Dienstag, 3. November 2026

Gilbreth, Frank + Gilbreth Carey, Elizabeth "Im Dutzend billiger" und "Aus Kindern werden Leute"


      
Gilbreth, Frank + Gilbreth Carey, Elizabeth "Im Dutzend billiger" und "Aus Kindern werden Leute" (Englisch: Cheaper by the Dozen und Belles on their Toes) - 1948/1950

Dies ist eine jener Geschichten, bei denen ich zuerst den Film (oder die Filme *) gesehen habe. Clifton Webb als Frank Bunker Gilbreth und Myrna Loy als seine Frau Lillian verkörperten wunderbare Eltern eines Dutzends Kinder. Ich kann mir kaum vorstellen, wie ihr Leben tatsächlich ausgesehen haben muss, aber in der Geschichte wirkt es einfach sehr amüsant.

Dasselbe gilt für das Buch, das von zweien ihrer Kinder, Frank und Elizabeth, geschrieben wurde. Sie berichten vor allem von der Liebe innerhalb der Familie. Natürlich erwähnen sie, dass Geld eher Mangelware als die Regel war, aber es klingt so, als hätte es ihnen an nichts gefehlt.

Beide Eltern sind Wissenschaftler und arbeiten an Methoden, um Abläufe effizienter zu gestalten. Sie bilden junge Menschen für bestimmte Berufe aus und erproben all ihre Erkenntnisse an ihren eigenen Kindern. Da ich selbst Esperanto spreche, fand ich es besonders schön, dass ihr Vater auch wollte, dass sie diese internationale Sprache lernen.

Wie dem auch sei: eine herrlich komische Geschichte voller Liebe. Ein echter Wohlfühlroman. Übrigens habe ich gar nicht erst versucht, die Verfilmung mit Steve Martin anzusehen; ich bin mir sicher, dass sie mir zu sehr auf Slapstick setzt.

Buchbeschreibung:

"Im Dutzend billiger ist eine 1948 publizierte Biographie von Frank Bunker Gilbreth Jr. und Ernestine Gilbreth Carey. Sie erzählt auf humorvolle Weise Episoden aus dem Leben der Zeit- und Bewegungsmanagementpioniere Frank Bunker Gilbreth und Lillian Moller Gilbreth und ihrer zwölf Kinder. Das Buch konzentriert sich auf die Jahre in Montclair, New Jersey. Das Buch war ein Bestseller und wurde in über fünfzig Sprachen übersetzt. 1950 wurde es von Twentieth Century Fox verfilmt. Der Titel des Buchs basiert auf einem von Frank Senior beliebtesten Scherzen: Wenn er mit seiner Familie im Auto unterwegs war und an einer roten Ampel anhalten musste, wurde er oft von Passanten angesprochen. 'Hey, Mister! Wie ernähren Sie all diese Kinder?"'Gilbreth gab jeweils vor, sorgfältig über die Frage nachzudenken. Sobald die Ampel auf grün schaltete, antwortete er: 'Nun ja, die sind im Dutzend billiger, wissen Sie', und fuhr davon."

*) Im Deutschen wurde der zweite Film mit "Im Dutzend heiratsfähig" übersetzt.

Montag, 2. November 2026

Lem, Stanisław "Solaris"

Lem, Stanisław "Solaris" (Polish: Solaris (powieść)) - Solaris - 1961

Wenn man sich über den Autor informiert, gewinnt man den Eindruck, Stanisław Lem sei einer der größten Science-Fiction-Autoren aller Zeiten. Nach der Lektüre dieses Buches kann ich das voll und ganz nachvollziehen. Es ist absolut außergewöhnlich und unterscheidet sich grundlegend von dem, was man sonst oft in Science-Fiction-Geschichten findet.

Zunächst einmal trifft man in diesem Buch nicht auf die üblichen "Außerirdischen", die eigentlich nur Menschen in Verkleidung sind. Nein, Stanisław Lem entwirft eine völlig andere Art von Spezies – so unwirklich, dass sie echter wirkt als all die anderen Science-Fiction-Geschichten.

Das Buch ist stark psychologisch geprägt; die Erinnerungen der Erdlinge wirken bisweilen fremdartiger als jeder Babelfisch, Borg, Cat, Dalek, Droide, Ewok, Klingone, Vulkanier oder wie auch immer diese Außerirdischen aus den bekannten Sci-Fi-Serien heißen mögen.

Ich bin eigentlich kein großer Science-Fiction-Fan, auch wenn ich schon einige Bücher dieses Genres gelesen habe, die gar nicht schlecht waren. Aber dieses Buch fand ich fantastisch, spannend, packend, fesselnd, faszinierend und mitreißend. Mir fehlen fast die Worte, um meine Begeisterung auszudrücken.

Besonders gut gefallen hat mir dieses Zitat:

"Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel. Wir wissen nichts mit anderen Welten anzufangen. Eine einzige Welt, unsere eigene, genügt uns; doch wir können sie nicht so akzeptieren, wie sie ist."

Ich finde, das ist dem Autor hervorragend gelungen. Ich bin sehr froh, dass mein Lesekreis diesen Roman ausgewählt hat, denn ich bezweifle, dass ich sonst jemals darauf gestoßen wäre oder ihn gelesen hätte.

Kommentare anderer Mitglieder:

  • Ein Kapitel empfand ich als etwas zu wortreich, aber insgesamt lässt sich das Buch leicht lesen.
  • Das Buch hat mir sehr gut gefallen – besonders, wie der Autor die Stimmung der Geschichte und die Charakterzeichnung sowie die Sinnlosigkeit und Frustration beim Versuch, ein außerirdisches Wesen zu verstehen, so gekonnt herausgearbeitet hat.
  • Wir haben auch herzlich über die fehlerhafte Logik in Kelvins "Zurechnungsfähigkeitstest" gelacht. Ebenso über die Vermutung, dass die Figuren unter "Weltraumkoller" litten und womöglich Menschen mit sehr hohem IQ repräsentierten.
  • Ich kannte das Buch vorher nicht, hatte aber bereits ein anderes Werk von Lem gelesen – "Fiasco" –, das ich nun noch einmal lesen werde (ich besitze ein Exemplar). Das Buch hat mir wirklich gut gefallen; zudem ist es für mich interessant, ein Werk eines polnischen Autors zu lesen, da ich eine Zeit lang dort gelebt habe.
  • Wenn ich nach Büchern für uns suche, bleibe ich oft an zahlreichen Artikeln über das jeweilige Werk und die Autoren hängen. Besonders spannend fand ich die Informationen zu den verschiedenen Übersetzungen des Buches. Ich habe eine schwedische Übersetzung gelesen, die in den 70er-Jahren auf Basis der französischen Fassung entstand, während die finnische Übersetzung aus dem Deutschen übertragen wurde.
  • Das geht mir genauso; ich würde zu gerne wissen, welche Übersetzung näher am Original ist.
  • Unsere Bibliothek konnte das Buch nicht für mich besorgen, sodass ich es schließlich widerwillig online gelesen habe. Normalerweise halte ich ein Buch gerne in der Hand, um richtig in die Geschichte einzutauchen. Doch dieses Buch hat mich – fast gegen meinen Willen – in seinen Bann gezogen. Es regte mich dazu an, über unsere ausgeklügelten Abwehrmechanismen nachzudenken: sowohl im Hinblick darauf, die Realität zu begreifen, als auch in Bezug auf das Lesen von Romanen am Bildschirm.


Dies war der Roman unseres internationalen Online-Lesekreises im August 2020.

Buchbeschreibung:

"Der Planet Solaris ist von einem Ozean bedeckt - einem Ozean, der auf die physikalischen Verhältnisse ebenso Einfluß zu nehmen scheint wie auf die Wissenschaftler, die ihn von der Raumstation aus untersuchen sollen. Der Psychologe Kris Kelvin wird geschickt, um die seltsamen Vorkommnisse zu klären, aber was ihn erwartet, übersteigt jegliche Vorstellungskraft ..."

Samstag, 31. Oktober 2026

Hawking, Stephen "Eine kurze Geschichte der Zeit"


Hawking, Stephen "Eine kurze Geschichte der Zeit" (Englisch: A Brief History of Time: From the Big Bang to Black Holes) - 1988

Das war eines der schwierigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich wollte es schon seit Ewigkeiten lesen, war aber nie so recht dazu bereit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es jemals sein werde, aber ich habe es geschafft, es zu lesen. Und ich habe sogar einen Teil davon verstanden. Ich bin keine Wissenschaftlerin. Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Schulzeit auch ohne eine einzige naturwissenschaftliche Unterrichtsstunde glücklich überstanden hätten. Stattdessen lebte ich in einem Land, in dem man sowohl in der Mittelstufe (Klasse 5 bis 10) als auch in der Oberstufe (Klasse 11 bis 13) Biologie, Physik und Chemie belegen muss. Heutzutage kann man sich in der Oberstufe für nur eines dieser Fächer entscheiden und dafür zwei Fremdsprachen wählen. Genau das haben meine beiden Söhne getan – und ich hätte es auch getan, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte.

Besonders die Abschnitte über Schwarze Löcher und die verschiedenen Planeten waren interessant. Vielleicht hätte ich mich in der Schule mehr für Astronomie interessiert.

