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Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Mittwoch, 5. August 2026

Toptaş, Hasan Ali "Die Schattenlosen"

Toptaş, Hasan Ali "Die Schattenlosen" (Türkisch: Gölgesizler) - The Shadowless - 1995 

Dieser Autor wurde mir von einer türkischen Freundin empfohlen, mit dem ich mich gern über unsere neuesten Entdeckungen austausche. Er ist zweifellos ein interessanter Autor. Auf der Rückseite meines Buches wird er als orientalischer Kafka mit islamischer Mystik beschrieben. Ich erinnere mich nicht, Kafka besonders gemocht zu haben, als ich ihn in der Schule lesen musste, aber ich stimme der Beschreibung zu und mag den Autor trotzdem.

Ich würde diesen Roman als eine Mischung aus Fantasy und historischer Schilderung des Lebens in der Türkei beschreiben. Es ist sicherlich schwierig, das Thema des Buches oder die Geschichte zu beschreiben. Es gibt ein Dorf in Anatolien, aus dem Menschen verschwinden. Andere machen sich auf die Suche nach ihnen. Doch die Realität reicht nicht viel weiter; es scheinen mehrere Zeitebenen, ja sogar mehrere Welten nebeneinander zu existieren, die sich in einer surrealen Welt gegenseitig beeinflussen. Man fühlt sich fast wie in einem Gemälde von René Magritte oder einem seiner surrealistischen Kollegen.

Eine teils amüsante, teils fantastische Geschichte. Ein etwas anderer türkischer Autor, aber man kann seinen orientalischen Einfluss dennoch erkennen. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Aus einem Frisörsalon verschwindet ein Lehrling, aus einem anatolischen Dorf das Mädchen Güvercin. Dafür taucht dort ein neuer Frisör auf, oder ist es etwa der alte? Mit seiner erzählerischen Sogkraft und ungeheuerlichen Sprachgewalt ist der Roman 'Die Schattenlosen' die große Überraschung der letzten Jahre."

Freitag, 17. Juli 2026

Maalouf, Amin "Samarkand"

Maalouf, Amin "Samarkand" (Französisch: Samarcande) - Samarkand - 1988

Viele Wörter klingen für mich wie das Paradies, wie traumhafte Worte, die mich an einen magischen Ort entführen, wie aus Tausendundeiner Nacht: Samarkand ist so ein Beispiel. Denkt man dabei nicht sofort an Moscheen und Minarette, orientalische Märkte und blau gekachelte Häuser?

"Samarkand" stammt aus der Feder des im Libanon geborenen französischen Autors Amin Maalouf, dessen Werke auf Französisch verfasst sind. Viele seiner Texte wurden jedoch übersetzt.

Dieser Roman führt uns vom Leben des Dichters, Mathematikers und Astronomen Omar Khayyám und seiner Gedichtsammlung Rubaiyat im Samarkand des 11. Jahrhunderts bis zur Reise der fiktiven Figur Benjamin O. Lesage auf der Titanic im Jahr 1912. Ich hatte noch nie von Omar Khayyám gehört und freute mich sehr, nicht nur etwas über seine Dichtung, sondern vor allem über sein Leben und das seiner Zeitgenossen in einer Region zu erfahren, die mir und den meisten Europäern damals genauso unbekannt war wie heute. Ich habe einiges über die persische und islamische Geschichte gelernt.

Eine sehr gut geschriebene Darstellung eines äußerst interessanten Themas. Ich habe dieses Buch geliebt.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Karte im Anhang, auf der alle Namen dieser fernen Orte verzeichnet waren.

Buchbeschreibung:

"Samarkand im 11. Jahrhundert: Der bedeutendste Philosoph, Mathematiker und Astronom des Orients, Omar Khajjam, wird als Ungläubiger verfolgt. Seine geheimen und gefährlichen Gedanken hat er im Rubaijat niedergeschrieben, doch die wertvolle Handschrift ist verschollen. Erst Jahrhunderte später taucht sie auf rätselhafte Weise auf der Titanic auf …

Amin Maalouf entfaltet die exotische, fremde Welt des Orients und erzählt vom abenteuerlichen Leben des sagenumwobenen Gelehrten, von dessen Verstrickungen in die Macht, von seiner Liebe zu der schönen Dichterin Dschahane – und verfolgt den wundersamen Weg der geheimnisvollen Schrift bis ins 20. Jahrhundert.
"

Samstag, 13. Juni 2026

Talshir, Anat "Über uns die Nacht"

Talshir, Anat "Über uns die Nacht" (Hebräisch: אם אשכך ירושלים/Im Eshkahekh) - About the Night oder If I Forget Thee- 2010

Eine wunderschöne Geschichte über eine Liebe, die alle Hindernisse überwindet, obwohl dennoch viele Schwierigkeiten auftreten. Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Lila und Elias, sondern auch die Geschichte Israels, die Geschichte der jüdischen und palästinensischen Bevölkerung und die schwierige Vergangenheit dieses Landes. Ich habe schon viele Bücher über diesen Teil der Welt gelesen und finde es immer faszinierend, aber dieses Buch hat mich sehr berührt.

