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Freitag, 5. Juni 2026

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung"

Zweig, Stefan "Rausch der Verwandlung" - The Post Office Girl ~1930/1982

Nachdem ich "Die Welt von Gestern" gelesen habe, wollte ich schon lange einmal ein weiteres Buch von Stefan Zweig lesen, und da es diesen Monat das Starterbuch für "Six Degrees of Separation" war, habe ich es mir vorgenommen.

Stefan Zweig schrieb dieses Buch in den 1930er Jahren, also vor fast hundert Jahren. Aber veröffentlicht wurde es erst 1982, nachdem es aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Der Verleger überarbeitete das Fragment und ergänzte es mit Notizen des Autoren.

Das Buch spielt kurz nach dem 1. Weltkrieg in Österreich. Es hätte tatsächlich in allen Nachkriegsländern spielen können. Viele Männer sind nicht aus dem Krieg heimgekehrt, die meisten Leute haben kaum Arbeit, sie fristen ein sehr ärmliches Leben.

Da kommt eine Einladung von reichen Verwandten, die die junge Postangestellte Christine in ein Hotel einladen. Sie wird in eine vollkommen fremde Welt katapultiert, die allerdings nicht lange anhält.

Nach diesem Urlaub lernt sie den Kriegsheimkehrer Ferdinand kennen, dem es genauso schlecht geht wie ihr.

Eine traurige Geschichte, eine düstere Geschichte. Stefan Zweig selbst hatte kein glückliches Leben, das spiegelt sich auch hier wider. Aber er versteht es wie kaum ein anderer, in die Seele der Menschen zu sehen und sie uns zugänglich zu machen.

Ich muss mir unbedingt noch ein anderes Buch dieses großartigen Schriftstellers vornehmen. Habt ihr Vorschläge?

Buchbeschreibung:

"Sommer 1926. Christine Hoflehner hat eine bescheidene Anstellung als Postassistentin gefunden. Die Sorgen der Nachkriegszeit sind überwunden, doch vor ihr liegt ein freudloses, ärmliches Leben. Ein Telegramm reißt sie völlig unerwartet aus der Monotonie ihres Daseins: Amerikanische Verwandte laden sie zu einem Urlaub ins Engadin ein. Zuerst verschüchtert, gerät sie rasch in den Sog dieser 'Welt ohne Arbeit, ohne Armut, die sie nie geahnt'. Doch ihr Rausch der Verwandlung ist nicht von Dauer. Als sie Ferdinand kennenlernt, einen 'mit dem Geist der Revolte geladenen Menschen', durch Krieg und Gefangenschaft um seine Jugend und die Möglichkeit einer gesicherten Existenz betrogen, fasst er einen anarchischen Plan – und sie sagt laut und leidenschaftlich ja dazu."

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Freitag, 17. Oktober 2025

Köhlmeier, Michael "Abendland"

Köhlmeier, Michael "Abendland" [Occident] - 2007

Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich dieses Buch gefunden habe. Auf jeden Fall war es eine schlechte Idee, das Lesen so lange aufzuschieben. Was kann ich sagen? Mein SUB ist einfach zu groß.

Dieses Buch ist einfach sagenhaft. Ein Mann, geboren im Jahr 1900. Er war fast so alt wie mein Großvater mütterlicherseits (geboren 1899, meine Großmutter 1901), so dass ich es allein deshalb schon spannend fand. Leider sind meine Großeltern nicht so alt geworden wie Carl Jacob Candoris, aber einen Teil der Geschichte sind sie schon zusammen gegangen.

Das Buch behandelt so viele Themen, von der Musik zu Beginn des letzten Jahrhunderts, insbesondere vom Jazz, über die zwei Weltkriege, die in Europa wütenden, bis zu der Geschichte Portugals und Brasiliens. Es geht um das Leben einiger weniger Personen, und nicht alle haben das ganze Jahrhundert erlebt. Aber das macht es gerade so interessant. Man kann sich vorstellen, was eine Person erlebt hat, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts geboren wurde, wie meine Großeltern.

Ich habe ja schon einige "Jahrhundertsagas" gelesen, u.a. von Günter Grass (Mein Jahrhundert), Ken Follett und Geert Mak (Das Jahrhundert meines Vaters) oder auch die Geschichten von Edward Rutherfurd, die ja immer über mehrere Jahrhunderte gehen. Sie sind alle immer wieder hochinteressant, da wir sehen können, wie sich bestimmte Situationen im Laufe der Zeit entwickeln. Auch hier ist das der Fall.

Was ich auch gut fand, die Protagonisten sind Österreicher und es war sehr interessant, die Sicht unserer Nachbarn zu sehen, besonders zum 2. Weltkrieg und zum "Anschluss".

Das Buch gibt uns viele Denkanstösse. Zum Beispiel bei dieser Bemerkung:

"Wissen Sie, Candoris, was das angenehmste an unserer Wissenschaft ist? Daß bei den Objekten der Mathematik Schein und Sein zusammenfallen. 181 ist eine Primzahl, nicht weil man sie zu einer solchen erklärt hat, sondern weil es so ist. Beruhgit Sie das nicht auch? Mich hat es jedenfalls beruhigt."
Natürlich hat er recht. Aber erklär das mal jemand den Aluhüten oder den Trägern von diesen roten Baseball-Kappen.

Es handelt sich hier um einen ziemlich dicken Wälzer von mehr als 750 Seiten, aber jede einzelne davon ist es wert, gelesen zu werden.

Buchbeschreibung:

"Ein Panorama des 20. Jahrhunderts.

Die Lebensgeschichte des exzentrischen Mathematikers, Weltbürgers und Jazz-Fans Carl Jacob Candoris und seines Biographen Sebastian Lukasser. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht das vielschichtige Porträt einer ganzen Epoche.

Carl Jacob Candoris - Mathematiker, Weltbürger, Dandy und Jazz-Fan - ist fünfundneunzig, als er seine Lebensbeichte ablegt. Aufschreiben soll sie der Schriftsteller Sebastian Lukasser, Sohn des Gitarristen Georg Lukasser, den Candoris in den Jazz-Kellern im Wien der Nachkriegsjahre kennengelernt hat. Candoris erzählt von seinem Großvater, der in Wien einen berühmten Kolonialwarenladen betrieb; von seinen seltsamen Verwandten, bei denen er in Göttingen während seines Studiums lebt und die Größen der Naturwissenschaft kennenlernt; und vom Wien der Nachkriegszeit - wo Sebastians Geschichte beginnt, die Geschichte einer Selbstfindung, die sich über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zieht. Im Spiegel zweier ungleicher Familien entsteht so ein kluger, reicher, witziger und lebenssatter Generationenroman über unsere Zeit."