Wie dem auch sei: Ich habe irgendwo gelesen, dass dieses Buch einem gleichzeitig das Gefühl geben kann, sowohl dümmer als auch gebildeter zu sein. Ich habe versucht, die Person ausfindig zu machen, die das gesagt hat, bin aber nicht fündig geworden. Falls jemand diese Person kennt (oder es selbst ist), lasst es mich bitte wissen. Denn ich stimme dem voll und ganz zu.

Alles in allem bin ich froh, das Buch zu Ende gelesen zu haben, auch wenn es wirklich harte Kost war. Und eines hat es mich gelehrt: Ich werde niemals Wissenschaftlerin werden.

Buchbeschreibung:

"Das Buch, das unsere Weltsicht verändert hat

Woher kommen wir? Warum ist das Universum so, wie es ist? Dieses Buch hat unsere Weltsicht verändert – und zugleich setzte es neue Maßstäbe für die Darstellung komplexer physikalischer Zusammenhänge. Stephen Hawkings Eine kurze Geschichte der Zeit hat das Wissen über die Entstehung des Universums, Schwarze Löcher, das Wesen der Zeit und die Suche nach der Weltformel in der Physik und Kosmologie populär gemacht wie kein anderes. Das Credo eines Jahrhundert-Genies."

Freitag, 30. Oktober 2026

Slimani, Leïla "All das zu verlieren"

Slimani, Leïla "All das zu verlieren" (Französisch: Dans le jardin de l'ogre) - Adèle - 2014

Ein interessantes Buch, auch wenn mir die Protagonistin Adèle Robinson überhaupt nicht gefiel. Wer die Beschreibung des Buches liest, ahnt vielleicht, warum.

Es ist die Geschichte einer sexsüchtigen Frau. Sie schläft mit jedem Mann, der ihr über den Weg läuft. Ich konnte mit dieser Frau einfach nichts anfangen.

Wenn einem die Ehe nicht gefällt, sollte man sie beenden. Wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter (oder in der Mitte des 20. Jahrhunderts), als man an seinen Ehemann gebunden war.

Wenn man sich nicht als Mutter fühlt … nun, wie kann man sich nicht als Mutter fühlen, wenn man eine ist? Ich kenne keine Mutter, die ihre Kinder nicht liebt – selbst jene, die sonst niemand mag. Man tut es einfach.

Ich weiß, dass Sucht eine Krankheit ist und es schwer ist, davon loszukommen, aber mit solchen Menschen kann ich nicht umgehen. Sie sind egoistisch und nutzen alle in ihrem Umfeld aus.

Ich glaube, die Autorin wollte Adèle nicht verurteilen. Aber da ich meine Zeit damit verbracht habe, über sie zu lesen, nehme ich mir das Recht heraus, sie zu beurteilen. Mir taten einfach ihr Mann leid, der alles tat, um es ihr recht zu machen, und ihr Sohn, der sich seine Geburt nicht ausgesucht hat, aber die Liebe seiner Eltern verdient. Es gibt immer Opfer, wenn sich jemand für ein egoistisches Leben entscheidet.

Seien wir ehrlich: Wir alle haben manchmal Probleme, die unlösbar erscheinen. Manchmal sind sie tatsächlich nicht zu lösen. Aber Adèle hätte viele Wege aus dieser Situation gehabt, ohne allzu viele Menschen zu verletzen.

Ich frage mich, warum der Titel "Dans le jardin de l'ogre" nicht mit "Im Garten des Menschenfressers" übersetzt wurde, sondern stattdessen im Englischen der Name der Protagonistin verwendet wurde und der deutsche Titel ein ganz anderer ist. Ich finde den französischen Titel viel besser, auch wenn es eigentlich um Adèle geht.

Hier sind einige Kommentare der anderen Mitglieder:

Adèle ist eine unsympathische Antiheldin.
Das Buch handelte mehr von Aufmerksamkeitsdefizitstörung als von Sucht.
Sie scheint eher unter Aufmerksamkeitsdefizitstörung zu leiden.
Die Figur wird als Süchtige beschrieben, die sich nicht beherrschen kann und fast jeden in ihrem Umfeld betrügt.
Das Thema ist so heikel, dass es aus männlicher Sicht sehr schwerfällt, sich mit der Person zu identifizieren. Ich kann Adèle nur als Außenstehender mit anderen Figuren vergleichen.
Leïla Slimanis Mutter ist Ärztin, und Leïla arbeitete früher als Reporterin. Die Figuren im Buch schöpfen daher viel aus dieser Lebenserfahrung.
Mir hat das Buch überhaupt nicht gefallen. Mir auch nicht.
Ich kann über Bücher, die mir nicht gefallen haben, besser nachdenken.
Welches ihrer Probleme war gesellschaftlich bedingt, durch ihre Erziehung, ihre Persönlichkeit oder auch ihren IQ?
Sexsucht war ein Symptom, nicht die Ursache.
Ich habe keinen Respekt vor Menschen mit Adèles Schwäche.
Mir gefiel der Originaltitel auch viel besser, und ich hätte sehr gern die Meinung eines französischsprachigen Lesers dazu gehört, wie das Buch im Original wirkte. Ich habe es auf Finnisch gelesen, was es kühl und abweisend erscheinen ließ, ohne jeglichen Reiz und keine prickelnde Spannung. (Anmerkung von mir: Ich habe es auf Französisch gelesen, und selbst dort wirkte es kühl und abweisend.)



Es sieht so aus, als hätten mir alle zugestimmt.

Das war der Roman für unseren internationalen Online-Lesekreis im Juli 2020.

Buchbeschreibung:

"Nach außen hin führt Adèle ein Leben, dem es an nichts fehlt. Sie arbeitet für eine Pariser Tageszeitung, ist unabhängig. Mit ihrem Ehemann, einem Chirurgen, und ihrem kleinen Sohn lebt sie in einem schicken Viertel, ganz in der Nähe von Montmartre. Sie reisen, sie fahren übers Wochenende ans Meer. Dennoch macht Adèle dieses Leben nicht glücklich. Gelangweilt eilt sie durch die grauen Straßen, trifft sich mit Männern, hat Sex mit Fremden. Sie weiß, dass ihr die Kontrolle entgleitet. Sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte. Trotzdem setzt sie alles aufs Spiel."

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Stephenson, Neal "Anathem"


Stephenson, Neal "Anathem" (Englisch: Anathem) - 2008

"Der Begriff Anathema
(altgriechisch ἀνάθημα oder ἀνάθεμα für 'das Geweihte' oder 'der Fluch'),
auch Kirchenbann oder kirchlicher Bannfluch genannt,
bezeichnet eine kirchliche Verurteilung,
die mit dem Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft verbunden ist
und im Kirchenrecht der Exkommunikation gleichkommt."

Ich bin kein großer Fan von Science-Fiction, und dieses Buch fällt definitiv in diese Kategorie. Allerdings liebe ich dystopische Literatur, und ich denke, dass man es es problemlos auch dort einordnen kann.

Die Handlung spielt etwa im Jahr 3000 auf dem Planeten Arbre. Die dort verwendeten Namen leiten sich von irdischen Wörtern ab – "Arbre" bedeutet natürlich "Baum". Die Menschen haben sich in zwei verschiedene Gesellschaftsformen aufgeteilt: die "Avout" (wahrscheinlich vom französischen "avouer" – bekennen/beichten), die in einer klosterähnlichen, aber durchaus rationalen und atheistischen Welt leben, und die "Sæcular", die eher weltlich orientierten Menschen. Die Avout sind Wissenschaftler, die sich mit unterschiedlichsten Dingen befassen – mit allen uns bekannten Wissenschaften und wahrscheinlich noch mehr.

Wir lernen einen von ihnen kennen: Erasmas, auch Raz genannt. Die Geschichte beginnt, nachdem er ein Jahr im "Concent" verbracht hat; nun treffen sie auf die Sæcular, und wir erhalten Einblick in ihre gewohnte Lebensweise. Doch dann läuft alles schief, und Raz begibt sich auf die Reise seines Lebens, die ihn zu verschiedenen Planeten führt.

Ich war begeistert von diesem Buch. Es geht nicht um Wissenschaft. Oder Fiktion. Wobei man es durchaus auch lesen sollte, wenn man solche Genres mag. Es geht um Philosophie, um Vorstellungskraft. Arbre ähnelt der Erde, hat sich aber anders entwickelt. Man kann sich also ausmalen, wie wir leben könnten und wie unsere Gesellschaft aussehen mag. Besonders viel Spaß hat es mir auch gemacht, die Bedeutungen der "fremden" Wörter zu entschlüsseln.

Viele Bücher dieser Art bieten so etwas, aber ich habe das Glossar am Ende des Buches sehr geschätzt: So konnte ich bei einem Wort, dessen Bedeutung mir entfallen war, einfach nachschlagen, anstatt mühsam zu einer früheren Seite zurückzublättern, auf der es vielleicht erklärt worden war. Natürlich bedeutete das, dass ich weit mehr als diese 1.024 Seiten gelesen habe, denn den Anhang muss ich bestimmt an die zwanzig Mal gelesen haben. Mindestens!

Es gibt sogar eine Wiki-Fandom-Seite (auf Englisch), die den Zusammenhang zwischen der Erde und Arbre erklärt, die dortigen Bewohner mit berühmten Persönlichkeiten unserer Welt sowie deren Sprachen mit unseren verknüpft usw., sowie ein Video/Trailer auf YouTube.

