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Mittwoch, 2. September 2026

Mbue, Imbolo "Das geträumte Land"

Mbue, Imbolo "Das geträumte Land" (Englisch: Behold the Dreamers) - 2016

Dies ist weniger ein Buch über Kamerun als vielmehr über Einwanderer in den USA. Zwar gibt es einige Passagen, die von Kamerun handeln, doch der Großteil der "Handlung" spielt in New York City.

Es ist interessant, den Vergleich zwischen einer Einwandererfamilie zu sehen – die in ihrer Heimat nichts besaß – und einem US-Amerikaner, der alles hat, dessen Leben jedoch völlig zerbricht, als er seinen Arbeitsplatz verliert (bzw. seine Firma Konkurs anmeldet). Es zeigt, wie sie mit den Problemen umgehen, denen sie gegenüberstehen.

Dies wäre ein hervorragendes Buch für einen Lesekreis. Wollen wirklich alle nach Amerika kommen? Werden Frauen in den beiden Kulturen tatsächlich so unterschiedlich behandelt? Und wie steht es um die Kinder? Ja – großartige Themen für eine Diskussion.

Die Charaktere waren sehr gut gezeichnet; einige von ihnen schloss man schnell ins Herz, andere weniger. Es dürfte wohl niemanden überraschen, dass ich die afrikanischen Figuren bevorzugte – doch ich frage mich, wie sich wohl jeder Einzelne von ihnen verhalten hätte, wäre er in der jeweils anderen Kultur geboren worden …

Dies war zwar ein Debütroman, doch ich hoffe sehr, dass Imbole Mbue noch weitere Bücher schreiben wird.

Buchbeschreibung:

"Jende Jonga, ein in New York lebender kamerunischer Einwanderer, ist auf der Suche nach einem besseren Leben für sich, seine Frau Neni und den sechsjährigen Sohn in die USA gekommen. Jende kann sein Glück kaum fassen, als er im Herbst 2007 den Job als Fahrer von Clark Edwards ergattert, einem leitenden Manager bei Lehman Brothers. Clark verlangt Pünktlichkeit, Diskretion und Loyalität – und Jende will um jeden Preis gefallen. Clarks Ehefrau Cindy bietet Neni sogar an, in den Ferien im Sommerhaus der Edwards in den Hamptons als Nanny zu arbeiten. Endlich können Jende und Neni in Amerika Fuß fassen, sie malen sich ihre Zukunft in den buntesten Farben aus. Doch die Welt der Mächtigen und Reichen birgt verstörende Geheimnisse, und schon bald entdecken Jende und Neni feine Risse in der Fassade ihrer Arbeitgeber. Als der Zusammenbruch der Lehman Brothers die Finanzwelt erschüttert, versuchen die Jongas verzweifelt, Jendes Job zu retten – auch um den Preis ihrer Ehe. Das Leben der beiden Paare wird dramatisch auf den Kopf gestellt: Jende und Neni sehen sich gezwungen, eine unmögliche Entscheidung zu treffen."

Dienstag, 11. August 2026

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle"

Wroblewski, David "Die Geschichte von Edgar Sawtelle" (Englisch: The Story of Edgar Sawtelle) - 2008

Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, dachte ich, es handele sich ausschließlich um einen Jungen, der ohne Stimme geboren wurde, und/oder um Hunde. Denn genau diesen Eindruck gewinnt man zunächst. Doch je länger ich weiterlas, desto vertrauter erschien mir die Geschichte. Hätte ich mir die Namen etwas genauer angesehen, hätte ich vielleicht sofort erraten, dass es sich hierbei um eine moderne Nacherzählung des Hamlet (Hamlet) handelt.

Eine interessante Geschichte – und genauso spannend wie das Original. Ich bin kein großer Tierliebhaber; ich habe zwar nichts gegen Tiere, gerate aber auch nicht gleich in helle Begeisterung, wenn ich eines sehe – weshalb diese Geschichte meiner Meinung nach auch ohne all die Hunde hätte erzählt werden können.

Wie dem auch sei: Ich ziehe Jane Smileys moderne "König Lear"-Adaption (Tausend Morgen/A Thousand Acres) diesem Buch hier vor; doch alles in allem ist es nicht schlecht.

Buchbeschreibung:

"Immer schon hat Edgar eine besonders enge Beziehung zu den Hunden gehabt, die seine Eltern auf ihrer Farm züchten. Nun ist er auf die Hilfe der Tiere angewiesen, als er eines Tages gezwungen ist, zu fliehen – vor seinem finsteren Onkel Claude. Edgar ist überzeugt davon, dass Claude seinen Vater ermordet hat …

Eine mitreißende Familiengeschichte und ein Abenteuerroman, der den dramatischen Kampf eines Jungen ums Überleben in der Wildnis vor einer atemberaubenden Landschaftskulisse schildert.

Edgar wächst auf einer abgelegenen Farm in Wisconsin auf, wo seine Eltern Gar und Trudy eine Hundezucht betreiben. Den hochsensiblen 14-Jährigen, der stumm zur Welt kam, verbindet eine enge Freundschaft mit den Tieren; die Hündin Almondine, seine treueste Kameradin, versteht sogar seine Zeichensprache. Eines Tages jedoch hat der Frieden ein Ende: Edgars Onkel Claude taucht auf und gerät wegen Erbstreitigkeiten mit Gar aneinander. Kurz darauf kommt Gar auf mysteriöse Weise ums Leben. Edgar ist überzeugt, dass Claude seinen Vater umgebracht hat, und flieht – nur begleitet von drei jungen Hunden, mit deren Hilfe er lernen muss, in der Wildnis zu überleben."

Freitag, 24. Juli 2026

Konar, Affinity "Mischling"

Konar, Affinity "Mischling" (Englisch: Mischling) - 2016

Diese Geschichte wird von den Zwillingen Pearl und Stasha erzählt, zwei jüdischen Mädchen, die in Auschwitz landen und in den "Zoo", die Versuchskammern von Josef Mengele, auch bekannt als "Todesengel", gebracht werden. Der Titel bezieht sich darauf, dass die Zwillinge einen jüdischen und einen arischen Elternteil hatten und daher als "Mischlinge" galten.

Dieser Roman beschreibt zweifellos einen der dunkelsten Aspekte eines Krieges, der so furchtbar war, dass er sich kaum in Worte fassen lässt.

Dies ist kein angenehmes Buch. Es gibt nichts Angenehmes in einer Welt, in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft als wertlos gelten und in der im Namen der Wissenschaft schreckliche Dinge an Kindern verübt werden. Das heißt aber nicht, dass solche Bücher nicht geschrieben und gelesen werden sollten. Nein, jeder sollte solche Bücher lesen. Wir alle sollten wissen, was geschehen ist, damit es nie wieder passiert. Nirgendwo. Davon sind wir noch weit entfernt. Gräueltaten geschehen überall auf der Welt, und solange Politiker mit rassistischen Äußerungen Stimmen gewinnen, steuern wir immer näher auf diese Realität zu.

Zurück zum Buch selbst: Es ist hervorragend geschrieben. Die Zwillinge erzählen ihre Geschichten, und wir erfahren die ganze Tragweite ihres Schicksals. Und auch das Schicksal vieler anderer Menschen, die den Krieg überlebten oder darin verschwanden. Ein absolut lesenswertes Buch. Ja, das Thema ist verstörend, aber Unwissenheit darüber lässt es nicht verschwinden, als wäre es nie geschehen.

Buchbeschreibung:

"Eine Seele in zwei Körpern – Perle und Stasia sind zwölf und unzertrennlich, als sie 1944 deportiert werden. Doktor Mengele sucht eineiige Zwillinge für seinen 'Zoo'. Um zu überleben, flüchten sich die Geschwister in magische Welten, schmeicheln sich sogar beim Arzt ein. Doch eines Tages, kurz vor der Befreiung, verschwindet Perle und ein unheilbarer Riss geht durch Stasia. Zusammen mit Feliks, einem weiteren Opfer Mengeles, reist sie durch die verwüsteten Landschaften Polens auf der Suche nach ihrer Schwester. In der eindringlichen Sprache eines Märchens behauptet Affinity Konars 'Mischling' noch im Abgrund des Grauens die Kraft der Fantasie, des Widerstands und der Hoffnung.."

Donnerstag, 9. Juli 2026

Cousins, Dave "Fünfzehn kopflose Tage"

Cousins, Dave "Fünfzehn kopflose Tage" (Englisch: 15 Days without a Head) - 2012

Ein weiteres Buch, das mir eine Freundin geliehen hat. Ich hätte es wahrscheinlich nie in die Hand genommen, es wirkt mir zu kindisch. Aber: Es ist ein brillantes Buch. Herzzerreißend und wunderschön zugleich. Eine alkoholkranke Mutter ist so verzweifelt, dass sie ihren Teenager-Sohn und seinen sechsjährigen Bruder allein zurücklässt. Keine Adresse, niemand, der sich um sie kümmern könnte, kein Geld, nichts.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Mutter oder den kleinen Bruder mögen könnte. Laurence, der arme Kerl, muss sich sowohl um die alkoholkranke Mutter als auch um seinen kleinen Bruder kümmern, der alles andere als pflegeleicht ist. Als die Mutter verschwindet, will er nicht, dass die Kinder in verschiedenen Heimen landen, also tut er so, als wäre alles in Ordnung.

Wie gesagt, Menschen wie die Mutter machen mich wütend! Sie hat zwei Kinder und kümmert sich nicht um sie. Egal welche Ausrede man hat, egal wie verzweifelt man ist, man lässt seine Kinder nicht im Stich. Was wäre, wenn Laurence auch so ein Kind wäre, das keine Verantwortung übernehmen kann? Bei so einer Mutter ist das durchaus nachvollziehbar. Zum Glück ist er es nicht. Er und all die anderen Kinder in ähnlichen Situationen tun mir wirklich leid. Die Mutter hat sie nicht verdient. Das ist meine Meinung, und dabei bleibe ich.

Es gab einige lustige Szenen im Buch, die es zeitweise erträglich machten. Nur mal so als Beispiel: Im Tagebuch werden die Wochentage folgendermaßen aufgelistet (keine Ahnung, ob sie in dem Buch so übersetzt wurden, die englischen Originalwörter stehen unter meiner Übersetzung):

Dienstag, Wanntag, Trübtag, Lügentag, Da-lang, Irgendwann, Zwischentag, Fälligkeitstag, Endtag, Dieser Tag, Schreckenstag, Fetzentag, Elendstag, Nichttag, Weltuntergangstag, Wahnsinnstag, Heute
(Tuesday, Whensday, Blursday, Lieday, Thataway, Someday, Meanday, Duesday, Endsday, Thisday, Frightday, Tattersday, Slumday, Noneday, Doomsday, Madnesday, Today)

Buchbeschreibung:

"Wie weit kann man gehen, um die eigene Familie zusammenzuhalten? Laurence, 15 Jahre alt, geht jedenfalls ziemlich weit und manövriert sich dabei in eine Reihe grotesk-komischer Situationen – nicht zuletzt, weil sein kleiner Bruder fest davon überzeugt ist, ein bissiger Hund zu sein … Laurence Roach wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, doch das ist schwer, wenn die Mutter eine depressive Alkoholikerin ist. Als sie eines Abends nicht mehr nach Hause kommt, erzählt er niemandem davon – aus Angst, er und sein Bruder Jay müssten sonst in Pflegefamilien. Er täuscht vor, seine Mutter sei noch da, zieht sich ihre Kleider an und verstrickt sich immer mehr in ein Netz aus Lügen. Abend für Abend schleicht er zudem in die Telefonzelle und gibt sich in der Live-Sendung des lokalen Radiosenders für seinen verstorbenen Vater aus, um seinen geheimen Traum zu verwirklichen. Nach zwei Wochen, in denen sich die beiden Brüder mit einem Minimum an Geld und Essen durchschlagen, entdeckt Laurence endlich eine Spur von seiner Mutter. Aber jetzt fangen die Schwierigkeiten erst richtig an."

Montag, 6. Juli 2026

Barrie, J.M. "Peter Pan" - 1904

Barrie, J.M. "Peter Pan" (Englisch: Peter Pan) - 1904

Die Buchbeschreibung beginnt mit Peter Pan und seiner "irritierenden Feenfreundin". Das lässt sich auch über das gesamte Buch sagen. Während des Lesens dachte ich: "Ja, das ist wieder so ein Kinderbuch, vorwiegend für Jungen, und ich bin eigentlich schon zu alt für solche Geschichten." In der deutschen Beschreibung heißt es allerdings, das Buch sei ursprünglich für Erwachsene geschrieben worden.

Nun ja, nicht mein Fall. Die Geschichte wird auch mit "Alice im Wunderland" verglichen. Außerdem muss ich sagen, dass diese beiden meine am wenigsten geschätzten Disney-Filme waren. Und soweit ich mich erinnere, konnten meine Kinder ihnen auch nicht viel abgewinnen. Das Einzige, was mir an dem Film gefällt, ist das Krokodil. LOL

Warum hat es mir also nicht gefallen? Ich bin kein großer Fan von Fantasy, und für mich fällt das in diese Kategorie. Zudem mag ich es nicht, wenn Kinder als die größten Helden dargestellt werden und alles besser wissen als die Erwachsenen. Das hat mir schon als Kind nicht gefallen, und das tut es auch heute nicht.

Aber einigen Mitgliedern des Buchclubs hat es wirklich gut gefallen, daher war es ein Erfolg in der Gruppe. Hier sind einige Anmerkungen dazu:

"Das Buch hat mir aufgrund seiner Sprache und seiner Leichtigkeit sehr gefallen – es war eine wunderbare Sommerlektüre; ich konnte meinen kritischen Verstand einfach einmal ausschalten und die Geschichten ganz unbeschwert genießen.

Ich war begeistert, dass das Buch die Gruppe wirklich spaltete; viele stimmten Marianne in ihrer Einschätzung des Buches und der Figur Peter zu. Dies führte zu einer hervorragenden Diskussion, die weit über das hinausging, was wir uns bei der Auswahl des Buches vorgestellt hatten. Da das Werk ursprünglich aufgrund kontroverser Studien zur Figur Peter Pan vorgeschlagen worden war, hätte uns diese Reaktion eigentlich nicht überraschen dürfen.

Während einige Mitglieder den Roman wegen seiner Fantasie, seines Humors und seines Schreibstils sehr schätzten, empfanden andere zumindest Teile davon als fesselnd, auch wenn sie keinen rechten Zugang zur Geschichte fanden. Die Meinungen waren insgesamt geteilt. Einige Mitglieder vergaben eher schlechte Noten, während andere sich im Mittelfeld bewegten. Manche taten sich schwer mit der episodischen Struktur und vermissten eine klare, durchgehende Handlung – was womöglich auf den Ursprung des Buches zurückzuführen ist, das aus Geschichten entstand, die Barrie für die Kinder von Freunden improvisiert hatte. Andere wiederum konnten mit der Fantasiewelt wenig anfangen und empfanden Peter und Tinker Bell eher als nervig denn als liebenswert.

Eine unserer längsten Diskussionen drehte sich um Peter selbst. Anstatt ihn als charmanten Helden zu sehen, fielen vielen von uns eher seine dunkleren Seiten auf: sein Egoismus, seine emotionale Unreife, seine Vergesslichkeit und seine Unfähigkeit, dauerhafte Beziehungen einzugehen. Dies führte zu einem Gespräch darüber, wie sich einige dieser Eigenschaften auch bei Menschen im echten Leben und sogar bei bestimmten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wiederfinden lassen.

Viele Mitglieder waren zudem überrascht, wie brutal und kompromisslos der Roman sein konnte – besonders angesichts seines Rufs als Kinderbuchklassiker. Zunächst erörterten wir, wofür Nimmerland stehen könnte, bevor wir über Captain Hook und die Bedeutung der Piraten in der Geschichte sprachen. Wir diskutierten, warum Piraten auf die Leser zu Barries Zeit eine so große Faszination ausübten, welche Rolle die Loyalität zur Krone spielte und wie diese Themen bei der Erstveröffentlichung des Buches wohl aufgefasst wurden.

Ein Thema war die Darstellung von Frauen und Kindern im Roman, insbesondere inwieweit sie die damaligen Werte widerspiegelten. Die Eltern – vor allem der Vater – wurden als überzeichnete Karikaturen wahrgenommen, wobei auch darüber diskutiert wurde, ob dies tatsächlich die Haltung der britischen oberen Mittelschicht jener Zeit widerspiegelt. Zudem wurde erwähnt, dass Hunde im echten Leben bisweilen eine ähnliche Rolle als 'Kindermädchen' spielten, was der Figur der Nana eine weitere Facette verleiht.

Wir sprachen auch über Barries Leben und dessen Einfluss auf den Roman. Wir erörterten den Tod seines älteren Bruders, als Barrie sechs Jahre alt war – ein Ereignis, das sein Schreiben und seine Vorstellungen von der ewigen Kindheit möglicherweise geprägt hat. Auch die Beweggründe für die Entstehung von Peter Pan kamen zur Sprache, etwa die Frage, ob das Werk als Satire für Erwachsene gedacht war. Viele der Abenteuer entstanden ursprünglich aus Geschichten, die er für die Kinder von Freunden improvisiert hatte; dies erklärt womöglich, warum der Roman so episodisch wirkt.

