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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Zweig, Stefanie "Wiedersehen mit Afrika"

Zweig, Stefanie "Wiedersehen mit Afrika" [Reunion with Africa] - 2002

Noch eine Geschichte, in der Stefanie Zweig an ihre Erlebnisse in Afrika zurückdenkt. Dieses Mal geht es um eine ihrer Freundinnen. Stella ist eine Engländerin, die genausoviel Sehnsucht nach dem geheimnisvollen Kontinent hat wie Regine aus "Nirgendwo in Afrika". Und wie alle Immigranten muss sie erkennen, dass nichts mehr so ist wie in ihrer Erinnerung.

Ein gutes Buch nicht nur über Afrika sondern auch über Immigranten und wie es ist, so keine richtige Heimat zu haben.

Buchbeschreibung:

"Stella ist in Afrika aufgewachsen und musste nach England fliehen. Jetzt kehrt sie in ihre alte Heimat zurück und baut zusammen mit ihrer afrikanischen Freundin aus Kindertagen eine Lodge im Hochland von Kenia. Stella genießt die Vertrautheit mit den Menschen und fühlt sich aufgehoben in den Farben und Düften Kenias. Doch schmerzvoll erkennt sie, dass das Afrika ihrer Träume sich verändert hat. Und immer öfter schleichen sich Bilder aus England in ihre Gedanken."

Andere Bücher von Stefanie Zweig zu diesem Thema:
Doch die Träume bleiben in Afrika (Goodreads)
Karibu heißt willkommen (Goodreads)

Inschrift auf dem Grabstein von Stefanie Zweig:
"Ihre Liebe und Güte bleiben unvergessen, auch wenn ihr Leben vom Verlust geprägt war. Ihre Geschichten bleiben uns als ewiges Geschenk."

Dienstag, 1. November 2022

Zweig, Stefanie "Der Traum vom Paradies"

Zweig, Stefanie "Der Traum vom Paradies" [The Dream of Paradise] - 1999

Ein etwas anderer Roman von Stefanie Zweig, von der man ja gewöhnlich Erzählungen aus Afrika liest. Eine Erzählung, wie sie tagtäglich passieren kann, wenn sich jemand in einen anderen verliebt, der irgendwie "anders" ist, nicht in die Familie passt. In diesem Fall verliebt sich ein Jude in eine Christin.

Wir lernen hier viel über die Probleme, die ein solche Verbindung mit sich bringen kann. Und viel über die Rituale der jüdischen Glaubensgemeinschaft, die wir vielleicht doch nicht so gut kennen wie wir denken.

Wie immer, ein sehr lesenswertes Buch von einer ausgezeichneten Autorin.

Buchbeschreibung:

"Alfred, ein jüdischer Kinderarzt, verliebt sich in die christliche Studentin Andrea. Sie glauben, dass ihre Liebe stärker ist als alle Widerstände, und sie nehmen den Kampf für ihren Traum auf. Doch ihre Beziehung steht vor vielen Zerreißproben. Schon am Hochzeitstag erleben beide, dass ein einziges Wort reicht, um ihr Glück infrage zu stellen."

Dienstag, 4. Oktober 2022

Zweig, Stefanie "Owuors Heimkehr"

Zweig, Stefanie "Owuors Heimkehr" [Owuor's Homecoming] - 2003

Wer die Familie Redlich aus "Nirgendwo in Afrika" kennt, kennt auch ihren Koch und "Mädchen für Alles" Owuor, ohne den sie in Afrika oft total verloren gewesen wären.

So ist es schön zu erfahren, wie es Owuor ergangen ist, nachdem die Redlichs wieder nach Deutschlang gezogen sind. Eine Sammlung von wirklich wunderschönen Erzählungen, die die Liebe der Autorin zu Afrika widerspiegelt.

Buchbeschreibung:

"Was ist aus Owuor, dem Koch der Familie Redlich aus 'Nirgendwo in Afrika', geworden? Stefanie Zweig erzählt von der Heimkehr Owuors in seine Heimatstadt Kisumu. Diese fünf großen Erzählungen, die sowohl in der Kolonialzeit wie auch im heutigen Afrika spielen, sind erfüllt von Poesie und Humor. Ihre sensiblen Schilderungen und phantasievollen Bilderwelten gleichen einer einzigartigen Safari durch diesen Kontinent."

