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Donnerstag, 16. April 2026

Brizuela, Leopoldo "Nacht über Lissabon"

Brizuela, Leopoldo "Nacht über Lissabon" (Portugiesisch: Lisboa. Un melodrama) - Nacht über Lissabon - 2010 

Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen. Eine interessante Geschichte über Flüchtlinge in Lissabon, dem letzten Ort in Europa, von dem sie hoffen, fliehen zu können. Die Geschichte ist so chaotisch wie die letzten Tage für die Menschen, die aus allen Gesellschaftsschichten kamen – aus den oberen und unteren Schichten. Eine Geschichte wie in "Casablanca".

Ich hoffe, dies wird bald in weitere Sprachen übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Lissabon in einer Novembernacht 1942. Die Stadt ist der letzte Rückzugsort für die Verfolgten des Nazi-Regimes. Hier im Hafen, der Rettung verspricht, liegt die Boa Esperança, das Schiff, das in Richtung Freiheit ablegen wird. Die Stadt gleicht einem Pulverfaß. Es brodelt vor Unruhe und Angst, es wimmelt von Spionen und Diplomaten in geheimer Mission, von verzweifelten Flüchtlingen aus ganz Europa. In dieser angespannten Lage kreuzen sich die Schicksale ganz unterschiedlicher Menschen. Und je tiefer es in die Nacht geht, desto mehr verstricken sie sich in politischen und erotischen Verwicklungen. Als auf der Boa Esperança eine Bombe explodiert, überstürzen sich die Ereignisse … Ein packendes Bild eines dramatischen Augenblicks der Geschichte – begleitet vom Herzschlag des Tangos und des Fados."

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar machterhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 13. Januar 2026

Mann, Thomas "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Mann, Thomas "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" - Confessions of Felix Krull - 1954

Thomas Mann, einer meiner Lieblingsschriftsteller, wurde 150, und da ich das Jahr nicht beenden wollte, ohne wenigstens einen neuen Roman von ihm zu lesen, ging ich auf die Suche. Ich hatte dieses Buch auf meinem SUB, also war die Entscheidung klar.

Ich muss gestehen, ich hatte keine Ahnung, dass dieses Buch unvollendet ist. Inzwischen weiß ich, dass Mann lange an diesem Buch gearbeitet hat und sicher immer wieder Notizen über die Handlung machte, aber nur den ersten Teil vollendete und dann vor der Erstellung des zweiten starb.

Schade, der Anfang ist schon mal gut. Der zweite Teil wäre bestimmt genauso hervorragend gewesen, wie alles von Thomas Mann.

Auf jeden Fall enthält das Buch viel Augenzwinkern. Und wenn auch Felix Krull es schafft, viele Menschen auszutricksen, kann man ihn nur ob seiner List bewundern.

Das Buch liest sich sehr gut, ich habe es wirklich genossen.

Buchbeschreibung:

"Thomas Manns charmanter Hochstapler hat die Leser im Sturm erobert: Felix Krull, der eine Schwäche für Luxus und Eleganz hat. In rasanter Geschwindigkeit steigt er in einem Pariser Grandhotel vom Liftboy zum Oberkellner auf und erobert vor allem die Herzen der weiblichen Gäste. Als er eines Tages den unglücklich verliebten Marquis de Venosta trifft und mit ihm die Rollen tauscht, scheint seinem Glück nichts mehr im Wege zu stehen. Er begibt sich auf eine Weltreise und beweist mehr als einmal, dass ihm in Sachen Schwindeleien und Irreführung, niemand so schnell das Wasser reichen kann … Eine humorvolle Hommage an den schönen Schein!"

Thomas Mann erhielt den Nobelpreis für Literatur 1929 "vornehmlich für seinen großen Roman 'Buddenbrooks', der im Laufe der Jahre eine immer mehr sich festigende Anerkennung als ein klassisches Werk der zeitgenössischen Literatur gewonnen hat".

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Freitag, 17. Oktober 2025

Köhlmeier, Michael "Abendland"

Köhlmeier, Michael "Abendland" [Occident] - 2007

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich dieses Buch gefunden habe. Auf jeden Fall war es eine schlechte Idee, das Lesen so lange aufzuschieben. Was kann ich sagen? Mein SUB ist einfach zu groß.

Dieses Buch ist einfach sagenhaft. Ein Mann, geboren im Jahr 1900. Er war fast so alt wie mein Großvater mütterlicherseits (geboren 1899, meine Großmutter 1901), so dass ich es allein deshalb schon spannend fand. Leider sind meine Großeltern nicht so alt geworden wie Carl Jacob Candoris, aber einen Teil der Geschichte sind sie schon zusammen gegangen.

