Posts mit dem Label Verbrechen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verbrechen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Montag, 27. Juli 2026

Lehane, Dennis "Shutter Island"

Lehane, Dennis "Shutter Island" (Englisch: Shutter Island) - 2003

Ich hatte nicht erwartet, dass mir dieses Buch gefallen würde, da ich kein großer Fan von Kriminalgeschichten bin. Umso positiver war ich überrascht festzustellen, dass es sich hier nicht um die übliche Thriller- oder Actionfilm-Handlung handelt – sprich: Es gibt hier tatsächlich eine echte Handlung.

Eine packende Geschichte, die mit dem Verstand spielt. Und die Wendung am Ende hat mich völlig sprachlos zurückgelassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, hatte ich den Film nicht gesehen.

Allerdings halte ich es – wie die meisten Geschichten dieser Art – nicht für besonders geeignet für einen Lesekreis; worüber sollen wir schon diskutieren? Sicher, man kann über psychische Erkrankungen, PTBS, Klinikaufenthalte usw. sprechen. Aber das führt alles vom eigentlichen Geschehen weg.

Dennoch: lesenswert.

Ein Zitat von Seite 279 meiner Ausgabe – etwas, das ich mich selbst oft frage:

"Gott schickt uns Erdbeben, Wirbelstürme, Tornados. Er gibt uns Berge, die Feuer auf unsere Häupter speien. Ozeane, die Schiffe verschlingen. Er gibt uns die Natur, und die Natur ist eine lächelnde Mörderin. Er schickt uns Krankheiten, damit wir im Angesicht des Todes glauben. Er gab uns Büros, nur damit wir spüren konnten, wie unser Leben darin aus uns herausblutet. Er gab uns Lust und Wut und Gier und unsere schmutzigen Herzen. Damit wir in seinem Namen Gewalt ausüben konnten. Es gibt keine moralische Ordnung, die so rein ist wie dieser Sturm, den wir gerade erlebt haben. Es gibt überhaupt keine moralische Ordnung. Es gibt nur eines: Kann meine Gewalt deine besiegen?" (übersetzt von mir)

Kommentare vom Lesekreis:

  • "Das Buch kam in der Gruppe sehr gut an; alle bewerteten es mit 4 oder 5 von 5 Punkten.
  • Viele von uns hatten das Buch zuvor noch nicht gelesen, doch eine große Anzahl kannte bereits die Verfilmung von Martin Scorsese. Dies führte zu einer interessanten Situation, da viele Leser die entscheidende Wendung schon kannten, bevor sie das Buch überhaupt aufschlugen. Dennoch herrschte Einigkeit darüber, dass der Roman äußerst fesselnd blieb. Mehrere Mitglieder bemerkten, dass es durch das Wissen um das Ende leichter fiel, Hinweise und Details im Verlauf der Geschichte wahrzunehmen – wenngleich sich einige fragten, ob das Buch ohne dieses Vorwissen vielleicht noch besser oder aber weniger wirkungsvoll gewesen wäre.
  • Einer der am häufigsten gelobten Aspekte des Romans war Lehanes Schreibstil. Die Mitglieder hoben immer wieder die bildhafte Sprache und die Atmosphäre hervor, die er im gesamten Buch schafft. Die Insel, das Wetter und die Klinik wirkten überzeugend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Zudem wurde gelobt, wie hervorragend es Lehane gelingt, den Leser in die 1950er-Jahre zu versetzen. Sprache, Dialoge und die Haltung der Figuren vermitteln ein starkes Gefühl für Zeit und Ort.
  • Ein Großteil unserer Diskussion drehte sich um den Aufbau des Romans. Wir sprachen über die unzuverlässige Erzählweise, die in der Geschichte verstreuten Hinweise und die Art und Weise, wie Lehane den Leser zu bestimmten Annahmen verleitet. Auch einzelne Figuren und ihre Rollen in der Geschichte wurden erörtert – insbesondere, wie unterschiedlich man sie betrachtet, sobald man die Wahrheit hinter dem Rätsel kennt.
  • Auch die Themen Trauma, Schuld, Erinnerung und Selbsttäuschung regten zu Diskussionen an. Wir debattierten über die Klinik selbst, ihre Methoden und die ethischen Fragen, die sich aus der Behandlung der Patienten ergeben. Natürlich war auch das Ende ein zentrales Thema; dabei gab es unterschiedliche Ansichten zu Teddys finaler Entscheidung und deren Interpretation.
  • Wie bei unseren Diskussionen üblich, suchten wir nach Verbindungen zu anderen Büchern, die wir bereits gelesen hatten. Diesmal kamen Fight Club und der finnische Roman Rikosetsivien vapaapäivä zur Sprache, da beide Werke den Leser dazu anregen, frühere Ereignisse neu zu bewerten und das eigene Verständnis des Geschehens zu hinterfragen.
  • Schließlich kam auch Dennis Lehane als Autor allgemein zur Sprache. Mehrere Mitglieder merkten an, dass etliche seiner Romane verfilmt und hochgelobt wurden und Shutter Island nicht das einzige Beispiel für eine gelungene Adaption seiner Werke für die Leinwand ist. Das Buch inspirierte zudem einige Mitglieder dazu, weitere Werke von Lehane auf ihre Leselisten zu setzen.

"Shutter Island war eine herrlich gruselige Lektüre, die gerade während der unangenehmen jüngsten Hitzewelle in Ontario, Kanada, genau das Richtige war. Ein Täuschungsmanöver folgte auf das nächste. Mir gefiel das vielschichtige Zusammenspiel von Umständen, Persönlichkeiten, Hinweisen und Interpretationen. Das unterscheidet sich stark von meiner sonst eher sanften Lektüre, und ich bin dankbar für diese bereichernde neue Erfahrung."

Nochmals vielen Dank an unsere Leiterin Karin, die einen großartigen Rückblick zusammengestellt hat.

Wir haben dies im Juli 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer des Jahres 1954 nehmen die US-Marshals Edward Daniels und Chuck Aule Ermittlungen im Ashecliffe Hospital auf, einer Klinik für psychisch kranke Schwerverbrecher, untergebracht auf einer Insel vor der Küste von Massachusetts: Shutter Island. Rachel Solando, eine Kindsmörderin, ist spurlos aus ihrer verschlossenen Zelle verschwunden. Als ein Hurrikan aufzieht, sind die beiden Marshals auf der Insel gefangen. Doch ist die Jagd nach Rachel Solando wirklich der einzige Grund, aus dem Edward Daniels nach Shutter Island gekommen ist?"

Samstag, 11. Juli 2026

Herbert, Xavier "Capricornia"

Herbert, Xavier "Capricornia. Die paradiesische Hölle" (Englisch: Capricornia) - 1938

Dieses Buch wurde mir von meinen australischen Freunden als Klassiker ihres Landes empfohlen. Es war zwar keine leichte Lektüre, aber ich war nicht enttäuscht. Der Autor beschreibt darin das Leben im australischen Norden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er erzählt vom Leben der weißen Siedler und der Aborigines, die schon seit Urzeiten auf diesem Kontinent lebten, vom neuen Leben, das durch die Vermischung beider Gruppen entstand – den "Mischlingen", den sogenannten "Yeller Fellers" (gelbe Typen) und den "Quadroons" – und den Problemen, die sich aus dieser Vermischung ergaben. Ich habe nie verstanden, wie man eine Rasse für besser als die andere halten und gleichzeitig diejenigen, die beide Rassen in sich tragen, in verschiedene Kategorien einteilen kann. Wenn man beispielsweise einen asiatischen Elternteil zwischen den "weißen" und "schwarzen" Eltern hat, ist man besser als diejenigen mit mehr "schwarzen" Vorfahren, aber immer noch schlechter als diejenigen mit mehr "weißen" Vorfahren usw. Das erscheint mir unglaublich, und ich will es gar nicht verstehen.