Freitag, 2. September 2022

Zweig, Stefanie "Es begann damals in Afrika"

Zweig, Stefanie "Es begann damals in Afrika" [It started back then in Africa] - 2004

Stefanie Zweig hat ja viele Romane über Immigranten in Afrika geschrieben, da sie selbst dies ja auch mitgemacht hat. In diesem Fall dreht es sich um die Freundinnen von Regina (also Stephanie) in ihrer Schule. Ihre Eltern sind alle vor den Nazis nach Kenia geflohen und sie haben ganz verschiedene Träume und Erlebnisse.

Wer mehr über das Leben Stefanie Zweigs erfahren möchte, ist hier richtig aufgehoben.

Buchbeschreibung:

"Nakuru School, Kenia 1944: Die Freundinnen Regina, Leah, Vicky und Liesel, die alle vor den Nazis fliehen mussten, sitzen unter einem Eukalyptusbaum und malen sich ihre Zukunft aus. Sie haben große Träume: Regina möchte Schriftstellerin werden und für immer auf der Farm Ol’ Joro Orok bleiben. Liesel glaubt nur an Zahlen und Logik und hofft auf akademische Erfolge. Die schöne Vicky schämt sich für ihre Herkunft, will einen reichen englischen Gentleman heiraten und ihre Wurzeln und ihre Religion vergessen. Die orthodox erzogene Leah weiß am wenigsten von der Wirklichkeit. Ihr Großvater ist einer der reichsten Männer Kenias und in seine Enkelin vernarrt …"

Montag, 1. August 2022

Zweig, Stefanie "Ein Mundvoll Erde"

Zweig, Stefanie "Ein Mundvoll Erde" (auch: Vivian und Ein Mundvoll Erde) [A Mouthful of Earth/Soil] - 1980

Stefanie Zweig ist in Afrika aufgewachsen. Darum kann sie auch so wundervoll über ihre Lieblingsheimat schreiben. Sie ist eine meiner deutschen Lieblingsautoren.

In dieser Geschichte geht es um ein deutsches Mädchen namens Vivian und einen schwarzen Kikuyu-Jungen. Die beiden sind befreundet, so befreundet, wie es eben Kinder sind, egal, woher ihre Eltern kommen oder welche Hautfarbe sie haben.

Das ist das Schöne an diesem Buch. Und dass Vivian auch ein wenig von Stefanie in sich hat, ist wohl selbstverständlich. Das macht die Geschichte ja so besonders.

Buchbeschreibung:

"'Ein Mundvoll Erde' essen zusammen die kleine Deutsche Vivian und der schwarze Kikuyu-Junge Jogona als Beschwörung ihrer Freundschaft. Nur wer wie ein Kikuyu denkt und fühlt, kann dieses Ritual vollziehen. Vivian, die mit ihrem Vater aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Kenia geflohen ist, kennt jede Geste, jedes umgeschriebene Gesetz und natürlich auch die Sprache dieses afrikanischen Stammes. Da ist sie ihrem Vater überlegen, dessen heimwehkranke Gedanken in Deutschland weilen."

Das Buch wurde 1980 zuerst unter dem Titel "Ein Mundvoll Erde" veröffentlicht und dann noch einmal 2001 als "Vivan und ein Mundvoll Erde". Warum? Ich glaube, das weiß niemand so genau. Oder doch? Vielleicht wollten die Herausgeber noch einmal an dem Buch verdienen ... Ich finde es jedenfalls schlimm, wenn das gleiche Buch noch einmal mit einem anderen Titel herausgegeben wird.

Samstag, 9. Juli 2022

Zweig, Stefanie "Die Bücher aus der Rothschildallee"

Ich habe Stefanie Zweigs Bücher über die Famliie Sternberg aus der Rothschildallee nicht alle direkt hintereinander gelesen, aber ich werde sie hier alle auf einmal beschreiben. Sie gehören zusammen.

