Posts mit dem Label LGBTQ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label LGBTQ werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 26. August 2026

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin"

Evans, Virginia "Die Briefeschreiberin" (Englisch: The Correspondent) - 2025

Dieses Buch stand schon lange auf der Wunschliste unseres deutschen Lesekreises, aber wir mussten erst warten, bis es als Taschenbuch erschien. Im August 2026 haben wir es endlich auf unsere Leseliste gesetzt.

Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang Briefe, hatte Brieffreunde auf der ganzen Welt, und als ich anfing, Esperanto zu lernen, wurden es noch mehr. Daher hatte ich erwartet, dass dieses Buch perfekt für mich sein würde.

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es eine Weile dauert, bis man sich in Sybils Leben eingelesen hat, und dem kann ich nur zustimmen. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt hat.

Allerdings war ich nie eine so organisierte Briefschreiberin wie Sybil. Ich setze mich nicht jeden Morgen hin; ich beantworte erhaltene Briefe immer dann, wenn mir gerade danach ist. Ich glaube, der Empfänger bekommt so eine bessere Antwort, als wenn ich nur schreiben würde, weil ich gerade "muss". Und ich habe noch nie einem Autor geschrieben – vielleicht sollte ich das eines Tages mal tun.

Ich vernachlässige jedoch nicht die Menschen in meiner Umgebung; ich versuche, sie so oft wie möglich zu treffen. Sybil scheint eher der Typ Mensch zu sein, der nur Briefe schreibt. Was hätte ich meinen weit entfernt wohnenden Freunden zu erzählen, wenn ich kein "richtiges Leben" hätte?

Letztendlich hat mir das Buch zwar gefallen, aber nicht auf die Art, wie ich es erwartet hatte.

Wir hatten eine schöne Diskussion über diesen Roman. Wir sind alle Senioren und dachten, das sei wahrscheinlich einer der Gründe, warum uns das Buch so gut gefallen hat. Eine unserer Teilnehmerinnen erwähnte, dass ihre Tochter keinen Zugang zu dem Buch gefunden habe. Vielleicht ist da etwas dran.

Auf jeden Fall waren wir uns alle einig, dass wir etwas Zeit brauchten, um mit all den Charakteren warm zu werden. Und ja, es sind eine ganze Menge. Die deutsche Ausgabe enthielt am Ende eine Liste all ihrer Briefpartner – ein kleines "Who’s Who?". In unserer englischen Ausgabe fehlte diese Liste. Ich frage mich, warum? Wie ihr alle wisst, liebe ich Listen.

Ich habe allerdings online eine @ The Book Companion gefunden.

Und @ SuperSummary:

Und während ich danach suchte, entdeckte ich, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda in der Rolle der Sybil Van Antwerp geplant ist.

In dem Roman werden unzählige Bücher erwähnt. Ich führe hier nur diejenigen auf, die ich selbst gelesen habe; die übrigen sind auf hier auf Goodreads zu finden.

Austen, Jane (deutsche Einträge) "Pride & Prejudice" (Stolz & Vorurteil) - 1813 (The Motherhood and Jane Austen
Brontë, Emily (deutsch) "Wuthering Heights" (Sturmhöhe) - 1887
Du Maurier, Daphne "
Rebecca" (Rebecca) - 1938
Gabaldon, Diana "Outlander" (UK: Cross Stich) (Feuer und Stein) - 1991
Hanff, Helene "84 Charing Cross Road" (84 Charing Cross Road) - 1970
Ishiguro, Kazuo "The Remains of the Day" (Was vom Tage übrigblieb) - 1989
Johnson, Adam "The Orphan Master's Son" (Das geraubte Leben des Waisen Jun Do) - 2012
Joyce, James "Ulysses" (Ulysses) - 1922
Rushdie, Salman (deutsche Beiträge"The Satanic Verses" (Die Satanischen Verse) - 1988
Steinbeck, John (deutsche Einträge) "Travels with Charley" (Die Reise mit Charley) - 1962
Woolf, Virginia "To the Lighthouse" (Zum Leuchtturm) - 1927

Also, elf von vierzig Büchern. Aber vielleicht lese ich in Zukunft noch mehr.

Und ein Zitat, dem ich voll und ganz zustimme:

"… Ich mag Präsident Obama. Er ist ein hervorragender Redner, ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er das Telefonbuch vorliest."

Buchbeschreibung:

"Adoptivtochter und Starjuristin, Gartenliebhaberin und Ehefrau, Mutter und mütterliche Freundin – die 73jährige Sybil van Antwerp hatte schon viele Rollen inne in ihrem bewegten Leben. Eines hat sie dabei stets begleitet: ihre Leidenschaft fürs Briefeschreiben. Jeden Tag greift sie zu Füller und Papier und schreibt darüber, was sie bewegt und stört, was sie begeistert und betrauert. Voller geistreichem Humor und mitunter etwas ruppiger Herzlichkeit berichtet sie von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten, von Liebe und Triumph. Doch jenseits dieser Seiten hat Sybil die Menschen, die ihr etwas bedeuten, stets auf Abstand gehalten. Bis ein anonymes Schreiben sie zwingt, sich mit ihren eigenen Fehlern auseinanderzusetzen – und sich dem einen großen Geheimnis zu stellen, das ihr Leben geprägt hat. Denn für ein Postscriptum ist es nie zu spät.

Ein ebenso bewegender wie tiefgründiger Briefroman mit einer etwas kratzbürstigen Heldin und großen Themen – für alle Fans von Elizabeth Strouts unnachahmlicher Protagonistin Olive Kitteridge.

Ein Juwel von einem Roman über die Kraft, Trost in der Literatur zu finden und eine Verbindung zu Menschen zu knüpfen, denen wir vielleicht nie persönlich begegnen."

Dienstag, 14. Juli 2026

Waters, Sarah "Die Frauen von London"

Waters, Sarah "Die Frauen von London" (Englisch: The Night Watch) - 2006

Obwohl mir die Idee, die Geschichte rückwärts zu erzählen, gefiel, fehlte immer etwas. Nachdem der erste Teil 1947 endete, springt die Geschichte ohne richtigen Abschluss zurück ins Jahr 1944. Dasselbe passiert dann zwischen 1944 und 1941. Ich hatte am Ende ein richtiges "Ende" erwartet, einen Abschlss, aber nein, über die Zukunft der Protagonisten erfährt man nichts. Ja, es gibt eine Geschichte, deren Lösung man gerne wüsste, ein Mysterium, das alle Figuren zu betreffen scheint und sich gegen Ende aufklärt, aber man weiß nicht, was danach passiert. Das Ende von 1947 markiert das Ende der Geschichte von Kay, Helen, Viv und Duncan, ohne dass wir erfahren, was danach mit ihnen geschieht. Es wirkt fast so, als gäbe es gar keine Geschichte, was das Lesen etwas langweilig macht.

Warum also hat die Autorin diese Erzählweise gewählt? Wollte sie die Geschichte vielleicht interessanter gestalten, etwas Neues ausprobieren? Mir hat es nicht gefallen. Die Figuren blieben gesichtslos, die Geschichten fade. Ich bezweifle, dass ich so schnell wieder ein Buch von Sarah Waters lesen werde.

