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Dienstag, 21. Juli 2026

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch"

Kishon, Ephraim "Der seekranke Walfisch oder Ein Israeli auf Reisen" (Hebräisch: Sefer ha'masot/ספר המסעות) - The Seasick Whale: An Israeli Abroad: Book of Travels - 1995

Ephraim Kishon ist es immer wert, zur Hand genommen zu werden. In diesem Band spricht er von seinen Reisen in verschiedene europäische Länder und in die Vereinigten Staaten. Er schafft es, wie kaum ein anderer, die Eingenheiten der Bewohner so darzustellen, dass selbst sie darüber lachen müssen. Und eigentlich lobt er sie ja auch alle mit seinen Bemerkungen.

Also, wer wissen möchte, wie man in der Schweiz eine Bananenschale loswird, warum man in Venedig nie eine Gondel nehmen solte und warum es anzuraten ist, Las Vegas nicht zu besuchen, wenn man nicht schon vorher seine Rückreise gebucht und bezahlt hat, für den ist dieses Buch Gold wert.

Buchbeschreibung:

"'Wenn du deinem Paßbild ähnlich zu sehen beginnst, ist es höchste Zeit, wegzufahren.'

Bissig-humorvolle Satiren über die Eigenheiten von Touristen und Einheimischen. Als der Herr zum Walfisch sprach,speite er Jonah ans Land. Niemals hatte der Wal in den vielen Jahren seiner Seefahrt die geringsten Magenbeschwerden gehabt, doch einen Reisenden wie diesen Propheten hielt sein Bauch wahrlich nicht aus. Das war der biblische Anfang des Tourismus ... 

Mit Kishon auf Reisen, um am Ende festzustellen, dass es zu Hause doch am schönsten ist."

Freitag, 5. Juni 2026

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung"

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung" - The Post Office Girl ~1930/1982

Nachdem ich "Die Welt von Gestern" gelesen habe, wollte ich schon lange einmal ein weiteres Buch von Stefan Zweig lesen, und da es diesen Monat das Starterbuch für "Six Degrees of Separation" war, habe ich es mir vorgenommen.

Stefan Zweig schrieb dieses Buch in den 1930er Jahren, also vor fast hundert Jahren. Aber veröffentlicht wurde es erst 1982, nachdem es aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Der Verleger überarbeitete das Fragment und ergänzte es mit Notizen des Autoren.

Das Buch spielt kurz nach dem 1. Weltkrieg in Österreich. Es hätte tatsächlich in allen Nachkriegsländern spielen können. Viele Männer sind nicht aus dem Krieg heimgekehrt, die meisten Leute haben kaum Arbeit, sie fristen ein sehr ärmliches Leben.

Da kommt eine Einladung von reichen Verwandten, die die junge Postangestellte Christine in ein Hotel einladen. Sie wird in eine vollkommen fremde Welt katapultiert, die allerdings nicht lange anhält.

Nach diesem Urlaub lernt sie den Kriegsheimkehrer Ferdinand kennen, dem es genauso schlecht geht wie ihr.

Eine traurige Geschichte, eine düstere Geschichte. Stefan Zweig selbst hatte kein glückliches Leben, das spiegelt sich auch hier wider. Aber er versteht es wie kaum ein anderer, in die Seele der Menschen zu sehen und sie uns zugänglich zu machen.

Ich muss mir unbedingt noch ein anderes Buch dieses großartigen Schriftstellers vornehmen. Habt ihr Vorschläge?

Buchbeschreibung:

"Sommer 1926. Christine Hoflehner hat eine bescheidene Anstellung als Postassistentin gefunden. Die Sorgen der Nachkriegszeit sind überwunden, doch vor ihr liegt ein freudloses, ärmliches Leben. Ein Telegramm reißt sie völlig unerwartet aus der Monotonie ihres Daseins: Amerikanische Verwandte laden sie zu einem Urlaub ins Engadin ein. Zuerst verschüchtert, gerät sie rasch in den Sog dieser 'Welt ohne Arbeit, ohne Armut, die sie nie geahnt'. Doch ihr Rausch der Verwandlung ist nicht von Dauer. Als sie Ferdinand kennenlernt, einen 'mit dem Geist der Revolte geladenen Menschen', durch Krieg und Gefangenschaft um seine Jugend und die Möglichkeit einer gesicherten Existenz betrogen, fasst er einen anarchischen Plan – und sie sagt laut und leidenschaftlich ja dazu."

Samstag, 11. April 2026

Twain, Mark "Bummel durch Europa"

Twain, Mark "Bummel durch Europa" (Englisch: A Tramp Abroad) - 1880

Ich habe schon oft erwähnt, wie sehr ich Bill Bryson (deutsche Bücher hier) liebe, insbesondere seine Reisebücher. Mir wurde von einigen Leuten empfohlen, die Reiseberichte von Mark Twain über seine Europareisen zu lesen. Also tat ich das. Zuerst las ich "Die Arglosen im Ausland" (The Innocents Abroad) und fand es nicht nur unglaublich langweilig, sondern auch ziemlich rassistisch. Mir wurde dann gesagt, "Bummel durch Europa" sei viel besser. Okay, ich gab ihm noch eine Chance.

Vielleicht missfiel mir seine Einschätzung Europas, aber noch viel mehr, glaube ich, missfiel mir seine Darstellung des amerikanischen Touristen. Und wieder einmal konnte ich in seinen Büchern keinen Humor finden.

Ich fand dieses Buch nicht ganz so rassistisch wie sein erstes (was aber immer noch keine Entschuldigung für einige der Tiraden ist), aber er redete immer noch endlos und meistens über Belangloses. Langweilig, langweilig, langweilig. Ich nehme an, dies wird mein letztes Buch von Mark Twain sein, es sei denn, ich werde "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn" eines Tages mit meinen Enkelkindern noch einmal lesen, falls ich jemals welche haben sollte.

Buchbeschreibung:

"'Bummel durch Europa' (Original: 'A Tramp Abroad') ist ein halb-fiktiver, satirischer Reisebericht des amerikanischen Autors Mark Twain, der erstmals 1880 erschien.

Das Buch beschreibt eine Reise von zwei Freunden durch Deutschland, die Alpen und Italien im Jahr 1878. Der Ich-Erzähler ist Mark Twain selbst, der Reisebegleiter seinem Freund Joseph Twichell nachgebildet. Beide Reisenden hatten sich eigentlich vorgenommen, den größten Teil des Weges zu Fuß zurückzulegen, finden dann aber doch ständig andere Möglichkeiten der Fortbewegung. Twain spielt auf dieser Reise den typischen amerikanischen Touristen jener Zeit, der angeblich alles sofort versteht, was er sieht, in Wahrheit aber häufig daneben liegt."

Samstag, 14. März 2026

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein"

Shelley, Mary Wollstonecraft "Frankenstein" (Englisch: Frankenstein: or, The Modern Prometheus) - 1818

Ich wollte dieses Buch schon immer mal lesen. Es ist ein Klassiker, der zwar nicht so recht in mein übliches Genre passt, aber definitiv ein Klassiker ist. Angeblich einer der allerersten Science-Fiction-Romane. Mary Wollstonecraft verbrachte einige Zeit in der Schweiz mit ihrem späteren Ehemann Percy B. Shelley und Lord Byron, als sie beschlossen, einen Wettstreit auszutragen: Wer würde die beste Horrorgeschichte schreiben? Ich habe von den beiden anderen Autoren nichts gelesen, aber ich bin mir sicher, dass Mary gewonnen hat.

Wie gesagt, nicht mein übliches Genre, aber unser Lesekreis wählte es als Alternative zu den Lockdown-Maßnahmen, die viele von uns daran hinderten, unsere gewohnte Bibliothek zu nutzen. Wir brauchten also etwas, das wir online finden konnten. Zum Glück hatte mein Sohn noch einige seiner Bücher zu Hause, sodass ich das Buch sogar hatte.

Frankenstein ist nicht das Monster, wie viele glauben. Er ist der Schöpfer. Obwohl er vielleicht doch etwas Monsterhaftes an sich hat, da es ihm egal ist, was aus seiner Schöpfung wird. Er ist so hässlich, dass er keine sozialen Kontakte knüpfen kann und deshalb zum Monster wird.

Dieses Buch ist nicht nur eine Horrorgeschichte, sondern birgt auch viel Psychologie in sich. Wir erhalten Einblicke in die Gedankenwelt der Menschen, ihre Träume und Ambitionen.

Was mir am Science-Fiction-Teil besonders gefiel, war, dass es keine abwegigen Erklärungen zur Entstehung des Wesens gibt. Man sieht das so oft in Filmen: Da wird etwas absolut Unmögliches auf eine Weise dargestellt, von der man weiß, dass sie nicht funktionieren kann. Hier hingegen gibt es nichts, was man als Fehler bezeichnen könnte. Wir müssen uns einfach vorstellen, dass es so geschehen ist.

Und bevor ich es vergesse: Es ist großartig geschrieben. Nicht nur die Handlung, auch Stil und Technik sind wunderbar. Ein wunderschöner Klassiker.

Dies war unser internationaler Online-Lesekreis-Roman im Juni 2020.

Buchbeschreibung:

"Der Roman über den jungen Schweizer Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft, ist ein seltenes Glanzstück der romantischen Schauerliteratur: Das grandiose erzählerische Geschick, mit dem die englische Autorin ihr Thema zu einer bis heute ungebrochen populären Geschichte verarbeitete, lässt ihren 'Frankenstein'-Roman weit über die meisten vergleichbaren Romane seiner Epoche hinausragen.

Montag, 3. November 2025

Monferat, Benjamin "Welt in Flammen"

Monferat, Benjamin (Stephan Rother) "Welt in Flammen" [World in Flames] - 2014

Dies ist definitiv eines meiner Lieblingsbücher des Jahres. Und ich möchte unbedingt das ander Buch des Autoren üer den Orient Express lesen: "Der Turm der Welt".

Zuerst einmal zur Ausstattung. Das Titelbild ist vielversprechend, eine einzelne Frau läuft an einem Zug vorbei, der Dampf der Lokomotive verhüllt nicht nur sie, sondern auch einen Teil des Bahnhofs in ein geheimnisvolles Szenario.

Das Buch hat nicht nur eine Klappe vorne mit der Landkarte, die alle Städte angibt, durch die der Zug fährt (und fdamit ast ganz Europa, angefangen im Süden von Dänemark), es hat auch hinten eine mit den Wagen des Zuges und welcher der Charaktere in welchem Abteil untergebracht ist, wo die Speisewagen sind usw. Einfach ein Vergnügen, so ein Buch in die Hand zu nehmen und sich auf das Lesen zu freuen.

Zum Glück geht es dann so weiter. Im Mai 1940 fährt der letzte Orient-Express zum letzten Mal. In dieser fiktiven Geschichte geht es um einiges, ein König aus einem Balkanstaat fährt mit um sein Land zurückzuerobern, einige andere interessante Personen, die im Kriegsgeschehen mitmischen wollen und - der wichtigste Passagier: ein Zug, hinter dem Hitler besonders her ist, dern Wagen von Compiègne (Wagon de L’armistice). Minutiös wird die Fahrt beschrieben, wir lernen alle Personen und ihre Vorgeschichte kennen. Und es findet so manche Überraschung statt. Die ganze Story ist einfach spannend.

Selbstverständlich sind all diese Personen erfunden, und es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Mischung an Bord war. Aber man mag es sich gerne so vorstellen. Man vergibt ja immer bis zu 5 Punkten für ein Buch, dieses hat mindestens 6 verdient.

Buchbeschreibung:

"Mai 1940: Deutsche Panzer rollen westwärts. Während in Paris die Angst um sich greift, bricht der Simplon Orient Express ein letztes Mal nach Istanbul auf. An Bord des Zuges eine schicksalhafte Reisegesellschaft. Jeder der Fahrgäste mit einem ganz eigenen Grund, diese letzte Fahrt unter allen Umständen anzutreten: Ein Balkanfürst will die Herrschaft über sein Land zurückfordern. Seine jüdische Geliebte fürchtet um ihre Liebe – und um ihr Leben. Ein deutscher Spion setzt alles daran, sie zu beschützen. Ein russischer Großfürst ist auf der Flucht, die Sowjetmacht ihm längst auf den Fersen. Eine Stummfilmdiva fürchtet das Vergessenwerden mehr als den Krieg. Ebenfalls an Bord – Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt. Die Fahrt steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jeder Grenzübertritt kann das Ende bedeuten. Jeder der Passagiere fürchtet den nächsten Tag. Schließlich bricht Feuer aus. Und während Europa in Dunkelheit versinkt, rast der Express als lodernde Fackel durch die Nacht ..."

