Posts mit dem Label Revolution werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Revolution werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. April 2026

Hugo, Victor "Die Elenden"

Hugo, Victor "Die Elenden" (Französisch: Les Misérables) - Les Misérables - 1862

Was für eine Geschichte! "Les Misérables – die Elenden". Und elend sind sie wahrlich. Jemand stiehlt ein Brot, weil Kinder hungern, und muss dafür sein Leben lang büßen! Eine andere tut nichts Falsches, zumindest nicht nach heutigen Maßstäben, und wird trotzdem bestraft. Nur weil sie arm ist.

Und das ist das Verbrechen all dieser elenden Gestalten. Sie sind arm. Ihr Schicksal ist schon vor ihrer Geburt besiegelt, und sie können nichts dagegen tun.

Oder etwa doch? In Zeiten wie diesen ist es kein Wunder, dass die Menschen sich nach einer Revolution sehnen und alles tun würden, um ihrer Hölle auf Erden zu entkommen. Sogar töten.

Ich habe keine Ahnung, warum ich das nie zuvor gelesen habe. Ich muss einfach sagen, dass ich es von Anfang bis Ende geliebt habe. Die Handlung war spannend, man wollte immer wissen, wie es weitergeht. Die Charaktere waren so lebendig und detailreich beschrieben, jeder einzelne von ihnen so authentisch, als wäre er direkt aus dem Buch gesprungen. Ich war so froh, dass es ein so langes Buch war (über tausend Seiten, was für eine Geschichte!), denn so musste ich mich nicht so schnell verabschieden. Dadurch erstreckt es sich über die Leben mehrerer Protagonisten.

Dieses Buch möchte man am liebsten sofort wieder von vorne lesen, sobald man es aus der Hand gelegt hat. Ein wahrer Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Nach neunzehn Jahren Haft kehrt Jean Valjean nach Frankreich zurück. Ein freundlicher Bischof nimmt ihn auf und hält sogar noch zu ihm, als er selbst von ihm bestohlen wird. Dankbar beschließt Valjean, nunmehr anständig zu leben. Er verschafft sich eine neue Identität, wird reich und unterstützt Arme und Entrechtete. Alles setzt er daran, die todkranke Arbeiterin Fantine und ihre kleine Tochter Cosette zu retten. Da holt ihn seine Vergangenheit ein. 'Die Elenden' ist unter dem Originaltitel 'Les Misérables' auch als Film und Musical sehr bekannt. Victor Hugo hat sein leidenschaftliches Plädoyer für Humanität in ein gewaltiges Epos gefasst."

Samstag, 7. März 2026

See, Lisa "Eine himmlische Liebe"

See, Lisa "Eine himmlische Liebe" (Englisch: Peony in Love) - 2007 

Dies ist eine zauberhafte Geschichte über ein junges Mädchen namens Peony, das im 17. Jahrhundert lebt. Ich habe viele Bücher über China gelesen, historische und zeitgenössische, fiktionale und Sachbücher, aber dieses Buch hat mich in eine völlig neue Welt entführt. Der Roman erklärt nicht nur alte chinesische Geschichten und das Theater, ja die gesamte chinesische Kunst, sondern auch andere Traditionen, wie etwa die arrangierten Ehen und vor allem die chinesische Vorstellung vom Leben nach dem Tod. Außergewöhnlich.

Durch Peony erfahren wir viel über die Oper "Der Päonien-Pavillon" (The Peony Pavilion) von Tang Xianzu, der die Handlung in die Song-Dynastie (906–1127) verlegte, obwohl er über die Ming-Dynastie (1368–1644) schrieb – ein Kunstgriff, der in der Literatur bis heute Anwendung findet, wenn über schwierige Zeiten eines Landes geschrieben wird. Das zweite große Kunstprojekt, das im Roman dargestellt wird, ist der "Gemeinschaftskommentar der drei Frauen von Wu Wushan zu Der Päonien-Pavillon", der im Buch eine wichtige Rolle spielt und tatsächlich existiert hat. Das macht das Buch noch interessanter.

Die Autorin beschreibt nicht nur das Leben von Peony, sondern auch das aller anderen Frauen, mit denen sie in Kontakt kommt oder verwandt ist – Großmutter, Mutter, Tanten, Cousinen, Konkubinen … und wie diese miteinander umgehen. Wir erfahren von der Katastrophe, dem Sturz des Ming-Regimes durch die Mandschu und dem Beginn der Qing-Dynastie (1644–1911) – Epochen, die ich nie wirklich trennen konnte, aber ich denke, mit Hilfe dieses Romans wird es mir gelingen. Sie informiert uns auch über das Füßebinden, arrangierte Ehen, Hochzeiten, Totenzeremonien und die Stellung der chinesischen Frau zu jener Zeit.

Ein weiteres großartiges Buch über ein Land mit einer reichen Geschichte und einer vermutlich noch größeren Zukunft.

Buchbeschreibung:

"Kann sie ihrer großen Liebe je wirklich nahe sein? 

Die junge Mudan liebt nichts mehr als die Oper, und so macht ihr Vater ihr kurz vor der arrangierten Hochzeit ein besonderes Geschenk. Er lässt im Garten seines herrschaftlichen Hauses ihre Lieblingsoper aufführen, auch wenn sie diese nur durch einen Wandschirm hindurch verfolgen darf – so wollen es die strengen Regeln im China des 17. Jahrhunderts. Doch obwohl Mudan sich so auf die Aufführung gefreut hat, wird ihr Blick stattdessen von einem attraktiven jungen Mann gefesselt. Als folgsame Tochter darf sie ihm niemals nahekommen – Mudan jedoch kann nicht Sie tritt hinter dem Schirm hervor, der sie vor fremden Blicken schützen sollte, und spricht sogar mit ihm! Aber das verändert ihr Leben auf dramatische Weise ..."

Dies ist die Autorin von "Der Seidenfächer" (Snow Flower and the Secret Fan), das anscheinend viel beliebter ist, aber ich würde auf jeden Fall auch dieses Buch empfehlen.

Samstag, 13. Dezember 2025

Gorki, Maxim "Die Mutter"

Gorki, Maxim (Максима Горького) "Die Mutter" (Russisch: Мать/Matj) - Mother - 1906/07
 
Ich liebe die russische Literatur. Ihr Stil ist einzigartig. Dieses Buch bildet da keine Ausnahme. Der Autor war nicht nur in der aufkommenden marxistisch-kommunistischen Bewegung aktiv, er begründete diesen Stil, die literarische Methode des sozialistischen Realismus. Wir lernen Pelagea kennen, die von ihrem Mann misshandelt wird. Nach dessen Tod beginnt ihr Sohn Pawel, gegen das zaristische Regime zu kämpfen. Seine Mutter ist anfangs zögerlich und ängstlich, doch dann unterstützt sie die jungen Leute, weil sie erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. Sie nimmt alle Freunde ihres Sohnes unter ihre Fittiche und wird für sie zu einer zweiten Mutter, manchmal sogar mehr als ihre eigene.

Wir erfahren, wie hart das Leben in einem russischen Dorf um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert ist und wie schwer es für den einfachen Mann ist, seine Familie zu ernähren. Sie hatten nichts, nicht einmal Hoffnung, dass sich unter dieser Regierung jemals etwas für sie bessern würde. Ich weiß nicht, was viele von uns heutzutage in solchen Umständen tun würden.

Das Buch handelt hauptsächlich von den Revolutionären, dem Untergrundwiderstand und warum sie gegen ihre Zaren kämpften. Wir können es uns gut vorstellen, aber dieses Buch bringt es für alle verständlich aufs Papier. Es geht auch um die Liebe ihrer Mutter zu ihrem Sohn und wie weit sie gehen würde, um ihn zu unterstützen und zu verteidigen.

Ein großartiges Buch.

Der Dichter wurde anscheinend fünfmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Wie schade, dass er ihn nie erhalten hat. Er hätte ihn wahrlich verdient gehabt.

Buchbeschreibung:

"Russland im frühen 20. Jahrhundert: Arbeiter und einfache Bauern quälen sich durch den armseligen Alltag. Fabrikbesitzer und reiche Bauern halten die Arbeiter und Bediensteten mit einem Hungerlohn gerade so am Leben. Doch es keimt Hoffnung auf. Einige junge Leute kämpfen mutig gegen die katastrophalen Verhältnisse. Unter ihnen auch der Sohn der Arbeiterwitwe Pelagea Nilowna. Diese Mutter, ihr Leben lang nur abgeplagt und in ihr Schicksal ergeben, schöpft durch ihren Sohn Pawel Hoffnung auf ein besseres Leben und verschreibt sich mit ihm und den anderen jungen Leuten den Zielen des Aufstandes. Doch der Preis ist hoch für sie und ihren Sohn."

Mittwoch, 19. November 2025

Pasternak, Boris "Doktor Schiwago"

Pasternak, Boris "Doktor Schiwago" (Russian: Доктор Живаго = Doktor Živago) - Doctor Zhivago - 1957

Wer kennt den Film "Doktor Schiwago" nicht? Ich glaube kaum jemand. Aber wer hat den Roman gelesen? Ich kenne nicht viele. Da mir die Geschichte des Films aber sehr gut gefällt, der Autor einen Literaturnobelpreis erhalten hat und ich Literatur von Nobelpreisträgern liebe, musste ich ihn einfach eines Tages lesen.

Ich bin froh, dass ich es getan habe. Boris Pasternak versteht es, eine "sehr einfache Geschichte" zu erzählen, wie er selbst sagte. Ganz so einfach ist sie aber nicht: Das Leben unseres Helden Juri Andrejewitsch Schiwago, eines Arztes und Dichters, ist voller Komplikationen. Er hat im Laufe seines Lebens viele Gedichte geschrieben, einige davon sind am Ende des Buches hinzugefügt. Wie so oft, wenn ich eine Übersetzung lese, wünschte ich, ich könnte die Originalsprache sprechen. Ich bin kein großer Lyrikfan, aber übersetzte Gedichte sind noch schlimmer als die Originale; sie können nie die wahre Bedeutung dessen vermitteln, was der Dichter wirklich meinte.

Doch selbst in den übersetzten Gedichten spürt man Pasternaks Wunsch, einen "einfachen Roman" zu schreiben, der das wahre Leben von Menschen zeigt, die sich durch schwierige Zeiten kämpfen und dennoch versuchen, ein menschliches Leben zu führen. Die Gedichte handeln vom Alltag, von der Liebe und der Bibel.

Schiwago selbst wird als hochintellektueller und sensibler Mensch dargestellt; jede andere Figur ergänzt ihn, jeder Einzelne ist komplex und dennoch leicht verständlich.

Das einzige Problem, das Nicht-Russen mit diesem Roman haben könnten, sind die Namen. Wer jedoch andere russische Romane gelesen hat, weiß, dass jeder Mensch drei Namen hat: den Vornamen, den Familiennamen und den zweiten Vornamen, den Vatersnamen. Wenn man bedenkt, dass man Personen oft mit dem Vornamen und dem Vatersnamen und nur gelegentlich mit dem Vor- und Nachnamen angesprochen wird, kommt man mit den verschiedenen Namen nicht zu Verwechslungen.

Ich habe das Lesen dieses Buches genauso genossen wie das wiederholte Ansehen des Films. Das Buch enthält viel mehr, als jemals auf die Leinwand gebracht werden kann. Wenn euch die Geschichte gefällt, solltet ihr also den Roman lesen.

Buchbeschreibung:

"Im russischen Zarenreich aufgewachsen, erlebt der Moskauer Arzt Shiwago den Ausbruch der Revolution. Alle Hoffnungen auf eine glänzende Karriere werden mit der neuen Ordnung zerstört, und Shiwago beschließt, mit seiner Familie auf ein Landgut reicher Verwandter zu ziehen. Die Familienidylle gerät ins Wanken, als Shiwago Lara wieder trifft, die er in einem Lazarett kennenlernte … Sein halbes Leben lang arbeitete Boris Pasternak an diesem Roman, der in der Sowjetunion nicht publiziert werden durfte. In der Verfilmung mit Omar Sharif wurde er zum Klassiker."

Boris Pasternak erhielt 1958 den Nobelpreis für Literatur "für seine bedeutende Leistung sowohl in der zeitgenössischen Lyrik als auch auf dem Gebiet der großen russischen Erzähltradition".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 25. Oktober 2025

Dickens, Charles "Harte Zeiten"

Dickens, Charles "Harte Zeiten" (Englisch: Hard Times) - 1854

Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass ich Dickens liebe. Als nächsten Roman stieß ich auf "Harte Zeiten". Mein erster Gedanke war, das könnte der Titel aller seiner Romane sein. Und ich glaube immer noch, dass ich damit Recht hatte.

Wie dem auch sei, Charles Dickens ist einer der besten Autoren aller Zeiten. Er schafft es, Menschen, ihre Charaktereigenschaften, ihre Interaktionen, ihr Schicksal zu beschreiben – all das gelingt ihm wunderbar, und trotzdem klingt es, als wäre es das Normalste der Welt. Wie die meisten meiner Freunde wissen, bevorzuge ich dicke Wälzer. Dieses hier war zwar nicht so groß, aber es hatte alle nötigen Komponenten und erzählte eine großartige Geschichte. Wieder eine Geschichte darüber, wie unterschiedlich das Leben für Reiche und Arme war, wie schwer es war, durchs Leben zu kommen, wenn man nicht gerade auf der glücklichen Seite des Lebens geboren wurde. Und trotzdem steckt so viel Humor in dieser Geschichte. Die Charaktere sind alle brillant. Jeder einzelne von ihnen ist so speziell, manche sehr warmherzig, andere weniger.

Ich habe die Lektüre dieser Geschichte wirklich genossen und würde sie jedem empfehlen, der klassische Romane mag, und vielleicht sogar als Einstiegsroman für diejenigen, die so tun, als ob sie ihnen keine Freude machen würden.

Buchbeschreibung:

"Harte Zeiten schildert die Ausbeutung der englischen Fabrikarbeiter durch den ungebremsten Kapitalismus. Der Roman zählt noch heute zu den eindrucksvollsten sozialkritischen Romanen in der europäischen Literatur."

Mittwoch, 10. September 2025

Dickens, Charles "Eine Geschichte aus zwei Städten"

Dickens, Charles "Eine Geschichte aus zwei Städten" (Englisch: A Tale of Two Cities) - 1859

Zwei der berühmtesten Zitate in einem Buch – wie oft bekommt man das schon? Aber ist der Rest des Buches so gut wie Anfang und Ende? Ja, das ist er. Was auch immer man in einem Buch sucht, "Eine Geschichte aus zwei Städten" bietet es: Geschichte, Politik, Revolution, Liebe, Drama, Intrigen, Rache, Vergebung, Opferbereitschaft – alles ist drin. Wie oft kann man das schon von einem Roman sagen?

Obwohl Dickens die Französische Revolution nicht erlebte, fängt er den Zeitgeist ein, porträtiert seine Figuren so lebendig wie möglich und schafft es, alles Wichtige so einzufangen, dass sich Menschen, die hundert Jahre später geboren wurden, vorstellen konnten, in dieser Zeit gelebt zu haben. Und selbst heute, mehr als 150 Jahre nach der Entstehung des Romans, und obwohl sich die Welt noch stärker verändert hat, können wir uns dasselbe vorstellen.

Oh, und falls ihr euch über Anfang und Ende wundert: Es beginnt mit "Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten ..." und endet mit "Was ich tue, ist weitaus besser als alles, was ich je getan habe; ich gehe zu einer weitaus besseren Ruhe, als ich sie je gekannt habe." Das ist gutes Schreiben, und es überrascht mich nicht, dass Mr. Dickens seit Jahrhunderten so bekannt und bewundert ist. Seine Geschichten werden einfach nie langweilig.

Wie dem auch sei, falls ihr es noch nicht erraten habt: Ich liebe dieses Buch.

Buchbeschreibung:

"'Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten…'

Vor dem Hintergrund der Französischen Revolution entfaltet Charles Dickens eine dramatische Geschichte über Liebe, Opfer, Rache und Erlösung. Zwischen dem eleganten London und dem aufgewühlten Paris kreuzen sich die Wege des idealistischen Anwalts Sydney Carton, der jungen Lucie Manette und ihres Vaters, der nach Jahren der Gefangenschaft in der Bastille wieder in die Freiheit entlassen wird.

Mit meisterhafter Spannung und unvergesslichen Figuren schildert Dickens das Ringen zwischen Chaos und Ordnung, Gewalt und Gnade. Eine Geschichte von zwei Städten ist ein bewegendes historisches Epos über die Kraft des Einzelnen in Zeiten großer Umwälzung – und eine der meistgelesenen Erzählungen der Weltliteratur."

