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Dienstag, 22. September 2026

Nicoletti, Cara "Yummy Books!"

Nicoletti, Cara "Yummy Books!: In 50 Rezepten durch die Weltliteratur" (Englisch: Voracious: A Hungry Reader Cooks Her Way through Great Books) - 2015

Dies ist ein wunderbares Buch. Wer Rezepte mag, wird es vielleicht schon allein deswegen lesen wollen. Doch wer – wie ich – das Lesen liebt, wird es vor allem wegen der Passagen aus den geliebten Büchern schätzen. Wer erinnert sich nicht daran, wie Mr. Woodhouse (in "Emma") beim Abendessen allen von dem perfekt gekochten Ei erzählt? Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich Eier koche.

Auch die anderen Rezepte sind herrlich und erinnern wunderbar an großartige Bücher – selbst wenn man eigentlich nicht gerne kocht oder keines dieser Rezepte jemals nachkochen würde.

Hier sind die Rezepte mit Links zu den Büchern, die ich gelesen habe:

Austen, Jane "Emma" - Emma - Das perfekte weichgekochte Ei
- "Pride and Prejudice" - Stolz und Vorurteil - Weiße Knoblauchsuppe *
Banks, Lynne Reid "The Indian in the Cupboard" - Der Indianer aus der Hosentasche - Gegrilltes Roastbeef
Burnett, Frances Hodgson "The Secret Garden" - Der geheime Garten - Rosinenbrötchen
Capote, Truman "In Cold Blood"- Kaltblütig - Cherry-Pie
Cunningham, Michael "The Hours" - Die Stunden - Geburtstagstorte
Dahl, Roald "The Witches" - Hexen hexen - Eintopf mit Muscheln, Krabben und Dorsch
Dickens, Charles "Great Expectations" - Große Erwartungen - Schweinspastete
Didion, Joan "Goodbye to All That" - Das Ende vom Lied - Gegrillte Pfirsiche mit hausgemachtem Ricotta
Eugenides, Jeffrey "Middlesex" - Middlesex - Olivenöl-Joghurt-Kuchen
Flynn, Gillian "Gone Girl" - Gone Girl - Das Perfekte Opfer - Crêpes mit brauner Butter
Franzen, Jonathan "The Corrections" - Die Korrekturen - Schokoladen-Cupcakes mit Pfferminz-Buttercreme
French, Tana "In the Woods" - Grabesgrün - Digestive Biscuits mit Schokolade
Golding, William "Lord of the Flies" - Herr der Fliegen - Porchetta di Testa (Rollbraten vom Schweinekopf)
Grimm, Jacob + Wilhelm "Hansel and Gretel" - Hänsel und Gretel - Gewürzkuchen mit Lebkuchengewürz und Blutorangensirup
Harris, Thomas "The Silence of the Lambs" - Das Schweigen der Lämmer - Crostini mit Favabohnen- und Hähnchenleber-Mousse
Heller, Peter "The Dog Stars" - Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte - Forelle aus dem Backofen
Homer "The Odyssey" - Die Odyssee - Rotweinbrot mit Rosmarin
Houston, Pam "Waltzing the Cat" (incl."The Best Girlfriend You Never Had") - Die Farbe des Abenteuers/Die beste Freundin, die du nie hattest - Red Flannel Hash
Hugo, Victor "Les Misérables" - Die Elenden - Schwarzbrot mit Roggenmehl
Irving, Washington "The Legend of Sleepy Hollow" - Die Sage von Sleepy Hollow - Buchweizenpfannkuchen
Keene, Carolyn "Nancy Drew" - Ein Fall für Nancy Drew - Schokoladeneisbecher mit kandierten Walnüssen und Schoko-Fudge-Sauce
Kesey, Ken "Sometimes a Great Notion" - Manchmal ein großes Verlangen - Haselnuss-Streuselkuchen mit Brombeeren
Lee, Harper "To Kill a Mockingbird" - Wer die Nachtigall stört - Biscuits mit Sirupbutter
Lindgren, Astrid "Pippi Longstocking" - Pippi Langstrumpf - Buttermilchpfannkuchen
Maurier, Daphne du "Rebecca" - Rebecca - Blutorangenmarmelade
McCloskey, Robert "Homer Price" - Homer Price - Old-Fashioned Donuts mit saurer Sahne
Melville, Herman "Moby Dick" - Moby Dick oder der Wal - Chowder
Montgomery, L.M. "Anne of Green Gables" - Anne auf Green Gables - Salzkaramellen mit Schokolade
Morrison, Toni "The Bluest Eye" - Sehr blaue Augen - Sorbet aus Concord-Trauben
Numeroff, Laura Joffe "If You Give a Mouse a Cookie" - Kekse für die Maus im Haus - Chocolate Chip Cookies mit brauner Butter 
Orwell, George "Down and Out in Paris and London" - Ganz unten in Paris und London - Rib-Eye-Steak
Paola, Tomie de "Strega Nona" Der Zaubertopf - Pasta mit Parmesan und schwarzem Pfeffer
Plath, Sylvia "The Bell Jar" - Die Glasglocke - Avocados mit Krebsfleischsalat
Poe, Edgar Allen "The System of Doctor Tarr and Professor Fether" - Die Methode Dotkor Theer und Professor Fedder - Kürbis-Pie mit Ziegenkäse
Rawls, Wilson "Where the Red Fern Grows" - Wo der rote Farn wächst - Maisbrot aus der Pfanne mit Honigbutter
Roth, Philip "American Pastoral" - Amerikanisches Idyll - Hot-Cheese-Sandwich
Salinger, J.D. "The Catcher in the Rye" - Der Fänger im Roggen - Malzmilch-Eiscreme
Sendak, Maurice "In the Night Kitchen" - In der Nachtküche - Milch-und-Malzkuchen
Singer, Isaac Bashevis "Gimpel the Fool" - Gimpel der Narr - Challah (Jüdisches Hefebrot)
Tartt, Donna "The Little Friend" - Der kleine Freund - Pfefferminz-Eiscreme mit Zucckerstangenstückchen
- "The Secret History" - Die geheime Geschichte - In Rotwein geschmorte Lammkeule mit Wildpilzen
Tolstoi, Leo "Anna Karenina" - Anna Karenina - Austern mit Gurken-Mignonette
Toole, John Kennedy "A Confederacy of Dunces" - Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten - Donuts mit Geleefüllung
Virgil "The Aeneid" - Aeneis - Honig-Mohn-Kuchen
Warner, Gertrude Chandler "The Boxcar Children" - Die Kinder aus dem Güterwagen - Schokoladenpudding
Waugh, Evelyn "Brideshead Revisited" - Wiedersehen mit Brideshead - Blini mit Kaviar
White, E.B. "Charlotte's Web" - Wilbur und Charlotte - Erbsensuppe mit Speck
Wilder, Laura Ingalls "Little House in the Big Woods" - Unsere kleine Farm: Laura im großen Wald - Frühstücksbratwurst
Woolf, Virginia "Mrs. Dalloway" - Mrs. Dalloway - Schokoladen-Éclairs

* Hier hätte ich mich für die "ausgezeichneten Salzkartoffeln" entschieden, die in einem "hervorragend ausgestatteten Zimmer" serviert werden. Wie wir alle wissen, war es viele Jahre her, dass Mr. Collins "ein solch vorbildliches Gemüse" genossen hatte.

Buchbeschreibung:

"Soulfood für Lesehungrige

Kennen Sie das: Sie lesen einen Roman, in dem von einem cremigen Kuchen oder einem saftigem Braten die Rede ist, und schon läuft Ihnen das Wasser im Munde zusammen? Cara Nicoletti kennt diese Erfahrungen nur zu gut. Inspiriert von ihren 50 Lieblingsbüchern kocht sie die charmante und belesene Metzgerin aus Brooklyn durch die Gerichte der Weltliteratur. Und lädt uns ein - zum Nachlesen, Nachkochen und Mitgenießen."

Da viele der Bücher im Original auf Englisch erschienen sind und es für mich einfacher war, die deutschen Titel hinterherzusetzen, habe ich es so gemacht, und die Links zu den deutschen Titeln (sofern vorhanden) stehen immer hinten.