Unabhängig davon, ob den Mitgliedern das Buch gefiel oder nicht, herrschte Einigkeit darüber, dass Peter Pan weitaus komplexer ist, als es sein Ruf vermuten lässt. Die meisten von uns waren mit der Erwartung einer eher schlichten Fantasy-Geschichte in die Diskussion gegangen, befassten sich dann aber mit weitaus mehr Themen als gedacht – von Peters Persönlichkeit und Barries Leben bis hin zu Piraten, Symbolik und der Gesellschaft, in der der Roman entstand.

Wie so oft in unseren Gesprächen suchten wir auch nach Verbindungen zu anderen Büchern, die wir bereits gelesen haben. Diesmal kamen "Alice im Wunderland" (das wir schon gemeinsam gelesen hatten) sowie Astrid Lindgrens Kinderbücher und "Die Schatzinsel" zur Sprache."

Danke an Karin, unsere Gruppenleiterin, für diesen Bericht.

Und noch ein Kommentar:

"Was für ein Vergnügen, Peter Pan wiederzulesen, ein Buch, das mich mein ganzes Leben lang begleitet hat. Es hat mich durch meine Abenteuerlust in der Kindheit geführt, durch das Aufkommen der zweiten Welle des Feminismus in meiner Jugend, durch das später wachsende Bewusstsein der Kanadier für Rassismus gegenüber indigenen Völkern, durch die Begeisterung für meine eigenen Kinder und in letzter Zeit durch die Einsicht in die Charaktere jener, die so viel Einfluss auf die Welt ausüben. Es war immer eine Herausforderung für mich, die kulturellen Widersprüche in diesem geliebten Buch zu akzeptieren, das mit mir aufgewachsen ist, auch wenn Peter es nicht war. Nun zerfällt mein Buch, aber es offenbart immer wieder Neues. Diese jüngste Lektüre hat mir Barries differenzierte Kommentare und Haltungen nähergebracht. Ich glaube, er hatte ein viel tieferes Verständnis für Vorurteile und kulturelle Stereotypen."

In letzter Zeit war ich mit der Auswahl unseres Online-Lesekreises nicht besonders zufrieden; ich hoffe, das bessert sich bald. Ich weiß, dass unsere Gruppe andere Bücher auswählt als andere Buchclubs, aber genau das macht den Reiz aus: Ich habe einige interessante Werke entdeckt, auf die ich ohne diese Gruppe nie gestoßen wäre.

Wir haben dies im Juni 2026 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Peter Pan, die Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden wollte – ursprünglich für Erwachsene geschrieben – ist heute einer der großen Klassiker der Kinderbuchliteratur. Generationen von Lesern haben begeistert die Abenteuer des fliegenden Jungen verfolgt, der Wendy und ihre Brüder mit nach Nimmerland nimmt, wo sie gemeinsam gegen den bösen Kapitän Hook kämpfen."

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel"

Stevenson, Robert Louis "Die Schatzinsel" (Englisch: Treasure Island) - 1881/82

Ich habe dieses Buch noch nie zuvor gelesen. Ich habe auch keine der vielen Verfilmungen gesehen, kannte aber viele der Figuren, insbesondere Jim Hawkins, Captain Flint und den gleichnamigen Papagei, Long John Silver – also die Hauptfiguren.

Ich würde es nicht als Kinderbuch bezeichnen. Kinder können es zwar lesen, aber die Geschichte ist auch für Erwachsene spannend. Es ist sehr aufregend, man muss mitraten, was als Nächstes passiert, und liegt dabei nicht immer richtig.

Hätte mich vorher jemand gefragt, ob mir das Buch gefallen würde, hätte ich es sicher nicht gewusst. Aber es hat mir wirklich gut gefallen. Es ist voller Drama und Action. Wenn ihr also Klassiker nicht mit zu viel Romantik mögt, ist dieses Buch vielleicht genau das Richtige für euch. Ein echter Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Die abenteuerliche Geschichte des Jungen Jim Hawkins, der durch Zufall in den Besitz einer Karte gerät, auf der die sagenhaften Schätze des Piratenkapitäns Flint auf einer fernen Insel verzeichnet sind. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Gutsbesitzer Trelawney und dem Arzt Doktor Livesey bricht Jim auf, um die Schatzinsel zu finden. Doch auch einige Piraten aus Flints früherer Mannschaft, allen voran der skrupellose Schiffskoch John Silver, haben von der Karte erfahren und setzen alles daran, in den Besitzer des Schatzes zu gelangen."

Carroll, Lewis "Alice im Wunderland"

Carroll, Lewis "Alice im Wunderland" (Englisch: Alice's Adventures in Wonderland) - 1865

Als unsere Söhne noch klein waren, haben wir uns gemeinsam mit ihnen alle damals verfügbaren Zeichentrickfilme angesehen. Auch heute schaue ich mir noch einige davon an, wenn sie interessant wirken; so liebe ich zum Beispiel "Oben" (Up) sehr – ein Film, der erst herauskam, als die Jungs längst aus dem Haus waren.

Ich mochte sie alle. Bis auf einen. Ich nehme an, ihr könnt es euchdenken. Ja, es war "Alice im Wunderland". Es ist einfach nicht mein Fall; für meinen Geschmack ist es zu skurril. Als Tim Burton daraus einen Film machte, dachte ich: "Na klar, das passt – solche Filme mag ich ohnehin nicht." Doch dann beschloss unser Lesekreis, das Buch zu lesen, und ich dachte mir: "Okay, ich gebe ihm noch eine letzte Chance. Vielleicht gefällt mir ja die Geschichte in Buchform."

Das Ergebnis ist jedoch, dass ich noch verwirrter bin als nach dem Zeichentrickfilm. Ich finde das Ganze einfach zu aberwitzig. Außerdem mochte ich Alice nicht – und auch keine der anderen Figuren in der Geschichte. Nein, das ist nichts für mich. Vielleicht ist das anders, wenn man es als Kind liest, aber ich habe viele Kinderbücher erst als Erwachsene gelesen (hauptsächlich, weil Englisch nicht meine Muttersprache ist) und die meisten davon geliebt.

Zum Glück sehen das nicht alle so wie ich. Hier ist ein Kommentar eines unserer Lesekreis-Mitglieder:

"Ich war begeistert von der sehr komplexen Sprache, den Reimen, den Anspielungen auf reale Personen und Ereignisse sowie dem großartigen Humor. Wir hatten außerdem ein wirklich interessantes Gespräch über den Autor, sein Leben und seinen IQ, der höchstwahrscheinlich auf Mensa-Niveau lag."

Und noch eins:

"Als ich etwa acht Jahre alt war, las ich dieses Buch zum ersten Mal, und ich erinnere mich vor allem an das Gefühl der Beklemmung, das es in mir auslöste. Es schien, als könne Alice nichts richtig machen. Seither habe ich das Buch mehrmals gelesen, meist in einer kommentierten Ausgabe, die half, die Abenteuer besser zu verstehen.

Diesmal las ich eine sehr ausführlich kommentierte und illustrierte Fassung ('Alice's Adventures in Wonderland Decoded“'von David Day, 2015, Doubleday Canada, 289 Seiten). Der Autor erschließt Schicht um Schicht an Anspielungen und Bedeutungen, während er den Originaltext begleitet. Viele der Figuren sind satirische Abbilder von Persönlichkeiten aus dem viktorianischen England und der Universität Oxford – insbesondere der politischen Gegner von Charles Dodgson (Lewis Carroll) am Christ Church College. Einer dieser Gegner ist Alices Vater, Henry George Liddell, der Dekan von Christ Church; er wird als Herz-König dargestellt.

Es entsteht das Bild eines klugen, privilegierten, kleinlichen und eigennützigen Unsympathen. Zugleich wartet Dodgson mit wunderbaren Wortspielen auf und spielt mit Symbolik aus Religion, Kabbala, Rosenkreuzertum und Freimaurerei. Er hat eine Vorliebe für obskure mathematische Zusammenhänge. Er vergleicht den Saal im Wunderland mit der '
Great Hall' von Christ Church (bekannt auch als Vorbild für Hogwarts) sowie mit der Halle der Eingeweihten von Eleusis.

Auf einer bestimmten Ebene spiegeln Alices Abenteuer den Persephone-Mythos wider. Ich vermute, dass die anhaltende Faszination der Alice-Geschichten weniger in der Cleverness und Symbolik liegt als vielmehr in der zugrundeliegenden Geschichte von Wandlung und Selbstermächtigung. Ein mulmiges Gefühl bereitet es mir noch immer."

Wir haben dieses Buch im Dezember 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Folgen Sie Alice in eine verrückte Welt voller Nonsens und treffen Sie die Grinsekatze, den verrückten Hutmacher, den Märzhasen und viele andere skurrilen Gestalten mehr.

Alice im Wunderland ist ein erstmals 1865 erschienenes Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll. Die fiktive Welt, in der Alice im Wunderland angesiedelt ist, spielt in solch einer Weise mit Logik, dass sich die Erzählung unter Mathematikern und Kindern gleichermaßen großer Beliebtheit erfreut. Sie enthält zahlreiche satirische Anspielungen – nicht nur auf persönliche Freunde Carrolls, sondern auch auf die Schullektionen, die Kinder im England jener Zeit auswendig lernen mussten."

Mittwoch, 17. Juni 2026

Pagnol, Marcel "Jean de Florette"

Pagnol, Marcel "Jean de Florette" (Französisch: Jean de Florette, L'eau des collines #1) - Jean de Florette  - 1963

Dies war unsere Oktoberlektüre im Lesekreis, vorgeschlagen von unserem französischen Mitglied. Ein wirklich wertvoller Beitrag für unsere internationale Lesegruppe.

Ich habe den Film vor Jahren mit meinem Französisch-Konversationskurs gesehen und fand ihn recht interessant. Das Buch hat mir natürlich noch viel mehr Einblicke gegeben.

Es ist ein Buch über das Dorfleben und wie sehr die Dorfbewohner gegen jeden Neuankömmling zusammenhalten, wie sie fast wie Feinde behandelt werden, vielleicht sogar noch schlimmer. Ich habe das selbst erlebt und konnte mich daher sehr gut in die Geschichte hineinversetzen, in der Jean Cadoret einen Bauernhof erbt, die anderen Dorfbewohner ihn aber nicht dort haben wollen und alles tun, um seinen Erfolg zu verhindern.

Wir hatten eine interessante Diskussion über die unterschiedlichen Lebensweisen auf dem Land und in der Stadt, über die Vorurteile der Bewohner des einen gegenüber dem anderen und über die Sprachunterschiede, die damals sicherlich eine Rolle spielten.

Wir haben auch darüber gesprochen, wie viele kleine Dinge zu etwas Größerem führen. Das Buch bietet viel Gesprächsstoff.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch weil es mir die Gelegenheit gab, mein Französisch anzuwenden. Ich habe die Originalfassung gelesen.

Wir haben das im Oktober 2015 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Marcel Pagnol führt uns in eine Provence der rauen Sitten ein, wo der Zweck die Mittel heiligt. César und Ugolin akzeptieren nicht, dass Jean sich in ihrem Dorf niederlässt, und werden ihn um sein Hab und Gut bringen."

Donnerstag, 21. Mai 2026

Orsenna, Erik "Die Grammatik ist ein sanftes Lied"

Orsenna, Érik "Die Grammatik ist ein sanftes Lied" (Französisch: La grammaire est une chanson douce) - Grammar Is a Sweet, Gentle Song - 2001

Ein interessantes Buch. Ein ungewöhnliches Buch. Ein Grammatikbuch. Eine Geschichte.

Eine interessante Geschichte, die Grammatik nicht nur Kindern, sondern auch Französischlernenden erklärt. Ich kann die Übersetzung nicht beurteilen, da Grammatik nicht in jeder Sprache gleich ist.

Dennoch ist es eine wunderschön geschriebene Geschichte über zwei Kinder, die ihre Muttersprache neu entdecken. Viele Wortspiele, viele Hintergrundinformationen. Mir hat das Buch gefallen und ich empfehle es jedem, der sich für Sprachen interessiert. Eine sehr kreative und fantasievolle Geschichte mit wunderschönen Illustrationen.

Ich habe das Buch im französischen Original gelesen.

Buchbeschreibung:

"Die 10-jährige Französin Jeanne hat einen streitbaren Namen. Wie Jeanne d'Arc eben, oder jene Jeanne die Axt, die gegen Karl den Kühnen zu Felde zog. Und streitbar ist auch Die Grammatik ist ein sanftes Lied des französischen Autors Erik Orsenna, dessen deutsche Ausgabe von Wolf Erlbruch großartig illustriert worden ist. Um nichts weniger geht es als um die Rettung der Liebe zur Sprache und ihrer zauberhaften Gesetze. Dies begreift Jeanne, als sie bei einer Reise über den Atlantik mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Thomas auf einer Insel strandet, in der neben Menschen auch Wörter hausen. Jeanne und Thomas haben ihre Sprache verloren und müssen sie neu erlernen -- und finden auf dem Eiland überaus kompetente Lehrmeister dazu.

Die Franzosen haben seit jeher ein besonderes Verhältnis zu ihrer Muttersprache, um deren Erhalt sich der Staat in besonderem Maße gewappnet hat. So war es offenbar das besondere Ansinnen Erik Orsennas, auch kleine Französinnen und Franzosen zur nationalen Sprachliebe zu erziehen.
Die Grammatik ist ein sanftes Lied ist stark von diesem Geist geprägt. Aber Sprachliebe ist ja nicht verwerflich. Und auch jenseits didaktischer Impulse ist Orsennas Buch überaus lesenswert. Ein besonderes Lob ist dabei vor allem auch der Übersetzerin Caroline Vollmann auszusprechen, die den Text nicht nur adäquat und flüssig ins Deutsche übertragen, sondern ihn auch an die Eigenheiten der heimischen Grammatik angepasst hat. Und das ergab in manchen Passagen fast schon wieder ein neues Buch."

Mittwoch, 20. Mai 2026

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen"

Doerr, Anthony "Alles Licht, das wir nicht sehen" (Englisch: All the Light We Cannot See) - 2014

In den letzten Jahren habe ich die jeweils neuesten Pulitzerpreisträger (deutsche Beschreibungen hier) gelesen und war meist sehr angetan. Deshalb musste ich auch dieses Buch lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Anthony Doerr ist es gelungen, eine ganz besondere Kriegsgeschichte zu schreiben – eine Geschichte über die einfachen Leute auf beiden Seiten des Krieges, über diejenigen, die kaum etwas zu sagen hatten zu dem, was ihnen widerfuhr, und die den höchsten Preis zahlten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Waisenjungen und eines blinden französischen Mädchens, die beide unter den Folgen des Krieges leiden, die wahrscheinlich noch nicht einmal zur Schule gingen, als die Wahl in Deutschland über ihr Schicksal entschied, und die den höchsten Preis dafür zahlen mussten.

Die Geschichte ist fesselnd, der Schreibstil sorgfältig und zugleich wunderschön, die Charaktere werden liebevoll beschrieben. Dies ist eines jener Bücher, die man am liebsten langsam lesen möchte, weil man hofft, dass es nie endet. Denn obwohl man auf ein gutes Ende hofft, fürchtet man gleichzeitig ein schlechtes.

Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses, denn sie könnten den Menschen von heute vermitteln, wie es gewesen sein mag, damals in Deutschland zu leben, dass nicht alle Deutschen Nazis waren und dass selbst diejenigen, die es waren, oft keine Wahl hatten.

Ein brillantes Buch, das ich jedem wärmstens empfehlen kann.

Buchbeschreibung:

"Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am 'Muséum National d’Histoire Naturelle' arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell der Hauptstadt, das er in Saint-Malo gebaut hat, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen."

Anthony Doerr erhielt 2016 den Pulitzer-Preis für "All the Light We Cannot See".

Es wurden auch einige Bücher erwähnt/gelesen.

Darwin, Charles "The Voyage of the 'Beagle'" - Die Fahrt der 'Beagle'
Hertz, Heinrich "The Principles of Mechanics" - Die Prinzipien der Mechanik
Verne, Jules "Around the World in Eighty Days" - Reise um die Welt in 80 Tagen
Verne, Jules "Twenty Thousand Leagues Under the Sea" - 20.000 Meilen under dem Meer

Samstag, 9. Mai 2026

Satrapi, Marjane "Persepolis. Kindheit und Jugendjahre"

Satrapi, Marjane "Persepolis. Eine Kindheit im Iran" (Französisch: Persepolis) - Persepolis. The Story of a Childhood - 2000 
Satrapi, Marjane "Persepolis. Jugendjahre" (Französisch: Persepolis. Vol. 2) - Persepolis. The Story of a Return - 2000 

Dies ist ein weiteres Buch aus der Goodreads-Gruppe "Our Shared Shelf". Und diesmal ein wirklich gutes.

Ich hätte nie gedacht, dass mir ein Comic (außer Astérix) so gut gefallen könnte. Es ist nicht einfach nur ein Comic, sondern eine Autobiografie, ein historischer Roman. Es erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das im Krieg aufwächst. Man kann sie mit Anne Frank oder Zlata Filipović vergleichen, die beide als Kinder Tagebücher schrieben und die Welt über die Gräueltaten in ihren Ländern informierten.

