreiben will. Er kann einfach nicht ohne Humor.

Aber es ist natürlich trotzdem (auch) ein tolles (Sach-)Buch, dass viele Hinweise auf Berlin und seine Eigenheiten gibt.

Ich habe Berlin schon mehrfach besucht sowohl vor als auch nach der Mauer, aber ich kenne es nicht wirklich richtig so richtig. Da muss ich wohl Berliner fragen, ob sie sich wiedererkennen. Aber unterhaltsam ist das Buch auf jeden Fall. Wie alles von Kaminer.

Buchbeschreibung:

"'Ich bin kein Berliner, ich bin auch nicht Deutschland. Ich kenne mich hier nicht wirklich aus. Vor fünfzehn Jahren kam ich nach Ostberlin, aus Gründen die mir bis heute rätselhaft geblieben sind. Die Reise erwies sich als fatale Entscheidung. Einmal hier gelandet, kommt man kaum mehr weg. Berlin bindet.'

Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzustellen. Von einer kurzen Einführung in die Berliner Historie über Geschichten zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder das Verhalten japanischer Touristen bringt Wladimir Kaminer auf gewohnt mitreißende Art dem Leser seine neue Heimat näher. Dabei dürfen natürlich auch praktische Hinweise nicht fehlen: Dazu gehören Adressen origineller Restaurants, Geschäfte und anderer im Buch vorgestellten Attraktionen."

Montag, 16. Februar 2026

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar"

Bjørnson, Bjørnstjerne "Absaloms Haar" (Norwegisch: Absalons Haar) - Absalom's Hair - 1894

Ich lese ja immer mal wieder gerne Bücher von Nobelpreisträgern. Als ich auf diesen Roman stieß, musste ich ihn daher begutachten. Es handelt sich hier um eine Novelle, also nicht sehr lang. Etwas mehr Handlung hätte der Erzählung sicher nicht geschadet. Ich war nicht sonderlich begeistert. Die Geschichte hüpfte hin und her, die Protagonisten hatten nichts an sich, was einen faszinieren konnte. Es ist eben ein sehr altes Buch, das die Zeichen der Zeit nicht überstanden hat.

Und wenn es als Satire gedacht war, hätte ich etwas Humor etwartet.

Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (Ja, wir lieben dieses Land)

Da auf meiner Ausgabe nur steht, dass der Verlag "zur Bewahrung der Literatur und Förderung der Kultur" gedruckt wurde, ich auch keine deutsche Buchbeschreibung finden konnte  und auch der englische Klappentext nicht viel hergab (siehe mein englischer Eintrag), habe ich mal KI befragt. Das war gar nicht mal so schlecht:

"Absaloms Haar von Bjørnstjerne Bjørnson ist eine satirische Erzählung, die Eitelkeit, Selbstüberschätzung und menschliche Natur thematisiert. Die Geschichte nutzt das biblische Motiv von Absalom, dessen üppiges Haar symbolisch für Hochmut steht, um eine allegorische Erzählung über die Gefahren übermäßigen Stolzes zu verweben. 

Inhaltliche Schwerpunkte: Die Erzählung behandelt die Obsession einer Figur mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und die daraus resultierenden Konsequenzen, ähnlich dem biblischen Absalom, der durch sein Haar zu Fall kam.

Charakter: Absalom wird als gutaussehend, aber ehrgeizig dargestellt, wobei sein Haar als Symbol für Eitelkeit dient.

Es handelt sich um eine psychologische Charakterstudie, die oft als Allegorie interpretiert wird."

1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur "als einen Beweis der Anerkennung für seine edle, großartige und vielseitige Wirksamkeit als Dichter, die immer durch einmalige Frische der Eingebung und durch eine seltene Seelenreinheit ausgezeichnet war".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.