Natürlich kann es vor diesem Hintergrund nur eine traurige Liebesgeschichte sein, aber sie ist trotzdem wunderschön.

Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt Nomi, ein junges Nachbarmädchen, das die neue Generation repräsentiert. Wir erfahren auch viel über das Leben im heutigen Israel.

Anat Talshir ist Journalistin und wurde für ihre investigativen Dokumentarfilme mehrfach ausgezeichnet. Dies ist ihr erster Roman, und ich hoffe, sie wird weitere schreiben, denn ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?"

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Samstag, 11. April 2026

Twain, Mark "Die Arglosen im Ausland"

Twain, Mark "Die Arglosen im Ausland" (Englisch: The Innocents Abroad) - 1869

Dies war eines der langweiligsten Bücher, die ich seit Langem gelesen habe. Oft wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, ob ich es als Sarkasmus oder einfach nur als dumm, arrogant und ignorant abtun sollte. Ich weiß, Mark Twain war keines von beidem, aber sein Reisebericht wirkt wie eine Satire auf dumme, arrogante, ignorante und ungebildete Amerikaner, die nichts Besseres zu tun haben, als auf jeden Europäer herabzusehen, der nicht perfekt Englisch spricht oder nicht denselben Lebensstandard hat wie sie. Ich will nicht behaupten, dass es solche Leute nicht auch in anderen Ländern gibt, aber dieses Buch wurde von einem Amerikaner über Amerikaner im Ausland geschrieben.

Ich hatte einen guten Reisebericht über eine längst vergangene Zeit erwartet. Stattdessen las ich eine rassistische Hetzrede, einen verurteilenden Monolog, eine vernichtende Tirade.

Vielleicht war dieses Buch früher einmal sehr lustig, vielleicht gibt es Bücher, die den Test der Zeit nicht bestehen, die nach einer gewissen Zeit veraltet sind. Ich denke, dieses Buch gehört dazu.

Ich konnte über die meisten seiner Geschichten nicht lachen. Ich fand sie oft unhöflich und herablassend. Vielleicht dachten Amerikaner im 19. Jahrhundert eben so über die Welt. Hoffentlich ist das heute nicht mehr so.

Es ist die Geschichte von engstirnigen Menschen, die ins Ausland reisen, nur um alles mit ihrer Heimat zu vergleichen und natürlich festzustellen, dass zu Hause alles besser ist. Warum sollte man die Welt erkunden, wenn man doch nur an anderen Ländern etwas auszusetzen hat?

Nein, dieses Buch ist nicht lustig, nicht geistreich.

Warum habe ich es überhaupt zu Ende gelesen? Ich hatte nie die Hoffnung aufgegeben, dass es irgendwo etwas Interessantes geben würde, dass ihm im nächsten Land etwas gefallen würde. Leider wurde ich enttäuscht.

Wenn ihr ein lustiges Reisebuch lesen möchtet, empfehle ich Bill Bryson (deutsche Bücher hier). Er ist zwar auch Amerikaner, hat aber einen viel umfassenderen Blick auf die Welt, ein viel größeres Herz und echten Humor und Witz.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer 1867 begleitete Mark Twain eine Gruppe von 77 amerikanischen Pilgern auf eine Vergnügungsreise mit dem Raddampfer 'Quaker City' ins Heilige Land. In 50 Reisebriefen berichtete er der Zeitung Daily Alta California von seinen Abenteuern in Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei und Palästina. Die kauzigen, komischen und ziemlich respektlosen Reportagen verarbeitete Twain zu seinem erfolgreichsten Buch 'Die Arglosen im Ausland', doch wurde darin fast alles gestrichen, was Anstoß hätte erregen können. Nun endlich liegt die Erstübersetzung der Urfassung aller Berichte vor, ungekürzt und unzensiert: Twain at his best. Denn keine Kuh war dem jungen Reporter zu heilig, um geschlachtet zu werden, ganz gleich, ob es sich dabei um den Nationalstolz seiner Reisegefährten oder die Kunstschätze und Pilgerstätten der Alten Welt handelte."