Freitag, 1. August 2025

Schreiber, Jasmin "Marianengraben"

Schreiber, Jasmin "Marianengraben" [Mariana Trench] - 2020

Dieses Buch wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt, natürlich nicht ins Englische. Wie immer.

Hier ist die Geschichte von Paula. Aber auch von Tim. Und von Helmut. Und von Helga. Es hat viel mit dem Sterben zu tun, aber auch damit, wie wir damit umgehen. Und vom Leben. Wie wir trotzdem weitermachen.

Man denkt, bei dem Thema muss es sich um ein sehr trauriges Buch handelt. Ganz im Gegenteil. Es ist skurril und witzig. Wie sowohl Paula als auch Helmut mit Trauer umgehen, wie sie sich gegenseitig helfen. Und ich denke, mit diesem Buch hilft auch Jasmin Schreiber vielen, mit Verlust umzugehen.

Ich habe dieses Buch sehr genossen. Es ist berührend. Man kann sich auch gut in die Personen hineinversetzen und sie sind allesamt sehr sympatisch. Das ist für mich immer schon ein gutes Zeichen.

Was hat der Titel mit dem Buch zu tun? Nun, die Autorin ist Meeresbiologin und auch der kleine Bruder interessiert sich sehr für die Tiefsee und deren Bewohner. Ich habe mich während des Lesens gefragt, warum die Kapitel Nummern haben, mit denen ich nichts anfangen konnte. Es beginnt bei 11.000 und endet bei 0. Hmm. Ich bin nicht sehr interessiert an Biologie, eher an Erdkunde. Daher hätte ich es eigentlich ahnen können. Aber manchmal sitzt man wie vor einer Wand. Ich werde es hier nur im Spoiler verraten für die, die es unbedingt wissen wollen, bevor sie selbst zum Buch greifen.

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Spoiler:

Zitate:

"Ein Buch in der Hand kann ein echter Rettungsanker sein - wenn die See des Lebens zu rau ist, klammert man sich an Geschichten und lässt sich von ihnen in Sicherheit bringen." Jasmin Schreiber

"Eigentlich kann man gar kein Buch schreiben, das vom Sterben handelt, gleichzeitig sehr lustig und tieftraurig ist, sich aber anfühlt wie ein Roadmovie. Wie gesagt: Eigentlich!" Sascha Lobo

Ich habe dies im Juli 2025 mit meinem deutschen Lesekreis besprochen. Den meisten anderen Mitgliedern hat es auch sehr gut gefallen und wir konnten uns alle in die Personen und die Geschichte hineinversetzten (bis auf eine Dame). Einfach schräg und schrullig.

Buchbeschreibung:

"Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise.

Ein Roman übes Sterben - aber vor allem darüber, am Leben zu bleiben."

Montag, 21. Juli 2025

Heidenreich, Elke "Dein Max"

Heidenreich, Elke "Dein Max" [Your Max] - 1996

Bei diesem Buch handelt es sich um einen "Rowohlt Rotations Roman". Ich hatte dies mal wieder bei einem Gebrauchtbuch-Verkauf gefunden und kannte diese Art überhaupt noch nicht. Um Papier zu sparen, das bedingt durch den Mangel an Materialien und den enormen Nachholbedarf der Leser an Literatur in der ersten Nachkriegszeit sehr knapp war, ließ Rowohlt Romane im Rotationsdruck auf Zeitungspapier drucken.

Was ich auch erst zu Hause entdeckte, dies ist ein Auszug aus dem Band "Kolonien der Liebe" (Goodreads), das ich nun natürlich auch lesen möchte.

Auch wenn die Geschichten ja schon etwas älter sind, das Zusammenspiel zwischen Menschen hat sich kaum geändert.

Jede der Geschichten ist anders, und doch haben sie alle den gleichen Hintergrund, die Liebe. Und das Zusammenleben von Menschen. Mal wieder ein sehr schönes Elke-Heidenreich-Buch.

Die Titel in dieser Ausgabe:
Dein Max
Winterreise
Der Hund wird erschossen
Das Dööfchen
Apocalypse Now

Buchbeschreibung:

"Ironische, zärtliche oder melancholische Geschichten über die Liebe in unserer Zeit."

Dienstag, 17. Juni 2025

Nöstlinger, Christine "Best of Mama"

Nöstlinger, Christine "Best of Mama. Ausgewählte Geschichten" [Best of Mama. Selected Stories]  - 2001

Nette Kurzgeschichten über den Alltag mit Kindern. Auch wenn man eigentlich nicht so begeistert ist von Kurzgeschichten.

Humorvoll und zutreffend.

Buchbeschreibung:

"Haushalt, Gesundheit, Schule, Finanzen, Beziehungskisten und sonstige Familienangelegenheiten: Christine Nöstlinger kommentiert und beobachtet scharf und humorvoll, was uns der ganz normale Wahnsinn des familiären Lebens so alles beschert. Von hohem Wiedererkennungswert! – Aus den gesammelten Glossen der vergangenen zehn Jahre wurden die 150 besten ausgewählt. Sie sind witzig und weise, bisweilen zornig, manchmal voll Selbstironie, und immer lesens- und liebenswert."

Samstag, 17. Mai 2025

Seth, Vikram "Verwandte Stimmen"

Seth, Vikram "Verwandte Stimmen" (Englisch: An Equal Music) - 1999 

Da mir "Eine gute Partie" (A Suitable Boy) sehr gut gefallen hatte, wollte ich dieses Buch desselben Autors lesen. Das Thema ist völlig anders als in seinem anderen Roman. Dieser erzählt die Geschichte eines Geigers und seiner Probleme mit der Liebe, seinem Beruf, seinen Eltern, aber vor allem mit der Liebe.

Man kann dieses Buch überhaupt nicht mit seinem vorherigen Roman vergleichen, aber es war auch sehr gut. Ich kenne mich mit dem Leben eines Musikers nicht besonders gut aus, und man hört sicherlich nicht viel über diejenigen, die in Kammermusikquartetten auftreten, aber es war sehr interessant, auch diesen Teil zu verfolgen.

