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Donnerstag, 12. Januar 2023

Trojanow, Ilija "Nomade auf vier Kontinenten

Trojanow, Ilija "Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton" [Nomad on Four Continents. In the Footsteps of Sir Richard Bacon] - 2006

Nachdem ich mit meinem Lesekreis "Der Weltensammler" gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf dieses Buch, in der Ilja Trojanow von den Hintergründen erzählt, wie er dazu kam, auf Richard Francis Burtons Spuren zu wandeln und was er sonst noch dabei erlebt hat.

Nun können wir lesen, wie es dem bekannten Forscher heute wohl ergangen wäre. Ilja Trojanow nimmt uns nochmals mit auf seiner Reise durch die diversen Länder und Kulturen. Manches hat sich geändert, vieles nicht.

Dieses Buch ist genauso brillant wie "Der Weltensammler". Etliche Illustrationen und Bilder ergänzen die sagenhaften Beschreibungen.

Buchbeschreibung:

"Sieben Jahre lang ist Ilija Trojanow auf den Spuren des Weltensammlers Richard Francis Burton durch Indien, Arabien, Afrika und Nordamerika gereist.

Er stellt den exzentrischen Lebemann anhand von Ausschnitten aus dessen literarischem Werk vor und verknüpft sie mit eigenen Reiseerlebnissen. Eine intensive, die Jahrhunderte überspannende Begegnung. Ergänzt durch Zeichnungen und Fotografien aus den Archiven der beiden Abenteurer.
"

und

"Man muss sich nur die Strommasten wegdenken, so Ilija Trojanow. Dann erleben Reisende Indiens Hinterland großenteils genau so wie Sir Richard Francis Burton im 19. Jahrhundert. Autor Trojanow folgte den Spuren des sagenumwobenen Burton nach Indien sowie nach Mekka, Sansibar und zu den Mormonen in Utah. In Der Weltensammler bereitet der deutsch-bulgarische Schriftsteller das Leben Burtons als Romanstoff auf. In Nomade auf vier Kontinenten nähert sich Trojanow nun der Lebensgeschichte des leibhaftigen Burton. Ergebnis ist ein Porträt der anderen Art, in der Trojanow mühelos eine Brücke schlägt zwischen den Kontinenten, zwischen seinen Erlebnissen und den Abenteuern Burtons, zwischen der Kolonialzeit und unseren Tagen.

Trojanows gründliche Spurensuche reicht mehr als 150 Jahre zurück in eine Zeit, in der Kolonialisten Menschenschädel mit nach Europa brachten wie heutzutage Urlauber geschnitzte Souvenirs. Die Erlebniswelten von Burton und Trojanow - im Buch übersichtlich jeweils grün bzw. schwarz gedruckt - greifen eng ineinander. Zum Beispiel wenn Trojanow eine Autofahrt im 20. Jahrhundert gleichklingend beschreibt wie Burton eine Reise in der Sänfte im 19. Jahrhundert. Den Engländer erleben Leser als kühnen Abenteurer mit poetischer Ader, aber auch als hartherzigen Draufgänger. Und obgleich Burton konsequent seinen eigenen Weg geht, bleibt er Kind seiner Zeit - etwa wenn er Neger als zurückgeblieben betrachtet.

Ilija Trojanow lässt in dieser großartigen Collage Episoden aus unterschiedlichen Epochen ineinander gleiten, ohne den Lesefluss im geringsten zu stören. Auch deshalb gehört dieses Buch völlig zu Recht zur Reihe Die Andere Bibliothek, in der der Eichborn-Verlag lesenswerte Werke präsentiert. Mögen der schillernden Spurensuche Trojanows viele Leser folgen, denn der Autor gehört zu den brillantesten hierzulande.
Herwig Slezak"

Mittwoch, 8. Juni 2022

Trojanow, Ilija "Der Weltensammler"

Trojanow, Ilija "Der Weltensammler" - The Collector of Worlds - 2006

Eine wunderbare Beschreibung des Lebens in verschiedenen Welten zu einer anderen Zeit, Indien, Arabien, Afrika. Der Autor hat selbst in diesen Kulturen gelebt und weiß viel darüber.

Einige unserer Mitglieder mochten das Buch nicht, sie fanden es zu schwierig oder langweilig, zumindest zu Beginn, zu viele Details (was ich liebte). Einige interessierten sich nicht für Indien oder den Kolonialismus.

Aber nicht wenige mochten es, und ich war einer von ihnen. Es ist ein wunderbares Buch, das versucht zu erklären, wie man Menschen wirklich versteht. Okay, wir mochten Richard Burton persönlich vielleicht nicht, aber ich bewundere wirklich, was er getan hat, wie er in die verschiedenen Charaktere, verschiedenen Kulturen eintauchen konnte, wie leicht er all diese verschiedenen Sprachen lernte. Er kann sicherlich als rätselhaft bezeichnet werden. Man bekommt einen Einblick in so viele verschiedene Kulturen, das ist so fesselnd, faszinierend. (Auch die Übersetzung wurde gelobt, anscheinend hat der Übersetzer eine fabelhafte Arbeit geleistet, die Schönheit der Sprache und der Worte bewahrt. Das kann ich nicht beurteilen, da ich das deutsche Original gelesen habe.) Der Autor schreibt sehr anschaulich, bildhaft, mit Humor, das Buch ist schön verfasst.

Wer Bücher mag, in die man eintauchen kann, dann ist dies das Richtige. Es ist unglaublich ereignisreich. Ich hatte noch nie zuvor von Burton gehört und war sehr gespannt, mehr über ihn zu erfahren. Er bleibt einfach ein Mysterium.

Es kam auch die Frage auf, wie viel von Richard Burton der Autor war? Wer ist Richard Burton? Ein unentdeckter Kontinent, er nimmt es mit jeder Art von Kultur auf, ein brillanter Mann. Er suchte Gott in all den verschiedenen Religionen.

Wir haben dieses Buch im Januar 2008 in unserem deutschen Lesekreis und im April 2010 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821-1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat."


Wer mehr über Richard Burton wissen will, gibt es ein wunderbares Sachbuch mit vielen Illustrationen und Bildern:
Trojanow, Ilija "Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton" - 2006