"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Mittwoch, 24. Juni 2026
Hawkins, Paula "Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"
"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Dienstag, 23. Juni 2026
Delacourt, Grégoire "Alle meine Wünsche"
"Jocelyne führt einen Kurzwarenladen im nordfranzösischen Arras. Die Kinder sind aus dem Haus, und Jocelynes ganze Leidenschaft gilt ihrem Internet-Blog übers Stricken und Nähen. Sie liebt ihr kleines Leben, liebt sogar ihren ungehobelten Mann - bis durch einen Lottogewinn alles aus den Fugen gerät.."
Montag, 22. Juni 2026
Cela, Camilo José "Der Bienenkorb"
Für den "Classics Spin #44" fiel die Wahl auf Nummer 9 unserer Liste. Großartig, dachte ich: ein Nobelpreisträger. Zwei Fliegen mit einer Klappe.
Oft entdecke ich einen neuen Lieblingsautor, wenn ich ein Werk eines Nobelpreisträgers lese. War das diesmal auch so? Ich glaube nicht. Das Buch war ganz in Ordnung, aber nichts Besonderes. Dabei galt es angeblich als sein bestes, sein wichtigstes Werk.
Für meinen Geschmack war es ein ziemliches Durcheinander – oder, wie wir im Deutschen sagen: ein Kuddelmuddel. Es gab zu viele Kurzgeschichten, die zwar irgendwie miteinander verknüpft waren, aber die Sprünge zwischen den einzelnen Erzählungen waren so groß, dass man oft gar nicht mehr wusste, von wem gerade die Rede war. Ja, er wollte zeigen, wie sehr das Leben in Spanien während der Franco-Diktatur einem Bienenstock glich. Leider ist ihm das nur allzu gut gelungen.
Witzigerweise erwähnt er ein Buch, das bei F. Sempere & Co. in Valencia erschienen ist. Ich glaube zwar nicht, dass es eine Verbindung zu dem Verlag aus Carlos Ruiz Zafóns Reihe "Der Friedhof der Vergessenen Bücher" gibt, aber ich habe mich doch gefragt, ob das nun Zufall ist oder nicht. Ruiz Zafón war übrigens ein großartiger spanischer Autor – einer meiner Lieblinge.
Wie dem auch sei: Die Erzählweise war zerfahren, die Figuren wenig sympathisch, und das ganze Buch bot keinen wirklichen Einblick in das Leben der Charaktere. Wirklich schade.
Dies steht auf meinem Buchumschlag.
"Ganz allmählich steigt der Morgen herauf. Er krabbelt wie eine Raupe über die Herzen der Männer und Frauen der Stadt. Beihnach schmeichlerisch klopft er gegen halb erwachte Blicke, gegen Blicke, die niemals neue Horizonte entdecken oder neue Landschaften, neue Dekorationen. Der Morgen, dieser sich ewig wiederholende Morgen spielt ein wenig um das Gesicht der Stadt zu änder. Ein Grab ist sei, ein Klettermast, ein Bienenkorb."
Und das ist die Beschreibung, die im Internet steht.
"In diesem Roman entfaltet Literaturnobelpreisträger Camilo José Cela das Panoptikum des Allzumenschlichen - die Liebe, die Eifersucht, der Ehebruch vor dem Hintergrund des Franco Regimes.
Der Bienenkorb - das ist Madrid im Zweiten Weltkrieg, das ist das Cafe der Dona Rosa. Spiegel eines durch den Bürgerkrieg entwurzelten Kleinbürgertums und Drehpunkt vieler Lebensgeschichten. Von hier führen die Fäden in die Hinterhöfe, Parkanlagen und Absteigen Madrids, zu den Szenen von Liebe, Ehebruch und Eifersucht. So wird dieser beste Roman des Nobelpreisträgers zu einem eindrucksvollen Panoptikum aus dem Alltag einer faschistischen Gesellschaft.
Der nach diesem Roman gedrehte Film von Mario Camus gewann 1983 den 'Goldenen Bären' bei der Berlinale."
Camilo José Cela erhielt 1989 den Nobelpreis für Literatur "für seine reiche und eindringliche Prosakunst, die mit verhaltenem Mitgefühl eine herausfordernde Vision menschlichen Ausgesetztseins gestaltet."
Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.
Samstag, 20. Juni 2026
Paull, Laline "Die Bienen"
"Flora 717 ist eine Säuberungsbiene aus der untersten Kaste im Bienenkorb. Ausgestattet mit Fähigkeiten, die ihren Rang weit überschreiten, steigt sie schnell auf und darf sogar an der Seite der Königin leben. Alles scheint perfekt. Doch ohne es zu wollen, gebiert Flora eines Tages ein Ei. Ein Umstand, der allein der Königin vorbehalten ist und bei Missachtung schwer bestraft wird. Es beginnt ein Wettlauf um Zeit, Nahrung und Geschicklichkeit, um ihr Leben und das ihres geliebten Kindes zu bewahren.
Laline Paull inszeniert gekonnt einen Roman über Aufstieg, Liebe und Gerechtigkeit.."
Donnerstag, 18. Juni 2026
Schimmel, Betty "Werden wir uns wiedersehen"
"Als Betty Schimmel (geboren 1929) 9 Jahre alt ist, endet ihre behütete Kindheit. Ihre jüdische Familie lebt auf der Flucht vor der Naziverfolgung, zuletzt in Budapest, wo sie 1944 mit dem Einmarsch der Deutschen ihr letztes Zuhause verliert. Am Leben hält sie trotz Krankheit und Entkräftung die Hoffnung, ihre Jugendliebe wiederzusehen. Doch die Hoffnung bleibt unerfüllt, der Geliebte verschollen. Mit gemischten Gefühlen geht sie eine Ehe ein, emigriert nach Amerika, wird 3fache Mutter und fühlt sich doch immer innerlich leer. Über 30 Jahre später findet sie den Langgesuchten in Budapest, doch auch er ist verheiratet und hat 3 Kinder."
Mittwoch, 17. Juni 2026
Pagnol, Marcel "Jean de Florette"
Dies war unsere Oktoberlektüre im Lesekreis, vorgeschlagen von unserem französischen Mitglied. Ein wirklich wertvoller Beitrag für unsere internationale Lesegruppe.
Ich habe den Film vor Jahren mit meinem Französisch-Konversationskurs gesehen und fand ihn recht interessant. Das Buch hat mir natürlich noch viel mehr Einblicke gegeben.
Es ist ein Buch über das Dorfleben und wie sehr die Dorfbewohner gegen jeden Neuankömmling zusammenhalten, wie sie fast wie Feinde behandelt werden, vielleicht sogar noch schlimmer. Ich habe das selbst erlebt und konnte mich daher sehr gut in die Geschichte hineinversetzen, in der Jean Cadoret einen Bauernhof erbt, die anderen Dorfbewohner ihn aber nicht dort haben wollen und alles tun, um seinen Erfolg zu verhindern.
Wir hatten eine interessante Diskussion über die unterschiedlichen Lebensweisen auf dem Land und in der Stadt, über die Vorurteile der Bewohner des einen gegenüber dem anderen und über die Sprachunterschiede, die damals sicherlich eine Rolle spielten.
Wir haben auch darüber gesprochen, wie viele kleine Dinge zu etwas Größerem führen. Das Buch bietet viel Gesprächsstoff.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch weil es mir die Gelegenheit gab, mein Französisch anzuwenden. Ich habe die Originalfassung gelesen.
Wir haben das im Oktober 2015 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.
Buchbeschreibung:
"Marcel Pagnol führt uns in eine Provence der rauen Sitten ein, wo der Zweck die Mittel heiligt. César und Ugolin akzeptieren nicht, dass Jean sich in ihrem Dorf niederlässt, und werden ihn um sein Hab und Gut bringen."
Dienstag, 16. Juni 2026
Roberts, Gregory David "Shantaram"
"Die Welt wird von einer Million böser Männer, zehn Millionen dummer Männer und hundert Millionen Feiglingen regiert."
Buchbeschreibung:
"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen
Montag, 15. Juni 2026
Jeffers, Honorée Fanonne " Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois"
Das ist so ein wunderschönes Buch. Lasst euch von den über 800 Seiten nicht abschrecken, es lohnt sich absolut. Barack Obama hat es auf seiner Leseliste. Es ist ein Oprah-Buch und wurde auch von verschiedenen anderen Leselisten empfohlen und ausgezeichnet. Eine klare Empfehlung in jeder Hinsicht.
