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Dienstag, 18. August 2026

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer"

Oates, Joyce Carol "Cardiff am Meer" (Englisch: Cardiff by the Sea) - 2020

Vor einiger Zeit startete eine meiner Blogger-Freundinnen (Lisa von Captivated Reader) eine gemeinsame Leseaktion (zu Daddy Love von Joyce Carol Oates). Ich stieß zwar etwas verspätet dazu, konnte mich aber dennoch an der Unterhaltung beteiligen. Es hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen, ein weiteres Buch derselben Autorin gemeinsam zu lesen – einer unserer Lieblingsautorinnen (ich habe bisher 18 ihrer Bücher gelesen, mit diesem hier sind es 19; siehe hier).

Da Lisa dieses Buch bereits auf ihrem SUB hatte, fiel uns die Entscheidung leicht, und wir begaben uns gemeinsam auf diese Lektüre-Reise.

Wie die meisten Bücher von JCO ist auch dieses düster und traurig, aber absolut empfehlenswert.

Bevor ich mit meiner eigenen Rezension beginne, möchte ich euch auf Lisas Beitrag hinweisen. Ich möchte nicht alles wiederholen, was sie bereits geschrieben hat; wer also einen umfassenden Einblick erhalten möchte, sollte einen Blick auf ihre Seite werfen. Solltet ihr eine Übersetzung benötigen, sagt mir bitte Bescheid.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer anderen Bücher handelt es sich hierbei nicht um einen einzelnen Roman, sondern um vier Kurzgeschichten, die ich nacheinander vorstellen werde:

1. Cardiff am Meer (Cardiff, by the Sea)
Lisa meinte, das sei ein hervorragender Text, und ich stimme ihr voll und ganz zu. Die erste Geschichte hat mir unglaublich gut gefallen. JCO versteht es, alles so spannend zu gestalten, dass man den Protagonisten wirklich nahekommt.
Clare ist ein Adoptivkind und erfährt Dinge über ihre Vergangenheit, die sie zutiefst schockieren und verwirren. Ich wäre unglaublich wütend gewesen, wenn man mir so etwas vorenthalten hätte.
Ich finde es gut, dass die Autorin keine Erklärungen zu den Figuren liefert, sondern uns selbst unsere eigenen Schlüsse ziehen lässt.
Was die Figuren angeht: Oh Gott, es gab da zwei Tanten, denen ich am liebsten eine geknallt hätte. Wäre ich an Clares Stelle gewesen, hätte ich tatsächlich kehrtgemacht – wenn nicht gleich am ersten Tag, dann spätestens, als ich mehr erfahren hatte.
Ich bin eigentlich kein großer Fan von mehrdeutigen oder offenen Enden. Oder vielleicht doch, denn ich liebe JCO einfach zu sehr. Ein etwas klareres Ende hätte mir allerdings besser gefallen. Gab es Gespräche zwischen Clare und ihren Adoptiveltern? Wie viel wussten sie?

Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Gerard der Mörder war, und hätte mir gewünscht, dass das am Ende aufgeklärt wird – aber … es ist eben JCO.


Der Erklärung einer Figur zum Thema Gott stimme ich allerdings zu. Nein, ich kann nicht glauben, dass er voller Liebe ist. Auch wenn es so in der Bibel steht (die ich schon oft gelesen habe), gibt es dort doch viele Stellen, die genau das Gegenteil behaupten. Dennoch glaube ich, dass wir gut zueinander sein und versuchen sollten, unseren Mitmenschen das Leben ein wenig leichter zu machen. Religion macht das manchmal unmöglich, indem sie uns einredet, unsere Belohnung erhielten wir erst im Himmel.
Ein Mensch wie Clare hat kaum Hoffnung, der düsteren Anziehungskraft dieser Familie zu entkommen. Das Beste, was sie tun kann, ist zu gehen und ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Eine weitere Frage, die aufkam, lautete: "… warum hat ein liebender Gott zugelassen, dass unschuldigen Menschen in diesem Haus solche Schrecken widerfahren?" Nicht nur in diesem Haus. Das frage ich mich ständig. Kriege werden geführt, Kinder und Unschuldige getötet – und vieles davon im Namen Gottes‽ Das kann nicht richtig sein.
Ich glaube, JCO teilt diese Gedanken.

2. Miao Dao (Miao Dao)
Wieder eine absolut interessante Geschichte. Mia ist elf Jahre alt und ihre Eltern sind geschieden. Lisa beschreibt das am besten, daher zitiere ich sie: "Es ist ein beunruhigender Blick darauf, wie junge Mädchen gezwungen sind, sich viel zu früh in beängstigenden Umgebungen zurechtzufinden." (It’s an unsettling look at how young girls are forced to navigate terrifying environments far too early.)
Uns hat das Wortspiel mit "Meow" und "Mia" sehr gut gefallen.
Ich habe auch ein YouTube-Interview mit JCO gefunden, bin aber noch nicht dazu gekommen, es mir anzuhören.
Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei "Miao Dao" um einen traditionellen chinesischen Zweihandsäbel handelt.
Diese Geschichte endete eher so, wie ich es erwartet hatte. Ich habe dem Bösewicht von Anfang an nicht getraut; bestimmte Bemerkungen verrieten mir genau, was passieren würde.

Ich hätte allerdings nicht unbedingt gedacht, dass er getötet würde.

Aber wie immer sehr spannend zu lesen.

Ich habe erfahren, dass diese Geschichte eine von sieben Erzählungen in der Sammlung "Dark Corners" ist, von der ich zuvor noch nichts gehört hatte. Ich habe eine Liste gefunden:
1. Hannah-Beast (2018) Stephen Graham Jones
2. The Sleep Tight Motel (2018) Lisa Unger
3. There's a Giant Trapdoor Spider Under Your Bed (2018) Edgar Cantero
4. Miao Dao (2018) Joyce Carol Oates
5. The Tangled Woods (2018) Emily Raboteau
6. The Remedy (2018) Adam Hasler
7. Oak Avenue (2018) Brandi Reeds
Als ich jedoch nach den deutschen Titeln für diesen Eintragt googelte, stellte ich fest, dass nur "Miao Dao" von JCO stammt. Die anderen Autoren habe ich erst später hinzugefügt.
Auch ist keine außer Miao Dao auf deutsch erschienen.

3. Phantomwise: 1972 (Phantomwise: 1972)
In dieser Geschichte geht es um Alyce, eine schüchterne junge Studentin, die von ihren Tutoren missbraucht und anschließend schwanger wird.
Wir haben ihre Situation oft mit unserer eigenen verglichen: das Älterwerden und das Feststecken in einem Körper, der nicht mehr so ​​gehorcht wie früher – irgendwie wie das Gefängnis, in dem Alyce sitzt. Wir müssen uns mit dem abfinden, was uns gegeben ist. Unsere missliche Lage rührt allerdings daher, dass wir älter werden, und nicht daher, dass wir missbraucht wurden und schwanger geworden sind.
Dennoch sind wir an den Körper gebunden, den wir haben. Wir können nur begrenzt etwas tun, um ihn zu verbessern. Zumindest können wir versuchen, ihn selbst zu kontrollieren.
Ich bin kein großer Fan von "Alice im Wunderland" (Alice in Wonderland), weder des Zeichentrickfilms noch des Buches. Daher kannte ich den Begriff "phantom-wise" (im Sinne von "wie ein Phantom") nicht. Er ist jedoch sehr treffend.
Ich habe ja die "Pro-Life"-Einstellung (Lebensrechts-Bewegung) erwähnt. Früher war ich sehr aktiv auf Facebook, aber etliche Leute haben mich gelöscht, nachdem ich den Amerikanern zu ihrem damaligen neuen Präsidenten (Barack Obama) gratuliert hatte. Manche erzählten mir auch von den schrecklichen Demokraten, die Babys töteten (womit sie Abtreibungen meinten). Ich entgegnete, dass auch ich Abtreibungen nicht gut finde, aber solange wir schwangeren Frauen nicht helfen, wird es Abtreibungen geben – und illegale Abtreibungen sind sehr gefährlich. Statt für die ungeborenen Babys zu beten, sollte man lieber für deren Mütter beten, für die eine Abtreibung der letzte Ausweg war. Und für die Kinder, die aufgrund der Waffengesetze in Schulen und auf der Straße getötet werden. Bessere Bildung für Kinder, Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle, Hilfe für alleinerziehende Mütter, damit sie nicht in völlige Armut abrutschen – das sind Dinge, die Abtreibungen verhindern; sie zu verbieten, macht die Lage nur schlimmer. In den USA gibt es dreimal so viele Abtreibungen wie in Deutschland (und sicherlich auch in anderen Ländern). Zudem weisen sie eine der höchsten Raten an Teenager-Schwangerschaften und -Geburten in entwickelten Regionen auf. Eine Haltung, die nur die Geburt befürwortet, aber nicht das Leben an sich (also "Pro-Birth" - für Geburt statt "Pro-Life" - für Leben), führt zu mehr Abtreibungen. Betet also für die armen Mädchen, die in eine Situation gedrängt werden, in der sie nur einen Ausweg sehen, und für diejenigen, die ihr Kind bekommen und dadurch in Armut geraten. Und betet auch dafür, dass die Gesetzgeber die Bedingungen für schwangere Mädchen verbessern, die sich nicht selbst helfen können. Hoffen wir also, dass sich die Lage wieder bessert.
Diese Novelle war sehr kurz, aber ich war froh, dass sie nicht länger war. Ich glaube nicht, dass ich es viel länger ausgehalten hätte. Ich bin nicht gerade zartbesaitet, aber diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen. Die arme Alyce. Die armen Mädchen.
Das Ende habe ich besser verstanden als zum Beispiel bei "Cardiff". Es gab einen Abschluss. Kein gutes Ende, aber ein Ende. Niemand schreibt so wie JCO.

