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Donnerstag, 20. August 2026

Michaels, Anne "Fluchtstücke"

Michaels, Anne "Fluchtstücke" (Englisch: Fugitive Pieces) - 1996

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Es entspricht absolut meinem Genre und wurde viel gelobt. Zwar würde ich es nicht als schwer zu lesende Lektüre bezeichnen, dennoch konnte ich keine wirkliche Nähe zu den Charakteren aufbauen. Es geschah offensichtlich eine ganze Menge, doch es schien weder echte Handlung noch einen roten Faden zu geben.

Vielmehr waren es flüchtige, fragmentierte Gedanken – lose Bruchstücke, die wahllos zusammengewürfelt wirkten. Als würde jemand versuchen, seine Gedanken zu ordnen, dabei jedoch wenig Erfolg haben. Wie schade! Dies hätte ein großartiges Buch werden können; die Geschichte ist äußerst vielversprechend.

Am meisten störte mich, dass man kaum erkennen kann, wer gerade spricht – es sei denn, man liest die Einleitung. Liest man jedoch die Einleitung, erhält man Spoiler, die einem die gesamte Geschichte verderben können. Ich lese so gut wie nie Einleitungen, bemerkte aber etwa auf der Hälfte des Buches, dass dies hier notwendig war, um überhaupt zu verstehen, worum es eigentlich ging.

Ich vermute, viele Leser schätzen das Buch wegen seines poetischen Schreibstils; dann sollte es jedoch nicht als Roman klassifiziert werden.

Definitiv nicht mein Buch.

Einige Zitate haben mir allerdings gut gefallen – insbesondere der Schlusssatz unter der Rubrik "Anne Michaels' Lieblingsbücher":

"Als ich jung war, empfand ich es als ein Geheimnis, dass das Wort 'read' (lesen/gelesen) eigentlich zwei Wörter sind – zugleich Vergangenheits- und Gegenwartsform. Diese Zeitreise ist eine der Möglichkeiten, wie wir unser Leben in unseren eigenen Händen halten."

sowie ein weiteres Zitat – ein hebräisches Sprichwort:
"Hältst du ein Buch in der Hand, so bist du ein Pilger vor den Toren einer neuen Stadt."

Buchbeschreibung:

"Der siebenjährige Jakob Beer, der einzige Überlebende einer jüdischen Familie, irrt - man schreibt das Jahr 1942 - allein durch die polnischen Wälder und versteckt sich in einer Ausgrabungsstätte. Dort findet ihn der griechische Archäologe Athos, der ihn rettet und nach Griechenland schmuggelt. Von ihm lernt Jakob alles: die Geologie, die Geschichte, die Dichtkunst und die Bedeutung der Liebe. Die Liebe ist für Jakob mehr als eine tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen, sie ist in einer unendlich grausamen Welt das einzige Überlebensprinzip."

Dienstag, 9. Juni 2026

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin"

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin" (Englisch: Kiss of the Fur Queen) - 1998

Nach ein paar Seiten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dieses Buch am liebsten wegwerfen zu wollen. Doch es war ein Buch für unseren internationalen online Lesekreis, und ich hoffte, es würde  besser werden. Das wurde es nicht.

Ich bin eigentlich kein großer Fan all dieser mystischen Geschichten, dachte aber, diese hier könnte interessant sein. War es nicht. Und das Schlimmste daran: Der Autor hatte einen furchtbaren Schreibstil; er sprang ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang von einem Abschnitt zum nächsten. Zudem bin ich keineswegs prüde, hätte aber gut auf die detaillierten Beschreibungen von sexuellem Missbrauch, Gewalt und homosexuellen Handlungen verzichten können.

Doch anscheinend war ich die Einzige, die so heftig auf das Buch reagierte. Hier sind einige Anmerkungen aus der Gruppe:

  • Kuss der Pelzkönigin gilt als halbautobiografischer Roman. In seinen Memoiren Permanent Astonishment aus dem Jahr 2021 schildert Tomson Highway die frühen Jahre seines Lebens gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rene Highway (1954–1990).
  • Kommentar: Das ergibt absolut Sinn. Ich hatte es zwar nicht nachgeschlagen, spürte aber bereits beim Lesen, dass hinter einem Großteil der Handlung eine wahre Geschichte steckt – und dass diese hervorragend recherchiert ist, wenn nicht sogar auf rein persönlichen Erlebnissen beruht.
  • Ich hatte gemischte Gefühle bezüglich Kuss der Pelzkönigin, bin aber insgesamt froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichte begleitet zwei Brüder vom Volk der Cree aus dem Norden Kanadas – von etwa den 1950er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre hinein. Anhand ihrer Lebenswege veranschaulicht das Buch die Auswirkungen des kanadischen Internatssystems sowie den immensen Druck, der auf den indigenen Völkern lastete, ihre Sprache, Kultur und Traditionen aufzugeben.
  • Am meisten interessierte mich der Einblick in die Kultur, Mythologie und die überlieferten Erzählungen der Cree. Ich lese sehr gerne über verschiedene Kulturen und Legenden; dies war ein Themengebiet, über das ich vor der Lektüre des Buches nur sehr wenig wusste. Die geheimnisvolle Gestalt der Pelzkönigin und die mythologischen Elemente verliehen der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig schätzte ich die tiefergehenden Themen des Romans: Identität, Glaube, Kultur und die Frage, wie Menschen mit Traumata umgehen. Die beiden Brüder sind hin- und hergerissen zwischen den Traditionen der Cree und dem Christentum – ein Konflikt, den der Roman meiner Meinung nach auf äußerst eindrucksvolle Weise beleuchtet.
  • Der Schreibstil ist oft von großer Schönheit, insbesondere in den Beschreibungen der Natur, der Traumwelten und der traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr düsteren Roman. Ein Großteil der Geschichte befasst sich mit Missbrauch, Gewalt, Verlust und den langanhaltenden Folgen von Traumata. Es gab Passagen, die ich nur schwer lesen konnte. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Elemente lediglich um des Schockeffekts willen eingefügt wurden. Sie stehen in Verbindung zu realen historischen Erfahrungen, was sie für die Geschichte unverzichtbar macht – selbst dort, wo sie unbequem sind.
  • Dies ist kein leichtes Buch, und ich kann gut nachvollziehen, warum es manchen Lesern aufgrund seiner schwierigen Thematik missfallen mag. An manchen Stellen empfand ich die Konzentration auf das Leid als erdrückend. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass der Roman eine wichtige Perspektive eröffnet, über die viele von uns außerhalb Kanadas womöglich nur wenig wissen. Für mich war es eine lohnende Lektüre, da sie Geschichte, Kultur, Mythologie und persönliche Schicksale auf unvergessliche Weise miteinander verknüpfte.

Nun, da haben wir es: Manche waren froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich war es nicht.

Buchbeschreibung:

"'Tomson Highway schreibt in Englisch, aber er träumt in Cree', schrieb ein Rezensent über den autobiografischen Erstlingsroman des bekannten kanadischen Dramatikers. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Brüder Oimasis. Herausgerissen aus einem naturnahen Lebne in indianischer Tradition, werden sie ine eine von rigidem Katholizismus, Alkohol, sexueller Gewalt und Rassismus geprägte fremde Welt geworfen. Die Suche nach einer neuen, beide Welten vereinenden Identität beginnt."

Freitag, 10. April 2026

Montgomery, L. M. "Anne auf Green Gables"


Montgomery, L. M. (Lucy Maud) "Anne auf Green Gables" (Englisch: Anne of Green Gables) - 1908

Könnt ihr glauben, dass ich Anne auf Green Gables noch nie gelesen hatte? Natürlich habe ich davon gehört. Aber als ich klein war, war das Buch in Deutschland nicht sehr bekannt, zumindest glaube ich das, und auch später bin ich nicht mehr darauf gestoßen. Ein paar kanadische Freunde haben mich oft gefragt, ob ich das Buch gelesen habe. Und ich musste immer "nein" sagen. Also dachte ich, es wäre an der Zeit, es zu lesen.