Freitag, 5. September 2025

Alvarez, Julia "Die Zeit der Schmetterlinge"

Alvarez, Julia "Die Zeit der Schmetterlinge" (Englisch: In the Time of the Butterflies) - 1994

Dies war mein erster Roman, der in der Dominikanischen Republik spielt. Ich wollte "Die Zeit der Schmetterlinge" schon ewig lesen, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Die Geschichte bricht einem das Herz. Da wir wieder in einer Zeit des Krieges vor unserer Haustür leben, ist dies vielleicht noch wichtiger als damals, zumindest in unserem Teil der Welt. Kriege hat es schon immer gegeben, Diktatoren hat es schon immer gegeben. Julia Alvarez erzählt von einer Familie, die alles gab, für ein freies und besseres Leben ihrer Landsleute kämpfte und dafür den höchstmöglichen Preis zahlte.

Das Erstaunliche an diesem Buch ist, dass es nur wenige Dinge sind, die einen zum Feind eines Diktators machen können, ohne sich überhaupt engagieren zu wollen. Revolutionäre oder sogenannte Revolutionäre sind nicht immer irgendwelche seltsamen Menschen, die aufstehen und sagen: "Hey, ich mag den Kerl nicht, lasst uns etwas dagegen tun." Oft kann man nicht viel dagegen tun, auf der schwarzen Liste zu stehen. Ich habe viele Bücher über Kriege, Sklaverei und andere Diktaturen gelesen und oft festgestellt, dass ich wahrscheinlich genauso geendet hätte wie die Protagonistinnen. Hier bin ich mir jedoch sicher, dass es so gewesen wäre, obwohl ich nicht so hübsch bin wie die Mirabal-Schwestern, sodass ich vielleicht unbemerkt geblieben wäre.

Was mir am Stil des Buches gefiel, war, dass vier Schwestern ihre Geschichten erzählen, meist in einer Art Tagebuch. Jede kommt zu Wort, und man sieht, wie jede von ihnen über den Diktator und das Land dachte und wie jede von ihnen auf unterschiedliche Weise betroffen war. Ein bisschen wie in "Die Giftholzbibel" (The Poisonwood Bible) von Barbara Kingsolver, wo die vier Schwestern ihre Geschichten erzählen.

Es gibt keine Seite, die einen nicht fesselt. Von Anfang an ist man mittendrin in der Familie, lebt mit ihnen, fürchtet mit ihnen.

Obwohl dies kein Sachbuch ist, basiert der Roman auf dem Leben dieser mutigen Frauen. Wir brauchen mehr von ihnen.

Julia Alvarez erwähnt, dass sie "an die Macht von Geschichten glaubt, die Welt zu verändern". Ich denke, sie trägt dazu bei und sollte mehr von dieser brillanten Geschichtenerzählerin lesen. Wir brauchen Autorinnen wie sie, die uns bewusst machen, was in dieser Welt vor sich geht und uns dazu motivieren, für eine bessere Welt zu kämpfen.

Ein Zitat, das mir besonders gut gefallen hat:
"Ich bin für denjenigen, der gerade Recht hat." Das sollten wir alle sein.

Buchbeschreibung:

"Am 25. November 1960 wurden auf einer einsamen Gebirgsstraße im Norden der Dominikanischen Republik die drei Widerstandskämpferinnen Minerva, Patria und María Teresa Mirabal, genannt die Schmetterlinge, von den Schergen des gefürchteten Diktators Trujillo umgebracht. Die Schwestern hatten ihre inhaftierten Ehemänner besucht, die man in ein abgelegenes Gefängnis verlegt hatte, um die Frauen zu zwingen, diese gefährliche Reise zu unternehmen. Nur die vierte Schwester Dedé überlebte, da sie nicht mitgefahren war. Julia Alvarez zeichnet die außergewöhnliche Familienchronik der vier Heldinnen nach. Jede kommt selbst zu Wort und schildert aus ihrer Sicht ihre Kindheit, ihre Erziehung, ihre erste Liebe, ihre Heirat, ihre Familie und ihr politisches Erwachen, schließlich den Entschluß, in den Untergrund zu gehen und den Diktator zu bekämpfen."

Wenn ihr noch keine Zeit habt, diesen fantastischen Bericht über einige wundervolle Frauen zu lesen, lest Sie ihre Geschichte hier auf Wikipedia.

Ich habe noch ein anderes Buch über das Thema gelesen, dieses Mal über den Dikator Rafael Trujillo:
Vargas Llosa, Mario "Das Fest des Ziegenbocks" (Spanish: La fiesta del chivo) - 2000

Samstag, 1. März 2025

Abdolah, Kader "Die geheime Schrift"

Abdolah, Kader (Hossein Sadjadi Ghaemmaghami Farahani) "Die geheime Schrift: Die Notizen des Agha Akbar" (Niederländisch: Spijkerschrift) - My Father’s Notebook - 2000

2010 haben wir "Das Haus an der Moschee" (The House of the Mosque) in unserem internationalen Lesekreis gelesen. Es war vom selben Autor und ich wollte dieses Buch seitdem immer lesen. Nun, ich habe es endlich getan und bin nicht enttäuscht. Genau wie in seinem anderen Buch gelingt es dem Autor, uns in das Land seiner Geburt zu versetzen, nicht nur örtlich, sondern auch zeitlich. Er erzählt uns von den Veränderungen während der Jahrzehnte, die er dort lebte.

Dieser Roman ist noch persönlicher, er ist fast eine Autobiografie. Ishmael, der Protagonist dieser Geschichte, hat einen taubstummen Vater, der als Teppich-Gastronom arbeitet, genau wie Kader Abdolah, dessen Name das Pseudonym von Hossein Sadjadi Ghaemmaghami Farahani ist. Der Name ist eine Hommage an zwei Freunde, die im Iran hingerichtet wurden, einer während des Regimes des Schahs, der andere unter den Ayatollahs.

Ishmael landet als Schriftsteller in den Niederlanden, seine Frau folgt ihm später ... nun, ich denke, ich belasse es dabei, es gibt noch mehr Ähnlichkeiten zwischen dem Autor und seinem Protagonisten.

Zurück zum Buch: Es geht ein bisschen hin und her, von der Jugend von Ismails Vater Aga Akbar bis heute, dann zurück zu Aga Akbars Jugend, dann Ishmaels Jugend, seinem Studium ... Aber es ist keineswegs verwirrend. Ein guter Bericht über die Geschichte der Situation im Iran.

Mir gefiel auch das Thema des niederländischen Originaltitels: "Spijkerschrift" bedeutet Keilschrift, das allererste bekannte Schriftsystem. Sein Vater schreibt so, da er weder hören noch sprechen kann, entwickelt er seine eigene Rechtschreibung. Ziemlich interessant, wenn man sich für solche Themen interessiert.

Dieser Roman ist sowohl politisch als auch historisch. Eine faszinierende Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Die Geschichte Persiens, gespiegelt in einem kleinen Dorf in den Bergen

Esmail hat ein Manuskript mit ins Exil genommen. Geschrieben hat es sein taubstummer Vater, in einer seltsamen, kaum lesbaren Schrift. So, wie er früher seinen Vater verstehen wollte, versucht Esmail nun, das Geschriebene zu entziffern. Es schildert das Leben in einem kleinen Dorf an der Grenze: »Südlich der Grenze lag der Iran, und nördlich, dort, wo immer tiefer Schnee lag, Russland.«

Dieser fast märchenhafte Roman, der einen Bogen spannt zwischen Amsterdam und Persien, erzählt von Vater und Sohn, von Analphabetismus und der Leidenschaft für Geschichten, von Armut, Abhängigkeit und erwachendem politischen Mut. Esmail schließt sich dem studentischen Kampf gegen den Schah an, später der Regime-Kritik gegen Chomeini. Er flieht – und aus dem Sohn eines Teppichknüpfers wird ein westlicher Intellektueller, der seiner Herkunft jedoch alles verdankt.
"

Ich habe dieses Buch im niederländischen Original gelesen.

Samstag, 4. Januar 2025

Follett, Ken "Winter der Welt"

Follett, Ken "Winter der Welt" (Englisch: Winter of the World) (Jahrhundertsaga #2) - 2012

Das zweite Buch der Trilogie über das 20. Jahrhundert, sicherlich eines der dramatischsten Jahrhunderte überhaupt, und definitiv eines, das uns noch lange begleiten wird.