4. Das Überlebende Kind (The Surviving Child)
Ich kann verstehen, warum Lisa diese Geschichte am wenigsten mochte. Ich wüsste gar nicht, in welcher Reihenfolge ich sie einordnen würde, denn sie waren alle gleichermaßen fantastisch wie traumatisch. Meine Güte, was Frauen alles durchmachen müssen!
Was mir an der Geschichte gefiel: Sie entwickelte sich langsam. Zunächst ist es nur eine Frau, die einen Witwer kennenlernt. Das kommt oft vor und führt häufig zu einer guten Beziehung.
Alle Protagonistinnen machen eine schwere Zeit durch – einen Albtraum oder Ähnliches –, verursacht durch die Männer in ihrem Leben.
Hätte ich mir das alles gefallen lassen? Vielleicht nicht. Aber ich bin stark; ich bin mit drei jüngeren Brüdern aufgewachsen und habe schon früh gelernt, mich zu verteidigen.
Beim Lesen des letzten Romans musste ich an Sylvia Plath denken, einfach weil sie eine zutiefst gequälte Autorin war – genau wie die erste Frau des Protagonisten Alexander. Ich konnte gut verstehen, dass Elizabeth, seine zweite Frau, die Schriften ihrer Vorgängerin lesen wollte; an ihrer Stelle hätte ich das sicher auch gewollt. Mir gefällt die Beschreibung Alexanders als "Oatesian Villain" (Oates-typischer Bösewicht). Ich hatte noch nie gehört, dass JCOs Name als Adjektiv verwendet wird, aber sie hat es absolut verdient. Und ja, auch wenn Alexander seine Familie nicht körperlich misshandelt, ist er einer der schlimmsten Tyrannen, die man sich vorstellen kann. Der arme Stefan, der mit ihm aufgewachsen ist, hat dem nichts entgegenzusetzen.
In Märchen lesen wir oft von grausamen Stiefmüttern. Das liegt daran, dass es sie damals so häufig gab. Viele Frauen starben im Kindbett, und die Männer mussten erneut heiraten, um jemanden für die Erziehung der bereits vorhandenen Kinder zu haben. Mit der neuen Frau bekamen sie weitere Kinder, die sie dann mehr mochten. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Stiefmütter nicht gerade nett waren. Elisabeth ist da anders – so wie, wie ich glaube (und hoffe), die meisten Stiefmütter heute.
Ich hoffe, dass Elisabeth einen Weg findet, Alexanders Fängen zu entkommen. Und Stefan mitnimmt. Zumindest besteht am Ende diese Hoffnung.
Auf der Suche nach Antworten stieß Lisa im Internet auf folgende Frage:
Hat Joyce Carol Oates jemals eine wirklich glückliche, unbeschwerte Szene geschrieben?
Das kann ich nicht sagen, aber das ist auch nicht der Grund, warum ich ihre Bücher lese. Ich glaube auch nicht, dass dies ihr Beweggrund für das Schreiben ist. Sie möchte die Probleme dieser Welt hervorheben – sei es, indem sie auf wahre oder annähernd wahre Geschichten hinweist, oder indem sie sich Geschichten ausdenkt.

Buchbeschreibung:

"In diesem Band mit vier bisher unveröffentlichten großen Erzählungen der bekannten Autorin werdendie Leser wieder einmal in eine Welt schaurig-spannender, psychologisch reizvoller Beziehungen befördert. Auslöser sind Vorfälle, die jedem von uns geläufig sind, sei es aus persönlicher Erfahrung oder durch Medienberichte. Da ist der Telefonanruf eines Fremden – soll ich den Anruf annehmen oder besser nicht? –, eine zugelaufene, herumstreunende Katze – kann sie die Rettung sein? –, die Beziehung einer jungen Studentin zu ihrem Mentor oder ein ungeklärter Selbstmord. In jeder dieser Erzählungen entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein psychologisches Geflecht, das Vergangenheit und Gegenwart, Gedanken und Handlungen miteinander verflicht. Im Zentrum stehen bei Oates die bedrohlichen Erlebnisse junger Frauen, die sich in der Gegenwart mit Geschehnissen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Mit dieser Zusammenstellung ist es dem US-Verleger in einem geschickten Schachzug gelungen, Oates' Herzensanliegen – nämlich aufzuzeigen, wie Frauen in einer häufig psychisch und körperlich brutalen Männerwelt bestehen – in einem kompakten, inhaltlich stringenten Erzählband auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen sind spannend, überraschend, bemerkenswert. Die roten Fäden, die sich vom ersten Satz bis zur endgültigen Auflösung auf der letzten Seite durch die Geschichten ziehen, sind sprachlich fein durchdacht und auf höchstem literarischen Niveau."

Wir haben vor, im Oktober/November "Die Verfluchten" (Goodreads) (The Accursed) (Goodreads) zu lesen. Gebt uns Bescheid, wenn ihr mitmachen möchtet.

Freitag, 14. August 2026

Koch, Herman "Angerichtet"

Koch, Herman "Angerichtet" (Niederländisch: Het Diner) - The Dinner - 2009

Ein Lesekreis-Buch – eine Geschichte über zwei Paare, die gemeinsam zum Abendessen gehen, wobei jedoch offenbar alles schiefgeht.

Obwohl dies ein gutes Buch für Diskussionen ist, hat es mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen. Ich mochte keine der Figuren – nun ja, die Ehefrauen taten mir ein wenig leid, aber nein: Ich mochte wirklich niemanden von ihnen. Sie waren nicht nur oberflächlich, sondern auch berechnend und einzig auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Ein anderes Mitglied merkte an, dass sie beim Lesen regelrecht wütend geworden sei; wir waren uns jedoch einig, dass es sich hervorragend als Gesprächsstoff eignete.

Mir gefiel die Beschreibung des Kellners sowie des gesamten "Sterne-Restaurants". Ich war selbst schon in einigen solcher Lokale, in denen man scheinbar für den gesamten Teller bezahlt – und dementsprechend wenig darauf serviert bekommt –, wobei jedoch alles irgendwie "besonders" sein soll. Ich gehe da lieber in ein nettes, kleines Restaurant, in dem noch alles aus frischen Zutaten zubereitet wird und man zudem darauf achtet, dass die Gäste das Lokal nicht mit knurrendem Magen verlassen.

Ich empfand die Figuren als rassistisch oder faschistisch – oder wie auch immer man Menschen nennen mag, die jemanden bloß deshalb ablehnen, weil dieser weniger Geld besitzt als sie selbst. Genau die Art von Menschen, die ich keinesfalls zu meinem Freundeskreis zählen möchte. Wie auch immer die Handlung verläuft – ich möchte niemandem die Lektüre verderben –, ich würde für meine Kinder aus Liebe nicht "alles" tun; vielmehr würde ich versuchen, sie von jeglichem Ärger fernzuhalten, noch bevor überhaupt etwas passieren kann.

Die Frage lautet: Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die von genau dieser Art von Menschen bestimmt wird?

Das Buch wurde auch verfilmt. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich mir den Film ansehen möchte.

