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Montag, 20. Juli 2026

Nguyen, Viet Thanh "Der Sympathisant"

Nguyen, Viet Thanh (Việt Thanh Nguyễn) "Der Sympathisant" (Englisch: The Sympathizer) - 2015

Nicht mein erstes Buch über den Vietnamkrieg. Nicht mein erster mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman. Aber sicherlich auch nicht mein letztes. Eine großartige Schilderung eines vielversprechenden Autors; ich bin sicher, wir werden noch mehr von diesem talentierten Mann lesen.

Beim Lesen der "Geständnisse" in "Der Sympathisant" wird einem bewusst, wie schwer es ist, in einem Krieg einer Seite treu zu bleiben. Und dass es keine verschiedenen Arten von Kriegen gibt. Kriege sind furchtbar. Für alle Beteiligten. Kriege töten nicht nur Menschen, Kriege zerstören Kulturen, Kriege zerstören das Gute im Menschen. Việt Thanh Nguyễn gelingt es, dies auf eine Weise darzustellen, wie es bisher nur wenigen gelungen ist.

Es sollte in uns allen den Wunsch nach einer besseren Welt wecken, den Wunsch nach dem Ende aller Kriege – falls wir diesen Wunsch nicht schon haben. Und es sollte uns gewiss dazu bringen, Flüchtlinge mit anderen Augen zu sehen. Es sind nicht Menschen, die nur kommen, weil wir in reicheren Ländern leben; sie kommen, weil ihre einzige Wahl darin besteht, in ein anderes Land zu gehen und dort wie Dreck behandelt zu werden oder Tod, Demütigung und Terror für sich und ihre Familien zu erleiden.

Es überrascht mich nicht, dass das Buch den Pulitzer-Preis erhalten hat. Absolut verdient.

Einige meiner Lieblingszitate:

"Egal wie schlecht es dir geht, tröste dich mit dem Gedanken, dass es jemanden gibt, dem es noch viel schlechter geht." (No matter how badly you might feel, take comfort in knowing there's someone who feels much worse.)

"Alle Kriege werden zweimal geführt: das erste Mal auf dem Schlachtfeld, das zweite Mal in der Erinnerung." (All wars are fought twice, the first time on the battlefield, the second time in memory.)

(Aus: "Nothing Ever Dies: Vietnam and the Memory of War", Vieth Thanh Nguyen)

Buchbeschreibung:

"Im April 1975 wird eine Gruppe südvietnamesischer Offiziere unter dramatischen Bedingungen aus Saigon in die USA geflogen. Darunter ein als Adjutant getarnter kommunistischer Spion. In Los Angeles soll er weiterhin ein Auge auf die politischen Gegner haben, ringt jedoch immer mehr mit seinem Doppelleben, den Absurditäten des Spionagewesens, der Konsumgesellschaft und seiner eigenen Identität: 'Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da ist es vielleicht kein Wunder, dass ich auch ein Mann mit zwei Seelen bin.'

Ein literarischer Polit-Thriller über den Vietnamkrieg und seine Folgen, eine meisterhafte Aufarbeitung über die Missverständnisse zwischen Kapitalismus und Kommunismus, ein schillerndes Werk über das Scheitern von Idealen, ein bravouröser Roman über die universelle Erfahrung von Verlust, Flucht und Vertreibung.
"

Việt Thanh Nguyễn erhielt 2016 den Pulitzerpreis für "The Sympathizer".

Montag, 13. April 2026

Krasznahorkai, László "Satanstango"

Krasznahorkai, László "Satanstango" (Ungarisch: Sátántangó) - Satantango - 1985

Wer mich kennt, weiß, dass ich Nobelpreisträger bewundere und versuche, mindestens ein Buch jedes neuen Preisträgers zu lesen (und noch ein paar mehr von einigen früheren).

Dieses Jahr war es ein ungarischer Autor, von dem ich noch nie gehört hatte. Aber das kommt häufig vor. Es war sein erster Roman, für den er viel Lob erhielt. Einige seiner Bücher (darunter auch dieses) wurden verfilmt.

Wie gesagt, er war mir völlig unbekannt, wie wahrscheinlich den meisten Westlern. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Die Geschichte handelt von einem fast verlassenen Dorf mitten im Nirgendwo. Die Menschen haben jede Hoffnung verloren, dass ihnen jemals wieder etwas Gutes widerfahren wird.

Wir lernen sie nach und nach kennen. Zuerst hat man den Eindruck, es seien Kurzgeschichten, die nichts miteinander zu tun haben. Doch allmählich fügen sich die Puzzleteile zusammen und wir verstehen das ganze Dilemma.

Die Geschichte liest sich fast wie eine Dystopie. Man muss sich aber vor Augen halten, dass dies für viele Menschen hinter dem Eisernen Vorhang die Realität war. Und dass es dort immer noch Menschen gibt, die wollen, dass sie dorthin zurückkehren. Sie sollten dieses Buch lesen und sehen, wohin das alles führt.

Buchbeschreibung:

"Ein nahezu verlassenes Dorf, nur wenige Menschen sind geblieben. Armut und Perspektivlosigkeit liegen schwer über den Einwohnern. Die Gemeinschaft ist zersetzt von Hass und Misstrauen. Irimias, ein früherer Dorfbewohner, kehrt zurück und verspricht Geld und Hoffnung. Das Dorf lässt sich auf ihn ein, nichtsahnend, dass er ein Polizeispitzel ist, der die Menschen durch die Androhung der Gefängnisstrafe erpresst. Krasznahorkai erzählt atmosphärisch dicht von verrotteten Charakteren in einem verfehlten Staat. Sein ›Satanstango‹ ist überwältigend.

Ein Fremder, ein verrottendes Dorf, ein übermächtiges System - László Krasznahorkai, ein Meister der Apokalypse."

László Krasznahorkai erhielt den Nobelpreis für Literatur 2025 "für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Macht der Kunst bekräftigt."

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Samstag, 13. Dezember 2025

Solschenizyn, Alexander "August Vierzehn"

Solschenizyn, Alexander "August Vierzehn, aus dem Zyklus 'Das Rote Rad'" (Russisch: Узел I - «Август Четырнадцатого», Красное колесо/Avgust chetyrnadtsatogo) - August 1914  - 1971

So ein episches Werk! Eine Erzählung über den Ersten Weltkrieg – oder den Großen Krieg, wie er vor dem Zweiten Weltkrieg genannt wurde – aus russischer Sicht. Ich habe viele Bücher über den Ersten Weltkrieg von Autoren aus verschiedenen Ländern gelesen: Ägypten, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Serbien, den USA und sogar Russland (Doktor Schiwago). Aber keines befasste sich so explizit mit Russland oder gar mit dem Krieg selbst, mit Ausnahme von "Im Westen nichts Neues".

Solschenizyn beginnt und endet mit Geschichten über die einfachen Menschen, die zurückblieben und ihre Angehörigen in den Krieg schicken mussten. Dann erzählt er uns, was allein in einem Monat geschah, im August 1914. Einem Monat von über fünfzig.

Er konzentriert sich ausschließlich auf einen bestimmten Abschnitt, ein kleines Gebiet in Ostpreußen, das von den Deutschen verlassen wurde und nun zwischen Russen und Deutschen umkämpft ist. Viele Fehler passieren, und am Ende siegen die Deutschen. 153.000 Deutsche und 191.000 Russen verloren ihr Leben.

Wie schon in "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" und vielen anderen Erzählungen lässt uns Solschenizyn die Figuren hautnah miterleben, mit ihnen hoffen und verzweifeln und uns über die Generäle ärgern, die Fehlentscheidungen treffen und so viele Soldatenleben kosten.

Dies ist ein hervorragendes Buch über die Schlacht bei Tannenberg, die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass sie eine Racheschlacht für eine 500 Jahre zuvor verlorene deutsche Niederlage war. Sie war in Wahrheit die Schlacht von Allenstein.

Keine leichte Lektüre, aber wer mehr über den Ersten Weltkrieg oder Schlachten im Allgemeinen erfahren möchte, findet hier eine großartige Geschichte.

Besonders gut gefiel mir an der Aufmachung des Buches die Karte am Anfang und die Liste aller Figuren. Die realen Personen sind in Großbuchstaben, die fiktiven in Kleinbuchstaben geschrieben. Das ist sehr hilfreich, gerade bei einem so detailreichen Buch mit so vielen Charakteren.  