Freitag, 12. Juni 2026

Modick, Klaus "Bestseller"

Modick, Klaus "Bestseller" [Bestseller] - 2006

Der Autor Lukas Domcik (natürlich erfunden vom Autor Klaus Modick) gibt sich als Esperanto-Übersetzer aus, damit er nicht dauernd auf seine Schriftstellerei angesprochen wird. Gut, dass ihm kein Esperanto-Sprecher begegnet ist. Wir brauchen nämlich keine Übersetzer, und wenn wir etwas für Nicht-Esperanto-Sprecher zu übersetzen haben, machen wir das selbst. Davon kann man nicht leben.

Zwischendrin erzählt er davon, dass heute doch jeder "Klotzkopf Englisch kann … die deutsche Sprache wird sowieso täglich englischer, und mir fiel mein alter Latein- und Griechischlehrer vom Gymnasium ein, der apodiktisch behauptet hatte, Englisch müsse ein Norddeutscher mit Lateinkenntnissen gar nicht lernen, weil Englisch lediglich eine Mischung aus Vulgärlatein und Plattdeutsch sei. Heute ist Englisch zu einer Mischung aus Vulgärlatein allen Sprachen der Welt verkommen - nur das Plattdeutsche ist dabei irgendwie auf der Strecke geblieben." Da soll Herr Modick sich mal ins Hinterland von Oldenburg begeben, da wird er sehr viele Leute finden (auch jüngere), die zwar Plattdeutsch, aber immer noch kein Englisch sprechen. Moin.

Noch ein Zitat! "Umberto Eco, unter allen postmodernen Schlaumeiern der ungekrönte König, ist einmal der Frage nachgegangen, was eigentlich selbst für intellektuell und ästhetisch belastbare Leute das Faszinierende an einem ästhetisch maximal mediokren Film wie Casablanca sei". Hier handelt es sich um den Essay "Casablanca oder die Klischees tanzen", 1958. Eco behauptet, "Die wilde, scheinbar unlogische Vermischung aller möglichen Klischees und Archetypen macht den Film zu einer Art Collage der westlichen Mythologie."

Warum erwähne ich das? Nun, ich versuche immer noch herauszufinden, wie mir das Buch gefallen hat. Der Anfang war reichlich lahm. Zur Mitte hin wird es dann interessanter bis zum Schluss der Protagonist bekommt, was er verdient. Das hat mir gefallen. 

Buchbeschreibung:

"Klaus Modick erzählt die Geschichte des Schriftstellers Lukas Domcik, der aus einem Manuskriptfund Kapital schlagen will.

Tante Theas Erinnerungen an ihre Jugend in den Dreißiger- und Vierzigerjahren verpackt er als Roman und gibt Rachel, eine junge, fernsehtaugliche und von ihm begehrte Maskenbildnerin, als Autorin aus. Mit dieser unschlagbaren Kombination spekuliert er auf einen Weltbestseller. Doch im Rausch seiner Amour fou verliert Domcik schon bald die Übersicht - und die Fäden seiner attraktiven Marionette aus den Händen …

Eine pointierte Literaturbetriebssatire - und ein grandioses Lesevergnügen!"

Donnerstag, 18. Dezember 2025

de Beauvoir, Simone "Sie kam und blieb"

de Beauvoir, Simone "Sie kam und blieb" (Französisch: L'invitée) - She came to stay - 1943

Paris in den 1930er Jahren, ein Bohemien-Paar. Intellektuelle, Theater, Schriftsteller, Schauspieler, Künstler, Produzenten. Ein Dreiecksroman. Viele Dialoge. Viele Fragen. Es war interessant, Paris kurz vor Kriegsausbruch zu erleben, interessant zu erfahren, dass die Menschen schon Anfang der 30er Jahre von Konzentrationslagern wussten. Ich hätte mir zu diesem Thema etwas mehr gewünscht als die Ideen einiger flatterhafter junger Leute.

Wenn ihr gerne über die Hintergründe des Theaters mit all seiner Launenhaftigkeit und Eifersucht lest, könnte euch dieser Roman gefallen. Für mich war er interessant, weil ich gerne mein Französisch übe. Aber ich bezweifle, dass dieser Roman die große Simone de Beauvoir "gemacht" hat.

Buchbeschreibung:

"Das schillernde Milieu der Pariser Boheme. Die Schriftstellerin Françoise, eine der schönsten Frauengestalten der französischen Literaturszene, und der Schauspieler und Regisseur Pierre, durch Liebe und geistige Interessen eng verbunden, billigen sich die äußerste Freiheit zu. Diese wird plötzlich zur Bedrohung, als eine reizvolle Unbekannte aus der Provinz in ihre Kreise eindringt."

Mittwoch, 6. August 2025

Barbery, Muriel "Die Eleganz des Igels"

Barbery, Muriel "Die Eleganz des Igels" (Französisch: L’élégance du hérisson) - The Elegance of the Hedgehog - 2006

Dieses Buch lag schon viel zu lange auf meinem SUB, und da ich mir fest vorgenommen hatte, ihn bis Ende des Jahres etwas zu verkleinern, habe ich endlich angefangen. Außerdem wollte ich mal wieder mehr auf Französisch lesen.

Obwohl es in diesem Buch um Philosophie und russische Literatur geht, ist es nicht allzu anspruchsvoll, da es auch von ganz normalen Menschen handelt und einen über den Sinn des Lebens nachdenken lässt. Wenn man russische Literatur liebt, ist es umso besser, denn eine der Protagonistinnen liebt sie ebenfalls.

Die Geschichte entfaltet sich durch die Geschichten zweier sehr unterschiedlicher Frauen: der 12-jährigen Paloma Josse und der 54-jährigen Renée Michel, die als Concierge in dem Gebäude arbeitet, in dem Paloma mit ihrer Familie lebt. Man könnte meinen, sie hätten nichts gemeinsam, aber hier lernen wir, dass wir trotz unterschiedlicher Hintergründe überall einen Seelenverwandten finden können.

Eine nette Lektüre. Ich hätte nichts gegen ein zweites Buch einzuwenden, um zu sehen, was in Palomas Leben passiert, wenn sie erwachsen wird.

Buchbeschreibung:

"Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Grenelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, daß niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.

Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue Grenelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, daß die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, daß ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluß gefast: Am Ende des Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen."

Dienstag, 10. Juni 2025

Hornby, Gill "Miss Austen"

Hornby, Gill "Miss Austen" (Englisch: Miss Austen) - 2020

Wie bereits erwähnt, hat der Classics Club im Rahmen der Feierlichkeiten zu Jane Austens 250. Geburtstag das #Reading-Austen-Projekt gestartet. Wir lesen jeden zweiten Monat ein Buch von ihr, und ich möchte zwischendurch immer mal wieder etwas Austen-Bezogenes von ihr lesen.

Im April habe ich ein deutsches Buch von Catherine Bell gelesen: "Jane Austen und die Kunst der Worte". Ich war nicht beeindruckt. Wahrscheinlich hatte ich vorher schon zu viel über Jane Austen gelesen, und dieses Buch hätte jeder Jane-Austen-Fan ohne weitere Recherche schreiben können. Schade eigentlich.

Allerdings war "Miss Austen" auch nicht viel besser, nur ein bisschen. Die im Titel erwähnte Miss Austen ist nicht Jane, sondern ihre Schwester Cassandra. Wir erfahren von ihrer letzten selbst gestellten Aufgabe: der Absicht, die Briefe ihrer Schwester zu vernichten, die etwas enthielten, das Cassandra niemanden wissen lassen wollte, da es dem Vermächtnis ihrer Schwester schaden würde. Da diese Briefe jedoch vernichtet wurden, wissen wir nicht, was sie enthielten; die Autorin hat sie einfach erfunden.

Ich mag es nicht, wenn Leute eine Fortsetzung zu einem Buch schreiben, dessen Autor gestorben ist. Ich habe es nie gemocht und bezweifle, dass ich es jemals mögen werde. Daher wird mein nächstes Buch über Jane Austen (im August) wohl wieder ein Sachbuch sein.

Das Buch ist in Deutsch noch nicht herausgegeben, es erscheint am 15.09.2025.

Buchbeschreibung:

"Entdecke die fantastische Welt der Austen-Schwestern!

Einfühlsamer historischer Roman über die Austen-Schwestern

Aufwendig gestaltete Extras, die die Regency-Ära zum Leben erwecken

Erstübersetzung des britischen Bestsellers zum 250. Jubiläum von Jane Austen

Vorlage der hochkarätig besetzten BBC-Serie (2025)

'Ihr ganzes Leben lang waren jene Augenblicke, die Cassandra in der Gegenwart herausragender Frauen verbracht hatte, die glücklichsten gewesen.'