Buchbeschreibung:

"Michael Holme ist Geiger in einem renommierten Londoner Streichquartett. Zu seinen Kollegen hat er ein fast familiäres Verhältnis, während er die Liaison mit seiner Schülerin Virginie nur halbherzig weiterführt. Eines Abends taucht die Pianistin Julia hinter der Bühne auf, Michaels unvergessene große Liebe. Auch sie liebt ihn noch, doch Julia ist seit Jahren verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Nach einigen glücksbeseelten Tagen in Venedig ahnt Michael, dass er Julia ein zweites Mal verlieren wird."

Beim Namen des Protagonisten musste ich ständig an einen bekannten Sänger aus den 70ern denken, den ich sehr gerne mochte.

Dienstag, 7. Januar 2025

Hartlieb, Petra "Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung"

Hartlieb, Petra "Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung" [Christmas in the Wonderful Bookshop] - 2018

Ich mag ja Bücher über Bücher oder über Buchhandlungen (z.B. Tagebuch eines Buchhändlers von Shaun Bythell). Und so habe ich kurz vor Weihnachten dieses Buch hier gefunden und mich auf eine schöne Geschichte gefreut.

Na ja, sie war nicht schlecht, aber so richtig mitgerissen hat sie mich auch nicht. Dies ist wohl die Fortsetzung von "Eine wunderbare Buchhandlung". Ich glaube kaum, dass ich das lesen werde.

Wie gesagt, ganz schlecht ist das Buch nicht, aber es war mir zu seicht. Und auch nicht witzig genug.

Buchbeschreibung:

"'Und am vierundzwanzigsten Dezember sind wir tot …

… oder beinahe tot', denkt sich die Wiener Buchhändlerin Petra Hartlieb, wenn irgendwann im November der Weihnachtswahnsinn beginnt. Jeder Tisch, jedes Regal, jede noch so kleine Lücke in ihrem Laden ist gefüllt mit den Büchern fürs Weihnachtsgeschäft. Die Kunden kommen in Scharen – und oft genug in Panik. Sie stellen obskure Fragen, spielen lustiges Titelraten mit den Buchhändlerinnen, sind gehetzt, verzweifelt und manchmal auch einfach nur dankbar.

Viele Stammkunden sind mittlerweile zu guten Freunden geworden und bringen dringend benötigte Nahrung, Hilfe in jeder Form sowie gute Laune vorbei. Und so hat die schrecklichste Zeit des Jahres auch schöne Momente. Der allerschönste Tag ist für Petra Hartlieb aber immer noch der eine: der vierundzwanzigste Dezember – denn da gehen spätestens um 13 Uhr die Lichter in der Buchhandlung aus, und alles ist endlich vorbei. Für ein Jahr."

Samstag, 2. November 2024

H., A. "M.K."

 

H., A. "M-K." (Notizen eines Größenwahnsinnigen, der glaubte, er könne die Welt beherrschen) - My Struggle (Notes by some megalomanic who thought he could rule the world) - 1925/26 

Ich werde weder den Namen des Autors noch den Originaltitel (deutsch) dieses Buches nennen, ihr werdet sicherlich erraten, von wem ich spreche, und könnt es dem Buchtitel und der Goodreads-Seite entnehmen, auf die ihr gelangt, wenn ihr auf das Foto klickt. Ich möchte es den neuen Fans von ihm und seinen Methoden nicht zu leicht machen, diesen Beitrag zu finden. Und ich werde alle Kommentare derjenigen löschen, die dazu geneigt sind.

Wie auf dem Buchtitel erwähnt, wurde er als Verrückter, Tyrann, der leibhaftige Teufel und jedes böse Wort beschrieben, das man sich vorstellen kann. Und keines davon ist schlimm genug.

Dies war sicherlich eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe, sowohl was den Schreibstil als auch den Inhalt angeht. Obwohl es angeblich eine Autobiografie ist, ist es eher ein Propaganda- und Kampfpamphlet und voller Verschwörungstheorien. Es war als Gegenentwurf zum Marxismus gedacht.

Ich habe diese Tiraden gelesen, weil mein Großvater das Buch vor dem Krieg gelesen und dann alle gewarnt hatte, den Kerl nicht zu wählen. Seine Worte waren gewesen: "Er will nur Krieg." Von da an war mein Großvater als "der Kommunist" bekannt und musste während des Krieges untertauchen. Das und weil er einigen Juden geholfen hatte.

Ich wollte das Buch immer lesen, aber es war in Deutschland lange, lange Zeit nicht zu verkaufen. Ich hatte ausländische Freunde, die es lasen, aber natürlich lasen sie Übersetzungen. Ich lese immer lieber das Original, besonders in einem so wichtigen Fall. Als also eine Freundin sagte, sie habe es von ihren Schwiegereltern "geerbt", nahm ich das als Zeichen, dass ich es jetzt lesen sollte. Und da heutzutage so viele Leute seine Idee wiederbeleben, dachte ich, es wäre eine gute Idee, mich tiefer mit dem Thema zu befassen. Ich wusste, dass ich meine Meinung über ihn und jeden, der ähnliche Ideen hat, nie ändern würde. Ich neige auf jeden Fall zur anderen Seite.

Winston Churchill hatte gesagt, dass alliierte Politiker und das Militär dieses Buch sehr sorgfältig hätten studieren sollen. Er hatte natürlich recht. Wenn mein Großvater mit seinen 8 Jahren allgemeinbildender Schule verstanden hatte, was dahinter steckte, hätten es die Gelehrten sicherlich verstanden. 1945 wurde in den Nachrichten gezeigt, dass ein amerikanischer Soldat das Bleiset dieses Buches in einer symbolischen Handlung ins Feuer wirft. Wahrscheinlich hätte er es dort lassen sollen.

Dieses Buch ist einfach rassistisch. Das habe ich erwartet. Aber wenn jemand ernsthaft glaubt, dass es Menschen gibt, die mehr wert sind, weil sie mit einer bestimmten Hautfarbe oder einer bestimmten Religion oder was auch immer geboren wurden, und das sogar für eine wissenschaftliche Tatsache hält, kann man ihn nur dumm nennen.