Ein interessantes Buch. Ich werde weitere Werke von Neal Stephenson lesen.

Buchbeschreibung:

"Der Planet Arbre im Jahr 3689. Seit seinem achten Lebensjahr lebt Erasmas, genannt Raz, im Konzent Saunt Edhar, einer klosterähnlichen Gemeinschaft von Wissenschaftlern, Philosophen und Mathematikern. Die Aufgabe dieser Gemeinschaft ist es, hinter den jahrtausendealten Mauern Wissen zu bewahren und es vor den schädlichen Einflüssen der säkularen Welt zu beschützen. Denn während das Leben im Konzent nach strengen Ritualen und uralten Traditionen verläuft, so ist die Geschichte jenseits dieser abgeschlossenen Welt durch Chaos und Veränderung geprägt: Auf Blütezeiten folgten Zusammenbrüche, auf finsteres Mittelalter Erneuerung; Kriege und Klimawandel zerstörten die bestehende Ordnung.

Als Raz mit 18 seine erste Apert bevorsteht – eine Woche, in der beide Welten in Kontakt treten und Austausch pflegen – bereitet er sich mit seinen Mitschwestern und -brüdern darauf vor, den Konzent zu verlassen und sich in die säkulare Welt vorzuwagen. Aber dort muss er entdecken, dass außerarbrische Kräfte den Planeten bedrohen. Und mit einem Mal lastet eine hohe Verantwortung auf Raz’ Schultern, denn er wird für die schwierige Aufgabe auserwählt, die Zerstörung des Planeten zu verhindern..."

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra!"

Russell, Helen "Hygg Hygg Hurra! Glücklich wie die Dänen" (Englisch: The Year of Living Danishly: My Twelve Months Unearthing the Secrets of the World's Happiest Country) - 2015

Als ich mit dem Buch begann, dachte ich: "Oh nein, nicht schon wieder eines dieser Reisebücher, in denen ein naiver Ausländer im Ausland lebt und alles falsch macht." Denn genau so wirkte es in den ersten Kapiteln. Doch Helen Russell findet den Dreh und beschreibt auf sehr humorvolle Weise, wie wunderbar dieses kleine skandinavische Land tatsächlich ist.

Während sie sich mit ihrem "Lego-Mann" in ihrem kleinen Haus in "Sticksville-on-Sea" einlebt – mit gelegentlichen Ausflügen in die "Großstadt" –, versucht sie herauszufinden, was die Dänen so glücklich macht. Besonders im Hinblick auf die Steuern, die sie zahlen. Doch das Geheimnis liegt womöglich darin, dass die Skandinavier einen Weg gefunden haben, für mehr Gleichheit zu sorgen und jedem ein sicheres Leben zu ermöglichen. Sie müssen sich keine Sorgen um Krankenversicherung, die Bildung ihrer Kinder oder die Altersvorsorge machen; darum kümmern sich der Staat und die gezahlten Steuern. Ein glücklicher Sozialismus, wenn man so will.

Sie freundet sich mit einigen Nachbarn an – was bisweilen schwierig sein kann, zumal sie im Januar ankommen, wenn sich alle in den Winterschlaf zurückgezogen haben – und lernt das dänische Leben durch Gespräche mit Experten sowie mit "Otto Normalverbraucher" kennen. Dabei bemerkt sie, wie viel ruhiger das Leben auf dem dänischen Land im Vergleich zum hektischen London ist. Etwas, das ich ihr auch schon vorher hätte sagen können. LOL

Obwohl sie versucht, ihren Aufenthaltsort nicht allzu direkt zu verraten – etwa indem sie Ortsnamen durch Spitznamen ersetzt –, lässt sich leicht erraten, wovon sie spricht, besonders wenn man schon einmal in Dänemark war und auch das Legoland besucht hat. Vielleicht wart ihr auch schon dort.

Ich habe skandinavische Freunde, und auch wenn viele von ihnen eher zu einer gewissen Zurückhaltung neigen – wie von der Autorin beschrieben –, wirken die meisten auf mich sehr zufrieden und glücklich. Ich glaube also, dass an diesem beschriebenen "Hygge"-Gefühl durchaus etwas dran ist. Das Buch hat mir gut gefallen, und ich werde versuchen, weitere Werke von ihr zu lesen. Denn obwohl sie ursprünglich nur ein Jahr bleiben wollte, ist sie auch nach fast einem Jahrzehnt noch dort. Das spricht für sich. Oh, und es gibt noch eine amüsante Anekdote, als sie Weihnachten mit ihren Nachbarn feiert:

Man versichert ihr, dass sich "die meisten Weihnachtsfeiern darauf beschränken, um Mitternacht vom Sofa zu springen, nach draußen zu gehen, um sich das Feuerwerk anzusehen, und dann einen Schwarz-Weiß-Film zu schauen, in dem einer alten Dame das Essen von ihrem Butler serviert wird." Detuschen braucht man diesen Film nicht zu erklären, aber ich lasse die Beschreibung trotzdem mal hier drin. Der Film dauert nur 18 Minuten und basiert auf einem Theaterstück von Lauri Wylie. Er trägt den Titel "Dinner for One". Es gibt nur zwei Figuren: Miss Sophie und ihren Butler, dargestellt von den britischen Komikern May Warden und Freddie Frinton. 1962 sah der deutsche Entertainer Peter Frankenfeld den Sketch in Blackpool und überredete die beiden, nach Deutschland zu kommen und ihn dort zu verfilmen. Seitdem läuft er an jedem Silvesterabend im deutschen Fernsehen. Von dort aus verbreitete er sich in Skandinavien und vielen anderen europäischen Ländern – allerdings nicht im Vereinigten Königreich. Und, wie ihre Nachbarn so eifrig betonten: Es ist Tradition!

Für alle, die es einmal außerhalb von Silvester sehen wollen, hier kann man es sich ansehen:

Und falls ihr noch nicht in Dänemark wart: Setzt es unbedingt auf eure Wunschliste.

Buchbeschreibung:

"Die Kunst, einfach glücklich zu sein

Dänemark ist das glücklichste Land der Welt. Die britische Journalistin Helen Russell ist dennoch höchst skeptisch, als ihr Mann einen Job bei Lego annimmt - und sie als überzeugte Großstädterin aus London mit ihm in die dänische Einöde ziehen soll.

Doch in Jütland angekommen, findet Helen Schritt für Schritt heraus, was hinter dem geheimnisvollen Wohlfühlkonzept 'Hygge' steckt, das die Dänen den langen Wintern, der Kälte und Dunkelheit trotzen lässt. Und welche Geheimrezepte (und damit sind nicht nur die dänischen Zimtschnecken gemeint) für so viel Glück sorgen, dass manchmal sogar die Kühe auf der Wiese tanzen."

Dienstag, 27. Oktober 2026

Hustvedt, Siri "Der Sommer ohne Männer"

Hustvedt, Siri "Der Sommer ohne Männer" (Englisch: The Summer without Men) - 2011

Ich weiß nicht mehr, wann und warum ich dieses Buch gekauft habe; ich weiß nur noch, dass ich eine Liste mit Büchern hatte, die "Sommer" im Titel tragen, und dieses hier darauf auftauchte. Da ich es noch nicht kannte und der Sommer vor der Tür stand, beschloss ich, es als Nächstes zu lesen.

Es hat bei mir allerdings keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Ich würde es nicht gerade als schwer zu lesen bezeichnen, eher als etwas wirr. Bisweilen fühlte ich mich an Sylvia Plath oder Virginia Woolf erinnert – aber nicht im positiven Sinne. Es war zwar philosophisch angehaucht, aber oft konnte man ihrem Gedankengang nicht folgen; sie schweifte einfach ab.

Die Handlung ist eigentlich recht simpel: Mia wird von ihrem Mann verlassen – zumindest vorübergehend –, fällt in ein tiefes Loch, muss eine Zeit lang in eine psychiatrische Klinik und verbringt dann den Sommer bei ihrer Mutter. Auch die Freundinnen ihrer Mutter scheinen alle Probleme zu haben. Sie unterrichtet junge Mädchen in einem Sommerkurs für Literatur – und natürlich gibt es auch dort Probleme. Ach ja, und dann ist da noch die Nachbarin, die Schwierigkeiten mit ihrem Mann hat. Gibt es überhaupt irgendein Problem, das eine Frau haben kann und das in diesem Buch nicht thematisiert wird? Das größte Manko war für mich, dass ich keinen rechten Draht zu der Geschichte fand; die Figuren wirkten nicht lebendig. Es wirkte einfach wie eine Aneinanderreihung von Problemen, ohne dass diesen wirklich Tiefe verliehen wurde.

Außerdem enthielt der Roman für meinen Geschmack zu viel Lyrik.

Ich weiß, dass Siri Hustvedt eine renommierte Autorin ist. Vielleicht gehört dieses Buch zu ihren schwächeren Werken. Oder aber – sie trifft einfach nicht meinen Geschmack. Ich habe noch "Die Leiden eines Amerikaners" (The Sorrows of an American) auf meinem SUB liegen, weiß aber nicht, ob ich mich in nächster Zeit daran wagen werde.

Der Original-Buchumschlag hat mir allerdings gut gefallen.