Ein großartiger Einblick in einen Kontinent, den ich heute kaum kenne, geschweige denn vor hundert Jahren. Ich habe ein paar Freunde in Australien, und mein Sohn hat sechs Monate dort verbracht, aber das hat mir nicht viel über deren Geschichte beigebracht. Dieses Buch hingegen schon. Eine informative, fesselnde und berührende Geschichte.

Es muss ein ziemlich schockierendes Buch gewesen sein, als es 1938 erschien, so nah an den Ereignissen. Ich schätze, viele dachten damals noch so. Der Autor wurde sogar zum "Beschützer der Aborigines" ernannt – das sagt wohl alles.

Viele Bücher, die ich über Australien gelesen habe, handelten eher von den Sträflingen, die zur Einwanderung nach Australien gezwungen wurden. Dieses Buch spielt später und erzählt daher die Fortsetzung dieser Geschichte.

Ach ja, und ich fand auch die Namen der Figuren toll, fast wie bei Charles Dickens. Viele sind nach ihrem Beruf oder einer ihrer Charakterschwächen benannt. Der Bestatter heißt Joe Crowe, Mr. Bigtit ist ein wichtiger Anwalt, O'Crimnell und O'Theef sind Polizisten usw. Ziemlich witzig. Das zeigt, dass der Roman auch voller Humor ist.

Eine lohnende Lektüre. Wer sich für Australien interessiert, sollte ihn unbedingt lesen. Er inspirierte Baz Luhrmann offenbar zu seinem Film "Australia", den ich ebenfalls sehr empfehlen kann, obwohl die Geschichte einen völlig anderen Hintergrund hat und zeitlich etwas später spielt.

Buchbeschreibung:

"Eine fesselnde Erzählung über die Herausforderungen des Lebens in Capricornia, Australien, durch die Linse von Imperialismus und kolonialer Geschichte"

Dienstag, 7. Juli 2026

Swarup, Vikas "Rupien! Rupien!"

Swarup, Vikas "Rupien! Rupien!" (Englisch: Q & A) - 2005

Dieses Buch beweist es wieder einmal: Man sollte ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen. Genauso wenig wie den Film. Oder die Filmbeschreibung. Nach dem ganzen Wirbel um den Film (Slumdog Millionaire/Slumdog Millionär) dachte ich, es handele sich nur um einen weiteren seichten Frauenroman. Er wurde als leichte Lektüre, als Strandlektüre beschrieben – wie auch immer man es nennen mag, wenn man behauptet, es sei nichts wirklich Bemerkenswertes darin.

Ich hatte also etwas ganz anderes erwartet. Ja, ein kleiner indischer Kellner gewinnt eine riesige Summe Geld und landet dafür im Gefängnis. Doch die Geschichte ist so viel mehr. Zu jeder richtigen Antwort gibt es eine Erklärung, warum der Junge sie wusste, obwohl er in den Slums aufgewachsen ist. So erfahren wir nach und nach mehr über das Leben, nicht nur des jungen Ram Mohammad Thomas, sondern auch vieler anderer Menschen in Indien, insbesondere der Armen.

Ein Buch, das sich wirklich zu lesen lohnt. Ja, es liest sich leicht, ist aber inhaltlich sehr gehaltvoll, humorvoll und tragisch zugleich, berührend und herzzerreißend.

Buchbeschreibung: 

"'Sind Sie absolut und hundertprozentig sicher?'

Ein Roman aus dem modernen Indien

Warum sitzt ein armer Kellner im Gefängnis? 

Er hat
a) zu viel Whisky getrunken
b) Geld aus der Kasse geklaut
c) sich mit einem Kunden geprügelt
d) in einer Quizshow gewonnen

Ram Mohammed Thomas wurde verhaftet. Und das, weil er zwölf Fragen in der Quizshow
Wer wird Milliardär? richtig beantwortete. Keiner kann sich vorstellen, dass ein Waise, der nie in seinem Leben eine Schule besucht oder eine Zeitung gelesen hat, weiß, wie der kleinste Planet unseres Sonnensystems heißt oder welche Stücke aus der Feder Shakespeares stammen. Er muss also ein Betrüger sein.

Gemeinsam mit einer Anwältin, die wie die gute Fee aus dem Märchen im Gefängnis erscheint und Ram helfen will, schaut er sich die Videoaufzeichnung der Quizshow an, und Ram erzählt ihr und dem Leser aus seinem unglaublichen Leben. Nach und nach wird klar, warum er die richtigen Antworten wusste. Als Baby aus einer Mülltonne gerettet, von einer Pflegefamilie und dann von einem Priester aufgenommen, später Diener bei einem australischen Colonel, Kellner und phantasiebegabter Touristenführer am Taj Mahal – Rams unerschütterlicher Überlebensinstinkt zeigt sich im Leben wie im Quiz."

Montag, 6. Juli 2026

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel"

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel" (Englisch: Treasure Island) - 1881/82

Ich habe dieses Buch noch nie zuvor gelesen. Ich habe auch keine der vielen Verfilmungen gesehen, kannte aber viele der Figuren, insbesondere Jim Hawkins, Captain Flint und den gleichnamigen Papagei, Long John Silver – also die Hauptfiguren.

Ich würde es nicht als Kinderbuch bezeichnen. Kinder können es zwar lesen, aber die Geschichte ist auch für Erwachsene spannend. Es ist sehr aufregend, man muss mitraten, was als Nächstes passiert, und liegt dabei nicht immer richtig.

Hätte mich vorher jemand gefragt, ob mir das Buch gefallen würde, hätte ich es sicher nicht gewusst. Aber es hat mir wirklich gut gefallen. Es ist voller Drama und Action. Wenn ihr also Klassiker nicht mit zu viel Romantik mögt, ist dieses Buch vielleicht genau das Richtige für euch. Ein echter Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Die abenteuerliche Geschichte des Jungen Jim Hawkins, der durch Zufall in den Besitz einer Karte gerät, auf der die sagenhaften Schätze des Piratenkapitäns Flint auf einer fernen Insel verzeichnet sind. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Gutsbesitzer Trelawney und dem Arzt Doktor Livesey bricht Jim auf, um die Schatzinsel zu finden. Doch auch einige Piraten aus Flints früherer Mannschaft, allen voran der skrupellose Schiffskoch John Silver, haben von der Karte erfahren und setzen alles daran, in den Besitzer des Schatzes zu gelangen."

Samstag, 4. Juli 2026

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler"

Marini, Lorenzo "Der Tulpenmaler" (Italienisch: L'uomo dei tulipani) - The Man of the Tulips - 2002

Eine interessante Geschichte über einen Blumenmaler im Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Die Geschichte selbst ist eine Liebesgeschichte, erzählt aber auch viel über das Leben in den Niederlanden jener Zeit, die Liebe und den Tulpenwahn, über die ich bereits in Deborah Moggachs "Tulpenfieber" (Tulip Fever), Anna Pavords "Die Tulpe" (The Tulip) und Mike Dashs "Tulpenwahn" (Tulipomania: The Story of the World’s Most Coveted Flower and the Extraordinary Passions It Aroused) außergewöhnlichen Leidenschaften, die sie entfachte“ gelesen habe.

