Donnerstag, 21. Mai 2026

Orsenna, Erik "Die Grammatik ist ein sanftes Lied"

Orsenna, Érik "Die Grammatik ist ein sanftes Lied" (Französisch: La grammaire est une chanson douce) - Grammar Is a Sweet, Gentle Song - 2001

Ein interessantes Buch. Ein ungewöhnliches Buch. Ein Grammatikbuch. Eine Geschichte.

Eine interessante Geschichte, die Grammatik nicht nur Kindern, sondern auch Französischlernenden erklärt. Ich kann die Übersetzung nicht beurteilen, da Grammatik nicht in jeder Sprache gleich ist.

Dennoch ist es eine wunderschön geschriebene Geschichte über zwei Kinder, die ihre Muttersprache neu entdecken. Viele Wortspiele, viele Hintergrundinformationen. Mir hat das Buch gefallen und ich empfehle es jedem, der sich für Sprachen interessiert. Eine sehr kreative und fantasievolle Geschichte mit wunderschönen Illustrationen.

Ich habe das Buch im französischen Original gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die 10-jährige Französin Jeanne hat einen streitbaren Namen. Wie Jeanne d'Arc eben, oder jene Jeanne die Axt, die gegen Karl den Kühnen zu Felde zog. Und streitbar ist auch Die Grammatik ist ein sanftes Lied des französischen Autors Erik Orsenna, dessen deutsche Ausgabe von Wolf Erlbruch großartig illustriert worden ist. Um nichts weniger geht es als um die Rettung der Liebe zur Sprache und ihrer zauberhaften Gesetze. Dies begreift Jeanne, als sie bei einer Reise über den Atlantik mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Thomas auf einer Insel strandet, in der neben Menschen auch Wörter hausen. Jeanne und Thomas haben ihre Sprache verloren und müssen sie neu erlernen -- und finden auf dem Eiland überaus kompetente Lehrmeister dazu.

Die Franzosen haben seit jeher ein besonderes Verhältnis zu ihrer Muttersprache, um deren Erhalt sich der Staat in besonderem Maße gewappnet hat. So war es offenbar das besondere Ansinnen Erik Orsennas, auch kleine Französinnen und Franzosen zur nationalen Sprachliebe zu erziehen.
Die Grammatik ist ein sanftes Lied ist stark von diesem Geist geprägt. Aber Sprachliebe ist ja nicht verwerflich. Und auch jenseits didaktischer Impulse ist Orsennas Buch überaus lesenswert. Ein besonderes Lob ist dabei vor allem auch der Übersetzerin Caroline Vollmann auszusprechen, die den Text nicht nur adäquat und flüssig ins Deutsche übertragen, sondern ihn auch an die Eigenheiten der heimischen Grammatik angepasst hat. Und das ergab in manchen Passagen fast schon wieder ein neues Buch."

Mittwoch, 20. Mai 2026

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen"

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen" (Englisch: All the Light We Cannot See) - 2014

In den letzten Jahren habe ich die jeweils neuesten Pulitzerpreisträger (deutsche Beschreibungen hier) gelesen und war meist sehr angetan. Deshalb musste ich auch dieses Buch lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Anthony Doerr ist es gelungen, eine ganz besondere Kriegsgeschichte zu schreiben – eine Geschichte über die einfachen Leute auf beiden Seiten des Krieges, über diejenigen, die kaum etwas zu sagen hatten zu dem, was ihnen widerfuhr, und die den höchsten Preis zahlten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Waisenjungen und eines blinden französischen Mädchens, die beide unter den Folgen des Krieges leiden, die wahrscheinlich noch nicht einmal zur Schule gingen, als die Wahl in Deutschland über ihr Schicksal entschied, und die den höchsten Preis dafür zahlen mussten.

Die Geschichte ist fesselnd, der Schreibstil sorgfältig und zugleich wunderschön, die Charaktere werden liebevoll beschrieben. Dies ist eines jener Bücher, die man am liebsten langsam lesen möchte, weil man hofft, dass es nie endet. Denn obwohl man auf ein gutes Ende hofft, fürchtet man gleichzeitig ein schlechtes.

Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses, denn sie könnten den Menschen von heute vermitteln, wie es gewesen sein mag, damals in Deutschland zu leben, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass selbst diejenigen, die es waren, oft keine Wahl hatten.

Ein brillantes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.

Buchbeschreibung:

"Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am 'Muséum National d’Histoire Naturelle' arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell der Hauptstadt, das er in Saint-Malo gebaut hat, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen."

Anthony Doerr erhielt 2016 den Pulitzer-Preis für "All the Light We Cannot See".

Es wurden auch einige Bücher erwähnt/gelesen.

Darwin, Charles "The Voyage of the 'Beagle'" - Die Fahrt der 'Beagle'
Hertz, Heinrich "The Principles of Mechanics" - Die Prinzipien der Mechanik
Verne, Jules "Around the World in Eighty Days" - Reise um die Welt in 80 Tagen
Verne, Jules "Twenty Thousand Leagues Under the Sea" - 20.000 Meilen under dem Meer

Montag, 18. Mai 2026

Grann, David "Der Untergang der Wager"

Grann, David "Der Untergang der "Wager: Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei" (Englisch: The Wager: A Tale of Shipwreck, Mutiny and Murder) - 2023

Was für eine interessante Geschichte! Nicht nur wegen des Schicksals dieses Schiffes, sondern auch wegen des Lebens an Bord zu jener Zeit. Ich habe schon einige Bücher über Seereisen gelesen (z. B. Master and Commander/Kurs auf Spaniens Küste), und sie sind immer spannend. Dieses Buch handelt vom Leben auf einem Schiff während eines Krieges, von einem Schiffbruch und einer Meuterei. Das ist der Hintergrund vieler Romane aus dieser Zeit, in denen Seeleute vorkommen. Ich denke da besonders an die Geschichten von Jane Austen, deren Brüder Seeleute waren und die in den meisten ihrer Bücher neben Geistlichen (die ihren Vater und einen Bruder repräsentierten) auch Seeleute einfließen ließ. Dieses Buch ergänzt diese Erzählungen.

Wenn ihr also mehr über das Leben auf diesen Schiffen erfahren möchtet, ist dieses Buch genau das Richtige.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht?

Buchbeschreibung:

"Im Januar 1742 wird ein windschiefes Segelboot an die Küste Brasiliens gespült. An Bord 30 Männer, die einzigen Überlebenden des königlichen Eroberungsschiffs 'The Wager', das in einem Sturm zerschellt ist. Sechs Monate später landen drei Schiffbrüchige an der Küste Chiles und behaupten, die 30 Männer seien Meuterer, die sich den königlichen Befehlen widersetzt und skrupellos gemordet hätten… Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Das soll ein britisches Kriegsgericht entscheiden. Es geht um Leben oder Tod. David Grann spinnt aus dem Archivmaterial eines historischen Kriminalfalls eine Erzählung so packend und atmosphärisch dicht wie ein Abenteuerroman erster Güte. Schuld und Unschuld, Treue und Verrat liegen eng beieinander, und am Ende kommt eine schockierende Wahrheit zutage."