Buchbeschreibung:

"London 1947: Viv und Helen arbeiten in einer Partnervermittlungsagentur. Julia kann sich wieder dem Bücherschreiben widmen. Auch Vivs Bruder Duncan, der während des Krieges im Gefängnis saß, scheint seinen Platz im Leben zu finden. Nur Kay, die in den Bombennächten einen Krankenwagen fuhr und bewundernswerten Mut bewies, hat mit ihrer Liebe auch ihre Aufgabe verloren. Der Alltag der fünf jungen Londoner war bestimmt von der täglichen Angst ums Überleben. So ließen sie sich auf verbotene Liaisons und sexuelle Abenteuer ein. Liebe, Leidenschaft und Verrat von damals wirken fort bis in ihre Gegenwart. hinten: Wir lieben nie die Personen, die wir lieben sollten

Sarah Waters, Senkrechtstarterin der englischen Literaturszene und Bestsellerautorin, schildert das Schicksal von vier selbstbewußten Frauen und einem jungen Mann im London des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren danach. In einer Zeit, in der das Leben durcheinandergeriet, war ihr Alltag geprägt von verbotenen Liaisons und sexuellen Abenteuern, die sie bis heute auf geheimnisvolle Weise verbinden. 'Die Frauen von London' stand auf der Shortlist für den Bookerprize.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal"

Levithan, David "Letztendlich sind wir dem Universum egal" (Englisch: Every Day) - 2012

Ein interessantes Buch. Nicht unbedingt mein Genre. Ich würde es nicht einmal Fantasy nennen, denn für mich bedeutet Fantasy Trolle, Zwerge, Riesen und all diese Wesen, die Menschen ähneln, nur ein bisschen anders sind und die es eigentlich gar nicht gibt. Science-Fiction würde ich auch nicht nennen, denn das bedeutet für mich Zukunftstechnologie und Außerirdische. Vielleicht ist es dystopisch, aber es ist keine andere Welt, zumindest nicht für die meisten Figuren.

Es geht um jemanden, von dem wir wissen, dass er nicht existieren kann, aber die Idee ist einfach zu faszinierend, um sie nicht weiterzuverfolgen. Was wäre, wenn es körperlose Wesen gäbe, die von einem Menschen zum nächsten wechseln und dessen Leben nur einen Tag lang leben würden? Ein solches Wesen ist A, das zu Beginn des Buches 5994 Tage und am Ende 6034 Tage gelebt hat. Das heißt, wir begleiten es/sie/ihn vierzig Tage lang durch ein sehr kompliziertes Leben. Als Junge verliebt es/er sich in das Mädchen Rhiannon und versucht, sie wiederzusehen. Das verändert so manches Leben, das Leben der Teenager, in deren Körper er oder sie für diese Tage schlüpft. Wir lernen gemeinsam mit A viele verschiedene Menschen kennen und erleben, wie es/sie/er diese versteht, wie es/sie/er zwar nur für kurze Zeit in ihren Körpern lebt, aber sich dennoch so in sie hineinversetzen kann, als wäre er schon immer da gewesen.

Wie gesagt, ein interessantes Konzept, gut geschrieben, und es hat definitiv das Zeug zum Bestseller, besonders für die Zielgruppe der "jungen Erwachsenen", für die es geschrieben wurde, denn es wirft so viele Fragen auf, die sich jeder Teenager stellt. Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Warum bin ich nicht jemand anderes? Was wäre, wenn ich ein Junge oder ein Mädchen wäre? Was wäre, wenn ich adoptiert wäre? Was wäre, wenn ich einen Tag lang im Körper eines anderen leben könnte?

Mir wurde dieses Buch von einer viel jüngeren Person empfohlen. Sie behauptete, es sei ihr absolutes Lieblingsbuch. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann sie durchaus verstehen.

Buchbeschreibung:

"Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren.

Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Mit ihr will er sein Leben verbringen, für sie ist er bereit, alles zu riskieren – aber kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?

Wie wäre das, nur man selbst zu sein, ohne einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Familie anzugehören, ohne sich an irgendetwas orientieren zu können? Und wäre es möglich, sich in einen Menschen zu verlieben, der jeden Tag ein anderer ist? Könnte man tatsächlich jemanden lieben, der körperlich so gestaltlos, in seinem Innersten aber zugleich so beständig ist?"

Offensichtlich gibt es dazu eine "Fortsetzung" mit dem Titel "Another Day" (Letztendlich geht es nur um dich), die auch "The Story of Rhiannon" genannt werden könnte, und eine "Vorgeschichte" mit dem Titel "Six Earlier Days" [keine deutsche Übersetzung], das von sechs früheren Tagen des Protagonisten A handelt.

Dienstag, 9. Juni 2026

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin"

Highway, Tomson "Kuss der Pelzkönigin" (Englisch: Kiss of the Fur Queen) - 1998

Nach ein paar Seiten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dieses Buch am liebsten wegwerfen zu wollen. Doch es war ein Buch für unseren internationalen online Lesekreis, und ich hoffte, es würde  besser werden. Das wurde es nicht.

Ich bin eigentlich kein großer Fan all dieser mystischen Geschichten, dachte aber, diese hier könnte interessant sein. War es nicht. Und das Schlimmste daran: Der Autor hatte einen furchtbaren Schreibstil; er sprang ohne jede Vorwarnung und ohne jeglichen Zusammenhang von einem Abschnitt zum nächsten. Zudem bin ich keineswegs prüde, hätte aber gut auf die detaillierten Beschreibungen von sexuellem Missbrauch, Gewalt und homosexuellen Handlungen verzichten können.

Doch anscheinend war ich die Einzige, die so heftig auf das Buch reagierte. Hier sind einige Anmerkungen aus der Gruppe:

  • Kuss der Pelzkönigin gilt als halbautobiografischer Roman. In seinen Memoiren Permanent Astonishment aus dem Jahr 2021 schildert Tomson Highway die frühen Jahre seines Lebens gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rene Highway (1954–1990).
  • Kommentar: Das ergibt absolut Sinn. Ich hatte es zwar nicht nachgeschlagen, spürte aber bereits beim Lesen, dass hinter einem Großteil der Handlung eine wahre Geschichte steckt – und dass diese hervorragend recherchiert ist, wenn nicht sogar auf rein persönlichen Erlebnissen beruht.
  • Ich hatte gemischte Gefühle bezüglich Kuss der Pelzkönigin, bin aber insgesamt froh, dass ich es gelesen habe. Die Geschichte begleitet zwei Brüder vom Volk der Cree aus dem Norden Kanadas – von etwa den 1950er-Jahren bis in die späten 1980er-Jahre hinein. Anhand ihrer Lebenswege veranschaulicht das Buch die Auswirkungen des kanadischen Internatssystems sowie den immensen Druck, der auf den indigenen Völkern lastete, ihre Sprache, Kultur und Traditionen aufzugeben.
  • Am meisten interessierte mich der Einblick in die Kultur, Mythologie und die überlieferten Erzählungen der Cree. Ich lese sehr gerne über verschiedene Kulturen und Legenden; dies war ein Themengebiet, über das ich vor der Lektüre des Buches nur sehr wenig wusste. Die geheimnisvolle Gestalt der Pelzkönigin und die mythologischen Elemente verliehen der Geschichte eine ganz eigene Atmosphäre. Gleichzeitig schätzte ich die tiefergehenden Themen des Romans: Identität, Glaube, Kultur und die Frage, wie Menschen mit Traumata umgehen. Die beiden Brüder sind hin- und hergerissen zwischen den Traditionen der Cree und dem Christentum – ein Konflikt, den der Roman meiner Meinung nach auf äußerst eindrucksvolle Weise beleuchtet.
  • Der Schreibstil ist oft von großer Schönheit, insbesondere in den Beschreibungen der Natur, der Traumwelten und der traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig handelt es sich um einen sehr düsteren Roman. Ein Großteil der Geschichte befasst sich mit Missbrauch, Gewalt, Verlust und den langanhaltenden Folgen von Traumata. Es gab Passagen, die ich nur schwer lesen konnte. Dennoch glaube ich nicht, dass diese Elemente lediglich um des Schockeffekts willen eingefügt wurden. Sie stehen in Verbindung zu realen historischen Erfahrungen, was sie für die Geschichte unverzichtbar macht – selbst dort, wo sie unbequem sind.
  • Dies ist kein leichtes Buch, und ich kann gut nachvollziehen, warum es manchen Lesern aufgrund seiner schwierigen Thematik missfallen mag. An manchen Stellen empfand ich die Konzentration auf das Leid als erdrückend. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass der Roman eine wichtige Perspektive eröffnet, über die viele von uns außerhalb Kanadas womöglich nur wenig wissen. Für mich war es eine lohnende Lektüre, da sie Geschichte, Kultur, Mythologie und persönliche Schicksale auf unvergessliche Weise miteinander verknüpfte.

