Samstag, 1. August 2026

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie"

Vance, J.D. "Hillbilly Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (Englisch: Hillbilly Elegy: a memoir of a family and culture in crisis) - 2016

Ich habe dieses Buch besprochen, kurz nachdem es erschienen war und niemand ahnte, dass J.D. Vance einmal der Vizepresident von Donald Trump werden würde. Nach der Lektüre des Buches kann ich es einfach nicht verstehen, wie jemand wie dieser Autor zu den Republikanern gehen kann, die rein gar nichts für die einfachen Menschen im Land tun. Normalerweise übersetze ich die alte Beschreibung, ohne einen neuen Kommentar abzugeben, denn ich möchte den Eindruck widergeben, den ich direkt nach der Lektüre hatte. Aber diesen Absatz musste ich einfach dazupacken.

Dieses Buch wurde vor zehn Jahren als Lektüre für unseren Lesekreis ausgewählt. Nachdem ich Arlie Russell Hochschilds "Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right" gelesen hatte, dachte ich: Nicht schon wieder ein Buch, das versucht, Donald Trump zu erklären. Ich bezweifle, dass jemals ein Buch erklären kann, warum er gewählt wurde, denn ich glaube, es gibt keinen wirklichen Grund dafür.

Allerdings würde ich dieses Buch nicht als Erklärung dafür bezeichnen, warum Menschen für so jemanden stimmen. Es versucht vielmehr zu erklären, wie man einem Leben entkommen kann, das einem keine Chancen bietet. Denn der Autor war selbst einmal so jemand: Seine Mutter war drogenabhängig, wechselte ständig die Partner und vernachlässigte ihre Kinder. Wenn es zu schlimm wurde, sprang die Großmutter ein, wie es wohl viele Großmütter tun.

Ja, J.D. Vance hat mir geholfen, diese Menschen besser zu verstehen. Ich kenne keine vergleichbare Gemeinschaft in Europa, wo man mehr oder weniger verloren ist, wenn man aus einer bestimmten Gegend kommt, wo die Schule einem kaum hilft, aus dieser Situation herauszukommen. Es war interessant zu lesen, und ich finde, jeder Politiker sollte das lesen und versuchen, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu ermöglichen (einschließlich der Autor selbst).

Ein interessanter Einblick in eine Gesellschaft, über die die meisten Menschen nichts wissen. Das schließt mich und die anderen Mitglieder meines Lesekreises mit ein.

Wir haben dies im Juni 2017 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Armut und Chaos, Resignation und Gewalt, Drogen und Alkohol: In diesem Teufelskreis befinden sich viele weiße Arbeiterfamilien in den USA – entfremdet von der politischen Führung, abgehängt vom Rest der Gesellschaft und damit anfällig für die einfachen Lösungen von Populisten. Früher konnten sich die „Hillbillys“, die weißen Fabrikarbeiter etwa aus Ohio oder Kentucky, erhoffen, kraft ihrer Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien auch die Arbeiterfamilien in eine Abwärtsspirale, aus der die meisten bis heute keinen Ausweg finden. J. D. Vance ist es anhand der Geschichte seiner Familie wie keinem anderen gelungen, diese ausweglose Situation und die Krise einer ganzen Gesellschaft eindrücklich zu schildern. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump."