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Mittwoch, 26. August 2026

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin"

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin" (Englisch: The Correspondent) - 2025

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang Briefe, hatte Brieffreunde auf der ganzen Welt, und als ich anfing, Esperanto zu lernen, wurden es noch mehr. Daher hatte ich erwartet, dass dieses Buch perfekt für mich sein würde.

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es eine Weile dauert, bis man sich in Sybils Leben eingelesen hat, und dem kann ich nur zustimmen. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt hat.

Allerdings war ich nie eine so organisierte Briefschreiberin wie Sybil. Ich setze mich nicht jeden Morgen hin; ich beantworte erhaltene Briefe immer dann, wenn mir gerade danach ist. Ich glaube, der Empfänger bekommt so eine bessere Antwort, als wenn ich nur schreiben würde, weil ich gerade "muss". Und ich habe noch nie einem Autor geschrieben – vielleicht sollte ich das eines Tages mal tun.

Ich vernachlässige jedoch nicht die Menschen in meiner Umgebung; ich versuche, sie so oft wie möglich zu treffen. Sybil scheint eher der Typ Mensch zu sein, der nur Briefe schreibt. Was hätte ich meinen weit entfernt wohnenden Freunden zu erzählen, wenn ich kein "richtiges Leben" hätte?

Letztendlich hat mir das Buch zwar gefallen, aber nicht auf die Art, wie ich es erwartet hatte.

Wir hatten eine schöne Diskussion über diesen Roman. Wir sind alle Senioren und dachten, das sei wahrscheinlich einer der Gründe, warum uns das Buch so gut gefallen hat. Eine unserer Teilnehmerinnen erwähnte, dass ihre Tochter keinen Zugang zu dem Buch gefunden habe. Vielleicht ist da etwas dran.

Auf jeden Fall waren wir uns alle einig, dass wir etwas Zeit brauchten, um mit all den Charakteren warm zu werden. Und ja, es sind eine ganze Menge. Die deutsche Ausgabe enthielt am Ende eine Liste all ihrer Briefpartner – ein kleines "Who’s Who?". In unserer englischen Ausgabe fehlte diese Liste. Ich frage mich, warum? Wie ihr alle wisst, liebe ich Listen.

Ich habe allerdings online eine @ The Book Companion gefunden.

Und @ SuperSummary:

Und während ich danach suchte, entdeckte ich, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda in der Rolle der Sybil Van Antwerp geplant ist.

In dem Roman werden unzählige Bücher erwähnt. Ich führe hier nur diejenigen auf, die ich selbst gelesen habe; die übrigen sind auf hier auf Goodreads zu finden.

Austen, Jane (deutsche Einträge) "Pride & Prejudice" (Stolz & Vorurteil) - 1813 (The Motherhood and Jane Austen
Brontë, Emily (deutsch) "Wuthering Heights" (Sturmhöhe) - 1887
Du Maurier, Daphne "
Rebecca" (Rebecca) - 1938
Gabaldon, Diana "Outlander" (UK: Cross Stich) (Feuer und Stein) - 1991
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road" (84 Charing Cross Road) - 1970
Ishiguro, Kazuo "The Remains of the Day" (Was vom Tage übrigblieb) - 1989
Johnson, Adam "The Orphan Master's Son" (Das geraubte Leben des Waisen Jun Do) - 2012
Joyce, James "Ulysses" (Ulysses) - 1922
Rushdie, Salman (deutsche Beiträge"The Satanic Verses" (Die Satanischen Verse) - 1988
Steinbeck, John (deutsche Einträge) "Travels with Charley" (Die Reise mit Charley) - 1962
Woolf, Virginia "To the Lighthouse" (Zum Leuchtturm) - 1927

Also, elf von vierzig Büchern. Aber vielleicht lese ich in Zukunft noch mehr.

Und ein Zitat, dem ich voll und ganz zustimme:

"… Ich mag Präsident Obama. Er ist ein hervorragender Redner, ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er das Telefonbuch vorliest."

Buchbeschreibung:

"Adoptivtochter und Starjuristin, Gartenliebhaberin und Ehefrau, Mutter und mütterliche Freundin – die 73jährige Sybil van Antwerp hatte schon viele Rollen inne in ihrem bewegten Leben. Eines hat sie dabei stets begleitet: ihre Leidenschaft fürs Briefeschreiben. Jeden Tag greift sie zu Füller und Papier und schreibt darüber, was sie bewegt und stört, was sie begeistert und betrauert. Voller geistreichem Humor und mitunter etwas ruppiger Herzlichkeit berichtet sie von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten, von Liebe und Triumph. Doch jenseits dieser Seiten hat Sybil die Menschen, die ihr etwas bedeuten, stets auf Abstand gehalten. Bis ein anonymes Schreiben sie zwingt, sich mit ihren eigenen Fehlern auseinanderzusetzen – und sich dem einen großen Geheimnis zu stellen, das ihr Leben geprägt hat. Denn für ein Postscriptum ist es nie zu spät.

Ein ebenso bewegender wie tiefgründiger Briefroman mit einer etwas kratzbürstigen Heldin und großen Themen – für alle Fans von Elizabeth Strouts unnachahmlicher Protagonistin Olive Kitteridge.

Ein Juwel von einem Roman über die Kraft, Trost in der Literatur zu finden und eine Verbindung zu Menschen zu knüpfen, denen wir vielleicht nie persönlich begegnen."

Freitag, 20. März 2026

Mankell, Henning "Die rote Antilope"

Mankell, Henning "Die rote Antilope" (Schwedisch: Vindens son) - Daniel - 2000

Ein Roman, der kein Krimi ist, von einem Krimiautor – na ja, fast ein Krimi. Aber einer, der sich nicht auf das Verbrechen konzentriert.

Dies ist die Geschichte des südafrikanischen Jungen Molo, der im späten 19. Jahrhundert lebt. Als seine Eltern getötet werden (natürlich von Weißen), gibt ihm ein schwedischer Biologe den Namen Daniel, nimmt ihn mit nach Hause und versucht, ihn zu "adoptieren". In seinem Fall bedeutet das, dass er ihn zu Ausstellungen mitnimmt und andere Wissenschaftler ihn vermessen, zeichnen und für ihre Neugier benutzen lässt.

Der Junge hat großes Heimweh. Niemand kümmert sich wirklich um ihn, und er versucht, nach Hause zurückzukehren.

Keine schlechte Geschichte, aber ich hatte erwartet, dass sie mehr von Afrika als von Europa handelt. Doch die Geschichte fesselt einen, der Junge wird so beschrieben, dass man seine Wünsche nicht ignorieren kann. Es ist leicht zu verstehen, warum er sich in diesem kalten Land, in dem alles verboten ist, was in seinem alten Leben normal war, nicht zu Hause fühlt. Eine düstere Geschichte, aber es war auch sehr interessant zu sehen, wie die Menschen im Schweden des 19. Jahrhunderts lebten. Hoffen wir, dass wir uns alle davon weiterentwickelt haben.

Die verschiedenen Übersetzer schienen sich, wie so oft, nicht über den Titel einig zu sein. Während die französische, italienische, spanische, niederländische und finnische Version den Originaltitel (Sohn des Windes) beibehält, nennen die Portugiesen es einfach "Die Antilopen", die Deutschen und Russen wählen "Die rote Antilope", die Engländer wählten den Titel "Daniel".

Buchbeschreibung:

"Ende des 19. Jahrhunderts reist ein junger Mann aus Schweden nach Südafrika. Der gescheiterte Student und Abenteurer Hans Bengler hofft, mit einem unbekannten Insekt zurückzukommen, das ihn berühmt machen soll. Stattdessen entdeckt er bei einem Großwildjäger am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Buschmannjungen und beschließt, ihn nach Europa mitzunehmen.