Ich glaube, ich muss nicht vielen Leuten von dem Buch erzählen. Ein Waisenmädchen wird von einem kinderlosen Paar aufgenommen und liebt sowohl ihre neuen Eltern als auch die Schule, die Nachbarn und alles, gerät aber trotzdem ständig in Schwierigkeiten. Der Roman ist sowohl humorvoll als auch ernst zugleich.

Ein gutes Buch für Kinder jeden Alters, aber ich bin sicher, dass es auch jedem Erwachsenen Spaß macht, es noch einmal zu lesen. Ich habe es auf jeden Fall genossen, es als Erwachsene zum ersten Mal zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Wie sollen die Cuthberts nur mit der springlebendigen Anne zurechtkommen, die für allerhand Trubel und aufregung in ihrem bisher so beschaulichen Leben sorgt?

Die liebeswerte Geschichte einer 13jährigen Waisen, die von einem älteren Paar adoptiert wird und Kindheit und Jugend auf der Farm Green Gables verbringt."

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Smucker, Barbara "Folge dem Nordstern"

Smucker, Barbara "Folge dem Nordstern" (Englisch: Underground to Canada) - 1977

Barbara Smucker ist eine bekannte kanadische Autorin. Warum ist ihr Buch gerade für europäische Kinder interessant? Der Roman erzählt die Geschichte zweier Sklavinnen, die von einer Plantage nahe Vicksburg, Mississippi, fliehen und sich mit der Underground Railroad nach Kanada schleichen. Die Beschreibung ist für Kinder jeden Alters sehr verständlich, insbesondere für Geschichtsinteressierte.

Buchbeschreibung:

"Barbara Smucker erzählt die erschütternde Geschichte von Julilly, einem jungen Mädchen, das von einem gnadenlosen Sklavenhändler von ihrer Mutter getrennt wird. Fest entschlossen, in die Freiheit zu gelangen, erträgt Julilly die Qualen des Lebens auf einer brutalen Plantage, während ihr Herz nach einem Land sehnt, in dem Freiheit existiert. Zusammen mit ihrer Freundin Liza ergreift sie die Chance zur Flucht, als sie von Agenten der Underground Railroad angesprochen werden. Auf ihrem gefährlichen Weg in die Freiheit droht ständig Gefahr durch die unerbittliche Verfolgung von Sklavenjägern und ihren Hunden, was die Mädchen zwingt, um ihr Leben und ihre Träume zu kämpfen."

Freitag, 17. Oktober 2025

Köhlmeier, Michael "Abendland"

Köhlmeier, Michael "Abendland" [Occident] - 2007

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich dieses Buch gefunden habe. Auf jeden Fall war es eine schlechte Idee, das Lesen so lange aufzuschieben. Was kann ich sagen? Mein SUB ist einfach zu groß.

Dieses Buch ist einfach sagenhaft. Ein Mann, geboren im Jahr 1900. Er war fast so alt wie mein Großvater mütterlicherseits (geboren 1899, meine Großmutter 1901), so dass ich es allein deshalb schon spannend fand. Leider sind meine Großeltern nicht so alt geworden wie Carl Jacob Candoris, aber einen Teil der Geschichte sind sie schon zusammen gegangen.

Das Buch behandelt so viele Themen, von der Musik zu Beginn des letzten Jahrhunderts, insbesondere vom Jazz, über die zwei Weltkriege, die in Europa wütenden, bis zu der Geschichte Portugals und Brasiliens. Es geht um das Leben einiger weniger Personen, und nicht alle haben das ganze Jahrhundert erlebt. Aber das macht es gerade so interessant. Man kann sich vorstellen, was eine Person erlebt hat, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren wurde, wie meine Großeltern.

Ich habe ja schon einige "Jahrhundertsagas" gelesen, u.a. von Günter Grass (Mein Jahrhundert), Ken Follett und Geert Mak (Das Jahrhundert meines Vaters) oder auch die Geschichten von Edward Rutherfurd, die ja immer über mehrere Jahrhunderte gehen. Sie sind alle immer wieder hochinteressant, da wir sehen können, wie sich bestimmte Situationen im Laufe der Zeit entwickeln. Auch hier ist das der Fall.

Was ich auch gut fand, die Protagonisten sind Österreicher und es war sehr interessant, die Sicht unserer Nachbarn zu sehen, besonders zum 2. Weltkrieg und zum "Anschluss".

Das Buch gibt uns viele Denkanstösse. Zum Beispiel bei dieser Bemerkung:

"Wissen Sie, Candoris, was das angenehmste an unserer Wissenschaft ist? Daß bei den Objekten der Mathematik Schein und Sein zusammenfallen. 181 ist eine Primzahl, nicht weil man sie zu einer solchen erklärt hat, sondern weil es so ist. Beruhgit Sie das nicht auch? Mich hat es jedenfalls beruhigt."
Natürlich hat er recht. Aber erklär das mal jemand den Aluhüten oder den Trägern von diesen roten Baseball-Kappen.

Es handelt sich hier um einen ziemlich dicken Wälzer von mehr als 750 Seiten, aber jede einzelne davon ist es wert, gelesen zu werden.

Buchbeschreibung:

"Ein Panorama des 20. Jahrhunderts.

Die Lebensgeschichte des exzentrischen Mathematikers, Weltbürgers und Jazz-Fans Carl Jacob Candoris und seines Biographen Sebastian Lukasser. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht das vielschichtige Porträt einer ganzen Epoche.

Carl Jacob Candoris - Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan - ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der in Wien einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb; von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebt und die Größen der Naturwissenschaft kennenlernt; und vom Wien der Nachkriegszeit - wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zieht. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit."

Samstag, 9. August 2025

Atwood, Margaret "Oryx und Crake"


Atwood, Margaret "Oryx und Crake" (Englisch: Oryx and Crake) (MaddAddam # 1) - 2003

Ich lese immer gerne dystopische Romane. Sie lassen einen darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn wir so weiterleben wie bisher, und machen uns bewusster, was wir ändern sollten und was nicht. Meistens übertreiben sie die heutigen Probleme, aber genau darum geht es: Sie machen uns bewusster.

Diese Geschichte handelt von einer gentechnisch veränderten Welt, in der der Plan, die Menschheit durch "Medikamente" zu vernichten, fast erfolgreich ist. Die "Kinder von Crake", die die Menschen ersetzen sollen, sind eher wie Kinder; sie erinnern mich an die Eloi in "Die Zeitmaschine" (The Time Machine) von H.G. Wells. Genauso unschuldig, genauso naiv.

Ich hoffe, ich werde nicht mehr erleben, wie sich die Welt so sehr verändert, aber wenn wir so weitermachen, könnte es passieren. In der Zwischenzeit sollten möglichst viele Menschen solche Bücher lesen und hoffentlich erkennen, dass wir versuchen müssen, diesen Planeten zu retten, solange es noch möglich ist.

Buchbeschreibung:

"Crake und Jimmy sind Freunde, und sie lieben dieselbe Frau: die rätselhafte Oryx. Sie leben in einer von Klimakatastrophen bedrohten Welt in einer gar nicht so fernen Zukunft. Crake, ein Genie genetischer Manipulation, ist Wissenschaftler und arbeitet an der Entwicklung neuer Medikamente, die die Menschen gegen Epidemien immunisieren sollen, aber er verfolgt darüber hinaus seine ganz eigenen Pläne ..."

Für "Oryx and Crake" stand Margaret Atwood 2003 auf der Shortlist für den Booker Prize.

Margaret Atwood hat 2017 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Atwood, Margaret "Der blinde Mörder"

Atwood, Margaret "Der blinde Mörder" (Englisch: The Blind Assassin) - 2000

Ein Buch im Buch im Buch. Drei Geschichten zum Preis von einer. Hörte sich gut an. Außerdem ist es von Margaret Atwood. Seit ich "Der Report der Magd" (The Handmaid's Tale) entdeckt habe, wollte ich mehr von ihr lesen. Das Warten hat sich gelohnt, aber ich weiß, dass ich mit ihrem nächsten Roman nicht so lange warten werde.