Buchbeschreibung:

"Die New Yorker Dichterin Mia hat eine Krise und verbringt den Sommer in der Nähe ihrer 90-jährigen Mutter, die im Heim lebt. Mia schreibt sich ihre Wut über ihren untreuen Ehemann und auch sonst eine Menge vom Herzen und allmählich entdeckt sie sich wieder neu."

In diesem Roman ist viel von Büchern die Rede, doch nur eines wird namentlich genannt: "Überredung" (Persuasion) von Jane Austen – ein Buch, das von der Mutter der Protagonistin und ihrem Lesekreis "The Rolling Meadows" (Sanfte hügelige Wiesen) gelesen wird.

Montag, 26. Oktober 2026

Solschenizyn, Alexander "Der erste Kreis der Hölle"

Solschenizyn, Alexander (Aleksandr Solzhenitsyn) "Der erste Kreis der Hölle" oder "Im ersten Kreis"(RUS: В круге первом/V krugue pervom) - In the First Circle - 1955

Die Buchbeschreibung erzählt, dass es sich hier um ein umfang- und inhaltsreiches Werk handelt. Absolut richtig. Fast 800 Seiten, in denen es um das Leben in der Sovjetunion kurz nach dem zweiten Weltkreig geht. Allerdings nicht für jedermann. Hier wird das Leben der politischen Gefangengen und deren Angehörigen beschrieben. 

Wenn man erst einmal in einer sogenannten "Scharaschka", einem Arbeitslager für Wissenschaftler und Ingenieure, oder in der Lubjanka, dem berüchtigten Moskauer Gefängnis für politische Gefangene gelandet war, konnte man mit dem Leben abschließen, die meisten kamen nicht wieder in die Freiheit. Auch wenn diese Gefangenen ein paar Erleichterungen gegenüber den anderen hatten, waren sie dennoch gefangen und mussten auch noch für das verhasste Regime arbeiten.

So wird das Leben der verschiedenen Insassen beschrieben, vor der Inhaftierung und danach. Und auch die Frauen, die Familien, sie wurden gleich mitbestraft.

Für alle Beteiligten war dies das Ende des Lebens wie sie es kannten und, wie im letzten Kapitel benannt: der erste Kreis der Hölle.

Außer Alexander Solschenizyn war auch Ossip Mandelstam einer der Dichter, die über ihr "Leben" in diesem Regime geschrieben haben. Gut, dass es solche Menschen gab/gibt, die uns über solche Zustände aufklären.

Ein hochinteressantes Buch, sicher neben Iwan Denissowitsch eine der besten, die über dieses Thema geschrieben wurden.

Hier noch ein Zitat, dass besonders alle Leseratten interessieren dürfte:

"In der Welt gab es so unermesslich viele, unentbehrliche, erstklassige Bücher, und die Begierde, sie alle zu lesen, hinderte Rubin daran, jemals ein eigenes Buch zu schreiben. Jetzt hatte er sich darauf vorbereitet, bis weit über Mitternacht hinaus, ohne Rücksicht auf den morgigen Arbeitstag, zu lesen. Aber abends erwachte stets sein Geist und seine Diskutierfreude, und sein Witz wurde besonders scharf- da bedurfte es nur wenig, um ihn für die Unterhaltung der Allgemeinheit zu gewinnen. ..." 

Buchbeschreibung:

"Die Handlung des umfang- und inhaltsreichen Werkes ist mit ein paar Tagen im letzten Dezemberdrittel 1949 begrenzt und stellt eigentlich einen Kriminalroman vor, der mit der Tat beginnt, ... jedoch mit der Verhaftung und genauen Bekanntgabe, wie es in der berüchtigten Lubjanka zugeht, nicht endet: Die Story von dem Staatsrat zweiter Klasse Innokentij Wolodin, der in einer plötzlichen Anwandlung von einer öffentlichen Telephonzelle aus die amerikanische Botschaft in Moskau anruft und einem Attache verrät, daß drüben ein Ehepaar Rosenberg in den nächsten Tagen die Geheimnisse der Atombomben-Herstellung einem sowjetischen Agenten weitergeben werde - dieser aufregende Anfang ist bloß Aufhänger für alles andere.  Alles‹ ist wörtlich gerneint: vom Sonderlager Marfino in der Nähe der Hauptstadt, vom Leben der Angehörigen ›draußen‹, von den einfachen Aufsehern, von Politfunktionären im Offiziersrang und dem zuständigen Minister bis zu IHM, vor dem sie alle zittern, Stalin, wie er mitten in der Nacht die ihm gegenüber ohnmächtigen Machthaber zu sich zitiert. Ein historisch-soziologisches Panorama also, zwei Jahrzehnte, gesammelt im Brennpunkt jener halben Woche, gegen Ende 1949."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

Ich wirke an dieser Seite mit:
Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden. 

Samstag, 24. Oktober 2026

Deary, Terry "Wahnsinns-Wissen"

Deary, Terry "Wahnsinns-Wissen" auch "Grässliche Geschichte" (Englisch: Horrible Histories) - 1993ff.
  
Meine Jungs waren noch recht klein, als die ersten "Horrible Histories"-Bücher (wie "The Terrible Tudors" und "The Awesome Egyptians") erschienen. Das war großartig, denn so waren bereits einige Exemplare vorhanden, als sie anfingen zu lesen, und sie konnten im Laufe ihres Heranwachsens viele davon verschlingen. Beide lieben Geschichte, und ich glaube, das liegt zum Teil an diesen Büchern.

Der Untertitel der meisten dieser Bücher lautet: "Geschichte – inklusive der ekligen Details!" Jungs – besonders Jungs – lieben ein bisschen Grusel und Blutvergießen in Büchern; und da die Geschichte meist beides zu bieten hat, lassen sie sich damit leicht begeistern.

Die Sprache ist genau richtig für Kinder. Im Buch "The Awful Egyptians" zum Beispiel wird im Kapitel "Phunny Pharaohs" (ja, auch mit Wortspielen wird hier fantastisch gearbeitet) erwähnt, dass die Ägypter im Land am Nil lebten: "Jedes Jahr trat der Fluss über die Ufer und hinterließ herrlich matschigen Schlamm auf den Feldern ... herrlich matschigen Schlamm, der sich hervorragend für den Ackerbau eignete ..." Die Kinder können sich bei der Vorstellung des matschigen Schlamms nicht nur herrlich schütteln, sondern lernen auch gleich, wozu dieser Schlamm gut ist.

Es gibt eine Vielzahl von Büchern zu den unterschiedlichsten Epochen und Themen – von den Ägyptern bis zu den Azteken, vom Mittelalter bis zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts, von Königen und Königinnen bis zur Geschichte der USA; da ist für jeden etwas dabei. Aber Vorsicht: Sobald die Kinder erst einmal ein Buch gelesen haben, werden sie süchtig danach und hören nicht mehr auf zu lesen, bis sie alle Bände kennen.

Leider habe ich nicht viele Übersetzungen gefunden. Ich hoffe, dass diese irgendwann erscheinen werden. Hier ist die Auswahl.

Kolossal, die Römer
Sagenhaft, die Griechen
Unverwüstlich, die Ägypter
Das grosse Buch der Geister-, Horror-, Monster-Geschichten

Dies ist eine Liste der englischen Geschichtsbücher. Inzwischen gibt es auch Bücher zu Naturwissenschaften (Horrible Science), Geografie (Horrible Geography) und Mathematik (Murderous Maths).

Angry Aztecs
Awesome Egyptians
Awful Egyptians
Barmy British Empire
Blitzed Brits
Bloody Scotland
Cruel Crime and Painful Punishment
Cruel Kings and Mean Queens (The Kings and Queens of England, Britain, and the United Kingdom)
Cut Throat Celts
Dark Knights and Dingy Castles (The History of Knights and Castles)
Dublin
Frightful First World War
Edinburgh
England
France
Gorgeous Georgians
Groovy Greeks
Horrible History of Britain and Ireland
Horrible History of the World
Incredible Incas
Ireland
Loathsome London
Measly Middle Ages
Oxford
Pirates
Rotten Romans
Rotten Rulers
Rowdy Revolutions
Ruthless Romans
Savage Stone Age
Slimy Stuarts
Smashing Saxons
Spies
Stormin' Normans
Stratford Upon-Avon
Terrible Tudors
Terrifying Tudors
The Twentieth Century
Trenches
USA
Vicious Vikings
Vile Victorians
Villainous Victorians
Villains
Wales
Wicked Words (History of the English language)
Wild Warriors (Vikings, Celts, Huns and Samurai)
Woeful Second World War
York

Buchbeschreibung:

"Unverwüstlich, die Ägypter!" (eines von vielen Beispielen):

"Geschichte ist staubtrocken? Keine Spur! Denn bei 'Wahnsinns Wissen' erfährt man, wie man
- eine Mumie herstellt,
- seinen eigenen Eingeweidekrug bastelt,
- den Schatz von Cheops' Mutti findet!

Diese und andere unglaubliche Einzelheiten aus dem Alltag der alten Ägypter, Privates aus dem Leben der Pharaonen, Wahrheiten über das Geheimnis der Pyramiden und die ägyptischen Götter zeigen eine spannende Welt auf. So werden die alten Ägypter wieder lebendig!"

Freitag, 23. Oktober 2026

Northup, Solomon "Zwölf Jahre als Sklave"

https://www.goodreads.com/book/show/30126160-twelve-years-a-slave
Northup, Solomon "Zwölf Jahre als Sklave" (Englisch: Twelve Years a Slave. Narrative of Solomon Northup, a citizen of New-York, kidnapped in Washington city in 1841, and rescued in 1853, from a cotton plantation near the Red River in Louisiana) - 1853

Auf der Rückseite des Originals heißt es, dies sei womöglich das am besten geschriebene aller Sklavenerzählungen. Dem muss ich zustimmen. Wahrscheinlich, weil es von einem Sklaven verfasst wurde, der selbst eine gute Bildung genossen hatte. Wer könnte wohl besser von den schrecklichen Taten berichten, die diesen armen Menschen angetan wurden, als jemand, der all das am eigenen Leib erfahren musste?

Solomon Northup wurde im Bundesstaat New York geboren. Er war ein freier Mann und konnte als solcher zur Schule gehen, arbeiten, heiraten und Kinder haben – all das, ohne befürchten zu müssen, dass ihm dieses Leben eines Tages genommen würde. Doch genau das geschah. Er wurde entführt und in die Sklaverei verkauft. Er war zwar frei, aber auch schwarz; daher war es ein Leichtes, ihn irgendwo im tiefen Süden verschwinden zu lassen – auf einer jener Plantagen, die kaum je ein Außenstehender betrat. Er landete in Louisiana und musste ein Leben führen, dessen Unmenschlichkeit sich kaum jemand von uns auch nur vorstellen kann. Er wurde schlechter behandelt, als man es mit einem Tier tun würde.

Dank seiner Bildung gelang es ihm, Informationen nach außen zu bringen, und nach zwölf Jahren der Folter – zwölf Jahren in der Hölle – kam er wieder frei. Wie er das überlebt hat, ist mir ein Rätsel. Doch er schildert all das in diesem Buch, das absolut lesenswert ist – gerade angesichts der schockierenden, abscheulichen, entsetzlichen, widerwärtigen, empörenden und grausamen Nachrichten, die wir täglich hören. Wie können Menschen auch in der heutigen Zeit noch auf andere herabsehen? Das ist für mich völlig unbegreiflich.

Vor einiger Zeit habe ich eine Liste mit Büchern gegen Rassismus veröffentlicht. Wenn du auf der Suche nach weiteren Büchern aus diesem Bereich bist, schau doch mal hier vorbei.

Buchbeschreibung:

"Solomon Northup wurde als freier Mann im Staate New York geboren. Im Alter von 33 Jahren wurde er in Washington D.C. entführt und per Schiff nach New Orleans gebracht, wo er in die Sklaverei verkauft wurde. Die nächsten 12 Jahre verbrachte er als Zimmermann, Fahrer und Baumwollpflücker. Diese Erzählung deckt auf, wie Northup die rauen Bedingungen der Sklaverei überleben konnte, einschließlich Pocken, Auspeitschungen und einem Versuch ihn zu hängen. Solomon Northup gehörte zu den wenigen Auserwählten, die aus der Sklaverei befreit wurden. Sein Bericht beschreibt das tägliche Leben eines Sklaven in Louisiana, die Ernährung und die Lebensbedingungen und wie Sklavenfänger entflohene Sklaven einzufangen pflegten. Northups Erzählung, die 1853 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, war innerhalb der nationalen Debatte zur Sklaverei eine dramatische Geschichte. Neun Jahre später führte diese Debatte zum Amerikanischen Bürgerkrieg."

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Stendhal "Rot und Schwarz"

Stendhal "Rot und Schwarz" (Französisch: Le Rouge et le Noir) - The Red and the Black - 1830

Ich wollte diesen Roman schon seit Ewigkeiten lesen. Dann entdeckte ich ihn in einem dieser Büchertauschregale, die ich so gerne aufsuche.

Der Autor, Henri-Marie Beyle, wählte das Pseudonym Stendhal nach der deutschen Stadt Stendal bei Braunschweig, wo er eine Zeit lang gelebt hatte.

Natürlich bin ich es nicht so gewohnt, französische Bücher zu lesen wie deutsche oder englische; daher habe ich etwas länger gebraucht, um es zu Ende zu lesen.

Auch wenn ich mit keiner der Figuren in der Geschichte so recht warm werden konnte, ist die zugrundeliegende Idee großartig. Das Buch beleuchtet Frankreich zur Zeit der Napoleonischen Kriege und in der darauffolgenden Ära sowie den gesellschaftlichen Wandel. Das "Rot" steht für Politik, die Welt und die Soldaten, das "Schwarz" für das Gegenteil: Religion, Weltabkehr und Priestertum. Wahrscheinlich ist es gerade dieser Kontrast – und das daneben verlaufende Alltagsleben –, der das Buch zu einem Klassiker gemacht hat.

Julien Sorel, der Protagonist, ist zu klug für sein eigenes Wohl. Er wuchs in einer Zeit auf, in der Intelligenz allein nicht ausreichte, wenn man keine Eltern hatte, die einen an einer Stelle unterbringen konnten, wo diese Intelligenz gefragt war. Das war wohl sein größtes Problem. Er wollte Soldat werden, doch für einen Eintritt in Napoleons Armee war es bereits zu spät. Auch seine Entscheidung, Priester zu werden, passte nicht wirklich zu seiner Weltsicht. Nun, solche Situationen gibt es auch heute noch, und es ist stets schwierig, sich aus dem gesellschaftlichen Milieu, in das man hineingeboren wurde, emporzuarbeiten – für Frauen vermutlich noch mehr als für Männer. Doch hier sehen wir einen jungen Mann, der es dennoch versucht.

Wer sich für Klassiker interessiert und mehr über diese Epoche erfahren möchte, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Der soziale Aufstieg und Fall des begabten, ehrgeizigen Bauernsohns Julien Sorel ist das Thema dieses Romans. Zwei Frauen ebnen dem aufstrebenden Jüngling den Weg in das Großbürgertum. Doch am Ende steht sein Verderben. Rot und Schwarz zählt zu den wichtigsten Klassikern der europäischen Literatur."

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt - Kurioses aus dem Urlaub" [Sorry, your hotel burned down - Curious things from vacation] - 2011

Im Internet findet man ja heutzutage oft Erzählungen von Hotelbediensteten über Beschwerden der Gäste, dass nachts das Wasser an der Nordsee verschwindet oder warum man denn nicht jede Nacht den Mond sehen kann … ja, wenn man das alles geballt auf einen Blick haben will, kann ich nur dieses Buch empfehlen. Nach "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt", ist auch dieses Buch des Autorenteams Orth/Blinda einfach köstlich. 

Zum Glück kommt hier nicht nur das Personal zu Wort, auch die Gäste haben einiges hinzuzufügen. Allerdings muss ich sagen, am meisten regen mich die Leute auf, die nur nach Fehlern suchen. Ich hatte mal so einen Kollegen, der schaute sich von vor dem Urlaub eingehend die Prospekte durch, worauf er achten musste, damit er nachher einen Nachlass bekommen würde. Macht so Urlaub Spaß? Und warum muss man sich den Teller beim Buffet dreimal volladen und dann jedesmal 90% wegwerfen? Solche Urlaube habe ich nie gemacht, sonst wäre ich wahrscheinlich ausgerastet.

Auch die Geschichten aus der Bahn sind leider nicht besser geworden. Wir benutzen sie schon lange nicht mehr, weil wir von uns aus keine öffentliche Verbindung zum nächsten Bahnhof haben und fast jeder Zug, der sowieso nur einmal die Stunde in jeweils eine Richtugn fährt, Verspätung hat, so dass man meistens den Anschluß nicht bekommt. Und sehr viele Züge fallen auch aus. Unsere Söhne, die in Großstädten wohnen, müssen leider den Zug nehmen, wenn sie uns besuchen kommen. Zwanzig Stunden unterwegs statt fünf ist ja keine Kleinigkeit. Wäre schön, wenn das mal besser werden würde.

Ich bin ja sowieso ein Stephan Orth-Fan und hoffe, er besucht bald mal selbst wieder ein Land, ob mit Zelt oder auf der Couch, Hauptsache, er schreibe ein Buch darüber. 

Buchbeschreibung:

"Hotelzimmer aus der Hölle, verwechselte Zielorte, unglaubliche Abzockertricks: Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko geraten. Mit diesem Reiseführer der lustigsten Pannen sind Sie gegen die Tücken des Urlaubsalltags gewappnet – hier erfahren Sie, was Sie niemals im Katalog lesen werden, und können aus den amüsanten Erlebnissen von SPIEGEL-ONLINE-Lesern lernen. Denn wer nackt zum Begrüßungsdinner geht, sollte sicher sein, auch tatsächlich ein FKK-Resort gebucht zu haben."

