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Montag, 28. Juli 2025

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht"

Gappah, Petina "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" (Englisch: Out of Darkness, Shining Light) - 2019

Natürlich kennen wir alle David Livingstones Suche nach der Quelle des Nils. Es ist auch allgemein bekannt, dass sein Herz in Afrika und sein Körper in Europa begraben wurde. Dies ist die Geschichte, erzählt von zwei Sklaven, wie der Körper von der Mitte Afrikas ans Meer gelangte, um nach Großbritannien überführt zu werden.

Zwei verschiedene Personen erzählen die Geschichte: eine Frau, die als Köchin arbeitet. Ihre Geschichte ist sehr afrikanisch, sie verwendet viel zu viele Wörter, die der durchschnittliche Europäer nicht versteht. Zugegeben, es gibt einen kleinen Anhang mit Erklärungen, aber die muss man viel zu oft verwenden, und das verdirbt den Spaß an jeder Geschichte. Dann gibt es da noch einen Mann, der Priester werden will. Er predigt bereits. Ständig. Fast jeder zweite Satz beginnt oder endet mit "der Liebe Gott" oder etwas Ähnlichem. Er wirkt wie ein religiöser Fanatiker. Bibellesen ist weltlicher.

Habt ihr es schon erraten? Mir hat das Buch nicht gefallen.

Es gab nur einen einzigen Satz, der mich zum Schmunzeln brachte. Als jemand den anderen Sklaven von dem Treffen zwischen Henry Morton Stanley und David Livingstone erzählte, übersetzte er den ersten Satz (Dr. Livingstone, nehme ich an?) wie folgt: "Es kann nur sein, dass du Bwana Daudi bist."

Wir haben dies im Juli 2025 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Kommentare der Mitglieder:

  • Der Anfang des Buches wirkte zäh, und die Geschichte hat mich erst richtig in ihren Bann gezogen, als der Mordplan aufgedeckt wurde. Es war jedoch eine sehr interessante Lektüre, was Geschichte und Kultur angeht. Die Diskussion führte zu Gesprächen und Überlegungen über afrikanische Geschichte, Sklaverei, imperialistische Einflüsse, Totenriten … Die Charaktere in der Geschichte waren zudem sehr eigenständig. Ich fühle mich durch die Lektüre etwas klüger in Bezug auf afrikanische Geschichte.

  • Viele im Lesekreis waren sich einig, dass die Sprache, insbesondere der religiöse Ton und die afrikanischen Dialekte, den Anfang schwer verständlich machten. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird die Handlung jedoch spannender, insbesondere durch den Fokus auf die afrikanischen Sklaven, die Livingstones Leichnam trugen. Ihre Reise ist zentral für das Buch, und der Kontrast zwischen ihrem Leben und Livingstones europäischem Erbe eröffnet wichtige Diskussionen über Kolonialismus und die Auslöschung afrikanischer Stimmen in der Geschichte. Einige empfanden die religiösen Elemente als repetitiv, doch sie wurden als wesentlich für das Verständnis der damaligen Mentalität angesehen. Trotz des langsamen Anfangs und des anspruchsvollen Stils fanden viele die Auseinandersetzung mit historischen und kulturellen Themen des Romans zum Nachdenken anregend.
  • Insgesamt war es ein wirklich gutes Diskussionsbuch. Da wir bereits einige Bücher über afrikanische Geschichte und von afrikanischen Autoren gelesen haben, ist es immer interessant, die Bücher, die wir gelesen haben, zu betrachten und zu sehen, wie die neuen Bücher dazu passen. In diesem Sinne schien dies ein gutes Buch für die Liste zu sein.

Buchbeschreibung:

"Ein großer Roman über ein unbekanntes Stück afrikanischer Kolonialgeschichte, fiktionalisiert zu einer spannenden Abenteuerreise - erzählt von einer der aufregendsten Stimmen unserer Gegenwart.

Seit ihrer Jugend ist Petina Gappah von der Geschichte um David Livingstone besessen – dem berühmten schottischen Missionar und Afrikaforscher, der sich des großen geografischen Rätsels seiner Zeit verschrieben hatte, der Entdeckung der Nilquellen. Aus Faszination wurde ein Roman: Als Livingstone 1873 auf der Suche stirbt, will seine treue Gefolgschaft seinen Leichnam in seine Heimat zurückbringen. So machen sich 69 Gefährten auf den wagemutigen Weg, ihn quer durch Afrika zu tragen, angeführt von einer jungen Frau – Halima, Livingstones scharfzüngiger Köchin.

Es ist eine abenteuerliche und lebensbedrohliche Reise über 1.000 Meilen, auf der ihnen Hunger, Krankheit und Tod begegnen – und immer wieder die Frage: Wie weit sind wir bereit für unsere Freiheit zu gehen?"

Freitag, 21. März 2025

Fuller, Alexandra "Unter afrikanischer Sonne"

Fuller, Alexandra "Unter afrikanischer Sonne. Meine Kindheit in Simbabwe" (Englisch: Don't Let's Go to the Dogs Tonight) - 2002

Eine weitere Lesekreislektüre, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Eine britische Familie verbringt ihr Leben in Afrika, Rhodesien, heute Simbabwe, mitten in einem Bürgerkrieg. Sie sind nicht nur arm, sondern mittellos, verlieren dort Kinder, sie geraten einfach von einem Elend ins nächste, eine alkoholkranke Mutter, müssen mit einer Waffe schlafen, bringen ihren Kindern bei, nachts nicht in ihr Bett zu kommen, weil sie versehentlich erschossen werden könnten, und dazu all die Gewalt um viele gefährliche Tiere überall. Ich verstand nicht, warum sie nicht nach Hause zurückkehrten. Sie wären vielleicht auch in England arm gewesen, aber sie wären sicher gewesen. Ich hätte es besser verstanden, wenn ihnen ihr Leben in Afrika gefallen hätte, aber das tat es nicht, sie hassten alles daran.

Irgendwo habe ich eine Rezension gelesen: "...  ist eine mutige Autobiografie über komplizierte Zeiten und eine ebenso komplizierte Familie. Man möchte sie vielleicht nicht kennenlernen, verachtet sie manchmal sogar, aber man zweifelt nie daran, dass sie real sind." Dem stimme ich zu. Wenn das jemand als Fiktion geschrieben hätte, würden die Leute sagen: "zu viel Fantasie".

Wir haben das in unserem internationalen Lesekreis im Mai 2003 besprochen.

Buchbeschreibung:

"Alexandra Fuller ist zwei Jahre alt, als ihre Eltern zu Beginn der Siebzigerjahre beschließen, England zu verlassen und nach Rhodesien, das heutige Simbabwe, auszuwandern. Es ist ein hartes Leben, das die Fullers auf ihrer Farm erwartet, und bereits als kleines Mädchen muss Alexandra viele tragische Schicksalsschläge hinnehmen. Dennoch empfindet sie eine tiefe Verbundenheit mit diesem exotischen Land, das ihr immer auch ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit zu geben vermag..."

Dienstag, 27. Februar 2024

Lessing, Doris "Afrikanische Tragödie"

Lessing, Doris "Afrikanische Tragödie" (Englisch: The Grass is Singing) - 1950

Wir haben dies im Februar 2024 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Doris Lessing's first novel. It received a lot of praise and she was an author of whom much was excepted. She fulfilled it all, her Nobel Prize is a great testimony.

Doris Lessings erster Roman. Er erhielt viel Lob und sie war eine Autorin, von der vieles erwartet wurde. Sie hat alles erfüllt, ihr Nobelpreis ist ein großartiges Zeugnis dafür.

Die Geschichte spielt in Simbabwe, als es noch Rhodesien hieß. Ich denke, es hätte jede andere Kolonie sein können, in der die weißen Herrscher die schwarzen Eingeborenen zu ihren Untertanen machten. Wie wir alle wissen, dauerte das nicht für immer, es konnte nicht ewig dauern.

Wir können die Probleme gut erkennen, wenn wir uns einige Siedler und ihre Probleme ansehen. Sie kannten nicht nur das Land und seine ganz eigenen Besonderheiten nicht, sie waren auch nicht für ein Klima und ein Land wie dieses bestimmt. Es musste auf die eine oder andere Weise zur Katastrophe führen.

Doris Lessing beschreibt die Probleme sehr gut, indem sie Mary betrachtet, die mit einem armen Bauern verheiratet, unzufrieden mit ihrem Leben ist und nicht weiß, wie sie es verbessern kann. Man merkt, dass die Autorin selbst in diesem Land gelebt hat.

Ich habe "Das Goldene Notizbuch" (The Golden Notebook) vor Jahren gelesen. Es war ein völlig anderes Buch, aber genauso großartig. Ich denke, ich sollte mehr von dieser bemerkenswerten Autorin lesen.

Buchbeschreibung:

"'Afrikanische Tragödie' ist Doris Lessings erster Roman. Die britische Kolonie Rhodesien (heutiges Simbabwe) in Südafrika, wo sie aufwuchs, ist Schauplatz des Buches. Erzählt wird die Geschichte der Farmersfrau Mary. Mary ist in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land groß geworden. Kaum erwachsen, zieht sie in die Stadt. Um nicht als alte Jungfer zu enden, lässt sie sich auf eine Heirat mit dem Farmer Richard Turner ein und zieht zu ihm auf seine Farm. Bald merkt sie, dass ihr Mann und sie sich nichts zu sagen haben und dass sie mit der Farm kurz vor dem finanziellen Ruin stehen. Dann wird der enigmatische schwarze Farmarbeiter Moses als Diener ins Haus geholt… Die eindringliche Schilderung des schwierigen Verhältnisses zwischen Schwarzen und Weißen, Erfahrungen mit Kolonialherrschaft und Rassismus, bilden den Hintergrund für die mit feinem psychologischen Gespür erzählte Geschichte einer unglücklichen Ehe."

Doris Lessing "der Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat" erhielt den Nobelpreis für Literatur 2007.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 19. Mai 2023

Dangarembga, Tsitsi "Der Preis der Freiheit"

Dangarembga, Tsitsi "Der Preis der Freiheit" oder "Aufbrechen" (Englisch: Nervous Conditions) - 1988

Die erste Zeile "I was not sorry when my brother died" (Ich war nicht traurig, als mein Bruder starb) sollte in die Liste der besten ersten Zeilen aufgenomen werden.

Diese Geschichte gibt uns einen Einblick in das Leben der 13jährigen Tambudzei, ein Mädchen in den 1960er Jahren aus Simbabwe, das damals noch Rhodesien hieß. Man liest selten Bücher von afrikanischen Frauen. Die Autorin ist 1945 geboren und kann von den traditionallen Strukturen berichten, in denen allein Männer zählen. Der Roman ist halbautobiographisch. Die Protagonistin ist schlau und wünscht sich, ihre Intelligenz auch anderswo zu nutzen als in der Küche und im Kinderzimmer. Ihre Cousine, die einen Teil ihrer Kindheit in England verbracht hat, trägt weiter dazu bei, dass Tambu nach Bildung hungert.

Ein fantastisches Buch, das die Situation der Frauen in fast jeder Gesellschaft beschreibt. Ja, auch bei uns ist es leider immer noch ein Unterschied, ob man als Mann oder als Frau zur Welt kommt und in einem reichen oder armen Haushalt.

Ich möchte auf jeden Fall die beiden weiteren Bücher dieser Trilogie lesen: The Book of Not (Verleugnen) und This Mournable Body (Überleben).

Buchbeschreibung:

"Für Tambu, Mädchen vom Land und Kind sehr armer Eltern, scheint das Leben schon gelaufen zu sein, noch bevor es richtig begonnen hat. Durch den unerwarteten Tod ihres Bruders wendet sich das Blatt. Ihr vermögender, westlich gebildeter Onkel setzt gegen die Widerstände ihres Vaters durch, dass sie den Platz des Bruders in der Missionsschule einnimmt. Sie geht ihren eigenen Weg, wohlwissend, dass sie die Geborgenheit von Familie und Tradition verlieren wird. Ihre Befreiung gelingt nur um den Preis der Entfremdung von den eigenen Wurzeln. Das lernt sie am Beispiel ihrer Cousine Nyasha, die aus England nach Rhodesien zurückgekehrt ist. Sie wird zerrieben zwischen den Ansprüchen ihres traditionsbewussten Vaters und ihrem eigenen Bestreben, ein freies, westliches Leben zu führen."

"…die Geschichte, die ich hier erzählt habe, ist meine eigene Geschichte, die Geschichte von vier Frauen, die ich geliebt habe, und die Geschichte unserer Männer; es ist die Geschichte davon, wie alles begann." Tsitsi Dangarembga

"Dieser Roman ist ein ausgezeichnetes Porträt und Interpretation einer afrikanischen Gesellschaft, deren jüngere Generation von Frauen mit unterschiedlichem Erfolg (bis hin fast zu Niederlagen) darum kämpft, dass die Gesellschaft nicht mehr patriarchalisch dominiert und kolonial geprägt wird. In der afrikanischen Literatur hat es zuvor noch nie eine überzeugende Darstellung von Anorexie gegeben." Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Die deutsche Übersetzung ist von Ilja Trojanow, ein wirklich guter Schriftsteller, sie dürfte also gut sein.

"Nervous Conditions" wurde 2021 von der BBC als eines der 100 besten Bücher ausgezeichnet, die die Welt geprägt haben.

Das Buch erhielt 1989 den Commonwealth Writers Prize als bestes Erstlingswerk für die Region Afrika.

Tsitsi Dangarembga hat 2021 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.
In der Begründung der Jury heißt es: "In ihrer Romantrilogie beschreibt Tsitsi Dangarembga am Beispiel einer heranwachsenden Frau den Kampf um das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Dabei zeigt sie soziale und moralische Konflikte auf, die weit über den regionalen Bezug hinausgehen und Resonanzräume für globale Gerechtigkeitsfragen eröffnen. In ihren Filmen thematisiert sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen. Ihre Botschaften richten sich erfolgreich an ein breites Publikum sowohl in Simbabwe als auch in den Nachbarländern."

Eine andere afrikanische Schriftstellerin, von der ich schon Bücher gelesen habe und die ich gerne weiterempfehlen kann ist:

Chimamanda Ngozi Adichie
"Half of a Yellow Sun" - Die Hälfte der Sonne - 2006
"Americanah" - Americanah - 2013
"We Should All Be Feminists" (Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories) - 2014