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Freitag, 17. Juli 2026

Maalouf, Amin "Samarkand"

Maalouf, Amin "Samarkand" (Französisch: Samarcande) - Samarkand - 1988

Viele Wörter klingen für mich wie das Paradies, wie traumhafte Worte, die mich an einen magischen Ort entführen, wie aus Tausendundeiner Nacht: Samarkand ist so ein Beispiel. Denkt man dabei nicht sofort an Moscheen und Minarette, orientalische Märkte und blau gekachelte Häuser?

"Samarkand" stammt aus der Feder des im Libanon geborenen französischen Autors Amin Maalouf, dessen Werke auf Französisch verfasst sind. Viele seiner Texte wurden jedoch übersetzt.

Dieser Roman führt uns vom Leben des Dichters, Mathematikers und Astronomen Omar Khayyám und seiner Gedichtsammlung Rubaiyat im Samarkand des 11. Jahrhunderts bis zur Reise der fiktiven Figur Benjamin O. Lesage auf der Titanic im Jahr 1912. Ich hatte noch nie von Omar Khayyám gehört und freute mich sehr, nicht nur etwas über seine Dichtung, sondern vor allem über sein Leben und das seiner Zeitgenossen in einer Region zu erfahren, die mir und den meisten Europäern damals genauso unbekannt war wie heute. Ich habe einiges über die persische und islamische Geschichte gelernt.

Eine sehr gut geschriebene Darstellung eines äußerst interessanten Themas. Ich habe dieses Buch geliebt.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Karte im Anhang, auf der alle Namen dieser fernen Orte verzeichnet waren.

Buchbeschreibung:

"Samarkand im 11. Jahrhundert: Der bedeutendste Philosoph, Mathematiker und Astronom des Orients, Omar Khajjam, wird als Ungläubiger verfolgt. Seine geheimen und gefährlichen Gedanken hat er im Rubaijat niedergeschrieben, doch die wertvolle Handschrift ist verschollen. Erst Jahrhunderte später taucht sie auf rätselhafte Weise auf der Titanic auf …

Amin Maalouf entfaltet die exotische, fremde Welt des Orients und erzählt vom abenteuerlichen Leben des sagenumwobenen Gelehrten, von dessen Verstrickungen in die Macht, von seiner Liebe zu der schönen Dichterin Dschahane – und verfolgt den wundersamen Weg der geheimnisvollen Schrift bis ins 20. Jahrhundert.
"

Donnerstag, 8. Mai 2025

Schami, Rafik "Der erste Ritt durchs Nadelöhr"

Schami, Rafik "Der erste Ritt durchs Nadelöhr" [The first ride through the eye of the needle] - 1988

Ein Buch das sich liest wie die Märchen aus 1001 Nacht. Nur, dass es hier lediglich 10 Geschichten sind, die würden also nicht so lange reichen. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht, diese teils orientalischen, teils westlichen Märchen zu lesen.

Ich hatte dieses Buch in einem Gebrauchtbuchverkauf gefunden und mich sehr gefreut, dass es vom Autor signiert worden war.

Buchbeschreibung:

"Rafik Schami erzählt in seinen Geschichten gerne von Geistern, Königen, Riesen und sprechenden Tieren und Pflanzen. Doch das ist nur die eine Seite. Denn neben den altgewohnten Märchenfiguren begegnen wir auch dem Zahnarzt, dem kleinen Mädchen von nebenan und dem fremdländischen schwarzäugigen Knaben, die aus ihren Alltag heraus eine Reise in das Reich des Phantastischen antreten."

Montag, 1. Juli 2024

Ahmad, Aeham "Und die Vögel werden singen"

  

Ahmad, Aeham "Und die Vögel werden singen. Ich, der Pianist aus den Trümmern" - The Pianist from Syria - 2017

Ich habe etliche Bücher über Palästinenser in Israel gelesen (siehe hier und hier), aber ich glaube, dies ist mein erstes Buch über Palästinenser in Syrien und wie sehr der Krieg sie beeinflusst hat.

Was für eine tragische, was für eine traurige Geschichte. Der Autor wuchs als Sohn palästinensischer Flüchtlinge in Syrien auf. Sein Vater ist blind, versucht aber alles für seinen Sohn zu tun, damit er eine bessere Zukunft haben kann, als ihm gegeben wurde.