Nun, da haben wir es: Manche waren froh, dieses Buch gelesen zu haben. Ich war es nicht.

Buchbeschreibung:

"'Tomson Highway schreibt in Englisch, aber er träumt in Cree', schrieb ein Rezensent über den autobiografischen Erstlingsroman des bekannten kanadischen Dramatikers. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geschichte der Brüder Oimasis. Herausgerissen aus einem naturnahen Lebne in indianischer Tradition, werden sie ine eine von rigidem Katholizismus, Alkohol, sexueller Gewalt und Rassismus geprägte fremde Welt geworfen. Die Suche nach einer neuen, beide Welten vereinenden Identität beginnt."

Freitag, 22. Mai 2026

Le Guin, Ursula K. "Die linke Hand der Dunkelheit"

Le Guin, Ursula K. "Die linke Hand der Dunkelheit" oder "Winterplanet" (Englisch: The Left Hand of Darkness) - 1969

Ich bin zwar kein großer Science-Fiction-Fan, aber mein Lesekreis scheint alle paar Monate ein Buch auszusuchen. Was soll ich sagen, manche sind wirklich interessant, andere eher weniger.

"Die linke Hand der Dunkelheit" ist in vielerlei Hinsicht faszinierend. Auf dem Planeten Winter gibt es eine andere Art von Leben – ein kaltes Leben, wie der Name schon andeutet. Aber es unterscheidet sich auch von unserem, da alle seine Bewohner bisexuell sind. Sie nennen es anders, und jeder, der nur einem Geschlecht angehört (wie die Bewohner unseres Planeten Terra), gilt als Perverser. Vielleicht hilft das ja Leuten, die alle, die nicht heterosexuell sind, für seltsam halten. Wobei ich bezweifle, dass sie so ein Buch lesen würden.

Was kann man also noch aus diesem Buch lernen, abgesehen davon, dass es uns hilft, die LGBTQ-Community besser zu verstehen? Nun ja, die "Ökumene" erinnerte mich ein wenig an die Vereinten Nationen oder die Europäische Union, die ähnliche Probleme haben, weil jeder eine Gemeinschaft will, die aber bitte auf die jeweilige Kultur zugeschnitten sein sollte.

Dieses Buch gehört anscheinend zur Romanreihe "Der Hainish-Zyklus", die man aber nicht in der vorgegebenen Reihenfolge lesen soll. Die Bände erscheinen als Einzelromane ohne thematische Fortsetzung.

Es regt definitiv zum Nachdenken über unsere Welt und ihre Bewohner an.

Einige Kommentare unserer Mitglieder:
  • Es bot viele Diskussionspunkte. So gab es Themen wie Science-Fiction, Raumfahrt, Gedankenkommunikation, Geschlechterunterschiede, bewohnbare Eisplaneten, ihre Bewohner, Politik und Bräuche.
  • Besonders interessant fand ich die Haltung zu Zeit und gesellschaftlichem Fortschritt.
  • Meiner Meinung nach ist "Die Geißel des Himmels" ihr bestes Buch (obwohl ich nicht alle gelesen habe). Es unterscheidet sich stark von ihrem üblichen Stil. Sehr empfehlenswert. Während ich "Die linke Hand der Dunkelheit" las, rezensierte ich auch Ursula Le Guins Übersetzung von Laozis "Tao Te Ching". Es war eine bereichernde Erfahrung, die Handlung und die Figuren von "Die linke Hand der Dunkelheit" aus taoistischer Perspektive zu betrachten. Die Verschiebungen der Machtverhältnisse und Gebräuche in Gethen besitzen eine Yin-Yang-Qualität, die sehr lebensnah ist.
Wir haben das Buch im August 2021 in unserem internationalen Online-Lesekreis gelesen.

Buchbeschreibung:

"Ich werde meinen Bericht schreiben, als wäre er eine Geschichte ... denn Wahrheit ist eine Sache der Vorstellungskraft.

Die Bewohner des Planeten Gethen sind uns Menschen verblüffend ähnlich – mit einem Unterschied: Sie kennen keine zwei Geschlechter. In ihrer Kultur sind geschlechtsspezifische Machtkämpfe, wie wir sie kennen, nicht möglich. Doch es gibt andere Formen von Macht ... Der bis heute bedeutendste und weit über die Science Fiction hinaus prägende Roman über Geschlechterrollen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.."

Urusla K. Le Guin hat für ihre Werke zahlreiche Preise erhalten, darunter den Hugo Award und den Nebula Award.

Montag, 4. Mai 2026

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge"

Burton, Jessie "Die Magie der kleinen Dinge" (Englisch: The Miniaturist) - 2014

Eine faszinierende, fesselnde Geschichte. Wer an Magie glaubt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Auch wer nicht an Magie glaubt, aber historische Romane mag, sollte es unbedingt lesen. Es vereint beides auf wunderbare Weise.

Der Roman erzählt die Geschichte einer reichen Amsterdamer Familie im 17. Jahrhundert und eines armen Mädchens vom Land, das in diese Familie einheiratet. Da ich selbst in einem Dorf aufgewachsen bin, kenne ich Frauen wie Nella. Die Ehefrau hat im Haus nichts zu sagen; zuerst kommt die Mutter, dann die Schwester, und wenn diese vor der Ehefrau sterben, sind es die Kinder.

Doch das ist nicht der Hauptteil der Geschichte. Das Buch ist voller Geheimnisse. Das erste Geheimnis habe ich recht früh erraten und wusste, dass noch weitere folgen würden, noch bevor das erste gelüftet wurde. Es dauerte jedoch etwas länger, bis ich erraten konnte, was als Nächstes passieren würde.

Die Autorin ließ sich vom Puppenhaus der realen Petronella Oortman inspirieren, das im Rijksmuseum in Amsterdam besichtigt werden kann. Hier ist eine Ansicht des Hauses.

Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit unserer Protagonistin: der Name und die Tatsache, dass sie ein Puppenhaus besaß.

Und genau das – das Puppenhaus – hat mich an dem Buch fasziniert. Ich sah das Cover, las den Klappentext (den ich immer für sehr wichtig halte) und meine Entscheidung war gefallen. Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen.

Wir begegnen in der Geschichte vielen interessanten Charakteren, die alle sehr lebendig dargestellt sind. Die Autorin hat ein großes Talent dafür, die Menschen darin und außerhalb des Hauses zu beschreiben. Man fühlt sich fast, als wäre man selbst unter ihnen; man kann sich die Straßen Amsterdams so vorstellen, wie sie vor über 300 Jahren ausgesehen haben müssen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es liest sich leicht, ist aber dennoch sehr informativ; es ist ein Krimi mit einem großartigen historischen Hintergrund.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Geschichte hätte auf Niederländisch geschrieben sein sollen; ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich die Sätze auf Niederländisch umgedeutet habe. Das ist mir noch nie passiert, was wohl ein Zeichen dafür ist, wie gut es der Autorin gelungen ist, mich in die Geschichte hineinzuziehen.

Dies ist Jessie Burtons erster Roman. Ich bin sicher, dass ich ihren nächsten lesen werde, sollte sie sich entscheiden, weiterzuschreiben. Ich hoffe es und wünsche ihr viel Glück.

Wir haben das Buch im März 2016 in unserem internationalen Lesekreis besprochen.

Buchbeschreibung:

"'Wenn der Schein trügt, muss man zweimal hinsehen...'