Dienstag, 20. Oktober 2026

Saki "Sämtliche Erzählungen"

Saki (H.H. Munro) "Sämtliche Erzählungen" (Englisch: The Complete Short Stories of Saki) - 1909-24

Unser Lesekreis hatte beschlossen, das Buch "The Open Window and other short stories" (Das offene Fenster und andere Kurzgeschichten) von Hector Hugh Munro – besser bekannt unter dem Namen Saki – zu lesen. Da ich das Buch nicht finden konnte, kaufte ich einen Band, der all seine Kurzgeschichten enthielt. Dies sind die Geschichten, die wir besprechen wollten:

aus der Sammlung:
"Reginald":
- Reginald on Besetting Sins: The woman who told the truth (1904)
"Reginald in Russia" (Reginal in Russland):
- Gabriel-Ernest (1910)
- The Soul of Laploshka (1910)
"The Chronicles of Clovis" (Die Clovis-Chroniken):
- Tobermory (1911)
- Sredni Vashtar (1911)
- The Music on the Hill (1911)
- Ministers of Grace (1911)
"Beasts and Super-Beasts" (Biester und Superbiester):
- Laura (1914)
- The Open Window (1914)
- The Story-Teller (1914)
"The Toys of Peace and other Papers" (Die Friedensspielzeuge und andere Papier):
- The Wolves of Cernogratz (1919)
- The Hedgehog (1919)
"The Square Egg" (Das quadratische Ei):
- The Infernal Parliament (1924)
Die Übersetzungen der Titel stammen von mir, die Titel der Geschichten könnten in deutsch ganz anders heißen, falls diese übersetzt wurden.

Ich habe es schon oft erwähnt: Kurzgeschichten sind eigentlich nicht mein Fall. Zwar gab es Bücher, in denen ich sie mochte, aber hier war es mir etwas zu viel des Guten. Manche der Kurzgeschichten waren zwar großartig, aber sie waren im Nu vorbei. Ich fand einfach nicht schnell genug hinein, um sie wirklich genießen zu können.

Es gab Geschichten, die mir gefielen, und andere, die mir etwas zu überzogen waren – zu sehr Slapstick, wenn ihr versteht, was ich meine.

Eine meiner Lieblingsgeschichten war jene, die im Titel des Buches genannt wird, das wir lesen sollten: "The Open Window" (Das offene Fenster; allerdings heißt der deutsche Titel wohl "Die offene Tür"). Es gibt ein kurzes Video dazu auf YouTube, da könnt ihr sehen, was ich meine.

Offenbar wurde der Autor von Oscar Wilde, Lewis Carroll und Rudyard Kipling beeinflusst, während er seinerseits Einfluss auf A. A. Milne, Noël Coward und P.G. Wodehouse ausübte. Den Vergleich mit P. G. Wodehouse – dessen Sammlung "Dann eben nicht, Jeeves" (Right Ho, Jeeves) ich bereits gelesen hatte – kann ich absolut nachvollziehen. Ich sehe zwar die Ähnlichkeit, aber Wodehouses Humor ist weitaus besser; deshalb haben mir seine Geschichten auch viel mehr gefallen.

Beim Lesen der Geschichten kam ich zu dem Schluss, dass Saki sowohl Frauen (insbesondere Suffragetten) als auch Kinder nicht mochte. Als ich recherchierte, ob er verheiratet war, fand ich heraus, dass er schwul war. Das hat mich ein wenig überrascht, denn er wirkte wie ein ziemlicher Frauenfeind.

Würde ich weitere Kurzgeschichten von ihm lesen, wenn er mehr geschrieben hätte? Wahrscheinlich nicht. Würde ich einen Roman von ihm lesen? Ich glaube schon.

Some favourites from those we discussed:
The Open Window
The Story-Teller
The Wolves of Cernogratz

Wie mir erging es auch den anderen: Nicht alle Geschichten gefielen jedem. Aber bei denen, die wir mochten, waren die überraschenden Wendungen am Ende besonders urkomisch.

Einige Favoriten aus unserer Auswahl:
The Open Window
The Story-Teller (Der Geschichtenerzähler)
The Wolves of Cernogratz (Die Wölfe von Cernogratz)

Neben "The Open Window" war "The Mouse" (Die Maus) (aus "Reginald in Russia") mein zweiter Favorit. Genau diese Art von Humor liebe ich.

Wir haben diese Geschichten im April 2020 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Hector Hugh Munro (1870–1916) war ein britischer Schriftsteller, der durch seine geistreichen, die Gesellschaft und Kultur der Edwardischen Ära satirisch beleuchtenden Werke als Meister der Kurzgeschichte bekannt wurde. Munro, der vor allem unter dem Pseudonym Saki bekannt ist, schuf Erzählungen, in denen die Konventionen und die Heuchelei des edwardischen Englands dem unkomplizierten und bisweilen grausamen Naturzustand gegenübergestellt werden – ein Konflikt, aus dem Letzterer meist als Sieger hervorgeht. Diese Gesamtausgabe seiner Kurzgeschichten besticht durch wunderbar vielschichtige Charaktere, ausgeprägte politische Satire und einen exquisiten Erzählstil. Das Buch beginnt mit Sakis ersten Werken, den Reginald-Geschichten – einer kleinen Reihe von Vignetten, die sich um den gesellschaftsorientierten und zynischen jungen Reginald drehen. Ebenfalls enthalten sind Sakis spätere und populärere Sammlungen: Reginald in Russia, die bisweilen makabren Erzählungen aus The Chronicles of Clovis, sein bekanntestes Werk Beasts and Super-Beasts sowie The Toys of Peace und The Square Egg." 

Montag, 19. Oktober 2026

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende"

Mahfus, Naguib "Anfang und Ende" (Arabisch: داية ونهاية/Bidaya wa Nihaya) - The Beginning and the End - 1949

Wir lernen eine Familie in Kairo kennen. Die Geschichte spielt in den späten 1930er Jahren. Die Familie hat vier Kinder: einen erwachsenen Sohn, eine erwachsene Tochter und zwei Jungen im Schulalter. Der Vater stirbt plötzlich und hinterlässt die Familie in bitterer Armut. Der älteste Sohn war nie dazu bestimmt, die Familie erfolgreich zu versorgen, daher übernimmt der zweite Sohn diese Rolle. Alle Familienmitglieder haben jedoch mit der plötzlichen Notlage zu kämpfen, und niemandem gelingt es wirklich, sich daraus zu befreien – mit Ausnahme des zweiten Sohnes, der auf einem vielversprechenden Weg zu sein scheint. Die anderen hingegen sehen sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Ein Happy End gibt es für sie nicht.

Dieses Buch ist nach wie vor ein Meisterwerk.

Buchdschreibung:

"Eines Morgens werden die beiden Söhne aus der Schule geholt. Der Vater ist tot, mitten aus dem Leben gerissen. Sein plötzlicher Tod bringt die Familie an den Rand des Abgrunds. Etwas Geld im Portemonnaie, ein paar Möbel, einen untadeligen Ruf und eine lächerliche Pension – mehr hat er ihnen nicht hinterlassen. Wie soll die Mutter ihre vier Kinder in Ehren hochbringen? Mit Energie und Entschiedenheit nimmt sie die Zügel in die Hand. Doch jedes geht seinen eigenen Weg. Als der älteste Sohn als Rauschgifthändler verhaftet und die Tochter mit einem Liebhaber in einer Absteige aufgegriffen wird, liegt für die ganze Familie der Schein ehrbaren Lebens in Trümmern."

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 17. Oktober 2026

Weiler, Jan "Munk"

Weiler, Jan "Munk" [Munk] - 2024

Ich bin ja ein großer Jan Weiler-Fan und habe bisher alle seine Bücher genossen. Nach dem Markisenmann war ich schon sehr gespannt auf sein nächstes Buch.

Nun, was soll ich sagen. Der Markisenmann hat mir zwar besser gefallen, aber Jan Weiler ist nun mal einfach hervorragend. 

Ich konnte allerdings mit Peter Munk als Typen nicht viel anfangen. Kein Wunder, dass er es nicht geschafft hat, nicht mal eine von den vielen Frauen (Judith, Nicole, Ana, Maja, Heike, Andrea, Claudia, Anja, Harper, Penelope, Karin, Fanny, Nadja) zu halten. Aber beschrieben wurde er hervorragend

Wir hatten allerdings ein sehr interessantes Treffen. Es gab niemandem, der das Buch nicht mochte. Und es fielen viele Bemerkungen sowohl zur Hauptperson als auch zu den Frauen. Und zum Vater, der unserer Ansicht nach viel zu den Problemen Munks beigetragen hat.

Auch fanden wir es interessant, dass Munk bei den Personen, die ihn am meisten beeinflusst haben, zuerst an die vielen Freundinnen gedacht hat, nicht aber an seinen Vater.

Aber im Großen und Ganzen, ein tolles Buch von einem hervorragenden Schriftsteller, von dem wir immer gerne wieder lesen werden.

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Wir haben dies im September 2026 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbschreibung:

"Erfolgreich und allein – so steht der Architekt Peter Munk mit 51 Jahren da. Beziehungsweise liegt da, mit einem Herzinfarkt auf der Rolltreppe in der dritten Etage eines Kaufhauses. Er überlebt, doch es gibt niemanden, den er vom Krankenhaus aus benachrichtigen möchte. In der Rehaklinik trägt sein Therapeut ihm auf, in seiner Selbsterforschung bei den Menschen zu beginnen, die ihn zu dem Mann gemacht haben, der er ist. Und so blickt Peter Munk erstmals auf die dreizehn Frauen seines Lebens und auf die Lektion, die er von jeder einzelnen gelernt hat. Mit überraschendem Ausgang."

