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Dienstag, 22. September 2026

Nicoletti, Cara "Yummy Books!"

Nicoletti, Cara "Yummy Books!: In 50 Rezepten durch die Weltliteratur" (Englisch: Voracious: A Hungry Reader Cooks Her Way through Great Books) - 2015

Dies ist ein wunderbares Buch. Wer Rezepte mag, wird es vielleicht schon allein deswegen lesen wollen. Doch wer – wie ich – das Lesen liebt, wird es vor allem wegen der Passagen aus den geliebten Büchern schätzen. Wer erinnert sich nicht daran, wie Mr. Woodhouse (in "Emma") beim Abendessen allen von dem perfekt gekochten Ei erzählt? Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich Eier koche.

Auch die anderen Rezepte sind herrlich und erinnern wunderbar an großartige Bücher – selbst wenn man eigentlich nicht gerne kocht oder keines dieser Rezepte jemals nachkochen würde.

Hier sind die Rezepte mit Links zu den Büchern, die ich gelesen habe:

Austen, Jane "Emma" - Emma - Das perfekte weichgekochte Ei
- "Pride and Prejudice" - Stolz und Vorurteil - Weiße Knoblauchsuppe *
Banks, Lynne Reid "The Indian in the Cupboard" - Der Indianer aus der Hosentasche - Gegrilltes Roastbeef
Burnett, Frances Hodgson "The Secret Garden" - Der geheime Garten - Rosinenbrötchen
Capote, Truman "In Cold Blood"- Kaltblütig - Cherry-Pie
Cunningham, Michael "The Hours" - Die Stunden - Geburtstagstorte
Dahl, Roald "The Witches" - Hexen hexen - Eintopf mit Muscheln, Krabben und Dorsch
Dickens, Charles "Great Expectations" - Große Erwartungen - Schweinspastete
Didion, Joan "Goodbye to All That" - Das Ende vom Lied - Gegrillte Pfirsiche mit hausgemachtem Ricotta
Eugenides, Jeffrey "Middlesex" - Middlesex - Olivenöl-Joghurt-Kuchen
Flynn, Gillian "Gone Girl" - Gone Girl - Das Perfekte Opfer - Crêpes mit brauner Butter
Franzen, Jonathan "The Corrections" - Die Korrekturen - Schokoladen-Cupcakes mit Pfferminz-Buttercreme
French, Tana "In the Woods" - Grabesgrün - Digestive Biscuits mit Schokolade
Golding, William "Lord of the Flies" - Herr der Fliegen - Porchetta di Testa (Rollbraten vom Schweinekopf)
Grimm, Jacob + Wilhelm "Hansel and Gretel" - Hänsel und Gretel - Gewürzkuchen mit Lebkuchengewürz und Blutorangensirup
Harris, Thomas "The Silence of the Lambs" - Das Schweigen der Lämmer - Crostini mit Favabohnen- und Hähnchenleber-Mousse
Heller, Peter "The Dog Stars" - Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte - Forelle aus dem Backofen
Homer "The Odyssey" - Die Odyssee - Rotweinbrot mit Rosmarin
Houston, Pam "Waltzing the Cat" (incl."The Best Girlfriend You Never Had") - Die Farbe des Abenteuers/Die beste Freundin, die du nie hattest - Red Flannel Hash
Hugo, Victor "Les Misérables" - Die Elenden - Schwarzbrot mit Roggenmehl
Irving, Washington "The Legend of Sleepy Hollow" - Die Sage von Sleepy Hollow - Buchweizenpfannkuchen
Keene, Carolyn "Nancy Drew" - Ein Fall für Nancy Drew - Schokoladeneisbecher mit kandierten Walnüssen und Schoko-Fudge-Sauce
Kesey, Ken "Sometimes a Great Notion" - Manchmal ein großes Verlangen - Haselnuss-Streuselkuchen mit Brombeeren
Lee, Harper "To Kill a Mockingbird" - Wer die Nachtigall stört - Biscuits mit Sirupbutter
Lindgren, Astrid "Pippi Longstocking" - Pippi Langstrumpf - Buttermilchpfannkuchen
Maurier, Daphne du "Rebecca" - Rebecca - Blutorangenmarmelade
McCloskey, Robert "Homer Price" - Homer Price - Old-Fashioned Donuts mit saurer Sahne
Melville, Herman "Moby Dick" - Moby Dick oder der Wal - Chowder
Montgomery, L.M. "Anne of Green Gables" - Anne auf Green Gables - Salzkaramellen mit Schokolade
Morrison, Toni "The Bluest Eye" - Sehr blaue Augen - Sorbet aus Concord-Trauben
Numeroff, Laura Joffe "If You Give a Mouse a Cookie" - Kekse für die Maus im Haus - Chocolate Chip Cookies mit brauner Butter 
Orwell, George "Down and Out in Paris and London" - Ganz unten in Paris und London - Rib-Eye-Steak
Paola, Tomie de "Strega Nona" Der Zaubertopf - Pasta mit Parmesan und schwarzem Pfeffer
Plath, Sylvia "The Bell Jar" - Die Glasglocke - Avocados mit Krebsfleischsalat
Poe, Edgar Allen "The System of Doctor Tarr and Professor Fether" - Die Methode Dotkor Theer und Professor Fedder - Kürbis-Pie mit Ziegenkäse
Rawls, Wilson "Where the Red Fern Grows" - Wo der rote Farn wächst - Maisbrot aus der Pfanne mit Honigbutter
Roth, Philip "American Pastoral" - Amerikanisches Idyll - Hot-Cheese-Sandwich
Salinger, J.D. "The Catcher in the Rye" - Der Fänger im Roggen - Malzmilch-Eiscreme
Sendak, Maurice "In the Night Kitchen" - In der Nachtküche - Milch-und-Malzkuchen
Singer, Isaac Bashevis "Gimpel the Fool" - Gimpel der Narr - Challah (Jüdisches Hefebrot)
Tartt, Donna "The Little Friend" - Der kleine Freund - Pfefferminz-Eiscreme mit Zucckerstangenstückchen
- "The Secret History" - Die geheime Geschichte - In Rotwein geschmorte Lammkeule mit Wildpilzen
Tolstoi, Leo "Anna Karenina" - Anna Karenina - Austern mit Gurken-Mignonette
Toole, John Kennedy "A Confederacy of Dunces" - Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten - Donuts mit Geleefüllung
Virgil "The Aeneid" - Aeneis - Honig-Mohn-Kuchen
Warner, Gertrude Chandler "The Boxcar Children" - Die Kinder aus dem Güterwagen - Schokoladenpudding
Waugh, Evelyn "Brideshead Revisited" - Wiedersehen mit Brideshead - Blini mit Kaviar
White, E.B. "Charlotte's Web" - Wilbur und Charlotte - Erbsensuppe mit Speck
Wilder, Laura Ingalls "Little House in the Big Woods" - Unsere kleine Farm: Laura im großen Wald - Frühstücksbratwurst
Woolf, Virginia "Mrs. Dalloway" - Mrs. Dalloway - Schokoladen-Éclairs

* Hier hätte ich mich für die "ausgezeichneten Salzkartoffeln" entschieden, die in einem "hervorragend ausgestatteten Zimmer" serviert werden. Wie wir alle wissen, war es viele Jahre her, dass Mr. Collins "ein solch vorbildliches Gemüse" genossen hatte.

Buchbeschreibung:

"Soulfood für Lesehungrige

Kennen Sie das: Sie lesen einen Roman, in dem von einem cremigen Kuchen oder einem saftigem Braten die Rede ist, und schon läuft Ihnen das Wasser im Munde zusammen? Cara Nicoletti kennt diese Erfahrungen nur zu gut. Inspiriert von ihren 50 Lieblingsbüchern kocht sie die charmante und belesene Metzgerin aus Brooklyn durch die Gerichte der Weltliteratur. Und lädt uns ein - zum Nachlesen, Nachkochen und Mitgenießen."