Buchbeschreibung:

"In seiner monumentalen Erzählung über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der unglückseligen russischen Offensive in Ostpreußen hat Solschenizyn geschrieben, was Nina Krushcheva in The Nation 'eine dramatisch neue Interpretation der russischen Geschichte' nennt. Die Ermordung des zaristischen Premierministers Pyotr Stolypin, ein entscheidendes Ereignis in den Jahren vor der Revolution von 1917, wird aus den entfremdenden Blickpunkten historischer Zeugen rekonstruiert. Die alleinige Stimme der Vernunft unter den Beratern des Zaren Nikolai II. Stolypin starb durch den Anarchisten Mordko Bogrov, und mit ihm verbrachte Russlands letzte Hoffnung auf Reform."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

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Solschenizyn, Alexander "Große Erzählungen"

Solschenizyn, Alexander (Александр Исаевич Солженицын/Aleksandr Solzhenitsyn) "Große Erzählungen: Iwan Denissowitsch; Zum Nutzen der Sache; Matrjonas Hof; Zwischenfall auf dem Bahnhof Kretschetowka" (Russisch: Оди́н день Ива́на Дени́совича/Odin den' Ivana Denisovicha; Для пользы дела/ lja pol'zy dela; Матрёнин двор/Matrjonin dvor; Случай на станции Кречетовка/Sluchaj na stancii Krechetovka) - His Great Stories: One Day in the Life of Ivan Denisovich - 1962; For the Good of the Cause - 1963; Matryona's House - 1963; An Incident at Krechetovka Station - 1963 - 1962/63

Ich bin ja kein großer Fan von Kurzgeschichten, wollte aber schon immer mal etwas von Solschenizyn lesen. Als ich dann dieses Buch fand, das mit einer seiner größten Erzählungen, "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch", beginnt, dachte ich, ich versuche es einfach mal.

Buchbeschreibung:

"Die hier neu veröffentlichten Erzählungen begründeten den Ruhm des modernen russischen Klassikers und Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn."

Aber auch die anderen Geschichten sind hervorragend, deshalb beschreibe ich sie hier alle, aber keine Angst, es sind nur vier.
"Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" (Russisch: Оди́н день Ива́на Дени́совича Odin den' Ivana Denisovicha) - 1962 

Wir hören immer wieder vom Gulag, von den Gefangenen, die nach Sibirien deportiert wurden und dort arbeiten mussten usw. Aber wir wissen nie wirklich, was dort vor sich geht, wie die Arbeit aussieht, wie die Gefangenen gehalten werden.

Es sei denn, wir lesen über einen Tag im Leben von Iwan Denissowitsch Schuchow, vom Moment des Aufwachens bis zum Schlafengehen.

Und wenn wir das gelesen haben, verstehen wir, warum dieser Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur erhielt. Selbst wenn er nichts anderes geschrieben hätte, wäre er einer der größten Autoren der Welt. Beim Lesen fühlt man sich an Iwans Seite, leidet mit ihm, begleitet ihn. Er scheint ein geborener Überlebenskünstler zu sein, jemand, der vieles ertragen kann und sich die extra Portion der schrecklichen Suppe sichert, nach der sich alle sehnen.

Dies ist ein sehr bewegender Roman von jemandem, der den Gulag selbst erlebt hat. Er verbrachte acht Jahre dort und wurde dann lebenslang nach Kasachstan verbannt.

Eine fantastische Geschichte, brillant geschrieben.

Buchbeschreibung:

"'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch' über den Alltag in einem stalinistischen Arbeitslager war das aufsehenerregendste Buch, das nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion veröffentlicht wurde. Die in seiner Folge entstandenen und in diesem Band neu vorgelegten Erzählungen begründeten den Ruhm des russischen Nobelpreisträgers."

"Zum Nutzen der Sache" (Russisch: Для пользы дела/Dlja pol'zy dela) - 1963

Eine weitere großartige Geschichte über die Schattenseiten der Sowjetunion. Eine Geschichte über Bürokraten, die über das Ziel hinausschießen. Die nicht das Wohl des Volkes im Sinn haben, sondern nur ihren eigenen Vorteil.

Es handelt sich um eine kurze Novelle mit weniger als hundert Seiten, und ich möchte nicht zu viel verraten, aber die Sprache ist genauso brillant wie in "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch", und die Charaktere sind genauso treffend beschrieben.

Einzeln habe ich diese Geschichte allerdings nur in Englisch gefunden.

Buchbeschreibung:

"In 'Zum Nutzen der Sache' zeichnet Solschenizyn ein bemerkenswertes Bild des sowjetischen Lebens. Er schildert die gesamte Bandbreite, von einfachen Schülern, Arbeitern und Lehrern bis hin zu den allmächtigen Beamten in Moskau, deren gesichtslose, kafkaeske Anonymität Furcht einflößt. Wie seine weltberühmten Romane 'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch', 'Der erste Kreis' und 'Die Krebsstation' ist auch 'Zum Nutzen der Sache', an einer neuen Provinzschule angesiedelt, eine vernichtende Anklage gegen die Unterdrückung einfacher, anständiger Menschen durch karriereorientierte sowjetische Bürokraten. Solschenizyn präsentiert die Konflikte zwischen Recht und Unrecht, zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Härte des Systems mit absoluter Aufrichtigkeit und Überzeugung."
"Matrjonas Hof" (Russisch: Матрёнин двор/Matrjonin dvor) - 1963

Eine weitere großartige Geschichte, in der wir den "kleinen Mann" – oder in diesem Fall die "kleine Frau" – kennenlernen, der mit dem auskommen musste, was ihm gegeben oder erlaubt war. Diese Geschichte basiert auf Solschenizyns eigenen Erfahrungen als Lehrer nach seiner Entlassung aus dem Gulag.

Buchbeschreibung:

"1956, nachdem er seine Qualen im Gulag hinter sich gelassen hatte, wollte Alexander Solschenizyn in einem ruhigen Winkel der UdSSR untertauchen und bewarb sich als Mathematiklehrer. Auf der Suche nach einer Unterkunft in der Stadt, in die er versetzt worden war, sah er die Hütte von Matrona, einer älteren Witwe, die dort mit einer lahmen Katze und einer Ziege lebte, und beschloss, dort zu bleiben.

'
Matrjonas Haus' ist die Geschichte einer alten Bäuerin, deren zäher Kampf gegen Kälte, Hunger und gierige Verwandte von einem jungen Mann beschrieben wird, der sie erst nach ihrem Tod versteht."
"Zwischenfall auf dem Bahnhof Kretschetowka" (Russisch: Случай на станции Кречетовка/Sluchaj na stancii Krechetovka) - 1963

Offenbar basiert diese Geschichte auf wahren Begebenheiten, genauer gesagt auf einem Unfall im Zweiten Weltkrieg. Ich kann mich nur wiederholen: Der Autor ist ein großartiger Erzähler.

Buchbeschreibung:

"In 'Ein Zwischenfall am Bahnhof Krechetowka' trifft ein Leutnant der Roten Armee auf einen verstörenden Nachzügler und muss entscheiden, was er mit ihm anfangen soll."

Alexander Solschenizyn erhielt den Nobelpreis für Literatur 1970 "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". 

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Gorki, Maxim "Die Mutter"

Gorki, Maxim (Максима Горького) "Die Mutter" (Russisch: Мать/Matj) - Mother - 1906/07
 
Ich liebe die russische Literatur. Ihr Stil ist einzigartig. Dieses Buch bildet da keine Ausnahme. Der Autor war nicht nur in der aufkommenden marxistisch-kommunistischen Bewegung aktiv, er begründete diesen Stil, die literarische Methode des sozialistischen Realismus. Wir lernen Pelagea kennen, die von ihrem Mann misshandelt wird. Nach dessen Tod beginnt ihr Sohn Pawel, gegen das zaristische Regime zu kämpfen. Seine Mutter ist anfangs zögerlich und ängstlich, doch dann unterstützt sie die jungen Leute, weil sie erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. Sie nimmt alle Freunde ihres Sohnes unter ihre Fittiche und wird für sie zu einer zweiten Mutter, manchmal sogar mehr als ihre eigene.

Wir erfahren, wie hart das Leben in einem russischen Dorf um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert ist und wie schwer es für den einfachen Mann ist, seine Familie zu ernähren. Sie hatten nichts, nicht einmal Hoffnung, dass sich unter dieser Regierung jemals etwas für sie bessern würde. Ich weiß nicht, was viele von uns heutzutage in solchen Umständen tun würden.

Das Buch handelt hauptsächlich von den Revolutionären, dem Untergrundwiderstand und warum sie gegen ihre Zaren kämpften. Wir können es uns gut vorstellen, aber dieses Buch bringt es für alle verständlich aufs Papier. Es geht auch um die Liebe ihrer Mutter zu ihrem Sohn und wie weit sie gehen würde, um ihn zu unterstützen und zu verteidigen.

Ein großartiges Buch.

Der Dichter wurde anscheinend fünfmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Wie schade, dass er ihn nie erhalten hat. Er hätte ihn wahrlich verdient gehabt.

Buchbeschreibung:

"Russland im frühen 20. Jahrhundert: Arbeiter und einfache Bauern quälen sich durch den armseligen Alltag. Fabrikbesitzer und reiche Bauern halten die Arbeiter und Bediensteten mit einem Hungerlohn gerade so am Leben. Doch es keimt Hoffnung auf. Einige junge Leute kämpfen mutig gegen die katastrophalen Verhältnisse. Unter ihnen auch der Sohn der Arbeiterwitwe Pelagea Nilowna. Diese Mutter, ihr Leben lang nur abgeplagt und in ihr Schicksal ergeben, schöpft durch ihren Sohn Pawel Hoffnung auf ein besseres Leben und verschreibt sich mit ihm und den anderen jungen Leuten den Zielen des Aufstandes. Doch der Preis ist hoch für sie und ihren Sohn."