Im Nachwort schreibt der Autor übrigens, dass das Wort "Geschichte" in der deutschen Sprache ja mehrere Bedeutungen besitzt. Zum einen "die historische Überlieferung und ihre wissenschaftliche Erforschung", zum anderen "die rein fiktive Handlung eines Romans". Er betont auch, das dies kein historischer Roman ist, befürchtet aber, dass man ihn als solchen wahrnehmen wird. Das habe ich auch getan. Aber gerade bei solchen Büchern schlage ich viel nach, weil ich dann wissen möchte, was wirklich geschah.

Samstag, 18. Oktober 2025

James, Henry "Daisy Miller"

James, Henry "Daisy Miller" (Englisch: Daisy Miller) - 1879

Der Autor beschreibt das Leben einer Amerikanerin im Europa des 19. Jahrhunderts. Wie das Leben in den USA mit dem in Europa kollidiert, wo man noch altmodische Umgangsformen beachten muss, während die Amerikaner damals viel unabhängiger waren.

Mein einziger Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass sie zu kurz ist. Man hat gerade erst mit dem Lesen begonnen, und schon ist es vorbei. Nicht wirklich toll für mich. Und ich würde es nicht als Komödie bezeichnen. Ich habe kein einziges Mal gelacht, was ich von einer Komödie normalerweise erwarte.

Trotzdem gibt es in diesem Buch vieles, das einer näheren Betrachtung bedarf. Haben wir uns wirklich so sehr verändert, dass wir nicht mehr an Konventionen glauben, wie wir uns ständig einreden? Sind wir wirklich so viel "moderner" als die Menschen vor 200 Jahren? Manchmal, nein oft, habe ich da meine Zweifel.

Es ist ein gutes Buch über die Gesellschaft und ihre Vorurteile. Lesenswert. Sicherlich nicht mein letztes Buch von Henry James.

Buchbeschreibung:

"Der junge Amerikaner Winterbourne, der im Schweizer Kurort Vevey eigentlich nur seine Tante besuchen will, lernt dort eine bezaubernde, blutjunge Lady kennen, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Obwohl sie nach Meinung seiner Tante unter seinem Stand ist, kann er nicht anders, als diesem faszinierenden Wesen näher zu kommen. Nach einem gemeinsamen Ausflug ins nahegelegene Schloss Chillon, der von den Verwandten misstrauisch beäugt wird, muss Winterbourne sich verabschieden, um in Genf 'gewissen Geschäften' nachzugehen. Doch als er im darauf folgenden Winter erfährt, dass sich Daisy Miller mit ihrer Familie in Rom aufhält, reist er dorthin, um die exquisite Schönheit wiederzusehen ..."

Dienstag, 23. September 2025

Weidermann, Volker "Mann vom Meer"

Weidermann, Volker "Mann vom Meer. Thomas Mann und die Liebe seines Lebens" [Man from the Sea. Thomas Mann and the Love of His Life] - 2023

2025 ist nicht nur das Jane Austen Jahr, da sie 250 Jahre alt geworden wöre. Auch Thomas Mann feiert seinen Geburtstag, er wurde 1875 geboren, wäre also dieses Jahr 150. Ich sollte mir wohl noch ein Buch von ihm vornehmen. Aber zuerst bin ich mal auf diese Biographie von ihm gestoßen. Geschrieben von Volker Weidermann, von dem ich schon "Ostende - 1936" gelesen habe, eine Erzählung über das letzte Treffen von Joseph Roth und Stephan Zweig.

In diesem Buch geht es nicht nur um Thomas Mann selbst, auch von seiner in Brasilien Mutter Julia da Silva-Bruhns, seiner Frau, seinen Kindern, besonders seiner Lieblingstochter Elisabeth und seinen Liebhabern. Und natürlich von der großen Liebe seines Lebens, dem Meer.

Man erkennt viel aus seinem Leben, dass er besonders in seinem großen Werk (und meinem Lieblingsbuch von ihm) "Buddenbrooks" selbst auch verewigt hatte.

Also, ein schönes Buch für Thomas Mann-Fans und alle, die es werden wollen.

Buchbeschreibung:

"Das Meer war für Thomas Mann sein Leben lang der Ort der Sehnsucht und des verheißungsvollen Sogs in die Tiefe. Deutsche Romantik und Todessehnsucht – und Ort der Befreiung von den Konventionen, den politischen, literarischen, erotischen Zwängen des bürgerlichen Lebens. Ort der Freiheit und des wahren Ich.

Vielleicht fängt alles dort an, wo seine Mutter das Glück der Kindheit erlebt: im brasilianischen Urwald, in einem großen, hellen Haus am Meer. Mit sieben kommt sie nach Travemünde, in die deutsche dunkle Kälte, mit einer Sehnsucht, die bleibt. Ihr Sohn Thomas wächst an der Ostsee auf, in Lübeck, aber sobald er kann, geht er in den Süden, reist nach Italien, ans Mittelmeer, verliebt sich in junge Männer, folgt aber den Konventionen der Zeit und heiratet Katia. Jahre später: Der Gang ins Exil. In Kalifornien, am Pazifik, wird er noch einmal ein anderer: Er kämpft gegen Hitler, für die Demokratie, für die Freiheit und nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach seinem Tod lebt seine Lieblingstochter Elisabeth sein Vermächtnis als weltweit gefeierte Meeresforscherin in ihrer utopischen ozeanischen Politik fort.

Volker Weidermann schreibt mit Leichtigkeit und Humor, mit Wärme und großer Klarheit über den Nobelpreisträger, über seine Sehnsucht und seine Lieben. Sein Buch ist die Geschichte eines deutschen Jahrhunderts, es ist die Biografie eines großen Schriftstellers und seiner Familie, vor allem aber ist es ein Roman über das Dunkle, Glänzende, Bedrohliche, Verlockende, Befreiende – über Thomas Mann und das Meer."

Dienstag, 12. November 2024

Tremain, Rose "Und damit fing es an"

Tremain, Rose "Und damit fing es an" (Englisch: The Gustav Sonata) - 2016

Dies ist mein zweites Buch dieser Autorin. Ich habe zuvor "Music and Silence" (Melodie der Stille) gelesen, das in Dänemark im 17. Jahrhundert stattfindet. Dieses hier handelt von der Schweiz im 20. Jahrhundert. Nun, insbesondere von einem Jungen. Er wird kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und wir sehen ihn ohne seinen Vater aufwachsen, der kurz nach der Geburt Gustavs stirbt, mit einer Mutter, die verbittert ist, ohne dass ihr Sohn weiß, warum. Er findet es nach vielen Jahren heraus.