England im Jahr 1840. Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Cassandra Austen von ihrer geliebten Schwester Jane Abschied nehmen musste, und noch immer vergeht kein Tag, an dem sie sich nicht um das Andenken der berühmten Schriftstellerin sorgt.

Als sie das Haus ihrer gemeinsamen Freundin Eliza Fowle besucht, stößt sie auf einen verborgenen Schatz: Janes Briefe. Um den wachsamen Augen des Dienstmädchens zu entgehen, beginnt Cassandra im Schutz der Nacht die Worte ihrer Schwester zu lesen. Doch in diesen Zeilen schlummern Geheimnisse, die nicht nur Janes Leben in einem neuen Licht erscheinen lassen, sondern auch Cassandras eigene Geschichte enthüllen.

Eine wundervolle Hommage an das Werk der beliebten Autorin

Mit tiefem Einfühlungsvermögen und feinem Witz erzählt Gill Hornby von der besonderen Beziehung zweier Schwestern, der Chance auf die große Liebe und dem Mut, das eigene Vermächtnis zu gestalten.

Diese prachtvolle Schmuckausgabe mit Goldfolienveredelung ist ein Muss für jeden Jane-Austen-Fan! Dank zehn zwischen die Seiten gelegten Extras wie Briefen, Postkarten und einem zeitgenössischen Stadtplan von Kintbury bietet dieses Buch ein einmaliges Leseerlebnis und lässt die Leserinnen und Leser tief in die Zeit des Romans eintauchen."

Donnerstag, 1. Mai 2025

Bell, Catherine "Jane Austen und die Kunst der Worte"

Bell, Catherine "Jane Austen und die Kunst der Worte" [Jane Austen and the Art of Words] - 2021

Na gut. Vielleicht habe ich schon zuviel über Jane Austen gelesen und es gibt weder etwas Neues, das noch nicht erwähnt wurde oder es wurde schon einmal so dargestellt. Ich fand dieses Buch vor eingier Zeit auf einem gebrauchten Bücherverkauf, und da ich mich ja sehr für Jane Austen interessiere, nahm ich es mit, Dies ist das Jane-Austen-Jahr ist (sie wäre 250 geworden), und ich beschloss, es zwischen den Romanen in unserem #Reading-Austen-Projekt zu lesen.

Eigentlich hätte ich schon nach einem Viertel aufhören können. Es war weder etwas Interessantes für mich drin, noch machte das Lesen Spaß. Ich hatte gedacht, dass durchdie Erwähnung der Schwester eine andere Sichtweise geboten wird, das ist leider auch nicht so.

Nichtssagend und, wie gesagt, nichts Neues. Dieses Buch könnte jeder Jane-Austen-Fan schreiben, ohne irgend etwas recherchieren zu müssen. Schade.

Das Titelbild ist schön und erinnert an die Regency-Zeit.

Buchbeschreibung:

"'Mein Mut wächst mit jedem Versuch, mich einzuschüchtern.' Jane Austen.

Steventon, 1795. Die aufgeweckte Pfarrerstochter Jane möchte nur eines: schreiben. Mit tintenverschmierten Händen durchwacht sie die Nächte und begibt sich in die Welt ihrer Heldinnen. Doch ihre Schwester Cass ist verlobt, und Jane schwant, dass ihre Mutter ganz ähnliche Pläne für ihre Zukunft schmiedet. Nur sind Jane die jungen Kerle aus dem Ort alle einerlei, bestenfalls geben sie akzeptable Tanzpartner auf den von ihr heiß geliebten Bällen ab – bis der belesene Wirbelwind Tom Lefroy aufkreuzt. Janes Herz aber muss immer wieder Enttäuschungen ertragen. Umso unermüdlicher kämpft sie für ihren größten Traum: einen Roman zu veröffentlichen.

Pfarrerstochter, Schriftstellerin, Ausnahmetalent – Der Roman über das Leben von Jane Austen"

Montag, 24. März 2025

Thoreau, Henry David "Walden"

Thoreau, Henry David "Walden oder Hüttenleben im Walden" (Englisch: Walden; or, Life in the Woods) - 1854

Alle sagten mir, ich solle dieses Buch lesen. Ich denke und spreche gerne über Philosophie. Aber das war nichts für mich. Ich sah darin das Geschwafel eines Mannes, der sich für etwas ganz Besonderes hält. Er erinnerte mich an einen gewissen Präsidenten von heute …

Ja, er hatte die Idee, allein und ohne Unterstützung zu leben. Aber er traf ständig Leute, lebte nicht weit von der Zivilisation entfernt, wo er Hilfe bekommen konnte, wenn er sie brauchte. Und – er lebte nicht von nichts. Er hatte ein Haus, wenn auch eine kleine Hütte mit nur dem Nötigsten, aber viele, viele Menschen mussten mit weniger auskommen. Und immer noch. Nicht gerade die Heldentat, die er gerne darstellt.

Ich dachte, vielleicht würde es besser werden und ich könnte am Ende etwas lernen. Das tat ich nicht.

Buchbeschreibung:

"Ein amerikanisches Experiment. Neuland 1845. Mit achtundzwanzig Jahren zieht sich Henry David Thoreau an den Walden-See in den einsamen Wäldern von Massachusetts zurück, um fern aller Zivilisation ein Leben im Einklang mit der Natur zur erproben. Der Bericht seines radikalen Selbstexperiments ist zum Klassiker und Kultbuch des alternativen Lebens geworden."

Dienstag, 11. März 2025

Bryson, Bill "Shakespeare - Wie ich ihn sehe"

Bryson, Bill "Shakespeare - Wie ich ihn sehe" (Englisch: Shakespeare: The World as a Stage) - 2007

Bill Bryson gehört zu meinen Lieblingsautoren. Ich begann ihn zunächst für seine urkomischen Reisegeschichten zu lieben, bewunderte ihn dann für sein Wissen über die englische Sprache und respektiere ihn schließlich für seine gründliche Recherche aller Arten von Wissen.

Er hat sich wieder einmal selbst übertroffen. Ich wusste, dass wir nicht viel über Shakespeares Leben wussten, aber ich wusste nie, dass wir so wenig wussten. Aber aus dem wenigen, was bekannt ist, ein ganzes Buch zu machen und ein gutes Bild über eine der wichtigsten Personen der Geschichte zu zeichnen, das erfordert ziemlich viel Talent und ich kann mir keinen besseren Autor dafür vorstellen als Bill Bryson.

Er führt uns in die Welt der Dramatiker, quasi in die Anfänge des Theaters, wie wir es kennen. Wir besuchen das England von Elisabeth I. mit all seinem Ruhm und Schrecken, wir sehen, wie die Menschen lebten und starben. Und das alles durch die Beschreibung eines Mannes, über den wenig bekannt ist. Aber was für ein Mann! Er hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf diese Welt, sogar auf die heutige Gesellschaft. Sein Beitrag zur englischen Sprache ist enorm und jeder, der sie lernt, begegnet ihm früher oder später. Allerdings wurden seine Stücke, auch wenn die Leute die englische Sprache nicht lernen, in alle wichtigen Sprachen übersetzt und von mehr Menschen gesehen als die Stücke jedes anderen lebenden oder verstorbenen Autors.

Und wie ich bereits sagte, glaube ich, dass nur Bill Bryson diese enorme Aufgabe bewältigen könnte, über jemanden zu schreiben, der seit fast 400 Jahren tot ist und kaum etwas hinterlassen hat außer seinen Stücken.

Buchbeschreibung:

"Typisch Bill Bryson: eine humorvolle und leicht verständliche Einführung in Shakespeares Leben, seine Werke und seine Zeit

Mensch oder Mythos – wer war William Shakespeare wirklich, der geistige Vater von
Romeo und Julia [Romeo and Juliet], von Hamlet und Macbeth? Gab es den Menschen Shakespeare überhaupt? Ist der Name womöglich das Pseudonym eines Unbekannten, der seine Identität verschleiern wollte? Bill Bryson schließt die Wissenslücken um den bekanntesten und rätselhaftesten Autor der Welt. Dabei lädt er seine Leser ein zu einer vergnüglichen Reise durch das elisabethanische England. Ein echter Bill Bryson: eloquent, klug und mit einem Augenzwinkern geschrieben."

Donnerstag, 26. September 2024

Lodge, David "Ein ganzer Mann"

Lodge, David "Ein ganzer Mann" (Englisch: A Man of Parts) - 2011

Der Autor beginnt dieses Buch mit den Worten: "Fast alles, was in dieser Geschichte geschieht, basiert auf Tatsachen. Mit einer bedeutenden Ausnahme waren alle namentlich genannten Personen reale Personen. Zitate aus ihren Büchern, Theaterstücken, Artikeln, Briefen, Tagebüchern usw. sind ihre eigenen Worte. Aber ich habe mir die Freiheit eines Romanautors genommen, um darzustellen, was sie dachten, fühlten und zueinander sagten; und ich habe mir einige Ereignisse und persönliche Details ausgedacht, die die Geschichte nicht aufgezeichnet hat. Dieses Buch ist also ein Roman und wie ein Roman aufgebaut."

Ich wurde auf diese Geschichte aufmerksam, weil ich einige Bücher gelesen hatte, die auf den Romanen von H.G. Wells basierten:

Palma, Félix J. "Die Landkarte der Zeit" (Spanisch: El mapa del tiempo) (The Map of Time) - 2008
- "Die Landkarte des Himmels" (Spanisch: El mapa del cielo) (The Map of the Sky)  - 2012  
- "Die Landkarte des Chaos" (Spanisch: El mapa del caos) (The Map of Chaos) - 2014
Danach habe ich auch "Die Zeitmaschine" (The Time Machine), ich hatte die alte Filmversion angesehen, die mir sehr gut gefällt.

Hier geht es also um das Leben von H.G. Wells. Ich muss zugeben, dass ich vorher keine Ahnung von dem Mann hatte, sonst hätte ich dieses Buch vielleicht nicht in Angriff genommen. Nicht, weil es mehr als 500 Seiten hat oder weil es schlecht geschrieben ist. Ich habe den berühmten Autor einfach nicht gemocht. Ich meine, er hatte einen brillanten Verstand und sah viele Entwicklungen voraus, an die bis dahin niemand gedacht hatte. Er war ein Ehebrecher, ein sexuell besessener Wahnsinniger, der "freie Liebe" nur propagierte, damit er mehrere Geliebte haben konnte und dann noch stolz darauf war, dass seine Frau damit einverstanden war. Er zeugte ziemlich viele Kinder mit mehreren Frauen. Für ihn mag das nett gewesen sein, aber ich hätte keine dieser Frauen sein wollen, die ihre unehelichen Kinder großziehen mussten (selbst mit seiner finanziellen Hilfe) in einer Zeit, in der das mit keinem sozialen Status vereinbar war. Für Mr. Wells war es jedoch in Ordnung und gut. Nun, er war ein Mann. Selbst in unserer modernen Zeit glaube ich, dass niemand mit seinem Verhalten gegenüber Frauen einverstanden wäre.

Alles in allem eine interessante Lektüre, aber irgendwie wünschte ich, ich hätte nicht so viel über diesen Burschen erfahren.

Buchbeschreibung:

"'Unsere Wahrnehmung der Welt sähe wesentlich anders aus, wenn H.G. Wells nicht gewesen wäre.' George Orwell

David Lodge schreibt den Lebensroman des Großschriftstellers und Erfinders der Zeitmaschine H. G. Wells, der alt, kränkelnd und zurückgezogen auf sein Leben zurückschaut: War dieses Leben ein Erfolg?

Er erinnert sich an seine hoffnungslose Kindheit, seinen sagenhaften Aufstieg zu Erfolg und Ruhm als Schriftsteller von prophetischer Einbildungskraft, an seine Begegnungen mit den bedeutenden Literaten, Intellektuellen und Politikern seiner Zeit, an seinen Sprung in die Politik und an seinen Glauben an die freie Liebe und die Energie, danach zu leben. Lodge enthüllt ein erstaunliches Leben, so genial wie widersprüchlich: Wells war Sozialist, der seinen Reichtum offen genoss; er war ein anerkannter Romancier und wandte sich doch vom Roman ab; ein feministischer Macho, gleichzeitig hochsensibel und unheilbar romantisch, gelegentlich vereinnahmend, aber immer mitfühlend und unwiderstehlich.
"

Mittwoch, 28. August 2024

Garfield, Simon "Briefe!"

 

Garfield, Simon "Briefe! Ein Buch über die Liebe in Worten, wundersame Postwege und den Mann, der sich selbst verschickte" (Englisch: To the Letter: A Curious History of Correspondence - A Celebration of the Lost Art of Letter Writing) - 2013

Ich habe vor ein paar Jahren ein Buch von Simon Garfield gelesen: "On the Map. Why the World Looks the Way it Does" (Karten! Ein Buch über Entdecker, geniale Kartografen und Berge, die es nie gab).

Ich war wirklich begeistert. Und da ich Briefe genauso liebe wie Karten, musste ich mir dieses Buch einfach besorgen.

Es ist ein interessantes Buch über die Entwicklung von Briefen, wie sie überhaupt entstanden sind, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert haben und was sie heute in einer Welt der E-Mails und Telefonnachrichten bedeuten.

Ich war früher eine begeisterte Briefeschreiberin und habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Und obowhl es einen guten Überblick über die Gewohnheit des Briefeschreibens bietet und einige nette Anekdoten enthält, fand ich es manchmal ein bisschen langweilig. Ich habe nichts dagegen, in einer Geschichte hin und her zu springen, aber das hier war alles ein bisschen zu planlos.

Das war vielleicht einer der Gründe, warum ich es nicht in einem Rutsch gelesen habe, ich konnte seine Struktur einfach nicht nachverfolgen.

Außerdem erwähnt er in seinem Werk viele Autoren und Bücher, ein Inhaltsverzeichnis wäre schön gewesen.

Ich schreibe immer noch gern Briefe.

Ein schönes Zitat:

"Heute ist das Morgen, um das wir uns gestern Sorgen machten."

Er erwähnt auch ein Briefabonnement, bei dem man zweimal im Monat einen echten Brief von einem seiner Lieblingsautoren erhält. Das gibt es immer noch und hier bei "The Rumpus" findet man alles darüber. Ich konnte nicht herausfinden, ob sie auch etwas ins Ausland schicken, aber es gibt hier ziemlich viele US-Leser, also vielleicht etwas für sie.

Buchbeschreibung:

"In jedem Brief steckt eine Geschichte im Kleinen und in diesem Buch stecken einige der größten Briefe aller Zeiten. Von Oscar Wildes ungewöhnlicher Methode, seine Post aufzugeben bis zum Versuch des Fahrradfans Reginald Bray, sich selbst zu verschicken - Simon Garfield entdeckt eine Fülle von Geschichten rund um die Kunst des Briefeschreibens. In den Hauptrollen: Plinius d. J., Cicero, Napoleon, J. W. von Goethe, Lewis Carroll, Jane Austen, Virginia Woolf, Albert Einstein, Queen Mum und viele mehr. Dazu eine unterhaltsame Geschichte der Ratgeber, wie man Briefe schreibt - einschließlich einer Anleitung, wann man Fische als Hochzeitsgeschenke verschicken darf. Zwischen den Kapiteln dieser wunderbaren Reise durch die Welt der Briefe entfaltet sich ein fesselnder Briefwechsel eines ganz normalen britischen Paares in Kriegszeiten, der zeigt, wie die schlichtesten Mitteilungen ein Leben verändern können. 'Briefe!' ist Loblied und Schwanengesang zugleich - auf die Kunst der Briefe: von den alten Römern bis zur E-Mail."

Freitag, 12. Juli 2024

Weidermann, Volker "Ostende - 1936"

Weidermann, Volker "Ostende - 1936, Sommer der Freundschaft" - Summer Before the Dark: Stefan Zweig and Joseph Roth, Ostend 1936 2014

Dies ist ein sehr interessantes Buch über deutschsprachige Autoren vor und während des Zweiten Weltkriegs. Zwei sehr berühmte und bedeutende Österreicher. Stefan Zweig war reich und erfolgreich, Joseph Roth war Alkoholiker und auf dem Weg ins Verderben, auch ohne die Hilfe der Nazis. Beide waren in großer Gefahr, sie waren Juden.

Stefan Zweig hatte im Sommer 1914 in Ostende einen Sommer an der belgischen Küste verbracht. 1936 kehrte er wieder dorthin zurück und lädt viele seiner Freunde und Kollegen ein, ihn zu begleiten. Neben Joseph Roth sind viele andere Autoren und Herausgeber dabei, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller mit seiner Frau Christiane Grautoff, Arthur Koestler, Hermann Kesten, Émile Verhaeren, James Ensor, Štefan Lux, Soma Morgenstern, Annette Kolb, die meisten von ihnen Flüchtlinge, die meisten mit Publikationsverbot in Deutschland, aber auch Nichtautoren, politische Aktivisten wie Willi Münzenberg, Otto Katz, Etkar André, Géza von Cziffra, Olga Benário Prestes.

In dieser Novelle versucht der Autor, die Geschichte ihrer Begegnung, ihrer Hoffnungen und ihrer Verzweiflung neu zu erzählen. Es gelingt ihm, ein Bild vom Ende einer Zivilisation zu zeichnen und davon, wie sie ihrer eigenen Zerstörung entgegenraste. Wie viele gute und brillante Menschen sind in diesem Krieg umgekommen, wie viel hätten sie uns erzählen können, wie viel hätten sie entdecken können?

Wir können den Autoren in ihrer Sicht der politischen Situation folgen, wie verschiedene Menschen versuchen, verschiedene Dinge dagegen zu tun - oder auch nicht. Eine sehr interessante Möglichkeit, die Geschichte von innen zu betrachten.

Viele von ihnen trafen sich später im südfranzösischen Sanary-sur-Mer, wo viele von ihnen als feindliche Ausländer interniert und einige sogar nach Auschwitz deportiert wurden. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an die Exilanten.

Buchbeschreibung:

"Ein belgischer Badeort mit Geschichte und Glanz: Hier kommen sie alle noch einmal zusammen, die im Deutschland der Nationalsozialisten keine Heimat mehr haben. Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun, Kisch und Toller, Koestler und Kesten, die verbotenen Dichter. Sonne, Meer, Getränke – es könnte ein Urlaub unter Freunden sein. Wenn sich die politische Lage nicht täglich zuspitzte, wenn sie nicht alle verfolgt würden, ihre Bücher nicht verboten wären, wenn sie nicht ihre Heimat verloren hätten. Es sind Dichter auf der Flucht, Schriftsteller im Exil. Volker Weidermann erzählt von ihrer Hoffnung, ihrer Liebe, ihrer Verzweiflung - und davon, wie ihr Leben weiterging."

Der Autor hat auch viele, viele Bücher von all diesen interessanten Autoren erwähnt:

Auden, W. H. "No more Peace" (Nie wieder Friede!)
Brecht, Bertolt "Dreigroschenoper"
Hašek, Jaroslav "Der Brave Soldat Schwejk
Hesse, Hermann "Heumond"
Huxley, Aldous "Brave New World" - (Schöne neue Welt)
Kesten, Hermann "König Philipp II." 
Keun, Irmgard "Nach Mitternacht"
Koestler, Arthur "Sonnenfinsternis"
Mann, Heinrich "Im Schlaraffenland", "Weg zum Hades"
Mann, Klaus "Mephisto"
Mann, Thomas "Der Zauberberg
Maupassant, Guy de "Bel Ami" (Bel Ami)
Neumann, Alfred "Das Kaiserreich" (Tragödie des neunzehnten Jahrhunderts, Trilogie)
Rilke, Rainer Maria "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke"
Roth, Joseph "Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht", "Das falsche Gewicht", "Die Geschichte der 1002. Nacht", "Die Legende vom Heiligen Trinker", "Erdbeeren" (Fragment), "Hiob, "Die Hundert Tage", "Juden auf Wanderschaft"
Schnitzler, Arthur "Der Ruf des Lebens"
Zweig, Stefan "Anton", "Das Buch als Eingang zur Welt", "Maria Stuart", "Schachnovelle", "Sternstunden der Menschheit", "Ungeduld des Herzens" (sein einziger Roman). Die meisten dieser Geschichten sind Kurzgeschichten oder Novellen. 

Er hat auch viele andere Autoren erwähnt, ohne ihre Werke aufzulisten, die alle lesenswert sind:
Honoré de Balzac, Paul Claudel, Richard Dehmel, Fyodor Dostojewskij (deutsche Einträge), Johann Wolfgang von Goethe (deutsche Einträge), Gernard Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich NietzscheLeo Tolstoy (Leo Tolstoi, deutsche Einträge), Frank Wedekind, Walt Whitman, Oscar Wilde

Freitag, 21. Juni 2024

Weiler, Jan "Das Buch der 39 Kostbarkeiten"

Weiler, Jan "Das Buch der 39 Kostbarkeiten" [The Book of 39 Precious Things] - 2011

Wer Jan Weiler und seine Bücher kennt, muss ihn einfach mögen. Ob er von seiner angeheirateten Familie oder seinen Kindern, den Pubertieren, erzählt, einen beschäftigten Kommissar beschreibt oder durch unser Land reist, alles ist interessant, lustig, und zuweilen auch nachdenklich.

Dieses Buch bietet eine enorme Ansammlung seines Könnens. Kurzgeschichten, Reportagen, Auszüge aus seinen Büchern, jede einzelne Geschichte ist einfach faszinierend. Ich habe mich insbesondere über das letzte Interview mit Vico von Bülow gefreut, aber auch die Frage, warum Männer verwahrlosen, wenn man sie allein lässt, die Krise auf dem Weg nach Goslar und Europa aus dem Kopf, waren total köstlich. Aus der ein oder anderen Kurzgeschichte könnte man eigentlich auch ein gutes Buch machen.

Auf jeden Fall ein Muss für jeden Weiler-Fan.

Buchbeschreibung:

"Die schönsten Kolumnen, Erzählungen und Gedichte der letzten 20 Jahre.

Ein nerviger Patient im Kleinkrieg mit einer hartgesottenen Sprechstundenhilfe, ein eskalierender Ehestreit im Auto auf der Fahrt zur Schwiegermutter, der Leidensbericht eines Nichtschwimmers.

Dieser Band verfsammelt die besten Texte aus zwanzig Jahren. Lustiges steht neben Wissenswertem, Popkulturelles neben Absurdem, Journalistsiches neben Persönlichem.

Erstmals das ganze Spektrum des Autors Jan Weiler sichtbar."

Montag, 13. Mai 2024

Modick, Klaus "Konzert ohne Dichter"

Modick, Klaus "Konzert ohne Dichter" [Concert without poets] - 2015

Eine hervorragende Erzählung über den Maler Heinrich Vogeler (1872-1972), seine Erfolge, sein Leben, insbesondere in der Künstlerkolonie Worpswede. Er ist der Besitzer des Barkenhoffs, der zum Mittelpunkt vieler Maler und Dichter wurde.

Wir lernen über das Leben in Worpswede vor einem Jahrhundert, sehen ein Kapitel der deutschen Kulturgeschichte und haben bei dem Roman das Gefühl, wir seien dabei gewesen.

Ich habe auch sein Buch "Die Schatten der Ideen" gelesen, das eine genausogut recherchierte Aufzeichnung insbesondere über die furchtbare McCarthy-Ära in den Vereinigten Staaten ist.

Buchbeschreibung:

"Heinrich Vogeler, gefeierter Märchenprinz des Jugendstils, ist auf der Höhe seines Erfolgs. Im Juni 1905 wird ihm die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen - besonders für das nach fünfjähriger Arbeit fertiggestellte Gemälde 'Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff'. Während es in der Öffentlichkeit als Meisterwerk gefeiert wird, ist es für Vogeler das Resultat dreifachen Scheiterns: In seiner Ehe kriselt es, sein künstlerisches Selbstbewusstsein wankt, und eine fragile Freundschaft zerbricht. Rainer Maria Rilke, der literarische Stern am Himmel der Worpsweder Künstlerkolonie, und sein 'Seelenverwandter' Vogeler haben sich entfremdet - und 'Das Konzert' bringt das auf subtile Weise zum Ausdruck: Rilke fehlt. Sein Platz zwischen den Frauen, die er liebt, bleibt demonstrativ leer. Was Vogeler und Rilke zueinanderführte und später trennte, welchen Anteil die Frauen daran hatten, die Kunst, das Geld und die Macht der Mäzene, davon erzählt Klaus Modick auf kunstvolle Weise: Auf der Reise zur Preisverleihung erinnert Vogeler sich an die Euphorie des gemeinsamen Aufbruchs - und an Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff, die Frauen, denen Rilke in einer skandalösen Dreiecksbeziehung verbunden war. Ein groß-artiger Künstlerroman, einfühlsam, kenntnisreich, atmosphärisch und klug."

Samstag, 20. April 2024

Pleschinski, Hans "Königsallee"

 

Pleschinski, Hans "Königsallee" [King's Alley] - 2013

Ein interessantes Buch über einen Teil des Lebens eines Autors, den ich sehr bewundere.