Montag, 2. März 2026

Grossman, David "Zickzackkind"

Grossman, David "Zickzackkind" (Hebräisch: יש ילדים זיגזג/Jesh Jeladim) - The Zig Zag Kid - 1994

Eine faszinierende Geschichte über einen Jungen, der erwachsen wird, seinen Weg findet und Antworten auf so viele Fragen findet, von denen er nicht einmal wusste, dass er sie hatte. Nonno, der Zickzack-Junge, der anders ist als andere Kinder, und das nicht nur, weil seine Mutter starb, als er klein war.

Er soll seinen Onkel in Haifa besuchen, wird aber stattdessen von einem rumänischen Verbrecher entführt. Nur hat er nicht das Gefühl, entführt zu werden, es ist alles ein großes Abenteuer.

Die Geschichte ist mysteriös, ich konnte nicht aufhören zu lesen. Sie ist witzig, es gibt so viel zu lachen. Besonders gefällt mir Felix Glick, der Entführer, dessen Vor- und Nachname beide Glück bedeuten – der eine auf Latein, der andere auf Jiddisch. David Grossman schafft es, faszinierend zu schreiben, er fesselt die Aufmerksamkeit und regt zum Nachdenken an. Wir versuchen, die Denkweise des 13-jährigen Nonno zu verfolgen, der von seiner neuen Umgebung beeindruckt ist. Und mit der Hilfe dieses brillanten Autors gelingt uns das sogar.

Ich habe dieses Buch in der deutschen Übersetzung gelesen. Dies war erst das zweite Buch dieses Autors, das ich gelesen habe, aber sicherlich nicht das letzte.

Buchbeschreibung:

"An seinem dreizehnten Geburtstag feiert Nono Bar Mizwa. Aus diesem Anlass, dem Abschied von der Kindheit, hat sein Vater sich ein Detektivspiel ausgedacht. Er schickt Nono auf eine Reise mit dem Auftrag, in der Eisenbahn jemanden zu finden und mit den Worten: Wer bin ich? anzusprechen. Pech nur - oder auch Glück -, dass sich Nono für die falsche Person entscheidet, für Felix Glick nämlich, den alten Gentleman-Ganoven, dessen Spielchen von ganz anderer Art sind, als die seines Vaters. Als Nono am Ende herausfindet, dass Glick sein Großvater ist, erfährt er auch die Wahrheit über die unmögliche Liebe seiner Eltern, die ihn zum 'Zickzackkind' gemacht hat."

David Grossman erhielt 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar macht" erhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 10. Januar 2026

Vergil "Aeneis"

Vergil "Aeneis" (Latin: Aeneis) - The Aeneid - 29-19 BC 

Ich bin kein großer Freund von Gedichten, und dies ist ein besonders bedeutendes Beispiel dafür, eines der frühesten. Ich fand es schwer verständlich, da ich lieber flüssige Geschichten in Prosa lese.

Dennoch verstehe ich, warum so viele Geschichten daraus zu erfolgreichen Filmen verarbeitet wurden. Es sind die Geschichten vom Beginn des Römischen Reiches, vom Beginn unseres heutigen Lebens. Viele von uns haben in der Schule die Geschichte Trojas und viele der anderen Geschichten, die in diesem Gedicht erzählt werden, gelernt.

Wie gesagt, keine leichte Lektüre, aber ich bin sehr froh, dass ich mich durchgekämpft habe, und es wird mir immer in Erinnerung bleiben, genau wie die "Die Odyssee" (Odyssey), ein weiteres Epos.

Buchbeschreibung:

"Vergils sagenhaftes Epos über die Flucht des Aeneas aus seiner brennenden Vaterstadt Troja, seine abenteuerlichen Irrfahrten, seinen Abstieg in die Unterwelt und seine Ankunft in der neuen Heimat Italien gehört seit über zweitausend Jahren zu den wichtigsten und einflussreichsten Werken der Weltliteratur."

Homer "Die Odyssee"

Homer "Die Odyssee" (Altgriechisch: Ομήρου Οδύσσεια, Odýsseia) - Odyssey - 800-600 BC

Dies ist eine epische Geschichte. Jeder kennt die "Odyssee", und ich liebe Klassiker, deshalb wollte ich sie schon immer lesen.