Leider war er nicht so dumm. Er wusste genau, was er vorhatte und was er tat. Anscheinend war er ein guter Redner, obwohl ich von ihm nur Schimpftiraden, Geschwafel, Geschrei, Getöse und Schimpftiraden (fast wie von einem, hoffentlich Ex-, Präsidenten unserer Zeit) sehe oder höre. Und dass er "immer Recht" hat.

Ich fand es immer komisch, dass er so ein Fan der "arischen Rasse" war, groß, mit blondem Haar und blauen Augen. Er war alles andere als das. Außerdem war er so scharf auf die Deutschen. Er war nicht einmal Deutscher, er war Österreicher.

Ich war immer neugierig, warum Menschen faschistische Ideen haben, warum sie rassistische Gedanken hegen. Vielleicht könnte der größte Rassist von allen zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringen und wir könnten einen Weg finden, die neue Generation, die einige große Rassisten in ihren Reihen hat, davon zu überzeugen, dass sie Unrecht haben. Natürlich habe ich nicht erwartet, in diesem Buch eine Lösung zu finden, und es gab auch keine.

Mein Vater erzählte mir immer, dass diejenigen, die in seinem Dorf die niedrigsten Arbeiter waren, plötzlich Parteimitglied in den höchsten Positionen wurden. Ich denke, das erklärt einiges.

Heutzutage sehe ich junge Leute, die behaupten, Ausländer würden ihnen die Arbeit wegnehmen. Genau das sagten die Leute in Deutschland in den zwanziger und dreißiger Jahren. Die Extremisten nutzen jede Situation aus und geben immer jemand anderem die Schuld, Ausländern, anderen Religionen (damals Juden, heute Muslime), was auch immer. Es sind nie sie, es sind immer die anderen.

Oh, und noch eine letzte Bemerkung. Wenn ihr dieses Buch lesen möchtet, erwartet keine hohe Literatur. Es ist wirklich, wirklich grottenschlecht geschrieben. Ich musste lange nach einem neutralen Buchcover ohne das Bild des Autors oder das Emblem seiner Partei suchen, weil ich, wie ich oben sagte, weder für dieses Buch noch für irgendetwas, das damit in Zusammenhang steht, "Werbung" machen möchte. Wie auf dem Cover steht, ist dies "... ein Einblick in den Geist eines Mannes, der den Weltfrieden destabilisierte und den Völkermord durchführte, der heute als Holocaust bekannt ist." Stimmt. Lassen wir nicht zu, dass so etwas jemals wieder passiert.

Buchbeschreibung:

"'M.K.' ist das schrecklichste Buch, das je auf Deutsch geschrieben wurde, für die einen ein Tabu, für andere ein Faszinosum, in Deutschland seit Kriegsende verboten, in anderen Ländern bis heute ein Bestseller. Aber was wissen wir über 'M.K.', seine Entstehungsgeschichte und seine Wirkung damals und heute? Wie und wo hat H. daran geschrieben? Wer hat den Text gelesen und wie hat man vor H.s Machtergreifung darüber gedacht? Wie wurde es zum Bestseller? Wie viel verdiente H. an dem Buch? Warum hat es eine Schlüsselrolle für seine Macht gespielt? Und wie soll man heute, wo das Nachdruckverbot endet, mit diesem Buch umgehen?"

Die englische Beschreibung fängt so an:
Madman, tyrant, animal - history has given A.H. many names. 
Verrückter, Tyrann, Tier – die Geschichte hat A.H. viele Namen gegeben.
Und sie sind alle noch zu gut.

Dienstag, 29. Oktober 2024

Jelinek, Elfriede "Die Klavierspielerin"

Jelinek, Elfriede "Die Klavierspielerin" The Piano Teacher - 1988

Elfriede Jelinek erhielt den Nobelpreis für ihren "musikalischen Fluss von Stimmen ...". Zugegeben, ihre Sprache ist außergewöhnlich, ich liebte die Art, wie sie Gedanken, Handlungen, Gegenstände beschreibt.

Dies ist ein Roman über eine Musikerin, ihre Mutter, ihr Liebesleben. Das Hauptthema des Romans ist definitiv die Mutter-Tochter-Beziehung. Ich habe erst im Nachhinein gelesen, dass der Roman einen sehr autobiografischen Hintergrund hat. Ich versuche, so wenig wie möglich über die Hintergründe eines Stücks zu lesen, da sie oft das Ende und die ganze Freude am Lesen des Buches verraten. Ich denke, das war in diesem Fall gut so.

Ich hätte die Mutter zum Beispiel erwürgen können, wie man ein Kind in seinem Leben einsperren kann, unglaublich. Die sexuellen Wünsche der Klavierspielerin haben mir nicht viel ausgemacht, ihre voyeuristischen und masochistischen Eskapaden, die das Buch zu einem schlechten Pornostück gemacht haben, zumindest stelle ich mir ein schlechtes Pornostück so vor, ich habe nicht viel Erfahrung mit dieser Art von Literatur.

Ich lese gern Romane von Nobelpreisträgern, sie werden normalerweise aus gutem Grund ausgewählt. Bei den meisten konnte ich es kaum erwarten, das nächste Stück zu lesen. Werde ich noch ein Buch von Elfriede Jelinek lesen wollen? Wahrscheinlich nicht.

Und man darf nicht vergessen, ich habe das Original gelesen, kein Übersetzer hat meine Wahrnehmung durcheinandergebracht.

Buchbeschreibung:

"Von ihrer Mutter wurde sie unerbittlich zur Pianistin gedrillt. Und nun findet die Klavierlehrerin Erika Kohut nicht mehr aus der Isolation heraus. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zur Voyeurin. Als einer ihrer Schüler ein Liebesverhältnis mit ihr anstrebt, erkennt sie, dass sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet."

Elfriede Jelinek erhielt den Nobelpreis für Literatur 2004 "den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen".

Ich wirke an dieser Seite mit: Read the Nobels und ihr könnt alle meine Blog-Einträge über Nobelpreisträger und ihre Bücher hier finden.