Freitag, 16. Oktober 2026

Rand, Ayn "Ungebeugt und ungebrochen"

Rand, Ayn "Ungebeugt und ungebrochen" aka "Vom Leben unbesiegt" (Englisch: We the Living) - 1936

Ich habe dieses Buch in einem dieser Regale gefunden, in denen man Bücher hinterlassen kann, die man nicht mehr braucht, und wo andere eine Spende für einen guten Zweck geben können. Ich mochte russische Autoren schon immer, war mir aber nicht bewusst, dass Ayn Rand eine von ihnen war. Hätte sie ihren richtigen Namen, Alisa Sinowjewna Rosenbaum, verwendet, wäre ich vielleicht schon früher darauf gekommen.

Nach ihren eigenen Worten kommt "We the Living" (dt. "Wir, die Lebenden") einer Autobiografie so nahe, wie sie es jemals tun würde. Ich kann gut nachvollziehen, wie sie viele Hintergrundinformationen aus ihren eigenen Erfahrungen geschöpft hat. Natürlich hat sie es in die USA geschafft – was schon darauf hindeutet, dass es sich nicht um eine Biografie handelt. Aber es muss für sie viel einfacher gewesen sein, diesen Roman zu schreiben, nachdem sie Russland (oder wie auch immer das Land damals hieß – zunächst Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik, dann UdSSR oder Sowjetunion) verlassen hatte.

Dieses Buch ist großartig und sehr aufschlussreich. Es schildert Russland in der frühen Zeit nach der Revolution, als es viele enthusiastische junge Menschen gab, die glaubten, die Welt zu einem besseren Ort für alle machen zu können. Ich kann ihre Träume verstehen; wahrscheinlich hätte ich selbst zu dieser Gruppe gehört, da ich immer der Meinung war, dass jeder die gleichen Chancen haben sollte. Das denke ich auch heute noch. Und ich bewundere Länder, die zumindest ein wenig davon erreicht haben – etwa ähnliche Löhne, Krankenversicherung für alle usw.

Aber zurück zu Russland zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Sie bekamen sicherlich nicht das, was sie sich erhofft hatten, und für viele der enthusiastischen neuen Kommunisten zerplatzten die Träume recht schnell. Ayn Rand beschreibt sehr gut, wie sie sich fühlten und was mit den Übrigen geschah. Wer vor der Revolution Eigentum besaß oder zur wohlhabenderen Bevölkerungsschicht gehörte, hatte keinerlei Rechte mehr; man konnte nicht studieren oder arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Verhältnisse wurden einfach umgekehrt, und diejenigen, die zuvor Fabriken oder große Landwirtschaftsbetriebe geleitet hatten, standen plötzlich vor dem Nichts. Keine wirklich gute Idee.

Wer sich für diese Epoche interessiert, dem kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen. Ich werde sicherlich noch weitere Bücher von ihr lesen.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Ayn Rands erster veröffentlichter Roman – eine zeitlose Geschichte über den Kampf des Einzelnen gegen den Staat im Sowjetrussland.

Das erstmals 1936 erschienene Werk We the Living (dt.: Wir, die Lebenden) schildert die Auswirkungen der Russischen Revolution auf drei Menschen, die das Recht einfordern, ihr eigenes Leben zu führen und ihr eigenes Glück zu suchen. Es erzählt von der leidenschaftlichen Liebe einer jungen Frau, die wie eine Festung dem zersetzenden Übel eines totalitären Staates trotzt.

We the Living ist keine politische Geschichte, sondern eine Erzählung über die Menschen, die hinter roten Fahnen und Parolen um ihre Existenz ringen müssen. Das Buch zeigt auf, welche Auswirkungen diese Parolen auf den Einzelnen haben. Was geschieht mit den Aufbegehrenden? Was widerfährt jenen, die nachgeben?

Vor dem eindringlichen Panorama aus politischer Revolution und persönlichem Aufbegehren veranschaulicht Ayn Rand, was die Theorie des Sozialismus in der Praxis bedeutet."

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Giordano, Paolo "Die Einsamkeit der Primzahlen"

Giordano, Paolo "Die Einsamkeit der Primzahlen" (Italienisch: La solitudine dei numeri primi) - The Solitude of Prime Numbers - 2008

Als ich den Titel dieses Buches sah, dachte ich, es handele sich um ein Buch über Mathematik – oder zumindest um einen Roman, in dem Mathematik eine zentrale Rolle spielt. Nun, es ist ein Roman über einen Mathematiker. Das ist zwar nicht ganz dasselbe, aber die Geschichte war sehr interessant, und ich kann gut verstehen, warum der Autor für diesen Debütroman die renommierten Preise Premio Strega und Premio Campiello erhalten hat. Das Buch wurde sogar verfilmt, und ich kann mir vorstellen, dass es ein breites Publikum erreicht.

Es ist schwer, dieses Buch zu beschreiben – und genau das macht es wohl so interessant. In der Geschichte kommen Zwillinge vor sowie Menschen, die Zwillingen sehr ähneln. Es ist nicht wirklich eine Liebesgeschichte, und doch spielt Liebe eine Rolle. Es ist keine Geschichte über (psychische) Krankheit oder Tod, und dennoch sind auch diese Themen präsent. Die Handlung springt in der Zeit hin und her, indem sie die Geschichten von Mattia und Alice erzählt.

Der Titel spielt darauf an, dass Primzahlen natürliche Zahlen sind, die nur durch die Zahl 1 und sich selbst teilbar sind. Sie stehen nie direkt nebeneinander, sondern sind stets durch mindestens eine (gerade) Zahl voneinander getrennt – sie sind also immer allein.

Ein brillanter Debütroman, der Lust auf die weiteren Werke des Autors macht.

Buchbeschreibung:

"Ein einziger Tag in ihrer Kindheit, so scheint es, hat über ihr ganzes Leben entschieden. An einem solchen Tag verlor Alice für immer ihre Unbeschwertheit und das Vertrauen zu ihrem halsstarrigen Vater. Mattia hingegen verlor mit sechs Jahren seine Schwester, deren Hilfsbedürftigkeit er ein einziges Mal, für wenige Stunden, missachtet hatte. Seither quälen ihn Schuldgefühle, die er niemandem offenbart.

Sieben Jahre später lernen Mattia und Alice sich auf dem Gymnasium kennen. Die Anziehungskraft zwischen den beiden scheint unwiderstehlich. Jeder erkennt im anderen die eigene Einsamkeit. Alice ist der einzige Mensch, dem Mattia wenigstens einmal seinen Schmerz zu offenbaren wagt. Und umgekehrt würde sie nie einen anderen als ihn bitten, das Tattoo von ihrer Haut zu entfernen, mit dem sie ihre inneren Wunden gleichsam übermalen wollte. Doch mit den Jahren werden die Hindernisse, die die beiden einander unbewusst in den Weg legen, höher und höher. Bis sie sich entscheiden müssen.
"

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Staël, Anne-Louise-Germaine de "Corinna oder Italien"

Staël, Anne-Louise-Germaine de "Corinna oder Italien" (Französisch: Corinne ou l'Italie) - Corinne: Or Italy - 1807

Ich lese gerne Klassiker, und dieses Werk stammt aus derselben Zeit wie das meiner Lieblingsautorin Jane Austen.

Doch obwohl dieses Buch laut einer Beschreibung auf Goodreads von Fachleuten als kulturell bedeutsam eingestuft wurde und zum Wissensschatz unserer Zivilisation gehört, hat es mich nicht wirklich gefesselt. Es erinnerte mich an wesentlich ältere Literatur; die Handlung entwickelte sich nicht auf eine Weise, die einen wirklich bei der Stange hält. Hier ein paar willkürliche Gedanken, dort ein Brief. Ja, das Buch mag für die Literaturgeschichte wichtig sein, aber bitte: Man sollte es auf keinen Fall jüngeren Schülern aufzwingen, die es nicht gewohnt sind, Klassiker zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Corinna oder Italien von Germaine de Staël gilt als literarischer Meilenstein der europäischen Romantik und verwebt kunstvoll die Schilderung einer leidenschaftlichen Liebe mit tiefgreifenden Reflexionen über Kunst, Kultur und Identität. Im Zentrum des Romans steht Corinna, eine außergewöhnliche Dichterin und Intellektuelle, deren Begegnung mit dem englischen Adligen Oswald zu einer intellektuell wie emotional reichen Erkundung Italiens und seiner kulturellen Landschaften führt. Staël kombiniert in ihrem stilistisch eleganten Werk psychologische Feinfühligkeit und reiche Landschaftsbeschreibungen mit kritischen Überlegungen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft, wodurch das Buch zugleich Reisebericht, Bildungsroman und Gesellschaftskritik ist. Germaine de Staël, eine der bedeutendsten Autorinnen und Intellektuellen ihrer Zeit, war politisch wie literarisch eng mit den großen Umbrüchen der napoleonischen und postrevolutionären Epoche verbunden. Ihre eigenen Reisen durch Italien und ihre Auseinandersetzung mit europäischen Kulturtraditionen prägten das Werk entscheidend. Ihr persönlicher Kampf um geistige Autonomie und ihre humanistische Weltanschauung fließen in die Figur der Corinna ebenso ein wie ihre Erfahrungen als Frau im männlich dominierten Kunst- und Literaturbetrieb. Dieses Werk sei allen empfohlen, die sich für die Schnittstellen von Literatur, Kultur und gesellschaftlichem Wandel interessieren. Corinna oder Italien eröffnet vertiefende Einblicke in die europäische Geistesgeschichte, bietet brillante zeitgenössische Analysen und begeistert durch sprachliche Eleganz und intellektuelle Tiefe."