Zweig, Stefanie "Das Haus in der Rothschildallee" (Familie Sternberg #1) [The House of Rothschild Avenue] - 2007

Stefanie Zweig ist meine absolute deutsche Lieblingsschriftstellerin. Also ist es sicher nicht erstaunlich, dass mir auch dieses Buch ausgezeichnet gefallen hat.

Im "Haus in der Rothschildallee" schildert sie das Leben der jüdischen Familie Sternberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zu Beginn wird noch ausgelassen der Geburtstag des Kaisers gefeiert, die Familie Sternberg ist reich und angesehen. Man fährt zur Kur nach Baden-Baden, man hat ein großes Mietshaus, man bestellt ein Auto. Dann kommt der erste Weltkrieg, der Sohn meldet sich sofort, das Vaterland zu verteidigen. Aber so nach und nach merken die Sternbergs, wie sie immer mehr in die Ecke gestellt werden, wie ihr Ansehen leidet, wie sie nur noch negativ als Juden beurteilt werden und nicht mehr als Mitmenschen.

Stefanie Zweig beschreibt ausgezeichnet, wie sich diese unsere Mitmenschen damals gefühlt haben, sie gaben ihr Leben (oder das ihrer Kinder) für ein Vaterland, das sie nicht wollte.

Stefanie Zweig kennt sich nicht nur in Frankfurt aus, wo sie seit ihrer Rückkehr aus Afrika vor mehr als sechzig Jahren wohnt, nein, sie kennt auch das Haus in der Rothschildallee in- und auswendig, schließlich ist es seitdem ihr Zuhause.

Ein wahrhaft faszinierender Roman, eine hervorragende "Fortsetzung" von "Nirgendwo in Afrika" und "Irgendwo in Deutschland". Wem diese Bücher gefallen haben, wird auch die Geschichte der Sternbergs nicht mehr loslassen.

Buchbeschreibung:

"Die trügerische Idylle Anfang des 20. Jahrhunderts virtuos verwoben mit dem tragischen Schicksal einer Familie.Keine dunkle Wolke scheint das Leben von Johann Isidor Sternberg und seiner Familie an des Kaisers Geburtstag, am 27. Januar 1900, zu trüben. Doch die harmonische Idylle erfährt bald ihre ersten Brüche ... Mit einfühlsamen Bildern, einer Liebe zum historischen Detail und tiefer Menschlichkeit beschreibt die Bestsellerautorin das Leben einer jüdischen Familie in Frankfurt bis in die Zwanzigerjahre. Das Haus in der Rothschildallee wird zum Symbol einer Zeit, die die Geschichte Deutschlands für immer bestimmt hat."


Zweig, Stefanie "Die Kinder der Rothschildallee" (Familie Sternberg #2) [The Children of Rothschild Avenue] - 2009

Das Leben geht weiter für den Rest der Sternbergs, allerdings nicht so wie bisher. In diesem Teil der Geschichte erfahren wir, wie es weitergeht, wie Menschen regelrecht aus dem Leben ausgeschlossen werden.

Und was macht man, wenn man in der "Heimat" keine Heimat mehr findet. Ganz klar, man wandert aus, wenn man es denn noch schafft.

Auch fast hundert Jahre später ist dies immer noch kaum fassbar.

Buchbeschreibung:

"Der Boykott der jüdischen Geschäfte im April 1933 nimmt dem Kaufmann Johann Isidor Sternberg jede Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland. Er, seine Frau Betsy, die Kinder und Enkel werden zu Aussätzigen in ihrer geliebten Heimatstadt Frankfurt. Die Nazis nehmen ihnen Arbeit, Sicherheit und schließlich die Heimat. Die Bedrohung ihres Lebens wird für die jüdische Familie Sternberg zur schrecklichen Normalität."


Zweig, Stefanie "Heimkehr in die Rothschildallee" (Familie Sternberg #3) [Homecoming to Rothschild Avenue] - 2010


Was die Sternbergs alle erleben mussten, wie es ihnen im Krieg ergangen ist, wer aus dem KZ wieder nach Hause kamen, das alles erfährt man in diesem Band. Die Heimkehr ist fast noch schlimmer als die Erfahrungen in Deutschland vor und während des Krieges, haben die Übriggebliebenen doch mit vielen Erinnerungen zu kämpfen.