Ich bin kein großer Lyriker, aber man kann dies fast wie einen Roman lesen. Die Sprache ist sehr flüssig, eine Zeile folgt der nächsten ohne die üblichen Unterbrechungen. Manche Sätze können allerdings ziemlich lang werden.

Trotzdem ist es interessant, Odysseus auf seiner Reise durch diese und die nächste Welt zu begleiten, um zu seiner Frau und seinem Sohn nach Hause zu gelangen. Er begegnet Göttern und Helden, Hexen, Feinden und schwierigen, lebensbedrohlichen Situationen, aber er überlebt sie alle. Selbst als er nach Hause kommt, sind die Probleme noch nicht vorbei.

Diese Geschichte ist über 2.000 Jahre alt und fesselt uns noch heute. Absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Odysseus – göttlicher Dulder, listenreicher Trojabezwinger, Abenteurer und treuer Ehemann, zugleich Freund schöner Frauen – ist durch Homers Dichtung unsterblich. Wolfgang Schadewaldt schmiegt seine Prosaübersetzung mit solcher Genauigkeit und Erfindungskraft in den Rhythmus der griechischen Redefiguren und Sprachbilder der griechischen Verserzählung, dass moderne Leser dem Zauber epischer Spannung ebenso erliegen wie die alten Hellenen dem Gesang ihres Rhapsoden vor 3000 Jahren."

Montag, 24. November 2025

Keneally, Thomas "Schindlers Liste"

Keneally, Thomas "Schindlers Liste" (Englisch: Schindler's Ark) - 1982

Ich wollte dieses Buch schon lange lesen, und als ich darauf stieß, nutzte ich die Gelegenheit und begann zu lesen.

Natürlich kennt jeder die Geschichte von Oskar Schindler und davon, dass er Tausende von Juden vor der Ermordung in einem der vielen Konzentrationslager rettete, die die Nazis zu diesem Zweck errichtet hatten.

Zugegeben, die Geschichte ist herzzerreißend. Trotz all der Informationen, die wir heute über die damaligen Ereignisse haben, ist es für mich immer noch unfassbar, wie Menschen so handeln konnten. Jedes Mal, wenn ich davon lese, erscheint es mir unmöglich, aber wir wissen, dass es wirklich passiert ist.

Der Autor hat großartig recherchiert, und das Buch enthält so viele Details – er muss sehr hart daran gearbeitet haben.

Aber es ist schwer zu lesen. Nicht nur wegen des Inhalts. Mir gefiel der Schreibstil nicht. Es war kein flüssiger Lesefluss, vieles in der Geschichte wirkte so zusammenhanglos, als hätte der Autor seine Informationen gesammelt, zusammengewürfelt und alles vermischt. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll, aber es war definitiv nicht gut geschrieben. Bei einem anderen Thema hätte ich wahrscheinlich nach etwa hundert Seiten aufgegeben. Und das wären hundert Seiten zu viel gewesen. Jeder Zeitungsartikel, selbst über ein langweiliges Thema, ist interessanter geschrieben.

Ich werde weitere Bücher über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg lesen, aber ich bezweifle, dass ich noch ein Buch von Thomas Keneally lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Oskar Schindler, Bonvivant, Spekulant und Charmeur, ein Industriellensohn aus Mähren, Liebhaber schöner Frauen, brillanter Geschäftsmann, gutaussehender blonder Deutscher - dieser Mann übernimmt 1939 in Krakau eine 'arisierte' Emailfabrik. Seine Arbeiter sind Juden, sie haben es gut bei ihm. Binnen kurzem ist Schindler mit jedem wichtigen Nazi in Krakau 'befreundet', er macht grosszügige Geschenke, arrangiert ausschweifende Feste, besticht, wo es sich lohnt. 1942, bei der Auflösung des Krakauer Ghettos, sieht er mit an, wie Juden zusammengetrieben und auf der Strasse erschossen werden. Er sagt später dazu: 'Seit damals musste jedem denkenden Menschen klar sein, was geschehen würde. Und ich nahm mir fest vor, das zu verhindern.' Schindler verhindert es in den nächsten Jahren mit allen Mitteln. Er wird zur Hoffnung vieler, die vor allem unter der unglaublichen Willkür des KZ- Kommandanten Göth leiden. Und wenn er auch gegen den organisierten Massenmord nichts tun kann, so schafft er es doch, Personen, die er irgendwie für seinen Betrieb reklamieren kann, noch aus den Transportzügen und den Todeszellen der KZs herauszuholen. Ende 1944 scheint dies alles zusammenzubrechen. Sämtliche Lager um Krakau sollen aufgelöst, ihre Insassen nach Auschwitz gebracht werden. Und noch einmal hat Schindler Erfolg. Er bekommt die Genehmigung, seine Fabrik und seine Arbeiter nach Brünnlitz in Mähren überzusiedeln. Über tausend Juden stehen auf der Liste, sie entgehen dem sicheren Tod. Die Geretteten schmieden ihm aus eigenem Zahngold einen Ring, in den sie den Talmud-Spruch eingravieren: 'Wer ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt.'"