Obwohl Daniel, wie Bengler ihn nennt, die schwedische Sprache bald leidlich versteht, wird er sich auf dem weißen Kontinent nie richtig heimisch fühlen. Er muss Schuhe tragen, an Türen anklopfen und sich pausenlos anstarren lassen, denn die meisten Schweden haben noch nie einen Schwarzen gesehen. Er wird wissenschaftlich untersucht und von seinem neuen Vater wie von einem Schausteller dem Publikum vorgeführt...

In seinen Träumen aber sieht er die rote Antilope, die sein leiblicher Vater in den afrikanischen Felsen geritzt hat. Wie sie will er zum Sprung ansetzen, weit zurück über das Meer, und nachts probiert er heimlich, ob es nicht möglich ist, mit bloßen Füßen über das Wasser zu gehen.

Wer war dieser kleine schwarze Junge, der auf einem Friedhof in Schonen begraben liegt? Welches Drama hat sich in seinem kurzen Leben abgespielt? Und was geschah zwischen ihm und dem weißen Mädchen, das eines Tages aus seinem Elternhaus verschwand und einem Mord zum Opfer fiel?
"

Montag, 26. Januar 2026

Gowda, Shilpi Somaya "Geheime Tochter"

Gowda, Shilpi Somaya "Geheime Tochter" (Englisch: Secret Daughter) - 2010

Eine der Lesekreis-Lektüren, von der ich von Anfang an wusste, dass sie nicht zu meinen Favoriten gehören würde. Sie hatte schon beim Lesen des Buches, als sie empfohlen wurde, etwas von Frauenliteratur.

Sie warf jedoch einige Fragen auf, die im Kreis diskutiert wurden: Adoption, die Eingliederung in eine andere Kultur, warum Jungen in bestimmten Teilen der Welt begehrter sind als Mädchen. Viele Menschen adoptieren Kinder aus einer anderen Kultur, weil sie keine eigenen haben können oder aus verschiedenen anderen Gründen. Manche schaffen es, diesen Kindern das Gefühl zu geben, zu beiden Kulturen zu gehören, andere nicht.

Die ganze Geschichte ist sehr oberflächlich erzählt – wie dieses kleine indische Mädchen in ihrer amerikanischen Familie aufwächst, ohne dass sich jemand wirklich für die anderen interessiert. Die Charaktere waren nicht besonders gut beschrieben, sie blieben unrealistisch und zweidimensional. Es erinnerte mich fast an einen Bollywood-Film, in dem die Leute jede Minute in ein Lied ausbrechen.

Ich hätte lieber ein Sachbuch zu einem solchen Thema gelesen oder eines, das nicht so schwarz-weiß ist. Ich weiß, dass ich mit meiner Meinung ziemlich allein stehe, da ich normalerweise für unsere Mitglieder die Bücher unseres Lesekreises recherchiere und über diesen Roman hauptsächlich Lob und Begeisterung fand. Vielleicht bin ich zu kritisch.

Einige Kommentare unserer Mitglieder (aufgeschrieben von jemand anderem, da ich dieses Treffen leider verpasst habe):
  • Sehr leicht zu lesen, und die Autorin hat für ihren ersten Roman gute Schreibarbeit geleistet. Wir fanden ihn alle sehr erfrischend! Eine einfache Geschichte, in der alle Teile offensichtlich zusammenpassen, aber ein guter Ausgangspunkt für Diskussionen.
  • Zu den Charakteren: Wir waren uns alle einig, dass Somer eine sehr egoistische, egozentrische und selbstverliebte Person war, und wir alle verabscheuten sie! Kavita war völlig selbstlos und bereit, so viele Opfer für die Liebe zu einem Kind, ihrem Mann und ihrem Sohn zu bringen. Wir waren uns alle einig, dass Chris als Südasiate, der in den USA lebt, von dieser neuen Kultur so fasziniert war, dass er Somer seine eigene Kultur nicht erklären konnte. Chris’ Mutter war die Matriarchin mit Geduld, Vergebung, Verständnis und Liebe für ihre Enkelin und ihren Sohn. Der Unterschied im sozialen Status war für uns so offensichtlich. Entweder man ist reich oder arm, und beide treffen sich nie.
  • Macht ein Kind einen in den Augen der Welt zu einer weiblicheren Person?
  • Wie wichtig ist es, der Norm zu folgen?
  • Macht das Internet einen Unterschied? Die Menschen wissen mehr über Korruption, Menschenrechtsverletzungen und haben eine ganz andere Denkweise.
  • Für die westliche Kultur ist es schwer zu verstehen, warum die östlichen Kulturen Mädchen als Belastung für die Gesellschaft betrachten. In der indischen Kultur müssen sie an Ernährung, Mitgift, Bildung und Scheidung denken. In diesen Kulturen ist es für sie einfach wirtschaftlich sinnvoller, ein Mann zu sein, weil sie arbeiten und Geld für die Familie verdienen können. Wie sollen wir als "Westler" das verstehen … wir denken einfach nicht so.
Wir haben dieses Buch im März 2013 in unserem internationalen Lesekreis diskutiert.

Buchbeschreibung:

"Somers Leben ist genauso, wie sie es sich immer vorgestellt hat. Frisch verheiratet, mit einem neuen Job als Ärztin in San Francisco. Doch dann stellt sie fest, dass sie keine Kinder bekommen kann.Zur gleichen Zeit wird in einem abgelegenen indischen Dorf ein Mädchen geboren. Kavita, die Mutter, erkennt, dass sie das Leben ihrer Tochter nur retten kann, wenn sie sie weggibt. Als Somer und ihr Ehemann ein Foto des Mädchens in einem Waisenhaus in Mumbai sehen, entscheiden sie sich für eine Adoption. Somer ahnt, dass dieser Weg nicht leicht wird. Aber sie hofft, dass Liebe alle Probleme lösen kann."

Freitag, 26. September 2025

Fitch, Janet "Weißer Oleander"

Fitch, Janet "Weißer Oleander" (Englisch: White Oleander) - 1999

Die Geschichte der jungen Astrid ist die Geschichte von Millionen Kindern, die nicht in einer liebevollen Familie aufwachsen. Sehr traurig.

Allerdings hat mich das Buch nicht so sehr beeindruckt. Ich habe es vor Jahren mit meinem niederländischen internationalen Lesekreis gelesen und erinnere mich, dass wir nicht wirklich begeistert waren. Es war ganz okay, aber das war es auch schon.

Buchbeschreibung:

"Der weiße Oleander blüht in Kalifornien im Hochsommer. Dann, wenn die Hitze unerträglich erscheint. Für die zwölfjährige Astrid beginnt zu dieser Zeit eine ruhelose und dramatische Odyssee von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Ihre Mutter, eine exzentrische Schriftstellerin, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt ist, vermag weiterhin einen dominanten Einfluss auf sie auszuüben. Erst allmählich gelingt es dem sensiblen und klugen Mädchen, einen eigenen Platz im Leben zu finden. Es zeigt sich, dass Astrid so stark wie der weiße Oleander ist, der selbst dann blüht, wenn man ihn immer wieder verpflanzt."

Donnerstag, 24. Juli 2025

Azevedo, Francisco "Der Hochzeitsreis"

Azevedo, Francisco "Der Hochzeitsreis" (Portugisisch: O Arroz de Palma) - Once Upon a Time in Rio - 2008

Eine wunderschöne Geschichte einer Einwandererfamilie, eines portugiesischen Paares, das sich in Brasilien niederlässt, seine Kinder und seine Arbeit hat. Ihr Sohn erzählt die Geschichte über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wie seine Tante den Reis sammelte, der bei der Hochzeit seiner Eltern geworfen wurde, und ihn als Glücksbringer weitergab.

