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Freitag, 10. Februar 2023

Ondaatje, Michael "Anils Geist"

Ondaatje, Michael "Anils Geist" (Englisch: Anil's Ghost) - 2000

Bürgerkrieg in Sri Lanka, Menschenrechtsfragen, eine Geschichte von einfachen Menschen, Liebe, Familie, viel Geschichte in diesem Land.

Ich liebe Bücher über Geschichte und/oder Romane aus anderen Teilen dieser Welt. "Anils Geist" kombiniert beides. Die Sprache in diesem Buch ist wunderbar, ich könnte ewig so weiterlesen. Auch wenn die Geschichte nicht "nett" ist (angesichts des Themas), habe ich es wirklich genossen, sie zu lesen, die Charaktere kennenzulernen und mehr über die Geschichte dieses Landes zu erfahren, etwas, das in diesem Teil der Welt nicht so bekannt ist wie das von anderen. Ich vermute, Sri Lanka scheint vielen nicht wichtig genug zu sein.

Buchbeschreibung:

"Anil Tissera kehrt nach Jahren zurück in ihre Heimat Sri Lanka. Als Rechtsmedizinerin soll sie Beweise dafür liefern, dass in dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land nicht nur Rebellen Terror ausüben, sondern auch die Regierung. Es beginnt eine spannende Spurensuche, die ganz unterschiedliche Menschen zusammenführt. Sarath, der Archäologe, Ananda, der Künstler und Anil suchen jeder auf seine Weise nach der Wahrheit, der Liebe und nach der Ursache eines Verbrechens.
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In seinem Booker-Preis-gekrönten dritten Roman,
Der englische Patient, untersuchte Michael Ondaatje das Wesen der Liebe und des Betrugs vor dem Hintergrund des Krieges. Sein vierter, Anils Geist, spielt ebenfalls in einem Krieg, aber im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, ist der Feind im blutigen Konfessionskonflikt, der Sri Lanka in den Achtziger- und Neunzigerjahren auseinanderriss, nur schwer auszumachen. Die Protagonistin, Anil Tissera, verließ ihre Heimat Sri Lanka im Alter von 18 Jahren und kehrt nun 15 Jahre später als Mitglied einer internationalen Menschenrechts-Untersuchungsmission zurück. In den dazwischenliegenden Jahren machte sie Karriere als Kriminalanthropologin, ein Beruf, der sie zu den Killing Fields von Mittelamerika führte, wo sie die Opfer des schmutzigen Kriegs in Guatemala ausgrub. Nun ist sie mit einer ganz ähnlichen Mission nach Sri Lanka gekommen. Wie sie aber bald feststellt, gibt es zwischen den beiden Aufträgen grundlegende Unterschiede.

Die Leichen tauchen hier wöchentlich auf. Der Höhepunkt des Terrors fand in den Jahren 1988-89 statt, aber er fing natürlich schon lange vorher an. Beide Seiten töteten und vertuschten. Dies war ein inoffizieller Krieg, und keiner wollte es sich im Ausland verscherzen. Es lief also alles über Geheimkommandos und -gangs ab. Anders als in Mittelamerika, tötete hier die Regierung nicht direkt.

In einer solchen Situation ist es nicht leicht zu erkennen, wem man vertrauen kann. Anils Kollege ist ein gewisser Sarath Diyasena, ein srilanker Archäologe, dessen politische Zugehörigkeiten, wenn er denn welche hatte, undurchsichtig waren. Zusammen decken sie durch den Fund eines Skeletts, dem sie den Namen Sailor geben, die Beweise eines von der Regierung in Auftrag gegebenen Mordes auf. Als Anil jedoch ihre Untersuchungen über die Ereignisse aufnimmt, die zu Sailors Tod geführt hatten, erkennt sie, dass sie in einem Netz aus Politik, Paranoia und Tragödie gefangen ist.

Wie bei seinem Vorgänger untersucht der Roman den Bereich, in dem sich das Persönliche und das Politische im Angelpunkt des Krieges überschneiden. Der Stil ist jedoch viel direkter, weniger dicht poetisiert. Obwohl viele der literarischen Markenzeichen Ondaatjes vorhanden sind - häufige Zeitsprünge, geradezu halluzinatorische Bilder, das allmähliche Verweben der Vergangenheit der Charaktere mit deren Gegenwart - ist der Schreibstil hier viel zugänglicher. Das soll aber nicht heißen, dass der Autor seine poetischen Wurzeln vergessen hat; es gibt unterschwellige, evokative Bilder zuhauf. Nehmen Sie zum Beispiel nur diese Beschreibung Anils, die am Ende des Tages in einem Teich steht, 'ihre Zehen zwischen den weißen Blütenblättern, mit verschränkten Armen, während sie den vergangenen Arbeitstag auszog, die Schichten der Ereignisse und der Vorfälle nach und nach ablegte, damit sie nicht mehr in ihr waren.' Mit
Anils Geist hat Michael Ondaatje sowohl eine brutale Untersuchung eines gegenseitigen Vernichtungskrieges geschaffen als auch eine bleibende Betrachtung über Identität, Loyalität und den festen Griff, den die Vergangenheit auf die Gegenwart ausübt. - Alix Wilber"

Ich habe das englische Original gelesen und hoffe, die Übersetzung ist genauso gut.

Mittwoch, 23. Februar 2022

Hespel, Evelyne "Le Petit Tsar"

Hespel, Evelyne "Le Petit Tsar" [Der kleine Zar/The Little Czar] - 2018

Ein Geschenk einer Freundin, die weiß, dass ich gerne mal ein Buch auf französisch lese, aber nicht so oft etwas finde, das mir gefällt.

Dies war eine interessant geschriebene Geschichte. Eine Frau in den Vierzigern. Ein Kind, geschieden, aber seit vielen Jahren mit einem Partner lebend. Sie hat Probleme mit sich selbst, und somit sowohl mit ihrem halbwegs erwachsenen Sohn als auch ihrem Partner.

Der Sohn reist nach Indien, sie hinterher. Sie ist eine sehr besorgte Mutter, möchte ihr Kind am liebsten auch heute noch ständig um sich haben. Gut, zugegeben, welche Mutter freut sich nicht, wenn sie ihre Kinder oft sieht? Aber man kann es auch übertreiben.

Was mir gefiel: Nancy lebt in Strasburg, eine wunderschöne Stadt. Ich habe vieles wiedererkannt. Nancy fährt auch nach Paris, das ich schon oft besucht habe. Sri Lanka und Indien kenne ich nicht, freue mich aber immer wieder, wenn meine Bücher mich in neue Gegenden führen. Wir lernen den Himalaya kenne und ein paar Mönche, die dort oben irgendwo wohnen. Alles sehr interessant.

Was mir nicht gefiel: Nancy ist nicht mein Typ. Sie ist zu nervös, zu bestimmend. Ich könnte nicht so leben wie sie. Ich mag es, wenn ich die Hauptperson mag. Das war hier leider nicht der Fall. Ich konnte auch kein Mitleid mit ihr haben, da viele ihrer Probleme hausgemacht waren.

Aber es hat mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen.

Buchumschlag:

"Dites-moi Adil, croyez-vous que certaines personnes soient capables de prémonitions et de pressentir ainsi les routes que nous pourrions choisir de suivre dans la vie ? - En voilà une question. Vous savez, chez nous, en Inde, on ne se pose pas autant de questions ; on nous a appris que le monde est exactementtel qu'il devrait être au moment où il l'est. Ainsi, nous pouvons accepter tout ce qui nous arrive, même, et je dirais surtout, les événements les plus malheureux ». De Strasbourg aux confins de la chaîne hima-layenne, Nancy, biologiste moléculaire, va devoir ffronter ses peurs et remettre ses choix en question en partant à la quête de son passé."

Zitat:
"Les hommes sont comme des livres: tantôt tendres, délicats et féminins, tantôt rudes, maladroit et virils …" murmura-t-elle sans toutefois parvenir à se souvenir de la suite. "Fiche mémoire!"
"Männer sind wie Bücher: manchmal zart, zart und weiblich, manchmal rau, ungeschickt und männlich ...", murmelte sie, ohne sich jedoch daran zu erinnern, was folgte."Speicherkarte!"