Thomas Keneally gewann 1982 den Booker Prize für "Schindler's Ark".

Mittwoch, 12. November 2025

Noa Bercovitch, Pascale "Das Lächeln Des Delphins"

Noa Bercovitch, Pascale "Das Lächeln Des Delphins. Die Geschichte Einer wunderbaren Freundschaft" (Französisch: Oline, le dauphin du miracle) - The Dolphin’s Boy: A Story of Courage and Friendship - 2000

Die Autorin war eine Sportlerin, die einen schweren Zugunfall hatte und sich daraufhin die Beine amputieren lassen musste. Ihren Plan, nach Israel zu gehen, ließ sie sich dadurch nicht entgehen. Sie wurde nicht nur eine erfolgreiche Journalistin und Filmemacherin, sondern nahm auch an den Paralympics teil.

In ihrem teils autobiografischen Buch erzählt sie von dem Beduinenjungen Abdullah, der mit fünf Jahren von einem Baum fiel und seitdem taub war. Er wuchs zurückgezogen auf und liebte es zu schwimmen. Bei einem seiner Ausflüge begegnete er einem Delfin, der ihm nicht mehr von der Seite wich. Die Autorin drehte einen Film über diese außergewöhnliche Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Delfin und schrieb später dieses Buch darüber. Eine wunderbare Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Der seit seinem fünften Lebensjahr taubstumme Beduinenjunge Abid'allah wird durch die Freundschaft mit einem Delphin aus seiner Einsamkeit befreit. Beim täglichen Spiel mit dem Tier findet er zunächst seine Sprache, dann sein Gehör wieder. Pascale Noa Bercovitch entführt uns in das Fischerdorf Mezaina am Roten Meer. Ihr bewegender Bericht lässt uns eintauchen in die Welt der Beduinen am Rande der Wüste Sinai und erzählt voller Einfühlungsvermögen von einer wunderbaren Freundschaft zwischen Mensch und Tier."

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Alsanea, Rajaa "Die Girls von Riad"

Alsanea, Rajaa "Die Girls von Riad" (Arabic: بنات الرياض‎ Banāt al-Riyāḍ) - Girls of Riyadh - 2005

Was für eine fabelhafte Geschichte über das Leben in einem uns so unbekannten Teil der Welt. Die Girls von Riad sind alle Freundinnen der Autorin. Sadim, Kamra, Michelle und Lanis gewähren uns einen Einblick in ihre Welt.

Ich bin in einem westlichen Land aufgewachsen. Auch wenn Mädchen damals nicht die gleichen Chancen hatten wie heute – und ich will nicht sagen, dass sie die gleichen Chancen haben, sie haben in der heutigen Zeit einfach mehr als wir damals –, waren wir nie so eingeschränkt wie die Mädchen im Roman. Ich durfte als Teenager öffentliche Tanzveranstaltungen besuchen, ich durfte Partys in Familien besuchen, die meine Eltern nicht kannten. Und ich kenne niemanden, der nicht den Mann heiraten konnte, den sie heiraten wollte. Nun, ich kenne einige Fälle, in denen die Eltern mit der Wahl nicht zufrieden waren, aber das heißt nicht, dass sie eine Heirat verhindern konnten.

Ich selbst könnte mir nicht vorstellen, jemanden zu heiraten, den ich nicht kenne, jemanden, den ich nicht selbst ausgesucht habe. Es ist so schon schwer genug. Viele Scheidungen zeigen uns, wie schwierig es ist, eine Beziehung aufrechtzuerhalten. Aber einfach jemanden zu heiraten, den die Eltern ausgesucht haben, klingt für mich einfach unmöglich. Und all die anderen Einschränkungen – diese Mädchen können kaum über ihr eigenes Leben entscheiden. Wie traurig.

Ein interessantes Buch.

Mir gefällt das Cover der arabischen Ausgabe sehr gut, die kleinen Emojis. Wie süß.