Das Buch behandelt so viele Themen, von der Musik zu Beginn des letzten Jahrhunderts, insbesondere vom Jazz, über die zwei Weltkriege, die in Europa wütenden, bis zu der Geschichte Portugals und Brasiliens. Es geht um das Leben einiger weniger Personen, und nicht alle haben das ganze Jahrhundert erlebt. Aber das macht es gerade so interessant. Man kann sich vorstellen, was eine Person erlebt hat, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren wurde, wie meine Großeltern.

Ich habe ja schon einige "Jahrhundertsagas" gelesen, u.a. von Günter Grass (Mein Jahrhundert), Ken Follett und Geert Mak (Das Jahrhundert meines Vaters) oder auch die Geschichten von Edward Rutherfurd, die ja immer über mehrere Jahrhunderte gehen. Sie sind alle immer wieder hochinteressant, da wir sehen können, wie sich bestimmte Situationen im Laufe der Zeit entwickeln. Auch hier ist das der Fall.

Was ich auch gut fand, die Protagonisten sind Österreicher und es war sehr interessant, die Sicht unserer Nachbarn zu sehen, besonders zum 2. Weltkrieg und zum "Anschluss".

Das Buch gibt uns viele Denkanstösse. Zum Beispiel bei dieser Bemerkung:

"Wissen Sie, Candoris, was das angenehmste an unserer Wissenschaft ist? Daß bei den Objekten der Mathematik Schein und Sein zusammenfallen. 181 ist eine Primzahl, nicht weil man sie zu einer solchen erklärt hat, sondern weil es so ist. Beruhgit Sie das nicht auch? Mich hat es jedenfalls beruhigt."
Natürlich hat er recht. Aber erklär das mal jemand den Aluhüten oder den Trägern von diesen roten Baseball-Kappen.

Es handelt sich hier um einen ziemlich dicken Wälzer von mehr als 750 Seiten, aber jede einzelne davon ist es wert, gelesen zu werden.

Buchbeschreibung:

"Ein Panorama des 20. Jahrhunderts.

Die Lebensgeschichte des exzentrischen Mathematikers, Weltbürgers und Jazz-Fans Carl Jacob Candoris und seines Biographen Sebastian Lukasser. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht das vielschichtige Porträt einer ganzen Epoche.

Carl Jacob Candoris - Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan - ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der in Wien einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb; von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebt und die Größen der Naturwissenschaft kennenlernt; und vom Wien der Nachkriegszeit - wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zieht. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit."

Donnerstag, 24. Juli 2025

Azevedo, Francisco "Der Hochzeitsreis"

Azevedo, Francisco "Der Hochzeitsreis" (Portugisisch: O Arroz de Palma) - Once Upon a Time in Rio - 2008

Eine wunderschöne Geschichte einer Einwandererfamilie, eines portugiesischen Paares, das sich in Brasilien niederlässt, seine Kinder und seine Arbeit hat. Ihr Sohn erzählt die Geschichte über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wie seine Tante den Reis sammelte, der bei der Hochzeit seiner Eltern geworfen wurde, und ihn als Glücksbringer weitergab.

Der Autor erzählt diese Geschichte auf wundervolle Weise, so schön wie die meisten südamerikanischen Geschichtenerzähler, die ich so liebe. Er hat eine wunderschöne Stimme, versteht es, zwischen den Jahrzehnten hin und her zu springen und webt eine außergewöhnliche Familiengeschichte. Er erzählt von wunderbaren Mitgliedern der Dynastie, innerlich und äußerlich, wie sie miteinander verbunden sind, von den kleinen und großen Konflikten, die in jeder Familie herrschen, von der Liebe, die sie teilen, von den Träumen, die sie träumen. Der Erzähler "kocht" eine Familiengeschichte, das Rezept ist einfach und doch kompliziert. Am Ende haben wir ein wunderbares Buch zu lesen. Eine brillante Familiensaga.

Buchbeschreibung:

"Erstmals seit Tante Palmas Beerdigung versammelt sich die zerstrittene Familie von Antonio (88) wieder um einen Tisch. Vor allem eine Zutat darf beim Festessen nicht fehlen: die letzten Tassen von Tante Palmas Reis, der sie miteinander versöhnen soll. Auf den Tag genau 100 Jahre zuvor gingen zwölf Kilo davon wie ein silberweißer Wolkenbruch auf Antonios frischvermählte Eltern nieder – obwohl die Bewohner des portugiesischen Städtchens alle bittere Not litten. Tief gerührt sammelte Palma, die Schwester des Bräutigams, damals Korn für Korn auf und überreichte ihn dem Paar in einem Sack. Ihre Hochzeitgabe sollte das Geschick der Familie auf geheimnisvolle Art und Weise bestimmen …"

Dienstag, 18. Februar 2025

Schnoy, Sebastian "Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt"

Schnoy, Sebastian "Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt" [Learn from Napoleon how to avoid doing the dishes] - 2013

Von Sebastian Schnoy habe ich ja schon zwei Bücher gelesen ("Smørrebrød in Napoli" und "Das bisschen Frieden"), die mir sehr gut gefallen haben. Und auch dieses war hervorragend. Wenn man bedenkt, dass er es bereits 2013 geschrieben hat, so hat er vieles vorhergesagt. Warum hören wir nicht mehr auf Historiker?