Da viele der Bücher im Original auf Englisch erschienen sind und es für mich einfacher war, die deutschen Titel hinterherzusetzen, habe ich es so gemacht, und die Links zu den deutschen Titeln (sofern vorhanden) stehen immer hinten.

Samstag, 12. September 2026

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence"

Mayle, Peter "Mein Jahr in der Provence" (Englisch: A Year in Provence) - 1989

Ich habe schon etliche Bücher von Menschen gelesen, die ihre Heimat (vorwiegend England) verlassen haben, um sich anderswo (hauptsächlich in Südeuropa – Frankreich, Spanien, Italien) niederzulassen.

Meine Favoriten darunter sind die "Der Olivenhain. Liebe in der Provence"-Reihe (The Olive Series) von Carol Drinkwater und "Unter den Zitronenbäumen" (Driving Over Lemons) von Chris Stewart (ehemaliger Genesis-Schlagzeuger).

Ich bin allerdings auch auf weniger gelungene Exemplare gestoßen, und mit der Zeit wiederholen sich die Inhalte ein wenig. Eine Freundin erzählte mir jedoch, sie habe alle Bücher von Peter Mayle über sein Leben in der Provence gelesen und fand sie urkomisch; also beschloss ich, es auch einmal damit zu versuchen.

Das Buch hat mir gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie die bereits erwähnten Werke. Der Autor besitzt Humor, und seine Geschichten über die französischen Nachbarn, die Handwerker und das Essen sind durchaus interessant. Wer diese Art von Büchern mag, sollte es lesen. Er hat zwar noch weitere Bücher über sein Leben in der Provence geschrieben, aber da ich schon so viele Bücher dieses Genres gelesen habe, werde ich ihn und seine Frau nicht weiter auf ihrem Weg begleiten.

Buchbeschreibung:

"Ein charmanter und humorvoller Blick auf das Leben in der Provence, als ein Brite beschließt, seinen Traum zu verwirklichen.

In Mein Jahr in der Provence erzählt Peter Mayle von seinem Abenteuer, als er beschließt, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und in die malerische Provence zu ziehen. Doch das erste Jahr in der neuen Heimat bringt so manche Herausforderung mit sich. Nicht nur die Sprache, sondern auch die französische Lebensart sorgen immer wieder für amüsante Missverständnisse und Überraschungen.

Der Duft von Lavendel und der Geschmack von gutem Wein

Mit viel Charme und Humor schildert Mayle seine Erlebnisse, die kulinarischen Genüsse und die Eigenheiten der Einheimischen. Eine wahre Geschichte, die Lust macht, die Provence mit ihren malerischen Landschaften, dem köstlichen Wein und der einzigartigen Küche selbst zu entdecken. Ein im wahrsten Sinne des Wortes köstliches Buch, durchzogen vom Duft von Jasmin und Lavendel, von Olivenöl, Knoblauch und gutem Wein. Ein unterhaltsamer Einblick in das Leben eines Auswanderers, der seinen Traum lebt."

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana"

Mayes, Frances "Unter der Sonne der Toskana: Das Leben bietet dir tausend Chancen ... - Du mußt sie nur wahrnehmen" auch "Das Paradies heißt Bramasole. Eine Liebeserklärung an die Toskana" (Englisch: Under the Tuscan Sun) - 1996

Ich habe ähnliche Bücher von Menschen gelesen und genossen, die ihre (meist europäische) Heimat verließen, um sich im Süden niederzulassen. Selten hatte ich das Gefühl, dass die Person auf die Menschen in ihrer neuen Heimat herabblickte. Dieses Gefühl hatte ich hier. Es gefiel mir überhaupt nicht und ich habe es deshalb nicht zu Ende gelesen – und das kommt sehr selten vor.

Der Roman "Swan" der Autorin hat mir allerdings gut gefallen. Er wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Es ist Liebe auf den ersten Blick, als die amerikanische Reiseschriftstellerin Frances Mayes und ihr Lebensgefährte Ed im Sommer 1990 Bramasole besichtigen, ein kleines Haus in den Hügeln nahe der Etruskerstadt Cortona. Doch von einer toskanischen Idylle sind die beiden noch weit entfernt: Bis das Geld zusammengekratzt, die ersten Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie gemacht und einige Handwerker als Schlitzohren enttarnt sind, vergehen Wochen. Doch die Mühen lohnen sich: Irgendwann können sich die beiden den angenehmeren Seiten des Lebens zuwenden. Für die leidenschaftliche Köchin Frances ist das vor allem die toskanische Küche, aber es bleibt auch immer genügend Zeit für kleine Ausflüge in die Umgebung, in der es so vieles zu entdecken gibt: romantische Straßen, liebliche Landschaften, alte Städte, herrliche Märkte und, nicht zu vergessen, die Italiener selbst mit all ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und Wärme. Das erste Essen an einem langen Tisch im Garten, die erste Flasche Öl von den eigenen Olivenbäumen, das erste italienische Weihnachten. Mit ihren Schilderungen und ihren Rezepten nimmt Frances Mayes den Leser mit auf eine Reise durch ihr toskanisches Jahr, und in einem wird er ihr mit Sicherheit zustimmen: Das Paradies liegt in Bramasole."

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain"

Drinkwater, Carol "Der Olivenhain. Liebe in der Provence" (Englisch: The Olive Series) - 2001

Ich habe nur die ersten drei Bände der Reihe gelesen, aber sie haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht bin ich zufällig auf den ersten gestoßen, weil mir die Autorin bekannt vorkam. Ja, sie ist Helen Herriot, James Herriots Frau in der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (All Creatures Great and Small). Sie hat ein arbeitsreiches Leben als Schauspielerin, aber das schien ihr nicht genug zu sein. Sie heiratete Michel, einen französischen Fernsehproduzenten, und gemeinsam kauften sie eine Olivenfarm in der Provence. Viele Nordeuropäer und US-Amerikaner haben das schon getan und darüber geschrieben. Besonders gut gefiel mir Chris Stewarts Geschichte "Unter den Zitronenbäumen" (Driving over Lemons), aber Helen Stevensons "Instruction for Vistors" oder Frances Mayes' "Unter der Sonne der Toskana" (Under the Tuscan Sun) haben mich nicht so sehr beeindruckt.

Dies ist jedoch eine wunderschöne Geschichte, in der Carol Drinkwater über ihre Liebe zu ihrem Mann und ihre gemeinsame Liebe zur Olivenfarm spricht, über die Arbeit, die ein solches Abenteuer mit sich bringt, und über die Vorteile. Sie beschreibt wunderbar sowohl die Landschaft und ihre Menschen als auch die Aktivitäten, die dort stattfinden. Es überrascht mich nicht, dass sie inzwischen sieben Bände der Reihe veröffentlicht hat. Die Lektüre ihres Buches kommt mir vor wie ein Urlaub in Südfrankreich. Ich fand es toll.

Buchbeschreibung:

"Carol Drinkwater erzählt uns von den zwei großen Leidenschaften ihres Lebens: Von Michel, dem französischen Filmproduzenten, und von 'Apassionata', einer verlassenen Olivenfarm, in die sich Carol und Michel unter dem weiten Himmel Frankreichs verlieben."