Dies ist eine schöne Geschichte über Freundschaft, die alles übersteht – Liebe, Verrat, Leben und Tod. Kurz und leicht zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Und damit fing es an ist ein zarter, bewegender Roman, der davon erzählt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht.

Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Schon in den 40er-Jahren, als Kind in ärmlichen Verhältnissen, hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Seine Mutter Emilie sieht das nicht gerne, aber für Gustav ist Anton alles, was er braucht, um glücklich zu sein. Doch das Leben treibt sie auseinander und es wird lange Jahre dauern, bis beide sich wiedersehen – und erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag."

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Chevalier, Tracy "Das dunkelste Blau"

Chevalier, Tracy "Das dunkelste Blau" (Englisch: The Virgin Blue) - 1997

Ich mochte "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (Girl with a Pearl Earring), aber dieses hier ist sogar noch besser, ich habe es geliebt. Wer gerne über Menschen aus früheren Zeiten liest, insbesondere darüber, wie Frauen früher gelebt haben, für den dieses Buch genau das Richtige ist. Ich musste beim Lesen von "Das verlorene Labyrinth" (Labyrinth) an dieses Buch denken, weil beide Romane (na ja, zumindest teilweise) in Frankreich spielen und beide Romane in unterschiedlichen Jahrhunderten spielen.

Eine Amerikanerin zieht mit ihrem Mann nach Frankreich und beginnt, seltsame Träume über die Farbe Blau zu haben. Nun, Blau ist eine meiner Lieblingsfarben (die andere wäre Grün). Gleichzeitig erfahren wir etwas über eine Frau aus dem 16. Jahrhundert. Ihre beiden Leben haben Ähnlichkeiten … Lest es, es ist fesselnd.

Buchbeschreibung:

"Die Amerikanerin Ella ist einem Rätsel aus der Vergangenheit auf der Spur. Seit sie sich mit ihrem Mann in der französischen Provinz niedergelassen hat, träumt sie jede Nacht sehr intensiv und beängstigend - doch alles, woran sie sich erinnert, ist der Klang von Stimmen, die etwas in einer unbekannten Sprache rezitieren. Begleitet wird der fremdländisch anmutende Gesang von einer seltsamen Farbwahrnehmung: 'Das dunkelste Blau', das man sich vorstellen kann. Ella beginnt, sich mit der Geschichte ihrer calvinistischen Vorfahren zu beschäftigen, die aus dieser Gegend stammen. Unterstützt von dem Bibliothekar der Kleinstadt, einer höchst undurchsichtigen Gestalt, durchstöbert sie alte Archive und Kirchenregister. Am meisten interessiert sie ein junges Mädchen aus dem 16. Jahrhundert: Isabelle de Moulin, wegen ihrer roten Haare 'La Rousse' genannt. War sie eine Hexe? Was hat sie mit dem Schicksal von Ellas Familie zu tun? Und bekommt nicht Ellas Haar allmählich einen rötlichen Schimmer - oder ist das eine Sinnestäuschung?"

Freitag, 6. September 2024

Frisch, Max "Biedermann und die Brandstifter"

Frisch, Max "Biedermann und die Brandstifter" - The Arsonists (aka "The Firebugs" or "The Fire Raisers: A Morality Without A Moral, With An Afterpiece") - 1958

Eines der Bücher, das fast jeder deutsche Schüler in der Oberstufe lesen muss. Und ich fände es toll, wenn auch andere Schüler das lesen würden. Und Erwachsene. Denn Max Frisch ist ein großartiger Autor, der uns viel beibringt.

Max Frisch ist ein satirischer, düsterer Autor. Das zeigt er in diesem Stück sehr gut. Gottlieb Biedermann ist ein reicher Mann, der sich darüber aufregt, dass Brandstifter in der Stadt sind, die anfangen, in den Häusern der Leute zu leben, während sie vorhaben, sie niederzubrennen. Obwohl er das weiß, nimmt er zwei angebliche Verkäufer auf, die sich genau so verhalten, als ob sie sein Haus niederbrennen wollten. Wir können Biedermanns Untergang langsam aber sicher verfolgen. Die Charaktere entwickeln sich und das können wir auch ganz deutlich sehen.

Wir Deutschen kennen den Namen Biedermann, der vom deutschen Wort "bieder"  kommt, das eine eher satirische/negative Bedeutung von konservativ, konventionell, aufrecht hat. Die richtige Beschreibung für unseren Protagonisten.

Die Moral dieser Geschichte: Wenn du den Leuten die Wahrheit sagst, lassen sie dich alles tun, sogar dein Haus niederbrennen.

Buchbeschreibung:

"Das Stück ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Biedermann, der die Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen verschont zu werden. Es entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. Biedermann und die Brandstifter - eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.

Das '
Lehrstück ohne Lehre' wurde am 29. März 1958 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung mit der Uraufführung des Nachspiels war am 28. September 1958 an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. Biedermann und die Brandstifter gehört seit Jahren nicht nur zum Theaterrepertoire, sondern auch zum Lekturekanon im Deutschunterricht."

Max Frisch hat 1976 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich habe auch "Homo Faber" (Homo Faber) vom gleichen Autoren gelesen.

Donnerstag, 1. August 2024

Dickens, Charles "David Copperfield"

 Dickens, Charles "David Copperfield" (Englisch: David Copperfield) - 1850

Vollständiger Titel: Die persönliche Geschichte, Abenteuer, Erfahrungen und Beobachtungen von David Copperfield dem Jüngeren von Blunderstone Rookery (die er auf keinen Fall veröffentlichen wollte)

Jedes Mal, wenn ich ein neues Buch von Charles Dickens lese, habe ich den Eindruck, dass dies definitiv mein Lieblingsbuch ist. Aber ich glaube, ich habe jetzt das beste Buch aller Zeiten gefunden. Es soll das Leben von Charles Dickens von all seinen Büchern am besten widerspiegeln.

Irgendwo habe ich gelesen: "In meinem tiefsten Herzen habe ich ein Lieblingskind, und sein Name ist David Copperfield." Dem kann ich nur zustimmen.

Ich liebte alle netten Charaktere und hasste alle bösen, so wie es sein sollte, aber dies war wirklich eine Geschichte, in die man eintauchen konnte. Die Sprache ist so schön wie der Fluss der Geschichte, die Details so großartig wie die englische Landschaft. Wir können unserem Helden von seiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter folgen und jeden kennenlernen, der in seinem Leben wichtig ist. Obwohl das Buch über 150 Jahre alt ist, können wir immer noch seine Schritte zurückverfolgen, mit dem Protagonisten und seinen Gefährten mitfühlen. Das ist es, was einen echten Klassiker ausmacht.

Wie immer sind seine Namen immer urkomisch. Aber keiner übertrifft Uriah Heep!

Der Nachteil beim Lesen eines so dicken Buches mit 1.000 Seiten ist natürlich immer, dass man sich fühlt, als hätte man einen Freund verloren, wenn man es zu Ende gelesen hat.

Ich muss mir unbedingt bald mein nächstes Buch von Dickens besorgen!

Auch wer nicht so auf Klassiker oder dicke Bücher steht: Wer jemals erwogen hat, einen Roman von Dickens zu lesen, sollte dieses nehmen.

Buchbeschreibung:

"Kein Autor hat sich so sehr in die Perspektive eines Kindes versetzen können wie Dickens. Ich mag etwa neun gewesen sein, als ich zum erstenmal David Copperfield las. Die Atmosphäre der Anfangskapitel leuchtete mir so unmittelbar ein, dass es mir vorkam, als wären sie von einem Kind geschrieben. Und doch, wenn man das Buch als Erwachsener wiederliest und Charaktere wie etwa die Murdstones von gigantischen Figuren zu halb-komischen Monstern schrumpfen sieht, so haben diese Stellen nichts eingebüßt. Dickens konnte die kindliche Psyche von innen wie von außen darstellen, so dass dieselbe Szene wilde Burleske oder düstere Realität sein kann, je nach dem Alter, indem man sie liest. George Orwell."

Freitag, 19. Juli 2024

Spyri, Johanna "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und "Heidi kann brauchen, was es gelernt hat"

Spyri, Johanna "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und "Heidi kann brauchen, was es gelernt hat" - Heidi - 1880-1881

Ich glaube, jeder erinnert sich an sein erstes Buch. In meinem Fall war es "Heidi". Wir hatten damals nicht so viele Bücher, ich musste mit sieben eine Woche im Krankenhaus verbringen, mir wurde der Blinddarm entfernt. An die anderen Geschenke, die ich bekam, erinnere ich mich nicht, aber an "Heidi" erinnere ich mich deutlich. Das allererste Buch, das ich besaß. Ich habe das Exemplar noch heute und es sieht ziemlich gelesen aus.

Heidi war alles, was ich nicht war. Sie lebte in den Bergen, ich lebte in Norddeutschland, wo die höchste Erhebung wahrscheinlich nur knapp über 100 Meter betrug. Sie liebte die Natur, ich saß gerne drinnen und las meine Bücher. Sie war Waise, ich hatte meine Eltern und drei Brüder und Hunderte von Cousins ​​(na ja, "nur" fünfzig, aber wir wollen mal nicht so pingelig sein).

Trotzdem liebte ich Heidi, vielleicht weil sie so anders war als ich. Wir alle brauchen unsere fiktiven Helden, Heidi war meiner. Wenn ich eine Tochter gehabt hätte, hätte ich meine Liebe zu diesem Buch vielleicht auf sie übertragen können, aber meine beiden Jungs waren nicht so begeistert. (Ich schätze, diese komische japanische Zeichentrickserie hat auch nicht geholfen.)

Ich habe meine Freunde kürzlich gefragt, welches ihr liebstes Kinderbuch sei, und "Heidi" war die beliebteste Antwort.

Gebt das Buch auf jeden Fall euren Kindern, es ist für sie wie eine Zeitreise in ein Land, das vor langer, langer Zeit existierte.

Buchbeschreibung:

"Wer kennt sie nicht, den Alm-Öhi, den Geißen-Peter, Tante Dete und die arme Klara in Frankfurt - Heidi bezaubert sie alle. Ihre Geschichte ist so alt wie aktuell, eine klassisch gewordene Parabel über den Sieg von Menschlichkeit und Herzenskraft in einer herzlos gewordenen Gesellschaft. Die Erstausgabe des Kinderbuchklassikers erschien 1880, als die Schattenseiten des technischen Fortschritts deutlich zu werden begannen. Nicht umsonst triumphiert die Liebe zur Natur über die Segnungen der modernen Zivilisation."

Mittwoch, 12. Juni 2024

Frisch, Max "Homo Faber"

Frisch, Max "Homo Faber" - Homo Faber - 1957

Ich habe keine Ahnung, warum ich dieses Werk nie gelesen habe. Vielleicht, weil die meisten Schüler in Deutschland jede Art klassischer Literatur hassten, wobei klassisch bedeutet, dass sie etwa zehn Jahre vor unserer Schulzeit geschrieben wurde.

So viele Themen sind in diesem Buch. Max Faber ist Schweizer und arbeitet weltweit als Ingenieur. Seine Kollegen nennen ihn Homo Faber, was so viel heißt wie "der Mann, der Dinge herstellt", eine direkte Übersetzung aus dem Lateinischen.

Man merkt, dass er ein logischer Denker ist, aber seine Welt ist alles andere als logisch. Seine Gedanken wandern vom Zweiten Weltkrieg zur Liebe seiner Jugend oder vielleicht sogar zur Liebe seines Lebens. Seine Reise nach Mexiko endet in einer Vielzahl von Zufällen, die wir, wenn sie uns im wirklichen Leben passieren würden, niemals glauben würden. Max auch nicht. Und das macht ihn blind und lässt ihn das Offensichtliche ignorieren.

Wie auch immer, dieses Buch ist ein philosophisches, ein Denkerbuch. Wir reisen mit Walter durch Zeit und Raum, begleiten ihn aber auch auf seinem Weg zur Weisheit, in den "der, der sehen kann"-Teil seines Lebens.

Eine interessante Geschichte, eine gute Lektüre, ein toller Schreibstil.

Buchbeschreibung:

"Max Frischs Homo faber ist eines der wichtigsten und meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts: Der Ingenieur Walter Faber glaubt an sein rationales Weltbild, das aber durch eine 'Liebesgeschichte' nachhaltig zerbricht. Kein anderer zeitgenössischer Roman stellt derart ehrlich wie hintergründig die Frage nach der Identität des modernen Menschen."

Max Frisch hat 1976 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich habe ebenfalls "Biedermann und die Brandstifter" (The Arsonists) vom gleichen Autor gelesen.

Montag, 18. März 2024

Harris, Robert "Vaterland"

Harris, Robert "Vaterland" (Englisch: Fatherland) - 1992

Was für ein schrecklicher Gedanke. Hitler bzw. die Nazis hätten den Krieg gewonnen. Ich sage immer: Die Deutschen haben den Krieg nicht verloren, das waren die Nazis. Die Deutschen haben den Krieg faktisch gewonnen. In diesem Buch (und in mehreren anderen, wie meinem Lieblingsbuch "The Children's War" [Der Krieg der Kinder]) können wir alle verstehen, warum.

Die Geschichte selbst konzentriert sich auf einen bestimmten Fall. Ein Polizist, der kein Nazi-Fan ist, für seinen Job aber dennoch seine Uniform tragen muss, versucht, dem Geheimnis eines Mordes auf die Spur zu kommen. Und damit könnte er die ganze Welt verändern.

Wir brauchen überall solche Menschen, Menschen, die nicht einfach blind irgendwelchen Diktatoren folgen, auch wenn es für sie ein Vorteil ist.

Ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dieses Buch noch einmal zu lesen. Gerade jetzt, wo die Rechte in vielen, vielen Ländern auf dem Vormarsch ist. Zu viele, wenn man mich fragt. Wie können Menschen vergessen, was es war? Auch wer den Krieg nicht miterlebt hat, und seien wir ehrlich, die meisten von uns haben ihn nicht erlebt. Meine Eltern wären neunzig geworden, wenn sie noch gelebt hätten. Und als die Nazis gewählt wurden, waren fünf Jahre alt, also muss jeder, der für das Regime verantwortlich ist, mindestens hundert sein. Nicht viele von ihnen leben mehr. Aber wir müssen uns daran erinnern, was unsere Eltern oder Großeltern uns erzählt haben, und sehen, wohin wir gehen, wenn wir diese Idioten wählen, die uns sagen, die Ausländer seien unsere Feinde. Nein, diejenigen, die unsere hart erkämpfte Demokratie abschaffen wollen, sind es.

Wir sollten alle froh sein, dass der Krieg so endete, wie er endete. Dieses Buch zeigt uns, was hätte sein können, wenn es anders gewesen wäre.

Buchbeschreibung:

"Hitler hat den Krieg gewonnen. Großdeutschland, das vom Rhein bis zum Ural reicht, dominiert Europa. Ständige Partisanenkämpfe und der Kalte Krieg mit den USA zermürben das Reich. In Berlin geschieht ein brutaler Mord an einem Parteibonzen - und Kripo-Sturmbannführer March gerät im Zuge seiner Ermittlungen gefährlich nah an die Wahrheit."

Montag, 11. März 2024

Brontë, Charlotte "Der Professor"

Brontë, Charlotte "Der Professor" (Englisch: The Professor) - 1857

Dieser Roman stand schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste. Es wurde mir von einer anderen Bloggerin empfohlen, die wie ich ebenfalls in Brüssel gelebt hat, und von ihr habe ich erfahren, dass es dort mittlerweile eine Brontë-Gesellschaft gibt. Leider wusste ich nichts darüber, als ich dort lebte, aber vielleicht haben sie auch erst nach meiner Zeit damit begonnen.

Wie auch immer, wer noch nichts von Charlotte Brontë gelesen hat, sollte auf jeden Fall von Jane Eyre gehört haben, ihrem beliebtesten Buch, wahrscheinlich dem beliebtesten aller Bücher der Brontë-Schwestern.

Ich habe noch kein Buch von ihnen gefunden, das mir überhaupt nicht gefällt, sie sind alle faszinierend und fesselnd. Genau wie dieses. Ich muss zugeben, dass es mir vielleicht sogar noch besser gefällt, weil es in Brüssel spielt, aber es wäre genauso interessant gewesen, wenn der Protagonist woanders gelebt hätte.

Was dieses Buch so interessant macht wie ihre anderen, ist, dass man das Gefühl hat, mitten in der Geschichte zu sein, obwohl sie vor fast zwei Jahrhunderten spielt. Es ist so lebendig. Man spürt die Probleme der Protagonisten, man versteht, wie schwierig es früher für Frauen war und wie viel sich verändert hat und wie viel nicht.

Leider starben die Brontës, genau wie Jane Austen, alle viel zu früh.

Buchbeschreibung:

"Nach dem Tod der Eltern geht der junge William Crimsworth nach Brüssel und tritt dort eine Stelle als Lehrer an der von Mademoiselle Reuter geführten Mädchenschule an. Obwohl sie älter ist als er, verfällt er in Schwärmereien und malt sich eine gemeinsame Zukunft mit ihr aus. Bis er ein Gespräch überhört, das ihre Verlobung mit einem anderen Mann offenbart. Ernüchtert wendet William sich von ihr ab. Doch als er sich einige Zeit später in die junge Lehrerin Frances Henri verliebt, schürt dies den Unmut von Mlle Reuter, die gekränkt versucht, einen Keil zwischen das junge Glück zu treiben …"

Mittwoch, 17. Januar 2024

Wells, Benedict "Vom Ende der Einsamkeit"

Wells, Benedict "Vom Ende der Einsamkeit" - The End of Loneliness - 2016

Ein leises Buch über eine Familie, die plötzlich keine mehr ist. Wie werden Kinder mit dem Tod ihrer Eltern fertig, wie kommen sie zurecht?

In dieser Geschichte können wir erleben, wie es weitergeht. Oder auch nicht. Wie so einem Kind dieser Verlust sein ganzes Leben lang begleitet, wie er das Leben prägt.

Die Kinder wachsen nach dem Tod der Eltern in einem Internat auf, das auch sehr eindrucksvoll geschildert wird. Hier hat der Autor wohl auf seine eigenen Erfahrungen zurückgegriffen, denn auch er war schon mit sechs Jahren im Internat.

Dies ist ein sagenhaftes Buch, dass alle Facetten erfasst, das von einem (bzw. mehreren) ganzen Leben erzählt. Wunderbar geschrieben, eine faszinierende Familiengeschichte, die so umfangreicht ist, obwohl sie nur knapp über 350 Seiten lang ist. Hervorragend.

Ich denke, ich werde noch mehr von diesem jungen Autoren lesen.

Buchbeschreibung:

"Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Jahre später glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch als sie erwachsen sind, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte."

"Vom Ende der Einsamkeit" wurde 2016 von den Deutschen Unabhängigen Buchhandlungen zum "Lieblingsbuch der Unabhängigen" gewählt und erhielt den Literaturpreis der Europäischen Union.

Dienstag, 28. März 2023

Specht, Heike "Die ersten ihrer Art"

Specht, Heike "Die ersten ihrer Art. Frauen verändern die Welt" [The first of their kind, Women are changing the world] - 2022

Ich habe ja vor kurzem das Buch von Hillary & Chelsea Clinton "The Book of Gutsy Women" gelesen. Daraus habe ich u.a. auch das Zitat von Sor Juana Inés de la Cruz entnommen: "Ich studiere nicht, um mehr zu wissen, sondern um weniger zu ignorieren". Aber auch sonst war das Buch fantastisch und ich habe bedauert, dass es nicht auf Deutsch erschienen ist, denn die beschriebenen Frauen sollten eine Inspiration für uns alle sein.

Dann sah ich, dass unsere örtliche Buchhandlung eine Lesung von Heike Specht anbietet, die das Buch "Die ersten ihrer Art" mit dem Untertitel "Frauen verändern die Welt" herausgegeben hat. Wir erfahren, wie diese Frauen für ihren Platz in der Gesellschaft haben kämpfen müssen, für sich und für alle, die nach ihnen kamen, also auch und vor allem für uns. Noch längst ist Gleichberechtigung nur eine Utopie, noch längst haben Frauen nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie Männer. Aber hoffen wir mal, dass wir es mit Frauen dieser Art irgendwann einmal schaffen.

Dies sind wohl die wichtigsten oder bekanntesten Frauen, die sie beschreibt:
Marie-Elisabeth Lüders, Louise Schroeder, Elisabeth Selbert, Erna Scheffler, Ruth Bader Ginsburg, Jutta Limbach, Susanne Baer, Annemarie Renger, Marta Schanzenbach, Käte Strobel, Golda Meir, Simone Veil, Ulrike Meinhof, Ruth Dreifuss, Renate Lepsius, Lilian Uchtenhagen, Renate Schmidt, Petra Kelly, Claudia Roth, Elisabeth Schwarzhaupt, Rita Süssmuth, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Hildegard Hamm-Brücher, Margot Käßmann, Micheline Calmy-Rey, Christine Haderthauer, Andrea Nahles, Margaret Thatcher, Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Annalena Baerbock, Hillary Clinton, Jacinda Ardern, Sawsan Chebli, Aminata Touré

Hinzu kommen unter anderem:
Herta Däubler-Gmelin, Marlene Dietrich, Jutta Dithfurth, Marion Gräfin Dönhoff, Nora Ephron, Indira Gandhi, Kamala Harris, Elly Heuss-Knapp, Mely Kiyak, Heilwig von der Mehden, Golda Meir, Frieda Nadig, Nicole, Dolly Parton, Suzi Quatro, Kristina Schröder, Alice Schwarzer, Heide Simonis, Helene Weber, Helene Wessel, Clara Zetkin

Es könnten noch mehr genannt werden. Ich hätte sicher noch erwähnt:
Rosa Parks, Bertha von Suttner, Greta Thunberg, Malala Yousafsai

Und wir brauchen noch mehr dieser Bücher, damit die meisten Frauen aufwachen. Als ich vor ein paar Jahren mit jüngeren Lesekreismitgliedern "Das Goldene Notizbuch" (The Golden Notebook) von Doris Lessing gelesen haben, habe ich mit Schrecken feststellen müssen, dass viele jüngere Frauen überhaupt keine Vorstellung davon haben, wie es noch vor dreißig Jahren ausgesehen hat und wie es auch wieder aussehen könnte, wenn wir nicht dafür kämpfen, dass Frauen endlich als gleichwertige Menschen anerkannt werden.

Der Vortrag war dann auch hervorragend. Herein kam eine junge Frau, frisch und sympathisch. Sie las nicht nur ein paar gute Beispiele aus ihrem Buch vor, sie erzählte auch einiges dazu und munterte den zahlreich erschienenen Damen (und ein paar Herren) dazu auf, Fragen zu stellen oder selbst Anmerkungen zu machen. Es war ein sehr guter Abend. Ich hoffe, dass noch viele Menschen, vor allem Frauen, die Gelegenheit haben werden, dieser Autorin zu folgen, als Leser oder Zuhörer.

Auf jeden Fall habe ich mir auch gleich eines ihrer anderen Bücher zugelegt: "Ihre Seite der Geschichte: Deutschland und seine First Ladies von 1949 bis heute" (Goodreads). Und die Autorin hat beide Bücher signiert. Sie war auch bei dieser Gelegenheit äußerst freundlich und zuvorkommend.

Buchbeschreibung:

"Ohne Frauen fehlt die Hälfte

Simone Veil, Margaret Thatcher, Angela Merkel, Kamala Harris: Sie alle eroberten ihren Platz in einer Männerwelt und veränderten sie Stück für Stück. Das Buch führt uns zu diesen und vielen anderen
Ersten ihrer Art. Es zeigt nicht nur, was fehlt, wenn Frauen nicht mit am Tisch sitzen, sondern auch wie sie in den letzten hundert Jahren gegen Widerstände an die Spitze gelangten und neue Themen setzten.

Die Autorin hat viele Erste interviewt und akribisch recherchiert. Sie belegt, dass die Kämpfe noch nicht ausgefochten sind: Die Hälfte der Menschheit hat noch längst nicht die Hälfte der Macht.


'In Die Ersten ihrer Art reist die Autorin durch die Politikgeschichte und veranschaulicht durch akribische Recherche, was Simone Veil, Margaret Thatcher, Claudia Roth, Kamala Harris und Aminata Touré für Gleichberechtigung und unsere Gesellschaft geleistet haben.' (Subway-Magazin)"

Dienstag, 10. Januar 2023

Illies, Florian "1913: Der Sommer des Jahrhunderts"

Illies, Florian "1913: Der Sommer des Jahrhunderts" - 2012 - 1913: The Year before the Storm

Wie kam es zum ersten Weltkrieg? Diese Frage wird häufig gestellt und evenso häufig versucht, zu beantworten. Aber das ist nicht der Zweck dieses Buches. Der Autor bringt hier ein Zeitzeugnis. Wie war das Leven in dem Jahr davor? Als man noch friedvoll und an nichts Böses denkend vor sich hinlebte. Wir hören von Schriftstellern wie Thomas Mann, Franz Kafka, James Joyce, Marcel Proust und anderen, Malern wie Ernst Macke, Ernst Ludwig Kirchner, Marcel Duchamp, Musikern wie Igor Strawinsky, den Psychologen Sigmund Freud und C.G. Jung, dass Stalin und Hitler sich zur gleichen Zeit in Wien befanden (wären sie sich nur begegnet und hätten sich gegenseitig die Köpfe eingehauen!), wie es dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I und seinem Thronfolger Franz-Ferdinand erging.