Und dann ist da noch ein Zitat, dass ich leider nur allzugut verstehen kann, weil ich es auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Sternbergs noch erlebt habe. Ich kann nicht von sämtlichen "Holländern" (oder "Niederländern") reden, denn es gibt zum Glück genug, die das nicht so sehen, aber leider gibt es noch viele von der beschriebenen Sorte, zu viele.

"Für die Holländer bleibe ich ein Moffe, ein verachtenswerter Deutscher. Kein Volk ist in Holland unbeliebter als die Deutschen, während sämtliche Holländer, die mir heute über den Weg laufen, gestern Widerstandskämpfer gewesen sind und persönlich dafür gesorgt haben, dass Hitler den Krieg verloren hat."

Buchbeschreibung:

"Dieses Buch lässt niemanden unberührt. In letzter Minute wird die zehnjährige Fanny von der mutigen Anna vor der Deportation gerettet. Ihre Großmutter Betsy überlebt Theresienstadt, verliert Mann, Tochter und Enkelsohn und stellt sich doch dem Leben - zwei Wunder aus einer Zeit, in der Tragödie und Hoffnung so dicht beieinanderstanden wie nie zuvor. Der dritte Teil der Familienchronik schildert, wie es jenen Mitgliedern der Familie Sternberg erging, die den Mördern entkommen konnten und nun in der ganzen Welt verstreut sind. Er ist auch eine Hommage an die Frauen Deutschlands, die in den Ruinen vor den Trümmern des Lebens standen und die doch nicht aufgaben."

Zweig, Stefanie "Neubeginn in die Rothschildallee" (Familie Sternberg #4) [A New Beginning on Rothschild Avenue] - 2010

Den Sternbergs gelingt es, in ihr altes Haus wieder einziehen können. Das ist natürlich schon fast ein Wunder, vielen ist dieses nicht gelungen.

Wie es der Familie nun ergeht, wird im vierten Roman beschrieben. Mit vielen Details und sehr mitfühlend. Wer Stefanie Zweig mag, sollte diesen Vierteiler unbedingt lesen.

Buchbeschreibung:

"Kann Deutschland wieder Heimat sein? Der neue Roman der Bestsellerautorin Stefanie Zweig. 'Mit den Kindern stirbt auch die Hoffnung nicht', sagt Betsy Sternberg, als sie 1948 wieder in die alte Wohnung in der Rothschildallee zieht. Die Bombenschäden sind behoben, der Kirschbaum im Hinterhof ist noch da, die Vögel zwitschern frohe Lieder, doch für die Überlebenden der Familie Sternberg gibt es kein Zurück in das alte Leben. Zukunft, Heimat, Sicherheit sind für sie Worte ohne Bedeutung. In dieser Atmosphäre geschieht ein für diese Zeit nicht alltägliches Wunder: Im Hausflur steht Erwin, der nach Palästina ausgewanderte Sohn ... Aufrüttelnd, bewegend."

Das beste Zitat ist wohl noch die Aussage der Köchin Johanna, als sie erfährt, dass ihre neue "Herrschaft" jüdisch ist: "Macht nichts, ihr seid's ja auch Menschen." Wenn das doch nur alle so sehen könnten!

Eine "richtige" Fortsetzung von "Nirgendwo in Afrika" und "Irgendwo in Deutschland" findet man in Stefanie Zweigs Biografie "Nirgendwo war Heimat".

Samstag, 23. Oktober 2021

Zweig, Stefanie "Nirgendwo war Heimat"

Zweig, Stefanie "Nirgendwo war Heimat. Mein Leben auf zwei Kontinenten" [Home was Nowhere. My Life on Two Continents] - 2012

1995 erschien Stefanie Zweigs Roman "Nirgendwo in Afrika", 2001 entstand ein Film, der den Oskar für den besten ausländischen Film erhielt (damals erst der zweite deutsche in der Geschichte), in 2004 wurde er dann endlich ins Englische übersetzt, so dass ich ihn mit meinem englischsprachigen Lesekreis besprechen konnte.