W.E.B. Du Bois, der Mann im Titel, war ein US-amerikanischer Soziologe, Schriftsteller, Historiker und panafrikanischer Bürgerrechtler (1868–1963) und der erste Afroamerikaner, der an der Harvard University promovierte. In diesem Buch wird er häufig erwähnt. Ich habe sein Buch "Die Seelen der Schwarzen" (The Souls of Black Folk) gelesen, eine sehr umfassende Studie über die schwarze Kultur in den Vereinigten Staaten. Dieser Roman trägt zu diesem Thema bei.
Die Geschichte dreht sich um Ailey Pearl Garfield, ein schwarzes Mädchen, geboren 1973, und ihre Vorfahren, deren Ursprünge bis in die 1740er Jahre zurückreichen. Sie hat sowohl schwarze als auch indigene Vorfahren, und deren Geschichte wird ausführlich beleuchtet. Sie muss sich mit den Problemen auseinandersetzen, mit denen viele Frauen, insbesondere schwarze Frauen, zu kämpfen haben. Sie ist eine starke Frau, doch ihr werden viele Hindernisse in den Weg gelegt. Und wir erfahren, wie ihre Vorfahren, vor allem die Frauen, diese Herausforderungen gemeistert haben.
Meine einzige Kritik betrifft nicht die Geschichte oder das Buch selbst. Am Anfang gibt es zwar einen Stammbaum, aber dieser ist mitunter recht verwirrend. Ein Diagramm oder eine Nummerierung der Verwandtschaftsverhältnisse wären hilfreich gewesen. So wie es präsentiert wird, muss man viel suchen, um mehr zu erfahren. Falls ihr es noch lesen wollt: Ein Diagramm steht auf Wikipedia.
Abgesehen davon war das Buch einfach fantastisch, episch.
Buchbeschreibung:
"Jeden Sommer reist Ailey Pearl Garfield nach Chicasetta, einem Provinzort in Georgia, wo die Familie ihrer Mutter seit über 200 Jahren lebt. Dank ihres Onkels Root kommt sie nach Routledge, einem historisch Schwarzen College, setzt sich mit dem großen Denker W.E.B. Du Bois auseinander, sucht ihren Platz in der Welt. Dazu muss Ailey die Geschichte ihrer Familie verstehen, vom Sklavenhandel in Westafrika bis zu den Rassenunruhen ihrer Zeit. Denn als Nachfahrin von Schwarzen, Indigenen und Weißen trägt sie das Erbe von Unterdrückung und Widerstand, Gefangenschaft und Selbstermächtigung in sich."
Samstag, 13. Juni 2026
Talshir, Anat "Über uns die Nacht"
Buchbeschreibung:
"Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?"
Freitag, 12. Juni 2026
Modick, Klaus "Bestseller"
Der Autor Lukas Domcik (natürlich erfunden vom Autor Klaus Modick) gibt sich als Esperanto-Übersetzer aus, damit er nicht dauernd auf seine Schriftstellerei angesprochen wird. Gut, dass ihm kein Esperanto-Sprecher begegnet ist. Wir brauchen nämlich keine Übersetzer, und wenn wir etwas für Nicht-Esperanto-Sprecher zu übersetzen haben, machen wir das selbst. Davon kann man nicht leben.
Zwischendrin erzählt er davon, dass heute doch jeder "Klotzkopf Englisch kann … die deutsche Sprache wird sowieso täglich englischer, und mir fiel mein alter Latein- und Griechischlehrer vom Gymnasium ein, der apodiktisch behauptet hatte, Englisch müsse ein Norddeutscher mit Lateinkenntnissen gar nicht lernen, weil Englisch lediglich eine Mischung aus Vulgärlatein und Plattdeutsch sei. Heute ist Englisch zu einer Mischung aus Vulgärlatein allen Sprachen der Welt verkommen - nur das Plattdeutsche ist dabei irgendwie auf der Strecke geblieben." Da soll Herr Modick sich mal ins Hinterland von Oldenburg begeben, da wird er sehr viele Leute finden (auch jüngere), die zwar Plattdeutsch, aber immer noch kein Englisch sprechen. Moin.