Samstag, 30. August 2025

Alexievich, Svetlana "Secondhand-Zeit"

Alexievich, Svetlana "Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus" (Russisch: Время секонд хэнд/Vremja sekond khend) - Second Hand Time. The Last of the Sovjets - 2013

"In der UdSSR geboren - das ist eine Diagnose." Das sagte eine der von der Autorin interviewten Personen, und es wäre auch ein toller Titel für dieses Buch gewesen.

Ich entdeckte Swetlana Alexijewitsch, als sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, und beschloss daraufhin, "Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft" (Voices from Chernobyl: The Oral History of a Nuclear Disaster) zu lesen. Nachdem zwei Jahre später den Literaturnobelpreis erhalten hatte, entdeckte ich viele weitere ihrer Bücher, und "Secondhand-Zeit" klang nach einer großartigen Lektüre. Die Autorin hat ihre Interviews mit ehemaligen Bürgern der Sowjetunion niedergeschrieben – mit Menschen, die das neue System mochten, mit Menschen, die es nicht mochten, mit Menschen, die es liebten, mit Menschen, die es hassten. Sie hat ihre Lebensgeschichten niedergeschrieben, und man kann jeden Einzelnen von ihnen verstehen. Das macht Politik so schwierig: Es ist unmöglich, es allen recht zu machen, es gibt immer jemanden, der mit einer bestimmten Entscheidung nicht einverstanden ist.

Ich liebe ihr Verständnis für alle, wie sie es schafft, ihre Gefühle und Geschichten so zu erzählen, als wären wir mit den Erzählern dabei. Ich konnte mich auch mit vielen Geschichten identifizieren. Da wir in einer anderen Zeit aufgewachsen sind, haben wir wahrscheinlich viel von dem durchgemacht, was die ehemaligen Sowjets nach dem Zerfall ihres Staates durchmachen mussten. Nicht genau dasselbe, aber unser Leben war dem doch näher als das unserer Kinder heute. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich russische Literatur immer geliebt habe.

Und dann sind da noch die Geschichten, die sie erzählt, die uns ihren Interviewpartnern näherbringen. Mir gefiel, wie sie sagten: "Für uns ist die Küche nicht nur ein Ort zum Kochen, sie ist ein Esszimmer, ein Gästezimmer, ein Büro, eine Rednerbühne." und "Wir unterhalten uns gerne in der Küche, lesen ein Buch. 'Leser' ist unsere Hauptbeschäftigung." Oder ihre Witze über Politik – die besten Witze stammen immer von Unterdrückten. "Wie erkennt man einen Kommunisten? An jemandem, der Marx liest. Und wie erkennt man einen Antikommunisten? An jemandem, der ihn versteht." Aber einer meiner Lieblingssätze ist: "In fünf Jahren kann sich in Russland alles ändern, in zweihundert Jahren gar nichts."

Die Autorin hat mit ihrem Werk eine lebendige Geschichte der UdSSR zusammengestellt, ihre Misserfolge und ihre positiven Seiten. Ja, es gab viele Menschen, die in ihrer Unterdrückung etwas Positives sahen, und teilweise verstehe ich sie sogar. Abgesehen vom obigen Witz ist der Kommunismus eine gute Idee, wenn er nur für andere Spezies als den Menschen erfunden worden wäre. Weil der Mensch gierig ist, wird er niemals teilen wollen, und Karl Marx träumte davon, dass dies möglich sein könnte. Er teilte diesen Traum mit so vielen Menschen, genauso wie viele Menschen noch immer an den amerikanischen Traum glauben und daran, eines Tages Millionäre zu sein.

Svetlana Alexijewitsch bringt uns dazu, wie Russen zu denken, ihr tragisches Leben zu verfolgen und uns vorzustellen, dass wir es hätten sein können. Ich habe irgendwo gelesen, ihr Thema sei die "Geschichte der russisch-sowjetischen Seele". Keine schlechte Beschreibung. Ich habe noch nie eine so gute und prägnante Beschreibung des Lebens anderer Menschen gelesen. Sie fragte ihre Mitbürger, was sie unter "Freiheit" verstehen, und erhielt unterschiedliche Antworten von denen, die sich an die UdSSR erinnerten, und denen, die sich nicht an sie erinnerten. Sie sind in verschiedenen Ländern aufgewachsen. Ich kann das insofern nachvollziehen, als unser Land in Ost und West geteilt war, wahrscheinlich so, wie die UdSSR/Russen in Vorher und Nachher geteilt sind. Wir sprechen dieselbe Sprache, haben aber viele unterschiedliche Erinnerungen.

Die Autorin tut, was Tolstoi (Tolstoy) und Dostojewskij (Dostoevsky) vor anderthalb Jahrhunderten taten: Sie bringt Russland wieder auf die literarische Landkarte.

Dieses Buch hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Tragödien, die diese Menschen durchlebt haben und immer noch durchleben, sollten der ganzen Welt bekannt sein. Die Lektüre dieses Buches ist der erste Schritt.

Und falls ich es noch nicht wusste: Die Russen sind ein Volk von Lesern. Die Anzahl der erwähnten Autoren und Bücher ist enorm. Hier sind nur einige davon:

Autoren:
Belov, Vasily Ivanovich (Васи́лий Ива́нович Бело́в)
Berdyaev, Nikolai Alexandrovich (Никола́й Алекса́ндрович Бердя́ев
Chernyshevsky, Nikolay Gavrilovich (Никола́й Гаври́лович Черныше́вский)
Dobrolyubov, Nikolay Alexandrovich (Никола́й Алекса́ндрович Добролю́бов)
Dovlatov-Mechik, Sergei Donatovich (Серге́й Дона́тович Довла́тов)
Fyodorov, Nikolai Fyodorovich (икола́й Фёдорович Фёдоров)
Galaktionovich, Vladimir (Влади́мир Галактио́нович Короле́нк)
Grinevsky, Aleksandr Stepanovich (better known by his pen name, Aleksandr Grin, Александр Грин)
Grossman, Vasily Semyonovich (Васи́лий Семёнович Гро́ссман)
Herzen, Aleksandr Ivanovich (Алекса́ндр Ива́нович Ге́рцен)
Iskander, Fazil Abdulovich (Фази́ль Абду́лович Исканде́р)
Kollontai, Alexandra Mikhailovna (Алекса́ндра Миха́йловна Коллонта́й - née Korolenko, Domontovich, Домонто́вич)
Lermontov, Mikhail Yuryevich (Михаи́л Ю́рьевич Ле́рмонтов)
Nekrassow, Nikolai Alexejewitsch (Николай Алексеевич Некрасов)
Ogarev, Nikolay Platonovich (Никола́й Плато́нович Огарёв)
Okudzhava, Bulat Shalvovich (Була́т Ша́лвович Окуджа́ва)
Platonov, Andrei (Андре́й Плато́нов)
Pushkin, Alexander Sergeyevich (Алекса́ндр Серге́евич Пу́шкин)
Rasputin, Grigori Jefimowitsch (Григорий Ефимович Распутин)
Saltykov-Shchedrin, Mikhail Yevgrafovich (Михаи́л Евгра́фович Салтыко́в-Щедри́н)
Shalamov, Varlam Tikhonovich (Варла́м Ти́хонович Шала́мов)
Uspensky, Gleb Ivanovich (Глеб Ива́нович Успе́нский)

