Mittwoch, 30. September 2026

Ghosh, Amitav "Hunger der Gezeiten"

Ghosh, Amitav "Hunger der Gezeiten" (Englisch: The Hungry Tide) - 2004

Ich habe schon einige Bücher von Amitav Ghosh gelesen (siehe hier) und war von allen begeistert. Daher habe ich mich auch auf dieses Buch gefreut. Es ist ebenfalls großartig, nur eben nicht ganz so gut wie die anderen.

Vielleicht enthielt das Buch für meinen Geschmack etwas zu viel Biologie.

Die Geschichte der Siedler am Golf von Bengalen und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatten, haben mir gut gefallen – ebenso wie das Krankenhaus, das von einem Einwanderer gegründet wurde. Auf die ganze Delfin-Geschichte hätte ich hingegen gut verzichten können.

Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, ein weiteres Buch von Amitav Ghosh zu lesen. Falls ihr einen Favoriten habt, lasst es mich bitte wissen.

Gut fand ich auch, dass es eine Karte im Buch gab. Allerdings waren darauf nur die realen Orte verzeichnet; ich hätte mir gewünscht, dass auch die fiktiven Orte erwähnt worden wären.

Buchbeschreibung:

"Die Sundarbans in der Bucht von Bengalen – der gigantische Archipel wird nur geboren, wenn das Wasser fällt: ein unbesiedelbares Land der Ebbe, zusammengehalten von den graugrünen Wurzeln der Mangroven, beherrscht von Bengalischen Königstigern. Schon seit Jahrzehnten setzen sich westliche Tierschutzorganisationen für den Erhalt der gefährlichen Raubkatzen ein und haben deshalb in den Sundarbans das 'Projekt Tiger' ins Leben gerufen. Auf Kosten der Menschen – so sehen das zumindest die Bewohner der Inselwelt, die jährlich rund hundert von Tigern gerissene Opfer zu beklagen haben. Für sie ist jeder, der eine Großkatze erlegt, ein Held.

Die amerikanische Meeresbiologin Piya ist in diesen gefährlichen Archipel gekommen, um Delfine zu erforschen. Der Fischer Fokir beeindruckt sie tief durch sein Gespür für das Wasser, denn er kann sie zu den nur schwer auffindbaren Delfingründen rudern. Während er seine Krebsnetze auswirft, beobachtet sie die stahlgrauen Tiere – und dabei finden die beiden zueinander, ohne Worte, denn sie sprechen keine gemeinsame Sprache.

Vor der prachtvollen Kulisse des undurchdringlichen Mangrovendschungels in den Sundarbans, einer unwirtlichen, nur von Ebbe und Flut beherrschten Inselwelt im Osten Indiens, entfaltet der begnadete Geschichtenerzähler Amitav Ghosh ein spannungsreiches Dreiecksdrama, in dem alle Farben der Liebe aufscheinen – ihre Schönheit, ihre Abgründe, ihre Macht."

Dienstag, 29. September 2026

Tschukovskaya, Lydia "Untertauchen"

Tschukovskaya, Lydia (Чуковская, Лидия Корнеевна) "Untertauchen" (Russisch: Спуск под воду/Spusk pod vodu) - Going Under - 1972

Ich entdeckte die Übersetzung dieses Buches in einer deutschen Buchhandlung. Der Grund, warum ich es zuerst in die Hand nahm, war das Bild auf dem Cover: ein Birkenwald im Winter). Ich liebe Birken, sie haben etwas Besonderes.

Und da ich russische Literatur liebe, war ich neugierig auf diese mir völlig unbekannte Autorin.

"Untertauchen" spielt in einem russischen Sanatorium. Die Ich-Erzählerin hat ihren Mann durch das Sowjetregime verloren und versucht herauszufinden, was mit ihm geschehen ist.

Die Autorin muss sehr mutig gewesen sein. Als unerschrockene Kritikerin des Regimes konnte sie ihr autobiografisches Buch in der UdSSR nicht veröffentlichen, doch Jahre später erschien es in einem New Yorker Verlag. Dies führte zu einem Berufsverbot. Sehr  tapfer.

Wenn ihr euch für Geschichte, Russland, das Stalin-Regime und die UdSSR interessiert, dies ist eine Geschichte, die authentisch wirkt.

Buchbeschreibung:

"Nina Sergejewna verbringt winterliche Wochen im Jahr 1949 in einem Sanatorium für Künstler auf dem Lande. Hier ist alles auf Vergessen gestimmt. Doch sie will mehr über die Vergangenheit, über ihr eigenes Leid und das ihrer Mitmenschen erfahren.

Als sie Bilibin kennenlernt, der im gleichen Arbeitslager wie ihr Mann war, sucht sie seine Nähe. Es entspinnt sich eine zarte Zuneigung, doch enttäuscht wendet sie sich ab, als auch Bilibin nicht die Wahrheit, sondern das Verdrängen und Vergessen sucht."

Montag, 28. September 2026

Marshall, Tim "Abschottung"

Marshall, Tim "Abschottung: Die neue Macht der Mauern" (Englisch: Divided: Why We're Living in an Age of Walls/auch: The Age of Walls. How Barriers Between Nations Are Changing Our World) - 2018

Brücken bauen – keine Mauern. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Es verbindet meine Hauptinteressen: Geografie, Geschichte und Politik. Ich bin in einem Land aufgewachsen, das durch eine Mauer geteilt war, und obwohl ich auf der "freien" Seite dieser Mauer lebte, hatte sie enorme Auswirkungen auf unser aller Leben. Natürlich bin ich gegen all die Mauern, die in diesem Buch beschrieben werden.

Zugegeben, der Autor schildert viele der weltweiten Probleme auf rund 300 Seiten. Ich bezweifle, dass er ein vollständiges Bild mit allen Einzelheiten vermitteln will. Doch wer keine Ahnung von all den Mauern hat, die weltweit errichtet werden, und glaubt, die Mauer im eigenen Land sei die einzige, kann hier viel lernen.

Wie die Berliner Mauer gehen auch viele dieser Grenzbefestigungen auf ausländische Eingriffe zurück – sei es durch Kolonialherrschaft oder andere politische Umbrüche. Wir alle kennen die Chinesische Mauer, die Berliner Mauer, die Mauer zwischen den USA und Mexiko sowie die zwischen Israel und Palästina. Doch wie viele von uns haben schon von anderen Mauern im Nahen Osten oder in Afrika gehört? Oder davon, dass es in Afrika noch immer Mauern gibt? In Marokko zum Beispiel? Warum ist die Westsahara kein eigenständiger Staat? Warum gibt es in Belfast immer noch Mauern?

Tim Marshall zitiert zudem David Goodhart, der in seinem Buch "The Road to Somewhere" erklärt, dass sich die Menschen heute in "Anywheres" (Überall-Zuhause-Menschen) und "Somewheres" (Verwurzelte) unterteilen lassen. Während die "Anywheres" meist ihren Heimatort verlassen haben und nicht nur die Welt bereist, sondern auch im Ausland gelebt haben, wohnen die "Somewheres" in der Nähe ihres Geburtsortes und stehen Veränderungen weniger offen gegenüber. Ein interessantes Konzept. Da ich selbst schon in vier verschiedenen Ländern gelebt habe, gehöre ich definitiv zur ersten Gruppe.

Jedem Kapitel sind ein Zitat über Freiheit und das Bild einer Mauer vorangestellt.

Hier sind meine beiden Lieblingszitate:
"Wähle eine Führungspersönlichkeit, die in den Bau von Brücken investiert, nicht von Mauern. In Bücher, nicht in Waffen. In Moral, nicht in Korruption." (Choose a leader who will invest in building bridges, not walls. Books, not weapons. Morality, not corruption.) Rise Up and Salute the Sun: The Writings of Suzy Kassem

"Die Kräfte, die uns vereinen, sind uns innewohnend und stärker als die von außen auferlegten Einflüsse, die uns trennen." (The forces that unite us are intrinsic and greater than the superimposed influences that keep us apart.) Kwame Nkrumah

Zudem finden sich in den Kapiteln zahlreiche Karten, die die Standorte der Mauern veranschaulichen.

Dies ist also ein großartiges Buch, das uns hilft, die Spaltungen in der heutigen Welt zu verstehen.