Hier sind die Titel der englischen Serie, von denen leider nur dieses übersetzt wurde:
The Olive Farm: A Memoir of Life, Love and Olive Oil in the South of France - 2001
The Olive Season: Amour, a New Life and Olives Too - 2003
The Olive Harvest: A Memoir of Love, Life and Olives in the South of France - 2004
The Illustrated Olive Farm - 2005
The Olive Route: A Personal Journey to the Heart of the Mediterranean - 2007
The Olive Tree: A Personal Journey Through Mediterranean Olive Groves - 2008
Return To the Olive Farm - 2010

Mittwoch, 9. September 2026

Boom, Corrie ten "Die Zuflucht

Boom, Corrie ten with Sherrill, John and Elizabeth "Die Zuflucht: Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945" (Niederländisch: De Schuilplaats) - The Hiding Place. The Triumphant Story of Corrie Ten Boom - 1972

Wenn ihr Anne Franks "Tagebuch" gelesen haben, solltet ihr auch dieses Buch lesen. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschen wie die Familie Frank versteckte, und schildert, was ihnen widerfuhr.

Wie jemand diese Gräueltaten mitansehen kann – sei es aufseiten des Feindes oder im eigenen Volk – und dabei dennoch so positiv bleibt und an einen Sinn hinter all dem glaubt ... das ist für mich unfassbar. Ich bin dankbar, dass es solche Menschen gibt, und hoffe, dass ich genauso reagieren würde, wenn ich vor dieser Entscheidung stünde.

Die Familie ten Boom gehörte jedenfalls zum niederländischen Widerstand. Sie versteckten jeden, der Hilfe brauchte – vor allem Juden – und verhalfen ihnen zur Flucht aus dem Land.

Besonders gut gefiel mir der Vater, der seiner Familie ein echtes Vorbild war. Hier ist ein Zitat, das dies wunderbar veranschaulicht:
"Vater hielt das Baby fest an sich; sein weißer Bart streifte dessen Wange, während er in das kleine Gesicht blickte – mit Augen, die so blau und unschuldig waren wie die des Kindes selbst. Schließlich sah er zu dem Pastor auf.'‚Sie sagen, wir könnten für dieses Kind unser Leben verlieren. Ich würde das als die größte Ehre betrachten, die meiner Familie zuteilwerden könnte.'"

Ein weiteres Zitat, auf das ich eingehen möchte:
"Seltsamerweise fiel es den Menschen nicht am schwersten, den Deutschen oder Japanern zu verzeihen; vielmehr waren es die eigenen Landsleute, die sich auf die Seite des Feindes geschlagen hatten."
Das kann ich gut verstehen. Viele Deutsche oder Japaner hatten keine Wahl, doch diese Leute hatten ihre eigenen Landsleute verraten. Allerdings muss ich – nachdem fast zwanzig Jahre in den Niederlanden lebe – widersprechen, dass man den Deutschen so bereitwillig verzieh; es gibt hier viele Menschen, die es bis heute nicht vergessen haben.

Es war sehr interessant zu sehen, wie sie das Versteck errichteten und wie es ihnen gelang, ein zusätzliches Zimmer in das Haus einzubauen, ohne dass es jemand bemerkte.

Zugegeben, das Buch ist stark religiös geprägt; Corrie ten Boom und ihre Familie waren Kalvinisten und gehörten der Niederländisch-Reformierten Kirche an, die sehr streng und konservativ war. Doch genau das war ein Beweggrund für ihr Handeln. Auf jeden Fall ist das Buch absolut lesenswert.

Buchbeschreibung:

"Corrie ten Boom, die niederländische Autorin wurde vor allem mit ihrem Buch 'Die Zuflucht' berühmt, in dem sie erzählt, wie ihre Familie während des Dritten Reichs Juden in ihrem Haus versteckte und dabei schwere Opfer bringen mußte. In ihren Werken spiegeln sich die ungewöhnliche Tiefe und Kraft ihres Glaubens und ihre warmherzige Art auf bewegende Weise wider.

Der internationale Bestseller berichtet über die entscheidenden Jahre im Leben Corrie ten Booms. Mit ihrer ganze Familie bietet sie Verfolgten Schutz und wird selbst zu einer Verfolgten: 1944 wird sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen.

Trotz alldem wird sie eine Botschafterin des Themas "Vergebung" und predigt nach dem Krieg in über 60 Ländern.
"

Dienstag, 1. September 2026

MacGregor, Neil "Deutschland"

MacGregor, Neil "Deutschland. Erinnerungen einer Nation" (Englisch: Germany. Memories of a Nation) - 2014

Früher habe ich Geschichte in der Schule gehasst. Es drehte sich alles nur um Fragen wie: "Wo fand diese Schlacht statt?" oder "Wann war dieser Krieg?" – und das meist ohne viele Details. Deshalb bin ich heute dankbar für all die wunderbaren Bücher, die ich lesen kann und die mir so viele Informationen liefern und alles so viel interessanter machen.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Bücher über Weltgeschichte, europäische Geschichte, britische Geschichte, die beiden Weltkriege und auch einzelne Aspekte der deutschen Geschichte gelesen. Allerdings gibt es kaum Bücher, die die deutsche Geschichte in ihrer Gesamtheit behandeln – wohl deshalb, weil das Deutschland, wie es heute existiert, noch gar nicht so lange in dieser Form besteht. Und dabei spreche ich nicht nur von der Wiedervereinigung, die nun schon einige Jahrzehnte zurückliegt.

Zufällig bin ich auf ein Buch von Neil MacGregor gestoßen – einem britischen Historiker, der all jene Faktoren zusammengetragen hat, die unsere heutige Nation geformt haben.

Wer noch nicht viel über Deutschland weiß (abgesehen davon, dass es hier Nazis gab – das weiß schließlich jeder), für den ist dies das ideale Buch. Ich selbst wusste nie so viel über mein eigenes Land und bin dem Autor unglaublich dankbar dafür, dass er all diese Zusammenhänge aufgearbeitet hat. Es hat mich ziemlich stolz gemacht – wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben.

Er zeigt auf, was in Deutschland vor jenem dunklen Kapitel der Geschichte geschah und wohin der Weg danach führte: die Herausforderungen und die Errungenschaften, Kultur und Kunst, Wissenschaft und Industrie, die Vergangenheit und die Zukunft. Ihm zufolge scheint Deutschland das einzige Land zu sein, das sich an die Schattenseiten seiner Geschichte erinnert – und nicht bloß an die Siege in bestimmten Kriegen.

Und das Beste daran: Er erhebt nicht den moralischen Zeigefinger. Er versucht zu verstehen, wie sich alles ereignen konnte, und ist sich dabei sehr wohl bewusst, dass nicht jeder Deutsche ein Anhänger der Nazis war – und dass gerade für diese Menschen jene Zeit besonders schwer war.

Zweifellos eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Es war jede Minute wert. Ich würde sehr gerne auch eines seiner anderen Bücher lesen.

Buchbeschreibung:

"Deutschlands Geschichte ist stärker zersplittert als die der meisten anderen europäischen Länder. Seine Grenzen waren oft in Bewegung, und die längste Zeit der letzten 500 Jahre bestand es aus einem bunten Mosaik von politischen Gebilden. Doch es gibt auch Erinnerungen, die allen Deutschen gemeinsam sind.

Montag, 31. August 2026

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey"

Carnarvon, Fiona Gräfin von Carnarvon "Lady Almina und das wahre Downton Abbey: Das Vermächtnis von Highclere Castle" (Englisch: Lady Almina and the Real Downton Abbey: The Lost Legacy of Highclere Castle) - 2011

Wenn ihr "Downton Abbey" gesehen und gemocht habt, ist dies genau das richtige Buch für euch. Die Serie wurde auf Highclere Castle gedreht, und die heutige Countess of Carnarvon beschreibt darin das Leben von Lady Almina – der realen Lady Cora Crawley –, die ihr Schloss während des Ersten Weltkriegs als Lazarett zur Verfügung stellte. Die Parallelen zwischen ihren Leben sind so zahlreich, dass es schier unglaublich ist.