Wir haben dieses Buch im Mai 2019 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Rajaa Alsanea ist die neue weibliche Stimme Arabiens. Mutig wie Scheherazade erzählt sie in ihrem Roman von der delikaten Gratwanderung junger Frauen zwischen Liebe, Sex und islamischer Tradition. Sie lüftet den Schleier, bricht ein Tabu und öffnet der Welt zum ersten Mal die Tore zum Leben moderner Araberinnen. Nachdem Die Girls von Riad in Saudi-Arabien verboten wurde, erschien das Buch 2005 im Libanon. Binnen weniger Monate verkaufte es sich mehrere hunderttausendmal und löste eine hitzige Debatte zwischen arabischen Politikern, Gelehrten und Kritikern aus. Währenddessen ging das Buch auf dem Schwarzmarkt für das Zehnfache des Ladenpreises über den Tisch. Rajaa Alsanea erzählt davon, worüber geschwiegen werden muss: Von vier jungen Frauen, die leben und lieben wollen und es nicht dürfen, weil die Tradition für Frauen kein Glück vorsieht. Doch Sadim, Kamra, Michelle und Lamis versuchen es trotzdem, eine jede auf ihre Art – und das Ergebnis ist ein tragikomischer Roman, der aufrüttelt, berührt und verzaubert."

Samstag, 4. Oktober 2025

Kemal, Yaşar "Auch die Vögel sind fort"

Kemal, Yaşar "Auch die Vögel sind fort" (Türkisch: Kuşlar da Gitti) - The Birds Have Also Gone - 1978

Obwohl der Titel dieses Buches nur von den Vögeln spricht, handelt dieser kurze Roman von den Jungen, die sie fangen. Anscheinend kauften die Menschen in der Türkei den Kindern, die sie gefangen hatten, die Vögel ab und gaben ihnen ihre Freiheit zurück, damit sie ins Paradies fliegen und dort auf sie warten konnten.

Doch die Zeiten ändern sich, die Menschen sind nicht mehr religiös und kaufen die Vögel nicht mehr, sodass die Jungen ihr Geschäft verlieren.

Eine interessante Geschichte nicht nur über die Jungen aus Istanbul, sondern auch über den ständigen Wandel der Zeit, das Zerplatzen von Träumen und über die Straßen Istanbuls. Eine farbenfrohe Stadt, sehr gut beschrieben in der Geschichte, erzählt von einem Erzähler, der selbst in der Geschichte auftritt und versucht, den Jungen zu helfen.

Dieses Buch repräsentiert die orientalische Seite der Literatur stark. Sehr empfehlenswert.

Buchbeschreibung:

"Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, daß die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie.

Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die keine Ruhe mehr findet für die großzügige Geste, wo sich keine Hand mehr öffnet, nur um Freiheit zu schenken."

Yaşar Kemal hat 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandles erhalten.

Kemal, Yaşar "Anatolischer Reis"

Kemal, Yaşar "Anatolischer Reis" (Türkisch: Teneke) - The Drumming-Out - 1987

Ein junger Verwalter einer Stadt in der anatolischen Provinz kämpft gegen einen Großgrundbesitzer, der große Landstriche für den Reisanbau überflutet, sich aber nicht um die Auswirkungen auf die Bevölkerung kümmert. Eine spannende Geschichte, gut geschrieben und spannend.

Der Autor wurde in einem kleinen Dorf in Südanatolien geboren und war der Einzige in seinem Dorf, der lesen und schreiben lernte. Eine beachtliche Leistung. Er ist einer der größten Kritiker der Türkei und erhielt mehrere Preise für seine Werke.

Buchbeschreibung:

"Als der junge Landrat in dem anatolischen Provinzstädtchen eintrifft, ist er überwältigt von dem herzlichen Empfang, den ihm die örtlichen Honoratioren bereiten. Eigentlich hatte er befürchtet, einer Clique ausbeuterischer Großgrundbesitzer gegenübertreten zu müssen, die riesige Landstriche für den Reisanbau überfluten lassen, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, die unter der Malaria leidet und deren Anbaumöglichkeiten immer weiter eingeschränkt werden. Bald muss er feststellen, dass der Empfang nicht umsonst so freundlich war, dass die Reispflanzer um jeden Preis ihre Interessen durchsetzen wollen. Der Landrat stellt sich dem Kampf."

Yaşar Kemal hat 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandles erhalten.