Dieser Roman ist eine Liebesgeschichte. Nein, es ist ein Science Fiction. Oder ist es ein Krimi? Ganz sicher ein Krimi. Wir bekommen durch Zeitungsartikel Einblicke in das Leben der Erzählerin; sie erzählt uns von ihrem Leben heute und wie es war, als sie jung war. Aber dann gibt es da noch das Buch ihrer Schwester, in dem sich zwei Liebende treffen und eine dritte Geschichte erzählen - diese ist definitiv Science-Fiction. Wie dem auch sei, man hat das Gefühl, sie gehören zusammen, und ich habe nicht lange gebraucht, um herauszufinden, wer wer ist, aber es war trotzdem furchtbar spannend.

Es ist schwer, das Buch zu beschreiben, ohne zu viel zu verraten, daher nur so viel:

Margaret Atwood hat einen besonderen Stil, in dem sie alles geheimnisvoll gestaltet. Sie kann lange bei einer Geschichte verweilen, um Spannung aufzubauen, und verwendet gleichzeitig die wunderbarsten Worte und Ideen, um ihre Werke wunderschön zu machen.

Muss ich noch mehr sagen? Ich habe das Buch geliebt.

Buchbeschreibung:

"Die Schwestern Laura und Iris wachsen in den 1930er Jahren als Töchter eines wohlhabenden Knopffabrikanten im Norden Kanadas auf. Während der Depression geht es der Fabrik zunehmend schlechter, doch die Schwestern sind vor allem mit ihren romantischen Gefühlen für den Gewerkschaftsagitator Alex Thomas beschäftigt. Als dieser einige Jahre später im Krieg stirbt, stürzt sich Laura mit dem Auto von einer Brücke und ist sofort tot. Zurück bleibt ein Manuskript mit dem Titel Der blinde Mörder, das Laura postum berühmt macht. Doch ist sie wirklich die Autorin? Familiensaga, Tragödie, Sittenbild - ein Roman, der souverän mit den Genres spielt und durch ungeheure literarische Kraft überzeugt."

Margaret Atwood hat 2017 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten und den Booker Prize für "The Blind Assassin" in 2000.

Atwood, Margaret "Der Report der Magd"

Atwood, Margaret "Der Report der Magd" (Englisch: The Handmaid's Tale) - 1985

Der Report der Magd. Eine junge Frau namens Offred erzählt uns die Geschichte von Gilead, einem Land in der Zukunft, das in einem Teil der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika liegt. Katastrophen müssen zu diesem Zustand geführt haben, sicherlich eine ökologische Katastrophe, aber auch eine Revolution, die die Situation verursacht hat, in der die Menschen des Romans sich befinden. In gewisser Weise herrscht eine Diktatur wie in mosaischen Zeiten. Die fruchtbaren jungen Mädchen werden zu einem älteren Mann geschickt, dessen Frau keine Kinder bekommen kann, wie Hagar, die Magd, die Sarahs Mann Abraham gebracht wurde, um ihm Kinder zu gebären. Viele Abschnitte ihres Lebens sind nach biblischen Figuren oder Ereignissen benannt.

Wir erfahren nie den Namen der Erzählerin; sie möchte einfach nicht, dass ihn jemand erfährt, so dass sie an ein anderes Leben glauben kan, an einen anderen Ort, an den sie zurückkehren kann, nachdem all der Schrecken ihres Lebens vorüber ist. Ich wunderte mich über den seltsamen Namen, den die Autorin unserer Protagonistin gab, bis ich auf die nächsten Damen stieß, die alle einen ähnlichen Namen trugen. Offred = Of Fred (Von Fred). Klingt wie ein Männertraum, in dem alle Frauen ihren Namen tragen, als wären sie ihr Eigentum …

Ich weiß gar nicht mehr, was ich dachte, worum es sich in diesem Buch handeln sollte. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass es ein dystopischer Roman sein könnte. Ich mag solche Geschichten lieber als die utopischen. Ich kann nicht an eine glorreiche Zukunft glauben, in der alle friedlich sind und niemand leiden muss. Geschichten über Welten, die aus den Fugen geraten sind, wirken viel realistischer, besonders heutzutage.

Der Teil mit der Zucht erinnerte mich an Hitlers Geburtsanstalten "Lebensborn", in denen er "reine" Arier züchten wollte. Hier wollen sie nur menschliche Wesen züchten, die offenbar zum Problem geworden sind. Sie wissen auch, was mit Menschen zu tun ist, die sich nicht fügen oder anderweitig nutzlos sind. Ihre Konzentrationslager werden "Kolonien" genannt, und die Menschen werden dorthin geschickt, um in verseuchten Gebieten zu arbeiten, wo sie langsam, aber sicher sterben werden.

Der biblische Teil hat mich schon vor mehr als einem Jahrzehnt eher an die aktuellen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten erinnert. Interessant, wie Margaret Atwood das vor vierzig Jahren schon vorhersehen konnte. Jedes Gesetz, jede Regel, alles muss der Bibel entsprechen, alles, was nicht der Bibel entspricht, ist böse. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Falle einer großen Katastrophe solche Leute versuchen werden, die Macht zu übernehmen, und dass sich daraus eine Diktatur entwickeln könnte, die der beschriebenen nicht unähnlich ist.

Was mir an dem Roman außerdem sehr gut gefallen hat: Auch wenn er verlockend sein mag und Offred tatsächlich von einer besseren Welt träumt, hegt sie keine unrealistischen Hoffnungen, dass diese jemals Wirklichkeit wird. Nichts ist durch eine rosarote Brille geschrieben.

Ja, eine wundervolle Geschichte, gut erzählt, mit einem Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, einem interessanten, aber nicht vorhersehbaren Schluss. Ich war begeistert vom Stil. Ich habe die Geschichte geliebt und inzwischen auch mehr von Margaret Atwood gelesen.

Mein Lieblingszitat: "Vielleicht bin ich verrückt und das ist eine neue Art von Therapie. Ich wünschte, es wäre wahr, dann könnte es mir besser gehen und das hier würde verschwinden."

Ich habe diesen Roman 2018 mit unserem internationalen Lesekreis erneut gelesen. Meine neue Rezension ist hier:

Ich habe dieses Buch vor ein paar Jahren gelesen, es ist eines meiner Lieblingsbücher. Seit es letztes Jahr als Fernsehserie erschienen ist, ist es überall zu finden, und mein Lesekreis hat es als unsere nächste Lektüre ausgewählt. Außerdem hat Margaret Atwood gerade den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Ich habe dieses Buch beim ersten Mal wahrscheinlich noch mehr genossen als dieses Mal. Ich denke, viele der Ängste, die Margaret Atwood in ihrem Buch schilderte, waren einige Jahre später noch wahrer als damals (und heute noch mehr). Sind wir nicht von Menschen umgeben, die glauben, dass nur "wahre" Christen, die die Bibel "genau nach Vorschrift" befolgen, ein gutes Leben verdienen? Zumindest scheinen die meisten Nachrichten, die ich heutzutage aus den Vereinigten Staaten höre, das zu suggerieren. Das Problem ist: Je lauter sie schreien, desto weniger christlich sind sie.

Buchbeschreibung:

"'Mit Der Report der Magd hat sich Margaret Atwood in die Nachfolge von Aldous Huxley und George Orwell hineingeschrieben.' Der Spiegel

Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Dienerin Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben ... Margaret Atwoods Report der Magd wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation und von Volker Schlöndorff unter dem Titel Die Geschichte der Dienerin verfilmt." (Anmerkung: Es gibt auch eine amerikanische TV Serie)

Für "The Handmaid's Tale" stand Margaret Atwood 1986 auf der Shortlist für den Booker Prize.

Margaret Atwood hat 2017 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Mittwoch, 19. Februar 2025

Munro, Alice "Tricks"

Munro, Alice "Tricks" (Englisch: Runaway) - 2004

Eine brillante Sammlung sehr interessanter Kurzgeschichten, die einen von der ersten Seite an fesseln. Allerdings, und das ist ein großes Aber, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten und diese Geschichte hat mir wieder gezeigt, warum nicht. Ich liebe lange Romane, Bücher, die langsam in die Geschichte hineinwachsen, die einem genug Hintergrundinformationen geben, damit man die Charaktere kennenlernen und eine Weile mit ihnen leben kann. Kurzgeschichten tun das einfach nicht. Ich musste die Titel noch einmal durchsehen, als ich das Buch fertig gelesen hatte, um zu sehen, worum es ging. Ich hatte Juliet nicht vergessen, aber das lag hauptsächlich daran, dass sich drei Geschichten um sie drehten ("Entscheidung", "Bald" and "Schweigen").

Aber an Carla aus "Ausreißer" konnte ich mich nicht erinnern, da ich nicht wirklich viel für sie empfunden hatte, überhaupt nichts für sie empfand, ich habe immer noch keine Ahnung, warum sie weggelaufen war. "Leidenschaft" – wieder konnte ich keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen, nicht genug Zeit, sie kennenzulernen. "Verfehlungen" war so seltsam, selbst während der Geschichte konnte ich keine Verbindung aufbauen, fast wie in "Ausreißer" und "Kräfte" schien eine zufällige Kurzgeschichte aus vielen Kurzgeschichten zu sein. Nicht mein Ding.

"Tricks" war wahrscheinlich mein Favorit, einfach weil es am Ende eine tolle Wendung gab, weil ich mich mit der Heldin Robin identifizieren konnte, ihren Schmerz und ihre Sehnsucht wirklich spüren konnte. Was den Rest angeht, so werden sie, wie bei vielen Kurzgeschichten, für immer Bekannte bleiben, nie Freunde werden.

Ich würde gerne einen Roman von Alice Munro lesen, einen mit mindestens 500 Seiten. Ich bin sicher, es wäre ein großartiger Roman! Und ich habe bereits über ihren Roman "Himmel und Hölle" (Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage) gesagt, dass all ihre Geschichten genug Hintergrund hätten, um einen großen Roman zu schreiben.

Titel der Kurzgeschichten:
Ausreißer
Entscheidung
Bald
Schweigen
Leidenschaft
Verfehlungen
Tricks
Kräfte

Buchbeschreibung:

"Tricks, acht meisterliche Erzählungen von Alice Munro: Geschichten von Frauen und Mädchen, von Bedrohungen, geheimen Sehnsüchten und Leid, von rätselhaften Mustern in vermeintlich unscheinbaren Leben - Geschichten von bestürzender Intensität und Dramatik.

Imponierend bekräftigt '
Tricks' Alice Munros geradezu legendären Ruf als Meisterin der subtilen Erkundung weiblicher Seelenregungen. Dabei erweist sich das besondere Gespür der Autorin für den geheimen, unerschließbaren Wesenskern ihrer Figuren, jenen rätselhaft-dunklen Bereich, wo Selbstbetrug und Lebenslügen, gefährliche Illusionen und Tricksereien ihren Ausgang nehmen und wo all jenes seinen Grund in uns hat, das stärker ist als der eigene Wille."

Alice Munro erhielt 2013 den Nobelpreis für Literatur weil sie eine "Virtuosin der zeitgenössischen Kurzgeschichte" ist.

Alice Munro erhielt 2009 den Booker International Prize für ihr Lebenswerk.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Munro, Alice "Himmel und Hölle"

Munro, Alice "Himmel und Hölle" (Englisch: Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage) - 2001

Eine Sammlung von Kurzgeschichten. Nicht wirklich mein Ding, ich mag lange Romane, ich lerne die Charaktere gerne kennen, bin Teil ihres Lebens, nicht nur ein Besucher für eine Stunde oder so.

Alice Munro hat einen guten Schreibstil und ich hätte alle neun Geschichten gerne als Buch gelesen, hätte nichts dagegen gehabt, über 500 Seiten zu jeder einzelnen zu lesen. Leider sollte es nicht sein, Kurzgeschichten wollte sie schreiben , und Kurzgeschichten schrieb sie. Zugegeben, gute, und wer Kurzgeschichten mag, sollte diese lesen.

Buchbeschreibung:

"In neun Geschichten, die vordergründig alltäglich-harmlos wirken wie ein Kinderspiel, lässt Alice Munro rätselvolle Beziehungen und verdrängte Schuld aufblitzen, die heimlich weiterwirken. Sie erzählt von bestürzend kühnen Momenten des Ausbrechens aus dem eigenen Leben: das ist der Stoff, aus dem ihre Erzählungen sind.

Die Geschichten entführen den Leser an jenen besonderen Ort, der als Alice Munros ureigenes Territorium gilt - den Ort, wo eine unerwartete Wendung des Geschehens den Bogen eines ganzen Lebens zum Aufleuchten bringen kann."

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im April 2005 besprochen.

Ich habe auch "Tricks" (Runaway) gelesen.

Alice Munro erhielt 2013 den Nobelpreis für Literatur weil sie eine "Virtuosin der zeitgenössischen Kurzgeschichte" ist.

Alice Munro erhielt 2009 den Booker International Prize für ihr Lebenswerk.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 30. Januar 2025

Lawson, Mary "Im letzten Licht des Herbstes"

Lawson, Mary "Im letzten Licht des Herbstes" (Englisch: A Town Called Solace) - 2021

Ich habe mich schon seit der  Ankündigung darauf gefreut, dass dieser Roman als Taschenbuch erscheint. Ich habe alle Bücher von Mary Lawson gelesen und dieses war genauso ausgezeichnet wie alle ihre anderen. Sie wurde mir vor langer Zeit von einer lieben kanadischen Freundin empfohlen, die auch Mary hieß und inzwischen verstorben ist. Wenn ich ihre Bücher lese, erinnere ich mich also immer an meine Freundin (nicht, dass ich eine besondere Erinnerung dafür bräuchte).

Ich fand die Geschichte fesselnd, eines der seltenen Bücher, bei denen ich wirklich versucht war, das Ende vorzeitig zu lesen, weil ich wissen wollte, was passieren wird. Aber ich weiß, wie sehr das den Spaß an einem Buch verdirbt, also gebe ich nie nach.

Drei Menschen erzählen ihre Geschichten. Am Anfang scheinen sie nicht viel gemeinsam zu haben. Die siebenjährige Clara ist Elizabeths Nachbarin und kümmert sich um ihre Katze, während die alte Frau im Krankenhaus liegt. Liam kannte Elizabeth, als er klein war, oder eher umgekehrt, denn er scheint sich nicht mehr an viel aus dieser Zeit zu erinnern.

Das Leben in der Kleinstadt "Solace" ist nicht so malerisch, wie manche Leute das Leben an diesen Orten beschreiben möchten. Und so müssen alle drei mit ihren Problemen fertig werden.

Niemand in Mary Lawsons außergewöhnlich guten Romanen scheint ohne Probleme zu sein, und das macht ihre Geschichten so glaubwürdig. Man lernt die Charaktere so gut kennen, weil sie sie auf einzigartige Weise porträtiert. Man kann Clara, Elizabeth und Liam nur mögen. Und diejenigen, die ihnen das Leben so schwer machen, ein wenig nicht mögen. Dieses Buch zu lesen ist fast so, als würde man selbst dort leben.

Durch ihre Geschichten werden diese Charaktere und ihr Städtchen zum Leben erweckt. Sie schreibt zum Nachdenken anregende Romane. Ich hoffe, sie wird das noch lange tun.

Buchbeschreibung:

"In der idyllischen Kleinstadt Solace ist ein Teenager spurlos verschwunden. Die siebenjährige Clara ist untröstlich. Seit Tagen wartet sie am Fenster auf die Rückkehr ihrer Schwester. Zu allem Unglück liegt auch noch ihre geliebte Nachbarin, die alte Mrs. Orchard, im Krankenhaus. Eines Abends zieht nebenan ein Fremder ein. Liam Kane wurde das Haus von Mrs. Orchard geschenkt, obwohl er kaum Erinnerungen an sie hat. Ist hier, im Norden Ontarios, ein Neuanfang für ihn möglich? Nach und nach erinnert sich Liam an seine eigene, von Verlust geprägte Kindheit. Und auch Mrs. Orchard stellt sich ihrer Vergangenheit. Denn vor dreißig Jahren gab es einen Vorfall, der für zwei Familien tragische Folgen hatte."

Dieses Buch stand auf der Longlist für den Bookerpreis 2021. Es hätte den Preis sicherlich verdient, aber ich glaube, die Booker-Leute wählen ihre Gewinner anders aus als ich.

Freitag, 17. Januar 2025

Urquhart, Jane "Übermalungen"

Urquhart, Jane "Übermalungen" (Englisch: The Underpainter) - 1997

Wir hatten "Die Bildhauer" (The Stone Carvers) in unserem Lesekreis gelesen und es hat mir ziemlich gut gefallen. Ich freute mich auf einen weiteren interessanten historischen Roman dieser Autorsin. Leider wurde ich ein wenig enttäuscht.

Die Geschichte beginnt sehr langsam. Lange Zeit hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendetwas auf den Seiten mit dem Rest des Buches zusammenhängt. Erst langsam lernen wir den Protagonisten kennen und bekommen eine Ahnung, wovon er faselt.

Ich habe bessere Berichte über Menschen gelesen, die einen Krieg überlebt haben, und ich habe viele davon gelesen. Dieser hier, nun, zunächst einmal wird das Buch aus der Perspektive von jemandem erzählt, der nicht daran teilgenommen hat. Ich auch nicht, also sollte ich mich mit ihm identifizieren, oder?

Aber das tue ich nicht. Selbst als die Geschichte sich entwickelt, wirkt der Maler Austin Fraser, der die Geschichte erzählt, nicht gerade sympathisch, ich habe mich einfach nicht an ihn gewöhnen können und mochte ihn überhaupt nicht. Er ist ein egoistischer Frauenfeind, ein verwöhnter, reicher Bengel, der nie erwachsen wurde und sich um nichts auf der Welt Sorgen machen musste.

Leider war dieser Roman einer der unbefriedigendsten, die ich seit einiger Zeit gelesen habe. Er hinterlässt eine Leere, die nicht gefüllt werden konnte. Selbst der Versuch, das Ganze am Ende zusammenzufassen, hat es nicht zu einem guten Buch gemacht. Vielleicht war dies nicht nur das zweite, sondern auch das letzte Buch, das ich von Jane Urquhart gelesen habe.

Es gab ein Zitat in dem Buch, das mir sehr gefiel, weil es eine großartige Inspiration zum Nachdenken ist. Auf Seite 186:
"Ich habe keinen Streit mit den Deutschen [sic] … wir steckten alle im selben Boot, wir waren eigentlich nur Vandalen, die darauf aus waren, die westliche Kultur zu zerstören. Schließlich kam es mir so vor, als wäre Europa ein riesiges Museum, dessen Schätze von angeheuerten Schlägern zerstört wurden. Wir schrieben keine Geschichte, wir zerstörten sie … beseitigten sie …" (übersetzt von mir)

Ein gutes Argument gegen jeden Krieg, denn dieses Zitat bezieht sich nicht nur auf den Ersten Weltkrieg, sondern auf alle diese sinnlosen Schlachten, in denen junge Menschen für die Macht und das Geld anderer getötet werden.

Buchbeschreibung:

"Der erfolgreiche, aber einsame Maler Austin Frazer blickt auf sein Leben zurück: Fünfzehn Sommer hindurch, von 1920 bis 1935, hat er Sara, die Frau, die er heimlich liebt, besucht und gemalt. Austins einziger Freund George lebt in einem fragilen Gleichgewicht mit seiner Frau Augusta. In seiner gedankenlosen Kälte zerstört Austin diese Balance und treibt beide in den Selbstmord..."

Donnerstag, 2. Januar 2025

Cather, Willa "Schatten auf dem Fels"

Cather, Willa "Schatten auf dem Fels" (Englisch: Shadows on the Rock) - 1931

Vor ein paar Jahren habe ich mit meinem Lesekreis "Meine Antonia" (My Ántonia) gelesen und war begeistert. Es war eine großartige Beschreibung über neue Siedler in Amerika. Als ich dann auf "Schatten auf dem Fels" stieß, das von Quebec im 17. Jahrhundert handelt, dachte ich, das wäre sicherlich ein großartiges Buch für meine Liste, so ähnlich wie ihr vorheriges Buch, nur über Kanada.

Ich nehme an, die Autorin hatte nicht so viel Erfahrung mit Kanada, kannte nicht so viele Siedler von dort oder was auch immer, aber dieses Buch klang nicht so wahr wie ihr anderes. Es war eine ganz passable Lektüre, aber es hat mein Interesse an der Geschichte nicht so geweckt wie ihr anderes.

Es hat jedoch dazu geführt, dass ich mehr über die realen Personen erfahren wollte, die sie erwähnt, und ich habe im Internet eine Menge Informationen über sie gefunden, das war also schon mal was.

Normalerweise liebe ich historische Romane, aber dieser hier war nichts für mich.

Buchbeschreibung:

"Einfühlsamer Roman über das Heranwachsen eines jungen Siedlermädchens in Quebec

Die Wiederentdeckung einer großen amerikanischen Klassikerin geht weiter: In 'Schatten auf dem Fels' wendet sich Willa Cather der faszinierenden Wildnis Kanadas zu. Mit berührender Anteilnahme und literarischem Feingefühl erzählt sie von einer französischen Einwandererfamilie, die auf dem «Grauen Fels» erst heimisch werden muss.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts beginnt die Pariser Familie Auclair in Kanada ein neues Leben. Als ihre Mutter stirbt, wird die zehnjährige Cécile mit der Führung des Haushalts betraut. Allmählich lernen Vater und Tochter sich mit den langen Wintern zu arrangieren. Sie unterhalten eine kleine Apotheke, und bei der Arbeit zwischen Pulvern und Pasten hören sie die aufregendsten Geschichten von der Jagd in den Wäldern und dem Tauschhandel mit den Indianern. Doch ist Quebec wirklich die richtige Umgebung für ein heranwachsendes Mädchen wie Cécile? Immer öfter denkt Monsieur Auclair daran, nach Frankreich zurückzukehren …

Willa Cather wendet sich in diesem Roman einem der ergiebigsten Stoffe der amerikanischen Literatur zu: der Begegnung von Alter und Neuer Welt."

Samstag, 30. November 2024

Shields, Carol "Das Tagebuch der Daisy Goodwill"

Shields, Carol "Das Tagebuch der Daisy Goodwill" (Englisch: The Stone Diaries) - 1993

Ein interessantes Buch über ein interessantes Leben. Bisher hatte ich nur Carol Shields Buch über Jane Austen gelesen, aber irgendwie ist mir dieser Roman von ihr entgangen.

Ich mag Bücher mit einer Karte oder einem Stammbaum am Ende. Dies ist eines davon. Ich liebe es, vor- und zurückblättern zu können und zu sehen, wer mit wem verwandt ist, woher sie kommen, was als nächstes kommt, auch wenn es mich manchmal ärgert, dass mir dadurch ein Teil des Buches verraten wird, weil ich bereits weiß, dass jemand bald sterben oder heiraten wird usw.

Allerdings wäre "The Stone Diaries" auch ohne den Stammbaum verständlich. Daisy Stone Goodwill durchlebt in ihrem Leben viele Härten. Sie wird als Waise unter seltsamen Umständen geboren, meistert ihr Leben aber ganz gut. Sie ist eine kluge Frau und erhält eine Ausbildung zu einer Zeit, in der das für keine Frau normal ist, geschweige denn für eine in ihrer Situation.

Während ich das las, fragte ich mich oft, wie viel von Carol Shields in dieser fiktiven Autobiografie von Daisy Goodfellow steckt. In diesem Buch geht es um alles über das Leben, Geburt und Tod, Heirat und Scheidung, Ausbildung und Arbeit, Probleme mit Eltern und Kindern, einfach alles, was einem im normalen Leben begegnet.

Eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung:

"An einem allzu heißen Nachmittag des Jahres 1905 kommt Daisy Goodwill in einer Sturzgeburt auf die Welt. Die Mutter stirbt, und ihr bleibt nur der lebenslang traurige, verträumte Vater. Erst nach einer schwierigen Jugend und einer unglücklichen Ehe findet Daisy die große Liebe und Erfüllung im Schreiben."

Carol Shields erhielt den Pulitzer Prize für "Das Tagebuch der Daisy Goodwill" (The Stone Diaries) in 1995.

Dies ist auch ein Buch über das Lesen. Im Roman werden viele Bücher erwähnt.

Bücher, die Clarentine gelesen hat:
Libby, Laura Jean "Struggle for a Heart"
Alexander, Mrs. "What Gold Cannot Buy"
Warden, Florence "At the World's Mercy"
Brontë, Charlotte "Jane Eyre" (Jane Eyre)
Andere Bücher, die sie erwähnt: (see below in alphabetical order, at least those that I could find)
Black Beauty, Anne of Green Gables (Anne auf Green Gables), Freckles, Twice Told Tales, Beautiful Joe, Mill on the Floss (Die Mühle am Floß), Pocahontas, Elizabeth and Her German Garden, Jane Eyre (Jane Eyre), The Unification of Italy, Beowulf, the Romantic Poets, In His Steps, Wild Geese, Gone With the Wind (Vom Winde verweht), Claudia, The First Six Years, The Grapes of Wrath (Früchte des Zorns), Forever Amber, The Egg and I, Cheaper by the Dozen (Im Dutzend billiger),  Lust for Life, The Web and the Rock, The Skutari Babies, Our Mutual Friend, Nellie's Memories, Helen's Saga, A Brief History of the Orkney Isles, Chekhov's Daughter, The Edible Woman, The Good Earth (Die gute Erde), Murder in the Meantime.

Alphabetische List2:
Arnim, Elizabeth von "Elizabeth and Her German Garden" (Elizabeth und ihr Garten)
Atwood, Margaret "The Edible Woman" (Die eßbare Frau)
Brontë, Charlotte "Jane Eyre" (Jane Eyre)
Buck, Pearl S. "The Good Earth" (Die gute Erde)
Carey, Rosa Nouchette "Nellie's Memories"
Dickens, Charles "Our Mutual Friend" (Unser gemeinsamer Freund)
Donnell, Susan "Pocahontas"
Eliot, George "The Mill on the Floss" (Die Mühle am Floß)
Franken, Rose "The Claudia Novels" (Claudia-Zyklus)
Gilbreth, Frank + Gilbreth Carey, Elizabeth "Cheaper by the Dozen" (Im Dutzend billiger)
Hawthorne, Nathaniel "Twice Told Tales"
MacDonald, Betty "The Egg and I" (Das Ei und ich)
Mitchell, Margaret "Gone With the Wind" (Vom Winde verweht)
Montgomery, Lucy Maud "Anne of Green Gables" (Anne auf Green Gables)
Saunders, Margaret Marshall "Beautiful Joe" (Beautiful Joe. Der Hund, der die Menschen verändert hat)
Sewell, Anna "Black Beauty" (Black Beauty)
Sheldon, Charles "In His Steps" (In seinen Fußstapfen)
Steinbeck, John "The Grapes of Wrath" (Früchte des Zorns)
Stone, Irving "Lust for Life" (Vincent van Gogh. Ein Leben in Leidenschaft)
Stratton-Porter, Gene "Freckles" (Freckles)
Winsor, Kathleen "Forever Amber" (Amber)
Woolfe, Thomas "The Web and the Rock" (Geweb und Fels)

Samstag, 18. November 2023

Proulx, Annie "Schiffsmeldungen"

Proulx, Annie "Schiffsmeldungen" (Englisch: The Shipping News) - 1993

Dieses Buch wurde mir mehrmals empfohlen und die einzige Entschuldigung, die ich hatte, es nicht in die Hand zu nehmen, war, dass es noch viele andere Bücher gab, die darauf warteten, gelesen zu werden.

Ich habe dieses Buch wirklich genossen. Die Geschichte dreht sich um Quoyle, einen gewöhnlichen Mann, man könnte ihn sogar einen Verlierer nennen. Nachdem seine betrügerische Frau bei einem Unfall ums Leben kommt, zieht er mit seiner Tante und seinen Töchtern in das Haus seiner Vorfahren in Neufundland, wo er für eine Lokalzeitung arbeitet.

Hier trifft er viele Menschen, die ihr ganzes Leben in dieser abgelegenen kleinen Gemeinde gelebt haben.

Das Leben dieser einfachen Leute wird auf so liebevolle Weise beschrieben, dass das Lesen so viel Freude macht. Natürlich ist das Leben nicht einfach, die Probleme, mit denen viele kleine Gemeinden konfrontiert sind, wenn ihre wichtigen Broterwerbsjobs verschwinden, lauern immer um die Ecke, die Charaktere haben Probleme sowohl untereinander als auch mit der Außenwelt, aber als sich die Geschichte der Familie entfaltet, treffen wir einige wunderbare, liebenswerte Menschen.

Eine tolle Lektüre. - Und man lernt auch viel über Knoten.

Buchbeschreibung:

"Eine unvergessliche, tragikomische Geschichte, erzählt von der mehrfach preisgekrönten Autorin Annie Proulx, in deren herb-poetischer Sprache jene fremde Gegend zum Sehnsuchtsland wird.

'Schiffsmeldungen' fürs Lokalblatt soll Quoyle jetzt schreiben. Quoyle, der ewige Versager und Pechvogel, den es aus dem Staat New York auf die Felseninsel Neufundland im Osten Kanadas verschlagen hat. Quoyle, der immer schon panische Angst vor dem Wasser hatte. Und doch findet er hier in dieser kargen Landschaft, wo seine Vorfahren siedelten, so etwas wie Glück und für sich und seine beiden Töchter so etwas wie ein Zuhause …

Der Roman, der Annie Proulx berühmt machte!"

Annie Proulx erhielt 1994 einen Pulitzer Preis für "Schiffsmeldungen"

Samstag, 16. September 2023

Nadolny, Sten "Die Entdeckung der Langsamkeit"

 

Nadolny, Sten "Die Entdeckung der Langsamkeit" - The Discovery of Slowness - 1983

Eine interessante Geschichte basierend auf dem erfolgreichen Polarforscher Sir John Franklin.

Ein wunderbarer Bericht über sein Leben und seine Entdeckungen, aber auch eine großartige Beschreibung, wie etwas, das normalerweise als negativ angesehen wird, in diesem Fall eine "Langsamkeit", die als "geistige Behinderung" angesehen wird, zum Guten von etwas genutzt werden kann.
In diesem Fall ermöglicht die "Langsamkeit" der Figur, sich besser auf das zu konzentrieren, was sie erreichen möchte.

Sehr gut geschrieben, interessante Perspektive, mir hat dieses Buch wirklich gefallen.

Buchbeschreibung:

"'Die Entdeckung der Langsamkeit' ist Seefahrer-, Abenteuer- und Entwicklungsroman zugleich. Unnachahmlich erzählt er von der Langsamkeit als Lebensprinzip. Zum 65. Geburtstag Sten Nadolnys in neuer Ausstattung und mit ausführlichem Nachwort des Autors. Sten Nadolnys vielfach preisgekrönter Roman über den Arktisfahrer John Franklin ist seit seinem Erscheinen 1983 zum Weltbestseller und modernen Klassiker geworden. 'Die Entdeckung der Langsamkeit' erzählt die abenteuerliche Lebensgeschichte des Seefahrers John Franklin, der von der Entdeckung der legendären Nordwestpassage träumt und dem die Bedächtigkeit zum erfolgreichen Lebensprinzip wird. Bis heute fand Nadolnys zeitloser Roman über die Kunst der Langsamkeit allein in Deutsch­land mehr als 1,5 Millionen Leser."

Donnerstag, 15. Juni 2023

Dallaire, Roméo "Handschlag mit dem Teufel"

 

Dallaire, Roméo "Handschlag mit dem Teufel. Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda" (Englisch: Shake Hands with the Devil: The Failure of Humanity in Rwanda) - 2003

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Lesekreis im August 2009 besprochen.

Schwer zu lesen. Aber lohnenswert. General Dallaire war der UN-Kommandeur in Ruanda während des Völkermords im Jahr 1994 (dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde). Es ist unglaublich, was passiert ist. Roméo Dallaire beschreibt alles ausführlich. Es ist nicht einfach, sich alle Abkürzungen zu merken. Zum Glück gibt es ein Glossar hinten.

Sehr empfehlenswert, wenn man sich für die Probleme dieser Welt interessiert. Das Buch hinterließ bei allen einen großen Eindruck, es fühlte sich sehr wichtig an.

Man muss anmerken, dass der Autor kein Romanautor ist. Er ist ein General, ein Soldat, der versucht, die Ereignisse im Jahr 1994 zu beschreiben, als seine Aufgabe darin bestand, Frieden nach Ruanda zu bringen. Das Buch ist ein Bericht über das Geschehen, eine chronologische Liste, wenn man so will, seiner Erfahrungen. Seine Berichte sind voller Abkürzungen, Akronymen und Namen.

Zugegebenermaßen gibt es hinten eine beeindruckend große Liste aller Personen, eine mit allen Seiten jeder einzelnen Person im Buch, die andere mit der Beschreibung all dieser Abkürzungen, einer kurzen Erklärung der Personen usw. Aber man kann diese Listen nicht ständig aufrufen, sonst verliert man den Überblick über die Ereignisse. Daher ist es schwierig, dem Buch zu folgen, und es ist kein Buch, das man in ein paar Tagen lesen würde, insbesondere wenn man bedenkt, dass es 592 Seiten umfasst (auch ohne Anhang).


Dennoch ist es lesenswert!! Der Krieg, den dieser arme Mann führen musste - nicht mit den Ruandern, sondern mit der Bürokratie, den Leuten, die ihn dorthin geschickt haben, um einen Krieg zu verhindern. Und dann musste er zusehen, wie zwei Völker sich gegenseitig töteten, hauptsächlich eines, das das andere tötete, einer der größten Völkermorde in der Geschichte, ohne dass er das tun konnte, was er für notwendig hielt, um dies zu verhindern. Es muss herzzerreißend gewesen sein. Nun ja, das war es tatsächlich. Dieser Krieg zerstörte nicht nur das Leben von wahrscheinlich einer Million Tutsis und Hutus, sondern auch das Leben von General Dallaire und seiner Familie, da er damit nicht leben konnte. Ich kann mir vorstellen, dass man nach einem Krieg oder auch nur einem "Konflikt" nie in sein früheres Leben zurückkehren kann, sondern einfach daneben stehen und zusehen muss … na ja, lest das Buch selbst. Das ist es wert!

Wir haben alle einen großen Respekt für den Mann empfunden, vor dem, was er durchgemacht hat, es braucht eine bestimmte Art von Person. Wir waren sehr beeindruckt von ihm, woraus ist er gemacht, wie hat er durchgehalten und überlebt? Wir fanden ihn sehr sympathisch, sehr heldenhaft. Jemand sagte, wenn sie Soldatin werden wollte, würde sie gerne unter dem Kommando eines Menschen wie ihm stehen. Er hat von niemandem etwas erwartet, was er nicht auch selbst durchmachen würde.

Wir unterhielten uns über Völkermord und wie schwierig es gewesen sein muss, nicht teilzunehmen. Laut einer Studie verweigern 10 % die Teilnahme. 80 % machen mit, 10-15 % werden dabei geschädigt, sie werden zu Mördern. Unter sozialem Druck geben Menschen oft nach.

Wir müssen auf jeden Fall dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Buchbeschreibung:

"Als Kommandeur der UN-Blauhelme wurde General Roméo Dallaire 1993 nach Ruanda geschickt. Er sollte einen wackeligen Frieden zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi sichern. Extremisten in der ruandischen Regierung hatten jedoch längst einen Völkermord geplant und dabei das Zaudern der Vereinten Nationen einkalkuliert. Verzweifelt versuchte Dallaire, den Völkermord zu verhindern. Vergeblich. Mit einem zahnlosen UN-Mandat, einer viel zu kleinen Truppe und miserabler Ausrüstung versehen, von der UNO und den Westmächten im Stich gelassen, blieb ihm und seinen Soldaten kaum mehr übrig, als sich selbst zu verteidigen und dem Abschlachten ohnmächtig zuzuschauen. Obwohl es Dallaire gelang über 30.000 Menschen das Leben zu retten, erlebte er das Scheitern der UN-Mission als eigenes Scheitern und wäre daran fast zerbrochen. 'Handschlag mit dem Teufel' ist der verstörende Augenzeugenbericht eines tragischen Helden.'"

Lest auch die Geschichte eines überlebenden Mädchens:
Ilibagiza, Immaculée mit Erwin, Steve "Aschenblüte" (
Left to Tell: Discovering God Amidst the Rwandan Holocaust)
Roméo Dallaire hat außerdem ein zweites Buch mit dem Titel
"They Fight Like Soldiers, They Die Like Children" geschrieben, in dem er "eine emotional gewagte und intellektuell aufschlussreiche Einführung in das Kindersoldatenphänomen sowie konkrete Lösungen für dessen völlige Ausrottung bietet." Ich habe es inzwischen gelesen und fand es genauso hervorragend geschrieben.

Donnerstag, 20. April 2023

Lawson, Mary "Auf der anderen Seite des Flusses"

Lawson, Mary "Auf der anderen Seite des Flusses" (Englisch: The Other Side of the Bridge) - 2006

Nachdem ich das erste Buch von Mary Lawson, "Crow Lake" (Rückkehr nach Crow Lake) gelesen hatte, musste ich dieses hier auch unbedingt lesen. Ich habe es genauso geliebt. Ich habe Leute gehört, die sagten, dieses sei besser und vielleicht ist es das auch, ich würde einfach nicht sagen können, welches das Bessere sei. Wie auch immer, ich mir mehr Kommentare einfallen lassen, was schwierig ist, da ich nicht zu viel verraten möchte.

Wir haben dann es dann auch ein paar Jahre später in unserem Lesekreis besprochen.

Das größte Thema des Buches war die Geschwisterrivalität, zwei Brüder, die in den 1930er Jahren auf einer Farm in Kanada aufwuchsen, wobei die Mutter aus verschiedenen Gründen den jüngeren Sohn bevorzugte. Dann der Generationenkonflikt, der Wechsel der Zeit, die Landarbeit damals und heute, die Modernisierung, die Erwartungen der Eltern an ihre Kinder, das Kleinstadtleben, die Kriegsgefangenschaft, viele verschiedene Themen.

Eines unserer Lesekreis-Mitglieder sagte, das sei, als würde man sich einen Film ansehen. Die Tatsache, dass es ein langsameres Buch war, bedeutete dennoch, dass man es ziemlich schnell lesen konnte. Wir konnte großartige Blicke auf die Charaktere werfen, haben die unterschiedlichen Stärken und Schwächen gesehen, die Tragödien. Wir alle kennen viele solcher Städte. Die Art und Weise, wie der Autor die verschiedenen Familien vorstellte und wie sie miteinander verbunden waren, wurde als interessant empfunden.

Das Buch hat uns nachdenklich gemacht, der Humor war gut, das Ende war etwas übereilt. Viele der Hofbeschreibungen erinnerten an Großeltern (oder Eltern, wenn wir "ältere" Mitglieder waren).

Buchbeschreibung
:

"Arthur and Jake: Ein packendes Familiendrama aus dem rauen Norden Kanadas

Immer stand Arthur im Schatten seines brillanten Bruders Jake. Als die schöne Laura ins Dorf kommt, eskaliert die ewige Rivalität zwischen den Brüdern.

Arthur ist fünf Jahre und hilft schon richtig auf der Farm mit, als sein kleiner Bruder Jake zur Welt kommt. Jake ist ganz anders als er - feingliedrig, hübsch, blitzgescheit. Und er weiß schon früh, wie man seine Umwelt manipuliert und das Beste für sich herausschlägt. Der Mutter zuliebe, die ihren jüngeren Sohn anbetet, verzichtet Arthur auf Konfrontation, frisst den Groll in sich hinein und lässt den Kleinen gewähren. Doch als der neue Reverend ins Dorf kommt, ändert sich alles: Er bringt seine Tochter Laura mit, in die Arthur sich Hals über Kopf verliebt. Und allein das Wissen darum stachelt Jake an, Laura für sich haben zu wollen. Dieses eine Mal wird Arthur die Sache allerdings für sich entscheiden - doch zu einem gewaltigen Preis ...
"

Wenn euch "Crow Lake" (Rückkehr nach Crow Lake) gefallen hat, ist dies das Buch für euch. Ich denke, jeder wird etwas Persönliches in diesem Roman finden.