Bücher:
Belyaev, Alexander Romanovich (Беляев, Александр Романович) "Человек-амфибия=Chelovek-Amfibiya" (Amphibian Man/Der Amphibienmensch) - 1927
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Малая земля=Malaja semlja" (Little Land/Das kleine Land) - 1978
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Возрождение=Vozrozhdenie" (Rebirth/Wiedergeburt) - 1978
Brezhnev, Leonid Ilyich (Бре́жнев, Леони́д Ильи́) "Целина=Celina" (The Virgin Lands/Neuland) - 1979
Bulgakov, Mikhail (Булгаков, Михаил Афанасьевич) "Ма́стер и Маргари́та=Master i Margarita"  (The Master and Margarita/Der Meister und Margarita) - 1967
Bunin, Ivan Alekseyevich (Бунин, Иван Алексеевич) "Okajannyje dni=Окаянные дни" (Cursed Days/Verfluchte Tage) (Nobel) - 1926
Chekhov, Anton Pavlovich (Чехов, Антон Павлович) "Сапожник и нечистая сила= Sapozhnik i nechistaja sila" (The Cobbler and the Devil aka The Shoemaker and the Devil/Der Schuster und das Böse) - 1888
Chernyshevsky, Nikolay Gavrilovich (Чернышевский, Николай Гаврилович) "Что делать?=Chto delat?" (What is to be done?/Was tun?) - 1863
Dostojevskij, Fyodor Mikhailovich (Фёдор Миха́йлович Достое́вский) "Братья Карамазовы/Brat'ya Karamazovy" (The Brothers Karamazov/Die Brüder Karamasow) - 1879-80
Fadejew, Alexander Alexandrowitsch (Александр Александрович Фадеев) "Molodaia gvardia=Молодая гвардия" (The Young Guard/Die junge Garde) - 1946
Gogol, Nikolai Vasilievich (Никола́й Васи́льевич Го́голь) "Шинель=Shinel" (The Overcoat/Der Mantel) - 1842
Marx, Karl "Das Kapital" (Capital: Critique of Political Economy) - 1867
Ostrovsky, Nikolai Alexeevich (Николай Алексеевич Островский) "Как закалялась сталь=Kak zakalyalas' sta" (How the Steel Was Temperered/Wie der Stahl gehärtet wurde) - 1832-34
Pasternak, Boris Leonidovich (Пастернак, Борис Леонидович) "Доктор Живаго=Doktor Živago" (Doctor Zhivago/Doktor Schiwago) - 1957
Polevoy, Boris Nikolaewich (Борис Николаевич Полевой) "Повесть о настоящем человеке= Povest' o nastojashhem cheloveke" (The Story of a Real Man/Der wahre Mensch) - 1947
Rybakov, Anatoly Naumovich (Рыбаков, Анатолий Наумович) "Дети Арбата=Deti Arbata" (Children of the Arbat/Kinder des Arbat) - 1987
Sholokhov, Mikhail Aleksandrovich (Шолохов, Михаил Александрович) "Они сражались за Родину=Oni srazhalis' za Rodinu" (They Fought for Their Country/Sie kämpften für ihre Heimat) - 1959 Nobel Prize
Solzhenitsyn, Aleksandr Aleksandr Isayevich (Солженицын, Александр Исаевич) "Архипелаг ГУЛАГ=Archipelag GULAG" (The Gulag Archipelago/Der Archipel Gulag) - 1973
Solzhenitsyn, Aleksandr Isayevich (Солженицын, Александр Исаевич) дин день Ивана Денисовича=Odin den' Ivana Denisovicha" (One Day in the Life of Ivan Denisovich/Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch) - 1962
Tolstoy, Lew Nikolajewitsch (Толстой, Лев Николаевич) "Война и мир=Woina I Mir" (War and Peace/Krieg und Frieden) - 1868/69
Turgenev, Ivan Sergeyevich (Тургенев, Иван Сергеевич) "Zapiski Okhotnika=Записки охотника" (A Sportsman's Sketches aka The Hunting Sketches/Aufzeichnungen eines Jägers) - 1852

Buchbeschreibung:

"Gut zwanzig Jahre sind vergangen seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, die Russen entdeckten die Welt, und die Welt entdeckte die Russen. Inzwischen aber gilt Stalin wieder als großer Staatsmann, die sozialistische Vergangenheit wird immer öfter, vor allem von jungen Menschen, nostalgisch verklärt. Russland, so Swetlana Alexijewitsch, lebt in einer Zeit des 'Second-hand', der gebrauchten Ideen und Worte. Die Reporterin befragt Menschen, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt, betrogen fühlen. Sie spricht mit Frauen, die in der Roten Armee gekämpft haben, mit Soldaten, Gulag-Häftlingen, Stalinisten. 'Historiker sehen nur die Fakten, die Gefühle bleiben draußen …, ich aber sehe die Welt mit den Augen der Menschforscherin.' Wer das Russland von heute verstehen will, muss dieses Buch lesen. Swetlana Alexijewitsch formt aus den erschütternden Erfahrungen von Menschen, die zwischen Neuanfang und Nostalgie schwanken, den Lebensroman einer noch nicht vergangenen Epoche."

Die Staaten Russlands, der UdSSR und der ehemaligen UdSSR hatten einige Nobelpreisträger für Literatur. Swetlana Alexijewitsch ist bisher die letzte.

Nobelpreisgewinner für Literatur:
Ivan Bunin - 1933
Boris Pasternak - 1958
Michail Sholokhov - 1965
Aleksandr Solzhenitsyn - 1970
Joseph Brodsky - 1987
Alexievich, Svetlana - 2015 (Weißrussland aber geboren in der UdSSR)

Svetlana Alexievich  erhielt den Nobelpreis für Literatur  2015 "für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt" und den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2013.

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Samstag, 4. Januar 2025

Follett, Ken "Winter der Welt"

Follett, Ken "Winter der Welt" (Englisch: Winter of the World) (Jahrhundertsaga #2) - 2012

Das zweite Buch der Trilogie über das 20. Jahrhundert, sicherlich eines der dramatischsten Jahrhunderte überhaupt, und definitiv eines, das uns noch lange begleiten wird.

Nachdem unsere fünf Familien den ihrer Meinung nach schlimmsten Teil ihres Lebens überstanden haben, den "Krieg, der alle Kriege beenden sollte", später Erster Weltkrieg genannt, begeben sie sich nun auf eine noch dunklere Zeit, den Zweiten Weltkrieg. Viele unserer Helden aus "Sturz der Titanen" (Fall of Giants) sind erwachsen geworden, haben Kinder bekommen und/oder sind gestorben, also geht es weiter mit der nächsten Generation. Sie haben es nicht leichter als ihre Vorfahren, sie müssen gegen ihre Freunde und manchmal sogar gegen ihre Familie kämpfen.

Genau wie im ersten Buch gibt der Autor einen guten Einblick in das Leben der Menschen in den verschiedenen Ländern. Er stellt sowohl die Menschen vor, die den Krieg und die mit den kommenden bösen Ereignissen rechnen, als auch diejenigen, die glauben, ihr Land könne nichts Böses tun, dass alles einem höheren Gut dient.

Wir sehen alle negativen Seiten eines jeden Krieges, aber besonders die dieses Krieges, der so anders war als alle Kriege zuvor und hoffentlich auch als alle, die noch folgen werden. Ich finde es toll, dass viele der Charaktere direkt in einige der wichtigen Ereignisse und Personen dieser Zeit verwickelt sind, weil wir uns die Vorfälle dadurch noch genauer ansehen können. Wir lesen einige sehr detaillierte Berichte über Schlachten und andere Kriegsgräueltaten, und da wir die Charaktere schon vorher "kennenlernen" konnten, ist es noch schockierender.

Wir erfahren, wie die Nazis Deutschland übernahmen und dann versuchten, dies auch mit dem Rest der Welt zu tun, wie jeder, der sich ihnen widersetzte, auf sehr unterschiedliche Weise "ruhiggestellt" wurde. Wir sehen, wie die Deutschen versuchten, sie zu bekämpfen (oder auch nicht) und wie das endete. Und falls wir es noch nicht wussten, wissen wir jetzt mit Sicherheit, dass sie nicht nur die Juden töteten, sondern jeden, der nicht in ihre Vorstellung von einem "anständigen" Menschen passte. Ob jemand einer Rasse angehörte, die sie nicht kannten oder die ihnen feindlich gesinnt war, behindert oder schwul war, niemand, der nicht in ihre "Norm" passte, war vor ihrer Verfolgung sicher. Ich habe viele Geschichten von meinen Eltern gehört, die noch kleine Kinder waren, als Hitler gewählt wurde, aber es gibt viele jüngere Leute, die diese Zeitzeugen nie in ihrem Leben hatten, und es gibt noch mehr Leute auf der Welt, die diese Details ebenfalls nicht kennen.

Ein Buch, das von einer der Figuren erwähnt/gelesen wurde: "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque, ein Roman eines Veteranen des Ersten Weltkriegs. Auch einfach ein fantastisches Buch, das jeder lesen sollte.

Ein großartiges Zitat eines der Protagonisten: "Warum war es so, fragte sich Lloyd, dass die Leute, die alles Gute an ihrem Land zerstören wollten, am schnellsten die Nationalflagge schwenkten?" Ich habe mich mein ganzes Leben lang dieselbe Frage gestellt und ich schätze, man muss in Deutschland aufgewachsen sein (sogar in der Nachkriegszeit), um jedes Mal ein komisches Gefühl zu haben, wenn man Leute sieht, die stolz ihre Flaggen schwenken. Es bleibt immer ein seltsamer Nachgeschmack.

Eine hervorragende Erzählung einer Zeit, die uns auch siebzig Jahre später noch beschäftigt. Eine faszinierende Geschichte einer der schlimmsten Zeiten der Geschichte. Gut gemacht, Mr. Follett.

Buchbeschreibung:

"1933. Seit dem Ersten Weltkrieg ist eine neue Generation herangewachsen. Nun spitzt sich die Lage in Europa erneut gefährlich zu. In dieser dramatischen Zeit versuchen drei junge Menschen heldenhaft ihr Schicksal zu meistern. - Der Engländer Lloyd Williams wird Zeuge der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten. Er entschließt sich, gegen den Faschismus zu kämpfen, und meldet sich freiwillig als Soldat im Spanischen Bürgerkrieg.

Die deutsche Adelige Carla von Ulrich ist entsetzt über das Unrecht, das im Namen des Volkes geschieht. Sie geht in den Widerstand und bringt damit sich und ihre Familie in höchste Gefahr. - Die lebenshungrige Amerikanerin Daisy hingegen träumt nur vom sozialen Aufstieg. Sie heiratet einen englischen Lord - aber ihr Mann steht auf Seiten der Faschisten ...