Wir hören viel von unseren Vorfahren und denen der anderen Europäer, ihren Errungenschaften und ihren Niederlagen. Anders als im normalen Geschichtsunterricht, geht es hier jedoch weniger um die Kriege, die wir miteinander verbrochen haben, sondern um die ganz normalen Leute und wie sie lebten.

Und, wie in seinen anderen Büchern, kommt auch hier der Humor absolut nicht zu kurz. Sehr zu empfehlen

Ein paar wichtige Worte des Autors:

"Wie bei jeder Obsession gewinnen die Obsessivsten die Show."

"Briten grüßen einen selbst an Orten, an denen man es nicht erwarten würde, u.a. wenn sie in einen Pool steigen. Auch wenn man sich im Zug neben jemanden setzt, sagt man hallo zu seinem Sitznachbarn."

Das gibt es bei uns auch. Jeder, der einem begnet, wird mit Moin begrüßt. Als ich nicht in der Gegend wohnte, haben mich Menschen of sehr seltsam angesehen, wenn ich sie gegrüßt habe, obwohl ich sie nicht persönlich kannte (z.B. Nachbarn, denen man ständig auf der Straße begegnete). Ich musste mich erst daran gewöhnen. Das hat mir in England auch so gut gefallen, Menschen sind freundlicher zueinander.

"Jean-Claude Juncker gehört zu den Engagierten für ein einiges Europe. Er ist ein Freund klarer Worte: 'Wer an Europa zweigelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen. Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander am schlimmsten bewirken kann.'"

Als meine Kinder klein waren, haben sie sich mit den Pfadfindern immer um Soldatengräber gekümmert. Ich finde, sie haben eine Menge daraus gelernt. Sollte überall Pflicht sein.

Hier nun noch ein paar Zitate, die entweder von wichtigen Personen der Geschichte stammen oder etwas Wichtiges zum Verständnis der Geschichte beitragen:

"Glaube nie jenen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben." André Gide

"Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen." Karl Marx

"Engländer sind das diplomatischste Volk der Welt. Wer sonst würde einem mit so freundlichem Lächeln so einen Kaffee vorsetzen?" Bob Hope

Als ich in England wohnte, fragte man mich einmal, was ich denn von ihrem Kaffee halten würde. Über meine Antwort haben alle herzlich gelacht: "Na ja, man gewöhnt sich an alles."

"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt." Mahatma Gandhi

"Also, jetzt mal abgeschehen von den offenen Grenzen, dem stärksten Binnenmarkt der Welt und dem Euro, hat uns die EU irgendwas ..." - "Den längsten Frieden, den es bei uns jemals gab."

"Viel zu spät begreifen viele
Die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit, die Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum Mensch sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist's! Reise, reise, reise!
"
Wilhelm Busch

Dazu fällt mir ein Spruch ein, der letztens auf einer Geburtstagsfeier die Runde machte:
"Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben."

Buchbeschreibung:

"Konsumsüchtige Italiener, betrunkene Iren, bauwahnsinnige Spanier und Griechen, die siechen - ist das die Wahrheit? Sebastian Schnoy, Deutschlands unterhaltsamster Historiker, blickt zurück und entdeckt zahlreiche Sternstunden in der Geschichte unserer europäischen Nachbarn: Ob Fußbodenheizungen und Kurzparkzonen im alten Rom, Blind Dates und Bildbearbeitung im englischen Mittelalter oder Kreuzfahrtschiffe im antiken Griechenland - jede Nation hat Dinge vorzuweisen, von denen wir heute noch profitieren. Auch Deutsche kamen immer wieder auf geniale Ideen: So erfand ein Berliner um 1900 einen Wecker, der einen nur weckt, wenn draußen schönes Wetter ist.

Sebastian Schnoy entdeckt die besten Momente der europäischen Geschichte und macht so Finanzkrisen, Schuldenlöcher und Euro-Rettungsschirme vergessen."

Montag, 30. Oktober 2023

Voltaire "Candide oder der Optimismus"

 

Voltaire "Candide oder der Optimismus" (Französisch: Candide, ou l'Optimisme) - Candide, or Optimism - 1759

Eine interessante Sicht auf das Zeitalter der Aufklärung.