Samstag, 16. Mai 2026

Whitehead, Colson "Die Nickel Boys"

Whitehead, Colson "Die Nickel Boys" (Englisch: The Nickel Boys) - 2019

Nachdem ich seinen ersten Pulitzerpreis-gekrönten Roman "The Underground Railroad" (Underground Railroad) gelesen hatte, war ich begeistert zu hören, dass Colson Whitehead diese Auszeichnung zum zweiten Mal erhalten hat. Völlig verdient, absolut verdient.

Da mir sein letztes Buch so gut gefallen hatte, wusste ich, dass ich auch dieses lesen musste. Und es hat sich absolut gelohnt. Es ist nicht einfach nur die Geschichte eines jungen schwarzen Jungen, der in den Sechzigerjahren aufwächst, oder ein Buch darüber, was mit jungen Straftätern passiert, wenn sie erwischt werden. Nein, es ist die Geschichte davon, wie man im Leben keine Chance hat, wenn man mit der "falschen" Hautfarbe geboren wird. Man wird für etwas verurteilt, das man nicht getan hat, und von da an geht es bergab. Und niemand hilft einem, wieder aufzustehen.

Ich habe viele Bücher über Rassismus (siehe meine Liste "Anti-Racism") und Vorurteile gelesen, und oft kann man nachempfinden, was die Verurteilten erleiden. Aber Colin Whitehead hat es viel deutlicher gemacht, fast so, als wäre man selbst in Elwood Curtis' Lage. Die Details sind so gut geschrieben, dass man sich mit dem Protagonisten verbunden fühlt.

Die Jury nannte den Roman "eine schlichte und erschütternde Auseinandersetzung mit dem Missbrauch in einer Besserungsanstalt im Florida der Jim-Crow-Ära, die letztlich eine kraftvolle Geschichte von menschlicher Beharrlichkeit, Würde und Erlösung erzählt." (übersetzt von: a spare and devastating exploration of abuse at a reform school in Jim Crow-era Florida that is ultimately a powerful tale of human perseverance, dignity and redemption) Treffend formuliert, sehr präzise. Ein so schmerzhafter Bericht über das Leben, das so viele Menschen noch immer ertragen müssen.

Eine tiefgründige Geschichte, die jeden Leser nicht loslässt.

Colson Whitehead erhielt 2020 den Pulitzer-Preis für "The Nickel Boys". Er ist einer von nur vier Preisträgern, denen diese Auszeichnung zweimal verliehen wurde.

Buchbeschreibung:

"Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im Schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit."

Whitehead, Colson "Underground Railroad"

Whitehead, Colson "Underground Railroad" (Englisch: The Underground Railroad) - 2016

Ich habe schon einige Bücher über die Underground Railroad, das Leben von Sklaven und ihren Besitzern gelesen, aber keines hat das Leben einer Flüchtling so eindrücklich geschildert wie dieses.

Mir haben alle Pulitzerpreisträger der letzten Jahre gefallen, und dieses Buch bildet da keine Ausnahme. Eine großartige Geschichte – Cora, eine Sklavin, versucht, ihrem gewalttätigen "Herrn" zu entkommen. Die Beschreibungen aller Beteiligten sind brillant: der Sklaven, ihrer Helfer, der einfachen Menschen, die es einfach nicht richtig finden, andere Menschen zu besitzen – und ihrer Feinde: der Sklavenhalter, der Sklavenfänger und all jener, die sich aufgrund ihrer helleren Hautfarbe für etwas Besseres halten. Was kann einen denn schon dazu bringen, zu glauben, die Hautfarbe sage etwas über einen aus, außer dass man  viel leichter einen Sonnenbrand bekommt je heller die Haut ist?

Aber zurück zum Buch. Die Geschichte wird aus vielen Perspektiven erzählt, wir lernen sogar die Gegenspieler recht gut kennen, was sie uns aber nicht unbedingt sympathischer macht. Keine der Erzählungen ist in der Ich-Perspektive verfasst. So identifizieren wir uns mit keiner der Figuren, wie es vielleicht der Fall gewesen wäre, wenn die Geschichte so geschrieben worden wäre. Trotzdem konnte ich mich viel besser mit Cora und den anderen Sklaven und Opfern identifizieren als mit der Gegenseite. Ich stehe immer auf der Seite der Schwächeren.

Vor der Lektüre dieses Buches hatte ich die Underground Railroad nie wirklich als unterirdische Eisenbahn betrachtet, buchstäblich unter der Erde. Aber es bildet einen schönen Hintergrund für die Geschichte.

Auf jeden Fall ein brillantes Buch. Ich würde gerne mehr von diesem großartigen Autor lesen.

Buchbeschreibung:

"Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben und Kopfgeldjägern, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit?

Underground Railroad ist ein Manifest über die Menschlichkeit und zugleich eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, in Amerika schwarz zu sein.

Ausgezeichnet mit dem National Book Award und Pulitzer Prize und ein Jahr ununterbrochen auf der New York Times-Bestsellerliste."

Colson Whitehead erhielt den Pulitzer Preis for "Underground Railroad" in 2017.

Freitag, 15. Mai 2026

Eliade, Mircea "Hochzeit im Himmel"

Eliade, Mircea "Hochzeit im Himmel" (Rumänisch: Nuntă în cer) - Marriage in Heaven - 1938

Ein interessanter Roman. Ziemlich philosophisch. Zwei Männer erinnern sich an ihr Leben und ihre Begegnung mit einer besonderen Frau. Beide haben unterschiedliche Fantasien und Ansichten, aber beide haben kein Glück in der Liebe und öffnen einander ihr Herz. Ob so ein Gespräch im wirklichen Leben stattfinden könnte, weiß ich nicht. Vielleicht zwischen zwei Fremden, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Jedenfalls war es sehr interessant, den beiden Männern und ihrer Sicht auf Beziehungen zuzuhören. Es lohnt sich unbedingt, dies zu lesen. Ich war absolut begeistert.

Der Autor war ein rumänischer Religionshistoriker, Philosoph und Schriftsteller. Sein Hintergrund hat sein Schreiben sicherlich beeinflusst.

Buchbeschreibung:

"'Hochzeit im Himmel' ist ein Roman des rumänischen Schriftstellers Mircea Eliade aus dem Jahr 1938. Er besteht aus dem Briefwechsel zweier unglücklicher Männer: dem einen, dessen Geliebte sich Kinder wünschte, er aber nicht, und dem anderen, der von einer Frau verlassen wurde, die keine Kinder wollte, er aber schon."

Donnerstag, 14. Mai 2026

Butler, Octavia E. "Verbunden"

Butler, Octavia E. "Verbunden" oder "Vom gleichen Blut" (Englisch: Kindred) - 1979

Ich bin kein Fan von pseudowissenschaftlichem Hokuspokus. Ich glaube nicht an Zeitreisen, egal wie Autoren sie gerne erklären und in ihre Geschichten einweben.

Mir gefiel jedoch der Teil, in dem Dana, die Hauptfigur, in die Zeit vor dem Bürgerkrieg zurückreist. Die Beschreibung dieser Zeit fand ich gelungen. Hätte sich Octavia E. Butler auf diese Zeit beschränkt, wäre es ein brillantes Buch geworden. Sie versteht es zu schreiben, sie versteht es, eine Geschichte zu erzählen – darauf hätte sie sich konzentrieren sollen.

Buchbeschreibung:

"USA, 1976. Die junge Schwarze Schriftstellerin Dana zieht mit ihrem weißen Ehemann Kevin in eine neue Wohnung. Doch schon beim Einzug wird sie urplötzlich und gegen ihren Willen ins Jahr 1815 versetzt – auf eine Plantage in den US-amerikanischen Südstaaten. Dort rettet sie Rufus, dem Sohn des Sklavenhalters, das Leben. Rufus hat die Fähigkeit, sie durch Raum und Zeit herbeizurufen, wenn er in Gefahr ist. Dana muss das Trauma ihrer Vorfahren durchleben – und um ihre Freiheit in Vergangenheit und Gegenwart kämpfen."

Mittwoch, 13. Mai 2026

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt"

Orth, Stephan; Blinda, Antje "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt - Kurioses aus dem Cockpit" [Sorry, we missed the runway - Curious things from the cockpit] - 2010 

Ich bin ja ein großer Stephan Orth-Fan. Leider hat er schon eine Weile kein neues Buch mehr geschrieben, aber vor kurzem fand ich diese Zusammenstellung, die er mit der Journalistin Antje Blinda gemacht hat, bevor er auf seine Couchsurfing-Reisen ging.

Also dachte ich, das muss es mal tun für den Moment.

Und das tat es auch. Der Spiegel hatte seine Leser aufgefordert, besonders lustige Ereignisse bekanntzugeben, die sie auf ihren Flügen erlebt haben. Und die beiden Journalisten haben das zusammengestellt und ihren Kommentar dazu abgegeben, der zum einen genauso lustig ist und zum anderen Informationen über Flüge und den Flugverkehr gibt.

Lustig und unterhaltsam.

Buchbeschreibung:

"Die schönste Zeit des Jahres kann im Handumdrehen zum Fiasko werden.

Angefangen mit 'Sie brauchen nicht nervös zu sein, der Kapitän ist es auch nicht - und er macht den Anflug zum ersten Mal!', treibt solch eine Durchsage aus dem Cockpit selbst erfahrenen Passagieren die Schweißperlen auf die Stirn.

Die SPIEGEL ONLINE Redaktion hat ihre Leser aufgefordert, Anekdotenund verrückte Erlebnisse aus der Flugzeugkabine und dem Urlaub einzusenden. Herausgekommen ist dieser Bestseller.

Vergessene Triebwerke, Piloten ohne Orientierung, Kühe auf der Landebahn: So manche Durchsage an Bord eines Flugzeugs treibt selbst erfahrenen Passagieren die Schweißperlen auf die Stirn. Hunderte von Lesern haben ihre Erlebnisse aus dem Cockpit an Spiegel Online geschickt die besten und lustigsten Zitate und Anekdoten sind in diesem Buch versammelt. Also schnallen Sie sich an, klappen Sie die Tische hoch, und stellen Sie die Sitzlehnen aufrecht. "

Dienstag, 12. Mai 2026

Matheson, Richard "Ich bin Legende"

Matheson, Richard "Ich bin Legende" (auch: Ich, der letzte Mensch) (Englisch: I am Legend) - 1954

Meine Freunde werden staunen, dass ich dieses Buch überhaupt angefangen habe. Ja, ich habe es gelesen. Und ja, ich habe es auch beendet. Es war für einen Online-Lesekreis, und ich hätte es mir selbst nie ausgesucht, wenn ich die Beschreibung gelesen hätte – und das mache ich eigentlich immer.

Ich habe dieses Buch allerdings nicht selbst ausgewählt. Es ist nicht mein Thema; ich glaube nicht an Zombies, Vampire, Zeitreisen oder irgendetwas, das die Wissenschaft nicht erklären kann. Mir gefiel aber, dass der Autor versucht hat, diese Vampire biologisch zu erklären, zu einer Zeit, als man noch nicht wusste, was Vampire sind und wie diese Geschichten entstanden sind. Heute wissen wir es, und auch wenn sie keine Bakterien sind, wie Richard Matheson behauptete, hat er zumindest versucht, eine Erklärung zu finden.

I was not too impressed with the story, I couldn't be with a story like this. But the book is not too bad. If you like these kind of narrations, I think you will like it.

Die Geschichte selbst hat mich nicht sonderlich beeindruckt, sie hätte mich auch nicht begeistern können. Aber das Buch ist gar nicht so schlecht. Wenn man solche Erzählweisen mag, wird es einem wahrscheinlich gefallen.

Buchbeschreibung:

"Robert Neville lebt als letzter Mensch auf Erden in einer Welt von Vampiren. Nachts verbarrikadiert er sich in seinem zu einer Festung ausgebauten Haus, tagsüber durchstreift er das Land der Toten auf der Suche nach Nahrung und Waffen. Experimente an gefangenen Vampiren halten ihn davon ab, wahnsinnig zu werden. Doch die Vampire können warten …"

Montag, 11. Mai 2026

McEwan, Ian "Lektionen"

McEwan, Ian "Lektionen" (Englisch: Lessons) - 2022

Dies ist mein zweites Buch, das ich von Ian McEwan angefangen habe. Das erste habe ich zwar zu Ende gelesen, aber es hat mir überhaupt nicht gefallen. Dieses habe ich nach einem Drittel (150 Seiten) aufgehört, es war einfach zu langweilig, aufgeblasen, ausschweifend, langatmig, ich finde einfach nicht das richtige Wort, um auszudrücken, wie mich das Buch angeödet hat.

An und für sich hätte das ein gutes Buch werden können. Aber der Autor schafft es einfach nicht, den Leser mitzureißen. Der Schreibstil ist total steif, die ganze Art total fade und veraltet. Das Leben des Protagonisten nicht nur langweilig, man möchte ihn schütteln. Das ewig Opfer, was haben andere mir immer angetan …

Und dies soll sein Meisterwerk sein?

Dies wird auf jeden Fall mein letzes Buch von Ian McEwan sein. Ganz egal, was andere mir erzählen, ich fasse keins mehr an. Es gibt so viele gute Bücher und hervorrangede Schriftsteller.

Buchbeschreibung:

"Roland Baines ist noch ein Kind, als er 1958 im Internat der Person begegnet, die sein Leben aus der Bahn werfen wird: der Klavierlehrerin Miriam Cornell. Roland ist junger Vater, als seine deutsche Frau Alissa ihn und das vier Monate alte Baby verlässt. Es ist das Jahr 1986. Während die Welt sich wegen Tschernobyl sorgt, beginnt Roland, nach Antworten zu suchen, zu seiner Herkunft, seinem rastlosen Leben und all dem, was Alissa von ihm fortgetrieben hat."

Samstag, 9. Mai 2026

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch"

Štimec, Spomenka "Kroatisches Kriegsnachtbuch" (Esperanto: Kroata Milita Noktlibro) - Croatian War Nocturnal - 1993

Dies ist nicht einfach nur das Tagebuch eines Mädchens, das in Esperanto über ihr Leben während der Balkankriege, ihr eigenes Leben und das ihrer Familie und Freunde und oft auch über deren Tod schreibt. Es ist ein Einblick in das Leben in Kriegszeiten. Bruchstücke aus dem Leben vieler Betroffener ergeben zusammen ein großes Bild.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil es in Esperanto geschrieben ist, aber es gibt mehrere Übersetzungen, unter anderem ins Englische. Der Titel ist ein Wortspiel. "Taglibro" ist das Esperanto-Wort für Tagebuch (wie in vielen anderen Sprachen), aber da sie es hauptsächlich nachts schrieb, nennt sie es ihr Nachtbuch. Sie musste es im Badezimmer tippen, weil es der einzige Raum im Haus ohne Fenster war, in dem sie nachts Licht hatte – wenn sie denn welches hatten.

Ich bezweifle, dass dieses Buch in einer normalen Buchhandlung erhältlich ist, aber wenn ihr es findet, ist es absolut lesenswert. * Es ist eine Geschichte darüber, wie Liebe von einer Minute auf die andere in Hass umschlagen kann, wie einem quasi ein Feind "zugesteckt" wird. Nachbarn und Freunde wenden sich plötzlich gegeneinander, nur weil man nicht derselben Gruppe angehört. Was für ein Albtraum! Und wisst ihr was? Ich sehe das ständig und ich befürchte, wenn jemand die Chance dazu bekommt, wird er es den Politikern im ehemaligen Jugoslawien gleichtun und einen Bürgerkrieg oder gar einen noch größeren anzetteln. Wir müssen alle zusammenhalten, denn letztendlich sind wir alle gleich. Niemand von uns ist besser oder schlechter als ein anderer, nur weil er woanders herkommt.

Ich hoffe daher, dass sich alle die Worte einer der Witwen in dieser Geschichte zu Herzen nehmen, deren Rede bei der Beerdigung ihres Mannes auf der Rückseite abgedruckt ist:

"Freunde, Verwandte, Nachbarn, Kollegen – jetzt ist es an der Zeit, den Hass zu beenden. Es spielt keine Rolle, wer angefangen hat und wie oft. Ich hege keinen Groll gegen irgendjemanden, weil mein Mann getötet wurde. Aber haltet inne! Um des Andenkens an meinen Mann willen bitte ich euch: Vergebt und vergesst alle offenen Rechnungen! Lasst uns nach vorn blicken. Lasst nicht zu, dass unsere Kinder und Enkelkinder sich jemals wieder bekämpfen. Ob das geschieht, liegt an uns. Lasst uns tun, was in unserer Macht steht. Lasst uns der Anfang des Friedens sein, von dem alle sprechen."

Bücher, die sie erwähnt:
Krleža, Miroslav "Der Kroatische Gott Mars" (Hrvatski bog Mars) - 1922
Zamenhof, Ludwig L. "Nach dem großen Krieg – Appell an die Diplomaten" (Post la granda milito - Alvoko al Diplomatoj) - 1915
Auld, William "The Infant Race" [Die Kinderrasse] (La infana raso) - 1956

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Freitag, 8. Mai 2026

Rawls, Wilson "Wo der rote Farn wächst"

Rawls, Wilson "Wo der rote Farn wächst" (Englisch: Where the Red Fern Grows) - 1961

Mein jüngster Sohn las dieses Buch in der dritten Klasse und es war lange Zeit sein Lieblingsbuch.

Ich habe meinen Sohn gefragt, ob er sich erinnern könne, warum er dieses Buch so sehr liebte. Wir sind weder Amerikaner noch große Tierliebhaber, und wir lebten auch nicht am Ende der Welt. Er meinte, es sei schon lange her, dass er es gelesen habe (klar, es muss mehr als 20 Jahre her sein), und er erinnere sich nur noch daran, dass es eine nette Geschichte gewesen sei.

Ich schätze, man muss ein Junge zwischen acht und zehn Jahren sein, um diese Geschichte wirklich zu lieben. Sie war gut geschrieben, aber ich war wohl etwas zu alt dafür.

Aber sie hat es verdient, ein Klassiker der Kinderliteratur zu sein – und zwar ein Klassiker für Kinder.

In deutsch gibt es diese Geschichte leider nur in einer übersetzten Form des Films. Aber es gibt hier eine nette Zusammenstellung mit Aktivitäten für Kinder auf deutsch.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Für Fans von Old Yeller und Shiloh ist Wo der rote Farn wächst ein geliebter Klassiker, der die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Hund einfängt. Diese Sonderausgabe enthält neues Material, darunter ein Vorwort der Newbery- und Printz-Preisträgerin Clare Vanderpool, einen Brief von Wilson Rawls an angehende Schriftsteller, ein neues Cover-Artwork und vieles mehr.

Billy träumt schon lange davon, nicht nur einen, sondern zwei Hunde zu besitzen. Als er endlich genug Geld für zwei Welpen – Old Dan und Little Ann – gespart hat, ist er überglücklich. Die Zeiten sind hart, aber gemeinsam werden sie die Hügel der Ozarks durchstreifen.

Schon bald sind Billy und seine Hunde das beste Jagdteam im Tal. Geschichten von ihren Erfolgen verbreiten sich in der ganzen Region, und die Kombination aus Old Dans Kraft, Little Anns Klugheit und Billys unbändigem Willen scheint unschlagbar. Doch eine Tragödie erwartet diese entschlossenen Jäger – die inzwischen Freunde geworden sind – und Billy lernt, dass aus Verzweiflung Hoffnung erwachsen kann."

Donnerstag, 7. Mai 2026

Modiano, Patrick "Place de l'Étoile"

Modiano, Patrick "Place de l'Étoile" (Französisch: La Place de l'Étoile) - La Place de l'Étoile - 1968

Ein interessantes, gewiss herausforderndes Buch. Der Autor war noch sehr jung, erst 23 Jahre alt, als er dieses erste Buch schrieb, das ihm schließlich den Nobelpreis für Literatur einbrachte.

Patrick Modiano beginnt mit einer kleinen Geschichte, die man für einen Witz halten könnte, wäre sie nicht so traurig:
"Im Juni 1942 spricht ein deutscher Offizier einen jungen Mann an und fragt: Entschuldigen Sie, Monsieur, wo ist der Place de l’Étoile?' Der junge Mann deutet auf seine linke Brustseite. – Eine jüdische Geschichte." Der junge Mann meint damit natürlich den Davidstern, den alle Juden tragen mussten, und nicht den berühmten Platz in Paris.

Dann erzählt er weiter von seinem Protagonisten Raphaël Schlemilowitsch und dessen Überleben – oder Nicht-Überleben – im Holocaust. Ich brauchte eine Weile, um zu begreifen, worauf er hinauswollte. Er lebt das Leben vieler Menschen und beschreibt dies mit einem fast magisch realistischen, aber zweifellos ungemein sarkastischen Stil. In seinen Erzählungen begegnen wir vielen berühmten Juden und Nichtjuden, die Geschichte geschrieben haben – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.

Ich weiß nicht, ob dies das Hauptwerk ist, für das der Autor den Literaturnobelpreis erhielt, und ob es ein typischer Roman von ihm ist, aber ich würde es sicherlich nicht als leichte Lektüre bezeichnen. Wer sich jedoch für Geschichte interessiert, könnte Gefallen daran finden.

Buchbeschreibung:

"Der Held Raphaël Schlemilovitch führt viele schillernde Leben, als Kollaborationsjude«, als Geliebter von Eva Braun, als jüdischer Mädchenhändler. Er kommt mehrfach zu Tode und reist durch Zeiten und Länder. Bis er schließlich auf der Couch von Dr. Freud im Wien der sechziger Jahre erwacht.Ein so unterhaltsamer wie provokanter Parforceritt – und ein literarischer Befreiungsschlag von antisemitischen Zuschreibungen."

Patrick Modiano erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für die Kunst des Erinnerns, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt während der (deutschen) Besatzung sichtbar gemacht hat".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Honeyman, Gail "Ich, Eleanor Oliphant"

Honeyman, Gail "Ich, Eleanor Oliphant" (Englisch: Eleanor Oliphant is Completely Fine) - 2017

Den englischen Titel "Eleanor Oliphant is Completely Fine" könnte man mit "Eleanor Oliphant geht es allerbestens" übersetzen. Eleanor Oliphant geht es definitiv nicht gut und schon gar nicht bestens. Zu sagen, dass sie Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten hat, wie es in der Beschreibung heißt, ist eine gewaltige Untertreibung. Ich bin mir sicher, dass sie an einer psychischen Erkrankung leidet oder ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit verarbeitet.

Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte oder in Eleanor hineinzukommen. Ich bin sehr gesellig, umgebe mich gern mit vielen Menschen und kann mich mit jedem unterhalten, der nur ein bisschen Interesse zeigt. Ich bin mir sicher, Eleanor würde das nicht schätzen. Und ich möchte nicht aufdringlich sein, also würde ich wohl nur einen Satz mit ihr wechseln, und das war's. Tut mir leid, aber so ist es nun mal. Sie will eigentlich mit niemandem reden, oder?

Die Geschichte an sich war allerdings recht interessant, wie sie diesen Kollegen kennenlernt, der ihr hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Auch der Schreibstil war nicht schlecht. Trotzdem konnte ich mich mit der Geschichte nicht anfreunden.
Zwei Zitate, denen ich voll und ganz zustimme:

"… die Eingangstür des Krankenhauses … eine Frau im Rollstuhl – sie hatte ihren Tropf auf Rädern mitgebracht, um ihre Gesundheit zu ruinieren, während Steuergelder für ihre Genesung ausgegeben wurden."

Ich werde immer wütend, wenn ich Leute vor einem Krankenhaus rauchen sehe, besonders direkt davor, wo alle vorbeigehen müssen, Kranke, Besucher … Krankenhäuser und ihre Umgebung sollten rauchfreie Zonen sein.

und

"Sport ist mir ein Rätsel. In der Grundschule war der Sporttag der einzige Tag im Jahr, an dem die leistungsschwächeren Schüler triumphieren konnten. Sie gewannen Preise für das schnellste Sackhüpfen oder dafür, schneller von A nach B zu rennen als ihre Klassenkameraden. Wie stolz sie am nächsten Tag auf diese Abzeichen an ihren Jacken waren! Als wäre eine Silbermedaille beim Eierlauf eine Art Entschädigung dafür, dass sie nicht wussten, wie man einen Apostroph setzt."

... oder ihr Einmaleins bescherrschen oder irgendetwas tun, was sie im Leben weiterbringt!

Wir haben dies im April 2026 in unserem internationalen online Lesekreis besprochen.

Und hier die Notizen des Lesekreises::

"Unser Lesekreis hatte eine sehr positive Diskussion über das Buch. Die meisten Mitglieder bewerteten es sehr positiv, und eine der häufigsten Reaktionen war, wie sehr sich unsere Sicht auf Eleanor im Laufe der Geschichte veränderte. Anfangs mag sie steif, sozial unbeholfen, übermäßig förmlich oder emotional distanziert wirken, doch am Ende empfanden wir echte Zuneigung für sie, fieberten mit ihr mit und wünschten ihr von Herzen alles Gute.

Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um Eleanors neurodiverse Merkmale und deren Darstellung. Aufgrund der Zusammensetzung unserer Gruppe war dieser Aspekt ihres Charakters sofort erkennbar und nicht spekulativ. Ihr wörtliches Denken, ihre Gewohnheit, Routinen zu pflegen, ihre Schwierigkeiten, unausgesprochene soziale Normen zu verstehen, und ihr ungewöhnlicher Kommunikationsstil wirkten auf viele Leser authentisch. Uns interessierte vor allem, wie diese Merkmale mit Trauma, Einsamkeit und jahrelanger Isolation zusammenhingen. Der Roman wurde dafür gelobt, diese Komplexität zuzulassen, ohne sie auf ein einziges Etikett zu reduzieren.

Einsamkeit war ein weiteres zentrales Thema der Diskussion. Viele Leser empfanden das Buch als besonders eindrücklich und zeitgemäß. Eine Art Isolation: Jemand, der intelligent, berufstätig, kompetent und nach außen hin funktionsfähig ist, aber dennoch tiefgreifend von anderen Menschen abgeschnitten ist. Eleanor ist nicht im offensichtlichen Sinne von der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern scheint neben ihr zu existieren, unfähig, sich voll einzubringen. Diese subtile Darstellung von Einsamkeit fand großen Anklang in der Gruppe.

Wir sprachen auch ausführlich über Trauma, Sucht und Bewältigungsstrategien. Eleanors Alkoholkonsum wurde im Allgemeinen nicht als Leichtsinn, sondern als eine Form der Selbstmedikation und emotionalen Betäubung betrachtet. Ihre Routinen, ihre Distanzierung und ihre enge Lebensstruktur wirkten weniger wie zufällige Funktionsstörungen, sondern eher wie Überlebensstrategien, die sich im Laufe der Zeit verfestigt hatten. Mehrere Teilnehmer hoben hervor, wie realistisch der Roman zeigt, wie sich Schmerz in alltägliche Gewohnheiten einprägt.

Spoiler:

Beziehungen waren ein weiteres wichtiges Thema. Wir schätzten es, dass die Geschichte auf ein simples romantisches Rettungsmuster verzichtet. Raymond wurde besonders hervorgehoben, da seine alltägliche Freundlichkeit, Geduld und Beständigkeit Eleanor ein Vorbild für sichere menschliche Beziehungen bieten. Anstatt sie dramatisch zu 'retten', schafft er die Voraussetzungen dafür, dass sie sich langsam aus ihrer Isolation befreien und wieder am Leben teilhaben kann. Viele Leser empfanden diese zurückhaltende Darstellung von Freundschaft als eine der größten Stärken des Buches. (Dem stimme ich zu.)

Sprache und Übersetzung wurden ebenfalls zu einem besonders interessanten Teil der Diskussion. Einige Teilnehmer lasen den Roman auf Englisch, andere auf Finnisch und einer auf Russisch, was einen direkten Vergleich ermöglichte. Eleanors Charakter wird stark durch die Erzählweise geprägt: ihre formale Diktion, ihr direkter Wörtlichkeitssinn, ihre ungewöhnlichen Formulierungen und ihre emotionale Zurückhaltung. Wir erörterten, wie jede Übersetzung unweigerlich die Wahrnehmung der Leser beeinflusst. Die Darstellung der Mutter war hier besonders interessant, da sich Tonfall, Grausamkeit, Manipulation und emotionaler Druck je nach Sprache subtil verändern können.

Wir diskutierten auch die Balance zwischen Humor und Schmerz im Roman. Eleanors Stimme erzeugt oft Komik durch Präzision, Direktheit und soziale Unvereinbarkeit, doch unter diesem Humor verbirgt sich echtes emotionales Leid. Viele Leser empfanden den Kontrast im Buch als gekonnt umgesetzt, sodass Wärme und Traurigkeit nebeneinander existieren können, ohne dass eines von beiden aufgesetzt wirkt.

Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass '
Ich, Eleanor Oliphant' ein intelligenter, menschlicher und emotional einfühlsamer Roman ist. Er überzeugt nicht nur als Geschichte über Trauma und Genesung, sondern auch als Erinnerung daran, dass Menschen, die lediglich schwierig, seltsam oder distanziert erscheinen, oft viel komplexer sind, als andere ahnen. Dass wir Eleanor am Ende als eine Person ins Herz geschlossen haben, war für viele von uns das deutlichste Zeichen für den Erfolg des Buches."

Buchbeschreibung:

"Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen.

Mit ihrem Debüt 'Ich, Eleanor Oliphant' ist Gail Honeyman ein anrührender Roman mit einer unvergesslichen Hauptfigur gelungen. Ihre erfrischend schräge Sicht auf die Dinge zeigt uns, was im Leben wirklich zählt. Liebe. Hoffung. Ehrlichkeit. Und vor allen Dingen die Freundschaft. "

Dienstag, 5. Mai 2026

Stupid White Men: Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush

 Moore, Michael "Stupid White Men: Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush" (Englisch: Stupid White Men) - 2001

Ich habe dieses Buch im Jahre 2015 gelesen. Seitdem sind 10 Jahre vergangen und Michael Moore scheint noch mehr ein Hellseher zu sein, als es damals aussah.

Damals wussten wir noch nicht, dass es noch schlimmer ging. Bush sieht mittlerweile wie der freundliche Nachbar aus. Aber dies habe ich kurz nach meiner Lektüre geschrieben.

Eine meiner diesjährigen Challenges in dem Jahr lautete: "Lies ein Buch von einem Autor mit denselben Initialen wie du." Da ich dieses Buch schon seit Erscheinen lesen wollte, dachte ich, es wäre an der Zeit, es endlich anzugehen.

Michael Moore teilt nicht nur meine Initialen und die meisten meiner politischen Ansichten, sondern ist, wie ich herausfand, auch ein Eagle Scout. Genau wie meine beiden Söhne.

Nun aber zum Buch. Es war noch schlimmer als erwartet. Nicht vom Schreibstil her, sondern vom Inhalt. Manches ist so unglaublich, dass man sich fragt, warum die Leute diese Partei überhaupt noch wählen. Und noch schlimmer: Ausgerechnet diese Leute schreiben am Negativsten über andere.

Allerdings schimpft Michael Moore nicht nur über die Partei, die er nicht gewählt hat. Nein, er beschreibt auch, was die Mitglieder der Partei, die er lieber im Amt sehen würde, getan und falsch gemacht haben. Das finde ich gut. Es bedeutet, dass man nicht einfach die Gegenseite als böse darstellt, sondern das Gesamtbild betrachtet und vielleicht sogar akzeptiert, dass auch sie ab und zu etwas richtig machen. (Allerdings glaube ich kaum, dass er da im Moment etwas findet.)

Dieses Buch hat gehalten, was es versprochen hat. Es bietet einen guten Überblick über die damaligen Verhältnisse im sogenannten Land der Freiheit und nicht nur über das, was man von Freunden hört, die ihren Hass auf die jeweils andere Partei gerne im Internet zur Schau stellen.

Natürlich stammt das Buch aus dem Jahr 2001 und wurde noch vor dem 11. September veröffentlicht, war also schon damals nicht mehr ganz aktuell. Ich denke aber, dass es im Nachhinein sogar an Aktualität gewinnt, da man erkennt, dass einige seiner Befürchtungen prophetisch waren. Wir sehen, dass viele der Probleme dieser Welt ihren Ursprung in dieser Zeit haben.

Ich möchte hier keine große Diskussion anstoßen. Wenn ihr also zu meinen Freunden gehören, die Präsident Obama hassen und Präsident Bush verehrt haben, scrollt einfach darüber, so wie ich es fast täglich mit euren unzähligen Hassbeiträgen tue. Danke.

"Stupid White Men" (Dumme weiße Männer) erklärt euch alles, was ihr darüber wissen müsst, wie die Mächtigen und Guten uns ausbeuten.

Buchbeschreibung:

"Bananenrepublik USA: Im Weißen Haus sitzt ein »Präsident«, der nie gewählt wurde, und regiert mit einer Junta aus Geschäftsfreunden seines Daddys. Michael Moore, Filmemacher und Bestsellerautor, rechnet in dieser beißenden Satire gnadenlos ab mit den Stupid White Men an der Spitze der USA."

Ich weiß, dass sich die meisten dieser Anführer inzwischen geändert haben, aber ich fordere jeden von euch heraus, mehr als zehn der aktuellen zu nennen, ohne zu googeln oder bei Wikipedia oder Ähnlichem nachzuschauen.

Liste der Staats- und Regierungschefs der fünfzig größten Länder
(nach Größe des Landes geordnet)

1. China - Präsident Jiang Zemin
2. Indien - Präsident Kocherit Raman Narayanan
3. Vereinigte Staaten - Präsident George W. Bush
4. Indonesien - Präsident Megawati Sukarnoputri
5. Brasilien - Präsident Fernando Henrique Cardoso
6. Russland - Präsident Vladimir Putin
7. Pakistan - General Pervez Musharraf
8. Bangladesh - Präsident Shahabuddin Ahmed
9. Japan - Premier MInister Junichiro Koizumi
10. Nigeria - Präsident Olusegun Obasanjo
11. Mexiko - Präsident Vicente Fox Quesada
12. Deutschland- Chancellor Gerhard Schröder
13. Philippines - Präsident Gloria Macapagal-Arroyo
14. Vietnam - Präsident Tran Duc Luong
15. Ägypten - Präsident Mohammed Hosni Mubarak
16. Türkei - Präsident Ahmet Necdet Sezer
17. Iran - Ayatollah Ali Hoseini-Khamemei, Präsident Mohammad Khatami
18. Äthiopien - Präsident Negasso Gidada
19. Thailand - Premier MInister Thaksin Chinnawat
20. Vereinigtes Königreich - Premier MInister Anthony C. L. Blair
21. Frankreich - Präsident Jacques Chirac
22. Italien - Premier MInister Silvio Berlusconi
23. Kongo (Kinshasa) - Präsident Joseph Kabila
24. Ukraine - Präsident Leonid D. Kuchma
25. Südkorea - Präsident Kim Dae-Jung
26. Südafrika - Präsident Thabo Mbelki
27. Burma - Premier MInister Than Shwe
28. Spanien - Präsident Jose Mariaaznar
29. Koloubien - Präsident Andres Pastrana
30. Polen - Präsident Aleksander Kwasniewski
31. Argentinien - Präsident Fernando De La Rua
32. Tansania - Präsident Benjamin Wiliam Mkapa
33. Sudan - Präsident Lt. Gen. Omar El-Bashir
34. Kanada - Premier MInister Jean Chretien
35. Algerien - Präsident Abdelaziz Bouteflika
36. Kenia - Präsident Daniel Arap Moi
37. Marokko - Premier MInister Abderrahmane Youssoufi
38. Peru - Präsident Alejandro Toledo
39. Afghanistan - Mullah Mohammed Rabbari
40. Uzbekistan - Präsident Islam Karimov
41. Nepal - König Gyanendra, Premier MInister Sher Bahadur  Derba
42. Venezuela - Präsident Hugo Chavez Frias
43. Uganda - Präsident Lt Gen. Yoweri Museveni
44. Irak - Präsident Saddam Hussein
45. Rumänien - Präsident Ion Iliescu
46. Taiwan - Präsident Chen Shui-Bian
47. Saudi Arabiaen- König Fahd Bin Abd Al-Aziz Al Saud
48. Malaysia - Premier MInister Dr. Mahathir Bin Mohamed
49. Nordkorea - Präsident Vim Jong Il
50. Ghana - Präsident John Agyekum Kufuor

Montag, 4. Mai 2026

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge"

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge" (Englisch: The Miniaturist) - 2014

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Wer an Magie glaubt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch wer nicht an Magie glaubt, aber historische Romane mag, sollte es unbedingt lesen. Es vereint beides auf wunderbare Weise.

Der Roman erzählt die Geschichte einer reichen Amsterdamer Familie im 17. Jahrhundert und eines armen Mädchens vom Land, das in diese Familie einheiratet. Da ich selbst in einem Dorf aufgewachsen bin, kenne ich Frauen wie Nella. Die Ehefrau hat im Haus nichts zu sagen; zuerst kommt die Mutter, dann die Schwester, und wenn diese vor der Ehefrau sterben, sind es die Kinder.

Doch das ist nicht der Hauptteil der Geschichte. Das Buch ist voller Geheimnisse. Das erste Geheimnis habe ich recht früh erraten und wusste, dass noch weitere folgen würden, noch bevor das erste gelüftet wurde. Es dauerte jedoch etwas länger, bis ich erraten konnte, was als Nächstes passieren würde.

Die Autorin ließ sich vom Puppenhaus der realen Petronella Oortman inspirieren, das im Rijksmuseum in Amsterdam besichtigt werden kann. Hier ist eine Ansicht des Hauses.

Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit unserer Protagonistin: der Name und die Tatsache, dass sie ein Puppenhaus besaß.

Und genau das – das Puppenhaus – hat mich an dem Buch fasziniert. Ich sah das Cover, las den Klappentext (den ich immer für sehr wichtig halte) und meine Entscheidung war gefallen. Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen.

Wir begegnen in der Geschichte vielen interessanten Charakteren, die alle sehr lebendig dargestellt sind. Die Autorin hat ein großes Talent dafür, die Menschen darin und außerhalb des Hauses zu beschreiben. Man fühlt sich fast, als wäre man selbst unter ihnen; man kann sich die Straßen Amsterdams so vorstellen, wie sie vor über 300 Jahren ausgesehen haben müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, ist aber dennoch sehr informativ; es ist ein Krimi mit einem großartigen historischen Hintergrund.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Geschichte hätte auf Niederländisch geschrieben sein sollen; ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich die Sätze auf Niederländisch umgedeutet habe. Das ist mir noch nie passiert, was wohl ein Zeichen dafür ist, wie gut es der Autorin gelungen ist, mich in die Geschichte hineinzuziehen.

Dies ist Jessie Burtons erster Roman. Ich bin sicher, dass ich ihren nächsten lesen werde, sollte sie sich entscheiden, weiterzuschreiben. Ich hoffe es und wünsche ihr viel Glück.

Wir haben das Buch im März 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"'Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen...'

1686 zieht die achtzehnjährige Nella nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Ehemann Johannes Brandt, einem schwerreichen Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, zusammenleben wird. Damit wird ihr größter Traum wahr, doch von Anfang an verläuft die Ehe anders, als Nella gehofft hat: Am Tag, als sie in ihrem zukünftigen Zuhause ankommt, ist Johannes nicht da, um sie u´zu begrüßen. Stattdessen wird sie von seiner Schwester Marin, einer kühlen, frommen Dame, dem vorlauten Dienstmädchen Cornelia und dem afrikanischen Diener Otto in Empfang genommen. Als ihr Ehemann spätabends eintrifft, empfindet Nella ihn als einschüchternd und sehr distanziert. Ihr einziger Trost ist das Hochzeitsgeschenk, das sie von Johannes erhält: ein Puppenhaus, das eine originalgetreue Kopie ihres neuen Zuhauses ist. Da Marin, Cornelia und sogar die Hunde auf das Häuschen verstört reagieren, wird es in Nellas Schlafzimmer aufgestellt. Nachdem sie bei einem Kunsthandwerker Einrichtungsgegenstände für das Puppenhaus in Auftrag gegeben hat, werden jedoch nicht nur die bestellten Figuren geliefert, sondern auch mysteriöse Miniaturen ihrer neuen Familienmitglieder. Bald wird Nella klar, dass nicht nur die abweisende Marin etwas verbirgt, sondern auch ihr eigener Ehemann ein dunkles Geheimnis zu haben scheint..."

Samstag, 2. Mai 2026

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern"

Brown, Eleanor "Die Shakespeare-Schwestern" (Englisch: The Weird Sisters) - 2011

"Die Shakespeare-Schwestern" (Original-Titel "Die seltsamen Schwestern") – ein weiteres Buch, das ich wahrscheinlich nie aufgeschlagen hätte, wenn es nicht der Online-Lesekreis meiner Freundin gewesen wäre. Aber genau wie "The Wednesday Sisters" (Die Mittwochsschwestern) entpuppte es sich als eine wirklich interessante Lektüre. Zunächst einmal: Die "seltsamen Schwestern" heißen gar nicht Seltsam. Ihr Nachname ist Andreas, und ihr Vater ist Professor für englische Literatur. Der Titel stammt von den drei Hexen aus "Macbeth" (Macbeth). Die Mädchen sind nach verschiedenen Figuren aus anderen Shakespeare-Stücken benannt: Rosalind aus "Wie es euch gefällt" (As you like it), Bianca aus "Der Widerspenstigen Zähmung" (The Taming of the Shrew) und Cordelia aus "König Lear" (King Lear). Ich habe keines dieser Stücke gelesen (ich bin keine große Theaterleserin), kenne aber den Inhalt von  einigen.

Die Mädchen sind so unterschiedlich wie die Figuren in den Stücken selbst. Jede hat ihre eigene Art, Dinge anzugehen, ihre eigenen Träume und ihre eigenen Probleme. Nach vielen Jahren der Trennung treffen sie wieder aufeinander, um ihrer an Krebs erkrankten Mutter beizustehen.

Die Geschichte wird auf ungewöhnliche Weise erzählt, in der Wir-Perspektive, Plural. Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch so gelesen. Die Mädchen erzählen die Geschichte gemeinsam, alle gleichzeitig. Dadurch erhält man zu jedem Thema drei verschiedene Sichtweisen, egal ob es um die Mädchen selbst, andere Personen oder Situationen geht. Das ist ein interessanter Ansatz.

Was mir an dem Buch am besten gefallen hat – und was wahrscheinlich jeder Leser am meisten liebt – ist, dass es ein Roman über Leser und das Lesen ist. Die ganze Familie liest ständig, egal was passiert, sie haben immer ein Buch dabei. An einer Stelle fragt eine Freundin Bianca, wie sie es bloß schafft, so viele Bücher zu lesen. Bianca überlegt, was sie antworten soll – dass sie immer ein Buch dabei hat, dass sie keine Zeit mit anderen Dingen verschwendet –, aber alles, was sie sagt, ist: "Ich weiß es nicht." Wahrscheinlich ist es so am einfachsten. Nur wer das schon kennt, wird es wirklich verstehen.

Jedenfalls hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, hat aber viel Tiefgang.

Buchbeschreibung:

"Rosalind, Bianca und Cordelia: Die drei eigenwilligen Schwestern – von ihrem exzentrischen Vater liebevoll nach Shakespeare-Figuren benannt – verbindet die Liebe zum Lesen. Darüber hinaus könnten sie jedoch unterschiedlicher nicht sein. Eines Sommers kehren die drei nach Hause zurück, in die kleine Universitätsstadt im Mittleren Westen. Die anfängliche Freude über das Wiedersehen währt nur kurz, denn die temperamentvollen jungen Frauen und ihre gut gehüteten Geheimnisse stellen die familiäre Harmonie auf eine harte Probe … 'Die Shakespeare-Schwestern' ist eine ebenso mitreißende wie tiefgründige, spritzige wie humorvolle Geschichte über das Los und den Segen lebenslanger Schwesternbande, die – so sehr man sich bemüht, sie zu lösen – doch allen Stürmen des Lebens standhalten."

Freitag, 1. Mai 2026

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" und "Sarah singt wie eine Lerche"

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" (Englisch: Sarah, Plain & Tall Series)

"Ein Meer für Sarah (Sarah, Plain & Tall) - 1986
"Sarah singt wie eine Lerche" (Skylark) - 1997
"Caleb's Story" - 2001
"More Perfect Than The Moon" - 2004
Leider wurden nur die beiden ersten Bücher ins Deutsche übersetzt.

Patricia MacLachlan hat eine schöne Geschichte über eine Familie im späten 19. Jahrhundert geschrieben. Sie müssen sich mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die das Leben in der amerikanischen Prärie zu jener Zeit mit sich bringt. Nachdem Annas Mutter bei ihrer Geburt stirbt, wachsen sie und ihr Bruder Caleb bei ihrem Vater in Kansas auf. Dieser schreibt an eine Heiratsvermittlung, und Sarah aus Maine antwortet. Sie kommt – zunächst auf Probe – zu ihnen.

Mir haben alle vier Bücher gefallen, und ich finde, sie sind schöne Lektüre. Sie sind zwar für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren gedacht, aber ich denke, sie eignen sich besonders für kleine Mädchen.

Die Geschichte wurde auch mit Glenn Close und Christopher Walken in den Hauptrollen verfilmt – eine wirklich gute Besetzung.

Buchbeschreibungen:

"Nachdem sie auf eine Heiratsanzeige geantwortet hat, zieht Sarah nach Kansas, um dort mit dem jungen Wittwer und dessen Kinder probeweise zu leben. Es fällt ihr nicht leicht, das Meer an der Ostküste zu verlassen, aber trotzdem möchte sie versuchen, den Kindern Anna und Caleb ein neues Zuhause zu geben. Nach zähem Ringen gewinnt sie langsam das Vertrauen der Kinder. Auch Jakob, der sich nach dem Tod seiner Frau stark zurückgezogen hat, öffnet sich langsam der neuen Beziehung zu Sarah."
(Ein Meer für Sarah)

"Aus Liebe zu ihrem Mann und seinen Kindern hat Sarah ihre geliebte Heimat verlassen. Aber als die große Dürre kommt, wird der Zusammenhalt der Familie auf eine harte Probe gestellt. Aber er erweist sich als stärker als die schlimmste Dürre."
(Sarah singt wie eine Lerche)