Besonders gut gefielen mir die Hintergrundinformationen – nicht nur zu Lady Almina, sondern auch zu ihrem Ehemann, George Herbert, dem 5. Earl of Carnarvon, der maßgeblich an der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun beteiligt war. Zudem engagierte sich sein Halbbruder stark für die Unabhängigkeit Albaniens; man bot ihm sogar den Thron an. Lady Alminas Vater war Alfred de Rothschild – eine weitere schillernde Persönlichkeit, die die Geschichte bereichert.

Darüber hinaus enthält das Buch zahlreiche Abbildungen – nicht nur von der Familie selbst, sondern auch von den Familien der "Bediensteten" ("Downstairs"), die über Generationen hinweg auf dem Schloss arbeiteten.

Alles in allem ein interessantes Buch mit vielen historischen Hintergründen.

Buchbeschreibung:

"Sie reiste mit Dutzenden von Koffern an und erhielt jährlich ein Taschengeld von 6,5 Millionen Pfund.

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kreise des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von
Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient."

Dienstag, 25. August 2026

Buddha "Dhammapada"

Buddha "Dhammapada. Worte des Buddha" (Sanskrit: धम्मपद), Buddhistischer text - The Dhammapada. Verses on the Way -  ca. 300 BCE

Den Dingen geht der Geist voran;
der Geist entscheidet.
Kommt aus getrübtem Geist
dein Wort und dein Betragen,
so folgt dir Unheil,
wie dem Zugtier
folgt der Wagen.


Ein weiteres Buch von der Liste "Nicht-westliche Bücher, die jeder Student lesen sollte" (The non-western books that every student should read), das ich mir vorgenommen habe. Ich habe es mir aus der (englischsprachigen) Bibliothek ausgeliehen und glaube, ich hatte Glück, eine neue Übersetzung mit Erläuterungen eines buddhistischen Gelehrten erhalten zu haben.

Das Lesen dieses Buches hat mir wirklich große Freude bereitet; es wirkt zwar wie Poesie, liest sich aber nicht so – was ich als sehr erfrischend empfand.

Wer mit religiöser Literatur jeglicher Art vertraut ist – etwa mit der Bibel oder dem Koran –, wird sicherlich viele vertraute Botschaften wiederfinden: "Liebe deinen Nächsten", "Ehre Vater und Mutter", "Lebe friedlich", "Töte nicht" und so weiter. Buddha hat all dies in wenigen Worten zusammengefasst, die für jedermann verständlich sein sollten.

Ob man nun religiös ist oder nicht: Es würde uns allen zugutekommen, wenn wir so leben würden, wie es Gautama Buddha – oder Siddhārtha Gautama – vor mehr als zwei Jahrtausenden beschrieben hat.

Buchbeschreibung:

"Die Dhammapada (Worte der Weisheit) besteht aus 423 Versen in Pali, welche der Buddha bei 305 Gelegenheiten zum Wohle der Menschheit aussprach. Diese Sprüche wurden in einem Buch zusammengefasst, weil sie durch ihre Schönheit und Wahrheit von besonderer Wichtigkeit sind, um vielen Menschen hilfreich beiseite zu stehen."

Samstag, 22. August 2026

Fatland, Erika "Die Grenze"

Fatland, Erika "Die Grenze. Eine Reise um Russland" (Norwegisch: Grensen: En reise rundt Russland gjennom Nord-Korea, Kina, Mongolia, Kasakhstan, Aserbajdsjan, Georgia, Ukraina, Hviterussland, Litauen, Polen, Latvia, Estland, Finland og Norge samt Nordøstpassasjen) - The Border: A Journey Around Russia Through North Korea, China, Mongolia, Kazakhstan, Azerbaijan, Georgia, Ukraine, Belarus, Lithuania, Poland, Latvia, Estonia, Finland, Norway, and the Northeast Passage - 2017

Die Autorin ist eine norwegische Journalistin, die eine Reise entlang der gesamten russischen Grenze unternommen hat. Sie besuchte jedes einzelne Land – auch solche, die international nicht anerkannt sind, wie die de facto souveränen Gebiete im Kaukasus: Abchasien, Südossetien, Adscharien, Bergkarabach und Donezk. Die Einreise in einige dieser Gebiete war nicht einfach. Um nach Bergkarabach zu gelangen, musste sie über Armenien reisen, da eine Einreise von Aserbaidschan aus – zu dem das Gebiet offiziell noch immer gehört – nicht möglich ist.

Sie bereiste all diese Gebiete unter schwierigen Bedingungen und sprach mit den Menschen vor Ort über die jüngere und ältere Geschichte; dabei erfährt man viel über diesen Teil der Welt. Ich halte es für wichtig, mehr über das größte, sehr mächtige und wohl gefährlichste Land der Welt zu wissen.

Es handelt sich um ein großartiges, hervorragend geschriebenes Buch, bei dem man das Gefühl hat, gemeinsam mit der Autorin zu reisen und mit ihr die Länder, die dort lebenden Menschen und deren Geschichte zu entdecken. Fantastisch.

Dies ist das zweite Buch über Russland und seine Geschichte, das Erika Fatland verfasst hat. Ihr erstes Werk, "Sowjetistan. Eine Reise durch Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan" (Sovietistan: Travels in Turkmenistan, Kazakhstan, Tajikistan, Kyrgyzstan, and Uzbekistan), habe ich nach diesem gelesen. Daraus habe ich ebenso viel gelernt wie aus diesem Buch.

Buchbeschreibung:

"Die Journalistin Erika Fatland reist entlang der schier endlosen Grenze Russlands. Von Nordkorea über den Kaukasus, das Kaspische und das Schwarze Meer. Durch die Ukraine und die Staaten Osteuropas geht es bis zur russisch-norwegischen Grenze – nach 14 Staaten und über 20 000 Kilometern stößt sie auf die Arktis. Doch hier endet die Reise nicht etwa.

Von der tschuktschischen Hauptstadt Anadyr aus macht sich Erika Fatland im 'Arktischen Sommer' auf die Reise entlang der Nordostpassage, vorbei an Franz-Josef-Land und Sewernaja Semlja bis nach Kirkenes – und hat damit das flächenmäßig größte Land der Welt einmal umrundet.

Erika Fatland, Autorin des Bestsellers Sowjetistan, reist entlang der über 20 000 Kilometer langen russischen Grenze durch 14 Länder und begegnet dort den unterschiedlichsten Menschen – Taxifahrern, Geschichtsprofessoren, Rentierhirten und anderen. Sie hört zu, stellt Fragen, sammelt Geschichten. So entstehen schillernde Porträts dieser eigenwilligen Menschen und Länder. Aber auch ein Porträt des weltpolitischen Giganten – aus der Sicht seiner Nachbarn."

Fatland, Erika "Sowjetistan"

Fatland, Erika "Sowjetistan. Eine Reise durch Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan" (Norwegisch: Sovjetistan. En reise gjennom Turkmenistan, Kasakhstan, Tadsjikistan, Kirgisistan og Usbekistan) - Sovietistan: Travels in Turkmenistan, Kazakhstan, Tajikistan, Kyrgyzstan, and Uzbekistan - 2014

Nachdem ich "Die Grenze" (The Border) der norwegischen Autorin gelesen hatte, in dem sie die gesamte russische Grenze bereist und jedes angrenzende Land besucht, war ich gespannt auf ihr erstes Buch, in dem sie die zentralasiatischen Staaten (die sogenannten "Stans") besucht, die nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig wurden.

Ich wurde nicht enttäuscht. Erika Fatland scheint ihre Themen gründlich zu recherchieren. Sie spricht mehrere Sprachen, darunter Russisch, was die Arbeit erleichtert, aber sie trifft dennoch viele Menschen, die keine ihrer Sprachen sprechen. Man merkt ihr die Erfahrung an, die sie im Umgang mit anderen Kulturen gesammelt hat. Und es ist interessant, die Perspektive einer Frau auf diesen Teil der Welt zu lesen – das kommt nicht allzu oft vor.