Noch ein Zitat! "Umberto Eco, unter allen postmodernen Schlaumeiern der ungekrönte König, ist einmal der Frage nachgegangen, was eigentlich selbst für intellektuell und ästhetisch belastbare Leute das Faszinierende an einem ästhetisch maximal mediokren Film wie Casablanca sei". Hier handelt es sich um den Essay "Casablanca oder die Klischees tanzen", 1958. Eco behauptet, "Die wilde, scheinbar unlogische Vermischung aller möglichen Klischees und Archetypen macht den Film zu einer Art Collage der westlichen Mythologie."
Buchbeschreibung:
"Klaus Modick erzählt die Geschichte des Schriftstellers Lukas Domcik, der aus einem Manuskriptfund Kapital schlagen will.
Tante Theas Erinnerungen an ihre Jugend in den Dreißiger- und Vierzigerjahren verpackt er als Roman und gibt Rachel, eine junge, fernsehtaugliche und von ihm begehrte Maskenbildnerin, als Autorin aus. Mit dieser unschlagbaren Kombination spekuliert er auf einen Weltbestseller. Doch im Rausch seiner Amour fou verliert Domcik schon bald die Übersicht - und die Fäden seiner attraktiven Marionette aus den Händen …
Eine pointierte Literaturbetriebssatire - und ein grandioses Lesevergnügen!"
Donnerstag, 11. Juni 2026
Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal"
Es geht um jemanden, von dem wir wissen, dass er nicht existieren kann, aber die Idee ist einfach zu faszinierend, um sie nicht weiterzuverfolgen. Was wäre, wenn es körperlose Wesen gäbe, die von einem Menschen zum nächsten wechseln und dessen Leben nur einen Tag lang leben würden? Ein solches Wesen ist A, das zu Beginn des Buches 5994 Tage und am Ende 6034 Tage gelebt hat. Das heißt, wir begleiten es/sie/ihn vierzig Tage lang durch ein sehr kompliziertes Leben. Als Junge verliebt es/er sich in das Mädchen Rhiannon und versucht, sie wiederzusehen. Das verändert so manches Leben, das Leben der Teenager, in deren Körper er oder sie für diese Tage schlüpft. Wir lernen gemeinsam mit A viele verschiedene Menschen kennen und erleben, wie es/sie/er diese versteht, wie es/sie/er zwar nur für kurze Zeit in ihren Körpern lebt, aber sich dennoch so in sie hineinversetzen kann, als wäre er schon immer da gewesen.
"Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.
Offensichtlich gibt es dazu eine "Fortsetzung" mit dem Titel "Another Day" (Letztendlich geht es nur um dich), die auch "The Story of Rhiannon" genannt werden könnte, und eine "Vorgeschichte" mit dem Titel "Six Earlier Days" [keine deutsche Übersetzung], das von sechs früheren Tagen des Protagonisten A handelt.
Mittwoch, 10. Juni 2026
Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"
Meyerhoff, Joachim "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" [Oh, this gap, this terrible gap] (Alle Toten fliegen hoch. No. 3) - 2015
Unser Lesekreisbuch. für Mai 2026. Obwohl es der dritte Teil einer Serie ist, wurde beschlossen, dieses Buch zu lesen, da man die Romane auch in unterschiedlicher Folge lesen kann. Ich weiß nicht, ob es ein guter Entschluss war und ob es nicht besser gewesen wäre, von vorne anzufangen. Vielleicht lese ich die anderen auch noch. Auf jeden Fall werde ich den letzten Band lesen, da das unser nächstes Buch ist.
Es wird zwar viel auf den Humor in dem Buch hingewiesen, aber ich fand nicht, dass dies die Hauptsache war, es waren schon recht viele traurige Begebenheiten in dem Band.
Eines habe ich auf jeden Fall gelernt, ich freue mich, nicht auf eine Schauspielschule gegangen zu sein. Ich habe jede Schule geliebt, aber das war mir dann doch ein wenig verrückt.