Der Autor erzählt diese Geschichte auf wundervolle Weise, so schön wie die meisten südamerikanischen Geschichtenerzähler, die ich so liebe. Er hat eine wunderschöne Stimme, versteht es, zwischen den Jahrzehnten hin und her zu springen und webt eine außergewöhnliche Familiengeschichte. Er erzählt von wunderbaren Mitgliedern der Dynastie, innerlich und äußerlich, wie sie miteinander verbunden sind, von den kleinen und großen Konflikten, die in jeder Familie herrschen, von der Liebe, die sie teilen, von den Träumen, die sie träumen. Der Erzähler "kocht" eine Familiengeschichte, das Rezept ist einfach und doch kompliziert. Am Ende haben wir ein wunderbares Buch zu lesen. Eine brillante Familiensaga.

Buchbeschreibung:

"Erstmals seit Tante Palmas Beerdigung versammelt sich die zerstrittene Familie von Antonio (88) wieder um einen Tisch. Vor allem eine Zutat darf beim Festessen nicht fehlen: die letzten Tassen von Tante Palmas Reis, der sie miteinander versöhnen soll. Auf den Tag genau 100 Jahre zuvor gingen zwölf Kilo davon wie ein silberweißer Wolkenbruch auf Antonios frischvermählte Eltern nieder – obwohl die Bewohner des portugiesischen Städtchens alle bittere Not litten. Tief gerührt sammelte Palma, die Schwester des Bräutigams, damals Korn für Korn auf und überreichte ihn dem Paar in einem Sack. Ihre Hochzeitgabe sollte das Geschick der Familie auf geheimnisvolle Art und Weise bestimmen …"

Samstag, 3. Mai 2025

Schmitt, Éric-Emmanuel "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"

Schmitt, Éric-Emmanuel "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" (Französisch: Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran) - Monsieur Ibrahim and the Flowers of the Koran - 1999

Welch wunderbare Geschichte. Ein junger jüdischer Junge in Paris trifft einen muslimischen Lebensmittelhändler. Die beiden gehen eine Vater-Sohn-Beziehung ein. Eine einfache Geschichte, die sich auch recht leicht lesen lässt. Und doch steckt so viel dahinter. Wunderbare Sprache, viel Weisheit aus beiden Religionen. Éric-Emmanuel Schmitt schafft es, all das zusammenzubringen und eine sehr mitfühlende Geschichte zu erschaffen.

Ich habe dieses Buch im französischen Original gelesen, aber ich habe gehört, dass die Übersetzung auch ziemlich gut ist.

Wir haben dies im Mai 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Die hinreißende Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Manchmal klaut Moses, der in Paris lebt, Konserven im Laden von Monsieur Ibrahim und glaubt, dass dieser nichts merkt. Doch der hat den jüdischen Jungen schon längst durchschaut. Denn Monsieur Ibrahim, der für alle nur 'der Araber an der Ecke' ist, sieht mehr als andere. Er ist ein verschmitzter Weiser, der viele Geheimnisse kennt - auch die des Glücks und des Lächelns."

Ich habe auch "Oscar und die Dame in Rosa" (Oscar et la dame rose/Oscar and the Lady in Pink) und das gefiel mir genauso gut.

Samstag, 12. April 2025

Guterson, David "Ed King"

Guterson, David "Ed King" (Englisch: Ed King) - 2011

Dies ist wohl nicht mein Lieblingsbuch von David Guterson, aber was für eine Geschichte! Man merkt erst ganz am Ende, dass man es schon kennt, und ich werde hier nicht verraten, was ich meine, aber wer noch eine andere Beschreibung liest, sogar einige der Buchumschläge, wird es wahrscheinlich auch so wissen. Ich war froh, dass ich das nicht getan habe, bevor ich dies gelesen habe, und mein Exemplar hat mir auch nichts verraten.

Dies ist die Geschichte von Ed King sowie seinen Eltern und Pflegeeltern, einem unehelich geborenen Kind zu einer Zeit, als es definitiv nicht möglich war, ein Kind allein und ohne die Unterstützung von irgendjemandem großzuziehen. Also landet er bei Pflegeeltern, die ihn nicht mehr hätten lieben können. Sie geben ihm alle Möglichkeiten, die sie können, sowohl finanziell als auch in jeder anderen Hinsicht. Ein Traumleben. Oder ist es das?

Es gibt immer etwas Beunruhigendes in Eds Leben, einen Schatten, der ihm folgt, eine Vorahnung, dass er vielleicht nicht dort landen könnte, wo ihn alle sehen. In der Zwischenzeit gibt es viele Nebenhandlungen und Wendungen, die das Lesen dieses Romans umso angenehmer machen. Es ist eine klassische Geschichte mit modernem Setting.

Wie auch immer, ich mag David Gutersons Stil, er ist clever geschrieben. Wie ich oben schon sagte, ist er nicht mein Favorit (das wäre definitiv "Östlich der Berge" - "East of the Mountains"), aber ich bin ein großer Fan seiner Werke und werde noch mehr seiner Romane lesen.

Noch eine letzte Bemerkung: David Guterson erhielt für dieses Buch den "Preis für schlechten Sex in der Literatur" (Literary Review's bad sex in fiction award) und er hat ihn absolut verdient. Das macht das ganze Buch aber noch lange nicht schlecht.

Buchbeschreibung:

"Walter, der als Versicherungsmathematiker davon lebt, Risiken zu berechnen, geht das größte Risiko seines Lebens ein, als er sich von Diane, dem minderjährigen Au-pair der Familie, verführen lässt. Schwanger geworden, erpresst sie Walter und setzt das Baby aus, bevor sie ihr Glück als Escort in Portland versucht. Ihr Baby wird von einem kinderlosen wohlhabenden Ehepaar adoptiert und Edward King genannt, er ist hochbegabt und wird Internet-Tycoon, der 'King of Search' - der sein schnelles Erfolgsleben auf ein Schicksal zulebt, das außerhalb seiner Macht steht."

Freitag, 28. März 2025

Allende, Isabel "Fortunas Tochter"

Allende, Isabel "Fortunas Tochter" (Spanisch: Hija de la Fortuna) - Daughter of Fortune - 1999

Obwohl ich "Das Geisterhaus" (The House of the Spirits) geliebt habe, fand ich dieses hier sogar noch besser. Es spielt größtenteils in den Vereinigten Staaten, insbesondere in Kalifornien, und handelt von verschiedenen Kulturen, die zur Zeit des Goldrauschs zusammenkamen. Das ist eins meiner Lieblingsthemen, die ersten Jahrzehnte der USA, als Menschen aus aller Welt zusammenkamen, um so hart wie möglich zu arbeiten und mit Menschen aus anderen Ländern auszukommen ... Es erinnert mich irgendwie an mein eigenes Leben in verschiedenen Ländern in einem internationalen Umfeld.

Wie auch immer, das ist wahrscheinlich mein Lieblingsbuch aus der Trilogie, obwohl ich sie alle mochte. Das letzte Buch heißt "Porträt in Sepia" (Portrait in Sepia).

Buchbeschreibung:

"Der Roman erzählt die bewegte Geschichte von Eliza Sommers, einer lebenshungrigen jungen Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen zwei Kulturen lebt: in Chile und Kalifornien. Als chilenisches Findelkind in der Obhut einer englischen Familie in Valparaiso aufgewachsen, bricht sie, kaum 17-jährig, aus ihrer wohlbehüteten Welt aus. Die Suche nach ihrem Geliebten Joaquin Andieta, einem nicht gesellschaftsfähigen jungen Mann, der dem Sog des kalifornischen Goldrauschs nicht widerstehen konnte, macht aus dem unerfahrenen Mädchen eine selbstbewußte Frau - und am Ende ihrer Odyssee ist Eliza endlich ganz bei sich und in der Welt."

Mittwoch, 12. Februar 2025

Tyler, Anne "Engel gesucht"

Tyler, Anne "Engel gesucht" (Englisch: A Patchwork Planet) - 1998

Die Geschichte eines Mannes, der gesellschaftlich als "Loser" gilt, sein Versagen, die Enttäuschung seiner Familie. Wie "Die Reisen des Mr. Leary" (The Accidental Tourist), das ich vor Ewigkeiten gelesen habe, hat mich das Buch aber nicht besonders beeindruckt. Nett erzählt, aber mit den Charakteren konnte ich mich nicht anfreunden.

Buchbeschreibung:

"Barnaby Gaitlin ist ein 'Loser': die Frau ist samt Tochter auf und davon,und mit dem College hat es auch nicht geklappt. Er arbeitet bei der Bizeps-Vermietung AG, einer Firma, die älteren Menschen einen 'starken Arm' vermittelt. Als Teenager stieg er zusammen mit seinen Kumpels in die Häuser reicher Nachbarn ein; während die anderen auf Geld oder Alkohol aus waren, saß Barnaby im Wohnzimmer und blätterte fasziniert in fremden Fotoalben oder stahl Liebesbriefe. Seitdem ist er unten durch bei seiner Familie. Kurzum: Barnaby braucht dringend einen Engel. Da macht er eines Tages die Bekanntschaft von Sophia, einer grundsoliden Bankangestellten Mitte Dreißig mit streng frisiertem Dutt, die seine Dienste für ihre alte Grace bestellt. Sophia ist von seiner halbkriminellen Vergangenheit beeindruckt, er von ihrer Zuverlässigkeit. Da verschwindet Tante Grace' gesamtes Vermögen aus dem Mehlkasten in der Küche. Barnaby glaubt sich sofort verdächtigt, doch die alten Menschen halten zu ihm, und Sophia deponiert die vermißte Summe im Mehlkasten, bis Tante Grace die Barschaft in der Bademanteltasche wiederfindet. Jetzt muß Barnaby das Geld 'zurückstehlen' ..."

Absolut nicht wie "Tag der Ankunft" (Digging to America), das mir sehr gut gefallen hat.

Donnerstag, 9. Januar 2025

Tyler, Anne "Tag der Ankunft"

Tyler, Anne "Tag der Ankunft" (Englisch: Digging to America) - 2006

Zwei sehr unterschiedliche amerikanische Familien lernen sich kennen, als sie jeweils ein koreanisches Baby adoptieren. Eine Familie besteht selbst aus Einwanderern aus dem Iran. Die Familien werden Freunde und begründen eine Tradition für beide. Das Buch zeigt alle verschiedenen Aspekte des Familienlebens, die Freuden und die Probleme.

Ich habe das Lesen dieses Buches sehr genossen. Anne Tyler hat eine großartige Art, ihren Figuren Leben einzuhauchen und sowohl gewöhnliche als auch außergewöhnliche Leben zu beschreiben.

Viele Themen kommen zur Diskussion. Wie weit möchte man sein Adoptivkind von einer anderen Kultur fernhalten, um mit dieser Kultur in Kontakt zu bleiben, wie sehr ist man als Familie bereit, sich dieser Kultur anzupassen? Wie sehr ist man bereit, sich selbst anzupassen? Inwieweit wird eine Ehe durch eine solche Tat gefährdet oder kann sie wachsen? All diese Fragen zeigen, was für ein großartiges Buch dies für einen Lesekreis wäre.

Buchbeschreibung:

"Die Donaldsons und die Yazdans. Die Donaldsons sind so amerikanisch, wie man nur sein kann –  patriotisch, freundlich, begeisterungsfähig und etwas naiv. Die Yazdans dagegen sind Einwanderer aus dem Iran, sie sprechen mit der Familie noch immer Farsi und sind sich ihrer Außenseiterposition stets bewusst. Die einzige Gemeinsamkeit der Familien ist, dass sie beide ein kleines Mädchen aus Korea adoptiert haben. Natürlich sind es die Donaldsons, die vorschlagen, jährlich mit sämtlichen Familienmitgliedern den 'Tag der Ankunft' der Kinder zu feiern, auch wenn sich gerade an diesem Fest die Unterschiede besonders deutlich zeigen. Anne Tylers neuer Roman behandelt ein wichtiges und aktuelles Thema: die Frage nach den Möglichkeiten der Annäherung zwischen zwei Kulturen und unseren Fähigkeiten zur Toleranz und Freundschaft."

Mittwoch, 11. September 2024

Diffenbaugh, Vanessa "Die verborgene Sprache der Blumen"

Diffenbaugh, Vanessa "Die verborgene Sprache der Blumen" (Englisch: The Language of Flowers) - 2011

Als ich dieses Buch zum ersten Mal sah, war ich von dem Titel angezogen. "Die Sprache der Blumen" lautet der englische Titel. Ich liebe Sprachen, aber ich hatte noch nie gehört, dass Blumen eine Sprache haben. Natürlich wissen wir alle, dass Rosen Liebe bedeuten sollen, aber es scheint so viel mehr dahinter zu stecken.

Ich habe diese Geschichte sehr genossen. Dieses Buch ist wie das Tagebuch eines jungen Mädchens angelegt, das in Pflegeheimen aufwuchs, und es erzählt zwei Geschichten gleichzeitig: die Zeit, die sie bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag in verschiedenen Einrichtungen und Heimen verbrachte, und die Zeit danach. So wie die Zeit das Leben der Protagonistin teilt, ist auch das Buch in zwei Teile gegliedert: die Geschichte des Mädchens und ihrer Probleme, die eine breite Palette psychologischer Probleme abdeckt, die sie mit dieser Welt hat, und die Geschichte der Blumen, wie sie zu etwas Besonderem wurden.

Ich war sehr froh zu erfahren, dass die Stephanotis, die ich vor etwa dreißig Jahren als Hauptblume meines Brautstraußes ausgewählt hatte, Glück in der Ehe versprach, und ich kann sagen, dass dies völlig wahr ist. Mir gefiel die Tatsache nicht, dass meine Lieblingsblume, die Pfingstrose, für Wut steht. Vielleicht ist es gut, dass sie nur für eine sehr kurze Zeit im Jahr erhältlich sind.

Ob man nun an die Sprache der Blumen glaubt oder nicht, dieses Buch bietet so viel mehr als nur das. Es greift viele verschiedene Themen auf, ohne zu verwirrend oder chaotisch zu werden.

Auf der Website von Random House gab es ein ganzes "Blumenlexikon", aber da sie inzwischen ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht haben – "A Victorian Flower Dictionary" (Goodreads) –, wurde es eingestellt. Es gibt jedoch anderswo im Internet eine Liste, hier.

Buchbeschreibung:

"Das Wichtigste im Leben der jungen Victoria sind Blumen. Sie weiß alles über sie und kennt vor allem ihre Bedeutung. Aufgewachsen in Waisenhäusern und Pflegefamilien, rettet dieses Wissen sie immer wieder. Mit achtzehn findet Victoria Arbeit in einem Blumenladen und bindet mit viel Erfolg und Einfühlungsvermögen für jeden Kunden den richtigen Strauß: Myrte für Liebe, Jasmin für Nähe, Maiglöckchen für Rückkehr des Glücks. All das wünscht sich Victoria auch, als sie Grant kennenlernt. Erstaunt stellt sie fest, dass er ebenfalls die Sprache der Blumen versteht – und sie von demselben Menschen gelernt hat wie sie selbst …"

Mittwoch, 14. August 2024

Streatfeild, Noel "Balletschuhe"

Streatfeild, Noel "Balletschuhe" (Englisch: Ballet Shoes) - 1936

Drei adoptierte Waisenmädchen nehmen Tanzunterricht. Das ist die Haupthandlung. Sie alle haben unterschiedliche Talente und unterschiedliche Ansichten, was die Geschichte interessant macht.

Ich muss zugeben, dass ich noch nie von dieser Autorin gehört hatte, bevor ich "E-Mail für Dich" (You've Got Mail) gesehen habe. Aber Meg Ryan hat es so schön beschrieben, dass ich es mir einfach ausleihen und lesen musste, als ich das Buch in unserer Bibliothek sah (ich half meinem Sohn, Bücher zu finden). Es ist ein bisschen alt und das merkt man, wenn man es liest, aber es ist eine ziemlich nette Geschichte, die man auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung noch lesen kann.

Buchbeschreibung:

"Pauline will eine berühmte Schauspielerin werden, Petrova interessiert sich für Flugzeuge und schnelle Autos und die kleine Posy würde am liebsten Tag und Nacht tanzen. Die drei Fossil-Schwestern sind wirklich ganz schön verschieden. Deswegen geht es in Großonkel Matthews gemütlichem Haus auch oft sehr trubelig zu. Doch in einem sind sich die drei einig: Egal, was passiert, sie werden immer zusammenhalten."

Donnerstag, 2. Mai 2024

Taschler, Judith W. "David"

Taschler, Judith W. "David" [David] - 2017

Ich habe ja durch unseren Lesekreis in letzter Zeit ein paar Bücher von Judith W. Taschler gelesen. Sie sind alle hervorragend aber dieses hier ist einfach umwerfend.

Zugegeben, ich kenne ja mittlerweile die Denkweise der Autorin und konnte mir deshalb schon recht bald denken, wohin der Hase läuft, aber die Geschichte war und blieb trotzdem bis zum Ende hin spannend.

Hier geht es wieder um mehrere Protagonisten, die anfänglich nicht viel miteinander zu tun haben, eher zufällig in der Erzählung landen. Aber ihre Schicksale haben etwas gemeinsam, und das erfahren wir so nach und nach.

Einfach wieder ein sehr gelungenes Buch. Ich habe noch nicht alle Bücher von Judith W. Taschler gelesen, aber das nehme ich mir fest vor. Und sie wird hoffentlich noch mehr gute Bücher schreiben.

Ich kann sie nur empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Viktor, Magdalena, Jan - drei Menschen aus drei Generationen, deren Leben durch einen Ahornbaum verbunden sind. Ein Davidsahorn, den ein heimgekehrter Kriegsgefangener im Garten seiner geliebten Frau pflanzte, in dessen Rinde drei Initialen eingeritzt sind und gegen den das Auto einer Frau schlitterte. Ihr Adoptivsohn Jan macht sich auf die Suche nach seinen Wurzeln, denn nicht nur der Baum verbindet die Schicksale der Drei miteinander, sondern weitaus mehr. Anspruchsvoll, sprachlich virtuos und psychologisch dicht erzählt Bestsellerautorin Judith W. Taschler von Familienbeziehungen, Identität und einer Verstrickung aus Liebe und Schuld."

Donnerstag, 11. April 2024

Trollope, Anthony "Barchester Chronicles" - Die Chroniken von Barchester

Trollope, Anthony "Barchester Chronicles" - 1855-1867
Trollope, Anthony "
Septimus Harding, Spitalvorsteher" - The Warden - Barchester Chronicles 1 - 1855
Trollope, Anthony "Die Türme von Barchester." - Barchester Towers - Barchester Chronicles 2 - 1857
Trollope, Anthony "Doktor Thorne" - Doctor Thorne - Barchester Chronicles 3 - 1858
Trollope, Anthony "Das Pfarrhaus Framley" - Framley Parsonage - Barchester Chronicles 4 - 1861
Trollope, Anthony "The Small House at Allington" [kdÜ] - Barchester Chronicles 5 - 1864
Trollope, Anthony "The Last Chronicle of Barset" [kdÜ] - Barchester Chronicles 6 - 1867

Ich liebe diese Romane, weil es in der gesamten Reihe so viele verschiedene Themen gibt. Wer auf der Suche nach einer langfristigen Geschicht ist und klassische Romane mag, der findet hier das Richtige.

Trollope, Anthony "Septimus Harding, Spitalvorsteher" - The Warden - Barchester Chronicles 1 - 1855

Dieser Roman aus der Mitte des 19. Jahrhunderts beschreibt das Leben der Menschen in der viktorianischen Welt, einer fiktiven Stadt, Barchester, in einer fiktiven Grafschaft, Barsetshire, mit einer Kathedrale und all ihren "Zutaten".

Trollope beschreibt hauptsächlich das Leben der kirchlichen Bevölkerung, die Hauptfigur ist dieses Mal der Aufseher eines Armenhauses und seine Konflikte.

Buchbeschreibung:
"In spritzigen Dialogen und komischen Szenen zeichnet Anthony Trollope ein manchmal bissiges Porträt der englischen Provinz mit ihren Skurrilitäten und Unvollkommenheiten. Im Mittelpunkt: ein liebenswürdiger, aber wenig heroischer Kirchenmann, der sich plötzlich den öffentlichen Angriffen eines Weltverbesserers ausgesetzt sieht.
In Barchester, einem fiktiven Domstädtchen im Westen Englands, genießt der Geistliche Septimus Harding hohes Ansehen. Eines Tages jedoch wird er in aller Öffentlichkeit von einem Mann, den er für seinen Freund und zukünftigen Schwiegersohn hielt, an den Pranger gestellt – und ist sich keiner Schuld bewußt. Als auch noch die Presse das Thema aufgreift, findet sich der stille Mr. Harding plötzlich im Zentrum eines veritablen Medienskandals wieder. Mit der ihm eigenen Integrität setzt er sich gegen das hinterhältige Denunziantentum zur Wehr.
Wie kein anderer beherrschte Anthony Trollope (1815–1882) die Darstellung moralischer Konflikte zwischen individuellen Ansprüchen und gesellschaftlichen Normen. Ein grandioses Figurenkabinett, kluge Menschenkenntnis und feiner, hintergründiger Humor machen diesen Roman des erklärten Schülers von Jane Austen zu einem großartigen Lesevergnügen."

Trollope, Anthony "Barchester Towers" - Barchester Chronicles 2 - 1857
Die Türme von Barchester

Ich habe diesen zweiten und wahrscheinlich beliebtesten Roman der Barchester Chronicles vor mehr als einem Jahrzehnt mit meinem ehemaligen Lesekreis in England gelesen. Mittlerweile habe ich sie alle beendet, daher habe ich die Beschreibungen zu allen in einem Beitrag zusammengefasst.

Der Roman dreht sich um die Ernennung eines neuen Bischofs und alle damit verbundenen Intrigen. Es setzt die Geschichte des Aufsehers aus "Septimus Harding, Spitalvorsteher" (The Warden) und seiner Töchter fort und stellt neue Charaktere vor, die im Verlauf der Geschichte immer wichtiger werden.

Man kann diesen Roman auch einzeln lesen, aber es ist viel besser, sich zuerst "Septimus Harding, Spitalvorsteher" (The Warden) vorzun.
ehmen.

Wie ich bereits sagte, liebe ich diese Romane wirklich, sie sind so vielfältig.

Wir haben dies im Juli 1999 in unserem Britischen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:
"Selten wurde das Leben von Provinzgrößen so lustvoll seziert wie in Anthony Trollopes Roman über Adel und Geistlichkeit in der fiktiven englischen Grafschaft Barsetshire. Der feinsinnige Beobachter menschlichen Treibens legt augenzwinkernd den Mechanismus der Macht und dessen Rädchen bloß, die Neid, Geltungssucht und Intrige heißen."

Trollope, Anthony "Doctor Thorne" - Barchester Chronicles 3 - 1858
Doktor Thorne.

Obwohl ich alle Bücher in der Barchester-Reihe mag, ist dies mein Favorit.

Trollope schafft es, die Menschen in seiner fiktiven Stadt so gut zu beschreiben, dass man glaubt, unter ihnen zu leben. Das Leben von Mary Thorne und ihrem Onkel ist ruhig, obwohl im so Schrank einige Leichen liegen.


Buchbeschreibung (von mir übersetzt):

"Doctor Thorne, Trollope betrachtet es als sein bestes Werk und es ist eine aufschlussreiche Untersuchung der Beziehung zwischen Geld und Moral.

Es erzählt die Geschichte des Sohnes eines bankrotten Landbesitzers, Frank Gresham, der trotz ihrer Unehelichkeit und offensichtlichen Armut die Absicht hat, seine geliebte Mary Thorne zu heiraten. Franks ehrgeizige Mutter und seine hochmütige Tante sind jedoch dagegen und drängen ihn, eine gute Ehe mit einer wohlhabenden Erbin einzugehen. Nur Marys liebevoller Onkel, Dr. Thorne, weiß von dem Vermögen, das sie erben wird - glaubt aber, dass sie zu ihren eigenen Bedingungen aufgenommen werden sollte. Das dritte Buch der Chronicles of Barsetshire."

Trollope, Anthony "Framley Parsonage" - Barchester Chronicles 4 - 1861
Das Pfarrhaus Framley.

Wie alle anderen Romane der Barchester Chronicles ist dieses Buch sehr interessant, da es das Leben gewöhnlicher und ungewöhnlicher Menschen zur Zeit des Autors so gut beschreibt. Die Probleme der Hauptfigur scheinen auch anderthalb Jahrhunderte nach seiner Geschichte immer noch bekannt zu sein. Er ist ein junger Geistlicher mit Ambitionen, der sich in die Politik verstrickt. Wie in allen anderen Romanen gelingt es Anthony Trollope, die Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen zu erzählen.

Buchbeschreibung:
"Mark Robarts, Geistlicher des Kirchspiels Framley in der Diözese Barchester, kann sich mit Fug und Recht als Glückskind bezeichnen, denn bereits in seiner Kindheit machte er die Bekanntschaft des jungen Lord Lufton, dessen Mutter Lady Lufton schnell Gefallen an dem Schulkamerad und späteren Studiengenossen ihres geliebten Sohnes fand und ihm daher alle in ihrer nicht unerheblichen Macht stehenden Möglichkeiten eröffnete, es in dem kleinen Kirchspiel zu einer gehobenen Stellung zu bringen. Mehr noch, denn neben seinem Amt als Geistlicher hat Mark Robarts Lady Lufton auch seine Gattin Fanny zu verdanken, denn die Ehe war durch tätige Vermittlung dieser Dame zustande gekommen. Und auch gegenwärtig beschäftigen Heiratspläne die Gedanken der verwitweten Lady - diesmal gilt es jedoch, für ihren eigenen Sohn eine passende Frau zu finden, die natürlich geeignet sein muss, ihre Stellung an der Seite eines Lords standesgemäß auszufüllen.

Wenn sich die Suche nach einer geeigneten Kandidatin auch nicht sonderlich schwer gestaltet, stehen Lady Lufton dennoch schwere Zeiten bevor, denn ihr Sohn Ludovic möchte sich zum einen partout nicht wie geplant in die bildhübsche Griselda Grantly verlieben, er verbringt zum anderen auch noch auffallend viel Zeit mit Lucy, Mark Robarts' Schwester - und als ob das noch nicht genügt, beginnt der Geistliche auch noch, eine Vorliebe für Fuchsjagden zu entwickeln und in dem Bestreben, im gesellschaftlichen Ansehen noch einige höhere Stufen zu erklimmen, die Bekanntschaft mit Kreisen zu suchen, mit denen nach Lady Luftons Ansicht kein Gentleman verkehren sollte und die ein Geistlicher erst recht um jeden Preis zu meiden hat. Sollte die Lady doch einen schweren Fehler begangen haben, als sie Mark Robarts zum Seelsorger ihres Kirchspiels machte?
"

Trollope, Anthony "The Small House at Allington" [Das kleine Haus in Allington] - Barchester Chronicles 5 - 1864
keine deutsche Übersetzung

In diesem Roman passieren viele Ereignisse, die heute wahrscheinlich nicht passieren würden, zumindest nicht auf diese Weise. Doch wie alle anderen Bücher dieser Reihe gelingt es Trollope, einige sehr lebendige und moderne Persönlichkeiten darzustellen, das Leben am Ende des 19. Jahrhunderts auf sehr interessante und einfühlsame Weise zu beschreiben und eine faszinierende und spannende Geschichte zu schreiben.

Leider liegt hier wohl keine deutsche Übersetzung vor. Zumindest habe ich keine gefunden. Sollte jemand von einer wissen, wäre ich sehr dankbar, wenn man mir Bescheid gibt.

Buchbeschreibung (übersetzt von mir):
"Lily Dale ist mit dem ehrgeizigen und eigennützigen Adolphus Crosbie verlobt und ist am Boden zerstört, als er sie wegen der aristokratischen Lady Alexandrina im Stich lässt. Obwohl Lily von seiner Treulosigkeit niedergeschlagen ist, glaubt sie immer noch, dass sie ein Leben lang an ihren unwürdigen ehemaligen Verlobten gebunden ist und daher dazu verdammt ist, nach seinem Verrat Single zu bleiben. Und als ein würdigerer Verehrer sich bewirbt, kann sie ihre Gefühle für Crosbie nicht überwinden.

"The Small House at Allington" wurde geschrieben, als Trollope auf dem Höhepunkt seiner Popularität war, und enthält in Lily Dale seine am meisten bewunderte Heldin - eine junge Frau mit unabhängigem Geist, die sich dennoch danach sehnt, geliebt zu werden - und ist eine bewegende Dramatisierung der Art und Weise, wie persönliche Dilemmata entstehen unterliegen gesellschaftlichen Zwängen."

Trollope, Anthony "The Last Chronicle of Barset" [Die letzte Chronik von Barset] - Barchester Chronicles 6 - 1867
keine deutsche Übersetzung

Wie der Titel vermuten lässt, ist dies das letzte Buch der Reihe. Es beinhaltet ein paar Skandale und viele andere soziale Probleme. Wir sehen viele unserer alten Freunde wieder und lernen einige neue kennen. Dies ist der längste der Romane, fast 900 Seiten, sehr detailliert und beschreibend. Zusammen mit "Doktor Thorne" ist dies einer meiner Favoriten.

Leider liegt hier wohl keine deutsche Übersetzung vor. Zumindest habe ich keine gefunden. Sollte jemand von einer wissen, wäre ich sehr dankbar, wenn man mir Bescheid gibt.

Buchbeschreibung (übersetzt von mir):
"Als Reverend Josiah Crawley, der verarmte Pfarrer von Hogglestock, des Diebstahls beschuldigt wird, löst das einen öffentlichen Skandal aus, der Schockwellen durch die Welt von Barsetshire sendet. Die Crawleys versuchen verzweifelt, ihre Würde zu bewahren, während sie von der Gesellschaft gemieden werden, doch der Skandal droht, sie und die Gemeinschaft auseinander zu reißen.

Trollope greift auf seine eigene Kindheitserfahrung mit vornehmer Armut zurück und schildert auf akribisch realistische Weise die Prüfungen einer Familie, die um jeden Preis versucht, ihre Standards aufrechtzuerhalten. Mit seiner einfühlsamen Darstellung der stolzen und selbstzerstörerischen Figur Crawley ist dieser letzte Band der düsterste und komplexeste aller Barsetshire-Romane.
"

Ich bin froh, dass ich die Serie gelesen habe.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Walker, Alice "Die Farbe Lila"

 

Walker, Alice  "Die Farbe Lila" (Englisch: The Color Purple) - 1982 

Dies ist eine der besten Geschichten, die ich je gelesen habe. Die Geschichte einer Frau, die keinerlei Rechte zu haben scheint und es schafft, aus der Hölle, in der sie lebt, mit Hilfe anderer, aber vor allem dadurch, dass sie selbst sehr stark ist, herauszukommen. Alice Walker erhielt dafür 1983 den wohlverdienten Pulitzer-Preis.

Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, wird sicherlich schon davon gehört oder den Film gesehen haben (der übrigens auch sehr gut ist). Die Geschichte beinhaltet alles, Freude und Schmerz, Familie, Religion, Gewalt, Vergewaltigung, Zerstörung, Auferstehung, Rassismus, Armut.

Das Buch beginnt, als die Hauptfigur Celie vierzehn ist. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Stiefvater zusammen. Sie wird schlecht behandelt, endet in einer schlechten Ehe, in der sie noch schlimmer behandelt wird und nichts scheint jemals gut für sie zu werden.


Mir gefiel, wie Celie sich von einem kleinen Mädchen zu einer starken, unabhängigen Frau entwickelt hat, die Liebe zu ihrer Schwester, ihre Suche nach ihren Kindern. Sie scheint eine sehr sympathische Person zu sein, die so viel aushalten muss und immer wieder aufsteht.

Alice Walker benutzte in diesem Roman viel von ihrem eigenen Leben, schilderte persönliche Erfahrungen. Vielleicht scheint es deshalb so wahr zu sein.

Sie schrieb auch eine Art Fortsetzung
"The Temple of My Familiar" (Im Tempel meines Herzens), wer "Die Farbe Lila" mochte, wird auch diesen Roman lieben.

Und noch eine sehr interessante Lektüre über Alice Walkers Leben: "The Way Forward is with a Broken Heart" (Zugvögel).

Alice Walker erhielt den Pulitzerpreis für "The Color Purple" in 1983.

Buchbeschreibung:

"Einer der bedeutendsten amerikanischen Romane aller Zeiten

Die junge Schwarze Celie wächst Anfang des 20. Jahrhunderts in Georgia auf. Während ihre Mutter im Sterben liegt, wird sie mit vierzehn zum ersten Mal von ihrem Vater vergewaltigt und in den Folgejahren zweimal schwanger. Er gibt die Kinder weg, sie weiß nicht, ob sie noch leben oder tot sind. Als sie in die Ehe mit einem Mann gezwungen wird, der sie schlägt, wendet sich Celie in verzweifelten Briefen an Gott, da sie keinen anderen Ausweg mehr weiß.

Erst als ihr Mann seine Geliebte Shug Avery ins Haus holt, verbessert sich Celies Situation. Sie verliebt sich in Shug und lernt von ihr, dass echte Liebe nichts mit Gewalt zu tun hat. Durch Shugs Liebe und die Freundschaft weiterer Frauen geht Celie endlich gegen alle Widerstände ihren Weg.
"

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Freitag, 16. September 2022

Kingsolver, Barbara "Siebengestirn"

Kingsolver, Barbara "Siebengestirn. Meine Tochter" (Englisch: Pigs in Heaven) - 1993

Dies ist eine Fortsetzung des Romans "Das Bohnenbaumglück" (The Bean Trees), nicht unbedingt mein Lieblingsbuch von Barbara Kingsolver, deren Geschichten ich normalerweise sehr mag. Aber ich denke, der Hauptgrund, warum dies nicht mein Favorit war und es auch nicht sein wird, ist, was mit den Personen in dem Buch passiert.

Zunächst wird ein Baby bei einer jungen Frau zurückgelassen, die dann versucht, es ohne große Hilfe von außen großzuziehen. Ein paar Jahre später stellt jemand fest, dass sie das Kind doch nicht hätte adoptieren dürfen, weil das kleine Mädchen Cherokee ist. Nun, ich verstehe die amerikanischen Ureinwohner, aber ich fühle wirklich mit der Adoptivmutter, die Angst hat, ihr Kind aufgeben zu müssen. Ein so unmögliches Dilemma, das gar nicht so selten zu sein scheint, schließlich basiert die Geschichte auf wahren Begebenheiten.

Ich lese gerne über andere Kulturen, ich lese gerne über problematische Szenarien, vielleicht war das ein bisschen zu viel für mich, ich weiß nicht. Ich mochte den Schreibstil trotzdem und werde auf jeden Fall weitere Bücher von Barbara Kingsolver lesen.


Buchbeschreibung:

"Taylor Greer droht ihre sechsjährige Adoptivtochter, das Indianermädchen Turtle, zu verlieren, seit eine ehrgeizige Stammesanwältin Turtle zu ihrem Cherokee-Stamm zurückbringen will. Taylor flieht mit der geliebten Tochter quer durch den Südwesten von Amerika, begleitet von ihrer junggebliebenen Mutter, die alle Hebel in Bewegung setzt, um Turtle behalten zu können."

Ich habe das englische Original gelesen.

Ich habe auch andere Bücher von Barbara Kingsolver gelesen, meine englischen Rezensionen sind hier, meine deutschen hier. Sie ist und bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen.

Kingsolver, Barbara "Das Bohnenbaumglück"

Kingsolver, Barbara "Das Bohnenbaumglück" (Englisch: The Bean Trees) - 1988

Nachdem ich mit dem Buchclub "Die Giftholzbibel/Willkommen in Kilanga" (The Poisonwood Bible) und "Im Land der Schmetterlinge" (Prodigal Summer) gelesen hatte, musste ich einfach mehr von den Romanen dieser fabelhaften Autorin lesen. Ich erfuhr erst später, dass dies ihr allererster gewesen war.

Eine ziemlich interessante Handlung über eine junge Frau, der einfach ein Baby überlassen wird. Aber auch viele andere Menschen kommen im Roman vor, missbrauchte Frauen und Kinder, illegale Einwanderer, Menschen, die helfen, und Menschen, die es nicht tun.

Ich denke, Barbara Kingsolver kann über jedes Thema schreiben, was auch immer sie wählt, es ist interessant, sie hat einen Schreibstil, der Lust macht, weiterzulesen.


Buchbeschreibung (Übersetzung von mir):

"Taylor Greer wächst im ländlichen Kentucky arm auf und hat zwei Ziele: eine Schwangerschaft zu vermeiden und wegzukommen. Beides gelingt ihr, als sie ein altes Auto kauft und in den Westen fährt. Aber als sie das Land zur Hälfte durchquert hat, holt sie die Mutterschaft ein, als sie die Hüterin eines verlassenen kleinen Mädchens wird, das sie Turtle nennt. In Tuscon treffen sie auf eine außergewöhnliche Vielfalt von Menschen, und mit ihrer Hilfe baut Taylor sich und ihrem süßen, fassungslosen Kind ein Leben auf."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Ich habe auch andere Bücher von Barbara Kingsolver gelesen, meine englischen Rezensionen sind hier, meine deutschen hier. Sie ist und bleibt eine meiner Lieblingsautorinnen.

Es gibt auch eine Fortsetzung: "Siebengestirn. Meine Tochter" (Pigs in Heaven)

Samstag, 2. Juli 2022

Osorio, Elsa "Mein Name ist Luz"


Osorio, Elsa "Mein Name ist Luz" (Spanisch: A veinte años, Luz) My Name is Light - 1998

Ein hochinteressanter Roman über etwas, das noch gar nicht so lange her ist, aber noch nicht so weit verbreitet ist. Natürlich weiß jeder, dass es in Argentinien viele Probleme gab, aber ich habe noch keinen Roman gelesen, in dem das so gut beschrieben wurde. Eine tief bewegende Geschichte, die mit dem Literaturpreis von Amnesty International ausgezeichnet wurde. Absolut lesenswert.

Wir haben diese Erzählung im April 2008 in unserem deutschen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Systematisch wurden in den Jahren der argentinischen Diktatur (1976-1983) die Babys inhaftierter Regimegegnerinnen geraubt und von Militärs adoptiert. Viele Jahre später versucht eine junge Frau - Opfer dieser Praxis -, Licht in das Dunkel ihrer Herkunft zu bringen. Alle ihre inneren Kräfte muß Luz dabei aufbieten, um von den Schatten der Vergangenheit nicht erdrückt zu werden."

Samstag, 11. Juni 2022

Zusak, Markus "Die Bücherdiebin"


Zusak, Markus "Die Bücherdiebin" (Englisch: The Book Thief) - 2005

Dieses Buch war ein großer Erfolg in unserem internationalen Lesekreis- Die meisten Mitglieder liebten es, nur eine sagte, sie könne sich nicht leicht darauf einlassen, eine andere mochte bestimmte Teile nicht, z.B. den Tod als Erzähler.

Von Anfang an: Dies ist die Geschichte eines kleinen Mädchens in Nazi-Deutschland. Ihre Eltern wurden abgeführt und sie wächst bei Pflegeeltern auf. Liesel, das kleine Mädchen, stiehlt Bücher, schließt unglaubliche Freundschaften, aber das Wichtigste ist, dass der Tod die Geschichte erzählt. Ein Bericht über das Aufwachsen kleiner Mädchen, Nazis, Juden, Diebstahl, Tod, aber vor allem viel Hoffnung. Eine herzliche Geschichte, echte Menschen, die mit verheerenden Ereignissen umgehen mussten. Wir waren alle tief davon berührt.

Einen Punkt, den unsere Mitglieder ansprachen, den ich selbst als Deutsche nicht sah, es gelang dem Autor, ein Bild vom normalen, einfachen deutschen Volk, von den Nicht-Nazis, zu zeichnen. Es war gut, eine andere Seite des Krieges zu sehen. Die Menschen in Deutschland litten genauso wie die Menschen in anderen Ländern. Den Mitgliedern gefiel die Beschreibung dieser Seite der Deutschen. Dieser Roman hat "kulturelle Erinnerungen" wachgerufen, es ist eine Nebengeschichte, eine Geschichte über die Verlierer des Krieges.

Ich mochte den Tod als Erzähler, ich denke, der Autor hat dem Tod ein menschliches Gesicht gegeben. Jetzt können wir Menschen und Tod vergleichen, ein unschuldigeres Bild sehen.

Zusak fängt die Persönlichkeiten aller Charaktere sehr gut ein, ob gut oder schlecht, er macht sie sehr glaubwürdig.

Alles in allem ein sehr interessantes Buch, leicht zu lesen (offiziell ein Jugendroman), aber sehr tiefgründig.


Wir haben dieses Buch im Januar 2010 in unserem deutschen Lesekreis und im Januar 2011 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Den Tod muss man nicht fürchten. Er ist nämlich, wie er als Ich-Erzähler von sich selbst in einer Vorbemerkung sagt, 'bemüht, dieser ganzen Angelegenheit eine fröhliche Seite zu verleihen'. Nur hätten die meisten Menschen 'einen tief sitzenden Widerwillen, der es ihnen unmöglich macht, mir zu glauben, so sehr ich auch versuche, sie davon zu überzeugen'. Mit einem weiteren Vorurteil räumt der Tod gleich zu Beginn auf, dass ihm nämlich die Menschen gleichgültig seien. Im Gegenteil. Ab und zu, so erfahren wir, braucht er sogar eine Auszeit, um sich abzulenken. 'Ihr wollt wissen', fragt er, 'wovon ich mich ablenken muss? (…) Es sind die übrig gebliebenen Menschen. / Die Überlebenden.' Eine solche Überlebende, 'eine Expertin im Zurückbleiben' ist die neunjährige Liesel Memminger. Von ihr handelt dieses wunderbare Buch. Zum ersten Mal begegnet der Tod der neunjährigen Liesel 1939 am Grab ihres kleinen Bruders, wo sie auch ihre Karriere als Bücherdiebin beginnt: Mit Hilfe des Handbuchs für Totengräber lernt sie das Lesen und muss fortan immer wieder Bücher stehlen. Sie 'rettet' auch welche -- vor den Flammen der Nazis. Und hin und wieder bekommt sie auch welche geschenkt. Ihre Liebe zu Büchern muss es sein, die den Tod, der sich selbst hier als großer Erzähler erweist, die Liesel lieb gewinnen lässt. Während um sie herum Bombenhagel alles in Schutt und Asche legen, findet sie Schutz im Keller - und in ihren Büchern.

Der Tod, den der Autor uns hier präsentiert, muss man in der Tat nicht fürchten. Er ist weder böse noch kaltblütig. Und er hat eine Schwäche für Menschen, die lesen und die Bücher lieben. Ist das nicht beruhigend? Und er kann obendrein -- zumindest in der Fantasie Markus Zusaks -- wunderbar erzählen.
"

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Edwards, Kim "Die Tochter des Fotografen"

Edwards, Kim "Die Tochter des Fotografen" (Englisch: The Memory Keeper's Daughter) - 2005

1964. Ein Arzt bringt seine eigenen Zwillinge während eines Schneesturms zur Welt. Der Sohn ist vollkommen gesund, die Tochter hat das Down-Syndrom. Er ist geschockt und muss schnell handeln, bevor seine Frau wieder wach wird. Was hättet ihr getan. Was machen wir heute mit Kindern, die mit Behinderungen geboren werden? Das war die große Frage, die wir uns gestellt haben. Können wir jemanden verurteilen, wenn er etwas in einer anderen Zeit oder Kultur getan hat?

Jeder in unserem Lesekreis war von dem Buch angetan, obwohl es einige von uns manchmal traurig und andere wütend gemacht hat. Das Buch war leicht zu lesen, dennoch war der Schreibstil sehr interessant und gab uns viele gute Gedanken.

Das Besondere an einem Lesekreis ist, dass man seine Gefühle und Erfahrungen teilen kann, in diesem Fall verschiedene Erfahrungen mit behinderten Kindern, entweder als Betreuer oder durch Freunde.

Vor Jahren wurde mir eine Geschichte von der Mutter eines behinderten Kindes erzählt. Sie hatte es in einer Zeitschrift gelesen. Ich hatte das Glück, es im Internet zu finden, hier ist ein Link: Willkommen in Holland.

Das Buch hat uns auch gezeigt, wie eine Entscheidung den Rest des Lebens eines Menschen verändern kann, und es hat uns gelehrt, dankbar für die Dinge zu sein, die man hat.

Viele Themen, die zum Nachdenken anregen. Die Dynamik der Lüge, eine Lüge beginnt alles zu zerstören.

Der Titel wurde nur an einer Stelle im Buch erwähnt, daher dachten wir, es könnte schwierig für diejenigen sein, die durch die Seiten blättern möchten.

Wir hatten auch eine Diskussion über übersetzte Titel, z.B. der englische Titel heisst eigentlich: "Die Tochter des Erinnerungswächters/hüters", in diesem Fall wurde im deutschen Titel ein Fotograf daraus gemacht. Einige von uns fanden es nicht so gut, andere fanden es besser. Dann gibt es "Gebroken licht" auf Niederländisch (Gebrochenes Licht), "Figlia del silenzio" auf Italienisch (Tochter des Schweigens) und "Billede af et barn" auf Dänisch (Bilder eines Kindes). So viele verschiedene Titel zur Auswahl.

Wir haben dieses Buch im Januar 2008 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Lexington, Kentucky, 1964: In einer stürmischen Winternacht entbindet der Arzt David Henry seine hochschwangere Frau. Zuerst bringt sie einen kerngesunden Sohn auf die Welt. Doch dann setzen die Wehen erneut ein, und dem Jungen folgt seine Zwillingsschwester nach. Dieses Kind ist behindert. In Sekundenschnelle trifft David eine Entscheidung: Während seine Frau Norah in Narkose liegt, bittet er die Krankenschwester Caroline, den Säugling stillschweigend in ein Heim zu bringen. Aber Caroline flieht mit dem Mädchen und zieht es allein groß. - So beginnt eine tief bewegende Geschichte, die ein Vierteljahrhundert umspannt. Erst am Schluß treffen alle Lebenswege wieder zusammen, die in jener verschneiten Nacht so grausam getrennt wurden."

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.