1686 zieht die achtzehnjährige Nella nach Amsterdam, wo sie mit ihrem Ehemann Johannes Brandt, einem schwerreichen Händler der Niederländischen Ostindien-Kompanie, zusammenleben wird. Damit wird ihr größter Traum wahr, doch von Anfang an verläuft die Ehe anders, als Nella gehofft hat: Am Tag, als sie in ihrem zukünftigen Zuhause ankommt, ist Johannes nicht da, um sie u´zu begrüßen. Stattdessen wird sie von seiner Schwester Marin, einer kühlen, frommen Dame, dem vorlauten Dienstmädchen Cornelia und dem afrikanischen Diener Otto in Empfang genommen. Als ihr Ehemann spätabends eintrifft, empfindet Nella ihn als einschüchternd und sehr distanziert. Ihr einziger Trost ist das Hochzeitsgeschenk, das sie von Johannes erhält: ein Puppenhaus, das eine originalgetreue Kopie ihres neuen Zuhauses ist. Da Marin, Cornelia und sogar die Hunde auf das Häuschen verstört reagieren, wird es in Nellas Schlafzimmer aufgestellt. Nachdem sie bei einem Kunsthandwerker Einrichtungsgegenstände für das Puppenhaus in Auftrag gegeben hat, werden jedoch nicht nur die bestellten Figuren geliefert, sondern auch mysteriöse Miniaturen ihrer neuen Familienmitglieder. Bald wird Nella klar, dass nicht nur die abweisende Marin etwas verbirgt, sondern auch ihr eigener Ehemann ein dunkles Geheimnis zu haben scheint..."

Donnerstag, 19. März 2026

Mathis, Ayana "Zwölf Leben"

Mathis, Ayana "Zwölf Leben" (Englisch: The Twelve Tribes of Hattie) - 2013

Ein weiteres Buch, das ich mir geholt habe und das auch eine Oprah-Wahl war.

Mir gefiel der Schreibstil, sehr interessante Geschichten, das Leben der Kinder wird fesselnd beschrieben.

Ich hätte mir allerdings gewünscht, mehr über die verschiedenen Charaktere zu erfahren. Das ganze Buch ist eher eine Sammlung von Kurzgeschichten, und von den meisten Charakteren hört man nach dem Kapitelende nie wieder etwas.

Keine der Figuren war besonders sympathisch. Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass sie alle ein hartes Leben hatten, in eines hineingeboren wurden, in dem sie keine Chance hatten, es zu verbessern, und das wussten sie auch. Ich weiß nicht, wie wir reagieren würden, wenn uns ein solches Leben beschert würde. Aber selbst wenn sie nicht besonders sympathisch wären, sind ihre Geschichten herzzerreißend, und ich denke, sie wären vielleicht nettere, bessere Menschen geworden, wenn man ihnen eine Chance gegeben hätte.

Alles in allem nicht mein Lieblingsbuch, aber eine gute Lektüre.

Buchbeschreibung: 

"Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die 'Wiege der Freiheit', den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.

Doch diese Saga um eine außergewöhnliche Frau und ihre zwölf Kinder, die als Geschichte der Great Migration beginnt und sich zum Tableau mit zwölf Einzelporträts über das ganze zwanzigste Jahrhundert weitet, ist trotz Scheitern und Enttäuschung ein vitales Epos – voller Lebenskraft und verhaltener Zärtlichkeit, voller Mut und Entschlossenheit im Kampf gegen Bitterkeit."

Montag, 29. Dezember 2025

Bennett, Brit "Die verschwindende Hälfte" - 2020

Bennett, Brit "Die verschwindende Hälfte" (Englisch: The Vanishing Half) - 2020 

"Man kann aus einer Stadt fliehen, aber nicht vor dem, was man ist …"

Ich war anfangs etwas skeptisch, was dieses Buch anging. Es war ein Geschenk von einem meiner Söhne, und die wissen normalerweise, was mir gefällt. Dieses Buch gewann 2021 den Women’s Prize for Fiction (und einige andere Buchpreise), und die sind in der Regel recht gut. Aber das Cover. Zu pink, zu kitschig für meinen Geschmack. Und dann noch die Lobeshymnen von Autorinnen, deren Bücher mir nicht besonders gefallen haben. Keine gute Ausgangslage.

Und der Anfang war auch ein bisschen so. Zu viele Klischees. Aber die Geschichte entwickelt sich weiter, bis wir am Ende ein recht gutes Buch über das Leben von Frauen, die Probleme mit Rassismus und Kindererziehung usw. bekommen.

Wird es mein Lieblingsbuch des Jahres oder wenigstens des Monats? Nein.

Werde ich noch ein Buch der Autorin lesen? Wahrscheinlich auch nicht. Es gibt weitaus bessere Autorinnen. In der deutschen Buchbeschreibung wird sie mit Toni Morrison verglichen. Meiner Meinung nach haben diese beiden nur wenig gemeinsam: sie sind Frauen, ihre Hautfarbe und sie haben Bücher veröffentlicht.

Buchbeschreibung:

"Mallard, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte, und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichem Wesen. Aber in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich.

In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür - und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen, bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Ihr Essay 'I don’t know what to do with good white people' [Ich weiß nicht, was ich mit guten weißen Menschen anfangen soll] machte Brit Bennett 2014 in den USA bekannt. Mit kaum 26 veröffentlichte sie dann ihren ersten Roman. Seitdem gilt sie als eine der wichtigsten jungen Stimmen der US-Literatur, und auch bei uns wurde sie gefeiert für die Entschiedenheit, die Anmut und Nonchalance, mit der sie in die großen literarischen Fußstapfen einer Toni Morrison getreten war. 'Die verschwindende Hälfte' – die Generationen umspannende Geschichte einer Emanzipation von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht – ist die eindrucksvolle Bestätigung solcher Erwartungen."

Freitag, 5. Dezember 2025

Sedaris, David "Ich ein Tag sprechen hübsch"

Sedaris, David "Ich ein Tag sprechen hübsch" (Englisch: Me Talk Pretty One Day) - 2000

Eine Geschichte über die Kindheit des Autors. Er versucht, sie witzig zu erzählen, und irgendwie gelingt ihm das auch. Aber nur irgendwie.

Ich hatte erwartet, dass es ironisch klingt, was mir auch gefallen hätte. Aber das war es nicht. Das Buch war genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte. Es war kindisch, das ist wohl die beste Beschreibung, die mir einfällt, wenn ich nicht zu beleidigend werden will. Der Autor wirkte auch nicht gerade sympathisch. Er, sein Leben und alles, was er geschrieben hat, haben mich einfach nicht interessiert. Überhaupt nicht.

Ich habe keine Ahnung, wer ihm die Humorpreise verliehen hat oder von welcher Art von Humor die Rede ist.

Ob ich noch ein Buch von David Sedaris lesen werde? Ich bezweifle es!

Buchbeschreibung:

"Was bringen Seminare für Kreatives Schreiben? Eigentlich nichts -- so dachte man. Nun aber lehrt uns ein neuer Erzählband von David Sedaris, dass Seminare für Kreatives Schreiben uns Lesern zumindest etwas bringen: Die Geschichte Die Lernkurve nämlich, in der ein 'Mr. Sedaris' von seinen Erfahrungen als Dozent eben eines solchen Kurses berichtet. 'Aufgrund eines schrecklichen Mißverständnisses' der Universitätsverwaltung plötzlich an eine Horde Schreibhungriger geraten, bringt der ehemalige Kunststudent ihnen (und uns) in entlarvendem Dilettantismus bei, dass Seminare für Kreatives Schreiben eigentlich gar nichts bringen -- außer, wenn man darüber derart komisch wie Sedaris schreibt.

Wie
Nackt oder Fuselfieber, so enthält auch Ich ein Tag sprechen hübsch zahlreiche weitere skurrile Fallbeispiele aus Sedaris' Vergangenheit, darunter solche über katastrophische Sprachtherapien und erste Akterfahrungen -- oder jene ebenfalls (angeblich?) autobiografische Erzählung vom jazzfanatischen Vater und seinem aberwitzigen Plan, das 'Zwergentalent' seiner Familie zu Dave-Brubeck-Qualitäten aufzublasen. Und dann gibt es da noch die herrliche Titelgeschichte über die verzweifelten Versuche eines Amerikaners in Paris, der im Alter von 41 Jahren wieder die Schulbank drückt und sich mit der Landessprache sowie den grausamen Erziehungsmethoden seiner Lehrerin herumschlagen muss: Ich ein Tag sprechen hübsch. Da darf man unumwunden sagen, dass dieser Tag für Mr. Sedaris längst gekommen ist. Denn hübsch schreiben, das hat er wieder einmal bewiesen, kann er allemal."

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Schöfer, Maike "Nö: Eine Anstiftung zum Neinsagen"

Schöfer, Maike "Nö: Eine Anstiftung zum Neinsagen" [Nope: An incitement to say no] - 2025

Wir haben dies mit unserem deutschen Lesekreis im September 2025 gelesen.

Ein Buch über das Neinsagen. Die Autorin ist eine evangelische queere Pastorin. Ich hatte eigentlich gedacht, es ginge mehr um Frauen, aber es geht wirklich viel um LGBTQ+. Obwohl ich glaube, dass auch die Betroffenen ähnliche Gedanken haben könnten wie ich.

Im Großen und Ganzen hatte ich auch nicht das Gefühl, dass hier irgendwelche Hilfestellungen gegeben wurden, dass irgend etwas Neues dabei herauskam.

Ich bin kein Fan von Selbsthilfebüchern, und dies hat mich sehr an so ein Geschreibsel erinnert.

Die Autorin erklärt immer wieder, wie sie bestimmte Sachen tun musste, weil sie nicht laut genug Nein gesagt hat. Ja, das haben wir alle. Leider gibt sie kaum einen Hinweis darauf, was wir selbst ändern können. Außer eben "Nein" zu sagen, aber das muss ich nicht 456mal (hat sie selbst gezählt und ist auch noch stolz darauf) auf 215 Seiten lesen, da sollte schon etwas mehr dabei herauskommen.

Auch schreibt sie selbst auf S. 77: "Und auch beim Schreiben dieses Buches bin ich permanent begleitet von dem Gefühl, dass meine Texte zu oberflächlich, zu plump sind, dass sie nicht eloquent genug und nicht edgy sind." Da muss ich ihr leider zustimmen. 

Außerdem "zitiert" sie auf S. 46 die von mir sehr geachtete Carolin Emcke mit "Macht wird meist als Herrschaftsform beschrieben ..." aus ihrem Buch "Ja heißt Ja, und ...?". Bei meiner Suche nach mehr Informationen fand ich allerdings, dass sie das so in dem Buch nicht gesagt hat. Dies ist allerdings ein Buch, dass ich gerne selbst lesen würde.

Den anderen Mitgliedern des Lesekreises ging es auch nicht viel besser. Wir waren alle ziemlich einer Meinung, dass dieses Buch uns nicht (mehr) betrifft und die Autorin einen trotzigen, wütenden Eindruck machte, und insgesamt sehr unzufriedenen mit ihrem eigenen Leben ist. Auch fanden wir die Sprache ungehobelt und flapsig, ...

Eine Anmerkung von einem Mitglied, die leider nicht dabei sein konnte, hätte vielleicht zu einer etwas regeren Diskussion geführt:

"Ich finde, dass die Autorin viele interessante Denkanstöße gibt, was das überall immer noch vorherrschende Patriarchat in allen Lebensbereichen der heutigen Zeit und der letzten 2000 Jahre anbelangt. Mich faszinieren vor allem die religiösen Themenbereiche und vielfach sehe ich die Dinge ähnlich wie die evangelische Pastorin Maike Schöfer.

Teilweise empfinde ich aber ihre feministischen Ansichten als etwas übertrieben, vor allem verherrlicht sie das 'Queer-Sein'  zu sehr.

Manchmal kann ich mit mit der Anhäufung von komplizierten Fremdwörtern wenig anfangen und z. T. ist mir ihre Ausdrucksweise etwas zu flapsig.

Insgesamt gefällt mir das Buch und ich werde auch die zweite Hälfte zu Ende lesen.

Leichte Kost ist es jedenfalls nicht und es lässt sich auch nicht so weglesen… ."

Und noch eine Meinung: "Auch ich bin nicht angetan. Ich fand diesen bemüht lässigen Stil nervig und ich frage mich, welche Zielgruppe sie erreichen möchte. Ich habe den Eindruck, dass sie sich fast für ihren Beruf entschuldigt: hey, ich bin ja trotzdem so cool!"

Ein anderes Mitglied erwähnte den Titel von Herbert Fensterheim "Sag nicht ja, wenn du nein sagen willst. Wie man seine Persönlichkeit wahrt und durchsetzt" (Don't say yes when you want to say no) (Goodreads) sowie das Buch von Susan Jeffers "Selbstvertrauen gewinnen: Die Angst vor der Angst verlieren" (Feel the Fear and Do It Anyway) (Goodreads), die sicher für unsere Gruppe besser gewesen wären.

Buchbeschreibung:

"Wir alle kommen mit einem Nein auf die Welt. Schreien, weil etwas nicht stimmt. Als trotzige Mädchen sind wir erst süß, dann wird uns der Protest abtrainiert. Wir sollen gefallen, keine Probleme machen. Maike Schöfer gibt uns mit diesem Buch das Nein zurück. Ein Nein kann Akt der Selbstbehauptung sein, Ablehnung bedeuten, aber auch etwas viel Größ Widerstand. Ob als befreiendes zu Dingen, die wir nicht tun wollen, oder als wütendes Nein zu festgefahrenen Strukturen und Diskriminierung. Eine inspirierende, persönliche Untersuchung des wohl feministischsten Wortes, das wir wählen können."

Ein anderes Buch zu diesem Thema, dass ich empfehlen könnte:
Adichie, Chimamanda Ngozi "Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories" (Englisch: We Should All Be Feminists) - 2014

Montag, 1. September 2025

Brown, Rita Mae - Die Hunsenmeir Triologie

Brown, Rita Mae - Die Hunsenmeir Triologie (Englisch: The Hunsenmeir Trilogy)
"Jacke wie Hose" (Six of One) - 1978

Eine Geschichte über zwei ältere Damen, die Hunsenmeir-Schwestern, und die lesbische Tochter von einer von ihnen. Sie leben in Runnymede, Maryland, einer Kleinstadt mit viel Neugier und Klatsch. Eine absolut witzige Geschichte, die zum Lachen einlädt. Zeit zum Wiederlesen, denke ich.

Buchbeschreibung:

"An Hand des Lebens zweier Schwestern, die sich ständig streiten und doch ohne einander nicht leben können, auf der überschaubaren Bühne einer kleinen Stadt geht Rita Mae Brown an die Wurzel des amerikanischen Selbstverständnisses - auf ebenso komische wie eindringliche Weise. Zwischen 1909 und 1980, mit Krieg, Arbeitskämpfen, Prohibition, Mord und Todschlag und auch Liebe, entsteht ein Bild von Amerika, das viele unserer tief verwurzelten europäischen Voruteile über den Haufen rennt."

"Wie Du mir, so ich Dir" (Bingo) - 1988

Buchbeschreibung:

"In der Fortsetzung ihres beliebten Romans 'Six of One' (Jacke wie Hose) kehrt Rita Mae Brown mit einer weiteren witzigen Geschichte über Leidenschaft und Rivalität in der kleinen Südstaatenstadt Runnymede in Maryland zurück. Zeitungsredakteurin Nickel Smith versucht verzweifelt, die Lokalzeitung vor dem Aus zu retten, während sie gleichzeitig in eine Affäre verwickelt ist, die die Stadt ebenso schockieren würde wie Nickel selbst. Unterdessen behalten ihre Mutter Julia und ihre Tante Louise, die berüchtigten Hunsenmeir-Schwestern, die die Stadt seit Jahrzehnten auf den Kopf stellen, Nickel mit Argusaugen im Auge. Obwohl sie erwachsen ist und sie auf die Neunzig zugehen, brauchen sie jemanden zum Tratschen! Nicht einmal die wöchentlichen Bingospiele der Stadt können Louise und Julia vor Ärger bewahren, als Ed Tutweiler Walters, ein begehrter Neuankömmling, in die Stadt kommt – und die Schwestern sich wie Schulmädchen um ihn streiten. 'Bingo bietet einen aufschlussreichen Blick auf die Schwächen moderner Beziehungen und steckt voller Weisheiten über die Annehmlichkeiten, Prüfungen und Absurditäten des Kleinstadtlebens und insbesondere des Lebens unserer eigenen Nächsten und Liebsten."

"Böse Zungen" (Loose Lips) - 1999

Buchbeschreibung:

"Eigentlich ist alles beim Alten geblieben. Die wichtigen Figuren aus Runnymede sind immer noch da: die temperamentvollen Schwestern Juts und Wheezie Hunsenmeir, ihre Männer Chessie und Pearlie, Mutter Cora, deren Arbeitgeberin Celeste Chalfonte, ihre Geliebte Ramelle, Wheezies Töchter Mary und Mazie -- die sich fast genauso zu streiten beginnen, wie ihre Mutter und Tante.

Böse Zungen gibt es viele im kleinen Dörfchen Runnymede. Dazu gehören sicher auch Juts und Wheezie, die nun einen eigenen Frisier- und Lackiersalon aufmachen, um ihre Schulden abzuzahlen. Denn immerhin haben sie bei einem kleinen Streit in Cadwalder's Drugstore die halbe Einrichtung zu Bruch gehauen. Und bevor sie ihre Männer in Rifes Waffenfabrik arbeiten lassen, kommt kommt dem Temperament der beiden der Salon Curl'n'twirl auch sehr entgegen: Wo sonst erfährt man, was so im Ort abgeht? Die Ereignisse passieren allerdings meist in der eigenen Familie: Mary will ausgerechnet den in Wheezies Augen nichtsnutzigen Extra Billy heiraten, und bekommt sogar ein Kind von ihm. Juts kann kein Kind bekommen und erfährt irgendwann, dass nicht sie, sondern ihr Mann dafür verantwortlich ist. Chessie aber hat für einige Zeit nur Augen für seine Tanzlehrerin Trudy, mit der er ein Verhältnis hat. Juts findet dies heraus und ist am Boden zerstört. Erst, als sie endlich die kleine Nickel adoptieren kann, findet sie ihre Energie wieder.

Es passiert viel in Runnymede -- immerhin hat Rita Mae Brown den Ehrgeiz, die Lebensgeschichte eines ganzen Familienclans fortzuspinnen -- wie vorher schon in Jacke wie Hose und Bingo. Es ist schön, vertrauten Menschen wieder zu begegnen -- und das Buch hat wieder mal einiges zu bieten, was einen guten Roman ausmacht: Streit, Liebe, Tränen, Tod und Tanzveranstaltungen! Und als Wheezie befürchtet, das Leben würde an ihr vorbeiziehen, entgegnet Juts zu Recht: Das geht nicht -- wir sind das Leben!"

Übrigens, als ich die Bücher gelesen habe, waren die Titel nicht halb so bunt.

Samstag, 2. August 2025

Forster, E.M. "Wiedersehen in Howards End"

Forster, E.M. (Edward Morgan) "Wiedersehen in Howards End" (Englisch: Howards End) - 1910

Ich hatte "Auf der Suche nach Indien" (A Passage to India) gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Als eine Freundin meinte, sie wolle schon immer "Wiedersehen in Howards End" (Howards End) lesen, verabredeten wir uns, es gemeinsam zu lesen. Leider ging ihr E-Reader kaputt, sodass wir es letztendlich nicht gleichzeitig gelesen haben. (Noch ein Grund, warum ich keine E-Reader lese, aber mehr dazu hier.)

Ich wurde nicht enttäuscht. Eine großartige Darstellung des Lebens in der britischen Gesellschaft vor einem Jahrhundert. Die verschiedenen Klassen und was sie für jemanden bedeuteten, der in eine bestimmte hineingeboren wurde.

Obwohl die Geschichte etwa ein Jahrhundert später geschrieben wurde, erinnerte sie mich sehr an Jane Austen, die Brontë-Schwestern, George Eliot - genau diese Art von Literatur, die ich so sehr mag. Es gibt Schwestern, die gebildet, aber nicht reich sind, es gibt die reiche Familie, es gibt den armen Kerl, dessen Leben schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Viele soziale und moralische Fragen werden einfühlsam diskutiert. Trotzdem bietet sie jede Menge Action für alle, die nicht nur über philosophische Fragen lesen wollen.

Buchbeschreibung:

"Kultiviert sind sie, die Schwestern Margaret und Helen Schlegel, und für ihre Zeit überaus emanzipiert. Als sie die Bekanntschaft der konventionellen Familie Wilcox machen, verliebt Helen sich in den jüngeren Sohn, Paul. Eine Liebe, die allerdings nicht von Dauer sein kann, so grundverschieden sind die beiden jungen Leute. Beim Abschied hofft jede der Familien, die andere nie wiedersehen zu müssen. Natürlich kommt es anders als gewünscht..."

Mittwoch, 9. Juli 2025

Al-Aswani, Alaa "Der Jakubijân-Bau"

Al-Aswani, Alaa "Der Jakubijân-Bau" (Arabisch: عمارة يعقوبيان/Imarat Ya'qubian) - The Yacoubian Building - 2002

Dieses Buch wird als "ironische Darstellung der modernen ägyptischen Gesellschaft" beschrieben. Ich weiß nicht, wie ironisch es ist, aber ich fand es einen sehr interessanten Bericht über ein Leben, über das ich absolut nichts weiß. Anscheinend existiert das Gebäude in Kairo zwar, sieht aber anders aus als das im Buch. Der ursprüngliche Besitzer war einst sehr reich, doch heute beherbergt das Haus unzählige winzige Wohnungen (ursprünglich Lagerräume), und die Geschichte erzählt uns von deren Leben.

Sehr interessante, manchmal recht anspruchsvolle Lektüre.

Buchbeschreibung:

"Die Armen wohnen oben, auf dem Dach, in kleinen Kabüffchen, die ursprünglich als Abstellkammern konzipiert waren. In den Stockwerken darunter geht es weniger knapp zu. Dort hat ein durch die Revolution von 1952 teilenteigneter Grundbesitzer sein Büro mitsamt Liebesnest, ein Chefredakteur seine Wohnung, ein Neureicher das Domizil für seine Zweitfrau und haben viele Ungenannte ihr ganz normales Zuhause. Auf vielfältige Weise verweben sich die Leben der Bewohner. Das Haus wird zum Mikrokosmos für Ägypten. Alaa al-Aswanis Roman stellt vieles dar, was es in Ägypten gibt, worüber aber nicht häufig - und eigentlich nie in dieser Direktheit - gesprochen wird. Da kommt der junge Mann nicht an die Polizeischule, weil sein Vater nur Türhüter ist. Da hält sich der wohlhabende Journalist einen armen Oberägypter als Bettgenossen. Da predigt der eine Geistliche für die Regierungspolitik, der andere für den Terror. Da bereichern sich manche schamlos mit den zweifelhaftesten Geschäften. Da wird das junge Mädchen, das für seine Familie sorgen muss, von allen Arbeitgebern systematisch belästigt. Da träumt der ehemalige Aristokrat von vorrevolutionären, besseren Zeiten. Da wird im Bereich der Politik geschmiert, geschnüffelt und gefoltert. Da wird eben das tägliche Leben Ägyptens gezeigt."

Montag, 30. Juni 2025

Groff, Lauren "Matrix"

Groff, Lauren "Matrix" (Englisch: Matrix) - 2021

Ein Mitglied unseres Lesekreises versuchte uns zu überzeugen, dass dies der beste Roman für unsere nächste Buchauswahl wäre. Einige Mitglieder waren jedoch nicht wirklich überzeugt, ihn lesen zu wollen. Also hatte ich "Mitleid" (haha) und meldete mich freiwillig als Versuchskaninchen.

Ich lese gerne historische Romane, besonders über Frauen und ihren Kampf gegen Vorurteile ihrer Zeit. Daher erwartete ich etwas wirklich Interessantes. Viele Mädchen wurden gegen ihren Willen in Nonnenklöster geschickt, und einige waren dort recht erfolgreich.

Ich versuchte, mehr über die Protagonistin zu erfahren und stellte fest, dass das Buch nicht wirklich auf etwas aus der Realität basiert. Es ist, was es verspricht: reine Fiktion.

Ich dachte, ich könnte mehr über die Geschichte einer Person erfahren, die zu ihrer Lebenszeit wichtig war. Leider nicht. Wer einen Roman sucht, ohne sich für den Hintergrund oder die Existenz dieser Person zu interessieren, demjenigen könnte dieser besser gefallen. Ich war enttäuscht.

Insgesamt war mir der Roman zu oberflächlich.

Es gibt keine Fußnoten oder Links zu Forschungsseiten, die zumindest einige der Geschichten stützen könnten.

Buchbeschreibung:

"Marie ist siebzehn Jahre alt, groß und ungelenk und nach allgemeiner Ansicht ungeeignet für die Ehe und das höfische Leben. Sie verehrt ihre Königin, Eleonore von Aquitanien, doch die verstößt sie mit einem Lächeln: Marie soll Priorin eines abgelegenen Klosters werden, irgendwo im Schlamme Englands, fern von den zärtlichen Zuwendungen ihrer Dienerin. Lebendig begraben in der Gemeinschaft verarmter, frierender, hungernder Nonnen – ausgerechnet sie, die aus einer Familie von Kriegerinnen stammt und alles andere als fromm ist. Doch in der Abgeschlossenheit des Klosters findet Marie für sich und ihre Schwestern ungeahnte Möglichkeiten von weltlichem Einfluss, Wohlstand und neuer Gemeinschaft.

Matrix erzählt die Geschichte einer fehlbaren Heldin: einer Frau – kriegerisch, imposant, machtbewusst, hingebungsvoll –, deren Visionen verlorengehen, wie so viele Stimmen starker Frauen im Lauf der Geschichte. Der neue, flirrend aufregende Roman von Lauren Groff erweckt sie zum Leben und beschwört die utopische Kraft weiblicher Kreativität in einer korrumpierten Welt."

Freitag, 2. Mai 2025

Hansen, Dörte "Zur See"

Hansen, Dörte "Zur See" [At Sea] - 2022

Unsere Lesekreisbuch im April 2025. Nachdem wir alle schon die zwei ersten Bücher von Dörte Hansen gelesen hatten, beschlossen wir, dieses als nächstes zu besprochen. Einige hatten es schon gelesen und warnten uns, es sei nicht das Gleiche.

Stimmt. Der Anfang war etwas holprig, ich wusste zum Teil nicht, von wem jetzt geredet wurde und wie diese Menschen zueinander standen. Aber es wurde mit der Zeit besser. Nach etwas einem Drittel kennt man die ganze Kapitänsfamilie Sander, Hanne und Jens, und die erwachsenen Kinder, Ryckmer, Eske und Hendrik, die auf einer ungenannten Nordseeinsel wohnen. Viele der Bewohner leben vom Tourismus, da der Fischfang nichts mehr hergibt. Man sieht die Welt einmal durch die Augen der Vermieter und der Inselbewohner, die im Sommer all die Touristen über sich ergehen lassen müssen.

Aber auch der Inselpfarrer hat seine Probleme mit dem Leben dort. Das Meer ist so wunderschön, aber nicht unbedingt für diejenigen, die dort leben. Dörte Hansen hat diesen Menschen ein Denkmal gesetzt. Und ihrer Heimat.

Besonders gefallen hat mir Eske, die als Altenpflegerin arbeitet. Sie passt auch nicht so ganz in die Gemeinschaft, aber sie lebt ihr eigenes Leben. Und das ist gut so.

Unter anderem interessiert sie sich für untergehende oder bereits gestorbene Sprachen aus dem Norden Europas. Gàidhlig (schottisch-gälisch), Ingwäonisch (nordseegermanisch), Norn (nordgermanisch). Und genauso für Stätten, die im Meer versunken sind. Atlantis, Rungholt, Doggerland, Vineta. Zu letzterem habe ich ein interessantes Buch gelesen:

"Vineta. Die Wiederentdeckung einer versunkenen Stadt" von Klaus Goldmann und Günter Wermusch.

Dies passt natürlich wieder zum Thema.

Auch mein Lesekreis war ganz begeistert von dieser Geschichte. Jemand sagte, sie hat es geschafft, uns die unterschiedelichen Charaktere so nahezubringen. Und auch das Verschwinden der Natur und Kultur wurde sehr gut dargestellt.

Wir waren uns alle einig, dass wir auch ein viertes Buch der Autorin wieder lesen würden und hoffen, dass sie bald eines schreibt.

Buchbeschreibung:

"Die Fähre braucht vom Festland eine Stunde auf die kleine Nordseeinsel, manchmal länger, je nach Wellengang. Hier lebt in einem der zwei Dörfer seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben. Nun hat ihr Ältester sein Kapitänspatent verloren, ist gequält von Ahnungen und Flutstatistiken und wartet auf den schwersten aller Stürme. Tochter Eske, die im Seniorenheim Seeleute und Witwen pflegt, fürchtet die Touristenströme mehr als das Wasser, weil mit ihnen die Inselkultur längst zur Folklore verkommt. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Er ist der erste Mann in der Familie, den es nie auf ein Schiff gezogen hat, nur immer an den Strand, wo er Treibgut sammelt. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht.

Klug und mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Wandel einer Inselwelt, von alten Gesetzen, die ihre Gültigkeit verlieren, und von Aufbruch und Befreiung."

Donnerstag, 13. März 2025

Oates, Joyce Carol "Sexy"

Oates, Joyce Carol "Sexy" (Englisch: Sexy) - 2005

Es ist immer ein Vergnügen, ein weiteres Buch von Joyce Carol Oates zu lesen, auch wenn die meisten davon keine glücklichen Bücher über glückliche Menschen sind. Es sind echte Bücher über echte Menschen.

Wie dieses. Es ist faszinierend, wie sie es immer wieder schafft, in die Köpfe der Menschen einzudringen, uns zu erklären, wie andere denken, was ihre Ideen sind, ihre Überzeugungen. Ihr Sprachverständnis ist ebenso groß wie ihre Empathie.

Dies ist ein Roman für junge Erwachsene, der aber auch Erwachsenen Freude bereiten kann. Eigentlich denke ich, dass er von allen Erwachsenen gelesen werden sollte, die einen Teenager im Haus haben, es steckt so viel darin, so viele Erkenntnisse, die einem die eigenen Kinder nicht vermitteln. Sagt die Mutter zweier Jungen. Ich kenne viele Teenager, die nie mit ihren eigenen Eltern über persönliche Dinge sprechen, und das wird in dieser Geschichte so gut dargestellt. Die Verwirrung in ihren Köpfen wird zu Papier gebracht, aber auf eine Weise, die uns ihre Verwirrung und ihren Umgang damit verstehen lässt.

Wie die meisten meiner Leser wissen, ist JCO eine meiner Lieblingsautorinnen und diese Geschichte ist, wie alle ihre anderen, faszinierend.

Buchbeschreibung:

"Darren ist schüchtern, aber beliebt: Die Jungen mögen ihn als Kumpel, die Mädchen finden ihn sexy, und die Lehrer glauben, er habe großes Potenzial - nicht nur als Sportler. Nur Darren selbst weiß nicht so recht. Doch als es darum geht, Stellung zu beziehen und eine Intrige gegen seinen Englischlehrer zu vereiteln, schafft er es nicht."

Samstag, 4. Januar 2025

Follett, Ken "Kinder der Freiheit"

Follett, Ken "Kinder der Freiheit" (Englisch: Edge of Eternity) (Jahrhundertsaga #3) - 2014

Als ich zum ersten Mal von einer Trilogie über das vergangene Jahrhundert erfuhr, in der sich jeder Teil auf einen anderen Krieg konzentriert: den Ersten, den Zweiten und den Kalten, dachte ich, der letzte könnte mich am wenigsten interessieren. Schließlich war ich dort, ich habe den Kalten Krieg erlebt, ich erzähle meinen Kindern immer wieder, wie es war – und langweile sie wahrscheinlich zu Tode.

Allerdings war ich nur während eines Teils des Kalten Krieges dort, ich habe nur den westdeutschen erlebt, nicht den ostdeutschen, den russischen oder den amerikanischen. Ich denke, mein Teil war dem der englischen und walisischen Familien in der Geschichte am nächsten, schließlich hatten wir freie Wahlen und konnten tun, was wir wollten.

Wie in den vorherigen Teilen stellt der Autor die Charaktere der verschiedenen Familien nacheinander vor und die meisten von ihnen stehen wichtigen Personen sehr nahe. Sie arbeiten entweder für Martin Luther King und Robert Kennedy, Chruschtschow oder es gibt eine fiktive Figur, die Solschenizyn ähnelt ... viele wahre Lebensverbindungen, die erklären, was damals passiert ist. Natürlich wusste ich über die Bürgerrechtsbewegung Bescheid, aber dieses Buch hat mir mehr darüber beigebracht und ich bin sicher, dass es anderen mehr über die Teile beibringt, die sie nicht kennen.

Ich war überrascht, dass einige Leute dieses Buch schlecht bewertet haben, ich denke, das liegt hauptsächlich daran, dass sie mit der Art und Weise, wie die Geschichte dargestellt wurde, nicht einverstanden waren, ihre Ansichten wichen ein wenig (oder sehr) von denen von Ken Follett ab. Verglichen mit amerikanischen Republikanern scheinen die meisten Europäer Kommunisten zu sein und das ist für sie das Schlimmste von allen.

Nun, mir haben alle drei Bücher gefallen. Sehr sogar. Ich habe die Charaktere liebgewonnen und fühlte mich, als wäre ich Teil ihrer Familie oder zumindest eine enge Freundin von ihnen. Insgesamt habe ich etwa 3.000 Seiten voller wunderbarer Geschichten gelesen. Und ich bin immer noch erstaunt über die Menge an Recherche, die Ken Follett dafür betrieben haben muss.

Buchbeschreibung:

"Der Krieg ist zu Ende, doch die Welt ist noch immer in Aufruhr. In Berlin wird eine Mauer errichtet, die Ost und West trennt und Millionen Familien zerstört. Nicht alle finden sich damit ab - trotz der Gefahr für Leib und Leben. Zur gleichen Zeit kämpfen die Schwarzen in Amerika für ihre Bürgerrechte, und die USA und die Sowjetunion stürzen sich in eine Auseinandersetzung, die die Welt an den Rand der Katastrophe führt. Wem kann man noch trauen in dieser Zeit, in der die Welt mehr als einmal am Abgrund steht?"

Und dies sind die ersten beiden Bücher der Trilogie:
Follett, Ken "Sturz der Titanen" (Fall of Giants) - 2010 - 1. Weltkrieg
Follett, Ken "Winter der Welt" (Winter of the World) - 2012 - 2. Weltkrieg

Dienstag, 12. November 2024

Tremain, Rose "Und damit fing es an"

Tremain, Rose "Und damit fing es an" (Englisch: The Gustav Sonata) - 2016

Dies ist mein zweites Buch dieser Autorin. Ich habe zuvor "Music and Silence" (Melodie der Stille) gelesen, das in Dänemark im 17. Jahrhundert stattfindet. Dieses hier handelt von der Schweiz im 20. Jahrhundert. Nun, insbesondere von einem Jungen. Er wird kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und wir sehen ihn ohne seinen Vater aufwachsen, der kurz nach der Geburt Gustavs stirbt, mit einer Mutter, die verbittert ist, ohne dass ihr Sohn weiß, warum. Er findet es nach vielen Jahren heraus.

Dies ist eine schöne Geschichte über Freundschaft, die alles übersteht – Liebe, Verrat, Leben und Tod. Kurz und leicht zu lesen.

Buchbeschreibung:

"Und damit fing es an ist ein zarter, bewegender Roman, der davon erzählt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht.

Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Schon in den 40er-Jahren, als Kind in ärmlichen Verhältnissen, hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Seine Mutter Emilie sieht das nicht gerne, aber für Gustav ist Anton alles, was er braucht, um glücklich zu sein. Doch das Leben treibt sie auseinander und es wird lange Jahre dauern, bis beide sich wiedersehen – und erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag."

Mittwoch, 6. November 2024

Herrndorf, Wolfgang "tschick"

Herrndorf, Wolfgang "tschick" - Why We Took the Car - 2010

Dieses Buch wurde mir von meinen Lesekreisdamen ans Herz gelegt, sie hatten es schon vor einiger Zeit gelesen.

Zwei Jungs aus unterschiedlichem Milieu aber trotzdem einem ähnlichen Schicksal. Und beide Außenseiter.

Ich fand den Roman sehr unterhaltsam, aber auch sehr mitfühlend. Man konnte sowohl lachen als auch weinen bei den Erlebnissen der Beiden.

Was soll ich sagen, es war wirklich ein tolles Leseerlebnis.

Buchbeschreibung:

"Zwei Jungs. Ein geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland.

Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz."

Montag, 23. September 2024

Evaristo, Bernhardine "Mädchen, Frau, etc."

Evaristo, Bernhardine "Mädchen, Frau, etc." (Englisch: Girl, Woman, Other) - 2019

Dieses Buch wurde von einem Mitglied unseres Lesekreises empfohlen, aber nicht ausgewählt.

Ich muss zugeben, der Roman war nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ich habe die Beschreibung wohl nicht gut genug gelesen, aber irgendwie dachte ich, es ginge hier hauptsächlich um Immigranten und Rassismus in Großbritannien. Und das war es auch, teilweise. Aber das war nicht das Hauptthema, zumindest sah es nicht so aus. Die ersten paar Frauen, von denen die Autorin spricht, sind alle Lesben, später haben wir auch nichtbinäre Menschen. Aber es sind so viele Personen. Jedes Kapitel bringt neue Charaktere, die in späteren Kapiteln vielleicht wieder auftauchen oder auch nicht. So fühlt es sich wie eine Ansammlung von Kurzgeschichten an (die ich nicht wirklich mag). Erst gegen Ende bekommt man ein Gefühl, wer zu wem gehört, wo die Verbindungen zwischen den Kapiteln sind. Es war alles ein bisschen verwirrend.

Ich habe das schon einmal gesagt und werde es noch einmal sagen, ich bin kein Fan von Booker-Preisträgern, es gibt immer etwas, das mir nicht passt. Und oft kann ich nicht einmal sagen, was es ist. Ich hätte mir definitiv mehr zum Thema Rassismus gewünscht.

Buchbeschreibung:

"Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre älteste Freundin Shirley hingegen ist nach der Arbeit an unterfinanzierten Schulen ausgebrannt. Carole verdankt ihrer ehemaligen Lehrerin Shirley viel, sie arbeitet inzwischen als Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi gründet eine Reinigungsfirma, um auf eigenen Füßen zu stehen ... Auch wenn diese Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen erzählen alle von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden."