Freitag, 13. März 2026

Johnson, Adam "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do"

Johnson, Adam "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do" (Englisch: The Orphan Master's Son) - 2012 

Ein schwer zu lesendes Buch. Und das nicht nur wegen des Themas. Adam Johnson wechselt die Erzähler. Nicht so wie Wilkie Collins, er wechselt sogar die Charaktere. Sie werden zu völlig anderen Menschen und sind dann wieder sie selbst. Man weiß nie, wer wer ist.

Trotzdem lohnt es sich, das Buch zu lesen. Die Einblicke, die es in das nordkoreanische Leben gewährt, sind immens. Und der Grund, warum das Buch so verwirrend ist, liegt wahrscheinlich darin, dass diese Art von Leben genauso ist. Pak Jun Do wächst in einem Waisenhaus auf, obwohl er noch seinen Vater hat, der aber der Waisenmeister ist. Jun Do (auf Koreanisch "John Doe", soviel wie Otto Normalverbraucher oder Max Mustermann auf deutsch) tritt dem Militär bei, und von da an ist sein Weg so seltsam wie das ganze Buch. Er wird auf Entführungsmissionen nach Japan und auf diplomatische Reisen nach Texas geschickt, dann übernimmt er den Platz eines wichtigen Politikers und wird mit dessen Frau verheiratet.

Je weiter man im Buch voranschreitet, desto mehr wird einem bewusst, wie verstörend das Leben in einer Diktatur sein kann. Ich erinnere mich an einen Ausflug zu einem Schloss in meiner Schulzeit, wo uns die Folterkammern gezeigt wurden, mit der Bemerkung, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Nun, wenn man dieses Buch (oder andere Bücher über ähnliche Länder) liest, ist man erstaunt, wie viele Möglichkeiten Menschen finden, andere Menschen zu misshandeln und zu foltern. Es ist unglaublich.

Also kein Buch für Leichtsinnige und kein Buch, das man in ein oder zwei Tagen lesen möchte. Kaum eine Seite, die nicht den Glauben an das Gute im Menschen erweckt, kaum eine Seite, die einem Hoffnung für die armen Seelen gibt, die unter diesen Umständen leben müssen.

Natürlich hat der Autor nie in Nordkorea gelebt, sondern es nur einmal besucht, und das war wahrscheinlich kein Besuch, bei dem er sich frei bewegen und mit jedem sprechen konnte. Daher müssen wir uns wohl auf seine anderweitigen Recherchen verlassen. Ich glaube nach wie vor, dass dies keine reine Fiktion ist.

Buchbeschreibung:

"Pak Jun Do hat noch nie einen Film gesehen, kaum je ein Werbeplakat, er findet es merkwürdig, dass woanders Leute Tiere im Haus halten, und wundert sich über Maschinen, die Geld auswerfen. Er kennt keine Ironie, keine Kunst, keine Mode und keine Magazine. Aufgewachsen im nordkoreanischen Waisenhaus Frohe Zukunft, ist er ein winziges Rädchen im großen Getriebe der absurd-grausamen Herrschaft des 'Geliebten Führers' Kim Jong Il. Nur ein falsches Wort kann jeden sofort ins Lager bringen.

Doch mit der Zeit beginnt Jun Do an etwas zu glauben, was stärker ist als Staatstreue: Freundschaft und Liebe. Als er die Schauspielerin Sun Moon trifft, lernt er das bedingungslose Vertrauen in einen anderen Menschen kennen. Und nur dafür lohnt es sich zu überleben.
"

Adam Johnson erhielt 2013 den Pulitzerpreis für diesen Roman. 

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