Donnerstag, 22. August 2024

Hamann, Brigitte "Elisabeth, Kaiserin wider Willen"

Hamann, Brigitte "Elisabeth, Kaiserin wider Willen" The Reluctant Empress - 1981

Jeder Deutsche hat die Trilogie über "Sissi", die österreichische Kaiserin, gesehen. Wir haben ein Bild von ihr, und das ist bittersüß. Deshalb war ich froh, dieses Buch über sie zu finden, eine gut ausgearbeitete Biografie, die einen viel tieferen Eindruck von der Deutschen vermittelt, die 1854 im Alter von 16 Jahren den Führer des österreichisch-ungarischen Reiches heiratete. Es ist angeblich eine der besten Biografien über sie.

Ich glaube nicht, dass ich heute in der Position eines Mitgliedes einer königlichen Familie sein möchte, aber damals muss es noch schrecklicher gewesen sein, all diese Regeln, diese Etikette, die man befolgen musste, ständig mit Leuten verkehren, selbst wenn sie einem kritisch gegenüberstanden. Ich glaube, Elisabeth wäre mit ihrem "Franzl" viel glücklicher gewesen, wenn er kein Kaiser gewesen wäre, wie sie vor ihrer Hochzeit sagte.

Wir lernen in diesem Buch nicht nur Elisabeth kennen, wir erfahren auch etwas über die Schwierigkeiten zwischen den Österreichern und dem anderen Land, das ihnen "gehörte". Wir können sogar sehen, wie in diesem Land und in dieser Familie die ersten Anzeichen für den Ersten Weltkrieg gelegt wurden. Wie schade. Wie viele Schrecken wären vermieden worden, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, es hätte wahrscheinlich keinen zweiten Weltkrieg gegeben und Millionen von Menschen wären gerettet worden.

Eine großartige Lektüre über eine beeindruckende Frau. Für den, der sich auch nur ein bisschen für europäische Geschichte interessiert, ist dies ein Muss!

Buchbeschreibung:

"Das übliche süße Sisi-Klischee wird man in diesem Buch vergeblich suchen - Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn, war eine der gebildetsten und interessantesten Frauen ihrer Zeit. Schon vor dem Attentat, das 1898 ihr Leben beendete, war sie zur Legende geworden. Brigitte Hamann schildert in dieser zum Standardwerk gewordenen Biografie das wirkliche Leben der Kaiserin. Die virtuos erzählte und historisch präzise Geschichte eines ungewöhnlichen Lebens."

Donnerstag, 8. August 2024

Zweig, Stefan "Die Welt von Gestern"

  

Zweig, Stefan "Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers" - The World of Yesterday - 1942

Stefan Zweig ist wahrscheinlich einer der größten österreichischen Schriftsteller. Er hat den Ersten und Zweiten Weltkrieg miterlebt und kann viele Geschichten aus erster Hand erzählen.

In diesem Buch beschreibt er sein Leben als jüdischer Autor sowohl während des Ersten als auch des Zweiten Weltkriegs. Er war ein unglaublicher Mensch, lebte in mehreren Ländern, schrieb über seine Erfahrungen und wie sich die Welt langsam aber sicher veränderte. Nicht zum Besseren, wohlgemerkt.

Stefan Zweig kann uns alles über diese Zeiten auf sehr klare und lebendige Weise erzählen. Er beschreibt nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch die Geschichte unserer Länder und wie sie zu dem wurden, was sie heute sind.

Lasst uns alle daraus lernen.

Buchbeschreibung:

"Diese Erinnerungen eines Europäers zeigen noch einmal die Gelöstheit und Heiterkeit Wiens und Österreichs in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, die Welt der Sicherheit, die Stefan Zweig selbst wie einigen, wenn auch nicht allen, die individuelle Freiheit zu garantieren vermochte; sie zeigen Glanz und Schatten über Europa bis zum Sonnenuntergang, bis zu Hitlers Machtausübung, bis Europa 'sich zum zweiten Mal selbstmörderisch zerfleischte im Bruderkriege'. Stefan Zweig hat 'die Welt von Gestern' als Zeitzeuge aufgezeichnet und dabei nicht so sehr sein eigenes Schicksal festgehalten, sondern das seiner Generation; er hat mit diesem Buch, weit über das Persönliche hinaus, ein Kompendium der geistigen Welt in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts erstellt."

Samstag, 27. Juli 2024

Lippi, Rosina "Im Schatten der drei Schwestern"

Lippi, Rosina "Im Schatten der drei Schwestern" (Englisch: Homestead) - 1998

Was für ein wunderbares Buch. Die Geschichte der Frauen eines kleinen Dorfes in den österreichischen Bergen. Die Geschichte mehrerer Generationen von Frauen, die versuchen, ihr Leben zu leben. Besonders, nachdem viele von ihnen allein zurückgelassen werden und die Männer nicht aus dem Krieg zurückkehren.

Ich habe dieses Buch vor Jahren gelesen, aber es ist eine dieser Geschichten, die einen nie loslassen werden.

Buchbeschreibung:

"Im Schatten des Gebirgsmassivs der drei Schwestern im Vorarlberg liegt das kleine Dorf Rosenau. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein; seit Jahrhunderten ist die Erbfolge auf den Höfen für das Leben der knapp vierhundert Einwohner entscheidener als Geld und Macht. Und Liebe, so erzählen die zwölf Geschichten über die Frauen von Rosenau, spielt bei der Wahl des Ehemannes nur selten eine Rolle. In eindrucksvollen Porträts lernen wir die Frauen und ihre Familien kennen und werden über Generationen mit ihnen vertraut: Johanna, zum Beispiel, die gar nicht hässlich ist, aber wegen ihrer Gehbehinderung nie einen einen Mann fand. In einer abgelegenen Hütte der Bengat-Alm trifft sie eines Tages einen jungen Deserteur, der sich dort versteckt hält. Eine zarte, scheue Romanze beginnt und währt nur wenige Wochen, bis der Unbekannte fliehen muss. Johanna kehrt in ihren Alltag zurück, in dem nichts mehr so ist, wie es war. Vierzig Jahre später wird Martha ihre Geschichte erzählen, die als Tochter von Johannas Schwester aufwuchs und sich immer fragte, warum sie so dunkles Haar und so schwarze Augen hat, wo doch ihre Eltern beide hell und blond sind. Am Ende ihrer Geschichte weiß Martha, wer ihre Eltern wirklich sind, und auch für sie sieht das Leben plötzlich anders aus. Die Schicksale der Frauen, von denen hier über fast ein Jahrhundert hinweg erzählt wird, sind geprägt von Verzicht und Sehnsucht. Die Geschichten zeugen aber auch von der großen Entschlossenheit ihrer Figuren, einen Moment Leidenschaft zu erleben, der ein ganzes Leben lang genügen muss."

Freitag, 12. Juli 2024

Weidermann, Volker "Ostende - 1936"

Weidermann, Volker "Ostende - 1936, Sommer der Freundschaft" - Summer Before the Dark: Stefan Zweig and Joseph Roth, Ostend 1936 2014

Dies ist ein sehr interessantes Buch über deutschsprachige Autoren vor und während des Zweiten Weltkriegs. Zwei sehr berühmte und bedeutende Österreicher. Stefan Zweig war reich und erfolgreich, Joseph Roth war Alkoholiker und auf dem Weg ins Verderben, auch ohne die Hilfe der Nazis. Beide waren in großer Gefahr, sie waren Juden.

Stefan Zweig hatte im Sommer 1914 in Ostende einen Sommer an der belgischen Küste verbracht. 1936 kehrte er wieder dorthin zurück und lädt viele seiner Freunde und Kollegen ein, ihn zu begleiten. Neben Joseph Roth sind viele andere Autoren und Herausgeber dabei, Irmgard Keun, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller mit seiner Frau Christiane Grautoff, Arthur Koestler, Hermann Kesten, Émile Verhaeren, James Ensor, Štefan Lux, Soma Morgenstern, Annette Kolb, die meisten von ihnen Flüchtlinge, die meisten mit Publikationsverbot in Deutschland, aber auch Nichtautoren, politische Aktivisten wie Willi Münzenberg, Otto Katz, Etkar André, Géza von Cziffra, Olga Benário Prestes.

In dieser Novelle versucht der Autor, die Geschichte ihrer Begegnung, ihrer Hoffnungen und ihrer Verzweiflung neu zu erzählen. Es gelingt ihm, ein Bild vom Ende einer Zivilisation zu zeichnen und davon, wie sie ihrer eigenen Zerstörung entgegenraste. Wie viele gute und brillante Menschen sind in diesem Krieg umgekommen, wie viel hätten sie uns erzählen können, wie viel hätten sie entdecken können?

Wir können den Autoren in ihrer Sicht der politischen Situation folgen, wie verschiedene Menschen versuchen, verschiedene Dinge dagegen zu tun - oder auch nicht. Eine sehr interessante Möglichkeit, die Geschichte von innen zu betrachten.

Viele von ihnen trafen sich später im südfranzösischen Sanary-sur-Mer, wo viele von ihnen als feindliche Ausländer interniert und einige sogar nach Auschwitz deportiert wurden. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an die Exilanten.

Buchbeschreibung:

"Ein belgischer Badeort mit Geschichte und Glanz: Hier kommen sie alle noch einmal zusammen, die im Deutschland der Nationalsozialisten keine Heimat mehr haben. Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun, Kisch und Toller, Koestler und Kesten, die verbotenen Dichter. Sonne, Meer, Getränke – es könnte ein Urlaub unter Freunden sein. Wenn sich die politische Lage nicht täglich zuspitzte, wenn sie nicht alle verfolgt würden, ihre Bücher nicht verboten wären, wenn sie nicht ihre Heimat verloren hätten. Es sind Dichter auf der Flucht, Schriftsteller im Exil. Volker Weidermann erzählt von ihrer Hoffnung, ihrer Liebe, ihrer Verzweiflung - und davon, wie ihr Leben weiterging."

Der Autor hat auch viele, viele Bücher von all diesen interessanten Autoren erwähnt:

Auden, W. H. "No more Peace" (Nie wieder Friede!)
Brecht, Bertolt "Dreigroschenoper"
Hašek, Jaroslav "Der Brave Soldat Schwejk
Hesse, Hermann "Heumond"
Huxley, Aldous "Brave New World" - (Schöne neue Welt)
Kesten, Hermann "König Philipp II." 
Keun, Irmgard "Nach Mitternacht"
Koestler, Arthur "Sonnenfinsternis"
Mann, Heinrich "Im Schlaraffenland", "Weg zum Hades"
Mann, Klaus "Mephisto"
Mann, Thomas "Der Zauberberg
Maupassant, Guy de "Bel Ami" (Bel Ami)
Neumann, Alfred "Das Kaiserreich" (Tragödie des neunzehnten Jahrhunderts, Trilogie)
Rilke, Rainer Maria "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke"
Roth, Joseph "Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht", "Das falsche Gewicht", "Die Geschichte der 1002. Nacht", "Die Legende vom Heiligen Trinker", "Erdbeeren" (Fragment), "Hiob, "Die Hundert Tage", "Juden auf Wanderschaft"
Schnitzler, Arthur "Der Ruf des Lebens"
Zweig, Stefan "Anton", "Das Buch als Eingang zur Welt", "Maria Stuart", "Schachnovelle", "Sternstunden der Menschheit", "Ungeduld des Herzens" (sein einziger Roman). Die meisten dieser Geschichten sind Kurzgeschichten oder Novellen. 

Er hat auch viele andere Autoren erwähnt, ohne ihre Werke aufzulisten, die alle lesenswert sind:
Honoré de Balzac, Paul Claudel, Richard Dehmel, Fyodor Dostojewskij (deutsche Einträge), Johann Wolfgang von Goethe (deutsche Einträge), Gernard Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich NietzscheLeo Tolstoy (Leo Tolstoi, deutsche Einträge), Frank Wedekind, Walt Whitman, Oscar Wilde

Mittwoch, 3. Juli 2024

Erpenbeck, Jenny "Kairos."

Erpenbeck, Jenny "Kairos." - Kairos - 2021

Dies war das Starterbuch für die Six Degrees of Separation dieses Monats. Ich habe das Starterbuch nicht sehr oft gelesen, aber dies war ein neues, gefeiertes Buch einer Autorin, die ich schon einmal gelesen und gemocht hatte, also habe ich es ausprobiert.

"Aller Tage Abend" hat mir ziemlich gut gefallen und ich hoffet, dass dieses genauso gut sein würde.

Jenny Erpenbeck war die erste deutsche Autorin, die 2024 den Internationalen Booker Prize erhielt.

Die Lektüre war okay, aber ich war ein wenig enttäuscht. Der Schreibstil war nicht so flüssig wie erwartet. Ich denke, die Liebesgeschichte sollte die Beziehung zwischen den beiden Ländern widerspiegeln. Und das war kein schlechter Versuch. Aber keiner der Protagonisten hat mir gefallen, ich konnte kein Mitleid mit ihnen haben. Ich fand auch, dass einige der Sexszenen für ein solches Buch etwas zu detailliert waren.

Für diejenigen, die nicht viel über die ehemalige DDR wissen oder nicht wissen, wie es zum Niedergang der DDR kam, ist es wahrscheinlich kein schlechtes Buch, obwohl es bessere Bücher gibt, die darüber berichten (z. B. "Der Turm").

Alles in allem fand ich das Buch langweilig, blass und ermüdend. Noch eine Booker-Preis-Auszeichnung, die mir nicht gefallen hat.

Anscheinend stammt der Titel von einem altgriechischen Begriff für den richtigen Zeitpunkt.

From the back cover:

"Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks - vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick."

Mittwoch, 5. Juni 2024

Krall, Hanna "Herzkönig"

Krall, Hanna "Herzkönig" (Polnisch: Król kier znów na wylocie) - Chasing the King of Hearts - 2006

Wir haben dies im Mai 2024 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Die Lebensgeschichte einer Jüdin, die im Holocaust ihre gesamte Familie verliert. Außer ihrem Mann. Sie ist sicher, dass er noch lebt und sucht überall nach ihm.

In der Beschreibung steht, dass es sich um eine wunderschöne Liebesgeschichte handelt. Und es ist eine. In gewisser Weise. Nur nicht das, was man normalerweise von einer Liebesgeschichte erwarten würde. Und der Stil ist völlig anders. Es liest sich wie ein Tagebuch. Aber es ist mehr als das. Ziemlich interessant.

Es ist erstaunlich, was ein Mensch tun kann, um seine Lieben zu retten.

Ein gutes Buch über eine starke Frau.

Buchbeschreibung:

"'Das ist der letzte Abschnitt meiner Reise, und es wäre dumm, wenn ich jetzt verrückt werden würde.'

Diese nüchterne Feststellung stammt von Izolda Regensberg alias Maria Pawlicka. Seit der Deportation ihres Mannes nach Auschwitz besteht der Sinn ihres Lebens allein darin, ihren Herzkönig zu befreien. Die fieberhaften Bemühungen werden von Absurditäten und Zufällen, von glücklichen und unglücklichen Fügungen begleitet. In Zeiten der Vernichtung wundert sich Izolda über keine Grausamkeit - auch nicht über die eigene.Bis Izolda schließlich im Mai 1945 im Lager Ebensee auf ihren Ehemann trifft, hat sie eine Odyssee von Lagern und Gefängnissen hinter sich. Das Paar kehrt mit 'polnischen' Pässen nach Polen zurück. Jahre später fliegt die geborgte Identität auf, und die beiden erhalten jüdische Pässe, die sie zur Ausreise nach Wien zwingen.

Izolda, die hervorragende Spezialistin im Überleben, muss erkennen, dass sie das Leben nach dem Überleben nicht in den Griff bekommt. Sie empfindet zunehmend Fremdheit gegenüber der Welt, deren Fixpunkt ihr verloren gegangen ist. Sie zieht zu den Töchtern nach Israel. Umgeben von alltäglichen politischen Ausnahmezuständen und unverständlichen Wortfetzen lebt sie in ihrer Erinnerung noch im Zweiten Weltkrieg.

'Herzkönig' handelt vom Schicksal polnischer Juden - jener, die durch den Holocaust umkamen, und jener, die ihn mit Verletzungen unterschiedlichster Art überlebten. Erschütternde historische Situationen korrespondieren mit persönlichen Katastrophen. Und für jede findet die Autorin knappe Sätze, die beim Leser einen tiefen Schrecken hinterlassen. So einfach und zugleich poetisch schreibt nur Hanna Krall."

Dienstag, 4. Juni 2024

Erpenbeck, Jenny "Aller Tage Abend"

Erpenbeck, Jenny "Aller Tage Abend" - The End of Days - 2012

Jenny Erpenbeck ist eine ziemlich bekannte deutsche Autorin, also dachte ich, es wäre an der Zeit, eines ihrer Bücher zu lesen. Ich wurde nicht enttäuscht. Was für ein interessantes Buch.

Wie lange wird ein Kind leben, was für ein Leben wird es sein? Wer wird da sein, wer wird um es trauern, wenn es stirbt. In diesem Buch bekommen wir ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich ein Leben verlaufen kann und wie unterschiedlich das Ende sein kann. Ein sehr interessantes Konzept, das beschreibt, wie bestimmte Entscheidungen ein Leben beenden oder verlängern können.

Eine brillante Geschichte, die mit so viel Gelassenheit und Hingabe geschrieben ist, dass es fast so ist, als würde die Autorin über jemanden schreiben, den sie selbst persönlich kennt.

Ein sehr bewegendes Buch, ein großartiger Roman von einer großartigen Autorin.

Buchbeschreibung:

"Wie lang wird das Leben des Kindes sein, das gerade geboren wird? Wer sind wir, wenn uns die Stunde schlägt? Wer wird um uns trauern? Jenny Erpenbeck nimmt uns mit auf ihrer Reise durch die vielen Leben, die in einem Leben enthalten sein können. Sie wirft einen scharfen Blick auf die Verzweigungen, an denen sich Grundlegendes entscheidet. Die Hauptfigur ihres Romans stirbt als Kind. Oder doch nicht? Stirbt als Liebende. Oder doch nicht? Stirbt als Verratene. Als Hochgeehrte. Als von allen Vergessene. Oder doch nicht? Meisterhaft und lebendig erzählt Erpenbeck, wie sich, was wir 'Schicksal' nennen, als ein unfassbares Zusammenspiel von Kultur- und Zeitgeschichte, von familiären und persönlichen Verstrickungen erweist. Der Zufall aber sitzt bei alldem 'in seiner eisernen Stube und rechnet'."

Samstag, 18. Mai 2024

Kohl, Walter "Das leere Land"

Kohl, Walter "Das leere Land" [The Empty Land] - 2011

Das Buch hört sich interessant an, und es werden auch mehrere Geschichten erzählt, die von Walter Kohl als Kind und als Erwachsener, in Österreich und in Kanada, die seiner Mutter und seines Onkels, die Geschichte eines Vorfahren, die Geschichte eines jungen Mädchens und letztendlich die Geschichte eines Heiligen, über die der Protagonist eine Geschichte schreiben soll.

Genug Themen also, um ein spannendes Buch zu schreiben. Ein Mann auf der Suche nach seiner Vergangenheit und dadurch nach sich selbst. Leider wurde daraus nicht viel. Die Erzählung springt hin und her, man kann ihr zwar folgen, aber irgendwie führt sie nirgendwo hin. Und vielleicht ist die Geschichte an anderen Stellen besser recherchiert, aber mich hat allein schon gestört, dass die Ortsbeschreibungen einfach falsch waren. Man kann ja evtl. noch durchgehen lassen, dass die 66 km, die Lohne von Oldenburg entfernt liegen, als "bei" gelten, aber Vechta nach Westfalen zu verlegen, das ist nun wirklich falsch. Und da fragt man sich, wieviel vom Rest wohl richtig sein mag.

Nicht mein Buch.

Klappentext:

"Es beginnt mit einer vermeintlich einfachen Auftragsarbeit: Auf den Spuren des Heiligen Severin an der Donau entlangfahren, um einen Text für einen Ausstellungskatalog zu verfassen. Doch so leicht gelingt das dem Protagonisten von Walter Kohls neuem Roman nicht. Denn allzu drängend schiebt sich im Lauf der Recherchereise seine eigene Vergangenheit in seine Gedanken: sein Leben in Kanada und die Beschäftigung mit indianischen Mythen, die historischen Aufarbeitungen der Figur des Heiligen Severin, ein geheimnisvolles Mädchen, das ihn irritiert und ihm in eigenartiger Weise zugetan ist und das frappierend an jenes Flüchtlingsmädchen erinnert, dessen Foto überall in den Medien zu sehen ist, weil es vor seiner Abschiebung flieht. Über allem aber steht die hinausgezögerte Wiederbegegnung mit seiner Mutter und den Figuren der Familienvergangenheit, vor denen er vor vielen Jahren nach Kanada geflohen ist, die Angst vor den Wurzeln der eigenen Identität und die Konfrontation mit dem eigenen Altern. Walter Kohls Reise in der Donaulandschaft führt ins Innerste seines Hauptdarstellers. Ganz nebenbei dekonstruiert Kohl nicht nur eine fromme Legende, er erzählt auch, wie Erinnerung und aus ihr Geschichte überhaupt entstehen."

Donnerstag, 2. Mai 2024

Taschler, Judith W. "David"

Taschler, Judith W. "David" [David] - 2017

Ich habe ja durch unseren Lesekreis in letzter Zeit ein paar Bücher von Judith W. Taschler gelesen. Sie sind alle hervorragend aber dieses hier ist einfach umwerfend.

Zugegeben, ich kenne ja mittlerweile die Denkweise der Autorin und konnte mir deshalb schon recht bald denken, wohin der Hase läuft, aber die Geschichte war und blieb trotzdem bis zum Ende hin spannend.

Hier geht es wieder um mehrere Protagonisten, die anfänglich nicht viel miteinander zu tun haben, eher zufällig in der Erzählung landen. Aber ihre Schicksale haben etwas gemeinsam, und das erfahren wir so nach und nach.

Einfach wieder ein sehr gelungenes Buch. Ich habe noch nicht alle Bücher von Judith W. Taschler gelesen, aber das nehme ich mir fest vor. Und sie wird hoffentlich noch mehr gute Bücher schreiben.

Ich kann sie nur empfehlen.

Buchbeschreibung:

"Viktor, Magdalena, Jan - drei Menschen aus drei Generationen, deren Leben durch einen Ahornbaum verbunden sind. Ein Davidsahorn, den ein heimgekehrter Kriegsgefangener im Garten seiner geliebten Frau pflanzte, in dessen Rinde drei Initialen eingeritzt sind und gegen den das Auto einer Frau schlitterte. Ihr Adoptivsohn Jan macht sich auf die Suche nach seinen Wurzeln, denn nicht nur der Baum verbindet die Schicksale der Drei miteinander, sondern weitaus mehr. Anspruchsvoll, sprachlich virtuos und psychologisch dicht erzählt Bestsellerautorin Judith W. Taschler von Familienbeziehungen, Identität und einer Verstrickung aus Liebe und Schuld."

Dienstag, 19. März 2024

Taschler, Judith W. "bleiben"

Taschler, Judith W. "bleiben" [stay] - 2016

Wir hatten ja im Lesekreis bereits zwei Bücher von Judith W. Taschler gelesen, "Die Deutschlehrerin" und "Sommer wie Winter". Und eines unserer Mitglieder lieh mir jetzt einen anderen Roman dieser großartigen Autorin.

Genau wie ihre anderen Geschichten, hat "bleiben" mehrere Protagonisten. Die vier jungen Leute, die sich zufällig auf einer Reise begegnet waren, Max, Paul, Felix und Juliane. Wir treffen sie Jahre später wieder. Jeder erzählt seine Geschichte. Ich mag solche Aufstellungen ja sehr. Man bekommt verschiedene Blickwinkel der gleichen Geschichte. Judith W. Taschler schafft es außerdem alles extrem spannend zu beschreiben.

Ein herrlicher Roman. Mit jedem Kapitel erfährt man etwas mehr über die Menschen und ihre Geschichte, den Zusammenhang zwischen gestern und heute. Faszinierend, spannend bis zum Schluß.

Buchbeschreibung:

"Es ist eine kurze, zufällige Begegnung auf der Reise nach Italien: Max, Paul, Felix und Juliane - vier junge Leute, voller Träume für die Zukunft, treffen im Nachtzug nach Rom aufeinander.

Juliane und Paul werden heiraten, Max und Felix sich auf eine Weltreise begeben.

Nach zwanzig Jahren trifft Juliane Felix zufällig in einer Galerie wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die er jedoch ohne jede Erklärung abbricht. Juliane fühlt sich grenzenlos in ihrer Liebe gekränkt. Erst Monate später erfährt Juliane - ausgerechnet von ihrem Mann -, warum Felix die Affäre beenden wollte.

Die Wahrheit ist furchtbar und lässt das Leben aller eine dramatische Wendung nehmen."