Wir haben dies im September 2008 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Dienstag, 4. April 2023

Lawson, Mary "Rückkehr nach Crow Lake"

 

Lawson, Mary "Rückkehr nach Crow Lake" (Englisch: Crow Lake) - 2002

Ich habe dieses Buch mindestens dreimal gelesen, das erste Mal, als ich es ausgeliehen habe, das zweite Mal, als wir es im internationalen Lesekreis gelesen haben und dann noch einmal mit meinem deutschen Lesekreis. Ich habe diesen Roman wirklich, wirklich geliebt. Obwohl es mein Vorschlag war, hatten ihn zwei andere Mitglieder gelesen und diese Wahl bestätigt, also wurde er in unsere Leseliste aufgenommen. Ich denke, es war eines der beiden einzigen Bücher, die wir in diesem Jahr gelesen haben, das allen gefallen hat.

Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das von ihren beiden älteren Brüdern aufgezogen wird, und sie beschreibt den Kampf, den sie auf ihrem Weg zum Erwachsensein durchmachen.
Das Buch vereint alles, Tragödie, Drama, Liebesgeschichte, Opfer, das "Zusammensein" einer kleinen Gemeinschaft. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, die Episoden auch.

Viele der alltäglichen Kindheitsgeschichten erinnerten mich an meine eigenen.
Ich dachte, die Kinder müssten ungefähr in meinem Alter gewesen sein und ein Großteil des ländlichen Lebens in Kanada muss dem ländlichen Leben überall auf der Welt ähnlich gewesen sein, zumindest in der westlichen Welt. Wohlgemerkt, nicht alle im Lesekreis teilten diese Meinung, die Jüngeren dachten, sie seien in ihrem Alter. Ich liebte das Buch und alle anderen wohl auch, weil es in diesem Jahr auf Platz 1 unserer Lieblingsbuchliste stand.


Buchbeschreibung:

"Kates Kindheit im Norden Ontarios endet jäh, als ihre Eltern tödlich verunglücken. Ihre beiden Brüder Luke und Matt beschließen, sie und die kleine Schwester Bo alleine großzuziehen. Halt findet die verschlossene und bildungshungrige Kate vor allem bei Matt, dessen Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt auf sie überspringt. Jahre später arbeitet Kate erfolgreich als Biologin an der Universität von Toronto, weit weg von ihrer Heimat. Doch die Geschehnisse von damals schweben immer noch wie ein Schatten über ihr. Als sie für ein Familienfest nach Crow Lake zurückkehrt, gerät ihre Welt erneut aus den Fugen.."

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im März 2004 und im deutschen Lesekreis im März 2023 besprochen.

Ich habe auch andere Romane von Mary Lawson gelesen, die Rezensionen findet ihr
hier.

Samstag, 18. Februar 2023

Holzach, Michael "Das vergessene Volk"

  

Holzach, Michael "Das vergessene Volk. Ein Jahr Bei den deutschen Hutterern In Kanada" - The Forgotten People: A Year Among the Hutterites - 1980 

Eine Freundin fand dieses Buch auf ihrem SUB. Sie erzählte mir davon und da ich zuvor ein Buch über die Amish gelesen hatte ("Plain and Simple" von Sue Bender), sagte ich, es klinge interessant.

Ich weiß nicht, ob ich anhand dieser Bücher die verschiedenen Religionsgruppen vergleichen kann, da der Bericht über die Hutterer etwas früher ist und sich auch dort in den letzten vierzig Jahren viel geändert haben könnte.

Michael Holzach erzählt uns auch von der Geschichte der Hutterer und wie sie nach Kanada kamen. Aber hauptsächlich ist dies ein Bericht über sein Leben unter den Brüdern für ein ganzes Jahr. Wie sie leben, woran sie glauben, wie sie versuchen, an ihrem Lebensstil festzuhalten. Ihr Hauptleben gründet auf der "Gütergemeinschaft nach dem Vorbild der Jerusalemer Urgemeinde", d.h. alle Güter und Erträge gehören der Gemeinschaft und werden unter allen geteilt. Man könnte sie eine christlich-kommunistische Gruppe nennen. Alle haben das gleiche, alles wird geteilt. "Jeder gibt, wos'r kann und kriegt, wos ihm Not ist."


Genau wie die Amish nennen sie die Menschen "außerhalb" die "Engländer". Sie haben ihre eigene Schule, erhalten aber zusätzlichen Unterricht von einem kanadischen Lehrer, der zu den Farmen kommt. Untereinander sprechen sie einen deutschen Dialekt, der hauptsächlich auf süddeutschen/österreichischen Dialekten basiert, gemischt mit englischen Wörtern (genau wie Hochdeutsch), aber es ist ziemlich einfach, sie zu verstehen, wenn man Deutsch spricht.

Es war ein sehr interessantes Buch. Ich dachte immer, es wäre schön, in einer Gesellschaft zu leben, in der jeder an jeden denkt, sich um jeden kümmert, sich niemand besser fühlt als der andere … das versuchen anscheinend auch die Hutterer. Ich glaube nicht, dass ich so eingeschränkt leben könnte wie sie, aber wenn man es nicht besser weiss, ist dies fast wie das Paradies auf Erden.

Ich glaube, ich muss mir ein neueres Buch über die Hutterer suchen. Bei der Suche nach weiterer Literatur bin ich auf zwei Websiten gestoßen, die weitere Informationen geben:

Entstehungsgeschichte der Hutterer

Bilder
Selbstverständnlich findet man auch auf Wikipedia weitere Informationen.
Und dann sind da noch zwei Webseiten von den Hutterern selbst, allerdings nur auf Englisch.
Hutterites
Hutterian Brethren Book Centre

Leider starb der Autor 15 Jahre später an einem tödlichen Unfall, als er versuchte, seinen Hund zu retten. Ich denke, er hätte neben diesem und "Deutschland umsonst. Zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland" (1982) noch weitere interessante Bücher geschrieben.

Buchbeschreibung:

"Der Autor verbrachte das Jahr 1978 bei den deutschen Hutterern in Nordamerika und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen.

Inspiriert von der Lektüre Erich Fromms, der die Hutterer in mehreren seiner Bücher als 'radikale Humanisten' bezeichnete, lebte Michael Holzach ein Jahr lang in zwei brüderlichen Gemeinschaften in der kanadischen Provinz Alberta am Fuße der Rocky Mountains - fast ganz beschnitten weg von der modernen Welt. Er arbeitete, betete und sang mit ihnen, die Frauen nähten ihm die schwarze Uniform, die Männer brachten ihm bei, wie man Schuhe macht, Ferkel kastriert, Seife kocht.

Die Muttersprache dieser 'Auserwählten' ist Deutsch, aber sie haben Deutschland nie gesehen. Vor 450 Jahren zogen ihre Vorfahren ihres Glaubens wegen auf einer schmerzhaften Pilgerreise nach Russland, bevor sie 1874 in die Vereinigten Staaten auswanderten. Heute leben 25.000 Hutterer in 250 Siedlungen abseits der Highways in der nordamerikanischen Prärie. Ihr Gesetzbuch ist die Bibel. Sie sind strenge Pazifisten und lehnen jegliche Art von Privateigentum ab. Michael Holzach entdeckte eine Lebensweise ohne soziale Ungerechtigkeit, ohne Konsum und ohne Gewalt - den christlichen Urkommunismus. Doch wie verkraftet ein Mensch des 20. Jahrhunderts diesen Sprung ins 'Mittelalter'? Gibt es im 'Meer der Sünde' tatsächlich Inseln der Glücklichen? Dieser Bericht gibt Antworten auf die Fragen der Zivilisation, die uns heute drängen - gefunden bei den vergessenen Hutterern.

- Ich brauchte kein Geld, bekam zu essen, hatte ein Dach über dem Kopf. Die Frauen nähten mir die Kleidung, und der Säckelmann Elias gab mir jeden Monat meinen Liter Wein. Mehr braucht ein Hutterer nicht zum Leben und ich 'Weltmensch' fühlte mich bei diesem 'auserwählten Volk' oft so sorglos und geborgen wie selten zuvor, manchmal aber auch schrecklich allein.
"