Nachdem unsere fünf Familien den ihrer Meinung nach schlimmsten Teil ihres Lebens überstanden haben, den "Krieg, der alle Kriege beenden sollte", später Erster Weltkrieg genannt, begeben sie sich nun auf eine noch dunklere Zeit, den Zweiten Weltkrieg. Viele unserer Helden aus "Sturz der Titanen" (Fall of Giants) sind erwachsen geworden, haben Kinder bekommen und/oder sind gestorben, also geht es weiter mit der nächsten Generation. Sie haben es nicht leichter als ihre Vorfahren, sie müssen gegen ihre Freunde und manchmal sogar gegen ihre Familie kämpfen.

Genau wie im ersten Buch gibt der Autor einen guten Einblick in das Leben der Menschen in den verschiedenen Ländern. Er stellt sowohl die Menschen vor, die den Krieg und die mit den kommenden bösen Ereignissen rechnen, als auch diejenigen, die glauben, ihr Land könne nichts Böses tun, dass alles einem höheren Gut dient.

Wir sehen alle negativen Seiten eines jeden Krieges, aber besonders die dieses Krieges, der so anders war als alle Kriege zuvor und hoffentlich auch als alle, die noch folgen werden. Ich finde es toll, dass viele der Charaktere direkt in einige der wichtigen Ereignisse und Personen dieser Zeit verwickelt sind, weil wir uns die Vorfälle dadurch noch genauer ansehen können. Wir lesen einige sehr detaillierte Berichte über Schlachten und andere Kriegsgräueltaten, und da wir die Charaktere schon vorher "kennenlernen" konnten, ist es noch schockierender.

Wir erfahren, wie die Nazis Deutschland übernahmen und dann versuchten, dies auch mit dem Rest der Welt zu tun, wie jeder, der sich ihnen widersetzte, auf sehr unterschiedliche Weise "ruhiggestellt" wurde. Wir sehen, wie die Deutschen versuchten, sie zu bekämpfen (oder auch nicht) und wie das endete. Und falls wir es noch nicht wussten, wissen wir jetzt mit Sicherheit, dass sie nicht nur die Juden töteten, sondern jeden, der nicht in ihre Vorstellung von einem "anständigen" Menschen passte. Ob jemand einer Rasse angehörte, die sie nicht kannten oder die ihnen feindlich gesinnt war, behindert oder schwul war, niemand, der nicht in ihre "Norm" passte, war vor ihrer Verfolgung sicher. Ich habe viele Geschichten von meinen Eltern gehört, die noch kleine Kinder waren, als Hitler gewählt wurde, aber es gibt viele jüngere Leute, die diese Zeitzeugen nie in ihrem Leben hatten, und es gibt noch mehr Leute auf der Welt, die diese Details ebenfalls nicht kennen.

Ein Buch, das von einer der Figuren erwähnt/gelesen wurde: "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque, ein Roman eines Veteranen des Ersten Weltkriegs. Auch einfach ein fantastisches Buch, das jeder lesen sollte.

Ein großartiges Zitat eines der Protagonisten: "Warum war es so, fragte sich Lloyd, dass die Leute, die alles Gute an ihrem Land zerstören wollten, am schnellsten die Nationalflagge schwenkten?" Ich habe mich mein ganzes Leben lang dieselbe Frage gestellt und ich schätze, man muss in Deutschland aufgewachsen sein (sogar in der Nachkriegszeit), um jedes Mal ein komisches Gefühl zu haben, wenn man Leute sieht, die stolz ihre Flaggen schwenken. Es bleibt immer ein seltsamer Nachgeschmack.

Eine hervorragende Erzählung einer Zeit, die uns auch siebzig Jahre später noch beschäftigt. Eine faszinierende Geschichte einer der schlimmsten Zeiten der Geschichte. Gut gemacht, Mr. Follett.

Buchbeschreibung:

"1933. Seit dem Ersten Weltkrieg ist eine neue Generation herangewachsen. Nun spitzt sich die Lage in Europa erneut gefährlich zu. In dieser dramatischen Zeit versuchen drei junge Menschen heldenhaft ihr Schicksal zu meistern. - Der Engländer Lloyd Williams wird Zeuge der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten. Er entschließt sich, gegen den Faschismus zu kämpfen, und meldet sich freiwillig als Soldat im Spanischen Bürgerkrieg.

Die deutsche Adelige Carla von Ulrich ist entsetzt über das Unrecht, das im Namen des Volkes geschieht. Sie geht in den Widerstand und bringt damit sich und ihre Familie in höchste Gefahr. - Die lebenshungrige Amerikanerin Daisy hingegen träumt nur vom sozialen Aufstieg. Sie heiratet einen englischen Lord - aber ihr Mann steht auf Seiten der Faschisten ...

Von Berlin bis Moskau, von London bis Washington, D.C. spannt sich der weite Bogen der Geschichte. Der in sich abgeschlossene Roman erzählt die miteinander verbundenen Schicksale von Menschen in Deutschland, Russland, England und den USA, während über ihren Köpfen drohend der Zweite Weltkrieg heraufzieht. Es ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Finsternis. Aber auch der Hoffnung, die selbst das tiefste Dunkel erhellt."

Follett, Ken "Kinder der Freiheit"

Follett, Ken "Kinder der Freiheit" (Englisch: Edge of Eternity) (Jahrhundertsaga #3) - 2014

Als ich zum ersten Mal von einer Trilogie über das vergangene Jahrhundert erfuhr, in der sich jeder Teil auf einen anderen Krieg konzentriert: den Ersten, den Zweiten und den Kalten, dachte ich, der letzte könnte mich am wenigsten interessieren. Schließlich war ich dort, ich habe den Kalten Krieg erlebt, ich erzähle meinen Kindern immer wieder, wie es war – und langweile sie wahrscheinlich zu Tode.

Allerdings war ich nur während eines Teils des Kalten Krieges dort, ich habe nur den westdeutschen erlebt, nicht den ostdeutschen, den russischen oder den amerikanischen. Ich denke, mein Teil war dem der englischen und walisischen Familien in der Geschichte am nächsten, schließlich hatten wir freie Wahlen und konnten tun, was wir wollten.

Wie in den vorherigen Teilen stellt der Autor die Charaktere der verschiedenen Familien nacheinander vor und die meisten von ihnen stehen wichtigen Personen sehr nahe. Sie arbeiten entweder für Martin Luther King und Robert Kennedy, Chruschtschow oder es gibt eine fiktive Figur, die Solschenizyn ähnelt ... viele wahre Lebensverbindungen, die erklären, was damals passiert ist. Natürlich wusste ich über die Bürgerrechtsbewegung Bescheid, aber dieses Buch hat mir mehr darüber beigebracht und ich bin sicher, dass es anderen mehr über die Teile beibringt, die sie nicht kennen.

Ich war überrascht, dass einige Leute dieses Buch schlecht bewertet haben, ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass sie mit der Art und Weise, wie die Geschichte dargestellt wurde, nicht einverstanden waren, ihre Ansichten wichen ein wenig (oder sehr) von denen von Ken Follett ab. Verglichen mit amerikanischen Republikanern scheinen die meisten Europäer Kommunisten zu sein und das ist für sie das Schlimmste von allen.

Nun, mir haben alle drei Bücher gefallen. Sehr sogar. Ich habe die Charaktere liebgewonnen und fühlte mich, als wäre ich Teil ihrer Familie oder zumindest eine enge Freundin von ihnen. Insgesamt habe ich etwa 3.000 Seiten voller wunderbarer Geschichten gelesen. Und ich bin immer noch erstaunt über die Menge an Recherche, die Ken Follett dafür betrieben haben muss.

Buchbeschreibung:

"Der Krieg ist zu Ende, doch die Welt ist noch immer in Aufruhr. In Berlin wird eine Mauer errichtet, die Ost und West trennt und Millionen Familien zerstört. Nicht alle finden sich damit ab - trotz der Gefahr für Leib und Leben. Zur gleichen Zeit kämpfen die Schwarzen in Amerika für ihre Bürgerrechte, und die USA und die Sowjetunion stürzen sich in eine Auseinandersetzung, die die Welt an den Rand der Katastrophe führt. Wem kann man noch trauen in dieser Zeit, in der die Welt mehr als einmal am Abgrund steht?"