Candide ist ein junger Mann, der in Deutschland lebt. Er verliebt sich in ein Mädchen, kann sie aber wegen ihrer Eltern nicht heiraten. Er nimmt die Philosophie "Alles ist zum Besten" an und reist mit dieser Überzeugung um die Welt.

Er stößt wahrscheinlich auf ebenso viele Probleme wie Homers Odysseus in der "Odyssey" (Die Odyssee) und bekämpft sie fast mit der gleichen Energie.

Der Roman verspricht, lustig zu sein, und das ist er auch. Ich habe oft während der Lektüre gelacht. Wie kann ein Buch gleichzeitig lustig und philosophisch sein? Es überrascht mich nicht, dass Voltaire auch mehr als zwei Jahrhunderte später immer noch ein so renommierter Autor ist. 

Dieser Roman erinnerte mich ein wenig an Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts", obwohl es umgekehrt sein sollte, da dieses hier früher geschrieben wurde. Anders als im deutschen Roman konnte ich in diesem Buch mehr Philosophie erkennen.

Buchbeschreibung:

"Mit viel Witz und Ironie entlarvt der französische Philosoph Voltaire (1694 - 1778) in diesem Klassiker der Aufklärung jedes Paradies auf Erden als Illusion. Ein phantastisches Lehrstück über die Grausamkeiten der Welt und die einfachen Wege zum Glück.

In Voltaires scharfsinniger Satire werden Utopien, Heilslehren und jedes Paradies auf Erden als Illusionen entlarvt. Das Buch wurde nach Erscheinen 1759 in Genf öffentlich verbrannt und vom Vatikan auf den Index gesetzt."

Donnerstag, 1. September 2022

Mercier, Pascal "Nachtzug nach Lissabon"

 
Mercier, Pascal "Nachtzug nach Lissabon" - Night Train to Lisbon - 2004 

Ein Schweizer Professor für alte Sprachen trifft zufällig eine Portugiesin und findet ein Buch auf Portugiesisch, also gibt er sein ganzes Leben auf und geht nach Lissabon, um den Autor zu finden. Er begibt sich auf die Suche nach der Herkunft des Buches und dem Leben des Autors. Aber im Autor findet er auch sich selbst wieder.

Dies ist ein philosophisches Buch, jemand versucht, sich selbst zu finden. Es ist auch fast wie ein viktorianischer Briefroman. Aber es ist auch historisch, es informiert uns über den Widerstand während der Diktatur in Portugal (1933-74). Ein Buch über die Selbstfindung. Diese beiden Männer (der Schweizer und der portugiesische Autor) führen ein paralleles Leben: Freunde, Familie, gescheiterte Ehen, alles scheint das Leben des anderen zu spiegeln. Es enthält auch eine schöne Beschreibung der Sprache, wie man in einer anderen Sprache und Kultur ein anderer Mensch sein kann.

Einige unserer Leser fanden die Sprache schwierig, wir dachten, das könnte die Übersetzung gewesen sein. Allerdings gefiel es anderen auch in der englischen Übersetzung. Nicht wenige der Leser sagten, sie würden es wahrscheinlich öfter lesen (ich habe das bisher zweimal getan). Es hat so viele Fragen aufgeworfen. Eine Leserin sagte sogar, das Buch hätte einen Unterschied in ihrem Leben bewirkt.

Der Autor malt einige sehr visuelle Bilder für uns. Dies ist ein ganzes, ein aktives Buch, es fordert einen aktiven Leser. Die Geschichte ist sehr tiefgründig und spannend.

Eines unserer überseeischen Mitglieder sagte, es scheine sehr europäisch zu sein, eine Person, die in ihrer Rolle im Leben gefangen sei, und um herauszutreten, müsse sie sich komplett ändern.

Ein tschechisches Sprichwort sagt: Lerne eine neue Sprache und bekomme eine neue Seele. (Ich liebe dieses Sprichwort, es trifft den Nagel auf den Kopf.)

Wer reist, findet eine andere Welt.

Ich liebe Geschichte, ich liebe Sprachen - und ich liebe Bücher.
Das war also das perfekte Rezept für ein Buch. Und die meisten von uns konnten viele Ähnlichkeiten mit unserem Auswanderer-Leben finden. Schließlich verlässt der Protagonist sein Land und geht in ein anderes.


Wir haben dieses Buch im März 2010 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Mitten im Unterricht verläßt der Lehrer Raimund Gregorius seine Klasse und macht sich auf den Weg nach Lissabon, um der Spur eines geheimnisvollen portugiesischen Autors zu folgen. Auf seiner wundervollen Reise dringt er immer tiefer in dessen sagenumwobene Geschichte ein - doch was Gregorius erkennt, könnte ihn schließlich das Leben kosten ..."