Donnerstag, 25. September 2025

Ali, Sabahattin "Die Madonna im Pelzmantel"

Ali, Sabahattin "Die Madonna im Pelzmantel" (Türkisch: Kürk Mantolu Madonna) - Madonna in a Fur Coat - 1943

Ein weiteres großartiges Buch, das ich ohne die netten türkischen Mitglieder unseres Lesekreises vielleicht nicht entdeckt hätte.

Wir reisen zurück in die Zwischenkriegszeit und sehen das Leben in Ankara und Berlin hinter einem klassischen Hintergrund. Ein Mann und eine Frau, eine Liebesgeschichte ohne viel Hoffnung.

Mir gefiel der Stil der Geschichte, ein Rückblick auf ein Leben, das durch ein Tagebuch geführt wurde. Und der Schreibstil ist einfach wunderbar. Die Beschreibung aller Charaktere ist so tiefgründig, die Geschichte so realistisch, dass man fast glaubt, diese Menschen hätten mit Sicherheit existiert. Es gibt eine Künstlerin namens Maria Puder, die die "Madonna im Pelzmantel" gemalt hat, ein Selbstporträt. Ich war fast versucht, im Internet nach ihr zu suchen.

Auch die Beschreibung des Protagonisten ist so detailliert, dass man seinen Gedanken und Gefühlen folgen und ihn wirklich verstehen kann, vielleicht sogar besser, als er sich selbst versteht.

Es war interessant, meine Gedanken mit denen unserer türkischen Mitglieder zu vergleichen und ihre Sicht auf die Menschen und Ereignisse zu besprechen. Besonders da die Geschichte teilweise in Berlin und teilweise in Ankara spielt, konnten wir beide unsere Beiträge zur Diskussion beitragen und einen Hintergrund vermitteln, der sich auf Teile der Geschichte bezog. Mir wurde gesagt, dass dieses Buch in der Türkei erst in den letzten fünf Jahren große Verbreitung gefunden hat und seitdem der meistverkafute Titel ist.

Ich werde sicherlich noch mehr Bücher dieser wunderbaren Autorin lesen.

Wir haben dies im Juni 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Raif Efendi ist ein unscheinbarer, duldsamer Mann, den in Ankara weder die Eskapaden seiner Töchter noch die Verleumdungen am Arbeitsplatz aus der Bahn werfen können. Kaum jemand ahnt, wer sich hinter der Maske stummen Gleichmuts verbirgt. Bis wir ihn in das Berlin der zwanziger Jahre und zu der Begegnung mit seiner großen Liebe begleiten ...

Eine hinreißende deutsch-türkische Liebesgeschichte und eine Ode an das Berlin der wilden zwanziger Jahre."

Freitag, 12. September 2025

Shalev, Meir "Judiths Liebe"

Shalev, Meir "Judiths Liebe" (Hebrew: כימים אחדים aka "As a Few Days" or "The Loves of Judith") - Four Meals - 1994

Drei Männer lieben Judith, zwei Bauern und ein Viehhändler. Obwohl alle sie heiraten wollen, heiratet sie niemanden, sondern bekommt einen Sohn.

Als Judith stirbt, wollen alle drei Männer der Vater des Jungen sein und laden ihn zu einem Essen ein, um ihn besser kennenzulernen.

Kurze Beschreibung einer außergewöhnlichen Geschichte. Der Junge erfährt nicht nur etwas über die Vergangenheit seiner Mutter, sondern auch über Leben und Liebe, Beziehungen und Schicksal. Dieser Roman enthält so viele verschiedene Charaktere und so viele unterschiedliche Charakterzüge. Der Autorin gelingt es, nicht nur diese wenigen Menschen, sondern fast alle im Dorf zu beschreiben. Und auch die Mahlzeiten haben eine besondere Bedeutung.

Eine tiefgründige Schilderung von Liebe und Leben.

Buchbeschreibung:

"Wer von den drei Männern, die seine Mutter Judith umworben haben, sein Vater ist, weiß der kleine Sejde nicht. Ist es der Bauer Mosche, der Viehhändler Globermann oder der Vogelzüchter Scheinfeld? Jeder der drei möglichen Väter kümmert sich anders um den Waisenjungen: Der eine bietet ein Heim, der andere Geld, der dritte lädt zum Festessen ein. Doch alle drei erzählen sie von ihrer großen Liebe zur eigensinnigen Judith."