Wir haben dieses Buch im November 2017 in unserem internationalen Lesekreis sowie im Februar 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Hier sind die Kommentare aus der jüngsten Diskussionsrunde:
  • Das Gespräch war gleichermaßen intensiv und anregend.
  • Insgesamt waren wir uns einig, dass der Roman fantastisch geschrieben ist und über einen so starken Erzählfluss verfügt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mag. Die Spannung baut sich subtil, aber äußerst intensiv auf; dem Autor gelingt es zudem, klassische Erzählstrukturen aufzubrechen und dabei – im weiteren Verlauf der Geschichte – ganz beiläufig die Sichtweise des Lesers auf die einzelnen Figuren zu verändern. Obwohl die meisten von uns das Buch liebten, waren wir uns doch darin einig, dass wir eigentlich keine der Figuren wirklich sympathisch fanden – und es wirkte fast so, als hätte der Autor selbst keinerlei "Lieblinge" unter ihnen. 
  • Viele Leser bewerteten das Buch sehr positiv (4/5 oder 5/5), wenngleich einige ihm aufgrund der verstörenden und moralisch düsteren Natur der Geschichte lediglich 3/5 Punkte gaben. Für die meisten von uns war Koch ein neuer Autor, und wir hatten das Gefühl, dass wir dieses Buch ohne die Gruppe wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Einige Mitglieder hatten zudem bereits Verfilmungen der Geschichte gesehen – darunter die Adaption aus dem Jahr 2017, den niederländischen Film Het Diner (2013) sowie die italienische Verfilmung I nostri ragazzi (2014). Einigen Lesern gefiel der Roman so gut, dass sie umgehend weitere Werke Kochs auf ihre Leselisten setzten – insbesondere "Sommerhaus mit Swimming Pool" (Zomerhuis met zwembad).
  • Eines der Hauptthemen der Diskussion war die Moral und die Frage, wie das Buch unsere moralische Wahrnehmung herausfordert. Wir sprachen über die Einstellungen gegenüber Obdachlosen, Minderheiten und anderen benachteiligten Gruppen – sowohl in Finnland als auch weltweit. Die Geschichte regte uns dazu an, zu hinterfragen, was Gerechtigkeit eigentlich bedeutet: Gilt Gerechtigkeit nur dann, wenn sie durch formelle Bestrafung und ein Gerichtsverfahren herbeigeführt wird? Zudem erörterten wir, welchen Wert die Gesellschaft Opfern beimisst. Wenn das Opfer ein Obdachloser ohne Familie oder engen sozialen Kreis ist, mag die Öffentlichkeit zwar kurzzeitig entsetzt sein, wendet sich jedoch rasch wieder anderen Nachrichten zu. Wenn niemand mehr übrig bleibt, um zu trauern oder Rechenschaft zu fordern, fragten wir uns, ob eine Bestrafung dann noch wirklich als Gerechtigkeit empfunden wird – oder ob sie eher zu einem symbolischen Akt für das Gewissen der Gesellschaft verkommt.
  • Ein weiteres zentrales Thema war die Elternschaft: das Spannungsverhältnis zwischen dem Beschützerinstinkt der Eltern und der Erkenntnis, dass Liebe auch bedeuten kann, Grenzen zu setzen. Das Buch warf schwierige Fragen auf: Wie weit ist ein Elternteil bereit zu gehen, um die Zukunft seines Kindes zu sichern? Und kann dieser Schutz womöglich in moralische Mittäterschaft umschlagen?
  • Wir diskutierten auch die Kulisse des Restaurants als eine Art Bühne. Das Ritual des gemeinsamen Essengehens, der höfliche Ablauf der Gänge sowie die Anwesenheit von Kellnern und anderen Gästen erzeugen eine Fassade der Zivilisiertheit, die in scharfem Kontrast zu den verstörenden Themen steht, die dort verhandelt werden. Diese theatralische Atmosphäre beeinflusst unsere Wahrnehmung der Figuren und lässt deren Reaktionen, Umgangsformen und ihr Verhalten gegenüber anderen im Verlauf des Abends noch entlarvender erscheinen.
  • Besonders ausgiebige Diskussionen löste die Charakteranalyse aus. Zunächst neigten viele von uns dazu, den bekannten Politiker Serge auf der Grundlage der Darstellung durch den Erzähler zu verurteilen. Babette wirkte auf uns wie eine Dame der Gesellschaft, der die Wahrung des schönen Scheins wichtiger war als moralische Verantwortung. Claire überraschte viele Leser durch ihre Kälte und die extremen Schritte, die sie bereit war zu unternehmen, um die Zukunft ihres Kindes zu schützen. Der Erzähler Paul hingegen entpuppte sich nach und nach als unzuverlässig; möglicherweise leidet er an einer schweren psychischen Störung, von der er befürchtet, sie an seinen Sohn Michel vererbt zu haben. Im weiteren Verlauf der Geschichte begannen wir, seine Version der Ereignisse anzuzweifeln: Bildete er sich bestimmte schreckliche Gedanken und Taten nur ein – oder handelte es sich bei ihm tatsächlich um einen Psychopathen? Zudem reflektierten wir darüber, wie seine Denkweise womöglich Michels Weltbild und Handeln geprägt haben könnte.
  • Wir schätzten es sehr, wie der Roman – vermittelt durch einen einzigen, subjektiven Erzähler – unterschiedliche Arten der Weltwahrnehmung und -akzeptanz darstellt und wie geschickt er unsere Sympathien verschiebt, ohne dass wir dies zunächst überhaupt bemerken.
  • Das Buch enthält zudem zahlreiche literarische und moralische Bezüge. Es spielt auf Werke wie "Flussfahrt" (Deliverance) von James Dickey an (das wir einen Monat später gelesen haben) und greift viele berühmte biblische Moralgeschichten auf – insbesondere Themen wie Schuld, Gericht und moralische Verantwortung; hierzu zählen etwa die Geschichte von Kain und Abel sowie allgemeinere biblische Betrachtungen über Sünde, Heuchelei und Gerechtigkeit.
  • Schließlich zogen wir Vergleiche zwischen "Angerichtet" und anderen Büchern, die ähnliche moralische Dilemmata behandeln. Zu den erwähnten Titeln zählten Thomas Manns "Der Tod in Venedig", Albert Camus' "Der Fremde" (L'étranger) sowie Chuck Palahniuks "Fight Club" (Fight Club) (insbesondere hinsichtlich der unzuverlässigen Erzählweise und der verzerrten moralischen Argumentation) und "American Psycho" (American Psycho).
  • Nach der Erörterung dieser Themen verlagerte sich das Gespräch ganz natürlich hin zu einer breiteren Diskussion über Sekten, die häusliche Beschulung von Kindern und Tara Westovers Memoiren "Befreit" (Educated) – und darüber, wie deren Themenkreise (Erziehung, elterliche Autorität und die Prägung der kindlichen Weltanschauung) auf interessante Weise mit den moralischen und familiären Dynamiken verknüpft sind, die in "Angerichtet" beleuchtet werden.
  • Alles in allem führten wir also eine äußerst facettenreiche Diskussion. 
Ein weiteres Mitglied fügte hinzu:
"Man stelle sich eine Welt vor, in der schwerwiegendes Fehlverhalten straflos bleibt – ermöglicht durch Privilegien, Täuschung und Loyalität. Dies ist die moralisch verkommene Welt jener Familie, die im Mittelpunkt von 'Angerichtet' steht. Anstelle von Liebesbanden existieren hier Bande der Feigheit und der Mittäterschaft. Es ist eine faszinierende Geschichte, die zudem hervorragend erzählt ist. Ich empfand diese Buchauswahl als eine ebenso zeitgemäße wie lohnenswerte Lektüre. Kiitos!"

Buchbeschreibung:

"Zwei Ehepaare - zwei Brüder und ihre Frauen - haben sich zum Essen in einem Spitzenrestaurant verabredet. Sie sprechen über Filme und Urlaubspläne und vermeiden zunächst das eigentliche Thema: die Zukunft ihrer Söhne Michel und Rick. Die beiden Fünfzehnjährigen haben etwas getan, was ihr Leben für immer ruinieren kann. Paul Lohman, der Erzähler und Vater von Michel, will das Beste für seinen Sohn. Und ist bereit, dafür weit zu gehen, sehr weit. Auch die anderen am Tisch haben ihre eigene, geheime Agenda. Während des Essens brechen die Emotionen auf, schwelende Konflikte zwischen den Brüdern entladen sich, und auf einmal steht eine Entscheidung im Raum, die drei der vier mit aller Macht verhindern wollen."

Montag, 27. Juli 2026

Lehane, Dennis "Shutter Island"

Lehane, Dennis "Shutter Island" (Englisch: Shutter Island) - 2003

Ich hatte nicht erwartet, dass mir dieses Buch gefallen würde, da ich kein großer Fan von Kriminalgeschichten bin. Umso positiver war ich überrascht festzustellen, dass es sich hier nicht um die übliche Thriller- oder Actionfilm-Handlung handelt – sprich: Es gibt hier tatsächlich eine echte Handlung.

Eine packende Geschichte, die mit dem Verstand spielt. Und die Wendung am Ende hat mich völlig sprachlos zurückgelassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, hatte ich den Film nicht gesehen.

Allerdings halte ich es – wie die meisten Geschichten dieser Art – nicht für besonders geeignet für einen Lesekreis; worüber sollen wir schon diskutieren? Sicher, man kann über psychische Erkrankungen, PTBS, Klinikaufenthalte usw. sprechen. Aber das führt alles vom eigentlichen Geschehen weg.

Dennoch: lesenswert.