Der Schreibstil hat mir schon gefallen, auch einige seiner Wortspielereien (z.B. Turnvater-Jahn-Gedächtnis-Choreografie). Auch die Situationskomik, wie eine unserer Leserinnen es so treffend beschrieb. Als Nicht-Alkohol-Trinkerin haben mir die Großeltern allerdings zu viel gesoffen.
"Mit zwanzig wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: 'Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.'
Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe 'Alle Toten fliegen hoch' nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken."
Dienstag, 9. Juni 2026
Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin"
Nach ein paar Seiten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dieses Buch am liebsten wegwerfen zu wollen. Doch es war ein Buch für unseren internationalen online Lesekreis, und ich hoffte, es würde besser werden. Das wurde es nicht.
Ich bin eigentlich kein großer Fan all dieser mystischen Geschichten, dachte aber, diese hier könnte interessant sein. War es nicht. Und das Schlimmste daran: Der Autor hatte einen furchtbaren Schreibstil; er sprang ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang von einem Abschnitt zum nächsten. Zudem bin ich keineswegs prüde, hätte aber gut auf die detaillierten Beschreibungen von sexuellem Missbrauch, Gewalt und homosexuellen Handlungen verzichten können.
Doch anscheinend war ich die Einzige, die so heftig auf das Buch reagierte. Hier sind einige Anmerkungen aus der Gruppe:
- Kuss der Pelzkönigin gilt als halbautobiografischer Roman. In seinen Memoiren Permanent Astonishment aus dem Jahr 2021 schildert Tomson Highway die frühen Jahre seines Lebens gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rene Highway (1954–1990).
- Kommentar: Das ergibt absolut Sinn. Ich hatte es zwar nicht nachgeschlagen, spürte aber bereits beim Lesen, dass hinter einem Großteil der Handlung eine wahre Geschichte steckt – und dass diese hervorragend recherchiert ist, wenn nicht sogar auf rein persönlichen Erlebnissen beruht.
- Ich hatte gemischte Gefühle bezüglich Kuss der Pelzkönigin, bin aber insgesamt froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichte begleitet zwei Brüder vom Volk der Cree aus dem Norden Kanadas – von etwa den 1950er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre hinein. Anhand ihrer Lebenswege veranschaulicht das Buch die Auswirkungen des kanadischen Internatssystems sowie den immensen Druck, der auf den indigenen Völkern lastete, ihre Sprache, Kultur und Traditionen aufzugeben.
- Am meisten interessierte mich der Einblick in die Kultur, Mythologie und die überlieferten Erzählungen der Cree. Ich lese sehr gerne über verschiedene Kulturen und Legenden; dies war ein Themengebiet, über das ich vor der Lektüre des Buches nur sehr wenig wusste. Die geheimnisvolle Gestalt der Pelzkönigin und die mythologischen Elemente verliehen der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig schätzte ich die tiefergehenden Themen des Romans: Identität, Glaube, Kultur und die Frage, wie Menschen mit Traumata umgehen. Die beiden Brüder sind hin- und hergerissen zwischen den Traditionen der Cree und dem Christentum – ein Konflikt, den der Roman meiner Meinung nach auf äußerst eindrucksvolle Weise beleuchtet.
- Der Schreibstil ist oft von großer Schönheit, insbesondere in den Beschreibungen der Natur, der Traumwelten und der traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr düsteren Roman. Ein Großteil der Geschichte befasst sich mit Missbrauch, Gewalt, Verlust und den langanhaltenden Folgen von Traumata. Es gab Passagen, die ich nur schwer lesen konnte. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Elemente lediglich um des Schockeffekts willen eingefügt wurden. Sie stehen in Verbindung zu realen historischen Erfahrungen, was sie für die Geschichte unverzichtbar macht – selbst dort, wo sie unbequem sind.
- Dies ist kein leichtes Buch, und ich kann gut nachvollziehen, warum es manchen Lesern aufgrund seiner schwierigen Thematik missfallen mag. An manchen Stellen empfand ich die Konzentration auf das Leid als erdrückend. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass der Roman eine wichtige Perspektive eröffnet, über die viele von uns außerhalb Kanadas womöglich nur wenig wissen. Für mich war es eine lohnende Lektüre, da sie Geschichte, Kultur, Mythologie und persönliche Schicksale auf unvergessliche Weise miteinander verknüpfte.
Nun, da haben wir es: Manche waren froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich war es nicht.
Buchbeschreibung:
"'Tomson Highway schreibt in Englisch, aber er träumt in Cree', schrieb ein Rezensent über den autobiografischen Erstlingsroman des bekannten kanadischen Dramatikers. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Brüder Oimasis. Herausgerissen aus einem naturnahen Lebne in indianischer Tradition, werden sie ine eine von rigidem Katholizismus, Alkohol, sexueller Gewalt und Rassismus geprägte fremde Welt geworfen. Die Suche nach einer neuen, beide Welten vereinenden Identität beginnt."
Montag, 8. Juni 2026
Lahiri, Jhumpa " Melancholie der Ankunft"
Ich habe dieses Buch im Jahr 2015 gelesen. Das war mein damaliger Kommentar:
"Wie die meisten meiner Freunde wissen, bin ich kein großer Fan von Kurzgeschichten. Ich habe jedoch "Der Namensvetter" (The Namesake) von derselben Autorin gelesen und war wirklich begeistert. Und mehrere meiner Freunde hatten mir 'Melancholie der Ankunft' empfohlen, eine hatte mir sogar ein Exemplar hinterlassen, als sie umzog, ich musste es einfach lesen.
Ich war angenehm überrascht. Was für eine schöne Sammlung von Kurzgeschichten, einige davon sind sogar miteinander verknüpft, sodass es nicht so scheint, als wären es hundert kleine Geschichten, die man sofort vergisst. Im Gegenteil, Jhumpa Lahiri hat einige wundervolle Charaktere geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Sie bezieht alle möglichen Probleme mit ein, mit denen jeder konfrontiert werden kann, der in einer anderen Kultur lebt als der, in der er oder seine Eltern aufgewachsen sind. Sie beschreibt einige nette Menschen (und einige nicht so nette), die alle mit einem Leben in zwei verschiedenen Teilen dieser Welt konfrontiert sind. Da die Autorin selbst Inderin ist und in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist, ist dies der Hintergrund für fast alle ihre Geschichten. Da ich selbst fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt habe (allerdings nicht in einer so anderen Kultur wie die Charaktere im Buch), kann ich mich mit einigen von ihnen durchaus identifizieren.
Jhumpa Lahiri hat einen guten, eleganten Stil, ihre Geschichten fließen einfach, ich werde sicherlich noch mehr von ihren Werken lesen."
Vor einiger Zeit bin ich einer Online-Gruppe namens Literary Wives beigetreten, und dies war das nächste Buch auf unserer Liste. Also habe ich das Buch noch einmal gelesen – denn die erste Lektüre lag schon eine Weile zurück –, diesmal jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt: Was sagt die Autorin über die Ehefrauen in ihrem Buch?
Die meisten dieser Geschichten spielen in Indien und/oder drehen sich um indische Paare.
Eine vorübergehende Sache * (A Temporary Matter)
Wir erleben das Ende einer Ehe. Ein Paar leidet unter dem Verlust eines totgeborenen Babys. Trotz aller Bemühungen haben sie nichts mehr miteinander zu sagen.
Wenn Mr. Pirzada zum Essen kam * (When Mr. Pirzada Came to Dine)
In dieser Geschichte erinnert sich eine Frau an einen Mann aus Ostpakistan/Bangladesch, der ihre indische Familie in den USA besuchte, während seine Familie in der Heimat war. Es ist mehr die Geschichte des Mannes als die der Frau, aber sie gibt uns dennoch einen Einblick in das Leben indischer Ehefrauen in den USA.
Dolmetscher kleiner Unpässlichkeiten * (Interpreter of Maladies)
Diese Geschichte handelt von einer indisch-amerikanischen Familie, die das Land ihrer Herkunft besucht. Wir erfahren mehr über das Leben einer solchen Frau; sie ist sehr einsam. Ich kann das gut nachvollziehen, denn als nicht berufstätige Ehefrau im Ausland hat man nicht das soziale Leben, das Mann und Kinder haben, und es ist schwer, seinen Platz zu finden.