Leider sollte das nicht sein. Der syrische Bürgerkrieg begann 2011, als Aeham Ahmad gerade 22 war. Ich verglich sein Leben immer wieder mit dem meines Sohnes, der nur ein Jahr jünger ist als er. Wir zogen mit ihm von einem Land ins nächste und es gab immer eine Schule, medizinische Versorgung, Freizeiteinrichtungen, Musiklehrer, Sportgruppen, die Pfadfinder usw. Alles, was wir für ihn und seinen jüngeren Bruder wollten, war da.

Nicht so für die Menschen in Syrien, insbesondere nicht für die palästinensischen Flüchtlinge, die in einem Teil von Damaskus, dem Lager Yarmouk, zusammengepfercht waren, den zu verlassen extrem schwer, wenn nicht unmöglich war.

Am Ende konnte Aeham Ahmad aus Syrien fliehen und hatte großes Glück, dass seine Familie ihm innerhalb eines Jahres folgen konnte. Viele hatten nicht so viel Glück. Ich fürchte um sie alle.

Die Memoiren sind sehr gut geschrieben, der Autor erhielt etwas Hilfe, aber man kann seine Stimme hören, seine Verzweiflung über alles, was ihm und seinen Freunden widerfahren ist. Mir gefiel wirklich, wie er erwähnte, dass die Deutschen so unglaublich nett zu ihm waren und ihm, seiner Familie und seinen Freunden geholfen haben. Wie meine Familie und ich haben die meisten unserer Freunde immer gesagt, dass wir so viel wie möglich helfen müssen. Dies ist eine persönliche Geschichte, die hoffentlich jedem klar macht, dass dies Menschen wie du und ich sind, die dieselben Bedürfnisse, Wünsche, Hoffnungen und Träume haben. Wir können alle für eine bessere Zukunft arbeiten, indem wir zusammenhalten.

Buchbeschreibung:

"Der 'Pianist aus den Trümmern' erzählt seine Geschichte erstmals selbst: Aeham Ahmads Buch 'Und die Vögel werden singen. Ich, der Pianist aus den Trümmern' ist ein zutiefst beeindruckendes Zeugnis von Widerstand und Zuversicht. Ein junger Mann spielt Klavier inmitten der Bombenkrater. Für seine Nachbarn, vor allem für die Kinder, um sie von den Schrecken des Krieges abzulenken. Über YouTube hat sein Spiel Menschen auf der ganzen Welt erreicht und bewegt. Nun erzählt Aeham Ahmad seine ganze Geschichte. Von seiner behüteten Kindheit in einem noch friedlichen Syrien, von seinem blinden Vater, dem Instrumentenbauer, von seinen Freunden Mahmoud und Meras, mit denen er durch die Straßen von Damaskus zieht. Doch er erzählt auch von den Anfängen der Rebellion, dem Beginn des schrecklichen Krieges und von seiner lebensgefährlichen Flucht nach Deutschland, das ihm zur neuen Heimat werden muss. Und immer wieder ist es seine Musik, die andere Menschen getröstet, ermutigt und ihm selbst buchstäblich das Leben gerettet hat."

Dienstag, 14. März 2023

Tannous, Samer; Hachmöller, Gerd "Kommt ein Syrer nach Rotenburg"

Tannous, Samer; Hachmöller, Gerd "Kommt ein Syrer nach Rotenburg (Wümme): Versuche, meine neue deutsche Heimat zu verstehen" [When a Syrian comes to Rotenburg (Wümme): Trying to understand my new German homeland] - 2020

Ab und zu gibt es bei uns im Ort interessante Vorlesungen von Schriftstellern. So war letzte Woche eine angekündigt von den beiden Autoren Samer Tannous und Gerd Hachmöller. Hörte sich sehr interessant and und ich habe auch gleich Tickets für eine Freundin und mich besorgt.

Leider, leider war ich aber total krank an dem Tag und konnte nicht teilnehmen. Aber ich hatte vorher das Buch gelesen, daher kann ich wenigstens darüber etwas erzählen.

Es handelt sich hier mehr oder weniger um mehrere Artikel, die in einer Tageszeitung erschienen sind und mache Themen werden öfter angesprochen. Aber ich fand das Buch trotzdem sehr interessant, erzählt es uns doch von unserem Land aus der Sicht eines hierher Geflüchteten. Und wir kommen gar nicht mal so schlecht dabei weg.

Zum Teil sind die Beschreibungen echt komisch, vor allem, wenn es um Missverständnisse zwischen den Kulturen geht. Aber im Großen und Ganzen freue ich mich, dass Samer Tannous und seine Familie in Deutschland "gut angekommen" sind.

Viele der Dinge, die Samer Tannous in Deutschland aufgefallen sind, konnte ich gut nachvollziehen, da ich ja dreißig Jahre im Ausland gelebt habe. Und auch, wenn Belgien, England und die Niederlande Deutschland von außen her recht ähnlich sind, findet man doch immer wieder Dinge, über die man sich wundert.

Wie muss es da einem Araber gehen, der sozusagen aus einer ganz anderen Welt kommt?

Ja, das beschreibt Samer Tannous sehr gut. Wie er langsam gelernt hat, warum die Deutschen bestimmte Dinge tun oder lassen. Wie unterschiedlich Gepflogenheiten sein können. Wenn einem in Deutschland etwas zu essen angeboten wird und man lehnt ab, dann war es das. In Syrien ist es unhöflich, gleich zuzugreifen. So kann man leicht aneinander vorbeireden. Auch die Zeitangaben können leicht zu Missverständnissen führen. Wenn bei uns 8 Uhr gesagt wird, meint man auch 8 Uhr und nicht irgendwann danach. Hier hat er ein paar gute und zum Teil sehr lustige Beispiele gebracht. Zum Beispiel auch, wie verwirrt er am Anfang war, wie wir uns begrüßen. Wem gibt man die Hand, wen nimmt man in den Arm? Wen duzt und wen siezt man? Kann ich mir gut vorstellen.

In einem kann ich Samer Tannous aber nicht zustimmen. Er erzählt, wie zufrieden er mit der Deutschen Bahn ist und wie wir Deutschen doch zu sehr darüber meckern. Na ja, er wohnt an einer vielbefahrenen Strecke, bei der die Bahn offensichtlich meistens recht pünktlich ist. Bei uns ist das leider nicht so. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass der Zug, den man bucht, auch wirklich einigermaßen pünktlich ankommt. Wenn unsere Söhne uns besuchen, sind sie schon froh, wenn der Zug überhaupt fährt. Dass er dann so pünktlich ankommt, dass sie den Anschlusszug erreichen, passiert so gut wie nie. Und wenn man dann für eine Strecke, für die man mit dem Auto etwa vier Stunden braucht, zwölf unterwegs ist, kann man nicht mehr wirklich sagen, dass das ja alles nicht so schlimm ist. Und wenn man nicht zu einer üblichen Zeit irgendwo in der Stadt mit der Arbeit anfängt (z.B. wenn man im Krankenhaus arbeitet, um sechs Uhr morgens anfangen muss und es vom Bahnhof aus keinen Bus dahin gibt), kann man die öffentlichen Verkehrsmittel auch ganz vergessen, da fahren die nämlich nicht.

Aber es freut mich, dass der Autor eine gute Verbindung hat und annimmt, dass das im Rest des Landes dann wohl auch so sein muss (wie es die meisten Städter ja auch vermuten).

Aber ansonsten war das Buch sehr humorvoll aber auch anregend. Wenn wir uns alle bemühen, ein wenig mehr auf unsere neuen Mitbürger zuzugehen, könnte das Leben so schön und einfach sein. Die Geschichten der beiden Autoren könnten sehr dazu beitragen. Man versteht viele Unterschiede und weiß, dass manches absolut nicht böse gemeint ist sondern einfach auf der anderen Kultur beruht.

Es wird uns auch ein Spiegel vorgehalten, so dass wir selbst merken können, was wir einfach automatisch tun und was wir vielleicht ein wenig ändern könnten, um Neulinge willkommen zu heißen. Leider fürchte ich, werden nur Menschen dieses Buch lesen, die die anderen auch verstehen wollen, die aktiv an einer Integration mitarbeiten wollen.

Insgesamt, ist der Blick des Autoren auf Deutschland jedoch sehr positiv, positiver als ich es vielleicht selbst sehen würde. Das lässt doch hoffen.