Diese Region blickt auf eine lange Geschichte zurück, länger als die europäische, definitiv länger als die der "Neuen Welt". Dieses Buch macht uns bewusst, dass wir immer die Geschichte eines Landes betrachten müssen, wenn wir es verstehen wollen. Von den mongolischen Eroberern über das Russische Reich bis hin zur Sowjetunion – all diese Länder haben viel Leid erfahren müssen. Es ist nicht einfach, innerhalb einer Generation zu dem zurückzukehren, was wir "normale Demokratie" nennen. Einige Länder scheinen auf einem besseren Weg zu sein als andere, aber ich bin sicher, es wird noch lange dauern, bis alle Einwohner ein freies Leben führen können.

Die Autorin erzählt uns von der Seidenstraße, den Bergen und Tälern, den einst so reichen Städten (wie Samarkand – weckt dieser Name nicht geradezu verträumte Assoziationen an Tausendundeine Nacht?). Und von den ethnischen Gruppen, die diese Gegend seit Jahrtausenden bewohnen. Indem sie ihre Geschichte in den historischen Kontext einordnet, vermittelt sie uns einen guten Eindruck vom Leben in diesen Ländern. Von alten Bräuchen wie dem Brautraub bis zum Reichtum aus dem Ölgeschäft gibt es viel zu entdecken.

Wir erfahren von Dschingis Khan und Timur (auch bekannt als Tamerlan), zwei mongolischen Eroberern, die die Region ebenso stark prägten wie später Stalin.

Vor einiger Zeit las ich ein Buch über die Hutterer (Das vergessene Volk/The Forgotten People), die über diese Region nach Kanada kamen. Erika Fatland erwähnt darin auch die Mennoniten, die dasselbe Schicksal erlitten, von denen einige noch heute in ihrer Gegend leben. Es war interessant, diese beiden Religionsgruppen zu vergleichen.

Aber das sind nicht die einzigen interessanten Menschen, denen die Reisende begegnete. Es gibt unzählige Anekdoten über die Menschen, die sie traf, und wie sie oft herzlich empfangen wurde.

Da ist zum Beispiel dieser Mann (Igor Savitsky, siehe hier auf Wikipedia), der mitten im Nirgendwo – selbst für usbekische Verhältnisse – ein Museum gründete: das Staatliche Kunstmuseum der Republik Karakalpakistan, benannt nach I.V. Savitsky, auch bekannt als Nukus-Kunstmuseum oder Savitsky-Museum und Wüste der Verbotenen Kunst.

Oder sie spricht mit Menschenrechtsaktivisten, Menschen, die in den Bergen ohne Strom oder irgendetwas anderes leben, was wir alle für ein menschenwürdiges Leben als notwendig erachten. Sie leben bewusst so. Absolut faszinierend.

Wie immer war es großartig, über einen Teil der Welt zu lesen, über den wir so wenig wissen. Die meisten Europäer könnten auf einer Karte nicht einmal die richtigen Länder finden, geschweige denn die Hauptstädte nennen. Ich habe sie mir jetzt gemerkt und hoffe, sie mir zu merken. Allerdings wurde Nur-Sultan wieder zu Astana umbenannt. Wer weiß, wie lange das so bleibt:

Kasachstan: Nur-Sultan, ehemals Astana
Kirgisistan: Bischkek
Tadschikistan: Duschanbe
Turkmenistan: Aşgabat
Usbekistan: Taschkent

Zugegeben, das Buch behandelt so viele Themen – Anthropologie, Kommunismus, Diktatur, Wirtschaft, Ökologie, Menschenrechte, Politik, Religion, Soziologie, einfach alles, was zum menschlichen Leben gehört –, aber es ist trotzdem eine sehr angenehme Lektüre.

Ich fand es auch sehr wertvoll, diese Welt aus der Perspektive einer Frau zu sehen. Einer Frau, die in einer freien Welt aufgewachsen ist und daher die Einschränkungen, mit denen Frauen in diesen Ländern leben müssen, viel besser kennt als jeder Mann. Bravo, Erika!

Dies war das Buch, das unser internationaler Online-Lesekreis im November 2020 gelesen hat.

Einige Kommentare der Leser:

  • Ich hatte einmal ein Reisebuch gelesen, das mir nicht gefallen hatte, und dachte deshalb, dieses hier würde mir auch nicht gefallen. Aber es hat mich absolut gefesselt und mein Interesse durch die vielen Ebenen von Geschichte, Politik, Kultur, Reisen usw. geweckt.
  • In unserem Treffen haben wir viel darüber gesprochen, wie die Nostalgie für die UdSSR aufkommt und wie wir beispielsweise in Finnland, die dieses Buch lesen, darauf reagieren könnten.
  • Mir persönlich hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Es hat meinen Horizont in vielen Bereichen erweitert und war wirklich gut geschrieben. Buchbeschreibung:

Buchbeschreibung:

"Eine Reise durch die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens: Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan und Usbekistan. Voller Fragen, Neugierde und Abenteuerlust machte sich die norwegische Journalistin Erika Fatland auf in diesen so fernab gelegenen Teil der Welt. Sowjetistan ist das Ergebnis dieser Reise: eine beeindruckende Reportage voller erstaunlicher, ergreifender und skurriler Geschichten, Begebenheiten und Begegnungen, die einem immer wieder aufs Neue die Augen öffnen.

Mit dem Ende der Sowjetunion feierten diese fünf Staaten ihre Unabhängigkeit. Sie erstrecken sich von der Wüste bis ins Hochgebirge, gelangten, wie Kasachstan, dank großer Öl- und Gasreserven zu beachtlichem Reichtum, oder zählen, wie Usbekistan, zu den ärmsten Ländern der Welt. Was sie eint, ist eine große Zerrissenheit – zwischen jahrzehntelanger Sowjetherrschaft und autonomer Selbstverwaltung; zwischen hypermoderner Großmachtinszenierung und ärmlichen Lebensbedingungen; zwischen diktatorischem Herrscherkult und höchst lebendigen Traditionen und Kulturen. Erika Fatland erzählt von Samarkand und Dschingis Khan, von Brautraub und der Kunst der Adlerjagd, von erstaunlichen Machtdemonstrationen korrupter Despoten, von marmornen Städten und riesigen Goldstatuen, die sich mit der Sonne drehen.

Sowjetistan ist ein fulminant erzähltes, ebenso bereicherndes wie lehrreiches Buch über einen im wahrsten Sinne des Wortes unfassbaren Teil der Welt."

Donnerstag, 13. August 2026

Dylan, Bob "Chronicles"

Dylan, Bob "Chronicles" (Englisch: Chronicles. Volume One) - 2004

Ein überraschender Träger des Literaturnobelpreises. Ich brauche sein Buch nicht, um zu wissen, dass er ihn absolut verdient hat; doch er erzählt darin von seinem Leben – und das ist durchaus interessant.

Wie ich bereits in meinem Beitrag "Literaturnobelpreis 2016" schrieb, fiebere ich immer dem Tag entgegen, an dem der neueste Gewinner des Literaturnobelpreises bekannt gegeben wird – und gemeinsam mit dem Rest der Welt war ich über dieseVerkündung zutiefst erstaunt. Völlig unerwartet, aber wohlverdient, wurde Bob Dylan im Jahr 2016 diese Ehre zuteil.

Bob Dylan, der Held meiner Jugend, hat so viele brillante Lieder mit wunderbaren Texten geschrieben; ich könnte wohl ewig so weitermachen und über jedes einzelne seiner Lieder schreiben, deren Texte ich auswendig kenne. Doch – da dies ein Buchblog ist – habe ich stattdessen seine Biografie gelesen. Die 75-jährige Rocklegende schreibt darin über sein Leben. Oder tut er das wirklich? Ich habe etliche Kommentare gelesen, denen zufolge das Buch gar nicht von ihm selbst verfasst wurde, sondern im Wesentlichen eine Zusammenstellung dessen darstellt, was andere über ihn geschrieben haben.