Und dies sind die ersten beiden Bücher der Trilogie:
Follett, Ken "Sturz der Titanen" (Fall of Giants) - 2010 - 1. Weltkrieg
Follett, Ken "Winter der Welt" (Winter of the World) - 2012 - 2. Weltkrieg

Follett, Ken "Sturz der Titanen"

Follett, Ken "Sturz der Titanen" (Englisch: Fall of Giants) (Jahrhundertsaga #1) - 2010

Welch ein Buch. Und es ist nur der Anfang einer Trilogie. Von den Kohlebergwerken in Wales bis zu den Kommunisten in Russland, von der englischen bis zur deutschen Aristokratie, vom amerikanischen Präsidenten bis zum russischen Zaren können wir anhand der Armen und Reichen in all diesen Ländern sehen, wie es zum Ersten Weltkrieg kam. Wir können sehen, dass nichts so schwarz und weiß ist, wie die Historiker uns glauben machen wollen. Wir lernen die Charaktere genauso sehr lieb gewinnen, als ob wir sie im wirklichen Leben kennen würden. Die Verflechtung von fiktiven und realen Personen lässt uns sogar glauben, dass sie wirklich existierten. All diese Geschichten könnten geschehen sein, sie sind wahrscheinlich mehreren Menschen in jedem dieser Länder passiert.

Wir treffen eine walisische Bergarbeiterfamilie, zwei russische Waisen, einen englischen Grafen und seine Familie, einen deutschen Diplomaten, einen amerikanischen Politiker und viele, viele mehr. Durch ihre Augen können wir ihre Angst vor einem drohenden Krieg sehen, was sie tun oder nicht tun können, um ihn zu verhindern und wie sie ihr Leben einrichten müssen, um ihn zu überstehen.

"Sturz der Titanen" (Fall of Giants). Ich würde sagen, man kann dieses Buch sehr leicht vergleichen mit "Die Säulen der Erde" (The Pillars of the Earth) und dessen Fortsetzungen die auch zu meinen Lieblingsromanen gehören, und deshalb habe ich mir dieses Buch besorgt. Es ist genauso brillant. Es ist nur eine ganz andere Zeit. Europa im zwanzigsten Jahrhundert. Dieses Buch spielt während des Ersten Weltkriegs, das nächste wird der Zweite Weltkrieg sein und das dritte der Kalte Krieg. Diese Art, Geschichte zu zeigen, erinnert mich ein wenig an Edward Rutherfurd, einen anderen meiner Lieblingsautoren, der die Geschichte eines Landes, einer Region oder einer Stadt im Laufe der Zeit immer anhand mehrerer fiktiver Familien und auch einiger realer historischer Figuren beschreibt. Dieses Buch ist sehr ähnlich. Die Familien in dem Buch kommen aus Wales, England, Deutschland, Russland und den USA und sie haben alle sehr unterschiedliche Hintergründe. Man hat das Gefühl, man ist dabei, als der Krieg beginnt, aber man hat all die Ängste mit den Charakteren miterlebt.

Ken Folletts Schreibstil ist wunderschön, seine Recherche zu einem Thema erstaunlich perfekt. Ich habe viele Bücher zu diesem Thema gelesen und trotzdem viele neue Details gelernt.

Der einzige Nachteil des Buches ist, dass man es kaum weglegen kann und gleich nach der letzten Seite das Internet lesen möchte. Ich hatte Glück, dass ich lange genug warten konnte, bis alle drei Teile der Serie erschienen sind, sodass ich nicht zu lange auf das nächste warten musste.

Auf jeden Fall können wir alle viel aus diesem Buch lernen. Wenn wir es vorher nicht wussten, bin ich sicher, dass jeder nach der Lektüre zustimmen wird. Krieg ist teuflisch. In einem Krieg verlieren alle. Lasst uns keinen weiteren beginnen.

Buchbeschreibung:

"Europa, 1914: Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die durch politische Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen Arbeiterschicht und Adel. Und zwei Brüder aus Russland, die in den Strudel der Revolution geraten und sich auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird."

Freitag, 29. November 2024

Machfus, Nagib "Zuckergässchen"

Machfus, Nagib "Zuckergässchen" (Arabisch: السكرية/Al-Sukkariyya) - Sugar Street - 1957 (Kairo-Trilogie 3) 

Selten war ich so traurig wie beim Beenden dieses Romans. Nicht wegen seines Inhalts, obwohl es nicht nur glückliche Ereignisse gab, sondern weil dies das Ende der Geschichte über die Familie Abd al-Jawad ist. Ich hätte ihr Leben und das ihrer Nachkommen gerne bis in die Gegenwart weiterverfolgt.

Nachdem ich "Zwischen den Palästen" (Palace Walk) und "Palast der Sehnsucht" (Palace of Desire) gelesen hatte, die ersten beiden Romane dieser Trilogie über die Heimatstadt des Autors, Kairo, konnte ich es kaum erwarten, den nächsten zu lesen.

Wie in den beiden vorherigen Büchern lernen wir nicht nur die Familie kennen, sondern erfahren auch etwas über die ägyptische Geschichte. Dieses Buch führt uns durch die Jahre 1935 bis 1944. Wir können den Unterschied in der Gesellschaft zwischen dem Beginn der Saga im Jahr 1917 und dem (fast) Ende des Zweiten Weltkriegs erkennen. Es gibt einen großen Unterschied darin, wie Frauen behandelt werden, was sie tun dürfen, obwohl es immer noch einige Menschen gibt, die im letzten Jahrhundert leben. Das Gleiche wie heute, schätze ich.

Ich würde gerne mehr über Ägypten lesen. Es gibt eine andere ägyptische Autorin, die ich sehr mag, Ahdaf Soueif. Ich habe ihren Roman "Die Landkarte der Liebe" (The Map of Love) und eine Sammlung von Kurzgeschichten "Aischa" (Aisha) gelesen und ich bin sicher, dass ich andere gute ägyptische Autoren finden werde, die diese Geschichte fortsetzen werden. Wenn jemand einen Vorschlag hat, freue ich mich immer über Empfehlungen.

Buchbeschreibung:

"Der einst stolze Herrscher der Familie, Abd al-Gawwad, verfolgt, gealtert und durch Krankheit gezähmt, das Straßentreiben vor seinem Palast. Die gute alte Zeit ist für ihn dahin und die Kinder sind längst Chadiga lebt glücklich verheiratet in der Zuckerstraße; Aisha hat durch Typhus ihren Mann und ihre Söhne verloren; Yasin fühlt sich bei der ehemaligen Mätresse geborgen, während Kamal seine Leiden in den Armen einer Prostituierten zu stillen sucht.Als der Zweite Weltkrieg Ägypten erreicht, beginnt auch für Abd al-Gawwads Familie eine schwierige Zeit, die zur Zerreißprobe wird.."

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Machfus, Nagib " Palast der Sehnsucht"

Machfus, Nagib " Palast der Sehnsucht" (Arabisch: قصر الشوق/Qasr el-Shōq) - Palace of Desire - 1957 (Kairo-Trilogie 2)

Teil 2 der Kairo-Trilogie, beginnt 1924, fünf Jahre nachdem "Zwischen den Palästen" (Palace Walk) endet. Die Kinder sind erwachsen geworden, sogar der jüngste Sohn, und die Familie zieht nach mehreren Zwischenfällen weiter. al-Sayyid Ahmad Abd al-Jawad, der Patriarch, versucht immer noch, seine Kinder zu kontrollieren, aber er ist weniger erfolgreich als im ersten Buch.

Wieder treffen wir alle Freunde und Nachbarn der Familie, die Schwiegersöhne, die von den Söhnen verfolgten Mädchen – und den Vater. Eine Geschichte, die den Titel "Saga" wirklich verdient.

Wir erfahren auch wieder etwas über die Sicht der Ägypter auf die britische Besatzung und können sie vollkommen verstehen. Warum sollte ein Land über ein anderes herrschen?

Ich weiß, ich habe erwähnt, dass ich dicke Bücher liebe, aber was ich noch mehr liebe, ist eine Fortsetzung eines dicken Buches, die es noch dicker macht. Dies ist einer dieser Fälle. Und das dritte Buch "Zuckergässchen" (Sugar Street) macht das ganze noch besser.