Buchbeschreibung:

"Das Zeitalter der Mauern hat eben erst begonnen – der neue Bestseller von Tim Marshall

Wir leben in einem neuen Zeitalter des Isolationismus und Nationalismus, in dem Mauern wieder Konjunktur haben, von der amerikanischen Mauer an der Grenze zu Mexiko bis hin zu der Firewall, mit der China sich gegen den Westen abschottet. Europa errichtet Zäune gegen Flüchtlinge, Mauern und Zäune ziehen sich durch den Nahen Osten, den Sudan, Korea, Indien. Mindestens 65 Länder der Welt, mehr als je zuvor, haben stark befestigte Grenzen. Es gibt viele Gründe dafür: Reichtum und Armut, Rasse, Religion, Politik, Angst. Tim Marshall zeigt in seiner fesselnden und scharfsinnigen Analyse, wie Abschottung unsere Gegenwart prägt. Sie steht für ein Versagen von Politik und ist eine Gefahr für die Zukunft."

Ich möchte unbedingt auch die beiden anderen Bücher seiner Reihe "Politics of Place" (svw: Politik der Orte) lesen (sowie alle weiteren, die er zu diesen Themen künftig noch schreiben sollte):

"Die Macht der Geographie. Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt" (Prisoners of Geography: Ten Maps That Tell You Everything You Need to Know About Global Politics)

"Im Namen der Flagge. Die Macht politischer Symbole" (Worth Dying For: The Power and Politics of Flags)

Samstag, 26. September 2026

Cognetti, Paolo "Acht Berge"

 
Cognetti, Paolo "Acht Berge" (Italienisch: Le otto montagne) - The Eight Mountains - 2016

Pietro und Bruno sind seit ihrer Kindheit befreundet – seit dem Sommer, als Pietros Mutter beschloss, die Ferien nicht in Mailand, sondern in den Bergen zu verbringen, und sein Vater ihn dort, in den Dolomiten, zum Klettern mitnahm.

Es ist ein Buch, das sich viel Zeit lässt. Nicht langweilig, sondern genau so, wie man sich die Zeit in den Bergen vorstellt. Eine Geschichte über die Beziehung zwischen Vater und Sohn und die Entwicklung einer Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Jungen. Selbst wenn man sich nicht für Berge oder Natur interessiert, ist es eine wunderbare Erzählung über Menschen, die sich nach einem einfachen Leben sehnen – einem Leben, das heutzutage kaum noch möglich ist, zumindest nicht in der westlichen Welt. Eine leise Geschichte, erzählt aus der Sicht des Protagonisten, der nichts beschönigt.

Eine wunderschöne Geschichte.

Buchbeschreibung:

"Eine unerschütterliche Freundschaft. Ein Aufbruch ins Ungewisse. Die Sehnsucht nach Heimat.

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?

Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod." 

Freitag, 25. September 2026

Biden, Joe "Versprich es mir"

Biden, Joe "Versprich es mir. Über Hoffnung am Rande des Abgrunds" (Englisch: Promise Me, Dad. A year of hope, hardship, and purpose) - 2017

Joe Biden ist ein bewundernswerter Mann. Zunächst zog er zwei Kinder allein groß, nachdem diese ihre Mutter und ihre kleine Schwester verloren hatten, und fand die Kraft, in die Politik zu gehen – nicht um bewundert zu werden, sondern um anderen wirklich zu dienen. Das sagt eigentlich schon alles. Dann übernahm er eines der mächtigsten und stressigsten Ämter und musste mitansehen, wie sein Sohn langsam, aber sicher sein Leben verlor. Dennoch blieb er stark und erfüllte seine Pflicht. Was für ein Mann! Es überrascht mich nicht, dass einer der größten Präsidenten aller Zeiten ihn als seinen Vizepräsidenten auswählte.

Wie schon in Michelle Obamas Buch "Becoming - Meine Geschichte" (Becoming) verfolgen wir hier die Beziehung zwischen den Familien Biden und Obama und erleben die besondere Verbundenheit, die zwischen ihnen herrscht. Beide sind anständige Familien, die ihre Kinder lieben und sich wünschen, dass diese in einer besseren Gesellschaft aufwachsen.

Die Krankheit von Beau Biden wurde auf sehr einfühlsame Weise geschildert; sein Vater bewunderte ihn für alles, was er tat, und für die Stärke, die er während dieser schweren Prüfung bewies. Es war traurig und herzzerreißend, doch man sah auch die Kraft, die ihnen diese Erfahrung verlieh – wie sie dadurch noch enger zusammenwuchsen und voneinander lernten. Was für eine wunderbare Familie, was für ein wunderbarer Mann.

Wie schade, dass er auf die Präsidentschaftskandidatur verzichtet hat. Er wäre ein großartiger Präsident gewesen!

Ich freue mich auf weitere Bücher von Joe Biden – vielleicht noch eines über seine Beziehung zu Barack Obama?

Buchbeschreibung:

"Im November 2014 versammelten sich die Bidens in Nantucket, um gemeinsam Thanksgiving zu feiern - eine Familientradition seit vierzig Jahren. Aber diesmal fühlte sich alles ganz anders an. Bei Beau, dem ältesten Sohn von Joe Biden, war zuvor ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert worden, und sein Überleben war ungewiss. 'Versprich es mir', bat der kranke Sohn seinen Vater. 'Versprich mir, dass du klarkommst, ganz egal, was passiert.' Joe Biden gab ihm sein Wort. Das darauffolgende Jahr stellte ihn auf eine schwere Probe. Der damalige Vizepräsident reiste mehr als hunderttausend Meilen quer durch die Welt und befasste sich mit schwierigen Krisen in der Ukraine, in Mittelamerika und im Irak. Während sein Sohn zu Hause um sein Leben kämpfte, das er schließlich verlor, musste Joe Biden sowohl der Verantwortung für sein Land als auch seinen familiären Pflichten gerecht werden. Bidens Memoir ist das Buch eines Politikers, aber mehr noch eines Vaters, Großvaters, Freundes und Ehemanns. Es ist eine Geschichte der Hoffnung am Rande des Abgrunds."

Donnerstag, 24. September 2026

Sparks, Nicholas "Wie ein einziger Tag"

Sparks, Nicholas "Wie ein einziger Tag" (Englisch: The Notebook) - 2004

Dieses Buch lag schon eine ganze Weile auf meinem SUB (Stapel ungelesener Bücher) – eigentlich seit es für unseren Lesekreis vorgeschlagen und mir von einem Mitglied überlassen wurde, das den Club verließ und das Buch nicht mitnehmen wollte. Es sind also mehr als zehn Jahre. Ich muss zugeben, dass ich zögerte, es zu lesen, da es für mich sehr nach typischer Frauenunterhaltungsliteratur (Chick Lit) klang. Es wurde auch verfilmt – aber auch diesen Film habe ich mir nicht angesehen.

Insgesamt war es eine ganz passable Geschichte: nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht viel besser. Eine Liebesgeschichte – armer Junge liebt reiches Mädchen –, mit all den Hindernissen, die in solchen Romanen vorkommen und von denen man ohnehin weiß, dass sie überwunden werden. Am Ende gibt es zwar eine unerwartete Wendung, aber das entschädigt nicht wirklich für den Schreibstil, der eher auf Leserinnen und Leser zugeschnitten ist, die sehr leichte Unterhaltung suchen.

Höchstwahrscheinlich ist dies das einzige Buch von Nicholas Sparks, das ich je lesen werde.

Buchbeschreibung:

"Sie sind siebzehn und verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Einen wunderschönen, scheinbar endlosen Sommer haben Allie und Noah gemeinsam. Dann muss Allie mit ihrer Familie den verträumten Urlaubsort verlassen - und verschwindet aus Noahs Leben. Vierzehn Jahre lang hört er nichts mehr von ihr. Und obwohl er sie verloren geben muss, kann er sich doch nie mehr neu binden. Bis Ally eines Tages plötzlich wieder vor ihm steht: Sie ist mit einem erfolgreichen Anwalt verlobt, aber bevor es zur Hochzeit kommt, will sie noch einmal den Mann sehen, den sie nie vergessen konnte ..."

Mittwoch, 23. September 2026

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes"

Fielding, Henry "Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes" (Englisch: The History of Tom Jones, a Foundling) - 1749

Dieses Buch stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Es stammt von einem der britischen Klassiker-Autoren, denen ich bisher noch nicht begegnet war, und gilt zudem als der erste echte Roman, der je geschrieben wurde.

Eigentlich hätte man daraus auch zwei Bücher machen können: Einerseits den Roman mit der Geschichte von Tom Jones und seinem Leben, und andererseits die philosophischen Betrachtungen, die Henry Fielding jedem Kapitel voranstellt.

Obwohl ich mich normalerweise gerne mit philosophischen Themen befasse, empfand ich diese Einschübe hier eher als störend denn als Bereicherung für die Geschichte. Ich hätte gut darauf verzichten können; sie trugen zur eigentlichen Handlung nichts bei. Auch den Humor, der dem Buch zugeschrieben wird, konnte ich nicht entdecken. Dabei liebe ich britischen Humor – doch dieser hier muss wohl von einer ganz anderen Art gewesen sein als jener, den wir gewöhnlich schätzen. Das Einzige, wobei mir das bisher ebenfalls so erging, war "Teatime mit Kuh" (Cold Comfort Farm) von Stella Gibbons.

Das bedeutet jedoch nicht, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die Geschichte an sich war sehr interessant und bot einen hervorragenden Einblick in die damalige Gesellschaft: was als schicklich galt und was nicht, und wie es um die Rechte von Frauen – oder auch von Männern ohne wohlhabende Herkunft – bestellt war.

Alles in allem also eine interessante Lektüre, auch wenn das Buch nicht auf meiner Liste der Werke landet, die ich noch einmal lesen würde.

Buchbeschreibung:

"Gutsherr Allworthy findet einen Säugling und zieht den Jungen an Sohnes Statt auf. Der Findling – Tom Jones – wächst und gedeiht prächtig, in den Augen seines Ziehvaters mitunter sogar etwas zu prächtig. Als sich Tom in die Nachbarstochter verliebt, die Allworthys Neffen versprochen ist, verweist der Gutsherr Tom des Hauses. Der junge Mann macht sich auf nach London, wobei ihn seine Reise quer durchs Land und auch durch sämtliche Schichten der vorviktorianischen Gesellschaft führt. Auf Toms Suche nach sich selbst, seiner Herkunft und vor allem nach der großen Liebe erschließt sich ein wahres Panoptikum des 18. Jahrhunderts.

In seinem breit angelegten Gesellschaftepos entlarvt Fielding gesellschaftliche Mißstände ebenso schonungslos wie die charakterlichen Schwächen seiner Helden. Allen voran erobert der liebenswerte, ungestüme, keineswegs untadelige, aber unerhört sympathische Tom Jones bis heute spielend das Herz eines jeden Lesers."

Dienstag, 22. September 2026

Nicoletti, Cara "Yummy Books!"

Nicoletti, Cara "Yummy Books!: In 50 Rezepten durch die Weltliteratur" (Englisch: Voracious: A Hungry Reader Cooks Her Way through Great Books) - 2015

Dies ist ein wunderbares Buch. Wer Rezepte mag, wird es vielleicht schon allein deswegen lesen wollen. Doch wer – wie ich – das Lesen liebt, wird es vor allem wegen der Passagen aus den geliebten Büchern schätzen. Wer erinnert sich nicht daran, wie Mr. Woodhouse (in "Emma") beim Abendessen allen von dem perfekt gekochten Ei erzählt? Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich Eier koche.

Auch die anderen Rezepte sind herrlich und erinnern wunderbar an großartige Bücher – selbst wenn man eigentlich nicht gerne kocht oder keines dieser Rezepte jemals nachkochen würde.

Hier sind die Rezepte mit Links zu den Büchern, die ich gelesen habe:

Austen, Jane "Emma" - Emma - Das perfekte weichgekochte Ei
- "Pride and Prejudice" - Stolz und Vorurteil - Weiße Knoblauchsuppe *
Banks, Lynne Reid "The Indian in the Cupboard" - Der Indianer aus der Hosentasche - Gegrilltes Roastbeef
Burnett, Frances Hodgson "The Secret Garden" - Der geheime Garten - Rosinenbrötchen
Capote, Truman "In Cold Blood"- Kaltblütig - Cherry-Pie
Cunningham, Michael "The Hours" - Die Stunden - Geburtstagstorte
Dahl, Roald "The Witches" - Hexen hexen - Eintopf mit Muscheln, Krabben und Dorsch
Dickens, Charles "Great Expectations" - Große Erwartungen - Schweinspastete
Didion, Joan "Goodbye to All That" - Das Ende vom Lied - Gegrillte Pfirsiche mit hausgemachtem Ricotta
Eugenides, Jeffrey "Middlesex" - Middlesex - Olivenöl-Joghurt-Kuchen
Flynn, Gillian "Gone Girl" - Gone Girl - Das Perfekte Opfer - Crêpes mit brauner Butter
Franzen, Jonathan "The Corrections" - Die Korrekturen - Schokoladen-Cupcakes mit Pfferminz-Buttercreme
French, Tana "In the Woods" - Grabesgrün - Digestive Biscuits mit Schokolade
Golding, William "Lord of the Flies" - Herr der Fliegen - Porchetta di Testa (Rollbraten vom Schweinekopf)
Grimm, Jacob + Wilhelm "Hansel and Gretel" - Hänsel und Gretel - Gewürzkuchen mit Lebkuchengewürz und Blutorangensirup
Harris, Thomas "The Silence of the Lambs" - Das Schweigen der Lämmer - Crostini mit Favabohnen- und Hähnchenleber-Mousse
Heller, Peter "The Dog Stars" - Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte - Forelle aus dem Backofen
Homer "The Odyssey" - Die Odyssee - Rotweinbrot mit Rosmarin
Houston, Pam "Waltzing the Cat" (incl."The Best Girlfriend You Never Had") - Die Farbe des Abenteuers/Die beste Freundin, die du nie hattest - Red Flannel Hash
Hugo, Victor "Les Misérables" - Die Elenden - Schwarzbrot mit Roggenmehl
Irving, Washington "The Legend of Sleepy Hollow" - Die Sage von Sleepy Hollow - Buchweizenpfannkuchen
Keene, Carolyn "Nancy Drew" - Ein Fall für Nancy Drew - Schokoladeneisbecher mit kandierten Walnüssen und Schoko-Fudge-Sauce
Kesey, Ken "Sometimes a Great Notion" - Manchmal ein großes Verlangen - Haselnuss-Streuselkuchen mit Brombeeren
Lee, Harper "To Kill a Mockingbird" - Wer die Nachtigall stört - Biscuits mit Sirupbutter
Lindgren, Astrid "Pippi Longstocking" - Pippi Langstrumpf - Buttermilchpfannkuchen
Maurier, Daphne du "Rebecca" - Rebecca - Blutorangenmarmelade
McCloskey, Robert "Homer Price" - Homer Price - Old-Fashioned Donuts mit saurer Sahne
Melville, Herman "Moby Dick" - Moby Dick oder der Wal - Chowder
Montgomery, L.M. "Anne of Green Gables" - Anne auf Green Gables - Salzkaramellen mit Schokolade
Morrison, Toni "The Bluest Eye" - Sehr blaue Augen - Sorbet aus Concord-Trauben
Numeroff, Laura Joffe "If You Give a Mouse a Cookie" - Kekse für die Maus im Haus - Chocolate Chip Cookies mit brauner Butter 
Orwell, George "Down and Out in Paris and London" - Ganz unten in Paris und London - Rib-Eye-Steak
Paola, Tomie de "Strega Nona" Der Zaubertopf - Pasta mit Parmesan und schwarzem Pfeffer
Plath, Sylvia "The Bell Jar" - Die Glasglocke - Avocados mit Krebsfleischsalat
Poe, Edgar Allen "The System of Doctor Tarr and Professor Fether" - Die Methode Dotkor Theer und Professor Fedder - Kürbis-Pie mit Ziegenkäse
Rawls, Wilson "Where the Red Fern Grows" - Wo der rote Farn wächst - Maisbrot aus der Pfanne mit Honigbutter
Roth, Philip "American Pastoral" - Amerikanisches Idyll - Hot-Cheese-Sandwich
Salinger, J.D. "The Catcher in the Rye" - Der Fänger im Roggen - Malzmilch-Eiscreme
Sendak, Maurice "In the Night Kitchen" - In der Nachtküche - Milch-und-Malzkuchen
Singer, Isaac Bashevis "Gimpel the Fool" - Gimpel der Narr - Challah (Jüdisches Hefebrot)
Tartt, Donna "The Little Friend" - Der kleine Freund - Pfefferminz-Eiscreme mit Zucckerstangenstückchen
- "The Secret History" - Die geheime Geschichte - In Rotwein geschmorte Lammkeule mit Wildpilzen
Tolstoi, Leo "Anna Karenina" - Anna Karenina - Austern mit Gurken-Mignonette
Toole, John Kennedy "A Confederacy of Dunces" - Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten - Donuts mit Geleefüllung
Virgil "The Aeneid" - Aeneis - Honig-Mohn-Kuchen
Warner, Gertrude Chandler "The Boxcar Children" - Die Kinder aus dem Güterwagen - Schokoladenpudding
Waugh, Evelyn "Brideshead Revisited" - Wiedersehen mit Brideshead - Blini mit Kaviar
White, E.B. "Charlotte's Web" - Wilbur und Charlotte - Erbsensuppe mit Speck
Wilder, Laura Ingalls "Little House in the Big Woods" - Unsere kleine Farm: Laura im großen Wald - Frühstücksbratwurst
Woolf, Virginia "Mrs. Dalloway" - Mrs. Dalloway - Schokoladen-Éclairs

* Hier hätte ich mich für die "ausgezeichneten Salzkartoffeln" entschieden, die in einem "hervorragend ausgestatteten Zimmer" serviert werden. Wie wir alle wissen, war es viele Jahre her, dass Mr. Collins "ein solch vorbildliches Gemüse" genossen hatte.

Buchbeschreibung:

"Soulfood für Lesehungrige

Kennen Sie das: Sie lesen einen Roman, in dem von einem cremigen Kuchen oder einem saftigem Braten die Rede ist, und schon läuft Ihnen das Wasser im Munde zusammen? Cara Nicoletti kennt diese Erfahrungen nur zu gut. Inspiriert von ihren 50 Lieblingsbüchern kocht sie die charmante und belesene Metzgerin aus Brooklyn durch die Gerichte der Weltliteratur. Und lädt uns ein - zum Nachlesen, Nachkochen und Mitgenießen."

Da viele der Bücher im Original auf Englisch erschienen sind und es für mich einfacher war, die deutschen Titel hinterherzusetzen, habe ich es so gemacht, und die Links zu den deutschen Titeln (sofern vorhanden) stehen immer hinten.

Montag, 21. September 2026

Spufford, Francis "Neu-York"

Spufford, Francis "Neu-York" (Englisch: Golden Hill: A Novel of Old New York) - 2016

Ich habe dieses Buch zuerst in einer deutschen Buchhandlung als Übersetzung gesehen. Der Titel gefiel mir: "Neu-York". Die Bilder wirkten auf mich eher niederländisch; kein Wunder, denn die wichtigsten Siedler zur Zeit des Romans stammten aus den Niederlanden.

Wie dem auch sei, ich wurde neugierig, also beschloss ich, mir das Original zu besorgen und es zu lesen.

Eine fesselnde Geschichte. Manhattan im 18. Jahrhundert – geprägt vom niederländischen Einfluss. Ein junger Mann reist aus den Niederlanden an, um eine beträchtliche Summe für ein Projekt einzufordern, über das er niemandem etwas verraten will. Er muss zahlreiche Hürden und Schwierigkeiten überwinden, ehe er seinen Plan schließlich enthüllen kann. Und dieser Plan ist wirklich gut!

Der Roman steckt voller Überraschungen; sowohl der Schreibstil als auch der Schauplatz sind interessant. Es ist eine leicht zugängliche, aber keineswegs langweilige Lektüre – ein gelungener historischer Roman, der sowohl humorvoll als auch informativ ist.

Buchbeschreibung:

"1746 in einer kleinen englischen Kolonialstadt an der Spitze der Insel Manhattan: Neu-York wirkt auch Jahrzehnte nach der Eroberung durch die Briten immer noch recht holländisch; die alteingesessenen Familien reden Englisch mit Akzent, am Hafen weht der Union Jack über schmalen Fachwerkhäusern, am anderen Ende der Stadt ist der Broad Way (vorher Breede Weg) auf Höhe der Wall Street durch ein Tor versperrt. Draußen hängen Skalps: Verbündete Indianerstämme haben sie französischen Soldaten abgenommen.

Eines Tages steigt ein Brite namens Smith im Regen von einem aus London kommenden Segler. Der junge Mann scheint über Geld zu verfügen, er trägt den Wechsel einer Londoner Bank mit sich. Schnell findet er Zugang zur Gesellschaft, wird er zu einer Berühmtheit in der Stadt. Leider auch bei den Falschen: Smith wird überfallen und ausgeraubt. Niemand darf von der prekären neuen Lage erfahren, das Schuldgefängnis droht. Und dann kommt Smiths Affäre mit der Frau eines hohen Offiziers ans Licht. Ein Duell ist unumgänglich, und ausgerechnet sein bester Freund fordert ihn, ein exzellenter Fechter. Doch dann nimmt das Schicksal unseres Helden eine weitere überraschende Wendung – es wird nicht die letzte sein in diesem phantastischen, geistreichen, spannenden Wunderwerk von einem Roman."

Samstag, 19. September 2026

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano"

Nadal, Rafel "Das Vermächtnis der Familie Palmisano" (Spanisch: La maldición de los Palmisano) - The Last Son's Secret - 2015

Ich mag spanische Autoren im Allgemeinen sehr und freue mich immer, wenn ich einen weiteren für meine Liste entdecke. Der Autor wird mit dem Satz vorgestellt: "Rafel Nadel kann besser schreiben als Tennis spielen." Ein guter Spruch! Ich habe keine Ahnung, wie gut er (der Autor) Tennis spielt, aber ich kann versichern: Er schreibt hervorragend.

Die Geschichte führt uns nach Italien. Ein Besucher bemerkt, dass ein Dorf im Ersten Weltkrieg 42 Söhne verloren hat und dass die Hälfte von ihnen den Nachnamen Palmisano trägt. Im Zweiten Weltkrieg hingegen gibt es keinen Einzigen mit diesem Namen, dafür aber wieder eine Familie, die die Hälfte der Liste ausmacht: die Familie Convertini. In diesem Buch lernen wir beide Familien sowie das Geheimnis kennen, das sie hüten.

Eine sehr interessante Geschichte, gut geschrieben, mit sympathischen – und natürlich auch einigen unsympathischen – Charakteren. Wir erhalten Einblick in das Leben der Italiener während der Kriege, sowohl bei den Anhängern der bösen Mächte als auch bei jenen, die sich den Partisanen anschließen; wir schließen die Menschen ins Herz und verstehen ihre Beweggründe. Die Verknüpfung von Fiktion und historischen Fakten ist sehr gut gelungen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, und ich glaube, dass diese Geschichte auch für diejenigen viel zu bieten hat, die eigentlich nicht gerne über den Krieg lesen.

Buchbeschreibung:

"Ein Dorf in Süditalien wird zum Schauplatz eines halben Jahrhunderts europäischer Geschichte - eine großartige Familiensaga.

Einundzwanzig Tote, alle im Ersten Weltkrieg gefallen. Das ist die traurige Bilanz der Familie Palmisano, die seitdem als verflucht gilt. Als die Witwe Donata Palmisano kurz nach Kriegsende einen Sohn zur Welt bringt, fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie gibt Vitantonio als Sohn ihrer Cousine aus, um ihn zu schützen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ist Vitantonio ein kräftiger junger Mann, der in die Schlacht ziehen soll - genau wie seine Vorfahren. Kann er sein Schicksal besiegen und dem Fluch der Familie entrinnen?"

Freitag, 18. September 2026

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus"

Domínguez, Carlos María "Das Papierhaus" (Spanisch: La Casa del Papel) - The House of Paper - 2007

Ein interessantes Buch über eine Frau, die beim Lesen stirbt, einen Mann, der ein Haus aus Büchern baut, und einen weiteren Mann, der versucht, die Verbindung zwischen ihnen zu finden. Für meinen Geschmack etwas zu kurz (nur 96 Seiten): Man lernt die Figuren nicht lange kennen – gerade erst eingelesen, ist die Geschichte schon vorbei.

Dennoch war es eine durchaus angenehme Lektüre. Als Bonus gibt es vorne im Buch eine schöne Karte, die den Weg der Hauptfigur nach Südamerika zeigt. Sie erinnert an alte Karten auf Pergament – ​​ein Detail, das auch jedem Bücherliebhaber gefallen dürfte. Eine wunderbare kleine Geschichte über Menschen, die Bücher lieben.

Buchbeschreibung:

"Eine Literaturdozentin, die so in die Gedichte von Emily Dickinson vertieft ist, dass sie tödlich verunglückt, ihr argentinischer Kollege, der um die halbe Welt reist, um das Geheimnis eines rätselhaften Buches zu lösen, und ein Mann, der bereit ist, seine Liebe für Bücher in Stein zu fassen: drei Menschen, die ohne Bücher nicht sein können und deren Leben auf höchst seltsame Weise miteinander verknüpft werden."

In diesem Roman werden viele Bücher erwähnt. Das wichtigste ist
"Die Schattenlinie" (The Shadow-Line) von Joseph Conrad.

Andere:
Burckhardt, Jacob "Die Cultur der Renaissance in Italien"
Cervantes, Miguel de "Don Quixote von der Mancha" (SPAN: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha/Don Quixote)
Dickinson, Emily "Gedichte" (Poems)
Dostoevskij, Fyodor "Die Brüder Karamasow" (RUS: Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy/The Brothers Karamazov)
Faulkner, William "Absalom! Absalom!" (Absalom! Absalom!)
Hesse, Hermann "Siddhartha" (Siddhartha: An Indian Poem)
Hemingway, Ernest "In einem anderen Land" (A Farewell to Arms)
Salgari, Emilio "Sandokan, der Tiger von Malesia" (IT: I Tigri di Momprasem)

Donnerstag, 17. September 2026

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug"

Mukherjee, Neel "Das Leben in einem Atemzug" (Englisch: A State of Freedom) - 2017

Ich mag Geschichten, die in Indien spielen, und bisher bin ich noch auf keine gestoßen, die mir nicht gefallen hätte. Nun, diesmal ist es wohl doch passiert. Was ich nicht wusste – und was im Buch nirgendwo erwähnt wird –, ist, dass es sich eigentlich um eine Sammlung von Kurzgeschichten handelt; das merkt man erst, als die erste Geschichte plötzlich endet (auf Seite 22).

Die beiden längeren Geschichten scheinen zusammenzugehören, hätten aber ebenso gut von völlig unterschiedlichen Personen handeln können, da man erst gegen Ende bemerkt, dass es sich um dieselbe Person handelt, von der in der anderen Geschichte die Rede ist. Das waren auch die einzigen Geschichten, die mich wirklich fesseln konnten. Bei den anderen drei fand ich keinen rechten Zugang zu den Figuren, geschweige denn zur Handlung selbst. Die zweite und die vierte Geschichte handeln von einem wohlhabenden Inder, der alle zwei Jahre in seine Heimat zurückkehrt, um seine Familie zu besuchen; die vierte Geschichte beleuchtet dabei stärker das Leben des Hauspersonals, das seine Familie beschäftigt. Diese hat mir am besten gefallen.

Auch die erste, dritte und fünfte Geschichte sollen miteinander verknüpft sein, doch der Zusammenhang ist weitaus weniger offensichtlich und bereichert die einzelnen Geschichten nicht wirklich.

Wie gesagt: Obwohl ich Geschichten aus Indien eigentlich mag, war dieses Buch nichts für mich. Ich werde mich künftig wieder Autoren wie Amitav Ghosh, Jhumpa Lahiri, Rohinton Mistry, V.S. Naipaul, Vikram Seth und anderen zuwenden, auf die ich hoffentlich noch stoßen werde.

Eine Empfehlung an den Verlag: Bezeichnet Kurzgeschichten nicht als Roman; das führt zu schlechten Rezensionen von Lesern, die einen Roman erwarten, während Leser, die Kurzgeschichten mögen, das Buch gar nicht erst zur Hand nehmen.

Buchbeschreibung:

"Was geschieht, wenn wir versuchen, das Leben, in dem wir zu Hause sind, für etwas Besseres zu verlassen? In fünf Schicksalen entfaltet sich in diesem Roman ein grandioses Panorama der modernen indischen Gesellschaft.

Neel Mukherjee erzählt in
Das Leben in einem Atemzug von Menschen, die aufbrechen, ihr Zuhause verlassen, um für sich und ihre Familien ein besseres Leben zu erlangen. Da ist die Köchin in Mumbai, die in sechs Haushalten kocht; da ist der Mann, der mit seinem Tanzbär von Ort zu Ort zieht, da ist das Mädchen, das vor den Terroristen, die ihr Dorf bedrohen, in die Stadt flieht – sie alle erleben, was es bedeutet, nicht mehr im eigenen, vertrauten Umfeld zu sein. Ihre Schicksale erzählen von den Frösten der Freiheit, vom Fremd- und Alleinsein, von Armut und Arbeit. Aber auch von der Hoffnung und Glück. Ein atmosphärisch dichter Roman aus dem heutigen Indien, einer modernen Gesellschaft, in der die Schatten einer anderen noch deutlich spürbar sind. Leidenschaftlich und voller Empathie entfaltet sich in einem Reigen von Geschichten das unstillbare menschliche Streben nach einem anderen, besseren Leben."

Mittwoch, 16. September 2026

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger"

Greer, Andrew Sean "Mister Weniger" (Englisch: Less) - 2017

Bislang habe ich noch nie einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman gelesen, der nicht interessant gewesen wäre. Irgendwann musste ich wohl auf einen solchen stoßen. Hier war's so weit.

Hätte der Autor die Angst des Protagonisten vor dem Älterwerden – oder auch die Angst, seit der Hochzeit seines Freundes allein dazustehen – stärker vertieft, hätte daraus eine gute Geschichte werden können. Oder hätte er sich auf die verschiedenen Veranstaltungen konzentriert, die der Protagonist in unterschiedlichen Ländern besucht, wäre es vielleicht eine gute 'Urlaubsgeschichte' oder Sommerlektüre gewesen. So aber war es schlichtweg nichts. Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her; und obwohl ich das normalerweise mag, möchte ich doch wissen, wo ich mich gerade befinde.

Laut dem Klappentext soll das Buch lustig, ja sogar urkomisch sein. Ich habe kein einziges Mal gelacht.

Der einzige Unterschied zwischen diesem Buch und "Chick-Lit"? Es ist nicht ständig die Rede von Schuhen.

Buchbeschreibung:

"Mister Weniger ist eine schreiend komische Liebeskomödie, die sich nicht um Konventionen schert, ein Wundermittel gegen Liebeskummer und Trost für alle, die schon gemerkt haben, dass die Liebe manchmal seltsame Wege geht.

Der Schriftsteller Arthur Weniger hat von allem ein bisschen zu wenig. Wo anderen ein dickes Fell gewachsen ist, schmückt ihn bloß die zarte Schale eines Butterkrebses. Um sich vor der Hochzeit seiner Langzeitaffäre Freddy zu drücken, führt der arglose Weniger tapfer sein geschundenes Herz spazieren – New York, Berlin, Mexico City, Kyoto –, Hauptsache weg. Überall begegnet er der Liebe und nirgends läuft sie, wie sie soll. Doch erst die totale Schieflage rückt wieder alles ins Lot.

Eine erfrischend andere Liebeskomödie."

Andrew Sean Greer erhielt 2018 den Pulitzerpreis für "Less".

Dienstag, 15. September 2026

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm"

Mehden, Heilwig von der "Eigentlich nur halb so schlimm … weil's den andern auch so geht" [Actually, it's not that bad... because others are in the same boat] - 1989

Wie ich schon in ihrem anderen Buch, "Nehmt die Männer wie sie sind. Es gibt keine anderen" gesagt habe, war Heilweg von der Mehden DIE Brigitte Kolumnistin vor Elke Heidenreich. Beide Autorinnen haben mir viele amüsante Stunden beschert.

Also konnte ich an diesem gebrauchten Buch nicht vorbeigehen. Hier geht es um all die kleinen und großen Ärgernisse im Leben und wie man sie mit Humor nimmt. Da geht es ums Fernsehen und Elternschaft, um Autofahrer und Vierbeiner, um Arztbesuche und Reisen, um Geld und Moderne Zeiten, und vieles mehr, was uns den Alltag oft so schwer macht.

Aber mit den Artikeln dieser schon 1997 verstorbenen, großartigen Kolumnistin ist es alles wirklich nur noch halb so schlimm.

Mal sehen, ob ich noch mehr von ihren Büchern auftreiben kann.

Buchbeschreibung:

"Wenn Heilwig von der Mehden Anlässe zum Verdruß behandelt, spürt man sofort die Wirkung ihrer wohltuenden 'Medizin', einer klug dosierten, fein abgestimmten Mischung von Schafsinn, Humor und Lebensklugheit, dargeboten in dem funkelnden Gefäß einer brillanten Sprache.

Wenn man will, kann man sich ja ununterbrochen ärgern. Es soll sogar Menschen geben, die ihren 'Frust tragen' wie andere einen schicken Blouson. Aber vergnüglich ist das nicht. Heilwig von der Mehden weiß ein einfaches Rezept, mit Mißhelligkeiten fertig zu werden: 'Unsere Großmutter kannte das schon: Halb so schlimm, sagte sie lächelnd, wenn wir sie als Kinder mit unseren kleinen Katastrophen vertraut machten. Und so war es denn auch meistens, hinterher betrachtet. Wenn wir das doch schon vorher gewußt hätten!'

Daß diese Regel auch für Erwachsene gilt, hat Heilwig von der Mehden, die beliebte 'Brigtte'-Kolumnistin, in vielen ihrer Geschichten humorvoll und spritzig nachgewiesen, so auch in diesem Band."

Montag, 14. September 2026

Némirovsky, Irène "Die Familie Hardelot"

Némirovsky, Irène "Die Familie Hardelot" (Französisch: Les Biens de ce monde) - All Our Wordly Goods - 1941

Ich hatte bereits zwei Bücher von Irène Némirovsky gelesen ("Suite française" und "La Proie"), die mir beide gut gefallen haben. Daher war ich auf dieses Werk gespannt.

Und ich wurde nicht enttäuscht. "Die Familie Hardelot" war sogar noch besser als die beiden anderen – wahrscheinlich, weil sie es noch vollenden konnte bevor man sie umbrachte.

Die Geschichte beginnt im Ersten Weltkrieg und reicht bis ins Jahr 1940. Wir erleben zwei Kriege mit – oder zumindest den Beginn des zweiten. Doch wir sehen das Geschehen aus der Perspektive der einfachen Bevölkerung, nicht aus der der Soldaten. Zwar werden die Männer an die Front geschickt, doch ihre Geschichten stehen nicht im Mittelpunkt. Wir erleben, was die Alten, die Frauen und die Kinder durchmachen müssen.

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Die Charaktere sind allesamt sehr lebendig gezeichnet.

Buchbeschreibung:

"Satt, selbstzufrieden und in der wohligen Gewissheit, dass sich nie etwas ändern wird: Die Fabrikantenfamilie Hardelot aus der französischen Provinz wiegt sich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in trügerischem Glück. Doch innerhalb einer Generation wird ihre bürgerliche Welt für immer hinweggefegt.

Im Frühjahr 1940 beginnt Irène Némirovsky die Arbeit an einem Buch, das ganz in der Tradition des großen europäischen Familienromans steht. Über Jahre hat sie die träge Selbstzufriedenheit der bürgerlichen Kreise, in denen sie verkehrte, beobachtet. Sie hat erlebt, wie diese Familien sich in Sicherheit wiegen und sich weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Nun will Némirovsky ihnen den Spiegel vorhalten. Der Roman, der unmittelbar vor Suite française entstand, wurde erst posthum 1947 veröffentlicht und ist der illusionslose Abgesang auf ein Bürgertum, das feige vor der Wirklichkeit die Augen verschließt.

Ein großer Familienroman und zugleich ein Sittengemälde des französischen Bürgertums und seines Verfalls."

Samstag, 12. September 2026

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence"

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence" (Englisch: A Year in Provence) - 1989

Ich habe schon etliche Bücher von Menschen gelesen, die ihre Heimat (vorwiegend England) verlassen haben, um sich anderswo (hauptsächlich in Südeuropa – Frankreich, Spanien, Italien) niederzulassen.

Meine Favoriten darunter sind die "Der Olivenhain. Liebe in der Provence"-Reihe (The Olive Series) von Carol Drinkwater und "Unter den Zitronenbäumen" (Driving Over Lemons) von Chris Stewart (ehemaliger Genesis-Schlagzeuger).

Ich bin allerdings auch auf weniger gelungene Exemplare gestoßen, und mit der Zeit wiederholen sich die Inhalte ein wenig. Eine Freundin erzählte mir jedoch, sie habe alle Bücher von Peter Mayle über sein Leben in der Provence gelesen und fand sie urkomisch; also beschloss ich, es auch einmal damit zu versuchen.

Das Buch hat mir gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie die bereits erwähnten Werke. Der Autor besitzt Humor, und seine Geschichten über die französischen Nachbarn, die Handwerker und das Essen sind durchaus interessant. Wer diese Art von Büchern mag, sollte es lesen. Er hat zwar noch weitere Bücher über sein Leben in der Provence geschrieben, aber da ich schon so viele Bücher dieses Genres gelesen habe, werde ich ihn und seine Frau nicht weiter auf ihrem Weg begleiten.

Buchbeschreibung:

"Ein charmanter und humorvoller Blick auf das Leben in der Provence, als ein Brite beschließt, seinen Traum zu verwirklichen.

In Mein Jahr in der Provence erzählt Peter Mayle von seinem Abenteuer, als er beschließt, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und in die malerische Provence zu ziehen. Doch das erste Jahr in der neuen Heimat bringt so manche Herausforderung mit sich. Nicht nur die Sprache, sondern auch die französische Lebensart sorgen immer wieder für amüsante Missverständnisse und Überraschungen.

Der Duft von Lavendel und der Geschmack von gutem Wein

Mit viel Charme und Humor schildert Mayle seine Erlebnisse, die kulinarischen Genüsse und die Eigenheiten der Einheimischen. Eine wahre Geschichte, die Lust macht, die Provence mit ihren malerischen Landschaften, dem köstlichen Wein und der einzigartigen Küche selbst zu entdecken. Ein im wahrsten Sinne des Wortes köstliches Buch, durchzogen vom Duft von Jasmin und Lavendel, von Olivenöl, Knoblauch und gutem Wein. Ein unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Auswanderers, der seinen Traum lebt."

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana"

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana: Das Leben bietet dir tausend Chancen ... - Du mußt sie nur wahrnehmen" auch "Das Paradies heißt Bramasole. Eine Liebeserklärung an die Toskana" (Englisch: Under the Tuscan Sun) - 1996

Ich habe ähnliche Bücher von Menschen gelesen und genossen, die ihre (meist europäische) Heimat verließen, um sich im Süden niederzulassen. Selten hatte ich das Gefühl, dass die Person auf die Menschen in ihrer neuen Heimat herabblickte. Dieses Gefühl hatte ich hier. Es gefiel mir überhaupt nicht und ich habe es deshalb nicht zu Ende gelesen – und das kommt sehr selten vor.

Der Roman "Swan" der Autorin hat mir allerdings gut gefallen. Er wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Es ist Liebe auf den ersten Blick, als die amerikanische Reiseschriftstellerin Frances Mayes und ihr Lebensgefährte Ed im Sommer 1990 Bramasole besichtigen, ein kleines Haus in den Hügeln nahe der Etruskerstadt Cortona. Doch von einer toskanischen Idylle sind die beiden noch weit entfernt: Bis das Geld zusammengekratzt, die ersten Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie gemacht und einige Handwerker als Schlitzohren enttarnt sind, vergehen Wochen. Doch die Mühen lohnen sich: Irgendwann können sich die beiden den angenehmeren Seiten des Lebens zuwenden. Für die leidenschaftliche Köchin Frances ist das vor allem die toskanische Küche, aber es bleibt auch immer genügend Zeit für kleine Ausflüge in die Umgebung, in der es so vieles zu entdecken gibt: romantische Straßen, liebliche Landschaften, alte Städte, herrliche Märkte und, nicht zu vergessen, die Italiener selbst mit all ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme. Das erste Essen an einem langen Tisch im Garten, die erste Flasche Öl von den eigenen Olivenbäumen, das erste italienische Weihnachten. Mit ihren Schilderungen und ihren Rezepten nimmt Frances Mayes den Leser mit auf eine Reise durch ihr toskanisches Jahr, und in einem wird er ihr mit Sicherheit zustimmen: Das Paradies liegt in Bramasole."

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain"

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain. Liebe in der Provence" (Englisch: The Olive Series) - 2001

Ich habe nur die ersten drei Bände der Reihe gelesen, aber sie haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht bin ich zufällig auf den ersten gestoßen, weil mir die Autorin bekannt vorkam. Ja, sie ist Helen Herriot, James Herriots Frau in der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (All Creatures Great and Small). Sie hat ein arbeitsreiches Leben als Schauspielerin, aber das schien ihr nicht genug zu sein. Sie heiratete Michel, einen französischen Fernsehproduzenten, und gemeinsam kauften sie eine Olivenfarm in der Provence. Viele Nordeuropäer und US-Amerikaner haben das schon getan und darüber geschrieben. Besonders gut gefiel mir Chris Stewarts Geschichte "Unter den Zitronenbäumen" (Driving over Lemons), aber Helen Stevensons "Instruction for Vistors" oder Frances Mayes' "Unter der Sonne der Toskana" (Under the Tuscan Sun) haben mich nicht so sehr beeindruckt.

Dies ist jedoch eine wunderschöne Geschichte, in der Carol Drinkwater über ihre Liebe zu ihrem Mann und ihre gemeinsame Liebe zur Olivenfarm spricht, über die Arbeit, die ein solches Abenteuer mit sich bringt, und über die Vorteile. Sie beschreibt wunderbar sowohl die Landschaft und ihre Menschen als auch die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es überrascht mich nicht, dass sie inzwischen sieben Bände der Reihe veröffentlicht hat. Die Lektüre ihres Buches kommt mir vor wie ein Urlaub in Südfrankreich. Ich fand es toll.

Buchbeschreibung:

"Carol Drinkwater erzählt uns von den zwei großen Leidenschaften ihres Lebens: Von Michel, dem französischen Filmproduzenten, und von 'Apassionata', einer verlassenen Olivenfarm, in die sich Carol und Michel unter dem weiten Himmel Frankreichs verlieben."

Hier sind die Titel der englischen Serie, von denen leider nur dieses übersetzt wurde:
The Olive Farm: A Memoir of Life, Love and Olive Oil in the South of France - 2001
The Olive Season: Amour, a New Life and Olives Too - 2003
The Olive Harvest: A Memoir of Love, Life and Olives in the South of France - 2004
The Illustrated Olive Farm - 2005
The Olive Route: A Personal Journey to the Heart of the Mediterranean - 2007
The Olive Tree: A Personal Journey Through Mediterranean Olive Groves - 2008
Return To the Olive Farm - 2010

Freitag, 11. September 2026

Donaldson, Julia "Der Grüffelo"

Donaldson, Julia "Der Grüffelo" (Englisch: The Gruffalo) - 1999

Ein fröhliches Buch. Ein lustiges Buch. Ein Buch über ein Tier, das gar nicht existiert – und das deshalb zwar schreckliche Krallen und ein schreckliches Maul haben mag, einem aber keine Angst einjagen kann, weil es eben ... nicht existiert.

Bei uns zu Hause war dieses Buch ein absoluter Liebling, als die Jungs noch klein waren. Es erinnert an ein Märchen, ist aber eine moderne Bilderbuchgeschichte. Wunderschöne Illustrationen, eine lustige und doch einfache Geschichte; nicht ganz so kurz wie manche anderen Pappbilderbücher – schon ein Buch für "große Kinder", aber bei Kindern jeden Alters gleichermaßen beliebt. Es ist in Reimen verfasst, sodass man den Rhythmus fast mitsingen kann; vor allem aber kann man herrlich mitknurren und -tönen und all die Tiergeräusche aus dem Wald nachahmen.

Einfach bezaubernd.

Buchbeschreibung:

"Die kleine Maus überlistet den großen Grüffelo überlistet. Der große Wald ist voller Gefahren. Da ist es gut, wenn man einen starken Freund hat. Und wenn man keinen hat, muss man einen erfinden. Die kleine Maus droht jedem, der sie fressen will, mit dem schrecklichen Grüffelo. Dabei gibt's Grüffelos gar nicht. Doch dann taucht er plötzlich wirklich auf, und sein Lieblingsschmaus ist Butterbrot mit kleiner Maus. Aber was eine clevere Maus ist, die lehrt auch einen Grüffelo das Fürchten."

Ich habe gesehen, dass es auch eine schottische Ausgabe gibt. Das dürfte lustig sein.

Donnerstag, 10. September 2026

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise"

Kross, Jaan " Professor Martens Abreise" (Estnisch: Professor Martensi ärasõit) - Professor Martens' Departure - 1984

Ich hatte mir vorgenommen, für mein Projekt "Die Welt durch Bücher bereisen" (Travel the World Through Books) ein Buch über Estland zu lesen.

Dabei stieß ich auf ein Buch über Estland, das die Geschichte anhand des Lebens von Friedrich Fromhold Martens erzählt – einem estnischen Diplomaten im Dienste des russischen Zaren. Es steckt voller Geschichte. Professor Martens verfasste zahlreiche Werke zum Völkerrecht und war maßgeblich an der Etablierung dessen beteiligt, was wir heute als Völkerrecht bezeichnen. Er gehörte zu den Politikern, die nach dem Ende des Russisch-Japanischen Krieges verhandelten; es kursierte sogar die (falsche) Meldung, er habe den Friedensnobelpreis erhalten – eine Auszeichnung, die er zweifellos verdient hätte. Dennoch wurde er mit diversen anderen Preisen und Ehrentiteln geehrt. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählt die Gründung des Weltgerichtshofs in Den Haag.

Obwohl das Werk als Roman deklariert ist, liest es sich wie eine Biografie – und es ist wahrscheinlich historisch akkurater als viele Bücher, die diesen Anspruch tatsächlich erheben. Schon nach kurzer Lektüre verspürt man den Wunsch, mehr über diese Persönlichkeit zu erfahren und zu wissen, ob er tatsächlich so war, wie er im Buch geschildert wird. Das Internet ist voll von Artikeln über ihn. Auch das Buch selbst ist reich an Details und erzählt die faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes aus einer Region, über die wir noch immer viel zu wenig wissen.

Buchbeschreibung:

"Estland zu Beginn dieses Jahrhunderts: Professor Martens fährt nach Petersburg. Unterwegs läßt er noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen. Es ist, von außen gesehen, eine steile Karriere, vom Sohn eines Flickschneiders zum international angesehenen Diplomaten. Doch als er auf den inneren Konflikt zwischen politischem Opportunismus und persönlicher Integrität stößt, weicht sein Stolz der Todesangst. In diesem historischen Roman voller politischer Brisanz stellt Jaan Kross die Frage nach der Mittäterschaft unter einem autoritären Regime."

Mittwoch, 9. September 2026

Boom, Corrie ten "Die Zuflucht

Boom, Corrie ten with Sherrill, John and Elizabeth "Die Zuflucht: Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945" (Niederländisch: De Schuilplaats) - The Hiding Place. The Triumphant Story of Corrie Ten Boom - 1972

Wenn ihr Anne Franks "Tagebuch" gelesen haben, solltet ihr auch dieses Buch lesen. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschen wie die Familie Frank versteckte, und schildert, was ihnen widerfuhr.

Wie jemand diese Gräueltaten mitansehen kann – sei es aufseiten des Feindes oder im eigenen Volk – und dabei dennoch so positiv bleibt und an einen Sinn hinter all dem glaubt ... das ist für mich unfassbar. Ich bin dankbar, dass es solche Menschen gibt, und hoffe, dass ich genauso reagieren würde, wenn ich vor dieser Entscheidung stünde.

Die Familie ten Boom gehörte jedenfalls zum niederländischen Widerstand. Sie versteckten jeden, der Hilfe brauchte – vor allem Juden – und verhalfen ihnen zur Flucht aus dem Land.

Besonders gut gefiel mir der Vater, der seiner Familie ein echtes Vorbild war. Hier ist ein Zitat, das dies wunderbar veranschaulicht:
"Vater hielt das Baby fest an sich; sein weißer Bart streifte dessen Wange, während er in das kleine Gesicht blickte – mit Augen, die so blau und unschuldig waren wie die des Kindes selbst. Schließlich sah er zu dem Pastor auf.'‚Sie sagen, wir könnten für dieses Kind unser Leben verlieren. Ich würde das als die größte Ehre betrachten, die meiner Familie zuteilwerden könnte.'"

Ein weiteres Zitat, auf das ich eingehen möchte:
"Seltsamerweise fiel es den Menschen nicht am schwersten, den Deutschen oder Japanern zu verzeihen; vielmehr waren es die eigenen Landsleute, die sich auf die Seite des Feindes geschlagen hatten."
Das kann ich gut verstehen. Viele Deutsche oder Japaner hatten keine Wahl, doch diese Leute hatten ihre eigenen Landsleute verraten. Allerdings muss ich – nachdem fast zwanzig Jahre in den Niederlanden lebe – widersprechen, dass man den Deutschen so bereitwillig verzieh; es gibt hier viele Menschen, die es bis heute nicht vergessen haben.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Versteck errichteten und wie es ihnen gelang, ein zusätzliches Zimmer in das Haus einzubauen, ohne dass es jemand bemerkte.

Zugegeben, das Buch ist stark religiös geprägt; Corrie ten Boom und ihre Familie waren Kalvinisten und gehörten der Niederländisch-Reformierten Kirche an, die sehr streng und konservativ war. Doch genau das war ein Beweggrund für ihr Handeln. Auf jeden Fall ist das Buch absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Corrie ten Boom, die niederländische Autorin wurde vor allem mit ihrem Buch 'Die Zuflucht' berühmt, in dem sie erzählt, wie ihre Familie während des Dritten Reichs Juden in ihrem Haus versteckte und dabei schwere Opfer bringen mußte. In ihren Werken spiegeln sich die ungewöhnliche Tiefe und Kraft ihres Glaubens und ihre warmherzige Art auf bewegende Weise wider.

Der internationale Bestseller berichtet über die entscheidenden Jahre im Leben Corrie ten Booms. Mit ihrer ganze Familie bietet sie Verfolgten Schutz und wird selbst zu einer Verfolgten: 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen.

Trotz alldem wird sie eine Botschafterin des Themas "Vergebung" und predigt nach dem Krieg in über 60 Ländern.
"

Dienstag, 8. September 2026

McBratney, Sam "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?"

McBratney, Sam "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?" (Englisch: Guess How Much I Love You) - 1994

Noch ein wunderschönes Buch, das man gemeinsam mit den Kleinen genießen kann – und das für sie genauso reizvoll ist wie für uns. Eine herrliche Gute-Nacht-Geschichte, die zum Mitmachen einlädt: Das Kind kann in die Rolle des kleinen Hasen schlüpfen, der den großen Hasen bis zum Mond und wieder zurück liebt.

Und wir können dieses Buch ebenfalls bis zum Mond und darüber hinaus lieben. Die Illustrationen sind wunderschön, die Sprache ist einfach, aber fesselnd. Einfach perfekt.

Buchbeschreibung:

"Der kleine Hase hat den großen Hasen lieb. Wie lieb? Sooo lieb hat er ihn und breitet die Ärmchen aus. Aber die Arme des großen Hasen reichen weiter. Manchmal, wenn man jemanden sehr, sehr gern hat, sucht man nach Worten, die dieses überwältigende Gefühl beschreiben können. Der kleine und der große Hase machen es vor, wie das gehen kann.

Ein zeitlos schönes Bilderbuch."

Montag, 7. September 2026

Williams, Tennessee "Endstation Sehnsucht"

Williams, Tennessee "Endstation Sehnsucht" (Englisch: A Streetcar Named Desire) - 1947

Normalerweise lese ich nicht gerne Theaterstücke. Doch dies ist eine großartige Geschichte, die sich gar nicht wie ein Theaterstück liest; der Schreibstil ist so lebendig, dass man keine Schauspieler braucht, um das Geschehen vor Augen zu haben. Man kann sich die Figuren, die Schauplätze und die Handlung bildlich vorstellen. Eine tragische Geschichte, die uns mit den Menschen mitfühlen lässt – mit allen von ihnen.

Ein brillantes Buch.

Buchbeschreibung:

"Endstation Sehnsucht erzählt die Geschichte von Blanche Dubois, einer Lehrerin aus den Südstaaten. Blanche erlebt die Auflösung ihrer Familie, einer nach dem anderen stirbt, sie muß zusehen, wie der einstmals stolze Besitz, das Herrenhaus 'Belle Reve', zwangsversteigert wird.

Die einzige Zuflucht, die ihr bleibt, ist ihre Schwester Stella, die in New Orleans lebt, mit einem Mann verheiratet ist, der nach Blanches Meinung weit unter ihrem sozialen Status steht. Blanche versucht, sich im Hause ihrer Schwester einzuleben, doch ihre Unfähigkeit, die Wirklichkeit zu akzeptieren, das dadurch verstärkt auftretende Mißverhältnis zwischen tatsächlicher und erträumter Realität führt zur Katastrophe.

Endstation Sehnsucht wurde 1947 in New York uraufgeführt. Tennessee Williams erhielt dafür den Pulitzer-Preis. Mit Marion Brando in der Rolle des Stanley Kowalski wurde es in Hollywood verfilmt."

Tennessee Williams erhielt 1948 den Pulitzer Prize für "A Streetcar Named Desire".

Samstag, 5. September 2026

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn"

Smith, Betty "Ein Baum wächst in Brooklyn" (Englisch: A Tree Grows in Brooklyn) - 1943

Viele meiner Freunde haben mir von diesem Buch erzählt, und es stand schon ewig auf meiner Wunschliste. Endlich bin ich dazu gekommen, es zu lesen – und ich bin froh darüber. Ein junges Mädchen, das in Armut aufwächst, liebt das Lesen. Das hätte auch meine Geschichte sein können, auch wenn wir nie so arm waren wie die Familie Nolan. Wahrscheinlich lag das daran, dass mein Vater nicht trank und seinen Lohn aus seiner Arbeit nach Hause brachte. Aber ich kann mich sehr gut in Francie hineinversetzen: wie sie die Liebe zu Büchern entdeckte und wie diese manchmal zu ihren einzigen Freunden wurden. Bücher sind immer für einen da.

Ich konnte auch Francies Mutter Katie verstehen und nachvollziehen, wie sie versuchte, jeden Cent zu sparen, um Essen auf den Tisch zu bringen. Das muss unglaublich schwer für sie gewesen sein.

Francie lebte vor hundert Jahren, doch ihre Botschaft lebt weiter und ist heute noch genauso gültig wie damals: Mit Bildung können wir uns aus dem tiefsten Loch befreien.

Das Buch ist hervorragend geschrieben – aus der Sicht eines heranwachsenden Mädchens, aber mit einer sehr reifen, erwachsenen Sichtweise. Es regt dazu an, über das Leben und seinen Sinn nachzudenken.

Auf jeden Fall konnte ich mich so gut mit Francie identifizieren, dass ich dieses Buch einfach lieben musste. Ich hätte es sehr gerne schon in meiner Jugend gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die elfjährige Francie Nolan ist eine unbändige Leserin, eine Süßigkeiten-Connaisseuse, eine genaue Beobachterin der menschlichen Natur – und sie hat einen Traum: Sie möchte Schriftstellerin werden. Ein Traum, der in dem bunten, ruppigen Williamsburg von 1912 kaum zu erfüllen ist. Hier brummen die Mietshäuser vor all den Zugewanderten, jeden Tag wird von dem hart verdienten Geld das Essen zusammengeklaubt, Kinder strömen samstags durch die Straßen, um für ihren gesammelten Trödel einige Pennies für Süßes zu ergattern. Doch wenn Francie auf der Feuertreppe in der Sonne sitzt und liest, kann sie sich keinen schöneren Ort vorstellen. Und wenn sie auch gegen so manche Widrigkeit anschreiben muss, trägt sie doch eines in sich: dass es sich immer lohnt, nach dem puren Leben zu streben."

Freitag, 4. September 2026

Bandi "Denunziation"

Bandi (반디) "Denunziation" (Koreanisch: 고발/Gobal) - The Accusation: Forbidden Stories from Inside North Korea - 2014

Sieben Kurzgeschichten erzählen uns vom Leben in Nordkorea. Sieben individuelle Geschichten über sieben Menschen und ihre Familien. Wir können uns vorstellen, dass das Leben in einer derart abgeschotteten Diktatur nicht einfach sein kann; doch der Autor gewährt uns einen tiefen Einblick in das Leben von Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen. Und die Verhältnisse sind für alle schlichtweg entsetzlich.

Ein sehr beeindruckendes Buch. Ein äußerst wichtiges Buch. Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Kurzgeschichten, doch dieses Werk ist definitiv lesenswert. Sowohl der Autor als auch die Person, die die Aufzeichnungen außer Landes schmuggelte, riskierten ihr Leben, um uns diese Geschichten zugänglich zu machen – wir sollten sie nicht enttäuschen.

Buchbeschreibung:

"Bandi ist das Pseudonym des ersten literarischen Dissidenten aus Nordkorea. Sein Buch ist die Sammlung von sieben Geschichten, die in den Neunziger Jahren geschrieben wurden und erst jetzt unter riskanten Umständen aus dem Land gelangt sind. In schlichter Poesie und mit feinem Sinn für Humor erzählt der Autor von einem Leben, das vom totalitären Regime durchdrungen ist. Da ist der junge Bauer, dem die nötige Reisegenehmigung fehlt, um seine sterbende Mutter in einer nahen Provinz zu besuchen. Und die Ehe eines jungen Ingenieurs zerbricht an den vererblichen Hierarchien. Der Autor der Geschichten klagt an, macht keinen Hehl aus seiner Wut auf das Regime. Denunziation ist ein einzigartiger Blick in ein abgeschottetes Land und ein so mutiges wie beeindruckendes Stück Literatur."