"Nirgendwo in Afrika" ist schon so etwas Ähnliches wie eine Biografie, Stefanie Zweig heißt hier Regina Redlich, ihre Eltern Walter und Jettel Zweig heißen Walter und Jettel Redlich.

Aber dies ist nun die "richtige Biografie". Wer die beiden Bücher "Nirgendwo in Afrika" und "Irgendwo in Deutschland" gelesen hat, kennt zwar schon einiges, aber man stellt fest, was nun wirklich passiert ist und was die Autorin dazugedichtet hat. Wir lesen Briefe, die ihr Vater an seine Verwandten geschrieben hat, der erste erzählt von der Geburt der kleinen Stefanie in Leobschütz, in der preußischen Provinz Oberschlesien. Wir erfahren von den ersten Lebensjahren der kleinen Steffi und von der langsam immer bedrohlicher werdenden Situation für die Juden bis dann die kleine Familie nach Afrika auswandert. Ihre Familie sehen sie nie wieder.

Wenn man dieses Buch heute liest, fühlt man eine seltsam vertraute Bekanntschaft. Nicht nur in den USA gibt es Rassismus und wird immer mehr eine Situation heraufbeschworen, wie wir sie hier in den Dreißiger Jahren hatten, auch bei uns sollten wir aufpassen, dass wir nicht noch einmal in die gleiche Situation kommen. Geschichte ist dazu da, dass wir daraus lernen, nicht, dass wir sie wiederholen.

Buchumschlag:

"Ein bewegtes Leben auf zwei Kontinenten

Ihr Leben wurde geprägt vom Exil in Kenia - den Menschen, Tieren, Farben und Düften Afrikas, die ihre Kindheit zu einem überwältigenden Erlebnis machten. Aber auch von der frühen Begegnung mit Not, Verlust und Heimatlosigkeit, der Rückkehr nach Deutschland 1947, dem Aufenthalt in der Schweiz und ihrer Karriere als Journalistin und Schriftstellerin. Ein Stück Zeitgeschichte in literarischer, atmosphärisch dichter Form.
"

Dienstag, 8. Juni 2021

Zweig, Stefanie "Irgendwo in Deutschland"

Zweig, Stefanie "Irgendwo in Deutschland" - Somewhere in Germany - 1996

Eine weitere großartige Beschreibung des Lebens unter anderen Umständen. Dies ist die Fortsetzung von "Nirgendwo in Afrika".

Wir wissen ja alle, dass der Krieg irgendwann zu Ende war. Und was passierte mit der Familie Redlich? Nun, der Krieg war zu Ende und Walter Redlich wollte endlich wieder in seinem Beruf arbeiten. Da er aber nur mäßig Englisch spricht und auch als Rechtsanwalt nicht woanders arbeiten kann, kehrt die Familie zurück nach Deutschland ins zerbombte Frankfurt. Das scheint so schwer wie der Umzug nach Kenia.

Das Nachkriegsland quält sich und die Redlichs auch. Es gibt immer noch Antisemitismus und Hunger, sie haben ihre ganze Familie verloren, sie müssen sich wieder auf das Leben in Europa einstellen, für die Kinder eine völlig neue und unbekannte Welt. Es ist nicht leicht, in ein vom Krieg zerrissenes Land zurückzukehren, in dem es noch viele Menschen gibt, die sie lieber nicht dort haben möchten. Das ist etwas, was ich wirklich nicht verstehe. Wie konnten die Menschen nach all dieser Zeit die Juden immer noch nicht mögen? Hätten sich nicht alle schämen müssen, zumindest diejenigen, die die Nazis unterstützten? Regina trifft viele Leute und alle schwören, dass sie nichts vom Holocaust wussten und/oder ihr erzählten, wie sie den Juden geholfen haben. Schrecklich.