Von Berlin bis Moskau, von London bis Washington, D.C. spannt sich der weite Bogen der Geschichte. Der in sich abgeschlossene Roman erzählt die miteinander verbundenen Schicksale von Menschen in Deutschland, Russland, England und den USA, während über ihren Köpfen drohend der Zweite Weltkrieg heraufzieht. Es ist eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit der Finsternis. Aber auch der Hoffnung, die selbst das tiefste Dunkel erhellt."

Follett, Ken "Kinder der Freiheit"

Follett, Ken "Kinder der Freiheit" (Englisch: Edge of Eternity) (Jahrhundertsaga #3) - 2014

Als ich zum ersten Mal von einer Trilogie über das vergangene Jahrhundert erfuhr, in der sich jeder Teil auf einen anderen Krieg konzentriert: den Ersten, den Zweiten und den Kalten, dachte ich, der letzte könnte mich am wenigsten interessieren. Schließlich war ich dort, ich habe den Kalten Krieg erlebt, ich erzähle meinen Kindern immer wieder, wie es war – und langweile sie wahrscheinlich zu Tode.

Allerdings war ich nur während eines Teils des Kalten Krieges dort, ich habe nur den westdeutschen erlebt, nicht den ostdeutschen, den russischen oder den amerikanischen. Ich denke, mein Teil war dem der englischen und walisischen Familien in der Geschichte am nächsten, schließlich hatten wir freie Wahlen und konnten tun, was wir wollten.

Wie in den vorherigen Teilen stellt der Autor die Charaktere der verschiedenen Familien nacheinander vor und die meisten von ihnen stehen wichtigen Personen sehr nahe. Sie arbeiten entweder für Martin Luther King und Robert Kennedy, Chruschtschow oder es gibt eine fiktive Figur, die Solschenizyn ähnelt ... viele wahre Lebensverbindungen, die erklären, was damals passiert ist. Natürlich wusste ich über die Bürgerrechtsbewegung Bescheid, aber dieses Buch hat mir mehr darüber beigebracht und ich bin sicher, dass es anderen mehr über die Teile beibringt, die sie nicht kennen.

Ich war überrascht, dass einige Leute dieses Buch schlecht bewertet haben, ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass sie mit der Art und Weise, wie die Geschichte dargestellt wurde, nicht einverstanden waren, ihre Ansichten wichen ein wenig (oder sehr) von denen von Ken Follett ab. Verglichen mit amerikanischen Republikanern scheinen die meisten Europäer Kommunisten zu sein und das ist für sie das Schlimmste von allen.

Nun, mir haben alle drei Bücher gefallen. Sehr sogar. Ich habe die Charaktere liebgewonnen und fühlte mich, als wäre ich Teil ihrer Familie oder zumindest eine enge Freundin von ihnen. Insgesamt habe ich etwa 3.000 Seiten voller wunderbarer Geschichten gelesen. Und ich bin immer noch erstaunt über die Menge an Recherche, die Ken Follett dafür betrieben haben muss.

Buchbeschreibung:

"Der Krieg ist zu Ende, doch die Welt ist noch immer in Aufruhr. In Berlin wird eine Mauer errichtet, die Ost und West trennt und Millionen Familien zerstört. Nicht alle finden sich damit ab - trotz der Gefahr für Leib und Leben. Zur gleichen Zeit kämpfen die Schwarzen in Amerika für ihre Bürgerrechte, und die USA und die Sowjetunion stürzen sich in eine Auseinandersetzung, die die Welt an den Rand der Katastrophe führt. Wem kann man noch trauen in dieser Zeit, in der die Welt mehr als einmal am Abgrund steht?"

Und dies sind die ersten beiden Bücher der Trilogie:
Follett, Ken "Sturz der Titanen" (Fall of Giants) - 2010 - 1. Weltkrieg
Follett, Ken "Winter der Welt" (Winter of the World) - 2012 - 2. Weltkrieg

Follett, Ken "Sturz der Titanen"

Follett, Ken "Sturz der Titanen" (Englisch: Fall of Giants) (Jahrhundertsaga #1) - 2010

Welch ein Buch. Und es ist nur der Anfang einer Trilogie. Von den Kohlebergwerken in Wales bis zu den Kommunisten in Russland, von der englischen bis zur deutschen Aristokratie, vom amerikanischen Präsidenten bis zum russischen Zaren können wir anhand der Armen und Reichen in all diesen Ländern sehen, wie es zum Ersten Weltkrieg kam. Wir können sehen, dass nichts so schwarz und weiß ist, wie die Historiker uns glauben machen wollen. Wir lernen die Charaktere genauso sehr lieb gewinnen, als ob wir sie im wirklichen Leben kennen würden. Die Verflechtung von fiktiven und realen Personen lässt uns sogar glauben, dass sie wirklich existierten. All diese Geschichten könnten geschehen sein, sie sind wahrscheinlich mehreren Menschen in jedem dieser Länder passiert.

Wir treffen eine walisische Bergarbeiterfamilie, zwei russische Waisen, einen englischen Grafen und seine Familie, einen deutschen Diplomaten, einen amerikanischen Politiker und viele, viele mehr. Durch ihre Augen können wir ihre Angst vor einem drohenden Krieg sehen, was sie tun oder nicht tun können, um ihn zu verhindern und wie sie ihr Leben einrichten müssen, um ihn zu überstehen.

"Sturz der Titanen" (Fall of Giants). Ich würde sagen, man kann dieses Buch sehr leicht vergleichen mit "Die Säulen der Erde" (The Pillars of the Earth) und dessen Fortsetzungen die auch zu meinen Lieblingsromanen gehören, und deshalb habe ich mir dieses Buch besorgt. Es ist genauso brillant. Es ist nur eine ganz andere Zeit. Europa im zwanzigsten Jahrhundert. Dieses Buch spielt während des Ersten Weltkriegs, das nächste wird der Zweite Weltkrieg sein und das dritte der Kalte Krieg. Diese Art, Geschichte zu zeigen, erinnert mich ein wenig an Edward Rutherfurd, einen anderen meiner Lieblingsautoren, der die Geschichte eines Landes, einer Region oder einer Stadt im Laufe der Zeit immer anhand mehrerer fiktiver Familien und auch einiger realer historischer Figuren beschreibt. Dieses Buch ist sehr ähnlich. Die Familien in dem Buch kommen aus Wales, England, Deutschland, Russland und den USA und sie haben alle sehr unterschiedliche Hintergründe. Man hat das Gefühl, man ist dabei, als der Krieg beginnt, aber man hat all die Ängste mit den Charakteren miterlebt.

Ken Folletts Schreibstil ist wunderschön, seine Recherche zu einem Thema erstaunlich perfekt. Ich habe viele Bücher zu diesem Thema gelesen und trotzdem viele neue Details gelernt.

Der einzige Nachteil des Buches ist, dass man es kaum weglegen kann und gleich nach der letzten Seite das Internet lesen möchte. Ich hatte Glück, dass ich lange genug warten konnte, bis alle drei Teile der Serie erschienen sind, sodass ich nicht zu lange auf das nächste warten musste.

Auf jeden Fall können wir alle viel aus diesem Buch lernen. Wenn wir es vorher nicht wussten, bin ich sicher, dass jeder nach der Lektüre zustimmen wird. Krieg ist teuflisch. In einem Krieg verlieren alle. Lasst uns keinen weiteren beginnen.

Buchbeschreibung:

"Europa, 1914: Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die durch politische Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen Arbeiterschicht und Adel. Und zwei Brüder aus Russland, die in den Strudel der Revolution geraten und sich auf verschiedenen Seiten gegenüberstehen. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird."

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Tokarczuk, Olga "Ur und andere Zeiten"

Tokarczuk, Olga "Ur und andere Zeiten" (Polnisch: Prawiek i inne czasy) - Primeval and other Times - 1996

Als 2020 endlich der Name der Person bekannt gegeben wurde, die 2019 den Nobelpreis für Literatur erhielt, wollte ich sofort eines ihrer Bücher lesen. Ich hatte Ur und andere Zeiten" ausgewählt. Mir gefiel der deutsche Titel, weil "Ur" ja im Deutschen wirklich für eine Zeit steht, eine Zeit vor langer, langer Zeit. Und es  ist auch ein vorgeschlagener Superkontinent von vor etwa 3.000 Millionen Jahren.

Aber das Buch war auf Deutsch ausverkauft. Ich beschloss, noch eine Weile zu warten. Dann beschloss unser internationaler Lesekreis, es auf die Liste zu setzen. Und dann habe ich es in der englischen Übersetzung gelesen, "Primeval and Other Times".

Das Buch war interessant, etwas völlig anderes als viele andere Lektüren. Die Elemente des magischen Realismus machen sie surreal, obwohl die Kulisse während und nach dem Ersten Weltkrieg sowie in und nach dem Vorkriegskrieg realistisch genug ist. Die Charaktere waren auch recht lebendig, die Familien wurden bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass man sich sie und ihr Leben sehr gut vorstellen kann. Die Autorin versuchte, die Situation sowohl der deutschen als auch der russischen Soldaten zu beschreiben, und das ist ihr auch sehr gut gelungen.