Donnerstag, 31. Juli 2025

Abulhawa, Susan "Als die Sonne im Meer verschwand"

Abulhawa, Susan "Als die Sonne im Meer verschwand" (Englisch: The Blue Between Sky and Water) - 2015

Dies ist mein zweites Buch von Susan Abulhawa. Ich war begeistert von "Während die Welt schlief" (Mornings in Jenin) und war mir sicher, dass auch dieses nicht schlecht sein würde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Die Autorin erzählt von einfachen Palästinensern, deren Leben sich mit der Gründung des israelischen Staates veränderte. Plötzlich hatten sie kein Land mehr, keine Rechte, nichts. Sie wurden von einer Seite auf die andere gedrängt, und die Welt betrachtete sie als Unruhestifter. Ich frage mich immer, was andere in ihrer Situation getan hätten. Wahrscheinlich nichts anderes.

Jahrzehntelang hörten in den Nachrichten immer von Palästinensern, wenn sie etwas angegriffen hatten. Wir hörten nie, wenn sie angegriffen wurden. Das hat sich ja mittlerweile geändert.

Wie dem auch sei, dieses Buch handelt von mehreren Generationen einer palästinensischen Familie und davon, wie die verschiedenen Mitglieder mit den Veränderungen umgehen - oder eben nicht. Es geht insbesondere um die Frauen, die wie immer die Hauptlast tragen müssen. Und sie werden oft stärker durch die Schwierigkeiten, die auf sie zukommen.

Ich habe Freunde in Israel und möchte nicht, dass dies als Kritik an ihnen verstanden wird. Aber ich verstehe die Menschen in Palästina vollkommen und dass sie sich ihr Land zurückwünschen. Viele der Probleme im Nahen Osten hätten vermieden werden können, wenn nicht einige Europäer beschlossen hätten, dies sei der beste Weg, ihre Konflikte zu lösen.

Ich habe in der Zwischenzeit weitere Bücher von Susan Abulhawa gelesen und werde dies auch weiterhin tun. Sie ist eine großartige Geschichtenerzählerin.

Buchbeschreibung:

"In einem malerischen Dorf in Palästina wachsen die Geschwister der Familie Baraka auf. Doch an einem Tag im Jahr 1948 geht ihre Kindheit jäh zu Ende. Israelische Soldaten stecken ihr Haus in Brand und zwingen sie gewaltsam zur Flucht. Nazmiyya versucht, dem Leid der Flüchtlingslager zu trotzen, Mamduh zieht bis ans andere Ende der Welt. Sie verlieren ihre Familie, ihre Heimat und einander – nie aber die Hoffnung. Und Hoffnung ist es auch, die sechzig Jahre später Mamduhs Enkelin aus Amerika nach Gaza führt.

In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.

Nach ihrem internationalen Bestseller '
Während die Welt schlief' erzählt Susan Abulhawa auch in ihrem neuen Roman voller Poesie von einer Familie ohne Heimat, von Krieg, Frieden und Hoffnung. …"

Samstag, 12. Juli 2025

Kostova, Elizabeth "Der Historiker"

Kostova, Elizabeth "Der Historiker" (Englisch: The Historian) - 2005

Ich mag dieses Buch sehr. Ich stehe nicht auf Fantasy, und das hier ist etwas grenzwertig, aber es gibt auch einiges an Geschichte, ein paar Reisen, und die Geschichte selbst ist recht interessant. Okay, einige Dinge waren vorhersehbar und hätten vielleicht weggelassen oder etwas besser verschleiert werden können. Aber das war egal.

Insgesamt ist es ein sehr schöner Roman.

Buchbeschreibung:

"Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken undn Archiven beginnt..." 

Mittwoch, 9. Juli 2025

Al-Aswani, Alaa "Der Jakubijân-Bau"

Al-Aswani, Alaa "Der Jakubijân-Bau" (Arabisch: عمارة يعقوبيان/Imarat Ya'qubian) - The Yacoubian Building - 2002

Dieses Buch wird als "ironische Darstellung der modernen ägyptischen Gesellschaft" beschrieben. Ich weiß nicht, wie ironisch es ist, aber ich fand es einen sehr interessanten Bericht über ein Leben, über das ich absolut nichts weiß. Anscheinend existiert das Gebäude in Kairo zwar, sieht aber anders aus als das im Buch. Der ursprüngliche Besitzer war einst sehr reich, doch heute beherbergt das Haus unzählige winzige Wohnungen (ursprünglich Lagerräume), und die Geschichte erzählt uns von deren Leben.

Sehr interessante, manchmal recht anspruchsvolle Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. In den Stockwerken darunter geht es weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau und haben viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten. Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig - und eigentlich nie in dieser Direktheit - gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, das für seine Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Da wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt."