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Freitag, 15. Mai 2026

Eliade, Mircea "Hochzeit im Himmel"

Eliade, Mircea "Hochzeit im Himmel" (Rumänisch: Nuntă în cer) - Marriage in Heaven - 1938

Ein interessanter Roman. Ziemlich philosophisch. Zwei Männer erinnern sich an ihr Leben und ihre Begegnung mit einer besonderen Frau. Beide haben unterschiedliche Fantasien und Ansichten, aber beide haben kein Glück in der Liebe und öffnen einander ihr Herz. Ob so ein Gespräch im wirklichen Leben stattfinden könnte, weiß ich nicht. Vielleicht zwischen zwei Fremden, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Jedenfalls war es sehr interessant, den beiden Männern und ihrer Sicht auf Beziehungen zuzuhören. Es lohnt sich unbedingt, dies zu lesen. Ich war absolut begeistert.

Der Autor war ein rumänischer Religionshistoriker, Philosoph und Schriftsteller. Sein Hintergrund hat sein Schreiben sicherlich beeinflusst.

Buchbeschreibung:

"'Hochzeit im Himmel' ist ein Roman des rumänischen Schriftstellers Mircea Eliade aus dem Jahr 1938. Er besteht aus dem Briefwechsel zweier unglücklicher Männer: dem einen, dessen Geliebte sich Kinder wünschte, er aber nicht, und dem anderen, der von einer Frau verlassen wurde, die keine Kinder wollte, er aber schon."

Samstag, 14. März 2026

Stoker, Bram "Dracula"

Stoker, Bram "Dracula" (Englisch: Dracula) - 1897

Ich bin weder ein Fan von Fantasy noch von Horror. Aber das Thema unserer Xanadu-Lese-Challenge im November lautete: "Klassiker: Ein Klassiker für Erwachsene oder Kinder aus jedem Genre, das du noch nie gelesen hast." Es gibt eigentlich keine Genres, die ich noch nie gelesen habe; ich habe schon alles Mögliche ausprobiert, manche gefallen mir viel besser als andere. Deshalb wählte ich ein Buch, das ich selten lese. Mein Sohn hatte "Dracula" noch zu Hause, also dachte ich, das wäre der beste Zeitpunkt, es endlich zu lesen.

Natürlich kannte ich die Dracula-Geschichte, obwohl ich nie auch nur einen Ausschnitt aus einem der vielen Filme gesehen hatte, die auf diesem Klassiker basieren. Die Geschichte war also keine Überraschung. Ich war auch nicht schockiert oder verängstigt, das ist aber nicht der Grund, warum ich keine Horrorgeschichten lese – sie langweilen mich meistens einfach.

Ich bin froh, dass ich den Roman gelesen habe, weil immer so viel darüber gesprochen wird. Aber ich glaube nicht an Vampire und die Geschichte hat mich auch nicht sonderlich begeistert. Da es sich aber um einen Klassiker handelt, war es selbst für einen Wahrheitsliebhaber wie mich eine durchaus lesenswerte Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Der Londoner Rechtsanwalt Jonathan Harker reist nach Transsilvanien. Er soll dort den Grafen Dracula beraten, der nach England auswandern will und zu diesem Zweck ein Grundstück in London erwirbt.

Während seiner Reise trifft Harker auf sehr misstrauische und abergläubische Gestalten, die ihn vor dem Grafen warnen. Im Schloss des Grafen verlaufen die Tage zunächst ruhig, da sich der Gastgeber selbst bei Tage nicht blicken lässt.

Aber dann schöpft Harker Verdacht, denn der Graf hat kein Spiegelbild. Bald schon ahnt der junge Engländer von der unheimlichen Macht seines Gegners. Und er weiß, dass er die Mauern des Schlosses nie lebend verlassen wird, wenn er nicht flieht.

In London wartet ein Heer von ahnungslosen Opfern auf den Vampir.

Bram Stoker hat in diesem Roman Tod und Erotik auf faszinierende Art zusammengeführt. Dieses Buch gehört zur anerkannten Weltliteratur, es lässt sich auf verschiedenste Art interpretieren und lesen, als viktorianisches Sittengemälde, als spannender Abenteuerroman und als Schauerroman."

Montag, 3. November 2025

Monferat, Benjamin "Welt in Flammen"

Monferat, Benjamin (Stephan Rother) "Welt in Flammen" [World in Flames] - 2014

Dies ist definitiv eines meiner Lieblingsbücher des Jahres. Und ich möchte unbedingt das ander Buch des Autoren üer den Orient Express lesen: "Der Turm der Welt".

Zuerst einmal zur Ausstattung. Das Titelbild ist vielversprechend, eine einzelne Frau läuft an einem Zug vorbei, der Dampf der Lokomotive verhüllt nicht nur sie, sondern auch einen Teil des Bahnhofs in ein geheimnisvolles Szenario.

Das Buch hat nicht nur eine Klappe vorne mit der Landkarte, die alle Städte angibt, durch die der Zug fährt (und fdamit ast ganz Europa, angefangen im Süden von Dänemark), es hat auch hinten eine mit den Wagen des Zuges und welcher der Charaktere in welchem Abteil untergebracht ist, wo die Speisewagen sind usw. Einfach ein Vergnügen, so ein Buch in die Hand zu nehmen und sich auf das Lesen zu freuen.

Zum Glück geht es dann so weiter. Im Mai 1940 fährt der letzte Orient-Express zum letzten Mal. In dieser fiktiven Geschichte geht es um einiges, ein König aus einem Balkanstaat fährt mit um sein Land zurückzuerobern, einige andere interessante Personen, die im Kriegsgeschehen mitmischen wollen und - der wichtigste Passagier: ein Zug, hinter dem Hitler besonders her ist, dern Wagen von Compiègne (Wagon de L’armistice). Minutiös wird die Fahrt beschrieben, wir lernen alle Personen und ihre Vorgeschichte kennen. Und es findet so manche Überraschung statt. Die ganze Story ist einfach spannend.

Selbstverständlich sind all diese Personen erfunden, und es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Mischung an Bord war. Aber man mag es sich gerne so vorstellen. Man vergibt ja immer bis zu 5 Punkten für ein Buch, dieses hat mindestens 6 verdient.

Buchbeschreibung:

"Mai 1940: Deutsche Panzer rollen westwärts. Während in Paris die Angst um sich greift, bricht der Simplon Orient Express ein letztes Mal nach Istanbul auf. An Bord des Zuges eine schicksalhafte Reisegesellschaft. Jeder der Fahrgäste mit einem ganz eigenen Grund, diese letzte Fahrt unter allen Umständen anzutreten: Ein Balkanfürst will die Herrschaft über sein Land zurückfordern. Seine jüdische Geliebte fürchtet um ihre Liebe – und um ihr Leben. Ein deutscher Spion setzt alles daran, sie zu beschützen. Ein russischer Großfürst ist auf der Flucht, die Sowjetmacht ihm längst auf den Fersen. Eine Stummfilmdiva fürchtet das Vergessenwerden mehr als den Krieg. Ebenfalls an Bord – Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt. Die Fahrt steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jeder Grenzübertritt kann das Ende bedeuten. Jeder der Passagiere fürchtet den nächsten Tag. Schließlich bricht Feuer aus. Und während Europa in Dunkelheit versinkt, rast der Express als lodernde Fackel durch die Nacht ..."

Im Nachwort schreibt der Autor übrigens, dass das Wort "Geschichte" in der deutschen Sprache ja mehrere Bedeutungen besitzt. Zum einen "die historische Überlieferung und ihre wissenschaftliche Erforschung", zum anderen "die rein fiktive Handlung eines Romans". Er betont auch, das dies kein historischer Roman ist, befürchtet aber, dass man ihn als solchen wahrnehmen wird. Das habe ich auch getan. Aber gerade bei solchen Büchern schlage ich viel nach, weil ich dann wissen möchte, was wirklich geschah.

Samstag, 12. Juli 2025

Kostova, Elizabeth "Der Historiker"

Kostova, Elizabeth "Der Historiker" (Englisch: The Historian) - 2005

Ich mag dieses Buch sehr. Ich stehe nicht auf Fantasy, und das hier ist etwas grenzwertig, aber es gibt auch einiges an Geschichte, ein paar Reisen, und die Geschichte selbst ist recht interessant. Okay, einige Dinge waren vorhersehbar und hätten vielleicht weggelassen oder etwas besser verschleiert werden können. Aber das war egal.

Insgesamt ist es ein sehr schöner Roman.

Buchbeschreibung:

"Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken undn Archiven beginnt...

Dienstag, 1. Oktober 2024

Lukas, Michael David "Das Orakel von Stambul"

Lukas, Michael David "Das Orakel von Stambul" (Englisch: The Oracle of Stamboul) - 2011

Istanbul, oder besser Stamboul, am Ende des 19. Jahrhunderts. Ein junges jüdisches Mädchen wird im heutigen Rumänien geboren, ihre Mutter stirbt bei der Geburt und das Mädchen landet im muslimischen Istanbul. Sie ist äußerst intelligent und verfügt über außergewöhnliche Begabungen, die von wichtigen Persönlichkeiten der Stadt nicht übersehen werden.

Eine erstaunliche Geschichte wie aus 1001 Nacht, die uns von fernen Küsten und vergangenen Tagen träumen lässt. Die Zeiten sind zwar nicht besser, im Gegenteil, aber das Leben, oh, das Leben scheint so viel aufregender.

Eine fantastische Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Eine schillernde Stadt voller exotischer Gerüche und unbekannter Klänge. Ein Weltreich kurz vor dem Zerfall. Ein Herrscher, der keinen Ausweg mehr sieht. Und ein junges Mädchen, das die Menschen verzaubert und dazu berufen scheint, den Lauf der Weltgeschichte zu verändern.

Es ist der Spätsommer 1877. Die kleine Eleonora ist ein besonderes Mädchen: Noch bevor sie das achte Lebensjahr erreicht, lernt sie lesen und spricht sieben Sprachen. Als ihr Vater sie mit nach Istanbul nimmt, entdeckt sie dort eine neue Welt voller Farbenpracht und geheimnisvoller Eleganz. Doch auch hier bleiben ihre außergewöhnlichen Gaben nicht lange unentdeckt, und bald schon erfährt der Sultan vom Wunderkind. Er ist von Eleonora verzaubert und macht sie zu seiner persönlichen Beraterin. Unversehens liegen Wohl und Verderben des Osmanischen Reiches in den Händen einer Achtjährigen.
"

Mittwoch, 26. Juni 2024

Bontscheva, Antonia "Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere"

Bontscheva, Antonia "Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere" [The beauty of Balchik is not a serene one] - 2021

An und für sich lese ich Bücher über Menschen, die in einem anderen Land leben, sehr gerne, ich gehörte ja lange Zeit auch zu ihnen.

Dieses Buch versprach auch Einiges. Hat es seine Versprechungen gehalten? Eigentlich weniger. Die Schreibweise war nicht schlecht, die Geschichte an sich, na ja, sie hatte etwas. Aber ich habe schon viel bessere Bücher von Menschen in einer ähnlichen Situation gelesen. Alles in allem fand ich es nicht so prickelnd.

Buchbeschreibung:

"'Von den Interessanten soll man die Finger lassen, man soll einen heiraten, der gut kochen kann.' Wie alle Frauen der Familie Atanassov teilt Oma Denka ihre Lebensweisheiten ebenso gerne, wie ihre Enkelin sie in den Wind schlägt. Sie hat Bulgarien kurz vor der Wende verlassen und lebt nun mit Mann und Tochter in einem Mietshaus in Bremen, wo Lockenwickler und Seifenlauge regieren. Sie fühlt sich fremd und unverstanden, auch in ihrer Ehe. Als ihr Vater stirbt, reist sie in ihre Heimatstadt am Schwarzen Meer. Dort trifft sie mit ihrer Großmutter, Mutter und Schwiegermutter auf dominante Frauen, die seit jeher die Fäden in der Hand halten, und forscht erstmals den blinden Flecken nach, die weit in die kommunistische Vergangenheit zurückreichen. Sie versteht, wie sehr sie eingewebt ist in dieses bunt gewirkte Familiengeflecht und erkennt, welche Verbindungen Halt geben - und welche Fäden es zu lösen gilt."

Mittwoch, 15. November 2023

Wolff, Iris "So tun, als ob es regnet"

Wolff, Iris "So tun, als ob es regnet" [Pretend it's Raining] - 2017

Unsere Buchhandlung veranstaltet von Zeit zu Zeit Wohltätigkeitsverkäufe. Dabei werden die Bücher eingepackt und ein paar Bemerkungen auf den Umschlag geschrieben. Dieses bekam den Hinweis: Vier Generationen. Vier Länder". Das hörte sich interessant an, so dass ich mich dafür entschied.

Und es war kein schlechter Fund. Das Buch ist recht kurz, nur etwa 180 Seiten. Die Figuren scheinen am Anfang nicht viel miteinander zu tun zu haben, aber mit der Zeit dämmert es. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein, aber sie alle haben etwas gemeinsam. Und genau das ist es, was diesen Roman so faszinierend macht.

Die verschiedenen Charaktere werden sehr anschaulich dargestellt, ihre Wünsche und Träume, ihr Leben, wer auf sie einen großen Einfluss hat und auf wen sie Einfluss nehmen.

Auch sprachlich ist die Geschichte wunderschön. Ich denke, ich hätte sie auch gerne gelesen, wenn zu jeder Familie mindestens 200 Seiten geschrieben worden wären. Aber das liegt daran, dass ich gerne lange Bücher lese.

Die Autorin wurde in Siebenbürgen geboren, lebt aber seit vielen Jahren in Deutschland. Sie hat noch mehr Bücher geschrieben und etliche Preise erhalten. Ich denke, dies ist nicht das letzte Buch, das ich von ihr gelesen habe.

Buchbeschreibung:

"Über vier Generationen des 20. Jahrhunderts und vier Ländergrenzen hinweg erzählt Iris Wolff beglückend poetisch von Jacob, Henriette, Vicco und Hedda. Sie alle erfahren, wie fragil ihre Lebensentwürfe vor dem Hintergrund der Geschichte sind und dass das Zusammenspiel aus Freiheit und Anpassung, Zufall und freiem Willen stets in Bewegung ist. Es gibt Dinge, die zu uns gehören, ohne dass wir wüssten, woher sie kommen. Und es gibt Entscheidungen, die etwas bedeuten, Wege, die unumkehrbar sind, auch wenn wir nie wissen werden, was von einem Leben und den Generationen vor ihm bleiben wird.

Der Erste Weltkrieg bringt einen österreichischen Soldaten in ein Karpatendorf. Eine junge Frau besucht nachts die 'Geheime Gesellschaft der Schlaflosen'. Ein Motorradfahrer ist überzeugt, dass er sterben und die Mondlandung der Amerikaner versäumen wird. Eine Frau beobachtet die Ausfahrt eines Fischerbootes, das nie mehr zurückkehren wird.

Iris Wolff bindet in 'So tun, als ob es regnet' vier ganz unterschiedliche Protagonisten zusammen und schafft durch die subtilen Querverbindungen ein einzigartiges Geflecht aus Perspektiven auf den je Anderen. Dies erlaubt den Figuren den Blick zurück, auf getroffene Entscheidungen, sowie nach vorne, auf das, was von einem Leben bleibt. Atmosphärisch, bildstark und zart verflicht die vielfach ausgezeichnete Autorin Iris Wolff ihre Romangeschichten zu einem Prosakunstwerk mit einem beeindruckenden Hallraum.

Iris Wolff hat ein poetisches und beglückendes Buch geschrieben, schonungslos, klug und sprachlich brillant.

Mit sensiblen Beobachtungen, atmosphärisch dichten Dialogen und starken, eigenwilligen Figuren zeichnet sie in ihren Erzählungen behutsam eigene Welten, die im Zusammenspiel neue Tiefe entfalten und vielschichtige Perspektiven aufeinander eröffnen."

Samstag, 11. November 2023

Bergel, Hans "Wenn die Adler kommen"

Bergel, Hans "Wenn die Adler kommen" (Rumänisch: Când vin vulturii) [When the Eagles Come] - 1996

Der in Rumänien geborene Schriftsteller erzählt die Geschichte des Jungen Peter aus Siebenbürgen und seiner Familie zwischen den Weltkriegen. Ist auch zu Beginn die Welt noch in Ordnung und lebt es sich einfach und unbedarft fern des übrigen Europas, so tauchen doch mehr und mehr Probleme auf, als die Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich an die Macht kommen und die Fühler in alle Ecken ausstrecken.

Sehr viele Beschreibungen der wunderschönen Natur aber auch viele philosophische Überlegungen. Ein Roman, der zu Anfang leicht erscheint, aber doch seine Spuren hinterlässt.

Buchbeschreibung:

"Europa zwischen den Weltkriegen: Im südöstlichen Raum des Kontinents lebt die Familie des jungen Peter Hennerth in Siebenbürgen in erträglichem Miteinander neben Rumänen, Ungarn, Szeklern und anderen Nationalitäten der Karpatenlandschaft. Nicht nur Nachbarschaften, sondern auch Freundschaften bestimmen den Alltag und die Feste. Noch scheint hier die Welt in Ordnung zu sein. Doch am Horizont ziehen Gewitterwolken auf. Peter weiß seit dem Absturz der Schafherde: Wenn die Adler kommen, gefriert dir das Blut im Herzen. Auch die deutschen Soldaten tragen den Wappenadler auf der Uniform.

Hans Bergel erzählt in der Tradition großer Epen. Die Geschichte der Kindheit und Jugend Peter Hennerths weitet sich als Familiensaga zum europäischen Drama aus, in das alle hineingerissen werden.
"

Montag, 24. Juli 2023

Fermor, Patrick Leigh "Zwischen Wäldern und Wasser"

Fermor, Patrick Leigh "Zwischen Wäldern und Wasser: Zu Fuß nach Konstantinopel: Von der Donau zum Eisernen Tor" (Englisch: Between the Woods and the Water: On Foot to Constantinople from the Hook of Holland) - 1986


Dieses Reisebuch wurde mir von einem Mitglied unseres Lesekreises Buchclubs empfohlen, sie war begeistert und da wir oft die gleichen Bücher mögen, war ich bereit, es zu lesen. Dies ist der zweite Teil einer Trilogie, der erste heißt "Die Zeit der Gaben: Zu Fuß nach Konstantinopel: Von Hoek van Holland an die mittlere Donau" (A Time of Gifts: On Foot to Constantinople: from the Hook of Holland to the Middle Danube), der letzte "Die unterbrochene Reise: Vom Eisernen Tor zum Berg Athos" (The Broken Road: From the Iron Gates to Mount Athos). Vielleicht hätte ich zuerst das erste Buch lesen sollen, da dieses die besseren Rezensionen hat, aber dies ist das Buch, das mir ausgeliehen wurde, mit dem Hinweis, dass es keine Rolle spielt, in welcher Reihenfolge man sie liest.

Ich liebe Reisebücher und diese Reise von Ungarn über Rumänien bis zur bulgarischen Grenze erschien mir interessant.
Es wurde vor der Machtübernahme der Faschisten in Europa geschrieben und war auch ein interessanter Zeitrahmen.


Der Schreibstil hat mir allerdings nicht besonders gefallen. Es wirkte eher wie das Tagebuch eines Teenagers, das er für sich selbst geschrieben hatte, und das war es wahrscheinlich auch, denn der Autor war erst 18 Jahre alt, als er diese Reise unternahm.

Mir gefielen die historischen Teile, die er wahrscheinlich später hinzufügte, aber als Reisebuch war es viel zu langweilig. Er erwähnt zwar die Menschen, die er trifft, und erzählt ein paar Geschichten, aber man hat nicht das Gefühl, dort zu sind, dass wir mit ihm reisen.

Er mag sich in späteren Jahren verbessert haben, da er sogar zum Ritter geschlagen wurde, aber ich bezweifle, dass ich eines seiner Bücher bald wieder in die Hand nehmen werde.


Buchbeschreibung:

"Im zweiten Teil seines Reiseberichts nimmt Patrick Leigh Fermor den Leser erneut mit in eine fremde, faszinierende und heute verschwundene Welt. Wir treffen ihn wieder 1934 in Budapest, wo er Bälle und Kaffeehäuser besucht. Auf einem geliehenen Pferd durchquert er die ungarische Tiefebene mit ihren Hirten und Ziehbrunnen, verweilt auf Landgütern, in denen die Zeit aufhört zu existieren, um dann weiterzuziehen bis in die siebenbürgischen Karpaten und zum Eisernen Tor, dem Ende Mitteleuropas."

Donnerstag, 27. April 2023

Wiesel, Elie "Die Nacht"

 

Wiesel, Elie (Eliezer Vizl) "Die Nacht" (French: La Nuit/Yiddish: Un di Velt Hot Geshvign) - Night - 1958

Elie Wiesel hat diesen Roman als Bericht über sein Leben in den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz/Oswiecim geschrieben.

Selten waren wir uns bei einem Buch so einig wie diesmal.
Wir fanden es schockierend und unglaublich. Die Ungeheuerlichkeit, die Pläne, alles war so kalkuliert. Es ist erschreckend zu sehen, wozu Menschen in der Lage sind. Wir konnten verstehen, dass die Leute es damals nicht glauben wollten, weil es auch heute noch schwer zu glauben ist.

Vieles wird geleugnet, aber es gibt auch Fehlinformationen.
Das Konzentrationslager Terezín (Theresienstadt) in der Tschechischen Republik war ein Schaufenster, in dem demonstriert werden sollte, dass sie nur die Juden zusammenbrachten.

Wir waren uns nicht sicher, was wir von den Überzeugungen dieser Leute halten sollten.
Einige von ihnen beteten bis zum bitteren Ende, andere, wie der Autor, glaubten, dass Gott tot ist.


Wir haben festgestellt, dass Menschen, die zu Tieren degradiert werden, ihre menschliche Note verlieren. Was sie mit deinem Verstand anstellen können, wie Menschen Grausamkeit als Tatsache ansehen und dies akzeptieren können.

Wir waren uns auch einig, dass wir weiterlesen müssen, damit wir es glauben können.
Das ist jetzt besonders wichtig, wir müssen die Geschichte am Laufen halten, weil die letzten Zeitzeugen sterben.

Anderes Thema: Wahlen.
Wenn der normale Wähler sein Recht nicht wahrnimmt, gewinnen die extremen Parteien prozentual mehr. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir machen die Medien für schlechte Informationen verantwortlich, anders als in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts können wir die Informationen bekommen, aber wir entscheiden uns oft dagegen.

Wir waren nicht der Meinung, dass Zwölfjährige dies in der Schule lesen sollten.
Es ist vielleicht etwas zu früh, um die ganzen Hintergründe zu verstehen und sich mit der Wirkung eines solchen Buches auseinanderzusetzen.


Wir haben auch darüber gesprochen, dass Religion oft als Vorwand für Konflikte benutzt wird, die normalerweise einen ganz anderen Grund haben, meistens Geld und Macht.

Glaubte Elie Wiesel noch an Gott?
Nur er hätte diese Frage beantworten können, und wir konnten nirgendwo feststellen, dass er das getan hat. Er sagte in seiner Rede, dass wir alle Waisen sind. Ist das, weil Gott tot ist?

Ich habe einige Berichte von Überlebenden der Nazizeit und einige von Opfern aus den Konzentrationslagern gelesen.
Ich denke, er verdient wirklich den Friedensnobelpreis, der ihm 1986 verliehen wurde, da er versucht, die Menschen daran zu erinnern, was passiert ist, ohne den anderen Stein zu werfen. Er entschuldigt seine Peiniger nicht (warum sollte er?), aber er gibt auch nicht allen die Schuld. (Wer keine guten Nerven hat, sollte dies wahrscheinlich nicht lesen, da jeder Bericht über einen Juden aus dem Zweiten Weltkrieg schrecklich sein muss.)

Einige der Konzentrationslager dienten auch der "medizinischen Forschung". Man kann nicht verstehen, wie man Menschen auf verschiedene Ebenen stellen und sie so behandeln kann, als wären sie noch weniger als Tiere. Jemand erwähnte eine "Studie", die in Tuskegee, Alabama, durchgeführt wurde. Mehr darüber könnt ihr hier lesen.
In diesem Zusammenhang fiel ein berühmter Satz:
"Alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher als andere" aus dem Roman "
Animal Farm" (Farm der Tiere) von George Orwell.

Aber dies war nicht das erste Mal, dass so etwas passierte.
Jede Art von Sklaverei tut dies, man kanneinen Menschen nur als seinen Besitz behandeln, wenn man ihn nicht wie einen Menschen ansieht. Ich hatte eine interessante Seite über 200 Jahre Sklaverei gefunden, sieht aus wie eine Serie, die in den Staaten ausgestrahlt wurde, aber die Seite existiert leider nicht mehr.

Es scheint eine Serie auf PBS zu geben, sie sieht sehr interessant aus, vielleicht zeigen sie sie hier eines Tages, oder nicht …
The Terrible Transformation (Die schreckliche Transformation) 1450-1750
Revolution (Revolution) 1750-1805
Brotherly Love (Brüderliche Liebe) 179-1831
Judgment Day (Gerichtstag/Jüngstes Gericht) 1831-1865

Dann gibt es den berühmt-berüchtigten Lebensborn (Quelle des Lebens), das SS-Offiziere offiziell ermutigte, mehr Kinder zu haben. Aber sie hatten auch Lager, in denen "arische" Frauen Kinder mit "arischen" Soldaten bekamen, also war es ein echtes Zuchtprogramm. Hier kann man mehr darüber lesen. Und wer noch nicht genug vom Lesen über das Thema Nazis hat, jede von uns scheint mindestens ein anderes lesenswertes Buch zu kennen, deshalb hier eine Liste dieser Literatur.

Corrie Ten Boom "The Hiding Place" (De schuilplaats), 1971 (Die Zuflucht) (Goodreads)
Es gibt auch eine Kurzversion in Easy English: The Secret Room
Webseiten: Wikipedia, amazon
Lois Lowry "Number the Stars" (Jugendbuch, 10-14 yrs) - 1990 (Wer zählt die Sterne) (Goodreads)
Dieser Newbery-Gewinner von 1990 spielt im von den Nazis besetzten Dänemark im Jahr 1943 und erzählt von einem 10-jährigen Mädchen, das eine gefährliche Mission unternimmt, um ihre beste Freundin zu retten.
Webseiten: Wikipedia, amazon.
Jurek Becker "Jacob the Liar" (Jacob der Lügner), 1969 (Goodreads)
Webseiten: Wikipedia, amazon
Imre Kertész "Fatelessness" (older translation: Fateless) (Sorstalanság) - 1975 (Roman eines Schicksallosen) (Goodreads)
Webseiten: Wikipedia, Wikipedia, amazon  
Tessa de Loo "The Twins" (De Tweeling) - 2000 (Die Zwillinge)
Webseiten: Wikipedia, amazon
Todd Strasser (pen name: Morton Rhue) "The Wave"- 1988 (Die Welle)
Webseiten: Wikipedia, amazon
J.N. Stroyar "The Children's War" - 2001 - EINES MEINER LIEBLINGSBÜCHER
Was wäre passiert, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten? Wie würden wir jetzt leben? Ziemlich schockierend!!!
Webseite: amazon  
Elizabeth Rosner "The Speed of Life" - 2001 - Die Geschwindigkeit des Lichts - Noch einer meiner absoluten Favoriten.
Wie verarbeiten Holocaust-Überlebende und ihre Kinder ihre Erinnerungen?
Webseiten: Wikipedia, amazon   

Wir sprachen auch über mehrere Filme zu unserem Thema. Der erste handelte von einem Orchester, das Juden rettete, die darin spielten. Das einzige, was ich finden konnte, war das Mädchenorchester aus Auschwitz/Oswiecim. Hier kann man darüber auf Deutsch lesen.

Schindler's List (Schindlers Liste)
nach dem Buch von Thomas Keneally "Schindler's Ark" (Schindlers Liste)
Zwartboek - (The Black Book) (Das schwarze Buch)
Band of Brothers (Band of Brothers - Wir waren wie Brüder)
The Twins - Film nach dem gleichnamigen Buch von Tessa de Loo (das wir in diesem Lesekreis gelesen haben):

Then we mentioned other movies we thought worth seeing, these two on the life of the Germans in East Germany (the movie received the Oscar this year for best foreign picture): "Das Leben der anderen" (The Lives of Others)
Und "Goodbye Lenin" (Good Bye Lenin!), ein lustiger, aber auch zum Nachdenken anregender Film über einen Sohn, der für seine Mutter, die beim Mauerfall im Koma lag, die DDR nachbauen muss und nun keine Veränderungen mehr ertragen kann.

Dies haben wir im März 2007 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Atemlos, bewusst karg im Stil erzählt Elie Wiesel seine Erfahrung als Kind in Auschwitz. Jeder Satz ist ein Testament, jede Zeile spricht uns unmittelbar an. Das wichtigste Werk Elie Wiesels und Bezugspunkt all seiner anderen Bücher. Ein Grundbuch zu einem unauslöschlichen Kapitel deutscher Geschichte und ein zeitloses menschliches Dokument."

Jiddischer Originaltitel: Un di Velt Hot Geshvign/Und die Welt hat geschwiegen


Elie Wiesel erhielt den Friedensnobelpreis 1986 "für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 1. Februar 2023

Emcke, Carolin "Von den Kriegen"

 

Emcke, Carolin "Von den Kriegen. Briefe an Freunde" - Echoes of Violence: Letters from a War Reporter - 2004

Ich habe Carolin Emcke durch die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels kennengelernt und wollte seitdem immer wieder eines ihrer Bücher lesen. Dann fand ich eines und bin froh sagen zu können, dass sich das Warten gelohnt hat.