Zugegeben, diese Bücher bieten mehr Informationen, aber wer ein Buch sucht, das sich nicht ausschließlich auf Tulpen und den Tulpenwahn konzentriert, sondern auch das Leben im Amsterdam jener Zeit beleuchtet, ist dieses Buch vielleicht etwas leichter zu lesen als die beiden letztgenannten. "Tulpenfieber" ist übrigens auch ein Roman.

Buchbeschreibung:

"In Holland im 17. Jahrhundert kreuzen einander verschiedene Lebenswege. Der Maler Napilut (der Name ist ein Anagramm von Tulipan, die Tulpe) malt ausschließlich Tulpen. Sein Modell dafür ist Absentia. Seine Gemälde werden von allen bewundert. Vielleicht vor allem deswegen, weil sie ein Mysterium umgibt - die Bilder strömen einen verführerischen Duft aus. Alle denken, die Bilder würden nach Tulpen riechen. In Wirklichkeit riechen sie nach Liebe. Denn Napilut ist nach tiefer Liebe zu Absentia entbrannt. Zur selben Zeit schreibt Doktor Claudius sein großes Standardwerk zur Kategorisierung der Wolken. Und sein Freund Van der Kalm ist der langsamste Mensch der Welt und arbeitet an einem Projekt, die Zeit zu verlangsamen. Der Uhrmacher Van der Clock indessen bereitet die wichtigste Verabredung seines Lebens vor. Schließlich kommt noch der Venezianer Marco de Ros dazu, der sich auf das Malen von Rosen spezialisiert hat. Die Schicksale all dieser Menschen verbinden sich auf die wundersamste Weise. Die Geschichte spitzt sich zu, die Ereignisse überstürzen sich .."

Donnerstag, 2. Juli 2026

Perry, Anne "Der Weihnachtsverdacht"

Perry, Anne "Der Weihnachtsverdacht" (Englisch: A Christmas Odyssey) - 2010

Ich habe keine Ahnung, warum ich dieses Buch in die Hand genommen habe. Wahrscheinlich dachte ich, es wäre eine nette Weihnachtsgeschichte. Tja, da lag ich aber sowas von falsch. Eher ein viktorianischer Krimi. Nicht uninteressant, aber auch nicht mein Genre. Überhaupt nicht. Und schon gar nicht, wenn man sich eine schöne Weihnachtslektüre erhofft, sowas lese ich so gut wie nie, ich mag es lieber anspruchsvoll. Dieses Buch war weder schön noch anspruchsvoll. Wahrscheinlich eher was "für den Strand", wie manche es nennen würden.

Das war mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Buch von Anne Perry. Ich glaube, sie versucht, Dickens zu kopieren. Nicht mein Fall. Ich bevorzuge das Original.

Buchbeschreibung:

"Lucien ist in der Dunkelheit der Londoner Unterwelt verschwunden und seit Monaten nicht mehr gesehen worden. Man munkelt, dass er seiner verruchten Geliebten, der schönen Sadie, ins Verderben gefolgt sei. Auf Bitten seines Vaters macht sich der Arzt Henry Rathbone auf, den verlorenen Sohn zurückzuholen. Doch als Henry in die Londoner Abgründe eindringt, findet er sich schon bald inmitten einer gefährlichen Verschwörung wieder."

Mittwoch, 24. Juni 2026

Hawkins, Paula "Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"

Hawkins, Paula "Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich" (Englisch: The Girl on the Train) - 2015

Bevor ich dieses Buch zu lesen anfing, war ich mir nicht sicher, ob es mir gefallen würde. Hätte ich raten müssen, hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass es mir nicht gefallen würde.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es mir sehr gut gefiel. Ich bin eigentlich kein Fan von Krimis, Thrillern, Krimis oder Frauenromanen, und dieses Buch hat von allem etwas. Das Mädchen im Zug beobachtet die Leute in den Gärten, während sie an ihnen vorbeifährt. Es ist interessant zu sehen, wie viel sie aus den kurzen Blicken herauslesen kann. Man fragt sich, ob man aus jedem flüchtigen Blick auf das Leben eines anderen eine Geschichte spinnen kann.

Jedenfalls war die Geschichte gut geschrieben und voller Spannung (obwohl man leicht erraten kann, was passiert, aber man ist sich nie hundertprozentig sicher). Rachel, die Protagonistin, führt ein trauriges Leben; sie ist arbeitslos und Alkoholikerin. Die Art, wie ihr Leben beschrieben wird, lässt einen erkennen, wie leer so ein Leben sein kann.

Ich würde nicht sagen, dass dies das beste Buch war, das ich in dem Jahr gelesen habe, aber es hatte definitiv etwas.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von Jess. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse..."

Dienstag, 16. Juni 2026

Roberts, Gregory David "Shantaram"

Roberts, Gregory David "Shantaram" (Englisch: Shantaram) - 2003

Ein hochinteressantes Buch, das mir von mehreren Freunden empfohlen wurde.

Dieser Roman basiert auf dem Leben des Australiers Gregory David Roberts, der wegen bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis saß und anschließend nach Indien floh, um dort ein neues Leben zu beginnen. Sein Leben verlief danach alles andere als geradlinig, sondern äußerst abwechslungsreich. Wir begleiten ihn im Kampf gegen die Mudschaheddin oder in den Slums, wo er ein Krankenhaus leitet. In jedem Fall ist in "Shantarams" Leben (diesen Namen gaben ihm seine indischen Freunde) immer etwas los. Die Geschichte ist packend, äußerst provokant und zeigt die Höhen und Tiefen eines Lebens. Sie handelt von allem: Liebe und Hass, Verbrechen und Strafe, Arm und Reich, Korruption und Ehrlichkeit, dem Sinn des Lebens und seinen Banalitäten. Über 900 spannende Seiten, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zumindest ging es mir so.

Dieses Buch wird mich mein Leben lang begleiten, da bin ich mir fanz sicher.

Eines meiner Lieblingszitate:
"Die Welt wird von einer Million böser Männer, zehn Millionen dummer Männer und hundert Millionen Feiglingen regiert."
und:
"Nichts ist so deprimierend wie ein guter Rat."

Und noch etwas: Ich fand es toll, wie leicht der Protagonist Sprachen lernt.

Buchbeschreibung:

"Eine ebenso tollkühne wie bewegende Reise ohne Rückfahrkarte in das Indien abseits der touristischen Routen

Als der Australier Lindsay in Bombay strandet, hat er zwei Jahre Gefängnis hinter sich und ist auf der Flucht vor Interpol. Zu seinem großen Glück begegnet er dem jungen Inder Prabaker, der ihn unter seine Fittiche nimmt. Auf ihren Streifzügen durch die exotische Metropole schließen die beiden eine innige Freundschaft, und Lindsay lernt nicht nur die Landessprache, sondern auch, mit sich ins Reine zu kommen: Er wird zu 'Shantaram', einem 'Mann des Friedens', und kämpft für die Ärmsten der Armen. Doch dann verfällt Lindsay einer Deutsch-Amerikanerin mit dubiosen Kontakten zur Unterwelt."

Dienstag, 9. Juni 2026

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin"

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin" (Englisch: Kiss of the Fur Queen) - 1998

Nach ein paar Seiten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dieses Buch am liebsten wegwerfen zu wollen. Doch es war ein Buch für unseren internationalen online Lesekreis, und ich hoffte, es würde  besser werden. Das wurde es nicht.

Ich bin eigentlich kein großer Fan all dieser mystischen Geschichten, dachte aber, diese hier könnte interessant sein. War es nicht. Und das Schlimmste daran: Der Autor hatte einen furchtbaren Schreibstil; er sprang ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang von einem Abschnitt zum nächsten. Zudem bin ich keineswegs prüde, hätte aber gut auf die detaillierten Beschreibungen von sexuellem Missbrauch, Gewalt und homosexuellen Handlungen verzichten können.

Doch anscheinend war ich die Einzige, die so heftig auf das Buch reagierte. Hier sind einige Anmerkungen aus der Gruppe:

  • Kuss der Pelzkönigin gilt als halbautobiografischer Roman. In seinen Memoiren Permanent Astonishment aus dem Jahr 2021 schildert Tomson Highway die frühen Jahre seines Lebens gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rene Highway (1954–1990).
  • Kommentar: Das ergibt absolut Sinn. Ich hatte es zwar nicht nachgeschlagen, spürte aber bereits beim Lesen, dass hinter einem Großteil der Handlung eine wahre Geschichte steckt – und dass diese hervorragend recherchiert ist, wenn nicht sogar auf rein persönlichen Erlebnissen beruht.
  • Ich hatte gemischte Gefühle bezüglich Kuss der Pelzkönigin, bin aber insgesamt froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichte begleitet zwei Brüder vom Volk der Cree aus dem Norden Kanadas – von etwa den 1950er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre hinein. Anhand ihrer Lebenswege veranschaulicht das Buch die Auswirkungen des kanadischen Internatssystems sowie den immensen Druck, der auf den indigenen Völkern lastete, ihre Sprache, Kultur und Traditionen aufzugeben.
  • Am meisten interessierte mich der Einblick in die Kultur, Mythologie und die überlieferten Erzählungen der Cree. Ich lese sehr gerne über verschiedene Kulturen und Legenden; dies war ein Themengebiet, über das ich vor der Lektüre des Buches nur sehr wenig wusste. Die geheimnisvolle Gestalt der Pelzkönigin und die mythologischen Elemente verliehen der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig schätzte ich die tiefergehenden Themen des Romans: Identität, Glaube, Kultur und die Frage, wie Menschen mit Traumata umgehen. Die beiden Brüder sind hin- und hergerissen zwischen den Traditionen der Cree und dem Christentum – ein Konflikt, den der Roman meiner Meinung nach auf äußerst eindrucksvolle Weise beleuchtet.
  • Der Schreibstil ist oft von großer Schönheit, insbesondere in den Beschreibungen der Natur, der Traumwelten und der traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr düsteren Roman. Ein Großteil der Geschichte befasst sich mit Missbrauch, Gewalt, Verlust und den langanhaltenden Folgen von Traumata. Es gab Passagen, die ich nur schwer lesen konnte. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Elemente lediglich um des Schockeffekts willen eingefügt wurden. Sie stehen in Verbindung zu realen historischen Erfahrungen, was sie für die Geschichte unverzichtbar macht – selbst dort, wo sie unbequem sind.
  • Dies ist kein leichtes Buch, und ich kann gut nachvollziehen, warum es manchen Lesern aufgrund seiner schwierigen Thematik missfallen mag. An manchen Stellen empfand ich die Konzentration auf das Leid als erdrückend. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass der Roman eine wichtige Perspektive eröffnet, über die viele von uns außerhalb Kanadas womöglich nur wenig wissen. Für mich war es eine lohnende Lektüre, da sie Geschichte, Kultur, Mythologie und persönliche Schicksale auf unvergessliche Weise miteinander verknüpfte.

Nun, da haben wir es: Manche waren froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich war es nicht.

Buchbeschreibung:

"'Tomson Highway schreibt in Englisch, aber er träumt in Cree', schrieb ein Rezensent über den autobiografischen Erstlingsroman des bekannten kanadischen Dramatikers. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Brüder Oimasis. Herausgerissen aus einem naturnahen Lebne in indianischer Tradition, werden sie ine eine von rigidem Katholizismus, Alkohol, sexueller Gewalt und Rassismus geprägte fremde Welt geworfen. Die Suche nach einer neuen, beide Welten vereinenden Identität beginnt."

Montag, 18. Mai 2026

Grann, David "Der Untergang der Wager"

Grann, David "Der Untergang der "Wager: Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei" (Englisch: The Wager: A Tale of Shipwreck, Mutiny and Murder) - 2023

Was für eine interessante Geschichte! Nicht nur wegen des Schicksals dieses Schiffes, sondern auch wegen des Lebens an Bord zu jener Zeit. Ich habe schon einige Bücher über Seereisen gelesen (z. B. Master and Commander/Kurs auf Spaniens Küste), und sie sind immer spannend. Dieses Buch handelt vom Leben auf einem Schiff während eines Krieges, von einem Schiffbruch und einer Meuterei. Das ist der Hintergrund vieler Romane aus dieser Zeit, in denen Seeleute vorkommen. Ich denke da besonders an die Geschichten von Jane Austen, deren Brüder Seeleute waren und die in den meisten ihrer Bücher neben Geistlichen (die ihren Vater und einen Bruder repräsentierten) auch Seeleute einfließen ließ. Dieses Buch ergänzt diese Erzählungen.

Wenn ihr also mehr über das Leben auf diesen Schiffen erfahren möchtet, ist dieses Buch genau das Richtige.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht?

Buchbeschreibung:

"Im Januar 1742 wird ein windschiefes Segelboot an die Küste Brasiliens gespült. An Bord 30 Männer, die einzigen Überlebenden des königlichen Eroberungsschiffs 'The Wager', das in einem Sturm zerschellt ist. Sechs Monate später landen drei Schiffbrüchige an der Küste Chiles und behaupten, die 30 Männer seien Meuterer, die sich den königlichen Befehlen widersetzt und skrupellos gemordet hätten… Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Das soll ein britisches Kriegsgericht entscheiden. Es geht um Leben oder Tod. David Grann spinnt aus dem Archivmaterial eines historischen Kriminalfalls eine Erzählung so packend und atmosphärisch dicht wie ein Abenteuerroman erster Güte. Schuld und Unschuld, Treue und Verrat liegen eng beieinander, und am Ende kommt eine schockierende Wahrheit zutage."

Donnerstag, 14. Mai 2026

Butler, Octavia E. "Verbunden"

Butler, Octavia E. "Verbunden" oder "Vom gleichen Blut" (Englisch: Kindred) - 1979

Ich bin kein Fan von pseudowissenschaftlichem Hokuspokus. Ich glaube nicht an Zeitreisen, egal wie Autoren sie gerne erklären und in ihre Geschichten einweben.

Mir gefiel jedoch der Teil, in dem Dana, die Hauptfigur, in die Zeit vor dem Bürgerkrieg zurückreist. Die Beschreibung dieser Zeit fand ich gelungen. Hätte sich Octavia E. Butler auf diese Zeit beschränkt, wäre es ein brillantes Buch geworden. Sie versteht es zu schreiben, sie versteht es, eine Geschichte zu erzählen – darauf hätte sie sich konzentrieren sollen.

Buchbeschreibung:

"USA, 1976. Die junge Schwarze Schriftstellerin Dana zieht mit ihrem weißen Ehemann Kevin in eine neue Wohnung. Doch schon beim Einzug wird sie urplötzlich und gegen ihren Willen ins Jahr 1815 versetzt – auf eine Plantage in den US-amerikanischen Südstaaten. Dort rettet sie Rufus, dem Sohn des Sklavenhalters, das Leben. Rufus hat die Fähigkeit, sie durch Raum und Zeit herbeizurufen, wenn er in Gefahr ist. Dana muss das Trauma ihrer Vorfahren durchleben – und um ihre Freiheit in Vergangenheit und Gegenwart kämpfen."

Mittwoch, 6. Mai 2026

Honeyman, Gail "Ich, Eleanor Oliphant"

Honeyman, Gail "Ich, Eleanor Oliphant" (Englisch: Eleanor Oliphant is Completely Fine) - 2017

Den englischen Titel "Eleanor Oliphant is Completely Fine" könnte man mit "Eleanor Oliphant geht es allerbestens" übersetzen. Eleanor Oliphant geht es definitiv nicht gut und schon gar nicht bestens. Zu sagen, dass sie Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten hat, wie es in der Beschreibung heißt, ist eine gewaltige Untertreibung. Ich bin mir sicher, dass sie an einer psychischen Erkrankung leidet oder ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Kindheit verarbeitet.

Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte oder in Eleanor hineinzukommen. Ich bin sehr gesellig, umgebe mich gern mit vielen Menschen und kann mich mit jedem unterhalten, der nur ein bisschen Interesse zeigt. Ich bin mir sicher, Eleanor würde das nicht schätzen. Und ich möchte nicht aufdringlich sein, also würde ich wohl nur einen Satz mit ihr wechseln, und das war's. Tut mir leid, aber so ist es nun mal. Sie will eigentlich mit niemandem reden, oder?

Die Geschichte an sich war allerdings recht interessant, wie sie diesen Kollegen kennenlernt, der ihr hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Auch der Schreibstil war nicht schlecht. Trotzdem konnte ich mich mit der Geschichte nicht anfreunden.
Zwei Zitate, denen ich voll und ganz zustimme:

"… die Eingangstür des Krankenhauses … eine Frau im Rollstuhl – sie hatte ihren Tropf auf Rädern mitgebracht, um ihre Gesundheit zu ruinieren, während Steuergelder für ihre Genesung ausgegeben wurden."

Ich werde immer wütend, wenn ich Leute vor einem Krankenhaus rauchen sehe, besonders direkt davor, wo alle vorbeigehen müssen, Kranke, Besucher … Krankenhäuser und ihre Umgebung sollten rauchfreie Zonen sein.

und

"Sport ist mir ein Rätsel. In der Grundschule war der Sporttag der einzige Tag im Jahr, an dem die leistungsschwächeren Schüler triumphieren konnten. Sie gewannen Preise für das schnellste Sackhüpfen oder dafür, schneller von A nach B zu rennen als ihre Klassenkameraden. Wie stolz sie am nächsten Tag auf diese Abzeichen an ihren Jacken waren! Als wäre eine Silbermedaille beim Eierlauf eine Art Entschädigung dafür, dass sie nicht wussten, wie man einen Apostroph setzt."

... oder ihr Einmaleins bescherrschen oder irgendetwas tun, was sie im Leben weiterbringt!

Wir haben dies im April 2026 in unserem internationalen online Lesekreis besprochen.

Und hier die Notizen des Lesekreises::

"Unser Lesekreis hatte eine sehr positive Diskussion über das Buch. Die meisten Mitglieder bewerteten es sehr positiv, und eine der häufigsten Reaktionen war, wie sehr sich unsere Sicht auf Eleanor im Laufe der Geschichte veränderte. Anfangs mag sie steif, sozial unbeholfen, übermäßig förmlich oder emotional distanziert wirken, doch am Ende empfanden wir echte Zuneigung für sie, fieberten mit ihr mit und wünschten ihr von Herzen alles Gute.

Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um Eleanors neurodiverse Merkmale und deren Darstellung. Aufgrund der Zusammensetzung unserer Gruppe war dieser Aspekt ihres Charakters sofort erkennbar und nicht spekulativ. Ihr wörtliches Denken, ihre Gewohnheit, Routinen zu pflegen, ihre Schwierigkeiten, unausgesprochene soziale Normen zu verstehen, und ihr ungewöhnlicher Kommunikationsstil wirkten auf viele Leser authentisch. Uns interessierte vor allem, wie diese Merkmale mit Trauma, Einsamkeit und jahrelanger Isolation zusammenhingen. Der Roman wurde dafür gelobt, diese Komplexität zuzulassen, ohne sie auf ein einziges Etikett zu reduzieren.

Einsamkeit war ein weiteres zentrales Thema der Diskussion. Viele Leser empfanden das Buch als besonders eindrücklich und zeitgemäß. Eine Art Isolation: Jemand, der intelligent, berufstätig, kompetent und nach außen hin funktionsfähig ist, aber dennoch tiefgreifend von anderen Menschen abgeschnitten ist. Eleanor ist nicht im offensichtlichen Sinne von der Gesellschaft ausgeschlossen, sondern scheint neben ihr zu existieren, unfähig, sich voll einzubringen. Diese subtile Darstellung von Einsamkeit fand großen Anklang in der Gruppe.

Wir sprachen auch ausführlich über Trauma, Sucht und Bewältigungsstrategien. Eleanors Alkoholkonsum wurde im Allgemeinen nicht als Leichtsinn, sondern als eine Form der Selbstmedikation und emotionalen Betäubung betrachtet. Ihre Routinen, ihre Distanzierung und ihre enge Lebensstruktur wirkten weniger wie zufällige Funktionsstörungen, sondern eher wie Überlebensstrategien, die sich im Laufe der Zeit verfestigt hatten. Mehrere Teilnehmer hoben hervor, wie realistisch der Roman zeigt, wie sich Schmerz in alltägliche Gewohnheiten einprägt.

Spoiler:

Beziehungen waren ein weiteres wichtiges Thema. Wir schätzten es, dass die Geschichte auf ein simples romantisches Rettungsmuster verzichtet. Raymond wurde besonders hervorgehoben, da seine alltägliche Freundlichkeit, Geduld und Beständigkeit Eleanor ein Vorbild für sichere menschliche Beziehungen bieten. Anstatt sie dramatisch zu 'retten', schafft er die Voraussetzungen dafür, dass sie sich langsam aus ihrer Isolation befreien und wieder am Leben teilhaben kann. Viele Leser empfanden diese zurückhaltende Darstellung von Freundschaft als eine der größten Stärken des Buches. (Dem stimme ich zu.)

Sprache und Übersetzung wurden ebenfalls zu einem besonders interessanten Teil der Diskussion. Einige Teilnehmer lasen den Roman auf Englisch, andere auf Finnisch und einer auf Russisch, was einen direkten Vergleich ermöglichte. Eleanors Charakter wird stark durch die Erzählweise geprägt: ihre formale Diktion, ihr direkter Wörtlichkeitssinn, ihre ungewöhnlichen Formulierungen und ihre emotionale Zurückhaltung. Wir erörterten, wie jede Übersetzung unweigerlich die Wahrnehmung der Leser beeinflusst. Die Darstellung der Mutter war hier besonders interessant, da sich Tonfall, Grausamkeit, Manipulation und emotionaler Druck je nach Sprache subtil verändern können.

Wir diskutierten auch die Balance zwischen Humor und Schmerz im Roman. Eleanors Stimme erzeugt oft Komik durch Präzision, Direktheit und soziale Unvereinbarkeit, doch unter diesem Humor verbirgt sich echtes emotionales Leid. Viele Leser empfanden den Kontrast im Buch als gekonnt umgesetzt, sodass Wärme und Traurigkeit nebeneinander existieren können, ohne dass eines von beiden aufgesetzt wirkt.

Insgesamt war sich die Gruppe einig, dass '
Ich, Eleanor Oliphant' ein intelligenter, menschlicher und emotional einfühlsamer Roman ist. Er überzeugt nicht nur als Geschichte über Trauma und Genesung, sondern auch als Erinnerung daran, dass Menschen, die lediglich schwierig, seltsam oder distanziert erscheinen, oft viel komplexer sind, als andere ahnen. Dass wir Eleanor am Ende als eine Person ins Herz geschlossen haben, war für viele von uns das deutlichste Zeichen für den Erfolg des Buches."

Buchbeschreibung:

"Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus – und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen.

Mit ihrem Debüt 'Ich, Eleanor Oliphant' ist Gail Honeyman ein anrührender Roman mit einer unvergesslichen Hauptfigur gelungen. Ihre erfrischend schräge Sicht auf die Dinge zeigt uns, was im Leben wirklich zählt. Liebe. Hoffung. Ehrlichkeit. Und vor allen Dingen die Freundschaft. "

Montag, 4. Mai 2026

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge"

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge" (Englisch: The Miniaturist) - 2014

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Wer an Magie glaubt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch wer nicht an Magie glaubt, aber historische Romane mag, sollte es unbedingt lesen. Es vereint beides auf wunderbare Weise.

Der Roman erzählt die Geschichte einer reichen Amsterdamer Familie im 17. Jahrhundert und eines armen Mädchens vom Land, das in diese Familie einheiratet. Da ich selbst in einem Dorf aufgewachsen bin, kenne ich Frauen wie Nella. Die Ehefrau hat im Haus nichts zu sagen; zuerst kommt die Mutter, dann die Schwester, und wenn diese vor der Ehefrau sterben, sind es die Kinder.

Doch das ist nicht der Hauptteil der Geschichte. Das Buch ist voller Geheimnisse. Das erste Geheimnis habe ich recht früh erraten und wusste, dass noch weitere folgen würden, noch bevor das erste gelüftet wurde. Es dauerte jedoch etwas länger, bis ich erraten konnte, was als Nächstes passieren würde.

Die Autorin ließ sich vom Puppenhaus der realen Petronella Oortman inspirieren, das im Rijksmuseum in Amsterdam besichtigt werden kann. Hier ist eine Ansicht des Hauses.

Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit unserer Protagonistin: der Name und die Tatsache, dass sie ein Puppenhaus besaß.

Und genau das – das Puppenhaus – hat mich an dem Buch fasziniert. Ich sah das Cover, las den Klappentext (den ich immer für sehr wichtig halte) und meine Entscheidung war gefallen. Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen.

Wir begegnen in der Geschichte vielen interessanten Charakteren, die alle sehr lebendig dargestellt sind. Die Autorin hat ein großes Talent dafür, die Menschen darin und außerhalb des Hauses zu beschreiben. Man fühlt sich fast, als wäre man selbst unter ihnen; man kann sich die Straßen Amsterdams so vorstellen, wie sie vor über 300 Jahren ausgesehen haben müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, ist aber dennoch sehr informativ; es ist ein Krimi mit einem großartigen historischen Hintergrund.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Geschichte hätte auf Niederländisch geschrieben sein sollen; ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich die Sätze auf Niederländisch umgedeutet habe. Das ist mir noch nie passiert, was wohl ein Zeichen dafür ist, wie gut es der Autorin gelungen ist, mich in die Geschichte hineinzuziehen.

Dies ist Jessie Burtons erster Roman. Ich bin sicher, dass ich ihren nächsten lesen werde, sollte sie sich entscheiden, weiterzuschreiben. Ich hoffe es und wünsche ihr viel Glück.

Wir haben das Buch im März 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"'Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen...'

1686 zieht die achtzehnjährige Nella nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Ehemann Johannes Brandt, einem schwerreichen Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, zusammenleben wird. Damit wird ihr größter Traum wahr, doch von Anfang an verläuft die Ehe anders, als Nella gehofft hat: Am Tag, als sie in ihrem zukünftigen Zuhause ankommt, ist Johannes nicht da, um sie u´zu begrüßen. Stattdessen wird sie von seiner Schwester Marin, einer kühlen, frommen Dame, dem vorlauten Dienstmädchen Cornelia und dem afrikanischen Diener Otto in Empfang genommen. Als ihr Ehemann spätabends eintrifft, empfindet Nella ihn als einschüchternd und sehr distanziert. Ihr einziger Trost ist das Hochzeitsgeschenk, das sie von Johannes erhält: ein Puppenhaus, das eine originalgetreue Kopie ihres neuen Zuhauses ist. Da Marin, Cornelia und sogar die Hunde auf das Häuschen verstört reagieren, wird es in Nellas Schlafzimmer aufgestellt. Nachdem sie bei einem Kunsthandwerker Einrichtungsgegenstände für das Puppenhaus in Auftrag gegeben hat, werden jedoch nicht nur die bestellten Figuren geliefert, sondern auch mysteriöse Miniaturen ihrer neuen Familienmitglieder. Bald wird Nella klar, dass nicht nur die abweisende Marin etwas verbirgt, sondern auch ihr eigener Ehemann ein dunkles Geheimnis zu haben scheint..."

Donnerstag, 30. April 2026

Eco, Umberto "Der Name der Rose"

Eco, Umberto "Der Name der Rose" (Italienisch: Il nome della rosa) - The Name of the Rose - 1980

Ich glaube, ich wollte dieses Buch lesen, seit ich das erste Mal von dem Film gehört habe. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Nun, endlich habe ich es geschafft. Aber ich weiß immer noch nicht, warum es "Der Name der Rose" heißt, aber vielleicht bleibt das für immer ein Rätsel.

Das Buch selbst ist definitiv ein Kriminalroman. Ein Kloster im 14. Jahrhundert. Ein Tod folgt dem anderen, manche erscheinen sehr verdächtig, doch bei den meisten ist klar, dass ein anderer Mensch den Tod verursacht hat. Mit anderen Worten: Ein Massenmörder treibt sein Unwesen. Zwei Mönche, die das Kloster besuchen, beginnen zu ermitteln und stoßen auf viele Verbindungen, manche schlüssig, andere eindeutig falsch.

Aber das ist nicht der spannendste Teil der Geschichte, zumindest nicht für mich. Ich bin nicht der größte Fan von Krimis. Was mich aber fasziniert, ist die Bibliothek und das Labyrinth, das sie umgibt, um zu verhindern, dass Unbefugte Bücher lesen. Wenn ihr euch für mittelalterliche Gebäude, Labyrinthe und insbesondere Bibliotheken interessiert, ist dies das ideale Buch für euch. Außerdem gibt es viele bekannte Namen und zahlreiche Anspielungen auf reale und fiktive Personen (Bruder Wilhelm von Baskerville, auch bekannt als Sherlock Holmes, der blinde Mönch Jorge von Burgos, eine Hommage an Jorge Luis Borges).

Es finden sich viele biblische Bezüge, beispielsweise die sieben Posaunen der biblischen Apokalypse, die das Ende der Welt ankündigen. Diese dienen nicht nur als Erzählstruktur, der Roman ist auch in sieben Tage unterteilt.

Die Ausführungen über die Franziskaner fand ich ebenfalls interessant. Da ich in einem Dorf mit einem Franziskanerkloster aufgewachsen bin und mein Leben lang Franziskanermönche kannte, war es mir neu, dass sie anfangs als Ketzer galten.

Ich hätte diese Abtei sehr gerne besucht und die Bibliothek wie die Protagonisten erkundet. Da mir dies aber nicht möglich ist, werde ich das Buch wohl noch einmal lesen müssen. Was ich ganz sicher eines Tages tun werde.

Wer sich für das Mittelalter, für Bücher, für Kriminalromane oder für Klassiker interessiert, sollte es auch lesen.

Buchbeschreibung:

"Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs. Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Jorge von Burgos wacht."

Mittwoch, 29. April 2026

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise"

Shteyngart, Gary " Snack Daddys abenteuerliche Reise" oder "Absurdistan" (Englisch: Absurdistan) - 2006

Ein wirklich witziges Buch. Ziemlich schräg sogar. Ein Roman über Sex, Drogen und Rock ’n’ Roll – angesiedelt in der heutigen Zeit. Allerdings in einem Land, das wohl noch in den Sechzigern feststeckt. Absurdistan, ein fiktives Land am Kaspischen Meer. Mischa, der Sohn eines reichen Russen, der seinen Titel als 1237. reichster Mann Russlands unter undurchsichtigen und sicherlich nicht ganz legalen Umständen erworben hat, musste nie arbeiten und ist nun nicht nur Waise, sondern auch obdachlos. Die USA, wo er vor dem Tod seines Vaters lebte, wollen ihn nicht einreisen lassen, er will nicht in Russland bleiben, also ist Absurdistan vielleicht die Lösung.

Wenn ihr euch nicht an Kraftausdrücken stört, könnte euch der Roman gefallen. Wenn doch, ist er nichts für euch.

Ich bin mir sicher, dass der Autor Gary Shteyngart, der viel mit seinem Protagonisten gemeinsam hat, dieses Buch als Satire konzipiert hat, und ich finde, das ihm gut gelungen ist. Ziel erreicht.

Buchbeschreibung:

"Mischa 'Snack Daddy' Vainberg, ein unverbesserlicher Fettsack, ist der Sohn des 1238streichsten Mannes in Russland, dem leider in St. Petersburg von der Konkurrenz der Kopf weggesprengt wird. Verzweifelt versucht die Waise, sich in den schützenden Westen durchzuschlagen, zurück nach New York, zu seiner untreuen Angebeteten in der Bronx und seinem Analytiker an der Park Avenue. Es ist eine Reise voller Irrungen und Wirrungen, internationaler Verwicklungen und privater Verstrickungen, die schon durch Mischas barocke Gestalt zu schauriger Akrobatik werden. Wie geschmacklos und unappetitlich ist das alles. Aber doch so wahr! Und sie muss erzählt werden, die Geschichte dieses Weltreisenden. Mischa besichtigt für uns ein Zeitalter, so gewalttätig, kaltherzig und liebeshungrig, dass nur eine groteske Erscheinung wie er es uns richtig vorführen kann. Es ist unser Zeitalter. Einen tumben Tor wie Mischa Vainberg hat es in der Literatur lange nicht mehr gegeben. Simplicissimus, Don Quichotte und Oblomow sind seine nächsten Verwandten. Unsere ganze globalisierte Welt lagert sich in seinen Fettpolstern ab, und schrecklich erkennen wir sie in diesem grotesken Geschwabbel wieder. Snack Daddy ist verloren, und wir sind es wohl mit ihm! Brächte Gary Shteyngart uns nicht immer wieder auf so unvergleichliche Weise zum Lachen, unsere Tränen würden noch lange fließen. Eine furiose Tour de Force, die man nicht mehr vergisst."

Freitag, 24. April 2026

Hugo, Victor "Die Elenden"

Hugo, Victor "Die Elenden" (Französisch: Les Misérables) - Les Misérables - 1862

Was für eine Geschichte! "Les Misérables – die Elenden". Und elend sind sie wahrlich. Jemand stiehlt ein Brot, weil Kinder hungern, und muss dafür sein Leben lang büßen! Eine andere tut nichts Falsches, zumindest nicht nach heutigen Maßstäben, und wird trotzdem bestraft. Nur weil sie arm ist.

Und das ist das Verbrechen all dieser elenden Gestalten. Sie sind arm. Ihr Schicksal ist schon vor ihrer Geburt besiegelt, und sie können nichts dagegen tun.

Oder etwa doch? In Zeiten wie diesen ist es kein Wunder, dass die Menschen sich nach einer Revolution sehnen und alles tun würden, um ihrer Hölle auf Erden zu entkommen. Sogar töten.

Ich habe keine Ahnung, warum ich das nie zuvor gelesen habe. Ich muss einfach sagen, dass ich es von Anfang bis Ende geliebt habe. Die Handlung war spannend, man wollte immer wissen, wie es weitergeht. Die Charaktere waren so lebendig und detailreich beschrieben, jeder einzelne von ihnen so authentisch, als wäre er direkt aus dem Buch gesprungen. Ich war so froh, dass es ein so langes Buch war (über tausend Seiten, was für eine Geschichte!), denn so musste ich mich nicht so schnell verabschieden. Dadurch erstreckt es sich über die Leben mehrerer Protagonisten.

Dieses Buch möchte man am liebsten sofort wieder von vorne lesen, sobald man es aus der Hand gelegt hat. Ein wahrer Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Nach neunzehn Jahren Haft kehrt Jean Valjean nach Frankreich zurück. Ein freundlicher Bischof nimmt ihn auf und hält sogar noch zu ihm, als er selbst von ihm bestohlen wird. Dankbar beschließt Valjean, nunmehr anständig zu leben. Er verschafft sich eine neue Identität, wird reich und unterstützt Arme und Entrechtete. Alles setzt er daran, die todkranke Arbeiterin Fantine und ihre kleine Tochter Cosette zu retten. Da holt ihn seine Vergangenheit ein. 'Die Elenden' ist unter dem Originaltitel 'Les Misérables' auch als Film und Musical sehr bekannt. Victor Hugo hat sein leidenschaftliches Plädoyer für Humanität in ein gewaltiges Epos gefasst."

Montag, 20. April 2026

Hunter, Stephen "Nacht des Donners"

Hunter, Stephen "Nacht des Donners" (Englisch: Night of Thunder: a Bob Lee Swagger novel) - 2008

Ein Freund von mir meinte, einige Leute hätten ihn mit Bob Swagger aus diesem Roman verglichen und wollten ihn unbedingt lesen. Ich sagte ihm, ich sei froh, dass er mein Freund und nicht mein Feind sei. Aber ich verstand, warum seine Freunde ihn darin wiedererkannten, und sie könnten Recht haben. Ich kannte diesen Freund noch nicht lange, aber die Ähnlichkeit ist mir aufgefallen.

Bob Swagger ist ein ehemaliger Soldat/FBI-Agent, so etwas wie der amerikanische James Bond, nur verheiratet. Mit ihm legt man sich besser nicht an, und schon gar nicht mit seiner Familie. Denn das bedeutet Krieg.

Ich bin kein großer Fan von Thrillern, weil sie sich für mich alle ähneln und es nicht viel Neues zu erzählen gibt. Deshalb sage ich nur so viel: Es war ein netter, gut geschriebener Roman, dessen Spannung hauptsächlich durch den Wechsel zwischen den beiden Erzählperspektiven erzeugt wurde. Wenn ihr Thriller mögt, solltet ihr Stephen Hunter mal lesen.

Buchbeschreibung:

"Talk about a ride!

Wehe dem, der sich mit Bob Lee Swagger anlegt!

Sie haben die Tochter des falschen Mannes angegriffen.

Die Reporterin Nikki Swagger liegt im Koma und kämpft ums Überleben. Bei den Ermittlungen über einen kriminellen Klan, der den Süden der USA seit Jahrzehnten terrorisiert, wurde ihr Auto von der Straße in einen Abgrund gedrängt ...

Als ihr Vater Bob Lee Swagger, ein Ex-Marine und Scharfschütze, dort ansetzt, wo seine Tochter aufgehört hat, gerät er an eine Sippe von Baptisten. Sie planen eine Anschlag auf das verschlafene Bristol, Tennessee, in dem das einwöchige NASCAR-Rennen stattfindet.

Bestsellerautor Stephen Hunter ist ein Meister seines Fachs und NACHT DES DONNERS ein richtiger Vorzeige-Thriller. Garantierte Spannung bis zur letzten Seite!"

Dienstag, 14. April 2026

Burgess, Anthony "Die Uhrwerk-Orange"

Burgess, Anthony "Die-Uhrwerk Orange" (Englisch: A Clockwork Orange) - 1962

Mein erster Gedanke zu diesem Buch: Ich hätte es gern auf Englisch gelesen. Alternativ hätte ich mir gewünscht, die Übersetzung von Nadsat (der vom Erzähler verwendeten Fantasiesprache) direkt im Buch zu finden, anstatt sie online suchen zu müssen.

Der Anfang des Buches war also alles andere als erfreulich. Ich fand es sehr schwierig, Alex' Gedankengängen zu folgen. Aber selbst als ich den Link online endlich gefunden hatte, fiel es mir schwer, seinen Gedankengängen zu folgen. Dies ist keine typische Dystopie, in der man die Welt aus der Perspektive der Unterdrückten sieht, sondern aus der Sicht der Unterdrücker – und auch diese Perspektive ist nicht schön. Vielleicht liegt es daran, dass der Protagonist erst fünfzehn ist; man wünscht sich nicht, dass ein Teenager solche negativen Gedanken hat und ein so gewalttätiges Leben führt. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich das Leben selbst für Alex und seine Freunde verändert.

Wie dem auch sei, obwohl mir einige Teile des Buches gefallen haben, glaube ich nicht, dass ich diesen Roman so schnell wieder zur Hand nehmen werde.

Buchbeschreibung: 

"Allabendlich trifft sich der 16-jährige Alex mit seinen 'Droogs' Pete, Georgie und Dim in der Korova-Milchbar. Die vierköpfige Gang wird von pathologischer Gewaltlust getrieben.

Der Roman beginnt mit der Schilderung eines Abends, an dem Alex mit seinen Kumpanen einen alten Mann auf der Straße niederschlägt, ein Geschäft überfällt, in ein Privathaus eindringt und die Hausherrin brutal vergewaltigt.

Alex kommt ins Gefängnis, wo es ihm gelingt, sich durch die Weitergabe von Häftlingsgeheimnissen bei dem Gefängnisgeistlichen anzubiedern. Als ein Zellengenosse von Alex nach einer Auseinandersetzung tot aufgefunden wird, erhält die Gefängnisleitung das Plazet des Innenministers, den Delinquenten einer noch unausgereiften Konditionierungs-Maßnahme für Straftäter zu unterziehen. Als erster Proband soll Alex innerhalb von 14 Tagen zum gesetzestreuen Bürger umerzogen werden. Tatsächlich bewirkt die barbarische Behandlung, dass Alex schon bei dem Gedanken an Gewalt Schmerz und Ekel zu empfinden beginnt.

Doch seiner Abkehr vom Bösen liegt keine freie moralische Entscheidung, sondern lediglich eine Programmierung zugrunde. Er wird zutiefst verstört aus dem Gefängnis entlassen. Nach der Abweisung durch seine Eltern sowie der Misshandlung durch ein früheres Opfer wird Alex im Wahlkampf als politischer Märtyrer missbraucht, bis er einen Selbstmordversuch unternimmt.

Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, leitet die Regierung schließlich Maßnahmen zu seiner Rekonditionierung ein, und so findet sich der inzwischen 19-jährige Alex im letzten Kapitel in der Korova-Milchbar wieder, diesmal in der Gesellschaft seiner neuen 'Droogs'.

Am Ende jedoch verlässt er die Bar mit dem Wunsch, sich ein bürgerliches Leben aufzubauen und eine Familie zu gründen. Seine Abkehr von der Gewalt hat er nunmehr selbstständig vollzogen."

Mittwoch, 8. April 2026

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge"

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge" (Englisch: The List of Suspicious Things) - 2024

Dieses Buch wurde von unserem örtlichen Lesekreis einstimmig für unsere Diskussion im März 2026 ausgewählt. Es ist eine interessante Geschichte über zwei Mädchen, die einen Serienmörder jagen. Ihre Hauptbemühungen bestehen darin, die Menschen in ihrem Umfeld zu "untersuchen", sprich: herumzuschnüffeln. Wie man sich denken kann, richten sie damit mehr Schaden als Nutzen an.

Ich hätte dieses Buch im Buchladen wahrscheinlich nie entdeckt; es wirkte eher wie kitschige "Frauenliteratur". Und dass es ein Sunday-Times-Bestseller ist, spricht auch nicht gerade dafür. Aber das Mitglied, das es vorgeschlagen hat, hatte es gelesen und fand es gut. Und ich weiß, dass sie einen guten Geschmack hat.

Neben der Geschichte des "Yorkshire Rippers" behandelt das Buch viele verschiedene Themen: Erwachsenwerden, erste Liebe, psychische Erkrankungen, Rassismus – fast alles, was einem dazu einfällt.

Obwohl mir das Buch insgesamt gut gefallen hat, war ich vom Ende nicht so begeistert. Vielleicht wollte die Autorin etwas Abwechslung, aber es hätte anders sein können. Es hätte anders sein sollen.

Wir hatten ein wundervolles Gespräch über dieses Buch. Es wurden ja so viele Schicksale angesprochen.

Wir fanden außerdem heraus, dass "das Titelbild einen Raben zeigt, der die Themen Neugier, Intelligenz und die bedrohliche Atmosphäre symbolisiert, und die Milchflasche das britische Schulleben jener Zeit repräsentiert. Der Vogel steht für das dunkle, gefährliche Eindringen der Außenwelt und spiegelt die Angst wider, die in Yorkshire zur Zeit der Morde herrschte." (KI)

Buchbeschreibung:

"Miv und ihre beste Freundin Sharon sind unzertrennlich. Als Mivs Vater mit der Familie wegziehen möchte, bricht für sie eine Welt zusammen. Eine brutale Mordserie hält Yorkshire in Atem, doch ihr Zuhause und Sharon hinter sich zu lassen, kann Miv sich trotzdem nicht vorstellen. Egal, wie seltsam es dort auch geworden ist, seitdem ihre Mutter aufgehört hat zu sprechen und Tante Jean sich nun um alles kümmert. Was wäre, wenn der Mörder gefasst würde? Könnte Miv dann bleiben? Also beginnen die beiden Mädchen, auf eigene Faust die Menschen in ihrer Nachbarschaft zu beobachten – und setzen dabei Dinge in Gang, die alles verändern werden.

Einfühlsam und klug erzählt Jennie Godfrey von Familie, Freundschaft und Zusammenhalt und eröffnet ein weites Gesellschaftspanorama, voll ergreifender Schicksale und liebenswerter Figuren."