Dennoch habe ich es sehr genossen, mehr über sein Leben zu erfahren. Ich bin kein Leser von Klatschmagazinen; daher weiß ich so gut wie nie, ob meine Lieblingssänger oder -schauspieler Single, verheiratet, geschieden oder homosexuell sind, ob sie Kinder haben und so weiter. Manchmal erfahre ich solche Dinge über Wikipedia – meist jedoch nur am Rande, wenn ich eigentlich nach einem ihrer Filme oder Lieder suche.

Ich möchte es noch einmal betonen: Ich liebe Bob Dylans Werk. Seine Texte sind heute genauso bedeutend wie vor siebzig Jahren. Damals war die Zeit reif für den Wandel – und es ist an der Zeit, dass sie sich erneut wandelt. Lasst uns alle seinen Liedern lauschen und gemeinsam dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Buchbeschreibung:

"Bob Dylan räumt auf mit den Mythen und Legenden, die sich um sein Leben und Werk ranken, und erzählt seine Geschichte selbst. Wie er Anfang der sechziger Jahre nach New York kam, wo seine Karriere in den Folkclubs begann. Wie er zur Zeit der großen Unruhen in Amerika um seine künstlerische Identität kämpfen und seine Familie vor der Öffentlichkeit schützen musste. Wie ihm ein alter Jazzsänger 1987 half, eine große musikalische Krise zu überwinden. Er blickt auf seine Kindheit zurück und schreibt leidenschaftlich über seine Musik, auch über die Einflüsse, die ihn geprägt haben."

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für Literatur 2014 "für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition" und den Pulitzerpreis für all seine Werke im Jahr 2004.

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und Ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 6. August 2026

Wolf, Naomi "Der Mythos Schönheit"

Wolf, Naomi "Der Mythos Schönheit" (Englisch: The Beauty Myth: How Images of Beauty are used against Women) - 1990

Das nächste Buch, das im Emma Watson Lesekreis – Emma Watson Book Club - Our Shared Shelf – vorgestellt wird.

Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieses Buch so gut gefallen würde, wie es letztlich der Fall war. Ich hätte nicht erwartet, dass es sich als so aktuell erweisen würde. Schließlich wurde dieses Buch bereits 1990 verfasst und handelt davon, wie Frauen dem "Gott der Schönheit" "gehorchen". Wenn ich mich so umblicke, hat sich seither – obwohl mehr als drei Jahrzehnte vergangen sind – nichts geändert.

Was lässt sich dagegen tun? Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass dieses Buch von jedem gelesen werden sollte – nicht nur von Frauen. Es enthält so viele Ideen und Gedanken, die jeder Frau helfen sollten, mit ihrem eigenen Körper zufrieden zu sein, anstatt einem bloßen Fantasiebild hinterherzujagen.

Wir alle sollten uns bewusst machen, dass uns das Bild der "schönen Frau" von außen aufgezwungen wird; dass uns kaum jemand tatsächlich so beurteilt, wie wir es annehmen; und dass Frauen – wenn wir nur zusammenhalten – in der Arbeitswelt nicht anders betrachtet werden sollten als Männer.

Ich erinnere mich an die vielen Artikel, die ich über Angela Merkel – unsere damalige Bundeskanzlerin – und ihre Kleidung gelesen habe. Artikel, die über ihre männlichen Kollegen niemals verfasst worden wären. Und ich habe mich stets gefragt: Was hat das bitte mit ihrer Fähigkeit zu tun, ein Land zu regieren? Gar nichts. Sie kleidet sich anständig, und das genügt mir vollkommen. Und genau das sollte für jede berufstätige Frau – ganz gleich, in welchem ​​Bereich sie arbeitet – ebenfalls vollkommen ausreichen.

Ich hatte selbst nie größere Probleme mit meinem Aussehen. Ich würde mich zwar nicht als "hübsch" bezeichnen – und nach der Geburt zweier Kinder habe ich sicherlich auch keine "Topfigur" mehr –, doch ich habe mir stets gesagt: Wer mich so, wie ich bin, nicht mag, kann mir einfach aus dem Weg gehen. Ich weiß jedoch, wie viele Frauen tatsächlich unter solchen Problemen leiden; sie hangeln sich von einer Diät zur nächsten und fühlen sich anschließend oft noch schlechter als zuvor. Wenn sie doch nur alle dieses Buch lesen würden!

Dennoch habe ich aus diesem Buch einiges gelernt. Ich weiß nun zum Beispiel, warum ich Frauenzeitschriften nicht mag.

Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr dieses Buch sofort in die Hand drücken. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch meine Söhne es lesen sollten – damit sie ihren zukünftigen Partnerinnen später einmal eine Stütze sein können.

Buchbeschreibung:

"Die Hälfte aller Frauen im Westen glaubt, zu dick zu sein;, viele hungern sich dünn, Millionen leiden an Eßstörungen. Das Vergnügen an Sex und die Überzeugung, begehrenswert zu sein, sind bei Frauen in westlichen Gesellschaften empfindlich gestört. Die Ängste der Frauen schaffen Märkte für neue Industrien. Diätprodukte, immer neue Kosmetika und teure Schönheitschirurgie sind die kommerziellen Opfer, die wir dem Mythos Schönheit bringen."

Montag, 3. August 2026

Ruiz, Don Miguel Ángel "Die vier Versprechen"

Ruiz, Don Miguel Ángel "Die vier Versprechen. Ein Weg zur Freiheit und Würde" (Englisch: The Four Agreements: A Practical Guide to Personal Freedom) - 1997

Ich habe dieses Buch vor Jahren gekauft. Ich erinnere mich nicht mehr, was mich daran so fasziniert hat, aber die Tatsache, dass ich es erst Jahre später angefangen habe zu lesen (zu einer Zeit, als mein SUB noch nicht SO groß war), sagt wohl alles.

Ich bin nicht der Typ Mensch, der sich besser fühlt, wenn man mir sagt, dass es mir besser gehen würde, wenn ich nur anfangen würde, mich selbst zu lieben. Im Gegenteil, wenn man mir sagt, ein Problem würde sich lösen, wenn ich es nur anders betrachten würde, fühle ich mich sogar noch schlechter, weil man mir damit sagt, dass ich das Problem bin.

Im Allgemeinen stimme ich zu: Wenn man nett zu anderen ist, sind sie auch nett zu einem. Meistens. Aber das ist keine Weisheit, die ich lesen muss, die habe ich auch selbst gemerkt. Und bei manchen Leuten hilft es einfach nicht. Und wenn jemand gemein zu mir sein will, wird dieses Buch daran auch nichts ändern.

Jedenfalls hat mir das Lesen dieses Buches keinen Spaß gemacht. Es hatte weniger als 200 Seiten, also las ich weiter, in der Hoffnung, am Ende die große Erleuchtung zu bekommen. Tja, Fehlanzeige.

Buchbeschreibung:

"Don Miguel Ruiz enthüllt in seinem Bestseller einen praktischen und leicht nachvollziehbaren Weg, um uns aus dem kollektiven Alptraum von Angst, Missbrauch und Gewalt zu befreien. Den Traum von Freiheit, Freude und Liebe kann jeder verwirklichen. Vier einfache, aber kraftvolle Versprechen sind der Schlüssel zur inneren Transformation."

Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."

Donnerstag, 30. Juli 2026

Pinkola Estés, Clarissa "Die Wolfsfrau"

Pinkola Estés, Clarissa "Die Wolfsfrau: Die Kraft der weiblichen Urinstinkte" (Englisch: Women Who Run With the Wolves: Myths and Stories of the Wild Woman Archetype) - 1992

Wieder mal ein Buch, das Emma Watson aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf" empfohlen hat. Meiner Meinung nach gab es in dieser Gruppe schon gute und schlechte Bücher. Dieses hier gehört zu den besseren. Dr. Pinkola Estés spricht über Mythen der Wilden Frau, erzählt Märchen, Sagen und alles, was mit selbstbewussten Frauen zu tun hat, die sich und ihre Kinder verteidigen, und erklärt die dahinterliegende Symbolik. Sehr interessant.