Wer Thomas Mann mag, kommt eigentlich an diesem Buch nicht vorbei. Keine Biografie, aber doch ein Einblick in sein Leben. In diesem Buch ist er immerhin 79 Jahre alt und steht ein Jahr vor seinem Tod.

Ob sich alles genauso zugetragen hat, können sicher nur die Beteiligten bestätigen, die allerdings mittlerweile wohl nicht mehr unter uns weilen.

Es gibt sicher noch mehr interessante Bücher über diese bekannte Familie und diesen vielgelesenen Schriftsteller. Wenn mir jemand ein gutes empfehlen kann, würde ich das gerne lesen.

Buchbeschreibung:

"Sommer 1954: Thomas Mann kommt zusammen mit seiner Frau Katia nach Düsseldorf, um aus dem 'Felix Krull' zu lesen, der sich zum Bestseller entwickelt. Im selben Hotel, dem 'Breidenbacher Hof', ist gleichzeitig Klaus Heuser, auf Heimaturlaub aus Asien, mit seinem Freund Anwar abgestiegen, ein Zufall, der es in sich hat. Denn Klaus Heuser, den er 1927 kennengelernt hatte, gehört zu Thomas Manns großen Lieben. In der Figur des Joseph hat er ihm ein Denkmal gesetzt. Nun sorgt die mögliche Begegnung der beiden für größte Unruhe, zusätzlich zu dem Aufruhr, den der Besuch des ins Exil gegangenen Schriftstellers im Nachkriegs-Deutschland ohnehin auslöst. Erika Mann mischt sich ein, Golo Mann und Ernst Bertram verfolgen ihre eigenen Ziele, und die Honoratioren der Stadt ringen um Haltung. Dazwischen die ewigen Fragen der Literatur, nach Ruhm und Verzicht, der Verantwortung des Künstlers und dem Preis des eigenen Lebens, nach dem Gelingen und Rang.

Anschaulich und dezent, auf der Folie realer Vorkommnisse und bisher unbekannter Dokumente, dabei mit einem Anklang an '
Lotte in Weimar', lebendig und kenntnisreich, atmosphärisch und voll sprechender Details und unvergesslicher Figuren erzählt Hans Pleschinski in diesem großen Roman von Liebe, Verantwortung und Literatur - und von den 50er-Jahren in Deutschland."

Donnerstag, 18. April 2024

Orwell, George "Der Weg nach Wigan Pier"

Orwell, George "Der Weg nach Wigan Pier" (Englisch: The Road to Wigan Pier) - 1937

Ich habe dies für den "1937 Club"  gelesen.

Ich habe bereits einige Bücher von George Orwell gelesen und sie waren alle hochinteressant. Dieses begann ein wenig langwierig, viele Zahlen wären leichter zu verstehen gewesen, wenn man sie in die heutigen Währungen umgerechnet hätte oder wenn man sie zumindest in den Kontext gestellt hätte. Woher soll ich wissen, wie viel 15s. oder 3s. 6d. sind? Wie viel muss man für ein Brot bezahlen? Wie viel bekommt ein guter Verdiener?

Aber das Buch wird besserh, als der Autor die Bedingungen erwähnt, unter denen die Menschen leben.

Wir schreiben das Jahr 1937. Ein Jahr, das sehr wichtig war. Wie ein anderer Blogger schrieb: "In den 30er Jahren ist eine Menge gutes Schreiben entstanden. Turbulente Zeiten neigen dazu …" (siehe hier, danke CyberKitten)

Und ja, wir haben wieder ähnlich turbulente Zeiten und wenn wir nicht aufpassen, könnte sich die Geschichte wiederholen.

Ein Zitat aus dem Buch:

"Sie [die Sozialisten] haben nie hinreichend deutlich gemacht, dass die wesentlichen Ziele des Sozialismus Gerechtigkeit und Freiheit sind. Mit Blick auf wirtschaftliche Fakten gingen sie davon aus, dass der Mensch keine Seele habe, und setzten sich explizit oder implizit eine materialistische Utopie zum Ziel. Dadurch konnte der Faschismus jeden Instinkt ausnutzen, der sich gegen Hedonismus und eine billige Vorstellung von 'Fortschritt' auflehnt. Es gelang ihr, sich als Trägerin der europäischen Tradition zu präsentieren und an den christlichen Glauben, den Patriotismus und die militärischen Tugenden zu appellieren. Es ist weitaus schlimmer als sinnlos, den Faschismus als 'Massensadismus' oder eine andere einfache Formulierung dieser Art abzutun. Wenn wir so tun, als handele es sich nur um eine Verirrung, die bald von selbst vergeht, träumen wir einen Traum, aus dem wir erwachen, wenn uns jemand mit einem Gummiknüppel schlägt."

Und auch diese berühmten Worte von Martin Niemöller sollten wir nicht vergessen.

"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."

Wenn wir nicht aufpassen, werden wir wieder da sein. Und zwar früher, als wir denken möchten.

Buchbeschreibung:

"The Road to Wigan Pier ist ein Buch des englischen Schriftstellers George Orwell, das erstmals 1937 veröffentlicht wurde. Die erste Hälfte dieses Werkes dokumentiert seine soziologischen Untersuchungen der trostlosen Lebensbedingungen unter der Arbeiterklasse in Lancashire und Yorkshire im industriellen Norden Englands vor dem Zweiten Weltkrieg. Die zweite Hälfte ist ein langer Essay über seine bürgerliche Erziehung und die Entwicklung seines politischen Gewissens, in dem er die britische Haltung zum Sozialismus hinterfragt. Orwell stellt klar, dass er selbst für den Sozialismus ist, hält es aber für notwendig, Gründe aufzuzeigen, warum viele Menschen, die vom Sozialismus profitieren würden und ihn logischerweise unterstützen sollten, in der Praxis wahrscheinlich starke Gegner sind.

Das Buch setzt sich 'mit der sozialen und historischen Realität des Depressions-Leidens im Norden Englands auseinander, - Orwell will nicht einfach Übel und Ungerechtigkeiten aufzählen, sondern das durchbrechen, was er als bürgerliche Vergessenheit ansieht, - Orwells Korrektiv zu solcher Falschheit direkt in die Erfahrung des Elends.' Erster Teil

George Orwell machte sich auf, um über das Leben der Arbeiterklasse in den trostlosen industriellen Kerngebieten der West Midlands, Yorkshire und Lancashire zu berichten. Er verbrachte seine Zeit damit, unter den Menschen zu leben, und als solche sind seine Beschreibungen detailliert und lebendig. Das erste Kapitel beschreibt das Leben der Familie Brooker, ein wohlhabenderes Beispiel der nördlichen Arbeiterklasse. Sie haben einen Laden und eine billige Unterkunft in ihrem Haus. Orwell beschreibt die alten Leute, die in dem Heim leben, und ihre Lebensbedingungen.

Das zweite Kapitel beschreibt das Leben der Bergleute und die Bedingungen in einem Kohlebergwerk. Orwell beschreibt, wie er in ein Kohlebergwerk hinabgestiegen ist, um die Vorgänge zu beobachten, und er erklärt, wie die Kohle verteilt wird. Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Dies ist der Teil des Buches, der am häufigsten zitiert wird.

Kapitel drei beschreibt die soziale Situation des durchschnittlichen Bergarbeiters. Hygienische und finanzielle Bedingungen werden besprochen. Orwell erklärt, warum die meisten Bergleute in Wirklichkeit nicht so viel verdienen, wie man manchmal glaubt.

Kapitel Vier beschreibt die Wohnsituation im industriellen Norden. Es herrscht Wohnungsnot in der Region und deshalb nehmen die Menschen eher Substandard-Wohnungen an. Die Wohnverhältnisse sind sehr schlecht.

Kapitel Fünf beschäftigt sich mit der Arbeitslosigkeit und Orwell erklärt, dass die Arbeitslosenstatistiken der damaligen Zeit irreführend sind.

Kapitel Sechs befasst sich mit der Ernährung des durchschnittlichen Bergarbeiters und wie die meisten Familien, obwohl sie in der Regel genug Geld haben, um Lebensmittel zu kaufen, lieber etwas Leckeres kaufen, um ihr tristes Leben zu bereichern. Dies führt in vielen Familien zu Unterernährung und körperlichem Verfall.

Kapitel Sieben beschreibt die Hässlichkeit der Industriestädte im Norden Englands. Zweiter Teil

Im Gegensatz zur geradlinigen Dokumentation des ersten Teils des Buches diskutiert Orwell im zweiten Teil die Bedeutung des Sozialismus für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Dieser Abschnitt erwies sich als kontrovers. Orwell legt seine Ausgangsprämissen sehr einfach dar:
Sind die im ersten Teil beschriebenen entsetzlichen Zustände erträglich? (Nein)
Ist der Sozialismus, '
von ganzem Herzen als Weltsystem angewandt', in der Lage, diese Bedingungen zu verbessern? (Ja)
Warum sind wir dann nicht alle Sozialisten?

Der Rest des Buches besteht aus Orwells Versuch, diese schwierige Frage zu beantworten.
"

Mittwoch, 2. August 2023

Ernaux, Annie "Die Jahre"

Ernaux, Annie "Die Jahre" (Französisch: Les années) - The Years - 2008

Wie so oft hatte ich vor Erhalt des Nobelpreises noch nie von Annie Ernaux gehört. Und deshalb warte ich immer sehnsüchtig auf die Auszeichnungen, in 99 % der Fälle ist die Auswahl hervorragend.

Und das war auch dieses Mal der Fall.
Annie Ernaux ist etwas älter als ich, aber ich konnte viele ihrer Erfahrungen in meinem Leben wiederfinden. Ich denke, die meisten Frauen, die Mitte des letzten Jahrhunderts geboren wurden, teilen sie, egal woher sie kommen. Vielleicht hat mir dieses Buch deshalb gefallen.


Es war überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Während die Autorin heranwächst, vergleicht sie ihr Leben mit ihrem Land, seiner Politik, seinen Entwicklungen, insbesondere für Frauen (immer zu langsam). Ihre Erinnerungen sind zufällig, immer in Fragmenten, wie eine Collage oder ein Sammelalbum. Sie verwendet die dritte Person Singular. Ich denke, das erleichtert uns den Zugang zu ihrer Geschichte, sie erweckt nicht den Eindruck, als würde sie nur über sich selbst sprechen.

Dies ist also nicht nur eine Biografie über das Leben von Annie Ernaux, sondern eine Geschichte Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg.
Und eine Erinnerung daran, über unser eigenes Leben nachzudenken und darüber, was unser Land für uns getan und uns angetan hat.
Ich bin also sicher, dass es auch für jüngere Menschen interessant ist, die gerne etwas über die Generationen vor ihnen erfahren möchten.

Ich habe Französisch nicht studiert (wohl aber gelernt), aber viele Kurse besucht und viel über französische Geschichte und Politik gelesen, das Land besucht und habe Freunde dort. Für mich war also nicht viel völlig neu. Aber es hat mir trotzdem Spaß gemacht zu erfahren, was Geschichte und Gesellschaft mit einer einzelnen Person gemacht haben, wie sie so aufgewachsen ist, wie sie es getan hat, und zu der Frau geworden ist, die sie heute ist. Ich werde sicherlich noch mehr von ihr lesen.

Buchbeschreibung:

"Das Schwarz-Weiß-Foto eines Mädchens in dunklem Badeanzug auf einem Kieselstrand. Im Hintergrund eine Steilküste. Sie sitzt auf einem flachen Stein, die kräftigen Beine ausgestreckt, die Arme auf den Felsen gestützt, die Augen geschlossen, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Sie lächelt. Ein dicker brauner Zopf fällt ihr über die Schulter, der andere verschwindet hinter ihrem Rücken. Offensichtlich imitiert sie die Pose der Filmstars aus Cinémonde oder aus der Werbung für Ambre-Solaire-Sonnenmilch und will so ihrem demütigend unreifen Kleinmädchenkörper entfliehen. Auf ihren Schenkeln und Oberarmen zeichnet sich der helle Abdruck eines Kleides ab, ein Hinweis darauf, dass ein Ausflug ans Meer für dieses Kind eine Seltenheit ist. Der Strand ist menschenleer. Auf der Rückseite: August 1949, Sotteville-sur-Mer.

Kindheit in der Nachkriegszeit, Algerienkrise, die Karriere an der Universität, das Schreiben, eine prekäre Ehe, die Mutterschaft, de Gaulle, das Jahr 1968, Krankheiten und Verluste, die so genannte Emanzipation der Frau, Frankreich unter Mitterrand, die Folgen der Globalisierung, die uneingelösten Verheißungen der Nullerjahre, das eigene Altern. Anhand von Fotografien, Erinnerungen und Aufzeichnungen, von Wörtern, Melodien und Gegenständen vergegenwärtigt Annie Ernaux die Jahre, die vergangen sind. Und dabei schreibt sie ihr Leben - unser Leben, das Leben - in eine völlig neuartige Erzählform ein, in eine kollektive, 'unpersönliche Autobiographie'.

Geschichte ihrer selbst, Gesellschaftsporträt, universelle Chronik: Annie Ernaux hat ein melancholisches Meisterwerk der Gedächtnisliteratur geschrieben und einen schillernden roman total.
"

Annie Ernaux erhielt den Nobelpreis für Literatur 2022 "für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Fesseln der persönlichen Erinnerung aufdeckt."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 28. Juni 2023

Brooks, Geraldine "Die Hochzeitsgabe"

Brooks, Geraldine "Die Hochzeitsgabe" (Englisch: People of the Book) - 2008

Das wird dieses Jahr eines meiner Lieblingsbücher sein. Was für eine wundervolle Erzählung über ein Buch und seine Geschichte. Ich habe einmal einen ähnlichen Roman gelesen, nun ja, keine ähnliche Geschichte, nur ein Buch, das versucht, ein Kunstwerk, ein Gemälde von heute in die Vergangenheit bis zu seiner Entstehung zu verfolgen. Das war von Susan Vreeland und hieß "Girl in Hyacinth Blue" (Mädchen in Hyazinthblau). Das hat mir sehr gut gefallen und das hier war genauso interessant.

Die wichtigste "Figur" ist die Haggada von Sarajewo, ein jüdisches religiöses Buch, das es wirklich gibt (siehe hier auf
Wikipedia oder hier auf der Website des Nationalmuseums von Bosnien und Herzegowina). Das Wort "Haggada" ist hebräisch und bedeutet "Erzählen", "Geschichte" oder "Bericht", das Buch "Haggada" ist ein Text, der die Reihenfolge des Pessach-Seders beschreibt.

Es gibt Bücher, auch alte, bei denen man genau weiß, woher sie kommen und wer sie gemacht hat.
Dies hier gehört nicht dazu. Die Autorin hat einige Ideen niedergeschrieben und daraus eine wundervolle Geschichte gemacht, die um die ganze Welt geht. Angefangen mit der australischen Restaurateurin, die versucht, Hinweise zu finden, die wie eine Kriminalgeschichte klingen, reisen wir zurück von Bosnien-Herzegowina nach Italien, Österreich, Spanien und an die Küsten von Ifriqiya (dem heutigen Tunesien, Teilen von Algerien und Libyen). Zwischendurch besuchen wir die USA und das Vereinigte Königreich, wo die Protagonistin nicht nur mehr über das Buch, sondern auch über ihre Familie erfährt.

Mir hat die ganze Geschichte absolut gefallen, wie wir die verschiedenen Arten von Menschen kennenlernen, die zuerst zur Entstehung des Buches und dann zu seiner Rettung beigetragen haben.
Einige der Ideen könnten sogar wahr sein. Nun, wir können immer träumen.

Buchbeschreibung:

"Hanna, eine junge, angesehene Buchrestauratorin, wird 1996 von Sydney in das vom Bürgerkrieg zerrissene Sarajevo gerufen. Sie soll dort die kostbare Sarajevo-Haggadah, eine jüdische Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, unter die Lupe nehmen. Hanna wittert eine große Chance für ihre Karriere und ahnt nicht, dass dieser Auftrag ihr Leben verändern wird: In der Bibliothek angekommen, trifft sie auf den zurückhaltenden moslemischen Museumsleiter Ozren, der das Buch vor der Zerstörung gerettet hat. Er irritiert und fasziniert sie gleichermaßen. Und je mehr sich Hanna auf einer Spurensuche, die sie durch ganz Europa führt, mit der Schrift und ihrer geheimnisvollen Geschichte beschäftigt, desto mehr wird sie auch mit ihrer eigenen Vergangenheit und Herkunft konfrontiert. Die Entdeckung ihrer eigenen Wurzeln lässt sie schließlich einen mutigen Schritt wagen."

Samstag, 10. Juni 2023

Weiler, Jan "In meinem kleinen Land"

Weiler, Jan "In meinem kleinen Land" [In My Little Country] - 2006

Vorwort:

"Erst seit es Navigationssysteme gibt, ist Voerde überhaupt auffindbar. Man muss gefühlte sechzehnmal die Autobahn wechseln. Und das auf einer Strecke von vielleicht vierzig Kilometern. Noch vor wenigen Jahren führte dies unweigerlich zu ausführlichen Orientierungsfahrten durch das westliche Ruhrgebiet ...

Die Stadt Voerde ist ein aus mehreren Gemeinden zusammengebastelter, nicht unbedingt trostloser, allerdings ebenso wenig tröstlicher Ort, bei dessen Ausgestaltung viel Wert auf die Verwendung von Waschbeton gelegt wurde. Solche Gemeinden gibt es zu Tausenden in unserem kleinen Land. Voerde ist so wenig besonders, dass man es leicht vergessen kann. Und dann gibt es hier aber doch etwas ganz Besonderes.

Jan Weiler machte sich auf, um sein Land und die Menschen darin kennenzulernen – von oben nach unten, von rechts nach links hat er es sich angeschaut. Seine zufälligen Erlebnisse und Begegnungen hielt er fest, in einem amüsanten und ganz persönlichen Reisetagebuch.
"

Jan Weilers kleines Land ist auch mein Land. Und das Vorwort zu seinem Reisebericht stimmt uns schon gut in die Geschichte ein.

Im Jahr 2006 geht Jan Weiler auf Reise. Er hat gerade "Antonio im Wunderland" geschrieben, das Buch über seinen italienischen Schwiegervater. Und seine Leser sind gespannt auf die Fortsetzung von "Maria, ihm schmeckt's nicht". Ich habe auch schon öfter an Vorlesungen teilgenommen (allerdings, leider, leider, noch an keiner von Jan Weiler) und fand daher den Blick hinter die Kulissen höchst interessant.

Zu Beginn habe ich mich ein wenig geärgert, dass es kein Inhaltsverzeichnis gibt. Aber das liegt daran, dass ich - total unüblich - einfach über die Landkarte am Anfang des  Buches hingweggeblättert habe, wohl mit dem Gedanken, Deutschland kenne ich ja. Aber, was ich übersehen hatte, die Karte vermerkt nicht nur all die Orte, die der Autor auf dieser Lesereise besucht hat, sondern markiert zu jedem Ort auch die Seitenzahl, auf der er darüber berichtet.

Ich kenne viele Städte in Deutschland und war deshalb besonders neugierig, was Jan Weiler wohl zu den Orten (und den Menschen darin) sagt. Und obwohl man sicher nicht von einem Abend mit ein paar Lesebegeisterten auf ganze Orte schließen kann, musste ich doch ab und zu sehr schmunzeln, er traf oft den Nagel total auf dem Kopf.

So kenne ich etliche Örtchen wie den eingangs beschriebenen, die man nur durch häufiges Nachfragen überhaupt erreichen kann. Adressen sind allerdings auch heute noch nicht immer einwandfrei zu finden, auch mit Navi.

Der Weilersche Humor ist auch in diesem Buch nicht zu übersehen, und viele kleine Anekdoten machen auf die Städte aufmerksam, die man noch nicht gesehen hat.

Danke, Jan Weiler, für eine unterhaltsame Leserunde. Ich freue mich schon auf unsere nächste Begegnung.

Buchbeschreibung:

"Neun Monate Deutschland

Tage, Wochen, Monate verbrachte Jan Weiler damit, seine Heimat zu erkunden: Von Wyk auf Föhr über Borgholzhausen, wo die Züge bremsen, indem sie einer Kuh gegen das pralle Euter fahren, bis nach Passau, der größten Kleinstadt, reist er in alle Ecken Deutschlands. Liebevoll und nachdenklich hat er seine Erlebnisse aufgeschrieben. Und kommt zu dem Schluss: Unser kleines Land ist eine Reise wert!
"

Samstag, 3. Dezember 2022

Hahn, Ulla "Spiel der Zeit"

Hahn, Ulla "Spiel der Zeit" [Game of Time] - 2014

Ich habe die ersten zwei Bücher dieser ursprünglich als Trilogie geplanten Autobiografie gelesen, so musste dieses auch irgendwann an die Reihe kommen. Nach "Das verborgene Wort" und "Aufbruch" ist Hilla mittlerweile erwachsen geworden und studiert in Köln. Zu einer Zeit, die interessanter nicht sein könnte und in die sie genau passt, sie ist ein 68er Kind.

Wie ich schon in den vorhergehenden Büchern erwähnte, hat mich Hilla sehr an mich selbst erinnert, nur dass sie mehr Glück hatte und studieren konnte/durfte. Vielleicht habe ich diese Bücher deshalb so gern gelesen, man kann sich dann überlegen, was hätte sein können. Obwohl, manchmal macht es mich auch traurig. Und ärgerlich.

Auf jeden Fall hat die Autorin eine hervorragende Geschichte gewoben.

Ulla Hahn hat noch ein viertes Buch über Hilla dazugepackt, das werde ich wohl auch demnächst lesen: "Wir werden erwartet".

Buchbeschreibung:

"Hilla Palm, Arbeiterkind vom Dorf, ist als Studentin in Köln angekommen. Im turbulenten Jahr 1968 sucht sie hier heimisch zu werden, erkundet die Welt der Sprache, genießt die Freiheit des Denkens, sehnt sich nach Orientierung im Leben und muss doch erkennen: Ich bin meine Vergangenheit. Erst als sie ihrer Liebe begegnet, findet sie die Kraft für einen neuen Blick auf alte Verletzungen.
Ulla Hahn verwebt in diesem großen Epos eigene Erfahrungen mit Erfindungen, lässt Hilla Palm erzählen und fällt der 'kleinen Schwester' auch mal ins Wort. 'Spiel der Zeit' ist ein Buch über die Jahre der Sehnsucht und Leidenschaft - ein mitreißender Entwicklungsroman und zugleich ein imposantes Epochengemälde der 68er Jahre, eine der radikalen Umbruchphasen in der Geschichte der Bundesrepublik.
"

Mittwoch, 16. November 2022

Le Faye, Deirdre "Jane Austen und ihre Zeit"

 

Le Faye, Deirdre "Jane Austen und ihre Zeit" (Englisch: Jane Austen, The World of Her Novels) - 2002

Dies ist ein so hervorragendes Buch über Jane Austen, ihr Leben, ihre Welt, ihre Romane. Es beginnt mit "Jane Austen und ihre Familie" sowie "England und die Welt", beschreibt dann alle ihre Romane ausführlich, auch die unvollendeten, und schlägt am Ende weitere Lektüre vor. Das Buch enthält viele Karten und Bilder, damit wir uns vorstellen können, wie ihr Leben aussah. Sogar Gemälde aus der Zeit, die zeigen, wie ihre Figuren ausgesehen haben könnten, was sie früher trugen, in welcher Art Häusern sie gelebt haben könnten usw.

Definitiv ein Buch für Jane-Austen-Fans. Oder von England-Fans zu ihrer Zeit, der Regency-Periode.

Beschreibung:

"Jane Austen (1775-1817) gehört zu den großen Schriftstellerinnen der Weltliteratur. In ihrem kurzen Leben hat sie sechs die Zeit überdauernde Romane geschrieben.

Aufgewachsen in einer Welt, in der ein selbstgerechter Landadel die Regeln bestimmte, spürte sie schon früh die Beschränkungen, die ihrem künstlerischen Talent durch die üblichen Normen auferlegt wurden. Die Heirat mit einem wohlhabenden Mann, die der Tochter eines Landpfarrers eine gehobenen Stellung in der Gesellschaft ermöglicht hätte, lehnte sie ab. Sie zog das Leben einer allein stehenden Schriftstellerin vor und damit auch die finanzielle Unsicherheit.

Das Buch von Deirdre Le Faye ist nicht nur eine Biographie, sondern in gleichem Maße eine Sozial- und Kulturgeschichte Englands am Ende des 18. Jahrhunderts.

Detailgenau beschreibt die Autorin die Gesellschaft, den Zwang der Etikette, die Art sich zu kleiden, Speisen und Interieurs. Ein opulent bebilderter Band, der den Leser in die Welt einer ungewöhnlichen Frau entführt - informativ und unterhaltsam in einem.
"

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.