Marjane Satrapi ist genau so ein Kind. Sie wächst im Iran auf und muss mitansehen, wie ihre Welt zerbricht, wie alles, was sie kannte, getötet oder zerstört wird. Sie lernt, mit der Gefahr zu leben und ihre Gedanken vor den Menschen um sie herum zu verbergen, manchmal sogar vor ihren besten Freunden. Ihre Eltern schicken sie nach Österreich, wo sie ohne die Hilfe eines Erwachsenen mit verschiedenen Problemen zu kämpfen hat.

Im zweiten Band kehrt sie in den Iran zurück, in der Hoffnung, dort wieder ein besseres Leben zu finden, doch sie wird erneut in Aufruhr und Trauer gestürzt. Ich möchte euch nicht zu viel verraten, aber ihr könnt es überall lesen; die Autorin lebt inzwischen in Frankreich.

Das Schöne an dem Buch sind nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art, wie sie erzählt wird. Sie veranschaulicht die Geschichte in einfachen Zeichnungen, ohne sie auszuschmücken, und zeigt sie, wie sie ist/war. Sie erklärt die Hintergründe und versucht, uns die damaligen Verhältnisse verständlich zu machen.

Tolle Bücher! Ich hatte sie mir damals aus der Bibliothek ausgeliehen, aber ich will sie mir kaufen und an interessierte Freunde weitergeben. Denn wenn wir nicht aus solchen Geschichten lernen, werden wir es nie verstehen.

Bei meinen Recherchen – ja, die mache ich auch immer – bin ich auf ein sehr interessantes Video gestoßen, das 100 Jahre iranische Geschichte anhand von elf Frauenfrisuren erklärt. Schaut es euch an, es ist wirklich beeindruckend.

Einige Kommentare aus der Lesekriesdiskussion:

  • Es war eine erschreckende, aber sehr fesselnde Art, vom Aufwachsen in einem Kriegsgebiet und der anschließenden Ankunft in Europa zu erzählen.
  • Ich fühle mich durch die Lektüre um einiges klüger, und die Diskussion war sehr interessant.
  • Ich hoffe, das Comic wird in viele Sprachen übersetzt. Sie hat in Finnland Preise gewonnen, und ich konnte mich in allem wiedererkennen, was der Künstler über das Überleben und die Heilung nach einer Todesangst ausdrückte.
  • Das vollständige Werk "Persepolis" ist ein wunderbares und bewegendes Buch. Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen, die die Entwicklung eines jungen Mädchens vom Teenageralter zur jungen Frau so eindrücklich festhalten. Stellt euch sich vor, ihr wachst auf, während euer Zuhause von solch einem Umbruch erschüttert wird. Ich habe beim Lesen eine große Zuneigung und Bewunderung für Marji entwickelt. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Gefühl einer reichen, lebendigen und wunderschönen Kultur, die unter dem Schleier eines repressiven religiösen Regimes erstickt wird. So eindringlich.
Wir haben dies im Oktober 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"Im Jahr 1979 fegt die Iranische Revolution unter Ayatollah Chomeini den Schah von Persien vom Thron. Marjane ist zehn Jahre alt und das einzige Kind einer linksintellek­tuellen Familie aus dem Teheraner Bürgertum, die hofft, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Bald jedoch wachen Revolutionswächter über den Kopftuchzwang, und der Iran­-Irak­-Krieg bricht aus. Marjane lässt sich nicht unter­kriegen und rebelliert mit Kim-­Wilde-­Kassetten und Nike-­Turnschuhen. Zu ihrer eigenen Sicherheit wird sie von den Eltern als 14­Jährige allein nach Österreich geschickt. Doch mit der westlichen Lebensart kommt sie nicht zurecht und kehrt nach vier Jahren wieder in den Iran zurück."

und

"Ohne Integrität gegenüber sich selbst gibt es keine gesellschaftliche Integration! Sagt sich Marjane in Wien, wo sie von ihren Eltern am Ende des ersten Bandes hingeschickt wurde, um dem iranisch-irakischen Krieg zu entkommen. Doch nach vier Jahren Zerrissenheit zwischen Heimweh und europäischer Jugendkultur kehrt sie nach Teheran zurück, nachdem sie die letzten drei Monate in Wien als Obdachlose verbracht hatte. Doch im Iran gilt sie nun als dekadent und wird mit den täglichen Widerwärtigkeiten des islamischen Regimes konfrontiert. So beschliesst sie, nachdem sie Kunst studiert hatte und verheiratet gewesen war, Mann und Land zu verlassen, und zieht 1994 wieder nach Europa. Sie ist nirgendwo mehr zuhause."

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo"

Filipović, Zlata "Ich bin ein Mädchen aus Sarajewo" (Bosnisch: Zlatin dnevnik: otroštvo v obleganem Sarajevu) - Zlata's Diary: A Child's Life in Wartime Sarajevo - 1993

Ich hatte "Rose of Sarajevo" (nicht übersetzt: Die Rose von Sarajevo) von Ayşe Kulin gelesen und mich daran erinnert, dass ich dieses Buch schon immer lesen wollte. Mein Sohn hatte es in der Schule gelesen, und so war es auch bei uns zu Hause vorhanden. Kein langes Suchen in der Buchhandlung oder Warten, bis meine Bibliothek es über die Fernleihe gefunden hatte (was meine jetzige leider überhaupt nicht anbietet).

Es ist ein brillanter Bericht über den Krieg. Das Interessante daran ist, dass Zlata dieses Tagebuch vor dem Krieg begann. Damals war sie noch ein richtiges Mädchen und interessierte sich für all die Dinge, die Mädchen in ihrem Alter eben so interessieren. Wir können also miterleben, wie sich ihr Leben durch den Krieg verändert und wie sie sich nur noch fürs Überleben und die Beschaffung von Nahrung interessiert. Eine fantastische Art, der Welt zu zeigen, dass Krieg alles zerstört und vor allem die Unschuldigen bestraft, meist Frauen und Kinder. Ein Blick auf den Krieg durch die Augen eines Kindes.

Wie Anne Frank in "Tagebuch der Anne Frank" (The Diary of a Young Girl) gibt sie ihrem Tagebuch einen Namen (Mimmy), und wie bei Anne Frank finde ich, dass jeder dieses Buch lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Als Zlata mit elf Jahren beginnt, ein Tagebuch zu führen, ist die Welt noch in Ordnung. Sie ist eine gute Schülerin, nimmt Klavierunterricht und schwärmt für Madonna. Als der Bürgerkrieg ausbricht, ändert sich ihr Leben über Nacht: Männer tragen plötzlich Uniformen, Granaten explodieren auf den Straßen, die Schulen werden geschlossen. Strom, Gas und Wasser werden zu Mangelware. In ihrem bewegenden Tagebuch erzählt Zlata die Geschehnisse in Sarajevo aus der Sicht des Kindes, das nicht versteht, warum die Welt ringsum aus den Fugen gerät. Doch inmitten all des Grauens verliert sie nie die Hoffnung auf Frieden."

Freitag, 8. Mai 2026

Rawls, Wilson "Wo der rote Farn wächst"

Rawls, Wilson "Wo der rote Farn wächst" (Englisch: Where the Red Fern Grows) - 1961

Mein jüngster Sohn las dieses Buch in der dritten Klasse und es war lange Zeit sein Lieblingsbuch.

Ich habe meinen Sohn gefragt, ob er sich erinnern könne, warum er dieses Buch so sehr liebte. Wir sind weder Amerikaner noch große Tierliebhaber, und wir lebten auch nicht am Ende der Welt. Er meinte, es sei schon lange her, dass er es gelesen habe (klar, es muss mehr als 20 Jahre her sein), und er erinnere sich nur noch daran, dass es eine nette Geschichte gewesen sei.

Ich schätze, man muss ein Junge zwischen acht und zehn Jahren sein, um diese Geschichte wirklich zu lieben. Sie war gut geschrieben, aber ich war wohl etwas zu alt dafür.

Aber sie hat es verdient, ein Klassiker der Kinderliteratur zu sein – und zwar ein Klassiker für Kinder.

In deutsch gibt es diese Geschichte leider nur in einer übersetzten Form des Films. Aber es gibt hier eine nette Zusammenstellung mit Aktivitäten für Kinder auf deutsch.

Buchbeschreibung (übersetzt):

"Für Fans von Old Yeller und Shiloh ist Wo der rote Farn wächst ein geliebter Klassiker, der die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Hund einfängt. Diese Sonderausgabe enthält neues Material, darunter ein Vorwort der Newbery- und Printz-Preisträgerin Clare Vanderpool, einen Brief von Wilson Rawls an angehende Schriftsteller, ein neues Cover-Artwork und vieles mehr.

Billy träumt schon lange davon, nicht nur einen, sondern zwei Hunde zu besitzen. Als er endlich genug Geld für zwei Welpen – Old Dan und Little Ann – gespart hat, ist er überglücklich. Die Zeiten sind hart, aber gemeinsam werden sie die Hügel der Ozarks durchstreifen.

Schon bald sind Billy und seine Hunde das beste Jagdteam im Tal. Geschichten von ihren Erfolgen verbreiten sich in der ganzen Region, und die Kombination aus Old Dans Kraft, Little Anns Klugheit und Billys unbändigem Willen scheint unschlagbar. Doch eine Tragödie erwartet diese entschlossenen Jäger – die inzwischen Freunde geworden sind – und Billy lernt, dass aus Verzweiflung Hoffnung erwachsen kann."

Freitag, 1. Mai 2026

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" und "Sarah singt wie eine Lerche"

MacLachlan, Patricia "Ein Meer für Sarah" (Englisch: Sarah, Plain & Tall Series)

"Ein Meer für Sarah (Sarah, Plain & Tall) - 1986
"Sarah singt wie eine Lerche" (Skylark) - 1997
"Caleb's Story" - 2001
"More Perfect Than The Moon" - 2004
Leider wurden nur die beiden ersten Bücher ins Deutsche übersetzt.

Patricia MacLachlan hat eine schöne Geschichte über eine Familie im späten 19. Jahrhundert geschrieben. Sie müssen sich mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die das Leben in der amerikanischen Prärie zu jener Zeit mit sich bringt. Nachdem Annas Mutter bei ihrer Geburt stirbt, wachsen sie und ihr Bruder Caleb bei ihrem Vater in Kansas auf. Dieser schreibt an eine Heiratsvermittlung, und Sarah aus Maine antwortet. Sie kommt – zunächst auf Probe – zu ihnen.

Mir haben alle vier Bücher gefallen, und ich finde, sie sind schöne Lektüre. Sie sind zwar für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren gedacht, aber ich denke, sie eignen sich besonders für kleine Mädchen.

Die Geschichte wurde auch mit Glenn Close und Christopher Walken in den Hauptrollen verfilmt – eine wirklich gute Besetzung.

Buchbeschreibungen:

"Nachdem sie auf eine Heiratsanzeige geantwortet hat, zieht Sarah nach Kansas, um dort mit dem jungen Wittwer und dessen Kinder probeweise zu leben. Es fällt ihr nicht leicht, das Meer an der Ostküste zu verlassen, aber trotzdem möchte sie versuchen, den Kindern Anna und Caleb ein neues Zuhause zu geben. Nach zähem Ringen gewinnt sie langsam das Vertrauen der Kinder. Auch Jakob, der sich nach dem Tod seiner Frau stark zurückgezogen hat, öffnet sich langsam der neuen Beziehung zu Sarah."
(Ein Meer für Sarah)

"Aus Liebe zu ihrem Mann und seinen Kindern hat Sarah ihre geliebte Heimat verlassen. Aber als die große Dürre kommt, wird der Zusammenhalt der Familie auf eine harte Probe gestellt. Aber er erweist sich als stärker als die schlimmste Dürre."
(Sarah singt wie eine Lerche)

Dienstag, 28. April 2026

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte"

Setterfield, Diane "Die dreizehnte Geschichte" (Englisch: The Thirteenth Tale) - 2006

Margaret Lea ist Sachbuchautorin und hat bereits mehrere Biografien über verstorbene Persönlichkeiten verfasst. Nun erhält sie das Angebot, das Leben einer der berühmtesten, aber auch geheimnisvollsten Autorinnen Englands, Vida Winter, aufzuschreiben. Sie hat zwölf Geschichten über ihr Leben geschrieben, die allesamt fiktiver sind als ihre eigenen, die ich vermutlich nicht lesen möchte. Die Titel klingen zwar nach seichter Unterhaltungsliteratur, aber man muss die Geschichten nicht kennen, um "Die dreizehnte Geschichte" zu verstehen.

Die Autorin und ihre Biografin entdecken eine Gemeinsamkeit: Beide sind Zwillinge, und Margarets Mutter hat den Verlust ihrer Zwillingsschwester nur schwer verkraftet.

Während Margaret Vidas Lebensgeschichte lauscht, lernt sie nicht nur die Zwillinge Emmeline und Adeline und alle anderen Bewohner von Angelfield House kennen, sondern entdeckt auch viel über sich selbst und über die Geheimnisse, die Vida für sich behält. Am Ende wartet eine große Überraschung.

Das ist eine recht interessante Geschichte, auch wenn ich sie nicht als große Literatur bezeichnen würde. Aber sie liest sich gut.

Da beide Protagonisten gerne lesen, insbesondere Klassiker, werden viele davon erwähnt (deutsche Titel, wenn eine Übersetzung vorhanden ist):

Ainsworth, William Harrison "The Spectre Bride" (Die Geisterbraut" - in "Das Horrorkabinett/Ghost Stories: Erstübersetzung Band I")
Austen, Jane (deutsche Einträge) "Emma" (Emma) - 1816 (The Motherhood and Jane Austen)
- "Sense & Sensibility" (Verstand & Gefühl/Sinn & Sinnlichkeit) - 1811 (The Motherhood and Jane Austen
Braddon, Mary Elizabeth "Lady Audley's Secret" (Lady Audleys Geheimnis) - 1862
Brontë, Charlotte "Jane Eyre" (Jane Eyre- 1847
Conan Doyle, Sir Arthur "The Case-book of Sherlock Holmes" (Sherlock Holmes’ Buch der Fälle) - 1921-27
James, Henry "The Turn of the Screw" (as Durchdrehen der Schraube) - 1898
Kingsley, Charles "The Water Babies" (Die Wasserkinder) - 1862-63
Stevenson, Robert Louis "Dr. Jekyll and Mr. Hide" (Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde) - 1850-94
Trollope, Anthony "The Eustace Diamonds" - 1873
Walpole, Horace "The Castle of Otranto" (Das Schloss von Otranto) - 1764

Auch wenn ich nicht alle gelesen habe, würde ich die übrigen Bücher lieber lesen als jedes der Bücher, die (laut Coverbild) von Vida Winter "geschrieben" wurden:
Das Puppentheater (The Puppet Show)
Regeln des Leidens (Rules of Affliction)
Das Geburtstagskind (The Birthday Girl)
(13) Geschichten von Wandel und Verzweiflung (Tales of Change and Desperation)
Spuk (Hauntings)
Zweimal ist für immer (Twice is Forever)
Zwischen den Welten (Betwixt and Between)
Aus dem Bogen (Out of the Arc)
(Ich habe keine deutschen Titel im Internet gefunden, daher sind die deutschen Titel von mir übersetzt.)

Buchbeschreibung:

"Sie gilt als Englands beliebteste Schriftstellerin, und doch weiß keiner, wer Vida Winter wirklich ist. Ihr ganzes Leben lang hat sie Stillschweigen darüber bewahrt, was damals, in jener Nacht vor rund sechzig Jahren, wirklich geschah, als der Familiensitz der Angelfields bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Nun, dem Tode nah, erleichtert Vida Winter erstmals ihr Gewissen und gesteht die schockie-rende Wahrheit über sich und ihre Zwillingsschwester.
"

Als Margaret Miss Winter in ihrem Schlafzimmer besucht, entdeckt sie ein Bild, über das sie sprechen. Es heißt "Dickens' Dream" (Dickens' Traum) und wurde von Robert W. Buss gemalt.
Weitere (englische) Informationen findet ihr auf diesen Seiten:
Dickens' Picture by Robert W. Buss
"Dickens' Dream"
Robert Williams Buss 

Freitag, 24. April 2026

Hugo, Victor "Die Elenden"

Hugo, Victor "Die Elenden" (Französisch: Les Misérables) - Les Misérables - 1862

Was für eine Geschichte! "Les Misérables – die Elenden". Und elend sind sie wahrlich. Jemand stiehlt ein Brot, weil Kinder hungern, und muss dafür sein Leben lang büßen! Eine andere tut nichts Falsches, zumindest nicht nach heutigen Maßstäben, und wird trotzdem bestraft. Nur weil sie arm ist.

Und das ist das Verbrechen all dieser elenden Gestalten. Sie sind arm. Ihr Schicksal ist schon vor ihrer Geburt besiegelt, und sie können nichts dagegen tun.

Oder etwa doch? In Zeiten wie diesen ist es kein Wunder, dass die Menschen sich nach einer Revolution sehnen und alles tun würden, um ihrer Hölle auf Erden zu entkommen. Sogar töten.

Ich habe keine Ahnung, warum ich das nie zuvor gelesen habe. Ich muss einfach sagen, dass ich es von Anfang bis Ende geliebt habe. Die Handlung war spannend, man wollte immer wissen, wie es weitergeht. Die Charaktere waren so lebendig und detailreich beschrieben, jeder einzelne von ihnen so authentisch, als wäre er direkt aus dem Buch gesprungen. Ich war so froh, dass es ein so langes Buch war (über tausend Seiten, was für eine Geschichte!), denn so musste ich mich nicht so schnell verabschieden. Dadurch erstreckt es sich über die Leben mehrerer Protagonisten.

Dieses Buch möchte man am liebsten sofort wieder von vorne lesen, sobald man es aus der Hand gelegt hat. Ein wahrer Klassiker.

Buchbeschreibung:

"Nach neunzehn Jahren Haft kehrt Jean Valjean nach Frankreich zurück. Ein freundlicher Bischof nimmt ihn auf und hält sogar noch zu ihm, als er selbst von ihm bestohlen wird. Dankbar beschließt Valjean, nunmehr anständig zu leben. Er verschafft sich eine neue Identität, wird reich und unterstützt Arme und Entrechtete. Alles setzt er daran, die todkranke Arbeiterin Fantine und ihre kleine Tochter Cosette zu retten. Da holt ihn seine Vergangenheit ein. 'Die Elenden' ist unter dem Originaltitel 'Les Misérables' auch als Film und Musical sehr bekannt. Victor Hugo hat sein leidenschaftliches Plädoyer für Humanität in ein gewaltiges Epos gefasst."

Mittwoch, 22. April 2026

Burnett, Frances Hodgson "Der geheime Garten"

Burnett, Frances Hodgson "Der geheime Garten" (Englisch: The Secret Garden) - 1911

Nachdem ich "Die Tochter des Uhrmachers" (The Clockmaker's Daughter) gelesen hatte, las ich eine Rezension meiner treuen Blogfreundin Judy von "Keep the Wisdom" über "Der verborgene Garten" (The Forgotten Garden) dieser Autorin, Kate Morton.

Im Gespräch über dieses Buch musste ich gestehen, dass ich "Der geheime Garten" als Kind nie gelesen hatte, wahrscheinlich weil es in Deutschland nicht so bekannt war wie im englischsprachigen Raum.

Warum das so war … keine Ahnung. Es ist ein wunderschönes Buch. Ich weiß, ich hätte es als Kind geliebt, wahrscheinlich sogar noch mehr als heute.

Es erzählt, wie wichtig es für Kinder ist, die Natur zu lieben, Zeit mit anderen Kindern zu verbringen und geliebt zu werden. Selbst wenn es nur von einem kleinen Rotkehlchen ist.

Ich stimme Martha und Dickons Mutter, Susan Sowerby, vollkommen zu, die sagt: "Zwei Dinge können einem Kind nichts Schlimmeres passieren: dass es nie seinen Willen bekommt – oder dass es ihn immer bekommt." Letzteres ist sogar noch schlimmer als Ersteres, denn es gibt keinen Grund, warum man einem Kind immer nachgeben sollte. Sie werfen noch Wutanfälle wie Dreijährige, selbst mit über neunzig. Sie scheint sowieso ihr Leben im Griff zu haben. Ich glaube, sie war meine Lieblingsfigur im ganzen Roman.

In dieser Geschichte muss ein arrogantes junges Mädchen, das in Indien aufgewachsen ist, zu ihrem Onkel und ihrem ebenso arroganten Cousin ziehen. Nur durch die Entdeckung eines geheimen Gartens entwickeln sie sich zu liebenswerten Kindern. Wäre es nicht schön, wenn alle Kinder diese Chance bekämen?

Die einzige Geschichte von Frances Hodgson Burnett, die ich kenne, ist "Der kleine Lord" (Little Lord Fauntleroy), weil sie wunderschön verfilmt wurde und jedes Jahr zu Weihnachten im deutschen Fernsehen läuft. Natürlich gibt es sie jetzt auf DVD, sodass wir die Originalfassung ohne Synchronisation sehen können.

Ich erinnere mich auch an eine Verfilmung von "Sara, die kleine Prinzessin" (A Little Princess), die vor vielen Jahren lief.

Es sieht so aus, als ob ich diese beiden Bücher auch mal lesen sollte.

Buchbeschreibung:

"Nachdem die zehnjährige Mary Lennox, Tochter eines englischen Kolonialbeamten in Indien, ihre Eltern verloren hat, wird sie zu ihrem Onkel nach England geschickt, der in einem riesigen Herrenhaus am Rand eines ausgedehnten Moores residiert. Dem verwöhnten, eigensinnigen Mädchen fällt es nicht leicht, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Das ändert sich, als Mary ihren gleichaltrigen Cousin Colin kennenlernt, der an einer mysteriösen Krankheit leidet und deshalb von seinem Vater versteckt gehalten wird. Gemeinsam entdecken und erobern die beiden Kinder die rätselhafte und verwunschene Welt eines geheimen Gartens, den jahrelang niemand mehr betreten hat. Hier, inmitten der Pflanzen und Tiere, in engem Kontakt mit der Natur, gelingt es den beiden verzogenen, durch ihre soziale Umwelt geschädigten jungen Menschen, eine neue, positive Einstellung zum Leben und zu sich selbst zu finden, ihr Anspruchsdenken, ihre Überheblichkeit und Ichbezogenheit aufzugeben. Dieser international beliebte Kinderbuch-Klassiker ist bezaubernd jung geblieben."

Freitag, 17. April 2026

de Brunhoff, Jean "Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten"

de Brunhoff, Jean "Die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten" (Französisch: Histoire de Babar le petit éléphant) - The Story of Babar - 1934

Ich erinnere mich, wie mein kleiner Bruder Babar, den Elefanten, im Fernsehen sah. Und da er mittlerweile über 50 ist, ist das schon eine Ewigkeit her. Meine Söhne liebten Babar, Céleste und ihre Familie ebenfalls, sowohl im Fernsehen als auch in ihren Büchern.

Mir ist aufgefallen, dass ich nie über Babar geschrieben habe, obwohl Elefanten meine absoluten Lieblingstiere sind. Aber da wir jedes Jahr über "Paris in July" schreiben, war das die perfekte Gelegenheit, ihn denen vorzustellen, die noch nie von ihm gehört haben – auch wenn ich bezweifle, dass es viele sind.

Also, Babar ist ein Elefant. Seine Mutter wird im Dschungel getötet, und so kommt er in die Stadt. Jean de Brunhoffs Frau Cécile erzählte ihren Kindern diese Geschichten über einen Elefanten in der Stadt.

Wie bei so vielen anderen Büchern (besonders Kinderbüchern) hat sich das Cover im Laufe der Zeit stark verändert (siehe die Collage oben), aber die Zeichnungen sind immer gleich geblieben.

Leider starb der Autor mit nur 37 Jahren an Tuberkulose. Er konnte also nicht alle seine vielen Bücher über "seinen" Elefanten schreiben. Hier ist eine Liste:

Die Geschichte von Babar (Histoire de Babar) – 1934
Babars Reisen (Le Voyage de Babar) – 1934
Babar der König (Babar the King) – 1935
Babars ABC (L'ABC de Babar) – 1936
Zephirs Ferien und Babars Freund Zephir (Les vacances de Zéphir) – 1937
Babar und seine Kinder (Babar en famille) – 1938
Babar und der Weihnachtsmann (Babar et le père Noël) – 1940

Sein Sohn Laurent führte jedoch die Geschichten fort, er lernte, den Elefanten genauso zu zeichnen wie sein Vater, und so konnten Babar und seine Familie noch viele weitere Abenteuer erleben. Auf diese Weise lässt sich kaum noch erkennen, welche Geschichte vom Vater und welche vom Sohn stammt.

Babars Cousin: Dieser Schlingel Arthur (Babar et ce coquin d'Arthur) – 1946
Babars Picknick (Pique-nique chez Babar) – 1949
Babars Besuch auf der Vogelinsel (Babar dans l'île aux oiseaux) – 1952
Babar und der Zirkus (Babar au cirque)
Babars Jahrmarkt (La fête de Célesteville) – 1954
Babar und der Professor (Babar et le professeur Grifaton) – 1956
Babars Schloss (Le Château de Babar) – 1961
Babars Englischunterricht (Je parle anglais avec Babar) – 1963
Babar kommt nach Amerika (Babar en Amérique) – 1965
Babar in New York (Babar à New York) - 1966
Babars Deutschunterricht (Je parle allemand avec Babar) – 1966
Babars Spanischunterricht (Je parle espagnole avec Babar) – 1966
Babars Geburtstagsüberraschung (L'anniversaire de Babar) – 1972
Babar besucht einen Planeten (Babar sur la planète mole) – 1974
Babar und der Wully-Wully (Babar et le Wouly-Wouly) – 1977
Babars Geheimnis (Babar et les quatre voleurs) – 1979
Babar und der Geist (Babar et le fantôme) – 1981
Babar und sein kleines Mädchen (Babar et sa fille Isabelle) – 1988
Babars Schlacht (La victoire de Babar) – 1992
Babars Rettung (Babar et la cité perdue) – 1995
Babar und der Succotash-Vogel (Babar et l'oiseau magicien) – 2000
Babars Yoga für Elefanten (Babar: le yoga des éléphants) – 2002
Babars Kunstmuseum (Le musée de Babar) – 2003
Babars Welttournee (Le tour du monde de Babar) – 2005
Babars Celesteville-Spiele (Coup de foudre aux Jeux de Célesteville) – 2011
Babars Reiseführer für Paris (Babar à Paris) – 2017
Babar besucht einen Planeten (Babar sur la planète mole) – 1974
Babar und der Wully-Wully (Babar et le Wouly-Wouly) – 1977
Babars Geheimnis (Babar et les quatre voleurs) – 1979
Babar und der Geist (Babar et le fantôme) – 1981
Babar und sein kleines Mädchen (Babar et sa fille Isabelle) – 1988
Babars Schlacht (La victoire de Babar) – 1992
Babars Rettung (Babar et la cité perdue) – 1995
Babar und der Succotash-Vogel (Babar et l'oiseau magicien) – 2000
Babars Yoga für Elefanten (Babar: le yoga des éléphants) – 2002
Babars Kunstmuseum (Le musée de Babar) – 2003
Babars Welttournee (Le tour du monde de Babar) – 2005
Babars Celesteville-Spiele (Coup de foudre aux Jeux de Célesteville) – 2011
Babars Reiseführer für Paris (Babar à Paris) – 2017

Ich habe diese Titel ins Deutsche übersetzt, weiß aber nicht, ob sie alle auch so herausgegeben wurden. Falls jemand mehr weiß oder eine gute Seite mit allen Titeln findet, sagt mir bitte Bescheid. Ich werde die Liste gerne korrigieren.

Ich habe einige weitere englische Titel gefunden, denen ich keine französischen Originale zuordnen konnte. Ich gehe davon aus, dass es sie gibt, aber die Seiten sind nicht immer optimal, da es sich um verschiedene Übersetzungen handelt, und selbst Goodreads listet nicht alle auf.

Lauthals (A tue-tete) - 1957
Serafina die Giraffe – 1961
Serafinas Glücksfund – 1962
Kapitänin Serafina – 1963
Anatole und sein Esel – 1963
Babars Französischunterreicht – 1963
Babar lernt kochen – 1967
Babar verliert seine Krone – 1967
Babars Spiele – 1968
Babar geht Skifahren –
Babars Mondreise – 1969
Babars Rüssel – 1969
Gregory und die Schildkröte im Tal der Musikbäume – 1971
Babars anderer Rüssel – 1971
Babar besucht einen anderen Planeten – 1972
Lerne Babar und seine Familie kennen – 1973
Babars Bücherbus – 1974
Bonhomme und das riesige Biest – 1974
Babar rettet den Tag – 1976
Das eine Schwein mit Hörnern – 1979
Babar der Zauberer – 1980
Babars kleine Bibliothek – 1980
Babars Jubiläumsalbum – 1981
Babars ABC – 1983
Babars Farbenbuch – 1984
Babars Zählbuch – 1986
Weihnachten mit Babar und Baby Isabelle 1987
Babars Abenteuer, Kalender für 1988
Babars kleiner Zirkusstar, 1988
Babar in Hollywood, Kalender für 1990/89
Babars ereignisreiches Jahr, 1989
Babar in der Geschichte, Kalender für 1991/90
Isabelles neue Freundin, 1990
Babar geht zur Schule, 2003
Babar in den USA, 2008
Babar und seine Familie (Adaption von "Babar und seine Familie", 1973), 2012
B wie Babar: Ein ABC-Buch (Adaption von "Babars ABC", 1983), 2012
Babar und das neue Baby (Adaption von "Babars kleines Mädchen", 1987), 2013
Die Insel des Paradises (L'Île du Paradis), 2014

Viel Spaß! mit der Elefantenfamilie.

Buchbeschreibung:

"Als Babar noch ein kleiner Elefant ist, verliert er seine Mutter und kommt in die Stadt. Dort trifft er die alte Dame, die ihm alle seine Wünsche erfüllt, er lernt rechnen, autofahren und hat viele Freunde. Doch plötzlich bekommt er Heimweh - und dann kann ihn alles Glück nicht mehr in der Stadt halten..."

Donnerstag, 16. April 2026

Brizuela, Leopoldo "Nacht über Lissabon"

Brizuela, Leopoldo "Nacht über Lissabon" (Portugiesisch: Lisboa. Un melodrama) - Nacht über Lissabon - 2010 

Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen. Eine interessante Geschichte über Flüchtlinge in Lissabon, dem letzten Ort in Europa, von dem sie hoffen, fliehen zu können. Die Geschichte ist so chaotisch wie die letzten Tage für die Menschen, die aus allen Gesellschaftsschichten kamen – aus den oberen und unteren Schichten. Eine Geschichte wie in "Casablanca".

Ich hoffe, dies wird bald in weitere Sprachen übersetzt.

Buchbeschreibung:

"Lissabon in einer Novembernacht 1942. Die Stadt ist der letzte Rückzugsort für die Verfolgten des Nazi-Regimes. Hier im Hafen, der Rettung verspricht, liegt die Boa Esperança, das Schiff, das in Richtung Freiheit ablegen wird. Die Stadt gleicht einem Pulverfaß. Es brodelt vor Unruhe und Angst, es wimmelt von Spionen und Diplomaten in geheimer Mission, von verzweifelten Flüchtlingen aus ganz Europa. In dieser angespannten Lage kreuzen sich die Schicksale ganz unterschiedlicher Menschen. Und je tiefer es in die Nacht geht, desto mehr verstricken sie sich in politischen und erotischen Verwicklungen. Als auf der Boa Esperança eine Bombe explodiert, überstürzen sich die Ereignisse … Ein packendes Bild eines dramatischen Augenblicks der Geschichte – begleitet vom Herzschlag des Tangos und des Fados."

Mittwoch, 15. April 2026

Bridwell, Norman "Samson, der große rote Hund"

Bridwell, Norman "Clifford, der große rote Hund" (auch "Samson") (Englisch: Clifford) (Serie) - 1963-2015

Mein jüngster Sohn liebte Clifford, den großen roten Hund. Clifford ist riesig, größer als ein Haus. Er ist der beste Freund von Emily Elizabeth, einem kleinen Mädchen, das uns seine Geschichten erzählt.

Es gibt ungefähr 80 Geschichten, 80 Mal können kleine Kinder über die besondere Freundschaft zwischen einem Hund und seinem kleinen Mädchen lesen und über die Abenteuer, die sie gemeinsam erleben.

Ich werde hier nicht alle Titel nennen, die kann man online finden, sondern nur ein paar, die wir gerne zusammen gelesen haben. (Ich weiß allerdings nicht, ob sie alle ins Deutsche übersetzt wurden, habe einfach die englischen Titel übersetzt.)

Die Reihe war so erfolgreich, dass der amerikanische Kinderbuchverlag ihn zu seinem Maskottchen machte. Schließlich hat er ihnen geholfen, zu dem großen Unternehmen zu werden, das er heute ist. Sie verkaufen ihre Ausgaben in Schulen zu einem recht günstigen Preis. Ich hatte das Glück, an der internationalen Schule, die meine Söhne besuchten, dabei helfen zu können.

Clifford, the Big Red - Dog Clifford, der große rote Hund
Clifford's ABC - Cliffords ABC
Clifford's Christmas - Cliffords Weihnachten
Clifford's Happy Days: A Pop-Up Book - Cliffords glückliche Tage: Ein Pop-up-Buch
Clifford's Word Book - Cliffords Wörterbuch
Clifford the Firehouse Dog - Clifford, der Feuerwehrhund
Clifford and the Big Storm - Clifford und der große Sturm
Clifford Makes a Friend - Clifford findet einen Freund
Clifford to the Rescue - Clifford eilt zur Hilfe

Ob eure Kinder einen Hund haben oder nicht (meine hatten keinen), sie werden diese Geschichten lieben.

Buchbeschreibung:

"Triff Emily Elizabeth und ihren Hund, Clifford. Clifford ist groß. Clifford ist rot. Aber vor allem weiß Clifford, wie man ein guter Freund ist. Der Bilderbuchklassiker nun erstmals auf Deutsch!"