Die Autorin erklärt so viel über den Menschen, dass dieses Buch nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, die Frauen besser verstehen möchten, eine hervorragende Lektüre ist. Man merkt, dass es von einer Expertin geschrieben wurde, die sich bestens mit der menschlichen Psyche auskennt, sie lange studiert hat und stets versucht, jeden Aspekt jeder Geschichte zu beleuchten. Dr. Pinkola Estés ist Jungsche Analytikerin, und selbst wenn man noch nie von Jung gehört hat, erklärt sie alles so detailliert, dass jeder ihren Erzählungen und Analysen folgen kann.

Ich habe schon viele Märchen gelesen und einige Geschichten kannte ich bereits in ähnlicher Form. Doch jede Geschichte, die die Autorin nacherzählte, war für mich wie neu, so wie sie sie erklärte.

Ich habe mir dieses Buch aus der Bibliothek ausgeliehen, werde es mir aber kaufen, um es später noch einmal zu lesen. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein inspirierendes Buch, das uns viel über uns selbst lehrt.

Buchbeschreibung:

"Clarissa Pinkola Estes glaubt, dass eine Frau nur stark, gesund, kreativ und glücklich sein kann, wenn sie zu den Wurzeln ihrer instinktiven Natur zurückfindet - zur 'Wolfsfrau', der wilden, ungezähmten Urfrau in ihr.Rund zwanzig Mythen, Märchen und Geschichten aus den verschiedenen Kulturkreisen dieser Welt erzählt und analysiert die Autorin, damit Frauen wieder zu ihren instinkthaften Eigenschaften finden."

Mittwoch, 29. Juli 2026

Coates, Ta-Nehisi "Zwischen mir und der Welt"

Coates, Ta-Nehisi "Zwischen mir und der Welt" (Englisch: Between the World and Me) - 2015

Eine Freundin schickte mir einen Link zu einem Artikel über zwei Bücher: One Way To Bridge The Political Divide: Read The Book That's Not For You [Ein Weg, die politische Kluft zu überbrücken: Lesen Sie das Buch, das nichts für Sie ist]

Ich habe mit diesem hier angefangen, weil es in meiner Bücherei verfügbar war. Und dann habe ich darauf gewartet, dass sie das andere bekommen, denn ich möchte mir nicht unbedingt ein Buch über Konservative kaufen.

Nun zu diesem Buch. Es ist fantastisch. Es zeigt die inneren Gefühle und Ängste eines schwarzen Mannes, zuerst um sich selbst, später um seine Familie. Er spricht mit seinem Sohn Samori, erzählt ihm von seiner Jugend und was er getan oder nicht getan hat. Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen. Es gibt so viele großartige Bücher, die uns helfen zu verstehen, was andere Menschen durchmachen und uns alle verständnisvoller machen.

Wir alle müssen aus der Geschichte lernen und es besser machen, und dieses Buch ist eines der Bücher, die uns das lehren.

Immer wenn ich über solche Themen lese, muss ich an das berühmte Zitat von Martin Niemöller (1892–1984) denken, einem protestantischen Pfarrer, der sieben Jahre in Konzentrationslagern verbrachte, weil er sich den Nazis widersetzte:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.

Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Lasst uns alle für die unterdrückten Minderheiten in jedem Land eintreten.

Buchbeschreibung:

"Wenn in den USA schwarze Teenager von Polizisten ermordet werden, ist das nur ein Problem von individueller Verfehlung? Nein, denn rassistische Gewalt ist fest eingewebt in die amerikanische Identität – sie ist das, worauf das Land gebaut ist. Afroamerikaner besorgten als Sklaven seinen Reichtum und sterben als freie Bürger auf seinen Straßen. In seinem schmerzhaften, leidenschaftlichen Manifest verdichtet Ta-Nehisi Coates amerikanische und persönliche Geschichte zu einem Appell an sein Land, sich endlich seiner Vergangenheit zu stellen. Sein Buch wurde in den USA zum Nr.-1-Bestseller und ist schon jetzt ein Klassiker, auf den sich zukünftig alle Debatten um Rassismus beziehen werden."

Dies sind die beiden Bücher aus dem Artikel: One Way To Bridge The Political Divide: Read The Book That's Not For You [Ein Weg, die politische Kluft zu überbrücken: Lesen Sie das Buch, das nichts für Sie ist].
Strangers in Their Own Land [Fremde im eigenen Land] von Arlie Russell Hochschild handelt von Tea-Party-Konservativen in Louisiana. In "Between the World and Me" von Ta-Nehisi Coates geht es darum, was es bedeutet, schwarz in Amerika zu sein.

Mittwoch, 22. Juli 2026

Hennig, Bettina "Der frühe Vogel kann mich mal!"

Hennig, Bettina "Der frühe Vogel kann mich mal! Ein Lob der Langschläfer" [The early bird can go to hell! A Praise of the Late Risers] - 2011

Um gleich die erste Frage auf dem Klappentext zu beantworten: Ja, ich bin eine absolute Eule. Vor ein/zwei Uhr nachts schlafe ich nicht ein. Mit dem Ergebnis, dass ich dann eben nicht morgens um sechs Uhr aus dem Bett springen kann. War immer ein großes Problem, aber jetzt sind wir ja in Rente und ich kann machen was ich will. Tue ich auch. Früh aufstehen geht nur, wenn ich einen dringenden Termin habe. Aber auch da versuche ich immer, die so spät wie möglich zu legen.

Bettina Hennig hat jede Menge Untersuchungen angestellt oder auch nachgelesen, warum das ist. Nein, Eulen sind nicht faul, sie sind nur zu einer anderen Zeit munter. Sie können bis spät in die Nacht hinein arbeiten, wenn die Lerchen längst im Bett liegen. Aber die müssen sich dann von uns nicht anhören, wie schlimm das ist.

So schreibt sie z.B.

"Langschläfer haben es in einer von Frühaufstehern dominierten Welt oft schwer. Ihr biologischer Rhythmus (Chronotyp) ist genetisch festgelegt, weshalb sie späterMmelatonin ausschütten und morgens schwerer in die Gänge kommen. Die sogenannte "Diktatur des frühen Vogels" führt im Alltag zu diversen Herausforderungen."

Stimmt. Und wer das nicht einsehen kann, sollte unbedingt dieses Buch lesen.

Im ganzen Buch geht es darum, wie wenig kompatibel Frühaufsteher und Langschläfer sind und wie letzteren die Lebensweise ersterer aufgedrückt wird. Wie schlecht es für Schüler bestellt ist, die gerade im Teenager-Alter erst gegen Mittag so richtig wach sind und die dann zwecks schlechterer Konzentration nicht so gut sind wie diejenigen, die morgens schnell aus dem Bett springen können.

Auf jeden Fall ist klar, wir haben nur andere Arbeitszeiten, Wachzeiten. Das macht uns nicht besser oder schlechter, auch wenn viele Lerchen das gerne glauben wollen.

Ich wollte, ich hätte das Buch früher gelesen, dann wäre ich nie ins Büro gegangen. Wobei das heute mit Arbeit von zu Hause auch einfacher ist als zu meiner Zeit.

So oder so, das Buch ist hochinteressant. 

