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Donnerstag, 1. Dezember 2022

Storm, Theodor "Der Schimmelreiter und andere Erzählungen"

 

Storm, Theodor "Der Schimmelreiter und andere Erzählungen" - The Rider on the White Horse and other tales - 1888

"Der Schimmelreiter" (The Rider on the White Horse aka The Dikegrave/The Dykemaster) - 1888
"Es waren zwei Königskinder" (There were two king's children) (title of a folk song) - 1884
"Bötjer Basch" (Cooper Basch) from "Bei kleinen Leuten" (At little people) - 1886
"Ein Doppelgänger" (A Double) - 1887

* * *

"Der Schimmelreiter" ist in Deutschland bekannt. Die meisten Menschen haben von Hauke Haien gehört, auch wenn sie die Geschichte nicht gelesen oder ein Theaterstück oder einen Film mit ihm gesehen haben.

Es gibt nicht viele deutsche gotische oder Horror-Romane und
Theodor Storm war nicht genau in der richtigen Zeit dafür, man kann die Geschichte auch als Legende einstufen, aber ich denke, dies könnte eines der erfolgreichsten Bücher des "Gothic"-Genres in deutscher Sprache sein.

Einer meiner deutschen Lieblingsautoren,
Thomas Mann, nannte es eine "ungeheure Erzählung, mit der Storm seine Konzeption der Novelle als epische Schwester des Dramas zu nie dagewesenen Höhen führte".

Mein erstes Buch von ihm habe ich in der Schule gelesen (
Pole Poppenspäler) und das war eher das klassische deutsche Realismus-Genre als diese Novellen hier. Ich liebte diese Geschichte, und Husum, Storms Heimatstadt, die "graue Stadt am Meer", die immer noch viel von seinem Leben zeigt, ist einfach nur schön.

Aus irgendeinem Grund habe ich nie eine der Novellen und Kurzgeschichten in dieser Sammlung gelesen. Ich hätte es schon vor langer, langer Zeit tun sollen, aber ihr kennt ja alle meine Vorliebe für kurze Bücher.

Mit seiner Art, eine Geschichte zu erzählen, schafft es Theodor Storm auf einzigartige Weise, Spannung zu erzeugen. Man kann es kaum erwarten, die Seite umzublättern, um zu sehen, was als Nächstes passiert. Wie viele andere Bücher aus dieser Zeit war auch das Leben am Meer ein ständiger Kampf mit den Naturgewalten. Und die Menschen waren sehr abergläubisch, sie glaubten sowohl an viele Ammenmärchen als auch an die christliche Kirche. All diese Themen zusammenzubringen, ist wahrscheinlich eines der Geheimnisse hinter diesem Meisterwerk.

Aber wir erfahren nicht nur etwas über die Natur im 19. Jahrhundert, sondern auch über die Menschen, die damals lebten und wie sie das Leben bewältigten.
Eine gute Geschichte.

Buchbeschreibung:
"Der Schimmelreiter, den Storm noch kurz vor seinem Tod vollendete, ist die herausragendste Novelle des Dichters. In ihr zeigt Theodor Storm den Aufstieg des Hauke Haien zum Deichgrafen. Dieser will seine Fähigkeiten durch den Bau eines neuartigen Deiches unter Beweis stellen, weil es heißt, er habe die Position nur seiner Frau zu verdanken. Spannungen und der Kampf mit seiner Umwelt lassen Hauke Haien schließlich zugrunde gehen: Als er eine schwache Stelle im Deich nicht genügend absichert, ertrinkt bei einer Sturmflut zuerst seine Frau mit dem Kind. Daraufhin stürzt er sich mit seinem Schimmel an der durchbrochenen Stelle des Deiches ins Meer, um seine Schuld zu tilgen.

Wie schon in seinen früheren Novellen ist Storm auch in dieser "hinreißenden Symphonie der Meeresstimmen" (E. Schmidt) von dem Problem der persönlichen Schuld abgerückt. Ein Nachwort und ausführliche Anmerkungen helfen dem Schüler."

Die von mir gelesene Ausgabe bietet drei weitere Novellen. Sie wurden alle separat auf Deutsch veröffentlicht, man kann manche davon im Projekt Gutenberg finden, dass mittlerweile zumindest weitgehend in Deutschland wieder genutzt werden kann.

"Es waren zwei Königskinder" - 1884

Wenn ich den Titel lese, habe ich sofort eine Melodie im Kopf, eines DER deutschen Volkslieder und Balladen. Wie in der Geschichte gibt es zwei junge Menschen, die sich lieben, aber nicht zusammenkommen können.

Das Lied kann man sich hier auf
YouTube anhören, es gibt ein paar Variationen, dies ist eine der schönsten ist.

Buchbeschreibung:
"Es waren zwei Königskinder, ein Musterbeispiel für eine Volksballade, geht zurück auf eine Erzählung aus dem 16. Jahrhundert. Ein edler Ritter und eine Jungfrau fein leben auf ihren Burgen, durch einen tiefen See getrennt und suchen eine Weg, zueinander zu kommen. Man nimmt Kontakt auf, schreibt sich Briefe, verabredet sich und die Geschichte nimmt ihren Lauf."

"Bötjer Basch" aus "Bei kleinen Leuten" - 1886

Ich hatte noch nie von dieser Geschichte gehört, aber ich mag sie wirklich. Anstatt gegen die Natur zu kämpfen, muss der Protagonist gegen die Gesellschaft kämpfen. Er ist arm, seine Frau stirbt, sein Sohn geht nach Amerika, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und verschwindet, es gibt nichts, was Böttcher Basch nicht überwältigt. Aber er kämpft weiter und es gibt ein Happy End.

Buchbeschreibung:
"In der Süderstraße meiner Vaterstadt, dem Gachen gegenüber, das nach dem St. Jürgenkirchhoff und über diesen an dem Stift entlang nach der Norderstraße führt, stand seit Anfang des 17. Jahrhunderts ein kleines Haus, über dessen Eingangstür sich ein in Sandstein ausgehauenes Bild befand: ein Mann in einem Schifflein, zu dem durch hohe Wellen der Tod geschwommen war und schon den Mann zu sich ins Meer hinabriß; darunter stand: Up Land un See. Es hie, ein Steinhauer habe derzeit sich das Haus gebaut und zum Gedächtnis seines Vaters, der als kleiner Schiffer zwischen den Inseln gefahren war und dabei im Stürme seinen Tod gefunden hatte, dieses Epithaphium angefertigt.
"

"Ein Doppelgänger" - 1887

Wieder eine packende Geschichte, die ganz anders beginnt, als man denkt, dass sie weitergeht. Und den Titel versteht man erst gegen Ende.

Wie in seinen anderen Novellen scheint es zwei Geschichten zu geben. Eine Gegenwart und eine Vergangenheit, beide nicht uninteressant, aber die Vergangenheit ist die faszinierendere.


Buchbeschreibung:
"Nach sechsjähriger Haft wird John Hansen, der als junger Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, entlassen und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Er muss feststellen, dass ihn die Verfehlung, die er in seiner Jugend begangen hat, weiterhin verfolgt und er von seinen Mitmenschen mit Misstrauen und Ablehnung betrachtet wird. Sein ganzes Glück ist seine Familie, und John stürzt in tiefe Verzweiflung, als er im Verlauf eines Ehestreits ungewollt den Tod seiner Frau verursacht. Aufgrund der Ablehnung seiner Mitmenschen findet er keine Arbeit und sieht sich schließlich gezwungen, zu stehlen, um seine Tochter ernähren zu können. Im Verlauf einer nächtlichen Diebestour stürzt er in einen Brunnen, in dem er umkommt.

In der 1887 erschienenen Novelle, die starke sozialkritische Züge trägt, thematisiert Storm u. a. die Frage nach der Resozialisierung von Strafgefangenen und dem Recht auf Arbeit.
"

Mittwoch, 17. August 2022

Storm, Theodor "Pole Poppenspäler"

 

Storm, Theodor "Pole Poppenspäler" - Paul the Puppeteer - 1874

Eine Novelle eines berühmten deutschen Autors, der als eine der wichtigsten Figuren des deutschen Realismus bekannt ist. Er wurde mit Thomas Hardy verglichen. Ich finde den Vergleich nicht schlecht. Theodor Storm ist auf jeden Fall einen Blick wert.

In dieser Geschichte erzählt er uns von einem Mann namens Paul (plattdeutsch: Pole), der ein Puppenspieler ist (es hat sicher jeder erraten, Poppenspäler auf Plattdeutsch).

Das war natürlich eine Novelle, die wir in der Schule lesen mussten. Ich habe es sehr genossen und selbst nach all den Jahren ist es mir immer noch lebhaft in Erinnerung. Als ich beim Umzug auf mein altes Exemplar stieß, beschloss ich, es noch einmal zu lesen.

Und es hat sich nichts verändert. Das Buch ist immer noch so gut, wie damals, ich es zum ersten Mal gelesen habe. Wir erfahren vom Wandel der Welt, wie das Marionettentheater aus dem Alltag verschwindet, wie so andere Dinge, die mit dem Aufkommen des Fernsehens abhanden kamen. Aber wir hören auch vom Leben derer, die reisen und den Menschen Freude bereiten.

Der Autor wurde in Husum geboren, einer liebenswerten Stadt an der Nordsee, in der man noch heute sein Haus besichtigen kann. Er nannte es "Die graue Stadt am Meer". Aber sie ist überhaupt nicht grau, es hat einige schöne (hauptsächlich rote Backstein-) Gebäude, und die Lage am Meer macht Husum noch attraktiver.


Buchbeschreibung:

"Pole Poppenspäler ist die erste Künstlernovelle Storms. Er erzählt darin die Geschichte von der Tochter des Puppenspielers Tendler, der Lisei, und dem Kunstdrechsler und Mechanicus Paul Paulsen. Als die Puppenspieler einmal in Pauls Heimatstadt ein Gastspiel geben, faßt Paul starke Zuneigung zu dieser fremden Welt und besonders zu der Puppenspieler-Tochter. Nach Jahren trifft er die Lisei wieder, hilft ihr aus einer schwierigen Lage und heiratet sie schließlich, obwohl er daheim Widerstand gegen die unstandesgemäße Heirat erwarten muß. Das bringt ihm den Spitznamen 'Pole Poppenspäler' ein.

Theodor Storm, der die Meinung vertritt: '
Wenn du für die Jugend schreiben willst, so darfst du n i c h t für die Jugend schreiben!', hat mit dieser Erzählung einen der wertvollsten Lesetexte für die Jugend geschaffen.

Ausführliche Anmerkungen sowie Storms Nachwort zur ersten Buchausgabe vervollständigen das Heft.
"