Dienstag, 13. Oktober 2026

Dick, Philip K. "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?"

Dick, Philip K. "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" (Englisch: Do Androids Dream of Electric Sheep?) - 1968

Warum sollten Androiden von elektrischen Schafen träumen? Ich habe mich schon immer über diesen seltsamen Titel gewundert. Allerdings war meine Neugier nicht groß genug, um das Buch tatsächlich lesen zu wollen – doch als mein Lesekreis beschloss, es sich vorzunehmen, musste ich es natürlich auch versuchen.

Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um den Kopfgeldjäger Rick Deckard. Nachdem ein weltweiter Atomkrieg die Erde schwer verwüstet hat, gibt es kaum noch Tiere. Oder Menschen. Die Überlebenden sind größtenteils zum Mars oder zu Kolonien auf anderen Planeten ausgewandert. Die Zurückgebliebenen teilen sich in zwei Gruppen auf: Diejenigen, die durch den Krieg geschädigt wurden, nennt man "Specials"; sie gelten als Menschen zweiter Klasse. Und dann gibt es die Androiden – nun ja, sie sollen moderne Sklaven sein; ihre Aufgabe ist es vor allem, Siedler in die Kolonien zu begleiten, ohne auf die Erde zurückzukehren. Wer es dennoch tut, wird von Leuten wie Rick Deckard gejagt. Doch die Androiden werden immer intelligenter, und die Jagd wird immer schwieriger.

Ich möchte nicht die ganze Geschichte erzählen. Das Buch hat mir vor allem deshalb gefallen, weil es beschreibt, wie die verschiedenen Bewohner der Erde miteinander umgehen: das Fehlen von Empathie zwischen den Spezies und das Verständnis dafür, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben. Selbst wenn man die Androiden einmal außer Acht lässt: Würden wir uns nach einer solchen Katastrophe nicht gegenseitig helfen, anstatt uns in verschiedene Gruppen aufzuspalten? Eine sehr philosophische Frage.

Die Androiden sind die Sklaven der Zukunft. Wenn sie nicht tun, was von ihnen verlangt wird, werden sie getötet – oder "in den Ruhestand versetzt", wie man es dort nennt.

Oh, und es gab noch einen Teil, der mir besonders gut gefallen hat: die Beschreibung von "Kipple". Mein Mann und ich sind eher Sammler als Minimalisten, daher konnte ich das sehr gut nachvollziehen.

"Kipple sind nutzlose Gegenstände, wie Werbepost, Streichholzheftchen, aus denen man das letzte Hölzchen entnommen hat, Kaugummipapier oder die Zeitung von gestern. Wenn niemand in der Nähe ist, vermehrt sich Kipple von selbst. Wenn man zum Beispiel Kipple in der Wohnung liegen lässt und schlafen geht, ist am nächsten Morgen die doppelte Menge da. Es wird immer mehr und mehr."

Der Film "Blade Runner" basiert auf diesem Roman. Muss ich überhaupt erwähnen, dass ich den Film nie gesehen habe? Ich habe versucht herauszufinden, wer wen spielt, aber es sieht so aus, als ob der Film mehr als nur "lose" auf dem Buch basiert. Ich konnte nur wenige Namen finden, die in beiden vorkommen.

Buchbeschreibung:

"Kurz vor dem Ende des neuen Jahrtausends ist die Erde in einem desolaten Zustand. Immer mehr Menschen verlassen den verpesteten Planeten, um in den Weiten des Weltraums eine neue Heimat zu finden. Ihnen zur Seite stehen Androiden, menschenähnliche Roboter, die nur durch komplizierte Tests von ihren Besitzern zu unterscheiden sind. Ihre einzige Schwäche: der Wunsch, selbst menschlich zu sein.
Vier Androiden vom Typ NEXUS-6 meutern gegen ihre Herren, töten sie und kehren zur Erde zurück. Untergetaucht in einer von Millionen Menschen bevölkerten Alptraum-Stadt haben sie nur einen Feind: die BLADE RUNNER, eine Spezialeinheit der Polizei. Einer dieser Cops ist Rick Deckard - und er weiß: die Jagd beginnt!
"

Wir haben dieses Buch im September 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Montag, 12. Oktober 2026

Gárdonyi, Géza "Ich war den Hunnen untertan"

Gárdonyi, Géza "Ich war den Hunnen untertan" oder "Wer bist du" (Ungarisch: A láthatatlan ember) - "Slave of the Huns" aka "The Invisible Man" - 1901

Der Ehemann einer Freundin von mir hat dieses berühmte ungarische Buch ins Esperanto übersetzt ("La nevidebla homo"), und ich beschloss, es zu lesen. Ich habe bisher nicht viele Bücher über Ungarn gelesen, geschweige denn über die Hunnen. Ich glaube, dies ist das erste Buch, das ich über dieses Volk lese.

Die Geschichte spielt im frühen 5. Jahrhundert.

Zeta ist Ungar; seine Familie ist so arm, dass sein Vater ihn als Sklaven verkaufen muss. Wir begleiten ihn von einem Besitzer zum nächsten, bis er in den Haushalt eines byzantinischen Diplomaten namens Priskos gelangt. Da er ihm treue Dienste leistet, lässt Priskos ihn frei und nimmt ihn mit an den Hof Attilas, des Hunnenkönigs. Zeta bleibt bei den Hunnen, kämpft im Jahr 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern und verlässt sie erst, als Attila 453 stirbt.

Ein interessantes Buch, das nicht nur von diesem Nomadenvolk handelt, sondern auch von der ungarischen Geschichte und Kultur. Ich würde gerne mehr darüber erfahren.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Die Geschichte eines byzantinischen Sklaven der Hunnen; basierend auf dem historischen Bericht des byzantinischen Diplomaten Priskos über seinen Besuch am Hof ​​Attilas des Hunnen."

Samstag, 10. Oktober 2026

Yu, Hua "China in zehn Wörtern"

Yu, Hua (余華/Yú Huá) "China in zehn Wörtern" (Chineseisch 十個詞彙裡的中國/Shi ge cihui li de Zhongguo) - China in Ten Words - 2012

Ein Vorschlag für den Lesekreis. Ich bin froh, dass jemand darauf gekommen ist, denn es ist ein bemerkenswertes Buch. Ich lese sehr gerne über andere Kulturen, aber auch über Sprache – und darüber, welche Wörter in welchem ​​Zusammenhang verwendet werden. Es ist äußerst interessant, etwas über Begriffe wie "Disparität" oder "Copycat" (Nachahmung) zu lesen und zu erfahren, welche Bedeutung sie im heutigen China haben. Ob es um den "Großen Sprung nach vorn" oder die Kulturrevolution geht, um das allgegenwärtige "Kleine Rote Buch" oder einfach um den ganz normalen Chinesen: Der Autor hat all das hautnah miterlebt.

Mein Lieblingskapitel war auf jeden Fall "Lesen"; es enthält einige fantastische Zitate (von mir übersetzt), die meine eigenen Empfindungen wunderbar auf den Punkt bringen:

"Ich habe meine Erfahrung einmal folgendermaßen zusammengefasst:
'Jedes Mal, wenn ich eines der großen Bücher lese, fühle ich mich an einen anderen Ort versetzt; wie ein schüchternes Kind schmiege ich mich an sie und folge ihren Schritten, während ich langsam den langen Fluss der Zeit durchmesse – auf einer Reise, bei der Wärme und Emotionen miteinander verschmelzen. Sie nehmen mich mit, lassen mich dann aber meinen eigenen Weg zurückfinden, und erst bei meiner Rückkehr wird mir klar, dass sie für immer ein Teil von mir sein werden.'"

und

"Wenn Literatur tatsächlich eine geheimnisvolle Kraft besitzt, dann ist es meiner Meinung nach wohl genau diese: Man kann ein Buch eines Autors aus einer anderen Zeit, einem anderen Land, einer anderen Ethnie, einer anderen Sprache und einer anderen Kultur lesen und dabei auf ein Gefühl stoßen, das zutiefst das eigene ist. Heine hat jenes Gefühl in Worte gefasst, das ich als Kind hatte, wenn ich schlafend in der Leichenhalle lag. Und genau das, so sage ich mir, ist Literatur."

Das Buch vermittelt uns viel über das Leben in China während der Lebenszeit des Autors (geboren 1960) sowie über den Autor selbst. Ich fand es faszinierend, etwas über ein Leben zu erfahren, das auch mein eigenes hätte sein können, da ich ungefähr im gleichen Alter bin wie Hua Yu. Ein fesselndes Werk.

Buchbeschreibung:

"Volk - Führer - Lesen - Schreiben - Lu Xun - Revolution - Unterschied - Graswurzeln - Gebirgsdorf - Schaukeln: Anhand dieser zehn Schlüsselbegriffe erklärt der chinesische Schriftsteller Yu Hua sein Land. Die Mischung aus persönlicher Erinnerung, unterhaltsamen Anekdoten und scharfsichtigen Analysen eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Kennerinnen und bietet ein facettenreiches Bild der jüngeren Geschichte und der heutigen Gestalt Chinas. Das Buch ist in China verboten, wagt Yu Hua doch die These, das der kapitalistische Aufbruch die Fortführung der Revolution in anderer Form, aber mit den gleichen Mitteln sei."

Wir haben dieses Buch im Juli 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.