Viele, viele Personen werden hier dargestellt, Monat für Monat verfolgen wir deren Leben und der Gesellschaft im allgemeinen und wissen, dass das Leben von allen im nächsten vollkommen anders sein wird, nie mehr so wie früher.

Ein gutes Geschichtsbuch.

Buchbeschreibung:

"Virtuos entfaltet Florian Illies das Panorama eines unvergleichlichen Jahres, in dem unsere Gegenwart beginnt. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Proust sucht nach der verlorenen Zeit, Malewitsch malt ein Quadrat, Benn liebt Lasker-Schüler, Strawinsky feiert das Frühlingsopfer, Kirchner gibt der Metropole ein Gesicht, Kafka, Joyce und Musil trinken am selben Tag in Triest einen Cappuccino - und in München verkauft ein österreichischer Postkartenmaler namens Adolf Hitler seine biederen Stadtansichten. 1913: Anfang und Ende, Triumph und Melancholie verschmelzen, alles wird Kunst. Nach diesem Sommer ist nichts mehr, wie es war. Wie kein anderer erweckt der elegante Stilist Florian Illies mit leisem Humor den Zauber eines Schlüsselmoments der Kulturgeschichte zum Leben."

Samstag, 10. Dezember 2022

Mercier, Pascal "Lea"

 

Mercier, Pascal "Lea" - Lea - 2007

Dies ist mein drittes Buch von Pascal Mercier. Er ist ein so hervorragender Schriftsteller, die beiden nächsten Werke ("Der Klavierstimmer" und "Das Gewicht der Worte") muss ich auch noch lesen, und dann muss er dringend mehr schreiben.

Pascal Merciers Schreibstil ist fast wie Poesie, auch wenn er sehr nah an seinem Thema bleibt. Man merkt ihm an, dass er in seinem "ersten Leben" ein Philosoph ist, er bringt viel Sachverstand in die Geschichte ein.

Hier hören wir von einem Vater, dessen Tochter Geige spielen lernt und ein großes Talent ist. Dieses Talent zerstört das Leben aller um sie herum, einschließlich ihres eigenen. Ihre Leidenschaft wird auf eine Weise beschrieben, die leicht nachzuvollziehen, aber schwer zu verstehen ist. Man will in ihr Gehirn eindringen, was denkt sie, was denken alle anderen.

Der Autor erschafft eine wunderbare Geschichte mit fantastischen Figuren. Der Geschichtenerzähler ist eine dritte Person, eine geniale Idee, um ein wenig Abstand zu den Hauptfiguren zu bekommen.

Eine perfekte Geschichte, eine perfekte Lektüre.


Buchbeschreibung:

"Die achtjährige Lea hat sich nach dem Tod der Mutter in eine eigene Welt zurückgezogen, zu der auch der Vater keinen Zutritt hat. Erst der Klang einer Geige holt sie ins Leben zurück. Lea erweist sich als außerordentliche musikalische Begabung, und schon bald liegen ihr Publikum und Musikwelt zu Füßen. Doch während Lea von Erfolg zu Erfolg eilt, treibt es ihren anfangs überglücklichen Vater Martijn van Vliet immer tiefer in die Einsamkeit. Bei dem verzweifelten Versuch, die Liebe und Nähe seiner Tochter zurückzugewinnen, verstrickt er sich in ein Verbrechen, das alles verändert …"

Außerdem habe ich gelesen::
Mercier, Pascal "Perlmanns Schweigen" (Perlmann's Silence) - 1995
Mercier, Pascal "Nachtzug nach Lissabon" (Night Train to Lisbon) - 2004

Samstag, 1. Oktober 2022

Schlink, Bernhard "Abschiedsfarben"

Schlink, Bernhard "Abschiedsfarben" [Colours of Good-bye] - 2020

Ein Lesekreisbuch, dass ich bestimmt nicht selbst gewählt hatte, ich mag ja eigentlich keine Kurzgeschichten. Aber es war eine schnelle Notlösung, die meisten wollten "Wilhelm Meisters Lehrjahre" für September 2022 nicht gerne weiterlesen, und so haben wir uns für diesen Band entschieden.

Die Geschichten waren wirklich gut. Aber, und das ist der Grund, warum ich Kurzgeschichten nicht so mag, sie hätten alle etwas länger sein dürfen, etwas tiefgehender. Aus jeder dieser Geschichten hätte man gut und gerne ein Buch machen können. Schade.

Das Schöne an einer Besprechung in einem Lesekreis ist allerdings, dass man auch tiefer gehen kann, dass man von anderen hört, was diese zu den Geschichten zu sagen haben und damit auch andere Perspektiven zu Gesicht bekommt. Bei einigen haben wir uns gefragt, ob eine Frau das wohl auch so geschrieben hätte und sind zu dem Schluss gekommen, dass das wohl nicht der Fall sein würde. Auch haben manche die Enden der Geschichten anders aufgefasst als andere. Sicher ist das auch bewusst so geschrieben.

Auf jeden Fall eine interessante Sammlung von Kurzgeschichten, die ich gerne weiterempfehlen kann.

Buchbeschreibung:

"Ein Mann verrät den Freund, den er nicht verlieren will. Einen anderen wirft eine Kränkung aus der Bahn und lässt ihn zerstören, was er liebt. Eine späte Begegnung mit der Jugendliebe - kann sich jetzt noch erfüllen, was damals versagt blieb? Eine Frau ringt damit, dem geschiedenen, todgeweihten Mann zu vergeben. Eine Nacht, in der an ein Tabu gerührt wird - kann es danach weitergehen, als sei nichts geschehen? Ein Junge verbringt mit seiner Mutter einen Sommer am Meer, entdeckt sie, wie er sie nicht kannte, und entdeckt sich selbst. Jemand hat selbstbestimmt Abschied vom Leben genommen - was macht das mit den Hinterbliebenen, wie werden sie damit fertig? Als seine Erinnerungen seine Gegenwart überwältigen, muss ein Mann seinen Frieden mit der Vergangenheit machen. Sie sind miteinander glücklich, er einundsiebzig, sie dreiunddreißig - was hat es mit seinem plötzlichen Gefühl auf sich, er dringe mit seiner Altersliebe in ihr junges Leben ein? Geschichten, die überraschen, verstören und beglücken.

Inhalt:
- Künstliche Intelligenz
- Picknick mit Anna
- Geschwistermusik
- Das Amulett
- Geliebte Tochter
- Der Sommer auf der Insel
- Daniel, my Brother
- Altersflecken
- Jahrestag
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