Buchbeschreibung:

"Samer Tannous kam 2015 mit seiner Familie aus Damaskus und lebt seitdem im beschaulichen Städtchen Rotenburg an der Wümme. Dass das Leben in Deutschland deutlich anders sein würde als in der syrischen Heimat, darauf war Tannous vorbereitet. Aber wie vielfältig die kleinen und die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Arabern und Deutschen sind, das erstaunt ihn immer wieder. Anknüpfend an alltägliche Beobachtungen und Begegnungen hat er kurz nach seiner Ankunft begonnen, gemeinsam mit Gerd Hachmöller seine Gedanken über die neue Heimat in Deutschland aufzuschreiben. Die Kolumne, die aus diesen Texten hervorging, hat deutschlandweit viele Fans - auch weil es Tannous und Hachmöller immer wieder gelingt, die mitunter seltsamen Eigenheiten der Deutschen ebenso treffend wie warmherzig einzufangen."

Dienstag, 11. Oktober 2022

Schami, Rafik "Eine deutsche Leidenschafts names Nudelsalat"

Schami, Rafik "Eine deutsche Leidenschafts names Nudelsalat: und andere seltsame Geschichten" [A German Passion Called Noodle Salad: and Other Strange Stories] - 2011

Rafik Schami ist ein ausgezeichneter Schriftsteller. Seine Gabe, Menschen zu beobachten und ihre kleinen und großen Eigenarten und Macken widerzugeben, ist einmalig.

Ich bin ja kein Fan von Kurzgeschichten, aber wenn sie solche lustigen und interssante Einblicke in das Leben anderer (oder auch uns) geben, kann man das mal übersehen.

Ich teile diese Leidenschaft für Nudelsalat übrigens nicht. Ich liebe Salat aber er sollte zum größten Teil aus Salat, also Grünzeug, Gemüse bestehen. Sobald mehr als die Hälfte Nudeln sind und der Rest eine pampige Mayonnaisemasse mit Fleisch ist, ist es für mich kein Salat mehr. Bin ich jetzt nicht deutsch?

Buchbeschreibung:

"Seit beinahe vierzig Jahren lebt Rafik Schami nun schon in Deutschland, seinen staunenden und kritischen Blick auf den deutschen Alltag hat er dabei nicht verloren. Unnachahmlich charmant erzählt er in den teilweise erstmals veröffentlichten Erzählungen aus den Jahren 1990 bis 2010 von den Deutschen und ihren sprachlichen Eigenheiten, wundert sich über die unerschütterliche Konsequenz, mit der deutsche Gäste bei Einladungen selbst gemachten Nudelsalat mitbringen, muss erfahren, dass ein Kaufhaus kein Basar ist, verrät, warum er kein Amerikaner wurde, und schließt - beinahe - Freundschaft mit der sprechenden Stubenfliege Subabe."

Samstag, 17. September 2022

Schami, Rafik "Die dunkle Seite der Liebe"

 

Schami, Rafik "Die dunkle Seite der Liebe" - The Dark Side of Love - 2004

Rafik Schami ist es gelungen, mit nur drei seiner Bücher auf meine Liste der absoluten Lieblingsautoren zu kommen. Zum Glück hat er viel mehr geschrieben, also freue ich mich auf weitere großartige Romane.

Rafik Schami hat einmal gesagt, man könne die Geschichte und Gegenwart der Araber ohne das Liebesverbot nicht verstehen. Und mit diesem Buch hat er uns ein hervorragendes Beispiel gegeben und hilft uns hoffentlich dabei, einander besser zu verstehen. Angeblich hat er 30 Jahre gebraucht, um dieses Buch zu schreiben. Gut investierte 30 Jahre, auch wenn dies sein einziges gewesen wäre.


Sein richtiger Name ist Suheil Fadél, sein Pseudonym bedeutet "Freund von Damaskus". Er floh 1970 aus seiner Heimat und ließ sich in Deutschland nieder, wo er noch heute lebt. Alle seine Bücher sind in deutscher Sprache verfasst. Dieses Buch ist leicht autobiografisch.

Dies ist die Geschichte von Farid Mushtak, der 1940 in Syrien als Sohn einer syrisch-christlichen Familie (wie der Autor) geboren wurde. Sein Vater ist Bäcker - wie der des Autoren …

Dies ist die Geschichte von Farids Liebe zu Rana Shahin, einer Liebe, die nicht sein kann, weil ihre Familien Erzfeinde sind.

Dies ist die Geschichte der Familien Mushtak und Shahin, die sich schon so lange verfeindet haben, dass sich kaum noch jemand daran erinnert, wie alles begann.


Dies ist die Geschichte von Damaskus, der Hauptstadt Syriens, einer Stadt, die lange Zeit schwierige Zeiten durchgemacht hat.

Und schließlich ist dies die Geschichte Syriens und seiner Geschichte. Viele Informationen, besonders wenn man noch nie ein Buch über dieses Land gelesen hat.

Das Buch hat ungefähr 1.000 Seiten, aber am Ende denkt man, das war viel zu kurz, hätte doppelt so lang sein können. Es ist einfach so genial!

Buchbeschreibung:

"In seinem opulenten Geschichtenmosaik erzählt Rafik Schami von einer Liebe, die nicht sein darf, von Blutrache, Stammesfehden und Familienzwist, und spannt dabei einen orientalisch-bunten Bilderbogen über ein Jahrhundert syrischer Geschichte, in dem Politik und Religionen ein Volk nicht zur Ruhe kommen lassen. Ein Roman von ungeheurer Wucht und zugleich eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Damaskus."

Dienstag, 6. September 2022

Schami, Rafik "Das Geheimnis des Kalligraphen"

Schami, Rafik "Das Geheimnis des Kalligraphen" - The Calligrapher’s Secret - 2008

Wir hatten in unserem Lesekreis mal wieder ein deutsches Buch gelesen, geschrieben vom syrischen Autor Rafik Schami. Er kam mit 25 nach Deutschland und begann ein paar Jahre später, auf Deutsch zu schreiben. Sein ursprünglicher Name ist Suhail Fāḍil, sein Pseudonym bedeutet "Freund von Damaskus".

Einige von uns hatten das Buch im deutschen Original gelesen, andere in der Übersetzung ins Englische. Wir glauben, dass dies unsere Einstellung zum Buch beeinflusst haben könnte.

Ich finde es hervorragend. Es enthält viel Geschichte zur Kalligrafie und das war hochinteressant. Der Autor baut gerne Vorfreude auf, indem er vorher etwas verrät, was am Anfang nicht mein Ding war, aber es hat sehr gut funktioniert. Viele Details, man konnte sich die Szenen lebhaft vorstellen.

Obwohl die Geschichte interessant war und ich sie gerne gelesen habe, ist der "Anhang" über die Kalligraphie und die Geschichte mein Lieblingsteil. (Leider fehlte das in der englischen Version komplett!!!) Die Diskussion, ob die arabische Sprache Gottes Sprache ist und ihr nichts hinzuzufügen ist, ist durchaus ein Thema.

In Bezug auf die englische Version lautet der deutsche Buchumschlag: "Die bewegende Geschichte des Damaszener Kalligraphen Hamid Farsi, der den großen Traum einer Reform der arabischen Schrift verwirklichen will und nicht merkt, in welcher Gefahr er sich begibt." Der englische Buchumschlag beschreibt jedoch: "Even as a young man, Hamid Farsi is acclaimed as a master of the art of calligraphy. But as time goes by, he sees that weaknesses in the Arabic language and its script limit its uses in the modern world. In a secret society, he works out schemes for radical reform, never guessing what risks he is running. His beautiful wife, Noura, is ignorant of the great plans on her husband’s mind. She knows only his cold, avaricious side and so it is no wonder she feels flattered by the attentions of his amusing, lively young apprentice. And so begins a passionate love story of a Muslim woman and a Christian man." ("Als junger Mann gilt Hamid Farsi als Meister der Kalligrafiekunst, doch mit der Zeit erkennt er, dass die Schwächen der arabischen Sprache und ihrer Schrift ihre Verwendung in der modernen Welt einschränken, und arbeitet in einer Geheimgesellschaft Pläne für radikale Reformen aus, ohne zu ahnen, welche Risiken er eingeht. Seine schöne Frau Noura weiß nichts von den großen Plänen ihres Mannes. Sie kennt nur seine kalte, habgierige Seite, und so ist es kein Wunder, dass sie sich von den Aufmerksamkeiten seines amüsanten, lebhaften jungen Lehrlings geschmeichelt fühlt. Und so beginnt eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen einer muslimischen Frau und einem christlichen Mann.") Ein ziemlicher Unterschied, finden ihr nicht auch?

Das Problem dürfte, wie so oft, die Übersetzung sein. Während die deutschen Leser wussten, was auf sie zukam, warteten die englischen Leser darauf, dass die leidenschaftliche Liebesgeschichte einer muslimischen Frau und eines christlichen Mannes beginnt (was aber eher eine Nebengeschichte ist).

Aber selbst in der englischen Version konnte man die Poesie, die Schönheit der Worte erkennen. Aber es wirkte eher wie ein Reiseführer von Damaskus, eine Geschichte über die nächste gestapelt, zu viele Nebenhandlungen.

Wir glauben, dass die Geschichte eine Metapher für die Unmöglichkeit einer traditionellen islamischen Gesellschaft ist, in dieser heutigen Welt zu leben. Der Autor verwendet Kalligrafie, um den Fundamentalismus zu zeigen, um zu zeigen, dass dies im 20. Jahrhundert nicht funktionieren wird. Ein anderer Autor, der dies wunderbar macht, ist Orhan Pamuk, der 2006 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Eines meiner Lieblingsbücher von ihm ist "Rot ist mein Name" (
My Name is Red). Er hat ebenfalls eine sehr interessante Autobiografie geschrieben, die auch eine Ode an seine Heimatstadt ist: "Istanbul" (Istanbul. Memories and the City). Wir nehmen an, dass die Türken solche Probleme mit der Sprache vermieden haben, indem sie die lateinische Schreibweise eingeführt haben.

Einige Zitate, die ich sehr mochte:

"Gott hat die Gesichter erschaffen, damit wir sie sehen und erkennen. Das Herz macht fromm -, nicht der Schleier."

"Oft stand zur Tarnung über den erotischen Versen ein leicht lesbarer religiöser Spruch."

"Die Erde ist eine Hölle für Wissende, das Fegefeuer für Halbwissende und das Paradies nur für die Unwissenden."

Wir haben dies in unserem internationalen Lesekreis im April 2012 besprochen.

Buchumschlag:

"Die bewegende Geschichte des Damaszener Kalligraphen Hamid Farsi, der den großen Traum einer Reform der arabischen Schrift verwirklichen will und nicht merkt, in welcher Gefahr er sich begibt."

Mittwoch, 18. August 2021

Kaminer, Wladimir "Ausgerechnet Deutschland"

Kaminer, Wladimir "Ausgerechnet Deutschland. Geschichten unserer neuen Nachbarn" [Germany of all. Stories of our new neighbours] - 2018

Nachdem ich "Russendisko" von Waldimir Kaminer gelesen hatte, nahm ich mir fest vor, weitere Bücher dieses Autoren zu lesen. Aber wie das so ist, es gibt ja so viele Bücher, irgendwie blieb es bei dem Vorsatz.

Bis ich vor kurzem ein neues Buch fand, dessen Thema mich sehr interessierte. Wie geht es den Flüchtlingen in Deutschland und was sagen sie zu ihrer Gastheimat? Ich kenne einige persönlich und die sind auch sehr zufrieden, aber das muss ja nicht ei allen so sein.

Deshalb kam das Buch von dem russischen Autor, der seit Jahren in Deutschland lebt, sehr gelegen.

Der Autor beschreibt nicht nur seine verschiedenen Erfahrungen sondern auch die anderer Deutscher, die Tag für Tag mit Flüchtlingen, vornehmlich aus Syrien, zu tun haben.

Ein sehr interessantes, informatives Buch, absolut positiv mit viel Humor geschrieben.

Klappentext:

"Täglich beobachtet Wladimir Kaminer, wie der Zuzug von Flüchtlingen Deutschland verändert. Und wie das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Kulturen zahllose Geschichten hervorbringt. Diese erzählt Wladimir Kaminer voll Humor und echter Neugier, aber ohne falsches Pathos. Er berichtet vom syreralistischen Komitee zur Rettung der Welt, das in seinem Dorf in Brandenburg gegründet wurde; von einem Zuckerbäcker aus Damaskus, der mit seinen Kreationen auf Rügen scheitert, von schockierten muslimischen Asylbewerbern, die Wladimirs Sohn mit leckeren Schweineöhrchen beschenken will, oder von Syrern, die in Babelsberg als Komparsen für die Serie »Homeland« abgelehnt werden, weil Albaner »syrischer« aussehen als sie. Und am Ende fragt er: Haben wir es geschafft?"