Ein richtiger Durwan * (A Real Durwan) (Türsteher/Pförtner)
Diese Geschichte handelt von einer älteren Frau, die Treppenfegerin ist und auf dem Dach des Gebäudes lebt, in dem sie arbeitet.
Obwohl es hier weniger um die Situation einer Ehefrau geht, erzählt sie von Armut und davon, wie man noch ärmer sein kann als alle anderen um sich herum.
Sexy (Sexy)
Wir sind zurück in den USA. Auch hier geht es nicht um die Ehefrau, sondern um die Geliebte – und um einen Ehemann, der seine Frau verlässt. Eine gelungene Betrachtung dieser Situation aus verschiedenen Perspektiven: die der Ehefrau und die der Geliebten.
Bei Mrs. Sen * (Mrs. Sen's)
Hier haben wir die Geschichte einer indischen Frau, die in den USA lebt, keinen Führerschein besitzt und keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Sie kümmert sich nach der Schule um einen elfjährigen Jungen und bringt ihm ihre Küche näher. Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsgeschichten. Ich habe sehr mit der Frau mitgefühlt.
Ein gesegnetes Haus * (This Blessed House)
Ein junges indisches Ehepaar in Connecticut zieht in sein neues Haus und findet dort viele christliche Reliquien. Die Frau stellt sie auf den Kaminsims. Eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Menschen sein können, was man behalten und was man annehmen sollte. Und wie sehr die Ehe davon profitieren kann.
Bibi Haldars Therapie * (The Treatment of Bibi Haldar)
Eine Frau leidet unter Anfällen, und ein Arzt empfiehlt, sie zu verheiraten. Doch eine Heirat kostet Geld, und man muss erst einmal einen Heiratskandidaten finden. Also lassen ihre Verwandten sie stattdessen auf dem Dach wohnen. Diese Geschichte befasst sich mit dem Umgang mit Krankheit und Vorurteilen.
Der dritte und letzte Kontinent * (The Third and Final Continent)
Ein Mann zieht von Indien nach London und schließlich in die USA, wo er ein Zimmer bei einer 103-jährigen Dame mietet. Die beiden bauen eine gute Beziehung zueinander auf, bis er heiratet und auszieht. Wir verfolgen das Leben des Mannes und seiner Frau sowie die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben.
Wie ich bei den Geschichten bereits angemerkt habe, drehen sich nicht alle um die Ehefrauen; bei einigen spielt deren Status überhaupt keine Rolle – sie sind einfach nur da. Doch wo sie erwähnt werden, erfahren wir viel über die Unterschiede zwischen indischen und (hauptsächlich) amerikanischen Ehefrauen sowie über deren Rechte und Pflichten.
Ich glaube, das hilft auch zu verstehen, warum Einwanderer so oft unter sich bleiben. Es liegt nicht nur an der Sprache – auch wenn es natürlich nicht hilft, wenn ihnen niemand die Sprache des Gastlandes beibringt –, sondern vielmehr an der Kultur und dem gegenseitigen Verständnis. Besonders die Ehefrauen sind unsichtbar; sie gehen in der Menge unter. Gerade bei arrangierten Ehen versteht der Ehemann seine Frau oft nicht.
Buchbeschreibung:
"Pulitzer-Preis 2000 für Belletristik MELANCHOLIE DER ANKUNFT - wohl jeder Leser bedauert es, wenn er wieder am Ende einer dieser elegant geschriebenen, dabei aber überaus gefühlvollen Geschichten angelangt ist. Und durchweg sind es Lahiris Figuren, die so seltsam berühren und den besonderen Zauber dieser Geschichten ausmachen. Menschen zwischen den Welten: Da ist der Ich-Erzähler aus Der dritte und letzte Kontinent, der, ironisch und anrührend zugleich, seinen langen Weg über drei Kontinente, von Kalkutta über England bis in die amerikanische Universitätsstadt Cambridge, schildert; da ist die Inderin Mrs. Sen, die ihre ganze Sehnsucht nach der verlorenen Heimat in der Freundschaft mit einem kleinen amerikanischen Jungen zu kompensieren sucht. Und da sind Shoba und Shukumar, das junge Ehepaar aus der vielleicht schönsten Geschichte der Sammlung, Eine vorübergehende Angelegenheit. Seit Shoba durch eine Fehlgeburt ihr lang ersehntes Baby verloren hat, ist ihre Ehe mit Shukumar aus dem Lot geraten. Während einer fünftägigen abendlichen Stromsperre beschließen die beiden, die Zeit im Dunkeln zu überbrücken, in dem sie sich abwechselnd etwas aus ihrem Leben erzählen - und zwar etwas, das sie dem anderen bislang verschwiegen haben. Ein gefährliches Unterfangen, wie sich am letzten Tag des Stromausfalls zeigt: Shukumar erzählt seiner Frau, was damals, in den ersten Stunden nach der Fehlgeburt, wirklich geschah."