Die Autorin ist Journalistin und berichtet hauptsächlich über Kriegsgebiete und hat Freunden jedes Mal E-Mails geschrieben, wenn sie von einer ihrer Reisen zurückgekehrt ist. Hier hat sie sie veröffentlicht. Sie besuchte Afghanistan, Kolumbien, den Irak, den Kosovo, Libanon, Nicaragua, Pakistan, Rumänien und die USA (vor und nach dem 11. September) und berichtet von ihren Begegnungen mit Betroffenen. Ein brillanter Bericht darüber, was Krieg einem Volk antun kann. Wenn wir es vorher nicht wussten, sollten wir es sicherlich aus diesem Buch lernen. Krieg ist dumm! Krieg ist schrecklich! Krieg sollte nicht erlaubt sein! Aus keinem Grund. Die Mächtigen sollte man in einen Raum setzen und sie sollten selbst um ihre Probleme kämpfen.

Ich muss ein Zitat aus dem Buch einfügen: "Die Geschichte ist Gegenstand einer Konstruktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit sondern die von Jetztzeit erfüllte bildet." Walter Benjamin

Buchbeschreibung:

"Unterwegs in den Krisengebieten der Welt - wie gehen Menschen mit Krieg und Gewalt um, was verändert sich angesichts des fremden Leids im Berichterstatter, welche Rolle kommt dem Zeugen zu? Carolin Emcke schreibt in ihren Briefen von Orten, die aus dem Blickfeld der Medien geraten sind, obwohl Krieg und Leid dort andauern: vom endlosen Bürgerkrieg in Kolumbien, von der Sklavenarbeit in den Freihandelszonen Nicaraguas, vom Überlebenskampf der Straßenkinder in der Kanalisation von Bukarest, von den serbischen Massakern an Kosovo-Albanern und den Vergeltungsanschlägen an Serben, dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September und den Kriegen in Afghanistan und im Irak."

Carolin Emcke hat 2016 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.

Donnerstag, 26. Januar 2023

Müller, Herta "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet"

 

Müller, Herta "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" - The Appointment - 1997

Wir hatten das Glück, dieses Buch mit einem rumänischen Mitglied unseres Lesekreises diskutieren zu können, die uns einige Informationen aus erster Hand geben konnte.

In diesem Roman schildert Herta Müller den Weg einer Rumänin zu einem Termin bei der "Securitate", der Geheimpolizei. Das ganze Buch findet in den 90 Minuten statt, die sie braucht, um dorthin zu gelangen. Während sie mit der Straßenbahn fährt, reflektiert sie ihr Leben und was zuvor passiert ist.

Natürlich haben nicht alle in Rumänien die gleiche Erfahrung gemacht, besonders die jüngere Generation. Einige der schlimmsten Teile für alle waren die Rationalisierung der Lebensmittel, das Schlangestehen für Grundbedürfnisse, die Träume von Reisen, die Zensur. Es gab hauptsächlich klassische Bücher zu lesen oder nationalistische, alles, was verkauft wurde, war sowieso rumänisch. Sogar Filme waren verboten. Wenn man Glück hatte und einen Verwandten oder Freund hatte, der herumkam, bekam man vielleicht Kaffee etc. Die "Securitate", die Geheimpolizei, wusste alles. Man wurde zur Zusammenarbeit erzogen. Die Leute gerieten viel unter Druck. Man wurde zum Mitglied der kommunistischen Partei ernannt. Es schien nicht viel von einem Untergrund zu geben. Die Akten der Geheimpolizei wurden erst vor etwa 15 Jahren geöffnet.

Die meisten von uns wollten dieses Buch unbedingt lesen. Die Botschaft war, sich selbst zu lieben, und das ist so wichtig. Wir mochten den Stil, auch wenn einige es schwierig zu lesen fanden, zu verstehen, dass es im ganzen Buch um eine kurze Zugfahrt ging.

Einige Kommentare unserer Leserinnen: Die Autorin sieht die Welt durch ein Kaleidoskop, nichts hängt zusammen, es gibt keine Staatstrauer. Dies ist eine wunderbare Darstellung über die Unmenschlichkeit, die Verantwortungslosigkeit dieses Regimes, sehr kraftvoll. Es sind die kleinen Momente.
Sie alle waren Opfer. Wir fanden das sehr lehrreich.
Die Autorin beschreibt eine dunkle Niedergeschlagenheit, die einem sehr zu denken gibt.
Ich habe noch
nie etwas mit einem solchen Gefühl der Hoffnungslosigkeit gelesen. Es muss eine erlösende Antwort geben.
In ihrem Leben dreht sich alles um Selbstbeherrschung. Es ist die Zwanghaftigkeit/Besessenheit, die die einzige Kontrolle in ihrem Leben ist.
Das war eine perfekte Art zu zeigen, dass sie verrückt geworden ist. Es ist sehr wichtig, über Diktaturen zu schreiben.

Buchbeschreibung:

"'Ich bin bestellt.' Eine junge Frau in einer Großstadt in Rumänien auf dem Weg zum Verhör beim Geheimdienst. Sie hat diese Fahrt mit der Straßenbahn schon oft machen müssen, doch diesmal hat sie aus einer Vorahnung heraus Handtuch, Zahnpasta und Zahnbürste eingepackt. Unterwegs lässt sie ihr Leben an sich vorüberziehen: die Kindheit in der Provinz, die halberotische Gier nach dem Vater, die Deportation der Großeltern, das sporadische Glück, das ihr mit Paul gelingt, auch wenn sein Trinken für ihre Liebe eine Last ist. Außen: starre Uhrzeiten, Haltestellen, ein- und aussteigende Personen, vorbeiziehende Straßen. All dies soll ablenken und führt doch immer wieder zurück zu: 'Ich bin bestellt.'

Doch an diesem Tag hält der Fahrer an der Station, an der sie aussteigen muss, nicht an. Und sie beschließt zum ersten Mal, nicht zum Verhör zu gehen.
"

Wir haben dies im Februar 2003 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Herta Müller ist im deutschsprachigen Teil Rumäniens aufgewachsen. Sie ging 1987 nach Deutschland, aber ihre Bücher wurden damals nicht in Rumänien veröffentlicht.

Herta Müller "die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2009.

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Montag, 5. September 2022

Müller, Herta "Der König verneigt sich und tötet"

 
Müller, Herta "Der König verneigt sich und tötet" - The King Bows and Kills - 2003

Herta Müller ist im deutschsprachigen Teil Rumäniens aufgewachsen. Alles, was der deutschen Minderheit vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte, wurde beschlagnahmt. Ihr Großvater war ein reicher Grundbesitzer und Kaufmann, ihr Vater arbeitete als Lastwagenfahrer. Als Herta Müller anfing, über ihr Leben und die Repressionen gegen die Menschen in Rumänien zu schreiben, wurde sie zu einem Fall der "Securitate", der rumänischen Geheimpolizei. Sie ging 1987 nach Deutschland, wo sie weitere Bücher veröffentlichte, die nicht ins Rumänische übersetzt wurden und in Rumänien nicht erhältlich waren.

Dieses Buch ist eine Sammlung mehrerer Essays und zeichnet ein Bild eines Lebens in einer Diktatur. Es ist wahrscheinlich das Werk der Autorin, das einer Autobiografie am nächsten kommt.

Buchbeschreibung:

"Das eindrucksvolle Bild einer Lebenserfahrung unter absoluter Herrschaft: Herta Müller, die bedeutende und sprachmächtige Autorin, wuchs auf im Rumänien unter der Diktatur Ceausescus. Hier erfuhr sie Sprache als Instrument der Unterdrückung, aber auch als Möglichkeit des Widerstands und der Selbstbehauptung gegenüber der totalitären Macht. Und dieses Sprachbewusstsein stellt sie neben Erinnerungen an die Kindheit in den Mittelpunkt ihrer poetischen und politischen Selbstbefragung."

Herta Müller, "die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet", erhielt 2009 den Nobelpreis für Literatur.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 4. August 2021

Marbe, Nausicaa "Mandraga"

Marbe, Nausicaa "Mandraga" (Rumänisch: Mândraga) [Mandraga] - 1998

Die Protagonistin Ira stammt von reichen Gutsbesitzern in Rumänien ab, hat aber nach der Enteignung und der Machtübernahme durch Ceaușescu das Land verlassen und lebt seitdem in den Niederlanden. Erst Jahre später kehrt sie in ihre Heimat zurück, als ihr Vater im Sterben liegt.

Das Buch gliedert sich eigentlich in drei Teile, wobei der mittlere, das Leben in den Niederlanden, den Anfang macht. Mir hat die zweite Hälfte, die von Iras Leben in Rumänien als Kind und von ihrem späteren Besuch erzählt, wesentlich besser gefallen. Ich konnte ein Land entdecken, von dem ich eigentlich viel zu wenig weiß.

Iras Lebenslauf hat viel gemeinsam mit dem der Autorin, vielleicht macht auch dies die Geschichte interessanter.

Auf jeden Fall ein interessantes Buch, das uns viel zu erzählen hat.

Vorwort:

"Wenn ich die Erinnerung an meine Vorfahren wachrufe, so deshal, weil ich in ihnen eine Quelle meiner Kraft sehe. Ihnen danke ich es, dass alte Trachten, Möbel, Schriften in vergilbten Dokument nicht nur tote Dinge für mich sind." Czesław Miłosz, West und Östliches Gelände

Klappentext:

"Einst waren Iras Eltern wohlhabende Gutsbesitzer und lebten auf Mandraga, einem prächtigen Anwesen in der Donauebene. Doch dann rollt die Geschichte über diese glanzvolle Welt hinweg, die Familie muss Mandraga in den vierziger Jahren verlassen. Ira wächst in Bukarest auf und geht als junge Frau nach Amsterdam. Viele Jahre hat sich ihre Heimat nicht gesehen, doch nun ist der Moment gekommen: sie kehrt zum ersten Mal in ihre Land zurück. Mit Iras Reise in die Vergangenheit ersteht eine versunkene Welt zu neuem Leben- und mir ihr die Menschen, die Ira lehrten, das Leben zu lieben."