Buchbeschreibung:

"Drehen Sie sich morgens gern noch mal im Bett um, statt jauchzend unter die Dusche zu springen? Laufen Sie erst nachmittags zur Höchstform auf? Dann gehören Sie zu den 'Eulen' – den Langschläfern, die seit jeher von den frühaktiven 'Lerchen' tyrannisiert werden: mit morgendlichen Sprech- und Arbeitszeiten, grausam-fröhlichen Frühstückssendungen und Prüfungen in aller Herrgottsfrüh. Es reicht! Bettina Hennig zeigt, warum Eulen die besseren und netteren, da ausgeschlafeneren Menschen sind und man so lange im Bett bleiben sollte, wie man will!"

Samstag, 18. Juli 2026

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert"

Harari, Yuval Noah "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (Englisch: 21 Lessons for the 21st Century) - 2018

Eine brillante Fortsetzung von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens) und "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus). Dies ist ein weiteres Buch, das meiner Meinung nach jeder lesen sollte. Der Autor zeigt uns auf, was die Zukunft für uns bereithalten könnte und wie wir uns darauf vorbereiten sollten. Dabei geht es mir nicht um die Angst vor Kriegen oder Naturkatastrophen infolge des Klimawandels, sondern um den Alltag. Was sollten wir studieren oder lernen, um einen vernünftigen Job zu bekommen? Und noch wichtiger: Was sollten unsere Kinder lernen, um im Leben zu bestehen? Meine Eltern und Großeltern verließen die Schule mit 14 oder 15 Jahren, absolvierten eine Ausbildung, und viele von ihnen arbeiteten ihr Leben lang im selben Unternehmen. Nach Abschluss der Ausbildung konnten sie das Gelernte jahrzehntelang anwenden, ohne sich neues Wissen aneignen zu müssen. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das galt weder für meine Generation noch für die heutige Generation, und es wird ganz sicher auch nicht für die übernächste Generation gelten.

Wir brauchen also kluge Köpfe wie Yuval Harari, die uns sagen, was geschehen könnte und was wir tun können, um keine Angst vor der Zukunft zu haben. Genau das tut er. Seine Empfehlungen sind sinnvoll und fundiert; er erläutert jede seiner Aussagen ausführlich. Was noch besser ist: Er erklärt die Dinge so verständlich, dass auch Menschen ohne großes wissenschaftliches Vorwissen (wie ich) seinen Ausführungen folgen können, sei es zu Themen wie Politik, Weltwirtschaft oder anderen Bereichen, die uns betreffen und unser Leben beeinflussen.

Ich kann dieses Buch sowie seine anderen Werke wärmstens empfehlen. Sie sind einfach fantastisch. Ich hoffe, er schreibt noch mehr davon.

Buchbeschreibung:

"Yuval Noah Harari ist der Weltstar unter den Historikern. In 'Eine kurze Geschichte der Menschheit"'erzählte er vom Aufstieg des Homo Sapiens zum Herrn der Welt. In 'Homo Deus' ging es um die Zukunft unserer Spezies. Sein neues Buch schaut auf das Hier und Jetzt und konfrontiert uns mit den drängenden Fragen unserer Zeit.

Wie unterscheiden wir Wahrheit und Fiktion im Zeitalter der Fake News? Was sollen wir unseren Kindern beibringen? Wie können wir in unserer unübersichtlichen Welt moralisch handeln? Wie bewahren wir Freiheit und Gleichheit im 21. Jahrhundert?

Seit Jahrtausenden hat die Menschheit über den Fragen gebrütet, wer wir sind und was wir mit unserem Leben anfangen sollen. Doch jetzt setzen uns die heraufziehende ökologische Krise, die wachsende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und der Aufstieg neuer disruptiver Technologien unter Zeitdruck. Bald schon wird irgendjemand darüber entscheiden müssen, wie wir die Macht nutzen, die künstliche Intelligenz und Biotechnologie bereit halten.

Dieses Buch will möglichst viele Menschen dazu anregen, sich an den großen Debatten unserer Zeit zu beteiligen, damit die Antworten nicht von den blinden Kräften des Marktes gegeben werden."

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen"

Harari, Yuval Noah "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Englisch: Homo Deus. A Brief History of Tomorrow)- 2016

Nach der Lektüre von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Sapiens. A Brief History of Mankind) wusste ich, dass ich auch die weiteren Bücher dieses brillanten Wissenschaftlers und Autors lesen musste.

Nachdem er zu erklären versucht hat, wie wir an den heutigen Punkt gelangt sind, nimmt uns Yuval Noah Harari nun mit auf eine Expedition in die Zukunft. Fast wie bei Charles Dickens in "Eine Weihnachtsgeschichte" (A Christmas Carol) haben wir uns mit dem "Geist der vergangenen Weihnacht" befasst und kennen den "Geist der gegenwärtigen Weihnacht", doch wir haben keine Ahnung, was uns der "Geist der zukünftigen Weihnacht" bringen wird. Der Autor zeigt uns verschiedene Möglichkeiten auf: Er schildert, was geschehen könnte, wenn wir uns nicht ändern, aber auch, was möglich ist, wenn wir es doch tun. Ich muss dazu sagen: Vieles davon war mir nicht neu, doch er eröffnet so viele unterschiedliche Perspektiven, dass es spannend ist zu sehen, wohin die Reise noch gehen könnte.

Dieses überaus fesselnde Buch macht uns bewusst, wer und wo wir heute sind, was getan werden muss und was wir selbst tun können. Wir alle wissen, dass Maschinen und Computer einen riesigen Teil unserer einstigen Welt übernommen haben – doch sind wir auch für den nächsten Schritt bereit?

Freut euch schon mal auf sein nächstes Buch, in dem er sich mit der Gegenwart befasst: "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" (21 Lessons for the 21st Century).

Meiner Meinung nach sollten all seine Bücher in jeden Lehrplan aufgenommen werden.

Buchbeschreibung:

"EINE GESCHICHTE VON MORGEN

In seinem Kultbuch Eine kurze Geschichte der Menschheit erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In 'Homo Deus' stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind."

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

Harari, Yuval Noah "Eine kurze Geschichte der Menschheit" (Hebrew: קיצור תולדות האנושות/Ḳizur Toldot Ha-Enoshut) - Sapiens. A Brief History of Mankind - 2014

Dieses Buch gehört zu den interessantesten, die ich jemals gelesen habe. Es ist ein Werk, das zu erklären versucht, wie wir zu den Wesen wurden, die wir heute sind – und was in der Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten menschenähnlichen Formen auf der Erde und der Gegenwart geschehen ist. Es liefert Antworten auf viele Fragen, die man sich vielleicht noch nie gestellt hat, es aber eigentlich schon immer hätte tun sollen.

Warum hat der Homo sapiens überlebt und nicht der Neandertaler? Warum wandelten wir uns von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern? Hat uns das gutgetan? Waren die Menschen im Mittelalter unglücklicher als wir heute? Welchen Vorteil bieten globale Gemeinschaften? Und wohin führt diese Entwicklung? Wie stark beeinflusst die Biologie die Geschichte? Was genau sind kulturelle Unterschiede?

Wer sich solche Fragen stellt, findet die Antwort wahrscheinlich in diesem Buch. Oder aber – die Frage lässt sich schlicht nicht beantworten.

Ein brillantes Buch eines großen Denkers: eines Geschichtsprofessors, der sich intensiv mit seinen Mitmenschen auseinandergesetzt hat.

Buchbeschreibung:

"Wie haben wir, Homo Sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder, betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht?

Vor 100 000 Jahren war Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen. Vor 70 000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, die ihn zum Herren des Planeten und zum Schrecken des Ökosystems werden ließ. Bis heute hat sich diese Vorherrschaft stetig zugespitzt: Der Mensch hat die Fähigkeit zu schöpferischem und zu zerstörerischem Handeln wie kein anderes Lebewesen. Und die Menschheit steht jetzt an einem Punkt, an dem sie entscheiden muss, welchen Weg sie von hier aus gehen will."
 
Inzwischen habe ich auch "Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen" (Homo Deus) gelesen. Genauso großartig.