Jhumpa Lahiri erhielt im Jahr 2000 den Pulitzerpreis for "Melancholie der Ankunft".
Und hier sind die Rezensionen der anderen Literary Wives:
Becky aus Sydney von Aidanvale
Kate aus Melbourne von booksaremyfavoriteandbest
Rebecca aus Maryland, USA von Bookish Beck
Kay aus Washington State von What? Me Read?
* Die Übersetzungen der einzelnen Kapitel habe ich Wikipedia entnommen. Ich hoffe, es sind diejenigen, die man auch in der deutschen Übersetzung benutzt hat, obwohl das bei einigen mehr als fragwürdig ist.
Freitag, 5. Juni 2026
Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung"
Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung" - The Post Office Girl ~1930/1982
Nachdem ich "Die Welt von Gestern" gelesen habe, wollte ich schon lange einmal ein weiteres Buch von Stefan Zweig lesen, und da es diesen Monat das Starterbuch für "Six Degrees of Separation" war, habe ich es mir vorgenommen.
Stefan Zweig schrieb dieses Buch in den 1930er Jahren, also vor fast hundert Jahren. Aber veröffentlicht wurde es erst 1982, nachdem es aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Der Verleger überarbeitete das Fragment und ergänzte es mit Notizen des Autoren.
Das Buch spielt kurz nach dem 1. Weltkrieg in Österreich. Es hätte tatsächlich in allen Nachkriegsländern spielen können. Viele Männer sind nicht aus dem Krieg heimgekehrt, die meisten Leute haben kaum Arbeit, sie fristen ein sehr ärmliches Leben.
Da kommt eine Einladung von reichen Verwandten, die die junge Postangestellte Christine in ein Hotel einladen. Sie wird in eine vollkommen fremde Welt katapultiert, die allerdings nicht lange anhält.
Nach diesem Urlaub lernt sie den Kriegsheimkehrer Ferdinand kennen, dem es genauso schlecht geht wie ihr.
Eine traurige Geschichte, eine düstere Geschichte. Stefan Zweig selbst hatte kein glückliches Leben, das spiegelt sich auch hier wider. Aber er versteht es wie kaum ein anderer, in die Seele der Menschen zu sehen und sie uns zugänglich zu machen.
Ich muss mir unbedingt noch ein anderes Buch dieses großartigen Schriftstellers vornehmen. Habt ihr Vorschläge?
Buchbeschreibung:
"Sommer 1926. Christine Hoflehner hat eine bescheidene Anstellung als Postassistentin gefunden. Die Sorgen der Nachkriegszeit sind überwunden, doch vor ihr liegt ein freudloses, ärmliches Leben. Ein Telegramm reißt sie völlig unerwartet aus der Monotonie ihres Daseins: Amerikanische Verwandte laden sie zu einem Urlaub ins Engadin ein. Zuerst verschüchtert, gerät sie rasch in den Sog dieser 'Welt ohne Arbeit, ohne Armut, die sie nie geahnt'. Doch ihr Rausch der Verwandlung ist nicht von Dauer. Als sie Ferdinand kennenlernt, einen 'mit dem Geist der Revolte geladenen Menschen', durch Krieg und Gefangenschaft um seine Jugend und die Möglichkeit einer gesicherten Existenz betrogen, fasst er einen anarchischen Plan – und sie sagt laut und leidenschaftlich ja dazu."

