Ein Zitat von Seite 279 meiner Ausgabe – etwas, das ich mich selbst oft frage:

"Gott schickt uns Erdbeben, Wirbelstürme, Tornados. Er gibt uns Berge, die Feuer auf unsere Häupter speien. Ozeane, die Schiffe verschlingen. Er gibt uns die Natur, und die Natur ist eine lächelnde Mörderin. Er schickt uns Krankheiten, damit wir im Angesicht des Todes glauben. Er gab uns Büros, nur damit wir spüren konnten, wie unser Leben darin aus uns herausblutet. Er gab uns Lust und Wut und Gier und unsere schmutzigen Herzen. Damit wir in seinem Namen Gewalt ausüben konnten. Es gibt keine moralische Ordnung, die so rein ist wie dieser Sturm, den wir gerade erlebt haben. Es gibt überhaupt keine moralische Ordnung. Es gibt nur eines: Kann meine Gewalt deine besiegen?" (übersetzt von mir)

Kommentare vom Lesekreis:

  • "Das Buch kam in der Gruppe sehr gut an; alle bewerteten es mit 4 oder 5 von 5 Punkten.
  • Viele von uns hatten das Buch zuvor noch nicht gelesen, doch eine große Anzahl kannte bereits die Verfilmung von Martin Scorsese. Dies führte zu einer interessanten Situation, da viele Leser die entscheidende Wendung schon kannten, bevor sie das Buch überhaupt aufschlugen. Dennoch herrschte Einigkeit darüber, dass der Roman äußerst fesselnd blieb. Mehrere Mitglieder bemerkten, dass es durch das Wissen um das Ende leichter fiel, Hinweise und Details im Verlauf der Geschichte wahrzunehmen – wenngleich sich einige fragten, ob das Buch ohne dieses Vorwissen vielleicht noch besser oder aber weniger wirkungsvoll gewesen wäre.
  • Einer der am häufigsten gelobten Aspekte des Romans war Lehanes Schreibstil. Die Mitglieder hoben immer wieder die bildhafte Sprache und die Atmosphäre hervor, die er im gesamten Buch schafft. Die Insel, das Wetter und die Klinik wirkten überzeugend und hinterließen einen bleibenden Eindruck. Zudem wurde gelobt, wie hervorragend es Lehane gelingt, den Leser in die 1950er-Jahre zu versetzen. Sprache, Dialoge und die Haltung der Figuren vermitteln ein starkes Gefühl für Zeit und Ort.
  • Ein Großteil unserer Diskussion drehte sich um den Aufbau des Romans. Wir sprachen über die unzuverlässige Erzählweise, die in der Geschichte verstreuten Hinweise und die Art und Weise, wie Lehane den Leser zu bestimmten Annahmen verleitet. Auch einzelne Figuren und ihre Rollen in der Geschichte wurden erörtert – insbesondere, wie unterschiedlich man sie betrachtet, sobald man die Wahrheit hinter dem Rätsel kennt.
  • Auch die Themen Trauma, Schuld, Erinnerung und Selbsttäuschung regten zu Diskussionen an. Wir debattierten über die Klinik selbst, ihre Methoden und die ethischen Fragen, die sich aus der Behandlung der Patienten ergeben. Natürlich war auch das Ende ein zentrales Thema; dabei gab es unterschiedliche Ansichten zu Teddys finaler Entscheidung und deren Interpretation.
  • Wie bei unseren Diskussionen üblich, suchten wir nach Verbindungen zu anderen Büchern, die wir bereits gelesen hatten. Diesmal kamen Fight Club und der finnische Roman Rikosetsivien vapaapäivä zur Sprache, da beide Werke den Leser dazu anregen, frühere Ereignisse neu zu bewerten und das eigene Verständnis des Geschehens zu hinterfragen.
  • Schließlich kam auch Dennis Lehane als Autor allgemein zur Sprache. Mehrere Mitglieder merkten an, dass etliche seiner Romane verfilmt und hochgelobt wurden und Shutter Island nicht das einzige Beispiel für eine gelungene Adaption seiner Werke für die Leinwand ist. Das Buch inspirierte zudem einige Mitglieder dazu, weitere Werke von Lehane auf ihre Leselisten zu setzen.

"Shutter Island war eine herrlich gruselige Lektüre, die gerade während der unangenehmen jüngsten Hitzewelle in Ontario, Kanada, genau das Richtige war. Ein Täuschungsmanöver folgte auf das nächste. Mir gefiel das vielschichtige Zusammenspiel von Umständen, Persönlichkeiten, Hinweisen und Interpretationen. Das unterscheidet sich stark von meiner sonst eher sanften Lektüre, und ich bin dankbar für diese bereichernde neue Erfahrung."

Nochmals vielen Dank an unsere Leiterin Karin, die einen großartigen Rückblick zusammengestellt hat.

Wir haben dies im Juli 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Im Sommer des Jahres 1954 nehmen die US-Marshals Edward Daniels und Chuck Aule Ermittlungen im Ashecliffe Hospital auf, einer Klinik für psychisch kranke Schwerverbrecher, untergebracht auf einer Insel vor der Küste von Massachusetts: Shutter Island. Rachel Solando, eine Kindsmörderin, ist spurlos aus ihrer verschlossenen Zelle verschwunden. Als ein Hurrikan aufzieht, sind die beiden Marshals auf der Insel gefangen. Doch ist die Jagd nach Rachel Solando wirklich der einzige Grund, aus dem Edward Daniels nach Shutter Island gekommen ist?"

Samstag, 11. Juli 2026

Herbert, Xavier "Capricornia"

Herbert, Xavier "Capricornia. Die paradiesische Hölle" (Englisch: Capricornia) - 1938

Dieses Buch wurde mir von meinen australischen Freunden als Klassiker ihres Landes empfohlen. Es war zwar keine leichte Lektüre, aber ich war nicht enttäuscht. Der Autor beschreibt darin das Leben im australischen Norden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er erzählt vom Leben der weißen Siedler und der Aborigines, die schon seit Urzeiten auf diesem Kontinent lebten, vom neuen Leben, das durch die Vermischung beider Gruppen entstand – den "Mischlingen", den sogenannten "Yeller Fellers" (gelbe Typen) und den "Quadroons" – und den Problemen, die sich aus dieser Vermischung ergaben. Ich habe nie verstanden, wie man eine Rasse für besser als die andere halten und gleichzeitig diejenigen, die beide Rassen in sich tragen, in verschiedene Kategorien einteilen kann. Wenn man beispielsweise einen asiatischen Elternteil zwischen den "weißen" und "schwarzen" Eltern hat, ist man besser als diejenigen mit mehr "schwarzen" Vorfahren, aber immer noch schlechter als diejenigen mit mehr "weißen" Vorfahren usw. Das erscheint mir unglaublich, und ich will es gar nicht verstehen.

Ein großartiger Einblick in einen Kontinent, den ich heute kaum kenne, geschweige denn vor hundert Jahren. Ich habe ein paar Freunde in Australien, und mein Sohn hat sechs Monate dort verbracht, aber das hat mir nicht viel über deren Geschichte beigebracht. Dieses Buch hingegen schon. Eine informative, fesselnde und berührende Geschichte.

Es muss ein ziemlich schockierendes Buch gewesen sein, als es 1938 erschien, so nah an den Ereignissen. Ich schätze, viele dachten damals noch so. Der Autor wurde sogar zum "Beschützer der Aborigines" ernannt – das sagt wohl alles.

Viele Bücher, die ich über Australien gelesen habe, handelten eher von den Sträflingen, die zur Einwanderung nach Australien gezwungen wurden. Dieses Buch spielt später und erzählt daher die Fortsetzung dieser Geschichte.

Ach ja, und ich fand auch die Namen der Figuren toll, fast wie bei Charles Dickens. Viele sind nach ihrem Beruf oder einer ihrer Charakterschwächen benannt. Der Bestatter heißt Joe Crowe, Mr. Bigtit ist ein wichtiger Anwalt, O'Crimnell und O'Theef sind Polizisten usw. Ziemlich witzig. Das zeigt, dass der Roman auch voller Humor ist.

Eine lohnende Lektüre. Wer sich für Australien interessiert, sollte ihn unbedingt lesen. Er inspirierte Baz Luhrmann offenbar zu seinem Film "Australia", den ich ebenfalls sehr empfehlen kann, obwohl die Geschichte einen völlig anderen Hintergrund hat und zeitlich etwas später spielt.

Buchbeschreibung:

"Eine fesselnde Erzählung über die Herausforderungen des Lebens in Capricornia, Australien, durch die Linse von Imperialismus und kolonialer Geschichte"

Mittwoch, 24. Juni 2026

Hawkins, Paula "Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"

Hawkins, Paula "Girl on the Train: Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich" (Englisch: The Girl on the Train) - 2015

Bevor ich dieses Buch zu lesen anfing, war ich mir nicht sicher, ob es mir gefallen würde. Hätte ich raten müssen, hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass es mir nicht gefallen würde.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass es mir sehr gut gefiel. Ich bin eigentlich kein Fan von Krimis, Thrillern, Krimis oder Frauenromanen, und dieses Buch hat von allem etwas. Das Mädchen im Zug beobachtet die Leute in den Gärten, während sie an ihnen vorbeifährt. Es ist interessant zu sehen, wie viel sie aus den kurzen Blicken herauslesen kann. Man fragt sich, ob man aus jedem flüchtigen Blick auf das Leben eines anderen eine Geschichte spinnen kann.

Jedenfalls war die Geschichte gut geschrieben und voller Spannung (obwohl man leicht erraten kann, was passiert, aber man ist sich nie hundertprozentig sicher). Rachel, die Protagonistin, führt ein trauriges Leben; sie ist arbeitslos und Alkoholikerin. Die Art, wie ihr Leben beschrieben wird, lässt einen erkennen, wie leer so ein Leben sein kann.

Ich würde nicht sagen, dass dies das beste Buch war, das ich in dem Jahr gelesen habe, aber es hatte definitiv etwas.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von Jess. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse..."

Montag, 18. Mai 2026

Grann, David "Der Untergang der Wager"

Grann, David "Der Untergang der "Wager: Eine wahre Geschichte von Schiffbruch, Mord und Meuterei" (Englisch: The Wager: A Tale of Shipwreck, Mutiny and Murder) - 2023

Was für eine interessante Geschichte! Nicht nur wegen des Schicksals dieses Schiffes, sondern auch wegen des Lebens an Bord zu jener Zeit. Ich habe schon einige Bücher über Seereisen gelesen (z. B. Master and Commander/Kurs auf Spaniens Küste), und sie sind immer spannend. Dieses Buch handelt vom Leben auf einem Schiff während eines Krieges, von einem Schiffbruch und einer Meuterei. Das ist der Hintergrund vieler Romane aus dieser Zeit, in denen Seeleute vorkommen. Ich denke da besonders an die Geschichten von Jane Austen, deren Brüder Seeleute waren und die in den meisten ihrer Bücher neben Geistlichen (die ihren Vater und einen Bruder repräsentierten) auch Seeleute einfließen ließ. Dieses Buch ergänzt diese Erzählungen.

Wenn ihr also mehr über das Leben auf diesen Schiffen erfahren möchtet, ist dieses Buch genau das Richtige.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass es auf einer wahren Begebenheit beruht?

Buchbeschreibung:

"Im Januar 1742 wird ein windschiefes Segelboot an die Küste Brasiliens gespült. An Bord 30 Männer, die einzigen Überlebenden des königlichen Eroberungsschiffs 'The Wager', das in einem Sturm zerschellt ist. Sechs Monate später landen drei Schiffbrüchige an der Küste Chiles und behaupten, die 30 Männer seien Meuterer, die sich den königlichen Befehlen widersetzt und skrupellos gemordet hätten… Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Das soll ein britisches Kriegsgericht entscheiden. Es geht um Leben oder Tod. David Grann spinnt aus dem Archivmaterial eines historischen Kriminalfalls eine Erzählung so packend und atmosphärisch dicht wie ein Abenteuerroman erster Güte. Schuld und Unschuld, Treue und Verrat liegen eng beieinander, und am Ende kommt eine schockierende Wahrheit zutage."

Donnerstag, 30. April 2026

Eco, Umberto "Der Name der Rose"

Eco, Umberto "Der Name der Rose" (Italienisch: Il nome della rosa) - The Name of the Rose - 1980

Ich glaube, ich wollte dieses Buch lesen, seit ich das erste Mal von dem Film gehört habe. Und das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Nun, endlich habe ich es geschafft. Aber ich weiß immer noch nicht, warum es "Der Name der Rose" heißt, aber vielleicht bleibt das für immer ein Rätsel.

Das Buch selbst ist definitiv ein Kriminalroman. Ein Kloster im 14. Jahrhundert. Ein Tod folgt dem anderen, manche erscheinen sehr verdächtig, doch bei den meisten ist klar, dass ein anderer Mensch den Tod verursacht hat. Mit anderen Worten: Ein Massenmörder treibt sein Unwesen. Zwei Mönche, die das Kloster besuchen, beginnen zu ermitteln und stoßen auf viele Verbindungen, manche schlüssig, andere eindeutig falsch.

Aber das ist nicht der spannendste Teil der Geschichte, zumindest nicht für mich. Ich bin nicht der größte Fan von Krimis. Was mich aber fasziniert, ist die Bibliothek und das Labyrinth, das sie umgibt, um zu verhindern, dass Unbefugte Bücher lesen. Wenn ihr euch für mittelalterliche Gebäude, Labyrinthe und insbesondere Bibliotheken interessiert, ist dies das ideale Buch für euch. Außerdem gibt es viele bekannte Namen und zahlreiche Anspielungen auf reale und fiktive Personen (Bruder Wilhelm von Baskerville, auch bekannt als Sherlock Holmes, der blinde Mönch Jorge von Burgos, eine Hommage an Jorge Luis Borges).

Es finden sich viele biblische Bezüge, beispielsweise die sieben Posaunen der biblischen Apokalypse, die das Ende der Welt ankündigen. Diese dienen nicht nur als Erzählstruktur, der Roman ist auch in sieben Tage unterteilt.

Die Ausführungen über die Franziskaner fand ich ebenfalls interessant. Da ich in einem Dorf mit einem Franziskanerkloster aufgewachsen bin und mein Leben lang Franziskanermönche kannte, war es mir neu, dass sie anfangs als Ketzer galten.

Ich hätte diese Abtei sehr gerne besucht und die Bibliothek wie die Protagonisten erkundet. Da mir dies aber nicht möglich ist, werde ich das Buch wohl noch einmal lesen müssen. Was ich ganz sicher eines Tages tun werde.

Wer sich für das Mittelalter, für Bücher, für Kriminalromane oder für Klassiker interessiert, sollte es auch lesen.

Buchbeschreibung:

"Daß er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs. Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Jorge von Burgos wacht."

Mittwoch, 22. April 2026

Morton, Kate "Die Tochter des Uhrmachers"

Morton, Kate "Die Tochter des Uhrmachers" (Englisch: The Clockmaker's Daughter)  - 2018

Als ich mein Watergate-Buch ("Die Watergate-Affäre" - "All the President's Men" - von Carl Bernstein und Bob Woodward) aus der Bibliothek abholte, stieß ich zufällig auf dieses Buch der australischen Autorin Kate Morton. Der Titel klang verlockend und das Cover sah interessant aus, also lieh ich es mir aus.

Was für ein interessantes Buch! Wir erleben fast zwei Jahrhunderte Leben in einem Haus, das wie verzaubert wirkt. Wir begegnen seinen Bewohnern im Laufe der Zeit und erleben zwei Weltkriege mit. Es gibt Verbindungen zwischen ihnen allen – dem Erzähler, der Uhrmachertochter selbst –, obwohl die Menschen scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch das Haus selbst ist allgegenwärtig. Ich würde es so gerne einmal sehen. Es muss atemberaubend sein.

Mir gefiel besonders, wie die Geschichten all dieser Charaktere parallel erzählt wurden und sich im Laufe der Zeit immer mehr Teile des Geheimnisses enthüllten. Ein brillanter Stil.

Ich habe dieses Buch sehr genossen und würde gerne mehr von dieser Autorin lesen.

Buchbeschreibung:

"Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie – eine Frau verschwindet, eine andere stirbt …

Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben?"

Montag, 20. April 2026

Hunter, Stephen "Nacht des Donners"

Hunter, Stephen "Nacht des Donners" (Englisch: Night of Thunder: a Bob Lee Swagger novel) - 2008

Ein Freund von mir meinte, einige Leute hätten ihn mit Bob Swagger aus diesem Roman verglichen und wollten ihn unbedingt lesen. Ich sagte ihm, ich sei froh, dass er mein Freund und nicht mein Feind sei. Aber ich verstand, warum seine Freunde ihn darin wiedererkannten, und sie könnten Recht haben. Ich kannte diesen Freund noch nicht lange, aber die Ähnlichkeit ist mir aufgefallen.

Bob Swagger ist ein ehemaliger Soldat/FBI-Agent, so etwas wie der amerikanische James Bond, nur verheiratet. Mit ihm legt man sich besser nicht an, und schon gar nicht mit seiner Familie. Denn das bedeutet Krieg.

Ich bin kein großer Fan von Thrillern, weil sie sich für mich alle ähneln und es nicht viel Neues zu erzählen gibt. Deshalb sage ich nur so viel: Es war ein netter, gut geschriebener Roman, dessen Spannung hauptsächlich durch den Wechsel zwischen den beiden Erzählperspektiven erzeugt wurde. Wenn ihr Thriller mögt, solltet ihr Stephen Hunter mal lesen.

Buchbeschreibung:

"Talk about a ride!

Wehe dem, der sich mit Bob Lee Swagger anlegt!

Sie haben die Tochter des falschen Mannes angegriffen.

Die Reporterin Nikki Swagger liegt im Koma und kämpft ums Überleben. Bei den Ermittlungen über einen kriminellen Klan, der den Süden der USA seit Jahrzehnten terrorisiert, wurde ihr Auto von der Straße in einen Abgrund gedrängt ...

Als ihr Vater Bob Lee Swagger, ein Ex-Marine und Scharfschütze, dort ansetzt, wo seine Tochter aufgehört hat, gerät er an eine Sippe von Baptisten. Sie planen eine Anschlag auf das verschlafene Bristol, Tennessee, in dem das einwöchige NASCAR-Rennen stattfindet.

Bestsellerautor Stephen Hunter ist ein Meister seines Fachs und NACHT DES DONNERS ein richtiger Vorzeige-Thriller. Garantierte Spannung bis zur letzten Seite!"

Mittwoch, 8. April 2026

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge"

Godfrey, Jennie "Unser Buch der seltsamen Dinge" (Englisch: The List of Suspicious Things) - 2024

Dieses Buch wurde von unserem örtlichen Lesekreis einstimmig für unsere Diskussion im März 2026 ausgewählt. Es ist eine interessante Geschichte über zwei Mädchen, die einen Serienmörder jagen. Ihre Hauptbemühungen bestehen darin, die Menschen in ihrem Umfeld zu "untersuchen", sprich: herumzuschnüffeln. Wie man sich denken kann, richten sie damit mehr Schaden als Nutzen an.

Ich hätte dieses Buch im Buchladen wahrscheinlich nie entdeckt; es wirkte eher wie kitschige "Frauenliteratur". Und dass es ein Sunday-Times-Bestseller ist, spricht auch nicht gerade dafür. Aber das Mitglied, das es vorgeschlagen hat, hatte es gelesen und fand es gut. Und ich weiß, dass sie einen guten Geschmack hat.

Neben der Geschichte des "Yorkshire Rippers" behandelt das Buch viele verschiedene Themen: Erwachsenwerden, erste Liebe, psychische Erkrankungen, Rassismus – fast alles, was einem dazu einfällt.

Obwohl mir das Buch insgesamt gut gefallen hat, war ich vom Ende nicht so begeistert. Vielleicht wollte die Autorin etwas Abwechslung, aber es hätte anders sein können. Es hätte anders sein sollen.

Wir hatten ein wundervolles Gespräch über dieses Buch. Es wurden ja so viele Schicksale angesprochen.

Wir fanden außerdem heraus, dass "das Titelbild einen Raben zeigt, der die Themen Neugier, Intelligenz und die bedrohliche Atmosphäre symbolisiert, und die Milchflasche das britische Schulleben jener Zeit repräsentiert. Der Vogel steht für das dunkle, gefährliche Eindringen der Außenwelt und spiegelt die Angst wider, die in Yorkshire zur Zeit der Morde herrschte." (KI)

Buchbeschreibung:

"Miv und ihre beste Freundin Sharon sind unzertrennlich. Als Mivs Vater mit der Familie wegziehen möchte, bricht für sie eine Welt zusammen. Eine brutale Mordserie hält Yorkshire in Atem, doch ihr Zuhause und Sharon hinter sich zu lassen, kann Miv sich trotzdem nicht vorstellen. Egal, wie seltsam es dort auch geworden ist, seitdem ihre Mutter aufgehört hat zu sprechen und Tante Jean sich nun um alles kümmert. Was wäre, wenn der Mörder gefasst würde? Könnte Miv dann bleiben? Also beginnen die beiden Mädchen, auf eigene Faust die Menschen in ihrer Nachbarschaft zu beobachten – und setzen dabei Dinge in Gang, die alles verändern werden.

Einfühlsam und klug erzählt Jennie Godfrey von Familie, Freundschaft und Zusammenhalt und eröffnet ein weites Gesellschaftspanorama, voll ergreifender Schicksale und liebenswerter Figuren."

Freitag, 20. März 2026

Mankell, Henning "Die rote Antilope"

Mankell, Henning "Die rote Antilope" (Schwedisch: Vindens son) - Daniel - 2000

Ein Roman, der kein Krimi ist, von einem Krimiautor – na ja, fast ein Krimi. Aber einer, der sich nicht auf das Verbrechen konzentriert.

Dies ist die Geschichte des südafrikanischen Jungen Molo, der im späten 19. Jahrhundert lebt. Als seine Eltern getötet werden (natürlich von Weißen), gibt ihm ein schwedischer Biologe den Namen Daniel, nimmt ihn mit nach Hause und versucht, ihn zu "adoptieren". In seinem Fall bedeutet das, dass er ihn zu Ausstellungen mitnimmt und andere Wissenschaftler ihn vermessen, zeichnen und für ihre Neugier benutzen lässt.

Der Junge hat großes Heimweh. Niemand kümmert sich wirklich um ihn, und er versucht, nach Hause zurückzukehren.

Keine schlechte Geschichte, aber ich hatte erwartet, dass sie mehr von Afrika als von Europa handelt. Doch die Geschichte fesselt einen, der Junge wird so beschrieben, dass man seine Wünsche nicht ignorieren kann. Es ist leicht zu verstehen, warum er sich in diesem kalten Land, in dem alles verboten ist, was in seinem alten Leben normal war, nicht zu Hause fühlt. Eine düstere Geschichte, aber es war auch sehr interessant zu sehen, wie die Menschen im Schweden des 19. Jahrhunderts lebten. Hoffen wir, dass wir uns alle davon weiterentwickelt haben.

Die verschiedenen Übersetzer schienen sich, wie so oft, nicht über den Titel einig zu sein. Während die französische, italienische, spanische, niederländische und finnische Version den Originaltitel (Sohn des Windes) beibehält, nennen die Portugiesen es einfach "Die Antilopen", die Deutschen und Russen wählen "Die rote Antilope", die Engländer wählten den Titel "Daniel".

Buchbeschreibung:

"Ende des 19. Jahrhunderts reist ein junger Mann aus Schweden nach Südafrika. Der gescheiterte Student und Abenteurer Hans Bengler hofft, mit einem unbekannten Insekt zurückzukommen, das ihn berühmt machen soll. Stattdessen entdeckt er bei einem Großwildjäger am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Buschmannjungen und beschließt, ihn nach Europa mitzunehmen.

Obwohl Daniel, wie Bengler ihn nennt, die schwedische Sprache bald leidlich versteht, wird er sich auf dem weißen Kontinent nie richtig heimisch fühlen. Er muss Schuhe tragen, an Türen anklopfen und sich pausenlos anstarren lassen, denn die meisten Schweden haben noch nie einen Schwarzen gesehen. Er wird wissenschaftlich untersucht und von seinem neuen Vater wie von einem Schausteller dem Publikum vorgeführt...

In seinen Träumen aber sieht er die rote Antilope, die sein leiblicher Vater in den afrikanischen Felsen geritzt hat. Wie sie will er zum Sprung ansetzen, weit zurück über das Meer, und nachts probiert er heimlich, ob es nicht möglich ist, mit bloßen Füßen über das Wasser zu gehen.

Wer war dieser kleine schwarze Junge, der auf einem Friedhof in Schonen begraben liegt? Welches Drama hat sich in seinem kurzen Leben abgespielt? Und was geschah zwischen ihm und dem weißen Mädchen, das eines Tages aus seinem Elternhaus verschwand und einem Mord zum Opfer fiel?
"

Montag, 9. Februar 2026

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden"

Shriver, Lionel "Wir müssen über Kevin reden" (Englisch: We need to talk about Kevin) - 2003

Was geht einem Massenmörder durch den Kopf? Was geht seiner Mutter durch den Kopf? Dieses Buch versucht, diese Frage zu beantworten.

Eva schreibt Briefe. Briefe, in denen sie ihrem Mann erklärt, warum sie nie eine enge Bindung zu ihrem Sohn aufgebaut hat. Eine interessante Herangehensweise an das Problem.

Da ich selbst Mutter zweier Söhne bin, fiel mir die Lektüre dieses Buches sehr schwer, und dennoch konnte ich es nicht weglegen. Ich persönlich habe noch nie ein solches Kind getroffen. Ich kann es kaum glauben. Und wenn es ihn wirklich gab, warum bekam sie dann überhaupt keine Hilfe, warum bemerkte niemand, dass sie es nicht alleine schaffte?

Die Ehe der beiden schien von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Und wir alle wissen, dass es die schlechteste Idee ist, in einer solchen Situation ein Kind zu bekommen. Ein Kind, jedes Kind, wird das Leben seiner Eltern verändern, und sie müssen zusammenhalten, um das durchzustehen. Selbst ein unkompliziertes Kind hat schlaflose Nächte, selbst das langsamste Kind versucht, seine Eltern zu "erziehen", und wenn man keine gemeinsamen Regeln aufstellt, merkt das Kind das sofort und spielt die beiden gegeneinander aus.

Ich glaube nicht, dass Eva Schuld daran hat, dass ihr Sohn so geworden ist, wie er geworden ist. Ich glaube auch nicht, dass der Vater Schuld hat, aber mit etwas mehr Verständnis wäre es vielleicht anders gekommen. Natürlich sieht er es wahrscheinlich ganz anders, und wir würden mehr erfahren, wenn er auch seinen Teil der Geschichte hätte erzählen können.

Wie dem auch sei, Lionel Shriver hat es geschafft, sowohl der Mutter als auch dem Sohn unter die Haut zu gehen. Ich kann nicht glauben, dass sie selbst keine Kinder hat, sie hat alles so gut beschrieben.

Obwohl das Buch selbst schon ein Schock war, ist das Ende noch schockierender. Ich will hier nichts verraten für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber ich hätte nicht gedacht, dass das passieren würde. Und trotz allem, was passiert ist, stimmt es sehr hoffnungsvoll, dass Eva Kevin im Gefängnis besucht und sich sogar wünscht, dass er nach Verbüßung seiner Strafe zu ihr zurückkommt.

Ein Buch, das jeder lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Evas Sohn Kevin hat eine furchtbare Gewalttat begangen: In der Schule hat er mehrere Menschen getötet. Von allen verurteilt und von jetzt an auf sich selbst gestellt, findet Eva den Mut, sich in aller Offenheit den quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Hätte sie ihre Ehe retten können? Stilistisch brillant und mit erschütternder Klarheit lotet dieser Roman die Tiefen und Untiefen der modernen Gesellschaft aus. Lionel Shriver erzählt aus der Sicht einer Mutter, die sich auf schmerzhafte und ehrliche Weise mit Schuld und Verantwortung auseinandersetzt."

Samstag, 7. Februar 2026

Saramago, José "Kain"

Saramago, José "Kain" (Portugiesisch: Caim) - Cain - 2009

Ich liebe die Romane unserer Nobelpreisträger und konnte daher nicht widerstehen, dieses hier zu lesen. Ich habe gelesen, dass dies das letzte Buch dieses Atheisten über die Bibel ist. Hmm, das klang interessant.

Und das war es auch. Die Geschichte beginnt mit Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies ... nun ja, wir alle kennen diese Geschichte. Oder etwa nicht? José Saramago findet eine einzigartige und satirische Art, diese Geschichte zu erzählen, die so alt ist wie die Menschheit. Wir sehen dann den ersten Mord, Kain tötet seinen Bruder Abel, und dann sehen wir, wie Kain weiterlebt und alle biblischen Berühmtheiten wie Abraham, Moses, Noah, Lilith und Hiob trifft und alle wichtigen Orte besucht, zum Beispiel in Lot, Babel, Jericho, Sodom und Gomorra, zu den wichtigsten Zeiten – kurz gesagt, er ist allgegenwärtig.

Was mich am meisten beeindruckt hat: Die Charaktere waren sehr realistisch, sehr real. Der Hintergrund wurde gut erklärt, und viele Geschichten ergaben Sinn. Wir erfahren hier, was mit Adam und Eva geschah, nachdem sie das Paradies verlassen hatten, und wohin sie gingen.

Ob man nun an die Bibel glaubt oder nicht, dies ist ein hochinteressantes Buch, ein sehr guter Ausgangspunkt für tiefgründige Diskussionen. Es hilft auch, viele der Geschichten zu verstehen, auch wenn es nur eine Sichtweise darstellt. Aber genau dieser Teil wird im Religionsunterricht normalerweise nicht behandelt. Ich möchte nicht behaupten, dass irgendetwas in diesem Buch wahr ist, denn das ist es nicht. Es ist die Interpretation eines Atheisten. Es trägt dennoch zu einem besseren Verständnis bei. Es ist manchmal sogar lustig.

Der Autor wurde für diesen Roman und "Das Evangelium nach Jesus Christus" (O Evangelho Segundo Jesus Cristo/The Gospel According to Jesus Christ) vielfach kritisiert, insbesondere von der katholischen Kirche. Ich denke, ich muss hier einen anderen Nobelpreisträger zitieren, Sir Winston Churchill, der sagte: "Sie haben Feinde? Gut. Das bedeutet, dass Sie irgendwann in Ihrem Leben für etwas eingetreten sind."

Ich bin sehr froh, dies gelesen zu haben.

Buchbeschreibung:

"Jesus als 'Mensch unter Menschen' - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. José Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen "Heilandsgeschichte" den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Religion und Legende in Frage."

José Saramago "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar macht" erhielt den Nobelpreis für Literatur 1998.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Freitag, 26. Dezember 2025

Jonasson, Jonas "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Jonasson, Jonas "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" (Schwedisch: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann) - The Hundred-Year-Old Man Who Climbed Out the Window and Disappeared - 2009

Der in 35 Sprachen übersetzte Roman hatte seinen größten Erfolg, abgesehen von seiner schwedischen Heimat, in Deutschland, wo er über eine Million Exemplare verkaufte. Und dort habe ich dieses Juwel von einem Buch entdeckt. Die Geschichte enthält alles: Krimi, Mord, historischer Roman, alternative Geschichte, Liebe, Drama und jede Menge Humor. Sie ist so urkomisch und spannend. Sie wird in zwei Teilen erzählt: Allan Karlssons Leben bis zu seinem 100. Geburtstag und danach. Beide Teile sind voller Abenteuer.

Dieser Roman ist leicht zu lesen und dennoch voller Informationen und Philosophie. Eine schöne Geschichte über einen Mann, der sich nicht anpassen und nicht aufgeben will.

Auf Jonas Jonassons Website findet ihr alle Länder, die er bereist hat, und die Menschen, die er im Laufe seines Lebens getroffen hat. Er reiste von Schweden nach Moskau, Stalingrad (Wolgograd), Gulag-Lager, Wladiwostok, Los Alamos, ins Weiße Haus, nach Washington, China, in den Himalaya, nach Tibet, Afghanistan, Iran, Nordkorea, Bali und Paris und traf Zar Nikolaus (na ja, das war sein Vater), Gustav Fabergé (auch sein Vater), Wladimir Lenin, Miguel Primo de Rivera, Francisco Franco, Robert Oppenheimer, Harry S. Truman, Song Meiling, Eleonor Roosevelt, Jiang Ping, Winston Churchill, Tage Erlander, Josef Stalin, Kim II. Sung, Kim Jong II., Kirill Merezkow,, Mao Tse Tung, Charles de Gaulle, Lyndon B. Johnson und Richard Nixon.

Buchbeschreibung:

"Eigentlich hat Allan Karlsson allen Grund zum Feiern: Er wird 100 Jahre alt. Das Problem ist nur, dass er im Altersheim festsitzt, noch alle Fünfe beisammen hat und sein Körper sich bisher standhaft weigert, das Zeitliche zu segnen. Zu allem Überfluss hat sich auch noch der Bürgermeister samt Lokalpresse angekündigt. Allan hat auf den ganzen Zirkus überhaupt keine Lust. So steigt er in seinen Pantoffeln kurzerhand aus dem Fenster und stellt bald ganz Schweden auf den Kopf..."

Dienstag, 23. Dezember 2025

Bradley, Alan "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet"

Bradley, Alan "Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet" (Englisch: The Sweetness at the Bottom of the Pie) (Flavia De Luce Mystery)  – 2009

England 1950. Ein kleines Mädchen lebt mit ihrem Vater und ihren Schwestern in einem englischen Dorf. Als eine Leiche in ihrem Garten auftaucht, geht sie auf Entdeckungsreise.

Ich bin kein großer Fan von Kriminalgeschichten. Noch weniger mag ich Geschichten, in denen kleine Kinder die großen Helden sind, indem sie alles vermasseln und am Ende alles gut wird. Die "Fünf Freunde" habe ich deshalb selbst als Kind nie wirklich gemocht, und ich mag diese Art von Geschichten heute noch weniger als damals.

Wie ihr euch vorstellen könnt, hat mir die "Flavia De Luce Mystery" Nr. 1 jedenfalls nicht besonders gefallen, deshalb werde ich die folgenden gar nicht erst lesen. Ich kann verstehen, dass jemand, der solche Geschichten mag, diese hier mag; die Kulisse ist schön, aber ich lese lieber über England und sein Land- und Dorfleben bei Jane Austen, Charles Dickens oder, wenn ihr nach zeitgenössischeren Autoren sucht, Bill Bryson, der zum Beispiel wunderbare Bücher über Großbritannien geschrieben hat, etwas Gehaltvolleres.

Buchbeschreibung:

"Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht das Opfer eines Giftmordes in ihrem Gurkenbeet entdeckt! Da jeder ihren Vater, den sanftmütigen Colonel de Luce, für den Mörder zu halten scheint, nimmt die naseweise Flavia persönlich die Ermittlungen auf. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia schließlich, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist ..."

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Mason, Daniel "Oben in den Wäldern"

Mason, Daniel "Oben in den Wäldern" (Englisch: North Woods) - 2023

Ein Buch, das eine Freundin gefunden und mir netterweise geliehen hat. Sie war sich nicht ganz sicher, ob ich lieben würde, aber sie dachte, es könnte mir gefallen. Und sie hatte Recht: ein großartiges und interessantes Buch.

Was mir zunächst nicht bewusst war: Ich hatte vor Jahren schon einmal ein Buch desselben Autors gelesen und es sehr gemocht: "Der Klavierstimmer ihrer Majestät" (The Piano Tuner).

Die Beschreibung auf der Rückseite war nutzlos, da sie mit Lobeshymnen von Kritikern durchsetzt war. Aber hier ist sie (eine bessere Version von Goodreads am Ende):
"Über vier Jahrhunderte hinweg
ist ein einzelnes Haus in den Wäldern Neuenglands
die Heimat von Ausreißern und Visionären, unzertrennlichen Zwillingen, einem unglücklich verliebten Maler, einer verzweifelten Mutter und einem skrupellosen Betrüger.
Jeder von ihnen hat eine Geschichte zu erzählen.
Bereiten Sie sich darauf vor, verändert zu werden
."

Die Geschichte erinnerte mich an ein anderes Buch, das ich sehr mochte, in dem die Autorin das Leben eines Gemäldes beschreibt:
Vreeland, Susan "Mädchen in Hyazinthenblau" (Girl in Hyacinth Blue) – 1999

Und das wiederum erinnerte mich an einen Film über das Leben einer Geige:
"Die rote Violine" (Le Violon Rouge) - 1998

All diese Geschichten erstrecken sich über Jahrhunderte, und wir lernen die Besitzer oder, in diesem Fall, die Bewohner des Hauses kennen. Hier sehen wir die unterschiedlichsten Menschen (und in einem Fall sogar ein Tier), die in dem Haus im Wald leben. Lange Zeit züchten sie dort die besten Äpfel, die es je gab. Wie gern hätte ich einen dieser "Wunderäpfel" probiert!

Ich kann diesen Roman auf jeden Fall wärmstens empfehlen.

Das Buch wurde 2020 mit dem JCO Award ausgezeichnet. Ich hatte von diesem Preis noch nie gehört, obwohl ich ein großer Fan von Joyce Carol Oates bin. Er wird seit 2017 verliehen. Ich sollte mir vielleicht noch weitere Bücher der Preisträger ansehen.

Buchbeschreibung:

"Wer hat hier, wo ich wohne, schon einmal ein Leben geführt – und wer wird diesen Ort nach mir sein Zuhause nennen? Daniel Mason erzählt in seinem neuen Roman die bewegte Geschichte eines Hauses in den Wäldern von Massachusetts. Und mit ihr von den Schicksalen, Geheimnissen und Abgründen der Menschen, die das Haus über die Jahre bewohnen."

Montag, 1. Dezember 2025

Shreve, Anita "Das Gewicht des Wassers"

Shreve, Anita "Das Gewicht des Wassers" (Englisch: The Weight of Water) - 1997

Ich habe diesen Roman vor Ewigkeiten gelesen und musste wirklich darüber nachdenken, worum es eigentlich geht. Die Beschreibung auf der Rückseite "Fesselnd und wunderschön geschrieben usw. usw." half mir nicht wirklich weiter. Aber ein Blick ins Buch half mir ein wenig.

Wenn ich mich an einen Roman nicht erinnere, bedeutet das meistens, dass er keinen großen Eindruck auf mich gemacht hat.

Ich erinnere mich an zwei verschiedene Geschichten, eine aus dem 19. Jahrhundert, die andere aus der heutigen Zeit. Ein Mord, der sich im ersten Zeitrahmen ereignete, und ein Journalist, der alles ein Jahrhundert später aufdeckte. Normalerweise nicht so mein Geschmack, und da es keinen großen Eindruck auf mich machte, war diese hier keine Ausnahme.

Buchbeschreibung:

"Der Segeltörn der Fotoreporterin Jean mit ihrer Familie, ihrem Schwager und dessen Freundin sollte eigentlich der Recherche eines über 100 Jahre zurückliegenden Mordes an zwei jungen Norwegerinnen dienen. Doch schon bald entsteht an Bord des Bootes eine Atmosphäre von erotischer Spannung und Eifersucht, die unweigerlich in einer dramatischen Katastrophe endet …"

Montag, 27. Oktober 2025

Andrew, Sally "Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord"

Andrew, Sally "Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord" (Englisch: Recipes for Love & Murder. A Tannie Maria Mystery) - 2015

Ich lese nicht viele Krimis, aber wir schauen sie uns gerne an. Mein Mann hat dieses Juwel im Fernsehen entdeckt: eine Zeitungskolumnistin in Südafrika, die gerne kocht und all ihre Rezepte teilt, um anderen zu helfen. Ihre Rezepte klingen so toll, und es gibt sogar ein Kochbuch. Leider ist es nur in Südafrika erhältlich und wird nicht ins Ausland geliefert. Falls einer meiner Leser:innen dort lebt oder Kontakte hat, lasst es mich bitte wissen. Ich würde mich über das Buch freuen.

Tannie Maria ist jedenfalls eine sehr aktive Frau, die für sich selbst einstehen kann. Und das muss sie beweisen, denn ihre Stadt wird von einem bösen Mörder verfolgt. Gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen jagt sie den Jäger.

Ein wunderschöner, packender Krimi.

Auf Seite 250 gibt es einen wichtigen Kommentar, für den ich sehr dankbar bin. " ... die meisten Ärzte … machen sich nicht einmal die Mühe, auf eine Laktoseallergie zu testen. Die Wahrheit ist, dass viele Menschen Laktose nicht richtig verdauen können und sich bei manchen daraus eine schwere Allergie entwickelt. Mit zunehmendem Alter kann sie sich verschlimmern  ..." Es gibt noch mehr, aber ich denke, das reicht aus, um die Schwere der Laktoseintoleranz zu verdeutlichen. Ich leide stark darunter und oft lachen die Leute nur darüber. Ich sage immer: Wenn ihr jemals eine Magen-Darm-Grippe hattet, stellt sich vor, ihr bekommt das jedes Mal, wenn ihr nur wenig Laktose zu euch nehmt. Ihr würdet es wie die Pest meiden. Leider bieten viele Restaurants und insbesondere Cafés überhaupt keine laktosefreien Gerichte an. Ich bin immer froh, wenn sie wenigstens veganes Essen anbieten, das ist für mich in Ordnung.

Buchbeschreibung:

"Südafrika, in der beschaulichen Klein Karoo: Hier lebt Tannie Maria, eine lebensfrohe Witwe, in einem Haus unter einem Eukalyptusbaum. Tannie ist eine begnadete Köchin, die ihre Gemeinde zuverlässig mit beglückenden Rezepten verzückt. Als jedoch in der Nachbarschaft eine junge Frau tot aufgefunden wird, gibt es nichts mehr, was Tannie noch in ihrer Küche hält. Noch nicht einmal der attraktive und akkurate Detective Kannemeyer kann die Hobby-Detektivin stoppen. Schon bald findet Tannie eine heiße Spur und bringt sich dabei selbst in höchste Gefahr …"

Freitag, 26. September 2025

Fitch, Janet "Weißer Oleander"

Fitch, Janet "Weißer Oleander" (Englisch: White Oleander) - 1999

Die Geschichte der jungen Astrid ist die Geschichte von Millionen Kindern, die nicht in einer liebevollen Familie aufwachsen. Sehr traurig.

Allerdings hat mich das Buch nicht so sehr beeindruckt. Ich habe es vor Jahren mit meinem niederländischen internationalen Lesekreis gelesen und erinnere mich, dass wir nicht wirklich begeistert waren. Es war ganz okay, aber das war es auch schon.

Buchbeschreibung:

"Der weiße Oleander blüht in Kalifornien im Hochsommer. Dann, wenn die Hitze unerträglich erscheint. Für die zwölfjährige Astrid beginnt zu dieser Zeit eine ruhelose und dramatische Odyssee von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Ihre Mutter, eine exzentrische Schriftstellerin, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt ist, vermag weiterhin einen dominanten Einfluss auf sie auszuüben. Erst allmählich gelingt es dem sensiblen und klugen Mädchen, einen eigenen Platz im Leben zu finden. Es zeigt sich, dass Astrid so stark wie der weiße Oleander ist, der selbst dann blüht, wenn man ihn immer wieder verpflanzt."

Donnerstag, 18. September 2025

Dorrestein, Renate "Ein Herz von Stein"

Dorrestein, Renate "Ein Herz von Stein" (Niederländisch: Een hart van steen) - A Heart of Stone - 1998

Ellen erzählt die Geschichte ihrer Familie. Sie wächst als eines von fünf Kindern auf und kauft mit Ende dreißig und selbst schwanger das Haus ihrer Eltern. Anhand alter Familienalben versucht sie, die Tragödie zu verstehen, die ihrer Familie vor Jahren widerfahren ist.

Eine sehr interessante Geschichte über Erinnerung und Verständnis - ein Psychothriller. Renate Dorrestein ist in den Niederlanden recht bekannt. Und zum Glück wurden einige ihrer Bücher auch ins Deutsche übersetzt. Sie wurde mehrfach für renommierte niederländische Literaturpreise nominiert. Das überrascht mich nicht.

Ich habe es im niederländischen Original gelesen.

Buchbeschreibung:

"Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung Ellen ist siebenunddreißig und schwanger, als sie kurz entschlossen das leer stehende Haus ihrer Eltern kauft. Damit tastet sie sich zum ersten Mal an die Bruchstücke ihrer schmerzhaften Kindheitserinnerungen heran. Anhand eines Fotoalbums versucht sie zu verstehen, wie der so glückliche Familienalltag in einer Tragödie enden konnte. Drei Geschwister und Ellens Eltern wurden dabei getötet. Warum hat gerade sie überlebt? Und kann es hinter der tiefen Trauer und Verzweiflung irgendwann eine Form von Vergebung geben?

Suggestiv, psychologisch dicht und voller Spannung erzählt Renate Dorrestein von einer Frau, die nach langer Zeit die Kraft findet, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
"