Regina (na ja, das ist eine Beinahe-Biografie der Autorin, Regina ist also eigentlich Stephanie Zweig selbst) fällt es besonders schwer, sich anzupassen, aber sie wird erwachsen und beginnt, als Journalistin zu arbeiten. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt, wie Regina und Max aufwachsen und ihre Eltern älter werden. Ich habe dieses Buch über Jahre hinweg immer wieder gelesen, und auch weitere Bücher von Stephanie Zweig, sowohl über Afrika als auch über das Leben der Juden in Deutschland, besonders nach dem zweiten Weltkreig, also ein Thema, von dem sie sehr viel verstand.

Stefanie Zweig ist und bleibt eine meiner Lieblingsautoren. Leider verstarb sie im Jahr 2014 in Frankfurt, wo sie die meiste Zeit ihres Lebens gewohnt hat.

Leider sind außer diesen beiden Romanen über ihr Leben keine ihrer Bücher ins Englische übersetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ihre anderen Bücher international genausoviel Interesse hervorrufen würden.

Buchumschlag:

"Die Fortsetzung des Welterfolgs 'Nirgendwo in Afrika'

Die Odyssee, die im Jahr 1938 Walter, Jettel und Regina während der Emigration von Oberschlesien nach Afrika führte, ist noch nicht zu Ende. 1947 kommt die Familie zurück in das Nachkriegsdeutschland der Entbehrungen und des Hungers. Regina, die Afrika nicht vergessen kann, geht heimlich mit ihren Gedanken auf Safari und singt ihrem in Nairobi geborenen Bruder Suaheli-Lieder vor ...

Mit einfühlsamen Beobachtungen und einer sehr bildhaften Sprache blättert Stefanie Zweig ein Kapitel fast schon vergessener Nachkriegsgeschichte auf und erzählt das Leben von Regina weiter, deren Geschichte durch
'Nirgendwo in Afrika' weltberühmt wurde."

In Englisch habe ich das Buch hier und hier beschrieben.

Freitag, 21. Mai 2021

Zweig, Stefanie "Nirgendwo in Afrika"

Zweig, Stefanie "Nirgendwo in Afrika" - Nowhere in Africa - 1995

Vor fast zehn Jahren habe ich geplant, auch meine deutschen Bücher zu rezensieren und hier zu veröffentlichen. Bei der Erstellung der Liste ist es dann geblieben.

Daher will ich jetzt endlich mit meinem deutschen Lieblingsbuch anfangen. Es ist mittlerweile auch schon ein Vierteljahrhundert alt, aber ich finde es steht immer noch in vorderster Reihe.

Wir haben es zweimal in unserem internationalen Lesekreis besprochen (jeweils mit unterschiedlichen Mitgliedern), einmal im April 2008 und dann im Januar 2016. Beide Male waren die Leser begeistert von dem Buch.

In Englisch habe ich das Buch hier und hier beschrieben.

Wir schreiben das Jahr 1938 und Rechtsanwalt Walter Redlich schafft es in letzter Minute, aus Nazideutschland zu fliehen. Die Familie zieht nach Kenia, wo er als Manager einer Farm eingestellt wird. Sie alle erleben dieses neue Land unterschiedlich, Walter kämpft mit der anderen Art Arbeit, die von ihm erwartet wird, Jettel vermisst den Luxus ihres früheren Lebens, beide haben mehr als ein paar Schwierigkeiten mit der Kultur und der Sprache, mal ganz abgesehen von den schlechten Nachrichten, die sie von und über ihre zurückgelassenen Familien aus Deutschland. Nur Regina, 9 Jahre alt, nimmt das Leben auf dem neuen Kontinent an, lernt die Sprachen, findet Freunde und kann sich kein anderes Leben vorstellen. Als ihr kleiner Bruder Max 1946 geboren wird, ist die Familie vollständig.

Dies ist eine Fast-Autobiographie der Autorin Stefanie Zweig, der Roman beruht auf ihrem Leben. Es gibt auch eine "richtige" Autobiographie, die sie später unter dem Titel "Nirgendwo war Heimat. Mein Leben auf zwei Kontinenten" veröffentlicht hat. Auch das Buch empfehle ich total. Sie ist eine wundervolle Autorin, die viel über den Kontinent geschrieben hat, an den sie ihr Herz verloren hat: Afrika. Es gibt eine Fortsetzung dieses Buches mit dem Titel "Irgendwo in Deutschland", das sollte man unbedingt im Anschluss lesen.

In der zweiten Besprechung haben wir eine Liste mit Fragen erstellt, die man sich beim Durchlesen stellen und über die man sehr gut diskutieren kann:

1. Was denkt ihr über Jettel, die Mutter? Glaubt Sie, dass es in Deutschland viele Menschen gab, die nicht gesehen haben, was kommen würde?

2. Was ist mit Regina? Wie wird sie sich wohl fühlen, wenn sie nach dem Krieg nach Deutschland verpflanzt wird?

3. Walter, der Vater, wird meistens als fürsorglicher Vater beschrieben, der nur seine Familie durch den Krieg bringen will. Rückblickend war dies die richtige Entscheidung. Was hätte er wohl gedacht, wenn der Krieg nicht so gewesen wäre, wenn er seine Familie umsonst verpflanzt hätte?

4. Wusstet ihr, dass "Nirgendwo in Afrika" fast eine Autobiografie der Autorin Stefanie Zweig ist, dass all dies ihrer Familie passiert ist, dass sie einen jüngeren Bruder namens Max hat, der zum Beispiel in Afrika geboren wurde? Wenn ja, wie habt ihr euch dabei beim Lesen gefühlt? Wenn nicht, denkt ihr jetzt anders über den Roman?

5. Habt ihr das Gefühl, dass das Aufwachsen in Afrika den Stil der Autorin beeinflusst hat? Hattet ihr das Gefühl, dass ihr Geschichtenerzählen einen bestimmten Fluss hatte?

6. Was denkt ihr über die anderen Charaktere, hauptsächlich Walter Süßkind und Lilly und Oskar Hahn, aber noch wichtiger Owuor? Wie beeinflussen sich Walter und Owuor gegenseitig und verändern das Leben des anderen?

7. Dieses Buch wurde zu einem Film verarbeitet und erhielt den Preis bei den 75. Oscar-Verleihungen 2003 für den besten fremdsprachigen Film. Wenn ihr den Film gesehen habt, wie findet ihr ihn im Vergleich zum Buch? Was hättet ihr anders gemacht, wenn ihr der Regisseur gewesen wärt?

8. Ich mag es, mit jedem Buch, das ich lese, etwas zu lernen. Egal, ob ihr zu dieser Art Lesern gehört oder nicht, was habt ihr aus dem Buch gelernt?

9. Gibt es noch andere Themen, die ich nicht angesprochen habe und die ihr diskutieren möchtet?

Es hat lange genug gedauert, bis dieses Buch ins Englische übersetzt, zwölf Jahre, um es genau zu nehmen. Im Jahr 2001 wurde daraus ein Film gemacht und dieser Film erhielt einen Oscar für den besten ausländischen Film. Der Film ist sehr gut, wird dem Buch aber - wie üblich - nicht wirklich gerecht.

Wie auch immer, Stefanie Zweig ist eine meiner Lieblingsautoren. Sie schreibt ebenso gut über jüdische Themen wie über Afrika, da sie dort eine wichtige Zeit ihrer Kindheit verbracht hat. Sie hat aber bis zu ihrem Tod im Jahre 2014 in Frankfurt gelebt.

Buchumschlag:

"Mit phantasievollen Bildern und einer wunderbaren Sprache voll Poesie überrascht Stefanie Zweig in ihrem Romandebüt über die Emigration ihrer Familie nach Kenia.

Die kleine Regina erlebt das Abenteuer der Emigration in das ferne Afrika an der Seite ihrer Eltern, die 1938 Oberschlesien verlassen müssen. Und dennoch trauern Walter und Jettel Redlich dieser Heimat nach, die sie nicht mehr haben wollte. Doch was ihren Eltern in dieser gänzlich andersartigen Welt nicht recht gelingen mag, glückt ihrer Tochter Regina. Rasch erliegt sie dem Zauber Afrikas mit seinen Gerüchen und Farben, den wilden Tieren und den ursprünglichen Menschen, die zu ihren Freunden werden.
"

Die Fortsetzung des Romans ist als "Irgendwo in Deutschland" erschienen.