Buchbeschreibung:

"Kamal, der jüngste Sohn des geliebt-gefürchteten Familienpatriarchen Abd al-Gawwad, bekommt die Härten und Hürden des Erwachsenwerdens deutlich zu spüren: Seine erste, heftige Liebe zur Aristokratentocher Aida bleibt unerwidert und hinterlässt in ihm das Gefühl, lediglich Mittel eines weiblichen Ränkespiels gewesen zu sein. Und seinem Wunsch, Englischlehrer zu werden, seiner Begeisterung für die nationale Unabhängigkeitsbewegung, seinem Interesse für die Wissenschaft, die ihn an den religiösen Bräuchen zweifeln lässt, begegnet der Vater mit schroffer Ablehnung; er verteufelt Kamal als Ketzer. Trotz der Sehnsucht nach Erkenntnis und Befreiung aus den Fesseln überkommener Traditionen fühlt sich Kamal wie gelähmt. Angesichts der herrschenden Doppelmoral droht der Traum von Reinheit und Schönheit zu zerbrechen. Entmutigt beginnt er, sich in Weinbuden zu betrinken und durch Bordellgassen zu streifen, während sein Bruder Jasin und der Vater, ohne es voneinander zu wissen, um die Liebe derselben jungen Lautenspielerin buhlen - Zanuba. Aber diese betörende, fordernde Frau lässt nicht mit sich spielen. Sie will geheiratet und geachtet werden.."

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Machfus, Nagib "Zwischen den Palästen"

Machfus, Nagib "Zwischen den Palästen" (Arabic: بين القصرين/Bayn al-qasrayn) - Palace Walk - 1956 (Kairo-Trilogie 1)

Teil 1 der Kairo-Trilogie. Ich liebe dicke Bücher, ich liebe Familiensagas, ich liebe historische Romane, ich liebe Bücher von Nobelpreisträgern, also sollte das definitiv das Buch für mich sein.

Und das ist es auch. Die Geschichte einer ägyptischen Familie zwischen 1917 und 1919. Wir lernen al-Sayyid Ahmad Abd al-Jawad kennen, der seine Familie wie ein Tyrann regiert, seine Frau, seine Töchter und seine Söhne, sie alle müssen ihm bedingungslos gehorchen. Er selbst ist bei weitem kein perfekter Mensch, erwartet dies aber von allen um ihn herum. Mit der Zeit akzeptiert jeder dies als gottgegebenes Gesetz.

Brillant erzählt. Nagib Machfus ist ein fantastischer Beobachter, er erwähnt so viele Dinge, beschreibt die Gefühle der Menschen auf eine Weise, die einzigartig und höchst lobenswert ist. Wir können uns vorstellen, eine Fliege an der Wand zu sein, die alles bemerkt, was vor sich geht. Ich würde gerne ein Buch lesen, das Machfus jetzt über dieselbe Familie schreiben würde, naja, ihre Nachkommen. Der Autor hat es geschafft, eine Familie zu erschaffen, die so real, so lebendig wirkt. Wir können uns gut vorstellen, ihnen irgendwo zu begegnen. Eine sehr realistische Geschichte.

Ich habe auch die Fortsetzungen "Palast der Sehnsucht" (Palace of Desire) und "Zuckergässchen" (Sugar Street) gelesen.

Dieses Buch steht auch auf der Liste der "Nicht-westlichen Bücher, die jeder Schüler lesen sollte" (The non-western books that every student should read).

Buchbeschreibung:

"Der Nobelpreis für Nagib Machfus galt vor allem auch seiner Kairo-Trilogie. Sie ist das Hauptwerk des Autors, ein Meilenstein der modernen arabischen Literatur. Die westliche Kritik verglich sie mit den 'Buddenbrooks', mit der 'Forsythe Saga', mit der 'Danziger Trilogie', mit der 'Comédie humaine' Balzacs, nannte sie den 'Baedecker zu Ägyptens Seele' ... Über drei Generationen und drei Jahrzehnte hinweg wird das Leben einer Kairoer Kaufmannsfamilie verfolgt und zu einem opulenten Gemälde ägyptischen Lebens verdichtet.

Abd al-Gawwad, der übermächtige Herrscher der Familie, ist gefürchtet und geliebt zugleich: Strotzend vor Vitalität und Lebenslust ist er ein liebenswürdiger Freund und geistreicher Unterhalter, ein Kenner von Kunst und Gesang, und nicht zuletzt ein feinfühliger Liebhaber schöner Frauen. Doch wenn er die Treppe zu seinem Palast hochsteigt, verwandelt er sich zum gnadenlosen Patriarchen, der Ehefrau, Töchter und Söhne an seinen Fäden führt. Als die Wünsche und Hoffnungen jedes einzelnen an die Oberfläche kommen, verstricken sich die Familienmitglieder immer tiefer im Geflecht ihrer verunsicherten Beziehungen. Seine Ehefrau Amina, eine Gestalt von mythischer Tiefe, in der Welt der Geister heimischer als in der Welt der Menschen, wagt sich zum ersten Mal hinaus auf die Straße. Der Sohn wie die Tochter verfallen einer unschicklichen Liebe. Und draußen auf der Straße beginnt der blutige Kampf um nationale Unabhängigkeit, wird mit Demonstrationen und Streiks das Ende des britischen Protektorates gefordert. Abd al-Gawwad's Familie bleibt von der Tragik der Ereignisse nicht verschont..
"

Nagib Machfus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1988 als "Wegbereiter neuer (sozialkritischer) ägyptischer Erzählkunst zwischen Tradition und Moderne".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 13. September 2024

Rutherfurd, Edward "Die Rebellen von Irland"

Rutherfurd, Edward "Die Rebellen von Irland" (Englisch: Awakening: The Rebels of Ireland) - 2006

Ich lese die Fortsetzung eines Buches selten sofort, normalerweise mache ich eine kleine Pause von der Geschichte. Aber dieses Mal konnte ich nicht widerstehen. Nachdem ich "Dublin" (Die Prinzen von Irland) gelesen hatte, musste ich einfach weiterlesen über all die irischen Familien, die die Geschichte dieses interessanten Landes aus erster Hand miterlebt haben.

Dieser Roman beginnt im Jahr 1597, gleich nachdem der erste zu Ende ist. Wir folgen den Nachkommen der tapferen Charaktere aus dem ersten Buch, die den Kampf ihrer Vorfahren fortsetzen, wir folgen ihnen durch die Besatzung durch die Engländer mit den verschiedenen Versuchen, den gesamten Katholizismus von der Insel zu vertreiben, durch die Hungersnot, den Osteraufstand und die Ausrufung der Republik. Was für eine lebendige Geschichte.

Eines lehrt uns dieses Buch mehr denn je: In jedem religiösen Krieg oder Streit geht es nicht wirklich um Religion, sondern um Macht und Geld.

Buchbeschreibung:

"Acht Familien - acht Schicksale, die von Reichtum und Armut, Liebe und Verrat, Glück und Verlust künden. So stellen die Liebesabenteuer der eigenwilligen und leidenschaftlichen Anne den Zusammenhalt der Anwaltsfamilie Walsh, die es im 18. Jahrhundert zu Ansehen und Wohlstand bringt, auf eine harte Probe. Ein farbenprächtiger Bilderbogen zur Geschichte der grünen Insel Irland."

Ich empfehle außerdem besonders "London" (London) und "The Forest" (Der Wald der Könige) vom gleichen Autoren.

Und hier ist ein Link zu all meinen Rezensionen seiner anderen Romane ist hier (englisch) und hier (deutsch).

Dienstag, 3. September 2024

Lahiri, Jhumpa "Das Tiefland"

Lahiri, Jhumpa "Das Tiefland" (Englisch: The Lowland) - 2013

Ich habe ein paar Bücher von Jhumpa Lahiri gelesen, und dieses hier lag schon seit einiger Zeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich habe keine Ahnung, warum ich so lange gebraucht habe, um damit anzufangen. Oh, Moment mal, das müssen die Hunderte anderer Bücher auf dem Regal sein. LOL

Obwohl ich viele Bücher über Indien gelesen habe, und ziemlich viele über die Unabhängigkeit (z. B. MitternachtskinderMidnight's Children - von Salman Rushdie) und den Kampf dafür, wusste ich nicht viel über die Naxaliten, nur eine allgemeine Vorstellung davon, dass sie existierten. In diesem Buch lernen wir die Organisation und ihre Anhänger kennen. Und die Geschichte berührt auch den Grund, warum Inder ihr Land verließen, sowie die Rolle der Frauen in der damaligen Gesellschaft, sowohl in Indien als auch in den USA.

Ich wusste, dass es eine gewalttätige Zeit war, aber es ist anders, wenn man von Einzelpersonen hört und wie es ihnen unter bestimmten Umständen erging, selbst wenn diese fiktiv sind. Da ich immer gerne die Hintergründe meiner Bücher recherchiere, besonders wenn es historische sind, erfuhr ich, dass die Gruppe immer noch existiert und es immer noch viele Konflikte mit ihnen gibt und jedes Jahr zahlreiche Menschen getötet werden. Davon hört man im Rest der Welt kaum etwas. Wie schade!

Und dann gibt es in dem Buch auch noch eine "nächste Generation" und all die Implikationen, die sich daraus ergeben, in einem Land aufzuwachsen, in dem die eigenen Eltern nicht geboren wurden.

Ich fand diesen Roman äußerst interessant und gut geschrieben.

Buchbeschreibung:

"Nach sechs Jahren meldet sich die Autorin der wunderbaren Liebesgeschichte 'Einmal im Leben' mit einem neuen Roman zurück: Am Rande eines mit Wasserhyazinthen über­wucherten, zu Monsunzeiten überschwemmten Tieflands in einem Vorort von Kalkutta wachsen die Brüder Subhash und Udayan Mitra auf. Sie sind unzertrennlich, aber auch sehr verschieden. Beide interessieren sich für Wissenschaft und Politik. Aber Subhash, der Pflichtbewusste, entzieht sich den wirren politischen Verhältnissen der sechziger Jahre und zieht in ein ruhiges Küstenstädtchen im Osten der USA, um sich dort der Wissenschaft zu widmen. Udayan hingegen lässt sich mit militanten Maoisten ein und riskiert alles für seinen Traum von einer gerechteren Welt … Aber als Subhash erfährt, was seinem Bruder in jenem mit Hyazinthen überwucherten Gewässer zugestoßen ist, kehrt er nach Indien zurück, um die Wunden zu heilen, die Udayan, nicht zuletzt im Herzen seiner jungen, schwangeren Frau, geschlagen hat. Es entspinnt sich ein mitreißendes familiäres Drama über Kontinente und Generationen. Dieser beeindruckende Roman war in den an­gelsächsischen Ländern ein großer Bestseller. Lahiris Kunst liegt in der Verbindung von weiter Perspektive mit intimster persönlicher Geschichte. Ihre Charaktere, ihre Sätze und Bilder funkeln: Sie ist eine literarische Meisterin, eine der faszinierendsten und erfolgreichsten Autorinnen in den USA von heute."

Samstag, 17. August 2024

Camus, Albert "Die Gerechten"

Camus, Albert "Die Gerechten" (Französisch: Les Justes) - The Just Assassins aka The Just - 1949

Ich bin lese nicht gerne Theaterstücke, aber ich liebe Albert Camus. Und was soll ich sagen, dies liest sich fast wie ein Roman. Es hat wahrscheinlich geholfen, dass es um ein Thema geht, das mich sehr interessiert. Anscheinend basiert es auf echten Sozialrevolutionären.

Die große philosophische Frage des Stücks lautet: Kann man für die Revolution töten? Ist es gerecht oder ist es immer noch Mord? Tötet man ein paar, um Tausende oder sogar noch mehr zu retten? Das gilt es zu entscheiden.

Nicht nur mit dem Ort, auch mit dem Thema und der Art, wie er die Fragen stellt, erinnert er mich an meine russischen Lieblingsautoren Dostojewskij und Tolstoi.

Auf jeden Fall gibt uns dieses Buch viel Stoff zum Nachdenken. Perfekt.

Buchbeschreibung (es scheint kein deutsches Buch zu geben, in dem nur "Die Gerechten" veröffentlicht wurden):

"Sieben Theaterstücke schrieb Albert Camus neben seiner Prosa, bis heute wird er auf deutschen Bühnen gespielt.

Der Band enthält die Dramen
'Caligula', 'Das Missverständnis', 'Der Belagerungszustand', 'Die Gerechten' und "Die Besessenen' in Neuübersetzung.

Zum ersten Mal auf Deutsch publiziert wird die Calderón-Bearbeitung
'Die Liebe zum Kreuz', eine Familientragödie um Vater, Bruder und Schwester. Die größte Entdeckung ist das Kammerstück 'Impromptu der Philosophen', unter Pseudonym veröffentlicht, in Frankreich erst 2006 erschienen. Camus nimmt darin Jean-Paul Sartre auf die Schippe: Ein Irrer erklärt einem ehrbaren Bürger die Absurdität des Lebens.

Erstmals alle Dramen des großen französischen Autors in neuer Übersetzung vereint.
"

Albert Camus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1957 "für seine bedeutungsvolle Verfasserschaft, die mit scharfsichtigem Ernst menschliche Gewissensprobleme in unserer Zeit beleuchtet".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 31. Juli 2024

Vargas Llosa, Mario "Das Fest des Ziegenbocks"

Vargas Llosa, Mario "Das Fest des Ziegenbocks" (Spanisch: La fiesta del chivo) - The Feast of the Goat - 2000

Wir haben dies im August 2022 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Das war eines der härtesten Bücher, die ich je gelesen habe. Die Beschreibungen der Folter sind ziemlich lebendig und detailliert. Ich würde es niemandem empfehlen, der ein schwaches Herz hat.

Rafael Trujillo war von 1930 bis zu seiner Ermordung 1961 der Diktator der Dominikanischen Republik. Natürlich hatte ich von der Diktatur gehört und kürzlich in "Die Zeit der Schmetterlinge(In the Time of the Butterflies) von Julia Alvarez gelesen, also hätte ich genug vorgewarnt sein sollen. Aber das war ich nicht. Die Art und Weise, wie dieser Diktator fast das Leben aller ruinierte und was Menschen anderen Menschen antun können, ist einfach unglaublich.

Die Geschichte wird von Trujillo selbst erzählt, von Urania Cabral, der Tochter eines seiner Anhänger, und von seinen Mördern, die sich abwechseln und die Geschichte noch spannender machen, als sie ohnehin schon ist. Wir sehen die verschiedenen Sichtweisen - nicht, dass wir den Diktator dadurch besser verstehen würden, das würde ich auch gar nicht wollen. Angeblich liebte er sein Land und seine Menschen, aber wie kann man jemanden so behandeln, wenn man ihn liebt?

Es ist unglaublich, wie der Autor es geschafft hat, diese bemerkenswerte Geschichte zu Papier zu bringen, dafür muss man wohl ein Nobelpreisträger sein.

Kommentar eines unserer Lesekreismitglieder.

"Dieses Buch bietet wunderbare Einblicke in Rafael Trujillo, den ehemaligen Diktator der Dominikanischen Republik. Der Leser kann seine Stärke, seine Disziplin, seinen Idealismus und die Verderbtheit all dessen in eine abscheuliche, zerstörerische Kraft sehen, die ihn selbst, seine Kollaborateure und die Unschuldigen gleichermaßen erniedrigt. Der Schreibstil und die Erzählweise sind fesselnd. Dies ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe."

Sie hat recht. Leider trifft ihre Beschreibung auf viele Diktatoren zu.

Ein weiterer Kommentar:

"Das Lesen des Buches begann für mich ziemlich langsam, wegen der verschiedenen Zeit- und Perspektivenwechsel, aber nach etwa der Hälfte des Buches konnte ich es nicht mehr weglegen, bis ich es beendet hatte. Es war wirklich erschreckend und enthüllte Geschichte und Orte, von denen ich keine Ahnung hatte. Und ich verstehe überhaupt nicht, wie Menschen so böse, grausam und manipulativ sein können. Ich kann dieses Buch auch absolut empfehlen!"

Ich stimme voll und ganz zu. Es ist unglaublich, was Menschen einander antun können.

"Eines der wertvollsten Dinge an diesem großartigen Stück Literatur ist, dass es uns einen nahen, lebendigen und persönlichen Blick auf die Täter grober Ungerechtigkeit bietet, teilweise faktisch und teilweise erfunden, sodass wir anfangen können zu verstehen, wie Menschen so böse, grausam und manipulativ sein können. Es hat bei mir funktioniert."

Buchbeschreibung:

"Als Urania Cabral nach langen New Yorker Exiljahren nach Santo Domingo zurückkehrt, auf die Insel, die sie nie wieder betreten wollte, findet sie ihren Vater stumm und im Rollstuhl vor. Der einstige Senatspräsident und Günstling des Diktators blickt sie auf ihre schweren Vorwürfe nur starr an, und Urania bleibt allein mit ihren Erinnerungen an die Zeit der Willkür und an ein ungeheuerliches Geschehen.

Mit ihr kehren wir zurück ins Jahr 1961, als die dominikanische Hauptstadt noch Ciudad Trujillo heißt. Dort herrscht ein Mann, der nie schwitzt, mit absoluter Macht über drei Millionen Untertanen, nackte Gewalt ausübend, wo sie ihm nutzt, Charme und intellektuelle Überlegenheit ausspielend, wo er die Gebildeten und die Oberschicht ins Kalkül zieht. Uranias Vater ist da nur eine Schachfigur im perfiden Spiel des Diktators.

Während der 'Große Wohltäter', der fast das ganze Land in seinen persönlichen Besitz gebracht hat, Militär, Kirche, amerikanische Botschaft im Schach zu halten vermeint, sind seine Attentäter längst unterwegs ohne ihrerseits zu ahnen, daß in ihrem Rücken ein machiavellistischer Machtwechsel im Gange ist.

Im eisigen Zentrum von Vargas Llosas Roman steht die nur allzu reale Gestalt des General Leónidas Trujillo, genannt 'Der Ziegenbock'. Doch der Blick des Schriftstellers dringt unter die historische Haut, macht uns zu Zeitgenossen, zu Mitwissern. Den Verschwörern mit ihrer brennenden Begierde, ihren Demütiger zu beseitigen, den intelligenten Politschranzen und den Opfern gibt der Erzähler seine eindringliche Stimme. Und er schürzt den dramatischen Knoten so gekonnt, daß diese Psychographie der Macht und ihrer Verheerungen wie ein Thriller zu lesen ist."

Mario Vargas Llosa erhielt den Nobelpreis für Literatur 2010 "für seine Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage".

Mario Vargas Llosa hat 1996 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 24. Mai 2024

Abdolah, Kader "Das Haus an der Moschee"

Abdolah, Kader (Hossein Sadjadi Ghaemmaghami Farahani) "Das Haus an der Moschee" (Niederländisch: Het huis van de moskee) - The House of the Mosque - 2005

Dieses Buch stand seit 2005 auf unserer Wunschliste, leider dauerte es ein paar Jahre, bis es übersetzt wurde (damit wir es im internationalen Kreis lesen konnten), obwohl es zum zweitbesten niederländischen Roman aller Zeiten gewählt wurde (nach "The Discovery of Heaven" - Die Entdeckung des Himmels, das wir im Februar 2004 lasen). Es scheint immer ewig zu dauern, bis Romane ins Englische übersetzt werdeb. Unser niederländisches Mitglied hat in den Niederlanden viel über den Roman gehört und sogar den Autor gesehen.

Auch wenn es sich hierbei nicht um eine Autobiografie handelt, ähnelt das Leben des Autors dem seiner Hauptfigur, z.B. wollte er Literatur studieren, studierte aber Physik.

Allen Anwesenden hat das Buch gut oder sehr gut gefallen, den meisten sehr gut. Wir lasen gerne über die Symbole, Großmütter, den Platz der Frau, Warnung vor Fundamentalisten, Fanatismus. Das Buch ist ein guter Lehrer. Der Roman enthält viele Informationen über den Iran, Einwanderer, die politische Situation.

Es wird auf drei verschiedenen Ebenen erzählt: mythisch, mystisch und aktuell. Viele Symbole. Jedes Kapitel wird mit einem Satz aus dem Koran eingeleitet, das hat uns sehr gut gefallen. Die Perser wirken intelligent, gebildet, schön und elegant. Es ist eine gute Beschreibung des Gefühls von Vertreibung und Verlust. Der Autor zeigt das Leben in verschiedenen Klassen, die Macht der Industrialisierung, die Macht des Basars. Dieses Buch regt auf jeden Fall dazu an, mehr über das Thema zu erfahren.

Es ist schwer vorstellbar, mitten in einer Revolution zu leben, deshalb erhalten wir hier einen sehr guten Bericht. Früher gab es eine ganz normale Gesellschaft, dann ging alles schief.

Einige Leser interessierten sich auch mehr für die politischen Aspekte, Kommunismus, die religiöse Diktatur, dieses Buch hat alles. Es enthält auch viele Gedichte, die nicht allen von uns gefallen haben. Uns gefiel die Beschreibung der Menschen, der Gesellschaft und der Geschichte.

Offenbar schlägt Kader Abdolah "My Father’s Notebook" (Die geheime Schrift) vor, es gefällt ihm besser. Außerdem schreibt er wöchentlich einen Artikel in der niederländischen Zeitung "Volkskrant".

Wir haben darüber im September 2010 in unserem internationalen Lesekreis diskutiert.

Buchbeschreibung:

"Ein altes Haus in Senedjan. Seit 800 Jahren wohnt hier die Familie des Teppichhändlers Agha Djan. Unter seiner Obhut leben die Menschen in einträchtiger Harmonie - bis die von Teheran und den Aufständen gegen das korrupte Regime des Schahs ausgehende Unruhe auch sie erreicht.

In seinem neuen Roman breitet Kader Abdolah das zutiefst menschliche Schicksal einer iranischen Großfamilie wie ein bunt schillerndes Geschichtengewebe vor uns aus."

Freitag, 26. Januar 2024

Dickens, Charles "Barnaby Rudge"

Dickens, Charles "Barnaby Rudge oder der Glaubenskrieg von London" (Englisch: Barnaby Rudge: A Tale of the Riots of Eighty) - 1841

Ich bin ein großer Charles Dickens-Fan. Ich habe noch nie ein Buch von ihm gelesen, das nicht faszinierend war. Dieses hier war auch fantastisch.

Ich wusste nicht, dass dies ein weiterer historischer Roman war (neben "A Tale of Two Cities" - Eine Geschichte aus zwei Städten).

Was mir an diesem Buch gefallen hat, war genau das, was ich normalerweise an Dickens liebe. Seine Beschreibung des kleinen Mannes, des Lebens der Menschen zu der Zeit, über die er schreibt. Wie lebten sie? Was waren ihre Probleme? Warum rebellierten sie in diesem Fall?

Wir erhalten einen umfassenden Einblick in das Leben und die Probleme der Menschen im 18. Jahrhundert, auch wenn es noch nicht die Zeit war, in der Dickens lebte.

Ich kann verstehen, warum dies das am wenigsten gelesene seiner Bücher ist, obwohl es das eigentlich nicht verdient. Das Thema scheint den Lesern möglicherweise nicht so interessant zu sein, oder vielleicht fehlt ihnen eine echte Wohlfühlromanze. Egal aus welchem Grund, dies ist ein großartiges Buch und wer ein Liebhaber klassischer Literatur ist, sollte darüber nachdenken, mindestens eines von Dickens' Büchern zu lesen. Und wer dann nicht weitermachen will - das ist dann dessen Verlust.

Ich würde dies gerne mit einem Lesekreis lesen, da es so viel zu besprechen gibt. Da ich auf meinem Blog aber keine Spoiler geben möchte, werde ich nicht näher darauf eingehen.

Buchbeschreibung:

"John Willet, der Besitzer des Maibaums [Maypole Inn], und seine drei Kumpane versammelten sich an einem Abend im Jahr 1775 im Maypole Inn im Dorf Chigwell um das Feuer. Einer der drei, Solomon Daisy, erzählt eine bekannte lokale Geschichte über den Mord an Reuben Haredale, der 22 Jahre zuvor an diesem Tag stattgefunden hatte. Ruben war der Besitzer des Warren gewesen, eines örtlichen Anwesens, in dem heute Geoffrey, der verstorbene Bruder von Ruben, und Geoffreys Nichte, Rubens Tochter Emma Haredale, wohnen. Nach dem Mord wurden Rubens Gärtner und Steward vermißt und waren Verdächtige des Verbrechens. Eine Leiche wurde später gefunden und als die des Verwalters identifiziert, so daß angenommen wurde, daß der Gärtner der Mörder war.

Die Geschichte springt ins Jahr 1780. Am 27. Jahrestag des Mordes an Reuben Haredale sieht Solomon Daisy, der die Glockenturmuhr aufzieht, einen Geist auf dem Kirchhof. Er berichtet seinen Freunden im Maibaum über das haarsträubende Ereignis. John Willet reist in einem Wintersturm ab und nimmt Hugh, den Wirt des Maibaums, als Führer. Auf dem Weg zurück zum Maibaum treffen sie drei Männer, die unterwegs nach London sind. Barnaby und seine Mutter haben ruhig in einem Dorf auf dem Land gelebt, müssen jedoch die Flucht ergreifen. Sie gehen nach London in der Hoffnung, ihren Verfolgern zu entkommen.

In London schließt sich Barnaby einer randalierenden Menge an, die mehrere katholische Kirchen und die Häuser katholischer Familien in Brand setzen. Es sind die sogenannten Gordon-Unruhen von 1780."