Obwohl die Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt, scheint sie manchmal viel länger her zu sein. Die magisch-realistischen Teile lassen sie fast wie ein Märchen erscheinen. Es hilft auch, die polnische Kultur und ihren Einfluss durch den Kommunismus zu verstehen. Wir können mit diesen gewöhnlichen Menschen aus einer außergewöhnlichen Zeit leben, lachen und sterben und uns vorstellen, wie ihr Leben ohne den Krieg gewesen wäre.

Die Geschichte ist nur etwa 250 Seiten lang, aber das heißt nicht, dass man sie schnell lesen kann. Sie ist nicht schwierig, aber dennoch sehr komplex. Ich würde dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.

Während unserer Diskussion im Lesekreis haben wir viele Aspekte des Buches angesprochen. Ich werde versuchen, sie kurz zusammenzufassen. Für diejenigen, die es nicht gelesen haben, könnte dies Spoiler enthalten.

Spoiler:


Wir haben dies in unserem internationalen Online-Lesekreis im April 2020 besprochen.

Buchbeschreibung:

"Zentrum der Welt und Ort des Geschehens ist das fiktive ostpolnische Städtchen Ur, bewacht von den vier Erzengeln Raphael, Uriel, Gabriel und Michael und bewohnt von den merkwürdigsten Menschen: der jungen Genowefa, dem verarmten Baron, der sein Leben einem kabbalistischen Rätselspiel verschrieben hat, dem wilden Mann, der im Wald lebt, dem Säufer Pawel Göttlich ... Die Erzählung setzt im Jahr 1914 ein und begleitet die historische Entwicklung Polens durch das 20. Jahrhundert. Doch sie könnte auch zu jeder beliebigen Zeit spielen, denn Olga Tokarczuk beschwört nicht in erster Linie die politischen Ereignisse zweier Weltkriege, es sind die ewigmenschlichen Geschichten von Liebe und Hass, Glück und Leid, Geburt und Tod. Das Personal dieser Geschichtenwelt ist das Personal der Märchen und Mythen. Zum Leben erweckt werden all diese menschlichen Urtypen in einer Sprache, die diese junge Autorin perfekt beherrscht: der einfachen Zaubersprache der Märchen mit ihrer poetischen Leuchtkraft und ihrer drastischen Grausamkeit."

Olka Tokarczuk erhielt den Nobelpreis für Literatur 2018 "für ihre narrative Vorstellungskraft, die, in Verbindung mit enzyklopädischer Leidenschaft, für das Überschreiten von Grenzen als eine neue Form von Leben steht".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Mittwoch, 16. Oktober 2024

Bulgakow, Michail "Der Meister und Margarita"

Bulgakow, Michail "Der Meister und Margarita" (Russian: Мастер и Маргарита/Master i Margarita) - The Master and Margarita - 1929-39

Eine meiner Blogger-Freundinnen (Emma von Words and Peace) empfahl mir, eine Ausgabe mit vielen Anmerkungen zu lesen. Da ich das Buch bereits hatte (ich hatte es vor ein paar Jahren gekauft, als Russland das Thema einer deutschen Buchmesse war) und es keine Anmerkungen hatte, suchte ich im Internet und es gibt einige großartige Webseiten, die die Bedeutung fast jedes Satzes akribisch erklären.

Diese Seiten waren besonders hilfreich:
Der Meister und Margarita (in mehreren Sprachen)
Neben vielen Informationen zum Roman finden Sie auf dieser Site auch verschiedene Filme und Fernsehserien, die auf Der Meister und Margarita basieren und von Ihrem Webmaster in Englisch untertitelt wurden.
LitCharts (einschließlich eines Studienführers)
Get Abstract (auf Deutsch)
Inhaltsangaben 24 (auf Deutsch)

Und dann gibt es noch ein paar gute Blogbeiträge über das Buch (ich füge gerne weitere hinzu, wenn ihr mir den Link mitteilt):
Words and Peace, einer meiner Lieblingsblogs, Emma hat eine sehr abwechslungsreiche Seite und gibt immer die besten Tipps.
A Guy’s Moleskine Notebook, der es sogar zweimal rezensiert hat, zuerst hier und dann hier.

Diese Seiten waren sehr hilfreich, um den Hintergrund des Romans zu verstehen, aber ich glaube, ich hätte ihn auch ohne diese Erklärungen genossen. Und ich konnte sicherlich einige der Verbindungen zur Sowjetunion erkennen. Da ich mich jedoch für all diese Themen interessiere, Geschichte, Politik, Religion, war es noch faszinierender.

Was für ein Buch. Natürlich erwartet man von Autoren wie Bulgakow Kritik am Sowjetstaat, das ist zu erwarten. Bürokratie wird ebenso kritisiert wie Unterdrückung und alles, was von Karl Marx‘ ursprünglicher Idee des Kommunismus abweicht.

Aber dieses Buch hat so viele weitere Ebenen. Es gibt einen Roman im Roman über Pontius Pilatus und die letzten Tage Jesu, seine Freunde und Feinde. Die Art und Weise, wie die beiden Geschichten zusammenkommen, ist ziemlich faszinierend. Es gibt eine Unmenge an Verweisen auf Literatur und Geschichte.

Das Buch gibt uns definitiv viel Stoff zum Nachdenken. Der Teufel besucht Moskau zusammen mit einigen ominösen Begleitern, einer davon eine große schwarze Katze. Infolgedessen steht die ganze Stadt Kopf.

Ich glaube nicht, dass es möglich ist, das Konzept des Buches irgend jemandem zu erklären. Man muss es selbst lesen, und wenn man wirklich ins Detail gehen will, muss man es unbedingt mit Erklärungen lesen. Es ist teils Märchen, teils mystischer Realismus, definitiv politische Kritik, teils Komödie, teils Tragödie. Es ist nicht die leichteste Lektüre, aber definitiv eine der lohnendsten.

Und es ist auch eines der Bücher, die ich noch einmal lesen möchte.

Buchbeschreibung:

"Das vielschichtige Hauptwerk von Michail Bulgakow vereint mehrere Genremerkmale, Stilhaltungen und Problemstellungen. Es ist nicht nur eine fantastische Abenteuergeschichte und beißende Zeitsatire, sondern auch eine philosophische Parabel über das Wesen von Gut und Böse, über menschliche Schwächen, demoralisierende Auswirkungen von Unfreiheit und Unterdrückung, die Macht der Kunst und die Ohnmacht des Künstlers. Zentrales Thema ist die Entlarvung der Lüge in der Kunst wie im Leben.

Bulgakow begann 1929 mit der Arbeit an dem Roman und vernichtete 1930 eine erste Fassung. Letzte Korrekturen diktierte er, todkrank und erblindet, auf dem Sterbebett. Der Roman konnte erst Jahrzehnte später publiziert werden; er erschien 1966 in der Zeitschrift Moskva mit willkürlichen Kürzungen der Redaktion. Nach vollständiger Publikation 1966 im Ausland erschien die erste ungekürzte sowjetische Ausgabe 1973.

Ende der 1920er Jahre taucht während der Karwoche in Moskau der Satan Voland mit Gefolge auf, um Freitagnacht seinen alljährlichen Ball zu geben. Einige Tage lang wird Moskau vom Teufelsspuk heimgesucht. Den Menschen, die mit Volands Gefolge in Berührung kommen, wird übel mitgespielt – doch sie verdienen es nicht anders, denn sie sind fast allesamt verlogen, geldgierig und anmaßend. Eine Ausnahme bilden der namenlose Meister, der geniale Autor eines Pilatus-Romans, und seine Geliebte Margarita. Sie verloren einander aus den Augen, als der Meister, dessen Roman von Literaturfunktionären als konterrevolutionär eingestuft und für den Druck abgelehnt wurde, einen Nervenzusammenbruch erlitt, das Manuskript verbrannte und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde. In der Hoffnung, etwas über ihren Geliebten zu erfahren, ist Margarita bereit, die Gastgeberin auf dem Ball beim Satan zu spielen. Als Lohn für ihren selbstlosen Einsatz wird sie wieder mit dem Meister zusammengeführt; sein Roman wird vor dem Vergessenwerden gerettet.

Die Handlung des Romans spielt sich in drei unterschiedlichen Welten ab. Die erste ist die reale Welt der Moskauer Gegenwart. In zahlreichen temporeichen und aberwitzigen Episoden zeichnet Bulgakow ein satirisches Porträt der durch ideologische Gängelung verrohten und demoralisierten sowjetischen Gesellschaft; sein besonderes Augenmerk gilt den unbegabt-opportunistischen Vertretern des offiziösen Literaturbetriebs. Die zweite ist die überzeitliche Parallelwelt des Übersinnlichen und Jenseitigen. Dort tummeln sich Voland und sein Gefolge, Hexen, Vampire und die zum Leben erweckten Besucher des Satansballs – Giftmischer, Massenmörder und sonstige Großverbrecher. Die dritte schließlich ist die vergangene Welt des alten Jerusalem – der Handlungsort des vom Meister verfassten Passions-Romans über Pilatus und Jeschua han-Nasri, der als Roman im Roman eingeschoben ist. Alle drei Welten sind miteinander durch ein komplexes Netz gemeinsamer Motive, paralleler Figuren und Handlungsmomente verknüpft. So korrespondiert beispielsweise die Gestalt Jeschua han-Nasris mit der Gestalt des Meisters, die wiederum autobiografische Züge des realen Romanautors Bulgakow trägt.

Übersetzungen in mehrere Weltsprachen, zahlreiche Werkanalysen, Bühnenfassungen und Verfilmungen zeugen von der künstlerischen Kraft des Romans und von der von ihm ausgehenden Faszination."

Und hier noch eine kurze:

"Moskau zu Beginn der 1930er-Jahre: Der Teufel sucht die Stadt heim und stürzt ihre Bewohner mit tatkräftiger Unterstützung seiner Zauberlehrlinge in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung. Es ist die verdiente Strafe für Heuchelei, Korruption und Mittelmaß. Doch zwei Gerechte genießen Satans Sympathie: der im Irrenhaus sitzende Schriftsteller, genannt 'Meister', und Margarita, dessen einstige Geliebte. Bulgakows Gesellschaftssatire aus der Sowjetzeit ist ein faustisch-fantastisches Meisterwerk."

Mittwoch, 25. September 2024

Hislop, Victoria "Eine Geschichte von Liebe und Feuer"

Hislop, Victoria "Eine Geschichte von Liebe und Feuer" (Englisch: The Thread) - 2011

Dies war mein drittes Buch von Victoria Hislop und es war auch nicht das letzte. Ich habe jede einzelne Zeile davon geliebt.

Während ein junger Mann seine Großeltern in Griechenland besucht, erzählen sie ihm die Geschichte ihres Lebens und gleichzeitig die Geschichte ihrer Stadt und ihres Landes. Thessaloniki hat viel Aufruhr durchgemacht und seine Bewohner auch.

Wir lernen erfolgreiche Männer und unglückliche Frauen kennen, entschlossene Männer, die ihr Land retten wollen, sowie Menschen, die alle Hoffnung aufgegeben haben. Wir gehen durch die deutsche Besatzung und folgen den Widerstandskämpfern in die Berge. Wir treffen eine junge Schneiderin, die entschlossen ist, hart zu arbeiten, um durchs Leben zu kommen. Ihre Liebe zu dem Mann, in den sie sich nicht verlieben sollte, muss viele Hindernisse überwinden, aber da wir sie am Anfang als Großeltern des jungen Mannes kennenlernen, wissen wir bereits, dass sie am Ende ein Happy End haben werden.

Dies ist eine Geschichte über die Liebe und eine Geschichte über das Überleben. Wie überstehen Menschen, insbesondere Frauen, turbulente Zeiten? Sogar in Kriegszeiten scheinen manche Menschen zu versuchen, ein Klassensystem aufrechtzuerhalten, während es für andere einfach unwichtig geworden zu sein scheint. Wir erfahren, wie Familien in schwierigen Situationen unterschiedlich reagieren, wie Beziehungen entstehen - oder nicht - und wie verschiedene Ehen funktionieren - oder nicht.

Dieses Buch enthält so viel Geschichte, so viele Details, die Geschichte sogar für Leute interessant machen, die sich überhaupt nicht für Geschichte interessieren. Victoria Hislop hat sich ihren Platz auf meiner Liste der Lieblingsautoren verdient. Sie beginnt normalerweise mit einem Prolog, der in der heutigen Zeit spielt, und geht dann zurück in die Geschichte, um schließlich in ihrem Epilog in die moderne Zeit zurückzukehren. Besonders gut gefiel mir der Originaltitel dieses Buches, eine leichte Anspielung auf den Beruf einer Näherin sowie auf all die verschiedenen Menschen in der Geschichte, deren Leben miteinander verknüpft sind. Der deutsche Titel ist mal wieder nicht zu gebrauchen.

Buchbeschreibung:

"Thessaloniki 2007: Der junge, in England aufgewachsene Mitsos erfährt zum ersten Mal etwas über die Vergangenheit seiner Großeltern. Das Leben von Katerina und Dimitri ist untrennbar mit der wechselhaften Geschichte ihrer Heimatstadt verbunden – nur dank ihrer Liebe verloren sie nie die Hoffnung. Mitsos erkennt, dass hier auch seine Wurzeln liegen, und er spürt, dass er eine Entscheidung für sein Leben treffen muss.

Nachdem 1917 ein großer Brand weite Teile von Thessaloniki verwüstet hat, wächst Dimitri, Sohn eines reichen Tuchhändlers, bei seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Dennoch verbringt er eine glückliche Kindheit. Besonders eng befreundet ist er mit Katerina, die auf der Flucht aus Smyrna ihre Mutter verlor. Dann aber trennen sich die Wege der Kinder, und erst als Erwachsene treffen sie sich wieder. Sie erkennen, dass sie sich lieben, doch Dimitri zieht schon bald in den Zweiten Weltkrieg und kämpft danach noch viele Jahre im Widerstand. Die Nachricht seines Todes lässt Katerina zutiefst verzweifeln. Als der Besitzer der Schneiderei, in der sie arbeitet, ihr einen Heiratsantrag macht, willigt sie ein. Dann steht eines Tages Dimitri wieder vor ihr: voller Sehnsucht, gejagt von seinen Feinden …"

Andere Bücher von Victoria Hislop sind hier und hier (englisch). 

Dienstag, 3. September 2024

Lahiri, Jhumpa "Das Tiefland"

Lahiri, Jhumpa "Das Tiefland" (Englisch: The Lowland) - 2013

Ich habe ein paar Bücher von Jhumpa Lahiri gelesen, und dieses hier lag schon seit einiger Zeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich habe keine Ahnung, warum ich so lange gebraucht habe, um damit anzufangen. Oh, Moment mal, das müssen die Hunderte anderer Bücher auf dem Regal sein. LOL

Obwohl ich viele Bücher über Indien gelesen habe, und ziemlich viele über die Unabhängigkeit (z. B. MitternachtskinderMidnight's Children - von Salman Rushdie) und den Kampf dafür, wusste ich nicht viel über die Naxaliten, nur eine allgemeine Vorstellung davon, dass sie existierten. In diesem Buch lernen wir die Organisation und ihre Anhänger kennen. Und die Geschichte berührt auch den Grund, warum Inder ihr Land verließen, sowie die Rolle der Frauen in der damaligen Gesellschaft, sowohl in Indien als auch in den USA.

Ich wusste, dass es eine gewalttätige Zeit war, aber es ist anders, wenn man von Einzelpersonen hört und wie es ihnen unter bestimmten Umständen erging, selbst wenn diese fiktiv sind. Da ich immer gerne die Hintergründe meiner Bücher recherchiere, besonders wenn es historische sind, erfuhr ich, dass die Gruppe immer noch existiert und es immer noch viele Konflikte mit ihnen gibt und jedes Jahr zahlreiche Menschen getötet werden. Davon hört man im Rest der Welt kaum etwas. Wie schade!

Und dann gibt es in dem Buch auch noch eine "nächste Generation" und all die Implikationen, die sich daraus ergeben, in einem Land aufzuwachsen, in dem die eigenen Eltern nicht geboren wurden.

Ich fand diesen Roman äußerst interessant und gut geschrieben.

Buchbeschreibung:

"Nach sechs Jahren meldet sich die Autorin der wunderbaren Liebesgeschichte 'Einmal im Leben' mit einem neuen Roman zurück: Am Rande eines mit Wasserhyazinthen über­wucherten, zu Monsunzeiten überschwemmten Tieflands in einem Vorort von Kalkutta wachsen die Brüder Subhash und Udayan Mitra auf. Sie sind unzertrennlich, aber auch sehr verschieden. Beide interessieren sich für Wissenschaft und Politik. Aber Subhash, der Pflichtbewusste, entzieht sich den wirren politischen Verhältnissen der sechziger Jahre und zieht in ein ruhiges Küstenstädtchen im Osten der USA, um sich dort der Wissenschaft zu widmen. Udayan hingegen lässt sich mit militanten Maoisten ein und riskiert alles für seinen Traum von einer gerechteren Welt … Aber als Subhash erfährt, was seinem Bruder in jenem mit Hyazinthen überwucherten Gewässer zugestoßen ist, kehrt er nach Indien zurück, um die Wunden zu heilen, die Udayan, nicht zuletzt im Herzen seiner jungen, schwangeren Frau, geschlagen hat. Es entspinnt sich ein mitreißendes familiäres Drama über Kontinente und Generationen. Dieser beeindruckende Roman war in den an­gelsächsischen Ländern ein großer Bestseller. Lahiris Kunst liegt in der Verbindung von weiter Perspektive mit intimster persönlicher Geschichte. Ihre Charaktere, ihre Sätze und Bilder funkeln: Sie ist eine literarische Meisterin, eine der faszinierendsten und erfolgreichsten Autorinnen in den USA von heute."

Samstag, 17. August 2024

Camus, Albert "Die Gerechten"

Camus, Albert "Die Gerechten" (Französisch: Les Justes) - The Just Assassins aka The Just - 1949

Ich bin lese nicht gerne Theaterstücke, aber ich liebe Albert Camus. Und was soll ich sagen, dies liest sich fast wie ein Roman. Es hat wahrscheinlich geholfen, dass es um ein Thema geht, das mich sehr interessiert. Anscheinend basiert es auf echten Sozialrevolutionären.

Die große philosophische Frage des Stücks lautet: Kann man für die Revolution töten? Ist es gerecht oder ist es immer noch Mord? Tötet man ein paar, um Tausende oder sogar noch mehr zu retten? Das gilt es zu entscheiden.

Nicht nur mit dem Ort, auch mit dem Thema und der Art, wie er die Fragen stellt, erinnert er mich an meine russischen Lieblingsautoren Dostojewskij und Tolstoi.

Auf jeden Fall gibt uns dieses Buch viel Stoff zum Nachdenken. Perfekt.

Buchbeschreibung (es scheint kein deutsches Buch zu geben, in dem nur "Die Gerechten" veröffentlicht wurden):

"Sieben Theaterstücke schrieb Albert Camus neben seiner Prosa, bis heute wird er auf deutschen Bühnen gespielt.

Der Band enthält die Dramen
'Caligula', 'Das Missverständnis', 'Der Belagerungszustand', 'Die Gerechten' und "Die Besessenen' in Neuübersetzung.

Zum ersten Mal auf Deutsch publiziert wird die Calderón-Bearbeitung
'Die Liebe zum Kreuz', eine Familientragödie um Vater, Bruder und Schwester. Die größte Entdeckung ist das Kammerstück 'Impromptu der Philosophen', unter Pseudonym veröffentlicht, in Frankreich erst 2006 erschienen. Camus nimmt darin Jean-Paul Sartre auf die Schippe: Ein Irrer erklärt einem ehrbaren Bürger die Absurdität des Lebens.

Erstmals alle Dramen des großen französischen Autors in neuer Übersetzung vereint.
"

Albert Camus erhielt den Nobelpreis für Literatur 1957 "für seine bedeutungsvolle Verfasserschaft, die mit scharfsichtigem Ernst menschliche Gewissensprobleme in unserer Zeit beleuchtet".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Dienstag, 11. Juni 2024

Kröger, Theodor "Das vergessene Dorf"

Kröger, Theodor "Das vergessene Dorf. Vier Jahre Sibirien. Ein Buch der Kameradschaft" [The Forgotten Village] - 1934

Eine Geschichte über Russland, von einem Nicht-Russen geschreiben. Es ist nicht sicher, ob es sich hier tatsächlich um eine Autobiographie des Autoren handelt, aber wann ist man sich da schon hundertprozentig sicher.

Auf jeden Fall schafft er es, die Weiten und die Härte Sibiriens zu bschreiben, wie es schon im normalen Leben nicht so einfach ist, aber wenn man ganz von der übrigen Welt abgeschnitten ist, wird es noch furchtbarer.

Das Buch ist sehr mitreißend, sehr bewegend, man fühlt dermaßen mit den Protagonisten mit, dass einem fast selbst kalt dabei wird.

Es ist schon eine Weile her, seitdem ich dieses Buch gelesen habe, aber ich werde es nie vergessen.

Buchbeschreibung:

"10. August 1914. Beim Versuch, über die russisch-finnische Grenze zu fliehen, wird Theodor Kröger verhaftet. Von diesem Augenblick an ist er der Zaristischen Kriegsjustiz unentrinnbar ausgeliefert. Die Anklage lautet auf Mord und Spionage. Trotz härtester Verhörmethoden und systematischer Folterungen gelingt es nicht, ihm ein Geständnis abzuringen. Er wird zum Tode verurteilt. Einflußreichen Freunden im Hintergrund verdankt er jedoch seine Begnadigung zu lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien. Hier erwarten ihn neue Abenteuer und Gefahren. Da sind die Mißstände in der kleinen Urwaldstadt Nikitino und die grausame Lage der in der Nähe internierten Kriegsgefangenen - aber auch Fayme, das schöne Tartarenmädchen, das sich seiner Liebe mit zarter und tiefer Leidenschaft öffnet, einer Liebe, die wie ein heiteres Abschiednehmen aus der Bitterkeit des Vergangenen seinem Leben einen neuen, glücklichen Sinn verheißt... So außergewöhnlich die Situationen sind und so entlegen die sibirische Landschaft für unser westliches Auge, die Kröger mit brillanter Schärfe und großer menschlicher Einfühlung beschreibt, so faszinierend gelingt es ihm, den Leser hinter dem Einzigartigen des Erlebten und Erlittenen jene Spur wieder aufnehmen zu lassen, die seine Odyssee durch Sibirien als einen Leidensweg für die vielen, die vor und nach ihm dorthin verbannt wurden, markiert hat."

Samstag, 8. Juli 2023

Voland, Maxim "Die Republik"

Voland, Maxim (Markus Heitz) "Die Republik" [The Republic] - 2020

Ein hochinteressantes Buch über das Leben wie es hätte sein können, wenn ganz Deutschland nach dem 2. Weltkrieg zur DDR geworden wäre. Das ganze deutsche Gebiet? Nein, ein kleines unbeugsames "Dorf" ist noch übrig, Berlin-Deutschland. Sie haben zwar keinen Zaubertrank wie jenes in Gallien, aber sie unterstehen nicht dem Regime der DDR.

Ich hatte eigentlich gedacht, in dem Buch würde unsere Geschichte auf den Kopf gestellt. Das mag ich an alternativen Romanen. Dieser liest sich jedoch mehr wie ein Krimi, und die sind sonst nicht mein Geschmack.

Aber die Idee gefiel mir.

Buchbeschreibung:

"Europa, 1949: Die neu gegründete DDR umfasst nach einem unglaublichen Coup das gesamte deutsche Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin. Gegenwart: Die DDR ist führende europäische Macht - ein hochmoderner Überwachungsstaat mit einem glücklichen Volk. So scheint es. Während internationale Agentenorganisationen im autonomen West-Berlin ihre Pläne schmieden, wird die DDR von einem furchtbaren Vorfall erschüttert: Über den Platz der Akademie zieht eine Giftgaswolke und fordert zahlreiche Tote. Ein Unfall? Ein Anschlag? Welche Macht steckt dahinter? Ein desillusionierter Stasi-Oberst, der französische Dolmetscher Christopher und die junge DDR-Bürgerin Alicia geraten in eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes, die das Ende Europas bedeuten könnte..."

Dienstag, 30. Mai 2023

Ibrahimi, Anilda "Rot wie eine Braut"

Ibrahimi, Anilda "Rot wie eine Braut" (Italienisch: Rosso come una sposa) - [Red Like a Bride] - 2008

Wir haben dieses Buch in unserem internationalen Online-Lesekreis im Mai 2023 gelesen.

Über Albanien hat man lange Zeit kaum etwas erfahren. Man wusste, dass das Land abgeschieden war, das niemand herein- und noch weniger herauskamen.

In diesem Buch wird uns von dem Leben hinter dem Vorhang erzählt. Wir lernen vier Frauengenerationen kennen, angefangen mit Saba, die mit 15 Jahren mit dem Witwer ihrer Schwester verheiratet wird und neun Kinder von ihm bekommt, fünf Mädchen und vier Jungs.

Der Krieg verändert die Stellung der Frau, sie bekommen eine Ausbildung und werden selbständiger, auch auf dem Land. Wir durchleben die verschiedenen Generation bis zu Dora, die die Geschichte erzählt.

Der Titel spielt auf die Tradition an, dass eine Braut in Albanien ganz in Rot gekleidet wurde.

Eine interessante Geschichte über das Leben in einem Land, von dem wir immer noch nicht viel wissen. Gut geschrieben, flüssig zu lesen. Mir hat es sehr gut gefallen.

Die Gruppe hatte eine wirklich gute Diskussion darüber, das Buch gefiel allen sehr gut, sowohl aus der interessanten Perspektive der albanischen Geschichte und Kultur als auch aufgrund der verschiedenen Geschichten, die sich im Buch entlang des Lebens der Frauen, von denen die Geschichte erzählte, bis hin zur Neuzeit bewegen, wie das Leben weitergeht und zusammenhängt. Die Gruppe hielt es für eine qualitativ hochwertige Lektüre, würde es wärmstens empfehlen und vergab 5 von 5 Punkten.

Buchbeschreibung:

"Vier Generationen von Frauen, eine Truhe voller Erinnerungen, der Aufbruch in ein neues Leben

Die junge Dora hat ihre Heimat Albanien verlassen, um in Italien ein besseres Leben zu beginnen. In der Ferne erscheinen ihr die Erinnerungen an ihre Familie, die in dem kleinen Bergdorf Kaltra seit Generationen ein einfaches und von archaischen Traditionen bestimmtes Leben führt, mit einem Mal wie aus einer anderen Zeit. Doch immer, wenn sie die Truhe öffnet, die ihr von Saba, der Großmutter, geblieben ist, sie Sabas roten Hochzeitsschleier in die Hände nimmt und ihr der altvertraute Geruch von Quitten in die Nase steigt, wird die Vergangenheit vor ihren Augen lebendig …
"